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Full text of "Abhandlungen der Historischen Classe der Königlich Bayerischen Akademie der Wissenschaften"

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ABHANDLUNGEN 

DER 

' . HISTORISCHEN  CLASSE 

DER  KÖNIGLICH  BAYERISCHEN 

AKADEMIE  i.™  WISSENSCHAFTEN. 


FÜNFZEHNTER  BAND. 

IN  DER  REIHE  DER  DENKSCHRIETEN  DER  UV.  HAND. 


M C N C H E N 
1880 

VERLAG  DER  K.  AKADEMIE. 

IN  COMMISSION  BEI  G.  FRANZ. 


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Die  VerhancUuiigeii 

über  die 

Nachfolge  Kaiser  Eudolfs  II. 

in  den  Jahren  15B1  — 1Ö03. 


Von 

Felix  Stieve. 


Abb.  d.  Ill.a.d.k.  Ak.  d.  Wus  XV.  Bd.  I.  Abth. 


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Die  Verhandlungen 

Über  die  Naehfolge  Kaiser  Rudolfs  II. 

in  den  Jahren  1581 — 1602. 


Voo 

Felix  Stieve. 


I. 

Der  Gedanke,  einen  der  Brüder  de»  unvennählten  Kaisers  Rudolf  II 
bei  dessen  Lebzeiten  zu  seinem  Nachfolger  im  Reiche  und  in  den  öster- 
reichischen Huusländem  ernennen  zu  lassen,  wui'do,  soviel  die  dürftigen 
Nachrichten,  welche  uns  ülxsrliefert  sind'),  bekunden,  zueret  im  Anfänge 
des  Jahres  1581  durch  Erzherzog  Karl  von  Innerosterreich  in  Anregung 
gebracht. 


1)  Dia  Archiv  Bodolfs  II.  iafc  bia  aof  die  BcichstagsacUD  vcrmuthlich  bei  der  Einnihmc 
der  Kleinteite  Priga  durch  die  Schweden  im  Jahre  1648  — beinahe  völlig  viTnichtei  oder  ver- 
•ebleppt  worden.  Wie  für  die  ganxe  Regiernagageachiehte  dea  Kaiaera  alnd  wir  daher  auch  f&r 
die  Nachfolgefrage  vorzogaweise  auf  fremde  Quellen  angewieaen.  Von  diesen  würden  hier  die 
Archive  der  Erthenoge  Matthiaa  und  Maximilian  und  dea  ChurfÜraten  von  Köln  die  wich* 
tigaten  und  reichsten  aeiu.  Aach  sie  sind  jedoch  gröaatentbeils  verloren  gegangen.  Eine  er* 
aeböpfende  Kenntnis  der  Verhandlungen  iat  daher  nicht  tu  gewinnen.  Meine  archivalischen 
Forachungen  beginnen  entsprechend  meinen  Arbeiten  für  die  Historische  Commission,  welchen 
diese  Abhandlung  ihre  Entstehung  verdankt,  mit  dem  Jahre  1591.  Wenn  ich  xeho  Jahre  weiterzu- 
rückgebe,  geschieht  es  nur,  um  die  mir  gelegentlich  zu  Hunden  gekommenen  Actenstücke  und  Nach- 
richten künftiger  Forschung  zugänglich  zu  machen  und  dieser  vorzuarbeiten.  — Zur  Bezeich- 
nung der  Archive  und  Urkunden  wende  ich  dieselben  Abkürzungen  wie  bei  Herausgabe  der 
Briefe  und  Acten  zur  Qeachiebte  des  dreisaigjährigea  Kriege«  [a.  Band  IV  ä.  XVJ]  an.  In  der 
Datierung  folge  ich  stet«  dem  neuen  Kalender. 

1* 


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Des  Kaisers  Gesundheitszustand  rief  damals  die  Besorgnis  wach, 
dass  dereelbe  plötzlich  aus  dem  Lelren  scheiden  und  so  ein  Interregnum 
herbeigeführt  werden  könne  *).  Dieses  zn  verhüten,  hielt  Karl  für  drin- 
gend geboten.  Er  war  überzeugt,  da-ss  sein  Haus  sonst  Gefahr  laufe,  der 
Kaiserkrone  verlustig  zu  gehen  imd  der  Stütze  beraubt  zu  werden,  welche 
ihm  der  Besitz  jener  gegenüber  seinen  zahlreichen  offenen  und  geheiineu 
Feinden  im  Reiche  und  im  Auslände  gewährte.  Die  Behauptung  Unganis 
und  die  Abwehr  der  Türken  waren  ferner  durch  die  Hülfen  bedingt, 
welche  die  deutschen  Stände  den  Kaisern  leisteten,  und  die  Erhebung 
eines  Erzherzogs  zum  römischen  Könige  erschien  eben  desshalb  zugleich 
als  Bürgschaft  dafür,  dass  dessen  Wahl  in  Ungarn  und  Böhmen  erfolgen 
werde,  üeberdiess  fürchtete  Karl,  dass  seine  eigenen  Lande  den  Angriffen 
der  Türken,  welche  wiederholt  grössere  Einfälle  in  dieselben  unternahmen, 
und  der  Venetianer,  mit  denen  er  in  mannigfache  Händel  verwickelt 
war,  rasch  erliegen  würden,  wenn  sein  Haus  auch  nur  vorübergehend 
jene  Machtstellung  verlöre,  welche  ihm  selbst  starken  Rückhalt  bot. 

So  suchte  er  sich  denn  mit  seinem  Bruder  Ferdinand  von  Tirol  tmd 
seinen  Neffen  Ernst  und  Maximilian  über  gemeinsame  Schritte  zu  ver- 
ständigen , welche  zunächst  die  Sicherung  der  Nachfolge  im  Reiche  be- 
wirken sollten.  Vielleicht  betrieb  er  diese  dann  selbst,  als  er  im  Mai 
nach  Prag  und  im  Juni  von  dort  nach  Dresden  reiste  ®),  wie  vennuthlich 
auch  er  es  veranla.sste , dass  I'hurfiirst  Daniel  von  ,Mainz  den  Kaiser 
durch  einen  Gesandten  ermahnte,  die  Wahl  eines  römischen  Königs  zu 
befönlem.  *) 


2)  Vffl.  Hart«r  FerJin«nd  II,  II,  313  fg.  Chf.  Daniel  von  Mainz  »chrieb  am  10.  April  1.V<1 
aus  Lohr  an  di-n  Chf.  von  Trier:  Der  Kaiser  ist  „mit  ^«farlieber  und  sollicher  qds  zuvor  uiibe* 
wDsster  leibsschvraehoit  noch  iminerdar  bibafftet  onrl  [hat]  daiaelb  zugestanden  ungemach  so 
lang  verhelet,  daaa  ea  Oberhand  genommen  und  *o  weit  eingewurzelt,  dass  es  alle  medicin  and 
vleissder  erfarnen  ehirargen  wenig  helfen,  und  dann  durch  tegtich  Zufälle  also  maceriert  und  ab- 
gcnomin>‘n,  dass  J.  Mt.  in  grosser  leibsgefar  gestanden  und  derselben  noch  in  keinem  weg  ge* 
sichert  seien.“  Trier  möge  daher  sein  Gutachten  geben,  wie  dem  grossen  Unheil,  welches  dem 
Reiche  durch  ein  Interregnum  drohe,  vorzubeugen  sei.  Wm.  Suceewionswesen  I,  n.  l Cpt. 

‘D  Khevenhiller  Aunales  Kerdinandei  I, 

4)  Instruction  des  Chf.  von  Mainz  v.  25.  Juni  mit  Creditiven  an  den  Reichsvlcekanzler 
Vieheuser,  den  Geheimen  Rath  Fn*iherrn  Hans  von  Traotaun,  den  ObersthofmeUter  Freiberm 
A<lam  TOD  Dietricluitein,  den  böhmischen  Obrratkanzler  Wratislaw  von  Bernstein  und  den  |>apst> 


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o 

Rudolf  scheint,  obwohl  sein  Befinden  sich  gelx'ssort  hatte,  die  seinem 
Hause  durch  ein  Interregnum  drohende  Gefahr  gewürdigt  zu  haben. 
Wie  er  jetzt  die  zwei. Jahre  vorher  hinausgeschobene  Einwilligung  dazu 
ertheilte  , dass  seine  Mutter  Älaria  nach  Spanien  reise,  um  seine  Ver- 
hcirathung  mit  Isabella,  der  Tochter  Philipps  II..  zu  verabreden*),  so 
bat  er  den  Clmrfürsten  August  von  Sachsen  im  October  1581  bei  Ge- 
legenheit eines  Beeuches,  den  ihm  derselbe  abstattete  *),  und  dann  wieder 
im  Sommer  1582  auf  dom  Reichstage  zu  Augsburg,  welchem  beide  jier- 
Bönlicl}  anwohnten,  seine  Unterstützung  z>ir  Ordnung  der  Nachfolge  zu 
leihen. 

Beide  Male  versprach  Anglist,  sich  mit  dem  Churfüi'ston  von  Mainz*) 
ins  Einvernehmen  zu  setzen,  doch  unterliess  er  es,  das  erste  iMal,  weil 
sich  ihm  keine  Gelegenheit  bieten  mochte,  das  andere  Mal,  weil  er  kurz 
nach  dem  Ansuchen  «les  Kaisere  von  Augsburg  abreiste.  ®) 

Rudolf  drang  in  der  nilchstfolgenden  Zeit  auch  nicht  weiter  in  ihn, 
da  der  Uebertritt  des  Churfürsten  Gebhard  von  Köln  zum  Protestantismus 
und  der  dadurch  hervorgerufene  Krieg  einstweilen  die  Kriwligung  der 
Angelegenheit  unmöglich  machte.  Kaum  war  jedoch  Gebhaixl  durch  den 
vom  Domcapitel  an  seiner  Statt  erwühlten  Herzog  Ernst  von  Baiern 
überwunden  worden,  als  Rudolf  den  Umstand,  dass  Churfürst  August  an 


lieben  Nantias  Giovanni  Francesco  Donomo,  Bischof  von  VerceUi.  Wm.  Succe$sionswescn  I, 
n.  2 Cpt.  VgL  oheo  Änm.  2.  Beber  die  Veranlassung  und  den  Verlauf  der  Gesandtschaft 
geben  die  iDckenhaften  Acten  keine  weitere  Nachricht. 

5)  KherenhilUr  I,  116  u.  m. 

6)  Ob  Erzhz.  Karl  den  Besuch  veranlasst  hatte,  ist  nicht  ersichtlich, 

7)  Vielleicht  war  eine  Anmahnung  der  Erxberzogc  vorausgegangen.  Vgl,  Hurter  II,  :U7« 

8)  Den  ChurfSraten  Wolfgang  von  Haint,  der  am  20.  April  1682  auf  Daniel  gefolgt  war.  frug 
Rudolf  wahrend  des  ReichUges  „privatim“,  ob  er  wisse,  was  sein  Vorgänger  bei  ihm  der 
Nachfolge  halber  Tertranlich  angebracht  habe;  Wotfgang  verneinte  e«i  er  sei  erst  so  korxe 
Zeit  im  Amte;  daranf  liess  der  Kaiser  die  Sache  ruhen.  Protokoll  einer  Unterredung  xwiseben 
den  CbfT.  von  Mains  und  Sachsen,  11.  Juli  1584,  Wm.  Success.  1,  n.  8.  Da  nur  von  Pfalz 
und  Brandenburg  Schwierigkeiten  so  besorgen  waren  nnd  er  einmal  Sachsen  sur  Betreibung 
der  Angelegenheit  aufgefordert  hatte,  mochte  es  Rudolf  geeignet  ertebeioen,  jenem  die  Initia- 
tive ganslich  sn  Qberlassen. 

9)  Rudolf  an  Chf.  August  14  Juni  1.584  Ä.  a.  0.  n.  4 Copie.  Vgl.  Harter  VI,  424  fi.,  der 
diese  nnd  die  im  Folgenden  zu  erwähnenden  ActenstQcke  des  angeführten  mainzer  Bandes  mit 
der  ihm  eigenen  Flüchtigkeit  benutzt  bat. 


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den  Rliein  ins  Bad  reiste,  benutzte,  um  ihn  im  Juni  1584  dringend  zur 
Erfüllung  seiner  früheren  Zusagen  aufzufordern.  ’®) 

August  entsprach  dem  Ansinnen  und  stattete  dem  Churfürsten 
Wolfgang  von  Mainz , den  er  sclion  vorher  im  Vorheireisen  begrüsst 
hatte,  einen  zweiten  Besuch  in  Mainz  ab,  wo  auch  der  Churfürst  Johann 
von  Trier  oben  anwesend  war. 

Die  beiden  Geistlichen  galjen  seinen  Vorschlägen  bereitwillig  Gehör 
Mit  der  Neigung  für  das  Haus  OesteiTeich  verband  sich  in  ilmen  gegen- 
über den  Ereignissen  des  kölner  Krieges  und  gegenüber  der  steigenden 
Erregung  und  Geschäftigkeit  der  protestantischen  Bewegungspartei  die 
Sorge , dass  diese  ein  Interregnum  benutzen  könne , um  über  die  des 
kaiserlichen  Schutzes  beraubten  Reichsstifter  herzufallen  und  um  die 
kirchlich  - politischen  Forderungen , für  welche  sie  seit  Jahren  auf  den 
Reichstagen  stritt,  gewaltsam  durchzusetzen.  Minde-stens,  glaubte  man, 
werde  sie  der  Wahl  eines  katholischen  Kaisers  heftigen  Widerstand  ent- 
gegenstellen und  da  die  kaiserlichen  Befugni.sse  während  der  Erledigung 
des  Thrones  an  die  Reichsvicare , die  Churfürsten  von  Sachsen  und  von 
der  Pfalz,  übergingen,  hielt  man  für  gewiss,  dass  der  heidelberger  Hof 
dieselben  zu  Gunsten  der  eigenen  Partei  ausbeuten  werde.  ")  Lag  doch 
dort  die  Regierungsgewalt  in  den  Händen  des  unruhigen  und  leiden- 
schaftlichen Pfalzgi-afen  Johann  Casimir,  welcher  für  Gebhard  Truch.sess 
ein  Heer  ins  Feld  geführt  hatte. 

Die  Vornahme  der  Reichswahl  erschien  indess  von  zwei  Bedingungen 
abhängig.  Einerseits  musste  zunächst  „das  Churfürstencollog  ergänzt“, 
diis  heisst,  der  neue  Erzbischof  von  Köln  von  den  übrigen  Churfürsten 


10)  Durch  <Uh  in  der  vorhergehenden  Aomerkun;  erw&hnte  Schreiben,  ln  einem  eigenhandif^cn 
Briefe  fügte  dann  der  Kaiser  bei:  „Uochgeborner.  lieber  oheim  und  ehurfüret.  Kacbdem  E.L. 
wol  erwegen  kennen,  wass  an  der  successionsachim  gelegen , so  bab  ich  nit  ambgehen  wöUen, 
E.  L.  auch  dieeer  Zeit  aafs  neue  daran  tu  erinnern,  und  bin  der  UDgczweifelten  Zuversicht, 
E.  L.  werde  derselben  als  einer  so  wichtigen  sacb  mit  allem  treuen  fleiu  nachzudenken  vor 
sich  selbst  geneigt  sein  und  an  Ir  nichts  envinden  lassen,  so  zu  dern  befürdening  ditilich  sein 
mag,  dargegen  E.  L.  sich  gentlicb  dessen  tu  getröatcn,  das,  wasa  hierinnen  gehandlet,  in  bester 
geheimt  solle  gehalten  werden,  wie  auch  das,  so  ich  K.  L.  anssfOrlicher  diesser  Sachen  halb 
schreib,  von  einer  vertranten  hand  geetelt  ist.  Datnm  Prag  den  I^wiunil  ao.  1544.“  Das.  Copie. 

11)  Vgl,  die  Besorgnisse,  die  man  schon  1575  hegte,  in  der  Relation  des  Venetianers  Tron  bei 
Alberi  Relationi  dcgli  ambasciatori  Veneti.  I,  t.  VI,  DH  f. 


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durch  die  Aufi&hme  in  den  Churvorein  als  Mitglied  des  CSollegs  aner- 
kannt werden.  Anderseits  hielt  man  für  noth wendig,  das.s  dem  zum 
römischen  Ktinigo  zu  Wühlenden  vorher  die  Nachfolge  in  Böhmen  ge- 
sichert werde,  weil  dies  seit  den  luxemburgischen  Königen  üblich  war 
und  weil  die  Verfassung  des  Reiches  und  des  Churfürstencollegs  zur 
Voraussetzung  hatte,  das.s  die  bömische  Krone  imd  Chur  im  Besitze  des 
Kaisers  seien.  In  diesem  Sinne  änsserten  sich  daher  die  zu  Mainz  Ver- 
sammelten in  einem  von  Sachsen  entworfenen  Schreiben  an  den  Kaiser.  '*) 

Sofort  veisjjrach  darauf  Rudolf,  ohstens  für  die  Ordnung  der 
böhmischen  Njtchfolge  zu  sorgen  und  forderte  die  Churfürsten  von  Mainz 
imd  Snehstm  auf,  sich  ihrerseits  eifrig  angelegen  sein  zu  lassen,  da-ss  das 
„hochnothwendige  Successionswerk“  im  Reiche  gefördert  werde  und  der 
Churfürst  von  Brandenburg  in  die  Anerkeimung  des  Churfürsten  Ernst 
von  Köln  willige.  '*) 

Zu  letzterer  hatte  sich  August  von  Sachsen  schon  vorher  auf  An- 
dringen von  Mainz  bereit  erklärt  und  versprochen,  sich  dafür  bei  Branden- 
burg zu  verwenden.  '*)  Ende  October  1584  kam  er  demgemüss  zu 


12)  Protokoll  <ler  am  ll.JaU  za  Mainz  {^obalUncn  Ikaprccbunff,  Wm.a.  a.0.  q.  3.  Zanachst  rerhan 
dtilte  Gif.  Aai^azt  notor  Zutiebuof;  aeinc«  Rathea  Dr.  David  Pfeifer  mit  Chf.  Wolf^ang»  dem 
sein  Hofineiat«?r  Hartinnt  von  Kronberg  zar  Seite  war,  dann  Wolfgaog  mit  Trier;  daranf  fand 
eine  getm-inaanie  Berathong  atait.  Daa  Schreiben  an  den  Kaiser  am  12.  Jali,  daa.  n.  5 Cpt. 

13)  Rudolf  an  Mainz  28.  Juli  1584,  a.  a.  0.  n.  6.  Orig.  In  einer  eigenhändigen  Nachschrift  be- 
merkte der  Kaiser:  „Ich  bab  zu  somlcm  gefahlen  und  dank  vernommen,  was  E.  L.  mit  beiden 
ebarfoTitea  Trier  und  Saebaen  vertreulich  gehandelt  Zweiffle  nit,  E.  I*.  werden  Jer  noch 

^ ferner  dise  Sachen  treulich  angelegen  sein  lassen.  Das  bin  ich  in  aller  freundsehaft  und  gutten 
zu  beschulden  wol  geuaigt.** 

14)  Die  Nachrichten,  welche  das  oben  erwähnte  mainzer  Protokoll  über  diese  Angelegenheit  gibt, 

glaube  ich,  hier  mittheilen  zu  sollen.  Nachdem  Sachaen  über  das  kaiserliche  Schreiben  wegen 
der  Wahl  Bericht  erstattet  hatte,  bemerkte  Mainz  durch  Kronberg:  Sachaen  wird  sich  erinaem, 
was  beide,  als  August  anf  der  Hinaufreiae  hier  war,  wegen  des  neuen  Churfürsten  von  K5In 
und  wegen  des  nach  Rotenburg  a.  T.  ausgeschriebenen  Tages  besprochen  halten.  August  hat 
zu  verstehen  gegeben,  er  wolle  Ernst  anerkennen  und  Brandenburg  dafUr  zu  gewinnen  suchen, 
sich  aber  auch  durch  dessen  Weigerung  nicht  beirren  lassen;  mithin  sei  er  der  Aufnahme 
Ernsta  in  den  Churfünitenvereiii  nicht  entgegen  und  er  werde  seinen  Gesandten  nach  Roten* 
bürg  solche  Befehle  ertheilcii,  dass  dort  keine  „Nullität"  begangen  Erst  vor  wenigen 

Tagen  ist  wieder  ein  Gesandter  Emsts  hier  gewesen  und  hat  die  Aofnahme  ,,aufs  heftigste 
urgiert/*  Mainz  hoifl  also,  dass  sieh  August  seiner  früheren  KrkUrnog  gemäss  den  Vollzug 
derwlben  nicht  zuwider  sein  lassen  wird.  August  erwiderte  durch  Pfeifer:  Er  lat  nach  wie 

. vor  begierig,  die  Einigkeit  ira  ChuifÜrstcncolleg  za  befördern,  kann  aber  Brandenburg  nicht 


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Ck)ttbu8  mit  Johiinn  Georg  zusaimnen.  Dieser  zeigte  sich  zur  Förderung 
der  Ueichswald  geneigt,  der  Aufnahme  Ernsts  in  den  Churveroin  dagegen 
verweigerte  er  seine  Zustiunnung  **),  obgleich  dioselljc  inzw’ischen  tereits 
durch  Trier  auf  die  Erklärungen  Sachsens  hin  vollzogen  worden  war.  '*) 

Auf  den  Bericht  über  den  cottbuser  Tag  crwidei-te  nun  Iludolf  dem 
Churfursten  von  Mainz  *’)  lediglich  mit  einer  Erörterung  der  kölner 
Frage:  der  Nachfolge  geilachte  er  mit  keinem  Worte  mehr  und  auch 
in  den  folgenden  Jahren  kam  er  nicht  w'ieder  auf  sie  zurück. 

Ihrer  l'\>st8etzung  stellte  Brandenburgs  Weigerung  in  der  Tliat  ein 
ernstliches  llindemiss  in  den  Weg.  Man  konnte  nicht  daran  denken, 
einen  Wahltag  ohne  Zuziehung  des  kölner  Erzbischofs  zu  halten,  denn 
dadurch  wäre  die  Rechtmässigkeit  seiner  Wahl  und  die  Gültigkeit  des 
geistlichen  Vorbehalts  in  Frage  gestellt  woixlen.  .\nderseits  war  es  ge- 
wiss, dass  der  Administrator  der  Churpfalz  gegen  Ernsts  Theilnahme 
entschieden  Verwahrung  einlegen  und  dass  er  ebenso  der  Wahl  eines 
römischen  Königs  ülwrhaupt  widerstreben  wenle.  Deshalb  war  bei  den 
bisherigen  Verhandlungen  von  ihm  gar  nicht  die  Ke<le  gewesen.  Mau 
hatte  gehofft , durch  die  Flinigung  der  übrigen  Chui-fürsten  Johann 
Casimir  zum  Anschlus.se  zu  nöthigen.  Jetzt  war  diese  Berechnung  hin- 


vorgreit«D.  Was  Kotenbarg  betrifft,  so  ist  ihm  Ton  seinen  Ruthen  «lie  Resolution  des  Kaisers 
saf^escbickt  Ironien.  Dieser  meint  es  gans  trenlierxig  and  seine  Absicht  gereicht  xarSicberang 
der  frankfurter  Handlung,  die  auch  auf  eine  „Contentation**  ging.  August  hat  also  teinea 
Rithen  befohlen,  der  ksl.  Resolution  entsprechend  su  stimmen.  Mainz  antwortete  hierauf  per- 
sönlich: Dass  Sachsen  mit  Ürandenburg  borathen  will,  kann  er  ihm  nicht  venlenken;  aus  dem 
▼origen  Oesprich  aber  hat  er  rersUnden,  data  Sachsen  auch  dann,  wenn  Brandenburg  noch 
Bedenken  habe,  Ernst  den  chnrfQrstlicben  Titel  geben  wolle  und  ihn]  demzufolge  dessen  so- 
fortige Aufnahme  in  den  Verein  nicht  zuwider  sei.  Auf  diese  Krkl&rung  hin  liat  Mainz  nicht 
nur  mit  dem  Kaiser  und  mit  Trier  etwas  daniu.<i  communiciert,  sondern  ist  auch  im  Werke, 
Emst  zum  Vollzog  der  Aufnahme  zu  berufen.  Längerer  Vertag  wOrde  grosse  Gefahr  bringen. 
Den  rotenburger  Tag  betreffend,  versteht  er  Sachsen  dahin . dass  dieses  es  durchaus  bei  dem 
Religionsfrieden  lassen  will.  ~ Eine  Erwiderung  .Sachsens  erwähnt  Jas  Protokoll  nicht  Nach 
dessen  Angaben  sind  die  hei  Häberlin  Neueste  Teutacbe  ReiclMgeschicbte  Xlll,  ^540  zu  be- 
richtigen. Vgl.  auch  Joannis  Scriptores  rerum  Moguntineosium  J,  8dÖ  und  Broweruz  An- 
nales  Trevirenses  II,  4'2ü. 

15)  Die  ChurfQrstva  von  Sachsen  und  Brandenburg  an  den  Kaiser,  Cottbus  15/25  October  15»^, 
Wm.  Sucoessionswesen  1,  n.  9 Cople. 

16)  Haeberlin  XIII,  :UI. 

17)  12.  Januar  1.VM5  Wm.  Succesa.  I,  n.  10  Or. 


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fällig  geworden.  Es  konnte  daher  dem  Kaiser  geboten  erscheinen,  seine 
Bemühungen  zunäclist  darauf  zu  richten,  dass  der  Churfürst  von  Köln 
durch  Brandenburg  anerkannt  werde.  Wir  wissen  nicht,  ob  er  dieses 
Ziel  zu  verfolgen  foitfuhr  und  es  erreichte.  Wahrscheinlich  erfolgte  die 
Anerkennung  Emsts  erst  im  Jahre  1586  stillschweigend,  indem  seine 
Gesjmdten  zum  Beichsdeputat ionstage  zugela.ssen  wurden  und  eine  Ver- 
wahrung Gebhards  '*)  unbeachtet  blieb.  Atif  demselben  Tage  ti-at  jedoch 
der  Zwiespalt  zwischen  den  Parteien  im  Iteich  so  schroff  hervor  und  in 
den  folgenden  Jahren  wuclw  des.sen  Schäi-fe  so  st?hr,  dass  der  Versuch, 
die  Wahl  eines  Erzherzoges  zum  römischen  Könige  zu  bewirken,  von 
vornherein  als  aussichtslos  erscheinen  musste.  Nicht  einmal  einen  Reichs- 
tag wagte  der  Kaiser  zu  berufen.  '*) 

Diese  ausseren  Umstünde  können  genügen,  um  seine  Zurückhaltung 
in  der  Wahlfrage  zu  erklären.  Auffallend  bleibt  indess,  dass  er  die  An- 
gelegenheit, welche  er  bis  Ende  Juli  1584  offenbar  mit  Neigung  be- 
trieben hatte, ")  so  ))lötzlich  fallen  liess,  ohne  auch  nur  eine  Bemerkung 
darüber  zu  machen , und  d.'isa  er  nicht  wenigstens  die  in  Aussicht  ge- 
stellten Schritte  zur  Ordnung  der  Nachfolge  in  Böhmen  unternahm. 
Nichts  als  eine  Vermuthung  vermag  ich  zur  Erklärung  dieser  That.sachen 
zu  bieten. 

Rudolf  II.  hatte  die  Bemühungen  seiner  Mutter  um  seine  Verheirath- 
nng  mit  der  Infantin  Isabella  eifrig  unterstützt,  bis  am  20.  Jimi  1582 
Philipp  II.  einwilligte  und  verlangte,  da.s.s  er  seiner  Mutter  und  seinem 
Botschafter  in  Madrid , dem  Freiherrn  Johann  von  Khevenhüller  Voll- 
macht zum  Abschlüsse  des  Ehevertrages  ertheile.  Da  wich  er  zurück. 

Khevenhüller  schrieb  das  vornehmlich  cler  Einwirkung  d»«  Oberst- 
kämmerers  Wolfgang  von  Rum|)f  zu.  Dieser,  sagt  er,  hal>e  des  Kaisers 


18)  Haeberlin  XIV,  416  ff.  GeLharJ  spricht  dort  S.  422  nor  von  einigen  CharfursteQ,  die  sich 
zur  Aufnahme  Emsts  in  den  Churverein  hatten  bewe^^n  lassen.  Vgl.  die  Aufzeichnungen  Jo- 
hann Caeimirs  in  den  Quellen  nnd  Rrörteruogen  zur  Bajer.  nnd  Deutschen  Geschichte  VIII, 

m 392. 

19)  Vgl.  Briefe  und  Acten  t.  Owh.  de«  drei&eigj.  Krieges  IV,  1 ff.  und  141  ff. 

20)  Das  zeigen  seine  oben  mitgetheUten  eigenhändigen  Empfehlungen  und  die  SchnelUgkeit,  womit 
seine  Antwort  auf  das  mainzer  Schreiben  der  drei  ChurfQrstcn  erfolgte. 

Abh.  d Ilf . CI.  d.  k.  Ak.  d.  Wiss.  XV.  ßd.  I.  Abth  2 


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10 


Noiffung  zur  Zurückgezogenheit  und  zur  Beiichilftigung  mit  allerlei 
„Curiositäten"  benutzt,  um  die  Leitung  der  Geschäfte  an  sich  allein  zu 
ziehen  und  sich  zum  „Factotuni“  des  Kaisers  zu  machen  und  er  habe 
gefürchtet,  seine  Macht  nach  der  lleirath  Rudolfs,  die  anderen  Einflüssen 
Raum  schaffen  musste,  zu  verlieren,  ja,  weil  er  derselben  entgegenge- 
wirkt hatte,  durch  lsul>ella  vom  Hofe  entfernt  zu  werden. 

Wir  bisiitzen  über  Rudolfs  Persönlichkeit  und  Umgebung  aus  dieser 
Zeit  zu  wenig  Kunde,  um  zu  ent.scheiilen , ob  die  Anklage  des  freilich 
sonst  ti’efflich  unterrichteten  Botschafters  begründet  sei.  *')  Im  Wesen 
lies  Kaisers  lag  überhaupt  Abneigung  gegen  entscheidende  Schritte  und 
seiner  ganzen  Art  mnsston  der  Zwang  und  die  Unruhe  widerwärtig  sein, 
welche  eine  Ehe  und  namentlich  die  mit  der  Infantin  unvermeidlich 
nacli  sich  zog.  Anderseits  wirkte  auch  ein  j«litischer  Gedanke,  den  er 
selbst  gefasst  oder  sich  doch  Ijereitwillig  ungeeignet  hatten , auf  ihn  ein. 
Er  war  ganz  von  der  mittelalterlichen  Auttiwsung  der  Kaiserwünle 
durchdrungen,  welche  die  Herrschaft  ihres  Inhabers  über  Italien  voraus- 
setzte.  Diese  Herrschaft  zu  bewahren  und  herziistellen , erschien  ihm 
zugleich  als  Pflicht  gegen  das  Reich  und  die  Nation,  deren  Haupt  er 
war,  und  er  trug  um  so  mehr  Verlangen,  ihr  zu  genügen,  weil  er  ehr- 
geizig und  von  starker  Begehrlichkeit  nach  Erweiterung  seiner  Macht 
und  seines  Besitzes  erfüllt  war.  Wie  er  sich  daher  weigerte,  das  Reichs- 
vicariat  in  Italien  an  Spanien  zu  übertragen  und  wie  er  der  Festsetzung 
des.selben  in  den  dortigen  Reichslehen  widerstrebte,  so  verlangte  er,  dass 
das  Herzogthum  ^Mailand  als  Mitgift  Isabellens  dem  Reiche  zurückgegeben 
werde.  Dieser  Forderung  wollte  jedoch  Philipp  II.  nicht  Gehör  gel>eii.  •'-) 

Die  Mahmmgen  seiner  Mutter  und  Khovenhüllers  vermochten  nicht 
Rudolfs  Bedenken  zu  überwinden.  F'ort  und  fort  verschob  er  die  Aus- 
stellung der  Vollmacht  zum  Abschlüsse  des  Ehevertrags. 

Darüber  wurde  Philipp  II.  allmählich  ungeduldig  und  wandte  sich 
dem  Gedanken  zu , seine  Tochter  anderweitig  zu  vermählen.  Mit  ihrer 
Hand  konnte  aber , du  ihr  einziger  Bruder  noch  ein  Kind  und  sehr 
kränklich  war,  dem  Gatten  das  Erbrecht  auf  das  spanische  Reich  zu 


21)  Dagegen  sprechen  KheTenhöllers  eigene  Bemerbungen  Ännalcs  Fcrd.  V,  2221  fP. 

22)  Kftnke.  Zur  dentschen  (iescbichU  182  f.  Vgl.  KheTeobiller  IV,  ond  unUn. 


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Theil  werden,  und  vielleicht  hegte  auch  Philipp  schon  damals  den  Plan, 
die  Liehlingstochter  mit  den  Niederlanden  auszustatten. 

Diese  Aussichten  erschreckten  die  Kaiserin  - Mutter  und  Klioven- 
hüller.  Sie  glaubten,  das.s  es  das  Verderiwn  <ler  deutschen  Habsburger 
nach  sich  ziehen  werde,  wenn  der  ganze  spanische  Besitz  oder  auch  nur 
Burgund  an  einen  dem  Hause  fremden  Fürsten  übergehe  und  so  jenen 
ein  Nebenbuhler  erstehe.  Die  Sorge,  da.ss  die  Ueichskrone  den  Oe.ster- 
reichern  verloren  gehen  könne , kam  hinzu.  Schon  bald  nachdem 
Budolf  H.  die  Vei-zögerung  seiner  Heirath  begiuin,  hatte  Khevenhüller 
denselben  ermahnt,,  die  Nachfolge  in  Deutschland  seinem  ältesten  Bruder, 
dem  Erzherzoge  Ernst  sicheni  zu  lassen.  1584  forderte  er  nun  auf 
Befehl  der  Kaiserin  Maria  Ernst  sellwt  insgeheim  auf,  mit  .seinen  Üheimen 
Ferdinand  und  Karl  in  den  Kaiser  zu  dringen,  damit  dieser  entweder 
<lie  spanische  Heirath  abschliesse  oder  vermittle,  dass  Ernst  die  Hand 
der  Infantin  sanimt  den  Niederlanden  erhalte  und  zum  römi.schen  Könige 
erwiddt  werde.  ®*) 

Die  Erzherzoge  entsprachen  dem  Vorschläge  um  so  willfähriger, 
als  Budolf  aufs  neue  erkrankt  wai'.  Ihre  Bitten , die  Ernst  dem 
Kaiser  vortrug,  veranlassten  jedoch  diesen,  obwohl  er  sie  freundlich  auf- 
zunehmen schien,  nur  zu  der  V\»rsicherung , dass  er  selbst  die  Infantin 
Ijogehre. 

Khevenhüller  theilt  uns  nicht  mit,  in  welchem  Monate  des  Jahres 
1 584  diese  Verhandlung  stattfand.  Fiele  sie  in  die  Zeit  nach  der  Ant- 
wort des  Kaisers  auf  diis  mainzer  Schreiben,  so  könnten  wir  in  ihr  die 
Urs>»che  des  befremdlichen  Schweigens  über  die  Wahlfrage  suchen.  Die 


Auf  die«e  Pläne  dürfte  der  Jesuit  Georg  Seberer,  der  Hofprediger  dea  Erzherzogs  Ernst  aii- 
spielen,  wenn  er  15^5  in  der  Widmung  seines:  „Bericht,  ob  der  Papst  zu  Rom  der  Antichrist 
■ei",  nachdem  er  die  Frömmigkeit  Kmets,  der  nie  eine  seiner  Predigten  rersäumt  habe,  ge- 
rühmt hat,  meint,  Gott  müsse  denselben  zu  grossen  Dingen  bestimmt  haben. 

24)  Kur  hierher  kann  die  Bemerkung  in  dem  Schreiben  des  Erzherzogs  Maximilian  vom  '2'£.  Hai 
IAU9  bei  Harter  V,  401^  bezogen  werden.  AUertlings  wird  dort  gesagt,  das  Atibringen  der 
drei  Erzherzoge,  welches  ab  bis  dahin  letztes  bezeichnet  wird,  sei  Tor  sechzehn  Jahren,  also 

geschehen,  dieser  Irrthum  ist  jedoch  wohl  unerheblich,  da  so  lange  Zeit  verflossen  und 
weder  Maximilian  nocli  der  Verfasser  des  Schreibens  [sieh  unten)  bei  der  Verhandlung  betheiligt 
gewesen  war. 

25)  Khevenhiller  I,  2>i2  und  II.  *147 

, 2* 


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12 


1593  erfolgende  Ernennung  des  Erzherzogs  Ernst  zum  Statthalter  von 
Belgien  erffdlte  den  Kaiser  mit  heftigem  Unwillen  und  mit  der  Furcht, 
dass  der  Bruder  ..ihm  seine  Braut,  die  Infantin  (welche  er  Niemandem  ver- 
gönnen, doch  auch  selbst  nicht  zu  der  Fixecution  greifen  wollte  I weg- 
nehmen und  ihm  mit  Hülfe  des  Königs  aus  Spanien  nach  der  römischen 
Krone  stehen  wünle.“  In  der  Finvartung,  dass  er  um  dieses  Argwohns 
willen  die  Berufung  zu  verhindern  oder  mindestens  zu  verzögern  suchen 
werde,  hatte  Philipp  II.  mit  Ernst  ohne  Rudolfs  Vonvissen  abgeschlossen.*®) 
Der  F'reihen-  Leonhard  von  Ilarrach  soll  den  hervon-agenden  Fiinfluss 
und  die  grosse  Gunst,  die  er  bei  Rudolf  besass,  verloren  haben,  als  er 
sich  für  die  Wahl  Firnsts  zum  römischen  Könige  bemühte.  *’)  Wie  die 
V'erheirathung  des  Firzherzogs  Albrocht  mit  Isalxdla  und  die  Uel«>rtragiuig 
der  niederländischen  Regierung  an  denselben  auf  Rudolf  einwirkten, 
werden  wir  unten  verfolgen.  Fis  wäre  daher  nicht  unwalii'scheinlich, 
dass  die  oi-ste  Anregung  einer  derartigen  Massregel  den  Kaiser  sofort 
mit  Sorge  für  seine  Stcllimg  oi-füllt  und  l>ewirkt  hätte,  dass  er  von  nun 
an  der  Feststellung  seiner  Nachfolge  entgegen  war.  Vier  Jahre  später 
wusste  bereits  der  ihm  fernstehende  Pfalzgraf  Johann  Casimir,  dass  er 
„voll  F'urcht  sei,  die  Krone  zu  verlieren  und  sein  Dichten  und  Trachten 
dahin  gehe,  sie  zu  behaupten“,'”)  das  heisst  '\vohl , die  Wahl  eines 
römischen  Königs  zu  verhüten. 


II. 

Zehn  Jahre  vergingen,  ohne  da-ss  Rudolf  Schritte  that,  um  seinem 
Hause  die  Kronen,  welche  er  trag,  zu  sichern.  Im  Reiche  gestalteten 
sich  die  Verhältnisse  immer  bedrohlicher  für  das  Haus  Oesterreich  und 
für  den  Katholicismus.  Man  fürchtete,  dass  die  Protestanten  den  Kamj)f 
zur  Vernichtung  beider  l)eginnen  würden.  ”)  Gerüchte  von  allerhand 


26)  KUc»enhUIer  IV,  1071. 

27)  Hammer  Khleal  II.  Beilagen  8.  '»3. 

28)  BemerkoDg  des  Pfalz^afen  in  seinen  )5h8  [a.  anUm]  verfaavten  Aafzeichnnn^n:  Qaeilan  und 
Erörterungen  zur  bajer.  und  deutaclten  Geitchicbte  VTII,  406. 

29)  S.  die  oben  Anm.  19  angetogeneo  Stellen. 


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13 


Umtrieben,  welche  bezweckten,  das  Kaisorthum  den  Hab*l>nrgern  zu  ent- 
ziehen. liefen  um.  158‘J  wurde  ein  Vortrag  verbreitet,  welchen  ein  (ie- 
sandter  des  Herzogs  Karl  von  Lothringen  dem  Paj>ste  gehalten  haben 
sollte.  Die  habsburgis<-hen  Kaiser  seit  Maximilian  I.  wurden  darin  unter 
heftigen  Schmähungen  angoklagt.  fort  und  fort  die  Ketzereien  begünstigt 
zu  haben,  und  als  das  einzige  Mittel  zur  Herstellung  des  Katholicismus 
in  Deutschland  wurde  die  Alwetzung  des  nachlässigen,  scheingläubigen. 
sittenlosen  und  den  Protestanten  freundlichen  Rudolf  II.  bezeichnet. 
Zum  Führer  bei  diesem  heiligen  Unternehmen  und  zum  Nachfolger  auf 
dom  Throne  wurden  der  Herzog  von  Lothringen,  dessen  Sohn,  die  Herzoge 
vonMayenne,  Aumale  und  Mercoeur  oder  ein  bairischer  Fürst  empfohlen. 
Sixtus  V.  möge  durch  seine  geheimen  Nuntien  die  katholischen  Reichs- 
stande veranlassen , ein  Bündniss  zur  Vernichtung  der  Heuchler  und 
Scheingläubigen  zu  schlieRsen.  Dann  möge  er  dem  Kai.ser  befehlen,  die 
protestantischen  DomheiTii  in  Strassburg  mit  den  Waffen  zu  vertreiben, 
ihn,  wenn  er  sich  dessen  weigere,  bannen  und  die  Neuwahl  auordnen 
Nach  dieser  werde  es  ihm  leicht  sein,  die  weltlichen  Churen  ebenfalls 
an  Katholiken  zu  übertragen.  *®)  Wie  bei  Protestanten  so  rief  diesc-s 


30)  Der  Vortrag  iit  gedmekt  in  einer  ohne  Zweifol  zu  Straasbnrg  vcrSfientlichteii  KIugRchrift: 
Schreiben  Sizti  V P.P.  An  Graff  Johann  von  Bfandcivcheid  etc.  RischofTen  tu  Straaaburg  etc. 
Belangendt  die  Reformation  deas  Biatnmb«  md  Hohen  Stiffta  daaelbtt.  Sampt  einer  Oration 
oder  Vortrag,  ao  desa  dorcbleuchtigen  FQraten,  Herfzog  Carlen  von  Lothringen  etc.  abgesandter 
einer  fbr  gedachter  Bipatlicher  Heylig.  gethan,  dieaelbigo  zur  repurgation  nit  allein  deoa 
StraaaborgiacheD  Biatnrobe,  sondern  auch  deaa  gantzen  H Römiachen  Reichs  anzntreiben,  mit 
angehefflena  Rahtachlag,  wie  aolchea  Ina  werk  fOglieh  mbclite  gerichtet  werden.  Allen  Hohen 
rnd  nidrigen  Standen  Teutacher  Nation  zu  nothwendigem  bericht  rnd  trewhertaiger  war* 
nnng  in  bevden  Sprachen,  Lateiniachrr  vnd  Teuf  scher,  an  Tag  gegeben.  1592.  Einen  Anszog 
nach  einer  Handschrift  gibt  Droyaen  Geschichte  der  preniaiachen  Politik  !I,  II,  504.  Dieaer 
scheint  das  Sebriftathek  trotz  der  von  ihm  angezogenen  .Ableugnung  Lothriogena  fllr  echt  za 
halten.  Ich  trage  kein  Bedenken,  mich  der  von  Droyaen  mügetheilten  Anaicbt  des  Chf.  Johann 
Georg  von  Brandenbnrg  anzoachlieaaen , dass  ra  ein  „eitel  Gedieht"  aei.  In  der  Einleitung 
jener  Flngacbrift  selbst  gibt  aieh  deotlich  di»  Erwartung  knnd,  daaa  man  der  Veröffentlichnng 
keinen  Glauben  schenken  werde.  Verdacht  moaa  es  erregen,  wenn  der  Gesandte  eines  weltlichen 
Füraten  von  der  „autoritaa"  spricht,  „qnae  pridexn  V*.  tributa  eat  in  omnes  orbia  impera- 
torea  ac  principea,  quantumlibct  invitia  eoram  adulatoribua  aulieia'*;  wenn  von  den  geheimen 
Nuntien  die  Rede  ist  nnd  wenn  es  am  Schlüsse  beisat:  „Qua  ratione  S*"*  D.  Pater,  S***  V.eam 
auri  Tim,  quam  inaximis  acertis  tanta  cura  tantaque  diligentia  colligit  et  recondit,  utiliua 
ezponat?**  Noch  schwerere  Bedenken  mQaavn  die  Schmähungen  gegen  die  Habsburger  erwecken : 
der  mit  den  Spaniern  verbündete  Herzog  von  Lothringen  konnte  gewiss  nicht  wagen,  so  ver* 


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14 


SchriftKtrtck  auch  au«  kaiserlichen  Hofe , wo  man  die  Unwissenheit  und 
Urtheilslosigkeit  der  deutschen  Fürsten  jener  Zeit  in  jwlitischen  Dingen 
theilte , lebhafte  Unruhe  hervor.  Dass  Baiern  nach  der  Kaiserkrone 
trachte,  hielt  man  in  Frag  für  gewiss.*')  Evangelische  Füisten  hatten 
schon  im  Anfänge  der  achzigcr  Jahre  darüber  borathen,  wie  die  Nach- 
folge eines  Erzherzoges  zu  hindern  sei,  da  ihnen  das  entschiedene  Ein- 
treten lUidülfs  für  die  Kestam*ation  die  Ueberzeugung  gal),  dass  der 
deutsche  Zweig  der  Habsburger  gegen  den  Protestantismus  gleiche  Pläne 
wie  der  spanische  hege.  Jetzt  bezeichnete  Johann  Ca.simii’  es  al.s 
nothwendig,  dass  man,  um  Fi'eiheit  der  Wahl  zu  erhalten,  das  Interregnum 
herbeiführen  und  dann  einen  Protestiinten  auf  den  Thron  erheben  müsse; 
er  nahm  , wie  es  scheint , schon  den  König  Heinrich  von  Navarra  ffir 
denselben  in  Auasicht;  ja  er  beschäftigte  sich  sogar  mit  dem  Gedanken, 


icbtUch  un<]  gehäMig  von  dfo  Kai^em  zu  reden.  Vor  aDeni  aber  iat  nicht  anzunehiuen,  dass 
Herzog  Karl  IM  über  die  Verhittnisae  in  Dentschland  and  die  furchterfüllte  Stimmong  der 
dortigen  Katboiiken  »o  völlig  in  UnbenntniR  gewesen  fein  sollte,  um  die  oben  enräbnteD,  ge> 
rsulexQ  wabDsinnigen  UinstanvorschUgo  zu  machen  Wie  hätte  er  gar  MayeDne,  Aumale  und 
Mercoeor  zu  Kaisern  einpfehtea  können?  Auch  konnte  er  sicher  nicht  glanben,  dass  8ixlus  auf 
seine  Pläne  eingehen  werde,  da  deren  Aosführang  ihn  mit  Spanien  entzweien  and  einen  Krieg 
der  Habsburger  gegen  die  zu  Lothringen  haltenden  Katholiken  entzünden  mu»te,  ja  ein  Bünd- 
nis jener  mit  den  in  ihrem  Besitze  bedrohten  evangelischen  Cliurfürsteo  und  deren  Anhängern 
herbeifUbren  konnte,  während  der  Papst  alle  Kräfte  der  katholischen  Welt  zu  einigen  wünschte, 
am  Heinrich  von  Navarra  die  französische  Krone  vorzuentbalten.  Endlich  aber  waren  die  Ge- 
danken und  die  Tbätigkeit  Karls,  d<w  sich  um  das  Reich  überhaupt  wenig  kümmerte,  damals 
ganz  und  |^r  darauf  gerichtet,  die  Herrschaft  ln  Frankreich  zu  erringen,  und  er  rechnete  hier- 
für noch  fest  auf  die  Unterstützung  Spaniens.  Vgl.  auch  Briefe  u.  A.  IV,  21  iT  Karls  Plan 
i.  J.  1590  ein  katholisch-prutestaatisches  Bünduia  unter  Zuziebung  des  Kaisers  und  der  Erz- 
herzoge zu  scbliesseu.  Der  fragliche  Vortrag  entspricht  ganz  und  gar  jenen  zahlreichen  prote- 
stantischen Flugscbrifton,  wodurch  um  diese  Zeit  In  Deutschland  die  „bluUürstigen  Praktiken*' 
der  hl-  Liga  „enthüllt**  wurden;  vgl  a.  a.  0.  14^1  Aiim.  8.  Was  übrigens  den  „Otto  Henricos 
Brunsvicensis  princeps  catbolicus“  betrifft,  den  Drojsen  nicht  unterzubringen  weisa.  so  ist  der- 
selbe ohne  Zweifel  der  älteste  Sohn  des  Herzogs  Otto  II.  von  Braunscbweig-Harbnrg.  der  Reiter- 
oberst  unter  Alezander  Farnese  war  und  am  15.  October  1591  zu  Brüssel  starb;  s.  Cohn 
Stammtafeln  N.  87.  Ihn  und  nicht,  wie  Häusser  Quellen  und  Erürternngen  z.  B.  and  D.  G. 
VIII,  411  will,  den  Pfalzgrafen  Ottheinrich  von  Salzbach  meint  ohne  Zweifel  auch  Johann 
Casimir,  wenn  er  a a.  0.  379  sagt:  „H  [d.  h.  Herzog]  Ottobeinrich  Mameluck  wirbt'* 

31)  S.  Briefe  und  Acten  IV,  221,  2U9  nnd  467. 

32)  Memoircs  ct  correspondanco  de  Duplessis.  Momny  II,  2^.  Zu  der  dortigen  Bemerkung  über 
Chf.  Wülfgang  von  Mainz:  „qui  aemble  incliuer  ä ce  parti'*  [der  Protestanten]  vgl.  Briefe 
und  Acten  IV,  14  und  die  anderen  dort  im  Register  s.  v.  bezeiehneten  Stellcir. 


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15 


da!>8  man,  wenn  die  „Freistellung”  nicht  bewilligt  weitle.  „einen  anderen 
Kaiser  machen  müsse , der  uns  gibt , w'as  recht  und  billig  ist.  und  der 
die  Justitia  den  Annen  wie  den  Reichen  ergehen  lässt.“'*^)  Gewiss  blieb 
diese  Gesinnung  der  evangelischen  Bewegunspartei  dem  kaiserlichen 
Hofe  nicht  verborgen.  *■*)  Besorgnis  vor  deren  Anschlägen  Iwstiinmte 
den  ghuibenseifrigen  Heraog  Wilhelm  von  Baiem,  obgleich  er  die  Kaiser- 
würde in  der  That  gern  seinem  eigenen  Hause  erworben  hätte,  den 

Kaiser  zur  Ordnung  der  Nachfolge  und  zur  Kntscheidiing  wegen  der 
spanischen  Heirath  zu  drängen  imd  dann,  als  dies  erfolglos  blieb,  eine 
Verständigung  mit  den  anderen  katholischen  Reichsfürsten  darüber  zu 
suchen , wie  dem  InteiTegnum  vorzubeugen  sei.  **)  Auch  die  Päjiste 


L.  Häusaer  Tagebuch  <lea  Pfalzgrafen  Johann  Casimir,  in  Quellen  und  Kr5rterungen  zur 
Bayerischen  und  Deutschen  Geschichte  VIII,  3H0,  3><8  f.  Die  Schrift  ist  übrigens  ohne 
Zweifel  nicht  ein  Tagebuch,  sondern  ein  um  die  Mitte  des  Jahres  zu  einem  bestimmten 
Zwecke,  wahrscheinlich  zu  einer  Berathung  mit  Sacliaen,  Brandenburg  und  Hessen  rerfaaiter 
QedenhxHtel.  Zu  wünschen  wäre  eine  Vergleichung  des  Druckes  mit  der  Handschrift,  denn 
jener  ist  nicht  ohne  schwere  Verstösse.  Wenn  es  z.  B.  S.  379  heisst:  „Das  gevefal,  so  die  or- 
denahern  rom  gülden  flQss  die  grossen  Thier  erstehen*',  so  heisst  es  in  der  Handschrift  wohl: 
Das  gemehl  [Gctnalde],  do  ü.  s.  w.  Gemeint  ist  die  Briefe  und  Acten  IV,  150  erwähnte  Ver- 
öffentlichung der  prager  Jesuiten,  auf  welche  die  Schrift  S.  391  nochmals  zurUckkommt. 

34)  Am  *30.  Januar  1503  BchrtL-b  der  bairische  Rath  Ulrich  Speer  aus  Rom  an  Hz  Wilhelm: 
„wollen  ir  etliche  darfhr  balieo,  es  wurde  noch  lang  kein  reichstag  werden,  dann  sich  besorge 
der  kaiser,  die  protestiercoden,  weil»  Jett  sonderlich  mit  Siraasburg  so  selzam  stehe,  dorften 
den  Ton  Navarra  zu  eim  lömischen  KOnig  haben  wollen.**  Ma.  311(19,  «18  etgh.  Or. 

85)  Vgl.  nnten. 

•36)  In  einem  Briefe  vom  30.  Juni  1591  an  Herzog  Wilhelm  von  Baiem  über  eine  auf  dessen  Ver- 
anlassung mit  dem  Bischof  Julius  von  Würzburg  gehaltene  Boeprecbuag  sagt  Chf.  Ernst  von 
K61n : ..Also  liaben  wir  auch  ainer  konftigen  wal  aines  römischen  kOniga  halb  mitS.  L,  [WQrz- 
borg]  umbstendlich  conveisiert;  befanden,  das  dieselbe  eben  in  den  sorgen  als  E.  L.  und  wir 
Stehen  und  derowegen  nötig  halten,  das  durch  £.  L.  und  des  erzhertog  Ferdinands  LL.,  auch 
andere  negste  bluctsverwandte  nochinaln  merers  mit  zuegemuetfQhrung  der  wichtigen  motiren 
eheist  an  die  ksl.  Mt  gesetzt  werde,  das  sie  sich  nit  allain  die  wal  aines  römischen  königs 
allergnedigst  gefallen  lassen,  sonder  auch  des  spanischen  beurats  halb  aigcntlich  erclern  vrolten, 
das  auch  dem  konigschen  ambasator  am  kaiseriicben  hof  dergleichen  in  I.  ksl.  Mt  zetrQogen, 
aoraizung  geben  und  gleichfalls  I.  Mt  gehaimer  rat  und  oberster  cainerer,  der  Rumpf,  weil 
der  vor  andern  bei  I.  Mt.  alnca  worts  mechtig,  bewegt  und  ime  die  gefar  wol  eingebildet 
weilen  solle,  solches  auch  bei  I.  Mt.  besser  befördern  zehelfen.  Welch  I.  L.  gnetaebten  wir 
uns  dan  unsers  tails  auch  ganz  Wohlgefallen  lassen.  Und  haben  1.  li.  dabei  vermeldet,  da  sieh 
mit  der  ksl.  Mt.  vor  ainer  wal  aincs  römischen  königs  ain  fal  zutragen  solle,  das  sie  vor  allen 
unser  haus  ires  eossersten  vermugetia  zu  befürdem  geneigt.**  Md.  I.  Religionswesen  n.  3.  Or. 
Wann  die  hier  erwähnte  frühere  Anmahnung  Wilhelms  erfolgt  war  un<l  ob  jetzt  eine  neue  ge- 


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Sixtus  V.  imil  ClemcnB  VHI.  bemühton  sich  bei  Rudolf  um  die  Wald 
eines  römischen  Königs.  Vor  allem  aber  emeuerten  die  Kaiserin- 
Mutter  und  Khevenhüller  unablässig  und  mit  wachsendem  Nachdrucke 
ihre  früheren  Vorstellungen  und  der  Botschafter  reiste  sogar  von  Madrid 
nach  Prag  und  weilte  dort  vom  Februar  bis  zum  Deceiid)er  1592,  um 
Rudolf  zur  Ent.scheidung  in  der  einen  oder  der  anderen  Richtung  zu 
drängen.  **)  Weder  diese  Mahnungen  noch  die  Gerüchte  von  Anschlägen 
zum  Nachtheile  seines  Hauses  noch  die  Ijedroldiche  Entwicklung  der 
Verhältnisse  im  Reich  vermochten  jedoch  den  Widerwillen  des  Kaiser 
gegen  die  Ehe  und  seine  Furcht,  das-s  der  Nachfolger,  den  er  ernennen 
lasse,  ihn  der  Regierungsgewalt  berauben  wei-de,  zu  ül»erwinden.  *®) 


scbal),  weiss  ich  nicht.  Dass  Wilhelm  ein  ifi-meinssmes  Vor^ben  der  katholischen  Fürsten 
wünschte,  glaobe  ich,daraas  schliessen  zu  dürfen,  dass  er  ein  solches  auch  in  anderen  Punkten, 
die  er  damals  durch  Kola  mit  Würzburg  erörtern  liest,  anstrebte. 

37)  Sixtus  V.  an  Rudolf  1.3.  Sept.  158!)  Archiv  für  Österreichische  Geschichte  XV,  313.  Hz.  Wil- 
helm von  Baiern  schrieb  am  11.  Dec.  1593  an  den  Rrzbiachof  von  Salzburg:  Der  Canlinal 
Madruz,  der  im  Aufträge  Clemens  VIII  beim  Kaiser  gewesen  ist,  [s.  Briefe  und  Acten  IV, 
167  Anm.  4]  hat  mit  demselben  auch  „von  eim  römische  köuig  tractirt,  ob  ncinlich  nit  ein 
notturft  sein  wolle,  desselben  wähl  zeitlich  und  zwar  auf  vorstehendem  reiehsUg  zu  bandeln. 
Darauf  1.  Mt.  geautwort,  sie  wöii  der  sacheu  alles  viciss  nachgedeoken  und  dabei  thuen,  was 
die  gebür  nnd  gemeinen  vatterlands  nur  und  ^olsUnd  erfordern  möge.“  Ma.  375/8,  1 Cpt.  von 
Speer.  Schon  1585  hob  der  Prager  Nuntius  Malaspina  die  bei  einem  Interregnum  dem  Katho* 
licismus  drohende  Gefahr  in  einem  Berichte  an  Sixtus  herror.  Tempesti  Storia  delU  vita 
e geste  di  Sisto  V,  1,  115.  Wir  dürfen  daher  wohl  annehmen,  dass  ausser  den  uni  bekannten 
noch  andere  Schritte  der  Päpste  zur  Verhütung  des  Interregnums  geschftbeD. 

Khevenhiller  II,  402  ff.  III,  768  ff.  037,  939  f.  1051  ff.  Vielleicbt  beschäftigten  sich  auch 
die  geistlichen  Churfürsten  bei  dem  „arcanitsimnm  contilium“,  welches  sie  nach  Pieler  Caspar 
von  Fürstenberg  105,  am  20.  bis  36.  August  15^  im  Beisein  des  Kölner  Nuntius  Bonomo  tu 
Coblenz  hielten,  mit  der  Wahlfrage. 

39)  In  dem  Briefe  und  Acten  IV,  40'^  mitgethenten  Berichte  des  spanischen  Botschafters  Clo 
mente  heisst  es:  ,,Trevcres  tourna  k lujr  [dem  Kaist'r]  dir«  co  qu'il  luy  avait  desia  escrit 
Paun^  passöc,  que  aiant  tra  tteo  cet  affaire  de  la  pari  de  l'Kmpereur  avec  Pelcctenr  de  Bran- 
debourg  ledit  de  Urandebourg  Inj  promit,  qu'il  donucroit  sa  voix  k qui  rBmpercur  vondroit.“ 
Gegen  diese  Nachricht  erweckt  Bedenken,  dass  eine  persönliche  Besprechung  des  CburfÜrsten 
von  Trier  mit  ßrandimburg  — uod  von  einer  solchen  scheint  ja  hier  die  Rede  zu  sein,  — weder 
in  den  Acten  noch  in  den  Zeitungen  erwähnt  wird  und  dass  der  Kaiser  weder  Madruz  gegen- 
über (s.  oben  Anm.  37]  noch  In  dem  Schreiben  bei  Hurter  V,  410  auf  Schritte  hiuwies, 
die  er  1593  getban  hätte.  Vor  allem  ist  eine  Beauftragung  Triers  durch  den  Kaiser  unwahr- 
scheinlich, weil  dieser  1593  frischen  Cowillen  und  lebhaftes  Mistrnnen  gegen  Krzberzog  Ernst 
hegte,  welcher  doch  der  nächste  Caudidat  für  die  Wahl  war,  und  ist  cs  ebenso  unwahrscheinlich, 
«lass  Brandenburg  damab  seine  Stimme  unbedingt  zur  Verfügung  gestellt  hätte,  weil  ihm,  ab- 


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17 


Je  mehr  nun  ilio  Aussicht  auf  Rudolfs  Verlieiratliung  .schwand  und 
je  weiter  er  ini  Alter  voi-scliritt,  desto  lebhafter  wurde  der  Wunsch  der 
Mitglietler  und  Freunde  seines  Hauses  nach  Feststellimg  der  Nachfolge. 
Als  Rudolf,  die  geistlichen  Churfürsten  und  der  Adiiiinistrutor  von  (Jhur- 
sachseu,  Herzog  Friedrich  Willielm  von  Altenbuivg  iiu  Jahre  1594  dem 
Reichstage  zu  Regousbui-g  persönlich  anwolmten,  wies  Philipj)  11.  von 
Spanien  seinen  Botschafter  Don  Guillen  de  San  demente,  der  den  Kaiser 
begleitet  hatte , an , die  Wahl  eines  röinisidieu  Königs  zu  betreiben. 
Verniuthlich  hatte  er  dabei  den  Hiutorgedankeu , dass  Erzherzog  Ernst 
nach  seiner  Ernennung  Isabella  heirathen  solle. 

demente  kam  dem  Befehle  mit  Eifer  nach,  denn  er  theilte  die  am 
kaiserlichen  Hofe  herrschende  Meinung , dass  Baiern  und  Heinrich  1V\ 
von  Frankreich  nach  der  Krone  trachteten , und  ilass  die  der  prote- 
stantischen Ih'wegungspartei  angehörenden  Reichsstände  theils  jede  Wahl 
zu  verhindern,  theils  sie  auf  ein  anderes  Haus  als  di*s  österreichische  zu 
lenken  gedächten.  Bereitwillig  unterstützten  ihn,  von  gleichen  .Sorgen 
bewogt , der  Legat  des  Pajwtes , Cardinal  Madruz  und  der  pniger 
Nuntius  SjMJciano.  Ihren  Bemühiuigen  kamen  die  Wünsche  der  geist- 
lichen Churfüi-sten  entgegen.  Auch  der  Administrator  von  Sachsen,  der 
dem  Kaiser  sehr  ergeben  war  und  den  Frieden  im  Reiche  zu  sichern 


gPMhcn  TOD  anderen  Ursachen,  die  eine  soiche  Gcrüj((igkeit  hiiidcni  lunastca,  die  Wahl  deit 
Statthalters  Ton  Belgien  wegen  der  j&lieher  Sache  nicht  willkommen  »ein  konnte.  Man  konnte 
nar  etwa  annebmen,  dass  Radolf  wie  später  seinem  Bnider  Matthias  den  Erxbenog  Leopold  so 
damals  dem  Krskerzog  Emst  einen  anderen  Enhersog  habe  cotgegenstellen  wollen,  und  dass 
Brandenborg  sich  bereit  gezeigt  habe,  das  in  nntersttiUen.  um  Ernst  aaszuschUessen  oder  jede 
Wahl  zu  hindern.  Auch  das  ist  jedoch  sehr  unwahixclteinlieh.  Vielleicht  liegt  ein  Misrer* 
stiLiidnis  Clementes  vor  oder  ein  anderes  Versehen.  Der  Brief  war  spanisch  und  in  Chiffren 
(rgl.  a.  a.  0,  471  Z.  7 ron  unten]  geschrieben.  Er  wunle  tou  Gegnern  .Spaniens  aufgefangi  n, 
entziffert  und  in  franzOeischi r Uebersetzung  rerbreitet.  [Vgl.  a.  a.  0,  46«  Aiim.  2].  Es  wäre 
möglich,  dass  zwiKhen  „que^  und  „aiant  traittee**  eine  Chiffre  stand,  welche  man  nicht  zu 
deutet!  wusste,  und  dass  diese  in  der  Cebersetzung  oder  in  der  schlechten  uns  erhaltenen  Ab* 
Schrift  weghlieb.  Am  nächsten  liegt  die  Vermutliung,  dass  der  sehr  eifrige  [vgl.  a.  a,  0. 
Anm.  6]  CliurfQrst  Johann  von  Trier  den  Kaiser  aus  eigenem  Antriebe  zur  Ordnung  der 
Nachfolge  mahnte  und  die  Aussichten  eines  Versuches  erörterad  auf  die  15»4  zu  Cottbus  er* 
theilte  gOnitige  Erklaiung  Brandenburgs  bezüglich  der  Wahl  [i.  oben  S.  8]  hinwies,  so  dass 
zu  lesen  wäre,  „que  Telecteor  Auguste  de  tiaxe  aiant  traite.“ 

40)  Vgl.  di«  dies!:m  vom  Tapste  dazu  ertheilten  Aufträge  bei  H.  Laemiuer  Meletematum  Roma* 
norum  inantissa  :(45  Aum.  2. 

Alh  d lII.CI.d.k.Ak,d.Wi8R.XV.Bd.l  Abih. 


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18 


wünschte,  zeigte  sieh  duiTliaus  willfährig  und  erhot  sich,  pei-sönlicli  auf 
Brandenlmrg  einzuwirken  und  sell»st , wenn  dieses  sich  nicht  gewinnen 
liisßo,  seine  Stiinnio  mit  denen  der  geistlichen  Churfürsten  zu  vereinen. 
„Seit  die  'Welt  steht’S  Iwrichtete  demente  nach  Madrid,  „ist  es  nie  so 
leicht  gewesen,  die  Wahl  zu  iHJwirken,  wie  jetzt;  es  steht  in  der  Hand 
des  Kaisei-s.  morgen  zum  Könige  zu  machen,  vven  er  nur  will.'- 

liudolf  erkannte  die  Berechtigung  der  Mahnungtm.  die  ihm  vorge- 
tragen  wurden,  vollkommen  an  und  gab  die  besten  Zusagen.  Aber  er 
„hielt  sich  stets  eine  Hinterthüre  offen“,  wozu  ihm  die  Churfürsten  selbst 
die  Hand  boten,  indem  sie  wieder  den  Wunsch  äiLsserten , da.ss  er  den 
zu  Wählenden  auch  in  einem  seiner  Hausländer  zum  Nachfolger  er- 
nennen las.sen  möge,  damit  dei-selbe  die  .Mittel  zur  Führung  der  Heichs- 
würde  erhalte.  Seine  ])olitische  Einsicht  überwog  der  Argwohn,  da.ss 
seine  eigene  Stellung  durch  den  Nachhdger  gefährdet  sein  werde,  ^')  und 
daneben  beeinflusste  ihn,  da  die  Am-egung  der  Wahl  von  demente  aits- 
ging,  die  Abneigung,  welche  er  gtigen  Spanien  trug.  Diese  mochte  her- 
vorgerufen sein  duix-h  die  Ueljergi-ifte  Phili]tjis  11.  in  Italien,  diu-ch  de.s.sen 
Wcigei-ung , Mailand  als  Mitgift  Isabellens  zurückzugoben , duixdi  das 
Dningen  zum  Abschlüsse  der  8])anischen  Heirath  und  dureh  die  Be- 
schwerden und  Unruhen , zu  welchen  das  Vordringen  der  Spanier  am 
Rhein  im  Reiche  Aidas,s  gab.  Neue  Nahrung  hatte  sie  durch  die  Be- 
rufung des  Krzheraogs  Enfst  nach  Belgien  empfangen.  Jetzt  machte  sie 
sich  um  so  stärker  geltend , weil  König  Philipp  eben  wieder  in  Italien 
Reichslehon  mit  Reiseitesetzung  der  Befugnisse  des  Kaisers  und  des 
Reiches  einzuverleiben  trachtete.  So  vertagte  denn  Rudolf  schliesslich 
seine  Entscheidung  bis  zu  einem  Besuche,  welchen  ihm  der  Chui-fürst 
von  Köln  binnen  kni-zeni  in  Prag  abzustatten  beabsichtigte.  ■**) 


41)  Briefe  nii«!  Acten  1V>  47U.  Der  vcnetlaniifeche  GesfintUe  Tomaso  ContArino  Hchlo^  einen  Be- 
richt über  die  Verhandlungen  wegen  der  Nachfolge  votn  1h.  Augo.st  15m»  welcher  ihn  besser 
als  lionst  unterrichtet  seigt,  mit  der  Bemerkung:  ..conoKeodosai  manifeataiiiente,  ehe  S. 

nun  vuole  in  alcun  modo,  che  si  parli  ne  at  tratti  di  queata  materia,  come  ijuella  rlu*  11  pare 
piena  di  sospetto  et  di  pericoto  rispetto  alla  sua  auttorita  et  alla  sua  grandexza.*'  D.  V.  toU  24, 
Or. 

42)  Briefe  und  Acten  IV’,  4ü7  und  461i  ff.  Herxug  Maximilian  von  Baiem  meldete  meinem  Vater 
schon  am  1??.  Juni,  s.  Aretin  Maximilian  1.  -Vt.’,  die  geistlichen  ChurfQrsten  wollten  beim 


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19 


Cliurfttrst  l''rnst  wünschte,  dass  nun  wenigstens  unter  seinen  Amts- 
genossen eine  Vereinbaning  wegen  cler  Wahl  get  rollen  wenlen  möge. 
Auch  dies  unterblieb  jedoch,  weil  er  erkrankte  und  Pfalz  und  Branden- 
burg nur  durch  Gesandte  verti-eten  waren.  "**)  Gleichwohl  erneuerte  er 
seine  Bemühungen,  als  er  im  November  am  kaiserlichen  Hofe  erschien. 

Er  war  ein  warmer  Anhänger  des  habsburgischen  Hauses  und  voll 
Eifer  für  das  Wold  des  Beiches  und  die  Interessen  der  katholischen  Kirche. 
Uelrerdiess  hatte  er  mit  Eiv.herzog  Ernst,  als  dieser  nach  Brüssel  reiste, 
Freundschaft  geschlossen.'**)  Desshalb  Hess  er  es  ohne  Zweifel  l»ei  seinen 
Vorstellungen  nicht  an  Nachtlruck  fehlen  und  da  er  des  Kaisers  Ver- 
trauen und  Neigung  in  seltenem  Masse  gewonnen  hatte,  gelang  es  ihm, 
sich  den  Auftrag  zu  Verhandlungen  mit  den  übrigen  Churfüi-sten  zu  er- 
wirken. Er  reiste  darauf  sofort  **)  zu  Sachs(m  und  Brandenburg  und 
iHSiuchte  dann  im  Anfänge  des  Jahres  1595  seine  rheinischen  Aintsge- 
nossen , um  ihre  Mitwirkung  zu  sichern.  Nur  der  Churfürst  von  der 
Pfalz  verweigerte  diese,  ■*’)  alle  anderen  zeigten  sich  geneigt,  ^*)  wenn 
auch  Brandenburg  eine  ausdrückliche  und  bindende  Ex’klärung  ver- 
schob. ■*‘-*) 

Als  jedoch  Ernst  nun  den  Kaiser  zu  weiterem  Vorgehen  aufforderte**), 
zeigte  sich,  dass  Clemente  sich  nicht  getäuscht  hatte,  wenn  er  aus  den 


Kai««r  amnabnen;  aus  dem  in  der  vorigen  Anmerkanj;  erwähnten  Briefe  Contarinns  jedoch 
hervor,  daBa  c«  erst  ge^en  Ende  de«  Keiebstags  gcifchah. 

4^1)  Bescheid  des  Chf.  ton  Köln  für  Casal  v.  28,  Januar  1601  Brs.  Secret  d' Allem.  N.  ilO.^OCop. 

44)  Johann  Manhart  an  Herzog  Wilhelm  von  Baiern,  Prag  15.  November  1504.  Md.  I,  Zei- 
tungen I,  Or. 

45i  S.  Briefe  und  Acten  IV,  827  Anm.  2 nnd  Lämmer  MantisiiA  34o  Anm.  2. 

4#»)  Am  26.  November,  Harter.  I,  227. 

47)  Bescheid  des  Chf.  von  Köln  für  Casal  v.  28.  Januar  1601,  Brs.  SeertSt.  d'Altem.  N,  116,  v*!) 

Copte  und  Bericht  Ca&als  darüber  an  Enhg.  Ferdinand,  Wi.  Succeasion.  Matthias.  Copie.  Dass 

Ernst  nach  Heidelberg  kam.  erhellt  aus  einem  Briefe  des  Chf.  von  Mainz  an  Hz.  Wilhelm  von 
Baiem  vom  12,  April  l-*»95  Ma.  64/16,  HO  Or. 

4^)  Beacheid  des  Chf.  von  Köln  für  Casal.  Vgl.  Harter  V,  411,  wo  der  Kaiser  freilich  nur  von 
einem  Aufträge  an  Sachsen  und  Brandenburg  spricht. 

40)  Dies  erhellt  aus  den  gleich  anzuführenden  Briefen. 

•i0)  Durch  den  Freiherrn  Johann  von  GroUbeeck  hatte  er  über  seine  Verrichtung  bei  Sachsen  und 

Brandenburg  dem  Kaiser  sogleich  Bericht  erstattet.  Am  2.  Januar  1505  reiste  G.  von  Prag 

wieder  ab.  Manhart  an  Hz.  Wilhelm  von  Baiern,  Prag  3.  Januar  1595.  Ma.  5<)  7,  50  Or. 

8* 


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20 


Vorhaiullungen  zu  Regensburg  das  Ergebnias  zog,  dass  Rudolf  niemals 
die  Hand  zur  Feststellung  der  Xachfolge  bieten  werde.  ’’)  Nachdem  die 
iminittelbare  Einwirkung  des  Churfürsten  Ernst  aufgehört  hatte,  gewann 
Rudolfs  frühere  Stimmung  wieder  die  Oberhand.  Er  erklärte  jenem, 
(lass  man  die  Sache  nicht  übereilen  dürfe. 

Dies  lx>t  dann  dem  Churfürsten  von  Brandenburg  einen  willkommenen 
Vorwand,  um  die  Wahl  zu  hintertreilxjn , die  er  wohl  überhaupt  nicht 
auf  einen  Erzherzog  und  namentlich  nicht  auf  den  Statthalter  Belgiens 
fallen  zu  sehen  wünschte,  da  Rudolf  in  dem  magdeburger  Sessionsstreite 
zu  Regensburg  und  in  der  atr:us.sburger  Bistlumisfehde  seinem  Hause  ent- 
gegengetreten war  und  man  Spanien  und  dem  Kaiser  die  Aljsicht,  sich 
der  jülicher  Lande  zu  iKunuchtigen,  zuschrieb.  .lohann  Georg  hielt  dem 
Churfüi'sten  von  Mainz  vor,  dass,  wie  ein  Capitel  seinem  Bischöfe  nur 
mit  dessen  Zustimmung  einen  Coadjutor  setzen  könne,  auch  die  Chur- 
füi'sten einen  römischen  König  nicht  envahlcn  dürften,  wenn  der  Kaiser 
nicht  darum  anhaltu.  Zugleich  äusserte  er  den  AVnnsch , zu  erfahren, 
wen  man  zu  erheben  beabsichtige. 

Der  ängstliche  und  wenig  eifrige  Wolfgang  erklärte  hierauf  gleich- 
falls , dass  man  die  Anregung  des  Kaisers  abwarten  müsse , und  rieth 
Köln  nur , diese  zu  veranlassen.  **)  Ernst  schriel)  nach  Frag.  Rudolf 
erwiderte  jedoch  noch  ungünstiger  als  zuvor,  dass  er  sich  einstweilen 
des  Türkenkriegs  wegen  mit  der  Wahlsache  nicht  befas.sen  könne,  den 
Churfüi'sten  aber,  sobald  es  möglich  sei,  zu  mündlicher  Besprechung  be- 
rufen werde.  Die  gleiche  Antwort  scheint  er  einem  Gesandten  ertheilt 
zu  haben,  welchen  .lohann  Georg  — vemuithlich  nm  den  für  die  Krone 
in  Aussicht  Genommenen  zu  erkunden  — nach  Prag  abordnete,  worauf 
dieser  Mainz  gegenüber  weiteres  .Inhalten  für  imzulässig  erklärte.  Cliur- 
fürst  Ernst  selbst  fand  , dass  ihm  des  Kaisers  Bescheid  die  Möglichkeit 
zu  weiteren  Schritten  benehme,  und  der  Mainzer  wusste  keinen  anderen 
Rath,  als  dass  man  neuer  Gelegenheit  harren  solle.  **) 

51)  Briefe  aml  Acten  IV,  470. 

r»2)  Brftndenburf;  an  Köln,  Kdstr'm  3.  JqU  nod  Köln  an  Maint  2’>.  JuU  1*>95.  Wm.  Successions- 
wesen  I»  n.  21  (^pie  und  11  Or* 

^:>)  Mainz  an  K{>tn  [nicht  an  Sp«ier,  wie  Harter  VI,  42<>  an^ibt]  Aachaffenbarg  26.  Auguat  159.'», 
a.  a.  0.  n.  13  Cpt. 

•54)  Köln  an  Mainz,  Ldttich  12.  Januar  und  22.  Febroar,  Mainz  an  Köln,  AsehafTenbarg  20.  Fe- 


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21 


III. 

Inzwisolien  -war  Erzherzog  Ernst,  aufgeriehen  durch  die  Sorgen  der 
belgischen  Statthaltei'schaft , am  20.  Februar  1595  gestorben.  An 
seine  Stelle  ernannte  Philipp  II.  nicht  den  nilchstältesten  Bruder,  Matthias, 
welchem  er  abgeneigt  war , weil  dersellje  sich  einst  mit  den  sich  em- 
pörenden Niederländern  eingelassen  hatte,  sondern  den  jüngsten,  Albrecht, 
welcher  bis  dahin  in  Spanien  gelebt  hatte.  Von  vornherein  hegte  er 
dabei  wohl  für  diesen  wie  früher  für  Firzherzog  Emst  den  Plan , ihn, 
wenn  sich  Itudolf  nicht  endlich  zur  Heirath  entschliessc,  mit  Isabella  zu 
vermählen,  **)  und  ihm  zur  römischen  Krone  zu  verhelfen. 

Gewiss  war  auf  letztem  die  Absicht  Albrechts  gerichtet , wenn  er 
eich  schon  im  Jahre  1596  bemühte,  dem  Administrator  von  Sachsen 
ein  ihm  früher  angebotenes  spanisches  Jahrgehalt  zu  verschaffen,  und 
wenn  er  den  Churfürston  von  Köln,  .,auf  den  allein  das  Haus  fast  seine 
ganze  Hoffnung  bezüglich  der  Wald  setzte“,  wiederholt  angiug,  den 
Kaiser  zur  Ordnung  der  Nachfolge  zu  drängen.  ^®)  Wir  wissen  nicht,  ob 


brvar  aod  an  Brand«Dbur^  13.  April,  Brandenbarg  an  Maioi,  Köln  a.  <1.  Spree  38.  Uarz  lo96. 
Ä.  a.  0.  D.  IC  u.  18  Orr.  17  und  20  Cpte,  14  Ür.  Vgl.  Harter  VI.  425  dessen  Angaben 
bis  aof  die  Daten  herab  anrichtig  sind. 

55)  Khcvcnhiller  IV,  1470.  Vgl.  Reidanas  Annalei  Belgamm  292. 

56)  Kberenhiller  IV,  14TB. 

57)  Ritter  Union  1.  246  l&ast  Spanien  schon  15m  fQr  Albrecht,  den  Statthalter  der  Niederlande, 
wirken.  Er  Übersieht,  dass  damals  noch  Ernst  lebte. 

58)  Hinacci  an  Speer.  Taseulani  14.  Oetober  1505  Ma  102/4.  120  Cri. 

59)  Albrecht  an  den  Chf.  eon  Köln,  Brüssel  17.  Deoember  1506;  Wir  hören,  daas  E.L.  demnächst 
eine  Reise  ins  Reich  hinaaf  and  eieUoiclit  gar  nach  Prag  machen  wird.  Schon  früher  haben 
wir  E.  L.  durch  Ihren  Qelieimrath  Dille  „unsere  Intention  and  msioang  über  das  »accessioDS'- 
werk  und  wie  weit,  auch  mit  was  praeteit,  condition  and  gelegenhait  and  fneg  wir  solches  durch 
K.  L.  bei  I.  ksl.  Mt.  gerne  angebmeht  und  befördert  sahen*,  mittheilen  lassen.  Deshalb  bitten 
wir  jetst  nur,  daas  E.  L.  sich  diese  Sache  und  das  auf  dem  leisten  Reichstage  einstimmig  be* 
achlossene  PaciBcationswork  [mit  Holland]  eifrig  angelegen  sein  lasse.  Wegen  des  letzUrco 
haben  wir  dem  Kaiser  lingst  geschrieben  and  ihn  durch  Clemente  drängen  lassen.  E.  L.  wer* 
den  auch  wissen,  dass  zu  Ijebzeiten  unseres  Bruders  Emst  dem  Administrator  Ton  Churaaebten 
„als  ainem  unserm  löblichen  bauss  sonderbar  zugethanen  und  woblgenaigten  försten*  auf  lie* 
fehl  König  Philipps  „in  aller  gehaimb  und  vertrauen  eine  jährliche  pension,  bonorarium  oder 
dankbare  erkanntnuss,  wie  man  es  nennen  möchte,  nitro  angebotten*  worden  ist  [Vgl.  Briefe 
und  Aetcn  IV,  471].  Die  Sache  ist  aber  dann  bis  zu  unserer  Ankunft  in  diesen  Landen  ver* 
schoben.  Wir  verhandeln  jetst  mit  Clemente,  um  aie  zum  Abschlüsse  za  bringen.  Träfe  nan 
E.  L.  auf  der  Reise  mit  dem  Administrator  zusammen  und  könnte  Sie  füglich  von  der  „erkannt* 


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22 

i's  zu  Abmachungen  mit  Sai'hsen  kam.  Churtui'st  Krnst,  der  auel»  mit 
Albrecht  persönliche  Freimdschaft  geschlossen  hatte,  ents])rach  dessen 
Ansinnen.  Auf  alle  seine  Mahnungen  emjifing  er  jislnch  nur  ausweichende 
Antworten.  *') 

Wegen  der  Ilcirath  suclite  Philip])  II.  eine  entscheidende  Antwort 
Uudolfs  herbeizuführen,  indem  er  mit  demselben  im  Deceniber  15!)6  und 
im  folgenden  Frühling  durch  den  Admiral  von  Aragon,  Francisco  de 
Mendoza,  mündlich  verhandeln  Hess.  *-)  Der  Kaisi'r  gab  aber  auch  jetzt 
nur  hinhaltenden  Bescheid.  Da  erkläi'te  ihm  Philij)]> , dass  er  seine 
Tochter  mit  Albreeht  vermählen  werde,  wenn  Iludolf  nicht  seineraeits 
binnen  sechs  Monaten  zur  Heirath  schreite,  und  als  die  gesetzte  Frist 
veratrichcn  war,  kündigte  er  ihm  an,  dass  er  nun  den  bezeichncten 
Schritt  vollziehen  werde.  Aufs  neue  suchte  der  Kaistu’  Aufstdmb  zu  er- 
langen. Philij)})  II.  Hess  sich  indes  nicht  mehr  täuschen  und  hinhulten, 
da  er  selbst  in  hohem  .\lter  stand  und  seine  Tochter  beraits  das  zwei- 
unddi'ei.s.sigste  .Jahr  erreicht  hatte.  Am  (>.  Mai  lö98  wurtlo  der  Vertrag 
abgeschlossen , durch  welchen  er  dem  Erzherzoge  Albreeht  die  Hand 
Isabcllas  gewährte  und  beiden  die  Herrschaft  der  Niederlande  übertrug. 

Hudolf  war  schon  durch  die  erste  Nachricht  von  der  Absicht  des 
Königs  mit  heftigem  Zorne  erfüllt  woiilen.  *■*)  Als  tlann  sein  Bnuler 
zur  Hochzeit  nach  .''j>anien  reiste  und  ihm  unterwegs  einen  Besuch  ab- 


reden,  no  bitten  wir  «nlle  guete  officift  tae  tbuen,  Jumit  er  also  in  guetter  dcTotion  an* 
sers  löblichen  hanses  and  in  denen  temiinis,  wie  er  birabero  ganz  rüemblirben  tmd  löblicben 
scheinen  laBs«tt,  erhalten  wenle.*  Bra.  äeeretairerie  d'Allemague,  M.  ’iiMb  Cpt. 

60)  Briefe  und  Acten  IV,  ^27  Anni. 

61)  Bescheid  de«  Cbf.  von  K>~*)n  für  CasaI  28.  Januar  1601  Urs.  Secrct.  d'Allem.  N.  116,  mO  Copio. 

02)  Thnaous  721  (f.  Vgl.  Mich.  Ejrzinger.  Bclatio  historicA  l<V.i7  I,  UM  and  11,  2-1  and  Seb. 

Brenner  Continoator  temporis  quinqucnoalis  .108  und  370. 

68)  K heTcnhiller  IV,  l.ViJ,  1S47»,  f.  V,  B)ö2  fT.  Alle  die  bisber  angeführten  Nachrichten  des  in 
dieser  Sache  bestunterrichtetun  Kbi-venbillcr  sind  wie  von  aufllandischen  Schriftstellern  so  noch 
jüngst  von  H.  Sebmolke:  PhUippe  II.  Alwebied  von  den  Niederlanden,  vdllig  unbeachtet  ge* 
lassen.  Sebmolke  sagt  S.  4:  «Kaiser  Rudolf,  Erzheizog  Emst  und  der  Herzog  vonGaise  hatten 
nach  einander  auf  Isabellas  Hand  sieb  Hoffnung  gemacht:  aber,  sagt  Grotios,  der  Vater  behielt 
sie  bei  sieb,  um  desto  mehre  dareb  diellüffnuog  auf  ein  solches  Ehebündnii  anzulockeii*  q.  s w. 

64)  Ara  l.\  Sept.  15ü7  schrieb  Ulrich  Speer  an  Hz.  Maximilian  von  Uaiern  aus  Prag:  er  wolle 
mündlich  berichten,  «was  man  albie  de  matiimonio  Oaesaris  et  quam  hoc  sit  incertum,  item 
de  matrimooio  arcbiducis  Alberti  cardinalia  et  quam  id  certam  sit  cum  offensa  summa  Caesaris, 
disemrirt."  Me  Act  n.  610,  II,  84  eigh.  Or. 


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23 


stattoii  wollte,  leimte  er  denselben  unter  leeren  Vorwiiiulen  ab'’*)  und 
als  jener  gieh  dennoch  einstellte,  empfing  er  „schlechten  Bescheid'“,  so 
dass  er  schon  nach  drei  Tagen  weiter  zog.  *’’®) 

Sechzehn  Jahre  lang  hatte  sich  Hudolf  mit  dem  Gedanken  an  die 
spanische  Heirath  beschäftigt.  Weimgleich  er  sich  nie  zu  derselben  ent- 
schlicssen  koraite,  hatte  er  doch  auch  nie  verzichten  wollen  und  im 
Zwiespalt  eines  unentschiedenen  Geinflthes  hatte  er  vielleicht  ebensoviel 
Neigung  wie  Widerwillen  für  die  Verbindung  gehegt.  Ks  mochte  ihm 
daher  schmerzlich  sein,  dass  ihm  die  Infantin  nun  ondgftltig  verloren 
war.  Seinen  stolzen  und  eigenwilligen  Sinn  verletzte  es  ferner  tief,  dass 
l’hilij)])  und  Albrecht  ihre  Abi’ede  getroffen  hatten,  ohne  seine  endgültige 
Krklänmg  zu  erwarten  und  ohne  ihn  als  Hau])t  des  österi-eichischen 
Hauses  vorher  um  seine  Zustimmung  anzugehen.  Er  konnte  sich  vor 
ganz  Europa  beschimpft  fühlen,  da  Jedermann  wusste,  dass  er  die  Prin- 
cessin  begehrt  hatte  und  nicht  von  ihm  die  Verhandlungen  abgeln-ochen 
worden  waren.  Noch  schwerer  empfand  er  es,  das,s  ihm  die  Gelegenheit 
entgangen  war,  die  Niederlande  oder  Mailand  dem  Ueicho  wieder  zu  ver- 
einigen. Er  ermass,  wie  sehr  seine  Macht  dadurch  vergrössert  worden 
wäre  und  wie  viel  Ansehen  und  Ruhm  es  ilim  erworben  haben  würde, 
wenn  er  sich  so  mit  der  That  als  ,.Mehrer  des  Reiches"  erwiesen  hätte. 
Dazu  kam  die  Aussicht,  dass  der  gesanimto  Besitz  Philij)ps  II.  auf  die 
Infantin  übergehen  könne.  Er  meinte,  dann  werde  die  ganze  Welt  ihn 
tadeln,  dass  er  einem  Anderen  solchen  Gewinn  und  die  VorhoiTschaft 
in  der  Christenheit,  die  ihm  als  Kaiser  gebührte,  habe  zufallen  lassen. 


Co)  Der  lelffi»che  Ge*chSftstr»jrer , ArnaUo  ran  der  Hoye  an  Enhz  Älbreclit,  JJ.  October  lö98. 
Br*.  Swet.  d’AIleniapnc  N.  79,  7 Or. 

C6)  Vcndrainin  an  den  Dogen  17.  October  D.  V.  vol.  2S/244  Qr.  Albrecht  kam  am  Ul.  nacii 
Podiebrad,  wo  der  Kaiser  eben  weilte.  Vgl  KheTeobiller  V,  10C6.  Boje  ichrieb  am  9. 
Norember  an  Eraha  Albrecht:  ,£l  personaje  que V. A^cono«ce, ha  rnelto  i hszermc  inBtancia, 
paraque  jo  acnerde  a V.  A**,  qoe  sca  servido  de  advertir  de  quando  en  quando  al  Ktnperador 
de]  sucesM  desta  jomada  j de  laa  demas  occmrenciaa  qae  fgeren  de  algtina  imporlancia,  porqoe 
dice,  qa«  V.  ae  puede  assegnrar,  qne  S.  M ^ C.  reetbira  cn  cllo  inocbo  giuto  y contento 
j tambien  aerrira  para  quitar  tauto  mas  presto  aqaella  nnve  qae  paresec  ay  por  loqae  eesaTe, 
entre  dirha  S.  y V.  A*S  y aasi  entrara  cada  dia  en  mayor  corr<npoRdencia  y conhdencia 
qae  qnanto  importa  por  lo  que  ae  pretende,  ae  dexa  de  conaiderar  a V.  A‘^*  Bn.  Sccr^^t. 
d'Allciii.  K.  79,  *21  Or. 


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24 


Vor  allein  aber  glaubte  er  sich  nun  die  (iefalir,  dn»s  ihm  die  Regierung 
entwunden  werde,  unmittelbar  nahe  geruckt. 

Durch  den  Besuch  Albrechts  mussten  jene  Erwägungen  und  diese 
Furcht  in  der  Seele  des  Kaiser  lebhafter  denn  je  erregt  werden,  zumal 
der  Erzherzog  darauf  drang,  dass  die  Churfürsten  ehstons  zur  römischen 
Wahl  aufgefordert  werden  möchten.  Nicht  lange  zuvor  aber  hatte 
sich  Rudolf,  weil  in  Prag  die  Pest  um  sich  griff,  nach  Brandeis  und 
dann  nach  Podiebrad  begeben , wo  er  aus  Fuivlit  vor  der  Ansteckung 
nur  Wenige  vor  sich  Hess,  und  seine  Minister,  die  Reichshofräthe  und 
die  Kanzleibeamten  hatten  sich,  da  die  genannten  .Schlösser  nicht  hinlänglich 
Raum  boten,  nach  verschiedenen  Oertern  zerstreut.  Am  18.  .Januar  1599 
kehrte  er  dann  zwar  nach  Prag  zurück,  aber  das,  wenngleich  vermindert, 
andauernde  Sterben  Hess  ihn  noch  längere  Zeit  in  seiner  Abgeschlossen- 
heit verharren  und  erst  Anfang  April  waren  die  Reichshofräthe  wieder 
ziemlich  vollzählig  um  ihn  versammelt.  Monate  lang  war  durch  diese 
Umstände  die  Erledigung  der  Geschäfte  unmöglich  gemacht  und  so 
hatte  der  Kaiser  denn  volle  Müsse,  sich  seinen  trüben  Gedanken  hinzu- 
geben. **) 


67)  Khevanhillär  !V%  1845  und  V,  lfi66.  Vgl.  den  Schloss  der  in  Beil&go  I mitgetbeiUen 

Stelle  aoR  dem  Briefe  Yendramios  vom  3.  Mai  and  die  Relation  dee  G.  Soranzo  vom 

Jahre  16H  in  den  Fontea  rerum  Austriacaram  II,  XVI,  2,  wo  die  Heiratb  Albrechta  ala  Ur- 
BJiche  der  Melancliolie  des  Kallers  bexeichnct  wird,  was  offenbar  die  am  ksl.  Hofe  herrscbeotle 
Ansiebt  war. 

68)  Kberenhiller  V,  H>66. 

66)  Vendramin  an  den  Dogen,  Prag  7.  September  1598 ; Nachdem  die  Pest  in  einigen  kleinen 
Städten  des  Kbnigreichs  aasgrbrochen  war,  sind  vorige  Woche  auch  hier  zehn  I^ute  an  ihr 
gestorben,  drei  davon  im  HauR«  Trantson«  nnd  einer  im  Scliloia  Als  der  Kaiser  dies  erfuhr, 
reiste  er  am  ö.  mit  geringem  Gefolge  nach  Brandeis;  seit  sieben  Jahren  hatte  er  abgesehen 
von  der  Reise  nach  ßegensburg  (1594]  die  Stadt  nicht  verla-Rsen.  In  den  letzten  zwei  Tagen 
ist  von  den  mehr  als  160, 0(H)  Einwohnern  Prags  keiner  mehr  gestorben.  D.  V.  28,  198  Or 
Derselbe  an  dens-  Prag  21.  Sept.  1.598:  Am  1.5.  kam  der  Kaiser  mit  sehr  wenigen  Leuten 
hierher  zurück  nnd  ging  nach  vier  Tagen  auf  ein  vier  Meilen  von  hier  liegendes  Landhaus. 
Die  geheim  gehaltene  Ursache  der  Abreise  von  Brandeis  war,  dass  dort  eine  Magd  des  Platz- 
hau]itroanns  an  der  Pest  starb  und  eine  andere  Person  ira  selben  Hause  erkrankte.  Prag  ver- 
Itess  er  wieder,  weil  ,il  sospeüo  va  girando  intomo  dei  suoi  palazzt  et  della  casa  del  signor 
Traueen,  suo  principal  miniatro,  ehe  sc  ne  i andato  egU  ancora  ultimamente  in  altra  parte 
fnori  della  cittä."  A.  a 0.  213  Or.  Am  27.  September  ging  der  Kaiser  nach  Podiebrad.  Ale- 
xander Präntl  an  Hz.  Maxiroitian  von  Baiern  5.0ctober  1598  Ma.  50/9,  10  Or.  Wo  die  Krank- 
heit in  ein  Haus  komme,  meldet  er,  setze  sie  nicht  leicht  mehr  aus,  doch  sei  der  Schrecken 


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Kr  brflteto  darüber , wie  er  sich  an  Spanien  und  Albi-echt  rächen 
und  in  seiner  Stellung  behaupten  könne.  Schon  iin  Jahre  1594  hatte 

verlautet , dass  er  in  seiner  Abneigung  gegen  Sjjanien  beabsichtige, 

.Maria  von  Medici  zu  heirathen,  deren  Oheim,  der  regierende  Grossherzog 
von  Toscana,  zu  Philipp  II.  in  gespanntem  Verhältnkse  stan<l.  Drei 

Jahre  später  soll  — vermuthlich  in  Folge  der  Drohung  Pliilipjjs,  seine 
Tochter  mit  Erzherzog  Albrecht  zu  vermählen  — der  Vertrag  mit 

Florenz  beinahe  zmn  Abschlüsse  gediehen  sein.  ”)  Jetzt  waiwltc  der 

Kaiser  aufs  neue  seine  Gedanken  dieser  Verbindung  zu  und  trat,  wie 
berichtet  wird,  noclimals  in  ernstliche  Verhandlungen  über  sie  mit  dem 
Grossherzoge  ein.  ’*)  Zugleich  liess  er  in  den  Archiven  nach  Urkunden 


noch  nicht  Mlir  gross  und  hoflfi'  mnn  anf  die  Kalte.  Weitere  Bericht«'  des$ielh«'ii  v.  9.  Not. 

25.  Januar.  1.  Febr.  unil  5,  April  1599  (laa.  25,  30.  31.  40  Orr.  Koje  berichtete  am 
0.  Not.  1598:  Die  Pest  greife  Biets  mehr  um  sich  tmd  Terlaufe  stet»  bldlicb.  Gott  gebe,  dass 
bald  Frost  komme.  Bra.  Secret.  d'Allero.  N.  79,  21  Or.  .4m  20.  liecember  schrieb  V'codramin 
dem  Dogen:  .Col  ritorno  dei  giudici  et  dei  ministri  eivili,  venuti  per  obedientia  del  cotnman' 
daroento  di  S.  C.  a resieder  in  quesU  citta,  s'incominciano  aridur  i magistrati  ct  a teuer 
i soliti  coosegli  i>cr  servitio  della  ginstida  et  di  questi  popnü.  parendo.  che  la  peate  ancora 
dia  segDO  di  molto  migiioraiDento.  poicb^  ta  settimaoa  pa:itsata  ne  sono  morti  intomu  a ceoto 
manco  delle  settimane  antecedeutl  di  tutte  le  sorte  di  malattie  ....  Tengoao  pero  ariai  dt 
Poglibena  [Podiebrad].  ehe  8.  C.  stia  molto  nsoluta,  quando  la  cHtä  non  si  Hberi  a certo 
»egno.  altncDO  secoodo  Paso  di  Alcmagna,  sin  a1  giomo  della  Epifania  prossima,  di  rolcr 
trasferirsi  per  ogni  modo  overo  in  qualche  terra  nell'  Austria  overo  in  altra  terra  situata  sopra 
li  confioi  dl  qaesto  regno,  con  fine  di  riduni  appresso  tutti  li  ministri  del  conaiglio  anlico  et 
del  consiglio  secreto,  perche  si  possa  attender  accuratSmente  all!  negotij  quasi  del  tntto  intcr* 
mesai,  m«'ntre  quetta  dlTisione  et  questa  lontananza  oltre  il  rispetto  della  pest«*  ritardano  non 
solaroente  le  espcdiiiooi.  ma  caasano  negl’  animi  di  qnelli  che  negotiano  ct  che  si  trorano  in 
inolta  Dcconita  di  (.-sser  espoditi.  una  grandissima  confosione.''  D.  V.  toI.  2H.  290  Or.  Am 
25.  Januar  berichtete  Vendramin  die  unerwartete  Rückkehr  des  Kaisers,  der  befohlen  habe, 
,che  Del  800  proprio  palazzo  non  enirtno  altri  per  hora  che  alcuni  cavallieri  del  «uo  serritio 
eon  un  solo  aerritnr  per  cadaano.  Del  reato  st  entra  nel  caatello  a trattar  con  li  ministri  con- 
forine  all'  ordinario.”  A.  a.  0.  319  Or.  Boje  meld«'tc  dem  Eizhx.  Albreclit  am  25.  Januar,  der 
Kaiser  lasse  Niomanden  ror,  Dasselbe  Vriebtete  er  am  1.5.  Februar;  nur  den  wallachiscben 
Oraandten  Imbe  er  empfangen ; die  IVst  habe  »eit  dem  Eintritt  der  Kalte  »ehr  nachgelassen. 
Br»,  wie  oben  59  und  Orr. 

70)  S.  Briefe  und  Acten  IV,  470  f. 

71)  S.  den  Brief  Vendramins  r.  8.  März  1599  in  Beilage  I. 

72)  Khevenhiller  IV,  1846.  Boje  schrieb  am  4.  Januar  I.599  an  Erzhz.  Albrecht:  ,Äj  de 
nuero  en  esta  corte  gran  rujdo  de  que  el  Einperador  estä  reauelto  de  casarse  con  la  princesa 
de  Florencia  j dizen,  que  serä  mas  presto  de  lo  que  se  piensa.  Todo  esto  ha  nacido,  sin  que 
se  puede  affirmar  cosa  cicria  dello.  de  un  correo  qne  ba  Tcnido  poco«  dias  ha  ä este  embaiador 
de  Toscana  j qne  el  despocs  haja  sido  dos  rezes  llamado  por  el  Emp«*rador  que  agora  se  halla 

Abh.d.lII.CI,d.k.Ak.d  Wiss.  XV  ßd.  I.  Abth  4 


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26 


Buchen,  welche  zur  Abwehr  etwaiger  Ansjirflche  Albrechts  auf  die  Haus- 
landur  dienen  konnten. 

. Diese  letztere  Massregel  rief  die  Meinung  hervor,  das.s  er  die  Nach- 
folge ordnen  wolle,  und  veraiüasste  den  Erzhei'zog  Matthias,  sich  mit 
der  Frage  zu  Ixjschäftigen.  Da  er  nunmehr  der  älteste  unter  den 
Brüdern  Hudolfs  war,  glaulrte  er  zur  Nachfolge  lierechtigt  zu  sein  und 
er  war  nicht  gesonnen , auf  diesoltx>  zu  verzichten , denn  er  war  von 
Ehrgeiz  und  imruhigem  Verlangen,  eine  hervorragende  Rolle  zu  s|)ielen. 
erfüllt.  Nicht  minder  misstrauisch  als  der  Kaiser -hatte  er  diesen  liereits 


en  Lima  cIdoo  lei^aa«  villa.  adondc  todariA  sc  moerv,  pero  algo  menos  qne  los  <Hss  )ias- 
sados  i>or  Io«  frios  quo  haie."  ür».  ßecret.  d'Allcm.  N.  TU,  5.T  Or.  Vendramin  an  den 

Febraar  lo99 : ,Dei  negotij  del  Granduca  sone  parla  ancora  da  quaicheduno  dei  medeaimi 
ministri  di  8.  C.«  dieendo  eui,  cbe  le  ofTi'rte  di  S.  per  1e  nozze  e per  il  titolo  (eine« 

K5nig«j  siano  dl  tre  ifiilHoni  d’oro,  il  cbe  difTlcilmente  riene  ennlato.  Ka  spana  uoa  voce  la 
settimaoa  ^taasata.  che  ü sr.  ambasciatore  di  Fiorenia  havesse  bavuto  aadlentia  secretU  da  S. 

• ma  csseudo  egit  stato  dal  sr.  Traucen  i tempo  di  notte  et  per  aventura  ä quinto  fine, 
s'intcsc  dapoi,  cb>gll  se  nc  era  riioraato  senz'  c«ser  atato  admesao  in  altra  parte.  Favorisce 
tuttavia  questi  iiegotij,  per  quantu  s'lntende.  ü detto  ar.  Traucen  ioaieme  con  an  medico  di 
S.  C.,  nel  quäle  al  presente  clla  at  coofida  molto.  Mcntrc  ginlrnHc.  ch’iJ  nr.  I{onfo  pro* 
cura  di  dtrertir  la  ho  da  huom'xnima  bnnda,  ehr  e^li  dahita,  ehr  nrl  cor.to  de 

altri  an’  mrsi  dritlittati  dal  Gra»  Dura  jMMga  rmdrerifi  di  prroder  nio^lie,  affrrmandn  eff/i 
jterd  che  pan»alo  il  drtto  irmfut  et  dmidoni  alla  prhtcipenAa,  alln  (fmd  wtMtra  S.  C.  fii* 

clinntione  f altro  prrticiyic,  ai  posMti  poi  teuer  jter  cerio,  che  uou  haldtin  piit  n uutritarsi.*^ 
D.  V.  Or.  Vendramin*  Berichte  vom  8.  März,  5.  und  lU.  April  a,  Beilage  I.  Wie 

vreit  die  Angaben  Vendramin«  im  Kintcliicn  begrändet  sind,  wage  ich  nicht  zu  CDtachelden. 
Boy«  achrieb  am  5.  April  an  Enbz.  Albrecht:  ,Se  habla  todavia  <\A  caaamiento  de  S.  Md.  C. 
coD  la  de  Florencia,  pero  por  llevar  este  platica  maj  secretamente,  no  ae  poede  haata  agora 
afHrmar  cosa  cierta.  Con  todo  eato  no  podrä  tanlar  mucho,  que  no  a«  aepa  en  que  parari, 
porque  de  but-na  parte  be  entendldo,  que  dicha  Md.  C.  haac  determinado  de  qaererae  declarar 
presto  aaai  en  lo  de  au  caaamiento  como  tambien  en  Io  de  la  elecUon  del  rey  de  RomAUoa.^ 
Brs.  wie  oben  137  Or.  Vgl.  Harter  IV,  d-M  und  dfid. 

73)  Am  20.  Januar  159U  schrieb  Krahne.  Matthias  an  Strein:  Wir  hören,  dass  der  Kaiser  .anjezu 
gleichsainb  proprio  motn  io  tracUtione  de  futura  sacecssione  bei  der  cron  Bebaim  umbgiDgen  " 
Zu  dem  Ende  hat  man  Kaiser  Ferdinands  TesUiiieniscodicill  nnd  die  Erbcinigang  zwischen 
Oesterreich  und  Böhmen  von  1364  aufgnuebi.  Auch  criim«rt  der  Kaiser  sich  eines  Reverses, 
dass  Böhmen  nicht  auf  Töchter  vererben  solU-,  n.  a.  w.  Wi  Succcssion  Matthias  I Copie,  ge- 
druckt bei  Luttig  Staatsconsilia  327.  Vielleicht  gab  Rudolf  vor,  <Uas  er  an  die  Ordnung  der 
Nachfolge  denke.  Dass  es  wirklich  der  Fall  war.  ist  bei  seiner  Stimmung  nicht  anzunebmen. 
und  dass  gerade  die  von  .Matthias  bezeichnoteD  Urkunden,  insbeeondere  aber  der  die  Töchter 
aujschlieaaendc  Revers  aufgesucht  wurden,  leitet  mich  zn  der  oben  ausgesprochenen  Angabe. 
Rudolf  mochte  f&rchten,  daas  AIbr<?cht  die  Hauslacde  für  laabella  als  Enkelin  Karls  V.  in  An- 
Spruch  nehmen  könne.  Behauptete  doch  später  auch  l'bilipp  III.  wegen  seiner  graden  Abstain* 
niung  von  Karl  ein  besseres  KcHiht  auf  jene  zu  besitzen  als  Ferdinand  II. 


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27 


früher  auf  das  Gerücht  hin,  dass  ))«i  demselben  für  einen  Anderen  um 
die  Xaclifolge  geworben  werde,  durch  seinen  01)ersthofmeister  Reichard 
von  Strein  an  sein  Recht  erinnert  und  um  dessen  Berücksichtigung  ge- 
Ijeten.  Jetzt  Hess  er  sofort  den  das  Recht  seines  Hauses  auf  Böhmen 
betreffenden  Urkunden  nachforschen,  und  forderte  zugleich  Sti’ein,  der 
als  bester  Kenner  der  Geschichte  der  östen*eichischen  Länder  galt,  zu 
einem  Gutachten  über  jene  Frage  auf,  „damit  er  die  Feststellung  der 
Nachfolge  bei  Gelegenheit  fönlem  könne.“  ’*) 

Bald  glaubte  er  jedoch  eine  solche  Gelegenheit  nicht  mehr  abwarten 
zn  dürfen.  Aua  dem  Reiche  kamen  Nachrichten,  dass  die  Protestanten, 
ei’bittert  durch  den  gegen  Endo  1598  erfolgten  Einbruch  dos  belgischen 
Heeres  auf  deutschen  Boden,  mit  der  Absicht  umgingen,  einen  Angriff 
auf  die  katholischen  Reichsstifter  im  Norden  und  auf  Belgien  zu  unter- 
nehmen und  Heinrich  IV.  von  Frankreich  oder  den  König  von  Däne- 
mark mit  Gewalt  zum  Kaiser  zu  machen.  Einer  derartigen  Erhebung 
schien  das  Haus  Oesterreich  nicht  wioderstelien  zu  können,  da  seine 
Mittel  durch  den  Türkenkrieg  eiswliöpft  waren  und  es  auf  die  Prote- 
stanten in  seinen  Ländern  alsdann  nicht  zählen  durfte.  Unter  diesen 
hatte  ohnehin  in  Folge  der  durch  den  Türkenkrieg  verursachten 
Steuerlast  und  Bedrückungen , der  alwolutistischen  und  germani- 
sierenden Bestrebungen  der  kaiserlichen  Regierimg  und  ihrer  Versuche 
zur  Einschränkung  des  Protestantismus  bedroldiche  Aufregimg  und  feind- 
selige Stimmung  gegen  das  HeiTschorhaus  Platz  gegriffen.  Die  Ungarn, 


74)  Sieh  den  Bescheid  Rudolfs  für  Strein  bei  Harter  V,  410  f.  Harter  setrt  das  SchriftstQck 

ins  Jfthr  160S.  Da  jedoch  Rudolf  sagt,  es  sei  seit  1‘>D4  nicht  das  Min<ieste  wegen  der  Nach- 
folge verhandelt  worden,  kann  der  Bescheid  nicht  nach  dem  oben  erwähnten  Anbringen  Al- 
brechts  bei  dessen  Besnehe,  geaebweige  denn  nach  den  im  Folgenden  za  erzählenden  Verhand- 
lungen mit  Matthias  ertheilt  sein,  ich  mOchte  ihn  in  <ias  Jahr  Io%  setzen,  denn  damals  war 
auch  b«i  den  Protestanten  das  Gerücht  verbreitet,  dass  Kriherzog  Albrecbt  sich  am  die  Nach- 
folge bewerbe;  s.  J.  Bongarsi  epiatola«  ad  J Camerariam  p.  2i^0  und  Im  folgenden 

Jahre  dürften  schon  die  neuen  Mahnungen  des  Ctif.  von  Köln  [s.  oben  8.  *22]  erfolgt  sein,  die 
der  Kaiser  aber  freilich  auch  unerwähnt  lassen  konnte,  weil  er  sie  answetchend  Ixiantwortete. 

75)  Durch  das  in  der  vorletzten  Anraerkong  angefübrb'  Schreiben.  Die  Antwort  Streins  mit  einer 
von  ihm  verfassten  .Infoniiation*  über  das  böhmische  Wahlrecht  finden  sich  abschriftlich  Wi. 
a.  a.  0..  gedrnckt  bet  Lünig  Staatsconsilia  I,  527  ff  Das  dort  541  ff.  gMruekte  Gutachten 
Schlicks  gehört  ins  Jahr  Idlfi  Mer  1Ö17. 

4* 


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28 


Böhmen,  Mähren  und  Schlesier  sprachen  gegenüber  den  Gerüchten,  dass 
Rudolf  seinen  Nachfolger  eritennen  lassen  wolle,  die  Absicht  aus,  auf 
voller  Freiheit  der  Wahl  zu  bestehen  und  die  Kronen,  wenn  sie  durch 
des  Kaisers  Tod  erledigt  seien,  den  Erzherzogen  vorzuenthalten.  Ja 

76)  Vgl.  die  in  der  folgenden  Annivrkong  angcftlhrten  8chreib«n  and  Beilage  III  und  X.  Ueb«r  die 
Anschläge  der  erangeliscbcn  Reicksatändo  berichtete  Adelf  Wolf  gen.  Metternich  am  29.  März 
1599  ähnlich  wie  oben  an  Hz.  Maximilian  ron  Baiern.  Ma.  3.  RIO  eigh.  Or.  Schon  am 
18.  Januar  1699  schrieb  der  belgische  Geschäftsträger  za  Trag  an  Enhi.  Albrecbt:  .Dizete, 
qae  el  atlministrador  de  Saxonia  j el  eteetor  de  Brandembureh  j los  duques  de  Meklenburcb  y 
de  Pomorania  han  pedido  a 8.  Md.  Ces.  licencia  de  poder  venir  a vUiUrla  para  presencial* 
mente  consuUar  con  el  algunas  cosas  de  mucha  importanza.  Soipecbase,  qoe  querräo  tratar 
entre  otras  coaas  de  la  election  de  au  rey  de  Komanos  y acerca  lo  del&religion  y del  remedio 
contra  los  dancts  qae  el  imperiu  resclTe  continuamente  de  la  gaerra  de  los  Paises  Baxoe  y tarn- 
bien  de  la  continaation  de  la  gaprra  contra  e)  Tarco.*  Brt.  Secretairerie  d'etat  Alemande 
N.  79,  57  Or.  Am  24.  Mai  berichtete  derselbe:  Der  Tag  der  Proteatanten  za  Magdobarg  [s. 
Ritter  Union  I,  1H7  f.  Moser  Krt'isabschiede  III,  ;181  llaeborlin  XXI,  540]  ist  ohne 
Beschlüsse  von  Bedeatang  aus  einander  gegangen.  Es  soll  nar  vereinbart  sein,  dem  Katsar  durch 
eine  Gesandtschaft  za  berichten,  dass  über  Sicherang  des  Reiches  gegen  spanische  Einflllle  be* 
ratben  sei.  Einstweilen  entlassen  sie  ihr  Kriegsvolk.  Die  Hauptursachen,  dass  sie  sich  nicht 
Ober  Aasführung  ihrer  Pläne  einigen  konnten,  sind  folgende  drei:  1)  Der  Zwiespalt  zwischen 
Lutheranern  und  Calvinisten.  2)  ,1a  competencia  que  tienen  por  ei  cargo  de  general,  paes  no 
ban  savido  ncertar  eo  hazer  an  rej  de  Komanos.  como  prellenden,  y sin  duda  le  bixieran  esta 
vex,  81  el  administrador  de  Saxonia  concurria,  cumo  no  ha  qoerido  hazer,  y es  quien  inejur 
se  ha  Hevzuio  en  estos  movimientoe  y alborotos  contra  el  dicho  exercito  d.  V.  A“ , porque 
aiempre  lia  hcMiho  por  divorsas  vias  y diligeucias  todo  lo  qae  pudo,  para  aquictarlos“,  3)  der 
Mangel  an  Geld  zur  Bildung  und  Unterhaltung  eines  Heeres,  denn  Wenige  bsbon  welches  und 
diese  wollen  nicht  zuerst  den  Beutel  ziehen,  noch  das  Ihre  für  Ungewlises  wagen  und  sich  für  Andere 
zu  Grunde  richten.  «Deste  exito  y suoeseo  quetia  8.  Md.  Cos.  y toda  esta  corte  muy  alegrada  y 
coDsolada  por  haversele  quitado  el  caydado  que  so  tenia  de  alguna  sullevacion  general  en  Ale* 
maua  con  entroduxir  por  fuerza  un  rey  de  Romanos  herqc  y factioso.*  A.  a.  0.  153  Or. 
Vendramin  berichtete  am  8.  Mai  dem  Dogen:  «Meiitre  questi  pritteipi  protesUnÜ  vaiino  trat- 
tando  di  unir  le  volontä  et  gli  suimi  degP  altri  principi  et  dolle  Terre  franebe  per  il  loro 
cuQgTcsso  destinato  iti  Magdeburg,  haiino  determinato  ultimamente  li  principi  cattoHci  et 
gPecclesiastici  di  ridurre  loru  ancoia  in  nn  altro  convento  affine  di  far  una  lega  defensiva  op< 
posita  ai  detti  principi  Protestant!  cosi  per  prepararsi  io  ogni  eveoto  alla  loro  defeea  come  per 
dimoetrarsi  iutti  uniti  insiome,  aftiachv  i dotti  principi  heretici  vadano  piii  risorrati  nelle  loro 
deliberationi.  Dicono,  che  |M:r  questa  lega  dei  cattolici  sia  stata  ricercata  aucora  la  persona 
dcl  Ser«o  arciduca  Massimiliano  et  che  S.  A**  faablia  ilato  intentione  d'cntrarvi  per  la  di> 
fesa  della  religione.  Ma  am  d*e  quf$ia  maUria  di  e per  ne  nte^sa  tanio  i/eiwia  et 

ptrehe  ei  raffiona  de  eleUiotie  de  re  di  Homani,  menire  chi  la  emnlatU»ne.  traifli  arcidHchi  c 
a cadaHHo  »lollo  ben  uota,  ai  dabita  tuttueia  dt  qmlche  imfiortaHte  traratflh  della  Germtwia 
et  partii'tdarmente  drlla  permtha  di  S.  ('ca.  alla  qHale  i principi  proteataatif  per  qnanto 
ui  ititende,  vogiionn  mandarle  ambanciatnri  per  eignificarle  la  c«Nsn  dtdla  quäl  nouo  mwiHi  ä 
eoler  für  queata  diela  et  ti  pentar  di  armarni  f con  cke  dicono,  ehe  mranno  congionte  altre 
querelle  poiiate  dalle  nne  antiche  jtretcuuiont  ettlorir  per  arentura  am  altri  pretesti 
la  interna  lom  mala  diajiotitione  rernn  la  religione  cattedica**  D.  V.  vjI.  29.  127  (*r. 


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29 


C8  ging  das  Gerücht,  dass  der  Churfürst  von  der  Pfalz  sich  bereits  mit 
Hülfe  mährischer  Adclicher  um  die  böhmische  Krone  bemühe,  und  dass 
er  sieh  den  Anschein  gebe,  als  wolle  er  katholisch  werden,  um  so  bei 
dei'  künftigen  Kaiserwahl  die  Stimme  eines  der  geistlichen  Chnrfürsten 
und  damit  das  Mehr  für  sich  zu  gewinnen. 

Deshalb  und  zugleich  wohl  aus  Sorge  vor  seines  Bruders  Albrecht 
Nelienbuhlerschaft  beschloss  Matthias,  pei-sönlich  in  den  Kai.ser  zu  dringen, 
dass  er  ihm  und  dem  Hause  seine  Kronen  sichern  möge.  Um  seinen 
Vorstellungen  grosseres  Gewicht  zu  verleihen  und  in  der  Furcht , das 
Misstrauen  und  den  Unwillen  Itudolfs  gegen  sich  selbst  waclvzurufen. 
bewog  er  seinen  Bruder  Maximilian,  ihm  nach  Prag,  wo  er  am  lf>.  Mai 
1599  eintraf,  ’*)  ein  Schreiben  zu  senden,  welches  ihn  zu  dem  beab- 
sichtigten Anbringen  aufforderte.  Dieses  mittheilend  mahnte  er  dann 


77)  Sieh  Beilage  II 

7S)  Pränt)  an  Hz  Maximilian  von  Baiem  15.  Mai  159D  Ma.  50/9,  55  Or.  Boye  meldet  in  seinem 
Bericbt  vom  24.  Mai,  Matthias  Itabe  am  17.  Audienz  gehabt,  Vendramin  in  einem  Briefe  vom 
13.  Mai  Maitliias  „havendp  trattato  secretamente  per  leltere  con  S.  C.  ha  ottenuto  licenda 

di  venir  in  eorte  senxa  particlpatione  di  qaelli  del  consiglio.**  D.  V.  Vol.  29,  140  Or. 

79)  Bei  Hurter  t,  407  ff.  Wh.  Rekhsregiatratur,  Matthias  Wahl-  und  Kronangaacten  K.  27 
liegt  ein  Entwurf  tu  eiutfin  Schreiben  Matthias  an  Rrrhz.  Maximilian  vor,  welche«  mit  dem 
bei  Harter  wm^ntlicb  gleichlautend  ist.  K«  beginnt  mit  der  Stelle  bei  Kurier  S‘  406  Zeile  U 
von  oben:  „E.  L>  werden  on  zweifei  aus  den*'  n.  a.  w.  S.  409  Zeile  12  von  unten  heisst  es: 

„Wir  bezeugen  mit  Gott,  das  wir  hierin  nit  uff  unser  person  oder  aigen  intercssc,  sonder 
allain  auf  den  grossen  schaden,  der  unsenn  ganzen  hausa  uff  discr  gcfarlichen  saeh  steet,  ge- 
denken, and  weil  wir  iro  der  eltiste  und  lehentragcr  »ein,  so  vennainen  wir,  schuldig  sein, 
gwistsen  und  Verantwortung  halber  vor  Oolt,  J.  und  den  landen,  uit  weniger  zu  thnn#  alss 
mit  getreuem  brüderlichem  rath , hilf  und  beiitand  E und  erzherzog  Ferdinanden  LL.  bei 
iK'Cbatgedachter  B.  ksl.  Mt  auf  das  glimpfliclüst  alss  immer  muglieb , anbringen  tu  thon,  und 
weren  entschlossen,  inner  wenig  tagen,  zwar  anderer  Sachen  halben,  das  hero»ige  kriegs- 
nnd  guhernamentsweaen  antreffend , zu  J.  Mt  zu  verraisen  nnd  nach  craehender  gelegenhait“  n. 

«.  w.  wie  8.  409  Zeile  4 ff  Dann  heisst  es  S.  410  Zeile  8 von  oben  nach  „besorgen  habe": 
nDsmit  aber  solch  werk  sovü  fruchtparlicher  stathnl  nnd  von  J.  ksl.  M»  im  peslen , wie  e«, 

Gott  weis»,  anderst  nit  gi-meint>  aufgenommen  werde,  so  halten  wir  firas  dienstlich  sein,  dass 
£.  L.  auch  proprio  motu  und  aus«  der  lieb,  affection  und  treu,  so  8i  zu  J.  ksl.  Mt,  dero 
getreuen  landen  und  leuten  und  ganzer  christenhait,  znnial  auch  tu  wolstand  und  crhaltung 
der  catholischen  religion  haben,  auch  aussfihrlich  schreiben,  li  der  im  reich  firiber  laoffenden 

practlcen  und  discurs  hrwemeteo  und  doneben  petben,  si  wollen  als  ein  vatter  des  vatterlands,  I 

dieweil  unser  ganz  hanss  ainiger  t<?iilicher  wolstand  an  J.  ksl.  M*  haftet,  gnedigst  bedacht 

sein,  sich  »elost  vor  angezogenen  aoschlegen  and  practicen  nnd  un.ser  hanss  vor  entlichem  |i 

Untergang,  auf  mass  J.  R ksl  5D  selhrt  am  pesten  wissen,  tu  versichern  und  darinnen  lenger  j 

nit  za  feiern.  Darbei  E L.  sich  erpietten  mechten,  das  Sie  wollen  auf  alle  anschleg  gutte  I 

( 

I 


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30 


<len  Kaiser,  entwoiler  selbst  zur  Heirath  zu  schreiten  oder  die  Nachfolge 
festzustellen.  *®)  , 

Rudolf  nahm  da.s  Anbringen  unerwartet  günstig  auf.  Ei'  Hess  seine 
vornehmsten  Minister,  Ruiujif,  Trautson  und  Hornstein  mit  dem  Kanzler 
seines  Bruders,  Wolf  von  Unverzagt,  in  Berathung  treten  und  als  diese 
dringend  empfalilen , Matthiius  so  bald  wie  möglich  zum  Nachfolger  in 
Böhmen,  dann  im  Reiche  und  schlie&slich  in  Ungarn  emeimen  zu  lassen,  *') 
erklärte  er  sich  dazu  bereit.  **)  Es  wurde  sogar  schon  eine  Urkunde 


achtung  geben,  J.  ksl.  derselben  avisieren  und  sieb  in  alle  miiglich«  wog  aU  «nn  gobor- 
samor,  getreuer  broedor  erzeigen,  piltent,  disc  erindernng  von  £.  L.  irn  pesten  anfzanemen. 
So  hoffen  wir  es  solle  unser  anbrigen  nit  one  fnicbt  abgeen.  K.  L.  wolb  n sich  aber  weder 
mund>  noch  schriftlich  nit  merken  lassen,  das  wir  etwa«  dafon  wissen  oler  bei  K.  L.  nrglert 
betten**.  Der  Schlnaa  S.  410  Zelte  9 von  oben  „Darüber  dan  anch  G.  L *'  n.  • w.  fehlt  in 
diesem  Entwürfe.  Auf  dessen  Rückseite  steht:  „fn  stmili  ist  erz  Perdinan«!  zu  Qratz  enocht 
Alles  beratschlagt  mit  hern  Reicharten  Strein,  4.  Mai  Dass  FtTdinand  dein  Kaiser  ge> 

schrieben  habe,  ist  nicht  überliefert.  3dazimUian  schrieb  am  *22.  Mai  aus  Mergentheim  an 
Ciiverzagt:  Wir  haben  Deine  Briefe  vom  1.,  4.  and  8.  mit  dem  geheimen  Schreiben  Matthias* 
erhalten.  Letzteres  betreffend  hatten  wir  Bedenken,  cs  an  den  Kaiser  zu  richten,  „weil  Dir 
selbst  uflTcrborgen,  wie  leicht  und  viel  ehr  man  ein  argwöhn  auf  uns  als  auf  andere  wtirft*^ 
Wir  haben  deshalb  das  Schreiben  an  Matthias  gelichtet,  damit  er  es  dem  Kaiser  bei  Qelegcn- 
heit  voneigen  könne,  and  wir  haben  es  mit  eigener  Hand  gesebrioben,  damit  ea  desto  weniger 
Uflension  veranlasse  uni  geltotm  bleibe.  Ib.  Auagangene  Schriften  1599  Cpt.  Vor  das 
Schreiben  des  Matthias  gehören,  wie  ihre  in  jenem  wie>ierklingendc  Einleitung  zdgt , die 
beiden  von  Khlesl  gefertigten  Entwürfe  bei  Hammer  Khlesls  Leben  I.  n.  132  und  die 
dort  vom  Jahre  datiert  sind,  und  zwar  sollte  die  zweite  Namraer  vor  der  ersten  stehen, 
wie  der  dieser  angehaugte  und  Silschlich  bei  der  zweiten  wiederholte  Vermerk  ausweist  Aus 
dieses  Schriftstücken  erhellt,  dass  Matthias  zunächst  daran  dachte,  den  Kaiser  schriftlich  an* 
zugehen.  Dies  mochte  dann  unterbleiben,  weil  man  fürchtete,  keine  Antwort  zu  erhalten. 
Das  Schreiben,  welches  Harter  v,  71  durch  Khlest  an  den  Kaiser  richten  lässt,  und  welches 
er  frühstens  in  den  Anfang  des  Jalires  1600  setzen  will,  ist  nach  der  von  ihm  mitgetheilten 
Stelle  olTenbar  einer  der  von  Hammer  mitgctheiUcri  Entwürfe. 

80)  Vgl.  Hammer  I,  n.  137. 

(*I)  S.  Ildlage  III. 

s*>)  Am  31.  Juli  1599  schrieb  Erzbz.  Maximilian  aus  Mergentheim  an  Unverzagt:  Aus  Deinem  erat 
heute  cingelanfonen  Selireibcu  vom  3 habe  ich  vernommen,  .dass  I.  Mt.  die  bewußte  geheime 
aach,  die  bishero  so  faaia  und  kizlich  gewesen,  dermassen  gnedigst  aufgenommen,  das  sie  ea 
dermaleins  zu  gemuth  gefast  and  nunmehr  mit  denen  gedaoken  umbgehen  Der  almechtig 
verleihe,  das  sie  cs  ihro  der  Wichtigkeit  and  nothweudigkeit  nach  recht  mit  ernst  lassen  ange« 
legen  sein  So  thetten  auch  1.  Mt.  mit  mir  gar  recht,  wan  sie  nit  allein  die  alten  Österreich» 
iseben  kleinotter,  kaiserliche  cron,  habito  und  was  dergleichen,  sondern  auch  das  Und  ver» 
sicherten,  dan  wie  ihrer  vielen  leider  gar  zu  sehr  die  zunge  nach  der  rerenderung  (des  Herrscher* 
hauscs]  liengt  and  bei  diesen  practizierischen,  unsers  thails  aber  säumigen  loufen  zu  befahren, 
wurden  habit , cron  und  kleinötter  wenig  helfen,  wan  das  land  vcrlohren  wehre  Drumb  weil 


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31 


entworfen,  durch  welche  Matthias,  falls  er  erwählt  würde,  versprechen 
sollte , wenn  Rudolf  noch  einen  ehelichen  Sohn  erhielte , diesen  statt 
seiner  eigenen  Kinder  zuin  Nachfolger  zu  befördern. 

Am  Hofe  erzählte  man  sich  bald  danach,  dass  Rudolf  seinem  Bruder  an 
seiner  SUitt  die  Hand  der  florentinischen  Prinzessin  zu  vei’schaflfen  suche, 
und  dass  er  eutschlos-sen  sei,  demselben  in  nächster  Zeit  die  Nachfolge 
in  den  Hau.sländern  und  im  Reiche  zu  sichern,  und  als  Erzherzog  Maxi- 
milian eine  Reise  durchs  Reich  unteniahm,  auf  der  er  den  Herzog  von 
Wirtemberg,  die  Churfürsten  von  der  Pfalz  und  von  Mainz  und  den  Ad- 
ministrator von  Sachsen  besuchte , wollte  man  wissen , dass  sein  Zweck 
sei , im  Aufträge  des  Kaisers  den  Practikcn  des  Königs  von  Frankreich 
um  die  römische  Krone  ontgegenzuwirken.  Wir  sind  nicht  im  Stande, 
den  Werth  dieser  Gerüchte  festzustellen.*“)  Thatsache  ist  jedoch,  das,s 
Rudolf  im  .August  die  seit  lange  erledigten  grossen  Iröhmischon  Krön- 


Jbr  dieser  Zfii  eia  ohr  b«ror  btU,  so  helft  d&s  beste  rathen  uml  hottet  Euch  nur  ror  dem 
(refehrlichen  siebeDburgischon  c&rdinale,  (Aodreaa  Bathory]  dan:  ex  Transylrania  omne  malum, 
hatt  der  tod  Teuffenbach  alweg  pfleget  xu  prognoettcieren.“  Ib.  AosgaDgene  Schriften  151*0 
Cpt-  — Am  25.  daoi  rfiste  Hatthia«  von  Prag  ab»  nachdem  der  Kalter  ihn  xuin  Qcneralfeld- 
obertt  für  Ungarn  ernannt  iiatte.  PrftntI  an  Hx  Maximilian  Ton  Baiern  3.  Juli  1-VJ9.  Ma. 
50/»,  02  Or. 

S3)  Nur  hierher  kann  ich  die  Stelle  bei  Hammer  Khlesl  111.  Beilagen  S.  iS7  bexieheo,  da  der 
Bevera  nach  ihr  von  Unreraagt  entworfen  wurde.  Wenn  Harter  VII,  31  Anni.  73  bemerkt, 
.das  Original  des  Rereraes  besage,  dass  es  durch  Rudolfs  Oberstkammerer  Leonhard  Helfericb 
Ton  Meggan  rerfaast  worden  sei*',  so  ist  dagegen  zu  bemerken,  dass  M.  nie  Radolfs  Oberstkäm* 
merer  war  Lag  Harter  ein  Rerera  ron  Meggaas  Hand  Tor,  so  kann  derselbe  nnr  1600  ent* 
standen  sein.  Vgl.  Kberenhiller  Conterfot  II,  29.  Es  wären  dann  zwei  Reverse  aozu* 
nehmen,  da  das  Zeagnia  der  Stelle  bei  Hammer,  die  Harter  nicht  kannte,  unanfechtbar  ist. 

84l  Sieh  Vendramtns  Boricbto  ln  Beilage  IV. 

S5)  Woher  Vendramin  seine  Nachrichten  hat,  ist  nicht  ersichtlich.  Die  einzige  rollig  sichere,  aber 
kochst  dürftige  Mittbeilong  über  Maximilians  Reise  verdanken  wir  einem  Briefe  desselben  an 
Rudolf  11.  vom  17.  September  1599  aus  Frankfurt  a.  M.  Dario  meldet  der  Erzherzog:  Ich  bin 
am  29.  Augast  zu  Kirchbeim  unter  Teck  beim  Herzog  von  Wirtemberg  gewesen.  Dieser  hat 
mir  unter  Anderem  gesagt.  £.  Mt.  möge  nicht  länger  die  vonlerösterreicbischen  Lande  ohne 
ein  anwesend  regierendes  Haupt  lassen  und  den  Rätben  besser  auf  die  Finger  sehen,  denn  das 
jetzige  Wesen  könne  nicht  Bestand  haben.  Am  5.  September  reiste  ich  weiter  and  kam  am 
7.  zom  Churfürsten  von  der  Pfalz  nacli  Qeiroersheim,  der  mir  ausserordentliche  Ehren  erwies. 
.Hag  E.  Mt.  woll  Tcrgwissen,  das  ehr  ein  feiner,  verstendiger , treubeniger,  offener  herr  ist 
aber  der  zeit  noch  fast  sehr  von  seinen  rätben  dependirt.  Hat  sich  eotscholdigt,  das  er  nit 
gern  an  die  izige  teutsche  Kriegsausrüstung  kommen,  sondern  vom  marggraffen  [von  Ansbach] 
darzn  beredt  sei  worden.*  Er  scheint  sehr  geneigt,  E.  Mt.  za  besacben  und  tbut  es  vielleicht 
bald  von  der  Oberpfalz  aus.  wozu  ich  ihm  sehr  gerathen  habe.  Am  II.  begleitete  er  mich  eine 


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32 


ämter  mit,  Katlioliken  l)es»!tzt«?,  **)  eino  Matwrogel , welche  ihm  seine  Mi- 
nister in  ilirem  oben  erwähnten  Gutachten  als  erste  Vorbereitmig  der 
bölunischen  Wahl  empfohlen  hatten. 

Weiter  aber  ging  er  nicht.  Ks  mochte  ihm  ganz  genehm  gewesen  I 

sein,  Matthia.s  als  Nachfolger  in  .\ussicht  zu  nehmen,  um  dadurch  Al- 
brechts  Wünschen  entgegenzuwirken.  Wie  er  je<loch  die  spanische  Hei- 
inth  und  dann  die  florentinische  immer  und  immer  wieder  verschob,  so 
konnte  er  auch  in  der  Wahlfrage  nicht  zum  Ent.schlu.H.se  kommen  uml 
schon  regten  .sich  FuiTht  mul  Argwohn  in  ihm  auch  gegenül>er 
.Matthias.  *’) 

Im  Septeml)er  1599  kam  dieser  aufs  neue  nach  Prag.  ***)  Ohne 
Zweifel  drang  er  auf  die  Ordnung  der  Nachfolge.  Er  erreichte  jedoch 
nichts  und  empfing  übei'haupt  auf  keinen  seiner  .Vnti'äge  gewähi'enden 
Bescheid.  • 


ganz>>  Ta^reise  weit  bis  nach  Frankenth&I.  Am  1:1  war  ich  zu  Mainz  beim  CburfOrsten. 
Am  PI  kam  ich  nach  Knnkfurt,  Ton  wo  ich  nach  Fabla  ziehe,  om  dort  einige  Irrungen  bei* 
zulegen.  Ib.  Ausgnngene  Schriften.  Cpt.  Am  22.  October  schrieb  Mniinülian  dem  Kaiser  aus 
Eisenach,  am  26.  nua  Weimar,  ohne  jedoch  nach  da  den  eigentlichen  Zweck  seiner  Reise  anza> 
denten.  Ohne  Zweifel  gesebnb  dieselbe  mit  Vorwif^sen  des  Kaisers,  dessen  Argwohn  sonst  zu 
Rirchten  war,  und  das  Aufsochen  der  Churfürsten  lasst  rermutben,  dass  es  sich  um  die  WahN 
frage  handelte.  Am  4.  September  berichtete  Vendramin,  Matthias  habe  gegen  Vertraute  Arg- 
wohn über  Mszimilinns  Reise  zu  den  Churfürsten  genusseri,  „dubitando,  cb<&  sia  stato  usafo 
doppio  artificio  per  opera  fors«  di  interessati,  aftinc  di  gtnerar  qualche  dirisione  sco|teita 
sopra  la  elettione  de  re  de  Romani  tra  essi  fratclli."  D.  V.  29,  :K>1  Or. 

Bericht  Vendramios  v.  2'^.  August  l.‘>!)9  in  Beilage  IV. 

X?)  V^gl.  Hammer  Kblrsl  I,  Beilagen  3.  629. 

Er  war  dort  vom  2.  bis  znin  10.  Berichte  Vendramins  D.  V 2t^,  :46  und  654  und  Print!  an 
Hz.  Maximilian  Ton  Bayern  11.  September  l>^i99.  Mn.  MO  Or. 

x9)  Der  venezianische  Gesandte  Pkro  Duodo  [er  kam,  um  Vendramin  abtulösen  am  4.  September 
nach  Wien,  wo  er  wegen  der  Pest  blkb;  am  10.  November  kam  er  nach  Rockezan.  D.  V.  29. 
:W-'>  u.  46H|  berichtete  unter  dem  IS.  September  aus  Wien:  ,8.  A**  tornato  da  Praga,  per 
quanto  ho  inteso  da  qualche  suo  domestico,  h moffo  mal  mdutfatto  per  non  haver  potuto  otte- 
nere  ninna  delle  cose  che  ba  ricercate.  Si  doigono  i sooi.  ehi  l'arcidaca  non  bsbbia  bavnto 
antorita  da  8.  M*i,  onde  narco,  clA  non  sü  obbedito  ci  stimnto,  et  da  questo  hanno  scoperto 
il  poco  gnato  che  vive  tra  TA**  S.  et  tl  contc  di  Squaitcmbcrg,  odiatiseimo  da  iutti  li  soldati 
si  per  commandare  con  poca  humanita  come  per  acoompagnarlo  con  troppo  avidita,  la  quäle  so 
non  c lodaU  in  un  soldato,  si  deve  perb  granderoente  biasimavp  in  un  cajdtano  et  molto  [piu] 
in  un  generale."  D.  V.  29,  676  Or. 


I 


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33 


IV. 

Inzwischen  gelangte  eine  krankhafte  Anlage , die  in  des  Kaisers 
Natur  vorhanden  war,  mehr  imd  mehr  zur  Entwickelung.  WahrBcheinlich 
hatte  er  diese  Anlage  von  seiner  Mutter  ererbt.  Im  ältesten  seiner 
unehelichen  Söhne,  in  dem  Markgrafen  Juliu.s,  w'uchs  sie  bis  zur  Tob- 
sucht. ”)  Bei  ihm  selbst  gab  sie  sich  früh  in  dem  Widerwillen  gegen 
Verkehr  mit  Menschen  kund  und  sie  mochte  hinwieder  durch  seine  Ab- 
geschlossenheit, durch  seine  nächtlichen  Studien,  durch  sein  Verweilen 
in  dunsterfüllten  laiboratorien , durch  seine  geschlechtlichen  Ausschweif- 
ungen und  neileicht  auch  durch  ein  von  Zeit  zu  Zeit  wiederkehrendes 
äusserliches  Leiden**)  verstärkt  und  ausgebildet  werden.  Wurden  seine 
Nerven  durch  Verkehr  mit  Fremden , durch  unerfreuliche  Nachrichten 
oder  Verhandlungen,  ditfch  Widerstand  gegen  seine  Alwichtcn  oder  dm'ch 
Anderes  wie  etw'a  den  Tod  eines  Vertrauten  erregt,  so  bemächtigte  sich 
seiner  ein  Trübsinn,  der  ihn  unzugänglich  und  zur  Erledigung  der  Oa- 
schäfte  unlustig  machte. 

Seit  dem  ersten  Jahre  seiner  Regierum;  hatten  sich  derartige  An- 
fälle von  Schwefmuth  mehr  oder  minder  heftig  und  länger  oder  kürzer 
dauernd  von  Zeit  zu  Zeit  eingestellt.  **)  Dem  Besuche,  den  ihm  Erz- 


90)  Kb^Tenbilter  III,  H62  and  V,  22*26  Qb«r  die  Schwermath  der  Kaiierio. 

911  Qindely  Rudoir  n und  seine  Zeit  II,  ff. 

92l  In  dem  Anm.  79  erwähnten  Briefe  Tom  22.  Uei  1599  bei  Harter  V,  409  mgt  Enhz. 
M&ximilien,  daee  der  Kauer  «lu  Zeiten  ihre  Leibsindiapoiitionen*  [eo  ist  zu  leeen]  habe.  Nach 
dem  Anm.  2 roit^etheilten  Briefe  i»t  wohl  nur  an  eine  aoaserliche  Krankheit  fii  denken. 
Vgl.  aoch  Anm.  24. 

93)  Schon  in  einem  [mir  von  Herrn  Dr.  von  Bezold  raitgetheilten]  Schreiben  eines  pfäher  Beamten 
Toro  10,  October  1.577  an  Chf.  Ludwig  heisst  cs.  da«  in  Folge  der  durch  verschiedene  Ge- 
sandtschaften benrorgerufenen  Unruhe  am  kaiserlichen  Hofe  •die  kal.  Mt.  fast  meUnelK>lisch 
sich  erzaig.*  Zum  Jahre  I.VS1  Tgl.  Hurter  II,  313  Anm  17H  und  oben}  su  1582  s.  Hae- 
berlin XIV,  352;  zu  l-'i88:  Quellen  and  Erörterungen  VllI,  392,  406  und  409;  zul590fg. 
I.  Briefe  und  Acten  IV,  Register  s.  t.  Am  9.  April  1.591  schrieb  Graf  Wilhelm  von  Zim- 
mern an  Rrzhz.  Ferdinand  von  Tirol:  Audieni  ist  .schwer  zu  oriialten,  „weil  I.  ksl.  Mt.  umb 

weilend  hern  Claudten  vonTrivuU  (welchen  I.  Mt.  etlicher  derselben  hochwichtigen  obgelegenen 
Sachen  und  handlangen  halben  gehn  Rom  verschicken  wollen,  tötlieben  ableben,  so  erst  ain 
tag  vor  meiner  hieherkonft  [4.  April]  besebeben,  sich  etwas  traneng  und  unmuetig  ersaigen 
sollen.'*  Ib.  Ferdinanileum  n.  105  Or.  [Trivulz  war  Obcrststallmeister  des  Kaisers,  Kbeven*- 
hiller  I,  7U7,  vorher  vielleicht  der  Kaiserin,  das.  1.  190;  E^iinger  Rel.  hist.  1591,  II,  53, 
der  seinen  Toi!  auf  den  1,  April  setzt,  sagt,  er  «ei  sehr  betrauert  worden,  .»dan  er  nit  allein 

Abb.  d.  Ul.  a.  d.  k.  Ak.  d.  Wisi.  XV.  Bd.  1 Abth.  5 


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1 


34 

Herzog  Albreclit  auf  seiner  Brautfahrt  abstatteto,  folgte  ein  neuer  An- 
fall. Derselbe  mochte  von  vornherein  um  so  heftiger  sein,  je  schwerer 
Rudolf  durch  die  Heirath  seines  Bruders  gekränkt  und  beunruhigt  war 
und  je  strenger  er  sich  gerade  damals  aus  Furcht  vor  der  Best  abschloas. 
Gesteigert  wurde  seine  Kraft  durch  den  Zorn  und  die  Sorge,  in  vrelche 
der  Kaiser  durch  den  gegen  Ende  des  Jahres  1598  erfolgenden  Einfall 
des  spanischen  Heeres  in  Norddeutschland  versetzt  wurde.  Diese  Ein- 
lagerung erschien  als  die  schimj)flicliste  Antastung  des  Reiches  und  der 
kaiserlichen  Hoheit  und  erbitterte  Rudolf  um  so  mehr , je  feindseliger 
er  ohnehin  gegen  Spanien  gesinnt  war.  Er  erfuhr  zugleich,  dass  ihn 
die  evangelischen  Stände  im  Einverständnisse  mit  den  Spaniern  glaubten, 
er  hörte  von  den  Plänen  derselben,  ihn  abzusetzen,  und  die  gleiche 
Absicht  zu  Gunsten  Albrechts  argwöhnte  er  vermuthlich  als  Ursache  des 
spanischen  Einfalls. 


I.  ksl.  Mk.  sehr  Heb  und  werth  gewest,  »onder  euch  lonak  Ton  jedertninoiglich  geliebt,  um 
dses  er  sich  so  freuodlich  and  holdselig  ohne  einige  HofTshrt  gegen  jedermenn  gehalten,  dase 
ihm  mernnnd  [Anderes]  dAnn  Alles  Oats  hat  nAchsagen  mögen.*^  Als  ksl  OesAndten  erw&hnt 
ihn  Theiner  Annslee  eccles.  II,  2o  schon  1575.  Vgl.  auch  Chlumecky  Karl  ron  Zierotin 
118].  Am  7.  Hai  meldete  Zimmern,  der  Kaiser  sei  noch  immer  schwer  tugänglich;  ihn  habe 
derselbe  jedoch  eehr  gnftdig  empfangen , ihm  nnterstutxt  tod  dem  Kammerdiener  Popp  Trink- 
geschirro  aus  böhmischen  Edelsteinen  gezeigt  and  sieh  ,^o  ganz  gnedigist  und  domostieo**  er- 
wiesen, wie  er  es  seit  lange  nie  mehr  gethan  haben  soll,  ansser  gegen  Strein,  der  aus  Polen 
gute  Nachricht  brachte.  A.  a.  0.  Am  18.  Fehnuir  150H  schrieb  BarTitios  an  Hz.  Wilhelm 
TOD  Batern : Wenn  Hz.  Maximilian  nach  Prag  [s.  Briefe  und  Acten  IV,  128  flt.]  soviel  Gefolge, 
wie  heabtiebtigt,  mitbringt,  ist  zu  fhrebten.  „ne  tantus  strepitns  Caesarem  vehementer  offondat, 
qtti  jam  principem  enm  exiguo  comitatu  Inbens  ac  desiderans  expectat,  ab  bominum  eonspeetn 
usqoe  adeo  in  dies  magU  abborrens,  nt  suos  vix  ferre  cubicularios  poRsit,  ut  bodie  per  mediaro 
horam  dobitaverit,  nutans,  an  ad  saernm  prodiret  priratnm  perordinariornm  ministrorum  seriero, 
qoae  astare  solet . . . . Si  praeter  baronem  Polweiler  tres  vel  nt  snmmnm  quatnor  enbieuUrii 
ant  cubiculariornm  loco  sint,  sufßcerc  [videbatnr.]  . . . Patres  ant  eomm  mentio  cum  alias  in* 
grata  tum  hoc  maxime  tempore,  hae  occasione;  quos  plane  relinqoendos  putant,  cum  nostri  ad 
manmn  sint  Poeros  nobiles  nuUos  neque  inferiores  cubienii  ministros  niultos  archtdnees  fra- 
tres  addneere  consuoverant.  Ut  nno  verbo  omnia  comploctar:  quo  minore  comitato  ac  strepitu 
Tcnerit  quo  Caesari  acceptior  futurus  priuceps.  eul  in  solitodine  consueta  et  in  silentio  singu- 
lärem alias  amorem  ostendet .....  Quod  roagnum  comitatum  ac  strepitum  Caesar  usque  adeo 
fugit,  sola  cansa  est,  cur  ad  congressaro  Brandenburgici  et  Saxoniae  adroinistratoris  non  venia- 
tnr,  qui  id  jam  diu  qoam  maitme  desiderant  atque  Optant.**  Ma.  417/8,  9,  eigb.  Or.  Am  20. 
Februar  bemerkte  derselbe;  „Itomesticis,  qui  ex  roodesto  Monaebiensi  quasi  monasterio  veoiant 
facile  erit  seae  noitro  eremitorio  accommodaro."  A.  a.  0.  13.  dosgl.  Vgl.  Beilage  XI. 

94)  HierQber  im  fünften  Bande  der  Briefe  nnd  Acten  Näheres. 


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35 


Unter  diesen  Kinwirkungen  ging  der  Trübsinn  des  Kaisers  in  angst- 
volle und  gereizte  Erregung  über,  die  ilui  so  übellaunig  und  verstimmt 
machte , dass  lieinahe  keiner  seiner  Käthe  mehr  mit  ihm  verhandeln, 
keiner  seiner  Kämmerer  und  Diener  mehr  ihm  aufwarten  konnte. 

Als  er  nach  Prag  zurückgekehrt  war  und  die  Pest  nachliess,  trat 
Besserung  ein.  Er  gab  wieder  Audienzen , die  er  seit  sechs  Monaten 
verweigert  hatte,  widmete  sich  — sogar  mehr  als  früher  — den  Ge- 
schäften und  nahm  gegen  seine  Gewohnheit  an  Sitzungen  Theil,  zu 
welchen  sämmtliche  anwesende  Käthe  erschienen.  **)  Kiusch  sank  er 
jedoch  in  den  alten  Zustand  zurück , da  immer  heftigere  Klagen  über 
das  Hausen  der  eingefallenen  Spanier  und  immer  beunruhigendere  Nach- 
richten aus  dem  Keiche  einliefen.  Seine  Gereiztheit  wandte  sich  nun 
auch  gegen  den  ersten  seiner  Minister,  Wolfgang  von  Kumpf  zum  Wuel- 
ross,  Freiherrn  auf  Weitra« 

Rumpf,  welcher  Rudolf  schon  während  jener  Jahre,  die  derselbe 
als  Jüngling  in  Spanien  verbrachte,  zur  Seite  gewesen  war,  hatte  all- 
mählich die  vornehmsten  und  wichtigsten  Aemter  an  sich  gebracht.  **) 


9o)  Boj«  AD  Sao  Gement«  21  December  Brg  Secret  d'AlI.  N.  79,  49  Copie.  [Diesen  Brief 
werde  ich  im  fünften  Bande  der  Br.  n.  A.  mlttheilen.]  Am  4.  Jnnoar  1599  schrieb  derselbe  an 
Ertbt.  Albreeht:  Der  Kaiser  „esta  mny  roelaDConico  y mohino  de  manera  qne  caai  nin^n  ca* 
marero  o ajmda  de  camara  pnedo  mas  esUr  con  eV*  Das.  55  Or. 

96)  Vendramin  an  den  Dogen  15.  Febroar  und  8.  MArz  1599,  D.  V.  :M5  and  29,  8 Or. 

97)  Id  einem  Schreiben  aas  Prag  v.  3.  Mai  1599  heisst  es : „I.  Mt.  alteriren  and  enüroen  sich  ob 
diesem  anwesen  [dem  spanischen  Einfall  und  der  Zerschlagung  des  Depatationstages]  so  oft 
und  heftig,  das  lestUch  nichts  gnets  daraus  kommen  möchte.**  Ma.  292  3,  211  Copie. 

98)  Vgl.  KhevenhilUr  Conterfet  II,  66  Anm.  d.  and  Annalet  III,  770,  Harter  111,  32  ff.  und 
Briefe  n.  Acten  IV,  Register  s.  t.  Am  2.  Januar  1590  schrieb  der  bairische  Agent  Haber* 
stock  an  Ht.  Wilhelm ; Es  heisst,  der  Kaiser  wolle  den  alten  Leonhard  ron  Harracb  als  ge- 
heimen Rath  bemfen:  „das  halten  etliche  für  ein  sebwera  ding,  dann  lu  dem  er  tU  starker 
begeren  thnen,  wQrde  er  etliche  Ding  ln  dem  stand  si  jezo  seind,  nit  bleiben  lassen.*'  Ma. 

147/11,  34  Or.  Eyxlnger  ReL  hist.  1590,  I,  76  sagt,  dass  als  Nachfolger  des  1589  Terstor- 
beneo  Obersthofmeisters  Adam  too  Dietriebstein  Rumpf,  der  Botschafter  Khereohüller  und 
Leonhard  ron  Harrach  in  Frage  seien.  Harracb  verlange,  dass  er  vorher  xum  Präsidenten  des 
geheimen  Käthes  ernannt  und  der  ganze  Hof  seinem  Befehle  unterstellt  werde.  Lettierem  Be- 
gehren stehe  entgegen,  dass  dem  Hofkainmerprisidcnten  [Hofmann]  sein  Amt  mit  dem  Vorbe- 
halt übertragen  sei,  dass  er  Niemandem  in  gehorchen  und  Rechenscliaft  zu  geben  habe  als  dem 

Kaiser.  A a.  O.  1592,  I,  48  meldet  dann  Eyxinger,  nach  Dietrlchsteins  Tode  sei  an  Harrach  J 

and  Hans  von  Trautson  gedacht  worden;  weil  diese  abgelebnt,  sei  das  Oberstbofmeisteramt 

5*  ' 


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36 


Als  Oberstkänimerer  beaufsiolitigt«  er  den  Dienst  für  die  Person  des 
Kaisers,  besorgte  dessen  Privatangelegenheiten,  vermittelte  alle  Audienzen 
imd  hatte  selbst  unangemeldet  Zutritt;  als  V'erwaltor  des  Oljersthof- 
meisteramtes  war  er  an  Hang  der  erste  und  dem  gesammten  Hofweson 
vorgesützt  und  als  Phi-sidtmt  de.s  geheimen  Käthes  stand  er  an  der  Spitze 
der  ganzen  Hegierung  und  Verwaltung.  Je  schwerer  zugänglich  Rudolf 
war,  desto  gi-ös.sere  Bedeutung  verlieh  es  Kumpf,  dass  er  demselben 
jeclerzeit  nahen , misliebige  Einwirkungen  fernhalten  und  über  alle  An- 
gelegenheiten seine  Meinung  vortragen  konnte.  Nur  der  Keiclisvice- 
kanzler  Jakob  Kurz  von  Senftenau  machte  ihm  eine  Zeit  lang  den  mass- 
gebenden Einfluss  streitig.  Dessen  Nachfolger  Rudolf  von  (,’oraduz  ver- 
mochte es  nicht  und  der  Obersthofmarschall  und  lleichshofrathspräsi- 
dent  Graf  Paul  Sixt  von  Trautson  sowie  die  Geheimräthe  Hans 


zuerst  von  Kampf  und  d«nn  Ton  Paul  Siit  Trautson  rerwaltet  worden.  Letzteres  kann  nur 
vorQberj?«bend  der  Fall  gewesen  sein.  Vgl.  KheTenhiller  Ännalcs  IV,  1210.  [Ceber  Har- 
rach  t.  Harter  I,  5,  240;  Hammer  Khlesl  I,  Beilagen  n.  4d;  Khevenhiller  Annalea  I, 
190.  II,  :M7.  ;t49,  W2,  III.  «12.  770.] 

99)  Am  18.  November  l.VJ.'i  [?]  schrieb  der  bairische  Agent  zu  Rom  Richard  Stravius  an  Hz.  Ma- 
ximilian: Der  Kaiser  soll  sich  um  die  Ernennung  des  Franz  von  Dietrichstein  zum  Cardinal 
bemQben.  „Corradutio  audto  consilia  et  officia  illa  non  pUcere.  Sunt,  qui  putant,  hule  digni- 
tati  inbiare  ipsuimnet  Romanamquo  fortunam  reputare  mnito  »olidiorem  quam  rragensem,  ubi 
se  inridiae  jaculis  et  aulae  fluctibus  cemit  esse  obnoiium  nullaque  firma  amicitia  adTcrsas 
ejusmodi  jacnla  iimixom.  Romfinm  inprimis  videtur  metuorc,  qui  ejtu  liberUtem  facilemqu« 
apud  Caesarem  accessum  et  proclivem  gratiam  non  facilo  patHur;  timet  enim,  ne  nimis  paulo 
poet  audeat,  quemadmodum  nuper  Curtius;  ho«  ctiain  veterfs  dient««,  qui  in  urbe  sunt,  ne- 
glectoa  a Coradutio  conqueritur  **  Ma.  ^48/^18,  14  Or.  Ueber  Kurz  vgl.  Briefe  und  Acten  IV,  im 
Register  s.  ▼.  Als  Reichshufrath  erw&bnt  ihn  Khevenhiller  I,  2^0  schon  15H2.  Am  28. 
Januar  1598  berichtet  Joliann  Manhart  an  Hz.  Wilhelm  von  Baiernr  „Herr  Kurz  soll  kQnlich 
als  rechter  reichshofviceVaniler  publicirt  werden.”  Md.  I.  Zeitungen  n.  1.  Or.  Als  Verwalt« 
des  Amtes  fand  ich  ihn  »chon  auf  einem  Actenstöcke  vom  10.  Juli  Als  Vertrauten  de« 

Kaiser»  erwähnt  ihn  auch  Erzhtin  Maria  in  einem  Brief  an  ihren  Bruder  Hz.  Wilhelm  vom 
27.  Juli  1591,  Ma.  ^10/6,  404  eigli.  Or  Vgl.  auch  A-  Wolf  Lukas  Üeizkofler  57,  5K,  und 
Burmann  Sylloge  epp.  1,427.  Coraduz  sUmmte  aus  Krain.  Harter  III,  478  Anm.  tiS 
und IV,  8C6;  1590  erwähnt  ihn  Khevenhiller  Hl,  780  als  Regimen tarath  zu Orai ; in  einem 
Berichte  v.  21.  April  1598  erwähnt  ihn  Manhart  als  Rcichshofrath,  .Ma,  50/7,  12  Or.  am  12 
Mart  1594  wurde  er  geheimer  Rath,  Eyiinger  Re!  hist  1594,  I.  60;  als  Roichsvicekanzler 
finde  ich  ihn  zuerst  am  10.  August  1.598.  VgL  Briefe  und  Aclco  IV,  Register  s.  t.  und 
Stieve  Ursprung  des  dreissigjäbrigen  Krieges  I.  84  f. 

100)  Vgl.  über  ihn  Kherenhiller  Contrefet  Kupfferetich  li,  6.5,  Harter  III,  36  ff.  und  Briefe 
«nd  Acten  IV,  Register  s.  t.  . 


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S7 

» 

Christof  von  Hornstein und  Johann  Hildel>rand  Mcckor  von  Halg- 
heini sclieinen  ihm  willig  den  Vorrang  gelassen  zu  haben. 

Des  Kaisers  Gunst,  die  ihn  zu  so  hervoiTagender  Macht  erhob, 
hatte  Rumpf  indess  schon  seit  Jahren  verloren. '“)  Wahrscheinlich  em- 
pfand Rudolf,  obgleich  er  seine  Dienste  nicht  entbehren  mochte,  auch 
ihjii  gegenüber  jene  mistrauische  Eifersucht,  mit  welcher  er  über  seinem 
Ansehen  und  seiner  Herrschei'gewalt  wachte.  Jetzt  erregte  ^ seinen 
Unwillen,  dns.s  Rumpf  im  Gegensätze  zu  den  übrigen  Ministern  und  Ver- 
trauten und  namentlich  zu  Trautson  von  der  florentinischen  Heirath  ent- 
schieden abrieth , weil  Maria  von  Medici  nicht  als  vollkommen  eljen- 
burtig  erschien  und  weil  er  voraussah,  dass  die  Verbindung  zum  Zer- 
würfnisse mit  Spanien  führen  und  die  Verleihung  des  Königstitels  an 
den  Grossherzog,  welche  dieser  zur  Bedingung  machte,  anderen  Fürsten 
grosses  Missfallen  erregen  werde.  Der  Kaiser  vermochte  nicht,  sich  dem 
altgewohnten  Einflüsse  des  Ministers  zu  verschliessen,  aber  gerade  deshalb 
reizte  ihn  dessen  Widerstand  gegen  den  Ileirathsplan,  welchen  er  in  seiner 


101)  lieber  ihn  i.  raeinen  Artikel  in  der  All^meiien  dentsehen  Biographie  and  anteo.  Am  25.  Au* 
gust  npDot  der  bairische  Kaniler  Gailkircher  Rumpf»  Kun  and  Uorastein  als  „cardioen 
aecreti  consilii.'*  Ma.  415/16,  1,  Or. 

10*2)  Vgl  über  ihn  Harter  III,  228.  Am  80.  Januar  1595  schrieb  Hz.  Wilhelm  von  Baiern  seinem 
Oheritkanzler  Hervrart:  Die  Kanzlersiclle  tu  Graz  nmse  mit  einem  tüchtigen  und  eifrig  katbo* 
lischen  Manne  besetzt  werden.  Uns  ist  ein  Doctor  und  gewesener  Kanzler  tu  Eichstätt  einge* 
fallen,  der  früher  uns  Dienste  angeboteo  hat  und  jetzt  zu  Innsbruck  sein  soll.  „Der  soll  ernst- 
lich genueg  und  dapfer  sein»  das  er  ime  vielleicht  cit  rill  wurde  nemmen  lassen;  weil  es  aber 
mit  disem  allein  nicht  ausgericht»  so  wierdest  dn  der  notturft  nachztulenken  wissen,  mit  was 
qoaliteten  und  requisiten  [ehr  sunst  begabbi  and  sonderlich  ob  ehr  ein  eölhen  eifer  in  der  reli- 
gion  habe,  wie  es  diss  ortts  die  notturft  erfhodert,*']  Ma.  80/9,  69  Or.  die  Stelle  in  Klammern 
eigh.  Uerwart  erwiderte  am  6.  Februar»  er  finde  den  von  Wilhelm  bezeiebneten  Mecker 
um  so  mehr  tanglicb,  sls  der  Kaiser  in  Graz  gern  einen  Oesterreicher  sehen  werde, 
das.  7.5  eigh.  Als  gebeimeo  Rath  finde  ich  Mecker  zuerst  1599  erwähnt.  Während  Cora- 
doz  1599  in  Italien  war»  versah  Mecker  das  Heichsvicekanzleramt.  Präntl  an  Hz.  Maxi- 
milian von  Baiern  l.  Mai  und  13.  September  1599,  Ma.  50,9,  53  und  72  Orr.  Vgl,  Briefe 
und  Acten  IV,  896  Anm.  1.  Am  1.  Januar  1600  meldete  Manhart  nach  München»  dass  Corap 
duz  zurOckgekebrt  sei  und  sein  Amt  wieder  übernommen  habe.  Ma.  50/10»  1 Or.  Am  24.  Sep- 
tember 1601  berichtet  der  venotiaoisclte  Gesandte  Duodo,  dass  Mecker  gestorben  sei.  D.  V.  8], 
172  Or.  Erstand,  soviel  ersicbtlicb»  an  Einfluss  den  anderen  Ministern  weit  nach.  Uober 
seine  Persönlichkeit  vgl,  Rub.  Turneri  Kpistolae  276  H.  In  dem  Beriebte  bei  Ranke  Zur 
dentacbcD  Geschichte  287  wird  er  als  Convertit  und  „Schalfncbs“  bezelchner. 

103)  S.  Alberl  Relaiioni  I,  VI,  248. 


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38 


Erbitterung  gegen  Sjianien  mit  krankhaftem  Verlangen  verfolgte.  Schon 
im  März  1539  sprach  man  am  Hofe  und  in  Rumpfs  eigenem  Hau.se  da- 
von, dass  er  unzweifelhaft  seinen  Abschied  erhalten  werde,  wenn  die 
florentinische  Heirath  zu  Stande  komme 

Rudolfs  Verstimmung  wurde  von  Gegnern'“)  Rumpfs  ausgebeutet. 
Sie  stellten  dem  Kaiser  vor,  dass  der  Jlinister  die  Entscheidung  in  allen 
Dingen  an  sich  ziehe  und  ihn  so  „beiseitesetze'';  dass  er  früher  die  Hei- 
rath  mit  Isabella  hintertrieben  habe  und  jetzt  der  florentinischen  eut- 
gogonwirke,  um  seinen  Einfluss  uneingeschränkt  zu  behaui>ten;  dass  er  die 
den  kaiserlichen  und  österreichischen  Intere.ssen  nachtheilige  Aufliobung 
der  habsburgischon  Lehenshohcit  über  Wirtemberg  vermittelt  habe,  und 
dass  er  dem  Herzoge  Caesar  von  Este  die  Belehnung  mit  Modena  und 
Reggio  erwirkt  habe'“),  während  der  Kaiser  diese  Landschaften  ebenso 
wie  der  Paj>st  Ferrara  hätte  cinziehen  oder  doch  um  einen  weit  höheren 
Preis,  als  er  erhielt,  hätte  verkaufen  können'“').  Ja  sie  beschuldigten 
Rum]jf,  dass  er  im  Einverständnisse  mit  dem  spanischen  Hofe  stehe,  dass 
vornehmlich  er  die  Verhoiratlumg  Isabelions  mit  Albrecht  veranlasst 
hal)e  und  dass  er  jetzt  auf  Spaniens  Wuasch  der  florentinischen  Heirath 
entgegenwirke,  um  dem  Erzherzoge  zur  Nachfolge  zu  verhelfen.  Eine 
Commende,  die  ihm  durch  Philipp  II.  verliehen  worden  war'“),  wurde 
als  Preis,  um  den  er  erkauft  sei,  bezeichnet. 

Wie  weit  diese  Vorwürfe  sachlich  begründet  waren,  vennögen  wir 
nicht  mit  voller  Sicherheit  festzustellen , da  die  Acten  der  kahserlichen 
Regierung  und  Berichte  eingeweihter  Zeitgenossen  fehlen.  Zu  Eigen- 
mächtigkeiten wurde  Rumj)f  durch  Rudolfs  Wesen  gera<lezu  gedrängt, 
wenn  er  die  Geschäfte  nicht  völlig  ins  Stocken  gerathen  lassen  wollte. 
Grösseres  Verschulden  bei  ihm  vorauszusetzen,  liegt  kein  Anlass  vor. 
lieber  die  .spanische  Heirath  sprachen  wir  bereits.  Die  Gründe,  welche 
Rumi)f  gegen  die  florentinische  geltend  machte,  waren  unläugbar  triftig. 


104)  ».  B«iUge  1.  1. 

lo.'i)  Nach  Daode»  Bericht  in  Beilage  VII,  1 bitte  Barriiin»  znerjt  gegen  Rnmpf  iiitrigoiert. 

106)  Sie  erfolgte  am  17.  Januar  159^  Haeberlin  XXI.  6S. 

107)  S.  Beilage  VII,  1 und  2. 

lOt^)  Kherenliiller  Annales  III,  770  und  Conterfet  II,  66  Änm.  d. 


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so 

Wtis  die  Lehensfragen  angeht,  so  wurde  durch  die  Aufhebung  der  wir- 
teinhergischen  Afterlehonsdiaft  weder  dein  Kaiser  noch  seinem  Hause 
ein  Nutaen  bringendes  Hecht  entzogen,  sie  war  geeignet,  jenem  die  Er- 
gelienlieit  des  Herzogs  von  Wirteinberg  zu  gewinnen,  und  sie  führte  den 
ei"schö})ften  Kassen  desselljen  eine  bedeutende  Summe  zu’**);  die  Verwei- 
gerung der  Anerkennung  des  Heivxigs  von  Kste  aber  würde  erfolglos 
geblieben  sein  oder  höclistens  Spanien  einen  Vorwand  geboten  halben, 
sich  der  streitigen  Gebiete  zu  bemächtigen.  Die  Vermählung  Albrechts 
mit  Isaljclla  ferner  konnte  Huinpf,  da  es  gewiss  war,  dass  Rudolf  sich 
nicht  mit  dieser  verlieirathcn  werde,  in  der  Hoffnung,  da.ss  sie  den  auch 
für  das  Reich  so  wünschenswerthen  Frieden  in  den  Niederlanden  erleich- 
tern werde,  und  aus  allen  jenen  Gründen  befürworten,  aus  welchen  früher 
Khevenhüller  die  Verbindung  der  Infantin  mit  Erzherzog  Ernst  empfoh- 
len hatte  "*).  Dass  er  dagegen  Albrechts  Wahl  zum  nimischen  Könige 
begünstigt  habe,  ist  nicht  anzunehmen,  weil  er  im  .Juli  1509  Matthias 
unterstützte'").  Durchaus  unliegründet  ist  endlich  ohne  Zweifel  der  Vor- 
wurf, er  sei  ein  Werkzeug  des  madrider  Hofes  gewesen.  Die  Verleihung 
jener  Coininende  erfolgte  schon  1589  und  zwar  mit  Vorwissen  Rudolfs  "*) 
und  sie  war  eine  bei  Rumpfs  Stellung  sehr  erklärliche  und  auch  gegen- 
über weniger  eintlus,si-eichen  Männern  gewöhnliche  Aufmerksamkeit,  die 
zu  keinerlei  Folgerungen  berechtigt.  Hätte  Rumpf  wirklich  der  Heirath 
des  Kaisers  mit  Isabella  entgegengewirkt,  so  wäre  das  sicherlich  ein 
schlagender  Beweis,  dass  er  nicht  ein  w'illfahriger  Diener  Spaniens  war. 
Ueberhaupt  aber  findet  sich  keine  Thatsache,  welche  darlegte,  dass  wäh- 
regil  der  Amtsführung  Rumpfs  Spanien  mehr  begünstigt  worden  sei,  als 
es  den  eigenen  Interessen  und  der  eigenen  Politik  des  Kaisers  entsprach. 
Die  gegentheilige  Behaujitung  ist  damals  von  deutschen  Prob-stanten  und 
von  andern  Feinden  Jlabsburgs,  welche  beide  Zweige  dos  Hauses  zur  Er- 
richtung der  katholischen  Weltmonarchie  verbündet  glaubten,  aufgestellt 
worden  und  neuere  Geschichtschreiber  haben  sie  gläubig  nachgesprochen, 


109)  S.  Sattler  Geeehicbte  der  Herzoge  von  WQrtenbcrg  V,  219 ff.  und  Senkenberg  XXI,  620 ff. 
HO)  S.  oben  S.  11. 

111)  S.  oben  S.  30. 

112)  Das  hebt  Khcvenbiller  aoadrucklich  hervor. 


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40 


wie  sie  sich  aucli  sonst  ihre  Anschauungen  über  die  Politik  der  Kaiser 
und  der  katholischen  Partei  aus  den  eher  bekannt  gewordenen  Acten  der 
Protestanten  bildeten.  Aber  ein  wahrheitsgetreues  Bild  einer  Regierung 
lässt  sich  doch  nie  aus  den  Vemiuthungen  der  Gegner  gewinnen  und 
namentlich  nicht  in  jener  Zeit,  wo  man  in  Deutschland  so  wenig  in  die 
Geheimnisse  fremder  Höfe  einzudinngen  veratand  und  ebenso  arm  an 
politiscliein  Verständnisse  wie  reich  an  Einbildungskraft  und  Leichtgläu- 
bigkeit wai'"’).  Wir  erwähnten  bereits,  wie  wenig  willfährig  sich  der  Kaiser 
den  Wünschen  der  Sjianicr  in  Italien  zeigte"*);  die  Festsetzung  deraelben 
am  Rhein  misbilligte  er  stets"*)  und  der  Einlagerung  Mendozas  trat  er 
von  vornherein  aufs  entschietlenste  entgegen.  Der  berufenste  Zeuge,  der 
Botschafter  San  demente,  klagte  im  .fahre  1 .594  bitter,  da.sa  er  am  kai- 
serlichen Hofe  in  allen  Beziehungen  einer  Spanien  sehr  abgeneigten  Ge- 
sinnung begegne"*).  All  dies  aber  fällt  in  die  Zeit,  in  welcher  die  Lei- 
tung der  Geschäfte  noch  ganz  und  gar  in  den  Händen  Rumpfs  lag.  Wir 
dürfen  daher  aunehmen , dass  ihm  durch  die  Beschuldigungen  seiner 
Neider  und  Nebenbuhler  Unrecht  geschah. 

Die  Einflüsterungen  derselben  verfehlten  jedoch  bei  dem  mistran- 
ischen  und  gegen  Spanien  erbitterten  Kaiser,  der  sich  ebensowenig  durch 
Rumpf  wie  durch  einen  seiner  Bruder  der  Regierungsgewalt  berauben 
lassen  wollte,  die  beabsichtigte  Wirkung  nicht.  Sie  mochten  dazu  bei- 
tragen, da.ss  im  Jlärz  1599  seine  krankhafte  EiTegung  zurückkehrte"'), 
und  durch  diese  wurde  wiederum  sein  Argwohn  gesteigert.  Er  begann 
in  Rumpf  einen  Verrather  und  Nebenbuhler  zu  sehen  und  frug  seine  Üm- 
gebung  bisweilen,  ob  sie  es  mit  ihm  oder  mit  jenem  hielten.  Rumpf 
selbst  aber  gab  er  zugleich  seinen  Unwillen  in  einer  Weise  kund,  dass  dieser 


113)  Welches  Zerrbild  der  protesUntischen  Politik  würde  x.  E.  aas  den  io  dieser  Ablioodlun^  er* 
wähnten  Gerüchten,  die  den  kaiserlichen  Hot,  die  Krxberzog«  and  diü  kstholischeo  ReichssUnde 
Leunrabigten.  entstehen. 

114)  S.  oben  S.  10. 

115)  Vgl.  llsssel  in  der  Zeitschrift  fkr  preusstsebo  Getcbichtc  V,  510if.  Auch  in  den  Epistolae 
Itudolpbi  II,  129  ff.  findet  »ich  eine  Mthnang  de»  Kaisern  vom  12.  i>«|)teraber  15H9  an  den 
König  von  Spanien,  sein  Volk  vom  Heichsbodeu  abxaf^hren  and  feruzahalten. 

116)  Briefe  nnd  Acten  IV,  471. 

117)  Präntl  an  Hx.  Maximilian  von  Baiern  29.  Marx  1599:  Obwohl  man  bestimmt  erwartet  hatte, 
dass  der  Kaiser  den  böhmUeben  Landtag  pi*raoolicb  eröffnen  werde,  ist  die  PropfMition  doch 


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41 


seinen  Abschied  erbat.  Der  Kaiser  versprach  ihm  deiwelhen  und  wenn 
er  sich  dann  auch  nicht  cntscliliessen  konnte,  den  Minister,  an  welchen 
er  gewöhnt  war  und  welcher  bis  dahin  alle  Geschäfte  geleitet  hatte, 
wirklich  zu  entlassen,  zumal  sich  die  Verhältnisse  iin  Reiche  sehr  drohend 
und  verwickelt  gestalteten,  so  gewährte  er  ihm  doch  nur  mehr  selten 
Zutritt"*). 

Mitte  April  zeigte  sich  Rudolf  ihm  dann  wieder  günstiger  gesinnt, 
was  vielleicht  daher  rührte,  da.ss  er  selbst  um  diese  Zeit  seine  Gedanken 
von  der  florentini.schen  Heirath  ab  wandte  "’). 

Bald  darauf  nahm  je<loch  seine  Krankheit  in  Folge  der  schlimmen 
Nachrichten,  die  aus  dem  Reiche  einliefen'“),  zu.  Kr  wurde  so  erregt, 
da.ss  er  oft  gegen  seine  nächste  Umgehung  in  Zorn  auflirauste,  bald 
diesen,  bald  jenen  für  einige. Tage  aus  seinen  Gemächern  verbannte,  und 
mehrere  Kammerherren  veranlasste,  ohne  seine  Einwilligimg  von  Dienst 
und  Ilof  zu  scheiden  Verstärkt  lebte  nun  sein  Unwille  gegen  Rumpf 
auf  und  auch  mit  anderen  Ministern  begann  er  zu  hadeni  '**).  Er  mochte 
es  ihnen  verübeln,  dass  sie  ihm  nicht  Ruhe  vor  den  Regierungssorgen, 

nnr  lebriftlicb  fibergeben  worden.  Mn.  ^0/U,  41  Or.  Dcmelb«  an  denselben,  19.  April  ir>9'J: 
Obgleich  man  von  der  Po«t  sicht«  mehr  hört,  bat  sieb  der  Kaiser  doch  «eit  «einer  Rückkehr 
[s.  oben  8.  24]  nnr  dreimal,  am  Gründonnerstage,  Charfreitage  and  Osterfeste  [8.,  9.  nnd  11. 
April]  üffcntlich  sehen  lassen,  auch  da  aber  ist  er  nur  mit  den  Kammerberren  und  den  ge* 
heimen  Rätbea  darch  den  verdeckten  Gang  in  die  Dotnkirche  gekommen;  dem  übrigen  Hof* 
Staate  ist  nicht  angesagt  worden,  damit  nicht  zu  viel  Volk  loaammenkomme,  „und  wie  man 
von  vilen  orten  vernimbt,  erzeigen  «ich  1.  Mt.  etlicb  woeben  bero  sehr  melancholiscli/ 
Das  51  Or. 

1IH)  S.  Beilage  V,  1.  und  Khevenhiller  V,  2221. 

119)  S.  Beilage  V«  1 am  Ende  und  l,  ‘k 

120)  Vgl.  oben  Anm.  76  und  Beilage  VI,  1. 

121)  S.  Pfäntls  Bericht  in  Beilage  V,  2.  Was  die«er  über  den  Oniiid  der  „Abschaffungen*'  angibt, 
möchte  ich  dahin  verstehen,  dass  d^  Kaiser«  Zorn  erregt  wurde,  wenn  man  ihm  von  Geechifleit 
sprach,  nnd  dass  sein  Befahl  den  Zweck  hatte,  sich  jene  femtuhalten,  da  die  Käthe  erst  Audi* 
enz  erbitten  oder  dazu  berufen  werden  mutsten. 

122)  Vgl.  Beilage  II,  und  Hammer  Khleal  I,  Beil,  n.  1H7.  Am  S.  Mai  1.599  berichtete  Ven. 
dramin  „Si  accresce  In  tanto  ogni  giomo  eridentemente  la  afflittiono  deir  animo  di  S. C.  Mtl, 
mcotre  da  tutte  le  parti  compariscono  aviai  che  le  apj>ortano  grandisaima  moleatia  et  etla  seno 
rieeote  assai,  qucrelandoai  non  «ob  col  Konfo,  ma  con  altri  ancora  del  soo  cooseglio  et  oon 
)i  Buoi  piü  Intimi  servitori.  Onde  «I  vedono  gli  animi  de  tutti  qnelli  del  suo  serritio  nniversal- 
mente  arsai  perturbati  et  le  co«e  di  quetto  governo  par,  ebi  ogni  giorno  vadano  sempre  ptü 
deteriorando.*'  D.  V.  29,  128.  Dechiffrierung. 

Abb.  d 111.  a.  d.  k.  Ak.  d.  Wisa.  XV.  Bd.  I.  Abth.  G 


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! 


42 

die  ihn  ängstigten,  zu  verschaflPen  iiu  Stande  waren.  Schon  in  früheren 
Jahren  liatte  er  sie  mitunter  aus  solchem  Anlässe  mit  Vorwürfen  über- 
häuft 

Rumpf  fand  sich  bewogen,  aufs  neue  seinen  Abschied  zu  fordern, 
und  ebenso  hielt  Trautson  um  denselben  an.  Rudolf  ernannte  darauf 
wirklich  am  1.  Mai  1599  Peter  von  Mollart.”*)  zum  Verwalter  dos  Oberst- 
kämmereramte.s,  was  man  wohl  nicht  mit  Unrecht  von  iler  Absicht  her- 
leitete, dass  er  Rumpf  den  freien  Zutritt  in  sein  Gemach  nehmen  und 
dessen  Ansehen  herabsetzen  wollte'“).  Bald  gedachte  er,  wie  es  scheint, 
noch  weiter  zu  gehen.  Er  berief  den  Grafen  Karl  von  Hohenzollem  und 
den  Freiherrn  Rudolf  von  Polweil  ”*)  schleunigst  u!u-h  Prag  und  forderte 


12«)}  Vgl.  Alberi  Kelazioui  1,  t.  VI,  24o. 

124)  Vgl.  &b«r  ibn  J.  llcrgmunii  Medail^u  «iif  börQhmt«  unJ  ausgoutichad«  Minatir  des  ßster* 
rekhUchen  K&iscrBtaates  I,  il70,  und  Kerschbxumor  Khlesl  Im  J.  15UM  war  er  noch  in 
Dienden  det  Erzberzugs  Kerdiaand.  Harter  IV»  410.  Vgl.  Beilage  V.  2.  MotUrt  .><cheint 
aeinen  Dieiiit  bbrigeni  vor  Humpfs  Start  nicht  wirklich  angi  treten  za  haben,  denn  Monhart 
berichtet  am  6.  Kovember  IdOO:  „Molart  »oll  Uglich  alhcr  komtnen  und  baido  dienet  des 
obersten  cammorers  und  obersten  stallmeisteni  verwalten.**  Mc.  DrciMigjahr.  Krieg&acten  fase. 
49i?.  1,  Or. 

125)  8.  Beilage  I,  4.  Am  10,  Mai  15i»9  berichtete  Vendramin;  i,Per  la  partenia  de  alcnni  gentil’- 
hoouiini  della  cantera  diS.  C.  licentiatisi  in  poco  iempo  da  s«>  itessi  con  qaalche  disgasto, 
soRo  statt  fatti  novamenb'  altri  tre  camericri.  AU'  ano  de  qoali  nominato  il  baron  di  Molar 
e statG  dato  il  titolo  di  locotenente  del  cameriero  maggior,  che  i il  s**  Konfo.  havendo  voluto 
8.  C.  levar  la  oceasione  di  qoesta  maniera  al  detto  s**  Honfo  di  entrar  nidU  saa  camera 
et  havendo  volnto  Icvarle  insieme  qaalche  poco  dl  repatattone  nel  cospetto  dclla  carte.'*  D.  V. 
20,  l.'td  Or.  in  Chiflern  Auf  diese  Vorgänge  bezieht  cs  sich  wohl,  wenn  Erzbzg,  Mazimitian 
am  01.  Jnli  15o0  an  Unverzagt  schrieb:  „Sonsten  weil  ohne  das  nnverboffte  mntationes  za 
Prag  forgelaufen,  wolte  ichs  gleich  far  ein  gnt  Zeichen  achten,  wann  die  flutte  den  schedlichen 
und  verhindvrilchen  Hoffenanu  auch  zugleich  mit  hinwegraffte,  nur  das  ein  beaterer  wider  in 
die  stelle**  [kiine].  Ib.  Aasgangene  Schriften  1509  Cpt.  Der  Freiherr  Ferdinand  von  Hofmann. 
[ein  Protestant  s.  Beilage  Vll|  wird  bei  Kbevcnhiller  I,  *J.*h)  schon  l*>i42  als  Hofkammer- 
Präsident  genannt.  Vgl.  Qber  ihn  Harter  I,  514  and  J.  Rergniaiin  Medaillen  I.  2l>H,  wo 
er  fälschlich  als  1507  verstorben  bezeichnet  wird.  Sollte  er  ein  Gegner  Rnmpfs  gewi^en  sein? 
Der  von  ihm  in  Btaug  auf  seine  Stellung  geruaebte  Vorbehalt,  s.  oIhd  Anni.  98  konnte 
zu  Streitigkeiten  zwischen  beiden  Anlass  gegeben  haben.  Gegen  liumpf  war  Maximilian 
schwerlich  ungünstig  gesinnt,  da  derselbe  fhr  die  Oidnnng  der  Nachfolge  cintrat;  s.  Beil.  III. 

120)  Vgl.  über  Beide  Briefe  und  Acten  IV,  Uegister  s.  v.  Ueber  Zollom  schrieb  Barvitius  am 
IH.  Februar  159U,  als  derselbe  mit  Hz.  Maximilian  von  Baiern  nach  Prag  kommen  sollte,  an 
Hl.  Wilhelm:  „De  comite  Zollern  inirom  videbntar,  qui  controversias  ac  Utes  aliaque  negotia 
lutricAta  babeat;  non  iis  jam  locum  cssu,  non  illum  V.  domestieum.**  Am  20.  schrieb  er 

dann:  „Is  si  abeit,  reliqui  non  ita  nosiris  in  ocutis  orunt.  De  eo  superciliosutn  erat  unius 
[d.  b.  ohne  Zweifel  des  Kaisers]  Judiciatn.**  Ma.  417/x,  9 und  M eigh.  Orr. 


1 


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sie  zum  Eintritt  in  seine  Dienste  auf'-').  Wie  man  sich  erzählt«,  sollte 
der  erste  Obersthofmeister,  der  zweite  Obersthofmarschall  imd  Reichs- 
hofrathsprüsident  werden'*").  Es  geschah  jedoch  nicht.  Die  Gesundheit 
des  Kaisers  besserte  sich  und  damit  sowie  durch  seine  schon  erwähnten 
Verhandlungen  mit  Matthias,  welche  ihm  in  diesem  einen  Bimdesgenossen 
gegen  die  Pläne  Spaniens  und  Erzherzog  Albrechte  zeigten,  mochte  sich 
seine  Stimmimg  heben  und  sein  Unwille  gegen  seine  Minister,  die  Mat- 
thias unterstützten,  beschwichtigt  werden. 

Während  der  näch.sten  Monate  hören  wir  nichts  von  Zwistigkeiten 
mit  jenen  oder  von  Regungen  seines  Leidens.  Ob  ein  neuer  Krankheits- 
anfall  die  Ursache  der  ungünstigen  Aufnahme  war,  die  Erzhei-zog  Mat- 
thias, wie  berichtet,  im  September  1599  fand,  wissen  wir  nicht.  Un- 
mittelbar nach  seines  Bruders  Abreise  verlioss  Rudolf  Prag,  wo  die  Pest 
im  Juli  wiederum  ausgebrochen  war  und  immer  weiter  und  heftiger 


127)  Polwciler  an  Hz.  Maximilian  von  Raiern  Ingolstadt  12.  Jnni  x\nz«ig«  Ton  der  Bemfang. 

Ma.  50/x,  47  eigh.  Or.  Schon  am  10.  December  IÄ97  hatte  Rudolf  I!.  den  Freiherm  nach 
Pra^  berufen.  Dieser  meldete  es  am  29.  dem  Hz.  WUbolm  von  Haiem  mit  dem  Bemerken, 
dass  er  schon  wiederholt  kaiserliche  Dienstaoerbietungen  abgelehot  habe  and  auch  jetzt  keine 
Lust  liabe,  sie  anzonehroen.  Das.  f.  17  cigh.  Or.  Dazn  bemerkte  GaUkircher:  Er  spüre,  dass 
P.  geneigt  sei,  anzanehmen,  theils  aas  Ehrgeiz,  theils  weil  er  dann  seine  Angelegenheiten  and 
die  seines  Bruders  Constantin,  der  am  Hofe  Processe  anhängig  habe,  fördern  kdnne.  Aoaser- 
dem  scheine  er,  darch  Andere  veranlasst  oder  ans  sich  selbst,  zu  hoITen,  dass  er  bald  in  den 
geheimen  Katb  kommen  werde  „atqne  ita  faeile  fieri  poase,  nt  altcmtro  cz  üs,  qai  jam  nunc 
secandl  sant  a Caesare.  deficiente  ipse  unus  e daohas  fiat.  V'ertim  quam  haec  omiiia , quae 
sibi  ridetur  imaginari,  sint  incerta,  quam  plona  fastidiorum  negotia  auliea  hisce  terDporibnt 
apud  Caesarero  et  in  aula  caesarea,  quam  omnia  ibi  ilü  libertati,  quam  ipse  ailfectat,  enntraria. 
qaoties  ille  Ser^ü  V.  minisieria,  maximc  ut  illa  nunc  snnt,  pracuptabit*' , das  habe  ich  ihm 
ernstlich  TorgestelU.  Das.  19  eigh.  Or.  Am  2:^.  Februar  1*)9S  meldete  P.  dem  Hx.  Maximilian, 
er  sei  aus  Prag  zurhekgekehrt;  der  Kaiser  habe  ibm  „zu  einem  Anfang'*  das  Rnichshofraths* 
Präsidium  angeboten  und  starke  Vertröstnng  grosser  Gnade  nnd  weiteren  Vorschubs  getban ; 
zweimal  sei  vom  Kaiser  selbst  und  ausserdem  von  Rumpf  und  Traotson  mit  ihm  Terhandelt 
nnd  ihm  mit  Drohungen  und  Versprechujigcn  zugesetzt  worden.  Da  seine  meisten  Güter  kai- 
serliche oder  österreichische  I^hen  und  Pfandschaften  seien,  wisse  er  sich  nicht  zu  weigern, 
doch  Irnbe  er  Frist  bis  Ende  Marz.  Das.  22  eigh.  Or.  Am  9-  Marx  bat  er  den  Kaiser  um  Auf- 
schub Ton  vier  bis  fünf  Jahren,  weil  or  die  durch  seines  Bruders  Oonstantin  Tod  auf  ihn  ge* 
fallenen  Schulden  ordnen  müsse,  u,  s.  w.  Das.  :ti)  Copie.  Am  April  gab  der  Kaiser  ihm 

Tier  bis  fünf  Monate,  .‘U  Copie.  Am  2».  willigte  Hz.  MaxImtUan  in  seinen  Uebertritt  in  ksl. 
Dienste;  Ji5  Cpt.  von  GewoM.  Am  10.  August  bat  P.  den  Kaiser  nochmals  dohentlicb,  wegen 
seines  Hauswesens  von  der  Berufung  abxustehen,  H7  Copie.  Arn  24-  Octoher  159X  befahl  ihm 
jedoch  der  Kaiser,  sich  eiaxustellen.  (4  Copie.  Was  ihn  dann  noch  xarüekbielt,  ist  nicht  er- 
sichtlich. 

128)  S.  Beilage  V,  2. 

6* 


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uni  sich  gegriffen  hiitte'"),  und  begab  sich  nach  Pilsea  Dort  schloss  er 
sich  dann  in  der  krankhaften  Todesfurcht^  die  ihm  eigen  war'**),  völlig 

ab‘>')- 

Schon  dies  musste  die  Wiederkehr  seines  Trilbsinns  begünstigen. 
Dazu  kamen  mannigfache  Sorgen.  Matthias  hatte  bei  seiner  Anwesenheit 
den  Zustand  des  Kriegswesens  und  die  ganze  Lage  in  Ungarn  und  Sieben- 
bürgen sehr  ungünstig  geschildert  untl  dringend  um  kräftige  Hülfe  ge- 
beten. Er  fuhr  damit  nachdrücklich  fort  Die  kaiserlichen  Kassen  aber 
waren  leer.  Im  lleiche  zeigten  sich  die  evangelischen  Stände  über  den 
Einfall  der  Spanier  und  das  Missglücken  ihres  gegen  diese  gerichteten 


129)  A.  Präntl  an  Hz.  Maximilian  von  Baiern»  Prag  26.  Juli  1599:  Dia  Infectioa  greift  nicht  imr 

in  der  ümgegend.  sondern  such  in  Prag  aelbat  stets  mf>hr  um  eicli,  und  man  erwartet,  dass  I 

der  Kaiser  sein  Hoflager  verlegt.  Ma.  50/U,  fl'J  Or.  Ders,  an  den«.  2.  August:  Die  Pest  niromt 

za.  Die  Verzeichnisse  weisen  wacbentlicb  70  bis  ^0  Tote  auf  und  man  vennathet,  vielleicht 

mit  Grand,  dass  noch  Viele  XachU  heimlich  begraben  werden.  Für  den  Kaiser  werden  ln  i 

Linx  Gebäude  aus  Holz  zogerichtet.  In  ganz  Böhmen  soll  n ziemlich  schlimm  stehen.  Da  die 

Infection  so  frQh  iro  Jahre  aasgebrochen  ist.  fQrchtet  man,  dius  sie  um  so  heftiger  werden 

wirl.  Das.  71  Or.  Desgl.  21.  August:  Die  Pest  wächst  noch  immer,  namentlich  unter  dem  Hof* 

geainde.  Auf  der  Kleinseite,  wo  dieses  meistentheils  wohnt,  sind  an  einem  Tage  40  Leute  ge* 

storben.  Kin  Kammerfaricr  ist  am  18.  nach  Linz  vorausgcBchiekt . da  man  jedoch  dort  mit 

dem  Gclmude  noch  nicht  fertig  ist,  heute  aber  sogar  des  Kaisers  KapeUendiener  jählings  ge* 

storben  ist,  so  wird  der  Hof  wohl  einstwoUen  nach  Budweis  gehen,  f.  79  Or.  Desgl.  U.  Sep* 

tember:  Gestern  Kaclimitlag  ist  der  Kaiser  mit  seiner  Kammer  nach  Pilsen  aufgebrocheo.  Da 

die  Stadt  sehr  eng  ist  uml  der  Kaiser  dort  keinen  Garten  u.  dcrgl.  bat,  so  wiixl  er  wohl  bald 

nach  Linz  oder  Pasniu  geben.  Die  Reirhshofräthe  sollen  binnen  8 bis  10  Tagen  in  Pilsen  sein. 

Da  unterwegs  Jagden  stattßnden.  wird  der  Kaiser  wohl  erst  ln  vier  Tagen  nach  Pilsen  kommen, 
f.  80  Or.  Desgl.  12.  September:  Am  10.  bat  der  Kaiser  nur  Rumpf.  Mollart,  der  wegen  Er* 
kranknng  des  Grafen  Albrccht  von  Fürstenberg  das  OberstetaUmeisteramt  versah,  und  Barvitiiu 
mitgenouimen.  Trautsou  ist  am  12.,  Hornstein  heute  gefolgt.  Fürstciibcrg  Ist  heute  an  einem 
Fieber  gestorben,  f.  82  Or. 

It^)  Veudramin  an  den  Dogen  1.  Februar  1599:  Der  Kaiser  wird  wohl  nur  einige  Tage  um  Phi* 

Hpp  II.  Trauer  tragen,  „come  qoella  che  naiuralmcnte  lo  abhorrisce.**  0.  V.  28,  2:t0  Or.  Vgl.  . 

Beilage  VI,  2,  I 

121)  Vendramin  an  den  Dogen  8.  November  1599:  „Vire  bora  intanto  S.  C.  molto  retirata  et 
sotto  pretesto  della  peste  di  Prags  ha  probibito  ringresso  nella  terra  di  Pilzen  ä tutti  11  pre* 
tendeiiti  et  litiganti  et  alire  persona  affiittc,  dalle  quall  anchora  cbe  le  siano  uiaudati  diversi 
memuriali  ogni  giorno  con  bumitisaime  instantic,  non  suno  peru  lasciati  pervenir  alle  sue  raani, 
per  il  che  ai  sentono  molte  quereile  et  molte  lamentationi  degne  di  grandiasinia  compassione.“ 

D.  V.  2P,  4ü3  Or.  in  ChifTern.  Von  den  Reichshofräthen  waren  nur  der  Refereut  Ehern  und 
Zait  in  Pilsen,  ßarritius  und  Haanewald  kamen  „wegen  vUe  der  gescheiten  und  der  gebairoben 
Sachen  selten  in  den  ratb".  Präntl  an  Hz.  Maximilian  von  Baiern  25.  October  1599.  Ma.  50/9, 
fH>  Or. 


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45 


Kriegszuges  erbittert.  Man  höi-te  von  iliren  Bemühungen,  ein  Bündnis 
zu  errichten,  und  von  Iwsen  Anschlägen  gegen  den  Kaiser  tmd  die  Katho- 
liken. Der  nach  Sjieier  berufene  Keichsdeputationstag  war  bereits  zweimal 
durch  ihren  Wideretand  am  Beginn  seiner  Berathungen  gehindert  worden. 
Bei  seiner  Wiedereröffnung  standen  schwere  Streitigkeiten,  wenn  nicht 
völliger  Bruch  der  Parteien  zu  fürchten,  und  es  war  kaum  zu  hoffen, 
dass  die  Kreise  oder  ein  Ileichstag  neue  Türkenhülfon  gewähren  würden, 
da  die  protratantische  Opjxisition  bereits  trotz  allen  Mahnungen  und 
Drohungen  die  1598  bewilligten  Steuern  zurückliielt  Anderseits  war 
Erzherzog  Albrecht  mit  der  Infantin  nach  Belgien  zurückgekehrt  und 
es  hiess,  diu«  er  sich  um  die  Wahl  zum  i-ömischcn  Könige  bewerbe, 
wodureh  Iludolfs  Furcht  vor  Ab.setzung  neu  erweckt  und  er  zu  sofortigen 
Gegeubemühungen  veranlasst  wurde '“). 

.So  stellte  sich  demi  die  Aufregung,  welche  den  Kaiser  im  Anfänge 
des  Jahres  heimgesucht  hatte,  in  verstärktem  Masse  wie<ler  ein.  Sie 
steigerte  sich,  da  er  von  Natur  zum  Jälusorn  geneigt  war  '**),  mitunter  zu 
jdötzlichen  Wuthausbrüchen,  in  welchen  er  seine  Kammerherren  und 
Diener  wegjagte  oder  mishandelte.  Auch  seine  Käthe  hatten  darunter 
zu  leiden,  vor  allem  Kumpf  und  Traut.son.  Wieder  dachte  er  dar.in,  sich 
mit  anderen  Ministem  zu  umgeben.  Zollern  und  l’olweil  sollen  nach 
Hofe  berufen  worden  sein.  Im  Mai  1600  wurde  der  Freiherr  K.arl  von 
Liechtenstein  zum  Geheiiiirath  bestellt”*).  Wohl  traten  auch  jetzt  noch 


1^2)  Ka<]oIf  schrieb  an  den  Chf.  too  der  ja  im  Verdacht  stand»  Albrechte  Wünsche  tu  be- 

günstigen: .»Krwardiger.  freoodUcher,  lieber  retter  und  charfürit.  WeUn  ein  zeit  hero  allerlei 
Zeitungen  wegen  heimlicher  practicken,  di«  succession  im  reich  bet refft-nd,  eich  verlauten  lassen, 
und  mir  sonders  daran  gelegen,  das  ich  solcites  eigentlich  wiuen  müehte,  so  ist  mein  freund- 
lich begern  an  £ L , Sie  wollen  mich  in  ^ndenu  vertrauen,  tla  Sie  etwas  dergleichen  vemeb- 
men  oder  in  erfahrung  gebracht  haben,  damit  ich  mich  desto  besser  und  gewisser  darnach 
richten  rosige,  verstendigt'n.  Das  reicht  mir  zu  sonderin  angenehmen  gefallen  und  noch  vill 
grösserem,  da  ich  desshalben  bald  aelbstcn  mit  £.  L.  davon  reden  möchte.  Benebens  bin  ich 
E.  L.  mit  vetterlichen  trenen  und  allem  gaeten  jedereoit  ganz  weil  zugethau.  Datum  Pilsen 
den  b.  deeembris  ao.  VU.  Eur  Lieb  gnetwilliger  vetter  RudoliT.*'  Brs.  Sccret.  d'AIleui.  N.  307. 
144  Copie.  Das  Original  war  wohl  eigenhändig  geschrieben. 

Alb^ri  Relaziont  I.  t VI,  240. 

134)  Piero  Duodo  an  den  Dogen  29.  Mai  1600:  „Ha  S.  introdotto  di  novo  oel  suo  consiglio 
sccreto  il  s^  Carlo  di  Liectistain  signore  dl  00  o forse  70000  taleri  d'entrata  et  che  ä questo  ottobre 


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46 


nihigere  Woclien  ein,  aber  ein  kör{)erliches  Leiden,  welches  dein  Kaiser 
Athemnoth  schuf,  und  die  politischen  Ereignisse  boten  der  Krankheit 
neue  Nahrung. 

Insbesondere  erregte  den  Kaiser  die  V'erlobung  Marias  von  Medici 
mit  Heinrich  IV  von  Frankreich,  wodurch  er  nochmals  seine  Heiraths- 
plilne  und  zw.ar  wiederum  zu  Gunsten  eines  Fürsten,  den  er  als  Nebon- 
Ijtihler  um  die  Kaiserkrone  betrachtete,  vereitelt  sah.  Er  gerieth  darüber 
in  solchen  Zorn,  dass  er  nach  Madrid  schrieb,  Spanien  solle  dem  Könige 
bei  der  Heiinfülmmg  der  Braut  ..einen  Possen  reissen*^  und  nun  um  jeden 
Preis  heirathen  wollte.  Er  sprach  davon,  eine  seiner  Basen  in  Graz,  für 
welche  er  Mailand  als  Mitgift  zu  fordern  gedachte,  oder  eine  Tochter 
des  verstorbenen  Erzherzogs  Ferdinand  von  Tirol  oder  eine  Lothringerin, 
ja  sogar  eine  Moskowiterin  oder  eine  Wallachin  zu  freien  ’*^).  Das  waren 
freilich  nur  flüchtige  Gedanken.  Sogar  die  von  .seiner  Mutter  ihm  em- 
jifohlene  Verbindung  mit  einer  Grazerin  suchte  er  nicht  weiter,  da  jene 
ihm  vorstellte,  da.ss  die  Firwerbung  von  Mailand  nicht  zu  hoffen  sei'“). 


I>stsat«,  nacnilo  io  a Vi«niia,  »i  fece  di  heretico  cattolko.  k giorino  di  2.'>  io  SO  anni  la-in- 
tomo,  muUo  disereto  et  molto  hoDor&to  ct  per  quaato  ho  conouiuto  in  domcstica  convcrtiatlone» 
degno  certo  di  Qaaato  alla  nobilita  deila  sua  natura  vi  aggloogc  resperieota, 

)a  quäle  e roadre  delli  buoni  goremi.  atato  giä  ammeR&o  alle  eonsulto  et  ha  giorato  la 
fedelta  Mcoodo  il  solito,  et  ai  dice,  che  preatoS.  »ia  per  introdurri  anco  dclli  altri.  k roc«, 
ehe  il  s''  Tranten  disHegni  di  ritirarsi  et  gia  anco  rharrebb«  fatto,  le  Io  coae  deil'  Oogaria 
fostero  torminate.  Ma  gli  paroi  non  poterlo  far  con  suo  honore,  horeiido  seguitato  il  padrono 
oella  proüperitÄ,  abbnndonarlo  poi  iiellc  miacrie.  11  simile  ai  aflrrma  del  af  Konfo.  Ma  questo 
80D0  coee  ehe  si  erederanno,  qoaodo  ai  voderanno»  ae  ben  certo  habtiano  *ct  l'uno  et  l'altro 
moUa  ragione  dl  Carlo.'*  D.  V.  :b>,  Or.  üeler  Liechtenstein  vgl.  Khevenhillcr  Cnnter* 
fet  II,  U!*,  Hurter  VI,  4*i9  f.,  und  ChlumecVy  Zierotin  1-V'i,  ly7,  2dl  Anm  62,  'J-W 
Anm.  or»,  240.  Ueber  seine  politi^^ehe  StelliiBg  arthellte  der  vencxiani«cbc  (ieumlte  Kr.  So- 
ranto  am  20.  Februar  1G07:  „11  e' Carlo,  se  l>«ne  per  gli  sooi  ioter«Ksi  ai  va  acco^tando 
alla  fattionc  Fpagnola,  nicnte<linieiio  vi  ha  per  natura  11  geoto  aattai  contrario."  D,  V.  •iß,  II, 
30:i  Or. 

V-io)  Auch  an  llcnogin  ^agdalt-na  von  Baicrn  dachte  er  vielleicht.  Schon  am  >^.  Oelober  lo99 
schrieb  Groisbccek  an  Ulrich  Speer  aus  Arnsberg,  der  Kai-or  haW  »ich  das  Bild  der  Prinxosain 
erboten  nnd  es  habe  ihm  so  gut  gefallen , dass  er  soghdeh  seinen  Maler  Hans  von  Achen  ab* 
geschickt  habe,  „per  tirarla  del  tuttu  al  vivo.'*  Ma.  415, ‘>^4,  2^.  CrI.  Vgl.  unten. 

I:t6)  Khevenhiller  V,  222H  f.  u.  Bvitag«*  VI.  Am  1.  J.'inuar  UKh)  meldete  Manhart  dem  Hz. 
von  Batern,  es  heisse,  da;a  Mecker  stark  vom  Hofe  weg  trachte.  .Mn.  50/10.  I Or.  Ursache 
davon  waren  wohl  auch  die  I^aunen  Budulfs.  Vgl.  auch  Briefe  und  Acton  I.  u.  120. 


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47 


Zur  Rückkehr  nach  Prag  konnte  er  sich  lange  nicht  entschliessen. 
obgleich  die  Pest  bereits  im  Januar  1600  fast  gänzlich  erlosch’”).  Erst 
Anfang  Juni  machte  er  sich  plötzlich  von  Pilsen  auf  und  zog  wieder 
auf  den  Hradschin.  Die  Jagden,  die  er  unterwegs  abhielt,  die  gewohnte 
Umgebung  und  der  Wiedergenus.s  der  Sammlungen,  Anlagen  imd  Be- 
schäftigungen, die  seine  Freude  waren,  besserten  noch  einmal  seinen  Zu- 
stand '**).  Dann  aber  kam  die  so  lange  vortereitete  Krankheit  mit  voller 
Macht  zum  Ausbruch. 

Die  unbestimmte  Angst,  welche  die  Begleiterin  heftiger  Nervenleiden 
zu  sein  pflegt,  Hess  dem  K.aiser  Tag  und  Nacht  keine  Ruhe  und  wenn 
sein  Zorn  erregt  wurde,  artete  sie  zu  Hallucinationen  und  an  Raserei 
streifenden  Zuständen  aus.  Er  glaubte.  da.ss  eine  Verschwörung  gegen 
ihn  bestehe,  dass  man  ihn  ab.setzen,  ja  uuibringen  wolle,  dass  er  ver- 
zaubert sei  oder  Gift  erhalten  hal)e.  Sein  Argwohn  gegen  Erzherzog 
Albrecht  empfing  neue  Nahrung  durch  eine  Reise  des  Churfürsten  von 
Köln  zum  Administrator  von  Sachsen'”),  durch  einen  Besuch,  den  Erz- 
herzog Ma.\'imilian  eben  damals  der  Kaiserin -Mutter  in  Spanien  abge- 
stattet hatte"*),  und  durch  das  Gerücht,  dass  jener  von  Madrid  nach 
Belgien  ziehe. 


237)  Machart  an  dm  Ilt.  von  Baiom  1.  Janaar  1000:  Die  Peat  hat  fast  ^anz  aofgehört.  Die  6e> 
Oüchtetm  kehren  zurück.  Bfan  erwartet  den  Kaiser  zu  dem  am  14.  Wginnenden  bühmiscben 
Itandtage.  Vom  1.  Äugest  bis  zant  30.  NovembiT  1399  sind  nach  den  dem  Kaiser  cingeiie- 
ferten  Totenzetteln  in  Pr^  genau  4000  Personen  gestorben.  Ma.  50/10,  I Or.  Vgl.  Bei- 
lage VI,  3. 

133)  Prantl  an  Hz  Maximilian  von  Baiem  17.  Juni  1000:  „Sonntag  den  4.  dUs  nachmittag  Ut  die 
B.  ksl.  unfürsehencr  weiss,  als  das  Hofgesind  vor  dem  mittagronhl  dergleichen  gar  nichts 
gedacht,  eiloods  aufgebroehen  and  denselben  tag  von  Pilsen  bis  geen  Rockvzan  verraist.  Dess  an- 
dern tag*  seind  I.  Mt.  gleich  widernmben  vernickt  und  haben  etliche  tag  von  einer  herrsebaft 
zu  der  andern  loatratficn  gethan,  unterwegs  etliche  gejagten  gehalten  und  also  sambetag  den 
10.  glücklich  allhie  ankommen  und  befinden  sieh  wegen  ihrer  hiesigen  ezercitien,  recreationen 
und  allerlei  gelcgenbaiten,  dergleichen  si  anderer  orten  nit  gehabt,  sehr  wol.“  Die  geheimen 
Ratbe  und  die  Iteichsbofr&the  sind  jetzt  auch  wieder  hier.  Ma.  50/10,  4.5  Or.  Manhart  an  den- 
selben, 10.  Juni  1000:  Der  Kaiser  ist  von  Pilsen  so  plötzlich  aufgebroehen , dass  Rumpf  kaum 
Zeit  hatte,  sieb  zur  Keise  anzukteiden  und  die  Pilsner  die  Valediction  rerBaumten.  Das  gemeine 
Hofgesinde  folgt  allmählich;  da  cs  an  Fuhren  fehlt,  reist  es  meist  zu  Fass.  Das.  47  Or.  Auch 
Dnodo  berichtete  am  12.  Juni,  der  Kaiser  sei  „con  buonisslma  salute“  zurückgekehrt.  D.  V. 
:«).  lOU  Or. 

. 139)  Sieh  unten. 

140j  Kbevenbillcr  V,  2224  ff. 


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48 


Jede  ärztliclie  Hülfe  verschmähte  der  Kaiser  und  ebensowenig  ver- 
mochte ihn  seine  Umgebung,  die  ihn  für  verzaubert  oder  vom  Teufel 
heimgosucht  hielt,  zu  bewegen,  im  Empfange  der  Sacramente  Befreiung 
zu  suchen,  denn  in  jo  schrofferem  Widerspruche  seine  geschlechtlichen 
Ausschweifungen  zu  den  religiösen  Anschauungen  standen,  die  ihm  in  der 
Jugend  eingeprägt  waren  und  die  ihn  nach  wie  vor  beherrschten,  desto 
mehr  musste  ihn  in  seiner  angstvollen  Erregung  der  Gedanke  an  die 
Beichte  und  an  die  Verantwortung  vor  Gott  erschrecken'"). 

Während  seiner  Anfälle  war  er  mehrfach  im  Begriffe.  Hand  an  sich 
selbst  zu  logen.  Auch  das  Leben  seiner  Kammerherren  und  Diener  war 
oft  bedroht;  mehrere  wurden  von  ihm  verwundet;  wenige  vermochten 
bei  ihm  auszuharren.  Die  Erletligung  der  Geschäft!!  stochte  mehr  als 
jemals  und  beinahe  alle  Bäthe,  w'olche  mit  Rudolf  persönlich  zu  ver- 
kehren hatten,  fielen  in  Ungnade"*). 

Sein  Geheimsecretär  Johann  Barvitius ’**)  durfte  seit  Mitte  August 


Ml)  So  >(laube  ich  Kudolfs  Abneijj-ung  gegen  die  Beicht«  erklären  la  mösf^en  In  BeilAge  IX  wenlen 
antdrnckiicfa  «eine  religiusen  Scm{>el  erwähnt.  Das«  er  nicht,  wie  Ranke  z.  deiiUchen  Ge* 
schichte  l«8  meint,  in  religiöser  Hinsicht  gleicbgQttig  war,  beweist  wohl  gerade  die  Äofregnng, 
in  welche  er  gerieth.  wenn  er  beichten  musste,  sowie  der  Umstand,  dass  er  seit  dem  Kndc  des 
Jahres  16lM)  den  fanatischen  Convertiten  PUtorine  zum  Bekhtrater  annahm:  > nnten.  Zudem 
trat  er  ja  je  länger  desto  entschiedener  fdr  die  Restanratinn  ein  und  strättbte  sich  aus  religiösen 
Bedenken  so  heftig  gegen  die  Bestitigang  des  FriedensRchlQsse  von  lOOG  und  die  Rrtheilung 
der  Majestätsbriefe.  Vgl.  auch  Alberi  Heiazioni  I,  t.  VI,  240.  Wie  übrigens  der  Kaiser  in 
der  Folge  stets  jenen  Widerwillen  zeigt,  so  scheint  er  von  ihm  auch  schon  in  früheren  Jahren 
BUS  dem  oben  bezeichneten  Grande  erfüllt  gewesen  zu  sein.  In  dem  oben  Anm.  80  beepro- 
ebenen  Vortrage  wird  nämlich  gesagt:  .,Hec  rero  a patris  aut  ari  ingenio  Uiidolphus  alla* 
tenns  degencrat.  Nam  enin  magis  usu  quodam  quam  consilio  christianuni  ona#  nemo  non  ag- 
Doecif,  qui  videt,  qnanto  religionis  contemptu  patrem  spiritualem  aive  confessionarium  quin* 
qoaginU  milliaribus  a se  dUtantem  alat,  qnem  vix  semel  in  anno  accersat,  ut  alü  intelligant, 
enm  ob  inünita  sua  rirginum  et  mnlicrum  stapra  et  magicas  incantatione«  ac  praestigias.  qui* 
bas  cam  sao  Jadaeo  Halo  dat  operani.  impatientes  non  anquam  aaros  offemlere.“ 

142)  S.  Beilage  VIII,  IX,  X und  XI  und  Briefe  und  Acten  I,  n.  2(>0  am  Ende 
MS)  Vgl.  Kherenhlllor  Conterfet  II,  74.  Unrichtig  wird  dort  »eine  GeburUstätte  nach  lnner> 
Österreich  verlegt.  Er  war  ein  Niederländer.  Ob  die  Angabe  bei  Ranke  Z.  d Geschichte  287, 
er  sei  „ciocs  tompfaffen  son  von  Utrecht/'  richtig,  weis«  ich  nicht.  Um  werde  er  Lehrer 
des  Herzogs  Maximilian  von  Daiern.  Aretin  Maximiltan  I.  8G2.  LVtH  wurde  er  bairischer 
Rath.  Md.  HofzahlarotsbQcher.  Schon  im  Sommer  desselben  Jahres  trat  er  als  Rath  und  ge- 
heimer lateinischer  becretär  [erster  Reichshofrathssecretär]  In  Rodolfs  II.  Dienste,  Anfang  April 
ir>98  wurde  er,  ohne  jenes  Amt  tu  verlieren,  Reich«bofrath.  Manhart  an  Hz.  Wilhelm  von 
Baiem,  21.  April  1598.  Ma.  50/7,  12  Or.  Vgl.  Ej'zinger  Rel.  hist.  1593,  II,  77.  Am  2i). 


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49 


nicht  mehr  vor  ihm  erscheinen.  Am  26.  Sej)teinher  liess  er  dann  Kumpf, 
naciidem  er  ilin  vorher  wiederholt  mit  leidenschaftlichen  Vorwürfen  über- 
häuft hatte,  durch  Hornstein  die  Knthebung  von  allen  Aemtern  ankiin- 
digen  und  die  Abreise  von  Prag  befehlen,  und  als  Trauteon  ihm  Gegenvor- 
stellungen machte,  wurde  auch  er,  den  der  Kaiser  ohnehin  für  Rumpfs 
Mitschuldigen  hielt,  verabschiedet  und  verbannt.  Beide  glaubten  selbst 


29.  Hai  schrieb  Oftilklrcher  an  Hl  Wilhelm:  „Video  et  aadio,  BarTitü  aoetoritatem  etexisti* 
matioDcm  in  dien  ereseere  et  augeri  maj^is.**  Ma.  399^0.  eigh.  Or.  1597  wird  B.  alt  Tor- 
oehmster  Sacretär  des  geheimen  Ratbee  bexcichnet.  Seine  Stellnng  scheint  schon  seit  1594  der 
ein»  jetxigeii  CabineUsecretÄrs  entsprochen  xn  haben  Er  besorgte  namentlich  die  prirate  und 
aoiUnduche  Oorrespoodenx  det  Kaisers.  Vgl.  Briefe  u.  A.  IV.  Kegister  t.  Rob.  Torneri 
epütolae  37,  41,  ‘JOh,  274  IT.  >155.  Burmann  Sjrlloge  epp.  I,  .59.5  und  Harter  Philipp  Lang 
162.  16.5.  Hx.  Wilhelm  von  Bsiem  schenkte  dem  ßarritiax  durch  Hecret  vom  10.  Juli  1,59^ 
fhr  dessen  ihm  geleistete  Dienste  und  fUr  die  Zeit,  wo  derselbe  ohne  bestimmtes  Gehalt  gedient 
habe,  3000  Gl.  and  befahl  darüber  einen  SchuldtcheiD  tu  o%  aoaxustellcn ; was  B.  früher  für 
Zehrung  and  im  Abschlag  auf  sein  in  Aussicht  gestelltes  Gehalt  empfangen  habe,  »olle  ihm 
auch  geschenkt  sein.  Mc.  Decreto  IV,  n.  85  Or.  Am  1.  Juli  1594  mahnte  Rarvitins  den  Herzog 
ihm  eine  Gnade  za  erweisen,  sonst  werde  sein  Diensteifer  gegen  Baiem  erkaltea;  am  licbeten 
sei  ihm , wenn  ibro  der  Herzog  zur  Heirath  mit  einer  in  Baiern  begüterten  Waise  verhelfe 
Ma.  899/81,  10  eigh.  Or  Wio  aus  anderen  Briefen  von  ihm  a.  a.  0.  12  ff.  erhellt,  wollte  er 
die  Schwägerin  de«  bairischen  Ratbea  Philipp  Kurz  von  Senftenau  heiratben  und  wünschte, 
dass  der  Henog  deren  und  der  Verwandten  Widerstreben  brt'che  Gailkircber  schrieb  am  21. 
Juni  1594  an  den  Herzog:  ßarvitius  schwankt,  ob  er  jene  Dame  oder  eine  andere  Baieriit 
nehmen  solle  ,,Sunt,  qni  exütiment,  non  faetnrum  illum  conditionem  suam  apnd  Caesarem  et 
caeaareanos  roeliorem,  si  docta  Bavarica  uxore  magis  sese  in  posterum  obstringat  Bavaricae 
clientelae.  Offerantur  ei  Austriacae  virgines.  riduae,  oobiles,  locupletes,  nibilominos  Video 
illum  bactenus  pro  mirabili  sua  in  Ser<«*‘  V.  affectione  in  Bavariam  propendere.'*  Ma.  398/80, 
loO  eigh.  Or.  Am  28.  Juli  1597  lud  B.  die  bairischen  Herzoge  zu  seiner  auf  Ende  August  an- 
geseilten  Hochzeit  mit  der  Jungfrau  Maria,  Tochter  des  verstorbenen  Pranx  de  Bailliencourt. 
Herrn  von  Barlettc  und  Douchy  ein.  Dabei  schrieb  er  un  Hz.  Maximilian:  „Ad  nuptias  . . . 
Serw-tn  V.  invito  ....  O^am  überalitatem  ac  munitlccntiam  Suam  ita  in  me  iniignitcr  hac  oc- 
easionc  oeteusuram  spero,  ut  studia  erga  Ipeam  mea  deinceps  roagia  magisque  accendantur. 
Quae  raea  sint  erga  augustain  Bavariac  domum  merita,  quac  Ber^^  V.  a me  obsoqoia  praestita, 
novit  Ipsa  quam  optime;  quid  mihi  com  Vicheuseri  fllia  [wohl  die  oben  erwähnte  Schwägerin 
des  Kurz]  iütcri  daoda  esset,  promissum  fuerit,  meminit.  Penaio  lUa  ducentorum  quinqoaglnta 
florenorum  aonuoram,  quam  Ser’**'*  D.  parens  post  comitia  Ratisbonensia  praeiente  Ser"*^  eler- 
tore  [Cbf.  Emst  von  Köln]  mihi  promisit,  nunqoam  soluta  sed  plano  aboliu  fult,  quae  boe  meo 
nuptiarom  tempore  comp'‘Dsari  benigno  gratiae  documento  poternnt.  ai  eam  Ser^*  V.  de  me 
opinionem,  quam  me  mereri  *ezi»timo,  habuerit.  Jam  enirn,  qoanti  me  patroni  faciant,  ezpecto, 
ut  reipaa  declarent.“  Md.  I,  Verehrungen,  eigh.  Or.  Maximilian  äusserte  sich  Über  den  an- 
verschämten  Brief  sehr  misvergnügt.  doch  wurden  B.,  damit  er  nicht  scltade,  600  Gl.  geschenkt 
und  Tür  die  Zukunft  jährliche  Geschenke  von  gleicher  HOhe  in  Ausaiebt  gcetellt.  A.  a.  0.  Ob 
sie  gezahlt  wurden,  ist  nicht  ersichtlich;  B.  blieb  jedoch  stets  io  oalier  Verbindung  mit 
Baiem. 

Abb.  d.  in.  CI.  d.  k.  Ak.  d.  Wisa.  XV.  Bd.  I.  Abtb.  7 


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50 


wohl  80  wenig  wie  der  gesammte  Hof,  dass  diese  Anordnungen  ernstlich 
gemeint  seien.  Als  sie  jedoch  zwei  Tage  später  den  Versuch  machten, 
Milderung  zu  erlangen,  gebot  ihnen  Rudolf,  die  Stadt  bei  scheinender 
Sonne  zu  verla.ssen.  Sogar  Freiheit  und  Leben  Kumpfs  sollen  l)«lroht 
gewesen  sein. 

Gleichzeitig  erhielt  Coratliiz  seine  Entlassung,  die  freilich  sehr  bald 
wieder  zurückgenommen  wurde,  und  der  Kammerjirilsident  Freiherr  Fer- 
dinand von  Hofmann  ward  unter  der  Anklage  schlechter  Verwaltung 
mit  llaushaft  belegt'**). 

Da  wir  gesehen  haf)en,  wie  Rudolf  in  seinen  Wuthahfallen  häufig 
Leute  aus  seiner  Umgebung  wegjagte  und  wie  er  gegen  Rmupf  mid 
Trautson  schon  längst  Unwillen  trug,  und  da  seine  Ungnade  gleiclizeitig 
noch  andere  Käthe  traf,  wird  es  beinahe  üljerflüäsig  erscheinen,  nach 
einem  bestimmten  Anlasse  zu  forschen,  welcher  die  Absetzung  der  beiden 
Minister  herbeiführte.  Wir  müssen  jedoch  die  überlieferten  Nachrichten, 
die  von  einander  abweichen,  prüfen. 

Kldesl  bemerkte  sieben  Jahre  später,  Rumpf  sei  in  Ungnade  ge- 
fallen, weil  er  die  Ernennung  des  Erzherzogs  Matthias  zum  Nachfolger 
Rudolfs  betrieben  habe'**).  Der  Zusammimhang,  in  welchem  diese  Be- 
hauptung vorgotragen  wird,  schwächt  indes  von  vornherein  ihre  Beweis- 
kraft und  sie  wird  vollends  dadurch  widerlegt,  dass  der  Kaiser  gleich 
nach  dem  Sturze  Kumpfs  eben  jenen  Bruder  zu  sich  berief  Es  wird  ihr 
daher  nicht  mehr  zu  entnehmen  sein,  als  dass  Khlcsl  ülM«rzeugt  war, 
Rumpf  habe  in  der  Wahlfrage  zu  Matthias  gehalten.  Der  Erzherzog 
selbst  war  der  gleichen  Meinmig  '**).  Dass  Beide  in  dieser  Hinsicht 
falsch  unterrichtet  gewesen  seien,  ist  nicht  anzunehmen,  und  welcher 
Grund  sollte  auch  Rumpf  bestimmt  haben,  von  Matthias,  für  den  er  noch 


144)  S.  HeiU^  VI(  and  XI  and  Kbevenhiller  Annalet  V,  2*221  fT.  and  Coot«rfet  II,  (MS  f.  Vgl. 
Cbluraeek;  Karl  von  Zierolio  ^1,  Ritter  Union  1.  249  flf.,  Oiodelj  Rodolf  II  uad  teino 
Zeit  I,  46  ff.  Ra  nke  Zar  deaUchpn  Geechidite  106. 

145)  Hftiamer  Khlesl  II.  Beilagen  S.  55. 

146)  Vgl.  des  RnbenogB  Schreiben  an  Kampf  Tom  24.  Mürz  1600  bei  Hammer  1 Beil.  S.<527  and 
die  Art,  wie  er  in  Beilege  Vlll  and  XI  von  den  geetünten  Blinietern  spricht.  Den  Secretär 
Kampfe  Eberhard  Wittenhorst  bcetcUte  MatthUe  sofort  za  seinem  Agenten  am  kaiserlichen 
Hofe.  Prüntl  an  Hz.  Max.  ron  Baiern  25.  April  1601.  Ma.  50/10,  49.  Or. 


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51 


im  Juli  1599  wirkte'"),  zu  Albrecht  Ohorzugehen? '**)  Hätte  sich  aber 
selbst  seine  Gesinmmg  geäiulert,  so  wüisle  er  sich  doch  gewiss  nicht  da- 
zu vei-standen  haben,  dein  Kaiser  die  Ernennung  Albrechts  zum  Nach- 
folger zu  empfehlen,  denn  Niemand  wusste  besser  als  er,  wue  sehr  dies 
Rudolfs  /om  erregen  und  wie  wenig  es  fruchten  werde. 

Wir  werden  mithin  auch  der  Angabe,  dass  der  Sturz  des  Ministers 
durch  eine  Bemühung  zu  Gunsten  Albrechts  herbeigeführt  worden  sei, 
den  Glauben  versagen  müssen.  Diese  Angabe  findet  sich  in  einem  Be- 
richte des  französi.schen  Gesandten  zu  Prag,  Ancel"*),  und  in  einem 
.Schreiben  von  dort  an  den  Markgrafen  von  Ansbach  '**).  Der  Verfasser 
des  letzteren  erscheint  jedoch  als  mit  dem  Kaiser  nicht  in  unmittelbarem 
Verkehre  stehend  und  als  in  die  politischen  Verhältnisse  wenig  einge- 
weiht“') und  auch  Ancel  konnte  bei  der  feindseligen  Stellung  Frank- 
reichs zum  Hause  Habsburg  den  V'orgängen  im  kaiserlichen  Gemach,  die 
man  sorgfältig  geheim  hielt'“),  schwerlich  auf  den  Grund  kommen, 
üeberdies  erregt  die  Angabe  beider  Berichtei-statter,  dass  der  spanische 
Gesandte  und  der  päpstliche  Nuntius  Kumpf  zu  der  ihn  verderbenden 
Verwendung  veranlasst  hätten,  noch  weitere  Bedenken.  Am  madrider 
Hofe  entschloss  man  sich  erst  im  t.lctober  des  nächsten  Jahres,  für  Al- 
brechts Erhebung  zu  wirken'“),  und  nach  einem  Berichte  des  venezia- 
nischen Gesandten  Pier  Duodo  vom  26.  Februar  1601  versicherte 


147)  S.  oben  S-  «IO. 

14d)  An  Beeteebao^  durch  Spanien  ist  nicht  zu  (lenken , da  diesee  »ich  erst  im  October  1601  für 
die  Candidatur  Albrechts  entschied. 

140)  Die^m  bericht  ist  Chlumeckjr  a.  0.  gefolgt.  Aoeh  Gindely  enahlt  a.  a.  O den  ätnrx 
der  Minister  nseh  derselben  Quelle,  gibt  aber  im  Widerspmebe  mit  ihr  als  dessen  Ursache  an, 
(lass  TOD  Kumpf  und  Trautson  ond  .wahrscheinlich  auch  von  dem  Gesandten  Philipps  III*  fQr 
Matthias  gearbeitet  worden  sei  Da  er  Itir  diese  ßebauptung  keinen  Beleg  bietet,  glaube  ich 
mich  nicht  weiter  bei  ihr  aufbaltcn  lu  müneo,  zumal  sie  die  irrige  Annahme  zur  Vorauasetzuog 
bat,  dass  Matthias  i.  J.  IfiOO  vor  dem  October  nach  Prag  gekommen  sei.  Auch  Ranke  lasst 
a.  a.  0.  die  Verbannung  Rumpfs  durch  eine  Bemühung  für  Matthias  verursacht  werden,  doch 
gibt  er  gleichfalls  keine  Quelle  an. 

150)  Bei  Ritter  a.  a.  0. 

151)  Ervteres  bemerkte  schon  Kitter  247  Anm.  3,  letzteres  zeigt  der  bei  Ranke  Zur  deutschen 
Qesebiebte  2^2  f.  veröffentlichte  Theil  des  Berichtes. 

1521  Vgl.  Beilage  V und  X.  Khevenhiller  V,  2221  und  Briefe  und  Acten  I,  u.  157. 

153)  Gindely  I.  54. 


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52 


San  Clemoiite  damals  dem  Erzherzog  Maximiliiin,  das»  Albredit  nicht 
nach  der  Kaiserkrone  trachte  imd  nicht  zu  Mathias  Nachtheil  wirke 
was  er  doch  nicht  behaupten  durfte,  wenn  jenes  Gerücht  über  die  Ur- 
sache der  Entlassung  Rumpfs  berechtigt  war,  da  Maximihan  den  Zu- 
sammenhang des  Ereignisses  genau  kennen  musste  oder  leicht  ergründen 
konnte.  Ebensowenig  ist,  wie  wir  späterhin  sehen  werden,  anzimehmen, 
da.ss  Papst  Clemens  VIII  zu  Schritten  für  Albrecht  Auftrag  gegelien  habe. 
Der  Nuntius  zu  Gnu  weiss  erst  im  November  1600,  dass  jener  die  Wahl 
eines  römischen  Königs  wünsche,  dann  aber  bezeichnet  er  an  erster  Stelle 
den  Erzherzog  Ferdinand  als  den  seinem  Herrn  Genehmsten  Auch 
bei  den  gleich  zu  erwähnenden  Verhandlimgen,  die  Matthias  jiHog,  um 
seine  Ansprüche  zur  Geltung  zu  bringen,  ist  niemals  von  Bemülnmgen 
die  Rede,  welche  von  Seiten  Spaniens  und  des  Pa]>stes  zu  Gunsten  Al- 
breclits  im  Se|)tember  untcmomiuen  seien,  vielmehr  rechnet  Matthias  auf 
deren  wie  auf  seines  Bruders  Untei-stützmig  für  sich  selbst  Endlich 
meldet  Duodo  am  23.  üctober  1600,  dass  San  Clomente  und  der  prager 
Nuntius  für  Matthias  wirkten  '**),  und  es  liegt  kein  Grund  vor,  zu  be- 
zweifeln, dass  sie,  da  Rudolfs  Erkrankung  ilie  schleunige  Ordnung  der 
Nachfolge  nothwendig  erscheinen  lies»  und  sie  noch  keine  anderen  Be- 
fehle, empfangen  hatten,  den  ältesten  um!  in  Prag  anwesenden  Erzherzog 
bei  seinen  Bemühungen  um  jene  imterstützten  oder  doch  nur  im  Allge- 
meinen auf  die  Vornahme  der  Wahlen  drangen,  was  Matthias  zu  gute 
kommen  musste. 

Dass  trotzdem  jene  irrigen  Venuiithungen  entstanden,  ist  leicht  zu 
erklären.  Schon  lange  hegten  die  Gegner  Habsburgs  den  Verdacht  dass 
der  König  von  Sj>anien  für  sich  oder  für  seinen  Schwiegersohn  die  Kaiser- 
krone begehre.  Erst  im  Juli  1600  hatte  man  sich  wieder  von  eifrigen 
Bewerbimgen  Albrecht»  erzählt'*’).  Nun  reiste,  wie  erwähnt  der  Kur- 
fürst von  Köln  zum  Administrator  von  Sachsen,  Erzherzog  Maximilian 
weilte  in  Spanien,  es  hiess,  er  wolle  von  dort  nach  Belgien  gehen,  der 


154}  S.  iint«n. 

155)  Seine  Berichte  werden  weiterhin  mitzutheileo  »ein. 

156)  S.  aoten. 

157)  S.  unten  Doodos  Bericht  v.  24.  Joll  1600. 


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53 


Condestable  von  Castilien,  Graf  Olivarez,  kam  — veniiuthlich  um  die 
Thronbesteigung  Philijnw  III  anzuzeigen  — im  Sej)tember  nach  Prag'“) 
der  Nuntius  hatte  beim  Kaiser  Audienz  und  unmittelbar  nach  dieser  er- 
folgte die  Entlassung  Kumpfs.  Da  lag  es  nahe,  diese  Thatsachen  und 
Gerüchte  in  der  erwähnten  Weise  in  Zusammenhang  zu  bringen. 

Das  oben  angezogene  Schreiben  an  Ansbach  und  ein  anderer  Bericht 
an  den  Markgrafen '")  enthalten  übrigens  noch  eine  dritte  Angabe  über 
den  Anlass  des  Sturzes  der  Minister.  Dem  Kaiser,  sagen  sie,  seien  Briefe 
in  die  Hände  gefaUen,  welche  ihm  gezeigt  hätten,  dass  jene  vor  ihn  gehö- 
rige Sachen  nach  Beliel)en  hinterhielten,  dass  Kumpf  nach  S)>aiuen  geschrieben 
habe,  er  sei  regienmgsunfähig,  und  dass  dersellje  Albi-echts  Ileirath  mit 
Isabella  befördert,  die  florentinische  Kudolfs  aber  im  spanischen  Interesse 
verhindert  habe.  Wir  hoben  bereits  hen’or,  da.ss  der  Verfasser  des  ersten 
Schreibens  tieferen  Einblickes  in  die  Verhältnisse  entbehrte;  auch  der 
zweite  Berichtei-statter  war  wohl  nicht  ein  Mami,  welcher  eine  ihn  in  die 
Geheimnisse  der  kaiserlichen  Kammer  einweihende  Stellung  einnahm '“) 


1591  C b I tt  mec  ky  a 0. 

159)  Gedruckt  bei  Ranke  Zur  deuteeben  Gcacbichtc  2^4  ff. 

160)  Bitter  Termuthet  a.  a 0.  247  Anm.  3,  dass  der  Bericht  tüq  Burkhard  too  Berlichingeu  her* 
rfibre.  (Dieaen  erwähnt  Sattler  Geachichte  de«  Herzogtbums  Würtenberg  V,  185  zum  Jahre 
1595  al«  Rath  den  Herzoges  von  Wirtemberg.  Wenn  er  »agt,  derselbe  habe  «ch  „als  zugleich 
in  kaiMrlichen  Diensten  stehend,  meistens  an  diesem  Hoflager"  aufgebalten,  so  liegt  dem  qd« 
zweifelhaft  eiu  MuTerstindnis  zu  Grunde.  B.  dQrfte  wirtembergischer  Agent  in  Prag  gewesen 
sein  und  nur  den  Titel  eines  kaiserlichen  Käthes  besessen  haben;  1597  nämlich  rief  ihn  Henog 
Friedrich  lorQck  und  hielt  ihn  bis  zum  Jahre  1600  in  Haft,  a.  a 0.  200.  Dann  mag  er  aus 
eigenem  Antriebo  an  den  kaiserlichen  Hof  znrQckgekehrt  sein.]  Kitter  stdtzt  seine  Vertnnth* 
ung  vor  allem  darauf,  dass  das  erste  bchreiben  an  Ansbach  sechs  Geheimrätbe  und  unter  diesen 
Berlichiugcn  nennt,  der  in  Frage  stehende  Bericht  dagegen  nnr  fünf  und  eben  B.  nicht  Diese 
Auslassung  ist  jedoch  wohl  daraus  zu  erklären,  dass  Ü.  nicht  förmlich  zum  geheimen  Rathe 
bestellt  worden  war.  Ich  habe  ihn  aU  solchen  nie  erwähnt  gefuDlen  und  die  Art,  wie  seiner 
in  Beilage  XI  und  in  den  dort  Anm.  2 angeführten  Berichten  Manharts  gedacht  wird,  spricht 
dagegen,  dass  er  jenes  Amt  bekleidete.  Das  erste  Schreiben  dürfte  nnr  die  Stellung  in  Betracht 
tieheo,  die  er  thatsächlich  einnahm.  Ich  müchte  der  Vermutbuog  Ritteis  die  entgegenstelleo, 
dass  der  Bericht  von  dem  in  Beilage  XI  erwähnten  „gewüsten  brandenburglschen  canzler" 
Merkbach  verfasst  worden  sei.  Alles,  was  Uilter  ausser  dem  bereits  angeführten  Grunde  auf 
BerlichlDgen  scbliessen  lässt,  passt  ebenso  gut  auf  Merkhach.  Dazu  kommen  noch  andere  Um- 
stände. Der  Verfasser  des  Berichtes  wird  io  dem  Schriftstücke  bei  Ranke  a.  a.  0.  stets  in 
Gegensatz  zu  den  kaiserlichen  Räthen  gestellt;  er  steht  dem  Kaiser,  den  Ministern  und  den 
HofTerbältnissen  ferner,  als  es  bei  Bcrüchingeo  der  Fall  sein  konnte;  was  er  über  die  Berufung 
lies  Erzherzogs  Matthias  erzählt,  iat  ungenau  nnd  er  lässt  dieselbe  sogar  irrig  vor  dem  Sturze 


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54 


und  offenbar  kam  er  erst  nacli  tler  Al)setzung  der  Minister  nach  Prag. 
Die  Anklagen,  welche  beide  erheben,  waren,  wie  wir  wissen  “ ),  dem  Kaiser 
bereits  vor  mehr  als  Jahresfrist  ziigetragen  mit  Ausnahme  derjenigen, 
w'elche  den  Bericht  nach  Spanien  ül)er  Rudolfs  Unfiihigkeit  betrifft.  Diese 
aber  können  wir  nicht  für  Iregründet  erachten,  weil  wir  überhaupt  der 
Annahme,  dass  Rumpf  in  engen  Be/,iehungen  «um  madrider  Hofe  gestan- 
den hal>e,  nicht  beitreten  dürfen**'),  und  weil  Rudolf  seinem  Wesen  nach 
gerade  eine  solche  Verschuldung  dem  Minister  niemals  verziehen  haben 
würde,  während  er  ihm  in  der  Folge  den  Aufenthalt  in  Prag  gestattete, 
ihn  wie  Trautson  in  wichtigen  Dingen  zu  Rathe  zog'**)  und  beiden  wie- 
derholt Gnaden  erwies,  so  dass  „mänuiglich  die  Ungnade  nicht,  wohl  aber 
die  Heue  vor  gross  gehalten'**).“ 

Am  glaubwüniigsten  erscheint  die  Angal»  des  venezianischen  Ge- 
sandten**'), dass  der  Anlass  zum  Sturze  der  Minister  dadurch  gegeben 
worden  sei,  dass  der  päpstliche  Nuntius  sich  in  einer  Audienz  l)eim  Kaiser 
heftig  über  sie  beklagte,  weil  sie  in  den  Händeln  mit  den  Uskoken  den 
dringenden  Wünschen  des  Papstes  nicht  entsprachen.  Was  Duodo  hier- 
über mittheilt,  hatte  er  vom  Nuntius  stdbst  erfahren,  und  eine  Bestäti- 
gung seiner  Erzählung  kann  darin  erblickt  wervlen,  dass  der  Kaiser  gleich 
nachher  klagte,  der  Nuntius  habe  ihn  verzaul)ert  ***).  Die  michdrückliche 


der  Minister  erfolgen;  er  teigt  sieh  ferner  ^anx  ran  den  protestantischen  Vorartheilen  über  die 
kaiserliche  Politik  erfüllt,  die  ß.  doch  richti^r  beurth^ilen  musst« ; er  h5rt  von  einem  Tornclimen 
Herren,  was  der  kaiserliche  Gesandte  xn  Rom  berichtet  batte,  wahrend  B.  den  ßrief  selbst  b&tte 
lesen  können;  endlich  lasst  ihn  Aticel  xu  sieh  berufen,  um  ihm  eine  Mittheiluni?  tn  machen, 
was  einem  einfachen  Residenten,  wie  Ancel  war,  gegenüber  einem  Msnne  in  Berlichingens 
Stellan;  nicht  instand.  Gerade  diese  Verbindang  mit  Ancel  deutet  auf  einen  Mann,  der  nicht 
in  Diensten  des  Kaisers,  sondern  der  protestantischen  Reichsst&nde  war  und  auf  Merkbar!)  lasst 
schliessen,  dass  der  Bericht  an  ein  Mitglied  des  Hauses  Brandenburg  gerichtet  wurde.  Ist 
meine  Vermntkang  berechtigt,  so  sinkt  damit  natürlich  der  Werth  des  Berichtes  bedeutend. 

IfiU  Vgl.  oben  S.  as. 

162)  8.  oben  S. 

168i  Am  2^.  October  1602  berichtete  der  Kuntios  xu  Grax  Graf  Hieronymus  Poriia  dem  Hx.  Maxi- 
milian von  Baiern,  der  Kaiser  habe  dem  Erxhx.  Matthias  eine  grosse  Menge  Schriften  nach 
Wien  geschickt.  ,,da  consoltarsi  col  Kumf  etTrautzen  et  col  s^  Anuibal  (Hannewald]  solaroentn“ 
und  um  dann  eine  Denkschrift  für  die  Reichsstande  aber  die  Grunde  und  Gegcugründc  Blr  die 
Fortsetiung  des  Türkenkrieges  xu  rerfassen.  Ma.  4<)2/«,  66  eigh.  Or. 

164)  Kherenhiller  Annalcs  V,  2222;  »gl.  Conterfet  II,  66. 

\Sh)  8.  Beilage  VIF. 

166)  8.  Beilage  XI. 


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55 


Sprache  desselben  dürfte  ihn  erregt  und  seinen  Zorn  gegen  die  Minister 
entflammt  haben.  In  dieser  Stimmung  mochten  dann  der  Unwille  und 
das  Mistrauen,  wovon  er  in  Folge  der  uns  bekannten  Thatsachen  und 
Verdächtigungen  längst  gegen  Rumpf  erfüllt  war,  sowie  die  Sorge  vor 
Umtrieben  üu  Gunsten  Albrechts,  welche  bei  ihm  wie  bei  den  Gegnern 
seines  Hauses  durch  die  oben  erwähnten  Umstände  wachgerufen  worden 
war,  mit  voller  Kraft  in  seiner  Seele  aufleben  und  nach  einer  schlaflosen 
Nacht  den  WuthaHsl)ruch  gegen  Rumpf  bewirken.  Duodo  berichtet,  dass 
er  in  jener  Nacht  davon  sprai'h,  seine  Minister  wollten  im  Verein  mit 
Spanien  den  Erzherzog  Albrecht  zum  römischen  Könige  machen,  und  dass 
er  Rumpf  ein  langes  Sündenregister  vorhielt  und  dabei  vornehmlich  auf 
die  Aufliebnng  der  wirtembergischen  Afterlehenschaft  und  auf  die  Releh- 
nung  Ferraras  hinwies.  Letztere  bezeichnete  auch  der  spanische  (iesandte 
Bjiäter  als  Ui'sache  der  Entlassung'”)  und  Khcvenhüller  erwähnt  sie  und 
die  Anklagen,  dass  Rumpf  alle  Gewalt  an  sich  gezogen  und  zu  deren 
Behaujitung  die  spanische  xmd  die  florentinische  Heirath  gehindert  hal>e, 
als  Gründe  der  Ungnade,  die  jenen  traf'**).  Dass  Trautson  nur  gleich- 
sam zufällig  in  Folge  seiner  Füraprache  für  Rumpf  in  dessen  Geschick 
verfiel,  werden  wir  gegenüber  den  bestimmten  Angaben  Khovenhüllers 
nicht  in  Zweifel  ziehen  können.  Vorbereitet  war  jedoch,  wie  wir  sahen, 
auch  sein  Sturz  schon  längere  Zeit. 

Nach  der  Entfernung  der  beiden  Minister  übertrug  der  Kaiser  das 
Oberst hofmeisteramt  und  den  Vorsitz  im  geheimen  Rathe  vorläufig  an 
Karl  von  Liechtenstein,  das  Ilofmarschallamt  aber  an  den  Hauptniann 
seiner  Hatschierleibwacho,  Grafen  Hans  Reichart  von  Schönberg'**).  Um 
für  die  Entlassenen  Ersatz  zu  schaflen,  wurden  sofort  Berufungen  ausge- 
fertigt.  Zugleich  befahl  Rudolf  seinem  Bruder  Matthi.as  durch  zwei  ein- 


167)  S.  Bfilagc  VII,  2. 

16S)  2221. 

169)  Jac.  KrancQS  Rel.  hUt.  1601,  I,  56.  In  einem  Schreiben  des  Krzbz.  Ernst  t.  1.5.  Janoar 
1594  wird  crw&hnt,  da»  der  ebartrierer  Oberst  Schdnber^  rotn  Kaiser  berufen  «ei,  um  für 
diesen  ein  Regiment  gegen  die  TQrken  zu  werltcn;  am  11.  April  1>597  bezeichnet  ihn  Erzhz. 
Albrecht  aU  k«t.  Knegsrath.  Obersten  und  Hatschierleibqttardibaoptmann.  Br«  Secret.  d'Allem. 

N.  293,  45  und  264  Copien 


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56 


ander  folgende  Hriefe,  seldeunigst  nach  Hofe  zu  kommun.  Vermuthlich 
hoffte  er,  durch  denselben  in  seiner  Beängstigung  Hülfe  zu  finden,  und 
beabsichtigte,  ihn  dauernd  an  seiner  Seite  zu  l)ehalten 


V. 

Matthias  hatte  schon  früher  daran  gedacht,  sich  nach  Prag  zu  be- 
geben. Sein  Kanzler  Unverzagt  brachte  ihm  nändich  von  dort  im  Fe- 
bruar 1600  Nachrichten  über  den  Zustand  Kudolfs'*')  und  gleich  darauf 
wurden  ihm  auch  von  anderer  Seite  beunruhigende  Mittheilungen  ge- 
macht imd  der  Kath  ertheilt,  den  Kaiser  zur  Ordnung  tier  Nachfolge  zu 
drängen.  Matthias  äusserte  hiergegen  anfangs  Betlenken,  weil  er  den 
.■Vrgwohn  und  Zorn  des  Kaisers  gegen  sich  zu  erregen  und  so  der  Er- 
füllung seiner  Wünsche  ein  unüberwindliches  Hindernis  zu  bereiten  fürch- 
tete Dann  neigte  er  sich  jedoch  dem  Vorschläge  zu  und  ersuchte 
die  geheimen  Käthe  um  ilir  Gutachten,  ob  er  j>ers6nlich  mit  seinem 
Bruder  verhandeln  solle”*).  Sie  dürften  sich  zustimmend  geäirs-sert  haben, 
denn  Matthias  hielt  um  die  Erlaubniss  zum  Besuche  an.  Erst  nach  län- 
gerem Zögern  entschloss  sich  Rudolf,  seinen  Brief  zu  erbrechen,  und  es 
scheint,  dass  er  verneinend  antwortete''').  Nur  der  Oborststallmeister 


170)  Vgl.  VII,  I. 

171)  Keichart  Streis  an  Mattlius,  Hcideck  26.  M&rz  160U  in  Antwort  auf  ein  Srhr.  t.  24.  Wi.  Sdc- 
cesB.  Matthias,  eigh.  Or  Vgl.  Hurter  III,  287. 

172)  Hammer  Khlesl  I.  n.  BI7.  Daa  SebriftatOek  ist  nicht,  wie  Hammer  meint,  ein  Schreiben, 

iK)&'lero,  wie  die  erste  Zeile  zeigt,  ein  Oedenkzettel  för  eine  mündliche  Antwort  auf  ein  raönd> 
lieh  geacbehence  Anbringeo.  Es  muss  in  diese  Zeit  gesi*(Kt  werden,  da  rnrerzagts  Bericht  er* 
wähnt  wird  und  der  Erzhene^  in  dem  Schreiben  an  Strein  mm  24.  März  [s.  die  rorhergehendo 
Anmerkung]  dessen  (lOtachten  forterte,  ob  er  nach  Prag  gehen  solle,  währentl  er  in  diesem 
Bescheide  noch  ablehnt,  feineriN»its  eine  Aniuabnung  an  Rudolf  zu  richten.  Vgl.  unten  den 
Brief  <les  Nnntius  Ponia  rom  21.  Februar  ItlOO  an  Hz.  Mazimiiian  von  Baiern.  Für  die  V'er- 
muthuug,  dass  der  Bercheid  an  Barritius  gerichtet. sei,  gibt  Hammer  keine  Begründung  an 
und  Ich  wage  ilaher  nicht,  mich  ihr  anzuschltessen.  <• 

17S)  Hammer  Khlesl  1,  n.  VM,  !».'>.  1»6. 

174)  Pawlo  Termuthet  freilich  da*  Gegenlheil.  Er  berichtete  am  12.  Juni:  „II  8er“*  Matthias  giä 
alcuni  di  haveva  aoeh'  egli  per  corriero  espreaso  riebieflto  1ic<*nza  da  S.  con  una  Irttera 
per  venirrene  ä lei.  Molti  giorni  c stata  per  online  suo  trattenuta  ^.senza  vederla  ei  in  fine  la 
fece  aprire  al  s'’  Uonfo  aila  sua  preaenza,  ct  si  dice,  che  habhia  riespedito  U corriero  con  or* 
dine,  cbö  aene  reuga.  et  se  bene  la  raggione  ruole,  che  sia  per  ie  cose  «rOngaria  et  altre  rac* 


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57 


des  Erzherzogs  Ottavio  Cavriano  kam  im  Juli  nach  Prag'”).  Ob  der- 
selbe, wie  man  sich  erzählte,  wegen  der  Wahl  Worbimg  ablegte,  oder, 
wie  es  wahrscheinlicher  ist  die  Einwilligung  in  die  llerüberkunft  seines 
Herrn  erwirken  sollte,  ist  nicht  überliefert.  Gewiss  ist  dass  er  weder 
in  der  einen  noch  in  der  anderen  Beziehimg  etwas  erreichte. 

Um  so  willkommener  musste  dem  Erzherzoge  die  Einladung  des 
Kaisern  sein.  Er  folgte  derselben  sogleich,  obwohl  er  el)en  zum  Heere 
nach  Ungarn  aufbrechen  wollte,  um  den  Entsatz  Kaniszas  zu  versuchen; 
der  Verlust  dieser  Festung  erschien  im  Vergleich  zu  den  durch  des  Kai- 
sers Zusttnd  drohenden  Gefahren  wie  ein  „Kinderspiel”*).“ 

Als  aber  Matthias  am  3.  October  in  Prag  eintraf,  schlug  Rudolfs 
Stimmung  gegen  ihn  plützlich  um.  Derselbe  unterlies.s  den  üblichen 
Empfang,  für  den  er  bereits  die  Befehle  ertheilt  hatte,  zeigte  sich  gegen 
den  .\nkommonden  sehr  imfreundlich  und  wollte  nichts  davon  wissen, 
dass  er  selbst  ihn  berufen  habe.  Seine  Furcht,  dass  man  ihn  vom  Throne 
zu  stossen  gedenke,  wandte  sich  sofort,  auch  gegen  Matthias  und  wuclis 
von  Tag  zu  Tag.  Nach  jener  heftigen  Aeusserung  seiner  Krankheit, 
welche  den  Sturz  der  Minister  herbeiführte,  war  er  ruhiger  geworden. 
Jetzt  kehrten  die  frühere  Aufregung  und  mit  ihr  die  Hallucinationen 
zurück.  Er  liess  alle  Wachen  verdoppeln  imd  das  ganze  Schloss  sorg- 
fältig durchsuchen.  Seinem  ersten  Leibärzte  Guarinoni,  einem  Veroneser, 


commandate  alla  sua  carica,  tutUTia,  esaeodo  stato  tanto  trattenuto  il  corriero,  si  e anco  detto 
qa««tl  di,  che  potesa«  caaer  per  la  elettione  di  rc  di  Rornaoi.  dod  firendoai  qoi  aenaa  qoalche 
gelosia  delle  noTe  che  nono  andate  attorno  le  aettimane  passate,  che  S.  Chri8t"=*  habhia 
poato  qaalcbe  pentiero  in  qqesto  negotio,  aoti  altri  aoeo  aggiongoco.  efaÖ  per  qaesto  effetto 
a panto  il  go?emator  di  llilaoo,  rcaiguato  ehe  havera  quoato  gOTcrno,  ala  per  venire  a 
qaesta  corte  . « . . Se  S.  si  riaolTeaae  di  farlo,  noo  k alcuo  dnbbio,  che  Totteitira,  perche, 
ßn  qnanto  atabili  ü negotio  delle  noize  eon  Toacaoa,  baveva  promeasa  certa  da  tuiti  li  eiet* 
tori  dal  Palatino  in  poi  et  con  oecaaione  del  coadjatorato  di  Colonia  baveva  anco  ferma  la 
promeaita  da  qoell*  arcivescovo."  D.  V.  30.  109  Or. 

1?5)  Doodo  an  den  Dogen  24.  JqH  1600:  „Continua  qui  U a'  Ottavio  Cavriano  !e  trattationi  per  il 
8QO  padrone,  le  quali  ai  dicono  essere  intorno  qneate  coae  de  re  de  Romani,  easendo  entrata 
gran  geloaia  in  8.  del  Ser"°  Alberto  auo  fratello,  del  quäle  i inforniato,  che  andaaae  pra* 
ticando  qualch'  uno  dl  qnesti  elettori  et  perö  si  crede.  che  U mandati  dal  rä  cattolico  siano 
piü  per  favoriro  li  interessi  del  secondo  ehe  del  primo  per  le  coae  note.  Tuttavla  ancora  noo 
li  sa.  cb^  S.  sia  ressoluta  di  cib  ehe  habbia  da  fare.  ae  bene  a favore  di  Mattbiaa  li  sti* 
moU  et  li  artificii  che  si  usano.  siano  grandissimi  per  ogni  parte.*'  D.  V.  30,  159.  Or. 

176)  Worte  Khlesls  b.  Hammer  I,  n.  139  am  Rnde. 

Abh.  d.  III.  CL  d.  k.  Ak.  d-  Wiaa.  XV.  Öd.  I.  Abth.  8 


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58 


der  ihm  lange  Jahre  gedient  hatte’’’),  gab  er  den  Aiiscliied  und  nahm 
statt  seiner  den  Octavian  Roberetti  aus  Innsbruck  an  ”*).  Sogar  die 
Kapuziner,  welche  gegen  Ende  des  Jajires  1599  nach  Prag  gekommen 
und  bis  dahin  von  ihm  Iwgflnstigt  worden  waren  hatten  unter  seinen  An- 
fällen zu  leiden.  Es  mochte  ihn  l>elästigen  und  mit  ängstlichen  (mlanken 
an  das  Jenseits  erfüllen,  wemi  in  den  Nächten,  die  er  schlaflos  zubrachte, 
ihr  Gebetläuten  von  dem  in  der  Nähe  des  Schloases  erbauten  Kloster 
herübertönte  Bald  beschuldigte  er  auch  sie,  ihn  verzanl>ert  zu  halien, 
und  begann  zu  rasen,  so  oft  er  ihr  lainten  vernahm.  Wie<lerholt  befahl 
er  ihnen,  die  Stadt  zu  verla-ssen,  und  wenn  ihre  Vertreibung  auch  immer 
noch  verhütet  wurde,  so  blieben  sie  doch  unausgesetzt  von  dersellien  be- 
droht '**). 

Seinen  Bruder  suchte  er  auf  alle  Weise  zur  Abreise  zu  bewegen 
und  als  derselbe  auf  Bitten  der  geheimen  Räthe  aiwharrte,  traf  er  mehr- 


177)  „Benisairoo  conosciato  da  tanti  miei  pr^ceasori,“  sagt  Da<xlo  in  einem  Berichte  vom  9.0c* 

tober  16CH),  JD.  V.  30»  221  Or.  der  neben  den  weiter  sniurühreiideD  Acten  dem  oben  Gesagten 
in  Grande  Hegt. 

178)  Pr&ntI  an  den  Uz.  von  Üaiera  15.  October  lOiK).  Ma.  50/10»  66  Or.  Gnarinoni  wurde  übrigens 
bald  wieder  sa  Gnaden  aafgenomincn.  Bericht  Dnodos  r.  13.  Nov.  1600.  D.  V.  30,  279  Or. 
Am  24.  and  31.  März  1603  erwähnt  Giacomo  Vendramin  ihn  als  in  Dienst  stehend.  D.  V.  :i3, 
24  n.  28  Orr.  V’gl.  unten.  Roberetti  winl  noch  bei  Hammer  Verhaodlangen  des  H«'rrn  t. 
Roeenberg  29  erwähnt. 

179)  Manbart  an  den  Hz.  von  Baiern  1.  Januar  1600:  „Die  capazinermönich  seind  unlängst  alher 
kommen  und  haben  -von  I.  Mt.  tTlaalnus  allhie  zu  wohnen,  denen  man  auch  b^rait  ain  Ort 
ausgezaichnet.  Dise  ordenabrfteder  kommen  denjenigen,  welche  sie  zuvor  nie  gesehen,  gar  sel- 
lam  für.  Gott  gebe,  dass  sie  vil  guets  aussrichten  bei  dlseu  aigensinnigen  leuthen.*^  Ma. 
50110,  I Or. 

180)  Bonaventura  da  Coccallio  et  Erardo  da  Bad  kerspurgo:  RUtretto  istorico  dclla  vUa,  virtü 
e miraeoli  del  b.  Loreuzo  da  Brindisi,  Rom  178:1,  p.  61  ff. 

181)  Dies  scheint  die  einfachste  Erklärung.  Wie  Rudolf  während  seiner  Krankeitsanftlle  die  Sacra- 
mente  nicht  empfangen  wollte,  s.  oben  S.  48,  so  zeigte  er  sehun  1593,  als  er  trübsinnig  war, 
Abneigung  gegen  die  Jesuiten,  s.  den  Bericht  des  Barvitius  vom  18.  Februar  1593  oben 
Anm.  93.  Die  legendenhaft  ausgeschmückte  Erzählung  bei  Coccallio  a.  a.  0.  65  ff.  lasse 
ich  auf  sich  beruhen.  Sie  leitet  des  Kaisers  Unwillen  vornehmlich  von  der  Einwirkung  des 
Kammerdieners  Machowskj,  „perfldissimo  calvinista'*  und  des  Astronomen  Tjcho  Brahe  her, 
der  dem  Kaiser  prophezeit  habe,  er  werde  dnreh  einen  Kapuziner  ermordet  werden.  Dort  ist 
öbrigens  S.  65  statt  „il  signore  Dietriebstein*'  ohne  Zweifel  „Liechtenstein*'  zu  lesen,  da  der 
Cardinal  nicht  in  Prag  war  und  nicht  bloe  signore  genannt  werden  würde. 

182)  Duodo  an  den  Dogen  16.  October  1600  D.  V.  30,  235  Or.  und  Beilage  X,  XI  umi  XV. 


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facli  Anstalten,  die  Stadt  zu  verlassen,  ja  er  wollte  die  prager  Bürger 
auffordern,  den  Erzherzog  mit  Wachen  zu  umgelwn,  damit  dieser  ihn 
nicht  vom  Throne  stosse  '**).  Wenn  er  gleiclizeitig  Miene  machte,  den 
Feldmarschall  Kosworm  zum  Hauptmann  seiner  Hatschiere  zu  ernennen 
und  denselben  in  seinem  Vorzimmer  schlafen  liess,  so  schrieb  man  das 
wohl  nicht  mit  Unrecht  dem  Umstande  zu,  dass  Kosworm  Matthias  üus- 
sei-st  verhasst  war  ***), 

Gleichwohl  scheint  die  Frage  der  Nachfolge  bei  den  Besju-ochimgon, 
welche  Kudolf  in  ruhigeren  Stunden  dem  Bruder  gewährte,  erörtert 
worden  zu  sein.  Nachdem  Erzherzog  Ferdinand  von  Tirol  1595  ge- 
storl)en  war,  ohne  ebenbürtige  Söhne  zu  hinterlassen,  hatte  der  Kaiser 
in  seiner  krankhaften  Begehrlichkeit  und  Eifersucht  von  seinen  Brüdern 
und  seinen  steirischen  Vettern  verlangt,  dass  sie  auf  die  ihnen  insgesammt 
gehörige  Erbschaft  zu  seinen  Gunsten  verzichten  sollten.  Vielfach  war 
darül>er  verhandelt  worden,  ohne  dass  er  zum  Ziele  kam'“).  Im  Januar 
1600  hatte  er  nun  Matthias  angelmten,  dass  er  ihm  gegen  Abtretung 
seines  Antheils  an  Tirol  und  den  vorderösterreichischen  Landen  die  Nach- 
folge zusichem  lassen  wolle'“).  Die  ihn  damals  beunruhigenden  Nach- 
richten, dass  Erzherzog  Albrecht  sich  um  die  römische  Krone  bewerbe'*’), 
mochten  dazu  beigetragen  haben,  dass  er  sich  zu  diesem  Vorschläge  ent- 
schloss. Matthias  hatte  sich  mit  demselben  einverstanden  erklärt'“). 
Jetzt  kam  vermuthlich  er'*“)  oder  der  Kaiser  selbst  darauf  zurück.  Es 


183)  Bericht  Prfintls  vom  15.  Oetobcr  1600,  Xt  Tin>l  Hammer  Khlesl  II,  Beilngen  S. ‘215. 

184)  Bericht  Daodoo  vom  IG.  October.  Vgl.  unten  deii  Bericht  Portias  v.  24.  October. 

18.'))  Harter  HI,  279  fl*.,  J&ger  Beitrüge  tor  Ge»chiefate  der  VerhüDdluDgon  Ober  die  erbfallig 
gewordeoe  Grafsebaft  Tirol  im  Archiv  (,  ust.  Geachichte  50,  103  ff.  und  Rgger  Geechichtc 
Tirols  II,  26.^  ff. 

186)  Harter  III,  *287. 

187)  S.  oben  Aom.  13*2. 

198)  II  arter  a.  a.  0. 

189}  Schon  in  dem  oben  Anm.  171  envahnten  Schreiben  batte  Strein  gerathen.  das  Anerbieten  ta 
benatseo,  am  bei  einem  Beiache  io  Prag  aaf  Ordnung  der  Nachfolge  lo  dringen.  Wolle  dann, 
hatte  er  dabei  bemerkt,  der  Kaiser  die  Sache  iq  Bedacht  nehmen , io  hebe  der  Erahertog  vor* 
xastellen.  dass  eich  bei  den  Practiken  im  Beleb,  die  immer  gefährlicher  würden,  leicht  etwas 
Ungleiches  in  den  vorderiüsterTeiebisebeD  Landen  ereignen  kbnne.  Beigelegt  hatte  Strein  eine 
eigenbündige  Aafieicfanong,  welche  dem  Errberxoge  Wort  f&r  Wort  vorschrleb,  was  er  sagen 
sollte,  wenn  der  Kaiser  selbst  die  Suche  anrege,  und  was,  wenn  dies  nicht  geschehe. 

8* 


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60 


findet  sich  nämlich  aus  dieser  Zeit  ein  Entwm-f  zu  einem  entsprechenden 
Vertrage.  Dessen  Unterzeichmmg  erfolgte  indess  nicht"®)  und  in  allen 
Beziehungen  blieb  des  Erzherzogs  Besuch  ohne  Frucht.  Am  24.  October 
musste  Matthias  dem  Drängen  des  Kaisers  weichen  und  Prag  verlassen 

Er  glaubte  jedoch  nicht  unthätig  hleiben  zu  dürfen.  Der  Zustand 
des  Kaisers  stellte  dessen  baldigen  Tod  in  Aussicht"*)  und  auch,  wenn 
dieser  nicht  eintrat,  drohte  schweres  Unheil.  Die  Geschäfte  komiten  nicht 
mehr  erledigt  werden,  da  die  Beschlüsse  der  Käthe  der  Bestätigung  des 
Kaisere  bedurften  und  dieser  weder  einen  Vortrag  anhöron  noch  seine 
Unterschrift  ertheilen  wollte'”).  Durch  die  Entlassung  der  Minister  und 
durch  die  Verjagung  der  Kapuziner,  die  jeden  Augenblick  erfolgen 
konnte,  mus.ste  ülwrall  der  Venlacht  erweckt  werden,  dass  Rudolf  geistes- 
krank sei,  und  man  fürchtete,  dass  die  Churfüiisten  auf  Grund  der  gol- 
denen Bulle  Gesandte  schicken  würden,  um  sich  über  den  Zustand  des 
Kaisers  zu  unterrichten,  und  da.ss,  wenn  sie  die  Wahrheit  erführen,  sie 
ihn  für  regior,ungsunfUhig  erklären  und  die  Churfürsten  von  der  Pfalz 


190)  Hortet  III,  2S7  Anm.  16. 

191)  S.  Beikge  XI.  Piintl  schrieb  dera  Hz.  rou  Baiero  23.  October  1600:  Morgen  reist  Mnttbiu 
ab  and  „wie  man  vemiUFten  will,  bsben  1.  fl.  Dt.  nit  gsr  vU  aoasgeriebtet,  dan  1.  Mt  seind 
noch  wie  hievor  sehr  melancholisch  and  anlastig  “ Ma.  50/10,  OS  Or.  Am  selben  Tage  be* 
richtete  Daodo  dem  Dogen:  Mattbias  ,,al€i]iia  volta  oelli  Incidi  intenralli  si  ritrora  con  la 

S.  et  Del  proposito  di  r5  di  Romani  ba  otlenato  corteaissima  risposta,  tutto  cbo  nclla  indispo* 
sitione  S.  faabbia  fatto  molti  taotatirt  per  disgostarlo,  aoeib  chb  partisae,  roa  tntti  li  snoi 
baoni  servitori  Tbanno  disaaio.  Li  lopradetti  ministri  [der  spanische  und  pipstlicbo  Üesandte] 
anco  in  questa  parte  sollecitano,  quaoto  possono,  qoesta  elettione,  et  giä  si  b di  online  del  3or<°<’ 
Matthias  scritto  al  Massimiliano,  ü quäle  b arrivato  a Noistot  [Wiener*Nousta<it]  ebb 

venga  et  al  Ser*°  Alberto,  coa  fine  di  farli  abboccare  qoi  tntti  tre  insieme  etchb  unitarnente  si 
prendi  qoalcho  rieeolationo,  assicurandosi  per  questo  rerso  dtdle  diseordie,  che  poteuero  per  si- 
roili  competenze  naseere  fra  di  loro  et  se  non  Teniraano,  Hndicio  sara  molto  potente,  che  vi 
posssno  easer  delli  mmori/*  D.  V.  30,  249  Or.  Besser  über  die  Hauptfrage  unterrichtet,  mel* 
dete  Duodo  am  25.  October:  „Parti  bteri  il  Ser«^’^  Mattbiu,  come  mi  disse  di  dorer  fare,  per- 
ebb  in  eifctto  in  flno  cosi  volae  S.  M^^,  chb  facesse.  Et  so,  ehe  disse  ad  un  ministro,  chb  fra 
$fi  niffi,  pariando  Hi  rb  Hf  Efmani,  o tutto  farebbe,  in  rotina  o accomtnodtUo^  et  ilojto  che 
tutti  U mezzi  che  haceva  tenuto  fin  qui,  fffi  hafHyiano  ftociuto,  chi  ti  rolterebbe  att  altra  parle, 
rolcnHo  inferire  aili  elettori,  daW  qiudi  upera,  eseendo  d primo  dojjo  *S,  Jl*«*  deUa  nua  cn$a, 
non  ifli  $ard  fatto  questo  torto.  Et  da  quetifo  liarlare  questi  argui/ieom , ebb  ci  eia  qualche 
gelosia  tra  lui  et  H Ser"^  »uoi  fratelli“  D.  V.  30,  258  Or.  Vgl.  Beilage  XI. 

m)  S.  Beilage  VllI,  IX. 

193)  S.  Beiiage  XI  uod  Doodos  Bericht  vom  9.  October  1600. 


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und  von  Sachsen  das  Reichsvicariat  in  Ansj)ruch  nehmen  könnten.  Dann 
brachen  all  die  Gefahren,  welche  man  von  einem  Interregnum  besorgte, 
herein  und  den  Praktiken  des  Königs  von  Frankreich,  von  welchem  man 
el)en  damals  wieder  hörte,  das.s  er  sich  um  die  i-ömische  Krone  bewerbe, 
sowie  all  der  anderen  Gegner  der  Habsburger  wurde  freie  Rahn  gegeben. 
Unter  den  Erzherzogen  selbst  fürchtete  Matthia.s  einen  Nebenbuhler  um 
das  Kaiserthum  zu  finden  und  dessen  Erwerbung  musste  ihm  um  so  mehr 
erschwert  werden,  als  er  noch  kein  eigenes  Gebiet  besass'”*).  Dass  die 
Hausliinder  sich  ihm  rasch  und  freiwillig  unterwerfen  würden,  war  nicht 
zu  hoflfon.  Die  Protestanten  unter  den  böhmischen  Stünden,  welche  ge- 
rade zum  Landtage  versammelt  w'aren,  hielten  bereits  geheime  Berath- 
ungen, sie  forderten  drohend  Abstellung  ihrer  Beschwerden  und  sprachen 
davon,  dass  sie  diese,  wenn  ein  Interregnum  eiiitrete,  nöthigenfalls  mit 
Gewalt  erawingen  und  sich  von  den  Habsburgem  befreien  w’ollten.  Auch 
in  Ungarn  und  in  dgn  übrigen  Ländern  gährte  es  "*).  Ueberdies  drangen 


194)  S.  Beilage  Vlli,  IX,  X,  XI,  XV  and  XVI,  aowie  unten  daa  SehreilNin  Matthias  an  Enht,  Al- 
brecht  r.  29.  NoTeinber  1600  und  den  Briefwechsel  AlbrcchU  mit  Salibarg  aas  demselben  Mo* 
nate.  Duodo  schrieb  in  seinem  Berichte  vom  10.  Oeteber:  ,,Qaeste  cose  [das  Verhalten  Rudolfs] 
essendo  diruIgaU  fanno  dubitare  grandemente  alli  ministri,  cbe  {>ervenute  alle  orecchic  delti 
elettori  li  faceiano  risaoWere  di  mandar  qai  ambaaciatori  espresat  per  saper  Io  stato  della 

S-,  in  che  ei  aarebbe  da  travagliare  aasai,  ae  ti  pensasae  ad  ana  elettione  di  re  de  Romani, 
perebe,  aebene  aenza  qoeata  diagratia  ciascuno  crede,  ch^  il  laoeo  sarebbe  atato  da  tntti  It  fra- 
telli  ceaso  al  Scr**^  Matthias,  tattavia  al  presente  fa  dubitare  grandemente  del  sacceaso  et 
della  roncordia  pote^ae  eaaere  tra  loro  medesimi,  oUro  che,  ae  il  nomioato  Joveaae  haver 
prima  altri  atati  et  foeae  fatto  di  Bohemia,  non  ai  vede  manco  verao  di  farlo  nel  atato  cbe 

noi  siamo,  easendo  masaime  li  Bohemi  beniaaimo  informati  di  totto.  Cosi  si  travaglia  per  ogni 
verao  aenza  poter  con  fondainento  coogietturare  qoello  poeai  eaaere  dl  nna  cosi  importante  ma- 
teria.  Ha  pero  il  conaeglio  ritaoluto  di  mandar  doi  di  questi  aignori  alli  elettori  per  veder 
ch^  ai  contentino,  ehe  «ii  Convocata  la  dioU,  como  fu  fatto  ultimamente  con  la  prcsenia  del 
Ser»»  Matthias  et  aenia  rasaistensa  della  M<^  S.,  ma  Dio  non  voglia,  che  per  chiarirsi  del  vero 
atato  delle  coee,  si  riasolrino  in  rispondere.  di  non  voler  venire,  ae  Ceaare  non  ri  si  trova 
in  persona.“  D.  V,  80,  235  Or. 

195)  S.  aoten  die  Stelle  aus  dem  Entwurf  eines  Briefes  von  Krtbt.  Matthias  an  Albrecht  v.  29.  No* 
veraber.  Üuodo  berichtete  am  9.  October:  „Questi  Bohemi  cominciano  a fare  delle  conventicole 
et  gli  heretici  particolarmente,  li  quält  aneo  in  qualche  occasiooe  bsano  parlato  molto  alla 
gagUarda  in  propoaito  delli  torii  che  pretendono  di  ricevere  csaeti  lo  esclusi  da  totti  quasi  li  ca* 
richi  publicl«  et  hanno  miuacciato  qaalehe  persona  principale  cattolica,  se  veniase  interregno. 
ehe  Dio  non  voglia,  vorranno  haver  auch*  esai  la  loro  parto,  altrimenti  ehe  faraono  correre  totti 
qoeati  fiami  di  sangne.  et  ciascuno  pensa  ä quello  doverä  fare.  Et  se  bene  si  dice,  qoesto 
regno  eaacr  hcreditario  in  firtü  di  ordinationi  di  Carlo  quarto,  di  Ladislao  et  di  reasolationi  di 


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62 


die  Türken  siegieich  vor.  Sie  brachen  die  begonjR'uen  Friedensverhand- 
lungen ab.  Kanisza  musste  sich  ihnen  am  20.  October  ergelxMi  und  da- 
mit stand  ihnen  Innerösterreich  offen.  Die  kaiserliclien  Kassen  waren 
leer,  die  Hausläuder  erschöi)ft.  Hörten  durch  ein  Interregnum  oder 
durch  die  Unfühigkeitserkliirung  Rudolfs  die  Hülfen  des  Reiches  auf,  ent- 
standen dort,  oder  in  den  Hausländem  Unruhen,  so  muasten  diese  dem 
.Vnfall  des  Fh'bfeiniles  erliegen. 

Unter  diesen  Umatilnden  hielt  Matthias  für  unbedingt  nothwendig, 
dass  er  baldigst  zum  Nachfolger  des  Kaisers  eraannt  und  sofort  als  Coad- 
jutor  mit  der  Regierung  betraut  werde.  Schon  während  seines  Aufent- 
haltes zu  Prag  regte  er,  wie  es  scheint,  bei  den  Ijöhmischen  Kronbeamten 
die  Einsetzung  der  Regentschaft,  wenn  nicht  gar  die  Vornahme  der  Kö- 
nigsw'ahl  an.  Als  er  da  keine  Unterstützung  fand,  beschloss  er,  die  Hülfe 
seines  Hause«  und  der  diesem  befreimdeten  Churfürsteu  mid  Fürsten  in 
Anspruch  zu  nehmen,  um  den  Kaiser  zur  Einwilligung  in  seine  Pläne 
zu  bewegen  «xler  diese  auch  ohne  dessen  Zustimmung  zu  verwirklichen. 
Er  fortlerte  seinen  Bruder  Albrecht  auf,  herüberzukommen , damit  sie 
mit  den  Erzhei-zogeu  Ma.\imilian  und  Fenlinand  jjersönlich  in  den  Kaiser 
dringen  und  nöthigenfalls  weitere  Schritte  vereinbaren  könnten '“).  Zu- 
gleich beauftragte  er  einen  gerade  in  Prag  anwesenden  Secretür  des  Chur- 
fürsten von  Köln,  schleunigst  zu  diesem  und  den  beiden  anderen  geist- 


diet«  et  altro,  tottarU  sanno  dir  b«nissin]o  1«  loro  ra^ooi.  J1  megUo  di  qactto  negotio  che 
io  effetio  dod  bavvrebboDo  capo  di  qaalit«  al  qoale  potesaero  odherir«,  ct  eaaendovi  anco 
divisione  tru  loro  Btcsai,  sarebbe  grati  coaa,  ch^  tomaasero  i cader  di  noovo  in  quel  laedo. 
dal  qoale  pretenduno  di  Uberarai,  et  faccia  Dio,  che  ooo  possano  baver  luoco  li  loro  disaegni. — 
I>a  qoesti  antecedenti  fomiano  altri  an*  altra  contcqoenza,  ch«  non  «ia  possibile.  che  qoesti  non 
habbiano  da  fare  )a  paco  con  l'arcbi.  anco  coo  ogni  conditione  per  non  troTarsi  in  an  temiM) 
Bterao  iinbarazxaii  tra  tanti  traragU  et  qaesto  tanto  piü  ai  crcde,  percho  il  Petxcn  richiamato 
[s.  Beilage  Yil]  non  compare  giuata  U primi  ordini,  et  por  oggi  mi  i atato  detto,  eseergli  stato  di 
DQovo  commandato,  cbe  auch*  esao  cali  con  gU  altri  comroissarii  verao  Strigooüa**  D.  V.  30, 
Or.  Am  13.  Norember  ecbrieb  Daodo:  „Mi  ha  anco  aflfermato  an  mioiatro  di  principe 
che  k qni  et  mio  molto  confidente,  di  aaper  certo,  che  gli  Ongari  trattino  con  Turchi  di  met- 
terai  sotto  la  loro  obedienxa,  pagandogli  un  ongaro  [Ducaten]  per  fnoco,  roa  a conditione,  chö 
slano  loro  lasciati  U loro  castelli  et  fortezzo  et  che  siano  gaardate  et  coatodile  da  loro  mede- 
simi.  Jo  gli  doinandai,*^ae  erano  tatti  gli  Ongari  ö pnr  parte.  Mi  diaac,  tulti.  Et  queati  roi> 
nistri  lanno  le  trattationi  ne  aanno,  cnme  proredcrvi,  stando  an  le  aperanze,  ch^  non  possano 
far  co^a  alcuna.*'  D.  V.  30,  279  Or.  Vgl.  Ranke  Z dettUchen  Geach.  2^7. 

190)  BeiUge  Vlll. 


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63 


liehen  Churfürsten  zu  reisen,  uni  ihnen  den  Zustand  des  Kaisers  zu  schil- 
denuind  er  bat  dieselben,  auf  Mittel  zu  denken,  ,.dainit  nicht  dein  Kaiser, 
seiner  Hoheit  und  dem  Hause  Oesterreich  zum  Nachtheil  der  katholischen 
Religion  ein  Schimpf  widerfahre“ Auch  an  den  Administrator  von 
Sachsen  schrieb  er  in  gleicher  Weise 

Erzherzog  Albrecht  erklärte.  Belgien  nicht  verla-ssen  zu  können, 
billigte  aber  im  Allgemeinen  die  Absicht  seines  Bruders'"').  Darauf  ver- 
anlasste  dieser  die  Erzherzoge  Maximilian  und  Ferdinand,  mit  ihm  zu 
Schottwien  in  der  zweiten  Hälfte  des  Novembers*’")  zusammenzukommen. 

Maximilian  wurde  ohne  Zweifel  schon  damals  von  jenem  uneigen- 
nützigen Eifer  für  das  Wohl  des  Hauses  geleitet,  den  er  später  fort  und 
fort  bewährte,  und  war,  wie  im  Mai  1599™'),  von  vornherein  l>ereit, 
Matthias  zu  unterstützen.  Ferdinand  aber,  dem  jedes  politische  Verständ- 
nis fehlte*"*)  und  dessen  Aufmerksamkeit  ganz  und  gar  durch  die  von 
ihm  Ijegonnene  Ausrottung  des  Protestantismas  in  seinen  Landen  und 
durch  den  Türkenkrieg  in  Anspruch  genommen  wurde,  hatte  sich  bis 
dahin  mit  der  Frage  der  Nachfolge  durchaus  nicht  beschäftigt  ““).  Seine 


197)  Eigh.  Schreiben  v.  16.  October«  Wm.  Succetsionswesen  I,  n.  OleichlauteDtle  Entwürfe  tod 
Krunberg  &n  Mainz.  Trier  antl  Köln,  Wi.  Sncceasion  Matthias.  An  Köln  wurde  am  21.  October 
eine  Nachschrift  gerichtet,  welche  der  in  Beilage  VIII  enUpricht.  Das.  Cpt.  Krenbergs. 

198)  Briefe  and  Acten  I,  n.  166  Anm.  1 Das  Schreiben  lautete  offenbar  wörtlich  wie  dns  an 
Mainz  and  Trier,  onr  fehlten  natürlich  der  Verweis  auf  den  kölnischen  SecreUr  und  die  Worte 
,in  praejudicium  der  katholischen  religion.* 

199)  Brief  vom  2.  November  1600  Wi.  Saccession  Matthias.  Or. 

2(KlJ  Am  15.  November  schrieb  der  Nuntios  zu  Grai,  llieronjmas  Portia,  an  Hz.  MaximüUn  von 
Baiem.  die  drei  Erzherzoge  würden  in  der  nSchsten  Woche  [19.— 25.  Kot.]  zosammeh  kommen. 
Ma.  .Sll/26,  71  Crl.  Vom  29.  Nov.  liegt  ein  Bericht  des  Mathias  an  Erzherzog  Albrecht  aus 
Wien  über  die  Bi'sehlüsse  vor;  s.  unten. 

201)  S.  oben  S.  29. 

202}  Vgl.  meinen  Aufsatz  in  der  Allg.  deotschen  Biographie  VI,  644  ff. 

200)  Berichte  Portias  an  Hz.  Maximilikn:  21.  Februar  1600:  ^De  negotio  illo  ad  refftm  H&»ttimrnm 
pertioenti  hic  satis  frigide  cogitatur.  Solas  nnas  ex  jfatrihug  fodetatis  »Uquid  faceret,  si  sciret, 
si  poaset,  aed  viz  attingimos  terminos.  Sola  Ser^V.  i>0Met  prodesse  consilio  et  aactoritate,  sed 
res  sunt  tarn  confhsae,  ut  quid  dieendum  sit,  nedom  sperandum,  riz  haberem.  Sed  arcAi^iu’ 
Afatthim  est  valde  io  illa  cogitatione  immersna  et  soi  omnes  ewtsäiarii  secreti  perpetuo, 
ut  audio,  hoc  agont  vel  saltem  bis  cogitationibus  exerceot  mentem  arckifiucM,  et  jam  aliqui 
scribunt,  quod  omnino  flet  pax  inter  arrAWucem  Alftertum  et  reffinnm  Awrjfmc,  et  qood  reffina 

babeat  animnm,  quod  AfTmis  quaedam  ineat  mrifniNOi'iiNm  cum  «ircAirfNce  Matthm.  Sed 
quam  bene  nosraet  nobisroetipsis  isU  ftngimos,  ac  si  non  intclleiiasemos  annis  elapeis,  qaam 


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64 


politischen  Gedanken  reichten  nicht  über  die  salzburger  Berge  hinaus’*'). 
Hütte  sich  aber  sell)st  jetzt  in  ihm  ein  ehrgeiziges  Verlangen  geregt,  so 
mussten  ihn  die  Gefahr  der  Lage  und  die  Bedrängnis,  in  der  gerade  er 
sich  durch  den  Fall  Kapiszas  befand,  abhaltcn,  demselben  Baum  zu  gel>en. 
So  wurde  es  denn  Matthias  nicht  schwer,  die  Erzherzoge  zu  bestimmen, 
dass  sie  ihn  als  den  zur  Nachfolge  Berechtigten  anerkannten  und  ihm 
ihre  Unterstützimg  zur  Verwirklichung  seiner  Ansprüche  zusagten. 

Man  beschloss,  diuss  sümmtliche  Mitglieder  des  Hauses  und  die  bai- 
rischen Herzoge,  ja  sog.ir  der  Pfalzgraf  von  Neuburg,  der  durch  die 
Türkengefahr  wie  Baiern  nächst  Oe,sterreich  am  meisten  lietlroht  war, 
den  Kaiser  in  einem  gemeinsamen  Schreiben  auf  seine  Krankheit  und 
das  Unheil,  welches  deren  Bekamitwerden  nach  sich  ziehen  könne,  hin- 
weisen  und  ihn  zu  einer  medizinischen  und  geistlichen  Kur  ermahnen 


beoe  T«lit  archulutibtu  omnlbo«  et  toti  f&mi)iAe  re<finn  Anytbtt,  quae  nunquam  deeeret  ami* 
citiam  et  conailta  reffte  Oaitiae.  Sed  forte  erit  practica,  ut  diridat  co^tationee  Alberii  et 
Mrttthiae.  Tandem  tgo  Tereor,  oe  Germania  aliquid  mali  ett  pateora  propter  peocata  imperatorU 
et  sgomni,  et  rix  habebit  laceei corem.*'  Mc.  Füratensacben  tom.  08,  C4  CrI.  — 4.  October: 
>VrdinA»t(fK.tr  parntn  cogiUre  videtnr  de  regt*  et  siroiliboj, 

ita  at  »’xiatirnarim  interdum,  qnod  expectet  oblationcm  aliqoam  ab  qoi  babent  electionem 
in  siinili  negotio.  Veram  Tenrndom  etti,  ne  Mnithitu  Tel  Afhtirttu  praecipiat.  et  üabitandnm 
etiam,  quod  auccessui  in  bU  profiocUs  rationcbr/fiin et  proxiini»  bis  finibus  maltam 
impediant,  qaia  xere  archidnx  Fordinandax  |>otaisset  aibi  procurare  magnam  nomen  et 
existimationem  apnd  omnea  in  Gmnania,  ai  movisaet  sc  occaaione  belU  pracaentis  et  xicini. 
Sed  peenniae  non  sant  et  molta  aJia  etiani  deaiderantur,  qnae  tarnen  potniaset  habere,  $i  foiaaet 
in  Donoullia  provideotia.  Certe,  ai  hoc  modo  pergent,  rex  Oalliae  multum  negotii  faceaaet 
(WchtdueiltHit  omniboa  etiam  in  illo  negotio  eledioHie**  Das.  74  CrI.  — *24.  October:  „Qnt  ai 
tiene  che  r/m/fcrolore  cogitet  de  componendis  tribu*  khm  frairibus  ioTiceni  ei  ioter  te,  et 
quod  praecipoe  faveat  Mntthiae  quoad  eUctianem  regU  Jiomam.  Haie  enim  dieitur  Teile 
deatinare  regattm  Bvitemtac,  Mastmiliamt  antem  directionem  et  Alberitut  ro&nebit 

cum  eo,  quod  obtlnult  ex  gratia  Hiepani.  Sed  vix  iVtArimti/mntfir  et  AWciiu*  cedet  Mathiae, 
Terendum  enim  est,  no  omnea  ambiant.  Solua  archidus  Ferdinandus  videtor  quiedeere  vel 
oimia  occutte  et  lente  procedere.  Si  <irc^j<fi4X  i’Vrrftiitimfif.'r  et  archidHcisna  mAfer  aliqnid 
Bperarent  in  auctoritato  Tel  faroriboa  regia  JUapaHiae,  eerte  jndicio  meo  deciperentur.  Vix 
enim  aliom  babebit  fautorem  quam  V.  etSuoa.  Reliquoa  qnoatl  partem  regia  JliapaMiaet 

ai  tarnen  aliquid  valeront,  occupabit  infanta.  Sed  Terc  timeo,  quod  archidujc  Ferdmandua 
nimia  tarde  procedat.  Interim  etiam  amittit  jna  auum  in  TVrofi,  ad  quam  partem  dieitur,  quod 
Imperntor  xelit  ae  recipere.“  Ma  .011/20,  G5  Crl.  — Vgl.  unten. 

204)  Portia  an  Hz.  Maximilian  0.  Mai  1601 : ,,Si  dotmn  qua  in  molte  ceee  ne  gli  noatri  pensieri 
paaaano  i monti  di  Salibcrg.  Qualcbe  lioea  e penaiero  si  getta  verao  le  coae  del  re  di  Spagna 
per  liaxer  qualchc  penaione  da  quella  patte,  ma  nel  rimanente  liatno  huomini  di  pace,'*  A.  a. 
0.  117  Crl. 


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f.5 

sollten.  Erzherzog  Ferdinand,  welchen  der  Kaiser  bis  dahin  noch  nicht 
im  Verdacht  hatte,  dass  er  Uim  nach  der  Krone  stehe,  einer  der  bai- 
rischen Herzoge  und  womöglich  auch  der  Churfürst  von  Köln,  welchem 
Rudolf  so  sehr  gewogen  war,  sollten  dieses  Schreiben  üben-eichen,  münd- 
liche Mahnungen  hinzufügen*®*)  und  in  den  Kai.ser  dringen,  dass  er  sich 
gegen  Bürgschaften,  welche  ihm  seine  Macht  und  M'flrde  sicherten  und 
die  Literessen  der  ehelichen  Kinder,  die  er  etwa  noch  erhielte,  wahrten, 
Matthias  als  „Gehülfen“  bestelle  und  denselben  zum  Nachfolger  erwählen 
lasse.  Insbesondere  sollten  sie  sieh  auch  angelegen  sein  lassen,  die  Aus- 
weisung der  Kajmziner  zu  verhüten,  da  diese  einerseits  das  befürchtete 
Eingreifen  der  protestantischen  Churfürsten  fördern,  anderseits  aber  den 
Papst  und  die  katholischen  Fürsten  des  Auslandes,  die  den  Kaiser  für 
vom  Glaulien  abgefallen  erachten  würden,  von  der  Bewilligung  ausgie- 
biger Türkenhülfen  abhalten,  ja  vielleicht  den  Papst  veranlassen  woi-de. 
einen  anderen  deutschen  Fürsten  zum  Könige  zu  erklären  oder  gar  das 
Kaiserthum  auf  eine  fremde  Nation  zu  übertragen.  Für  den  Fall  end- 
lich, dass  die  Beauftragten  nichts  erreichen  oder  mit  Rudolf  wegen  seiner 
Krankheit  überhaupt  nicht  verhandeln  könnten,  nahm  man  in  Aussicht, 
die  Stände  Böhmens  und  der  zugehörigen  Länder  zur  Ernennung  des 
Nachfolgers  und  Coadjutors  aufzufordem,  worauf  man  die  Churfüi-sten 
imd  Ungarn  zu  entsprechenden  Schritten  zu  bestimmen  hoffte**). 

Diese  Beschlüsse  gelangten  indes  nicht  zur  Ausführimg.  Bei  reiflicher 
Erwägung  mochte  sich  neben  anderen  Bedenken  vor  allem  das  aufdikn- 
gen,  dass  eine  so  revolutionäre  Massregel  wie  die  Aufforderung  der  Böh- 
men zu  selbständiger  Vornahme  der  Wahl  doch  kaum  zulässig  sei  und 
gefährliche  Folgerungen  nach  sich  ziehen  könne,  und  dass  ihr  Erfolg 
bei  der  feindseligen  Stimmung  der  böhmi.schen  Protestanten  sehr  zweifel- 
haft sei.  Auch  lehnte  vielleicht  nachträglich  Ferdinand  ab,  die  Reisl^ 
nach  Prag  zu  übernehmen.  M;ui  hielt  wohl  schon  damals  für  möglich, 
dass  Rudolf  in  seiner  Abneigung  gegen  alle  seine  Brüder  ihm  die  Nach- 


20<5)  Die  Anleitofig  zq  dieten  M&hnQDf^ii  M>llt«  wohl  BeiUge  X oder  rielmehr  die  dort  in  der  An- 
merknog  nm  Schinne  erw&hnte  ITmarbeituDg  denelbeo  bilden. 

206)  Beilage  IX. 

Abh.  d,  ni.  CI.  d.  k.  Ak.  d.  Wi«.  XV.  Bd.  I.  Abth.  9 


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66 


folge  zuweiule.  DuitIi  die  ihm  aiifgetragone  Verhandhing  aber  musste 
er  dessen  Zorn  und  Argwolm  gegen  sich  waehrufen*^’). 

Mattliiii«  und  Ferdinand  einigten  sich  daher,  den  Churfürsten  von 
Köln  aufzufordem.  diuss  er  allein  nach  Prag  gehen  uud  den  Kaiser  zur 
Onlnung  der  Nachfolge  drängen  möge.  Mit  der  Uebermittelung  ihres 
Ansuchens  wurde  Ferdinands  Kammerrath  und  Geheiinsecretär  Peter  Casal 
betraut,  sei  es,  weil  Jlattliias  jenen  um  so  fester  zur  Vertretung  seiner 
-Vnsprüche  verptlichton  wollte,  sei  es,  weil  man  auf  diese  Weise  dem 
Argwohn  d('s  Kaisers  leichter  zu  entgehen  hoffte.  Unterwegs  sollte  Casal 
den  Erzherzog  ^^aximilian,  der  sich  nach  der  schottwiener  Tagfahrt  nach 
Mergentheim,  wo  er  als  Deutschmeister  residierte,  begeben  hafte,  zur  Ge- 
nehmigung und  Uiitei'stützung  des  geänderten  Beschlusses  bewegen  und 
von  den  bairischen  Herzogen  eigenhändige  Befürwortimgen  an  den  Chur- 
fürsten erwirken”'").  Den  Eraherzog  Albrecht  ging  Matthia.s  selbst  um 
eine  solche  an'"*). 


207)  V(^l.  Harter  VI.  I2T.  ^*hon  am  15.  November  eehrieb  Portia  an  Ht.  MazimiliaQ  von  Baiern: 
„Intcndo  aoco.  eh^  Mutfhin  et  runnitjUeri  tuoi  vorrebboDO,  ch^  Ftrdimtiuim  faceaae  &leun  ofHcio 
00»  VlmfMirnlorr,  non  baatando  l'animo  k Mafthüt  di  farci  altro.  Ma  non  penao,  cho  Ferdt- 
uandtuf  n latMierä  fHTKiia«leri%  peitbe  pare  a totti,  cho  anderebbe  a riachio  di  perdere  certo  per 
se  et  giovar  ad  altri  incertament«**  Kr  fßgte  bei,  ea  solle  znSrbottvrien  auch  über  den  TQrlteo* 
krieg  verhandelt  werden  und  er  bbre,  da»  .MattbiM  und  seine  Ratbe  Ferdinand  die  Last  aaf« 
legen  wollten,  „ina  in  Gumroa  orant's  nrthiihtvrn  sunt  aptiorea  ad  {mcem  quam  ad  bellnm  et 
vix  credo.  quod  aliqnid  boni  efflcient,  qaia  tllorum  persimae  sunt  !mpe*Iiinento  qooad  bellum.** 
Ma.  nil/Äi,  "I  Crl. 

20.S)  Beilage  XI. 

2ü9)  Sein  Schreiben  vnro  Ifi,  December  b.  Uamnier  Khetl  I.  n.  140.  Wi.  Succession,  Matthias 
liegt  ein  Entwurf  Krenberg»  vom  2!i.  November  vor.  Danach  irt  bei  Hammer  S.  d32  Z.  15 
T.  unten  statt:  „gelhonener  Bittens“  rn  lesen:  ..getlionen  erpietens",  Z 5 v.q.  statt:  „vorthiel“ 
„veitraolich“,  S.  3.‘W  Z.  8 v.  o.  statt;  „ßaich“  „ratb“,  Z.  10  r.  o.  statt:  „ohne  durch“  ..oder 
dc«h.*‘  Die  Stelle  8.  Z.  H ff.  lautet  im  Entwarf  ausführlicher:  ..in  was  achwärlicbem 
stand  wir  uns  detteiten  ht^rauaser  behntleo,  da  es  an  allem  manglet,  die  expetlitionen  nahet  er* 
ligen,  kaine  neue  raicbsbilfen  erfolgen  und  diae  Und  lum  widerstand  enchepft  sein.  Sollte  cs  nun 
ito  mit  J.  zu  einem  fanl  kamen  (das  Gott  gnedigüch  verhOet)  da  kain  succesaion  richtig 
gemacht,  die  rellgionen  aller  urten  spaltig,  Siebenburger  von  Türken,  Polacken  und  Sigmunden 
Batori  angefoebten  sein,  ao  sehe  ich  nichts  anders  als  den  endlichen  andergang  unsers  hauss, 
diser  Und,  den  katholischen  religion  und  suvor  der  ganzen  chrisienbett  hochaten  schaden,  zumal 
«la  mau  bisshero  keine  rometlia,  geiatliche  noch  weltliche  miitel  noch  ainichen  gatten  rat  zu* 
lasGcn  will,  ich  such  selbst  in  ungleichem  verdacht  pin,  also  das  alUin  der  allmecbtige 
Gott  helfen  muesa,  der  tlaiumben  wol  zu  pitteii  ist.**  Das.  Z.  2 v.  u.  bat  der  Entwurf;  ,, neben 
uns  und  der  freundbchaft  zuatimmeten , insonderheit  des  churfürsten  von  Köln  L.  behandleten, 


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67 


Sie  wurde  ohne  Zögem  ertlieilt  *'")  und  ebenso  erhielt  Casal  in 
München  rasch  die  erbetenen  Schreiben,  die  sich  freilich  auf  eine  nüch- 
terne Herichterstattung  ül>er  seine  Werbung  Ijeschriliikten-").  Erzherzog 
Maximilian  war,  als  Casal  nach  Mergentheim  kam,  kurz  vorher  auf  Be- 
fehl des  Kaisers  nach  Prag  gereist*'*).  Sein  Einverständnis  mit  der  l>e- 
absichtigten  Werbung  durfte  man  jedoch  voranasetzen.  Am  22.  Januar 
1601  legte  Casal  dieselbe  in  Köln  tei  dem  Churfürsten  al>*'*). 

VI. 

Churfürst  Emst  hatte  schon  im  Anfang  des  Jahres  1600  den  Erz- 
herzog Albrecht  ermahnt,  gegenüber  den  Umtrieben  evangelischer  Ueichs- 
stände  und  Frankreichs  Schritte  zur  Sicherung  der  römischen  Krone  für 
das  Haus  Oesterreich  zu  thun,  und  seine  Dienste  zu  Gunsten  Albrechts 
angelroten.  Dieser  hatte  ihn  darauf  gebeten,  jrersönlieh  mit  dem  Kaiser 
zu  verhandeln*").  Das  hatte  Emst,  wie  es  scheint,  cinstw'eilon  abgelehnt. 


(Ute  Verrichtung  in  fein  und  der  zwei  AOileren  ehurfürtten  D&men  durch  ein  persönliche  raiss 
zu  I Mt.  je  ehUt  so  möglich  auf  sieh  zu  nehmen  , dann  wir  je  kein  pessem  und  I.  Mt.  zu 
ditem  werk  annemblichem  wisBien.  Sonaten  uni  auaaer  diaes  piu  ich  nahet  auüs  aller  hoffr 
nung,  dau  ich  £.  L.  nit  verhalten  kan,  das  et  im  kunigreich  B<'haimb  nit  allaio  der  calviniaehen, 
pikhartiachen , hnasitiachen  und  anderer  aectiachen  religion,  souder  auch  der  atänd  unter  ein- 
ander  aignen  Spaltung  halben  ain  Mizambea  ausaehen,  die  ingemain  und  soudera  von  kainer  erb. 
liehen  succession  wissen  wOlleu.  Sollte  Hebam  von  aimerin  hausa  kuiumeu,  bo  ist  Ungern  nit 
zu  erbalben.  Dalier  ich  E.  L.  bruederlich  eraueche,  den  tachon  treuherzig  naefazodenken,  was 
auf  ein  solchen  unverhofften  fal  (den  Got  gnediglicb  verbiete)  zethuu  »ei.  damit  die  u»torreich- 
ischen  erblander  nit  unter  ainsten  zu  gruod  geen.  aomit'r  bei  der  chriatenhalt  und  dan  daa 
kunigreicb  Bebaim  bei  pilicber  erblicher  Huecesaion  cnift  habender  gerechtigkait  erhalten  werden 
möge.**  Das  bei  Hammer  Folgende  fehlt  bia  auf  die  SchluaaaaUe.  Die  Aendernng  der  achott* 
wiener  Abraaebungen  erfolgte  al»o  wol  Aufang  Deceraber,  denn  mit  der  auch  im  Entwurf  er* 
wähnten  Reise  Kölns  ist  dort  wohl  nur  die  zur  Unteratulzung  Ferdinands  und  des  Herzogs  von 
Raiern  gemeiot. 

210)  Krzhz.  Albrecht  an  den  Gbf.  von  Trier  IS,  Januar  1601,  Brs.  Secret  d'AHem.  N.  Ut'l,  I. 
47  Cpt. 

211)  Er  kam  dort  am  :J1.  December  1600  an.  Bericht  Casala  v.  Februar  1601,  Wi.  Succossion.  Mat- 
thias, Copie.  Daa  Schreiben  Hz.  Maximilians  v.  3.  Januar  1601.  Ma.  30/16,  2 Crl. 

212)  Bericht  Caaala.  Er  kam  am  5 Janoai  1601  nach  Mergentheim. 

213)  Bericht  Casata. 

214)  „Weil  ich  gar  woll  weias,  wie  E.  L.  mit  I.  Mt.  sonderlich  woll  stehen  und  bet  deroselben  gar 
vil  vermögen,  Iro  sarorderist  auch  deaa  bl.  römischen  reicha  wollatand  ganz  eiferig  angelegen 

9* 


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68 


dagegen  vonij»rochen,  sich  bei  erster  Gelegenheit  mit  dem  Administrator 
von  Sachsen  ins  Einvernehmen  zu  setzen. 

Anfang  September  1600  liesuchto  er  diesen  auf  dessen  Einladung 
zu  Silbach  bei  Schleusingcn.  Frietlrich  Wilhelm  brachte  dort  selbst  die 
Angelegenheit  zur  Sprache,  Er  wies  auf  die  Krankheit  des  Kaisers  hin 
und  frug,  warum  die  geistlichen  Churfürsten  ihre  früher  lx>gonnenen  lle- 
mOhungen.  um  die  üitlmmg  der  Nachfolge  nicht  fort.setzten ; andere 
Füi-sten,  namentlich  der  Churfürst  von  der  Pfalz,  wollteu  Heinrich  IV 
zum  römischen  Könige  erheben;  das  habe  er  bei  der  Kindtaufe  zuKas.se!*'*) 
jenem  stdbst  gesagt,  als  der  Churfürst  ihm  vorgeworfen,  er  und  die  geist- 
lichen Churfür.sten  wollten  ohne  Zuziehung  der  Amtsgenossen  einen  König 
machen,  und  Pfalz  habe  nicht  widersprochen;  er  sei  bereit,  wenn  Ernst 
es  nützlich  erachte,  mit  seinem  .Mündel,  dem  Churfüi-sten  Christian  II 
von  Sachsen*'")  nach  Prag  zu  reisen*').  Wir  vernehmen  nicht,  was  ver- 
abredet wurde.  Es  scheint,  dass  Ernst  daran  dairhte,  sich  selbst  zum 
Kaiser  zu  Ircgeben*'“). 


««in  lassen«**  Hrüssel  2“.  April  IttOO.  Brs  Secri-t  il’Allemaj^ne  N.  JM».  Copie  eines 

Sehr.  Als  Ziel  der  Vcrhandlnnjrco  bsseichnete  Atbre«ht»  dass  einer  der  Bröder  des  Kaisers 
gewühlt  werde«  »vriä  >cb  dann  solche  ehr  und  glück  (das  mir£.  L.  sicherllchen  glauben  möegen) 

, ainem  rvon  meinen  lierrn  broe^iern  von  honten  gpm  gnnne  und  was«  mein  person  betreffen 
mOebt,  I.  Mt.  gnedigen  willen  in  allem  baimbstelle  nnd  dem  gemainen  wesen  durch  ainige 
aigne  pretenston  ira  weuigisten  prajodicierlicb  »ein  wolt/* 

21*>)  Ende  August  Kriedilieb  Relatio  hiatorica  IdOl,  1,  6. 

2U>)  Damit  dieser  „sich  daselbst  etwas  bekannt  machete  und  einon  anfang  gewänne«  I.  Mt.  za  re- 
»pectieren.** 

217)  Protokoll  über  das  Anbringen  des  kölner  Geheimmths«  Drosten  zu  Bilstein  und  Amtmanns  za 
Frizlar  Caspar  von  Förstenbirg  bei  d«  m Cbf.  von  Mainz  und  über  dessen  MasÄnahmtm.  Wra. 
Sacccaaionswesen  I.  n.  24. 

*218)  In  einem  Creditiv  d.  d.  Hau.s  Hirschberg  2ö.  September  UiOO,  mit  welchem  der  Chf.  seinen 
Geheimrath  Bille  zur  Berichterstattung  über  die  Cnterredung  mit  dem  Administrator  an  Krzhz. 
Albrecht  schickte,  sagt  er:  .Und  «ollen  E.  L.  das  gewisse  vertrauen  in  ans  sezen,  dos  wir  hin- 
fürter  an  uns  (da  wir  anderst  von  E.  L.  nit  verlasaen)  nit  ersiten  lassen  werden,  dasjeitig,  was 
der  ganzen  algemeiiien  chrtstenheit,  dem  hochlüblieben  haass  Oesterreich  und  E.  L.  bevorab 
zum  besten  nuz  und  hohen  gedeien  gereichen  mag,  jeder  zeit  zo  Wfurdern**,  doch  fehlen  uns 
bisweilen  die  Mittel,  da  all  uusere  Lande  aosgesoge»  sind  und  jetzt  durch  die  Sperrung  der 
Rheinschiffiahrc  noch  mehr  in  Kotb  gesetzt  weixlen.  Brs.  Secret.  d'.Allem.  M.  110,  00  Or. 
Das  klingt,  als  habe  Ernst  die  Zarückziehung  der  spanischen  Besatzungen  nnd  Ausleger  durch 
InaassichUtellung  der  von  Albrecht  gewünschten  Reise  nach  Prag  l>efurdcru  wollen.  Am  18. 
Dccember  berichtete  Duodo,  cs  werde  versichert,  dass  Chf.  Ernst  tnr  Betreibung  der  Nachfolge 
nach  Prag  kommen  wolle,  „non  essendori  elettorc  che  habbia  maggior  antorita  con  lei  [S 
tli  questo."  I>.  V.  ;iü,  208  Or. 


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69 


Als  er  jedoch  dann  von  dem  heftigen  Ausbruche  der  Krankheit 
Rudolfs  und  von  der  Entlassung  der  Minister  Nachricht  erhielt,  fand  er 
nothwendig,  andere  Wege  einzuschlagen.  Er  venmlassto  *”),  dass  sich  mit 
ihm  der  Churfürst  von  Trier  am  4.  December  bei  dem  mainzer  zu 
Aschaffcnburg  einfaud,  und  er  beantragte  dort,  dass  alsbald  ein  Chur- 
fürstentag  berufen  werden  solle,  um  Schritte  zur  Herbeiführung  der  Wahl 
eines  römischen  Königs  zu  vereinbaren.  Ein  solches  Vorgehen  fanden 
jedoch  Trier  und  namentlich  Mainz  mit  der  goldenen  Bulle  und  den 
Rücksichten,  welche  mau  dem  Kaiser  und  den  weltlichen  Churfürsten 
schulde,  unvereinbar.  Sie  trugen  zugleich  Bedenken,  etwas  zu  thim,  w'as 
dem  Kaiser  unangenehm  sein  könnte'-“),  denn  die  Ehrfun-ht  vor  dem 
01)crhaupte  des  Reiches  war  noch  .so  stark  und  festgewurzelt,  dass  man 
sich  trotz  der  Gefahr  imd  trotz  Rudolfs  Krankheit  nicht  von  ihrem  Banne 
zu  lösen  vermochte.  Von  der  Person  des  zu  Wählenden  wagten  die 
Churfürsten  nicht  einmal  vertraulich  mit  einander  zu  reden“*). 

Nur  mit  Mühe  gelang  es  dem  Kölner,  nach  dreitägiger  Besi)rochung 
zu  bewirken,  da.ss  dem  Administrator  von  Sachsen  der  Entwurf  eines 
Ausschreilwns  zum  Churfüi-stentage  zugeschickt  und  sein  Gutachten  er- 
beten wurde,  ob  da.s.selbe  zu  erlassen  sei*“),  und  er  konnte  vorläufig 
nichts  weiter  thun,  als  dass  er  seinen  geheimen  Rath,  den  Domherrn 
Arnold  von  Bucholz  zur  Befürwortung  des  Collegialtages  an  den  Admini- 
strator abordnete '’“). 


219)  Dnrch  Caspar  von  FQrstenberg.  Dieser  legte  am  21.  Oetober  seine  Worbaog  ab.  Die  Hache 
warde  so  sehr  als  Oebelmnia  behandeU,  dass  i^ich  F.  di«  Ztuiehung  eines  mainzer  Rathe«  za 
seiner  Aodieoz  verbat.  Die  Nachrichten  Ober  drs  Kaisers  Zustand  Qbcrgab  er  versiegelt  ond 
bat,  sie  ebonio  zurOckzugeben.  Mainz  erwiderte,  er  habe  bis  dahin  keine  Kenntnij  von  jenem 
gehabt.  Durch  seinen  Domscholaster  Adam  von  Bicken  Ind  er  daraaf  Tri>r  za  sich.  S.  das 
oben  Anm.  217  erwähnte  Protokoll. 

220)  Rescheid  des  Chf.  von  Kuln  fUr  Casal,  23.  Janaar  1601.  Brs.  Seerct.  d’ Allem.  N.116,  SOCopie. 

221)  lieber  den  aschaßenbarger  Tag  an  Erzl.z.  Albrecbt  berichteml,  bemerkte  der  Chf.  Lothar  von 
Trier:  .Auf  was  person  wegen  der  sacces»ion  Mogantinas  und  Colonienaii  gesinnet.  hab  ich  nit 
vernommen.“  Brs.  Seeret.  d'Ailem.  N.  132,  46  Or. 

222)  Protokoll  des  Tages  za  Aachaffenborg  5.-7.  December  1600.  Wm.  Saccessionswesen  I,  n. 
Mainz  an  Sachsen  9,  December,  das.  n.  Cpt  v.  Faust.  [Vgl.  Briefe  und  Acten  I,  n.  160 
Anm.  1). 

22‘d)  Am  16  Januar  ICOl  schrieb  Groisbeeck  an  Speer:  «Per  le  lettere  del  Sei“®  elcttore  scrilte 
dopo  che  fu  i^rtiko  d'Aschaffenborg  haverä  V.  S.”»  vUto  quelto  che  era  passato.  In  summa 


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70 


Dieser  hatte  im  November  auf  da«  Sclireil>en,  welches  Matthias  von 
Prag:  ans  an  ihn  richtete,  dem  Chnrfilrsten  von  Mainz  die  Abhaltuiv' 
eines  Colleprialtages  selbst  vorgeschlagen“’*).  (Togen  die  sofortige  Beru- 
fung desselben  äasserte  er  jedoch  jetzt  — vielleicht  durch  eine  münd- 
liche Besprechung  mit  dem  Churfürsten  von  Brandenburg  beointlusst”’) 
— Bedenken,  weil  man  erst  gi’ündlich  über  den  Zustand  des  Kaisers 
unterrichtet  und  gewiss  sein  müsse,  dass  Pfalz  und  Brandenburg  ei-scheincn 
würden,  vor  allem  aber  nicht  ohne  Vorwissen  und  Zustiinuuing  des  Kai- 
sei's  die  Ordnung  der  Wahlfrage  in  Beiiithung  ziehen  dürfe*“).  Da«  ent- 
sprach den  Auschauungen  der  Churfüi-sten  von  Mainz  und  Trier  und 
diese  einigten  sich  daher  um  so  leichter,  einstweilen  unthätig  zu  bleiben, 
als  in  Aussicht  stand,  dass  der  Kaiser  die  Churfürsten  um  ihre  Kinwilli- 
gung  zur  Abhaltung  eines  Beichstages  angehen  und  so  selbst  den  Anlaas 
zum  Collegialtage  geben  werde”'). 

Neben  der  Sehen,  des  Kaisers  Missfallen  zu  erregen  und  dessen  Ho- 
heit sowie  die  Gesetze  des  Reiches  zu  verletzen,  war  es  vor  allem  die 
Furcht  vor  den  Protestanten,  welche  Maiitz  und  Trier  zu  ihrer  Zurück- 
haltung bestimmte  “**). 


oibil,  et  sc  non  Ti  st  tromva  il  nostro  patrone,  rosneo.  Mi  ha  detto  ..-i'',  haver  trorato 
i7  Mogunthm  molto  rafreddato  di  qaello  cbe  cra,  qnando  havcTt  mandato  da  loy  it  r/rngf 
»ifiin,  et  cre<le,  che  procede  delU  soggt'stione  delli  mütuifri  crMrei.  Fin  a1  ritorno  del  s**  lUi~ 
chfiU,  cM  i ito  dal  amminintratorr  tli  Su^ftonia,  non  potria  serlrer  a V.  S'**  in  ehe  parerä 
quf^ta  wuveutifwr  dt'Ui  etfttori.  Mi  disae  S.  „4",  haver  tirato  dal  cancfUiere  di  Treviri,  ch’il 
sno  patroiie  inclinara  al  ni-ritluca  FenUiutmUt.  Le  cose  sono  ancora  ntuUo  erudo.  11  tempo  li 
faia  jiaTii."  Ma.  36  Crl. 

224)  HO.  üctober.  Wm.  Snerpasionswosen  1 n.  27  Or.  Am  3.  Notember  befichtete  Mainz,  antwor* 
tend,  Ober  FSratenbergs  Werbnng;  ihm  sei  vom  kaiserlichen  Hofe  seit  geraumer  Zeit  nicht 
mehr  geschrieben  worden ; er  habe  seine  gdstUehen  Aintsgenossen  uro  ihr  Ootachten  gebeten 
nnd  erwarte  dieses  oder  ihren  Besuch.  Das  211.  Cpt.  [Vgl.  Briefe  o.  A.  a.  a.  0.]  Dem  Krahz. 
Matthias  erwiderte  Sachsen  am  7.  November  nur,  er  werde,  wenn  Rudolf  sterbe,  seine  Pflicht 
thun  nnd  das  Beste  de«  Vnterlandea  nach  Kräften  fördern.  Wi.  ^nccession.  Matthias  Or. 

223)  S.  Briefe  Q.  A.  a.  a.  0. 

226)  25.  December  Wm.  a.  a.  0.  n.  40  Or.  Vgl,  Briefe  u.  A,  a.  a.  0. 

227)  Mainz  an  Trier  und  Köln  10.  Januar,  Trier  an  Mainz  2ü.  Januar  und  Mainz  an  Trier  2.  Fe- 
bruar 1601.  Wm.  s.  iw  0.  D.  40b  Cpt.  48  Or.  und  51  Cpt.  Qroisbceck  schrieb  aro  1.  Februar 
an  Speer;  „Mi  pare,  che  )a  congregatione  delli  elettori  volc  aoüar  in  furoo  b aila  lunga  Ogoi 
giomo  se  senopre  piu,  qnanto  sia  raffreddato  Mogunza**  Ma.  415/H4,  30  CrL 

228)  Man  müsse  warten,  sagte  Trier  in  seinem  Schreiben  vom  20.  Januar,  sonst  werde  man  niehU 
auarichten,  ja  in  ein  gefährliches  Lab^inth  geratben,  da  andere  Churfürsten  schon  Verdacht 
geschöpft  hätten. 


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71 


Diese  Furcht  war  durcli  Schreiben  des  Churfüraten  von  der  Pfalz 
verstärkt  worden,  worin  sicji  dieser  nach  dem  Zwecke  der  asehaffen- 
burger  Zusammenkunft  mit  dem  Hemerken  erkundigte,  dass  es  den 
Churfürsten  gebüre,  in  wichtigen,  das  Ueich  betreffenden  Sachen  sich  mit 
einander  zu  veretändigen  *“).  Mainz  beeilte  sich  darauf  zu  erwidern,  dass 
er  und  seine  geistlichen  Genossen  sich  dessen  l>ei  ihrer  Besprechung  sehr 
wohl  bewusst  gewesen  seien,  er  liiugnetc,  von  Unterhandlungen  über  die 
Wahl  eines  römischen  Königs  Kenntnis  zu  haben,  und  er  wagte  nur 
schüchtern,  den  Collegialtag  in  Vorechlag  zu  bringen,  nicht  aber  dessen 
Aufgabe  anzudeuten 

Durch  das  Verhalten  seiner  geistlichen  Genossen  uml  Sachsens  sah 
sich  nun  auch  der  Churfürst  von  Köln  den  Weg,  welchen  er  zur  Ord- 
nung der  Nachfolge  eiuzuschlagen  gedacht  hatte,  versperrt.  Als  ihn  Casal 
im  Namen  der  Erzherzoge  bat,  die  Heise  nach  Prag  zu  unternehmen, 
weigerte  er  sich  entschieden.  Nelwn  anderen  untergeordneteren  Gründen 
bestimmte  ihn  dazu  unter  dem  Eindrücke  der  eben  gepflogenen  Verhand- 
lungen vor  allem  die  Ansicht,  dass  es  vergeblich  sein  und  ihm  von  den 
übrigen  Churfüi-sten  verdacht  werden  wüi*de,  wenn  er  ohne  deren  Vor- 
wisseii  und  Vollmacht  die  Wahl  l)etreibe.  Zugleich  fürchtete  er  die 
Gnaile  dos  Kaisers  zu  verlieren,  ja  vielleicht  gar  von  demselljen  in  einem 
seiner  Wuthanfölle  schwere  Beschimpfung  zu  erdulden“').  Auch  er  glaubte, 
vorläufig  seine  Bemühungen  einstellen  zu  müssen. 

Während  so  die  katholischen  Churfüinten  die  Hände  sinken  Hessen, 
suchte  Pfalz  den  Kaiser  in  einer  ihren  Wünschen  entgegengesetzten  Rich- 
tung zu  beeinflussüii. 

Bis  dahin  hatte  die  protestantische  Bewegungspartei  iler  Nachfolgo- 
frage  wenig  Aufmerksamkeit  gewidmet.  Nach  dem  Reichstage  von  1594 
waren  Berichte  San  dementes*”)  über  die  dort  wegen  der  römischen 


A.  a.  0.  40c  Or.  und  Briefe  il  A.  1.  n.  162  Anm.  2. 

230)  Briefe  u.  A.  h n.  166. 

2HI)  Bccchcid  für  Caaal  t.  23.  Jan.  J601.  Brs.  Secrt^.  d'AUcm.  N.  116,  iM)  Copie,  und  Bericbt  Ca* 
«als  T.  Febr.  160l.  Wi.  Socceesion,  Matthias  Copie. 

232)  Briefe  u.  A.  IV,  467  ff. 


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72 


Königswalil  gepflogenen  Verhandlungen  und  ein  Schreilien  des  Admini- 
strators von  Sachsen,  worin  er  Philipp  11  seiner  vollsten  Dienst  Willigkeit 
versicherte*”),  aufgefangen  luid  verbreitet  worden*”).  Man  erfuhr  da- 
raus. wie  eifrig  Sj)anien  und  der  rajtst  die  Sache  betrieben,  wie  geneigt 
die  geistlichen  Churfüi'sten  und  der  Administrator  ihren  Wüiw?cheu  waren, 
imd  wie  juan  letzterem  auf  spanischer  Seite  eine  Pension  zudachte,  ja 
sogar  auf  seinen  Uebertritt  zum  Katholicismus  hoffte,  und  mau  konnte 
aus  seinem  Schreiben  muthmassen,  dass  er  sich  ganz  an  Spanien  binden 
wolle.  Gleich  darauf  forderte  Churfürst  Ernst  von  Köln  zur  Unterstütz- 
ung der  Königswalil  auf.  AVir  erzählten*”)  wie  Pfalz  und  dann  auch 
Brandenburg  dieselbe  vemagten  und  weitere  Bemühungen  unterblieben. 
Damit  begnügten  sich  die  deutschen  Gegner  der  Habsburger.  Im  .Jahre 
1506  erzählte  man  sich  wohl,  dass  Erzherzog  Albrecht  sich  um  die 
Kaiserkrone  bewerbe*“)  und  ähnliche  Gerüchte  mochten  in  der  Folge 
noch  öfter  auftauchen.  Da  jedoch  ernstliche  Schritte  zur  Oixlnnng  der 
Nachfolge  nicht  geschahen,  fanden  sich  Pfalz  und  seine  Freunde,  deren 
Aufmerksamkeit  stets  nur  auf  ihre  iHt.sonderen  und  die  nächstliegenden 
Interessen  gerichtet  war,  nicht  veranlasst,  Gegenbemflhungen  anzustellen 
oder  auf  eine  AVahl  in  ihrem  Sinne  zu  denken.  Zugleich  beruhigte  es 
sie  wohl,  dass  sie  den  Kaiser  der  Ernennung  eines  Nachfolgers  und  dem 
spanischen  Hofe  abgeneigt  wussten**').  AA'as  man  auf  katholischer  Seite 
über  ihre  Anschläge  in  Bezug  auf  das  Kaiserthum  hörte,  war  leere  Er- 
findung. 

Mit  grösserer  Sorge  vernahm  Heinrich  lA'  von  Frankreich  die  Nach- 
richten, welche  Philiji])  III  Indd  für  sich,  bald  für  Erzhei-zog  Albrecht 


233)  Nur  er  kaoD  ia  dem  Brief«  des  Boogars  rom  10.  Mai  159<%  Bongarsi  et  Lingelsbemi  epp. 
08,  an  der  durch  Punkte  beieichneUn  Stelle  genannt  gevreBon  Bcin,  da  er  tu  den  .Teatri  bo- 
mines*  gerechnet  wird.  Vgl.  den  Sehlusa  dee  zweiten  Berichte«  von  Clemente,  Briefe  u.  A- 
IV,  471  f.,  oben  Äom.  50  und  Keldanns  Annalce  Belgarum  301. 

234)  Briefe  u.  A.  IV,  400  Anm.  2.  S.  ferner  das.  I,  S.  440. 

235)  S.  oben  S.  19  ff. 

236)  Bongarat  epistolae  ad  Camerariom  290  nud  3*)8. 

237)  •Hoc  Toleote  Caeaare  non  puto  faturum”,  sagt  Bongar«  in  dem  ersten  «einer  in  der  toH^d 
Anmerknog  erwähnten  Briefe  am  27.  Februar  1596. 


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73 


nach  der  Kaiserkrone  trachten  Hessen.  Seinem  Gegner,  dem  er  die  Vor- 
herrschaft in  Europa  zu  entreissen  gedachte,  wollte  er  nicht  die  erste 
Würde  der  Christenheit  Zufällen  und  die  Jlöglichkeit  zn  Thoil  werden 
lassen,  dass  er  unmittcllmren  und  tiefgehenden  hiinfluss  auf  Deutschland  ■< 

gewinne.  Ebensowenig  oder  wohl  noch  weniger  genehm  war  ihm  die 
Erhebung  Albrechts.  Erhielt  dieser  die  Kaiserkrone,  so  fielen  ihm  vor- 
aussichtlich auch  die  österreichischen  Hauslundo  zu  und  der  so  geschaf- 
fenen Jlacht  mussten  dann  die  Holländer  erliegen  oder  sie  konnten  sich, 
wie  es  schon  wiederholt  vorgt^schlagen  worden  war,  freiwillig  dem  Reiche 
wieder  anschliessen,  dessen  Heligionsfriede  und  Verfassung  ihnen  ihre 
kirchlichen  und  staatlichen  Freiheiten  sicherte;  dem  sj)anischen  Einflüsse 
aber  wurde  in  kaum  geringerem  Ma.sst*  als  durch  die  Wahl  Philipps  Zu-  , 
gang  im  Reiche  verschafft  und  an  der  Ostgi’enze  Frankreichs  erstand  ein 
Feind,  der  es  im  Verein  mit  Spanien  zu  Boden  drücken  konnte. 

Schon  im  Jahre  1598  machte  daher  Heinrich  einen  leisen  Versuch, 
den  Herzog  Maximilian  von  Baiern  zur  Bewerbung  um  die  Kaiserkrone 
anzureizen”").  Dann  wandte  er  sich  dem  Gedanken  zu,  selbst  die  Hand 
nach  ihr  auszustrecken”“),  denn  das  Ansehen,  welches  sie  noch  immer 
in  ganz  Europa  besass,  und  die  Macht,  welche  sie  in  Dtuitschland  verlieh, 

Hessen  sie  auch  ihm  begehreimverth  eisicheinen  Von  ernsteren 
Schritten  in  dieser  Richtmig  hielten  ihn  freilich  die  grossen  Schwierig- 
keiten ab,  welche,  wie  er  nicht  verkannte,  seinen  Wünschen  im  Wege 
lagen.  Dagegen  wurde  er,  als  mit  der  Rückkehr  Albreclits  in  die 
Niederlande  die  Gerüchte  von  spanischen  Umtrieben  verstärkt  wieder 
auftruten,  nicht  müde,  die  Pfälzer  darauf  hiiizuweiaen  und  sie  zu  Gegen- 
vorkehrungen anzuajxn-nen”'). 

Seine  Warnungen  und  Mahnungen  blieben  indes  unbeachtet.  Ei"st 
im  Januar  1601  wurde  der  heidelberger  Hof  aufgeschi'eclct.  Mau  war 
überzeugt,  dass  zu  Aschaffenburg  Verabredungen  über  die  Kaiserwahl 


23S)  Briefe  n.  A.  IV,  S6fi. 

*2:i9)  Winwoo«!  Memorials  of  affairs  of  State  29. 

240)  .Cest^  digiite  qoi  Yous  coailoLroit  in&liblemcnt  ä U monarebie  de  TEnrope,  voire  da  toat  le 
iDOode',  sa^te  Ancel  dem  KoDige,  Briefe  o.  A.  I,  S.  299. 

241)  Briefe  o.  A.  I.  n.  12iV, 

Abh.  d.  UI.  CI.  d.  k.  Ak.  d.  Wiw.  XV.  Bd.  I.  Ablh.  » 10 


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74 


geh'offeu  seien.  Bald  darauf  kam  Nachricht,  dass  der  Cardinal  Franz 
von  Dietrichstein  zu  Flui-enz,  aus  Iloiii  zurückkehrend , gesagt  habe, 
er  sei  v'oni  Papste  beauftragt,  der  Wahl  eines  dun  Si)auiern  gefiilligen 
z'ömiachen  Königs  anzuwohnen  und  eine  Liga  zwischen  Sjianien  und  den 
deutschen  Katholikcm  gegen  Frankreich  zu  betreilx'n"**).  Die  Pfülzer 
zweifelten  an  der  Zuverlässigkeit  dieser  abenteuerlichen  Meldung ’“),  aber 


242)  Dietrichitein,  dtr  J«  daroalt  otaUflniliMidcn  Jnbiläoms  wegen  n«ch  Koni  reUte,  war  Tora  Kaiwr 
Waaftni^t  worden»  den  Papflt  am  Hilfe  trcgoo  die  Turlcen  anzu^ehvn.  A.  &.O.  I,  n.  178  Anm.  1. 
Es  war  dien  kUod  vor  dem  Starae  der  kal.  MioUter  geschieben.  Nach  demselben  kam  Dietrich- 
stein  in  die  Nähe  von  Frag  um  neue  Hefehle  %ü  holen.  Duodo  an  den  Dogen  9.  October  IGOO 
D.  V.  oO»  2‘Jl  Or.  Er  sagt,  Dietrichütein  solle  die  Erhöhung  der  vom  Papste  zur  tTuterneb- 
ninng  gegen  özolnok  veraproebenen  Sendi  erwirken.  .Fin  a queat'hora  che  »ouo  oUo  gi- 

oriii,  aüpetta  Honi'altra  reaolutioue  et  Dio  aa  aneo  loi,  quando  rbareii.*  Am  11.  December 
meldete  Duodo;  Dietrichstein  hat  von  Venedig  am  24.  November  berichtet,  da»«  er  vor  «einer 
Abreiso  von  Kum  vom  Papste  «ognt  prü  ampla  et  amorerole  attisitatioae  et  proroesa  iotomo 
le  co»e  di  Caiiiaa  et  gli  affari  della  guerra  presente"  erhalten  Habe;  derselbe  erbiete  sich»  nicht 
nnr  das  ^einige  tu  thuu,  aondern  auch  bei  anderen  Fürsten  «ich  zu  verwenden.  D.  melde  weiter» 
er  bube  Auftrag  .di  comiunnicare  a bocca  nioUc  eose  ä la  S.  toccanti  ü tuo  •ervitio.“  Er 
habe  sich  erboten,  nach  Prag  zu  kommen  and  der  Kaiser  habe  ihn  berufen.  «Viene  seuza  dnbbio 
non  solo  per  queste  cos<*,  ma  con  pensiero  dl  fürtiursi  qua;  se  8.  gliido  vorrä  conetHiere, 
baverebbe  )a  mira  di  entrare  nel  cou-siglio  »ecreto  et  a'^Utervi»  «e  potti»  in  ch’e  grandomente 
favorito  da  qui^to  ambasciator  cattoUco»  roa  si  crede  havera  delle  difBcolta,  «i  per  non  csaer 
molto  in  gratia  di  S.  come  («r  Ic  Opposition}  che  gli  saranno  falte  da  qoelU  che  vi  sono 
interessati."  D.  V.  21U  Or.  Am  22.  Deceinber  kam  D.  nach  Prag.  Bericht  Dnodot  v.  25. 
a.  a.  0.  :121  Or.  Erst  nach  acht  Wochen  erhielt  er  Audienz.  Briefe  und  A.  I,  n.  179  Anm. 
Am  8.  Januar  lÜOl  berichtete  Duodo:  Dietrichetein  bat  mir»  aU  ich  ihn  beuchte,  gesagt:  .cbe 
egli  non  portava  alcuoa  oflerta  di  ajuti  ä S.  inaravigliandoei  forte,  come  questa  nova  fasse 
aparsa.  tnttavia  e cosa  certissimn»  ehe  egli  di  cib  ne  »crisse  al  die  Lietistain  et  ehe  gli  di- 
cesse  hn  tanto,  ehe  8.  si  coutenterebbe  di  dare  6no  k lOLHjO  fanti  con  corte  conditioni.  le 
qnali  non  si  «anno,  ina  perü,  ae  saranim  quelle  che  si  credono,  si  dubita,  cbe  haveranno  delle 
difficultä  ad  ed’ettuarai  et  massiiue  dalla  M^-‘  8.»  come  il  fare  una  dieU  di  Germania,  deebiarire 
un  rö  di  Komairi  et  cose  tali,  ond«  si  stima,  ebb  saranno  piu  presto  apparenze  di  buona  volonta 
cb«  alcnn*  ciTetto  proportioiiato  alle  nece:»ita  presenti,  non  mancando  anco  di  coloro  cbe  «uggo- 
riscono»  se  len  con  poco  fondamento,  8.  8*^  essere  di  animo  fort«'  inclinato  alla  parte  del  re 
Cbri«t*>"  et  che  per  questo  soleciti  particolarmente  tale  elettione  affine  di  fare,  ebb  sopra  S. 

eada  queeta  dechiaratione»  et  come  qui  si  {>enetri  poco  et  si  sospiefai  molto,  non  aarebbe 
gran  inaraviglia»  che  eoee  tali  fscessoro  grande  impressione.**  I).  V.  80»  3^0  Or. 

24^1)  Briefe  und  Acten  1,  n.  162.  Schon  gleich  nach  DietriebsUina  Ankunft  in  Korn  [28.  October] 
ging  dort  da«  Gerücht,  er  solle  den  Papst  ersuchen,  die  geistlichen  Cburfürsten  za  beeinflnssen, 
damit  einer  der  Brüder  des  Kaisers  oder  der  Erzbz.  Ferdinand  erwählt  werde.  Jac.  Franca« 
liel.  bist.  1601,  1,  70.  Am  IB.  November  trat  D.  die  Kückreise  an;  das  K5, 

244)  Briefe  n.  A.  I»  n.  162.  Anm.  2.  Dietriebstein  hatte  vermathUeb  gesagt,  der  Papst  wünsche 
die  Wahl  eines  römischen  Königs  und  einen  Band  der  christlichen  Fürsten  gegen  die  Türken, 
um  den  er  sich  vielfach  bemühte.  Das«  der  Papst  ihm  wegen  der  Wahl  emenAoftrag  gegeben 


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75 


sie  wurden  doch  mit  der  Sorge  erfüllt,  dass  die  Ordnung  der  Nachfolge 
im  Sinne  ihrer  Gegner  herbeigeführt  werden  solle.  Wie  die  geistlichen 
Churfürsten  wegen  ihrer  Besprechung  zur  Rede  gestellt  wurden,  so  ging 
man  Churbrandenburg,  Ansbach,  Braunschweig  und  Baden  - Durlach  um 
ihr  Gutachten  an,  was  zur  Wahrung  der  evangelischen  Interessen  zu 
thim  sei***). 

Heinrich  IV  war  um  diese  Zeit  der  Ansicht,  dass  bei  dem  Zustande 
des  Kaisers  die  Ernennung  eines  Nachfolgers  hinnen  Kurzem  unvermeid- 
lich sein  und  dann  auf  einen  Oesterreicher  fallen  werde.  Es  mochte  ihm 
zu  spät  dünken,  sich  selbst  um  die  Krone  zu  bewerben.  Den  Gedanken, 
Herzog  Maximilian  von  Baiern  vorzuschlagen,  hatte  er  aus  unbekannten 
Gründen  aufgegeben.  Er  glaubte  sich  darauf  beschränken  zu  müssen, 
die  Wahl  Albrechts  sowie  Ferdinands  von  Steiermark,  der  allzu  fanatisch 
imd  Spanien  zu  sehr  ergeben  schien,  zu  verhindern.  Deshalb  und  um 
den  künftigen  Kaiser  seinen  Freunden  zu  verpflichten,  wünschte  er,  dass 
diese  die  Wahl  des  Erzherzogs  Matthias  befördern  möchten,  welche  er 
ohnehin  für  wahrscheinlich  hielt*“). 

In  Heidelberg  wollte  man  jedoch,  womöglich  ein  Interregnum  her- 
beiführen. Man  mochte  hoffen,  dann  eine  den  eigenen  Wünschen  ent- 
sprechende Wahl  bewirken  oder  das  Reichsvicariat  für  die  Sonderinter- 
essen der  Pfalz  imd  der  Protestanten  .ausbeuten  zu  können.  Fürst  Chri- 
stian von'  Anhalt  unteniahm  es,  den  Kaiser  selbst  zur  Unterstützung  des 
pfälzischen  Planes  zu  bestimmen. 

Schon  auf  die  ersten  Nachrichten  von  der  Entlassung  Rumpfs  und 
Trantsous  hatte  er  sich  auf  den  Weg  nivch  Prag  gemacht  Da  als  Grimd 
des  Sturzes  der  Minister  the  Entdeckung  ihres  Einverständnisses  mit 
Spanien  und  dem  Papste  bezeichnet  wurde,  hatte  der  Fürst,  der  stets  zu 


hatte,  ist  nicht  aninnehmcn,  Clemens  am  I.S.  Januar  ISOt  dem  Chf.  Ton  Hains  über  jene 
nicht  die  mindeete  Andeutung  machte,  ah  er  ihm  schrieb,  wie  sehr  er  »egen  der  Deutschland 
durch  die  Türken  drohenden  Oefahr  und  wegen  der  Krankheit  Rudolfs  besorgt  aei  und  wie  alle 
katholischen  Reichsstände,  namentlich  aber  die  geistlichen  Churfürsten  ihr  Aensserstes  zur  Ab- 
wehr des  Türken  thnn  müssten.  Wm.  Reichstag  ISO-d,  Praeambnia  n.  2B  Or. 

24.5]  liriefe  Q.  A.  X,  n.  162  Anm.  2. 

246)  A.  a,  0.  I,  n.  164  und  168. 

10* 


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76 


ülwrschwönglidion  Hoffnungen  und  atenteuerlichen  Entwürfen  ge- 
neigt war,  die  Meinung  gefasst,  dass  es  möglich  sein  wcnle,  lludolf  zu 
einer  vollständigen  Aenderung  seiner  Politik  zu  l>ewegen  und  ihn  auf 
die  Seite  der  Protestanten  zu  ziehen.  Das  gedachte  er  durch  mündliche 
Vorstellungen  zu  liewirken  und  zugleich  lioffte  er,  so  dem  Churfürston 
von  der  Pfalz,  in  dessen  Namen  er  den  Ilesuch  ausführen  wollte,  vor 
allen  anderen  Cliurfüi-sten  Einfluss  und  Vertrauen  heim  Kaiser  zu  erwerben. 
Unterwegs  wai-eii  ihm  jedoch  Mittheilimgen  zugekommen,  wonach  die  Ab- 
setzung der  Minister  als  eine  krankhafte  Aufwallung  und  der  spanische 
Einfluss  am  Hofe  als  ungebrochen  erschien.  Das  hatte  ihm  lledenken 
erregt  und  er  hatte  beschlo.s.sen,  in  Arnberg  auf  weitere  Nachrichten  zu 
warten*^').  Es  dürfte  nicht  au  solchen,  die  ihn  ernmtliigten,  gefehlt 
liaben -■**),  und  als  die  Sorgen  vor  den  Umtrieben  der  katholischen  Partei 
hinzukamen,  wimle  beschlossen,  dass  der  Eürst  die  geplante  Itcnse  aus- 
führen müsse.  Man  kannte  die  Stimnumg  des  Kaisers.  Anhalt  sollte  ihn 
daher  ermahnen,  seine  liegierungsgewalt  nicht  durch  die  Wahl  eines 
römischen  Königes  be.schriiuken  zu  hissen.  Dadurch  hoffte  man  ihn  von 
der  Einwilligung  in  die  Ordnung  der  Nachfolge  nbzuhalten.  Zugleich 
gedachte  man  den  ursprünglichen  Gedanken  Anhalts  durch  Versicherungen 
der  Pirgebenheit  und  Anerbietungen  des  Beistandes  der  Protestanten  und 
namentlich  des  Churfürsten  von  der  Pfalz  zu  verwirklichen-*®). 

Am  21.  l'ebruar  IGOl  traf  Füi-st  Christian  am  kaiserlichen  Hofe  ein. 


VH. 

Die  Gesundheit  Rudolfs  hatte  sich  seit  der  Abreise  des  Erzherzogs 
.Matthias  nicht  gebessert Der  Verlust  Kaniszas,  den  man  ihm  an- 


247)  Briefe  n.  A.  I,  n.  157.  In  erwartete  man  den  Fürsten  »eit  Anfan)^  NoTomber,  Ihiodo 
an  den  Dogen  Ö.  November  16fK),  D.  V.  ilO,  2ft9.  Orp,  Am  13.  meldete  er,  ea  heisse,  Anhalt 
werde  nach  Wien  und  vielleicht  nach  Qrai  geben,  um  den  dortigen  Protestanten  beizusteben; 
nach  Prag  aolle  ein  anderer  Gesandter  kommen.  Das.  279  Or. 

248)  Vgl.  unten  8.  79  über  Rudolfs  Bespreebungeo  mit  protestautisebeu  Mäunern. 

249)  Briefe  n.  A.  I.  n.  17u. 

250)  Duodo  an  den  Dogen  6.  November  1600:  „Sta  S.  eecondo  i'ordinario  et  piü  presto  qualcho 
cosa  peggio  et  aitrimente  in  modo,  cbe  si  dubita  asiuii,  cbe  nel  progresso  di  qualche  meae  si 


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77 


fangs  gar  nicht  mitzuthoilen  wagte®*"),  der  unglückliche  Ausgang  dos 
speirer  De])utationstag€-s,  das  Auftreten  der  auf  dem  Landtage  versam- 
melten böhmischen  Protestanten,  welches  offenen  Aufruhr  fürchten  liess,  *•'’*) 
und  wohl  auch  die  schottwiener  Zusammenkunft  boten  neue  ^Anlässe  zur 
Erregung.  Kr  wurde  nicht,  wie  man  gewöhnlich  anuimmt,  irrsinnig. 
Nm-  zeitweilig  Imtielen  ihn  die  Hallucinationen  und  die  ihnen  enteprin- 
gende  Raserei,  ln  den  kilrzoron  oder  längeren  Zwischenräumen  zeigte 
sich  keine  Störung  des  Geistes  aber  auch  dann  war  er  von  einer 
Verstimmung  und  Unruhe  erfüllt,  welche  ihm  den  Verkehr  mit  Men-scheu 
luid  die  Geschäfte  der  Regierung  zuwider  nuichten  und  ihm  ängstliche 
Sorge  vor  ihn  bedrohenden  Anschlägen  erweckten. 

Während  seiner  Anfälle  richtete  sich  sein  Zorn  noch  immta’  vor- 
nehmlich gegen  die  Kapuziner.  Wiederholt  erneuerte  er  den  Refehh 
<iass  man  sie  aus  Prag  hinausti’eiben  solle,  worauf  auch  die  böhmischen 
Protestanten  bei  ihm  drangen;  die  .Ausweisung  imtcrblieb  jedoch  auch 
jetzt,  da  die  Räthe  sich  weigerten,  zu  ihrem  Vollzüge  die  Hand  zu  bieten®*'*). 

rendere  ilel  tutto  poco  fttU  alle  negociationi/'  D.  V.  :10,  209.  Or.  Am  13.  November  be- 
richtete Duoilo,  der  Kais>  r ftcheine  steh  Beit  drei  oder  vier  Ta^n  viel  bivser  za  befinden.  Da«. 
270  Or.  Vgl.  Beilage  XI. 

Präiitl  ao  Hz.  Maximilian  von  Baiern.  11.  NoTember  1600:  Der  Terliut  Kani.oza«  wurde  hier 
er«t  am  8.  bekannt  uni  dem  Kaiaer  bi«  gestern  verheimlicht.  Ma.  50/10,  24  Or. 

252)  Duodo  an  den  Begeh  13.  November  1600:  „Questi  giumi  paeaati  eon  oeeasiono  dclle  indiepo- 
aitioni  di  8.  aooo  ao  Jate  attorno  vori  molto  gagliarde  delle  aollevationi  ehe  volevano  fare 
gli  beretici  in  queuta  cittA,  le  quali  accrcscerono  taato.  cbö  moa«^  nontio,  dobitando  di  qualcbe 
«inistro  incootro,  per  gli  avi«i  ehe  glt  ermno  dati,  ai  ritiro  all*  improvuo  quasi  nella  citta  pic* 
coia  in  uo'  altra  ca^  che  haveva  trovato,  il  che  mi  db'de  causa  di  andarlo  a vedere  . . . . 
Harerano  gli  heretici  «critto  una  polirza  sotfoecritta  dalla  maggior  parte  de*  loro  priocipali  a 
S.  l>er  la  qnale  ai  sforzavano  di  persuatlero  a dover  mandar  via  qocstl  poveri  padri  capnz- 
zini  et  giit  tre  volte  oltre  alla  inclinationo  cbe  i>er  U sua  naturale  indiapositione  vi  baveva, 
ordinö,  ehe  foescro  licentiati,  ma  non  ha  trovato  ministro  cattolico  che  rolesae  fare  simile  utßcio, 
in  modo  cbe  la  coea  h resiata  cot],  et  »e  poco  |k»co  cam'mano  le  eoae  piii  inaanzi,  potrebbono 
li  cattolici  correr  io  questo  paese  una  gran  borasca;  che  Die  ci  guardi.“  D.  V.  SO,  27!)  Or. 

253j  Vgl.  den  Bericht  bei  Banke  Z.  deutschen  Geschichte  S.  285  und  unten.  Machart  berichtete 
schon  am  23.  October  1600:  ,.I.  Mt.  mathematicus  Tjcho  Brahe  hat  1.  Mt.  za  belustigen,  ez- 
licbo  kuosiliche  grosso  instrumenta  in  dem  lusthau««  bimier  dem  scblon  aufgericht.  Diss  sicht 
man  von  fern.*'  Ma.  50/10,  6H  Or. 

254)  S.  oben  Anm.  252.  Aehnlicbea  beriehtt  te  Duodo  am  25.  December.  Ifanhart  schrieb  dem 
Hz.  Maximilian  von  Baiem  am  22.  Januar  1601:  „Es  ist  gar  nabend  darauf  gstanden,  dass 
die  capuztuer  betten  von  hloDen  mDessen  pr<»pter  mala  quaedain  de  ÜIU  oarrata,  aber  wie  ich 
temimb,  sein  I.  Mt.  besser  informiert,  Qod  si  also  lenger  alhie  zu  verbleiben  jezt  dardurch 
bestettet  worden."  Ma.  50/10,  5a  Or.  Vgl.  Coccalio  p.  69  ff. 


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78 


Audienzen  waren  nur  noch  ausnaiinisweise  zu  erlangen.  Wer  dem  Kaiser 
etwas  anzubringen  wünschte,  musste  sich  an  seine  Kammerdiener  Ma- 
chowsky  und  Frank***)  oder  an  noch  untergeordnetere  Leute  wie  den 
Kammerknecht  Heid  wenden.  Von  seinen  Ministern  imd  Käthen  durfte 
kamn  noch  ein  Anderer  als  der  wietler  einigermassen  zu  Gnaden  gelangte 
Barvitius,  auch  dieser  indes  nur  selten,  vor  ihm  erscheinen.  Sogar  Liech- 
tenstein musste  sich  bald  der  Vermittelung  Machowskys  bedienen**®). 
Rudolf  hielt  alle  seine  Käthe  ausser  Hornstein,  den  er  jedoch  zu  furcht- 
sam fand***),  für  Spanien  ergeben  und  verkauft  Dass  jenes  und  Erz- 
herzog Albrecht  ihn  mit  Hilfe  des  Papstes  und  anderer  Fürsten  ent- 
thronen wollten,  blieb  nach  wie  vor  die  grösste  seiner  Sorgen  und  er 
fuhr  fort,  darüber  zu  gi-übeln,  wie  er  sich  behaupten  und  rächen  könne. 
Vorübergehend  kam  er  auf  den  Gedanken  zurück,  Matthiiu«  gegen  Bürg- 
schaften für  die  Wahrung  seiner  Macht  zum  römischen  Könige  ernennen 
zu  lassen.  Auch  sprach  er  wieder  davon,  sich  zu  verheirathen  und  liess 


2.W)  R«nke  Z.  dentwhen  Gfsthicbte  2S2.  Auch  in  einer  Schiiä  der  br'bmiKhen  Stände  ».  J.  1611 
wird  gesagt,  mit  Kodolfs  Rückkehr  roQ  Pilsen  hab«  das  Regiment  der  Kammerdiener  begonnen. 
Harter  V,  98  inm.  161.  Frank  finde  ich  tonst  nicht  erwähnt.  Ueber  Hicronytnas  Machowskj 
Ritter  von  Machao  auf  Aichdorf  und  Birkenthal  Tgl.  Harter  Philipp  I^ang  10,  20,  21,  168, 
199,  Hammer  Kblesl  I.  S.  190  Anm,  2 und  CoccalUo  p.  66  und  76.  Am  December 
1604  berichtete  der  reoezianitche  Gesandte  Francesco  Soranzo:  t.Quel  Macoschi  aiatante  di  ca- 
mera,  tanto  favorito  delP  Imperatore,  ehe  Taono  ptmto  fa  condennato  ämorto  et  poi  per  gra- 
tia  ehe  gli  fn  fstta  da  S.  confinato  in  perpeCuo  carcere  per  imputationi  di  lesa  roaetii,  h 
fuggito  con  qoattro  gnanliani  che  lo  barcraro  in  custodia.'*  D.  V.  ;14,  .’hH  Or.  Am  3.  Januar 
160.'»  meldete  er,  M.  sei  in  Meisten  aufgefangen.  Das.  377.  Or.  Bei  Hammer  a.  a.  0,  heisst 
M.  der  ..Purghartecho  cammerdiener."  Sollte  damit  auf  Burkhard  von  Oerlichingen  [a.  oben 
Anm.  160  und  Beilage  XI]  augt-spielt  werden  und  M durch  diesen  an  seine  Stelle  gebracht 
worden  sein?  CoccalUo  bezeichnet  M.  wieoWn  Anm.  181  erwähnt  ist,  als  ..perfldissirno  cah 
Tinuta"  in  dem  protestantischen  Berichte  bei  Ranke  2^2  wird  er  als  niederträchtiges  Werk- 
zeng  der  Pä{«lischen  und  Spanischen  geschildert.  Bieter  Widerspmch  zeigt,  wie  Torsichtig 
derartige  Berichte  Femst<hender  zu  Benutzen  sind.  Tr&fo  die  obige  Veirniuthung  über  Berli* 
chingens  Verbältnia  zu  M.  tu,  so  würde  man.  da  B.  Protestant  war,  wohl  CoccalUo  den  Vorzug 
geben  müssen,  der  sich  überhaupt  gut  unterriehtet  zeigt  und  namentlich  über  die  kircliUcbe 
Stellung  Machowakjs  bessere  Nachrichten  gehabt  haben  dürfte,  als  jener  Protestant,  der  sich 
An<*s  nach  Hüreusagen  und  nach  den  V'orurtheilen  seiner  Partei  zarechtlegte. 

25C)  Hammer  Khlesl  I,  S.  1U6  Anm.  2.  Oec  Brief  masa  wie  die  Übrigen  dort  erwähnten  in  den 
Juni  oder  Juli  1601  gehdren. 

2«'i7)  Ranke  Z.  deutschen  Oesebiehte  287.  Die  Pnrehtsamkeit  Hornsteins  bestand  wohl  darin,  dass 
er  Rudolf  von  unbeaonoenen  Schritten  gegen  Spanien  turückzuhalten  sachte. 


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79 


sich  die  Bildnisse  verschiedener  Prinzessinnen  schicken  Daneben  äus- 
serte  er  die  Absicht,  sich  der  Nie<lerlande  zu  beniiichtigen.  Wohl  um 
seine  Stellung  zu  sichern,  zeigt«  er  sicli  zugleich  den  Protestanten  seiner 
Länder  gnädig.  Als  Enksinus  von  Tschernembl  iin  Aufträge  der  Obcr- 
österreiclier  über  die  gegen  diese  angeordneten  Kestaurationsinassregeln 
klagte,  soll  er  deren  Einstellung  befohlen  haben*®-').  Mit  Protestanten, 
die  in  Prag  weilten,  trat  er  in  vertrauten  Verkehr,  theilte  ihnen  seine 
Befürchtungen  und  Plline  mit  und  erfoi-derte  ihren  Bath.  So  erlangten 
insbesondere  der  in  seine  Dienste  getretene  Burkhard  von  Berliehingen, 
der  chm-sächsische  Agent  Dr.  Gödehnaim  und  der  ehemalige  braudon- 
burgische  Kanzler  ^Merkbach  jetzt  Zutritt  und  Vertrauen  Der  Kaiser 
äusserte  gegen  einen  von  denselben  den  Wunsch,  lutherische  lUithe  um 
sich  zu  haben,  \veil  sie  treuer  mid  deutscher  gesinnt  sein  würden  als  die 
seinen,  und  jener  meinte,  lludolf  werde  es  gern  sehen,  wenn  evangelische 
Fürsten  sich  an  seinem  Hofe  auflnelten,  und  er  werde  dem  Eiutlusso 
jn-ütestantischer  Männer  zugänglich  sein*®'). 

Plötzlich  änderte  sich  jedoch  des  Kaisers  Stimmung  in  dieser  Be- 
ziehung und  er  berief  seinen  Bruder  Maximilian  zu  sich.  Als  derselbe 
am  1.  Januar  1601  kam,  empfing  er  ihn  mit  grosser  Freude*®*)  und  der 
Erzherzog,  welcher  in  der  Nachfolgefrage  für  sich  nichts  begehrte  und 
ebenso  einsichtig  wie  geschickt  war,  wusste  sich  iui  Vertrauen  und  in 


2ÖS)  lianke  286.  Schon  am  II,  October  1000  berichtete  DuoOo : ,,k  gionto  qni  tm  conto  di  Solti, 
mandato  anibuciator  dal  dnea  di  Bariera  et  ba  {lortato  il  ritratto  di  nna  figlinola  di  quel 
princip«,  cosi  ricercato  da  S.  D.  V.  alO,  219  Or.  Aro  29.  Jauuar  IGOl  weidete  er:  Per 
Kaiser  bat  sieb  das  Bild  ainer  der  itmsbrackur  Prinxcasificu  aal  das  der  lothriagischen  koromen 
lassen;  erstere  gefällt  ihm  nicht  sehr.  D.  V.  30»  307  Or. 

2&9)  Nach  einem  Heiuorial  des  Enbz.  Matthias  vom  23.  Marx  1610  soll  Radolf  „bei  zwölf  Jahren 
her'*  mehrfach  die  Urheberschaft  der  kirchlichen  Verfolgungen  in  Oesterreich  geläogoet  haben. 
Hammer  Khlesl  II,  n.  272. 

2G0)  S.  Beilage  XI,  die  Berichte  bei  Ranke  2t<2  and  234  ff.  and  Briefe  a.  Ä.  I,  n.  195.  Daodo 
berichtete  am  11.  October  1600:  „Dopo  questi  strepiti  [Starz  der  Miniator]  S.  ha  fatto 
andare  ä se  due  b tre  Tolte,  che  h coaa  inaolita,  un'agente  di  Sasaonia  che  h qai.'*  D.  V.  30, 
219  Or.  ^ 

261)  S.  den  Bericht  bei  Ranke  285  ff.  Perseihe  mass  nach  dem  ober  Erzherzog  Maximilian  Getagten 
Tor  dessen  gleich  za  erwähnender  Berafnng  geschrieben  sein.  Ueber  den  Verfasser  s.  oben 
Anm.  160. 

262)  Daodo  an  den  Dogen  8.  Janoar  1601.  D.  V.  30»  330  Or. 


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80 


der  Gunst  seines  Bruders  zu  befestigen.  Er  soll  demselben  mit  einem 
Freiinuthe,  wie  es  nie  Jemand  gewagt  hatte,  die  unheilvollen  Folgen 
seiner  Abgeschlossenheit  dargelegt  haben,  doch  in  einer  Weise,  dass  er 
gern  gehört  wurde  und  wirkte.  Der  Kaiser  ertheilte  wieder  zahlreiche  Au- 
dienzen und  erledigte  die  Ge.schäfte  ***).  Auch  die  Ordnung  der  Nachfolge 
brachte  Maximilian  mit  Nachdruck  zur  Sprache*“*)  und  auch  hier  erzielte 
er — vielleicht  untemtützt  durch  Gerüchte  von  französischen  Umtrieben*®“) 
— Erfolg.  Es  geschah  ohne  Zweifel,  um  die  römLsche  AVahl  vorzuboreiten, 
wenn  der  Kaiser  den  Erzherzog  beauftragte,  zu  dem  Administrator  von 
Sachsen  und  dem  Churfiii>iten  von  Brandenburg  zu  reisen  und  sie  zu 
bitten,  dass  sic  in-  und  ausländischen,  gegen  sein  Haus  gerichteten  Um- 
trieben entgegenwirken  und  ihm  mit  Bath  und  That  beistehen  möchten, 
damit  die  Kaiserkrone  jenem  erhalten  bleibe  *®®). 


268}  Doodo  an  den  22.  Jannar  16ul.  Kr  bei : ,»I>ae  restano  ancora  ad  baver  andien»» 

il  s**  Cardinal«  Dletriatain et  gU  ambaaciatori  de!  rh  di  Persia."  D.  V.  Or. 

261)  Daodo  an  den  Dogen  21*.  Januar  1601 : Kribt-  Maiimiiian  hat  lange  über  Siebenbürgen  mit 
Rudolf  geapn>chei3  und  sieb  znr  rebt'rnahtue  der  StatthaltemcbaR  unter  drei  Bedingungen  be- 
reit erklärt ; ersten«  müssten  ihm  die  nOChigeo  (ieldmittel  *o  gesicdicrt  werd<‘n,  dasa  er  unbe- 
dingt auf  sie  aäblcn  könne;  tweitens  müsse  er  vorher  seine  wegen  der  polnischen  Wahl  g<- 
machten  grossen  Schulden  ordnen ; drittens  ,cUe  non  intei\|ieva  voltare  le  spalle  alla  Germania, 
»t  B.  nun  st  risolvesse  di  procurarsi  prima  il  sDCdssore,  perchi*  dubitarebW  forte,  mentre 
foBse  abaente,  ]>ot^He  nascer  qaalche  disordine  ct  cbö  gli  eteltori  lo  facessuro  da  se,  stante 
certa  voce  sparsa  per  tutto,  ehe  S.  non  fosae  piü  habile  a governarc  Pimperio,  ae  bene 
egli  vedesse,  per  gratia  di  Dio,  ehe  fosse  altrimentl.  Ha  S.  ricevulo  in  beno  tutto  rufUcio, 

massiine  da  questo  principe,  ebi  qui  dentro  ogniino  dice,  non  pretenda  altro,  cho  il  bene  et  la 
grandezza  della  sua  easa  senza  haver  alcuna  pretensione,  et  coine  fatto  da  persona  non  interes- 
sata  tanto  piü  e stato  accetto  alla  et  per  qnanto  rot  ba  detto  roinistro  che  lopub  molto 

b<*n  sapere,  nel  proposito  di  re  de  Romani  ella  ba  promesso  di  rlssolTersi K vero,  cb^ 

mi  soggionse  il  »opradetto  roinistro,  che  dl  questa  cosa  non  si  doveva  rallegrarscnc  tanto.  fino 
che  non  sene  vedeva  IVffetto.“  D.  V.  80,  3*'>7  Or. 

26o)  Duodo  an  den  Dogen  26.  Februar  16Ü1 : „La  adunata  de*  ininistri  di  totti  gli  elettori  laict  ct 
altri  per  la  compositione  deüe  coee  di  Argentina  da  grande  geloeia  qui  nella  congiontura  del 
tempo.  ndia  qualo  siamo,  et  tanto  piü  si  fa  maggiore , qoanto  cbo  nella  Sassonia  si  va  aueo 
facendo  qualcbe  nuraero  de  soldati,  tutto  cbö  si  diea  sotto  notno  del  duca  di  BrunBuicIi  per  li 
dispiaceri  che  ba  con  quella  cittä.  £t  questo  ambasdaior  cattolico  molto  teme,  non  siano  tutte 
traroo  faite  per  metter  la  coroua  de  re  de'  Romani  in  capo  alla  Christ»*  Per  queato 
qualcbe  altro  signor  principale  ini  ha  detto,  ehe  Spagnuoli  sentino  male  la  paco  tra  Francia 
et  Savoia,  parendo  loro,  cbö  non  sia  servitio  di  questo  ne^otio,  che  il  re  di  Francia  si  trovi 
quicto  et  aicuro  da  ogni  parte,  üno  che  non  si  vegga  Pessito  di  questa  elettiooe.**  D.  V.  30, 
:J82  Or. 

266)  Briefe  und  Acten  1,  n.  178.  Maximilian  reiste  am  10.  Februar  ab.  Pranil  an  Hz.  MaxiroU 
Han  von  Baiern  12*  Pebruar  1601.  Ma.  &0/10,  15a.  Or. 


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81 


Der  Adininislrator  von  Sachsen  lehnte  in  seiner  ängstlichen  Gesetzes- 
treuo  ab,  sieh  in  Bezug  auf  die  Wahl  zu  binden,  doch  war  man  seiner 
ja  ohnehin  sicher.  Clmrfärst  Joachim  Friedrich  hatte  sich  noch  vor 
Kurzem  gegen  die  Abhaltung  des  von  Mainz  beantragten  Collegialtagcs 
geäussert-®^).  JetÄ  erklärte  er,  das,s  er  ohne  wichtige  Ursachen  nicht 
vom  Hause  Oesterreich  abgehen  wolle,  dafür  alwr  erwarte,  dass  der 
Kaiser  sich  ihm  in  seinen  Angelegenheiten  günstiger  als  bisher  erweise  ***). 
Auch  auf  ihn  durfte  man  also  rechnen. 

Wieder  nutzte  jedoch  Budolf  die  Gunst  der  Umstände  nicht  aus. 
Am  28.  Februar  legte  Anhalt  seine  Werbung  bei  ihm  ab.  Er  erreichte 
nicht,  was  er  gehofift  hatte,  deiui  der  Kaiser  war  deim  doch  zn  einsichtig 
und  inistrauisch,  um  sich  durch  die  naive  Schlauheit  der  Heidelberger 
über  deren  Gesinnung  gegen  ihn  und  sein  Haus  täuschen  zu  lassen,  und 
die  Versicherungen  über  die  Ergebenheit  der  protestantischen  Bewegungs- 
partei  konnten  ihn  um  so  weniger  verlocken,  als  Anhalt  sie  mit  der 
Forderung  verband,  dass  er  auf  die  Gerichtsbarkeit  des  lieichshofrathes 
verzichten  solle,  welche  allein  noch  dem  Kuiserthum  wirkliche  Begierimgs- 
gewalt  im  Beich  imd  unmittelbaren,  kräftigen  Einfluss  auf  dessen  Ange- 
legenheiten verlieh  und  welche  er  daher  stets  mit  jener  zähen  imd  hef- 
tigen Eifersucht,  womit  er  über  seiner  Stellung  in  allen  Beziehimgen 
wachte,  gegen  die  Angritfe  der  Protestanten  vertheidigte.  Anhalt  wirde 
mit  nichtssagenden  Bedensarten  verabschiedet  Indes  mochten  seine 

V'oi'stellungen  doch  die  alte  Abneigung  Rudolfs  gegen  die  Ordnung  der 
Nachfolge  verstärken  uml  d.azu  lieitragen,  d.i.ss  er  den  Schritten,  zu 
welchen  ihn  Erzherzog  M.aximilian  bewogen  hatte,  weitere  nicht  folgen 
lioss. 

Jener  war,  wie  es  scheint,  nach  der  Besprechung  mit  Brandenburg 
nicht  zu  neuen  Bomühiuigen  nach  Prag  zurüekgekehrt , sondeni  nach 


267)  Briefe  u.  A.  I»  n.  173. 

268)  A.  A.  0.  n.  178  Anm.  Am  27.  Februar  berichtete  der  Adinintstrator  von  Sachsen  über  seine 
nn«)  Brandenburgs  Antwort  an  Mainz.  Wm.  Snccessionswesen  1,  o.  Ö5.  Or. 

269)  Briefe  o.  A.  I n«179  «nJ  1«8.  Die  „Sache“  welche  sich  der  Cbf.  von  der  Pfalz  in  letz- 
terem Schreiben  f^omäss  dem  an  Anbalt  gerichteten  Begohteo  des  Kaisi.rs  angelegen  sein  lassen 
ZQ  wollen  Terspriefat,  war  Termnthlich  die  lliiulcrnng  der  dieAbsetzuog  des  Kaisers  bezwecken* 
den  Praktiken.  Vgl.  das.  n.  298  nnd  425. 

Abh.d.Ui.Cl.d.k.Ak.d  Wiis.  XV.  Bd.  I.  Abth.  11 


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82 


Mürgentlieim  gereist.  Auch  Matthias  und  Ferdinand  blieben  imthätig 
und  machten  keinen  Versuch,  den  Churfiirsten  von  Köln  trotz  seinen 
Bedenken  zum  Besuche  des  Kaisers  zu  bewegen.  Sie  beschlossen,  auf 
den  Reichstag  zu  warten,  zu  dessen  Berufung  der  Kaiser  Anstalten  traf 

Da  forderte  plötzlich  im  Mai  Rudolf  selljst  den*Kölner  auf,  schleu- 
nigst und  in  aller  Stille  zu  ihm  zu  kommen”').  Die  Anregung  dazu 
hatte  vennuthlich  Ernst  selbst  gegeben.  Obgleich  er  sich  Casal  gegen- 
über der  prager  Reise  geweigert  hatte,  war  er  doch  bald  darauf  für 
dieselbe,  w'ie  es  scheint,  durch  Erzherzog  Albrecht,  dom  er  ülaer  die  Ver- 
handlungen in  der  Wahlsache  durch  seinen  Geheimrath  Bille  Bericht 
hatte  'geben  las.sen  -’*),  gewonnen  worden.  Gleich  nach  Billes  Rückkehr 
Anfang  Febriiivr  1601  hatte  er  die  Gelegenheit,  dass  ihn  der  Kaiser  ent- 
weder über  die  Verhandlungen  zu  Aschaffenburg  oder  über  die  mit  Casal 
zur  Rode  stellte,  benutzt,  um  demselben  seine  Einladung  nach  Prag  nahe 
zu  legen *■'*).  Im  April  hatte  er  dann  wohl,  nachdem  Bille  wieder  in 
Brüssel  gewesen  w'ar , weitere  Schritte  zu  gleichem  Zwecke  gethan 

Am  2.  Juli  traf  er  in  Prag  ein*^^).  Rudolf  hatte  der  Ankimft 


370)  Casal  an  Rrehi.  Albrocht  18.  Man  IGOl.  Brs.  Scerci.  d*Allem.  N.  116,  101  eigh.  Or. 

371)  CoaUjator  Ferdinand  von  Köln  an  Hx.  Maximilian  von  Baiero,  27.  Mai  IGOl,  Ma.  ^18/37,  97 
eigh.  Or.  Er  berichtet,  Ernst  sei  sogleich  aufgcbrochon. 

272)  8.  Beilage  XIV  das  Creditiv  für  Bille. 

273)  Groisbeeck  an  Speer  9.  Februar  1601.  Ma.  41.VS4,  40  Crl. 

274)  Groisbeeck  an  Speer,  Arnsberg  20.  April  1601:  hCIö  qnalche  cosa  in  aerc.  ma  le  nnvole  »ono 

tanto  spesse,  che  ancora  non  posso  penetrare  a ben  saper,  che  cosa  sia,  perb  tra  noi  drtto  con- 
oerne  la  andata  dt  S.  rerso  Vlmjtemtore,  i!  quäle  deve  csser  cbiauiato  da  S.  Et  il 

nogotio  Tienc  diretto  tanto  st'cretamentc  da  Hi7fro,  che  ti^  il  baren  di  Kekem  [s.  Briefen. A. 
IV,  ne  i)  scr  Bocholt  nc  io  non  ne  sappiamo  a parlar.  Il  ItilU  tornb  da  JiritjttUes  alU 
10  del  presente,  ove  fu  in  gran  iretta,  et  iicssuno  di  noi  tre  ancora  non  pnb  seuoprir  qnello 
ehe  ha  trsttato.  Jo  me  ne  dabbito  bene,  pern  per  non  saper  il  Tcro  non  dico  per  adesso  nulla. 
Ben  lo  scQOprirb  presto  et  m'accargo,  per  che  causa  Udleo  . . . Üene  nascostu  qnesto  trattato 
a noi  tre  et  c/edo,  che  V.  S«»  facilmente  lo  imagina."  Ma,  415  84.  Crl. 

275)  Präntl  an  Hz.  Maximilian  von  Baiem.  9.  Juli  1601.  Ma.  60/19,  72  Or.  Am  18.  Juni  schrieb 
der  Chi.  von  Köln  an  Erxhz.  Ferdinand  ausFreisiug:  „Was  sonsten  das  negotium,  so  vordisom 
der  Casal  bei  mir  anbracht,  betrifft,  bleibt  hieneben  unrerborgen,  das  ili  mih  nechstkunftigon 
Freitag  [den  22.]  von  hinnen  aufmachen  und  zu  1.  ksl.  Mt.  erheben  werde;  wie  ih  uun  1.  Mt. 
hoiuor  befind,  wir  ih  nit  underlassen.  allo  sahou  so  dextre  nah  muglikeit  dahin  xu  ricbteiY,  das 
cs  dem  gemeinen  wtsen  und  der  ganzen  Christenheit  zu  nuxen  und  besten  kommen  möge.“ 
Wh.  FamilieacorresiitoDdvDZ,  fase.  5 A,  eigh.  Or. 


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83 


seines  „lielwten  Freundes“  mit  grosser  Freude  entgegengesehen®’*).  Er 
empfing  ihn  überaiw  gnädig  und  gewälirte  ihm  mehrere  se)ir  hinge  Be- 
sprechungen ®”).  Den  Hauptgogenstand  derselben  bildete,  wie  es  scheint, 
die  Orflnung  der  Nachfolge. 

Churfürst  Emst  war  von  München  her  aufgofordort  wonlen,  die 
Wahl  seines  XcfFcn,  des  Herzogs  Maximilian,  zum  römischen  Könige  zu 
befördern. 

Der  alte  Herzog  Wilhelm  von  Baiem,  welcher  sich  mitmiter  durch 
kleinliche  Begehrlichkeit  und  Empfindlichkeit  iire  leiten  lies.s,  hatte  schon 
im  Jahre  1500  daran  gedacht,  die  Wahl  eines  Erzherzoges  zu  hindern 
und  die  Kaiserkrone  seinem  Hause  zu  erwerlsm.  Sogar  mit  dem  Admini- 
strator der  Chnrpfalz,  Johann  Casimir,  deiil  Hauptgegner  der  Katholiken, 
hatte  er  zu  diesem  Ende  in  Verbindung  treten  wollen®’*).  Die  gelahr- 
liche  Gestaltung  der  Verhältnisse  im  Reich  hatte  ihn  jedoch  bald  diesem 
Plane  entsagen  imd  den  Kaiser,  wie  erw'ähnt  ®’®),  zur  Oribmng  der  Nach- 
folge drängen  lassen.  Seitdem  war  wohl  noch  öfter  der  V'erdacht  go- 


2T6)  Burriliu  an  Spe«r  2;L  Jnni  1601 : der  Chf.  ron  K^In  seine  Anknnft  in  Praa  rnn  einige 

Tafc«  terachoben  hat«  „hero  non  displicet,  nt  snperatis  bia  festis  et  legatiooibns,  qnac  tardiua 
anditae  foemnt,  liberiori  amienm  amicuBiraain  aninio  aeeipiat.*'  Der  Cbf.  möge  nach  Peter  and 
Paal  konnnen,  ,,ne  in  paroxiffmani,  qaem  perillaatris  V.  norit,  incidamus.**  Schon  sind 
Briefe  vom  Administrator  von  Sachten  gekommen.  Ober  deren  Inhalt  der  Kaiser  mit  Kmst 
reden  will.  „Videt  perillu&tris  nt  occasione«  aesc  imdiqad  in  congreasnm  cnmnlent» 

Aget  de  omnibna  familiarisaime  hcrus  cum  principe,  at  oportnnius  potnerit  venire  nnoquam 
phncepe,  de  qao  sponte  saa  berns  in  dies  roentionem  focit*'  Ma.  311/17,  80  eigh.  Or. 

277)  Präntls  Bericht  v.  9.  Jali.  Duodo  schrieb  am  gleichen  Tage:  „Tre  voUe  e sUto  qa^ti  di  oon 
S.  in  andienze  langhissime.“  D.  V.  31f  99  Or.  Vgl.  Briefe  n.  A.  IV.  305  Anm.  2 and 
das.  Beilage  31. 

278)  8.  Briefe  nnd  A.  IV,  Bl.  Nach  der  dort  Anm.  4 miteetheiUen  Stelle  atu  dm  Memorial  för 
Minacci  heisst  es  weiter:  Bei  der  bevorstehenden  Ziisammenkonft  der  rbeinlacben  Clmrfürsten 
können  aach  die  geistlichen  von  Chf.  Emst  ein  wenig  darüber  atugeboit  werden,  „was  sie  von 
jetzigem  bösen  stände  des  hl.  römischen  rcichs  and  künftiger  kunigiseben  wähl,  item  der  prae- 
cedenz  [s.  a.  a.  0.  171  ff.]  halten.  Daneben  Rollen  aber  I.  ebfl.  Qa.  in  allwog  anch  selten, 
hochgedachte  churförsten  anf  die  bairische  seiten  zn  bringen  nnd  mit  grosscro  vleiss  (wie  dann 
1.  chfl.  Gn.  faocherleuchten  Verstands  und  beredt)  locken  und  aufmerken,  ob  der  kaiser  bei  disen 
churförsten  der  wähl  eines  römischen  königs  oder  der  erzbenog  Ferdinand  [von  Tirol]  der  prae* 
cedenz  halber  was  geworben.“ 

279)  8,  oben  8.  15. 

11* 


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I 


84 


ilusHcrt  worden,  dass  Baiern  nach  der  Kaisorki-one  traclite  es  findet 
sich  jedoch  kein  ilin  rechtfertigender  Beleg.  Als  1598  ein  französischer 
Gesandter  dom  Coadjutor  herdinnnd  von  Köln  versicherte,  dass  sein  Herr 
die  Wahl  Maximilians  gern  sehen  werde,  bezeichnete  jener  diese  Eröff- 
niuigen  dem  Vater  gegenüber  kurzweg  als  Possen”'),  und  noch  im  An- 
fang des  Jahres  KiOO  scheint  Maximilian  selbst  gewünscht  zu  haben, 
dass  Erzherzog  Ferdinand  sich  um  die  Nachfolge  bewert» 

Ei-sl  als  sich  nach  dem  Ausbruch  der  Krankheit  Rudolfs  und  nach 
der  Entlassung  seiner  ersten  Minister  die  Aussicht  bot,  dass  die  Chur- 
füi-sten  ilireraeits  zur  Enienmmg  eines  Nachfolgers  schreihm  könnten,  kam 
man  am  bairisclien  llof  auf  den  Gedanken,  als  Nebenbuhler  OcsteiTeichs 
aufzutreten,  zurück  und  suchte  seine  Verwirklichung  anzubalmen.  Beides 
ging  vermuthlich  von  Herzog  AVilhclni  aus***),  welcher,  obgleich  er  der 
Regierung  bereits  entsivgt  hatte,  noch  immer  enusig  auf  den  Vortheil 
seines  Hauses  bediicht  war.  Ohne  Zweifel  stimmte  aber  auch  Herzog 
Maximilian  der  Bewerbung  zu.  Er  war  ehrgeizig,  jung  und  mit  den 
Verhältnissen  im  Reich  und  in  Kurojia  noch  wenig  vertraut.  Wie  er 
sich  die  Dinge  zurecht  legte,  wissen  wir  nicht.  Wir  besitzen  nur  die 
Antworten,  welche  einer  der  geheimen  Räthe  des  Churffli’sten  von  Köln, 
Johann  von  Groisbeeck.  an  den  bairischen  Geheiinrath  Ulrich  Sjieer  über 
die  Angelegenheit  richtete. 

Durch  SjK'er  wurde  Groisbeeck  Endo  October  1600  .aufgefordert,  die 
Ansicht  seines  Henm  zu  erforachen  imd  deustdlien  zur  Befönlerung  der 
Wahl  Maximilians  zu  bewegen  **■*).  Groisbeeck,  welcher  sich  eben  damals 
l>ci  den  bairischen  Herzogen  um  eine  reiche  Belohnung  für  seine  Unter- 
stützung der  Ei-nennung  Herzog  Ferdinands  zum  Coadjutor  im  Erzbist  hum 


2'^)  Briefe  u.  A.  IV  KegisUr,  Baiem,  Absiciiten  und  Anasichten  auf  die  Kaiserkrone. 

2Hlj  A.  a.  0.  m. 

26’2)  Vgl.  oben  Anm.  20;l. 

Darauf  lässt  schlieuta.  dasa  OroislNMck  am  10.  Juli  aas  Prag  an  Si>eer  schreibt:  ««Cnn  tro  pa« 
role  dirb,  ebb  tutto  fin  adeaso  c passato  eccondo  il  tlenitlrrio  di  t/ncii  Ma.  415/*^, 

57  Crl.  and  dass  Speer,  welcher  iinnier  drr  Vertraute  and  Beauftragte  üa  Wilbclnia  war,  die 
Verhandlungen  fQhrte.  Leuten;»  konnte  jedoch  freilich  auch  darch  besondere  Beziehungen 
zwischen  Speer  and  Groisbeeck  veranlasst  sein. 

2S4)  Groisbeeck  au  Speer  9.  NovemWr  KKtO.  A.  a,  0.  .‘VI  Crl.  Die  Belege  för  da*  Folgende  s.  in 
Beilage  XII. 


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85 


Köln  bewarb,  ontsjjraeli  dem  ihm  ausgedrückten  Wunsche.  Der  vertrau- 
teste Rath  seines  Herrn,  Karl  Bille,  erwiderte  ihm  jedoch  zunächst  nur 
mit  den  Worten  der  Schrift:  ,,Sio  wissen  nicht,  was  sie  begehren.“  Auf 
weiteres  Andringen  üussorte  er  sich  dahin,  dass  Baiern  zu  arm  sei,  um 
die  laisten  des  Kaiserthuma  und  die  Feindschaft  OesteiTcichs  zu  ertragen ; 
die  AVahl  werde  das  Haus  verderben.  Er  erinnerte  ferner  daran,  dass 
Herzog  Albrecht  V.  dem  Churfürstcn  August  von  Sachsen,  als  dieser  ihm 
die  Kaiserkrone  angeboten,  geantwortet  habe:  „Ich  will  lieber  Herzog 
von  Baiern  bleiben,  als  Euer  Narr  werden.“  Jetzt,  wo  die  Geldnoth  in 
Baiern  weit  grösser  sei  als  je,  würden,  w'enn  Maximilian  das  Kaiserthum 
erlange,  desto  gewisser  die  Protestanten  die  wirklichen  Herrscher  sein. 
Auch  wies  er,  wie  es  scheint,  darauf  hin,  dass  Baiern  nicht  im  Stande 
sein  werde,  das  Reich  gegen  die  Türken  zu  vertheidigen , und  dass  die 
Erwerbung  der  Kaiserki'one  von  dem  Besitze  der  böhmischen  abhängig 
sei.  In  gleichem  Sinne  sprach  sich  ein  anderer  Vertrauter  des  Chur- 
fürsten aus. 

Die  Bedenken,  welche  sie  andeutetcn,  waren  so  gewichtig  und 
lagen  so  offen  zu  Tage,  dass  Jeder,  den  nicht  Interesse  imd  Vorurtheil 
blendeten,  die  Bewerbung  Maximilians  für  unzulässig  erachten  musste. 
Groisbeeck  selbst  scheint  so  geurtheilt  zu  haben.  Den  Versicherungen 
Speers,  dass  die  Geldverhältnisse  Baiems  seit  Maximilians  Regierungsan- 
tritt wesentlich  gebessert  seien,  schenkte  er  nicht  recht  Glauben  und  er 
hob  hervor,  dass  die  AVahl  Maximilians  nur  während  eines  Inteiregnums 
möglich  sein,  dieses  aber  dein  Reiche  die  höchste  Gefahr  bringen  werele. 
Entschieden  widerrieth  er,  dass  der  Herzog  seinen  AA'unsch  dem  Papste 
entdecke  und  dessen  Unterstützung  erbitte. 

Auch  Ernst  wollte,  dass  seine  A'erwandten  ihre  Absichten  völlig  ge- 
heim hielten  und  keinen  Schritt  zu  ihrer  A'erwirklichuung  unternähnieu*®®). 
AVenn  er  dieselben  nicht  geradezu  verwarf,  sondern  auf  die  Zukunft  ver- 
tröstete, so  geschah  das  wol  nur,  um  nicht  zu  beleidigen.  A'or  zehn 
Jahren  war  er  vielleicht  der  Absicht  AVilhelms  nicht  ganz  abgeneigt 


2&5)  Am  DL'cember  1601  schrieb  Groi»bc«ck  ausArosberg  an  Speer:  „II  ehttore  non  vede  voIoq* 
tieri,  ch&  di  )a  eiatn  tanto  kW  ytf^ocio  tlelltt  succetfsioM.  Saperä  ben  l^ruento,  qimndo 

saru  A.  a.  0.  59  CrI. 


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86 


gewesen  ***).  Jetzt  dürfte  er  Bille«  Ansichten  getheilt  und  nach  wie  vor 
an  dem  Wunsche  festgelialten  halien,  die  Wahl  dos  Erzherzogs  Albrecht 
zu  bewirken.  Darauf  deutet,  ditss  er  gerade  durch  Bille,  ohne  seine 
übrigen  Geheiniräthe  einzuweihen,  mit  Albrecht  verhandelte  dass  er 
sich  um  die  Einladung  nach  Prag  bemühte,  während  man  in  München 
diese  Reise  vermieden  zu  sehen  wün.schte  und  dass  er  den  Kaiser 
zur  Ordnung  der  Nachfolge  drängte,  obgleich  docli  unzweifelhaft  schien, 
dass  Baiern  sich  nur  nach  dessen  Tode  mit  Aussicht  auf  Erfolg  um  die 
Krone  bewerben  könne 

Ernst  hatte  die  Parteiverhältnisse  im  Reiche  kennen  gelernt  und 
täuschte  sich  schwerlich  darüber,  welche  P’olgen  es  für  die  katholische 
Kirche  und  die  geistlichen  Stände  in  Deutschland  nach  sich  ziehen  musste, 
wenn  zwischen  Oesterreich  nnd  Baiern  Feindschaft  oder  gar  offener  Kampf 
entstand.  In  diesem  Falle  hatte  er  selbst  um  so  grösseren  Nachtlieil  zu 
fürchten,  als  seine  Bisthünier  Köln  und  Lüttich  unter  der  Hand  des  In- 
habers der  spanischen  Niederlande  lagen  mul  nur  von  diesem  Schutz 
gegen  die  Einfalle  der  Holländer  erwarten  konnten.  Wie  aus  letzterem 
Grunde  und  aus  persönlicher  Neigung  war  er  ferner  vielleicht  auch  des- 
halb für  Alljrechts  Wahl,  weil  er  die  Hoffnung  theileu  mochte,  dass  der 
Friede  in  den  Niederlanden  hergestollt  werden  könne,  wenn  der  Herrscher 
Belgiens  Kaiser  sei***®). 


286)  Vgl.  Briefe  d.  ä.  IV,  278  Anm.  2 and  obeo  Aimi.  86. 

287)  S.  oben  Annt.  274, 

288)  S.  Beilftge  XU.  5.  Deshalb  enthielten  auch  die  Casal  mitgegobonen  Briefe,  ts.  oben  ß.  67, 
keine  BefQrwortQng  der  Bitte  der  Erthenoge. 

289)  Vgl.  aacb  Beilage  XIV  und  unten  sowie  Briefe  u.  A,  IV,  f>0o.  Wenn  Groisbeck* 
in  dem  oben  Anm.  28^)  erwähnten  Briefe  sagt,  es  eei  bis  jetzt  bei  der  Verbandiung  des  Chur* 
fQrsten  mit  dem  Kaiser  nach  den  Wünschen  Hz.  Wilhelms  gegangen,  so  bezieht  sich  das  ohne 
Zweifel  nur  darauf,  dass  der  Katüer  dem  Clif.  damals  keinen  Auftrag  zu  Verbindluogen  wegen 
der  Wahl  gab.  Auch  daraus,  dass  11z.  Maximilian  dem  Chf.  von  Köln,  der  im  Juni  nach  Mün* 
eben  kam,  Geld  zur  Reise  nach  Prag  vorschoss  [Hz.  M.  an  Metternich  5.  Sept.  1601.  Ma.  89/5, 
14  Cpt.  Oopie]  ist  nicht  za  schliesaen,  dass  jener  den  bairischen  Wünschen  g^iwonueo  worden, 
denn  man  half  dem  Chf.  oft  aus.  Vgl.  auch  nnten  den  Brief  v.  5.  November. 

290)  Vgl.  oben  S.  78.  Dass  man  allgemein  au  die  oben  bezeichnet«  Müglicbkeit  glaubte,  zeigen  auch  das 
Actenstück  Über  die  Friedensbedingungen,  welche  Krshz.  Albrecht  den  Ilolländom  gewahren 
wolle,  and  die  vom  Kaiser  und  sogar  von  den  Holländern  selUt  io  dieser  Hinsicht  gemachten 
Vorschläge,  Ton  welchen  outen  za  sprechen  sein  wird.  Vgl.  Ranke  Z.  d.  öesch.  287* 


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87 


Aber  der  Churfiirst  durfte  bei  seinen  Besprechungen  mit  dem  Kaiser 
Albrecht  nicht  geradezu  in  Vorschlag  bringen.  Rudolfs  Furcht  und 
Groll  standen  diesem  in  unverminderter  Stärke  entgegen.  Er  verbot 
dem  Churfürsten  anfangs,  den  spanischen  Gesandten  und  den  Xuntius  zu 
empfangen,  weil  er  lÄSorgte,  dass  sie  sich  für  Albrecht  verwenden  wür- 
den, und  nur  auf  dringende  Voj-stellungen  Ernste  ertheilte  er  demselben 
die  Erlaubnis,  sie  zu  sprechen”'). 

So  musste  sich  Emst  denn  darauf  beschränken,  dem  Kaiser  im  allge- 
meinen die  Wahl  eines  römischen  Königes  zu  empfehlen,  wobei  er,  wie 
es  scheint,  vor  allem  vor  den  Bemühungen  des  Königs  von  Frankreich 
warnte  Daneben  stellte  er  ihm  vor,  welche  Verwirrung  und  Nach- 
theile seine  Ziu-ückgezogenheit  veranlasse  und  welchen  Unwillen  sie  iin 
Reiche  hervorrufo,  und  ermahnte  ihn  den  Reichstag,  der  in  Aussicht 
stand,  persönlich  zu  besuchen,  da  dersellje  sonst  erfolglos  bleiten  werde. 
Er  hatte  dabei  wohl  den  Hintergedanken,  dort  die  Wahl  zu  bewirken. 

Rudolf  sprach  sich  „mit  einer  Klugheit,  d.ass,  wenn  alte  seine  Mi- 
nister zusammen  berathen  hätten,  sie  nicht  bes.ser  hätten  antworten 
können“,  weitläufig  über  die  Interessen  seines  Hauses,  über  die  Noth- 
wendigkeit  der  Ordnung  der  Nachfolge  und  über  die  ihm  und  dem 
Hause  drohenden  Gefahren  aus  und  gab  die  besten  Zusagen  l)ezflglich 
der  WahP®^).  Aber  seinem  Trübsinn  und  seinem  angstvollen  Argwohn 
veniiochte  ihn  Ernst  nicht  zu  entreissen  **'').  Ohne  etwas  erreicht  zu 
haben,  mus.ste  der  Churföi'st  am  11.  .Juli  Prag  verlassen.  Erat  fünf 
Wochen  sjiäter  gab  Rudolf  ihm,  vielleicht  auf  neue  Bemühungen  hin“®^). 


291)  »oodo  an  den  Do(rcn  16.  Juli  1601,  D.  V.  31,  lO.’i  Or. 

29"2j  Vgl.  anten. 

293)  B«richt  Daodos  t.  16.  Jali.  Er  schrieb  nach  ihm  gctnacbt«n  Mitthcilnngen  dc<  Cbf.  Ernst. 
Vg).  onten. 

294)  Eroft  sagte  Duodo:  [rjm)>eratore]  cra  fatto  grandement«  melanconko  et  con  la  retiratezza 

il  male  anco  gU  cresoeTa,  non  havemlo  pemaiia  all*  intorno»  che  procurasse  di  solleTario,  ma 
pia  tosto  di  caricarlo,  et  ch^  a rimetterlo.  s\  come  «perava  qoalche  frutto  dalli  suoi  ofiidj.  che 
cosi  nel  rcsto  non  sapeva  asaolutaincntc  quello  che  promettemi.“ 

295)  Doodo  an  den  Dogen,  13.  August  IßOl:  >.Ha  detto  qoalche  priodpaie  ministro  i persona  mia 
coofidente,  ehe  sono  tante  le  efficaci  indanse  delii  elettori  per  uii  re  di  Komani«  ehe  eerto 
spera  qoeat'anno  ventoro  S.  sia  ßnalmenle  per  ritmlrenni  a ricercarlo'*;  deshalb  wolle  Ru- 
dolf nicht  in  die  Tbcilung  Tirols,  auf  welche  Erxhz.  Ferdinand  dringe,  willigen;  nach  der  Wahl 


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88 


einen  Aufti'aK  wegen  der  Wahl,  indes  auch  da  keinen  weiteren,  als  dass 
er  die  Churfürsten  von  Mainz  und  Trier  auf  der  Heimreise  befragen 
solle,  ob  die  Verhandlungen,  die  1594  gepttogen  worden,  aufzuuehmen 
seien,  wie  und  wann  dies  geschehen  könne  und  ob  nicht  zur  Abwendung 
aller  in-  und  ausländischen  Praktiken,  namentlich  der  französischen , von 
welchen  die  Zeitungen  meldeten,  alsbald  die  Churfürston  selbst  oder  doch 
deren  Rathe  versammelt  werden  sollten.  Dabei  stellte  er  zugleich  das 
Ansinnen,  dass  man  darauf  denken  solle,  wie  er  dos  persönlichen  Erschei- 
nens iMjim  Churfürstentage  überhoben  werden  könne®*®). 

Ernst  wurde  lange  in  Freising  aufgchalton.  Erst  Anfang  November 
kam  er  zu  dem  Churfürsten  .Johann  Adam  von  Mainz.  Es  scheint,  dass 
er  wie  im  Vorjahre  wünschte,  dass  die  geistlichen  Churfürsten  die  rö- 
mische Königswahl  selbständig  betreiben  sollten,  weil  auf  die  Einwilligung 
Rudolfs  kaum  zu  rechnen  war  und  die  Wahl  des  Nachfolgers  in  Böhmen 
auf  Schwierigkeiten  zu  stossen  drohte®*®).  Johann  Adam  blieb  jedoch 
bei  der  Ansicht  seines  V^orgängei-s  Wolfgang,  die  Anregung  müsse  vom 
Kaiser  selbst  ausgehen.  Er  hielt  zugleich  für  notliig,  dass  zuerst  die 


werde  er  sich  dortbin  znrQcbzichen ; sclion  bube  er  befobleo,  durch  die  strengten  Ediete  dort 
jede  Ja^d  za  rerbieteri,  und  dein  Reicliühofrath,  nm  Tirol  wenigstens  fSr  seino  Lebenszeit  Tora 
Reiclie  ZQ  trennen»  nntersagt,  fernerhin  ohne  seinen  ausdrücklichen  Üefehl  eine  Ap]>elIation  gegen 
die  Kegicrnng  zu  Innsbruck  anzunehmen.  „Qui  perb  tnttaTia  fabrica  et  galeric  ei  corridori» 
che  inostrano  piü  presto  il  contrario.“  l>.  V.  31,  12^*  Or. 

296}  Creditiv  des  Kaisers  für  Chf.  Emst  an  Mainz  18.  August  IGOI,  Wm.  Snccessionswesen  1,  n.  61 
Or.  „Memorial,  was  der  churfürst  Cüln  im  namen  ksl,  Maiestaet  bei  den  zwei  anderu  geistlichen 
churfürsten  anhringen  soll.“  Das.  n.  62  Copie.  Am  Sehlusse  heiut  es : Emst  möge  „vloissige 
acht  auf  Nassau  und  Hanau  haben,  ob  deine  also,  das  sie  mit  Frankreich  correspondenz  und 
Ton  dem  französisebeo  gelt  vestungen  bauen,  also  auch  was  sonsten  im  reich  nit  allein  von 
fremden,  sondern  anch  von  inbeimiseben  practiken  getriben  werde.“ 

297)  Auf  die  Erklärung  des  Chf.  von  Mainz,  dass  der  Kaiser  die  Wahl  fordern  tnQxse,  sagte  Emst 
nach  der  gleich  zu  erwähnenden  Aufzeichnung  Fausts:  „Einmal  seie  sich  der  ksl.  Mt  rcsolution 
und  einwilligung  nicht  wol  zu  getrosten,  dan  sie  in  iren  resnlutionen  zirolich  varilroo.  Et 
betten  auch  I.  chfl.  Gn.  zu  Coln  bei  und  von  I.  Vst.  Mt.  so  vil  verstehen  können,  dass  sie 
sich  beclagtr  die  fomembste  stende  in  der  cron  Behem  giengeo  ir  ab  und  weren  allerband  in* 
genia  izunder  onder  ioeu  den  Bebemen,  wie  der  ein  Popel  ein  anfang  dann  geben;  wollen  sich 
heimlich  verlauten  lassen,  die  cron  Bebem  uff  keinen  hem  von  Österreich  mer  kommen  zu 
lassen,  dorbei  auch  sovil  zu  verstehen  geben,  es  weren  ge  wisse  vertrage  uffgericht,  das  solang 
hern  vom  haus  Österreich  vorhanden,  die  cron  uff  kein  ander  Haus  zu  verwenden,  welche  ver- 
trüge aber,  ob  man  sic  wol  nun  in  das  14  oder  Ib  jar  gesucht,  sich  doch  noch  zur  zeit  nit 
wollen  finden  lassen.  L Mt.  verstunden  sich  mit  iren  hem  bruderu  nicht  wol  und  konte  man 
also  schwerlich  Ir  gemot  zu  diesen  sacbea  erlernen.“ 


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89 


Gesinnung  des  vor  Kurzem  zur  Regierung  gelangten  Churfürsten  Chri- 
stian II  von  Sachsen  erforscht  werde,  „damit  man  nicht  gleicli  zwei 
Mauern  in  abgesonderten  Gedanken  stehe  und  das  Gute  böse,  das  Rose 
ärger  mache.“  Ernst  erbot  sich  darauf,  seinen  Geheimrath  Bucliolz  zum 
abgetretenen  Administrator  von  Sachsen  und  wenn  dieser  es  räthlich 
finde,  zmn  Churfürsten  selbst  zu  schicken*®*).  Ob  es  geschah,  wissen 
wir  nicht.  Ebensowenig  sind  wir  über  die  weiteren  Verhandlungen  unter- 
richtet, welche  — der  besseren  Geheimhaltung  wegen  mfmdlich  — mit 
Trier  und  Mainz  gepflogen  wurden.  Ihr  Ergebnis  war  lediglich  ein 
Schreiben  der  geistlichen  Churfürsten  an  den  Kaiser. 

Sie  erklärten  darin  ihr  Bedauern,  dass  im  Jahre  1594  die  Gelegen- 
heit zur  Ordnung  der  Nachfolge  versäumt  worden  sei.  Jetzt  seien  die 
Zeiten  gefalirlicher  und  die  Mitglieder  des  ChurfttrsümcoUegs  zum  Theil 
andere  geworden.  Um  so  grössere  V^oreicht  sei  also  nothwendig.  Das 
Werk  dürfe  allerdings  nicht  ersitzen  bleitjen.  Sie  allein  abci'  könnten 
es  wegen  des  Verdachts,  in  den  sie  bei  protestantischen*®®)  Ständen  ge- 
ratheu würden,  nicht  l>etreiben.  Es  müsse  hauptsächlich  vom  KaLser 
hertiiosson.  Dieser  möge  also  erwägen,  ob  er  sofort  einen  Churfürstenbig 
veranlassen  wolle  oder  ob  man  erst  auf  einem  Reichstage  persönlich  Zu- 
sammenkommen, sich  mit  einander  bekannt  machen,  das  Slistrauen  auf- 
heben  und  so  dem  Werke  einen  sicheren  Grund  legen  solle.  Dass  der 
Kaiser  sich  während  des  Wahltages  in  der  Nähe  aufhalte,  werde  zur  Ab- 
wehr mancher  Gefahr  nicht  zu  umgehen  sein.  Von  den  Praktiken  Frank- 
reichs wüssten  sie  nicht  mehr,  als  dass  ein  Gesandter  desselben  im  Reiche 
umherziehe,  doch  wollten  sic  weitere  Erkundigungen  einholen*®®). 

Mit  iliesem  Briefe  schickte  darauf  Churfürst  Ernst  seinen  Rath  Grois- 
beeck  nach  Prag®”). 


2^)  Gatachtcn  des  m&iDxer  Kooilers  Faust  Qber  ^das  Anbringen  des  Cbf.  von  Köln  1.  November 
1601.  Wm.  Soccessionswesen  I,  n.  630r.  Anfzeichnung  Fausts  über  die  am  2»  November  zwischen 
den  Chff.  gehaltene  Besprechung,  das.  65. 

299)  So  stand  ursprünglich;  dann  wurde  gesetzt:  „anderen.” 

300)  23.  Noverober  1601,  a.  a.  0.  69  Cpt.  der  mainzer  Kanzlei,  fast  wörtlich  nach  einem  Gotaefaten 
des  Cbf.  von  Köln  vom  10.  November.  Bas.  67  Or. 

301)  Anfzeichnung  Fauste,  das.  70. 

Abh.  d.  111.  a.  d.  k.  Akad.  d.  Wiss.  XV.  Bd.  1.  Abth.  12 


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90 


VIII. 

Kurz  zuvor  luitteu  sich  uucli  der  Papst  und  der  madrider  Hof  ent- 
schlossen, die  Ordnung  der  Nachfolge  zu  betreiben.  Uis  dahin  hatten 
Iwide  seit  dem  Jahre  1594,  soviel  wir  wis-sen.  in  dieser  Richtung  keine 
Schritte  gethan.  Wenn  nach  dem  Sturze  Kumpfs  und  Trautson.s  der 
Nuntius  und  namentlich  der  H]>anische  Gesandte  zu  Prag  eifrig  zur  Vor- 
nahme fler  Wahlen  gemahnt  hatten*^),  so  war  das  ohne  Zweifel  nur 
aus  eigenem  Antriebe  geschehen  und  sie  haften  wohl  nicht  fiir  eine  be- 
stimmte Persönlichkeit  sondern  le<liglich  dafür  gearbeitet,  dass  die 


:X)2)  S.oll>enAnm.  11)1.  Am  IH.  Norember  10)Kj  beridit«te  Duodo : lunWciator  CÄttoUco  temc 

incredibilmcnt«,  ehe  rim(>erto  potM  m Tolta  oflcire  di  qoefita  casa,  et  da  aeaat  boon  loco 

ho  iuteao,  cho  li  8|>AgnuoU  otTeriscono  liHXiO  fantl  pai^ati  per  la  ^j^tierra  d’Ouf^ria  alli  elettori. 
86  faranno  quak'h'uno  di  quenU  della  casa  d'AQstria.“  D.  V.  2Tl)  Or.  Am  20.  No' 

vember  »ebrieb  er:  ,»11  8'  amb&sciator  cattoHeo  & rae  dUsc  ua  dl  della  ^»aiisata  aettlmana.  ehe 
non  potendofii  il  re  de  Homani  fare  ebu  in  doe  casi.  Tuno,  quaodo  ^ Dominato  da  S.  et 
Taltro,  qtiando  i;li  elettori  cunoseenoro  esaer  per  indiBpoaitione  inca^iacc  di  govomar  ella,  che 
nel  primo  terminc  non  ai  farä  mai»  perche  Ce«arc  non  la  Yoole  seiitire,  ae  bene  habbia  dato 
buone  parolc  alU  fratelli  ct  a lai  mille  volte  et  particolarmente  netia  dieta  di  Ralisbona,  stando 
aU'hora  in  aua  raano  il  farlo,  et  chi*  nel  accondo  easo  credeva  piu  tosto,  che  li  elettori  »i 
havercbbnn»  contentato  Ftare  di  qnesto  modo,  perebe  per  la  bolla  d‘oro  di  Carlo  quarlo  al 
conte  Palatino  tocea  all'hora  haver  il  goTorno  della  meta.  ai  pao  dire,  della  Germania  et 
aU'elettore  di  ^assonia  dell'altra,  in  modo,  ehe  mrcblxi  da  dubitare,  non  volessero  go<lere  quosto 
bene6cio;  se  pero  casi  la  inteoderanno.  mi  soggioose.  A ch6  fiue  fos»c  fatto  tab'  dütcorto,  io 
laacio  alla  aoitima  pradenra  di  V»  il  conniderarlo.  scoprendont  ogni  gionio  in  eflelto,  che 
totto  non  tende  ad  altro  che  n faTorire  il  Ser"»«  Alberto.“  Pa«.  :10H  Or.  Am  25.  December 
aebrieb  er:  E«  heisst,  dass  die  Enherzoge  Maximilian,  Matthias;  und  Ferdinand  wegen  der 
Wahl  kommen  werden.  Das«  der  Kaiser  in  dieselbe  willigt,  ist.  da  er  e«  früher  nie  ihun 
wollte,  jetzt,  wo  er  krank  ist,  noch  weniger  zu  erwarten.  „Per  questo  8.  cattolica  fa,  per 
qaanto  intendo  da  assai  bnon  luoco,  ogni  cosa  per  far  vtnir  qua  il  contesUbile  di  CastigUa 
ct  gia  gli  haveva  apedito  nn  auo  per  cssortarlo  a tornarseno  in  modo,  che  qui  «i  crede  la  sua 
venuta.  Tatto  e fatto  a persuasionc  di  qnesto  «>' ambaseiator  cattolico,  il  quäle  Tedomlo  le 
coae,  come  eanno,  deeidem  di  dar  quulche  potente  motore  agii  alTari  di  S.  cattolica,  conoa* 
cendo,  croilo  io,  in  elfetto  et  per  la  aua  indispoaitioiie  et  ]ter  altri  im|»ediiDenti  poter  poco  spe- 

' rare  cosi  in  questa  occasione  di  ri  de  Koniani  come  nel  rcsto.“  Das.  321.  Or. 

:tt}3)  Was  Duodo  in  seinen  in  der  vorigen  Anmerkung  erwähnten  ikrichten  darüber  iiiittheilt,  ist 
nur  VvrraolhuDg,  Am  26.  Februar  ICOl  schrieb  er:  „Prima  j«rtiiwe  [l'arciduca  Ma&similiaDo] 
di  qua,  «ono  a^ienrato,  che  raiubaaciator  cattolico  facetse  intendere  a 8.  A«,  cliVlIa  andawk* 
allegranictite  et  negotiaase  pure  questa  corona  per  chi  alei  piacesse,  perche  egli  restava  oataggio 
per  U 8er”*’  Alberto,  ciregli  non  pensava  ä ciö  et  che  di  tutto  qoelio  havi'Kse  operato,  ne  have* 
rebbe  ricevuto  molto  piacere.“  D.  V.  30,  3>*<2  Or. 


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91 


«Iringencl  uothwendige  Erncimimg  des  Nachfolgers  überhaupt  herlwige- 
führt  werde. 

Dies  wünschte  allerdings  auch  Clemens  VIII  seit  der  Entlaa-sung  der 
^linister,  die  wie  überall  so  in  Rom  das  grösste  Aufsehen  erregte  und 
die  Krankheit  Rudolfs  offenbarte  Er  hätte  am  liebsten  gesehen,  dass 
Erzherzog  Ferdinand  von  Steiermark,  der  so  grossen  Glaubenseifer  be- 
wies, ihm  persönlich  bekannt  geworden  war  und  an  Italiens  Gi'enzen 
sass,  erwählt  würde;  nächst  diesem  war  er  dem  Erzherzog  Albrecht  ge- 
neigt*®®). Von  Reiuühungen  für  den  Einen  oder  den  Anderen  hielt  ihn 
jedoch  vielleicht  die  Sorge  zurück,  dass  Zwietracht  im  Hause  Oesterreich 
entstehen  und  durch  die  sich  kreuzenden  Beworbnngen  die  Wahl  über- 
haupt erschwert  oder  gehindert  wenlen  könne,  während  die  Interessen 
der  Kirche  dieselbe  so  dringend  erheischten,  dass  er  sich  auch  die  des 
Ensherzogs  Matthias  würde  gefallen  lassen  haben,  obgleich  man  an  dessen 
kirchlichem  Eifer  und  geistiger  Befähigung  zn'eifelte*®’).  Unoutschlos.son 
wie  er  war  *"*),  ■ mochte  er  deshalb  sein  Eingreifen  vertagen.  Ihadistens 
dürfte  er  seine  Nuntien  beauftragt  haben,  im  allgemeinen  für  die  Wald 
zu  wirken*®“).  Erst  am  22.  November  1601  richtete  er  — vielleicht 


:{04)  Ranke  Z.  dentschen  Geachichto  26A. 

305)  V|?l.  Briefe  u.  A.  IV.  :I07. 

306)  Der  Nnotins  zn  Graz  Portia  an  Hz.  Maximilian,  26.  Nov.  1600:  ».Video  ciiam.  S.  incU- 

nare  ex  omnibns  archidueihu^  in  JVr<fiN«7mifNin  et  AUtfrium;  relitjaoa  non  valde  idoncoe  pu- 
tat.'*  Ma.  311/23,  71  Cti.  Derselbe  an  denselben,  December  1600:  ,.5.  non  est  ailmodam 
inclinata  er;?a  Maithi-am  et  sed  omniDo  pendet  Tcrens  J'^dinandum  et  M- 

bertttm,  sed  dammodo  aliqnid  fieret  et  fteret  re.r  JRomattu*  aliqais,  esset  bene  contenta.**  Das. 
62  Crl.  Groisbeeck  schrieb  am  10.  Jali  1601  ans  l’rag:  „Ho  scooperto,  che  il  jxtpa  poco  si 
enra  ancoro,  cb^  la  corona  non  resti  in  coxn  d*Auiftr{a,  solo  che  l'habbi  kn  cattolico**  Ha. 
41. V^.  57  Crl.  Der  dechiffrierende  bairische  Secretär  bemerkte,  e w.rde  wohl  statt  „papa“ 
heissen  sollen:  „iniperatore".  Das  ist  gewiss  nicht  richtig,  doch  dürfte  der  Papst  auch  nicht 
au  die  Wahl  eines  Nichtostorreichera  gedacht  haben.  Vgl.  Briefe  n.  A.  I,  n.  162  Anm.  ]. 

307)  Vgl.  die  vorhergobende  AnrntTkang. 

308)  VgU  Briefe  a.  A.  IV,  Register  s.  t.  Character.  Am  14.  April  1601  schrieb  AgosUno  Hnrando 

an  Ulrich  Speer;  fjtejr  liotnuHUit  dicitnr  qnoad  lihpattos  veile  Alhtrtum  C<tenariM  /Traf rem. 
Jtex  Galtine  creditnr  nmldre.  Papa  pront  in  aliis  pluribns  irresolutos  et  tain  quam 

IlütpanoH  differre  cupere,  nt  interim,  si  qnid  booi  pntatnr  erga  Oallmu  sncceasn  temporis  te- 
pt-scat.  Per  MttxtmilianHm  äucem  dicitnr  non  qaacri  talo.**  Ma.  2:18/29,  l.'l  eigh.  Or.  Dass 
die  Furcht  vor  Frankreich  den  Papst  bceindnsste,  ist  nicht  wahrscheinlich. 

309)  Vgl.  oben  Anm.  244. 

12* 


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92 


im  Zusaininpnliango  mit  fien  Bemühungen  ties  Churfiu'Bten  von  K<"iln  — 
ein  eigenhändiges  Schreiben  an  liudolf,  worin  er  denselben  Ireschwor, 
die  Wahl  eines  römischen  Königs  zu  veranlassen,  doch  stellte  er  auch 
da  dem  Kaiser  völlig  anheim,  ob  derselbe  einen  seiner  Brüder  oder 
einen  anderen  Erzherzog  befördern  wolle,  und  verepruch  Jeden,  für 
welchen  jener  sich  entscheide,  aus  allen  Kräften  zu  unterstützen.  Aus- 
führlicher beauftragte  er  zugleich  in  demselben  Sinne  den  nach  Prag 
zurückkehrenden  Keichshofrath  I)r.  Bartholomäus  Pezzon’"')  mal  entspre- 
chende Weisungen  emi>fing  der  dortige  Xuntins’"). 

Am  8]>anisi’hen  Hofe  war  es  wohl  die  gewohnte  Langsamkeit,  welche 
bis  zum  Herljste  1601  abhielt,  in  der  Nachfolgefrage  Stellung  zu  nehmen. 
Dann  entschied  man  sich,  die  ’NVahl  des  Erzhei-zogs  Albrecht  zu  begün- 
stigen. Neben  iler  Abneigung  gegen  Matthias  und  der  Uücksicht  auf 
Albrcchts  früheren  Aufenthalt  in  Spanien  und  auf  seine  Gemahlin  J)o- 
stimmto  dazu  wohl  die  Hoffnung,  dass  die  deutschen  lleiclisstände  ihrem 
Kaiser  die  Hülfe  gegen  die  Holländer,  welche  Spanien  auf  Grund  der 
Beiehsangehörigkeit  Burgunds  schon  oft,  al>er  stets  vergeblich  gefordert 
hatte,  nicht  vei-sagen  o<ler  sich  doch  mindestens  der  Unterstützung  seiner 
Feinde  enthalten  würden  und  dass  die  Kaiserkrone  dem  Herrscher  Bel- 
giens erleichtern  werde,  sich  der  Pässe  am  Rhein  zu  l)edienen.  Da  man 
je<loch  wusste,  wie  wenig  Rudolf  II  Spanien  und  Albi-echt  geneigt  war, 
und  da  man  d.as  Entgegenwurken  der  Spanien  feindlichen  Mächte  und 
der  deutschen  Protestanten  zu  fürchten  hatte,  glaubte  man  Albrecht  einst- 
weilen noch  nicht  in  Vorschlag  bringen  zu  dürfen,  sondern  befahl  dem 
Botschafter  in  Prag  lediglich,  alles  aufzubieten,  damit  der  Kaiser  in  die 
Vornahme  der  Wahl  willige,  .San  Cleinonte,  der  sellist  keine  .\udienz 
erlangen  koimte,  suchte  darauf  die  Diener  Rudolfs  durch  Bestechung  zu 
bestimmen,  in  entsprechender  Weise  auf  denselben  zu  wirken*'*), 

Erheraog  Albrecht  hatte  seinerseits  die  Werbung  Casals,  welcher  den 
Chuifürsten  von  Köln  um  Verwendung  für  Matthias  bat,  befürwortet*'*) 


<U0)  8.  Chlnmecky  Zierotin  Anro.  <30. 

311)  S.  lioilage  XIJI. 

312)  Ginaely  Rutiolf  II,  I.  5:1  f. 

313)  S.  obeu  8.  67, 


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<13 


und  bald  darauf  Kriist  ersucht,  sich  zu  bemühen,  dass  einer  seiner  Hrüder 
oder,  wenn  das  nicht  möglich  sei,  Erzherzog  Ferdinand  erwählt  werde  ’«) 
Groi.sbeeck  meinte,  er  hal»  auf  seine  eigene  Erhebung  verzichtet,  da  er 
einseho,  dass  dieselbe  nicht  zu  erreichen  sei,  weil  er,  der  so  lange  in 
Spanien  gelebt  hatte,  den  Deutschen  als  Fremder  galt  als  Werkzeug  des 
spanischen  Hofes  erschien  und  durch  den  Einfall  Mendozjus  ins  Reich  den 
bittersten  Hass  der  protestantischen  Stände  auf  sich  geladen  hatte**').  In 
der  That  war  Albrecht  gewiss  bereit,  zurückzutreten,  weim  durch  seine 
Bewerbung  der  Besitz  des  Kaisertlnuns  für  sein  Haus  gefährdet  wurde. 
Dem  Wunsche,  selbst  die  Krone  zu  erlangen,  entsagte  er  indes  nicht  und 
wie  früher*'*),  so  mochte  er  auch  jetzt  vor  allem  dadurch  zu  ^seinen  Be- 
mühungen um  die  Ordnung  der  Nachfolge  bestimmt  werden,  die  er  schon 
vor  der  Entscheidung  des  spanischen  Hofes  erneuerte. 

Wir  gedachten  seiner  Verhandlungen  mit  dem  Churfürsten  von 
Köln  ”*).  Er  bewirkte,  dass  demselben  die  Verdoppelung  dt«  Jahrgehaltes, 
welches  ihm  von  Spanien  bewilligt  war,  zugesagt  wurde *'•).  Auch  mit 
dem  Churfürsten  Lothar  von  Trier  stund  er  in  vertrautem  Verkehr  wegen 
der  Wahlfrage ’'*)  und  einen  sehr  lebhaften  Briefwechsel,  der  uns  ziem- 
lich vollständig  erhalten  ist,  pflog  er  über  dieselbe  mit  dem  Erzbischöfe 
Wolf  Dietrich  von  Salzburg. 

Wir  wissen  nicht,  wie  die  Beziehungen  zwischen  beiden  angcknüjtft 
wurden.  Schon  159‘J  beschuldigten  die  deutschen  Protestanten  den  Erz- 
bischof, zu  dem  Einfall  Mendozas  gerathen  zu  haben,  doch  leugnete 
dieser  damals,  mit  dem  belgi.schen  Hofe  überhaupt  in  Verkehr  zu 
stehen**“). 


S14]  S.  Beilage  XII,  4. 

;ti5)  A.  ».  0.  a. 

•il6)  Vgl.  oben  Anni.  59  S.  24  a.  r>7. 

;U7)  S.  oben  82. 

8181  S.  iJeilaffe  XIV  on-l  Briefe  q.  A.  IV.  870. 

819)  Am  2.8.  December  160U  gab  der  Ohf.  dem  Etrhx.  Ober  die  asGbaffenburgiT  Zu^ammeaknnft,  am 
6.  Februar  1001  über  die  weiteren  Verhandlungen  Nachricht;  am  18.  Januar  l(>0l  thcilte  Al* 
brecht  jenem  die  Sendung  Casuls  mit,  wobei  er  den  Cht.  bat.  „Ihre  getreue  zuenaiguog  gegen 
meiner  pereon  *ue  cootiouieren.'*  Br*.  Seerct.  d‘Allem.  Nr.  l‘W,  4‘»  n.  99  Orr.  47  Cpt.  l>a»» 
die  beiden  Briefe  Trier*  in  OhifFern  geischrieben  sind,  deutet  auf  regen  Verkehr. 

320)  Uer  Erzbiscliof  an  li».  Maximilian  von  Baiem.  16.  April  1.VJ9.  Ma,  292/:!  l.V»  Ür. 


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94 


Im  üktolKii’  IGOO  em])fahl  er  dem  Erzherzop;  Albrecht,  sich  um  die 
Kaiserkrone  zu  bewerlK>n.  Von  den  übrigen  Mitgliedern  des  Hauses  habe 
keines  Aussicht,  sie  zu  erlangen,  weil  Matthias  und  Maximilian  für  un- 
fiihig  gehalten  wünlen  und  Ferdinand  sich  durch  seine  gewaltsamen 
Uostaurationsmassregeln  verhasst  gemacht  habe.  Um  Frankreich,  welches 
nach  der  Krone  trachte  und  von  deutschen  Protcstajiten , ja  von  Leuten 
in  der  Umgebung  des  Kaisers,  der  ihm  selbst  nicht  abgeneigt  sei,  von 
der  Wahl  auszuschliessen , möge  man  sich  beinülien,  dass  der  Krieg 
zwischen  Frankreich  und  Savoyen  fortdauere,  denn  dann  werde  von  jenem 
keine  Hilfe  gegen  die  Türken  zu  erwarten  und  mithin  jeder  Grund  für 
seine  Wahl  benommen  sein.  Albrecht  dagegen  müsse  den  Frieden  in 
den  Nie<lerlanden  herstellen.  Dann  werde  er  die  Nachfolge  leicht  er- 
halten. Mit  dem  Kaiser  über  die-selbe  zu  verhandeln,  sei  unmöglich  und 
gewiss  vergeblich.  Der  Erzherzog  solle  sich  nur  der  Mehrheit  der  Chur- 
fürsten für  den  Fall  des  zu  befürchtenden  Inten'ognums  versichern  und 
einem  in  der  Nähe  von  Ungarn  und  Böhmen  Gesessenen  Vollmacht  er- 
theilen,  nach  Rudolfs  Tode  alsbald  seine  Wahl  zu  betreiben’*'). 

Anderseits  suchte  Wolf  Dietrich  auch  bei  Rudolf  EiiiHuss  zu  er- 
langen und  es  glückte  ihm,  „etliche  der  innersten  Privabliener“  desselben 
für  sich  zu  gewimien  mid  es  durch  sie  dahin  zu  bringen,  dass  der  Kaiser, 
der  in  seiner  Unruhe  und  in  seinem  Mistrauen  gegen  seine  Brüder  und 
Minister  damals  mehrfach  fremden  Rath  suchte®“),  durch  einen  Vor- 


:(21)  8.  ncilagc  XV.  Bien  Schreib«!]  kreuzte  sich  mit  einem  Albrochta  vom  3.  Koveraber,  worin 
derselbe  um  dei  Erzbischofs  Gutachten  bat.  wie  die  Nnchfolge  einem  ..von  aas  di«i  BrQdeni*' 
gesichert  werden  könne;  er  vernehme,  dass  im  Reich  allerlei  schädliche  Praktiken  vorgingen. 
wodurch  nicht  allein  der  Uutergang  der  katholischen  Religion  io  demselben  drohe.  ..»ondorn 
auch  den  auslendischcn  zue  unterdrQckung  dessen  uralter  libertet  tliuer  und  thor  aufgethan 
werden  möchte.*'  Brs.  Secret.  d’Allcm.  N.  *J49,  5 Cpt.  ln  der  Antwort  auf  Salzburgs  oben  er- 
wähnten Brief  bat  Albrecht  um  nähere  Angaben,  wie  er  die  Nachfolge  sich  sichern  könne  und 
uro  Aufklärung,  „woher  1.  Mt.  dem  Franzosen  wolgewogcti  sein  solle  und  welche  mioiatri  die 
währen,  so  ihme  adherireo,**  sowie  weshalb  Salzburg  dem  ChurfUrsten  von  Köln  inistraue, 
[s.  Beil.  XVJ  und  was  der  Administrator  von  Sachsen  [die  gegen  diesen  gerichtete  Bemerkung 
Salzburgs  liegt  nicht  vor]  im  Schild«  führe;  letzterer  habe  sich  gegen  ihn  und  sein  Haus 
stets  sehr  gut  erboten  und  ebenso  habe  seit  seiner  Ankunft  in  Belgien  und  erst  jhngst  wieder 
der  Chf,  von  Köln  sich  g^?gen  ihn  „gar  hoch  anerboton.*'  10.  November  1C00.  Das.  6.  Cpt. 
Die  Antwort  Salzburgs  fehlt. 
a22)  S.  oleo  S.  79. 


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95 


trauten  sein  Gutachten  erforderte,  wie  er  die  Regiening  in  Znkunft  l>e- 
stellen  solle*^’). 

Der  Erzbischof  Ijozeichnete  darauf  als  den  Hauptmangel  des  kaiser- 
lichen Regimentes  die  Schwierigkeit,  Gehör  liei  Rudolf  zu  erlangen,  und 
rieth,  um  den  mächtig  wachsenden  Unwillen  der  Reichsstände  zu  be- 
schwichtigen, dem  geheimen  Käthe  ein  Haupt  zu  geben,  welches  die  Au- 
dienzen und  Bescheide  ertheile.  Für  diese  Stellung  möge  der  Kaiser  einen 
seiner  Brüder  erwählen  und  zwar,  da  Matthias  den  Anspruch  der  Erst- 
geburt besitze,  Maximilian,  damit  der  eine  den  anderen  hindere,  sich  zu- 
viel Gewalt  anzimmssen  und  jeder  vor  allem  die  Gunst  Rudolfs  suchen 
müsse.  Zu  Ministem  solle  er  Männer  aus  seinen  Gebieten  nehmen,  da 
Ausländer  zu  Fremden  hinneigen  und  ansehnliche  Reichsgenossen  Privat- 
interessen haben  und  einander  beneiden  würden;”*)  aus  dom  Heere  aber 
müssten  die  französischen  und  anderen  fremdländischen  Oberoffiziere 
entfernt  wenlen,  da  sie  des  Kaisers  Geheimnisse  zu  sehr  liokannt  machten. 

Zugleich  empfahl  Wolf  Dietrich,  auf  Ausführungen  gestützt,  in 
welchen  sich  die  seltsamen  An-schauungen  der  deutschen  !>tajU8männer 
über  die  eurojiäischen  Verhältnisse  bezeichnend  kundgeben,  dringend  die 
Ordnung  der  Nachfolge,  doch  mahnte  er,  dieselbe  nicht  eher  in  Angrift' 
zu  nehmen,  als  bis  man  des  Ergebnisses  der  Wahl  ganz  sicher  sei,  damit 
nicht  etwa  die  Protestanten  bei  jener  ihi’e  Pläne  durchsetzten”^). 

Er  habe  dies  Zögern  angerathen,  sagte  er  dem  Erzherzog  Albrecht 
weil  er  vor  allem  die  nnverzfigliche  Ordnung  des  Regiments  für  noth- 
wendig  halte  und  glaube,  jenem  Zeit  verschaft'on  zu  müssen,  damit  er 
für  seine  AVahl  arbeiten  und  den  Kaiser  für  sich  stimmen  könne’“). 


323)  Wolf  Dietrich  an  Krilix.  Albrecht.  24.  Januar  1601  Dr;.  Secrct.  d’AIlem.  K.  24!^  10  eigh. 
chilTriertea  Or. 

824)  D&b  war  wohl  gegen  die  H«mn  ans  dem  Reich  gerichtet,  welche  Rudolf , wie  unten  zu  er- 
wähnen, berief,  um  mit  ihnen  die  Tornebmen  Uoßmter  zu  besetzen.  Weshalb  der  Erzbischof 
ihnen  entgegen  war,  weies  ich  nicht. 

S25)  S.  Ikilagd  XVI. 

8*26)  Der  Erzbischof  an  Albrecht  8.  Februnr  1601,  o.  a.  0.  12  Töllig  chiffrierte#  Or,  Er  schrieb 
dabei,  befinden  sich  die  Sachen  an  I.  Mt  hoffe  in  altem  stand  und  do  ich  denselben 

auf  den  grund  siehe,  sein  dass  geschrai  und  die  thatt  etwass  fern  von  einandern,  dann  obwoll 
I.  Mt.  melancholisch  und  zne  den  andieDzen  achwerlicb,  wo  nit  gar  nit  zue  bewegen,  so  leiden 
sm  doch  sonst  an  dem  verstand  katn  mang),  sonder  nemen  ir«  soeben  sebarfrinnig  in  acht, 


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96 


Um  letzteres  zu  erreichen,  knüpfte  Wolf  Dietrich  selbst  mit  dem 
Astronomen  des  Kiiisc^rs,  Tycho  Brahe,  und  mit  den  Kammerdienern  au, 
die,  wie  er  bemerkte,  mehr  als  irgend  .Jemand  sonst  vermöchten’’’).  Es 
gelang  ihm  auch,  Brahe  zu  bewegen,  dafw  er  den  Kaiser  zur  ()i-dnung 
der  Nachfolge  zu  veranlassen  und  denselben  für  Albrecht  — unter  An- 
derem durch  ein  diesimi  gestelltes  Horoskop  — zu  gewinnen  suchte.  Der 
Erzherzog  belohnte  den  Astronomen  dafür  mit  einem  Geschenke.  Dessen 
Bemühnugen  führten  jedoch  nicht  zum  gewünschten  Ziele. 

Wolf  Dietrich  schrieb  das  vor  allem  dem  Entgegen  wirken  des  Gc- 
heiinsecretärs  Barvitius  zu,  welcher  um  diese  Zeit  von  allen  Häthen  weit- 
aus am  meisten  Vertrauen  und  Zutritt  beim  Kaiser  besass.  Er  meinte, 
derselbe  sei  Spanien  feindlich  und  werde  von  Baiern  beeinflusst. 

Die  Mitglieder  des  bairächen  Hauses,  mit  welchem  er  lange  in  bit- 
terem Streite  gelegen  hatte,  betrachtete  der  Erzbischof  von  vornherein 
mit  tiefem  Mistrauen.  Albrecht  werde  eher  auf  Brandenburg  als  auf 
Köln  rechnen  dürfen,  iius.serte  er.  Seine  Sorge  wuchs,  als  er  im  April 
1601  erfuhr,  dass  Frankreich  dem  Coadjutor  Ferdinand  ein  Jahrgehalt 
oder  geistliche  Pfründen  anbiete.  Er  sah  darin  das  Bestreben  Hein- 
richs IV  offenbart,  die  Untei-stützung  der  bei  den  katholischen  Ueichs- 
ständen  so  einflussreichen  Herzoge  mul  die  Stimme  Kölns  für  seine  Wahl 
zu  erwerben.  Deshalb  Hess  er  sich  angelegen  sein,  die  Herzoge  vom 
Abschlu.sse  mit  Frankreich  zurückzuhalten,  und  trieb  er  Albrecht  unab- 
lässig an,  dem  Coadjutor  eine  spanische  Geldhülfe  zu  verschaffen.  Der 
Erzherzog  lies.s  es  auch  nicht  an  entsprechenden  Schritten  fehlen,  doch 


handlen  aach  lieimbllch  Dn<J  far  licb  selb  stark  nnd  vÜ  qq<1  so  nur  jemanü  v^rhanien,  d«r 
der  autoritet  wäre,  dass  er  1.  Mt.  in  den  audienzen  kind  vertretton,  were  den  saehea  leicht* 
liehen  geholfen.  Erzherxog  Matthias  xwar  sol  der  zeit  nit  in  sonders  guetten  ansecheo  bei 
1.  Mt.  sein.  Maximilian  aber  vermögen  sich  I.  Mt.  zimblicb  und  ist  noch  zweifiieh,  ob  sie  in 
Siebenbürgen  oder  hei  hoff  verharren  werden  “ In  der  Wablsacho  ist  keine  Eile  zu  fürchten, 
aber  doch  nicht  zu  feiern,  „dann  wie  gemeldt,  so  handlen  I.  Mt.  ire  sae'nen  der  zeit  seer  in 
der  eng  und  gehaimbe  and  ist  deshalben  übor  die  mausen  schw^er,  den  grand  allwegen  zu 
penctriren.“  Nsebr.  „Die  saeben  sind  bei  I.  ’Mt.  also  der  zeit  beschaffen,  das  schier  nnamb* 
genglich  nothwendig,  das  sich  I.  Mt.  mitt  chittem  einet  anderen  regiroens  entschliessen  müesen, 
do  sie  sieh  nit  eines  andern  befahren  wollen.“ 

327;  Schreiben  vom  8.  Febmar. 


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97 


blieben  diesell)en  so  lange  erfolglos,  dass  die  Baieni  endlicb  die  Geduld 
verloren*“). 

So  gewann  Albreeht  durch  des  Erzbischofs  FreiiniLschaft  keine  För- 
derung. Er  bat  densell>en  wiederholt,  ihm  wirksame  Mittel  anzugeben, 
durch  welche  er  sich  die  Nachfolge  sichern  und  den  Kai.ser  zur  Einleit- 
ung der  Wahlen  bestimmen  könne.  Wolf  Dietrich  wusste  ilmi  jedoch 
immer  nur  mit  lehrhaften  Auseinandersetzungen  imd  dunklen  Uedens- 
arten  zu  antwm-ten.  Als  am  24.  October  ItiOl  T3’cho  Urahe  starb,  ver- 
lor er  die  einzige  Handhabe  zur  Einwirkung  auf  den  Kaiser,  die  er  be- 
sass,  und  in  den  liriefen,  die  er  dem  Erzherzoge  zu  schreiben  fortfuhr, 
vennoehte  er  nun  vollends  nicht  mehr  als  Aeusserlichkeiten  und  Gerächte 
mitzutheilon  **"). 


S2S)  8.  Briefe  n.  A.  IV,  Mi«  ff. 

329)  Die  Briefe  TulUt&nJig  mitiutbeiien»  scheint  onnßthig.  Ich  füge  daher  nar  das  Wicbtigate 
ihrer  Auftählaog  bei.  Fla  aind  folgende:  Wolf  Dietrich  an  Albreeht  2H.  Februar  D>01,  Br». 
Secret.  (1* Allem.  N.  24!l,  III , 20  eigh.  fatt  ganz  chiffrierte*  Or.  Albreeht  an  Wölf  Dietrich 
17.  Mär2,  das.  2.'i  Cpl.  v.  Blaaiait  Haet«r.  W.  D.  an  A.  20.  März.  das.  2fieigh.  Or.  mit  Chiffem 
[.fimjtorfune  Iftst  itirh  an  lUrxfm  nrt  nit  tractierrn  ....  A'rtiVcr  iid  ^rines  aifjnen  ai«««  und 
trill  nellMt  herr  iteiner  reiuthftionen  äW«,  fu^it  auch  hahi  ar;/n‘ohn.**  ....  Der  niiehvte  Weg,  die 
Kaelifolge  in  den  Erblandcn  tn  erhalten,  i»t,  xfmri-.s  auf  den  fall  (dm  Oatl  irmdcj  K. 

//.  mit  Hiarhcr  hilfantrinttHUij  an  der  hand  Mcirn,  auch  die  Machen  bei  S/ntnia  ihJdn  unter- 
baacHf  damit  die<tclh  frflri7«7i  ettitje:  m bin  ich  ^ueter  hoff'nnn/f,  cm  MtK'hte  K.  IT.  an  beiden 
arten  fjeUnfjen W.  0.  an  A.  2’j.  .\pril,  daa.  32  eigh.  Or.  mit  Chiffem.  [gedruckt  in  Briefe 
n.  A.  IV,  404  ff.J  A.  an  W.  I).  12.  Mai,  das.  35  Cpt  v.  Hueter,  [gedruckt  a.  a.  0.  40!)  f. 
Dort  *lo>i  im  Reindrnek  die  Klammern  veggeblieben , welche  die  Stelle  S.  *!)0<)  von  : „So  bin 
ich  — penetriren  mDcbD*“  eineebUeasen  sollten.]  W D.  an  2i*.  Mai,  da*.  42  eigh.  Or.  mit 

Chiffem,  [gedrnckt  a.  a.  0.  oOl  fj  A.  an  W.  D.  l.^.  Juni  da*.  51  Cpt.  v.  Hueter.  [Er  ist  stets 
der  Ansicht  gewesen,  dass  den  Kaiser  haoptsuchlich  Furcht,  »eine  AatoriUI  zu  verlieren,  von 
der  Ordnung  der  Nachfolge  abhalt.]  W.  D.  an  A.  20.  Juni,  das.  53  eigh.  Ur.  mit  Chiffem. 
[Schickt  einen  Diseurs  Brahes  über  Albrccbts  Nativitat-  Brahe  bemüht  sich  eifrig.  Albreeht 
möge  deoselbin  beschenken.]  W.  D.  an  A.  25  Juli,  das.  CO  eigh.  Or.  mit  (Th  [t.  Tb.  gedruckt 
in  Briefe  n.  A.  IV,  505  .\Dro.  2.  Weiter  sagt  der  Enbisebof  noch:  „Sonsten  lass  ich  mich 
bedanken,  diun  bnui  kaieer  der  Barritio  dem  hawat  Oexterreich  ein  oberauss  scbedlicher  diener 
»ei,  durch  welchen  ir  vil  Qbelss  anstiften,  dieweil  er  nitt  in  geringem  cre^lit.*']  W.  D.  nn  Bla- 
sius llut;ter.  25.  Juli,  das.  53  eigh.  Or.  m.  Cb.  [Brahe  hat  „an  dem  Burntio  ein  starkhen 
contraptüso,  welcher  den  kaiser  tu  viiem  widrigen  bewegt“]  A.  an  W.  D.  15.  August,  das.  62 
Cpt.  V.  Hueter,  [„Das  der  Barvitio  unser  hauss  Oesterreich  in  so  geringer  consideration  halten, 
daneben  auch  sehedliche  offUia  pra^tiren  solle,  hat  er  dessen  kein  ursacb  und  ob  ich  es  gleich* 
wol  bisshrr,  weil  er  diser  orten  »ein  correspondenz  lu  unterhalten,  eich  nnlengtt  geoossert  und 
mit  besorgender  gefehrligkeit  entschuldiget,  wol  suspiciren  kuennen,»o  wurde  ich  mich  es  doch 
so  weit,  als  ich  es  anjezo  verstehe,  nit  haben  bereden  lassen.“  Das  Uebrigo  ist  gedruckt  in 
Briefe  u.  IV,  505  f.j  W.  D.  an  A.  29.  August,  das.  U.*)  eigh.  Or.  m.  Ch.  [Er  kann  nichts 
Abh.  d.  III.  CI,  d.  k.  Ak.  d.  Wiss.  XV.  Bd.  I.  Abth.  13 


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In  Hcitlolbei’i'  argwöhnt«  man,  dass  auch 
donburg  für  Albrccht  gewonnen  sei.  Im  Juli 


der  Churfürst  von  Bran-  ' 
ICÜl  hatte  Friedrich  IV 


Sicheres  Über  Kölns  Verrichtung;  erfahren.  liVni  vemimb  ich  von  einer  ansehcoUeben 

undt  vertranten  person.  «los  «ich  t^rzhfrzog  Mntthia'*  auf  diese  raisa  rofowiVHJti»  atarkh  verlassen, 
daa  itne  auch  Cotimknifi»  «her  vil  versprochen  und  cnt(;egen  Mtitthim  «ich  aner* 

l>ottcD,  auf  den  fall  mitt  d>‘in  noch  InUtjeH  freutdn  Wcm  in  llaifnt  zu  rrnnffWcM. 

Aber  man  khnn  auch  dort  von  Cultmiruttin  Terrichtunii;  nichts  vcrnemiiicii  nnd  beklagt  man  «ich 
uitt  wenig,  das  man  seitt  seines«  anfTbrucliss  von  CuhmirnMis  deshalben  nichts  hatt  kbinden 
vemeinman.  loh  melncsthailits  gbnb,  das  der  will  mcnlgHch  «atinfaction  apurentcr  tu  geben, 
bei  Culouieu^iK  nit  gering,  die  elTect  aber  kinden  so  weitt  nitt  gelange»  und  glaub  auch,  «Us 
'.van  er  nmb  tfru  kto>,rr  sei,  das  er  kliatn  eias  nitt  breche,  sonder  in  allem  den  hrnnor  dex 
ktiinrrn  secondicr,  dan  also  hab  ich  in  anno  Ul  autf  dem  reichstag  be^chatTcn  befanden.  .... 
Von  dem  ifnrritöi  soll  K.  Dt.  ich  zu  berichten  uitt  underksseu,  das  «eiucthalbon  zimliche  nach- 
richtaiig  vorhanden,  das  er  von  denen,  so  dem  fhntarrirh  versehrait  sein,  nitt  zum 

besten  ntlectionnicrt  tu  sein,  starkh  eingenommen  nndt  insonderliaitt  Jiniern  anhengig.  das 
■lurch  in  bis  dato  vil  gehaimna^«en  aiiskhomuivn,  so  besser  versebwigen  weren  gewest,  das  er 
kuiter  starkh  instigiren  nndt  wider  sein  gelegcnbaitt  in  vilon  suchen  verfueren  soll,  das  er 
auch  au  den  Mlurkeu  m'mitoriix  nml  jtfwcsurn  wider  hern  nlunrauU  vor  disem,  daraoss  schier 
vil  übclss  entstanden  wer,  nitt  ein  geringe  nrsach  sampt  anderen  dergU-ichen  toher,  nndt  ich 
trage  maine-^Hthnilss  wtd  sorg,  das  die  sadicu  int  grumlt  nitt  vill  auderss  bcscbatfen,  sonder 
das  villeicht  auch  cfzherzotiru  AfhrechUn  rchiUen  in  iren  occasionen  nitt  ein  bü.4en  günner 
uo  im  haben  möchten  Jedoch  witisen  K.  IH.  auch,  das  in  solchen  fhulen  die  judicia  mber  auff 
conjecturas  als  autf  einiche  gewisshaUt,  so  niit  wol  zu  erforKclieu,  gvstell  uudt  deshalbeu  vil- 
leicht fuleu  inÖchteii.*’J  W.  I>.  an  Hueter  -*‘j.  Sept,  das.  TO  cigh.  Or.  Der«,  an  A.  18.  October. 
das.  7ö  eigh.  Ur.  ui.  Oh.  [Die  vertraut«  Person,  von  der  ich  über  Kölns  Verrichtung  in  Prag 
Näheres  zu  hören  hoiTte,  ist  gesterD  gi'kotnmon.  Sie  sagt,  der  Chf.  habe  wegen  der  Wahl 
nicht  zu  verhandeln  gewagt  und  sei  mit  der  Ansicht  geschieden,  da<>s  deshalb  beim  Kaiser 
nichts  auszurichten  sei.  Drahe  bemQht  sich  eifrig  für  Alhrecht,]  W.  D.  an  A.  •*>.  November, 
das  81  eigh.  Or.  ra.  Ch.  [Von  einem  Vertrauten  des  llenogs  von  Uaiern  hat  er  gehört,  dass 
der  Cbf.  von  Köln  vom  Kaiser  Auftrag  hat.  mit  Mainz  und  Trier  wegen  der  Wahl  zu  roden 
nnd  Uz.  Wilhelm  V für  Krzbz.  Ferdinand  ist]  A.  an  W.  I>.  lö.  November,  «las.  Cpt  v. 

N Huet»T,  [Antwort  auf  dos  Schreiben  vom  18.  October.  Er  r«-ehnel  doch  auf  den  Chf.  von  Köln.]. 

Ders.  an  dens.  24.  November,  das  81  Cpt.  v-  Hueter.  W.  D.  au  A.  11.  December  1801,  das 
cigb.  Or.  m.  (>b.  [gedruckt  in  Briefe  u.  .\.  IV,  oOT  f.  Die  nächslcii  Briefe  das.  5ü8  f.] 
W.  I>.  an  llnet«r,  lÜ.  April  Uiü2,  da*.  IV,  28  eigh.  Or.  m.  Ch.  [Hier  und  in  Italien  wurde 
auf  das  bestimmtest«  versichert,  dass  Albrecht  krank  sei  nnd  der  Uegiernng  der  Niolerlande 
entsagen  werde.  Damit  wollte  man  ihm  wohl  in  Bezug  auf  die  Kaifierwabl.  von  der  stark  die 
Hede  ist,  schaden,]  Ders.  an  «lens.  1.  Mai,  das.  !i4  cigb.  Or.  m.  Ch.  Vgl.  Briefe  u.  A.  IV 
IIBU  Aoiu.  5 und  unten.  Der  Nuntius  zu  Graz  schrieb  am  K März  16ft2  an  Hz.  Maximilian, 
inau  höre  dort,  „che  archifjH/KHijm»  agit  per  literas  cum  congifianis  regis  i/tV 

/MINI,  apud  quos  conatur  nrchulur.rm  yrrthuaMhim  deprimere  et  dt-clarare  parum  aptum  ad 
magna,  praeseriitn  ad  rvunntu  Komunum,  ei  quo  apparct  quasi  manifest«,  favere  <irc/Mi/i4o\.4/' 
herto,  quod  hic  satis  displicuit  ct  propterea  hinc  scriptum  est,  eundem  Sfüiaintrgtngcw 
non  multum  posse  juvare  negotinm  Ulnd  regig  Eommmnm,  non  enim  multos  habere  amicos.* 
Ma.  311/22,  2ܑJ  Crl. 


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denselben  zur  Verständigung  über  die  Massregeln,  die  gegenüber  der 
Krankheit  des  Kaisers  und  für  den  Fall  des  Inteixegnuius  im  Interesse 
der  evangelischen  Stände  zu  ergreifen  seien,  eingeladen**®).  Es  scheint, 
dass  dabei  die  Absicht  im  Hintergründe  stand,  einen  V'ertreter  der  Ijeiden 
Churfürsten  und  ihrer  Freunde  am  prager  Hofe  aufzustellen**')  imd  einen 
neuen  Versuch  zum  Abschlüsse  eines  protestantischen  Bündnisses  zu  machen. 
Joachim  Friedrich,  der  sich  damals  überhaupt  von  den  Pfälzern  abwandte  ***) 
und  dem  Kaiser  näherte***),  hatte  durchaus  ablehnend  geantwortet®**). 
Gleich  darauf  erhielt  nun  Christian  von  Anhalt  die  Mittheilimg,  dass  der  Bran- 
denburger unter  der  Bedingung,  dass  er  nach  dom  Tode  des  Herzogs 
von  Jülich  an  der  Besitznahme  der  Länder  desselben  nicht  gehindert 
werde,  dem  Erzherzog  Albrecht  seine  Stimme  für  die  Kaiserwahl  und 
seine  Vermittelung  zum  Frieden  mit  den  Holländern  zugesagt  habe.  So- 
fort wurde  der  Burggraf  Fabian  von  Dohna  abgeschickt,  um  Joachim 
Friedrich  zum  Abbruche  dieser  Verbindung  zu  bewegen.  Der  Chui'fOrst 
stellte  dieselbe  entsc’hieden  in  Abrede,  doch  beschwichtigte  er  den  auf- 
getauchten Verdacht  nicht  völlig*“)  und  in  der  That  waren  wohl  mit 
ihm  — wenn  auch  nicht  geradezu  im  Namen  Albrechts  — Verhand- 
lungen gepflogen  worden  ***). 


•SSO)  Briefe  n.  A.  I,  n.  20;i. 

IKU)  Vgl.  deD  Ton  Pfalt  mitgeacbiclicten  Reicht  ft.  a.  0.  n.  200  Aöm  1. 

332)  Ritter  Union  I.  237. 

3:KI)  Vgl.  «iMtn  S.  HI. 

3^M)  II riefe  o.  A.  I,  n.  207 

335)  A.  a.  0.  n.  214  and  219. 

336)  Das  ernte  der  a.  a.  0.  n.  214  Anm.  1 erwähnten  Schriftstücke,  wulcho  tlerjenige,  der  tomehin- 
Hch  die  Verhandlungen  gi'fQhrt  haben  sollte,  Anhalt  mittbeiltc,  liegt  anch  Wi.  Successlon. 
Matthias,  tot,  Ks  enthilt  dort  ausser  den  von  Ritter  initgetheilten  Friedensbcdingangen 
noch  zwei  Punkte,  nämlich  am  Anfanu*o:  ..Erzherzog  A)l>crtus  ist  orbötig.  wan  I.  0.  Dt.  in 
regem  et  irai>eratorem  Romanum  erwehlet  weHen,  da.«  hl.  röra.  reich  bei  allen  Privilegien  mul 
gerechtigkcitcn  tu  lassen  und  vertheidlgen,"  und  am  Schlosse:  „Zn  güetlirher  nntcr-  und  ver- 
bandlung  [mit  den  Hcdlundern]  wollen  bei  R.  ksl.  Mt  1.  ft.  Dt.  selbst  ausbitten  chf.  Pfalz  und 
Brandonburgfl  Dtt,  den  hmogon  zu  Holstein»  bischoff  zu  HalbcrsUdt  und  fürsten  zu  Anhalt, 
welcher  clinr-  und  fl.  Gn.  wcissung  1.  Dt-  »ich  bequcmben  wollen.  Signatum  die  Jacobi  [25. 
Juli]  ICOI."  Cnlerteichnet  ist  dieses  Schriflatück  von  anderer  Hand  als  der,  welche  es  schrieb, 
mit:  „Hansa  Ernst  von  der  Asseburg, m.  pr.‘*  Es  macht  den  Eindruck  eines  Originals.  Am  selben 
Orte  findet  sich,  wie  schon  Harter  V,  82  Anni.  106  bemerkte,  ein  Schreiben  von  Christof 
Sigemund  von  Bila  an  Christian  von  Anhalt:  Er  ist  auf  Befehl  des  Fürsten  Johann  Georg 


100 


Die  I’fiilzer  salieii  sicli  durcli  Bruiidonburgs  Haltung  zur  Uiitliätig- 
keit  genothigt.  Es  wäre  ihnen  nur  nocli  übrig  geblieben,  sich  mit  dem 


TOD  Anhalt  aofort  su  Hana  Ernst  tod  der  hat  deoselbeo  aber  erst  nach  dessen 

[ihckltehr  aus  IlesacD  bei  einem  neuen  Besuche  am  i>.  Norember  gesprochen.  A.  bat  ihm  er* 
klärt:  ,, Alles  was  E fl.  Gn  er  hiabevor  dess  churrorstlicb  brandenhargischen  in  seinem  und 
hauptman  [?)  Molzers  beisein  pro  arebidoce  Alberto  der  rbmiKhen  kbnigliehen  wähl  halber  ge- 
willigten voii  wegen  noterthenig  berichtet,  au  Heidelberg  churfurstliebcr  Pfalz  selbsten  unter* 
tbenigst  io  der  person  oder  8.  chfl.  Gn.  herm  räthen  oder  wem  E.  fl.  6n.  solches  zu  offen- 
baren,  in  gna>dcn  rattsam  erraeuien  wDrden,  sofort  der  nuniehr  letzt  abzufertigende  diencr  wieder 
anlajigte.  obngescheuet  zu  enbiecken  und  unterthenig  zu  vertreten,  wie  er  dann  auch,  doch  mit 
gnetiigem  vorbewost  und  rat  hochged  £.  fl.  Gn.  geliebten  herrn  bruedern  Volrabtten  von  Pless 
Bolcbs  alles  mündlich  dnreh  meine  wenige  peraohn  zu  erkennen  gegeben  und  vor  ihm  bez*mgen 
lassen,  das  er  vor  Gott,  hnebstgedaebter  chorf.  Pfalz  und  menniglich  ufn  notfall  in  undertbe- 
iiigkeit  aussagen  könte  und  wolte,  dass  diese  ganze  sache  an  E.  fl  Gn.  von  ihm  au»«  unter- 
theniger  treuherziger  aflVtioo  zu  allgemeines  ratterlands  desto  mebrem  verboffenden  ruhen  und 
frieden  nntertheuig  und  dobei  nicht  mehr  oder  weniger  als  was  in  rechter,  gründlicher  sich 
knnflig  mer  erweisender  warheit  ihm  wohl  bewust,  untertheiiig  bericht  worden,  und  dass  er- 
raelter  von  Ph'ssen  solchs  seines  berichta,  so  er  mit  einem  an  ihn,  dann  auch  fürstlicher  TH. 
und  furst  Peter  Ernsts  zu  Mansfeld  an  ihn,  den  von  der  Asenburg  getbanen  und  sambt  etlichen 
articulo  E.  fl.  Gn.  onterihenig  gt-zeigeten  sclitviben  belegen  lassen,  zu  E.  fl.  Gn.  desto  mebrer 
ontscbuldigung  geburlich  nnterlbenig  eiodenk  zu  sein,  sieh  nicht  besebwern  wolte,  mit  fleiss 
suchen  lassen,  der  von  Plessi  n solchs  alles  auch  in  frennd.schaft  von  ihm , wie  ich  mich  ver- 
merken [?]  lassen,  aufgeuommen,  vertraulich  zu  behalten  und  zu  vorfallender  gelegeuheit  unter- 
thenigst,  insonderheit  zu  E.  fl.  Gn.  besten,  eindenk  zu  sein,  sich  unterschiedlich  erboten.  So 
ist  auch  an  E.  fl.  Gn.  mein  ganz  uutertbenigs  und  holies  bitten,  E.  fl  Gn.  in  gnaden  geruhen 
und  des  von  der  Asenburg  und  mein  goediger  furst  und  Herr  zu  sein  und  bleiben  ...« auch  ge- 
wiss dafür  zu  halten,  dass  an  untertheniger  müiglicbkeit  nichts  erwindon  soll,  Gott  helfende,  E. 
fl.  Gn.  unterthenig  getliane  bericht  mit  mebrem,  sonderlich  der  chfl- brandenb.  scbriftlichen  erkte- 
rung  zu  bosterken,  also  E.  fl  Gn  zuforderst,  demnach  uns  aus  allem  inisdenkcn  nnd  Verlegen- 
heit zu  erretten In  eil  Reupzig  den  1 [11]  november  an.  1601-**  Eigh.  Or.  Diese  Schrift- 

stücke geben  Über  die  Quelle  der  Mittheiluogen  CbristJans  von  Anhalt  Auskunft  Durch  ihn 
dürften  sie  an  den  Kaiser  gelangt  sein , da  a.  a.  0.  auch  das  Schreiben  des  Gbf.  von  der 
Pfalz  an  ihn,  worin  dieser  ihn  a.  August  zu  einer  Besprechung  mit  dem  Administrator 

von  Sachsen  und  zur  Abordnung  Dohnas  an  Cburbrandenbtirg  beauftragt,  im  Original  vorliegt. 

Vgl.  Briefe  u.  A 1,  n.  214  am  Schlüsse.  — Asseburg  stammte  aus  den  jUlicber  Landen  und 

kann  von  da  ans  mit  dem  brüaseter  Hofe  in  Verbindung  gekommen  sein.  Was  die  von  Ritter 

erwähnten  Bedenken  gegen  dis  Echtheit  der  von  Asseburg  den  Fürsten  von  Anhalt  gezeigten 

Briefe  des  Erzhzs.  Albrecht  und  des  Fürsten  Peter  Emst  von  Mansfeld  betrifft,  so  scheinen 
mir  auch  die  nicht  schon  von  Bitter  beseitigten  unerheblich.  Die  Auszeichnung,  womit  Asse- 
bürg  behandelt  wird,  erklärt  sich  daraus,  dass  er  nicht  belgischer  Untertban  war.  DassMans. 
fcld  den  Erzherzog  „den  durchlaachtigsten  Fürsten  und  Herrn"  und  den  Chf.  von  Braivdenburg 
nicht  Licbden,  sondern  Gnaden  nennt,  ist  regelrecht,  da  er  als  erst  vor  einigen  Jahren  durch 
kaiserliches  Deere!  ernannter  Reichsfurst  einem  Erzherzoge  oder  Churfürsten  nicht  gleicbstand. 
Die  Verschiedenheit  der  Anreden  an  Asseburg  erklärt  sich  durch  die  Verschiedenheit  des  Ranges 
der  Schreibenden.  Für  die  Echtheit  der  Briefe  spricht  auch  das  Urtheil  der  Auhaltiner,  welche 
dieselben  für  Originals  hielten;  dass  Asseburg  sie  durch  eine  Filachung  getäuscht  habe,  ist 


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101 


Könige  von  Frankreich  in  Fhnvoniehnien  zu  setzen.  Hierzu  trugen  sie 
jedoch  so  wenig  wie  früher  Lust.  Sie  trauten  ihm  seit  seinem  lleljer- 
tritte  zum  Katholicisinus  nicht  mehr  und  zu  anderen  Gründen  der  Verstimni- 
img  kam  , dass  Heinricli  im  strassburger  Bisthum.sstreit  nicht  lediglich 
die  'Wünsche  der  deutschen  Protestanten  mit  seiner  Macht  durchsetzen 
wollte  uml  dass  er  mit  den  Hugenotten  und  mit  dom  Herzoge  von 
Itouillon  in  Zwist  gerieth.  Sich  für  seine  Erhebung  zum  Kaiser  zu  be- 
mühen, waren  die  Pfälzer  ohne  Zweifel  nie  geneigt.  Sie  konnten  nicht 
verkennen,  dass  das  vergeblich  sein  werde;  das  nationale  Gefühl,  welches 
sich  gegen  den  Ucbei'gang  des  Kaiserthums  an  einen  Ausliinder  sträubte. 
iKJcintlusste  auch  sic  und  sie  fürchteten,  dass  der  ülunnniichtige,  absolu- 
tistisch regierende  König  der  deutschen  Libertät  und  Ijesonders  ihnen, 
seinen  Nachbarn,  gefährlicher  werden  könne  als  ein  Gesterreicher*'). 

Heinrich  IV  sell)st  hatte  sich,  als  die  Ordnung  der  Nachfolge  nicht 
so  ra.sch,  wie  er  erwartet  hatte,  erfolgte,  aufs  neue  mit  dem  Gedanken 
beschäftigt,  seinei’seits  nach  der  Kaiserkrone  zu  trachten.  Im  Anfänge 
des  Jahres  1601  liess  er  die  P'rage  von  Vertrauten  an  seinem  Hofe  und 
von  seinem  prager  Gesandten  Ancel  erörtern”").  Dann  verzichtete  er 
jedoch  endgiltig  auf  eine  Hewerbuug”’).  Als  ihn  der  Landgi-af  Moriz 


nicht  wahrscheioHcbf  da  dietelbe  za  schwierig  gewesen  w&re.  Wir  werden  also  annehmen 
dürfen,  dass  Albrocht  darch  Asscbnrg  and  den  diesem  beigegebeneo  Haaptmann  Mulzer  den 
Cbf.  TOD  Brandenbarg  für  sieb  za  gewinnen  sachte.  Dass  ferner  Joaehitn  Frie«lrich  sieh  unter 
der  oben  orwafanten  Bedingung  zar  Unterstützang  Albrechts  geneigt  erklärte,  ist  nach  seiner 
dem  Erzherzog  Maximilian  im  Februar  1601  ertheUbeu  Antwort  nicht  unwahrscheinlich.  Nar 
dürfte  er  nicht  eine  so  bestimmte  Zusage  gegeben  haben,  wie  A&seburg  beliauptete.  Wie  weit 
die  Friedensbedingnngen  für  IIollaiMl  den  Aufträgen  Albrechts  entsprachen,  muss  dahingestellt 
bleiben. 

337)  Vgl.  das  Gutachten  Ancels  and  das  Boratbungsprotokoll  in  Briefe  u.  A.  I,  8.  299  n,  440  f. 

338)  Lacombe  Henri  IV  et  aa  poHtiqne  493  ff.  und  Briefe  u.  Acten  1,  n.  224.  Ritter  sagt, 
das  letztere  Gutachten  müsse  im  Jahr  1000  oder  vor  dem  3.  October  1601  Terfaset  sein.  Es 
kann  nicht  nach  dem  5.  April  1601  TeKaait  sein,  da  der  am  7.  Juni  1599  erwählte  Chf.  Lothar 
von  Trier  als  „noureau  et  de  peu  d‘antorit^“  bezeichnet  wird,  bei  dem  Chf.  ron  Mainz  aber 
ein  solcher  Zasatx  sich  nicht  findet,  sondern  seine  Politik  als  bekannt  und  feststehend  geschildert 
wird.  Es  kann  also  nicht  der  am  15.  Mai  1601  erwählte  Cbf.  Adam  gemeint  sein,  eondem  nnr 
sein  Vorgänger  Wolfgang,  der  an  dem  erstbezeichneten  Tage  starb.  Ich  möchte  das  Gutachten 
in  dieselbe  Zeit  wie  die  bei  Lacombe  erwähnten  setzen. 

339)  Vgl.  Barotzi  e Berchet  Relazioni  degli  ambasciatori  Veneti  II,  I,  149.  Der  Geheimrath 
des  Cbf.  Ton  Köln  Bille  schrieb  aus  Lüttich  am  18.  Juli  1604  an  Hz.  Maximilian  Ton  Balero, 
der  Ul.  Ton  Nerers  habe  auf  dem  Wege  nach  Spaa  drei  Tage  bei  ihm  gewohnt  und  ihm  ge* 


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102 


voji  Hessen  im  October  1602  bei  einem  Besuche  dazu  anfiorderte,  er- 
widerte er  durchaus  ablehnend.  Er  sprach  nur  davon,  ob  sich  nicht 
Baiern  den  Oesterreichem  entgegenstellen  lasse,  und  beauftragte  schliess- 
lich den  Landgi-afen,  für  jenes  bei  den  Churfürsten  7.u  wirken“').  Auch 
dos  war  ihm  jedoch  schwerlich  rechter  Ernst'*'),  da  er  selbst  in  dieser 
Richtung  weder  bei  den  Churfürsten  noch  bei  Baiern  Bemühungen  unter- 
nahm und  es  geschehen  liess,  dass  Moriz  seinen  Auftrag  erst  einige  Jahre 
s|>äter  wenigstens  in  beschränktem  Umfange  vollzog“').  Er  dürfte  sich  bei 
den  Versicherungen  Ancels,  dass  Rudolf  II  Spanien  und  dem  Erzherzoge 
Albrecht  abgeneigt  sei  und  überhau|>t  niemals  in  die  Ernennung  eines 
Nachfolgers  willigen  wenle,  Iwruhigt’**)  und  nach  wie  vor  die  Wahl  des 
Erzherzogs  Matthias  für  wahrscheinlich  und  unbedenklich  erachtet  haben. 

Unzweifelhaft  würde  diese  auch  trotz  dem  Wideretrehen  der  Philzer  und 
trotz  den  Wünschen  Spaniens,  Albrecht«,  des  Churfttrsten  von  Köln  und 
des  Pajjstes  erfolgt  sein,  wenn  Rudolf  gewollt  hätte.  .\ber  dieser  war 
nicht  zu  bewegen,  sie  zu  betreiben  oder  auch  nur  zu  gestatten. 


I.\. 

Des  Kaisers  Gesundheitszustand  besserte  sich  seit  dem  Frühling  des 
Jahres  1601.  Die  Hallucinationen  und  Beängstigungen  stellten  sich  nur 
noch  selten,  bei  besonderen  Anlässen,  wie  etwa  zu  den  Zeiten,  wo  der 
Kaist>r  zu  beichten  j)degte“‘),  und  auch  dann  in  mindeivr  Heftigkeit  ein. 


„cbc  ü ri>  di  Francia  haT«a  rocdiio  «npra  la  corona  impcrio,  p«ru  da 

quattro  anni  in  qna  n'harca  Icvato  il  pen^icro  et  o^ni  prattica»  bareodo  riconoscioto,  cbö  nctn 
saria  ütato  Talile  delU  aaa  corona.**  Ma.  oi^b.  Or. 

340)  Cbr.  T.  Kominel  Goeebidite  von  Hessen  VII,  4tVJ  IT.  Briefe  a.  A.  I,  400  f.  VgK  Siri  M«- 
Diorie  rccondite  i.  10.‘>  f.  173. 

341)  Darauf  deutet  noch,  dass  Heinrich  in  seinem  Schreiben  an  Bon^arg,  worin  er  über  die  Ver' 
banJlungen  mit  Moriz  berichtet,  diesen  Anftrag  gar  nicht  berührt. 

342)  Wie  Moriz  damals  mit  Uaiern  rerhandelte,  wird  im  V.  Bande  der  Briefe  n.  A.  nützotheilen 
eein. 

343|  Vgl.  Uoinmel  a.  a.  0.  4ß.V 

344)  Vgl.  oben  Anm.  27(1.  Giacomo  ITendramin,  Seeretar  der  renetianischen  GesandtschaH,  der,  nach- 
dem Dnodo  am  3.  Norember  lß02  abgereist  war,  bis  zum  b.  October  1603  die  G^chafte  rer- 
sab,  schrieb  am  17.  Mürz  16(j3  dem  Dogen:  „Li  giorni  passati  Tlmperatore  e stato  talmeotc 
travagliato,  |«r  qaello  che  dicono,  da  catarro,  che  non  k uacito  di  camera,  maoeo  per  aodar 


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103 


Die  Mighaiullungon  seiner  Diener  hörten  auf*“).  Täglich  besuchte  er  wie<ler 
die  Messe  ®^*).  5Iit  den  Kapuzinern  söhnte  er  sich  aus  und  gab  ihnen  zur 
Eutscliadigung  für  die  ausgestandenen  Aengste  zweitausend  Thaler’'').  Er 
ergänzte  seine  Umgebung,  welche  während  seiner  Krankheit  durch  Ent- 
lassung oder  freiwillige  Entfernung  der  Kuiuinerherren  und  Diener  ge- 


ftlla  come  soleva  far  oeni  rnattina,  et  cori  la  notte  come  U ^iorno  ba  matulato  a cbianiar 

cpCAM)  il  medico  Goarinoai  per  consig^liarsi  sceo.  come  fa  per  ordinariu,  qoando  il  bii^o^DO  Ic 
pare  gmve.  Jo  }>erb  ho  8co{i€rto  Ja  persona  rnia  coiiliiente  et  ehe  lo  puu  8a|»cro,  eh^  il  male 
eia  maj^ifior  <li  opinione  clic  di  ciTetto  vero,  perchti  approRsimanJosi  la  Acttiiiiana  itanta,  nella 
qualti  S.  suolo  coofctiaarM  et  commanicarsi.  riesce  di  ^ran  peso  alla  S.  questa  foiitiune 
et  haremlo  particolanminte  dimandato,  »e  il  Pistorio,  «uo  ronffssorc  crtlinario,  h a Prafi^a  et 
flendole  gtatodcttoche  non,  si  e moltu  altcrata,  coat  prrclie  non  le  piucc  il  farlo  chiamare,  come 
aitco,  perebe  la  inutatione  le  rie^ce  noiosiRaima.  iton  sapendo  a cfai  voiUr«i.“  Immer,  wenn  er 
die  Sacrament«  empfangen  hat,  wird  er  plutxlich  heiter  „pareudole  «Rser  fnori  di  an  gran  tra- 
vaglio/*  1).  V.  12  Ur.  Am  dl.  Marx  Wriehtete  Vendrauiin:  ..Pnsfib  la  S.  il  merrordi 
aanto.  giorno  ordinario,  nel  qoale  anole  confei)«arai  et  commnnicarRi,  senza  farlo  et  la  notte, 
\encndo  ü gioredi,  loandü  a chiamare  il  Guarinoni  et  lo  trattenne  foral  doi  höre,  ragionando 
quaai  sempre  attorno  queslo  et  adducendo  di  non  aentirsi  molto  bene,  Toleva  prolangare  la 
fantionc  al  sahbuto.  ma  hnalmente  il  medico  raffatico  ianto.  che  la  fece  risolrere  u farlo  la 
rnattina  del  giovedi  et  bora  sta  bene,  poich«  ai  trova  fuori  di  qticl  travngUo  Con  tutto  queäto 
bavendo  roluto  li  pailri  cappunini  far  uua  procesaione  attorno  una  gran  piazza  cb’^  avanti  il 
loro  monasterio,  con  forse  sedeei  tra  Spagnoli,  Italiani  et  Bobemi  che  si  battevano  [geUselten] 
et  arrirar  con  essa  ail  an'  altra  chiesa  ch*e  poco  lontana,  le  fcee  S.  intendero.  ehe  non 
«'allontunassero  dal  loro  monasterio,  perebe  easeudo  qni  tal  cosa  nora,  non  haTerebbe  voluto, 
cbe  le  fosac  fatto  qaalcb*  insolenza;  ma  in  effetto  ha  lei  teinuto,  cbc  s'avvicinassero  tanto,  che 
lo  occorrcsae  di  veder  a far  quel  aegno  di  ^tenitenza.**  i).  V.  HS,  Or.  Diese  Mittheilungen 
und  namentlich  der  Vorfall  mit  den  Kapozinern  erscheinen  mir  als  Bestätigung  meiner  oben  S.  4-S 
aafgOfsteUten  Vermuthong  über  die  Ursache  der  Scheu  Kudolfs  ror  der  tkichte.  — Pistorios 
[s  über  ihn  Briefe  u A.  IV,  10  Amu.  2 und  im  BegUter  s.  v.]  kam  im  Norember  1600 
auf  Berufung  des  Kais>‘rs  nach  Prag.  Bon  garst  et  Mngelsbemi  epp.  p.  1.H6.  Jakob  Heil- 
brnnner  schrieb  am  HO.  Juni  ltM)l  an  Philipp  Marbach:  „Quid  Pistorios  in  aula  linpcratoris. 
ubi,  quantnm  ego  quidem  intelügo,  cliamnunt  haeret,  machinetur,  facile  divinare  licet.  Xuper 
confessiouari US  rel  poenitentiarius  Caea.  [nomlnatum?]  fuissc  atque  ab  eadem  ainplos  re* 
ditus  aniiuoa  obtinalsss  dieitur.  Dominos  contundat  Achilopbelem  illam  cum  Omnibus  suis  con* 
ailiia.'*  J.  Feclit  Epistolae  ad  Marbachios  p.  7U2. 

64Ö)  S.  Beilage  XVII.  Pistorios  schrieb  am  2.  April  1601  au  Hz  Maximilian  von  Baiern:  „Mit 
1.  Mt.  steht  cs  (Gott  lob)  besser  als  bissanhero  niemals,  das  wir  uns  nicht  genugsam  Torwon* 
dem  körnten  und  hoffen,  es  sei  alle  gefahr  vorüber,  welches  desto  gewisser  wehr,  wann  1.  .Mt. 
der  natur  ein  wenig  zo  hilf  kernen,  so  gleicbwol  schwerlich  erfolgen,  aber  doch  mit  der  zeit 
noch  hoffentlich  besch«ben  wird.**  Ma.  350/51,  9 Or. 

346)  S.  Anm.  :144. 

347)  Duüdo  an  den  Dogen  22.  Märi  1601,  D.  V.  31,  15  Or. 


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104 


liclitet  war***),  mul  war  auf  die  Wiedpi-bosotzung  der  erl<*dif!;ten  vor- 
nehmen Hofiiiiiter  und  llathsstellen  *"')  bedaclit. 

Wir  haben  erwähn^  wie  Chri-stian  von  Anhalt  hoffte,  ilem  Churfürsten 
von  der  Pfalz  leitenden  Einfluss  l)ei  liudolf  zu  erwerben,  und  wie  auch  von 
anderer  Seite  die  Meinung  gehegt  wurde,  diiss  der  Kaiser  gern  protestan- 
tische Fürsten  als  Ilathgeber  an  seiner  Seite  sehen  unil  Glanbensgenos.sen 
derselben  als  Itiitlie  bestellen  wenle ““l.  Nocli  um  die  Mitte  des  .lidires  1001 
hatten  der  Churfürst  von  der  Pfalz  und  der  Markgraf  von  Ausbach  bo- 

Manbart  an  Hz*  Maximilian  2.  April  lüUl;  kal.  Mt.  haben  jetzt  in  wenig  tagen  vier  hof- 
(lienerplix  ersczt,  unter  <lenen  auch  dem  Caspar  crjatallachneidcr,  bei  K.  H.  Dt.  villeicht  wo! 
beVant,  auch  ainer  gegeben  worden  nml  gilt  diur  jezt  anch  etwas  in  accessn  ad  Impcratorem/* 
Ma  ‘lO/lO»  *10*  Or.  Caspar  ist  wohl  der  bei  Harter  Ph.  I^ang  164  erwähnte  Kammtrstein* 
Schneider  Lehmann. 

340)  Vier  Reicbsbofrathe  waren,  wie  Manhsrt  in  dem  in  der  vorigen  Anmerkung  erwähnten  Urief<» 
bemerkt,  gestorben:  Georg  DesiJerius  Freiherr  Ton  Franenkofon,  [er  war  iriO'JiT  Reicb^kammer^*- 
ricMsprasident,  G.  M.d«  L ad  olf  De  jure  eamerali  commentalio  systematica.  Ap)wndiz  p Kl ; am 
2K.  Novembrr  15h:1  wurde  er  bairischei  Hofrathspräsident,  schied  jedoch  schon  LWi  aus  dem 
Dienste,  Md.  Hofzahlamtsrechnungen.]  ßoziieim,  Wambolt  Ton  Umbstatt  und  Freiherr  Christof 
von  Schlpiniz.  l^etzterer  starb  nach  Herichten  Prüntls  t.  1ü.  and  26.  Munt  zwischen  diesen 
Tagen  auf  der  Rückreise  von  Brannschweig.  Vgl.  über  ihn  Briefe  a.  A.  IV  und  V Register 
8.  T,  Das  Verzeichnis  der  Iteichsliofräthe  bei  Ranke  Z.  d.  Gesell.  2K7  ist  fülgenilcrmasseQ  zu 
ergänze»  und  zu  berichtigen:  .Hufraete:  [Freiherr  Hais  Friedrich  vonl  Hofman  und  Schleinitz 
pro  forma;  «erden  zu  keinen  geheimen  Sachen  gezogen;  [dies  wird  hier  ohne  Zweifel  deshalb 
behauptet,  weil  beide  Männer  Protestanten  waren;  dass  die  Angabe  unrichtig  ist,  beweist 
Mhon  der  Cinstand,  dam  beide  Vicepräsidentm,  also  die  eigentlichen  Leiter  de«  Keichshofratbcs 
waren.]  junger  her  [Kerditiand  von]  Trantson,  [Hans  Chri'-^tof]  Zott  von  Perticek  (vorher  in 
Innsbmck]  [Hans  Heinrich  von]  Nenhausen,  [Johann  Ludwig  von]  UIro  [der  1612  Keiclisvice* 
kanzler  wurde,  seit  15!r2  am  Hofe.  Hammer  Khlesl  III,  n.  4oü,  Kherenhiller  Contorfet 
11,  78;  b.  Joannis  Kerum  Mogunt.  Scriptores  I.  IloO  wird  er  ad  a.  1601:  „nobüitate  doetrL 
nammque  nsu  pra<'ataDtis.simus“  genannt.]  diese  drei  adflstaiit«,  heftig  papistisch;  gelorten;  dr 
[Paul]  Garzweilcr  [s.  Briefe  u.  A.  IV  a.  v.)  perseentor,  dr.  [Michael]  Khcm  [s.  a.  a.  0.  u. 
Stieve  Ursprung  de«  dreissigj.  Kriege«  Ij  referendariu«,  dr.  [Johann  Matthäus]  Wacker  [von 
Wackerfeis  s.  a.  a.  0.  und  Zeitschrift  f.  preuas.  Gesch.  V,  70,  Burma nn  Sylluge  epp.  1 
421,  431,  432,  *a04  IF.  D.  Kudolphi  II  epp.  303  und  C.  Scioppius  cptstola  de  sua  ad 
ortho<loxos  migratlone  1600  p.  l n.  6]  und  [Hubert]  Giphanius  [s.  A.  Wolf:  Lnca«  Geitkofler 
140  und  Prantl  Gesch.  d.  Lndwig*Mazimiliansuniver«itat,  I,  Register,  Briefe  u A.  IV,  desgl. 
Stiere  Polizeiregiiueiit  unter  Hz.  .Maximilian  von  Baicrn  66]  apostatae,  [Andreas]  Hannevrald 
[über  ihn  s.  Briefe  a.  A.  V.]  nunmehr  reichshofrat.*'  — * Fyzinger  Rel.  historica  LVJ3,  II. 
77  erwähnt  znm  Jnii  1563  die  Anstellung  von  Fraoenhofen,  Freiherr  Alexander  von  Sprinzen* 
stein,  gewramem  uiederöstcrreichiacheni  Kaminerrath.  Zott.  Garzweiler  und  Barritius  [di^e  beiden 
wurd.-n  nach  einem  Berichte  .Manharts  v.  21.  April  LWt  .Ma.  50/7,  12,  Or.  Mitte  April  Reichs- 
hofräthe,]  Kr  ftigt  bei,  es  sollten  noch  drei  Doctoron  angesteUt  werden,  so  dass  der  ReichshoL 
ratb  doppelt  so  stark  als  bis  dahin  besetzt  sein  werde. 

350)  S.  oben  S.  76  und  79;  vgl.  Briefe  u.  A,  I,  n.  195  Änra.  6. 


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105 


absichtigt.  iu  dieser  Itichtung  durcli  die  (Jesandten,  welche  sie  \md  ihre 
Freunde  damals  nach  Frag  geschickt  hatten,  auf  Rudolf  einwirkeii  zu 
lassen.  Die  Vertreter  der  übrigen  Füllten  hatten  jedoch  ihre  Mitwirkung 
versagt“').  <Tewis.s  würde  auch  nichts  eri-eicht  worden  sein.  Der  Kaiser 
war  über  die  Einsiii’uche  gegen  die  Gerichtsbarkeit  des  Keichshofrathes 
und  über  die  Verweigerung  der  rückständigen  Türkensteuer,  welche  durch 
Jene  Gesandten  übermittelt  wonlen  waren,  empört*“).  Ueberhaupt  hatte 
er,  seit  er  ruhiger  geworden,  der  Neigung,  mit  Protestanten  iu  Verbin- 
dung zu  treten,  entsagt.  Wir  hören  nicht,  dass  er  noch  mit  solchen 
verkehrte  und  Berlichingen  musste  im  Januar  des  Jahres  1602  den  Hof 
verlassen“*). 

Dort  erwartete  maii  längere  Zeit,  dass  Rum)>f  oder  wenigstens 
Trautson  wie<ler  zm-tickberufcn  werden  würden“*).  Es  geschah  jedoch 
nicht,  obwohl  der  Kaiser  sich  ihnen  sjiäterhin.  wie  erwähnt,  wieder  gnädig 
erzeigte’“). 

Als  Ersatz  für  sie  gedachte  der  Kaiser  anfangs  den  Grafen 
Karl  von  Hohenzollern  und  den  Freiherrn  Rudolf  von  Polweil  zu  ge- 
winnen, die  er  gleich  nach  der  Entlassung  jener  aufs  neue“*)  zu  sich 
berief“’).  Es  wurde  lange  mit  ihnen  verhandelt *’’*).  doch  erfolgte  ihre 


3.M)  Ä.  ».  0.  I,  n.  -ioc,  201  n.  200. 

3.52)  A.  ».  0.  n.  215  nml  21".  Im  fOiiftsn  Bsiuli'  wird  Weitere»  niitiathcilcn  sein. 

353)  S.  Beilage  XI  Arnn.  2.  Vgl.  Hnrter  Philipp  I.ang  104. 

3.54)  Präntl  an  Hx.  Maximilian  Ton  Baiern  7.  Octobor  1000,  5.  und  19.  Febmar  und  23.  April  1001. 
Ma.  50/10.  64,  13»  , IS»  , l»  Orr.  Ara  14.  April  berichtete  Manharl  demaelbcn;  Der  Kaixer 
bat  Peter  Koder,  den  Tielbekannten  Diener  Rumpfs,  der  auch  Hofdiener  war.  verhaften  and  in 
Ketten  nach  dem  fOnf  Meilen  von  hier  liegenden  Schlowe  BOrglii  bringen  lasaen.  Da  alle 
»eine  Sachen  versiegelt  worden  sind,  meint  man,  dass  auch  wohl  Rumpf  selbst  noch  in  Gefahr 
kommen  könne  Die  Ursache  der  Verhaftung  soll  sein,  das»  Roder  kecke  Reden  gethan  und 
als  der  Kaiser  ihn  deshalb  answiea,  Prag  nicht  sogleich  verlassen  hat.  A.  a.  0.  42  Or.  Am 
at.  April  meldete  Präntl.  Roder  »ei  schon  dnreh  eigens  verordnete  böhmischo  Landofttticre 
verhärt ; man  halte  die  Sache  sehr  geheim.  Der  ehemalige  Secretar  Rumpfs  und  jotxigc  Agent 
de»  Erxhis.  Matthias  Wittenhorst  sei  abgereist;  man  wisse  nicht,  ob  da»  mit  Ro.tera  Verhaf- 
tung inaanimciihSnge.  .Ma.  .50/10,  49  Or.  Weitere  Nachrichten  fehlen. 

355)  S.  S.  .54. 

356)  S.  S.  42 

357)  Präntl  an  Hx.  Maximilian  von  Baiern  11.  und  IS.  November  lOOO,  51a.  50/10,  24  n.  73  Orr. 
Bougarai  et  I.ingelshemi  epp.  136.  Vgl.  oben  S.  .55. 

358)  Polweil  reiste  erst  Anfang  Februar  1601  ab  Manhart  an  Hx.  Maximilian  von  Baiern  5.  Fe- 
bmar  1601.  5Ia.  50/10, 11  » Or.  Präntl  erwähnt  Zollern  noch  am  29.  Januar  1601  als  anwesend. 
Das.  9»  Or. 

Abh  d.IU.Cl.d.k.Ak.d.Wi*s.XV.Bd.  I.  ibtb.  14 


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10« 


Krnonniiiig  nicht.  Vennuthlich  trugen  sie  seihst  Sclieu.  sicli  den  Launen 
ItudoUV.  preis/.ugehen  und  die  durch  diese  überHUS  erschwerte  Aufgabe, 
welche  ihnen  ange.snnnen  wurde,  zu  übernehmen 

So  blieb  denn  Liechtenstein  Verwalter  des  Obersthofmeisteraiiites 
und  des  Vorsitzes  im  geheimen  Käthe“'),  Mollart  Verweser  des  überst- 
kämmereramtes“").  .\ls  Obei-sthofniarchall  wuitle  am  12.  .Miirz  1602 
Jakob  von  Brenner.  Freiherr  zu  Stübingen,  eingefühit i.  I)en  Voreitz 
des  Keichshofrathes  übernahm  Anfang  April  ItiOl  der  Landgraf  Georg 
Ludwig  von  Leuchtenlwrg  doch  weilte  derselbe  damals  und  in  der 
Folge  nur  vorül>ergehend  in  Frag.  Zuin  Naclifolger  dtw  Hofkaniuier- 


Jt59)  V'gl.  Beilage  XVll.  Duodo  berichli-t**  über  Zollern  am  *^5.  Norcmber  I6<)0:  ,,E  in  concetio  di 
dover  eisore  msggiordomo  maggiore,  ma  p«r  non  in(«nd«re  ue  parlare  altra  iingoa  cho  l'Ale- 
mana.  viene  stimato  gran  CMntrario  i>er  qacata  carica.”  D.  V^.  315  Or.  Polw«*!!  rrtchoint 

im  selben  Jahr«  ab)  Statthalter  itn  ö4«rreichiacbcn  Elaa«!».  Agricola  Historta  provincia«  S.J. 
Gcnnaniae  loperioris  III,  •>. 

'160)  Soioe  endgültige  Krncnnnog  erfolgte  erst  im  J.  1606;  am  30.  Ociober  wünschte  ihm  Kmhi. 
Albrecbt  Glück  daxn  and  erbot  sich  zngleicb  xn  •wirklicher  Krkenntois  für  sein«  gute  Gesin- 
nung.* Bra.  Sccret.  d'Allem.  N.  305,  2 Copie. 

361)  Am  2t>.  Janaar  1601  meblete  Frantl,  Mollart  solle  ernannt  sein,  sei  aber  nocii  nicht  Torgestellt 
womlen.  Ma.  50/10,  9*  Or.  Ob  er  endgültig  i'rnannt  wunle,  ist  nicht  überliefert.  Vgl.  Hammer 
Khlefl  I.  U*7  Anm.  1. 

862)  Manhart  an  Hz.  Maximilian  ton  Baiern:  Der  Kaiaor  bat  letzten  Dienstag  Breuuer  nU  <')berat* 
hofmarsehall  «auch  voikomlich  installiert."  16.  Marx  1602.  Md.  Generalia,  Zeitnngen  1.  Or.  Am 
19.  Januar  hatte  M.  gemeldet»  Brenner  „berait  angenommener  hofmarschalk"  werde  nächstens 
kommen.  Ma.  50/17.  162  Or.  Am  24.  December  1603»  wurde  B.  als  geheimer  Bath  installiert. 
Bericht  Hodenini'  an  Hx.  Maximilian  von  Baiern  t.  29.  Ma.  50/11,  127*  Or  Vgl.  über  ihn 
KhoTeiihiller  Conterfet  II,  219  nnd  Harter  IV,  111. 

H6^l)  Schon  am  22.  Jnni  1*V.^  war  er  wahrend  des  regensbnrger  Ueichtages  xnin  Iteichshofraths- 
prisidenten  ernannt  worden,  Briefe  u.  A.  IV,  ]k5  Anm.  4,  doch  hatte  TranUim,  wie  ea 
scheint,  das  Amt  weiter  verwaltet,  obgleich  B.  seitdem  den  Titel  führte.  Bei  jenem  Keiclistage 
war  ihm  vom  spanischen  Gesandten  aach  eine  spanische  Pension  und  das  goldene  Vliess  ver- 
sprochen worden.  Um  Beides  mahnte  er  wie  in  den  vorliergtdienden  Jahren  wiederholt  so  noch 
am  5.  Janaar  160H  bei  Erxhx.  Albrecbt  an.  in  dem  letzteren  Briefe  mit  dem  melancholiechen 
Znsatxe:  ..ich  bin  zum  Unglück  geboren."  Hra  Secret.  d'Allem.  N.  2^16.  8,  7,  9,  22.  2^  eigh. 
i^rr.  Am  IH.  Augast  1600  meldete  Duodo:  B.  ist  zum  Reichshofrathsprasidenten  and  {^buimon 
Käthe  ernannt  worden  signore  cattolico  et  in  molta  stima  nella  Germania  et  si  tieo«. 
che  Sara  atata  ottiina  elettione."  Er  ist  vor  einigen  Tagen  wieder  abgereist  und  es  heisst,  er 
werde  erst  im  Januar  zurückkehren.  D.  V 30.  1K9  Or.  Heinrich  von  Haslnng  berichtete  am 
14.  August  DM)0  ans  Frag,  es  seien  ihm  OüoO  61.  tiebalt  versprochen.  .Ma.  147  1.5,  9 Or.  Am 
17.  Miirx  IGOl  kam  er  wie<ler  nach  Prag,  Anfang  April  wnnle  er  aufs  neue  ernannt  und  führte 
am  13.  zum  ersten  Male  den  Vorsitz.  Berichte  Prantls  v.  19.  März  und  15.  April  1601.  Ma. 
50/10,  22*  und  50/17,  47  Orr.  Vgl,  Briefe  and  Acten  IV.  Hegisti-r  u.  Stieve  Ursprung  1,39«. 


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1U7 


Präsidenten  Hofinann“')  wurde  iin  Februar  1602  Wolf  von  Unverzagt, 
Freilieri-  zu  Kbonfurtli  und  Itetz.  ernannt“^).  Am  16.  November  des- 
selben Jahres  endlieli  wimle  Graf  Friedrich  von  Fiirstenberg  als  gelieiiner 
Rath  vereidigt ’**).  Ausserdem  traten  vier  neue  Reichshofräthe  in  Dienst**'). 

Die  Wiederbesetzung  der  Aemter  beseitigte  indes  nicht  die  Langsam- 
keit und  die  Unordnung  in  der  Erledigung  der  (res<'hHfte.  welche  durch 
die  Erkrankung  Rudolfs  und  namentlich  durch  die  Entlassung  der  alten, 
mit  allen  Regierungsangelegenheiten  w<jhl  vertrauten  Minister  herbeige- 
führt worden  waivn. 

Vgl.  Anm.  125,  S.  50  tiD<1  Beilage  VII.  Am  4.  Deceinber  PtOO  berichtete  Daoiln,  Hofniann  sei 
entlassen  wonUn,  „cm  vecchio  et  heretico“;  als  Nachfolger  nenne  man  ,JI  s'  |;*rainer  (Peter?J 
bnonissimo  cavagliere  ot  cattoUco,**  D.  V,  30,  2^3  Or.  Am  0.  April  1601  nennt  jedoch  Printi 
tmt^T  den  „vornehmsten  camemles“  an  erster  Stelle  einen  HofmanQ,  der  wohl  nnr  Ferdinand 
sein  kann.  Jfa.  50/10,  38*  Or. 

365i  Hammer  Khlest  1,  205  nnd  Hormayr  Archiv  20,  2-4T.  Er  erscheint  1562  ff.  als  Hofoecretär 
2Q  Wien.  Hammcrl,28,:t0;  1571— 78  als  Keichahofrathssecretar,  Bau  pach  Evangelische«  Oester- 
reich 11, 2<.hü,  260,  208;  1503  als  Kanzler  des  Entlirriogs  Matthias,  das.  IV,  Beilage  36.  Vgl.  oben 
S.  30  und  5fi.  Hammer  Khlesl  I.  PlÖ,  13U,  10-5  ff.  230  n.  137,  141,  144.  167,  II.  n.  261 
tS.  1781  und  Raupäch  IV,  154.  In  einem  Berichte  an  Hz.  Wilhelm  von  Batem  v.  12  Dec. 
1503  bezeichnet  der  wiener  Agent  Huberstock  Unverzagt  als  „qnasi  omnipotens“  bei  Matthias. 
Ma.  147/11,  102  Or.  Manbari  nennt  ihn  .am  7.Sept.  1503  den  .,fumemb«ten  mann*'  derErthzz. 
Ernst  and  Matthias.  Ma.  .50/7,  17  Or.  Am  26.  Mai  1602  «rhrieb  derselbe:  „Herr  Unverz^t 
thnct  grosse  Sachen  in  seinem  neuen  dienst  des  hofeammerpraesidentenampU,  als  dass  sich 
auch  I.  Mt.  und  die  lurnembi^ten  alliie  darüber  verwundern.  Er  »oll  bereit  das  kringswesen 
mit  guetter  verUg  bei  300000  fl.  an  geld  niid  sonst  auch  mit  der  prufant  ein  solche  fürsehung 
bestelt  haben,  dergleichen  noch  nie  beschehen.'*  Das.  175  Or. 

366  » 0.  Vendramin  an  den  Dogen  18,  November  1602  D.  V,  32,  251  Or.  Er  bemerkt:  „fe  »oggettu, 
dicono,  di  molta  esperienza  et  fo  alire  votte  presideiite  d<'Ua  eamera  dl  äpira/*  Der  K^ser 
selbst  habe  der  Vereidigong  ang*  wohnt  und  sich  dann  mit  K.  allein  eine  Zeit  lang  )»esprochen 
F.  kam  Ende  Augnst  nach  Prag.  Bericht  Manbaits  v.  2.  September  DMr2,  Ma.  50/7,  188  Or 
Wie  Bodenius  am  3],  August  meldete,  verhandelten  Hornstein  und  Flarvitius  mit  ihm.  doch 
wollte  er  anfangs  nicht  annehmen.  Ma.  50/17,  125  Or.  Vgl.  K.  .Münch  Geschichte  d^  Hausrs 
ond  Landes  Fürstenberg  II,  237  ff.  — Ueber  die  Versuche  des  Cardinal«  Dietrichstein  geheimer 
Uath  und  Cardinal-Proteetor  für  l>ent«chland  zu  worden  vgl.  Chlumecky  Carl  von  Zierotin. 
247  ff,  G.  Vendramin  meldete  am  4.  November  1602,  D.  sei  am  *2.  nach  Prag  gekommen , um 
Mitglied  und  Priaident  des  geheimen  Küthes  zu  werden : man  glaube  nicht,  dass  es  ihm  ge- 
lingen werde,  „essendo  egli  tutto  8pagnolo  et  poi  eccUaiastico."  D.  V.  32,  2i0  Or.  Am  0.  De- 
cember  beriebtete  er,  D.  habe  Audienz  gehabt  und  neben  der  Protection  u.  A.  „licenta  di  pu- 
blicar  an  editto  contra  li  hendki  sotto|M>Bti  alla  siia  giurisdittione^'  verlangt;  hierauf  ..l'lm- 
pemtore  l'ha  lodato  molto  dcl  zolo  ehe  ha  nella  religione  cattolica  et  le  Ita  data  IntentioDe  di 
compiaeerlo das  Edict  sei  schon  veröffentlicht.  Das.  2W  Or.  Am  2**.  December  versicherte 
Vendramin,  die  geheimen  Käthe  begünstigten  D.  in  Bezug  auf  das  Protectorat,  Barvitius  aber 
sei  für  Paravicino;  dos.  271  Or.  Daun  erhielt  D.  den  Titel  eines  geheimen  Käthes  „ma  non 
entrata  in  eonsiglio.”  V^^ndramin  *40.  Dec.  1602,  das.  275  Or. 

367)  Ein  Graf  von  Oettingen,  ein  Graf  von  Lippe,  Dr.  Christof  Schwarz  und  Dr.  Engelmeyer. 

14» 


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108 


Das  Leiden  Rudolfs  wirkte  nach.  Der  venetiaiiische  Gesandte  Duodo, 
der,  um  sich  zu  verabschieden,  ini  October  1602  Audienz  erliielt.  fand 
ihn  sehr  g;ealtert  und  krankhaft  bleich““).  Er  vermochte  sich  nicht  der 
schwennüthigen  Verftiinnnmfi  und  der  Menschenscheu,  die  ihn  l)efallen 
hatten,  zu  entringen.  Auch  l>lieb  ihm  di(^  Furcht  vor  Attentaten,  welche 
durch  eine  Pwphezeihung  Rrahes.  er  werde  wie  Heinrich  III  von  Frank- 
reich durch  einen  Mönch  ermordet  werden,  befestigt  worden  sein  soll. 
Nie  Hess  er  sich  mehr  in  <ler  Oeffentlichkeit  sehen“''),  verborgen  wan- 
delte er  durch  die  Giinge  und  Gallerien.  die  er  sich  im  .Schlosse  erbauen 
Hess,  und  durch  die  Garten  und  Stulle,  die  kein  Fremder  betreten  durfte: 
sogar  in  der  Kirche  entzog  er  sich  den  blicken.  Niemand  ausser  seinen 
Dienern  durfte  ihm  nahen,  ohne  dass  er  ihn  berief’'").  Ausseroiiientlieho 
Gesamlte  und  Andere,  die  in  ihren  .\ngelegenheiten  nacdi  Prag  kamen, 
mus.sten  in  der  Regel  Monate  lang  warten,  ehe  sie  vorgelasseii  wurden, 
und  erhielten  dann  die  Weisung,  sich  auf  eine  möglichst  g((driingte  ,\n- 
gabe  ihres  Begehrens  zu  beschränken“”).  Die  ständig  am  Hofe  weilenden 
Gesandten  konnten  Jahre  lang  kein  flehör  erlangen.  Hatten  sie  etwas 
anzubringen,  so  mussten  sie  es  schriftlich  thun”’)  und  derselbe  Weg 
mn.s.ste  in  der  Regel  überhaufit  in  allen  Geschäften  eingeschlagen 
werden’”).  Die  Ueliermittelung  dei'  Eingaben  lag  nach  wie  vor  in  den 
Händen  der  Kammerdiener  und  anderer  untergeordneten  Leute  aus  der 
nächsten  Umgebung  des  Kaisers  und  deren  Wort  war  wie  für  die  Er- 
ledigung jener  so  für  die  Verleihung  von  Aemtern  .und  Gnaden  von 
weitgreifender  Bcsleutung.  Der  mächtigste  unter  ihnen  blieb  Machowsky. 

;368)  Bericht  Daodos  r.  7.  OttÄber  UiU'J  I>  V.  ;{2,  -JO«  Or. 

869)  i’ranti  an  Hz.  MaximiUan  Ttm  Haiern  April  16bl:  Man  hoffte.  «1er  Katiter  wenlf  zur  hi 
Zeit  in  die  Kirche  koinmcu  un<l  dich  wieder  einmal  sehen  lassen,  wie  denn  im  Dom  un«l  in  der 
Allerhcili^enklrclie  BoUtühte  fOr  ihn  lier^richtet  worden.  Kr  ist  jedoch  nicht  «Mvchlcncn;  ea 
hrisst  oar,  er  «ei  rerbor^en  in  der  Kirche  i^ewesen.  Ma.  Äy/l«,  dtf  Or,  V'fjl.  Beilage  XVII. 

870}  Dttodo  an  drn  ik>gcn  11.  Juni  1601  : „8.  non  iasciandosi  parUre,  »e  non  a chi  lei  ruolc.'* 
D.  V.  81.  88  Or. 

871)  Vgl.  Briefe  n.  A.  T n.  198  Z.  8.  Die  protestantUchen  (iosaadten  erhielten  wohl  so  rasch 
Anilicnz,  weil  sie  der  Kaiser  entfernen  wollt«. 

37*2)  Berichte  Dnodoa  t.  15.  October  1601  [der  rranzöei&cbe  Gesandte  konnte  keine  Audienz  erlangen* 
um  die  Gebnrt  dea  Daa{>hin.s  anzuzßigen  ] 80.  September  u.  7.  October  1602,  D,  V.  81,  *20?^, 
82,  *204  u.  *206  Orr.  Sic  sind  anch  im  Fulgenden  benutzt.  G.  Wndratnin  schildert  in  Berichten 
T.  24.  un<l  81  Miirz  1608,  welche  Mähe  es  kostete,  nur  zu  erfahren,  ob  der  Kaiser  eine  Ein* 
gab«  wirklich  gelr-sen  habe  Das.  88,  24  u.  28  Orr. 

878j  V^gl.  die  Scbilderung  Soninzoa  b Gindely  1.  44 


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Nel)en  ihm  kam  allmahlicli  iUt  Kaiimu'nlieuoi*  l'lhlii>p  Lang®'^).  ein  ehe- 
maliger Jude.  em|ior.  Von  den  liätlieii  des  Kaiseis  hesnssen  Hornstein. 
Barvitius  und  dann  aueli  rnverzugt*"^  grossen  Einlluss.  aber  nur  Barvi- 
tius  dui’fte  l)eiiialie  taglieli  und  nielit  selten  »Stunden  lang  mit  Hiulolf 
verhandeln.  Dagegen  liatte  im  Oetoher  1001  Iiieehtenst(*in  seit  zwei  Afo- 
naten.  Coraduz  seit  langer  als  einem  Imihon  Jahre  keine  .\ndienz  mehr 
erhalten 

Die  Annahme,  ilass  Ilndolf  sieh  nicht  mit  den  liegierungsangelegen- 
heiten  befasst  habe  und  diesellien  ibm  gleiebgidtip:  gewesiui  seien,  ist 
irrig*”).  Er  zeigte  sieh  in  denselben  wie  frülier  wohl  iinterriehtet  und 
einsichtig und  war  mit  krankhafter  Eifersucht  darauf  bedacht.  Herr 
zu  bleiben.  Niemand  wurde  gewagt  haben,  eil»  zu  seinen  Händen  ge- 
richtetes Schi*Piben  zu  erlirechen  *'■').  Vielfach  handelte  er  ohne  Wissen 
oder  gegen  die  Ansiclit  .S4uner  llätlie,  und  überall  wollte  er  selbst  die  Ent- 
scheidung trefft*!»  *■*').  Gerade  hierin  lag  die  Hauptursaclie  der  Vers<’hlej)pung 

S74l  Vg].  Htirter  Philipp  LAßg.  Kammerliencr  Kaiser  Umblphs  II.  Schaffhausen  Ih.M  uq«)  Chin- 
in ec  ky  Zierotin  249. 

S75)  Ö.  Chlumccky  240  ff,  nml  24yAnni.  S»2.  ontl  oben  Änm.  a:W>.  Am  1.  Mai  !»H>2  schrieb  der 
KrzbUchof  ron  Salzburg  an  Blasias  Haeter:  „Am  k<tifieHichrn  huff  gliett  css  zu,  <!as  ofs  schier 
oitt  wol  L^er  »ein  khueiult.  linrrUiu  regiert  alless.  Der  Ut  eben  iler , win  ich  in  hioror  be> 
schriben;  halt  laider  die  Sachen  bei  trrjWr  so  weitt  bracht»  das  man  schier  Uit'ijijisdtrn  kaUer 
nitt  CO  gar  abgOnstig  als«  SjHUÜn.  Mitt  Fiual  will  man  gross  bäum  ausreissen  undt  nichts 
dorwider  hOren  und  wer  nur  boes  ttjuiHinch  ist,  der  gilt.“  Br».  Secret.  d'Allcra.  N.  24».  ü4  eigb. 
Ur.  Am  VI.  Angust  IWrj  schrieb  derselbe : „Die  handlang  bei  dem  hii^erfichcu  ho/f  belangendt. 
haben  der  zeitt  der  ortten  wenig  andere  den  tudritt  ausser  des  Btttritii  und  dess  r»rrr:utfteit.*' 
Das.  J»y  eigb.  f»r.  Dtiodo  nennt  am  5.  August  1002  ünrereagt  „uno  delli  pin  favoriti  et  con- 
lidenti  iiiinistri  di  S.  I).  V.  :i’J,  14d  Or.  Auf  Unverzagt  bezieht  ea  »ich  auch  ohne  Zwei- 

fel, wen»  Khlesl  b.  Hammer  I,  Beilagen  S.  :t02  am  4.  Januar  10!j;l  sagt,  der  Kaiser  sei 
gegen  ihn  vielleicht  von  denen  eigcnoininen,  ..(lui  hoc  tempore  ijuotidianuiD  habent  ad  S 
aceeaanm  “ 

.S76i  ä,  Beilage  XVII.  vgl.  Hammer  Kblesl  I,  UKi  Anni.  2.  Am  21.  Dcccmber  1002  meldete  Bo* 
denius  dem  Ht.  von  Baierii  als  etwas  Ungcwühuliclie»,  dass  der  Kaiser  seinen  geheimen  Rathen 
Insgesamint  und  dann  Liechtenstein  besonders  Audienz  ertheilt  habe.  Ma.  50/11,  '.»0  Or. 

:177)  Manbart  berichtet  z.  B.  am  2.  September  lt><i2:  „1.  ksl.  Mt  lassen  ir  diss  werk  (den  Türken- 
kriegj  ainmal  hoch  angelegen  sein,  also  dass  si  selbst  ain  modell  geschickt  ainer  Wagenburg, 
wie  auch  der  veind  möchte  vor  \Veia«ienburg  mit  wenigem  volk  besueebt  und  an  seinem  intcut 
Tfrhiodert  werden.“  Ma.  'iO/7,  Or. 

Vgl.  oben  B.  x7  n,  Anm.  :!26  und  Gindcly  Rudolf  U.  I,  .’i7  Anm.  1. 

:l7yj  ü,  Vendramin  an  den  D<^n  ■!!.  MSrz  I>,  V,  :i:t,  2S  Or. 

:!M»  Vgl  oben  Amu.  u.  Aum.  :i2h.  Am  M.  Mai  1601  schrieb  der  Riibischof  von  Salzburg 
dem  Erzbz.  Albrecbt:  „Sonsten  au.sser  diss,  das  kaiscr  keinen  brader  noch  i|pr  zeit  umb  sieb 
will,  nemmen  sich  I.  5ft.  umb  die  geseliaf!  ziinbUcIi  stark  an  und  ruesten  sich  zu  ainem  star* 


110 


ilei'  Gesfhiifte.  Hfi  tlt>r  {ri*vinffpn  Entwicklung,  welche  die  St.nitsverwal- 
tmig  bis  ilaliin  gewonnen  Imtte.  bedui-ften  iiiicli  sehr  unbedeutende  Mass- 
regeln  der  rntei>>chrif‘t  des  llen'schers.  Hatte  Rudolf  dieselbe  wie  an- 
dere Fürsten  gedankenlos  ertheilt,  so  hätten  die  Geschäfte  durch  die 
Minister  rasch  zuiu  Abschlüsse  gebracht  werden  können.  Da  er  nun 
aber  auch  diesen  gegeiüibtu'  sein  Ans<'hen  und  seine  Gewalt  voll  be- 
haupten wollte,  sich  jeiloch  in  wichtigen  Fragen  nur  schwer  entschliessen 
konnte  und  wenn  er  duirh  eine  solche  beunruhigt  war.  bis  zu  ihrer  Erledig- 
ung alle  Sachen  liegen  liess.  wurde  der  Gang  der  Regierung  schwer  gelähmt 

Die  unvenneiilliche  Folge  der  L'uzugänglichkeit  Rudolfs  und  der 
Vei'zügernng  iler  Entscheidungen  war.  dass  die  .Minister  und  Rätho  selbst 
in  ihri'ii  .\rbeiteii  veislrossen  und  lässig  wurden.  Liechtenstein  hatte  an- 
fangs zu  einer  ilui'chgreifenden  Reform  des  Hofwesens  Schritte  getlian*’’), 
bald  aber  liess  ei’  die  Hände  sinken.  Er  fühlte  sicli  überall  durch  die 
Langsamkeit  der  Ent.schlie.ssungen  Rudolts  behindert  und  da  er  sich  über- 
dies ni<-ht  in  Gnadi-n  sah.  ilachte  er  fort  und  fort  daran,  seinen  .VbschkHl 
zu  nehmen“'^'),  .\iich  (’oradiiz  hcirte  die  gleiche  .Vbsicht und  el>enso 

keti  vcliizQiT  tür  diss  jar,  inmassen  «lann  an  alle  kruisä  tleh«  reichst  liilf  be>ri^rt  wird.“ 

ßti.  N.  '23  eigb.  Or.  die  ganze  Sudle  in  Ciülfern.  IV  bei  Chlumccky  243  ein  iViftpiel 
t*Ur  sein  Handeln  gegen  die  Ansiclit  «einer  iMthe;  einen  Beleg  Tilr  die  Selbständigkeit  seines 

Urtheils  aus  frQlierer  Zeit  s.  Briefe  n A.  IV,  27.  Vgl.  auch  oben  Anm.  7^.  Der  venezian- 

isrlie  (Gesandte  Francesco  Pnuli  bemerkt«*  »ni  12.  October  DJOl);  hNou  c'i  ebi  ar<liafA  fare  cnsa 
.ilcuna  tenzn  l’aMen»»  di  lei  ]ier  il  rigorc  che  usa  contra  chi  si  ruol  urogare  piü  di  quollo 
oIiVIIh  gli  da,  e sc  bene  poco  gnsta  d'iugerirei  nel  governo,  nondimeno  piii  tosto  lascit»  correr 
II  disordini  che  pennetter  ad  aUri  il  riincdiarvi  arhitrariftmentc.“  D.  V.  43,  42  Or. 

3^1)  TliutMiclien  aus  den  späteren  Jalir«-n.  ilbor  die  wir  besser  nnterriebtet  sind,  stützen  diese  Sehlnsg- 
foigernng  Vgl.  auch  Hammer  I,  n.  271  n.  *272. 

:h^2)  Manhurt  an  Hz.  Muzimilian  von  Baiern  13.  Januar  1001:  „Herr  Carl  von  LiechtensUin  erzaigt 

sieb  als  oberster  holTmaister  in  seiner  Verrichtung  gar  tb-issig  und  gibt  mau  imo  berait  «las 

lob,  er  .«lei  ein  guetter  wirth  “ Er  bat  »Ich  von  der  Hofkaminer  onil  von  der  böhmischen  Kammer 
Verzeichnisse  des  EinkommeuK  von  d«  n kaiserlichen  Gütern  f, .daran  man  gleicliwol  hart  kom* 
tneii")  Qod  Verzeichnisse  «1er  Kosten  des  Hofhaltcs  gfUm  lassen.  Ma.  riu/io,  0 ür. 

3M3r  S.  s.  Schreiben  v.  30.  October  Idol  b.  Hammer  Khlesl  I,  ii.  14o  Duo«io  berichtete  an  «len 
Dogen  schon  am  4.  December  1300;  „BAgionando  un  giorno  «bjmesticament.*,  come  spesKo 
iii'iticontru  di  farlo,  cots'  «Ii  Lieetistain,  nii  dUse  in  contidenra,  cb‘eg1i  trovava  qui  tanta  repug* 
nanza  n«^lla  celerita  delle  ressolutioni.  che  certo  «entiva  piii  pena  in  quegto  che  in  lutto  il  xesto 
«iella  carica  che  gli  e adossata.  et  du*  doveva  esser  compassionato  «la  tutti."  D.  V.  «lO,  2S3  Or. 
Am  2o.  März  I6u2  schrieb  Duodo:  , .Continua  pol  il  LichtUtain  nci  soliti  snoi  disgusti  et 
HO  ben  io  faccia,  quanto  posao,  perche  non  »i  pieclpiti  nelle  re«»so)ntioni.  tuttavia  io  bramo.  che 
qn«^ta  liiateria  de*Uscochi  preiida  qualcbe  buoii  a«set(ainento  nel  temposuo,  perche  se  lui  partiase, 
certo  dubiterei,  che  ci  fosaeru  delle  difticoltä.“  D.V.32,  l.jOr.  Vgl.  Chlomecky  Zierolin  324  über 
die  Absicht  des  Kaisers,  L als  Gesandten  nach  England  zu  schicken  und  «leasen  Weigerung,  weiter 
Tbaler  vorgcsch«^sen  hatte,  die  er  nach  seiner  Entfernung  von  Frag  zu  vcilieren  Türchtete. 

•484)  S Beilage  XVII,  die  auch  iin  Folg(*n«]eo  benutzt  ist. 


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lU 

wollte  UiiverKilgt  schon  Ende  IfiOi  seinen  Dienst  wieder  aufsagen 
Der  Zusaninienhalt  der  Uegierung  lockerte  sich.  Jeiler  timt . was  er 
wollte  und  trieb  seine  eigene  Politik.  Die  geheimen  lüithe  hielten,  wie 
ein  bairischer  Gesandter  iiii  Üctober  1601  klagt,  nicht  mehr  ivgehiiiissige 
Sitzungen®")  und  die  einen  brachten  die  Zeit  mit  Damen  hin’'’'),  die 
anderen  mit  S|)azierenfahren. 

E.S  kam  hinzu,  dass  die  Zahl  der  Minister  mul  lliithe  der  ungemein 
grossen  Last  der  Geschiifte  gegenüber  zu  gering  war.  Tüchtige  Miinncr 
alwr  Hessen  sich  schwer  gewinnen,  da  die  unerfreidichen  ZiLstfinde  am 
Ihife  bekannt  waren  und  .Teder  fürchten  mochte,  ähnliches  Geschick  zu 
erleiden  wie  llumpf  und  Trautson.  W iederholt  erwartete  man.  dass  der 
Kaiser  auch  seine  neuen  Minister  wieder  von  dannen  jagen  werde’”.) 
Selbst  IJarvitius  sagte  jenem  bairischen  Gesandten:  ..Wir  leben  in  <len 

Tag  hinein  und  wissen  nicht,  wie  bald  Alles  d'runter  und  d’rüber  gehen 
wird.*'  Fortwährend  bedrohte  das  Mistrauen,  welches  den  Kaiser  erfüllte, 
seine  liäthe  mit  l'ngnade. 

Ebenso  argwöhnisch  und  eifersüchtig  wie  jene  beobachtete  er  nun 
auch  seine  Hrüder  Matthias  und  Albrecht.  deren  Einem  er  die  Nachfolge 
sichern  sollte.  Die  Sorge,  welche  er  alle  die  .lahre  ilaher  gehegt  hatte, 
dass  er  durch  den  Erwählten  seiner  Macht,  wenn  nicht  des  Thrones  lie- 
raubt  werden  würde,  verlioss  ihn  nicht®*).  .Seit  sie  sich  im  October  1600 
gegen  .Matthias  gewandt  hatte,  war  er  demselben  überlmujrt  weniger  ge- 
neigt*"'). Gegen  .Mbrecht  bewahrte  er  den  alten  Groll*"')  und  dei-selbe 
wuchs  ohne  Zweifel  mit  seiner  steigenden  Erbitterung  gegen  Spanien. 

4X5)  Botlenio^  an  Hz.  Maximilian  von  Baiern  7.  I)ec»*mbcr  Ma.  •’iO/ll,  Or.  V^ndiamin  an 

i\^h  Dogen  :10.  Dec  1602.  D.  V.  S2,  27.’»  Or. 

Auch  Bcxlenius  »cbrieb  am  14.  Doeember  1602  an  Hz.  Maximilian  von  Baiern:  ..NVben  dieBein 
thuet  henr  Coraducitu  sicli  voriger  tnaiiaen  beelagen,  «lau  er  im  rath  zue  keiner  referiemng 
kommen  nmg  und  also  allerhand  negotia  bei  im  unezpedirt  liegen  bleiben.**  Ma.  .70/11,  tiO  Or 

:IH7)  Das  zielt  wohl  TornehmUch  auf  Liechtensteins  Verkehr  mit  der  verwittweten  Freiin  Maria  von 
Pernstein.  S«  Ranke  Z.  deuUehen  Gesch.  286  und  Hammer  Khlesl  I,  S.  19.7  Anm.  4. 
[Bergmann  Medaillen  I,  12H.] 

Beilage  XVII.  Der  KnbUchof  von  Salzburg  schrieb  am  10.  April  1602  an  Hoeter:  ..Bei  dem 
kaiser  siht  ess  einer  grossen  enderung  nitt  ungleich  andt  das  die  meisten  ministri  von  neuem 
verkert  mochten  werden.**  Bra.  Secret.  d’Ällem.  N 249,  28  cigh  Or. 

689)  Vgl.  oben  Anm.  620.  Auch  in  den  venetianer  Berichten  wird  oft  auf  jene  Sorge  hingewiesen. 

:(90l  Vgl.  unten  Anm.  406.  Am  1.  Mai  1602  schrieb  der  Erzbischof  von  Salzburg  an  Hueter:  ..7v. 
Äthrfdtl  nembaich  selbst  macht  nnd  vergeas seiner  beiden  rbMr/Wrsfrn  nitt,  dan  meiness  erkheiincn» 
ist  seitt  desa  Braiie  todt  sich  auflf  knUfr  nitt  zu  verlassen,  gleichwol  die  disgust  mit  erzhfr:oft 
sich  auch  nur  mheren  undt  sterkhen.“  Brs  Secret.  d'Allem.  N.  249  P4  eigh.  Or. 

691)  Vgl.  die  vorige  Anmerkung. 


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112 


Dio.si-  trat  iiiiiiier  sc  härter  zu  Tajre.  Iler  spanische  Gesandte  konnte 
nie  mehr  Audienz  erhalten  und  Ilarvitins  hi'uidi  den  Ilriefwcchsel.  den 
er  mit  dem  In-üsseler  Hofe  fteplloften  hatte,  ah,  weil  er  verdäehtij'  zu 
werden  fürehteh! Wenn  Liwlitenstein  Itudolfs  Gunst  und  Vertrauen 
verlor  und  wenn  der  Cardinal  Dietrichstein  sich  vergelilich  liemiihte,  die 
Aufnahme  in  den  geheimen  llatli  und  die  Krnennung  zum  Protector 
Dentscldaiuls  am  römischen  Hofe  zu  erlangen,  so  ging  die  Vermuthnng 
wohl  nicht  fehl,  dass  dies  zum  Theil  daher  rühre,  weil  sie  als  Anhänger 
Spaniens  ei-schieneii*”).  Der  Kaiser  .suchte  geradezu  nach  Anlässen,  sich 
über  Spanien  zu  beschweren  ”‘‘1.  liinen  gewichtigen  Grund  dafür  erhielt 
er,  als  Philij>p  111  sich  im  Anfänge  des  .lahres  lfil)2  die  Markgrafschaft 
Finale,  obgleich  sie  ein  Üeichslehen  wai‘,  auf  Grund  eines  Kaufvertrages 
mit  dem  letztmi  Inhaber  derselben  aneignete  und  die  kaiserliche  Hesatz- 
ung  der  Hauptstadt  entfernte liudolf  befahl  seinem  liot.schafter  in 
Madrid  imter  bitteren  Klagen  sofort,  die  Herausgabe  der  Landschaft  zu 
fordern.  Die  Spanier  weigei'ten  sich  jitloeh  derselben  und  das  wieder- 
holte Andringen  des  Kaisers  blieb  fruchtlos"'*).  Das  erfüllte  ihn  mit  dem 
heftigsten  Zorne.  Kr  sah  sein  Ansehen  und  die  Hechte  des  lieiches 
schim))tlich  verletzt  und  sein  alter  rnwille  über  die  Vorenthaltung  Mai- 
lands uiid  üIku'  all  die  anderen  l’ebergritfe  Spaniens  in  Italien  mochte  mit 
voller  Kraft  auHeben.  „Man  ist  in  Prag  beinahe  dem  Türken  nicht  so 
feindlich  wie  .Siianieiv,  versicherte  der  Krzbistdiof  von  Salzburg’“')  und 


JW2)  &.  oben  Auin. 

S.  oben  Antn.  untl  Kaiikd  7,  d.  üftstdi.  Am  11.  Juni  IfiOl  m«]deto  Duodo,  ti  t«i 

in  l'ru^  verKicbert  wor>len,  diT  KiViii^  von  Kraiikrcich  »ei  nnt  einem  Heere  ins  R>'ic1i  cing»*- 
falU’n.  Der  Kaiser  sei  darüber  sehr  zornig  geworden.  Man  glaube,  die  Kaehricht  tei  erfunden, 
um  KudoUs  «Urrh  die  eben  anvrezende  protestantische  Geiandt&cbaft  neu  erregte  Erbitterung 
über  den  Einfall  Mendozas  zu  begeh  wichtigen.  1>.  V.  31,  •'*‘•1  Or. 

S.  KheTonliiller  V,  Dieser  aelbat  bemerkt,  dass  ron  den  Heaebwerden  des  Kaisers 

„die  drei  [letzten]  aus  1.  Mt.  angesto^aeneii  Melancholie  viel  mehr,  als  aus  einem  genügsamen 
Fundament  bergeflossen.*' 

Senkenborg  N.  T.  ReichsgeHch,  XXII.  fl',  frgl.  Haeborlin  X,417  und  XI,  off.)  Phi* 
lippson  Heinrich  IV  und  Philipp  Hl,  I,  210  t. 

:Wü)  Kbevcnhiller  V,  •Jö’ül  f.  Zu  der  Beitchwerde  über  Philipi«  Absicht,  die  Prinzeasinnen  von 
Graz  in  Italien  zu  verheiraihen,  wahrend  Uadulf  se]b.st  sie  freien  wolle,  sei  bemerkt,  dass  er  nach 
einem  Berichte  DuoJos  v.  19.  K«‘>vember  DiOl  dumal.s  seit  zwei  Monaten  baoAg  wegen  seiner 
Verheirathang  mit  der  Prinzessin  Anna  von  Tirol  nach  Innsbruck  schrieb.  D.  V.  Ml,  247  Or. 
.*V17t  S.  oben  .Anm.  M7ö  Vgl  Chluinceky  232. 


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113 


ohne  Zweifel  war  liudolfs  Zorn  ühei'  die  Kinverleibunf'  Finale«  die  Ur- 
sache, das«  er  im  August  1G02  jdötzlicli  einmal  den  französischen  Oo- 
sandten  eiii|)iiiig  und  sich  ihm  gegennlxn’  aussjirach,  als  wolle  er  Hein- 
rich IV  gegen  l’hilip])  III  untei'stützen*'*),  und  divsa  er  im  sellien  .lahre 
die  empörten  Niederlande  auftördern  lies«,  sieh  als  Freistaat  dem  lieiche 
allzugliedern was  nur  die  Schädigung  Spaniens  bezwecken  konnte*''’). 

Unter  diesen  Umständen  war  es  nicht  anilers  möglich,  als  da.ss  die 
Bemühungen,  welche  von  allen  Sinten  zur  Erwirkung  der  römischen  < 
Königswahl  unternommen  wurden,  ohne  Erfolg  blielien. 

(iroisbeeck,  welcher  das  (intachten  der  geistlichen  Churfüraten  über- 
bracht hatte  “").  musste  drei  Monate  lang  warten,  bis  Rudolf  eine  nichts- 
sagende Antwort'"’’)  ortheilte.  Mündlich  erklärte  sich  derselbe  dabei  frei- 
lich so,  dass  Churfürst  Ernst  nocli  einmal  die  beste  Ibiflfnung  schöpfte*“’). 
Bald  erwies  sich  diese  jedoch  als  trüg(‘risch“")  und  obgleich  Fernst  in 
seinen  Mahnungen,  um  deren  Untei-sti’itzung  er  auch  den  Papst  er- 

•'(98)  8.  G i n <1  e I jr  I.  'Vi.  , 

UlJd)  S-  Oroen  van  Prinaterer,  Archive»  de  U toaiaoii  tl‘Orange*Xa«sau  II,  Seriell,  Stilly 
oecononiies  in  Miebaud  collectioii  nouvell«  des  memoire«  XVI,  dö-t  a.  4‘j2  ud<1  Deventer 
Oedenkstiikketi  III,  14^.  Siri  I,  t'JK  f.  Der  den  Staaten  gemachte  Vorschlag  war  beim 
Kaiser  wohl  von  dem  Hz.  Heiortch  Julius  von  Braunschweig,  der  ihn  übermittelte,  angeregt 
worden. 

400)  l>er  Krebischof  von  Salzburg,  welcher  meinte,  der  Vorschlag  gehe  von  den  HoDAnieru  au«, 

schrieb  am  DI.  August  IßOJ  an  Huoter:  cs  sei  otTfiibar  nur  darum  zu  thun,  „zu  der  Stntlnt 
behelir  durch  solch  mittell  tlrn  karWu  mt  SiutHtru  nml  fi'zhcrztuj  .4/brrr/i/  zu  hezcii  und 
das  teur  wider  sy  underoinst  in  Dft*l.<rUhtu(i  anzublaseu,  welchcssen  sicti  desto  niher  zu  be> 
fahren,  dieweil  die  iuclinatioo  dorzu  her  one  da«  nitt  gering  sein  iu5cht*^  Brs.  Secret. 

d'.Mlem.  N.  ‘240,  flu  eigh,  Or. 

401)  S3.  oben  S.  8U. 

402)  Der  Kaiser  an  den  Chf.  von  Mainz  Februar  DK.*2:  Dank  für  da«  Gutachten  der  drei  Chtf. 
„Und  weill  ich  selbst  betrachte,  wievi!  an  fortsetzung  aine«  so  hochwichtigen  werks  dem  hl. 
reich  und  der  religion  gelegen,  will  ich  tme  mit  rcifTcii  elfer  t'^ie  es  furdcrüch  ins  werk  zu 
richten  sein  metehte)  nachdenken  und  E.  I,.  and  Iren  mitchurfSrsteu  hernach,  wessen  Ich  mich 
weiter  cntscbloesen  wird  haben,  vertreulich  zu  wissen  tbuo."  Wni.  Sacccsaionswesen  i,  n.  TlOr. 

403)  Ernst  an  Erzhz.  Albrecht,  Menden  1<>.  April  Di02:  Grnisbeeck  ist  zurückgekehrt.  Der  Kaiser 
hat  unter  und  ons^rer  .Mitchurfürelen  Gutachten  H<^b  angebbrt  und  vernomen,  das  alr 
sich  auch  dergestalt  erklcrt,  kein  einige  zeit  mehr  zu  verlieren.  soinlcr:i  man  in  kurzen  ein 
endlich  wurkung  und  verfolg  dabei  sehen  solle.**  Brs.  Sccret.  d'Ailem.  K.  110,  14«'i  Or. 

404)  Ernst  an  Erzhz  Albrecht,  Menden  24.  Juli  1002:  Bei  jeder  Gelegenheit  mahne  ich  den  Kaiser 
zur  Abhaltung  des  Reichstages  und  zur  Ordnung  der  Nachfolge.  ,,Ich  trage  aber  sorg,  es  seien 
etliche  umb  1.  Mt.,  die,  soviel  ich  und  andere  gn^therzige  auf  einer  seiten  bauen,  es  auf  der 
andern  seiten  wieder  abbrcchcn  und  die  «achen  mer  hindern  aU  befnrdem  helfen.“  Bre.  SeeriH 
d’Allem.  N.  116,  Uu  Or 

Abh.d  lII.CI.d.k.  Ak.d.  Wiss  XV.Bd.I.  Abth.  1.'» 


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114 


suchte*'^),  fort  fahr,  war  Hutlolf  doch  nicht  zu  dem  gewünschten  Vorgehen 
zu  bewogen. 

Es  scheint,  dass  er  GroislKWck  gegenüber  die  Atisiclit  geäu-ssert  hatte, 
Matthias  ei-wählen  zu  hassen*'“).  "Wenn  das  auch  nicht  den  Wünschen 
lies  Churfüi-steii  von  Köln  entsprach,  so  mochte  dieser  e«  sich  doch 
gefallen  lassen,  damit  üljerhaupt  nur  die  Wahl  zu  Stande  käme. 
Der  Kaiser  aber  hatte  dabei  ohne  Zweifel  kein  anderes  Ziel  im  Auge, 
als  desto  sicherer  seinen  Bruder  Albrecht  auszuschliessen,  von  dessen  mit 
dem  Churfüreten  von  Brandenburg  wegen  der  Wahl  gejiHogenen  Ver- 
handlungen er  Nachricht  erhalten  hatte*®').  In  der  Tliat  war  er  nicht 
geneigt.  Matthias  zu  erhellen. 

Durch  die.scii  und  die  Erzherzoge  Maximilian  und  Ferdinand  waren 
inzwischen,  soviel  wir  wissen,  weitere  Schritte  nicht  geschehen*“*).  Sie 


405)  Oindoly  I,  5G. 

406)  K«  liegt  darüber  sar  ctae  geheimnisiToIIc  Amloutung  vor  in  cinom  Briefe  dee  Cbf.  von  Mainz 

an  d««ften  Kanzler  Kauet  vom  27.  Juni  Ich  war  letzte  Woche  beim  Cbf.  von  Köln  in 

Km«,  wohin  auch  der  Chf  von  Trier  kam.  En  wurde  der  Nachfolge  gedacht  und  Köln  gefragt, 
waa  er  beim  Kaiser  ausgerichtet  habe  Er  erwiderte,  „daa  si  gleicbwol  bei  1.  Mt.  allen  menach' 
liehen  möglichen  vleie  und  bearbaituag  angewendet  und  gueten  euceeM  verhoft  gehabt,  aU  aber 
diejenige  iR^rson,  darauf  1.  Mt  aelbet  andeutang  getban,  zu  Prag  aogelangi,  were  dieaelb  ono 
ainige  rerrichtung  oder  abfertigung  gela«ien  und  lieaae  rieh  vaat  dahin  anaehen,  daa  diejenige 
rätbe  und  diener,  welche  I.  Mt.  wol  uinb  eich  leiden  und  dulden  möchten  und  täglich  uinb  aie 
woren,  deroeelbeu  niehta  nagen  dörflen,  die  andern  aber  in  etwas  Verdachts  und  tniaatraueos 
atiuden.  So  würde  auch  nit  allerdings  guete  veratendnua  zwischen  1.  Mt.  und  dero  gebruedern 
vermerkt  und  obwol  anch  andere  hohe  )>eraoDeD,  die  es  mit  gemainem  wesen  und  dem  vater* 
land  gern  gnet  sehen,  allerbaud  wullmaiiiendi’  erinderung  gethan,  irie  ea  jedoch  auch  nit  aller- 
dings gleich  ufTgenotnincn  und  aioer  und  der  ander  abaclieu  gemacht  worden,  also  das  S.  L. 
selUten  sich  nit  wol  entschliessen  konteo,  was  desfalls  weiter  farzunenien  craprieaslich  und 
vorträglieli  sein  möchte.'*  Wtn.  Succesaionsweaen  I,  n 76  Or.  Unter  der  Person,  auf  welche 
der  Kaiser  der  Wahl  wegen  Andeutung  gethan.  kann  ich  nur  Matthias,  der  im  Januar 
nach  Prag  kam.  verstehen.  Eine  Bestätigung  dafür  finde  ich  darin,  das«  Chf.  Ernst  in  den  in 
Anm.  402  nnd  408  erwähnten  Briefen  an  Erzhz.  Albrecht  diesem  nicht  wie  gewöhnlich  Zusicher- 
ungen för  deaaen  Person  macht.  Auch  berichtete  der  Nuntius  Portia  aus  Graz  am  25.  Februar 
1602  an  Hz  Maziiuiiian  von  Baiern:  Die  grazer  Käthe,  welche  aus  Prag  zurOckkehrten,  sagen, 
Matthias  habe  die  drei  geistlichen  Churfürsten  und  Sachsen  für  sieh  und  ihm  seien  der  Kaiser 
und  Maiimiliao  geneigt,  „ita  ut  de  archtduee  Fer<U$iaH4io  parum  speretur  amplios,  immo  de- 
siK>nderuDt  animis  UDUsqai«que.**  Ma.  8U/*28,  20S  Crl.  Der«,  an  dens.  17.  Märt  1602:  „Circa 
electionem  rftfis  J{trnutnotnm  qui  non  si  erede  altro  ne  pensa  altro  si  non  ehe  archiduca  Mat- 
thias avanzi  ogni  altro**  Das  214  Crl. 

407)  S.  oben  Anm.  :C16, 

40^}  Am  5.  Januar  16<>2  kamen  allerdings  di«  Krzhzz.  Ferdinand  und  Maximilian  Emst  von  Uraz 
nach  Wien  und  reisten  am  7.  nach  Prag.  Friedlieb  Kelatio  hist.  1602,  69,  wo  sie  am  18. 


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115 


mochten  den  Argwohn  und  Unwillen  des  Kaisei-s  zu  erregen  fürchten 
und  ihre  Hoffnung  auf  den  Churfüreten  von  Köln  setzen  “*).  Iiii  Januar 
1603  wunlo  al>er  nun  Matthias  von  Rudolf  nach  l’rag  berufen,  um  dessen 
Aufti-age  für  den  regeiusburger  Reichstag,  welchen  er  als  Stellvertreter 
des  Kaisers  leiten  sollte,  entgegenzunehmeu.  Da  dachte  er  daran,  auf 
die  Ordnung  der  Nachfolge  zu  dringen*"*).  Die  Minister  l>eschworen  ihn 
jedoch,  deraelben  mit  keinem  Worte  zu  gedenken,  weil  er  s<mst  Rudolfs 
Zuneigung  völlig  verlieren  und  diesen  in  eine  EiTcgung  versetzen  werde, 
welche  die  Erledigung  aller  anderen  Angelegenheiten  unmöglich  machen 
würde.  So  verliess  denn  Matthias  nach  fünf  Wochen  den  Hof.  ohne 
einen  Verench  zur  Förderung  seiner  Ernennung  gewagt  zu  haben**'). 

Auch  Churfürst  Ernst  wurde  jetzt  endlich  der  fruchtlosen  Anstren- 
gungen müde*'*)  und  el>enso  stellten  Clemens  VIII,  dessen  Verwendung 


eiDtrafeii  und  bis  lam  28.  blieben.  Bericht  Duodoe  v.  14.  Januar  1602,  D.  V.  81,  290  Or.  mid 
Jac.  FraucQS  Rel.  hist  1602,  !,  129  u.  Es  liegt  jedoch  kein  Aiiteiebcn  ror.  dass  sie 
wegen  der  Naehfolge  trerhandelten.  Dagegen  wirkt«,  wenn  die  oben  Anm.  8*20  am  Schlosse 
mitgetheilte  Angabe  richtig  ist,  Ferdinand  in  Madrid  gegen  Albrecbt,  nicht  in  seinem  Interesae, 
wie  die  in  Anmerkung  406  angeführten  Briefe  Portias  xeigen,  sondern  wohl  zu  Gunsten  des 
Matthias. 

400)  Vgl.  oben  Anm.  820.  Die  dort  erwähnt«  Heirath  zwischen  Erzhz.  Matthias  und  Magdalena 
Ton  Baiem  brachte  auch  Portia  in  seinem  oben  Anm.  40«'»  erwähnten  Briefe  r.  17.  März  16<)2 
in  Vorschlag;  sie  werde,  wenn  Hz.  Maximilian  wolle,  wohl  zu  Stande  zu  bringen  sein,  da  Mat' 
thias  zur  Wahl  den  Chf.  Ton  Köln  and  das  Haas  Baiem  bedürfe.  Am  6.  December  1600  hatte 
Portia  geschrieben:  tarnen  ita  posaem  discurrere:  Mntihitut  cognoecit,  quod  IWfiiHowlH'* 

non  habet  animum  neque  applicationem  magnam  a<1  rfgnum  RnmmorHm;  ideo  Matthias  Teilet 
lucrari  sibi  FerHiHattdHm  et  w/itrcm.  proinitteiido  fort«  »irf/WmoNiKNt  cum  iifineipitua  Tram- 
sitcamae  [Erzherzogin  Marie  Christine]  et  hoc  medio  acquirere  posse  sibi  persnadet  K.  .St«"*  et 
Suo«.**  Ma.  :mr28,  82  Crl. 

410)  Vermothlich  spornten  Um  dazu  GerQcbte  von  Umtrieben  Heinrichs  IV,  welche  durch  die  oben  S.  102 
erwähnte  Reise  de«  Landgrafen  ron  Hessen  reranlasst  wareu.  0.  Vendramin  berichtete  darüber 
am  6.  Januar  1608:  „Paro  anco  ehe  tia'  protestanti  sia  stata  concUtsa  nna  mezza  lega  et 
fatta  ona  a^sainblea  tra  di  loro,  nclla  quäle  sta  stato  trattato  dl  elettione  del  rö  dl  Romani 
et  dicono  apertament«  qua.  ehe  tuttn  si  faccia  ad  instanza  del  re  Christ*»»  il  quäle  havendo 
dalla  sua  parte  quasi  tutti  li  elettori  secolari,  tratU  hora  di  iirarri  anco  U ecclesiastiei  et 
molti  passano  tanto  avanti,  ch«  dicono,  chb  voglia  adoperar  in  «io  la  forza  el  che  ha  per  ciö 
diefaiarito  suo  generale  deH'armi  il  laDtgravlo  di  Hassia  et  sborsato  molti  danari  per  I'eff^etto 
sopradetto Ich  weiss  nicht,  ob  diese  GerQcbte  wahr  sind  oder  nicht;  ich  berichte  sie,  „poichc 
soDO  di  tanta  importanza  et  sento  ragionarne  tra  persone  non  rolgari,  riTendoai  qua  dtelbcon 
grandisaima  geloeia  et  essfeodo  credute  ^^rticolarroente  da  8.  Ce*.  M**."  D.  V.  8*2,  279  Or. 

411)  Gindely  1,  57. 

412)  8.  oben  Anm.  406. 


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116 


(1er  Kaiser  sehr  übel  iiiifgeiioiniiien  hatte"*),  und  Sjtani(»n  *")  ihre  Bemüh- 
ungen ein.  San  Cleinente  wiederholte  seine  wrhon  l.üild  ausgesprochene 
Vei'sicherung.  dass  Itiidolf  nie  zur  Ordnung  der  Nachfolge  die  Hund 

bieten  werde.  Der  einzige  Weg.  zu  dieser  zu  gelangen,  sagte  er,  werde 

sein,  (hm  Kaiser  abznsetzen;  dafür  aber  sei  nothwendig.  nuchzuwei.sen, 
(lass  er  zur  Regierung  unflihig  sei  und  soweit  erstrecke  sich  die  Wirk- 
ung seiner  Krankheit  nicht*'*). 

Er  dachte  an  den  gt^setzinä.ssigen  Weg  des  Eingreifens  der  Chur- 
fürsten, auf  welchen  schon  wiederholt  hingewiesen  worden  war*'®).  Die 
Ereignisse  der  folg(mden  Jahre  drängten  Matthias,  einen  anderen  Weg 
einznschlagen;  den  der  Revolution,  welche  er,  Maxiniilian  und  Ferdinand, 
schon  zu  Schottwien"')  — freilich  in  bes(!hiiinkteni  .Ma.s.so  — für  den 
üu.sser8ten  Nothfall  in  Aus.sicht  genonnnen  hatten*”). 

4KJ)  MainztT  Protokoll  v.  '2‘Z.  P'obruar  l^HM.  Wm.  Sact'CM.  I,  n.  10^.  Der  P«i>»t  wird  aucli  oben 

Anm.  -tOt)  nntcr  den  „liohen  PeraotD'ii*  ^nieint  Min,  da  sieh  ja  Chf.  Ernst  an  ihn  gewandt 

hatte  und  Clemens  darauf,  wie  c«  scheint,  nur  mit  dem  s|iani«chen  Geasndien  zu  Rom  über 
Mitte],  den  Kaiser  gefügig  zu  machen,  berieth.  S.  Gindelj  I,  oC. 

414)  Chluniecky  Zicrotin  'J4l  Anm.  7H. 

liri)  Gindelj  I,  5d. 

416)  S.  oben  S.  «0.  62.  65,  6y.  h-J,  ui*  Anm  2U4,  Amn. 

41 7l  S.  oben  S.  65. 

41»)  [>ie  Verhandlungen  in  den  Jahren  160^1-1607  werde  ich  im  fünften  Bande  der  Briefe  und 
Acten  ira  Zusammenhang«  der  Roichsgoschiehte,  aus  dem  sie  nicht  lu  I5sen  sind,  darstelien. 


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Beilagen. 

I. 

Berichte  des  rcnetlanischeii  (JeNandfen  Fruncesco  Vendniinin  un  den  Do;;eii. 

1)  J*raj(  s Miirx  .4litrovandc>si  )i  negotij  del  tiraiuliica  ogiii  giorno  iu 

termiiii  di  pifi  cwrtA  trattationc,  nii  e ntato  liti'rto  nliitiiam^mto  in  grandisi^ima 
c^mHdentia , come  haveudo  chiaraato  »i  so  ü m«*fic  passato  lu  M'*  dclT  Imperatore  il 
Ronfo,  le  hu  ricercato.  chi*  di  novo  Je  dioi*s.*ie  Iu  cunsa,  perclie  egU  seutiva,  che  ella 
non  dovwe  niariturwi  et  spetialmcnte  con  la  nipote  del  Granduca,  ei  che  egli  le 
ri?»p(jse,  che  alt  re  volte  le  lia\'eva  detto  rivereiitemeute  il  purer  suo  coufornie  alla  sua 
coD-scientia  et  replico  di  ipielle  ragioni  eoncpmeiiti  il  i^ervltio  et  la  r<^putatione 
della  M***  , et  che  ella  le  dw«e:  „che  rosa  .«sarebhe,  w io  ini  riHolvewi  di  farloV“ 

Kvplic.)  il  <('  Konto,  che  aarebh«  statn  di  gnin  ilisgiuito  alla  cii*n  d'Anatria  et  che  il 
mnndn  non  haverehbe  lodato  la  risiolntiolii“,  oltrc  chJ  pretendeva  il  Urandnca  «teile 
cow  che  farebl>eiio  diapiaccinte  ad  altri  priiicipi  et  ehe  potevaiio  cangar  dei  travagli 
«t  delle  dieaensioni.  Et  M'*  non  le  riapose  nitro. 

Il  medico  Uuariiioni,  Veronese,  praticnto  ä noine  del  Uranduca,  IV-wla  ä 
iiiaritai'si  dicendo.  che  per  easer  lei  di  enmplessione  forte  et  robnata  ma  travagliata 
dalla  njalinconia  le  couriene  pn«nder  nioglie  per  la  aaa  aanitä.  Altri  le  dicono,  che 
le  conviene  di  farlo,  perchc  non  a.atencntlosi  da  ipialche  peccato  al  presente,  ella  viverä 
nmritandosi  confornie  alla  lege  di  Dio.  Ne  ninncano  niolti  officij  da  ,S.  C.  M'^  vo- 
lontieri  ascoltati,  tenendo  iiioHi  per  certo,  che  ella  sia  risolnta  di  far  per  ogni  nm- 
niera  (|Eeste  uozze. 

II  a'  anibasciatore  di  Fiorciiita  da]>oi  la  ultima  sua  audieiitia  si  trora  ogni  ae* 
eondo  giorno  insieme  col  a'  Trancen  et  niolte  voll*  in  chiese  et  in  Iiiochi  retirati 
aecretameute,  esaemlo  atato  referto  al  s'  Konfo,  cb£  il  detto  a'  aiiilmsciatore  babbia 
detto  ä una  persona  da  lui  tenala  per  molto  conKdente,  che  liavendo  Ini  contrariato 
si'iiipre  ä i|ueste  nozze  et  particolaniieni*  dui  nnni  suniio,  che  eile  erano  ridotte  ä 
temiini  di  couelusione,  che  «^li  potova  beii  prepararsi  alla  partita  del  servitio  di  S. 
M“,  ae  eile  ai  conclndevann  al  presente,  pereile  eaveiido  tntto  ciö  molto  ben  noto  a«l 
altri,  non  occorreva,  che  egli  sjicraase  di  accommodarlo.  Cosi  nella  casa  del  s'  RodI'd 
sene  parla  fra  i sni  pih  intimi  come  di  oosa  che  snccedendo  posaa  esaer  la 
sua  ruinn. 

Al  detto  s'  ambasciatore  iiiolti  si  a'iteiigono  di  parlar  di  <|ueata  materia,  ha- 
vendo  hii  mostrato  sempre  graiidissiino  aentimeiito,  che  sene  parli  dubitando,  che 
ipieste  Toci  distnrbimo  la  risolutione  pendente  nell’  animo  di  S.  M“,  non  tralasciando 


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118 


egli  nel  resto  qualsivoglia  »orte  di  artificio  iinitameiite  col  b'  Trauccu  per  concluder 
li  Büdetti  uegutij  cooloriue  alle  grandissinie  sperau/^  clcIP  uno  et  dell*  altro«  qnando 
par  le  sue  mani  restiuo  terminati  »econdo  il  suo  de^siderio. 

I»  qoesii  particolari,  bavendone  io  havnto  ultimameute  notitia  cou  foudamento 
in  grau  secreiezxa,  sara  etfetto  conformo  alla  singolar  prudeutia  della  8er*‘  V.,  che 
siano  ienuti  aecretiNBimi  *) 

D.  V.  vol.  29,  15  Or. 

2j  Prag  5 April  1599.  .,ilora  »i  coniprende.  che  fra  S.  C.  M‘*  el  il  Ser*"  r^ 
catholico  qou  vi  »ia  inolUv  intelligeu/a.  au/.i  che  ella  »i  dimostra  molto  aliena  col 
aninio  al  preac'ute  da  Spagna  com  per  (|ue»ta  iuvasiooe  delV  amiraute  di  Aragon  nel 
ducatn  di  Cleves  come  per  altri  disgusti.  Ondc  m tiene  per  concluso  questo  niatri* 
mouio  di  8.  M'"  con  la  principeaaa  di  Medici , et  havendo  espedito  H giorui  passati 
qaeato  s'  aml>asciatoro  di  Kiorenza  il  aiio  cameriero  per  le  ponte  al  Graudoca,  sene 
stanno  aspettaudo  inaiemc  ool  s'  Trauzen  la  riBoIutiono,  essendo  stato  fatto  veder  dal 
detto  ambasciaiore  a S.  ultimanicnte  mi  ritraito  della  detta  priucipessa  oltre  a 
dui  altri  in  diverse  forme  che  le  sonn  stati  inandati  altre  voIte.  Ha  accresciuto 
ancora  ultimamente  il  detto  ambaaciatore  il  numero  di  tro  «taffieri  oHra  all’  ordine 
delli  altri  amhaHciatori  et  ha  fatto  nnva  livrea,  henohe  per  horu  positivamente 
mostrando  [!]  S.  C.  M**  inciö  grave  diBgusto  contra  la  per^nu  del  s'  Roufo,  perche  egli 
nou  ha  volnto  dar  il  suo  parer  per  le  su  dette  nozze.  Con  che  egli  e vennto  a termino 
di  licentiarsi  dal  nno  servitio 

A.  a.  0-  62  Or.  Vgl.  Beilftgc  V.i, 

3)  Prag  19  April  1599.  „Par  che  lo  cose  del  n'  Koufo  vadauo  uiigliorando 

hora,  che  egli  e stato  chiamato  due  volle  <|iH^ta  settiniaua  da  S.  C.  M'*,  mentre  ch^ 

egli  se  ne  Btava  retirato.  parlaiidosi  hora  piii  treddamente  del  matrimouio  di  S. 

dei  giorni  passati,  poiche  di.scorrono  dopo  il  ritorno  del  cameriero  del  n'  ambasciatore, 
cb^  il  Graiidnca  nou  trovi  bene  Hnalniente  di  arrivar  a qitella  summa,  che  dal  s' 
Trauceu  le  viene  ricercata  come  da  se  con  promessu  die  gran  s|>eran7.a  per  la  con- 
clusioDC  dei  negotij  di  S.  A”.  Et  e noto  ancora,  ehe  il  s'  Ronfo  stia  sempre  saldo 
sopra  il  parer  suo,  cou  che  non  couvenga  a S.  ('.  di  far  il  detto  matrimonio. 
Cofli  s’iutende,  il  detto  b'  ambasemtore  havor  fatto  saper  ultimamente  a S.  ch^ 
il  re  di  Polonia  foceva  instanza  al  Granduca  di  haver  la  detta  principessa  per  moglie, 
aspettandosi  intanto,  che  slauo  passati  li  sei  iftesi  destinati  {>er  la  risolutioue,  cou 
che  si  crede,  che  ella  finalmeute  dovera  rissolversi  di  abandonar  questa  impresa  et 
di  collocar  la  detta  principe^^i  in  altra  parte 
A.  a.  O.  s9  Or. 

4)  Pnig  3 Mai  1599.  „Le  cose  del  b'  Roufo  con  8.  M^“  C.  souo  ricadute  dalli 

altri  niaggiori  disgusti,  fatti  horroai  intollerabili  al  detto  s'  Ronfo.  il  qnal  ha  re* 

1)  Der  ganze  Brief  ist  in  Chitfern  geschrieben. 

2)  Die  gante  Stelle  iit  chiffriert. 


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plicato  ultimameute  ta  instaazii  Ui  havi'r  liceiiza  Ui  ritirarsi  in  Viena,  Uove  Uiuono, 
ch'egli  habbia  Uato  orUine  per  levar  nna  coa».  Ma  nell'  universale  si  tiene  per  oerto 
cbe  S.  C.  M“  non  voglia  licentiarlo.  Mn  alcuni  iliaeorrono,  cb'ella  possa  privarlo 
pintosto  Ui  qaalcbeUuno  Uei  siioi  gmUi,  per  levarle  nel  coapetto  Uella  corte  la  ripu* 
tatione,  la  qnale  fatta  oUiosa  ä S.  C.  M“  jier  l'autorita  ch’egli  si  haveva  acquistatn 
nella  aUministratione  Ui  qnesto  governo.  pare  che  sia  la  cansa  piCi  principale  Ui  qnesti 
suoi  graviasinii  travagli. 

Intanto  ha  fatto  internier  S.  M''  al  s'  ambasciator  Ui  Kioreu/a,  per  ([uauto  bn 
intesü  Ua  bnonisaima  parte,  ch’il  Gmmluca  nun  voglia  ubligarlo  in  tanta  brevitit  di 
teinpo  alla  risolutione  Uel  inatrinioniu  cun  la  principesea  sua  nipote,  ma  che  8.  A** 
si  astenga  di  maritarla  in  altra  parte , aspettandn  ch'ella  possa  risolversi  cnnforme 
alla  sna  soUisfattione,  portanUo  8.  M“  iuanzi  il  teinpo  et  non  gnstando,  che  la  Uetta 
princi(>es8a  si  niariti  ad  altro  principe,  inentrc  In  soleeitava  il  a'  Trancen  cou  l'aiutu 
del  medico  Veroneee,  il  quäle  ha  l’orechio  piü  Ui  ogni  altro  al  presente  Ui  S.  M“, 
ä conclnder  qnanto  prima  il  iletto  matrimonio,  Uel  quäle  ella  ascolta  molto  volontier!, 
quando  lene  viene  parlato,  mostranUo  ancoru  nei  raggionamenti  col  Uetto  meUico  Ui 
conservar  impresso  nell’  animo  suo  il  grave  disgosto  da  lei  ricevnto,  ch^  la  infante  douna 
Isabella  sia  Uivenuta  moglie  delT  arciduca,  suo  fratello,  Unbitaudo.  ehe  se  il  re  ca- 
tholico  per  aventnra  restasse  senza  posteritä,  che  dal  moudo  le  potesse  esser  attribhito 
a gran  mancainento,  ch’ella  havesse  perme.sao,  non  ricevendo  la  infante  i>er  moglie. 
ehe  capitassero  in  altri  che  in  lei  merlesimo,  la  grandezzn  et  la  potenza  Ui  cosi 
nuraerosi  stati.“ 

A.  a.  O.  121  ür.  in  Cliifferu. 

5)  Prag  3 Jnni  1599.  „Havendo  bavuto  aviso  qnesto  s'  ambasciator  Ui  Fiorenza. 
che  S.  M“  Christ.“  tenga  incliuatione  di  haver  per  moglie  la  principessa  Maria 
nipote  del  Granduca.  ha  fatto  far  ultimamente  un  altro  officio  col  mezo  Uel  s'  Trancen 
con  S.  C.  M**,  perchi  el'a  si  risolva  ä queste  nozze,  valendosi  delln  occasione,  et  per 
qnanto  si  intenUe  le  ha  risposto  S.  M“  in  nun  tal  forma,  che  non  astenendosi  S. 
dalla  risolutione  di  dar  la  nipote  al  rd  Chrisf"'  si  tiene  per  certo,  che  ella  resterebbe 
priva  ä fatto  Uella  sna  gratis,  la  quäle  per  molti  suoi  risjietti  ha  inostrato  sempre 
8.  A“  di  stimare  piii  incomparabiimcnte  di  quella  di  qnalsivoglia  altro  principe 
Uella  Christianita.“ 

a.  0.  172  Or.  in  Chittren. 


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120 


II. 

Hcrichl  Kranei'Nco  Vriidramiiis  au  <lou  Dofceii. 

I*nig  Mai 

[hiir  atim  )>arUM!  contt*  Palatino,  bavi'iulo  .scacciato  li  suoi  predicanti 

aniti»ienti.  ha  cluaiiiaio  u so  im  tlu'ologo  di  )<ai)U  vtia  ot  pare,  rhi‘  lo  nscolti  molto 
atUmtaiiKmte.  Agginngono  di  piit,  chi*  insirMue  iron  1a  inoglic  Pt  cou  at«|nauti  della 
xuu  corte  egli  si  »ia  retiralu  ulliiiiaUKmt«.'  appre-so  rHreiwscovo  di  Miigonlia,  IVlettor 
t\e\V  linperio,  cou  voce*  univerjwde,  cirpgU  pt»ii>i  di  coiivertirsi  et  di  ridur  tutti  li 
iuoi  popiili  alla  vera  reiigioii« 

Mä  |H>r  t|U<dU»  ho  intP^i  da  liuonisMina  partp*  e «tato  fatto  Kaper  ultima- 
mente  a ??.  C.  M'%  che  dchbi  liaver  Ko-ipelta  ijm-sta  attioiie  del  Palatino,  pcrche  egU 
machiüi  cul  niex/u  de  alcuiii  huroni  di  Mornria  hendlci  di  farsi  fare  re  di  Uocutia 
et  )H)i  re  di  Uoiiiaui.  |K.'iiK.tudo  eoii  ({Uesta  diKKiimilatione  di  ahhracciar  (palchednuo 
dein  elettori  catholicl , uftiiie  cht  uniti  cou  gii  heretici  et  col  kuo  proprio  voto 
t!gli  possa  IjHver  il  immero  dei  quattro  voti  nece^^sarij  |M»r  la  Mudetla  elettione.  Per 
queKti  güä{>etti  si  iut«‘nde  horu,  che  il  Ser'“'  uroiditea  Matias  ai  vada  avanzando  di 
concetlo  appres.-n)  di  S.  C.  M'*  per  la  detta  eletlioiie  de  re  de  Koinani  Hfliue  di  levar 
jigli  heretici  rjuesti  prete**!!  di  sullevatioue  et  di  levar  le  Kperanze  al  Ser"^  arciduca 
.Vlherto,  a lei  poen  grato,  di  p<»ter  aspirar  in  alcun  tempo  alla  detta  elettione.  l'ou 
ehe  «i  e gii'i  puhlicalo  nella  corte,  ch^*  il  Ser'“*  arciduca  Matias  habhia  da  CHaer  quanto 
prima  re  di  Uomaiii  ei  che  S.  C.  M'*  habhia  delibernto  di  farlo  dar  la  princi|H'$Ka 
iiipotc  dol  GraiuUu'u  per  uioglie  et  ch«*  tiabbia  da  CKser  renovata  la  trattatione  di 
quei  negotij,  clio  tin  hora  soiio  pasKuti  con  la  porKona  di  S.  M'*  per  occasione  delle 
nozze  et  del  titolo  con  (|uella  in  delto  Ser"'  areidnea.  DalP  altra  parte  di^corrono. 
che  Parciduca  Kerdiiiando,  aueora  che  habhia  S.  A*“  cunclnso  il  huo  luutrimonio  di 
iiiolti  mefti  per  volonta  deliu  .Ser*“*  arcidnclieHsu,  sna  iimdre,  cou  (|uella  di  Haviera  ^). 
incliuato  piii  tosto  u premler  la  detta  principe?>.>a,  nipnte  del  Graiuluca,  ataodo 
Hospesa  S.  P.  M**,  per  iM*  stPssa  Iiabbiu  incamiiiato  il  negotio  a termiiio  di  conclusionc, 
eKHondo  hora  la  eorto  piena  di  vurij  diKcoi'si  in  siinili  propo^iii,  meiitre  ki  trora  la 
perMitia  del  s'  Koufo  cou  S.  C.  M**  nei  ««diti  graviKaimi  diKgusti.  11  quali  .<ii  rinovano 
di  quando  iu  quaiido  si  fHttanieiite,  che  da  ca<laimo  e teuuio  per  certo,  che  egli  habhia 
ila  partirsi  per  ogni  tnauiera  dal  .suo  s»*rviiio,  aggiongendosi  aueora,  che  la  persoua 
del  s*  Trauceti  sia  c'adiita  iu  molto  ilit'fideiiza  di  8.  0.  M‘^  et  che  ella  le  porii  gran- 
diasioio  odio,  lameuiuiidosi,  che  il  govenio  sia  pa'<Kato  malameute  per  le  sue  maui  et 
che  per  colpa  dell’  uiio  et  dell*  altro  si  tr(»viiio  le  cose  sue  al  presente  in  grandiaaimo 
disordiue.“ 

I).  V.  2‘J,  I5.J  und  15y  Or.  ' 

1)  Das  Folgöinle  ist  ganz  in  Chiffern  gc^clirieben 

2)  8.  Briefe  und  Acten  IV»  :tl0  ff. 


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121 


III. 

TVolfgaiig  von  Kuin]ir,  Graf  Paul  SIxt  von  Trautaon,  Hans  Christof  von  Uorn- 
slein  und  Wolf  Unverzagt  an  Uudolf  II. 

Auf  E.  M'  Befehl  haben  wir  ünverzagts  schriftlichen  und  mündlichen  Bericht 
wegen  des  österreichischen  Erbrechtes  auf  Ungarn  und  Böhmen  erwogen. 

Wir  Rüden,  dass  die  Böhmen  den  Söhnen  und  Töchtern  oder,  falls  solche 
fehlen  , den  Brüdern  und  Schwestern  ihrer  Könige  das  Erbrecht  nicht  bestreiten 
können,  wenn  anders  die  Vernunft,  die  goldene  Bulle,  der  MajestStsbrief  König  Wenzels, 
der  Vergleich  Ferdinands  mit  den  Ständen  von  1543  und  der  Landtagsbeschluss  von 
1547,  sowie  das  Testament  Ferdinand.s  von  1543,  sein  Codicill  von  1547  und  die 
l^andtheilung  von  1554,  welche  alle  durch  die  Voreltern  der  jetzigen  Stände  als 
Zeugen  oder  „te.stamentarii“  mitunterschrieben  sind,  Geltung  haben  sollen.  E.s  findet 
sich  nämlich  nicht , dass  jemals  eines  Königs  Sohn  ausgeschlossen  worden  ist.  Aus 
alter  Zeit  sind  noch  zwei  Erbvereinigungen  zwischen  den  böhmischen  Königen  und 
dem  Hause  Oesterreich  vorhanden;  da  jeiloch  die  Böhmen  letzteres  zu  den  Zeiten,  wo 
es  an  Nachkommou  des  königlichen  Stammes  mangelte,  mehrfach  übergangen  haben, 
so  wird  man  sich  weniger  auf  diese  als  auf  die  jüngeren  Verträge  stützen  müssen. 
Zu  denen  haben  sich  die  Stände  selbst  liekannt.  „Aber  wie  jezige  neue  weit  ge- 
schallen, da  die  alten  nhge.storijcu,  die  jungen  von  kainer  crhlicheu  succession  wissen, 
inen  die  freie  wähl  für  richtig  einpüden , die  land  mit  allerlei  gefärlichen  secten 
überhäuft,  die  nichts  als  unruhe  und  neues  regiment  zu  ircin  intent  suchen,  sich  auf 
die  benachliarten  irer  rcligion  Sterken“,  so  kann  mau  nicht  wissen,  was  sich  künftig 
trotz  allem  Kt>cht  zum  Schaden  der  Laude  und  des  Hau.-ies  K.  .M'  zutragen  kann. 
König  Ferdinanil  hat  es  erfahren,  als  er  schon  sechzehn  Jahre  regiert  hatte.  Jetzt 
retlen  die  Böhmen  insgemein  von  Wahlfreiheit  und  Einige  wollen  weder  den  älteren 
noch  den  jüngeren  Sohn  dulden,  sondern  wählen,  wer  ihnen  Ijelicbt.  Bereits  Ijci 
E M'  Wahl  sind  allerlei  Schwierigkeiten  gemacht  worden.  Dies  würde  jetzt  noch 
mehr  geschehen,  wenn  die  Böhmen  durch  einen  Todesläll  so  gute  Gelegenheit  dazu 
erhielten.  Deshalb  halien  sich  Ferdinand  I.  und  Maximilian  II.  mit  Grund  nicht 
blos  auf  ihres  Haust>s  liecht  verlas.sen,  sondern  der  gar  zu  grossen  Gefahr  wegen  bei 
Lebzeiten  auf  Sicherung  der  Erbfolge  gedacht. 

Eben.so  steht  es  mit  Mähren , wo  Viele  nichts  lieber  sähen,  als  des  deutschen 
liegiments  ledig  zu  werden. 

Huben  sich  diese  Länder  gegen  Fenlinaiid  1 , der  römischer  und  böhmischer 
König  und  dessen  Bruder  Kaiser  und  König  von  S|>auieu  war,  aufzulehnen  gewagt, 
wieviel  mehr  würden  sie  es  thun,  wenn  ihnen  nur  ein  Erzherzog  gegeuOberstäude, 
der  sie  nicht  vor  dem  Türken  schützen  noch  sie  bezwingen  könnte. 

Die  zweite  Frage  ist  also,  ob  der  Kai.ser  bei  seinen  Lebzeiten  auf  Ernennung 
eines  Nachfolgers  denken  soll.  Hätte  E M'  einen  Sohn  und  wäre  derselbe  auch 

Al)h.a.III.Cl.<l.k.  Ak.d.\Vi».XV.W.I  Abth.  16 


122 


nur  Tier  bi»  fünf  Jahre  alt,  BO  könnte  raan  Bedenken  haben.  Jetzt  aber  nieiiien 
wir,  ,,ilas»  E.  ksl.  M'  Ir  selbst , Ires  ganzen  han«a  und  geniainer  Christenheit  wol- 
fahrt  hallten  in  allweg  und  so  ehe  je  besser  auf  ainen  »ncce.»soren , der  E.  M‘  an- 
genemh,  vertraut,  gehorsamb  und  gelren  »ei,  doch  auf  ma.».'!  und  versicheruiig.  wie 
hernach  gemeldet  ist , trachten  und  damit  alle  die  gefahr  und  sorg  verhieten,  die 
sonsten  zu  einem  fall  auf  dennen  interregnis  im  hl,  reich  und  den  zweien  könig- 
reichen  stienden“. 

Die  Nachfolge  in  den  Königreichen  und  besonders  in  Böhmen  ist  der  einzige 
Weg  zur  römischen  Krone  und  anderseits  erkennen  die  Böhmen  selbst,  in  welcher 
Gefahr  sie  wegen  de»  Erbfeinde»  ständen , wenn  jene  von  ihren  Königen  käme.  Da 
nun  E.  M‘  keinen  Sohn  haben  und  seihst  wenn  Sie  noch  heiratheten  und  einen 
Sohn  bekämen,  dieser  erst  im  vogtharen  .titer  Kai.ser  werden  könnte,  so  käme  bei 
einem  Tode.sfall  da»  Kaiserthuin  gewiss  vom  Hause.  Dann  würden  in  Folge  des 
Aufhörens  der  ReielishUlten  Ungarn  , Böhmen  und  Oesterreich  dem  Türken  aiiheim- 
falleu  und  im  Reiche  würden  die  zwbi  Vicare  die  Gewalt  haben,  die  Freistellung  mit 
Gewalt  durchsetzen  und  die  katholische  Religion  in  höchste  Gefahr  bringen.  Das 
Alles  i.»t  durch  rechtzeitige  Ordnung  der  Nachfolge  in  Rohmen  uml  dann  im  Reich 
zn  verböten. 

,\nf  dem  regensburger  Reichstage  [von  l.öüt]  haben  schon  die  vornehmsten 
Clmrfürslen  K.  M'  in  eigner  Audienz  ennahnt  und  ihren  Beistand  angel)oteii.  Auf 
die  vier  jetzigen  Churfürsteu  [Mainz,  Köln,  Trier  und  Brandenburg]  kann  man  sich 
auch  wohl  verlassen.  Sollten  aber  sie  sterben  und  der  Administrator  von  Sachsen 
über  zwei  .Jahre  die  Vormundschaft  niederlegen,  so  könnten  spater  Schwierigkeiten 
entstehen.  Sind  doch  schon  jetzt  Practiken  wegen  eines-  protestantischen  Kaisers 
durch  verdächtige  Zusammenkünfte  auf  der  Bahn  und  „der  bese  feind  und  die  cal- 
vinisteu“  feiern  nicht  mit  ihren  ..Vnschlägen  wider  Oesterreich  und  ilie  Katholiken, 
zu  deren  Anstuhrung  cs  zwei  Mittel:  ila.»  Interregnum  oder  die  Wahl  eines  pro- 
testantischen Kaiser»  gibt.  Für  Böhmen  käme  hinzu , da»»  die  Reichsfürsten  nicht 
Lehenslente  eines  Königs,  der  nicht  zugleich  Kaiser  ist,  sein  werden  wollen. 

E.  M‘  könnten  nun  da»  Bedenken  hal>en,  dass  Sie  sich  noch  verheiralhen  und 

einen  Sohn  erltalten  könnten.  Für  den  Fall  lies»»  sich  hei  der  Ordnung  der  Nach- 
folge in  Ungarn  unri  Böhmen  ein  Vorbehalt  zu  de.»sen  Gunsten  machen  und  die 
Krönung  verschieben.  Ancb  wird  der  Nachfolger  E.  M'  ohne  Bedenken  versprochen: 

1)  nicht  zn  heirathen , so  lange  E.  .M'  Leiheserben  zu  hoifen  hohen,  und  sich  mit 

der  Verehelichung  ganz  nach  E.  M‘  Willen  zu  halten ; 2)  einem  Sohne  E.  M‘  bei 
dessen  Vogtharkeit  die  Königreiche  abzutreten  und  denselben  nach  Kräften  zur 
Nachfolge  im  Reich  zu  befördern;  und  3)  sich,  so  lange  E.  .M‘  lebt,  der  Regierung 
nicht  weiter  nnznmossen,  als  E.  M'  ihm  einräumt.  Letzteres  werden  die  iHihmi.schen 
Stände  selbst  bei  der  Wahl  aushedingen  und  es  ist  üblich,  da««  der  römische  König 
einen  solchen  Revers  ans-slellt.  Auf  diese  Weise  würde  sich  E.  M'  einen  treuen  Ge- 
holfen erwerben,  Sie  könnte  ihm  die  Kei.sen,  die  Abhaltung  der  Reichstage  und  dgl. 


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123 


öberla»»?n  und  alle  Gefahr  »uire  verbotet.  „Und  halten  wir  fOr  gewiss , das  kein 
mansch  lebt,  der  es  ai\derst  mit  K.  M'  und  der  gemeinen  wolfahrt  treuherzig,  eifrig 
und  wol  meint , der  nit  von  ganzem  herzen  die  ehist^  Versicherung  der  succession 
aller  dreien  cronen,  doch  mit  obsteheuden  gennegsanien  conditionen,  ratheii  wirdet“. 

Der  Anfang  ist  in  Böhmen  zu  machen,  da  dies  die  Feststellung  der  Nachfolge 
im  Reiche  erleichtert.  Bet  Ungarn  ist  das  Bedenken,  dass  es  dem  Reiche  nicht  ein- 
verleibt ist  und  dieses  und  Böhmen  von  ihm  nichts  empfangen,  soudern  nnr  ihm 
hellen  müssen  , so  dass  man  die  Böhmen  und  DeuLschen  durch  die  vorherige  Vor- 
nahme der  ungtirischen  Wahl  mehr  schrecken  als  trösten  würde. 

Von  den  Mitteln,  wodurch  die  Bache  in  Böhmen  ins  Werk  zu  setzen  wäre, 
wird  man  erst  nach  E.  .M*  Bescheid  reden  können.  Sie  wird  alter  sehr  erleichtert 
wenlen,  wenn  E.  M‘  die  erleiligten  Stellen  ilcr  Kronbeamten  von  Bubnien  vorher 
mit  Katholiken  besetzt  und  die  I’ersonen  wie  den  l’roeess  der  Kauzlei  reformiert.  lu- 
zwi.scheu  wären  auch  die  nötbigen  Acten  aufzusiichen. 

Die  in  Ungarn  den  Türken  wieder  entrissenen  Güter,  Bchlös.ser  u.  s.  w.  be- 
treffend, meinen  wir  mit  Unverzagt,  dass  sie  einstweilen  Niemandem  zu  geben  seien. 
Nach  erfolgtem  Friedeu.sscbluss  kann  mau  auf  einem  Landtage  sehen,  wem  sic  ge- 
hören und  was  davon  E.  M'  gebüre. 

Den  12.  jiilii  anuo  99. 

Wi.  1 A I.  Succession  in  Böhmen.  Matthias  N.  3.  Cnpie. 


IV. 


Berichte  Franre.seo  Yemlraniiii.s  an  den  Bogen. 


1)  Frag  10  ■Tuli  1.Ü99 Essendo  cessata  in  gran  parte  ä qnesta  corte  la 

voce  del  nmtrimonio  di  8.  C M**  nella  principessa  de  Medici,  si  iuteude  hora,  che 
il  negotio  del  detfo  raatrimonio  si  tratti  per  il  Ser”"  arcidnea  Matias  con  il  s'  Gran- 
duca  et  che  S.  M'*  p.»scndo  stata  longameute  in  qne.sti  concetti  di  maritarsi,  si  sia 
resolnta  di  far  elegger  potendo  [!]  la  persona  di  S.  A“  re  de  Romuni.  .Yflerniano, 
che  cessate  le  fattioni  di  quesl"  anno  in  Ongaria  overo  con  la  pace  overo  con  la 
stagione , si  teiiirä  une  dieta  in  Fossonia  per  far  elegger  S.  rö  di  Ongaria  et 
poco  da  poi  se  ne  tenira  un'  altra  in  «ineslo  regno  per  eleggerlo  rö  di  Rooraia  ct 
finalmente  si  chiamerä  la  dieta  imperiale  per  la  sua  olettione  de  re  di  Romani.  Con 
che  S.  C.  M'"  peiisa  di  volcr  dar  al  moiido  qiiesta  sodi.tfuttione,  inteudeiidosi,  che 
ella  procuri  di  impedir  la  trattatione  de]  matrimonio  di  quella  principessa  con  la  M'^ 
del  re  Christ”",  daudo  intentione  al  Grandnca  di  darle  el  titolo  da  Ini  desiderato,  et 
di  accoiisentir  in.sieme  alle  nozze  delF  arciduca  con  una  summa  couvenieute  di  danari. 

Ifi" 


I 


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T24 


Di  (|aesta  niBteria  iifferm»no,  che  il  s'  Coraducio  *)  iie  hiibbio  traltato  ultimamente  in 
Fioreoat  con  S.  A".  Con  tutto  ciö  per  le  frcqnenti  aUerationi,  che  qui  si  sono 
fette  fin  hnra  in  qiiesta  niateria,  si  discorre,  che  non  ai  possa  aeertir  del  tuturo 
alcnna  cosa  con  fondaraento“. 

D.  V.  Fol.  2!l,  210  Or.  in  Chifferu. 

2)  Prag  21  Anglist  1590.  „Serenissimo  Principe.  Xelie  roci  che  vanno 
Storno  di  moUi  giorni , ehe  il  re  Christ“'  ospiri  grandemente  alla  elettione  di  re  di 
ßoinani  nella  sna  persona  et  che  i principi  elettori,  poco  ben  affetti  verso  la  Ser"* 
casa  d'Anstria  et  molto  infastiditi  del  governo  presente,  feciano  importnua  instantia 
all’  Imperatore,  che  si  risolvi  di  convocar  una  dieta  imperiale,  sicome  da  lei  e stato 
promes-so  li  inesi  passati,  affine  che  sia  cletlo  nn  re  de  Romani,  si  e ris.solnta  S.  .M'* 
C.  di  dar  ordine  per  lettere  al  Ser“*  arcidnea  Massimiliano , chü  vada  qnanto  prima 
in  nome  sno  ä caduuno  degli  elettori  nei  suoi  proprii  .«tati,  affine  cb^  eesi  intendino 
la  bnona  mente  di  lei  et  che  egli  scopri  la  intentione  dei  principi  sospetti,  cunfermi 
la  bnona  volontä  di  qnelli,  che  sono  ben  disposti  et  ehe  in  universale  proenri  con 
questa  dimonstratione  di  coneiharsi  gli  anirai  pih  chÄ  sia  po-ssibile,  di  essi  elettori 
per  la  detta  elettione,  alla  qnale  senra  alcun  dubbio  s'iutende,  ch^  sarä  prouiossa 
da  S.  C.  M“  la  persona  dal  t^r“*  arciduca  Matias,  come  qnella  che  e magior  di  anni 
et  che  ha  le  pretensioni  migliori  degli  altri  snoi  fratelli.  Vogliono  qni,  chö  S.  M“ 
debbi  haver  il  voto  di  Sassonia  indnbitatamente  hora  che  l'administrator  6 morto 
sno  dependente ')  e che  1'arcive.scovo  di  Magontia  et  qnello  di  Treveri  debbino  con- 
corer  essi  ancora  nella  sna  nomiuatione.  Al  che  aggiongendosi  il  sno  proprio  voto 
come  re  di  Hoemia  vogliono,  che  ella  sia  per  haver  ndempito  il  unmero  suffi- 
cientenientc  jier  la  detta  elettione  conforme  alla  sua  volontä, 

■Altri  dicono , chb  il  conte  Palatino  et  il  marchese  di  Brandenbnig,  principi 
Protestant!  favoriscano  il  re  Christ”*,  che  l’arcivescovo  di  Magontia  non  sia  cosi  ben 
femio  per  la  casa  d'Anstria,  che  qnello  di  Oillonia  favorisca  il  Ser""  arcidnea  Alberto 
et  che  pasaino  degl’  altri  negotij  secreli  et  delle  dissinmlationi  con  fine  di  fer  ridnr 
qnanto  prima  la  dieta  et  che  la  elettione  possa  sncceder  poi  diversamente  dull’ 
aspettatione  et  dal  desiderio  di  S.  C.  M",  qnale  perö,  come  s'intende,  insieme  con 
qnesti  mini.stri  mostrano  di  teuer  poco  conto  dei  pen.«ieri  di  Francia,  facendo  la  in- 
stantia la  S'*  del  pontefice  col  me/.o  di  qnesto  Rev"“  uontio,  che  S.  M'*  ai  risolvi  di 
convocar  la  dieta  qnnnlo  prima,  offerendosi  di  fevorir  apresso  gl’arcivescovi  elettori 
con  ogni  sua  autoritä  quel  soggetto,  che  le  sarn  pih  grato  et  che  ella  si  adopererä 
prontamente,  affine  che  l’elcttione  cada  in  iin  principe  di  qnesta  Ser"“  casa. 

lutanto  s’intende,  che  S.  M'*  Christ'“  continni  le  sue  pratiche  con  gl’  elettori 
et  che  doveva  pa.ssar  ultimamente  una  pei-sona  sotto  altri  pretesti  ä traltar  con  loro 

1)  Er  reiste  lisch  einem  Berichte  Vendramins  a.  a.  0.  13."i  am  10.  Mai  ah. 

2)  Diese  Stelle  ist  otTenbar  anrichtig  dechiffriert.  Es  eollle  etwa  heissen : hora  piu  certe  che 
tJ9  Vadministrater  n.  s.  w. 


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125 


di  qaesta  materia,  ma  qni  couclndono,  clif  S.  C.  M“  prociirerä  di  assicurarsi  prima 
in  quanto  1e  aarä  possihile,  della  detta  elettione  et  chü  poi  sarä  da  lei  convocata  la 
dieta,  la  qnal  sarä  portata  inanzi  facilmeute,  per  quanto  si  crede,  con  so<lisfattione 
de’  principi  clettori  fiiio  ii  tantu,  che  con  il  fine  dell’  anno  presente  si  termininn  le 
fattioni  et  forse  tutta  la  gnerra  nella  Ongaria. 

II  Ser"  arciduca  Masaimiliano  per  qnanto  s’intende,  harendo  moderato  i snoi 
pensieri  della  scoperta  emnlatione  con  l'arciduca  Matias,  suo  fratello,  par,  che  vada 
iuclinando  Tanimo  ä qnalche  gran  vescuvato  di  Germania  col  mezo  dell’  antoritä 
deir  Imperator  et  del  pontefice,  con  che  avanzando  si  il  modo  di  poter  sodisfar  tutti 
i snoi  debiti  et  di  poter  snplir  abondantemente  alle  spese  della  sna  corte,  potesse 
viver  S.  A“  con  qniete  conforme  alla  sna  natural  iuclioatione.  Gratis  etc. 

D.  V.  29,316  Dechiffrierung. 

3)  Prag  25  Angnst  1599  Desiderando  S.  C.  di  reconciliarsi  gl’animi 
di  questi  baroni  di  Bohemia  et  specialmente  della  casa  Poppel  molto  principale, 
esacerbata  per  la  pena  data  giä  ä Giorgio  Poppel  et  per  i sospetti  mostrati  da  lei 
altre  ToUe  della  lor  fede,  ha  elctto  ultiniamente  il  s'  Christoforo  et  il  s'  Sdenco 
Poppel,  il  primo  per  maggiordomo  maggior  del  regno,  grado  tennto  altre  volle  dal 
detto  s'  Giorgio,  che  fu  de.smcsso  et  ä tennto  tuttavia  prigione,  et  il  seeondo  per 
canceliero  supremo  del  regno.  Merlesimamente  ha  eletto  nelP  i-stesso  tempo  per 
cameriero  maggior  dal  regno  il  baron  Berga  [Bercka]  fratello  dell'  arcivescovo  di 
qnesta  cittä  et  per  primo  giudice  il  barnn  de  Sterembergh  [Sternhcrg].  1.ji  distri- 
bntione  di  questi  mini.storij,  vacati  di  longo  tempo,  ii  stata  fatta  hora  da  S.  M‘‘  per 
avaiuarsi  solamente  la  volontü  di  quesii  et  d'allri  haroni  suoi  dii>eiide>iti  con  fine  di  far 
elegger  quanto  prima  il  Ser”“  arciduca  Matias  re  di  Hocmia.  Corrono  perö  le  voci,  che 
ciö  sin  stato  fatto  per  le  instantia  del  pontifice,  il  quäle  intendendo,  che  erann  esser- 
citati  una  parte  di  qnesti  carichi  da  vicegerenti  tutti  hcretici  di  longa  mano  per 
moilom  provisionis,  se  n’era  dolnto  piü  volle  con  S.  M’*,  dubitando,  che  finalmente 
ricadessero  tutti  i carichi  nelle  sne  mani. 

Ila  ordinato  poi  S.  M’“  C.  in  un  mede.simo  tempo,  che  siano  scacciati  i predi- 
canti  della  setta  di  Lnthero  et  di  Calviuo  non  solo  di  qnesta  cittä  ma  ancora  dall’ 
assistentia  di  qnei  haroni,  che  seli  tengono  apprcsso  libcramente  nei  lor  castelli.  Ai 
qnali  baroni  b stato  scrilto,  chi-  sotto  pena  della  sna  disgratia  debbano  scacciarli 
qnanto  prima  et  che  qni  in  Praga  venga  iuqnirito  diligentemente  sopra  quelli  che 
adheriscono  alle  sudette  sette  con  online,  che  siano  osservate  le  leggi  proprie  di 
Bohemia,  dalle  qnali  viene  prohibita  l’essercitio  d’ogni  ultra  religione  che  oltre  la 
vcra  cattolica  Romana,  la  commnnione  snb  ntraquc  permossa  altre  voIte  ä bnon  fine 
con  le  conditioni  esprc.sse  nella  bolla  dai  pontefici  ä questo  solo  regno,  del  che  si 
spera  di  riceverno  bnonissimo  frutto  conforme  alle  antiche  institutioni  di  S.  S**  et 
conforme  al  desiderio  di  S.  M'*.“ 

D.  V.  29.  325  Or. 


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12ß 


V. 

Berirlite  übrr  Kiidolfs  II.  Verhältnis  zu  Kumpr. 

1)  Vendraniin  au  den  I)o)ieii,  Pra(?  12  .\pril  15!)9  „Li  disgusti  contra  la 
jM^rsona  ilel  ,s'  liotifo,  per  quello  s’intendc,  si  scopreno  .sempre  maf>^iori,  che  per  es-ser 
(piesto  so){<retto  molto  coiispicno  et  il  inagnior^  <li  questo  goveruo,  causano  varij 
discor.si  al  presente  in  qiiesta  corte.  Uicouo,  che  ä S.  M'*  sia  stato  representato, 
clii'  il  »'  Umil'o  gia  stato  causa  priiicipale,  che  al  Ser“°  arcidiiea  Alberto  sia  stata 
il.ita  per  luoglie  la  Ser“*  infaiit«  ili  Spagiia  contra  il  gusto  di  S.  M'*  et  che  haTcmlo 
egli  pi’r  fiiie  maggior  grandezza  del  detto  arciilnua  et  per  altri  rispetti  aucora  ä 
re<juisitioue  di  Spagna  egli  cou.segli  bora  S.  M“  di  non  maritarsi  et  ehe  perb  egli 
si  sia  oposto  apertameiile  al  parer  sno  nelle  consnlte  ä iineslo  malrimouio  con  la 
nipote  del  Orandnca.  meiitre  gli  altri  ipiattro  suoi  ministri  la  hanno  eousegliata 
che  conveuga,  che  ella  si  raariti,  per  servitio  della  idiristianiti»  et  ehe  mm  trnvando.si 
ipiesto  sogetto  piü  proprio  all'  otä  sua,  le  conveuga  di  prender  la  detta  principessa. 
Aggiongono,  che  S.  M‘  iusos|)ettita  del  dfdto  s'  Konfo  per  nna  eommi'iida,  che  egli 
tiene  da  niolti  aiini  in  Spagna  hen  col  suo  consenso,  sia  cndnta  di  liii  in  gran  diffi- 
denza  et  ehe  lo  tenga  per  molto  apassionuto  nelle  cose  appartenenti  ä <|nella  coroua, 
verso  la  qnal  S.  M“  si  scnoi>rc  honi  nmlissimo  disposlo. 

Sono  alqnanti  mosi , che  «i  e partito  di  qnesta  corte  il  s'  doii  (Inglielmo  San 
t’leineute,  anbasciator  di  Spagna,  et  se  hen  sncce.sse  poco  da  poi  la  mortc  del  Ser”“ 
re  catholico,  non  e perft  stala  mandata  cini  c|uella  personn,  come  si  aspettava.  ä far 
nfficio  di  compliniento,  ne  meno  e stato  proveduto  qui  di  altro,  che  va<la  in  Spagna 
[ler  il  smletto  effetto.  il  che  vien'  os.servato  insieme  con  altre  cose,  per  le  qnali  si 
crede,  che  li  disgnsti  si  facciano  .sempre  luaggiori. 

Ha  il  s'  Konto  con  raro  i'ssempio  ü qne.sta  corte  tre  carichi  uiiitamente  li  piu 
priucipali  apprc.sso  S.  M”:  l’imo  di  presidente  del  consiglio  di  stato,  l’altro  di 
maggiordomo,  il  terzo  di  uimerier  maggiore,  et  fanno  capo  con  Ini  tntti  li  ambaseiatori 
et  ogn'  altro  persona  iielli  maggiori  negntij  che  si  trattano  ä qm>sta  corte.  Onde 
egli  si  trovB  imposseasato  et  della  intelligeuza  dellc  matcrie  et  della  autoritä,  nientre 
ti.  C.  M”  fiiggendo  le  occasioni  di  travagli  le  ha  hksciato  nna  administratione  qna.si 
assolnta  di  tntte  le  cose.  Ila  (■gli  ultimameute  ricercato  buoua  licenza  da  S.  .M”  di 
rltirarsi,  ritrovandosi  in  ela  di  03  anni,  et  li  fu  pronnsso  prima  di  darin  et  poi  le 
fii  parlato  da  lei  molto  altrimentc,  .si  che  egli  conosce,  che  ella  non  vnole  licentiarlo, 
et  sa,  che  ella  non  puü  privarsi  di  lui,  spetialmente  per  i nuneggi  che  passano  al 
presente  di  guerra  et  d'altri  negotij  impnrtanti,  da  Ini  pin  che  da  tntti  gli  altri  pra> 
ticati  et  iutesi.  Egli  eiitra  al  presente  rare  volte  ä S.  M'*  rispetto  all’  ordiuario  et 
per  quanto  s’intende,  succtnlendo  questo  mntrimonio  e molto  risoluto  di  ritirarsi  ä 
viver  privatamente  in  altra  parte. 

Ha  egli  proposto  nltimamente  nella  consnita  la  principessa  sorella  maggiore 


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127 


della  ivKin»  di  lr<|>agna,  come  i>iii  propria  alla  )(raiide<7.ii  di  S.  ma  dagli  altri 
d atato  reprobato  quaato  aoiiao  coii  la  etä  aproportioimtii  ch'  «-lla  tieue  agli  amii  di 

S. 

E ritornato  ultimauieute  il  canieriero  del  s'  ainbaaciator  di  Fioreiiza,  vemito  in 
aette  giorui,  nun  aapendoai  sin  hora  altro  d'arantaggiu,  ma  discorrendoai  da  persona 
di  moltn  sensn.  che  esaendo  S.  M**'  uatnralment«  molto  dnbia  nelle  sue  resoluliuni  et 
huvendo  poatu  nella  cousulta  dei  siiui  rainistri  questo  niatrimonio  per  inlerease  di 
atato  et  per  ralerai  apprea«o  li  principi  dei  [»reri  unirersali  di  tiitti  i sudetti  suoi 
ministri,  etla  |>ntrebl)e  ritirarai  bnabnente  da  qiieati  snoi  penaieri,  non  barendo  dato 
la  parola  al  (irauduca.  Del  ehe  non  c alcnno  ch'  aflermi  altro  di  piii  con  fonda- 
mento  di  qnello  che  barendo  io  intesao  da  boniaaiina  parte  ho  repreaeutatu  sin  bora 
riTerentemcnte  alla  Ser*^  V.  (iratie  etc. 

D.  V.  20,  HO.  Uechiffirierung. 

2)  Alexander  PräntI  an  Herxog  Maximilian  von  Haiern.  Prag  10  .Juli  I50'i. 
K.  D'  hat  mir  unter  dem  2.  verwieaen,  dass  ich  nicht  berichtet  hätte,  „was  sich  mit 
dem  Unrapfen  und  an<leru  I.  M'  dienern  hegelHui,  was  auch  für  dienstverenderung 
auf  der  paan  “ Ich  habe  frilher ')  iM'richtel , „das  1.  M'  sich  ein  xeit  hero  melan- 
cholisch und  gegen  dero  cauinier  was  scherpfers  als  zuvor  erzeigt.  In  specie  hah 
ich  nichts  schreiben  künden,  weilu  dergleichen  .Sachen  vor  mir  und  anderer  fürsten 
und  herrn  dienern  derniassen  uudertrnckt  werden,  das  ich,  oh  gleichwul  zu  Zeiten 
von  dergleichen  di.«cnrriert  worden,  kain  gewisshait  halwn  mögen.“  Ich  habe  mich 
um  so  mehr  hüten  iiiüssen,  nachznfragen , als  ohnehin  anf  die  Agenten , ihren  Um- 
gang, ihre  Erkundigungen  jetzt  sehr  Acht  glichen  wird.  Vor  wenigen  Wochen  i»t 
Kaiidlberger  ’)  welcher  den  steirischen  Ständen  alhsn  in  ihrer  Ueligiuussache  hier 
V'erhandelte  geschrieben  hatte,  nachdem  seine  Briefe  eröß'uet  worden,  in  der  Xacht 
aufgehoben  und  an  Erzherzog  Ferdinand  ansgcliefert  worden. 

Was  die  t?achc  selbst  angeht,  so  scheint  mir,  dass  man  ausserhalb  Prags  mehr 
weiss,  als  ich  erfahren  kann.  „I  ksl.  M‘  hat  sich  gegen  den  truksessen  und  cam- 
nierdienern  sonderlich  vor  und  unter  tafelszeiten  vor  diesem  — davon  nun  etliche 
Wochen  nichts  mehr  gehört  worden  — was  wnnderbarlich  und  schaiq>f  erzaigt,  einen 
und  den  andern  bald  abgescbalTt,  doch  nit  gar  geurlaubt , sondern  über  etliche  tag 
widerumben  zn  dienst  kommen  lassen , welches  daher  ervolgt  sein  solle,  das  I.  ksl. 
M*  gespurt,  das  vilerlei  Sachen  durch  hilf  diser  leuten  förgcbracht  und  embsig  solli- 
citirl,  welche  ihrem  ambt  gar  nit  anhengig,  als  das  I.  k-sl.  .\1’  lenger  und  weiter 
nit  gedulden  mögen , ainiche  sach  anderst  als  ordinaria  via  fürzubringen  oder  ex- 
pediert zewerden.“ 

Dass  mit  Rumpf  etwas  vorgegangen  oder  derselbe  irgendwie  in  Ungnade  ge- 
fallen sei,  kann  ich  dnrehans  nicht  erfahren,  und  es  ist  auch  nichts  davon  zu  spüren. 


1)  S.  den  bericht  vom  19.  .\pril,  oben  Anm.  117. 

2)  Vgl.  Harter  IV,  .74,  224  f,  475,  .MUI  f.  Ilammar  Khlcsl  I,  n.  12ti  and  129. 


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128 


denn  Bumpr  liat  atats  seiiiRii  Diaiiat  getlian  und  dem  geheimeu  Käthe  angewohiit 
ausser  an  wenigen  Tagen,  wo  er  durch  Leihesschwachheit  am  Ausgehen  verhindert 
war.  Das  Gerücht  mag  dadurch  entstanden  sein,  dass  Graf  Karl  von  Ilohenr.ollern 
lind  Herr  von  Polweit  hierher  berufen  wurden,  wornns  man  schloss,  dass  jener  Obersl- 
hofmeister  und  dieser  Keichshofrathsprüsident  werden  solle.  Obgleich  Polweii  schon 
hier  ist,  hört  man  doch  nichts  von  .seiner  Anstellung.  Trautson  trachtet  seit  dem 
Tode  seines  einzigen  Sohnes  stark  vom  Hofe  .Sollte  er  wirklich  seinen  Abschied 
erlangen,  so  meint  man,  das.«  Polweil  Obersthofmarschall  nnd  Keichshofrathsprüsident 
zugleich  werden  würde.  Vor  einigen  Wochen  ist  der  früher  in  Krzherzog  Ferdi- 
minds  Diensten  gewesene  Herr  von  .Molart  znm  Oberstkämmerer  angeuomincn , doch 
s<dl  dies  Kumpf  wegen  seines  hoben  Alters  zn  be.sonderen  Gnmleii  geschehen  sein. 
Wann  Molart  den  Dienst  autritt,  weiss  mau  noch  nicht;  iuzwisclien  versieht  Kumpf 
ilcnselljeu  Weiter.  Ma.  50/f),  114  Or. 


VI. 

lierichte  fiher  Kudolfs  Krkrankuiig. 

1)  .lo han n Man  hart  an  Herzog  Maximilian  vo  n Ha  ier n.  Prag  7 Fe- 
bruar 1 COO.  „Nachdem  ein  zeit  her  vilerlei  von  hie  aus  geschrieben  worden,  so  I.  M'  nnd  das 
iiofweseu  aulangt,  und  villeiclit  mit  allerlei  selzumen  discursen,  die  hernach  draussen 
im  reich  und  sonst  vit  übrige  aueh  nachthailige  nidcn  cansieru,  hab  K.  D'  ich  allein 
diess  dabei  nnterthänigst  wülleii  vermelden,  dass  Gottlob  1.  ksl.  M'  ziemblicher 
guetter  gesundhait  nnd  gar  arbaitsamh  seien.  Ks  hat  sich  zwar  etwas  veräiidernng 
mit  dero  canimerofficiern  und  dienern  begehen,  indenie  I.  M'  sich  etwan  zu  Zeilen  mit 
Zorn  erhizt  und  czlich  gähling  ahgeschalft  oder  aber  sonst  ernstlicher  (wider  die  ge- 
wohnliait)  gegen  denen  verfahren,  davon  vil  geredt  worden,  wie  dann  auch  von  herrn 
Kumpfen  selbst.  Es  wöllen  aber  die  verstendigeu  darfllr  halten,  I.  M'  haben  hieran 
die  nolbweudigkeit  gethan  und  mau  sage  sonst,  was  mau  wolle,  so  sieht  man  der- 
jenigen, so  auf  I.  M‘  täglich  zn  vs'arten,  anjezo  aiu  sondere  sorgfcltigkcit  und  tteis- 
siges  dienen.  So  waiss  man  anders  nit,  als  das  Herr  Uuinpf  sine  discretioue  seinen 
dienst  täglich  besucht,  auch  cmlisig  nnd  fleissig  den  gehaiincn  rath-  und  andern  Sachen  ab- 
wartet.  Item  wie  noch  die  verslendigsten  ilarfUr  halten,  da  .schon  I.  M'  sich  etwan 
zu  Zeiten  alterierten , wereu  doch  genuegsaiuc  Ursachen  vorhanden , .sonderlich  der- 
selben zeit  vorhanden  gewesen,  niss  mit  dem  sihenburgiseben , uugcrischen  kriogs- 
sachen,  der  Spanier  rumor  in  Nidcriand  und  reichsdepulationtag,  welcher  alles  vast 
anf  aineu  häufen  minus  directe  fürgelolfeii.  Dieweil  aber  Gottlob  sich  allgemach  die 
Sachen  etwas  hes-ser  foriniern,  spürt  mim  derzeit  I.  M'  in  zimblichcr  nie.  Herr 
Kumpf  ist  warlicb  nun  bei  ziemhlichem  alter  und  wol  zn  vermuetteu,  er  begere 
iinch  einer  bessern  vue,  wie  man  auch  vom  Herrn  TranUon  dessgleichen  sagen  will, 


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129 


dann  einmal  menniglichen  l>ewisl,  das  disen  siwaien  herrn  ein  sehr  hoher  tmd  schwerer 
dienst  aufgebnndeii , auch  getreuer  mithelfer  und  eutseser  wol  hetürllig  seien,  wie 
man  dann  sagt,  dass  nach  dem  graven  von  Zollern,  hern  von  Polweil  und  andern 
mehr  soll  geschrieben  worden  sein  *). 

Ma.  SO,  10,  15  Or. 

2)  Der  venezianische  Gesandte  Piero  Dnodo  an  den  Dogen. 
20.  Mürz  1000. 

.,La  dietn  di  Oiigaria  Inttavia  continua  et  per  le  molte  cuiuloglienze  bitte  dalli* 
Ongari  contro  il  conte  di  Snarzeraherg  cra  stato  egli  necessituto,  da  Viena  passarsene 
snbilo  verso  Possonia  per  qnesto  effetto.  Da  Slesia  darii  aiich’  essa  le  solite  contri- 
butioui  deir  anno  pussato  et  il  simile  la  Moravia  el  l'Aiistria  et  ipiesta  anco  di  piü 
shorscra  21000  fiorini  per  fahricar  in  Vienna  il  palazzo  di  M'^.  Il  che  ha  fatto 
divnigare,  chi:  ella  polesse  ben  presto  transferirsi  ä qnella  volta.  Ma  regnandovi 
adessn  il  male  delle  petecchic,  delto  da  loro  il  male  d'Ougaria , et  senlendovisi 
qualche  caso  di  peste  ehe  tanto  teme  S.  M'^,  non  si  crede,  chü  potease  cosi  facil- 
meutc  venire  in  tale  resolutione.  Anzi  ((uesti  di  esseiulo  inorto  iino  al  imjiroviso  ä 
Pilzen  che  si  dubith  forse  di  mal  contagioso,  subito  ella  spedi  forrieri  ä Passan  con 
dissegno  di  andarsene  ipiivi.  Ma  vedendo,  che  la  cosa  non  fa  altro  progresso,  si  e 
acqnietata  ne  piü  seno  parla.  Qiielli  estraordinarii  tiuiori  el  il  vivere  tanto  retirato 
di  S.  con  taute  eure  et  laiiti  pensieri  le  hanno  aceresciiito  in  modo  la  iiielan- 
amia,  suo  male  naturale,  qnesti  giorni , che  havendo  riceriitu  disgusti  dalli  siioi  ser- 
vituri  ne  ha  ferito  nicuni  et  altri  anco  mal  trattati,  in  modo,  che  inolti  si  sono 
|>ai'titi  di  corte  et  <|uclli  che  restano,  non  vi  sono  senza  pericolo  del  meilesimo  et  la 
sua  imperial  per.soiia  e rimasta  con  pochissima  servitü“. 

D.  V.  30,  12  Or. 

3)  Johann  M Huhart  an  Hz.  Max  imil  inn  vo  n Haiorn.  Pilsen  26 Mära  11100. 
Ich  bin  hierher  berufen  worden.  E.s  scheint,  dass  der  Kaiser  noch  lange  hier  bleiben 
will,  denn  es  ist  za  Prag  noch  nicht  völlig  sicher  wegen  der  Pest.  Vornehme  Ma- 
thematiker und  Physiker  wollen  „natiiralihus  indiciis“  sclilicsscn,  dass  die  Gefahr  wenig- 
stens noch  bis  zum  nächsten  September  dauern  werde.  Der  Kaiser  soll  wieder  ernstlich 
licfoblen  haben,  ihm  einen  Gang  von  seiner  Wohunng  in  die  naheliegende  Kloster- 
kirche zu  flauen  und  Vorkehrungen  für  längeren  Aufenthalt  trefl'cn  lassen,  während 
das  Hofgesinde  spätestens  ü.-tern  in  Prag  zu  sein  gedachte.  ,loacbim  Pngger  wird 
mOndlich  berichtet  haben,  „was  sich  zu  Zeiten  I.  ksl,  M"  person  und  anders  Ver- 
laufs halben , auch  in  zeit  seines  hieseins  zugetragen  und  jezt  vast  gemuin  wirdet. 
Der  allmechtig  verleich,  damit  uit  etwa  aiumal  aiu  unverhoffte  consequenz  volge." 

Ma.  50.10,  33  Or. 

I)  Drr  llricf  ist  weder  mit  einer  Anredefemiel  noch  mit  der  rnterschrifl  versehen.  Zur  Kr- 
kUrung  dieser  Vorsicht  und  des  iiu  Briefe  angescblageuen  Tones  vgl.  Beilage  V,  2 über  die  Beauf- 
sichtigung der  .\genten. 

Abh.  d III.  Ci.  d.  k.  Ak.  d.  Wiss.  XV.  Bd.  I.  Abth.  17 


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130 


4)  Piero  Dnodo  an  den  Dogen.  Prag  17.  April  IflOO. 

„.Apprewto  Paninjiuistralore  di  Snasonia  si  era  per  fare  nna  andata  di  molli 
principi  Alenmni ')  et  si  stima,  cbe  sia  per  cose  importautisaime  et  particolarmente 
per  far  risaolvere  hormai  S.  M'^  i>  far  fare  eleltioue  di  nn  n>  d«  Romani  et  di  niaritare 
ipialch'uDO  dein  Ser“'  auoi  fratelli , co.ae  tntte  che  sono  di  poco  gusto  della  .M*^  S., 
perche  li  fratelli  non  si  mariterauno  senaa  liaver  stati  et  S.  M'^  per  t)nanto  si  dice, 
vire  ressolnta  di  non  sene  spogliare,  et  il  far  re  de  Romani  e cosa  che  puö  con 
ragione  dnhitare,  che  le  scemi  la  rcputatiooe  et  la  dignitn.  Dali'  altro  canto  S. 
patisse  nn  catlaro  che  spesso  le  da  travaglio  grandissimo  et  li  snoi  piii  alfetionati 
temono)  che  un  giorno  al  iraproviso  non  le  cresca  tanto,  che  Io  snlTochi,  nel  qnal 
caso,  come  starehbe  l'Imperio  scnza  capo,  qiiesto  regno  et  quello  di  Ongaria  seuza 
re,  per  le  tante  pretensioni  che  ci  sarebbono,  sia  effetto  della  prndenza  della  Ser*^ 
V.  il  conaiderarlo.  Kl  perö  qncsti  principi  che  vanno  perredinnlo  da  lontano  qnesto 
disordine,  Torebbono,  se  fo.sse  po.«sibile,  prevenire  prima  di  ea'wr  prevenuti.  Per 
qnanto  ho  sottrutto  da  bnon  luoco,  pare,  che  questi  habbiaoo  havuto  strette  trat- 
tationi  cul  princi|>e  Mauritio  per  harerlo  alli  loro  serritij  ne  egli  si  mostrava  alieno 
per  servire  al  presente  alli  .Stati  con  molto  sno  disgnsto,  non  potendo  tolerare  di 
essor  legato  stato  al  modo  che  c,  et  coramandato  da  borghcsi,  cbe  secondo  il  costnnie 
di  quh  da  luonti  nun  )>orlauo  alcnn  titolo  di  nobilta  seco,  ina  in  eifettu  i egli  lal- 
uiente  invilupato,  che  non  ha  saputo  trorar  modo,  come  sbrigarsene,  et  questi.  per 
quanto  intendo,  hanno  per  hora  sbnicciato  qnesto  negotio,  col  mezzo  del  quäle,  se 
havessc  ))otuto  rinscire,  doverebbono  haver  liberato  il  Ser'“  .Alberto  di  un  graude 
nemicu  et  easi  poterano  aperare  di  servirsi  di  un  valoro-aissiino  capitano.“ 

D.  V.  30,  32  Or.  in  Cbifrem. 

5)  Derselbe  an  denaolben.  Prag  8 Mai  1600. 

„La  venuta  di  S.  M'^  qni  resta  ancora  in  snspeso  nüacne  poträ  aajwr  nienle  pih 

di  certo,  ae  non  qnando  aarä  arrivata Non  ba  voluto,  ehe  la  Ser'“  arciducliessa 

Anna  Catterina  d'Inaprnch  enndnea  seco  in  questo  riaggio  le  due  principesae  sue 
figlinole,  le  quali  sono  slate  i>oate  nel  mouaaterio  di  llalla  i>er  cnstotlia.  Della  sc- 
conda,  cbe  non  ba  piti  ehe  dodici  in  tredici  anni , si  dice,  che  babbia  mnndato  a 
preiidere  il  ritratto,  ])er  haver  la  prima  qnalche  inancamento , et  >piesto  ba  dato  da 
iliscorrcr  alla  corte,  che  S.  iLspiri  di  nunvo  ä qnalche  matriinonio,  il  quäle  in 
gioventii  non  jicnsato  et  in  etä  matura  eaeguito  sarebl«?  cosa  coai  facile,  che  gli 
potesse  levare  la  vitii,  che  Dio  guardi , come  difficile,  che  da  esso  ne  |H)tesse  vedore 
posterilü ; se  bene  e piü  rerisimile , che  secondo  il  solito  tutto  si  rissolvi  nel  imagi- 
narlo  seiiza  ponerlo  ad  esseentione. 

S.  M'*  per  ordine  espresso  senza  commiicarlo  uianco  con  suoi  coiisiglieri  ha 
commandato  al  conte  di  Lodrone,  giä  destinato  commLssario  per  le  cose  di  ca.slel 

1)  Guinciiit  ist  wohl  ilor  Tag  lo  Totgan.  Kitter  Union  I.  ISI.  llriefe  und  Acten  I.  n.  122 
Anin.  1,  124  Amn.  2 und  Li n gels II e mi i et  üonganiii  epp.  11.7,  110,  ll'J. 


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131 


Giuffre,  chÄ  sene  vcti({a  alla  »aa  jircsenza,  con  peusiero,  per  (juaato  mi  viea  detto 
da  assai  buou  Inuco,  d’intendere  particolarmeute  tutto  quello  che  ha  paasato  col  s’ 
Oaca  di  Mantoa 

Sono  qui  li  ambasciatori  di  Bninsvich,  Brandenburg,  Sassonia  et  del  conte 
Palatino  ‘).  8i  dice,  per  far  instanzia  di  questa  elettione  de  re  de  Romani  et  per 
ia  deciaione  di  cento  et  piü  difficnltä  che  sono  devolute  de’  loro  principi  ä questo 
consiglio  aulico,  il  quäle  mai  la  fornisce,  che  certo  6 con  incredibili  quereile  et  dis- 
gneto  di  tutto  l'imperio,  in  modo,  che  non  mancauo  male  sodisfattioni  per  ogni 
verso,  et  se  questi  non  fossero  hormai  entrati  uel  letargo,  si  ])otrebbe  dnbittire  ben 
presto  di  veder  acceso  qualche  grau  fuoco  in  questa  provincia,  ma  al  presente  tutto 
ai  rissolve  in  ambasciate,  promesse  et  negotiationi  et  che  riceve  li  preginditij,  con- 
viene  sopportarli  con  qnello  flegma  per  necessitä,  con  il  quäle  per  volontä  vi  sono 
incorsi.“ 

Ü.  V.  30,  81  Or. 


VII. 

Berichte  Aber  den  Sturz  RunipfM  und  Trantsons. 

1)  Duodo  au  den  Dogen.  2.  .October  1600. 

„Fmalmciitf  dopo  tmdc  male  sodis/alliotti  predicate  che  S.  M'^  havesse  del 
s’  Ron/o  et  dd  s'  Trancen  giorcdi  10.  del  passalo  *)  li  ha  tutti  due  licenliati  dal 
suo  aervitio  et  non  sensa  qualche  pericolo  della  vita  del  primo.  Quello  che  habbia 
dato  la  spinta  ä que.sta  resolutione  dicono  esser  .stato  l’ufficio  gagliardo  fatto  da 
mons'  nontio  nclla  ultima  andienza  che  hebbe  nel  proposito  delli  Uscochi,  perche 
caricü  (ortemcnte  la  mono  sopra  di  loro,  dicemio,  che  non  facerano  mai  alcuna  cosn 
confornie  alli  brevi  che  haveva,  quali  erano  efficacissimi  et  me  li  ha  letti,  in  modo, 
che  il  Uonfo  gli  mandü  ä dire  du|io,  che  üio  gli  perdonasse.  perchd  egli  era  stato 
causa  di  qne.sta  ruina  et  si  dohjono  tutti  doi  di  S.  S"*  Rev“  inlinitamente. 

Ha  subito  S.  spedito  al  Ser"“  Matthias,  ch6  sene  venga  in  diligenza  et  ei 
attende  d’hora  in  hora  Kt  si  ha  dolnto,  che  havendo  in  ogni  tempo  desiderato 
appresso  di  se  qnalch’uno  delli  Ser”'  suoi  fratelli,  questi  due  Vhahhiuno  sempre  scon- 
sigliato.  Änsi  che  uelli  mugyior  sirepiti  ehe  siiccederono  la  notte  dopo  li  15  , alle 

quattro  höre , domandando  S.  3/*“  quello  si  Sapeva  del  Ser“*  Massimiliaiio  al 

1)  Vgl.  Brief«  nmi  Acten  I,  n.  und  S.  246  Zelle  1 von  nntea,  and  LingelsheraH  et 
Bongaraii  epp.  100,  110,  121. 

2)  lJa.s!)  statt  des  10.  der  2H.  za  setzen  Ut,  zeigt  der  Wechentag  und  ein  Bericlit  Prantls  an 
Hz  Maximilian  von  liAiem  vom  7.  October,  dass  „die  Veränderung  bei  Hofe  vorige  Woche“  geschehen 
sei  Ma.  .TO/IO,  64,  Or.  Damit  stimmt  die  Angabe  bei  Kurier  111,  3.3  und  bei  Ritter 
Union  I,  2.70. 

3)  Statt  dieser  Zahl  ist  ohne  Zveifel  2.i.  zn  lesen. 

17* 


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132 


confe  (li  Sciumhergh  rnpifauo  dclli  nmVri,  et  rispontlmttogli^  che  si  cretfeva^  fossc 
h qurM*  hora  in  Finnth'a.  soggionsr:  .X’ostoro  volcvano  uniti  con  li  Spatfnoli^  ehe 
egli  *)  fosse  fatto  re  de  Bomuni  ^ ma  io  rompendo  [!]  qucstn  hro  rctc  in  moih,  ch^ 
non  kavera  luoro  il  loro  difisegno.*^  Xel  rinfaciaf'  H s'  Ilonfo  dclli  rnnncamenfi  da 
hii  crcdufi,  che  hnrcssc  conmrs.^o  net  sno  scrrifiOt  ira  molte  tdfre  cose  dicono  (jUene 
rncordasise  due^  le  qmdi  fdfnmvntc  Ic  sfunno  radicde  ncl  CHorc^  et  sono  In  iuvefdiit4ra 
data  di  ^fo^lma  et  Itezo  H qncUa  di  Virtcmhrrgh , come  dnte  et  per&Hetse  da  loro 
contra  il  sno  jwoprio  servitio.  Con  tutto  qncsio  äi  crcde^  che  }>ass(Uo  qwilcMe  giorno 
nlmrno  il  s\  Trancen  sia  per  tanmre  in  cortc^  nia  ne  Vnno  nn  l'tdtrOf  ae  veniranuo^ 
vorrnnno  sercir  certo  in  altra  carica  ^ che  di  pnro  consiglicro  sccretOj  per  esser  ä 
qursti  fcwpi  il  »treir  fatto  molto  diffirile  et  il  servitio  altntonto  pericoloso. 

Hsuino  anco  richiamato  il  PetzHi  *)  ncl  istos<io  tempo  et  mamlato  facolta  in 
patente  aperta  al  arculnra  col  iiomo  in  biaiico,  perche  noinini  qualcbe  altro  in 

8UO  liiocn  per  )a  tratlatiniie  della  pace. 

S.  M**  pare  dopo  haver  essalato  qaesto  anl<>re,  il  quäle  la  rmleva  nelT  intrin^eco, 
che  sia  molto  soUevata  et  che  stia  rae^lio  assai  del  usato,  inentre  tenova  il  h*  Ronfo 
alla  saa  preseti74\  et  anleva  cli  ade^no  contra  di  lui.  Che  fn  la  notte  nopradetta  si  accese 
in  qnel  pnnto  fiioco  iielT  etlißcio  della  polverc  che  e qtii  in  iin’  isola  del  fimne,  detta 
Venctia.  (}ueMto  fere  per  la  materia  che  vi  cra,  tanto  Inmc  et  tanto  strepito,  ch^  S. 
M*^  diihito,  fosse  fatto  ad  arte,  \\  che  fu  causa,  chö  il  ft'  llonfo  haresse  comraodita 
di  partirsi,  et  cosi  la  cosa  cossu. 

Resta  adesso  capo  del  conseglio  per  modo  di  provisione  il  s'  Carlo  Lietistain 
et  vi  soiio  rOrnostan  et  il  Mechur. 

Il  Corradnccio  htldtc  ancor  esao  la  intimatione  di  andarsenr^  ma  poi  S. 
l'ha  rct’oc<ito  et  m ndesso  al  conseglio^  come  fuena  prima^  mn  Dio  sa,  qndlo  Sara, 

Ha  seqiiestralo  in  ca»a  l Ofman,  prosidente  della  cauneni,  che  e heretico,  et 
Tuole,  che  reiula  conto  d4‘lle  anmiinisirationi  sue,  et  in  sonuim  c rissoluta,  che  li 
snoi  ininistri  facciaiio  il  loro  dehito.  II  setTctario  Barvitio,  che  e stato  il  primo  a 
riportare  i'i  le  attioni  di  qiiesti  inini-ilri,  per  niettersi  in  jjratia,  si  trova  auch’ 

esso  da  sei  seltimani  in  (pia,  cli<^  noii  entra  alla  sua  presenza. 

Kessolutione  de  novi  coiiseglieri  non  si  sa,  che  attcora  Imhbiu  fatto  M^,  ma 
si  noniinann  dne  per  la  corte,  nn  conte  di  Snlcz  *)  et  un  nitro  conte  di  Fieratemberg;®) 
che  adesHo  e delej^uto  per  S.  alli  comitij  di  Spira. 

D.  V.  30,  -'12  Or. 

1)  Hans  Rcichart  ron  Sch&obcrg,  r.  S. 

2)  Gegen  Maximilian  hegte  Rn-Inlf  den  Verdacht  wohl  schwerlich.  Oie  angebliche  Reise  von 
Mailrid  ORch  Beigieti  legte  dagegen  den  Gedankon  an  Umtriebe  für  Albrecht  nabe. 

3)  Keichsbofrath  hartholomaua  Pexxen,  früher  GcRandter  xu  Constaotinopol.  Vgl.  Hurtter  lil, 
107  Anni.  224  and  Festler  Geechicht«  von  Ungarn,  2.  Auflage  IV,  15. 

4)  Gemeint  ist  wohl  Graf  Rndulf  rou  Salz. 

5)  Grat  Friedrich  von  Fürsteiiberg. 


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133 


2)  Dnodo  an  den  Dogen.  12  März  1601. 

„Esaendomi  trorato  questi  di  col  s'  ambasciator  cattolico et  entraiiilo 

[egli]  sopra  le  cose  di  Modena  et  lle/.7.o,  tentate  da  mons'  nontio,  le  quali  gli  soiio 
beuissimo  note,  mi  disse ; Continna  tuttavia,  nia  non  iroverä,  chi  ardisca  di  portare 
quealo  negotio  ä S.  M‘‘,  sapemlo  li  miuistri  molto  bene,  cbe  nesanna  cosa  piü  fece 
alterare  raninio  sno  contra  Roiifo  et  Tranzen,  ch'  il  consiglio  le  diedero  sopra 
qnella  inrestitnra , della  qnnle  rimperalore  ne  e pentiti-ssiiuo,  {H'rcbe  in  cainbio  di 
uii  niillione  d'oro  che  gli  diedero  da  inteudere,  che  Imverebbe  potnto  envare  del 
diica  di  Ferrara,  col  qiulc  si  liaverebbe  haruto  conimoditä  di  desimp<<gnare  nioUi 
Inochi  deir  Austria  che  haverebbono  reso  molto  piü  assai,  aftine  di  cararne  parola  di 
S.  che  si  contentasse  della  (rattatione,  presa  poi  oecnsione  dalla  penlita  di 

Giavarino et  vednta  S.  M'^  nella  neee-ssitä  che  era,  fecero  da  lei  aceorilare  l’in- 
restitura  per  400000  scudi,  300000  in  contanti  et  100«J00  di  nn  credilo  che  haveva 
il  dnea  con  lei;  et  perö  dal  auo  ess4'mpio  ü molto  ben  ragionevole,  chd  li  ministri  ci 
pensino  molto  prima  che  trattarlo'b 
A.  0.  0.  31.  0 Or. 


VIII. 

Erzherzog  .Hatthlas  an  Krzherzog  Albreclit. 

Wir  kindeti  K.  I>.  in  brnederlichem  hohen  Tortrauen  nit  verhalten,  das  die  R. 
ksl.  M',  nn.ser  gnedig.ster  fr.  geliebter  her  niid  brueder  ein  zeit  hero  in  starker  me- 
lancolei  (auss  denen  vil  jar  getragenen  schweren  sorgen  ires  obligenden  kaiser- 
thnmlw  nnd  krieg.s  mit  dem  erbfeiuil)  gcratten  und  nna.s  dieser  tagen,  do  wir  gleich 
nach  dem  veldleger  zu  entseznng  Cani.sa  auf  .«ein  wöllcu,  per  prssta  alher  zu  sich  er- 
fordert. Do  haben  wir  laider  die  suchen  beschwer-  und  geferlich  genueg  gefuudeu,  dan  sie 
die  nmi.st  zeit  mit  angst,  sorg  und  denen  gedankeu  zubringeu,  als  wel  man  si  uinb- 
bringen,  vom  regiment  stos.sen,  tränen  keinem  gehaimen  ralh , camercr  noch  diener, 
haben  au-«s  solchem  verdacht  zwei  eltistc  gehaime  räthe,  hofniaister  und  marschalk, 
den  Rümpfen  nnd  Trautson  vom  hof  geschafft,  werfen  nnd  schlagen  unib  sich,  kinden 
weder  rnebig  essen  noch  schlaffen,  halten  sich  selbst  fir  verzaubert  und  nimbl  die 
kleinmfietigkeit  und  angst  so  gar  überhand,  das  man  fraiss,  schkg  oder  anderss  be- 
sorgen muss.  Zezeiten  kumb  ir  fir,  man  hat  ir  gifl  geben.  Niemand  kann  I.  .M* 
zu  geistlichen  Sachen  noch  zu  mcdicin  bereden  und  hat  ain  ansehen  uiner  rechten 
Zauberei  oder  noch  mehr.  Oh  si  wol  je  ein  .stund  still  und  verninftig,  so  endert  es 


1)  Wslirsclieinlicli  sind  der  nngldckliche  Zug  gegen  Kab  v.  J.  1697  und  die  ihm  folgenden 
Ereignisse  gemeint. 


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134 


sich  doch  alspahl.  Wir  nuJ  die  noch  anwesenden  gehaimen  räthe  steen  gar  an,  die 
behraischeu  landofticier,  so  admnniert  worden,  thun  nichts.  Ilnss  allein  abwesend  der 
andern  herii  gehrtleder  und  vettern  wil  es  iiit  gebiern,  wass  tirznnemmon,  damit  nit 
die  zwei  vicarn  des  reiche  daher  ursach  ueinmen , aulT  die  privation  zu  gedenken, 
welche  privation  oder  snapension  vor  versichernug  unaers  hauss  sncce-ssiou  höchste 
gefar  auf  sich  hat. 

Weil  dann  diss  E.  L.  zugleich  mit  betrifft,  zumal  des  erbfeinds  und  der  ka- 
tholischen religion  halben  in  Tentschlan.l  nud  damit  die  successiou  der  köuigreich 
und  land  wider  habend»  gerechtigkait  nit  in  Zweifel  gezogen  werden,  .so  haben  wir 
E.  li . . . . dessen  hicniil  vertreulich  eriiulern  wollen , wie  es  daun  auch  gegen  des 
chnrfürsten  von  Cöln  L.  beschehen  : ganz  freund-  und  brüderlich  begerend,  Si  wöllen 
der  pluet.sverwantnns.a  nach  allen  denen  inittleu  gutherzig  nachdeuken,  damit  I.  ksl. 
\r  person,  dero  bohcit,  unserni  löblichen  hauss  und  der  katholischen  religion  kein 
schimpf  geschehen,  sonder  die  sach  aller  orten  zn  abschneidung  peser  practicen  deren 
die  weit  voll  und  sonderlich  Frankreich  ‘)  in  verdacht  ist)  gewört  und  unser  hauss 
versichert  werde.  Ausser  dessen  wurde  es  mit  diesen  dem  erbfeind  angrenzenden 
landen,  Ungern,  Belieinb,  Mehren,  Üesb’rreich  und  Steyr,  puld  gelhan  sein.  WoUeii 
winschen,  das  E.  L.  selb.st  in  der  person  sambt  den  rudern  unsern  gebrödern  und 
vettern  LL.  alhie  sein  nnd  wir  comriinnicato  cousilio  das  püste  rathen  und  I.  M‘ 
helfen  kinden.  ISeneben  etc. 

Gehen  anf  dem  kgl.  schloss  Frag  den  lf>  octoher  a*  lOOO. 

l*.  S.  Erindern  wir  E.  L..  das  wir  gleichwol  verhofft,  bei  jezigem  gefcrlichem 
stand  lenger  alhie  zu  bleiben  mul  I.  ksl.  M'  unsern  gehorsamen  brüederlicheu  bei- 
staud,  lieb  und  getreue  allectiou  zn  erzaigeu.  Weil  aber  1.  M'  durch  allerlei  mittel 
zn  dem  hiuansraisen  in  Oesterreich  stark  nnd  anhebig  nrgicru  und  verinanen  last, 
so  miessen  wir  gleich  zu  verhüettung  utfeusion,  Ungeduld  und  angleichen  verdacht 
mit  schwerem  herzen  unseren  weg  hiiiansnemmen , das  inner  zwei  Tagen  geschehen 
wfird.  Der  Allmeohtig  wolo  hiezwischen  alles  uhl  verbieten.  Wellen  aber  E.  L. 
bröderlicher  aiitwort  mit  chistem  nach  Wien  gewarten  und  nnderdessen  wollen  wir 

miss  mit  erzherzogen  Maximilians  und  Ferdinanden L,  L.  auch  beratten  und 

das  E.  U.  vertrenlich  auch  erindern , ob  wir  villeicht  alle  sarahtlich  zugleich  in  der 
person  alher  gen  Frag  klimmen  und  dem  geferlicheu  wiseii  I.  ksl.  M'  selbst  person 
niiserm  löblichen  hauss,  der  catholischen  religion  und  der  ganzen  Christenheit  zum 
jiesten  rat  finden  kinden.  Gehen  Frag  den  21  octoher  a“  1000. 

Wi.  Succession  Matthias.  Cpt.  von  Krenberg. 

1)  Vgl.  S.  Anm.  174  uisl  Amu.  '242. 


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135 


IX. 

„Schottwleiicrlsche  Tracfation.“ 

„Erstlichcn  wais  man,  wie  die  Indisposition  laider  der  zeit  stehet.  Dieweil 
dann  bei  disem  Inidigeii  und  betrüebten  zneatand  zwo  grosse  sargen  und  getär  sein, 
die  nine,  do  etwo  (dass  Gott  genediglich  verhöette)  I.  M'  ur.der  einem  solchen  pa- 
roxianio,  der  geniainiglich  mit  aiuem  zorn  und  griuieu  knenibt,  in  ein  frai.ss  oder 
andej-e  lebensgfiir  gerathel,  wie  es  sich  boraits  erzaigt  bat,  das  die  successionen  im 
hl.  reich  und  I.  M*  köuigreichen  und  incorporierten  landen  in  hijcbster  gfUr  gesezt 
wurden,  nit  allein  dem  hochlöblichen  haus.s  Oesterreich  sonder  ganzer  Christen- 
heit zue  schaden,  dem  erbtcind  aber  zue  gewünschten  vortl,  wie  das  je<lcr  verniinftiger 
ermessen  kan. 

Die  ander,  da  schon  der  Allnieehtig  I.  M'  das  leben  lenger  fristen  wiird , das 
doch  I.  M'  indisposition  und  daraus  bi.<hero  und  künftig  erfolgende  ungelegenhcit, 
die  berait  weit  erschollen  und  unmöglich  in  der  eng  zu  halten  .sein,  ein  snspension, 
wo  nit  gar  privation  dess  impcrii  verursachen  oder  zum  wenigisten  ein  römischer 
künig  ausser  dess  han.ss  nnd  zumafal  ein  iinkatholischer  aufgeworfen,  das  ganz  reich 
zerrüttet  und  damit  1.  M‘  selb.st  kaiserlichen  perschon  nnd  hocbeit  noch  in  irera 
leben  nnd  dem  hanss  Oesterreich  der  höchste  schimpf  nnd  gfar  begegnen  möcht. 

So  ist  hieranf  die  frag,  was  erstlich  zne  widererhingiing  1.  M*  gesunds  zne 
thuen ; znm  andern , wie  hei  so  geschaffener  Sachen  I.  ksl.  M'  mit  irem  selbst  gne- 
digsten  gneten  willen  zue  Versicherung  der  succeasion  zn  persuadiern;  und  zum 
dritten,  da  I.  M‘  indisposition  halben  mit  derselben  nichts  zu  tractiren  oder  zu  hoffen, 
was  man  alsdan  verantwortlich  thuen  möchte.“ 

Man  hat  erfahren,  dass  eine  oder  zwei  Personen  wenig  ansrichten,  cs  auch 
keiner  gcni  auf  sich  allein  nimmt.  Daher  sollen  alle  Erzherzoge  und  ihre  nächsten 
Verwandten,  darunter  auch  die  verwitlweteii  Erzherzoginnen  zn  Graz  und  Innshrnck 
ja  sogar  die  noch  unmündigen  Erzherzoge,  die  uuschnldig  zu  Schaden  kommen 
würden , sowie  die  beiden  Herzoge  von  Baiern  und  Pfalzgraf  Philipp  Ludwig  von 
Nenburg  dem  Kaiser  schriftlich  vorstcllen,  „in  was  krankheit  I.  ksl.  M‘  laider 
weren,  di  si  selKst  an  ir  nit  empfinden  noch  erkeimeten,  almr  menniglich  offenbar 
wer«,  daher  die  dem  hanss  Oesterreich  nnd  der  katholi.schen  religion  widerwertige 
ihr  starkes  anfsehen  und  auschlag  betten  und  leichtlich  ursaeh  finden  möchten, 
unter  dem  praetext  der  inhabilitct  1.  .\I'  kaiserliche  perschon  nnd  hochait  und  irer 
ganzen  }H).sleritet  am  hauss  Oesterreich  den  höchsten  schimpf  und  schaden  zu  thuti.‘. 
Der  Kaiser  möge  also  nach  Gottes  Ordnung  dem  liathe  weiser  Aerzte  folgen. 

„Neben  diesem  weil  sich  bei  1 ksl.  M’  grosse  anfechtimgen  im  gemüeth,  zczalten 
clainmücttigkeit , darob  ir  das  leben  vertrieaslich  ist , auch  scrnpel  in  der  religion, 
gotlsdienst  und  uumuetb  wider  etliche  gaistliche  erzaigen,  sie  selbst  der 
maiuung,  da.s  sie  verzaubert  .seien,  welclies  villeicht  sein,  entgegen  auch  wol  von  den 


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scliwprcii  sorgen  ile*  kniserlichen  regiments  Iierfliessen  kinden  , so  were  sieh  zue  bc- 
niSehen,  neben  der  medicina  auch  die  gaistlicbe  arzuei  durch  gepett,  peicht,  coiu- 
innniuu  und  trdstung  füernember  teologurum,  die  man  zur  hanJ  priiigen  möchte, 
bei  1.  M‘  zu  erhalten." 

Damit  min  der  Kaiser  dieser  gei.st-  und  leildichen  Kur  desto  besser  abwarten 
kann  und  der  Kegiernngssorgen  znni  Theil  enthiilien  wird , wäre  er  zu  bewegen, 
siph  einen  Gehülfeii  zu  erwählen,  wobei  der  V'orbeliali  zu  machen,  das«  dies  seinen 
ehelichen  Nachkommen,  wenn  er  solche  noch  erhielte,  nicht  uachtheilig  sein  solle. 
Um  dies  dem  Kaiser  Torznstellen  und  das  oben  erwähnte  Schreiben  zu  überreichen, 
sollen  Krzlicrzog  Ferdinand  und  Herzog  Wilhelm  von  Haierii,  oder  fall«  dieser  nicht 
zu  bewegen  ist , Herzog  Maximilian  sich  schleunigst  nach  Frag  begeben.  Zu 
mehrerem  KHect  wäre  es  sehr  gut , wenn  der  Churfürst  von  Köln,  „der  I.  ksl  .\1‘ 
sonders  aiigonemb“,  bewogen  würde,  zu  gleicher  Zeit  mit  einem  Cichreibeii  und  mit 
Vollmacht  der  aiuleren  geistlichen  Clmrfür.sten  mich  Frag  zu  kommen  und  das  An- 
bringeu  zu  iiiitersttltzeu.  Auch  der  Fapst,  die  Kalseriu-.MuUer  und  die  Königin  von 
Spanien  könnten  um  Krmahnuiigsschreilieu  an  den  KaisrT  ersucht  werden. 

Könnte  die.«er  aber  mit  Güte  gar  niclil  erhandelt  werden  oder  wäre  seine  Krank- 
heit so  arg,  dass  mit  ihm  nicht  zu  verhandeln  wäre,  dann  könnten  der  Erzherzog, 
der  Herzog  von  Baiern  und  der  Churtürst  von  Köln  durch  die  Brüder,  Vettern  und 
Frennde  de.«  Kaisers  mit  Sclireiben  an  die  Böhmen  und  die  eiiiverleihten  Länder 
versehen  werden , worin  diese  ersucht  würden,  es  liei  dem  Kaiser  oder  wenn  dessen 
Krankheit  zu  schwer  wäre , durch  eigenes  Vorgehen  dahin  zu  richten , dass  ein 
Nachfolger  ernannt  werde.  So  würde  wenigstens  die  böhmische  Wahl  jetzt  licwirkt 
werden,  der  die  anderen  nuchfulgen  würden.  Man  könnte  auch  die  Böhmen  durch 
die  österreichischen  und  tiroler  Landstände  ermahnen  lassen,  bei  dem  Hause  Oester- 
reich zu  bleiheu  und  die  Wahl  vorznnehmen,  und  „auf  solicheu  eusscristen  full  I. 
M'  vermangleten  Vernunft  oder  lehen.sgerärligkcit",  durch  Gesandte  aller  Erzherzoge 
die  sechs  OlmrfUraten  beschicken  uud  sie,  namentlich  wenn  es  mit  der  Walil  in 
Bölimeii  nicht  recht  fortginge,  mit  Hinweis  auf  die  Türkengefahr  uud  die  Verdienste 
des  Hanscs  zur  Abwehr  jener  ersuchen,  die  Wahlen  in  Itöhmen  und  Ungarn  zu 
befördern. 

Die  Vornahme  der  römischen  Wahl  wäre  daun  den  Churlnrsten  heiiuzu.«tellcn, 

„In  allwegen  ist  dahin  zue  sehen  und  I.  ksl.  M‘  auf  aiu  oder  anderen  fall  die 
initl  zne  machen  , das  dero  an  der  ksl.  hocheit , perschon,  würden  und  tractation 
durchaus  nichts  derogiert,  villweiiiger  si  offendiert  werden." 

Wi.  Succession.  Matthias.  Copie. 


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137 


X. 

„Karzer  IHsrurs,  wie  der  R.  ksl.  M'  in  ihrem  izigeii  aiilieGcen  vor  ihre  persoii 
und  finiisten  zu  heifen  »lein  müciile“. 

Drei  Punkte  sind  zu  bedenken:  des  Kaisers  Person  und  Leben  , die  Gefahr* 
welche  im  Reich  von  den  nnruhigen  Cairinisien  wegen  der  römischen  Königswahl 
droht,  und  wie  heim  Papste  und  anderen  ausländischen  Fürsten  ausgiebige  Türken- 
hUlfe  zu  erhalten  sei. 

„Was  anfenglich  I.  M*  person  belanget,  ist  der  natur  nach,  sofern  es  nicht 
von  Gott  wunderbarlich  abgewendet  ward,  zu  besorgen,  wo  I.  M'  nicht  bei  Zeiten 
darzue  thueh,  das  die  meluucolischc  schwere  perturbationes  I.  AP  herz  allgemach 
ansnagen  nnd  im  haubt  grosse  blödigkeit,  schwinde!  nnd  tine.ss  dergestalt  erwecken 
und  inwendig  kurzer  zeit  den  tod  verursachen  werden,  inma.ssen  mau  schwerlich  bei 
heharrung  dieser  beschwerung  glauben  kau,  das  I.  M'  über  ein  viertel  jahr  leben 
mögen.  Ücrowegen  uf  alle  weg  zue  denken,  wie  doch  i.  M'  zue  einer  mediciuischen 
cur  allernuterthänig.st  zu  vermögen  sein,  denn  mau  hergeg,'n  hotTen  will,  sofern  I. 
M'  nnhr  ein  wenig  volgeu , das  innerhalb  weniger  Wochen  vermittelst  göttlicher 
half  die  melaucolei  ans  dem  leib  aii.sgetragen  und  künftig  neue  wachsung  der.selben 
leichtlich  verhnettet  werden  könt,  allein  das  der  leib  einniahl  zwei  geiiffnet  nnd  ein 
ader  gesprengt  und  hernach  ein  gewisser  kreuterwein  und  onlnuiig  im  e.ssen  nnd 
trinken  gebraucht  werd.  Ob  man  aber  schon  daneben  auch  meinet,  d:is  1.  ,\I'  von 
geistern  etwas  angefochten  werd,  hat  doch  dassolbig  nicht  so  viel  znc  bedenken,  und 
wann  nur  das  fuudament  nnd  ncmlich  der  melancolisch  humor  (darin  die  gei.ster 
gern  ihr  ufhalt  und  wonung  suchen)  abgeschatft  wehr,  könd  mau  hernach  mit  Gottes 
giiad  der  geister  wohl  mechtig  wenlen.  wehr  auch  der  Zauberei,  so  ohne  zweifei 
mit  unterlauft , hernach  desto  besser  abzuwehren , wiewohl  man  nicht  dnrwierlcr  i.st, 
das  man  auch  ohn  die  mediciiiische  cuhr  der  Zauberei  rath  suchen  und  die  verdachte 
weihesperschon  in  haftnug  ziehen  und  nf  den  gmud  kommen  soll,  dann  man  >lurch 
diss  mittel  entweder  1,  M*  mit  Vertilgung  der  Zauberei  gewiss  heilen  oder  doch,  ob 
wir  mit  besorgnng  der  Zauberei  wol  fundiert  saiu,  nf  die  spur  kommen  und  liernach 
durch  andere  mittel,  wann  cs  nichts  mit  der  Zauberei  wehr,  I.  M'  rahteu  kann. 
Üeshalben  was  I.  M‘  person  betrifft,  in  alle  weg  dahin  zu  arbeiten  ist,  das  man  ihr 
gesuudheit  und  lelien  besagter  weis.s  ndeslernrnb  gewinn  und  erhalt,  ai.ss  dann  des.s- 
wegen  nichts  weiters  zu  furchten  sein  und  i.  M'  in  vorigem  stand  sich  belinden 
werden,  allein  dass  daneben  auch  böse  lent,  so  I.  M'  täglich  melancolische  Iwsc  ge- 
danken  eiustossen,  von  1.  M‘  gemciii.schaft  hinweg  zue  weisen  und  zu  kainer  ninlienz 
zue  las.sen  sein,  welches  ziie  I.  M*  gesnndheit  nnd  weniger  pertufhation  ein  grosses 
zne  verfangen  bat. 

Die  aiifwiklnng  des  römi.«chen  königes  bei  den  niirubigcu  kczern  zne  wider- 

Abh.  d.  III.  CI.  d.  k.  Ak.  d.  Wiss  XV.  lid  I.  Abtli.  1“* 


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treilieii , ist  gleichwol  wahr,  das  das  geschrei,  so  von  I.  M'  und  dero  hauptblödigkeit 
(aber  Golt  lol>  falscher  weiss)  durch  ganr.  Tcutachhind  ausgeachoUen  ist,  ein  merk- 
liche ursach  darxne  gibt,  darumb  auch  dahin  getrachtet  sein  will,  das  dcmsclbigen 
Ijcgpgnet  und  die  opinion  verlcschct  wird.  Welches  sowohl  durch  I,  M'  person, 
wann  sie  sich  oft  in  piiblico  erzaigten  mid  mit  den  capucinern  inhiiten,  als  durch 
schreiben  und  andere  remedia  geschehen  kann.“  Der  Kaiser  mOsste  sich  bei  etlichen 
Chnrfürsten  und  Fürsten  dieser  Injurien  halber  beklagen  und  sie  ersuchen,  Audere 
besser  zu  nnterrichten,  und  besonders  müsste  verhütet  werden,  dass  nicht  dergleichen 
falsche  Zeitungen  hier  von  Hofe  au.s  ins  Ueich  gcachriclten  würden,  denn  soviel  man 
weiss,  ist  all  da.s  Unglück  von  hier  au.s  durch  die  Schreiben  der  Agenten  und  Anderer 
angorichlet.  Man  müsste  deshalb  einmal  eine  Post  anflialten  und  wenn  mau  .Te- 
nmnden  schnldig  fände . ihn  Anderen  zniu  Beispiel  strafen.  Mit  Stillung  des  Ge- 
schreis würde  aller  freilich  dem  Werke  nicht  geholfen  , denn  noch  ehe  man  etwas 
von  des  Kaisers  Melancholie  wusste,  haben  vor  drei  ’)  Jahren  die  Ketzer  in  Deutsch- 
land diese  gefährliche  Praktik  getrieben,  dass  sie  Dänemark,  Frankreich  und  Chnr- 
pfalz  bereden  wollten,  sich  zum  rümischeii  Könige  aiifzuwerfen.  Das  wahre  Funda- 
ment ist  der  Gegner  unruhige  Art  und  ihr  Hass  gegen  Oesterreich  und  den  Ka- 
iholicismus.  Daher  ist  nicht  anders  zu  helfen , als  da.ss  der  Kaiser  ehsten.s  aus 
seinem  Hause  einen  römischen  König  wählen  lässt.  Er  hat  dazu  jetzt  bessere  Ge- 
legenheit als  je , denn  die  drei  geistlichen  Churßlr.sten  nnd  der  Administrator  von 
Sachsen  sind  auf  unserer  Seite , Brandenburg  ist  nicht  stark  dagegen  und  Pfalz 
wird  leicht  zu  begütigen  sein.  Tritt  der  Administrator,  wie  cs  schon  binnen  Jahres- 
frist geschehen  wird , von  der  Verwaltung  der  sächsischen  Chnr  zurück  und  stirbt 
einer  der  gei.stlichen  Churftlrsten,  so  dürfte  die  Sache  nicht  mehr  so  leicht  sein.  Wird 
die  Wahl  nicht  jetzt  bewirkt,  so  mcb?e  sich  Niemand  andere  Gedanken  machen,  als 
dass  wir  in  kurzem  einen  römischen  König  nach  dem  Gefallen  der  Gegner  haben 
werden  „und  I.  M'  solchen  .schlang  neben  sich  mit  höchstem  schaden,  schimpf  und 
spott  leiden  müssen,  dann  niimeglicb  sein  wird , ein  könig  aus  Frankreich,  wann  er 
in  das  reich  eingefnhrt  wehr,  widerumb  mit  gewalt  hinaiuszubringen  nnd  muest 
Teulschland  mit  Oesterreich  darüber  zu  grund  gehn.  Soviel  mehr  I.  M’  zu  erbitten 
ist,  das  sie  ihr  und  uns  allen  ratt  zue  schnlTen  und  die  wiedrige  praktik  zue  brechen, 
auch  die  kaiserliche  dignitet  bei  ilircm  hauss  zue  erhallen,  nach  dem  excmpel  kaiser 
Carls  V ein  römischen  könig  auss  ihrem  hanss  benennen  und  den  herrn  churftlrsten 
zu  wehleu  Ohergeben".  Man  kann  ihm  wohl  Bürgschaften  geben,  dass  ihm  dadurch 
an  seiner  Hoheit  und  Kegiorung  und  für  seine  Kinder  kein  Nachtheil  erwachsen  soll. 
,, Darumb  desto  eifriger  darauf  zue  driiigeu  ist  und  lest  sich  sonst  einig  mittel  wieder 
gegenpart-s  tägliche  practick  nicht  finden.  Es  muesseu  aber  auch  I.  M'  die  patres 


1)  Hier  nioss  ein  GeJächtnUsretiler  vorlicgen,  vgl.  oben  S.  27. 


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capiicina<i  keinsweg.«  hinw«gweigen,  goiiilurn  rohig  pleiWn  la-«Hen,  dami  sandten  sicht 
allein  I.  FI'  und  alle  katholische  pnteataten  and  ständ  vorn  kupf  gestosseii,  sondern 
auch  die  opinion  von  I.  M'  hnSbtb'Ödigkeit  auch  bei  den  kezern  weit  mehr  geaterkt 
werden  müesat,  weil  jedermann  die  capuciner  vor  fromme,  unschuldige  lent  haltet 
und  niemand  glanben  kann  oder  will,  das  man  sie  bei  guctein  verstand  veij^t  hette". 

Die  Hülfe  de«  Papstes  und  anderer  ausländischer  Fürsten  wird  leicht  zu  er- 
halten sein,  wenn  man  sie  gebürlich  darum  ersucht  and  ihnen  die  gro-se  Notli  nnd 
die  Gefahr,  dass  die  Türken  durch  Innemesterrcich  nach  Italien  vorbrechen  könuten, 
darstellt.  Nur  muss  man  sie  nicht  durch  Austreibung  der  Kapuziner  vor  den  Kopf 
.stossen,-deiin  sie  werden  den  Kaiser  daun  für  uukatholiscli  hiillen  und  sich  nie  be- 
reden lassen , dass  jene  ihm  aus  anderer  Ursache  als  der  Religion  wegen  zuwider 
seien ; man  müsste  sie  denn,  was  nicht  der  Fall  ist,  offen  des  „iimleficii"  überführen 
können.  Halten  der  Papst  und  die  ausländischen  Fürsten  den  Kaiser  für  nichtka- 
tholisch,  so  werden  sie  ihm  trotz  der  Gemeinsamkeit  der  Gefahr  nicht  beisteheu,  ja 
ihn  anfeindeu  und  der  Papst  wird  entweder  einen  anderen  römischen  König  in 
Deutschland  aufwerfen  oder  dos  Kaiserthum  auf  eine  andere  katholische  Nation  ül>er- 
frageu.  Deshalb  ist  der  Kaiser  dringesnbt  vor  der  Ausweisung  der  Kapuziner  zu 
warnen  , zumal  mau  argwöhnt , da.«s  ihn  die  böhmischen  Picardeu  <lazu  antreiben, 
welche  den  Kaiser  durch  das  Vorgeben,  da's  sie  es  gut  meinten  und  auf  die  Gesetze 
des  Königreichs  hielten,  hintergehen,  während  doch  die  Gesetze  nicht  gegen  die  Ka- 
puziner, die  dem  uralten  Kranziskanerordeii  angehören,  sondern  gegen  die  Picarden 
selbst  gerichtet  sind  nnd  der  Kaiser,  wenn  er  die  Landlafel  und  ilic  Gesetze  voll- 
ziehen wollte,  jene  und  nicht  die  Kapuziner  verjagen  müsste.  .\uch  die  katholischen 
Reichs.«tände  werden  ihn  .sonst  für  unkatholisch  erachten,  die  Lutheraner  und  Cal- 
vinisten  aber  werden  ihn  erst  recht  für  gei.steskrank  halten  und  um  so  mehr  die 
Wahl  eines  protestuiitischeu  Königs  betreiben.  Duldet  der  Kaiser  die  Kapuziner,  bis 
er  genügende  Heweise  wider  sie  besitzt,  .so  wird  die  auslaiidi.sche  Hülfe  gewiss  er- 
folgen und  das  Reich  wird  ihn  um  so  höher  respectieren.  Vertreibt  er  sie,  „so  helf 
der  allmechtig  Gott“.  Uns  bliebe  freilich  noch  der  Trost,  dass  ilie  Krzherzoge,  der 
Herzog  von  llaiern  und  andere  katholi.sche  nnd  lutheri.sche  Fürsten  des  bairischen 
Kreise«  oder  auch  die  Erzherzoge  allein  den  Pap,«t  und  Spanien  für  sich  und  die 
Christenheit  um  Hülfe  angehen  könnten,  indem  sie  den  Zn.«tand  d<«i  Kaisers  zu  de.ssen 
Entschnldignng  schilderten  nnd  häteu,  für  diesmal  nicht  den  Kaiser  sondern  die  ge- 
meinsame Noth  der  Christenheit  anzusehen.  Itaun  würde  gewiss  so  gut  wie  auf  des 
Kaisers  Ansuchen  Hülfe  geleistet  werden,  „welclies  doch  1.  11' jezigmal  nicht  auzu- 
melden  sein  niöcht“.  Ebenso  könnte  man  alle  dentsclieii  Reichsstände  aalfordern. 
Aber  besser  ist  cs,  dass  man  alles  aufldetet,  den  Kaiser  von  der  Vertreibung  der 
Kapuziner  ahznhalteu  „Wann  auch  nichts  helfen  wolt,  muss  man  Iczlich  wieder 
die  Pickrder  uf  alle  mittel  und  weg  pmcticiren  und  dicsudbig  vermög  der  landord- 
nung  bei  I.  M'  abzuschaffen  begehren,  ob  also  1.  .M*,  wann  sic  ilie  trennnng  unter 

Is* 


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1-10 


den  ISehenieu  vermerkten , in  sich  gehen  und  beide  theil  (dieser  seit  noch)  im 
alten  stand  (alx;r  nicht  in  ihrer  cammer  und  audienz  und  viel  weniger  im  raten) 
lassen  mOchteu. 

Dabei  wir  es  bewenden  lassen  und  das  übrig,  so  noch  viel  resticrt,  unseru 
gnedigsteu  hern , den  liern  erzherzogcn,  nach  ihrem  von  Hott  höchst  begabten  ver- 
stand vcrnuuftigist  znc  bedenken,  unterthenigist  haimbatclien“  *). 

VVi.  Succeasiou  Matthias.  Copie. 


XI. 

Instruction  der  Erzherzoge  Matthias,  Maximilian  und  Ferdinand  für  des  letz- 
teren Geheiinschreiber  Peter  (.'osal. 

C'asal  soll  den  Fürsten , an  die  er  geschickt  wird , des  Kui.scrs  Krankheit  mit 
gehorsamer  He.sclicidcnheit  melden.  In  Folge  der  lli'gioruiigssorgcn  ist  der  Kaiser 
allmählich  in  solche  Melancholie  gcratheii,  ,,diiss  1.  M'  erstlich  ein  jar  etlich  wenig 
Zeiten,  hernach  nur  ein  tag,  letztlich  aber  etliche  tag  und  wochen  nach  einamler 
dermassen  solliche  merken  Ias.seu,  da.s  uit  allein  etliche  ircr  eamrer  entreiten  müessen, 
die  camerdiener  von  derselben  bei  tag  und  nacht  sehr  giwchlageu  und  verwundet 
worden  , sonder  das  I.  M'  Icztlich  vilnmllcu  (da  man  nit  forkomlren)  selbst  I.  M* 
perschon  nit  ver.'choüct  und  au  dieselb  hand  angelegt  betten“.  Deshalb  müssen  alle 
.\ndicnzen  und  die  wichtigsten  Geschäfte,  deren  Aufschub  der  Christenheit  den 
grössten  Schaden  bringt,  verschollen  worden.  Er  lässt  Xicmandeii  oder  doch  nur 
Wenige  und  diese  selten  vor  sich  und  nichts  wird  eiitschicdcu.  Obwohl  nun  der 
Pap.st,  die  Kaiserin -Mutter,  der  König  von  Spanien,  die  verst<irbcnen  Erzherzoge 
Ferdinand , Karl  und  Ernst , die  geistlichen  Clinrtiirstcn  nnd  uameullicb  der  von 
Köln  und  endlich  Matthias  den  Kaiser  seit  vielen  .lahren  und  noch  vor  seiner  Er- 
krankung auf  alle  Weise  zu  einer  lleirath  und  zur  Ordnung  der  Nachfolge  gedrängt 
halicn,  so  ist  doch  nichts  erreicht  und  lediglich  der  Verdacht  bei  lluilolf  erweckt 
worden,  da.ss  man  ihn  absetzen  wolle.  Dieser  Verdacht  hat  immer  mehr  zugeuomnien, 
bi.s  er  endlich  jetzt  seine  geheimsieu  Käthe,  die  ihm  treu  gedient  nnd  gesorgt  haben, 
dass  trotz  seinem  Wesen  Jeder  doch  noch  soviel  wie  möglich  zufrieden  war,  wegen 


1)  lücser  Sctilnsssaiz  zeigt,  dass  wir  ein  Gntacbteii  für  die  iierathmigen  der  Erzherzoge  vor 
uns  haben.  l>a  es  oben  S.  lUS  Steile  S von  olien  ff.  heisst,  die  Berichte  über  des  Kaisers  Krankheit 
seien  „von  hier  ans“  ins  Eeich  ergangen , werden  die  Gelieinirätlie  zu  Prag  die  Verfasser  sein.  Das 
Gntaebteu  klingt  im  zweiten  Punkte  mehrfach  an  Beilage  III  an.  Weiter  liegt  ein  Schriftstück 
„Wessen  I.  31'  aUeruntertbünigst  zu  ermahnen  sein  möchten“,  vor,  worin  das  Gotaefaten  zu  einem  Vor- 
trage an  den  Kaiser  urogearbeitet  ist. 


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141 


jenes  Verdachtes  wcj's'ejagt  hat,  wie  er  sic  vorher  oft  mit  dem  Tode  oder  mit  Vcr- 
baunuDg  bedroht  hat.  Kr  bat  ihre  Stelleu  mit  Anderen  besetzt,  sich  aller  Ofliziere 
beigeorduet , die  zu  jeder  Stunde  an  seiner  Seite  sein  uiüs.seu , mul  seine  Wachen 
verstärkt. 

Seitdem  bat  die  Melanchidie  ganz  Oberhand  genommen,  so  dass  der  Kaiser  den 
Erzherzog  Matthias,  als  dersellie  eben  persönlich  den  Entsatz  von  Kanisza  versuchen 
wollte,  durch  zwei  Schreiben  eilends  nach  Prag  erforderte.  Als  aber  Matthias  kam, 
zeigte  ihm  Rudolf  allerlei  Unwillen  und  timt,  als  ob  er  von  der  llerufung  nichts 
wisse.  „Darauf  alspahl  I.  L.  zuegesproehen,  da.ss  si  gern  weichen,  alles  resignieren, 
hinwekzieheii  und  in  ainein  winkl  sich  betr^en  wolteu,  mit  vermelden,  der  uuiicius 
hette  sie  verzaubert*'.  Vergeblich  hat  .Matthias  ihm  den  Verdacht  zu  nehmen  gc- 
sneht.  Der  Kaiser  ist  Ober  seine  Bemühnngen  unwillig  geworden  und  hat  ihm  an- 
denteii  lassen,  er  möge  abreisen,  und  als  Matthias  auf  starkes  .Anhalten  der  geheimen 
Rätbe  blieb,  wollte  der  Kaiser  die  Altstädter  anfforden»,  den  Erzherzog  auf  dem 
königlichen  Schlosse  zu  verwahren,  da  derselbe  ihn  vom  Throne  sto.ssen  wolle. 

„Douehens  betten  I.  .M*  mit  dem  calviuischen  bösen  mann  Mekhbach,  gewösteu 
brandeuburgisciien  cauzleru  ’),  dum  von  l’erlingcn  Di)ctor  (icdlmann  ’)  und  anderen 
calviuischen  und  sectischen,  ja  mit  den  scbicchtisten,  gemainisteu  lenthen  vertrauliche 
und  sidliche  gemaiuschaflcn , das  sie  ire  Consilia,  intentiones  und  lU'gntia  denselben 
communicierteu,  von  aiguer  band  zetl  schreiben  nnd  ir  vilnmllcn  beiwohnen  liessen, 
wie  sie  daun  ans  fTirgeuombeuer  klainmüetigkait  durch  mittl  la'rOerter  sectischen  per- 
souen  mehrmallen  eutreiten  und  von  allen  ireii  landen  ziehen  wöllen. 

Danelieus  höre  man  von  I.  .M*  allerlei  Itiegendu  reilen  wider  unsere  heilige  ka- 
tholische religion  and  fdas  zu  erbarmen)  nietl'eii  .si  ans  dergleichen  klaimuOetigkeit 
mehrmallen  l>ei  tag  und  nacht  den  teull  selbst  mit  vermehlen , das  si  sein  wären 
und  mOg  er  dieselh  also  mit  sich  und  hinwekfileren.'*  Er  hört  die  Messe  gegen 
seine  Gewohnheit  nicht  mehr  täglich  nnd  mir  mit  Venlrusa  und  ohne  Andacht.  Er 
trägt  gro.sseu  Zorn  g^en  die  Geistliclien  mul  besonders  gegen  die  Kapuziner,  die  er 
mehrmals  bat  ahschalfun  wollen , weil  sie  ihn  mit  ihren  Gebeten  so  heilig  plagten  : 
„8opa1d  diese  patres  mul  fratres,  es  sei  liei  Ing  oder  nacht,  nur  zu  betten  auge- 


1)  Wohl  der  niac'lcburgisclio  Kaiub*r  M«'rtliscli,  der  »af  dem  Keiebstagc  von  l'iOt  so  heftigen 
Streit  erregte;  s.  liriefe  nnd  Acten  IV,  2dl  ff. 

•J)  Bnrkhard  von  llerlichingen.  Ihn  finde  ich  zoerst  erwälmt  in  einem  Ueriebte  Menbacis  an  den 
Hz.  von  Baiom  vom  l.'i.  Januar  IfiOl,  wo  es  heisat : „Mau  »agt  auch,  das  zu  aiiier  neuen  und  guutten 
wirHucluaft  bei  hof  anzustcllen,  insonderhait  eich  anjezu  beinahe  der  Biirglart  von  llerlichingen".  Jla. 
50/10,  6,  ür.  Am  15.  J.innar  lOOJ  meldete  Manhart:  „Dem  Bnrcbaiden  von  Berlicbingon  ist  von 
berm  von  I.ichtenstein  an.s  bcvelcit  I.  .M’  anzaigt  worden,  er  solle  den  boft'  meiden.  Caosae  andinntnr 
]dnrea,  weil  er  sehr  infaniicrt  vom  herzogen  von  Wirtemberg  nnd  seinem  eignen  brueder,  item  wegen 
ainer  gelt[>ractik  vom  Paradaiser,  ine  damit  [der  wogen  Uebergabe  Kaniszaa  über  ibu  verhängten 
Haft]  ledig  in  machen".  Ala.  .50117,  100  Ur. 
ü)  Der  snehsisebe  Agent  Ciölelnianu. 


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142 


fnnj^en,  I.  M'  glpifh  gewüet,  gelobt,  geschrieen  utnl  mitten  im  schlaf  erwacht  sein, 
mit  furgeben,  »ie  wnnlen  von  den  capnzinem  geengstiget,  desswegen  man  zu  Ver- 
schonung I.M'  das  uachtgehett  in  den  tag  transferiert,  datier  nun  jezund  diser  niotus 
nud  paroxismns  sieh  mehr  im  tag  als  zuvor  erzaigt“. 

Durch  all  dieses  ist  Matthias  als  unseres  Hauses  Leheusträger  und  nach  dem 
Kaiser  Aeltester  verursacht  worden,  mit  uns  Erzherzogen  Maximilian  und  Ferdinand 
zu  heratheii,  was  zu  thmi  sei.  Wir  hnheii  zuerst  liesehIos.seu,  dass  wir  in  Deutsch- 
land weilenden  Erzherzoge  sümmtlich ')  persönlich  zum  Kaiser  gehen  und  die  ver- 
wittweteu  Erzherzoginnen  uns  dabei  mit  Schreiben  nntersttitzen,  falls  aber  der  Kaiser 
sich  und  seiner  Krankheit  nicht  helfen  tvolle , wir  die  Stände  der  llauslünder  zu 
Hülfe  nehmen  sollten.  Dann  aber  haben  wir  erwogen,  was  dergleichen  Zn.samroen- 
kunft  erfordert,  ivas  sie  früher  für  Nutzen  geschalft  hat,  was  für  ein  Mistranen  gegen 
Qe.sterreich  jetzt  im  Reiche  und  was  für  schädliche  Praktiken  sonst  noch  vorhanden 
sind,  welcher  Verdacht  wegen  des  Kaisers  „Unvermöglichkeit“  entstehen  würde,  svo- 
durch  Viele  Förderung  ihrer  Praktiken  suchen  würden , dass  der  Kaiser  selbst  die 
Zusammenkunft  für  eine  Verschwörung  gegen  ihn  halten , ausrcisseii , seinen  Ver- 
wandten einen  !^cliimiif  oder  sich  ein  Leid  unlhiiii  oder  aus  Lliimuth  eiuen  Nach- 
folger, der  nicht  katholisch  oder  luiserem  Hause  feindlich  wäre,  ernennen  lassen 
könnte  und  dass  Matthias  dadurch  lieiin  Kaiser  in  den  höchsten  Verdacht  kommen 
und  sich  so  von  seinen  natürlichen  Rechten  anssehliessen  würde.  Deshalb  haben  wir 
denn  misere  Meimiiig  geändert  und  Iseschlossen , den  Churfürsten  von  Köln  zu  er- 
suchen, da.s.s  er  die  Verhamlliiiig  mit  dem  Kaiser  ülieriiehmen  möge. 

Cii-sal  soll  also  alle.s  aufhieten,  um  den  Churfürsten  zu  der  Reise  zu  bewegen. 
Cm  sein  Ziel  desto  hes.wr  zu  erreichen , soll  er  zunächst  die  Herzoge  Wilhelm  und 
Maximilian  von  Ilniern  und  den  Erzherzog  Maximiliuu  aufsneheu  und  sie  bitten,  den 
Churfürsten  eigenhändig  zur  T'ebcrnahme  des  Anflrages  zu  ermahnen.  .Matthias  hat 
an  Erzherzog  Albrecht  in  gleichem  .Sinne  ge,schriel(cn. 

Der  Churfflrst  von  Köln  möge  sich  Vollmacht  von  den  atuleni  beiden  geist- 
lichen Churfürsten  gehen  lassen.  Er  kann  seine  Vorstellungen  mit  dem  Hinweise 
auf  die  Umtriebe  des  Königs  von  Frankreich  higinnen,  die  schon  bei  vornehmen 
Reichsständen  soweit  geiliehen  sind , dass  es  nur  noch  des  letzten  Schrittes  bedarf. 
\or  allem  muss  er  dem  Kaiser  vorstelleii,  dass  Heinrich  IV.  ihn  hei  lebendigem  Leibe 
Ix-crhen,  ihn  und  seine  Verwandten  verjagen  und  „noch  die  alte  srimhl,  so  Frank- 
reich mit  diesem  hnuss  ullzeit  gehabt,  desswegen  aiieh  gar  den  Türken  zu  hUlf  ge- 
nomheii , rechen  wolle , an  wellichem  pas.su  hei  I.  .M‘  und  derselben  znstand  am 

l)  .\us  iU,\srr  Anpabe  ist  wohl  nicht  auf  eine  .Abänderunir  der  in  Heilaze  X mititetheilten  Ifo- 
sctilüssc  zu  sehliesem.  bs  palt  ja  nur  den  Churfbrsteii  davon  zu  aberzeupen,  da«  das  Vorpehen  der 
Krzherzope  nicht  woiil  niöplich  sei,  und  dica  war  leichter  zu  erreichen,  wenn  man  die  obipe  Absieht 
aU  die  nr8]iruitpliche  bezeiehuetc.  tlie  in  Sehottwieii  beschlosseae  -Masarepel  wünle  der  Chf.  wohl  sellist 
vorpozopen  luiben. 


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143 


meisten  der  *eit  gelegen“.  Dann  inuiw  der  Clif.  Matthias  lohen  mul  dem  Kaiser 
rathen,  denselben  sogleich  in  Böhmen  wählen  *n  la.ssen ; er  werde  dann  die  Wahl 
im  Reiche  betreil>eu.  Dem  Kaiser  soll  seine  Hoheit  nud  Uegierungsgewalt  durch 
Bedingiingeu,  für  deren  Einhaltung  wir  alle  uns  verbürgen  «’ollen,  gesichert  werden. 
„Auf  sniliche  weiss  hetten  auch  die  abgeschatften  gehaimben  riith  vor  ainem  jahr 
I.  M'  persuadiert  und  contentiort,  das  sie  diese  Sachen  vortsezen  wollen,  da  nicht  ad 
partem  andere  irer  privatiuteresse  beforderung  willen  sollichcs  I.  M'  heiliges  fOr- 
nembeu  verhindert.“ 

Da  alle  bisherigen  Bemrihuugen  diulnrch  gescheitert  sinil,  dass  man  dem  Kaiser 
nicht  so  lange  zusetzte,  bis  er  seine  Zusagen  auch  wirklich  erfüllte,  so  darf  der  Chur- 
fOrst  sich  jetzt  nicht  mit  Bedachtuehmeu  und  dergleichen  ablindeu  lassen.  Erreicht 
er  durch  seine  Gründe  nichts,  so  könnte  er,  da  der  Kaiser  so  grosse  Angst  vor  der 
Entthronung  hat,  schliesslich  erklären:  „weil  sie  sähen,  das  I.  M‘  das  wesen  in  ain 
Bolliche  weifleutigkeit  richten,  darauf  doch  der  katholischen  religion  und  derselben 
zuegethonen  personell , sonderlich  aber  dem  geistlichen  stand  gewisser  Untergang  in 
Teutschland  stünde,  müesten  sie,  die  geistlichen  churfürsten,  wegen  ires  Stands  mit 
zneziehung  der  gelreneu  und  diesem  hnuss  affectionirten  lutrischeu  stände  drangen 
und  zwangen  wider  iren  willen , mit  zusammcuseznng  auch  das  irige  thun,  weil  sie 
.sehen,  das  bei  so  allen  gepflegten  gehorsambisten  mitieln  aiumni  nichts  verfangen 
und  I.  M*  inen  weniger  als  gar  gemeinen  und  po.s.siouirten  leuteu,  so  ir  privatinteresse 
suechen,  trauen  und  glauben  wollten.  Geschähe  nun  dieses,  wie  es  anderst  uit  .sein 
kflnte,  so  haben  I.  M*  leichtlich  zu  gedenken,  wa.s  es  für  ein  plnetpad  in  Teutsch- 
land  abgeben,  I.  M'  aber  selbst  die  höchste  unruhe  und  gefahr  causieru  und  in  allen 
historii.s  ain  ewigen  bösen  mimen  machen  wurde“. 

Ist  die  Nachfolge  richtig  gemacht,  so  kann  der  Ghurfürst  dem  Kaiser  zu  einer 
geistlichen  nud  leiblichen  Kur  rathen , aber  nicht  eher,  denn  sonst  ivürdc  er  davon 
Anlass  nehmen,  die  Ordnuug  jener  aufzuschieben. 

Wi.  Succession.  Matthias.  Copie. 


XII. 

Briefe  Joliann.s  von  Groisbecck  an  lllricli  Speer. 

1)  Arnsberg  28  December  ICOO.  „Solo  dirö,  che  non  posso  dar  alcun  avizo 
del  negotio  che  si  tratta,  (in  ä l’altro  ordinario  et  secoiido  io  schuoprirö  campagna. 
Qnantc  al  s'  Billebeo  egli  ne  fu  avertilo  di  detto  negotio  per  me  et  ciö  con  ordinc 
espresso  del  Ser"“  elettore,  perö  destrameute.  t'on  tutto  ciö,  diibitando,  chö  con 
grand’  ardore  si  braniava  questo  particolar , mi  rispose  secondo  la  sacra  scrittura : 


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144 


„Neseiiuit , qniil  pfltnnt.'*  Jo  flopo  esgcndo  in  Lieg!  li  ho  fatto  Uimo,  di  manera, 
chi‘  adf'sso  nieglio  intonde  la  disposilione  del  uegotio.“  Ma.  415/84,32  CrI. 

2)  Köln  23  Januar  IfiOl:  „(iuanto  alli  argumenti  del  liiUfO,  chi  ha  detto  • 
„Neacinnt,  quid  petunt“,  sono  aaaai,  ma  il  priiicipale,  che  io  ho  iiiteao,  ö,  chi  pare, 
che  liariera  non  «arä  hastnnlc  ä portar  fcil  carico  per  mancamento  di  niexzi  et  per 
l'inimicitie  che  nasceranno  tra  A>istria  et  liaviera,  et  che  consecntivamente  sara  la 
rorina  della  casa  di  Baviera,  et  di  quel  purere  e ancora  un  altro  hnomo  et  caragliero 
di  ginditio  et  confideiitissimo  giurato  <Iel  Ser’”'  clettor,  con  il  qnale  <ineato  negotio 
h »tato  trattnlo.  Ilic  multa  poasinl  adduci  argumenta,  H quali  non  ei  laaciano  acriver“. 
Da«.  .37  Orl. 

3)  Lüttich  1 Kehrnar  1001:  „llillco  non  i ancora  tornato  di  BrusscUes  et  per 
quello  non  habhiuiuo  ancor.a  potuto'di.«correr  .«opra  il  fatto  diila  siieeatsione.  Perö 
sia,  come  si  vogli : so,  che  Billeo  aarä  del  parer  di  rXr.tlore  et  Orohhcerk,  cioe,  ch'iu 
nesaniia  luaniera  conviene,  che  ilnrn  Miissimilintio  ae  dcrlnri  verso  jui/Ht  f>  quäl  altro 
so  vogli,  di  jiri'hiidir  nlhi  suceessioiie“  Da«.  39  Crl. 

I)  Lüttich  9 Februar  HlOl.  „Qiianto  al  negotio  del  siircessioite,  io  credo,  chi 
arcidura  Athcrio  ha  sapnto  qiiello  che  e stato  cercato  circa  quel  particolare , poichi 
egli  ha  fatto  progar  ctcliorc  di  Volonia  per  Billco , che  volesse  tener  la  niano,  che 
ln  coroiiu  polessi  ro«tar  iiilla  casit  di  Aunhia  ä mm  delli  suoi  frntelli  ö se  no,  nl 
mono  ü arcidiicn  Fmlitmiido.  Tocante  l'nrgunieuti  contrarii  cii  per  il  primo,  che 
mettono  iu  avanti  la  debbolezza  di  liamri  et  chi  non  .saranno  bastanti  di  poter 
RO.«tciilnr  tal  poso  per  divcrsi  rispetti,  che  V S'"  facilniente  potri  imaginär.  Kt 
que-sto  era  chc  voleva  dire  quel  nesciunt,  giiidicando,  che  sarebl»  la  rorina  di  Baviera. 
Perö  ein  fossi  .sicuro  ddUt  liulirmia,  in  tal  caso  non  lo  dissuadercbboiio.  Si  ricor- 
dano  niico  della  riR]i<wtn  che  Alhcrio  padre  di  diica  (iuilrlmo  diedo  ä Auijunto  di 
Sassonia,  alliora  chi  li  olferse  la  coromi,  dicendo , voglio  piii  jiresto  restar  «ii  diica 
di  Bavirra  che  di  doventar  il  vostro  matio,  volendo  accennar,  che  egli  sarebbe  stato 
pro  forma  et  li  altri  pntroni.  Onde  vengono  ä inferir,  chi  sc  loy  ch'era  principe 
tanto  savio  et  potente,  e.weudo  Bavirra  iu  altro  stato,  chi  non  e ailcs.«o,  non  gindi- 
cava  per  bene  in  quel  tempo,  chi  Baviera  aceettasse  Pofferta,  che  manco  converrebbe 
per  il  presente,  essendo  la  miseria  di  Jiaricra  piii  graiids  che  mai,  secondo  corrc  la 
voce  et  se  non  possono  mantener  qnel  stato  solo,  come  vorrebbono  dunckve  defrnder 
Vimperio.  Li  occupationi  non  permettono  .scriver  piü.  11  elettor  ne  (iroisheerXe  hanno 
mutato  d'opponioue,  perö  spenino,  che  la  cosa  da  se  inedesiino  verrä  ä cascar,  dove 
se  pretende  et  ciö  per  la  poea  aft’ectione  che  si  cogno.*ce  esscr  verso  la  aisa  d’Austria“. 
Das.  40  Crl. 

5)  Arnsberg  IG  März  IGOI:  „Non  nccade,  che  V.  S'*‘ se  inaravigli,  se  arridaca 
Alberto  non  peiisi  per  se  inedesimo.  La  cau.sa  e,  ch’egli  molto  bene  cognosce,  non 
potervi  arrivar  per  haver  perso  trop[H>  il  e.redito  j>cr  Ic  cause  che  V.  0”“  sa'),  et 


1)  Ohne  Zweifel  ist  4er  Kinfall  Mcmloras  gonieint.  Vgl.  auch  Briefe  unil  Aeten  1,  n.  214. 


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I4ri 

per  caser  allevaio  in  Spagna.  Mi  allejfro,  chj  le  cose  di  duea  Massimiliam  sono  in 
tauto  buon  esser  et  credo  Tolonticri  V.  S"*,  perft,  con  licenza  detto,  nii  niaraTif(lio. 
che  sempre  se  ha  visto  tanta  strettesaa  et  ncceaaitä  in  corle  di  ßaviera,  orc  niai 
non  hanuo  havuto  guerra,  anzi  godnti  sempre  di  pace.  Ilaec  inter  nos.  Si  coram, 
plura  adjijugerem.  Non  hablii  V.  S"“  paura,  che  VImperatore  cliiaini  Vcllettore,  et 
io  non  mi  poaao  pcrsuader,  che  con  consenso  et  volontä  di  S.  M*^  niai  si  verrä  allii 
eletiione  di  rc  di  lloniaui,  et  che  li  dctlori  lo  faranuo  senza  sno  consenso,  cie  poca 
apparenza,  se  dunckve  del  tntto  non  fossi  desperate  di  S.  et  non  volendo  con- 
seutir  V Imperalore,  bisognarä  espeltar  qnello  che  Iddio  statuirä  di  loy  et  in  tal  caso, 
credo , che  piii  facilwcnte  duca  Massimiliano  potrebbe  arrivar  a1  nostro  disegno. 
Perö  qni  cie  da  considerar , die  se  non  si  puö  venir  ä u»a  elcftione  nisi  in  caso 
mortis,  in  tal  caso  l’imperio  correrä  gran  resico“.  Das.  47  Crl. 


XIll 

Papst  Clemens  VIII.  nn  Kaiser  Budoir  II. 

Clemens  papa  VIII. 

Cnrissime  in  Christo  fili  noster.  Baluteni  et  apostolicam  benedictionem.  Angit 
cor  nostrum  et  exerutiat  vehementer  jam  a mnltis  annis  grarissimum  ncgolinm  clec- 
tionis  regis  Romanorum,  quod  M“  Tuae  mirum  non  videbitnr,  si  oogifaverit,  in  co 
summopere  versari  atqne  inniti  commune  boonm  et  tranquillitatem  reipnblicac  chri- 
stianae,  conscrvationein  catholicae  religioni.s  in  Germania,  salntem  deniqoe  et  quietem 
serenissimac  vestrae  Austriacac  familioe  et  regnorum  ditionnmque  ipsius,  quae  omnia 
M“  Tuae  nota  esse  non  ambigimn.s.  (jtia  de  causa,  qusiita  possnmus  efScacia  et  con- 
tentione,  rogamua,  obsecraraus  et  obtestamur  M““  Tnum  per  gloriani  Dei  et  Snani, 
per  utilitatem  popnii  christiani,  nt  pro  Sua  prndentia,  pieiate  animique  maguiindine 
proqne  Sno  ardenti  zclo  conserrondae  catholicae  religionis  et  dignitatis  ac  majestatis 
retinendae  augnstae  domus  Snae  tandem  aliqnando  serio  velit  et  statnat  finem  im- 
ponere  huic  saluberrimo  et  peruecessario  negotio,  in  qno  uil  alind  nos  .spectamus  aut 
expetimus,  niai  nt  is  rex  Bomanorum  eligatnr,  quem  .M"  Tun  ex  Sno  sangnine  Suaque 
inelyta  familia  potissimum  eligi  volnerit,  nos  enim  in  hoc  concordissime  cum  Ipsa  pro- 
cedemns.  Eligat  igitnr  M'"  Tua,  quem  maluerit  sive  ex  sereni-ssirais  fratribus  Suis 
sive  quem  aliiim  ex  eadeiu  Vestra  serenisainia  familia  Austriaca,  nos  enitn  operam  da- 
bimns  omni  stndio  totisque  viribus  noslris,  qnod  idem  ille  eligatnr,  quml  facillime 
Doo  juvantc  fore  non  dubilamus.  Satis  enim  illud  erit,  declarari  a M“  Tua,  se  electio- 
nem  iieri  veile  et  quem  eligi  velit  Caetera  facillime  disponentur,  quemadinodmncopi- 
Abh.d,IlI.CI.d.k.Ak.il.  Wiss.-W  W.I.Abih.  10 


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Mt: 

asus  [!]  locuti  snnina  cnm  doctore  Peccennio ')  liTgato  Tao,  viro,  ut  nobia  visaa  est, 
valde  prudeuti  et  M'‘  Tiiae  addictissimo,  nuem  de  hoc  ipso  smnmi  momeati  negotio 
nostro  nomine  cnm  Kaagentem,  ut  uoii  soluiii  benigne  audire  sed  exaudire  etiam  velit, 
etiam  atque  etiam  petimus  a M“  Tua,  eni  nostram  paternara  ct  apostolicam  bene- 
dictionem  toto  ex  animo  itnpartimur. 

Datum  in  palatio  nostro  aposfolico  XXII  novembris  1601. 

Wh.  Reiehsregistratur,  Wahl-  und  Krönungsacten  K.  Matthias.  1611  and  1612, 
n.  28  eigb.  Or. 


XIV. 

UiurlTirat  Kriist  von  Köln  an  Krzlierzng  Albreelit. 

ünrchleuchtigister  fiirst.  Frenndlicher  lieber  herr  vettcr.  Xechst  erbiettung 
meiner  frcnndtvetterlichen  dienst  bleibt  K.  L.  uuverliulten , das  mir  dero  schreiben 
von  aigner  handt  wol  zukommen,  dnrnnss  ich  dann  mitt  .sonderlicher  frendt  ver- 
nommen, wie  enibsig  und  sorgfältig  K.  D"  die  erbaltung  des  hl.  römischen  reicha 
und  gemnin  wesen  |Ihr]  angelegen  sein  lassen,  welches  dann  mir  zn  hohem  tro.st 
nnd  erleichterung  be.schwerlicher  sorgen  geraichen  thnett.  L'nd  mögen  K.  L.  sich 
des  gewislichen  getrösteu , das  es  au  meinem  eusseristen  vleiss  nnd  vermögen  nitt 
ersitzen  noch  ermaugten  soll,  K.  L.  treues  gemüet  nnd  herz  zu  .secundiren.  Möchte 
gleiehivul  von  herzen  winschen , das  auch  andere,  welche  das  werk  voruerolich  mitt 
berüeren  thuett,  gleichsam  so  wachtsam  und  inen  diso  so  schwere  wichtige  sach  nitt 
weniger,  wie  dann  woll  billig  wäre,  zu  herzen  giengc 

Vor  mein  person  bin  ich  jeznuder  noch  mehr  gegen  K.  L.  verobligiert  von 
wegen  der  geraertcu  und  gebe.sserten  peusion,  so  in  K.  L.  selbst  schreiben  mit  an- 
gedeuttet  wiirdt  und  wiewol  nitt  an  ist,  das  ih  von  solchem  müchtigen  und  grossen 
könig  vil  ein  grössere  recompens  (in  nnsehnng  meiner  gelaister,  treuer,  vilfeltiger 
dienst  und  von  wegen  Ir  könig.  M"  unOberwindiiehen  und  unaussprechlichen  erlittuen 
Schadens)  erwartet  hette,  dessen  unnngesehen  wurde  ich  dise  bewilligte  und  aiigmen- 
tirte  Pension  vor  höher  und  zweifache  gnad  halten,  da  Ir  Lieblten  gerhuen  wurden, 
sich  zu  bemhOen  und  bey  Irer  kü.  M''  das  werk  dahin  zu  dirigirn,  das  ich  vor  meinem 
ableiben  meinem  gefallen  nach  davon  disponirn  und  diselbige  pension  trausportirn 
möchte,  wie  es  dann  mehrmals  andern  cardinüln  zucgelosscn  und  verstattet 
worden  ist. 


1)  Doetor  Bartliolomäns  I’ezzen,  der  um  TUrkeiihiilfe  gebeten  halte.  8.  Archiv  für  üsterreicbiMhe 
Geschichte  XV,  234. 

2)  Das  bezieht  sich  ohne  Zweifel  auf  die  Ch^.  van  Mainz  nnd  Trier,  S.  oben  S.  G9  tT. 


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147 


Thue  mich  nach  Regen  E.  L.  frenndtlicli  l>cdankhen  von  wegen  gnetten  er- 
zaigten  willens  gegen  mir,  in  allen  möglichen  Sachen  die  handt  zn  bietten.  wie  ih 
dan  deshalbcn  gnuegsaiu  mit  den  pas|>ortten  der  schiff  halben  gespürt  hab,  und 
thuett  mir  daneben  von  herzen  wehe,  das  ih  E.  L.  hingegen  sowol  in  particnlaribns 
als  publicis  imperii  negotiis  durch  habenden  inangl  ainiger  mitll  nitt  dienen  kan. 
wie  ich  ilan  von  herzen  wol  winschen  und  thueu  wolt,  wie  E.  L.  dann  solches  alles 
von  meinem  Billeo  weitters  vernemen  werden,  welchem  B.  L.  daun  als  mir  selbst 
völligen  glanben  zu  geben  wissen.  Und  time  mich  derselben  also  frenndtvetterlich 
und  dienstlich  bevelchen. 

Datum  Hirschpetg  den  31  decemb.  a”  1600- 
E.  L. 

getrener  und  dienstwilliger  vctter  alzeit 
Ernst  churfürst. 

Brs.  Secretairerie  d’Allemagne,  N.  110,  1'29  cigh.  Or. 


XV. 

Der  Erzbischof  von  Salzburg  an  Erzherzog  Albrecht. 

Dank  für  das  Schreiben  vom  13.  Erbieten  zn  allen  Diensten.  „Ich  hab  nach- 
richtung,  das  sich  die  Sachen  auch  seitt  dess  anfbrucbss  und  abscbaidenss  Kninpf 
nndt  Trnutson  umb  den  kaiser  nur  bösere  und  sich  höchlich  eines  ghehlingen 
undt  unverhofften  ansschlagss  zn  bcfharen,  undt  obwol  erz.  Mathias  erfordertt 
nndt  alda,  so  wirdt  er  doch  nitt  gehörtt,  übell  ange.sehen  undt  beßiidt  sich  tlbell 
Content.  E.  Maximilian  thuett  man  erwartteu,  ist  aber  genng.mmme  vcrmnetung 
verbanden,  das  im  nitt  minderss  widerfbaren  werde,  dieweil  kaiser  von  der  snc- 
cession  nichts  will  hören  undt  im  von  disen  deshalben  selbst  vil  nngleicliss  ein- 
bildett.  Derohalben  nndt  auss  disen  allen  bette  e.  Albrecht  nrsach  inciness  er- 

achtenss  desto  mher  anch  sein  schanz  darl>ei  in  ochtiing  zn  nemmen,  nitt  das  ich 

vermain,  das  mitt  kaiser  oder  den  seinigen  was  nuzlichss  zn  tractiren,  dieweil  die 

Sachen  also  beschaffen,  da.s  uiemaudt  verhanden,  der  reden  dörff  o<ler  khüun  oder  anch 
villeicht  mitt  nuz  möchte,  .sonder  das  die  pass  an  andern  ortten  von  weilten  zu  prae- 
uccupieren.  Dan  soll  cs  bey  so  l>e.schoffnea  wesen  zu  einem  iuterregno  khommen, 
ist  nichts  gewisserss,  dan  das  ess  ein  grosse  zerrittikhaitt  wirdt  abgeben,  nitt  ullaiii 
von  wegen  dess  kaiserihmuh,  sonder  auch  von  wogen  Ungern  undt  den  seine.s 
gesellen’),  do  sich  jezo  kaiser  anffhelt,  dan  obwol  .Mnttbias  der  Vorzug  villeicht 
geburcte,  so  hatt  er  doch  starkhe  oppositiones  an  allen  denen  orten,  wie  nitt  minder 

1)  D.  b höbraen. 

19* 


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148 


Maximilian,  dieweil  die  meisten  darvilr  halten  wSlIei),  ander  andern!  das  der 
keiner  zu  dem  ernst  ronderss  tauglich  nndt  soril  das  kaiserthumb  in  imper- 
sonali ')  belangt,  ist  K.  L)‘  minder  als  mir  verborgen,  dass  Frankreich  ira  vil 
darvon  träumen  last  nndt  zn  seinen  pretensionem  desto  leichter  gelangen  möcht,  von 
we^en  dess  erstgemelten  concept  von  Matthias  und  Maximilian,  bevoraus  dieweil 
er  auch  bei  kaiser  seine  adhaerenleii  halien  soll,  der  im  auch  vür  sich  selbst  nitt  un- 
gewogen.  Frankreich  aber  von  disem  allen  abzuhalten,  ist  kheiu  besser  mittel, 
als  dass  der  krieg  niitt  Frankreich  von  Spanien  behart  würdt,  dan  dordnreh 
werden  anff  den  fal  den  protestierenden  alle  ihre  motiven,  jFraM/;rfifA  beizufallen, 
benommen,  dieweil  nitt  zu  vermutten,  tlas  wider  Türken  vil  geleist  khondt  werden, 
so  lang  man  mitt  sich  selbst  zu  schaffen.  E.  Ferdinand  hatt  bey  disem  wenig 
zn  l>edcitten,  dieweil  der  im  selbst  den  weg  sleust  mitt  seinen  zu  vil  schorpfen  re- 
formatio neu,  alss  das  er  im  on  alle  mitteil  allen  beyfall  der  protestierenden 
benommen  undt  abgekhnrzt  Derhalbcn  schlies  ich  dohin , da  der  e.  Ihr  echt 
Niderland  in  ruhen  kbondte  haben  durch  mitteil  eins  frieds  oder  sonsten,  das  er 
vor  allen  andern  den  offnen  pass  bett  nitt  nllain  zu  kaiserthnmb  sonder  auch 
zu  Ungern  nndt  seinem  gesellen  undt  wnrdt  darmitt  Oeslerreirh  wider  zusammen 
khommen  undt  grösser  alss  nie;  gebürte  auch  mhererss  nitt  dazu  alss  ein  gutte  vor- 
beraithnng  bei  Saxen,  Mainz,  Trier;  Cöln  aber  halt  ich  nitt,  das  zn  tränen, 
sonder  werde  villeicht  uehner  auch  Hrandenburg  zn  gewinnen  sein,  wan  es  zum 
handell  khoni.  Ungern  aber  und  seinen  gesellen  betreffendt,  do  nur  zeitlich  in  der 
nehne  bey  inen  genügsame  eventualbevehl  verbanden,  halt  ich  zu  rechter  zeit,  do 
darvor  nichts  heschehen,  die  handluiig  vür  ziralich  ring.  Im  fal  aber  diser  zeitt  undt 
bis  dohin  in  Kiderlandt  je  kain  mittel  statt  haben  khan,  .so  bin  anch  darumb 
ich  nitt  ausser  hoflhnng,  obwol  die  Sachen  insoiiderheitt  von  wegen  Turggeu 
etwa-s  schwerer  an  allen  orten  fallen  werden,  do  allein  erzh.  Al  brecht  sein  jezige 
reputalion  in  kriegswesen  erbelt  und  Franzos  zu  khainer  ruhe  khoinpt.  Den 
wie  es  sich  ausicht , so  Stichen  die  mai-sten  anss  denen  die  fried  begeren  zwischen 
Franz oss  undt  Spanien,  dises  sampt  Oesterreich  zu  eutschläffern,  damit  der 
ander  mög  avanzirt  werden.  -Salzburg  den  25  October  IGOO. 

Urs.  Secret.  d’Allcm.  N.  2111,  79  eigh.  Or. 

1)  Bezieht  sich  auf  die  Chiffre,  welche  eigeutlich  Kaiser  hie». 


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140 


XVI. 

l)es  Erzbischofs  von  Salzburg  lUmi  Kaiser  zugeatellte  „Summarische 
erinnerimg  und  anzeig,  wie  I.  ksl.  M'  allerhand  jiractikcn,  so  sich  dem,  dem 
hl.  reich  und  dem  löblichen  hauas  Österreich  zu  merklichem  praejudicio  hin 
und  wider  anspinuen , begegnen  und  diss  hoffwesen  wie  in  gleichen  dass  veld 
also  bestellen  können,  dass  sie  in  nie  nnd  mit  menniglichs  satisfaction  der  per- 
sönlichen andienzen  überhebt  sein  mögen.“ 

„Ob  wol  nit  gezweifen  wird,  die  R.  ksl.  M*  haben  dess  weltlanls  und  jezigen 
stauds  genugsanibo  uachrichtung  .sowol  fllr  sich  selbst  alss  von  anderen  fUrneoieu 
orten  und  dannenhero  billich  hcdcnklich , dcsshalbeu  I.  M'  fernere  uuterthenigste 
erinnernng  znekommen  zue  lassen,  so  beiiudt  sich  doch  anderseits  die  pfliebt  gegen 
I.  M‘  alss  röra;  kaiser  derma.ssen  beschaffen,  und  conditioniret,  dass  ohne  betraugnuss 
des  gewissens  auch  nit  wol  zu  unterlassen,  da.sjenige,  so  in  wahre  errabrnuss  gebracht, 
I.  ksl.  M'  gehorsambist  zne  berichten  und  zwar  umb  keiner  anderen  ursach  willen 
daun  darmit  der  pflicht,  wie  jetzt  angedeuttet,  auch  ein  genügen  geschehe. 

Und  ist  dises  aiifenglich  der  hauhtpuiict,  dass  dem  weltbrauch  nach  -sich  au 
mehr  orten  erzaigt,  alss  wore  grosse  naignng  vorhauden,  den  stand  der  cristenheit 
in  dem  politischen  wesen  zu  enderu  nit  ohne  gefahr  und  sondere  nachtheil  dess 
löbl.  hauss  Oesterreich,  dann  nit  allein  Frankreich  Rlr  sich  seihst  sonder  auch  die 
bäpstliche  Ilail'  und  die  italiaiiische  lürsten  in  geiuain  wie  vitleicbt  auch  etliche  dess 
reiche  mögen  ein  starkes  aug  auf  Frankreich  geworfen  haben,  um  das.selbig  sorill  an 
inen  gelegen,  zue  dem  kaiserthumh  zne  befürderu  und  dardtirch  den  weg  zu  eröffnen 
zne  untertrücknng  dess  lianss  Österreich  under  dem  schein,  dass  die  österreichische 
nnd  spanische  macht  irem  vorgeben  nach  ohne  du.ss  zue  bocli  gestiegen  und  ire 
Sicherheit  erforderte,  zue  einem  gegengivicht  Frankreich  zne  crliclien.  Durch  diese 
mittel  aber,  das  I.  ksl.  M',  zue  gedenken  auf  ein  succcssorcm  im  reich,  noch  zue  zeit 
villeicbt  wenig  lust  und  uaiguug  tragen  und  derhalben,  dieweil  wir  alle  sterblich, 
die  Bachen  zne  ainem  freien  iuterreguo  im  reich  kommen  möchtcu  , welches,  da  es 
heschehen  solle  in  wehrenden  offenen  krieg  wider  den -erhfciiid,  den  churfürsten  nott- 
wendig  auweisuug  würde  gehen,  auf  aiu  solches  hauss  im  reich  zue  gedenken,  so  zue 
versichening  gemaines  vatterlands  den  krieg  wider  den  erbfeind  zue  führen,  genueg- 
sam  qnalificiert.  Wann  dann  zue  solchem  Frankreich  fuer  nicniglich  anderm  ge- 
schickt, I.  M*  brüeder  aber  wie  auch  erzh.  Ferdinand  darzue  nit  also  tauglich  ge- 
achtet werden  möchten  nnd  erzh.  Albrecht  in  dem  Niderlnud  ohne  dass  gnueg  zne 
schaffen,  mich  dass  mit  eiufellt,  dass  von  wegen  der  .starken  religion.srefonnalion,  so 
anjezo  bei  disen  herrii  in  der  Übung,  die.selbeii  bei  den  protestierenden  stenden  dess 
reiebs  etwass  übel  gewolt:  also  ist  die  verrauettung  vorhanden,  dass  Frankreich  den 
ziiegung  zne  dem  reich , so  es  alberait  stark  nffi»ctiert,  Icichtlich  inögte  bekommen. 
ÜB  aller  sollichs  wider  verhoffen  geschehen  solle , gebe  ibme  dass  reich  mittel , sich 


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150 


der  Nidertand  wie  aiicli  etwaii  der  croii  Ungarn  unter  dem  schein  dess  [Törken] 
kriegs  inechtig  r.ue  machen,  nnd  da  «olliches  ervolgte,  nbwol  Frankreich  Italia  mit 
frieilen  liess,  würden  doch  dardurch  die  Ilispnui  in  ain  solche  forcht  gesezt,  dass  sich 
die  übrigen  potentaten  in  Italia  wenig  vor  ihnen  znc  furchten  betten.  Wolte  dann 
Frankreich  wider  sein  versprechen  nnd  ire  zneversicht  auch  in  Italia  nnrne  aiistiflen, 
80  hcttc  man  alssdann  die  Spanier  zum  besten  nml  wurde  ein  macht  die  andere  in 
zamn  halten  und  dardurch  die  andere  stiind  irer  frciheit  halber  desto  mchrer  ver- 
sichert .sein.  Und  diss  sein  die  lianhtdiscnrs  der  italiani.schen  potentaten  der  zeit,  dahin 
sie  sich  nnd  alle  ire  anschleg  und  resolutionen  nach  nnd  nach  richten. 

Bei  Frankreich  aber  ist  wissentlich  , das  er  ime  vom  reich  mehr  alss  stark 
traninen  last  nnd  desvhalhen  in  starker  Vorarbeit  ist , auch  sovill  die  gaistlichen 
churlürslen  behingt,  sich  auf  den  bähst  nit  wenig  verlast.  Kljenmessig  sein  etliche 
sländ  im  reich  zne  dieser  tractation  nll>erait  nit  allerdings  ungewngen.  Seite  es  dann 
zne  ainera  solchen  kommen , ist  Icichtlich  zue  erachten , wnss  es  mit  dess  hauss 
Oesterreich  vorlanden  fnr  ain  gestalt  gegen  Frankreich  wurde  haben  und  ob  sie  auch 
dasselbige  joch  entrinnen  kOiiten  oder  nit.  Gleichsfahls  «vUrden  die  Stailen  sambt  den 
protestierenden  dise  gelegenheit,  die  Spanier  oder  villmehr  die  Österreichischen  auss 
Niderland  zne  treilwn  nit  versäumen.  Die  übrige  land  anch,  so  an  Ungarn  stassen, 
mögbm  durch  dise  böse  practiken  leichtlich  von  dem  hauss  Österreich  kommen.  ‘ 

Dannenhero  die  eüsseriste  not  erfordert,  diesem  allen  nunmehr  so  vill  niensch- 
nnd  möglich  fuer/.uehauen  und  zne  begegnen.  Darzuc  dann  1.  M'  ainiges  ander  csler 
gelcgenere.s  mittel  nit  haben,  lianbtsachlich  davon  znc  disenrriren  , alss  dass  sie  in 
dero  lehzeitlen  die  snccessiou  des  reichs  zue  werk  zne  richten . sich  gnedigst  ent- 
schliessen.  Wann  aber  I.  M'  zne  der  siiceessioii  kein  leibserls'ii , also  mögten  die- 
selben auch  dero  hrneder  halber,  solche  biss  daher  zu  hetürdem,  villcicht  nit  mizeitig 
heilcnken  gehabt  haben.  Zneilem  ohwoll  der  hanhipnnct  an  diesem  gelegen,  so  ist 
doch  nit  woll  rattsamb  fiiereileud  ain  solch,“  werk , alss  da  ist.  die  wall  eines  röm. 
königs  für  und  an  die  liand  zne  neiuinen,  man  sei  dann  dess  mischlags  mehr  alss 
vorgewisst  [vor  gewis.s?]  hevoranss  bei  der  jezigen  heschatrenheit , liei  wellicher  sich 
leichtlich  begegnen  niöcht,  diiss  man  mit  nngewi.s.sen  Vertröstungen  suchte  zue  der 
wall  zne  kommen , damit  mau  nachmals  den  Sachen  ainen  imvcrhoflen  mul  nit  ver- 
maiiiten  ans.se,hlag  ettwo  gefehrlicher  weiss  gelwii  kiinte,  dardurch  dan  nit  allain  divss 
reich  sonder  auch  sowoll  T.  M'  seihst  alss  ilass  haiis.s  Oesterreich  in  geiiiain  in  die 
cnsseristc  gefahr  gesezt  wurde.  Derhalben  daun  mehr  als  vorstendig,  ilise  Sachen 
und  practiken  zuevolir  giiueg,samb  zne  versnechen,  ehe  mau  sich  unterstehe  sollichc 
in  dass  werk  zue  si"/«!. 

Darneben  sein  dieselben  auch  nit  woll  in  die  leng  zne  stellen,  dieweil  die  prac- 
tikoii  nit  allein  stark  in  schwung,  sonder  auch  vill  furneimne  steud  di'ss  reichs  ob  der 
expedition  dess  kaiserlichen  hoft's  nit  allerdings  ein  gefallen  tnigeu  und  hesorglich, 
da  I.  M'  nit  ain  eiiueheu  timen , dass  wann  diu  Sachen  reif  und  zeitig , die  chiir- 
fursten  zue  bewegen  villeicht  sein  mögten , die  Sachen  fier  sich  selbst  an  die  band 


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löl 

zne  Hemmen  und  nnf  aiii  einsehen  zue  f;cdenken , inmasH'U  dan  nit  leit  iiu  reich 
umugeln,  die  sich  dergleichen  alhereit  verlauten  las.seii. 

Solchem  nun  allem  fui'zukommen  utnl  zne  Ixgegncn,  I.  ksl.  M‘  in  aiclicrheit  und 
authoritet  zne  erhalten,  künftiger  gefahr  des»  hauMa  Österreich  entgegen  zue  gehen, 
den  chiir-  und  fnrsten  deas  reiche,  ao  sich  disgustiret  befinden  und  iieiiening  iniglen 
verursachen,  satisfactinn  zue  geben,  die  practikeu  abzuschneiden  und  die  wall  eines 
römischen  kunigs  von  dem  hanss  Oesterreich  aufs  kOnttig  desto  mehr  zue  facilitiren, 
ist  zum  ersten  nottwendig  und  ratthsamb,  dass  I.  M*  dass  regiment  so  woll  bei  hoff 
als  im  weiten  in  ain  gnuegsambe  ordnnng  und  bestallung  bringen,  ob  welches  nie- 
mandt  mit  fueg  und  billigbeit  zue  hesehworen,  dan  sintemall  die  persönlichen  audienzen 
und  verhöriingcn  der  bottschaften  und  abgesandten  I.  ,M‘  etwas  schwer  aukommen 
nnd  sich  verweilen  raögtcn , gibt  alheroit  die  erfahrmig  zue  erkennen,  das  die  ge- 
haimbe  räth  gimegsambc  satisfaetion  von  sich  zue  geben  mul  meuiglich  zue  conten- 
tiereii,  nit  erklecken  kOnten,  dass  auch  desshalbeii  der  verdrtiess  und  Widerwillen  nur 
einreissen,  welchen  1.  M'  da  sie  schon  die  aiizahl  der  geliaimben  mehren,  nit  leicht- 
lich  {firkommen  werden,  so  lang  sie  nit  den  gehaimbeii  rnth  mit  einem  solchen  baubt 
versehen,  ab  wellichem  sich  die  bottschaften,  da  sie  schon  ahn  dmeadbig  gewisen 
werden,  nit  zne  beschweren  hal>eu 

Und  dieweil  I.  ksl.  M'  dero  geliebste  herren  brüeder  an  der  hand,  währe  sehr 
rattsamb,  1.  M'  Hessen  ir  allergnedigist  belieben  , dem  ainen  bei  sich  Ihm  hoff  zue 
haben,  dem  gebuimbeu  rath  furznsezeu  und  der  andiciizcn  halb  I.  M'  zu  vertreten. 
iJa  auch  1.  M'  vcrniainen  möchten,  das  sich  ain  brueder  des  gcwalts  nbernemmeu 
mögte,  haben  I.  M'  dises  mittel,  das  sic  erzli.  .Matthias,  als  welcher  praehMisioiies 
primogenituroc,  l>ei  seinem  gnberno  mögteu  verbleiben  lassen,  bei  hotfaher  den  erz- 
berzog  Maximilian  brauchen , so  wurde  auf  disen  weg  ain  brueder  den  anderen  in 
dem  gebärenden  respcct  gegen  I.  M‘  erhalten  nnd  e.  Maximilian  sich  ziivil  nit  an- 
luassen,  damit  er  I.  M‘  gnad  nit  verwirket,  erzherzog  Matthias  aber  auch  de.sto  fleissiger 
sein,  damit  er  I.  M'  nit  ursnch  gebe,  den  erzherzog  Maximilian  ihmc  vorzuezichen. 
So  wcreii  auch  ohne  das  1.  M‘  ohne  sorgen,  dieweil  .sie  ir  die  höchste  authoritet 
lievohr  behielten,  da  es  dero  gcfellig,  dem  e.  Maximilian  nit  anders  alsa  mit  dero 
wissen  zue  liaudlen  bevölcheu,  nnd  dann  die  gehaiuibe,  so  ainem  solchen  herrn  ziie- 
geben  werden,  nit  ime,  sonder  I.  M‘  nllain  vei-ptlicbt  währen.  Auf  dise  weg  mögteu 
I.  M'  irer  ruc  mit  gelegenheit  ]iflcgen  nnd  wflrd  dennoch  in  den  geschäfften  nichts 
verabsaumbet , sowoll  auch  znefrieden  sein,  so  hei  hoff  zne  handicn , dass  sic  mit  I. 
M*  bnicder  ainem  ferner  und  nit  mit  Privatpersonen  zue  tmetiren  betten,  ünd'könten 
dardnrcli  die  respect  nnd  anthoritet  auch  de.sto  sterker  erhalten  und  der  Unwillen 
bei  den  nnwilligen  von  tag  zue  tag  abuenieu,  entgegen  aber  der  willen  immer  sterken 
nnd  wachsen. 

Wass  al)er  die  geliaimben  belangt,  so  einem  solchen  herren  zne  verordnen,  dabei 
will  etwass  licdenklich  fallen , solche  von  frembden  orten  und  auch  etlicbermasseu 
BUSS  dem  reich  zue  nenimeu,  in  bedenkung,  dass  frembde  auch  frembde  dependenzen 


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152 


haben  imil  die  auss  dem  reich,  so  aiucs  ansehens,  ire  priratinteress  nit  entratlien, 
auch  der  neid  unter  gleichen  gmainiglich  gross  und  die  beste  frag,  warum!)  dieser 
und  nit  jener.  Danneuhero  Termaiut  mau  untertheuigist,  dass  I.  M'  von  denueii  auss 
dero  kuenigreichen  und  landen  am  l>esteu  und  gelegensten  würden  bedient  und  in 
allweg  derseliicn  affection  und  treu  mehrer  als  der  fremhden  versichert  und  verge- 
wist  sein. 

Sovil  aber  dass  feld  Irelangt , gibt  die  erfahrung  zn  erkennen,  das  durch  die 
französische  hänbter  wie  villeicht  andere  zum  thail  nusalcndi.sehe  1.  M'  und  deren 
künigreichen  gelegeuheit  gar  zue  nahe  wollen  in  achtung  genommen  und  zue  weit 
pnliliciert  werden.  Üaraulf  dann  bestehet  dass  I.  M‘  und  dero  hauss  inis.sgueunern 
mit  grosser  gefiihr  deren  ir  höchste  gehaiml)uuss  offenbar  werden,  welliches  daher 
so  lang  Tcrmietten  blieben,  alss  sich  I M'  diejenigen,  so  keine  ausslendiscbe  oder 
fremhde  dependenzen  gehabt,  getrauet  haben.“ 

[Januar  KiOl] 

Brs.  Secret.  d'Allem.  X.  249,  III.  14  voll-stündig  chiffrierte  Copie. 


XVll. 

Dr.  Otto  Forstenhenser  an  Hz.  Maximilian. 

Durchlenchtigister  fnrst Simslcn  hab  ich  weitters  verstanden , das  es 

zwar  Iciletverniögenhait  halben  nmb  I.  k.sl.  M‘  gar  wol  siehe,  mögen  auch  wol  essen 
und  trinken,  pflegen  auch  zue  zwen  oder  anderhalb  .stunden  zu  tisch  zue  sizen  und 
haben  auch  I.  M'  bei  einem  halben  jar  deroselben  dienern  nicht  nier,  wie  sie  vor 
disem  gepflogen,  angefareu,  geschweigeii.s  etwas  ferners  wie  vor  disem  ip.so  facto  ge- 
schehen, attentirt.  I.  M'  lassen  sic  anch  nimmermer  öffentlich  sehen,  gehen  auch 
keinen  gesanten  andienz,  sonder  es  mues  alles  an  1.  .M'  per  memorialia  gelangt 
werden.  Der  Corradutius  hat  leuger  als  in  einem  hallam  jar  ainiche  andienz  nit 
gehabt , der  von  Liechtenslein  i.«t  auch  in  zwaien  monaten  zue  I M'  nit  kommen ; 
her  Barvitins  aber  hat  dägliche  nudieuz , ist  auch  manchesmal  drei  oder  vier  stunt 
bei  I.  M‘.  Diser  allein  expedirt  I.  M'  privat-  und  auch  wol  andere  Bachen 

Bunsten  .sagt  man  auch,  das  der  Corradutius  gar  nit  in  gnaden  bei  I.  M‘  seie. 
Er  zwar  hat  mir  hent  sclbsteu  geclagt , dais  die  gehaimen  so  gar  kaine  andienzieu 
bei  I.  M‘  iiaben'  köiideu ; er  bitte  (iot  däglicb , das  er  allein  mit  gmulen  von  I.  M' 
dieusten  ledig  möchte  werden  ; er  und  die  gehaimen  könten,  Got  anderst 
nicht  dienen,  als  sie  thuen,  so  seie  doch  I.  M'  mit  inen  nicht  content;  ko  könden 
sie  die  gehaimen  kaine  gelcrtte  oder  erfarene  lent  aus  dem  reich  hicher  bringen, 
dieweil  die  soeben  also  beschaffen,  dan  I.  M*  allein  ir  cammerdiener  umb  sich  haben, 


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153 


denen  gebe  er  glanben , ennderlich  einem , so  der  Magophsgi  genant  wQrd , ao  ein 
Behem  ist,  wellicher  gesel  in  oflentlichem  adulterio  leben  tbnet.  Dieser  liabe  auch 
seithero  des  Popen  ')  ableiben  ezliche  dansent  gülden  per  fag  nofasque  zuesameu 
bracht,  ünd  sagt  auch  letzlichen  mit  diesen  wortten  zue  mir,  das  vor  zeitten  ein 
Sprichwort  gewesen,  das  besser  seie  ein  oesterreichische  ungnat  als  ein  bairische 
gnat,  aber  das  contrarium  seie  nunmer  war.  Ich  rerstehe  auch  weitters  in  gemein, 
das  es  noch  ante  natalitias  ferias  selzame  mutationes  alhie  geben  sol.  So  lang  ich 
auch  hie  gewesen,  sihe  ich  doch  auch,  das  &st  ein  je<ler  thnet,  was  er  wil ; die  ge- 
haimen  rete  haben  auch  kain  gewiae  stunt  mer , in  den  rat  zu  gen,  dannenhero  die 
sollicitationes  der  abgeordneten  und  gesanten  gar  ungewis ; so  man  dan  sie  zue  hans 
snecht,  so  hnt  man  die  herren  selten  anhaimbs,  den  ire  etliche  das  frauenzimmer 
cortesiren , andere  aber  faren  spacim ; dannenhero  jeznnt  vil  mer  clagen  verbanden, 
als  zue  zeit  des  Kumpfen  bescheben.  Es  ist  glcichwol  nit  one,  wie  her  Barviti  diser 
dagen  zu  mir  vermeldet,  qnud  in  diem  vivant  und  wissen  däglich  nit,  wan  es  Ober 
nud  über  gebe. 

Wan  ich  aber  widerumen  nach  München  gelangen  wurt,  so  wil  alsdan  E.  D* 
ich  merers  in  specie  des  hiesigen  hofwesens  berichten , welliches  alles  anjezo  ich  der 
feder  nit  zuevertranen Datum  Prag  den  27.  octobris  a"  1601. 

Ma.  30/17,  16  eigh.  Ov. 


1)  8.  Briefe  und  Acten  IT,  221  Anm.  3. 


Akh.  d.  III.  CU  d.  k.  At.  d.  Wie«  X V.  Bd.  I.  Abth. 


20 


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Pi  e g-  i s t,  e r . 


Hans  Tfin  Aftchcn.  Anui.  I;!.*. 

Ancel.  S.M  fl'  Aimi,  ]<;0,  -JIO,  ;t73. 

Anhalt.  Für»tChristian.S.7'>f.HI.  IMI.  Anm  -t  Wt. 

Johann  Gcnrjr  Anm 
Annalx>rg.  Zu^aiuincnknnft  S 70 
Ansbnch.  Marlj^raf  Goorj;  Fric-lrich  S.  51,  Mf, 
7^.  U>1,  Anm.  100, 

Asehatrenbnrjr.  Zünammenkonft  8.  0?),  71,  7-», 
7^^^  Anm. 

Harfl  Rnv^t  von  der  AsM^bnrg.  Amn.  oUfl. 
Herz"^  von  Amnale  S.  1^ 

Ba«Un'Durla<'b.  Markjfraf  Ernst  Friedrich  S.  7-‘i. 
Ilai^rn.  Kr  i»«  S.  Haus : An.<tc)icn  S. 

144  f.  Stclluni;  zu  Fhinkr»'ich  S f.  rum 
Kaii^er  Anm.  IP».  Ans-  and  Absichten  auf 
dia  Kniserkrone  S.  1-*>,  14,  17,  >*-t  f.,  ttfl  ft. 
Anin.  Herzop  Albrecht  V,  8.  8-t,  144 ; 
Erm<t  und  Ferdinand  siehe  Köln;  Herzo^’in 
Magdalena  Anm.  I-IA,  ;l*29,  409;  Maria 
Anna  S.  li?0;  Herzoj?  Maxiniilinn  1^  S.  Ct,  65, 

^ 

04.  09,  70,  Ith*,  U7,  I JO.  127, 

FJ9..  m HO,  l<jo,  I7J. 

17f<,  ITfl.  191,  200,  2Q:l.  tJOl.  207.  206. 

^71,  270,  H20,  :i2i*.  Si9,  :t4-5,  Mi,  ::04,  ;157, 

2:^,  ;4(i2,  im,  270.  282,  385.  »8«,  4)>*i, 

4i>n,  Anm.  2 *u  S.  129  und  2^  xu  141 ; M.  be- 

wirbtsich  om  die  Kaiserkrone  8.  72,  70.  83 ff. 
102j_  U2  ff.  Anm.  W;  Wilhelm  V.  S,  15.  fi4, 
6^ ^ f.  ff.  135.  136.  142 , Anm.  ^ 3^ 
!*Zl  ±L  ili  ^ ^ »02,  126,  127,  143, 
329,  36.5. 

Franx  und  Maria  de  Bailliencourt  Anm.  143. 


Johann  Uarritius  S.  4-**,  78,  HO,  lOfl,  111,  112, 
132.  152  f.  Anm.  \j2j_ 

276,  321».  319,  3»iG. 

Bithory,  Andreas  Anm.  Sletfinund  Anm  209. 
Ikdjricn  S.  II.  12.  18.  22  ff. 

Ladialaua  von  Ih<rka  8.  1 25. 

Burkhard  von  Berlichinffen  8.  79,  105,  141. 
.Anm.  B»0.  255. 

Johnmi  Adam  von  Bicken  Anm.  219.  V^l.Mainx. 
ChriKtof  Sie^round  von  Bila.  Anm. 

Karl  Bille  8.  82,  H.~i  f.  IF!  f.  147.  Anm.  09. 

218.  n:{!i. 

Wilh*dni  Bodenins  Anm.  362,  :ki6,  376,  -185,  ;t86. 
Brdimen  S.131;  Neipiinjc  xum  AbfaU  von  04’ster* 
rtich  S.  r.  65j_  77^  ^ 135  tT. 

147.  Anm.  209;  Erbrecht  Anm.  297 ; Kanzlei 
S.  123;  K.migswahl  S.9j^£^221f.  131,  136, 
147  f.  *ic  ist  alhangijT  von  der  Kniscrwahl 
8.  bedingt  diese  S.  2i_  30,  85.  144 ; 

Kronaiiiter  S.^  f.  12^h  135;  Landtag  von  1599 
Anm.  1 17 ; von  1600  S.  77^  Anm.  137 ; 
Bc-stanration  8. 125. 139,  vgl.  Pirarden;  Mange! 
an  Führern  unter  den  Ständen  Anm.  1 95. 
Jakob  Bongart  Amn.  2»t3,  237,  341. 

Giovanni  Francesco  Bonomo,  Bischof  von  AVrcelli 
und  Naiitia.s  xu  Prag,  Anm.  4,  38. 

Herzog  Heinrich  von  Bouillon  S.  101. 

Arnablo  van  der  Boje.  Anm.  65.  66,  69,  72« 
76,  78,  9,5. 

Botxht^im  Anm.  319. 

Tycho  de  Brabe  S.  ^ f.  Anm.  181,  253. 
329,  390. 

Brandenburg:  Chnrfurst Joachim  Friedrichs  7^ 


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IM 


ÖSff.  m.  122.  124.  !?n.  U'*: 
Johann  Georg  S.  7 ff.  22.  2^1^  Anm.  l.tO, 

:^9.  ■‘>2.  54.  76.  98. 

Brannflchweig:  Herzog  Hctnrich  Julias  8.  T"». 
VAX . Anm.  2^ri.  :C(e,  :tmi;  Otto  Heinrich 
Anm.  IfjL. 

Breuiier:  Freiherr  Jakob  S.  10^  Peter  [?)  Amn.:W>*l. 

AmoM  von  Buchok  3.  ttt*.  ^9,  Anm.  2*2:t,  274. 

Buiiweia  Anm.  12li.  ^ 

Calviniaten  S.  i;?7. 

Peter  Casal  S.  ßC  f.  71^  ^ 140  ff.  Aom.4f^ 

220^  2^  ;m». 

ConJestable  von  Caetilien  Anm.  au2. 

OUavio  Cavriano  S.  M 

Cliurfunlencolleg;  Aufnabme  <le»  Chf.  Ernst  von 
Köln  S.^ff.  Aun.  14;  Hechte  S._^ff.  fü*.  >*4. 
Ufi,  i:t4,  lari,  |:!0,  150f.  Anm.  2i'A,  :t02; 
Vcrfflssaiig  S.  60,  70»  71.  beab»»ichtigter 
Char(ur»tontag  S.  ^ ff.  xk  ; Zuaatnmen- 
kQnfte  von  ChurfQrsten:  Mainz  l*»i4  (Mainz, 
Trier,  Sachaen),  Cottlas  iriS4  (Sadi*en,  Bran- 
denburg) Oobleni  (Mainz.  Trier,  Köln) 

Silbach  ICuO  (Köln,  Sachsen  Ascbaffenbnrg 
HK»  (Mainz,  Trier,  Köln)  Annaberg  lüOO 
(Sachsen,  Brandenbarg)  Mainz  ICO]  (Mainz, 
Köln)  Kms  l(i0>4  (Mainz.  Trier,  Köln)  siehe 
unter  (len  Ortsnamen. 

Clemens  VIII.  3.  Ui.  17.  52.  72,  74.  iMj  ff 

1^11^  21^1Üili!^  M2i.  ü±f 

I4tt  f.  Anm.  242.  ■44'h  S44. 

Gnitlen  de  San  Clementa  S.  17,  IS,  10,  40,  51  f 
5.5,  71,  00,  hg,  112.  m,  120,  Anm.  ^ 
^ ^ U5(_  140^  2^  2^  ;W2, 

'.m,  ;jG;i. 

CoMenz,  Zu-samroenkunft  Anm.  :kü. 

Tomaao  Contarino,  Anm.  41.  42. 

KndoU  von  Coradnz  S.  ^ 50.  109.  IIP.  124, 
120.  i:t2,  152,  Anm.  ^ 102^^  3H6. 

Cottbus,  ZuRammenkanft  S.  ^ 

König  Christian  IV.  von  Hünemark  S.  27,  1-tS. 

Deutscblanii,  Nationalgeföhl  S.  101. 

Dictriebstein,  Freiherr  Adam  Anm.  4.  08;  Franz, 
Bischof  von  Olinhtz,  Cardinal  S.  74 , 112, 
Anm.  ^ 366. 

Burggraf  Fabian  von  Dohna  S.  99. 

Piero  Duodo  S.  51,. >2,  54  f.  IQS,  129  ff.  Aom.  89, 
lf>2.  106,  i:i4,  138,  174,  175,  177,  17S.  1B2, 
m.  191.  194.  195.  2U^ML.ML  g-'iO.  252. 
254.  258.  26Ö.  26:1.  264.  265.  277.  291.  293. 


' 2^  2^  302,  :W3.  :M4,  3.59,  304.  370,  372. 

375,  333.  393,  396. 

! Michael  Ehern  Amn.  l.'U.  .349. 

^ Kms,  Zusammenkunft  Anm.  400. 

Engelmeyer  Änin.  367. 

j England  Anm.  38^1  Krmigin  Elisabeth  .Anm-  203. 

Herzog  Caesar  von  Este.  8.  38,  Vgl.  Ferrara, 

' Modena,  lieggio. 

Philipi*  Faust  Anm.  222.  297.  2nx,  .301,  406. 
Kaiser  Ferdinand  i S.  121. 

Ferrara  S.  ^ ^ I3;t. 

Finale  S-  112  f.  Anin.  375. 

Otto  Forstonlienser  8.  152  f. 

I Frank  8.  Ü, 

Frankfurt  a.  31.  Zusammenkunft  Anm.  Uu. 
Frankreich.  König  Heinrich  IJI.  S.  10^;  Hein- 
rich IV.  Heiruth  mit  .Maria  von  Medici  S.  46. 
1 19,  123;  Stellung  znr  Jfachfolgtfrage  8. 
12j.il.  31.  61.  6N  72  ff.  75,  ■■'4.  k7.  \ij, 

•ilh.  M ff-  12i  liH*  iiiit  HL  Üi  ff- 

Anm.  ^ ^ 174.  2 12.  265.  :U)S.  321,  410; 
andere  Praktiken  im  Beich,  Amn.  2*J6. 

393. 

Freiherr  Georg  Desiderios  von  Franenbofen. 
Amu.  319. 

FrieJbcrg,  Zusammenkunft  .Anm.  26.5. 
Forstenberg.  Graf  Albrecbt  Anm.  129,  Casi»ar 
Anm.  217,  219,  22  t.  Graf  Friedrich  8. 107, 132, 
Freiherr  Jouebiiu  von  Fugger  S.  129, 

Johann  Gailkircher  Aora.  lol.  127.  143. 

Paul  Gurzwcilcr  Anm.  >149. 

Hnbert  Giphanins  Anni.  349. 

Giuffru  8.  131. 

Johann  Güdeluiuuu  S.  79.  141. 

Freiherr  Johann  von  Groisbevck  8.  ^ ff.  89, 93. 
113,  114,  14:1  ff.  Anm.  50, 135,  223,  227,  273, 
ZLL 

Gnarinoni  S.  57,  117,  119,  Anm.  7^  17-S,  .344. 
Ludwig  Haberstock  Anm.  98»  365. 

Hai  Anm.  141. 

Graf  Johann  von  Hanau  Anm.  296. 

Andreas  Uannewald  Anm.  349. 

Freiherr  Leonhard  von  Harrach  8.12».  Anm.  93. 
Heinrich  von  Haalaug  Anm.  363. 

Heid  8.  Ü 

Jakob  Heilbituiner  Amn.  344. 

Johann  Georg  von  Herwart  Anm.  102. 

Landgraf  Morit  von  Hessen  S.  1^  f.  Anm.  410. 

20* 


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1 5G 

Freiherren  Ton  Hofmaon,  Penlinand  8.  50,  107, 
l:>2.  Anm.  !»>>.  12'» ; Hans  Friedrich  Anm.JMa. 
Graf  Karl  I(.  von  Hoheucollem  8.  42.  4'\  105  f. 
I2*<.  liD. 

Holland.  Vcrcinigui^  mit  IVntRchland  8.  ^ 
lld;  FrtcJcnshandlung  S.  H4,  01j, 
IK  Anm.  ^7]^  -m 
Heno);  von  HoUtein  Anm.  ^(>'16. 

Hans  Chiiiitof  von  Hornstein  8.  ^16  f.  «x, 

m f U2i_  Anm.  lOU  129^  :tG6. 
Blaslita  Haetcr  Anm.  :{T5,  :190,  400. 

Huf^eootten  8.  101. 

Agoatino  Hnrando  Anm.  :U)S. 

Interregnum  S.  ^ 14^  f.,  7^  9U,  122, 

Vi*},  U\  147.  Ui>.  Anm.  :t02. 

Italien  S.  I.^Q,  Reichalehcn  8.  10,  |H, 

Jesuiten  XQ  Gra«  Anro.  in  Prag  Anm.  -tX,  181. 
Jülich  8.  2^  Anm.  ^ 

Markgruf  Jalias  8.  -1^1. 

Kaiserthum,  Aneehen  8. 69.  70,  72,  xS,  Anm.  210. 
219  ; Bedeutung  S.j4j^  der  Papst  kann  es  Ober* 
tragen  8.  IH9. 

KaUerwahl,  Bedingnngso  8.  7^  ^If.  69,  70, 
7f^  ^ ^ f„  «it  f..  1*4^  14^  149j 
Anm.  2^;^  :t02,  ;129. 

Kandlberger  S.  127. 

Kaniitxa  S.  iüt.  *0.  1-kl.  141.  Anm.  ^ xn 
S.  UL. 

Kapuxincr  8.  .'>8,  fiO.  65,  77,  IQJl,  |:tx  ff.,  141  f., 
Anni.  *144. 

Karl  V.  S. 

Kassel,  Kindtaufe  S.  ^ 

Katholiken , Liga  und  Besorgnisse  vor  den  Pro* 
testanten  stehe  dort. 

Freiherr  Johann  von  KbevenhOUer  8.  ^ ff.,  10, 
^^11^  Anm.  9^  :194. 

Melchior  Khlenl  S.  A7j_  Anm.  7^  :17B. 

Köln;  ChurfOrst  Emst  8.  5,  62,  Amn.  4il,  47, 

406. 

409 ; Aofnabroe  in  den  Churverein  8.  ff. 
Desocli  beim  Administrator  von  Sachsen  8.  47. 
6K;  Freondschaft  mit  Erzherzog  Albrecht 
8.  ^ ^ ff..  ^ ff.,  ^ ff.,  Anm.  .121, 
12U,  403,  404;  mit  Erzherzog  Emst  S. 
mit  Kaiser  Rndolf  II.  8.  19.  21,  65,  82  ff., 
i:i6.  Anm.  321,  329,  40:i,  404;  Geldnoth 
Anm.  218,  289;  StcUang  zor  Nachfolgofrage 
8.  17  ffir2nir7»2,  &y  ff.,  T^^ff.,  M f., 
102,  113  ff.,  122.  134,  136,  138,  140  ff.  143  ff.. 


146  ff. , Amn.  ^ ^ 7^  17£  329. 
411;  «j])4nische  Pension  8.  91.  146.  Coadjator 
Ferdinand:  8.  ?<4,  96  f..  Anm.  271.  Vgl. 
Gebhard  Truchsess  von  Waldbnrg. 

Ulrich  von  Krenberg  S.  114,  Anm.  197,  209. 

Hartmut  von  Kronberg  Anm.  IL 

Kurz  von  Senftenau  Jakob  S.  1|^  Anm.  99,  101 ; 

Philipp  Anm.  141. 

Philipp  lang  S. 

Caspar  Lehmann  Anm.  :148. 

Landgraf  Georg  Lndfrig  von  LcochtenbergS.  106. 

Freiherr  Karl  von  Liebtenstein  8.  4o,  .V%,  7?^. 
106,  1^  Anm.IKl,  242, 

:W7. 

Liga  S.  Lb  74^  Aum.  7^ 

Hermann  von  Linden , Freiherr  zn  Reckum 
Anm.  274. 

Linz  Anro.  129. 

Graf  von  Lippe  Anm.  167. 

Pope!  von  Lobkowitz:  Christof  8.  12Ö,  Georg 
8.  12.\  Anm.  297,  Sdenko  Adalbert  8.  I2o. 

Graf  von  Lodron  S.  110. 

Lothringen : Herzug  Karl  III  S.  ^ f.  Franz 
Graf  von  Vandemont  S.  l'>;  Prinzessinnen 
8.  46.  Anm.  2*>8. 

Hieronymus  Machowsky  S.  7^^,  106,  1A1  Anm.  1>^1. 

Ludwig  von  Madruzzo,  Cardinal,  Bischof  von 
Trient  S.  ^7^  Anm.  17,  19. 

MShren  S.  129,  LH,  Xeigung  zum  Abfall  von 
Ücstorreicb  S.  ^ f , 120,  121. 

Magdeburg,  Si'saionsstreit  8.^  Zusammen- 
kunft Anm.  76. 

MaiUnd  S 10.  |x.  2:1.  46.  112. 

Mainz,  ZusammenknoG  S.  £ ff.,  88  f. 

Mainz,  CburfürHt  Joltann  Adam  8.  86  ff.«  Anm.  ^138, 
402,  4*Hi  (vgl.  Bicken)  Daniel  8.  4 ff.,  Anm.^ 
^ 8^  Wolfgang  8.  £ff.,  t]_  ff.,  1^69  ff.,  j». 
!-20,  122,  124,  m 140,  148,  Anm.  8,  12,  47, 
52.  .VI.  :H,  197,  198,  217,  223,  224,  227,  244, 
26H,  118. 

Gerroanico  dt  Malaspioa,  Nuntlos  zu  Prag 
Anti).  37. 

Johann  Manhart  S.  ^f..  Anm.  44.  50, 
2*Ll  102,  12d,  116,  117,  1.38,  142,  160,  179, 
m ^ HS,  H«,  HS.  :16*2,  H5,  HO,  377, 
;W'2,  Anm.  ^ zu  8.  141. 

Fürst  Peter  Emst  von  Mansfeld  Anm.  116. 

Herzog  Vinccns  von  Mantua  8.  III. 

Philipp  Marbach  Amn.  344. 


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!57 


Kaiserin  Maria  8. 5.  ft  ff..  16,  47,  m,  UO. 

Maria  von  Me-lici  8.  ^ M7  ff,  f., 

u*<i- 

Kaiser  Maximilian  L S.  Maximilian  [I. 

s. 

Heno|?  TOD  Majenno  8.  13. 

Herxog  ron  Mecklcnbar^;  Anm.  J6. 

Joluinn  Hililebraml  Mecker  ron  Bali^heim  S.  37. 
m,  ^ Anm.  m 

Graf  Leonhard  Helfried  von  Me^gan  Anm.  ^ 
Francisco  de  Mondoxa  8.  40,  93,  118,  144. 

Anm.  ;t‘2ft. 

Herzog  von  Mercoear  8.  13. 

Merkbacb  8.  7^  141.  Anm.  160. 

Adolf  Wolf  von  Gracht,  genannt  Metternich 
Anm.  70.  280. 

Minaccio  dei  Minocci  Anm.  58. 

Modena  S.  'iS,  132.  \’U. 

Peter  von  HoUart  S.  UHi,  I2\  Anm.  124. 

125.  12ft, 

Molxer  Anm.  3:16. 

Nachfolge ; Recht  8.  26.  Amn.73;  Verhandlongen ; 

1.VM  8. 1 ff.,  I5K'i  S.  5^iL.  l-5’*4  S.  iL.  IL 
Anm.  39,  1.585—1594  8.  f**  1594 

S.  n ff..  71  f.,  ^ .Anm.  .'102;  1595  ff., 

8.  ff,  7^  90^  Anra.  74^^  15iW  S.  ^ ff^ 
56,  120.  121  U 123  ff..  143;  1000  ff.,  8.  ^ ff 

mff. 

Graf  Ladwig  II.  von  Nassau  Anm.  2i>6. 
Pfabgraf  Philipp  Ludwig  von  Neabarg  8. 64, 135, 
Hans  Heinrich  von  Ncuhausen  Anm.  :l4ft. 
Herzog  Karl  von  Nevers  Anm. 

Nnntien  8.  Anra.  jL  30^  Vgl.  Portia  in 
Orax,  Bonomo,  Malaspina,  8peciano  und 
Spinelli  tu  Prag. 

Oeiterreich : Inneröetereich  8-  6^  127.  134, 

Anm.  U)2.  247.  Erxhcnogthüiner  ob  und 
unter  der  Enns,  8.  79, 129,  L14, 136,  Anm,  247, 
Vonleröaterreicb  8.  150.  Anm.  ^ 

Oesterreich,  Krihenoge:  Albrecht  S.  3^ 
m f.  Anm.  ^ 76,  9^  191,  20.3,  210, 

360,  :163,  :tS0,  400,  40;l,  404;  Heirath  mit 
IsabclU  8.  ff,  ^ f.,  1^  1^  Bwnch 
bei  Kaiser  Rudolf  S.  ^ f.,  ^ L Verhältnis 
lu  demselben  8.  1^  ^ ff-,  .12,  43,  45,  47, 

M ff.,  W f-,  Ml  «Zt  ^ Hk  Alk 

120,  Anm.  66,  67 ; Stollung  tur  Nachfolge' 
frage  8 21  ff,  51  ff.,  62ff,  72  ff.,  7^ 

m ff.,  1^1^  ff.,  m ff.. 


I 146  ff.  Anm.  57.  59.  74.  175.  Iftl.  214.  221. 
:t02.  ■tO'3.  Anna  S.  130  Antu.  3lKi ; Anna  Ka- 
tharina d.  Ae.  8-  !•»).  LlTi,  142;  Anna  Ka- 
I tharina  d.  J.  8.  LK>,  Anra.  3!HJ,  (vgl  Töchter 
Ferdinands  von  Tiroll  Eleonore  8.  127 ; Emst 
n r.  Ikik  10.  21,  :ut,  140.  Anm.  3ft. 
36.5 ; Ferdinand  der  Aeltere  von  Tirol  8.  i* 
U,  46,  59,  140,  Anm.  36  , 93,  278 ; dc^en 
I Töchter  8.  46,  L»,  Anm.  25**.  Ferdinand  der 
jQngere  ron  Inn<*rösterriieh  S.62.^^'»  ^2.  114. 

! 127,  134,  Lt-5  ff..  Anm.  4",  7.3.  79,  275.  295. 

:W2;  B'  sneh  in  Prag  1602  Anm.  4'J8;  Heirath 
, 8.  120  ; Aussichten  auf  die  Nachfolge  S.  ^ f./ 

75,  .84,  91  f„  iU.  94,  144,  148.  149.  Anm.  223. 
243.  Jt2^^  406,  40**,  409,  Schwestern  8.M.  f-» 
Anm.  396  (vgl.  Eleonore  und  .Marie  Christin**) 
Karl  S.  3 ff..  140,  Anm.  6;  Maria  S.  j.1-5.  142, 
■Anm.  1>9,  *203,  409;  Marie  CHiristme  Anm,  409 ; 
I Matthias,  V'erhältnia  zu  Erxlieraog  Albrecht 
8.  29  . 52  . 61.  62  . 93.  120.  Anm.  76.  175. 

’ I9t ; Besuche  in  Prag  S.  2^j^  ük  37  ff.. 
115,  1-3.3  f.,  21L  14^  Character  8.  26  f.,  94, 
14-S  149,  Anm.  1*^9,  .3<>5;  Heirath  S.  31,  120. 

* 123,  Anm  2tVl,  329  , 4o9;  Verhältnis  znm 
Kaiser  S.  32 , 43,  ^ f. , ^ ff.,  78,  95,  Ul, 

I Hi  ft-  ff  . 1-3  f . 131,  147  ff.,  Anm.  ^ 

' 1^2^  2^  2^3-2^^  3.'4,  m;  zu  Maxi- 

I milian  S.  ^ Anm.  85,  191 ; zam  Papste 

S.  ^ f.;  XU  Spanien  8.  92 ; Stellung  zur 

• Nocbfolgefrage  8.  2«  ff.,  56  ff.,  70,  75,  HO. 
^ U4  ff.,  1^  ff-,  J2|^  m ff,  Änrn.  ;J02. 
406,  4tJ9;  Maximilian  8.  4,  29,  31,  47,  52. 
62  ff. , «6  f.,  79  ff. , ^9^  IIL.  U6^  Lik 

134.  |:t5  ff.,  147  ff.  Anm.  24. 
7^^  ^^1^19^:102,  :m,  :108,  326, 
3:46,  4<Hi;  Maximilian  Emst  Anm.  40**. 

Graf  ron  Oettingen  Amn.  :I67. 

Graf  Olivarez  S.  53.  Aum.  174. 

Prinz  Moriz  von  Oranien  8.  130. 

Freiherr  Georg  von  Pairadeiser  Amn.  2 zu  8.141. 
Ottavio  Paravicino  Anra.  :166. 

Passau  S.  129  Anm.  129. 

Perostein  Maria  von  Anm.  3S7.  Wratislan  Anm.  4. 

I Persien  Anm.  263. 

Pest  S.24,34,  4:j,  47,  129,  Anm.  69,  117,  129, 

m. 

I Bartholomaus  Peiaen  8.  ^ 132.  146.  Anm.  195 
Pfalz.  Churfürst  Frie^irich  IV.  8.  31.  104  f..  131. 
Anm.  Wü;  bemüht  sich  um  die  Kronen  Böhmeni 


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158 


and  des  Rcic)ia  S.  l'iO;  Stcllanii'  zur  Nacb- 
folgefmge  S,  UJ.  *>S  "1.  ff-.  ff-* 

124,  Ar>ro.’J6U.  Pfulzjjraf  Johann  Casiinir 
S-  iLÜ  LL.il  *■•*  iliL.  Anm.  Chur- 

fürMt  Amn. 

David  Pfeifer  Amn.  1^  14. 

Piearden  S.  JUill  f. 

Pilsen  S.  4^  Anm.  PU. 

Johann  Pistorius  Anm.  141.  )i44,  24‘». 

Volrat  von  Pleasen  Anm, 

Polen  S.  IlH,  Am».  20ü.  2ti4. 

Freiliertcn  von  P^lweil,  Confifantin  Anm.  127; 
lladolf  S.  4^  4^  lüä  f. , LLli  Amu.  ^ 
i:iL 

Hono^je  von  Pommern  Anm.  ^ 

IluUB  Popp  S.  1 ■‘■i  Anm.  ^ 

Uraf  Hicronvnius  Puitia,  Nuntius  zu  Graz  S.  52, 
^Aiim.  U*::.  172.  IM.  2tHj.  2u:t.  204,  21)7, 
‘M,  :i2t),  4<m;,  4ox,  40i*. 

Alexander  Pruutl  S.  127  f..  Anm. CH,  7s,  }j2.  xy. 
102,  117,  m U<i.  \:\  is:t. 

^ :»i),  XA,  ;i:i7. 

301,  3<k?,  3i>y,  Anm.  zu  Ji.  131. 

Pnij:  S.  132. 

Francesco  Priuli  Amu  ^'•O. 

Cardinal  • Prot*  ctor  von  Deut^icbland  8.  112. 
Anm.  ^(00. 

Protentantcn , Pläne  der  IP  wi^DK^partci,  De- 
sor^ni»se  derselben  und  Furcht  der  Katbo* 
likon  vor  ihr  S.  ^ 17,  27,  31,  3.7,  40> 

» IrÜt 

122.  124  f..  P^  1^  1^  f..  ^ 

ff. , A mn.  ^ ^ 302, 

321,  410;  G*4Jnoth  Anm.  76;  G'-sandtsebaften 
an  den  Kaiser,  1000  S.  131,  lOUl  S.  104  f.. 
Anm.  2.71,  303;  Haas  xwiachon  Lutheranern 
und  Calvinisten,  Anm.  70  ; Stellung  zur  Nach« 
folgvfrage  8.  ff-«  00  ff-  Verweigerung  der 
TUrkenhülfen  8.  42> ; Unionspläne  S.  4-'>.  09. 
Anm.  410.  Zuaammcnk&ofte  siehe  Frankfurt 
a.  M.  Fnevlberg,  Kassel,  Magdeburg,  Uot«n> 
bürg  a.  T.  und  Torgao. 

Rab  8.  VXi. 

Keckem  aieho  Linden. 

Reggio  I Rezzo)  8.  3^,  132,  iXi. 

Reicbs'DepuUtionstag  P'if'Ö  8.^  P'iOSML,  8.  4.7, 
77,  128,  Anm.  07 ; Hofrath  8.  15,  24.  Sl.lQ.^, 
lüü,  131,  Anm.  34'J;  Tage  1082  8.  ^ 1604 

S.  17  ff-,  71  f.,  1^  Amu.  3L^  363;  1508 


g.  4^  1603  8.  ^ Hl,  ^ Anm.  242; 
Yicariat  während  de*  Interregnums  S.j^  ßOff., 

06.  122.  134.  13.\  Amn.  ;W2j  in  Italien  8.10. 
Beligionafrieden : Freistellung  S.  1.6 ; geistlicher 

Vorbehalt  S.  ^ Anm.  11. 

Octavian  Roberetti  8.  6S  Anm.  K-’^. 

Peter  Koder  .\nra,  :K4. 

Hermann  Christof  Rosworm  S.  .60. 

Rotenburg  a.  T.  Zusammenkunft  Anm. 

Kaiser  Rudolf  II.  Alcbymie  nnd  Astn^nomie. 
Amn.  141  , 263.  320;  Verhältnis  zu  seinen 
Brödom  S.  111 . P'tQ.  Anm.  207,  3M),  4>S(ij 
(vgl.  unter  Albrerht  und  Matthias  vonO*‘*ter- 
r*‘icli)  Character  8.  ^ ff., 

^ ff,  ia  f-,  Ü f..  41.  4.6.  .64,  66. 

^ir.,  66,  70  ff..  H\,  Kt,  Hl,  HM,  01,  lus  ff., 
115,  117,  HO.  126.  127.  VJH  f..  ^ 142, 
Amu.  66,  60.  70.  03,  121.  141.  20!>.  276,  297, 
326,  .320,  406,  IIÜ;  Verhältnis  zu  Kngland 
Anm.  383;  zu  Frankreich  8.  04 , 113,  110, 
123  f.  Gtildnoth  S.  11.  Anm.  2t>0.  3**2;  Hoi- 
rath  8.  HO,  mit  der  Infantin  lsa]i*41a  S.  \ 
y ff.,  1^16  f.,  ff..  32.  3^,  110;  mit 

Maria  von  Me*lici  S.  2.'».  .!2.  37  ff..  46,  117  ff., 
123.  Anm.  174 ; mit  an-iereu  1'rinzi‘ssinncn 
8.  46j^J78  f,  126.  PtO,  Amu.  306;  VerlmUuU 
zu  Holland  S.  70.  113;  Kammenliouer  u.  dgl. 
8.  ^ ^ ^ 06j^  m f.,  2^  IM  f. 
(vgl.  Frank,  Hai,  Lang,  Lefaiuano,  Machowskj 
und  Popp),  Krankheit  S.  ff-«  ^ ff*« 

4^  ff..  ^ ILIiL  ^ 

Hg.  127,  I^  IL.  _m  ff..  I£L  Pir  h 

07 , 127.  242.  204.  276.  -J'.*!.  326;  Stellung 
zur  Nachfolgi'frai;e  8,  6 ff.,  11  f-,  12,  20,  22  ff., 
3U  ff.,  46.  66  ff..  72.  7-yff., 

ff.,  r,  142  f..  L, 

Anm.  10,  13,  20,  132,  320;  VerhaUma  zum 
Papste  8.  7-8,  87,  1P6;  Politik  8.  10,  IH,  2.3, 


1 XI  ; 

Rtiricrongsweise  8.  10 

. 24, 

27, 

, :»  f. 

, 4.x, 

(Wi_ 

"X  ff.,  x;t.  IST.  -J1  f.. 

107 

ff.. 

127, 

128, 

130 

t,  140,  P60  ff.,  Anm. 

98, 

126, 

. 131, 

174, 

200.  224.  242.  32ß.  366,  . 

Anm 

. 1 

ZU  8, 

rj«! 

religiös«'  Stellung  8.  13.  14, 

. 48, 

•w, 

, 76  ff. 

. 79, 

1»2 

ff.,  IM,  l:«  f.,  Hl 

f-. 

Anm,  03, 

27«, 

1 3Ü6 

; Verhältnis  zu  Spanien  8. 

10, 

IH, 

1.25, 

3irül*ilLiiL  W f«  7^  7^  78  f.,  87,  02, 
96,  102.  Hl  ff.,  H>^  l^i^  Anm.  302, 
320,  .366,  37o ; (vgl.  Albrucht  von  Oesterreich) 
Absicht,  Tirol  zu  behalten  S.^  f.,  Anm.  20;t, 


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159 


295;  Unterthanen  8.  27,^  70^  Amn.  ^2;  (rgl. 
Bobroen , 5Iabreo,  Oeaterreich,  Schleaien  und 
Cnjram)  Wahl  in  Böhmen  S.  121, 

Frfihcrr  W’ol/>mng  ton  Kampf  8,^  ff.,  15:l, 
Amn.  EinfluM  aufl^ 

Kaiser  S.  9 f. , ff. , Anm.  174: 

Stellung  *nr  «panischen  Heirath  8.  9 f., 

5.1,  55,  I2<>;  znr  florentinischen  8.  37,  jW  ff., 

.*>3.  5.>,  1 17  ff.,  12^* ! zur  Nachful^rcfrage  8. 30  f.,  i 
f.,  50  ff.,  121  f..  14^1;  in  Spanien  S.  ^ff.,  | 

53  ff;  1^  PoHUk  S.  38  f. , er  füllt  in  ün- 
gnade  S.  ^ ^ff.,  ^ ff..  ^ 75  f , 1 1 7 ff., 

m m it,  1£^  Anm.  124. 

125,  149;  späteres  Verhältnis  zu  Uadolf  8.  54. 

105,  Anm.  lfi:h 

Sachsen.  ChurfQnit  AngUHt  8.  ^ ff.,  8^  M j,  j 
Anm  S 9.  39 ; Christian  LI.  S.  Herzog 

Frie<lrich  Wilhelm  von  Ältvnborg  (Weimar) 
.Administrator  von  Chnrsachsen  8.  17  ff.,  31. 
^5^  ^ ^ ff.,  ^ ^ 122.  124,  ' 

PK),  131.  l;W.  HS,  Anm.  ^ I 

276,  321,  8{>aiiische  Pension  S.  21,  72. 

Erzbischof  W'olf  Dietrich  von  Salzharg  8.93  ff., 

112,  147  fi;  Anm.  37^  3T5,  3'*0,  3-‘'8,  3;H). 

Savojen  S.  ^ Anm.  205. 

Georg  Scherer  S.  JJ_. 

Freiherr  Christol  von  Schlciniz  Anm.  340. 

Schlesien  S.  2^.  1 20.  j 

Graf  Heioricli  [?J  von  Schlick  Anm.  75. 

Graf  Hans  Keicfaart  von  Schönborg  S 5.5,  l:p>, 
Anm.  Hj9. 

Schottwien,  Zusaminenkanft  8 C3  ff..  77,  IIC. 

135  ff. 

Christof  Schwarz  Anm.  307. 

Graf  Adolf  von  Schwarzenberg  8 129  Anm.  80. 

Siebenbürgen  S.  44,  I2^,  .knin.  HJ,  2'/Ji~2ti4- 

Silbach,  Zusammonkanft  S.  4)^  j 

Siitns  V.  8.  13^1«^  Anm.  30.  ' 

Francesco  Soraiizo  Anm.  134,  255,  ,373.  I 

Spanien:  Erbfolge  8.  10;  Verhältnis  zu  Frank- 
reich S.  ff  , Amn.  205 ; Auftreten  in 
Italien  S am  Rhein  S.  1^ 

40,  Anm.  218;  Einfall  in  DeuUchland  l.V.*H—  ' 

998.27.34.  3.5.  40,  11  f.,  93,  IIR,  1-A>^.  U4, 
Anm.  70,  329,  303;  Verhältnis  zuin  Kaiw 
8 Rudolf  II.;  Stellung  in  der  Nacfafolgefrage 
8.  21  ff-.  i^.M  ff.,  ,7^90  ff.,  102, 

116,  140,  Äum.  50 , 175f  Infantin  IsabeUa  1 

8.  ^9  ff..  18,^21^^11,,  ^4^1^  I 


126,  Anm.  20^1;  Königin  .Margaretha  S,  136* 
König  Philipp  II.  S.  5.  9,  10,  12.  17,  1S.~2P 
32  ff..  ^£<.7^  Anm.  PhUipp  ÜT 

S.  10,  >>-3,  72  f.,  1 12,  1 :19,  140,  Anm.  149,  203. 

Cesaie  Speciano.  Bischof  von  Cremona,  Xuntiiu 
in  Prag  8.  17, 

Ulrich  Speer  8.  ^ ff.,  143  ff. , Anm.  34.5^ 
04,  135,  223,  227,  273.  274,  270.  :jQ8. 

Erzbischof  Spinelli  Nuntius  zu  Prag  S.  ^ 53, 
^ f , 90  ff,  1^  !4U  Anm^  191,  252. 

Freiherr  Alexander  von  Sprinzensteiii  Anm. 349. 

Adam  von  Stemberg  S.  125. 

Strassbnrg,  BisthrnnsÄtreit  8.20,  101.  Amu.  265. 
CupiteUtreit  8.  13;  Bischof  Johann  von  Man- 
derscheid S.  Dl. 

Reichard  von  Strein  8.  27  Anm,  73,  75,  79,  H3, 
171.  172,  l.^ü, 

Graf  Rudolf  von  Sulz  S.  132  Anm.  2.59. 

Szolnok  Anm.  242. 

Tensenbach  Anm.  12.. 

Tirol  8.  >>_  f.,  Anm.  2H5. 

Torgau,  Zusammenkunft  S.  DU). 

Tnscatia,  Grossherzng  Franz  S.  2.5, 117  ff.,  123  f,  • 
Ge.nandtcr  dea<»elben  S.  117  ff.,  127  Anm.  7^ 

Trautson,  Graf  Ferdinand  Anm.  349,  Freiherr 
Hans  Anm.  4,  IH;  Graf  Paul  Sixtu«  8.  30^^ 
^ ü üilff.  75  f.,  ioirn  ir.. 

12t  f. . 120,  12S  ff  , 133.  Ml>,  14;t.  147, 
Anm.  09,  72.  127. 129.  DU,  149,  103.  3(W. 

Trier,  Cliurfürst  Johann  S.£ff.,  ^ ff.,  Anm.  2 
12,  39;  Lothar  S.£|^  ff.,  ff,  122,  124^ 
13?*,  Hfl,  ll>^.  Anm.  197.  D)  j.  2107  219,  221, 
‘223,  227>  22-^.  3:ts.  400. 

Graf  Clandio  von  Trivulz  Anin.  93. 

Freiherr  Erasmus  von  Tschememb)  8. 

Türken.  Bunil  gegen  sie  Anm.  244;  k^ircbt  vor 
ihnen  S.j^  £4^  Hk  l-’-Vl36.  139.  U'*, 
140  ff.  Anm.  329,  Rcichnhülfcn  S.  4,  4-5,~Ö^ 
1^  DiZllik!.  Anm.  242,  244,  :h>2;  Krieg 
S.  4,  20,  27,  *i2,  64.  1>5,  123,  12-5,  128,  132, 
DU,  Anm.  76,  79,  103,  I74,  195,  2o3,  207, 
209,  305,  377,  3K0. 

Johann  Ludwig  von  Ului  Aimi.  349. 

Ungarn  S.  44,  123,  134.  Neigung  zura  Abfall 
von  Oesterreich  8.  27  f„  61.  D4,  P15  ff.,  147, 
Anm.  209;  l^andtag  IfiOO  8.  129 ; Königswahl 
S.  6^  121  ff.,  136;  abhängig  von  der  Kaiser- 
wahl S.  4,  30;  Ungarische  Krankheit  S.  121), 


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IfiO 


Freiherr  Wolf  von  rnversafft  8.  30  , 56,  107, 
109.  HO.  121  f.,  Anm.  79,  82,  83,  125,  172. 
Uskoken  8.  M,  131,  Anm.  383, 

Vendramin,  Fnoceflco  S.  117  ff.,  120,  123  f., 
120  r,  Anm.  66,  67,  «9,  71,  72,  76,  78,  85, 
88,89,  96,  125,  FtO,  131:  Giacomo  Anm.  178, 
344,  366,  372,  385,  410. 

Venedig  8.  4 in  Prag  S.  132. 

Viehenaer  Anm.  4,  143. 

JohüDD  Matbuas  Wacker  Anm.  349. 

Gclibard  Truebücss  von  Waldb&rg  S.  5,  6,  9, 


Wambolt  Ton  Umbetak  Anm.  349. 

Wdeecnbnrg  l.  U.  Anin  377. 

Wien  S.  129. 

Wirtemberg,  AfterlehenKfaaft  8.  <18  £,  55,  132; 
Herzog  Friedricb  8.  31,  Anm.  160,  Anm.  2 
zu  & Ul. 

Eberhard  Wittenhorst  Anm  146,  354. 

Bieebof  Jolias  von  Wdrzbarg  Anm.  35. 

Graf  Wilhelm  von  Zimmern  Anm.  93. 

Hans  ChriitofZott  von  Pemeck  Anm.  131,  349. 


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T’eb«T  altere  Arbeiten 


baierischen  und  pfälzischen  Geschichte 

im 

geheimen  Haus-  und  Staatsarchive. 


Von 

Dr.  Ludwig  Rockinger. 

Zweit«!  Abtheilung. 


Abb.  d.  III.  CI.  d.  k.  Äka-i.  d.  Wm.  XV.  Bd.  I.  Abtli.  21 


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Ueber  ältere  Arbeiten 


tur 

baierischeii  und  pfUlzisclien  Geschichte 

im 

geheimen  Haus-  und  8taatsarchive. 

V’on 

Dr.  Ludwig  Rockinger. 

Die  erste  Abtheilung  tlieses  Gegenstandes  — in  den  Abhandlungen 
unserer  Classe  XIV'  Abth.  3 S.  29  bis  113  — hat  mit  der  Aufzählung 
von  46  Nummern  abgebrochen,  welche  zunächst  von  1 bis  20  eine  Aus- 
wahl von  baierischen  und  pfälzischen  genealogischen  Ar- 
beiten gebracht  hat,  welchen  sich  von  21  bis  40  eine  Zahl  von  Schriften 
angeschlossen  hat  die  einzelne  baierische  und  pfälzische  Für- 
sten oder  irgendwelche  bemerkensworthe  Kreignisse  aus 
deren  Herrscherzeit  zu  ihrem  Gegenstände  gewählt,  mit  Einschluss 
von  einigen  Tagebüchern,  während  endlich  von  41  bis  46  einige 
Arbeiten  zur  baierischen  wie  pfälzischen  Geographie  und 
Topographie  beziehungsweise  Ortsgeschichte  gebildet  haben. 

Hieran  sollten  sich,  wie  dortselbst  S.  Ö5  bemerkt  ist,  von  Nuiii.  47 
bis  90  Werke  thoils  grösseren  theils  geringeren  Umfanges  anreihen,  welche 
zwar  häufig  auch  nur  die  Bezeichnung  als  Genealogie  u.  dgl.  führen, 
aber  über  den  Kreis  der  Num.  1 — 20  hinaus  sich  mit  der  eigentlichen 
baierischen  und  pfälzischen  Fürsten-  wie  Staatsgeschichte 
beschäftigen. 

Den  Schluss  sollte  endlich  von  Num.  91  an  ein  Anhang  von 
Stücken  bilden,  in  denen  sich  mehr  oder  minder  einschlagender  Stoff 

21* 


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1()4 


zur  bairrisrlien  wie  ]>fülzitiflien  Gesdiichte  findet,  wie  etwa 
Th(mia.s  EbeniloH'er  von  lliuselltac-h  (ieiwlnehte  der  Biselude  von  Lorch- 
Parsau  oder  die  alsbald  folgende  Chronik  von  Worms,  oder  welche  als 
Nachzügler  erst  wahrend  des  Druckes  noch  aufgetaiicht  sind. 

Was  damals  verschoben  werden  musste,  um  den  für  eine  Abhand- 
lung unserer  Classe  als  Hegel  bemessenen  Haiim  nicht  weiter  zu  über- 
schreiten, folgt  jetzt.  _ 

47. 

Scheieru-Wiltel.sbach'sclie  Stammtafel. 

Vuu  iliesein  Denkmale,  einer  alten  Tun  Holz  umsclilossenen  Tafel,  ursprllnglicli 
ini  Kreuzgange  des  Klosters  Sflieiern,  spater  in  der  Fürsten-  oder  Kapilolkapellc 
daselbst,  nach  den  .\usfiülirungi'n  des  Colligen  tirafen  Hiiiidt  in  den  .Miliundlnngen 
unserer  (’la.sse  IX  S.  2G!)  — 279  z.wisdieu  den  Jiilireu  1391  und  1393  abgefas.st , seit 
der  SScularisation  verloren,  hat  sich  wenigstens  ein  Dutzend  .'khscliriften  vom  Ende 
des  14.  bis  in  das  18.  .lalirbmidert  ’*(  erhalten. 

al 

Zu  ihnen  kömmt  mm  zunächst  das  Stack  in  dem  oben  XIV  Abth.  3 .S.  39  — .70 
erwähnten  Sammellmiule  des  geheimen  Hnasarcbivcs  unter  bit.  m auf  den  ersten 
fünf  Stuten  eines  (jnaternes  ans  dem  ersten  Viertel  des  16.  Jahrhunderts. 

Es  endet  mit  dem  .Ausgange  dieser  Seile  gegen  den  Schlns.s  des  .Alalruckes  des 
Dr.  V.  Hefner  iui  oherhnierischen  Archive  für  vaterlämlische  Geschichte  II  S.  188— 19.Ö 
mit  den  Worten:  .Anno  domini  1216  wmvl  erschlagen  herzog  Ludwig  von  Bairn, 

ain  kroll  ain  trost  viid  ain  wiiu  alles  landcs,  vnd  der  pestn  fnrstn  ainer  der  da 
lepl,  zw  Kelhaini  ains  alteiia  von  ainein  Sprecher,  duz  styfflct  kaisscr  Hainrich,  als 
er  sein  hernach  selb  veriach  etc. 

h) 

Den  vollständigen  Text  bietet  uns  sotlann  der  grössere  Theil  iler  in  Num.  70 
folgenden  .Anfzeichmingen  des  .Michael  .Arroden  zur  baierisch-prälzischen  fle.schichte. 

Kr  weicht  von  ilcm  berührten  Abdrucke  in  unterschiedlichen  Punkten  ab.  So 
beispielsweise  bei  der  Gründung  des  Kln-sters  Scheierii : die  lierrn  alle,  von  erst 
Beatrix  vnd  jhre  khindt,  bortzog  Olt  vni  .Agnes  sein  wirtiii,  vnd  Gonrail  vnd  Ott 
von  Daohaii,  vud  l’tnlzgraf  Ott  von  Wiltl.spach,  vnd  die  rechten  Scbeirer  Ott  Kckliart 
Ber[ii]hard,  jhr  drei  mit  ein  ander  slifftelen  Scheirn  das  dosier  in  vnser  lielieu  franen 
ehre,  vnd  erwelteii  jhneii  do  ein  ewige  begrebmisz.  das  beschacb  du  inan  zalt  von 
Christi  gehurt  lU2t  juhr. 


791  Vgl.  die  Xolo  I o.  a.  0.  S.  270,271. 


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Ui  5 

Die  vorhin  mit(?etheilte  Stelle  über  die  Kriuorduug  Ludwigs  des  Kellieimerg 
lautet  hier:  Auno  1232.  Herzog  Ludwig,  eiu  cron  vnd  ein  trost  vnd  ein  wonne 

alles  Inudts,  vnd  der  höchsten  fürsten  einer  der  do  lebt,  werdt  rr.st'hlagen  zue  Kel- 
heim  aines  abents  von  aiin  Schacher,  das  stilftet  kejser  Heinrich,  alsz  er  jhiue  her- 
noch  veriacb. 

Der  Schlnss  bat  die  Fassung:  die  ligen  all  zne  Suheirn,  herzogen  iiiiig  vnd 

ah,  wol  42,  grauen  wol  GO,  die  von  Scheirn  vnd  von  Dachan  vnd  anderhalb  waren 
gesessen,  vnd  jhr  aller  rainer  würdige  weib,  den  gott  gua<le. 


48. 

De«  .Andreas  von  sanct  Mang  zu  Stadtamhof 
chronica  de  principibus  terrae  Bavaroriiiu. 

Diese  schöne  Handschrift  des  geheimen  llausarchives  an«  der  zweiten  Hälfte  des 
l.">.  .fahrhnnderts  besteht  jetzt  noch  aus  .ö  Lagen  von  je  4 Koliobogen , zu  deren 
vierter  noch  ein  besonderer  für  die  Stammtafel  der  Nachkooimen  des  Kaiser«  Ludwig 
liis  auf  Herzog  tieorg  den  lieicheu  bestimmter  Bogen  kommt. 

Der  Haupttitel  des  Werkes  „incipit  cronica  de  prineipibn«  terre  Bauaroriim*' 
wie  die  Feherschriften  und  .Anfangsbuchstaben  der  Abschnitte  und  die  g Zeichen  .«ind 
roth.  die  Eigennamen  roth  unter.«trichen. 

Die  Stammbaumeinzeichnuugen  kleineren  Umfanges  sind  dem  Tevte  zur  linken 
8eite  eingefngt,  die  grösseren  nehmen  die  ganze  Breite  einer  .8eitc  ein  <aler  bilden 
überhaupt  eigene  Seiten  beziehungsweise  — wie  für  die  der  \ucbkommen  de«  Kaisers 
Ludwig  bemerkt  worden  — einen  eigenen  Bogen.  Die  Namen  sind  in  sic  in  besonderen 
von  schwarzer  Tinte  mit  dem  Zirkel  gezogenen  Kreisen  eingetragen  und  wieder  roth 
unterstrichen. 

(iegenüber  der  von  .Marquard  Freher  veranstalteten  und  dem  Herzoge  Maximilian  I 
von  Heidelberg  au«  am  23.  August  1002  gewidmeten  Ürnckansgabo  in  Quart  sind 
diese  genealogischen  Znthaten  hier  namentlich  am  .Anfänge  zahlreicher.  Was  ihre 
Darslellnng  anlangt,  sind  sie  sodann  immer  umgekehrt,  indem  die  Linie  in  der  Hand- 


80)  AU'lreae  iirwbj-tcri  ratisponensi»  cbroniion  Je  dadbu  Bavariae  ante  cc  (laolo  minus  snmw 
scriptum  ad  Luduvicum  pslstinum  coinitem  Htieni,  Bsr.vriac  dnreni,  cuniitcm  ia  Mortaiii.  Oum  i«ira- 
lipomcnis  Iea>nhsTdi  Ilauholiz  prcsbpteri  nd  siinmu  u«t|ue  MOCCCLXXXVl  Item  ejusdem  Amlreae 
historiie  fundstionum  DoauuHorniu  monssteriurum  per  psrtes  Bavnriae.  (>ninia  iiutie  primum  et  quam 
iatezerrime  edita  ex  bibliotlieca  Marquardi  Frelieri,  coitsiliarij  palatiui,  cum  ejusdeui  nutia 

Von  des  H.-rausgobers  Druckmauuscript  bat  sich  das  mit  8.  .ST  und  58  bezciebnete  Blatt  im 
geheimen  Hansarchive  erhalten.  K«  beginnt  mit  den  Worten  „calcens  in  voxillo  signarotnr"  des 
Drnckes  S.  111  Zeile  8 von  unten , und  reicht  bis  in  der  Ueberschrift  des  Abschnittes  „de  genealogia 
Conradi  regis  Bomanorum,  et  fratrnm  suorum  l>ucam  Bavariae"  auf  8.  51.  t'nniittelbar  darnoter 
ist  die  zu  dieser  Seite  gehörige  Stammtafel  angeklebt,  und  zwar  in  der  bereits  berührten  umgekehrten 
Darstellung. 


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100 


»chrift.  nbsteigt , ini  Drucke  dagegen  von  unten  l>eginnt  nnd  nach  olien  answUcbst. 
tknlann  sind  aiicli  die  auf  den  Tafeln  des  Drucke«  rnsainmengeworfeneu,  wie  *n  S.  34, 
hier  getrennt,  wie  e*  »ich  gehört. 

Nicht  minder  /.eigen  »ich  ihnen  gegentlber  V'crschicdenheiteu  im  Texte.  So 
etwa  anstatt  der  Veberschrift  8.  1 1 „de  genealogia  Karoli  magni  et  historiis  pro- 
genitoruni  »uorum"  hier;  de  historija  snbscriptorum  nobilium  terre  Banarie  .\lberti 
et  ceterorum  patebit  jn  »ecpientibn».  Auch  der  darnach  anf  der  folgenden  Seite  be- 
iiiidliche  Stanimbanm  ist  im  Drucke  nicht  vollständig  wieilergegcben. 

Abgesehen  davon  hat  dieser  Erweiterungen.  So  abgesehen  von  jener  nach  der 
Schlacht  zwischen  „Muldorff  et  Oting  jn  pralo  qnod  dicitur  dye  fechwis"  auf  S.  73 
nnd  74  den  Schliiasabsatz  von  S.  07)08  beziehungsweise  S.  67(70,  den  ganzen  Text 
der  S.  97  und  98,  den  zweiten  nnil  dritten  Absatz  der  S.  99  und  den  ersten  von 
.8.  100  wie  den  zntn  .lahre  1420  anf  S.  100/101. 

Die  beiden  Stammbänrae  zu  S.  78  de«  Druckes  sind  hier  nach  der  daselbst  S.  82 
l)chandellen  Theilnng  Raierns  unter  den  Söhnen  des  Kaisers  Ludwig  vom  .fahre  1349 
in  der  Weise  richtig  eingereiht.  da«s  es  nach  dem  Schlüsse  .juferiorera  Bauariara, 
Hoiiigmiiam,  Hollandiani,  Selandiam  et  Fri.soniam  cum  suis  attinenlijs“  schwarz  heisst: 
sequitur  nunc  tignra  geuealogie  principnm  qui  ab  hijs  descendenmt.  Dann  folgt 
roth  : a duobns  fratribus , scilicet  Rudolfo  comite  palatino  Reni  et  Lndoiiico  Ko- 

innnoruni  jmperatore,  principes  nostri  temporis  cmn  numeratiir  m ccce  .xxviij  «eenn- 
dum  figuram  subtus  positam  de.scendernut.  .letzt  kommen  in  Htamnitafelform  die 
filij  Uudolfi  coraitia  palatinj,  nnd  dann  Uber  die  beiden  Innenseiten  eines  besonderen 
schon  erwähnten  Bogens  durchlaufend  die  tilij  Liidovicj  imperatoris. 

An  den  im  Drucke  auf  S.  102/103  niitgetheilten  Brief  des  „Johannea  dei  gratis 
Jlierusalem  Cipri  et  .Armenie  rex“  vom  12  August  1427  schliessen  sich  endlich  ohne 
L^nterbrechung , aber  nicht  mehr  unter  liesonderen  üeberschriften,  von  der  gleichen 
Hand  die  bekannten  Nachträge,  im  Drucke  vielfach  gemehrt,  bi«  zn  8.  114  dessellicü. 
Daran  reihen  sich  wieder  ohne  Unterbrechung,  ja  nicht  einmal  in  einer  neuen  Zeile 
die  nach  der  Kinschiebnug  des  Drncke»  auf  8.  115  — 117  folgenden  Anhänge 
von  8.  117  — 121,  in  deren  .Mitte  mit  den  Worten  „coacti  «unt  per  aliara  viam  jn 
regionem“  die  Handschrift  abbricht. 

Sie  war  nach  einer  der  zahlreichen  Bemerkungen  an  ihrem  Rande“)  seinerzeit 
im  Besitze  eines  .lohannes  dux  Bavariae  comesque  in  Sponheim.  Darf  man  mit  jener 
Anfllbrung  eine  Stelle  ans  einem  Briefe  des  Herzogs  Reiehard  von  Simmern-Spon- 


81)  Zu  der  — in  der  berührten  Ausgabe  Freber'a  auf  S.  44/4.7  begegnenden  — Krrählung  vani 
Herzoge  Frost:  Hee  historia  Brnne/rlerenais  cenubj  mich  Jubaonj  duej  Bauaric  coinitiqne  in  Spain* 
heym  ab  abbnte  data  eontinet.  aed  ille  ab  Ernfrido  eomitj  palatino,  qni  et  .Azo  nuncupatus.  eznotium 
capit  etc. 


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i 


167 


beim”)  in  Verbindnng  bringen,  so  ist  es  dessen  Vater,  Pfalzgraf  Johann  II,  der 
von  1509 — 1557  regirte. 

49. 

Des  Andreas  von  sanct  Mang  zn  Stadtamhof 
eben  behandeltes  Werk  in  deutscher  Bearl>eitnug. 

Diese  6ndet  sich  in  dem  Sammelbaude  des  geheimen  Haosarchives,  dessen  oben 
XIV  Abth.  3 S.  38/39  Erwähnnng  geschehen  ist,  unter  Lit.  c anf  fQiif  Lagen  von 
5,  7,  6,  9 und  7 Bogen,  wovon  in  der  vierten  das  erste  Blatt  abgeht,  ohne  dass 
übrigens  der  Text  Schaden  gelitten,  während  die  Schlussseite  der  letzten  Lage  nicht 
mehr  beschrieben  ist,  von  einer  kräftigen  Hand  des  16.  Jahrhunderts. 

Der  Hanpttitel  „Hie  hebt  sich  an  ein  warhafftige  Cronica  von  den  Beverscheu 
hernn“  wie  die  üeberscbriften  der  einzelnen  Abschnitte  sind  grösser  gefertigt,  aber 
auch  nur  .schwarz. 

Die  kleineren  .Stammtafelbemerkungen  sind  in  der  Regel  am  linken  nicht  ganz 
in  einem  Drittel  der  Seite  leer  gelassenen  Rande  schwarz  in  schwarzen  Doppelkreisen 
angebracht,  die  grösseren  Stammbäume  je  nach  Bedtlrfniss  Ober  ganze  Seiten 
gezogen. 

Mit  dem  Drucke  in  des  Freiherrn  von  Freyberg  Sammlung  historischer  Schriften 
und  Urkunden  II  S.  371  — 450  stimmt  unsere  Handschrift  nicht  ganz  und  gar  zu- 
sammen. So  findet  sich  beispielsweise  anstatt  der  daselbst  ani  die  Widmung  an  den 
Herzog  Ludwig  folgenden  ersten  durchschossen  gedruckten  fQnfzeiligen  Ueberschritt 
hier  nur:  Von  den  fürsten  im  Beyriandt,  das  auch  Norgawe  zum  ersten  genant  ist. 

Auch  schliesst  sie  mit  dem  Briefe  des  „Janus  von  gots  gnaden  zn  Jerusalem 
Cipernn  vnd  Armenias  kunig“  vom  12.  August  1426,  wie  hier  die  .Tahrzalil  lautet, 
ohne  die  im  Drucke  von  S.  450  — 454  noch  folgenden  Anhänge. 

50. 

Baierisch-pfälzischer  Stammbaum 

mit  zahlreichen  Farbeudarstellungen  von  Figuren  mit  Wappen  wie  mit 
geschichtlichen  Verzeichnungen 

auf  einer  Bolle  von  13  unter  einander  zusamniengeklebten  Stücken  Pergament  in 


62)  ln  eiocni  SannnellAade  des  geheimen  Haosarcliives.  Er  Qberscuilet  am  H.  Au/rnat 
1579  an  den  kurpfälsiachen  Rath  Or,  Jostns  Reuber  au  Heidelberg  die  historiam  von  weilaatt 
herzog  Ernsten  pfalzgraaen  seligen,  welcher  nach  seiner  selzamen  volbracbten  schielTartt  Eio  genast 
worden,  die  wir  von  eiaom  raunich  Johannes  Silnanos,  des  elosters  sw  s.  Marthiii  sw  Coln  Kellern,  jin 
closter  Branweiler,  das  von  pfalsgrancn  fondirlt,  sw  wegen  gebraehtt.  wiewhol  wir  nun  solche  hi- 
storiain  vor  eslich  vnd  swensigk  jharen  von  dem  closter  Brauweiler  mit  etwas  nierern  vnibstendten 
alss  in  dieser  beschrcibong  gedachtt  wurtt,  sonnilerlich  aber  des  namens  Esonj  halb,  aoeh  bekhomen, 
vnnd  dieselbe  auch  wcilantt  vnserm  nirstlichcn  gnedigen  lieben  herrn  vnd  rattern,  berzog  Jobannsen 
pfalsgraoen  etc.  chriatscliger  gedcchtnoss  swgesteltt,  so  haben  wir  doch,  dieweil  in  der  historia  keines 
Esonj  geflacht  wirtt,  vmb  inerer  dieses  namens  erkundigung  diesem  mnnich  abcrm.ill  schreiben  lassen. 


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U>8 

der  Ge<iaiumtläuge  von  5,43  Met.  mul  einer  Breite  unten  von  55  und  ol>eu  von 
fifi  Centiniet.  au.<  der  Mitte  des  15.  .Jahrliniidert»  mit  Fortsetzungen  In»  an  da»  Ende 
deasellien  im  geheimen  HiinBarchive. 

Kr  kam  heim  Kinstnrze  einer  Mauer  in  einem  in  .lalich  gelegenen  Schlosse  de-» 
liekannteii  l{cisemleii  Freiherm  v.  Hallherg-Broich,  baierischen  Michaelaordensrilter» 
und  Olx*rhanners  im  Herzogthuine  Berg,  de.»  auch  sogenannten  Eremiten  von  Gauting, 
zum  Vorschein,  welcher  Ihn  am  ita.  April  1814  mit  dem  AnfOgen  aus  Attenbach 
bei  Siegburg  au  König  Maximilian  I schenkte,  daa»  diese»  auf  seiner  ,, alten  Barg  zu 
Brachleu  hei  Linnig,  wo  1444  Herzog  Gerhard  einen  glänzendeu  Sieg  wieder  .\ruold 
von  Egmoud  erfochten,  und  den  Hnimrti  Orden  gestiftet“  gewesen. 

Der  erste  Blick  in  diese»  I’rachtstOck  tiihrt  zur  Wahrnehmung,  da.»»  »ich  eigent- 
lich .4  Oller  wenn  man  will  4 Bestandtheile  nnterscheiden  lassen. 

Der  erste  untere  von  Herzog  Garibald  auf  der  linken  Seite  und  recht.»  dem 
nachher  in  den  geistlichen  Stand  getretenen  Kaiser  Arnulf  an  bis  auf  Kaiser  Otto  III 
/z?ichuet  sich  durch  die  ans-serordentliche  Zahl  der  hiib.»ch  iu  Blumenkelchen  gruppirten 
Brnstbilder  — nur  der  erwähnte  Herzog  Garihald  wie  Bischof  Ariinif  von  Metz  sind 
in  ganzer  Figur  abgehildet  — der  durch  die  Abzeichen  ihrer  weltlichen  oder  gei.st^ 
liehen  Würde  am  Haupte  sogleich  ämtserlich  erkennbaren  Kaiser,  Könige,  Herzoge, 
Fäbste,  Bischöfe,  Mönche  u.  ».  f.  wie  auch  der  zur  Aufnahme  gelangten  weiblichen 
Spro-»sen  aus,  wie  etwa  der  Theixloliude,  Theaila,  Gaiswiudi»,  Herzog  Arnolds 
Tochter  Adelheid,  der  nugarischeii  Königin  Gisela.  Es  tritt  nämlich  je  aiw  dem 
Ilerzeu  de*  Erzeugers  oder  der  Mutter  ein  hlaugriiner  Stängel  heraus,  welcher  in 
den  ofteneii  von  oben  nach  nuten  sich  iimscblagenden  Blumenkelch  endet,  der  die 
Behansnug  der  lietrcffendcn  unmittelbaren  Nachkommen  bildet,  deren  Wappen  au 
ihm  angebracht  sind.  Doch  hat  der  Meister  es  nicht  zn  einer  .»tark  wirkenden 
Farhenfrische  gebracht,  während  allerdings  ans  der  ganzen  grossen  Gesellschaft  — es 
sind  nicht  weniger  als  59  fürstliche  Glieder  abgebildet  — beispielsweise  die  Mönclis- 
gestalten  in  ihren  schwarzen  K lo.stergewämlcrn  von  den  übrigen  weithin  kenntlich 
abstecheu,  beispielsweise  die  drei  mit  ilirer  zarten  Schwester  Gaiswindis  in  einem 
Kelche  heisummenbockendeu  Söhne  des  Herzogs  Theodobert,  Landtried  Waldram  und 
Eliland,  die  Gründer  von  Kochel  Benedictheuern  Schlehdorf  mid  Slaffehsee,  deren 
gar  salbungsvolle  geschorene  Köpfe  ohne  Bedeckung  man  freilich  im  Übrigen  nach 
dieser  Darstellung  nicht  als  Muster  der  Bewohner  ihrer  Stiftungen  erkennen  wollen 
wird,  wenn  man  an  deren  groasartige  Leistungen  auf  dem  Gebiete  der  Wissenschaft 
und  der  Kunst  denkt. 

Dem  Umfange  nach  geringer  — es  sind  nur  25  — sind  die  Bilder  des  zweiten 
Hanptlzestamltheiles,  welcher  aber  an  Kraft  der  Farben  den  ersten  weit  übertrifft. 
Sie  lieginiieu  mit  Herzog  Otto  von  Wittelslmch  sammt  seinem  Bruder  Konrad,  und 
reichen  in  der  baierischen  Linie  bis  zn  den  Söhnen  des  Kaisers  Ludwig  des  Baiers 
und  dem  Aussterben  des  niederbaierischeu  Zweiges  im  ,Inhre  1340,  wie  in  der 
plälzi.schen  bis  auf  Rudolfs  .Söhne  Rudolf  Rupert  und  Adolf. 


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III!) 


Auwer  ilifnem  krinstlerisclien  Schmucke  in  Uilileiii  enthält  sodann  linder  Stamm- 
baum noch  in  (jewöhulicher  Daretelinnjj  in  Doppelkreisen  von  schwarz  nnil  f'ell)en. 
weiss  Hiid  blauen,  weiss  nnil  gellren  ß indern  die  Namen  der  Persünlichkeilen,  welche 
irgendwie  weiter  fflr  die  Verwandtschaftsverlniltnisse  oder  die  Lieschichte  in  Hetracht 
kommen. 

So  schiebt  »ich  gleich  zwischen  die  beröhrten  zwei  Beatandtheile  ein  Blatt  ein, 
welches  unten  mit  der  Beigabe  der  Kaiserkronen  in  dem  leeren  Raume  der  l>ernhrten 
gelben  und  schwarzen  Doppelkreise  Kourad  II,  Heinrich  III  und  IV  aufführt,  und 
sodann  in  blau-weissen  die  weIHschen  Herzoge  wie  die  baierischen  Herzoge  nnd  öster- 
reichischen .Markgrafen  Irfopold  nnd  Heinrich. 

Den  obersten  Theil  endlich  bildet  ebenfalls  ohne  alle  künstlerische  Ziithat  die 
KortfUhrung  der  Geschlechtstafel  von  dem  bemerkten  zweiten  Hanptbestandl  heile 
weg  in  blan-weisseii  Doppelkreisen,  deren  Innenraum  theilwcise  die  Abzeichen  der 
weltlichen  oder  geistlichen  Würden  und  theilwei.se  die  Namen  ausfilllen,  in  dem 
baierischen  i^lanitne  bis  zu  den  Herzogen  Wilhelm  uud  Ludwig,  deren  Bruder  Krnst 
erst  nachträglich  in  einem  einfachen  Do)>peIkreise  eingesetzt  ist,  in  der  pfälzischen 
Linie  bis  zu  den  9 Söhnen  des  KiirfTirsten  Philipp  des  Anfrichtigen , von  welchem 
Ottheinrich  gleichfalls  erst  später  beigelügt  ist.' 

Hieran  reihen  sich  noch  ganz  oben  einige  weitere  Kinzeichniingen , aber  nur 
mehr  in  gewöhnlichen  schwarzen  Doppelkreisen,  wie  Iwreits  bei  Krnst  und  Ottheinrich 
bemerkt  worden,  oder  auch  ganz  uud  gar  ohne  solche  blos  in  flüchtigem  Schriflhin- 
wurfc.  So  bei  den  pfiilzischeu  Fürsten  die  von  den  3 Srihneii  des  Kurfürsten  Ruprecht: 
Georg,  Ottheinrich,  Philipp.  Bei  der  baierischen  Linie  scheint  ein  Missverständniss 
in  Mitte  zu  liegen,  indem  als  Herzog  Wilhelms  Sohn  allerdings  Albrecht  nnl'gelührt 
ist,  als  dessen  Söhne  aber  Wilhelm  Lndwig  und  der  Freisinger  Bischof  Krnst,  so 
dass  wohl  hier  die  Verwechslung  mit  den  Söhnen  des  älteren  Albrecht  eingetreten  ist. 

Den  beiden  mit  dem  Bildersebmneke  ausge.statteteu  llaupthestaudtheilen  und 
dem  zwischen  ihnen  beflndlicheu  Blatte  sind  sodann  an  den  betretfeudeu  Orten  kleinere 
wie  grössere  geschichtliche  Nachrichten  eimerleiht. 

Was  gerade  sie  aulaugt,  ist  abgesehen  von  der  l)ereits  berührteii  Verschiedenheit 
der  Bilder  auch  der  Unterschied  der  Schrift  auf  den  beiden  Hauplbestaiultheileii  nicht 
zn  übersehcii,  welche  in  dem  nuteren  Theile  des  ersten,  dessen  Nauieushezcichmiiigen 
ohne  Ausnahme  ganz  uud  gar  roth  sind,  gleichfalls  roth  ist  oder  wenigstens  ur- 
sprünglich roth  war,  in  dem  zweiten  dagegen  schwarz. 

Wenn  es  heisst,  dass  sie  in  den  unteren  Stücken  des  ersten  Bestandtheiles, 
nämlich  bis  zu  den  Bohnen  Ludwigs  des  Frommen . und  zwar  insbesondere  bis  zn 
Ludwig  von  Baiern,  wenigstens  anränglicb  roth  gewesen,  so  fasst  diese  Wahrnehm- 
ung darauf,  dass  jetzt  zum  grossen  Theile  auch  da  wo  sie  schwarz  ist  deutlich  noch 
der  weggeschabene  rothe  üiilergrund  sichtbar  erscheint.  Vielleicht  ist  von  oben 
seinerzeit  eine  starke  Rückwirkung  nach  nnteu  eingetreteu. 

Abh.  d.  III.  fl.  d.  V.  Ak.  d.  Win».  XV.  BJ.  I.  Ablh  '2 


170 


Jedenfalls  ist  eine  bedeutende  Aenderun)^  in  der  ganzen  Staniiureihe  sogleich 
auf  den  ersten  IJliek  von  Kai.-4T  Arnulfs  Söhnen  weg  erkennbar.  Wahrend  sich 
nämlich  von  Herzog  Arnulf  von  liaierii  weg  links  die  Linie  durch  .seine  Tochter 
Adelheid  einmal  bis  zu  Kaiser  Otto  111  und  anderntheils  bis  anf  Kaiser  Heinrich  den 
Heiligen  und  seine  Oeschwister  furtpSanzt , den  Bischof  Bruno  von  Augsburg  und 
die  Königin  Gi.sela  von  Ungarn,  ist  rechts  vom  Grafen  Wemher  von  Scheiera”*) 
oder  jedenfalls  seinen  beiden  Söliuen**)  au  eine  umfassende  Aeudernng  vorgenommen 
worden.  Sie  sind  auf  dieser  Seite  jetzt  die  letzten  welche  bildlich  vorgestclit  sind. 
Allerdings  verzweigte  sich  die  Reihe  von  des  Grafen  Eckhard  von  Scheiern  nicht 
genanntem  Bruder  wtg  frOher  noch  um  zwei  Blumenkelche  hinauf.  Diese  sind  alier 
ausgeschnitten  und  von  der  Rückseite  durch  ein  leeres  Stück  Pergament  ersetzt 
worden,  so  dass  nur  mehr  ihre  Enden  links  wie  rei:hts  und  leise  Spuren  einer  rothen 
Schritt  von  dem  otrereu  Kelche  sichtbar  sind.  Dem  entgegen  sind  ohne  allen  Bilder- 
schmuck die  Namen  der  Nachkommen  Eckhards  von  seinen  drei  Söhnen  — Graf 
Arnold  von  Dachau,  Graf  Otto  von  Scheiern,  Graf  Konrad  von  Pal  — hinweg 
tinreb  das  Mittelstüek  zwischen  dem  ersten  und  zweiten  Hauptbestandtheile  bis  zum 
.Anfänge  dieses  letzteren  mit  Herzog  Otto  von  Wittelsbach  sammt  seinem  Bruder 
Konrad  nur  in  Doppelkrei.'en.  anfangs  blau  und  gelb,  dann  blau  und  weias,  mit  rother 
•Schrift  eingetragen.  Ob  hieliei  ursprünglich  eine  falsche  Einzeicbnnng  initunterge- 
laufen,  oder  ob  nachträglich  eine  anderi*  Stammreihe  beliebt  worden , dürfte  schwer 
zu  entscheiden  sein.  Das  letztere  ist  allerdings,  wie  cs  den  Anschein  hat,  wahr- 
scheinlicher. Jedenfalls  ist  unter  dem  Kelche  des  Herzogs  Otto  und  seines  Bruders 
Konrad  noch  zu  erkennen,  dass  die  grünliche  Abzweigungslinie  anfangs  eine  andere 
■Stellung  halte. 

Was  den  Text  dieser  gcscbicbtlicben  Nachrichten  anlangt,  ist  er  theilweise 
von  ziemlichem  Umfange.  Von  seinen  Quellen  winl  Otto  von  Frei.sing  und  die  „Hi- 
stori  de  Scheiern“  namentlich  benannt.  Weiteren  Stotf  wird  auch  wohl  die  baierische 
Chronik  des  Andreas  von  sanct  Muug  zu  Stadtamhof  geliefert  haben,  wenn  anders 
die  Abfassung,  wie  oben  bemerkt  worden,  um  die  Mitte  des  l.'i.  Jahrbunderts  fällt. 
Wenigstens  findet  sich  bei  Gelegenheit  der  Erzählung  von  dem  rothen  Bundschuhe 
ilc«  Grafen  Eckhard  von  Scheiern  eine  Andeutung,  welche  biefür  einen  .Anhaltspunkt 
gewähren  mag.  Es  heisst  nänilich  daselbst,  es  hätten  auch  die  Für-den  von  Baiem 
diese  tieschiebte  „vil  vnd  otft  aufmaln  lassn;  vnd  sunder  der  frumb  hertzog  Johanns, 
ain  Vater  des  knnig  von  Tcnnmarch“  C’bristofs  Wahl  zum  Herrscher  dieses  Reiches 
füllt  auf  den  10.  April  1440,  und  bereits  am  Ti.  .Tauner  144.''  starb  er.  Da  seiner 
noch  nicht  als  cine.s  Verstorbenen  gedacht  wird,  darf  man  wohl  eben  an  die  Jahre 
1440  bis  gegen  144.'ü  denken  Wollte  man  annehmen,  dus.s  die  Ausdrucksweise 


SU)  Diser  grau«  Bernher  von  Schein)  hat  verloren  du  hertzogtomb  Bairo  mit  streit. 

84)  Die  zwen  grauen  brneder  ererbten  den  khrieg,  vnd  mustn  den  mit  armut  ligen  lauen. 


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171 


ganz  genan  gewählt  sai,  so  würde  sich,  da  der  srliwedisclien  mid  norwcgifchen 
Kronen  keine  Erwähming  geschieht,  die  Zeilgrünze  zwischen  _den  berührten  10.  .April 
nnd  den  4.  Oktober  1440  beziehungsweise  den  4.  diuii  1441  eiiiengen,  die  Tage  der 
AVahl  znm  Könige  von  Schwellen  nnd  Norwegen  Deutet  auch  bei  Christofs  Vater 
Johann  nichts  daranf  hin,  dass  er  liei  Xiederzeichnnng  dieses  Satzes  nicht  mehr  am 
Leben  gewesen,  so  würde  sie  wenigstens  noch  vor  den  13.  März  1443  als  seinen 
Todestag  fallen. 

Führt  in  dieser  Beziehung  genauere  Untersuchung  wohl  nicht  schwer  auf 
bestimmtere  Ergebnisse , so  sei  hier  nur  noch  angefögt . dass  miiglicherweist?  über- 
haupt der  untere  Theil  unseres  Stammbaumes  nicht  mehr  vollständig  ist,  sondern 
vielleicht  ein  jetzt  verlorenes  Stuck  — ist  ja  auch  durch  Mäusefrass  oder  wodurch 
immer  dem  Kaiser  und  nachmaligen  Metzer  Bischöfe  Arnulf  der  ganze  Kopf  unter 
der  Jnfel  abhanden  gekommen,  und  von  Herzog  Garibalds  carminrothem  mit  hell- 
braunem Pelze  verbrämtem  Mantel  ein  Theil  zn  Grunde  gegangen  — einst  noch  die 
älteste  fabelhafte  Ge.schichte  Baierns  behandelte.  Wenigstens  findet  sich  um  die 
Kopfbedeckung  eben  des  jetzt  den  Ausgangspunkl  bildenden  Herzogs  Garibnld  die 
Remcrknng:  an  disem  Caribaldus  vabet  an  der  ander  stam  oder  geschlächt.  Das 
dritte"*)  sodann  an  Herzog  Odilo,  das  vierte“*)  an  Ludwigs  des  Frommen  Sohn 
Ludwig  von  Baiern.  Soll  hienach  nicht  auch  das  erste  irgendeinmal  vorhanden 
gewesen  sein  ? 

.ledenlälls  gehörte  der  nnmnehr  ganz  unten  angeklebte  quer  gelegte  Pergameiit- 
streifen , dessen  sogleich  unter  Nummer  .51  gedacht  wenten  wird,  nicht  ursprüng- 
lich daran. 


51. 

BruchslOck 

aus  der  baierischen  Chronik  des  Hanns  Ebrnn  von  Wildenberg. 

An  der  eljeu  behandelten  prächtigen  Pergament  rolle  des  geheimen  Han.sarchives 
ist  nuten  ein  Stück  eines  0,36  Met.  langen  und  in  seiner  nr.sprOnglichen  Breite 
0,23  Met.  haltenden  Pergamentblattes  ans  dem  dritten  oder  letzten  Viertel  des 
1.5.  Jahrhunderts  angeklebt. 

Es  ist  nur  bis  nicht  ganz  zu  zwei  Dritthcilen  der  Vorderseite  in  der  Weise 
beschrieben,  dass  vor  den  letzten  fünf  Zeilen  in  der  Mitte  in  einen  Doppelkreis  von 
weisser  und  blauer  Farbe  ein  Schild  mit  den  Wecken  derselben  Farben  eingefiigt 
ist,  um  welcheu  in  rolhcr  Schrift  oben  „Philippus“  und  auf  der  rechten  — die 
linke  ist  weggerissen  — Seite  „ain  Römer“  steht.  Von  späterer  Hand  ist  daneben 

55)  An  tl«m  Ottolo  — heisst  es  am  Schlosse  dieses  Herzogs  — vahet  an  der  dritt  stamen  niler 
gesehlAchte  in  Paicrnland. 

56)  Nach  folgendem  Satze;  Pej  disem  bertzog  Lndvig  in  Paiem  — aber  als  in  ettlich  ander 
nennen:  hünig  — vahet  an  der  vietd  elaracn  oder  geschläehte  in  Patern  land. 

22* 


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17J 


rechts  mit  schwarzbramier  Tinte  in  einoni  Tartsclienschilde  der  zweiköpfij'e  deutsche 
Reichsadler  beijjeieichnet. 

Den  Inhalt  hililet  — v({l.  twispielsweise  hiestn  den  Cod.  gerin.  15D7  der  Hof- 
und  Staatsbibliothek  Kol.  'JO'  und  ;21  — der  .\bschnitt  aus  der  bnierisclien  Chronik 
des  Ritters  Hanns  Ebraii  von  Wildenherg  über  den  römischen  Landvogt  Philipp  in 
Baiern.  Er  beginnt:  .\ls  nniii  aalt  von  Kristi  gehnrd  ij'  vnd  Ixxxxvj  jar,  sagen 
ettlich,  das  Piilippns  aiu  Homer  lanndnogt  in  Itanaria  oder  Norcoa  gewesen  sey.  der 
Ptilippus  was  in  das  laiind  gesec/.t  wordu  von  dem  kayser  .Maxiiniliano.  v,w  den 
zeyteu  was  Gardianns  kayser.  derselb  kayser  strait  mit  den  von  Persia,  vnd  gesygt, 
vnd  fner  wider  hayni  mit  grossem  gut.  do  trueg  Ptilippus  an  mit  seinen  tVilndn 
den  Körnern,  das  der  kayser  Gardianns  ershigen  wanl,  vnd  er  an  das  römisch  reich 
kam  der  kayser  Ptilippus  het  /.wen  sün , Pfilippnm  vnd  Quirianntn.  Ptilippum  lye 
er  mit  jm  kayser  sein,  also  das  sy  bayd  u.  s.  w.  Der  .Schlu.ss,  wovon  das  auf  der 
linken  .Seite  weggeri.'sene  hier  in  Klanimeru  aus  dem  erwähnten  Cod.  gerni.  1597 
ergänzt  ist,  lantet : viid  in  die  Teyfer  gewarften.  darnach  [wardt  er  gar  wirdigclichenu 
begraben]  jn  dem  freythone  Ponianis.  der  heylig  leichnam  [Qoiriui  ist  in  dem 
klo.«t]er  zw  Tegernsee,  viid  dohin  gebracht  von  [den  hertzogen  (Wacarus  vund 
Albrechten,  als  hernach  in  derselben  fiirsten  histori  mer  daiiou  gesagt  wnrtt].*’] 
ettlich  seczen,  ilas  der  Ptllip  lauiul[iiogt  in  Bairn  hab  angefaiigen  zne]  pawen  dye 
.»tat  Passiiw. 


52. 

.Joannes  Trithemins 

de  origine  gentis  et  ducnm  sive  regum  Bavarornm 

Diese  Handschrift  des  geheimen  Hausnrehives  ans  der  zweiten  Hälfte  des  16.  Jalirh. 
umfasst  im  Ganzen  4 Lagen,  die  erste  von  4 Folioliogen,  die  zweite  und  dritte  von 
je  6,  die  letzte  nur  von  3,  wovon  das  Schlnssblatt  abgeschuitten.  Sie  sind  am  oberen 
ämsseren  Rande  je  des  einten  Blattes  mit  1—4  bezeichnet,  und  von  der  zweiten  an 
mit  1—29  foliirt. 

Die  erste  Lage  ist  leer.  Vielleicht  war  sie  zu  einer  Vorrede  liestinimt  Nnr 
oben  nnf  der  letzten  Seite  sind  von  anderer  Hand  als  derjenigen , welche  den  Codex 
gefertigt,  9 Zeilen  iilier  Herzog  Hugbert  **)  u.  s.  w.  eingetragen. 

H7)  Diese  Fassung  war  orspruuglieh  eine  andere.  Der  Raum  ist  für  sie  viel  zu  eng.  .tuch 
scheint  es.  als  ob  das  letzte  Wort  ..han“  geheissen. 

ite)  Hugbertus  dax  foit  Hauarie  tempore  Gregorij  pape  :t,  sicut  in  primo  libro  vite  aancti 
Bonifaeij  epUcopi  scribitur. 

Teniporibus  Otilonis  dacis  sanctus  Bonifacius  archiepiscopas  moguntinus  de  eias  et  pape  Gregorij 
consensu  Ircs  instituit  episeopatas  in  Bauaria.  Johannes  ad  Saltzbnrg,  Rrimbertus  ad  Frisingen, 
Gowibold  ail  Kegensipurg  primi  per  eum  ordinanlnr  episcopi. 

6nb  Carolo  Martelto  maiore  domua  Viualus  vero  a papa  Gregorio  tercio  iam  prius  fucrat  ordinatus 
episcopus  patauiensis,  ut  in  primo  libro  vite  s.  Bonifaeij. 


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I7:i 

Mit  (Ipr  zweite")!  I>ngc  beginnt  ilii»  M erk  unter  der  rothen  Uebersclirift : de  urigiue 
gentiü  et  ducum  sine  reguiii  BiiuHrormii.  Ueher  derselben  steht  scliwnrz  von  der 
Hand  welihe  den  vorhin  bemerkten  Eintrag  gemacht:  Joannes  Triteinins  abbos 
spanhemensis  postea  diui  Jacobi  herbipolensis  harn-  editionem  fecit  ad  instantiam 
Philipp!  comilis  puktini  Buanriec|ne  dneis. 

Hie  Anfänge  der  Abschnitte  oder  Absätze,  zum  grossen  Theile  aus  den  Namen 
der  Ftirsfeu  bestehend,  nud  auch  mehrfach  erscheinende  eigentliche  rebersehritten, 
wie  „translatio  dneatus  ßanarie  ad  marchioneni  Anstrie“  oder  „restitucio  ducatns 
Bauarie  ad  legittiinos  heretles“  oder  „translatio  dneatus  Hauarie  ad  eomites  de 
Scheyern“  n.  s.  1.  sind  auf  der  ersten  Seite  schön  roth,  von  der  ziveiten  ab  theil- 
weise  mit  schlechter  rother  Tinte  ausgezeichnet,  theilweise  auch  nur  schwarz.  Bis 
auf  Fol.  12'  sind  .sodann  auch  am  Hunde  die  Namen  der  je  trelTenden  Herrscher  in 
besondere  von  scha-nr/.er  Tinte  mit  dem  Zirkel  gezogene  Kreise  eingetragen,  auf  der 
ersten  Seite  wieder  schön  roth,  weiterhin  theilweise  mit  schlechter  rother  Tinte  oder 
blos  schwarz. 

Gegenüber  der  dem  Herzoge  Johann  von  Sinimern-S|)onbeini  ans  Frankfurt  am  Main 
„per  Cyriacuni  Jacohnm“  unterm  IJ.  Juni  154t)  gewidmeten  Hnickansgabe  “*)  in 
i}uart.  wie  gegenüber  der  dom  Fllratbischofe  Julius  von  Wirzburg  unterm  I.  April 
1601  gewidmeten  Folioan.sgalie  der  Opera  historica  des  Johannes  Trithemins  von 
Marquard  Freher  S.  100—119/120  .sind  V^erschiedenheiteu  bemerkbar,  die  jedenfalls 
theilweise  aus  Nachläs-sigkeit  bei  deren  Fertigung  stammen.  Es  seien  hier  nur  einige 
bemerkt.  Der  Schluss  des  Absatzes  von  Herzog  Heinrich,  dem  Bruder  des  Herzogs 
Konrad  von  Schwaben , nach  der  Erwäbnmig  der  Stiftung  von  Osterhofen  lautet 
anstatt  ..regnum  Bernhardns  et  Ecchardiis  taiidem , nt  siipra  diximus,  ohtinnermit“ 
in  der  Handschrift:  Bernhurdus  et  Eckardiis  fratres  pro  ducafn  Banaric  liellahant: 
quem  Eckardns  tandera,  vl  supm  diximus,  obtinnit.  Nach  Herzog  Ludwig  und 
seinem  Bruder  Bischof  Johauii  von  Regensburg  steht  hier  noch  der  allerdings  ziem- 
lich ftbertlössige  Satz:  amborum  soror  Helizabeth  vxor  fuit  regis  Fraiicoruin.  Zwi- 
schen den  alsbald  folgenden  Herzogen  Ernst  und  Heinrich  Kmiet  sich  noch  folgender 
auf  Herzog  Wilhelm  bezüglicher  Absatz:  Wilhelnuis  dnx  Bnuarie,  tilius  Johiunis 
Mönchen  ducis,  et  frater  snpradicti  principis  Ernesti  ac  Sophie  regine  Bohemic,  tili  ’m 
geuuit  nomine  AdoHTiim,  qni  sine  liberis  mortuus  est,  ut  sno  loco  dicemns.  Nicht 
weit,  und  wir  slossen  auch  nach  dem  berührten  Herzoge  Heinrich  auf  folgenden 
L’ebergang  zn  dem  Pfalzgrafen  Rnpreclit:  nunc  de  lilijs  Riipertj  comitis  palatinj 
Keni  et  regis  Ronianorum  .secundum  promissiouem  secuiidum  ordinem  loquaniur. 

Wie  die  unter  Num.  4.9  berührte  Chronica  de  principibus  terrae  Bavarornm  des 
-Andreas  von  s.  Mang  zn  Stadtamhof  dürfte  auch  die.se  Handschrift  seinerzeit  im 

SU)  De  origine  gentis  principninque  Bavarorum  ceinmenUrius  pertiaam  elegaas  Joaonis  Tritemij 
abbatis  spanbeymensis,  nunc  primam  in  bteem  aeilUns. 


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174 


Bpsit/.f"  dps  dort  nni  Schlnasp  orwälintpii  llonsoRs  JoliBiin  II.  vou  Simmern-Sponheini  - 
gewespti  spin. 

Kille  Abdelirift  von  ihr  enthSIt  der  aus  der  pfal/ischeii  Bibliothek  von  Mann- 
heim stammende  t'od.  bav.  161(!  der  Hof-  nnd  Ptaiitsbibliotbek  ans  dem  vorigen 
Jahrhunderte  Kol.  2!) — SO.  Allem  Anscheine  nach  ist  sie  für  eine  neue  Drnckans- 
galie  gefertigt,  da  sich  in  den  Anmerkungen  sorgfältig  die  Abweichnngen  der  .\ns- 
gatie  des  .Marquard  Freher  verzeichnet  finden. 


53. 

A 11  g II  s t i n K ö I n e r ‘ -s 
Kcbereicht  der  baierischen  l,andestfaeilnngen. 

Sie  findet  .«ich,  und  zwar  von  seiner  eigenen  Hand  aus  dem  Jahre  1503,  in  dem 
wohl  erst  in  unserem  Jahrhunderte  brochirten  Foliobändchen  des  geheimen  Hans- 
archives,  welches  als  erste  Hälfle  das  unter  Num.  62  b berührte  BrnchstOck  der 
baierischen  Geschichte  unseres  ausgezeichneten  Archivars  enthält. 

Sie  steht  auf  einer  der  eben  bemerkten  Schrift  gegenölicr  ein  wenig  kürzeren 
Lage  von  sechs  Bogen , wovon  die  Rückseite  des  drittletzten  Blattes  nicht  mehr 
beschrielien , das  vorletzte  leer , nnd  das  letzte  gleichfalls  leere  dem  nnmnehrigen 
blauen  Knckunischlage  aufgeklebt  ist. 

■Als  ganz  vorzugsweise  archivalische  Arbeit  kennzeichnet  sich  diese  Zusammen- 
stellung genugsam  schon  in  dem  grösser  geschriebenen  llaupttitel ; llienachnolget 
wieuil  tailung  des  ober-  vnd  uiderlanndes  zu  Beim  zwisclien  den  verganngen  herrn 
bescheheii  sind,  vnd  wo  die  tailbrief  darüber  sagend  ze  suchen  sind,  mit  anzaigen 
in  besonder  des  artikels  wie  sich  die  herreu  in  sollichen  tailungen  verschriben 
haben,  künftiger  erbuall  halben. 

■Sie  beginnt  mit  dem  Vertrage  von  l’avia  von  1320,  und  schlie-sst  mit  der  Ver- 
schreibung welche  Herzog  Ludwig  der  Reiche  gab  „weilennd  berlzog  Johannsen 
vnd  hertzog  Sigmunden  von  ir  vnd  irer  hriider  wegen  hertzog  Albrechten  Chrisloffcn 
vnd  Wolfganiigen , die  dazemnt  l>ej  irn  vogtperen  jarn  iiit  gewest  sind,  von  wegen 
des  saltzfurens  etc. 

Zwischen  das  vorletzte  und  letzte  Blatt  des  Sexternes  ist  ein  Bogen  eiiigeklebt, 
der  auf  seinen  beiden  Innenseiten  zwei  Stammhäiime  enthält,  einen  zn  der  Theilung 
zn  r,audsberg  im  Jahre  1349,  und  einen  von  Herzog  Ludwig  dem  Strenger,  bis  zu 
Georg  von  NiederUaiern  nnd  AIhrecht  IV.  Sie  waren  wohl  nach  der  L’elierschrift 
„der  pawm  der  erhschaft  daranf  die  hernach  angezeigten  teilbrief  zaigen  zwischen 
der  herren  von  Beim“  nicht  für  diese  Stelle  bestimmt,  sondern  darauf  berechnet, 
an  die  Spitze  der  ganzen  .Anseinaudersetzung  gestellt  zn  werden. 

Muthmnsslich  ist  diese  .Arbeit  durch  Fragen  hinsichtlich  der  Krbfolge  in  die 
Verlassenschaft  des  Herzogs  Georg  des  Reichen  veranlasst  worden. 


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175 


54. 

Haierisch-pfälzische  Chronik 
von  Baioariiis  bis  zum  Aiifauge  des  lü.  Jahrhnnderls. 

Sie  lieginnt  in  dem  ölten  XIV.  Abth.  3 S.  3‘J  - 50  berührten  Sanimelltande  des 
geheimen  Han-sarchires  auf  der  sechsten  Seite  des  Quaternes , welcher  auf  seinen 
ersten  fünf  Seiten  die  unter  Num.  47  aufgezählte  .Ab-schrift  der  Scbeierii-Wittcla- 
bach’schen  Geschlechtstiifel  enthält,  und  reicht  bis  zu  einem  Drittel  der  Rückseite 
des  vorletzten  Blattes,? umfasst  also  nicht  ganz  13  Seiten  in  Folio. 

Ihr  Anfang  lautet:  Bayonrins  oder  Baiiro  mit  seinem  vngezemppten  oder  greu- 
lichen volck  in  dem  andern  altter  der  weit,  kamen  von  Armenien,  haben  das  ertrich 
da  .sie  sich  nider  gelassn  habn  genant  von  ireni  furstn  Haioariam,  das  ist  Bayrn. 

Die  einzelnen  Herrscher  werden  dann  bis  zu  Heinrich  dem  Hochfartigen  in 
ziemlicher  Kürze  iHdiandelt.  Von  ihm  heis.st  es:  Dieser  Heinrich  am  letstn  iar  seins 
regamencz,  anno  11»0,  pracht  den  margt  vnd  pruckn  von  Vering  gen  München  in 
sein  stat. 

Von  Otto  von  Wittelslmch  an , der  ausserordentlich  gerühmt  ’•)  ist , werden 
sodann  die  Angaben  theilwcise  etwa-s  umfangreicher. 

linter  Ludwig  dem  Baier  heisst  es:  Ludwig  der  dritt  sou  pfalczgratf  Ludwigs, 
hcrzog  in  obern  Bairnn , ward  von  viern  zw  rümschni  kouig  erwelt  vnd  zw  .Auch 
gekrönt  anno  1314  iar.  aber  Friderich  von  Ostereich  ward  nnr  von  3 erwelt.  dar 
hat  die  Hairn  bey  Müldor?  geiagt  anno  1330.  vnd  im  andern  iar  dar  nach  hat  er 
die  Hairn  manigfalHgklicb  geecht.  aber  darnach  anno  1323  ist  er  gelangen  wordn 
mit  seim  brnder  herzog  Hainrich  vinb  sanet  Michels  tag  als  der  streitt  zw  Kmpfing 
autf  der  vecliwis  geecha.  anno  1325  ist  konig  Ludwig  in  Welschlaml  kumen,  vnd 
dar  nach  1328  zw  Raum  gekrönt,  dar  nach  anuo  1330  hat  er  Etall  gestyfft.  im 
iar  1347  ist  er  bald  gestorbn.  ligt  zw  München  zw  vusser  lieben  frowen.  er  verliesz 
fi  Bon:  Ludwig  der  eltter,  Stefläu,  Albrecht,  Wilhelm,  Ludwig  der  Römer,  vnd  Otto, 
vnd  2 tochtern. 

Haiern  wiixl  im  (ianzen  umatUndlicher  berücksichtigt  bi.s  zum  Tmle  de.s  Herzogs 
Siegmiind  im  Jahr  1501,  während  bei  Albrecht,  der  1417  geboren  wurrle  und  1487 
Kaiser  Friedrich.«  Tochter  Kunigunde  ehlicbte,  au.sdrücklich  bemerkt  ist:  der  noch  lebt. 


IKt)  Äin  man  de»  Icibs  vnd  gemacz».  ain  vorjrecr  der  »Urcli,  plneend  zu  vil  ema  vnd  ndehtuiii, 
der  aller  erfamnst  in  den  wappn  peklait,  mit  der  weiahait  etarck,  in  dem  radt  unIt,  in  den  a»ben 
geiezig,  des  lob»  geschiekt  in  der  frumkait  Irew  vnd  aller  tagend,  vnd  vil  armen  seine  tngentliche 
Werg  enogt,  vnd  getragn  bat  in  allen  geaelicfftn  vnd  «ebadens  «eina  reich»,  mit  welchn  er  dem  reich 
oder  gebiett  alwegn  der  getrewst  kenipffer  rnd  ain  emasiger  voratreitter  gewest  u.  ».  w. 

Der  Sehloaa  lautet:  vnd  die  land  die  weil  er  lebt  mit  d-r  hochatn  weiahait  vnd  dem  beatnn 
frid  geregiert  hat,  der  ein  vatter  de»  vatlerUnda  waa.  anno  lls-1  iar,  da  er  was  in  Wehwaben  bey 
dem  kaisaer,  ward  er  bestelt  am  >>  inlly,  ist  gestorbn,  vnd  dar  nacb  gen  Seboirn  gefbrt,  in  dem 
kioster  begraben. 

Vgl.  biezu  den  vorletzten  .\bsatz  der  Xnm.  00. 


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17« 


Die  pflilzischon  Kiirst'‘ii  konmien  fast  nnr  mit  «Itirren  genealogisclien  Angaben 
«lureli,  wovon  die  jüngafi*  das  Todesjahr  von  Kurfürst  1‘hilipps  Demaliliu  Margaretha, 
der  Tochter  des  Herz-ogs  laulwig  des  Keichen  von  Itaiern-Landshnt  ist,  lüOl. 


oö. 

Hrnchstllch  einer  lia i er  i sc  h -p fä  1 z isciien  Chronik. 

Den  Schhis.s  des  oben  XIV  Ahth.  3 S.  38.'i!l  berührten  Saminelbandes  ini  ge- 
heimen Hausarcliive  iiilden  7 Itlätter  von  einer  Hand  der  ersten  llältle  des  It:. 
Jahrhunderts. 

Sie  enthalten  ein  Brnchstnck  einer  Imieriaeh  - pfalz.isclien  Chronik  mit  eiuge- 
luischtcn  gereimten  Vier/eilen  zu  den  einzelnen  Herrschern. 

Der  jetzige  Anfang  lautet:  pfaltzgrane  tttt  von  Witelsitaeh  ”)  vnd  die  rechten 
von  Scheyern,  Ott  Krehart  Beruhart  etc.  jre  zv  mit  einander  .stilften  das  closter 
Scheyern  jn  vnser  liehen  frawen  ehre,  vund  erwelteu  jneu  do  ein  ewig  begrebnnsz. 
das  geschach  anno  doniini  1124. 

Alsbald  darnach  hei.sst  es:  Der  fromme  furst  Ludwig  von  Beiern  wurd  zu 
Kellheim  erstochen,  alsz  inan  .sagt  vsz  geheiaz  key.ser  Friederichs  iin  jar  1231. 

Unter  Herzog  Otto  dem  Kriuuehten  wird  berichtet:  Von  gunst  wegen  die  er 
hett  zu  keyser  Friederichen  vnd  seinem  .son  Couraden  ward  er  von  Innocentio  dem 
vierden  mit  dem  keyser  ju  bann  gethan,  derhulb  er  auch  wardt  die  pfattheit  durch- 
echteu  vnd  hassen,  au  sant  .Audre:is  abeiit  anno  12.7.7  ivasz  er  mit  seiner  hausfrawen 
vnd  holfgesind  frolich.  starb  geheling. 

In  dem  jar  — wird  hieran  geknüpft  — da  Otto  starb  theiltten  .seine  sone 
Ludwig  vnd  Heinrich.  Ludnigen  gefiel  oWr  Beiern  vnd  Laudtshutt,  Hainricheu 
das  Norgawe. 

Das  Brnchstnck  schliesst  nach  den  Keimen  auf  Kurfürst  Philipp: 

Viel  lieKsz  sei  dir  beschert,  Philips, 
du  bist  ein  kern  disz  Pfaltz  sips, 
von  tugent  getrew,  gütig  vnd  niilt. 

Von  Beiern  Margareth  dich  erwelt: 

Dieser  zweier  ehegeniahel  erst  gelmrn  kint  war  ein  soll  mit  nanien  Ludwig, 
das  u.  s.  w. 


Des  Ladislaus  u n t h c i m 
haierische  und  pfälzische  Genealogie. 

Den  Anfang  des  in  der  ersten  .Abtheilung  S.  .3813!*  erwähnten  .‘iammelbandes 
des  geheimen  Hausarchives  bildet  der  Rest  einer  schönen  Handschrilt  aus  dem  ersten 
Viertel  des  10.  Jahrh.  in  Folio,  die  urs))rtlnglich  neun  je  auf  der  ersten  Seite  oben 

Ul)  Vgl.  die  Sdieiem-  Wittebhacirsche  GeschlecbUtafil  obeu  in  Knm.  47  b S.  1<>4. 


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177 


rechts  am  Rande  KezähUe  Laj{eii  ninfa-sste,  wovon  jetzt  noch  die  letzten  fünf  nml 
nicht  ganz  ein  Bogen  einer  fröheren  erhalten  sind. 

Was  hienach  fehlt,  nämlich  die  ersten  vier  Quaterne,  his  auf  die  beiden  Inneu- 
hogen  des  zweiten,  fand  .sich  in  der  Xum.  1 des  Kost.  bl.  42(!  des  geheimen  Staafcs- 
archivea  lose  in  einem  grauen  Papierumscfalage  mit  der  neueren  .Anffchrii’t:  Fainilia 
Üucum  llavariae  primae  fainiliae  ejusdeui  Domus. 

Begegnet  einmal  eine  llindeutung  auf  l>adialans  .Siintheim  mit  der  auch  anders- 
woher ”)  hei  ihm  bekannten  .Fahrzahl  1511,  ntid  vergleicht  mau  andererseits  den 
Inhalt  des  Ganzen  wie  es  jetzt  vereinigt  vorliegt  mH  Arbeiten  von  ihm  im  zweiten 
Bande  von  Oefele's  rerum  Iraicarnm  scriptores,  so  ist  nicht  nnwahrscheinlich,  dass 
dieses  erste  Stück  nnseres  Sunimelbandes  Werke  des  genannten  Wiener  Domherrn 
und  kaiserlichen  Historiographen“’)  enthält,  und  es  ist  gewiss,  dass  in  der  Haupt- 
masse desselben  seine  haierifche  nud  pfälzische  Genealogie  eutgegentritt. 

Das  Ganze  gliedert  sich  folgendermassen. 

An  der  Spitze  steht,  in  der  Weise  da-ss  — wie  auch  fortan  immer  — die 
Hauptflbersehriften  in  earminrotber  Tinte  gefertigt  erscheinen , die  Familia  ducum 
Bauariae  primi;  familiae  eiiisdem  domus.  Daran  schliesst  sich  die  Familia  Garibaldi 
regia  Bauariae.  Auf  sic  folgt:  jterum  prima  familia  Baiiar[orlam,  and  daun  Garibaldi 
regis  Bauariae  familia.  Daun  reiht  sich  an  die  Familia  fundatormu  Saltzburgensis 
et  Passaw  episcopatuum  die  Familia  Thasilonis  Magni  regis  ac  ducis  Bauariae.  Xuii 
beginnt  die  Familia  Carolj  Magui,  ijui  et  sui  posteri  Bauariam  rexeniut,  worauf 
nach  dem  kurzen  Abschnitte  „jteni  isti  sei|uentes  dienntur  etiani  fuisse  filij  sancti 
Arnolti“  die  Linea  Carolj  Magni  materna  bis  an  den  Schluss  von  Kaiser  Ludwigs 
des  Frommen  Sohn  lajthar  folgt,  bei  Oefele  a.  a.  0.  S.  042  Sp.  l im  ersten  Absätze. 
Jetzt  fehlen,  wie  bereits  bemerkt  worden , die  beiden  .Mittelbogen  der  zweiten  Lage, 
und  es  fahrt  dann  der  Text  dieses  Abschnittes  auf  dem  nächsten  Blatte,  divs  einen 
starken  Ansriss  hat,  wieder  mit  den  Worten  [re]gina  orientalis  u.  s.  w.  in  der 
Königin  Lintgurd,  bei  Oefele  a.  a O.  S.  644  Sp.  2,  bis  an  den  Schluss  der  Weu- 
delmut  — im  Drucke  in  „Wemlelucuet“  unigetanft  — concubina  Hugonia  u.  s.  w. 
fort.  Auf  der  Rückseite  beginnen  die  Uxores  Karls  des  Gro.‘seu.  .Alles  wovon  bis- 
her die  Rede  gewesen  entspricht  dem  berührten  Drucke  Oefele’s  von  8.  G3ö  bis  an 
den  Schluss  von  S.  044 , mit  Ausnahme  der  erwähnten  Lücke  Uumittellurr  reihen 
sich  mm  — von  Oefele  nicht  mehr  berücksichtigt  — die  Concubiuae  Cnroli  Magni 
Caesaris  an.  Weiter  geht  dann  die  Darstellung  nach  dem  „Epithauium  Ludouici  pij 


U2)  Äof  (len  Innenseiten  des  Vorder-  wie  Hinterdeclicls  des  Cod.  Ist.  12U1  der  Hof-  und  ätoats- 
bibliothek  steht:  Item  anno  m-  v'  vnd  im  aindilTten  Jar  hob  jeb  Lssssla  Santhaim  von  Itnn< nspurg, 
thneinbherr  «n  Wienn,  rSmiseher  tajrs.  Maiest  ditz  puech  snege.‘aDndt.  vnd  bt  Tejfcrtigt  worden  am 
aehlistcn  tag  des  tnonats  msreij. 

fid}  Vgl.  Franz  Pfeiffer,  das  Donanthal  von  Ladislaus  bnntheira,  im  Jahrbnebe  für  vater- 
ländische Oesebiebte,  Wien  IHiil,  S.  274— ZU“. 

Abb.d.  III.  Cl.d.  k,  Ak.d.  Wizs.  XV.  Bd.  I.  Abtb.  2:1 


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17« 


Cftesiiris  r^gi«  Frnncorum"  mid  dem  Drogonis  episcopi  Metteiiiis  jn 

Lothuriugia,  iiatnrHlis  filiu»  (,'arolj  niagni“  zur  Faiuilia  Arnolfi  (äiesaris  ducis  iSansriae 
in  zwei  mit  der  gleichen  reheraclirift  versehenen  Abschnitten  über,  mit  Eininiscimiig 
von  lateinischen  Versen  und  allmälig  auch  deutschen  Vierzeilen  bis  auf  Iler/og  Otto  I. 
von  Wittelsliach  *•)  uinl  seine  unmittelbaren  Nachkommen  Ludwig  den  Kelheiiner 
und  Otto  den  Erlauchten  i.  Nach  einer  ohne  Uiiterbrechmig  hieran  geknüpften 
Reihe  von  Chronikverzeichnungen  l>eginnt  daun  die  Fainilia  dncntn  Haiiariae  ex  domo 
«axoniae,  welcher  die  Faniilia  sanctae  Khunigundis  tolgt.  Hieran  schliesst  sich  die 
..Familia  Welphonnm  comitnni  de  Altdorff,  qni  Hauariae  ducatum  rexit“  bis  an  den 
Schluss  des  vierten  (inaterncs,  das  aus  dem  geheimen  Staatsarchive  stammende  Stück, 
in  dessen  zweiten  tjuatern  der  iin  Fliiigange  erwähnte  nicht  mehr  ganz  erhaltene 
Bogen  aus  dem  geheimen  Hansarchive  hineingetallen  ist.  Mit  der  fünften  t..age, 
also  dem  Beginne  des  über  den  IMlcken  znsniumengebundenen  Folianten  eben  des 
geheimen  Hansarchive.s,  ist  mau  ohne  Unterbrechung  in  den  Schluss  dieses  Abscimittes 
versetzt,  welcher  noch  das  erste  Blatt  füllt,  nämlich  z.u  Heinriens,  aller  filiua  Heiiirici 
Leoui.s  et  domino  .Mechthildis  eins  vxoria,  reginae  Angliae,  frater  Ottonis  quarti 
Caesnris,  bis  zur  Aufziiälung  der  Stiftungen  der  Familia  Welphonnm.  An  ihrem 
Schlnase  findet  sich  die  vorhin  schon  berührte  Hindeutung  auf  den  Verfasser:  Hec 
per  dominum  laidislaum  Sunihnin  de  oppido  jniperial.j  Kauenspurg  orinndnro,  Serenissimi 
et  jnuictisainii  principis  et  domini  domini  Maximiliani  Uomanorum  jmperatoris  etc. 
hystoricum  et  capellannm,  ac  canonicnin  Viennensem,  coraportata  sunt  anno  MDXI. 

Am  zweiten  Blatte  schliesst  sich  nunmehr  die  Familia  filiorum  sancti  Leupoldi 
marchiouis  Anstriae,  Heiurici  et  Leo|M)ldi  ducnin  Banan'ae,  bis  zu  etwa  einem  Dritt- 
theile  der  KOckseil«  des  dritten  Blattes  an. 

Auf  dieser  Seite  beginnt  jetzt,  und  zwar  mit  zahlreicher  Einmengung  von 
deutschen  Vierzeilen,  die  baierische  und  pfälzische  Genealogie  der  Wittelsbacher. 

Die  erste,  die  Familia  ducnm  Bauariae  ex  comitibus  de  Scheyrenn  et  Wittols- 
pach  orta,  ex  quibns  nioderiii  Bauariae  priiicipes  procesaerunt,  wie  lad  Oefele  a.  a. 
0.  II.  S.  5fi2  — .ü'.ü,  reicht  bis  an  den  Schluss  der  ersten  Seite  der  Lage  8. 


94j  Otto  zu  Bayren  hertzog  wai. 

tauiwcDt  liundert  achtzig  man  lazz. 
«achssen  bet  er  jnn  seiner  hand. 
Grosmuttir  was  der  forat  genant, 
ti.r)  Ludwig,  desNcibcn  Otten  zun, 

bet  zu  ainem  weyb  von  khenigs  kronn 
Ludmill,  die  tochter  von  Beheim. 

Er  atarb  von  sterben  zu  Kbelhcim. 

96)  Otto,  der  erat  pfnltzgraff  bey  ititein, 
bett  pfaltzgrutr  Hcinricba  tüchterlein. 

Mit  nmnnhnit  er  es  erfeebt 

Dea  Reichs  rbnrfurat  blib  sein  gesehlccht. 


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17!» 


Anf  Jereu  Rückseite  folgt  enJIicb  Jie  Familia  palatinomm  coinitum  Rheni, 
Jucuiii  Baaariae,  ex  comitibos  de  Schewreu  et  Wittelspacb  orla,  wie  bei  Oefele  a.  a. 
0.  8.  575 — 581,  bis  anf  die  Rückseite  des  fTinften  Blattes  der  Lage  9. 

Ganz  und  gar  vollständige  üebereinstiranntng  unserer  Handschrift  mit  diesem 
Drucke  herrscht  indessen  nicht.  Um  nur  eia  Beispiel  anznfübren,  sei  bemerkt,  wie 
sie  anf  dem  sechsten  Blatte  des  fünften  Guaternes  unter  Otto  dem  Urlaachten  zwischen 
den  vorletzten  nnd  letzten  Absatz  daselbst  8.  565  8p.  2 eingeschaltet  hnt:  Magnns 
Albertus,  magmis  predicator,  Landshntte  sub  Ottoiie  dnee  Hornit. 

57. 

Des  Ulrich  Fütrer  baierische  l.lbronik 
in  späterer  Umarbeitung. 

Sollte  sie  nach  streng  chronologischer  Folge  eigeuttich  erst  zwischen  den  Nuni. 
63  nnd  64  cingereiht  sein,  so  mag  sie  doch,  so  lange  ihr  Verfertiger  nicht  bekannt 
nnd  namentlich  auch  die  Zeit  ihrer  Herstellung  nicht  noch  genaner  erforscht  ist, 
und  mit  Rücksicht  darauf  dass  weiter  das  folgende  Stück  in  sichtlichem  Znsamnieu- 
hange  mit  des  Ulrich  Fütrer  baierischer  Chronik  .steht,  gleich  hier  l’latz  finden. 

Sie  füllt  in  dem  oben  XIV.  .\btli.  .3  8.  3S'.39  anfgefütirteu  Sainnielhandc  des 
geheimen  Hiinsarchives  unter  Lit.  d eilf  Lagen  in  Folio.  Die  erste,  welche  nuten 
beschnitten  nnd  daher  im  Formate  kleiner  ist , auch  ein  anderes  l’apierzeichen  hat, 
besteht  gleichwie  die  folgenden  sieben  ans  je  6 Bogen.  Die  nennte  hatte  ursprüng- 
lich 8 Bogen,  wovon  ein  Blatt,  gerade  zwischen  den  8chlnssahsUtzen  über  Kaiser 
Ludwig  den  Baier , ausgeschnitten  ist,  ohne  dass  es  übrigens  den  .Anschein  hat  als 
oh  von  dem  Texte  etwas  fehlte.  Die  zehnte  Lage  besteht  ans  7 Bogen.  Die  8chliiss- 
lage  umfasst  gar  12  solche.  Säramtliche  Lagen  sind  je  oben  in  der  Mitte  der 
Vorderseite  des  ersten  Blattes  fortlaufend  von  1 bis  11  eiiischl.  gezählt,  während 
sich  bei  einer  Reihe  von  ihnen  auch  je  nuten  in  der  Mitte  jener  Vorderseiten  Zahlen 
finden,  nämlich  15,  16,  14,  4,  0,  32.  8,  12,  17,  t),  0.  I).  Ob  die  Zahl  32  nicht 
anfänglich  einfach  für  2 oder  3 gestanden , und  nnr  später  so  verändert  worden 
ist  nicht  klar. 

Auf  den  ersten  Blick  fällt  abgesehen  von  dem  Zuschnitte  der  ersten  Lage  und 
ihrem  anderen  Papierzeichen  anf,  da.ss  durch  unser  Werk  nicht  die  gleiche  Hand 
begegnet,  dass  sich  auf  den  einzelnen  leigen  eine  kleinere  wie  grössere  Zahl  von 
Zeilen  findet,  dass  hier  und  dort  mit  blässerer  Tinte  Bemerkungen  theils  in  den 
Text  geschrieben , nnd  theils  an  den  Rand  beigefögt  erscheinen,  u.  s.  f.  Auch  ist 
einmal  eine  leere  Seite  znm  Kintrage  von  zwei  Absätzen  verwendet,  unter  denen  ein 
Verweisungszeicben  steht,  das  auf  der  Rückseite  des  folgenden  Blattiw  wiederkehrt, 
mit  dem  Beisatze:  Dise  zwen  artigkhl  sollen  nach  dem  negsten  hernachnolgcnten 
plätl  steen  wo  das  zaicheu  sleet.  Es  liegt  vielleicht  nach  allem  dem  nicht  gar  zu 
ferne,  auf  Jen  Gedanken  zu  verfallen,  als  ob  eine  Reibe  von  Lagen  einer  Handschrift 

23* 


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ISO 


der  Chronik  des  Ulrich  Udtrer  einer  Unmrheitnng  unterroifen  und  eine  andere  Reihe 
von  ihnen  wohl  ganz  entfernt  nmi  dnreh  neu  liearheitetc  ersetzt  worden. 

Das  erste  Watt  der  jetzigen  ersten  Lage  ist  für  den  Titel  des  ganzen  Werkes 
be.«timnit,  welcher  auf  seiner  Voj^eraeite  im  (iegenlialte  zu  dem  in  der  Spalte  1 
mitgetheilten  Texte  der  schönen  ans  dem  Kloster  Polling  stainnienden  Perganient- 
handschritt  der  Ilof-  nnd  Staatsbibliothek  aus  dem  15.  Jahrhunderte,  Cod.  germ. 
43,  in  Quart,  folgende  Fassung  hat: 

ln  ilem  nameii  der  hochen  vnd  vnge-  ln  dem  namen  der  hohen  vniul  Tuz.er- 

tailten  drinaltigkait.  amen.  laillten  Iriualtigkhait.  amen. 

Durch  begeren  vnd  gepot  des  durch-  /u  eern  dem  durchlenclitigen  hochge- 

lanchtigen  hochgepornen  fürsten  vnd  bnrnnen  fürsten  vnnd  herm  herrii  .\l- 

herren  herrn  .\lbrechten,  pfallnntzgraucn  brechten,  pfallenntzgranen  bej  Rhein, 

l>e)'  Rein,  hertznge  in  Obern  vnd  Nideru  hertzogen  in  Obern  vnnd  Nidern  Rayrn 

Bayren  etc.  ain  sun  des  edln  fürsten  etc.  ain  sune  des  edlen  wolberedten  auch 

vnd  herrn  den  man  ye  all  sein  zeit  weitberuembten  fürsten  vnd  herrn  herrn 

nannt  den  gütigen  herlzng  .Wibrechten  Wilhelmen  vnnd  geliorun  von  der  edlen 

von  Bayren  etc  vnd  geburn  von  der  fnrstin  frawen  Maria  Jacolm,  gebornne 

edln  fnrstin  frawen  .Wnna  von  Praiin-  marggreflin  von  Baden  etc. 

schwig  etc. 

na  dnreh  vor  gemellt  gebot  des  jungem 
fürsten  vnd  herren  heru  Albrechts  her- 
tzog  in  Bayren  etc  hab  ich  mich  vnder- 
stannden  zu  beschreiben  der  zeit  als 
man  z.elct  von  der  gepnrd  vnnsers  baylers 
Christo  Jhesn  tunsent  vierhundert  vnd 

achtt  vnd  sibentzigk  das  herkiimen  des  das  herkhoineu  des  aller  edlestcn  stanieii 

aller  edlisten  stamen  des  fflrsteuthumb.s  des  furstentbumbs  vnnd  weitberuembten 

vnd  weyt  periieniten  löblichen  hawsz  löblichen  hansz  von  B.vyrn  etc.  auch 

von  Bayren,  noch  allen  fürsten  disz  allen  forsten  disz  aller  edlestcn  geileeht- 

aller  edlisten  kuunes  vi'rgaugen  löblicher  uusz  gegenwunliger  löblich  regicrenmle. 

gcdechlnnsz  gegenburtiger  löblicher 
regierung. 

Mit  dem  zweiten  Blatte  beginnt  der  Text  der  Chronik  seihst,  welcher  gegen- 
über dem  berührten  Cod.  germ.  43  theils  Kürzungen , theils  Erweiterungen , theils 
kleinere  oder  grössere  Umstellungen  zeigt,  und  am  Schln-sse  noch  den  Anlauf  za 
einer  Fortsetzung  erkennen  lässt.  Nachstehende  Mittheilungen  mögen  beispielsweise 
das  eine  wie  andere  vergegenwärtigen. 

Gleich  im  Eingaugsabsatze  ist  ein  Ansfall,  welcher  den  Text  — was  sonst  nnr 
äusserst  selten  der  Fall  — unverständlich  macht : 

Nach  Rom  stilftumb  sechshundert  Nach  Rom  stifftung  sechshundert  drey- 

drew  vnd  ncwiizigk  jare  herschte  zu  nudiieuntzig,  da.s  ist  vor  der  gepnrt 


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181 


Uniii  ilor  groKz  Pompevii»,  nacli  ücm 
vnd  Kriisms  von  den  Römern  erlott 
ward,  dem  sy  zerlaesen^i;olH  in  seinen 
halls  ffossen  vmb  des  willen  das  er  den 
Römeren  vil  volcks  durch  .seinen  geytz 
verfTirt  vnnd  verloren  liett. 


Criatj  aclitnndfiinffzig  jar , liersehte  zu 
Rom  der  grosz  Pampeins,  nachdem  sy 
zerlassen  golt  in  seinen  halls  gossen 
vmb  dosz  willen  das  er  den  Römern 
durch  seinen  geytz  vill  voickbs  verl'uert 
vnnd  verloren  het. 


Zwischen  diesen  und  den  folgenden  .\bsatz  Ober  Porapeiiis  ist  gegenOber  dem 
Cod  gerni.  43  hier  folgender  eingesetzt:  Die  Allten,  als  Tiltus  Liuins,  Plinus, 

Florns,  Eutropins,  vnnd  annder  schreiben  vnnd  haissen  Bayrn  Hoias.  seindt  wol 
dreyhundert  jar  vor  Pnmpcio  in  Welschen  Ijaiindeii  gesessen,  haben  Maylluiindt, 
Bressa,  vnnd  annder  steet  gepaut. 

Nicht  lange,  nnd  es  begegnet  uns  nach  der  Theilung  von  des  Bavariis  *’) 
Söhnen  Boemnnd  und  Igramyon , von  welchen  ei-sterer  Herzog  in  Baiern  und  der 
andere  Herzog  iui  Nordgaue  geworden,  im  Cod.  germ.  43  S.  12,  wieder  eine  Ein- 
schiebnug.  und  zwar  gleich  von  den  vier  folgenden  Abschnitten : 

Als  mm  Troya  die  grosz  stat  zerstört  wardt,  khain  Enebises  vnnd  sein  sun 
Eneas  in  die  gq;ent  Ittalia,  da  yetzt  Rom  ist,  vnnd  pauetn  ettlich  fleckhen  vesste 
vnnd  gesisiz.  vnnd  ans  des  Enea.s  geschlecht  wardt  ainer , genant  Miinitor , geporn. 
der  war  aiii  khönig  vber  das  vertriben  volckh  von  Troya,  vnnd  wanlt  von  seinem 
brnedern  Danbiiis  von  de»  kbönigreich  gc.stossen  vnnd  vertriben.  nun  het  Munitor 
zwei!  jung  sun,  Romulus  vnnd  Remus.  vnnd  als  sy  zu  ireu  jarea  kbamen,  samleteu 
sy  ein  grosz  volckh,  vnnd  halfleii  iereni  vatter  Monitor  wider  an  das  reich,  vnnd 
regierten  die  zwen  sun  mit  dem  vattern,  vnnd  pauetn  purgen  vnnd  stettl  vnnd  als 
Munitor  starb,  khameu  seine  «wen  sun  an  das  khöuigreicb.  darnach  wardt  von  den 
rorgeuaiinten  zwen  herrn,  Roninhis  vnnd  Reniiis,  die  stat  Rom  angefaugen.  vnnd 
machten  vmb  das  stettl  vnnd  pnrg  ein  maur,  das  es  ein  stat  wardt.  vnnd  nennten  es 
Rome  nach  iren  namen.  das  gcschach  vor  Oristj  gepurdt  750  jar. 

Vnnd  als  Romulus  vnnd  Remus  die  stat  Rom  gemacht  betten,  da  waren  sy  die 
ersten  khönig  vnd  herrn  darnher,  darnach  wardt  Remus  erschlagen,  nachmals 
regiert  Romulus  allain , vnnd  eiTvellet  hundert  man  ans  den  eitesten  vnnd  weisesten 
zit  Rom,  mit  der  rutb  er  alle  ding  wolt  ansrichten;  vnd  nant  die  Cenetorcs,  wann 
sy  alt  waren,  er  erwölt  auch  dausent  mau,  die  fnrnemesten  vnnd  sterckhesten , die 
sein  dieuner  vnnd  der  stat  beschirmer  sollen  sein,  denen  gab  er  einen  namen,  das 
sy  solten  haissen  ritter.  als  diser  Romulus  het  regiert  38  jar,  erschlueg  in  der  thoner. 
nach  im  wardt  khönig  zu  Rom  Nomapompilius.  der  regiert  41  jar.  der  Nomapom- 
pilius  war  def  erst  der  da  ordnet  das  man  den  dausent  ritteru  besölduiig  gab.  auch 
thet  er  die  zway  raonat  jenner  vnnd  hornnng  zu  dem  jar,  dann  vormals  het  aiu  jar  nur 


97)  Kr  nrsnog  vnnJer  sein  herrsebaft  0»ler-FratmcIihen.  Kherliiigeo,  Borgumlt,  Oesterreich  Ja» 
man  die  zeit  naimt  Jas  ober  Poinania,  Jsterreicb.  vnnJ  Märhera. 


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182 


7.ehen  raouat.  noi^h  disem  rejjicrt  Tnliua  llostiliofi  H‘2  jar.  der  war  der  erst  der  zu 
Rom  coatperliche  cloider  von  purper  vniid  beaclileclit«  antrueg.  zu  lest  wart  er 
vnud  als  sein  volekh  von  dein  thoner  ersclilaj^en  vnnd  verjirenndt.  also  ist  Rom  von 
deu  khönigen  naeb  vtid  nach  bisher  ye  lennger  ye  vesster  vnnd  grösser  gepawen  vnnd 
yetzt  der  Irnbst  jnuen  hat.  desnmla  gienng  der  kbönig  gewaldt  vnnd  reginiennt  nit 
weitter  dann  vier  meilwegs  von  der  stat  Rom. 

Dersellien  zeit  war  die  stat  Kharihago  elter  dann  Rom.  vnnd  babeus  die 
Römer  40  jar  vor  Cristj  gepnrdt  verprennt.  die  rinckhmaur  ist  in  der  weit  vmb  die 
stat  Cliarlhngo  vier  teulsch  meilwegs  gewest,  vnnd  HO  schueeh  dickh,  vund  ,ö0  sclmecb 
hoch,  als  von  ijnatterstaiu  gemacht,  darnach  vber  20  jar  erlaubten  die  Römer  die 
stat  Chartngo  wider  anfzepanen.  war  aber  nit  so  grosz  ge|iawen  ahs  sy  vor 
gewest  ist. 

Vnud  als  die  Römer  den  caiser  vund  die  stat  Cliartago  bezwungen  betten,  da 
wollen  die  Römer  Teutsche  vund  anndere  Lanndt  auch  liezwinngen.  also  achwueren 
die  Teiitschen  vnnd  Wallten  vnud  vil  lanndt  zesanien  wider  die  Römer,  vnnd  das 
sy  zu  dem  erstenmal  mit  den  Römern  stritten , da  lagen  sy  ob , vnnd  erschluegen 
der  Römer  SOOOO  vnnd  der  von  Coloste  40000,  das  der  Römer  hardt  zehen  ent- 
rannen. vnnd  als  die  zehen  entniunen  dalmim  die  pesen  mer  .sagten,  da  erschrackhen 
die  Römer  so  vbl  viid  vorchten  in , vermaiuten  sy  waren  das  landt  vnnd  die  stat 
Rom  verliern.  darnach  als  die  Teiitschen  vnnd  Walhen  gesigt  betten,  da  fueren  sy 
in  Ittalin  vnd  wolten  Rom  belegen,  da  zogen  die  Römer  in  aincr  nacht  aus  vber 
die  Teutscheii  vnd  Wnlhcu,  dieweil  sy  vngewamet  waren,  vnnd  erschlnegen  ier 
140000,  vnud  uamen  70ü(K)  man  gel'aniigeu.  vund  disem  streit  zu  eereu  paiietu 
die  Römer  zu  Rom  ain  tenipl. 

Auch  ip  dem  was  uumittelhar  folgt  ist  die  ändernde  und  noch  hauptsächlich 
erweiternd«  Hand  deutlich  genug  sichtbar. 

Vmider  di.sen  Zeiten  kriegt  Julius  mit 
macht  der  Römer  alle  teutsche  lanndt 
bis  au  die  portt  Zesare,  in  tewtsch  ge- 
nannt kaysers  portt,  von  dem  er  den 
namen  von  erst  gewan  Julius  Zesar : 
z vnd  noch  all  kay.ser  nach  im  den  uamen 
haben  Zesares,  diser  Julius  bez.wauug 
alls  Britony,  Kcriing,  Aquitonj.  er 
macht  inanig  schone  purck  an  dem  Rein, 
auch  nianig  vesste  stat,  alls  Oppenhaim, 

Maiutz,  Ingelhaira,  Pnparten  etc.  vnd  (Vgl.  unten  S.  184.] 

er  besetzt  die  stet  wol  mit  lewten  die 

die  lannd  sollten  hewarcu.  allso  zoch 

er  in  das  lanud  zu  Haireu.  do  ward  im 

sUrcker  widerstanudt  getan  von  den 


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1ö;5 


zwayu  fnrsten  Boeimiudo  viul  Y;?rainino. 
ay  «triten  manixeii  hcrtlfii  streit,  ilarjnii 
vil  guter  ritter  Tiind  kiieehtt  erschlageu 
wurden.  Tud  doch  an  dem  jüngsten 
zwang  JuliiM  die  fürsten  vnder  sein 
herschafft. 


|VgI.  oben  «.  180.181.] 


[Vgl.  unten.  I 


■Tuliauus  haubtnmu  zu  Koni. 

.\ls  man  zeit  ti',13  jar  von  ’•)  der  stat 
Rom  erpawuug,  da.s  ist  vor  Cristj  gepurt 
58  jar,  als  vor  gesagt,  wanlt  Julius  zu 
Uom  an  dem  gwallt  der  inaister  ainer 
gemacht,  vnud  als  die  Römer  zu  disen 
Zeiten  hetten  alle  laundt  liezwungeu,  an 
allain  Teutsche  laundt  Krannckhreich 
vnnd  Laiuparten,  da  sanften  die  Römer 
disen  fruinen  strcitparn  hanhtniau  Julius 
aus  mit  einem  grossen  volckh , vnud 
beualhen  im , das  er  die  vorgenannten 
lanndt  sollte  auch  bezwingen  vnnder  der 
Römer  gwallt,  vnud  sollte  das  thuen 
in  fnnff  jaru,  ob  er  mecbte,  vnnd  solte 
also  die  fnnff  jar  ain  maister  vnnd 
haubtman  sein  vlier  da.s  volckh , vnnd 
nit  fiirbas.  also  fner  Julius  hinweg  mit 
dem  volckh,  vnnd  bezwaung  zu  dem 
ersten  Lampartten  als  miteinannder. 
darnach  fuer  er  in  Teutsche  lanndt.  da 
zohen  im  die  zwen  hertzogeii  von  Bayrn, 
Boemnndus  vnd  Igraman  gcbrueder, 
mit  grassem  volckh  gegen  .Inlio,  vnnd 
thetteu  einen  gro.ssen  streit  miteinnun- 
der,  vnd  kbani  vil  voickhs  vmb.  doch 
vberkham  Julias,  das  im  die  zweu  brue- 
der  Boemundus  vnd  Igraman,  die  zwen 
hertzogen  von  Bayrn  vnnd  Norcaw, 
vnnderthenig  wurden,  darnach  fuer  Julius 
geen  Trier , vnnd  vmblegert  die  stat : 
dann  es  die  liaubtslat  war  in  Teuischen 


98)  ln  der  Handsthrift  steht:  vor. 


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18-4 


lamideii.  die  von  Trier  werttent  »ich 
vu»»t  gegen  Julio.  doch  gcwaniig  .lulio 
die  »tat.  da»  khaiii  al»o  wieuolgt. 

ln  der  »tat  Trier  waren  zwen  Herren 
an  den  der  gwalt  stuenndt.  die  waren 
gar  reich,  vud  khriegten  allezeit  mitein- 
anmier  vmb  ier  gro.tse  herrscliaftt  der 
ain  hiiesz  Dultzemar,  der  aunder  ,^igna- 
(or.  da  aber  8igiiator  »ach , das  er 
Dultzemar  nit  macht  vberkhnmen , da 
machet  er  sich  ans  der  »tat,  vnud  wardt 
,Iatins  dieniier.  Tiiiid  mit  de»  hiltl'trueg 
Signator  an,  da»  Dultzemar  iler  hauhl- 
man  in  der  »tat  erschlagen , die  »tat 
vnnd  da»  lanudt  gewungen  wanlt.  vund 
Julio  liesz  die  lanndtherm  bej  iren  eereu 
beleihen,  vnnd  verricht  also  das  sy  Julio 
liultetn:  vnnd  »cbwiieren  im  als  ierem 
iiberisten  herrn.  nnn  was  ,Tuliu»  ain 
tugentlicher  milter  man,  vnnd  gab  gro« 
galten  vund  gescbenuckh  von  im.  damit 
schiielT  er,  da»  im  alles  voickb  willig 
vnd  gehorsam  wa.s.  vnnd  blib  zu  Trier 
bi»  da»  im  Cölu  Menntz  Speyr  vund 
Straapurg  vnnd  die  annderu  »töte  alle 
in  Teutschen  binnden  mit  guetteni  willen 
vnndcrthenig  wurden,  vund  pawet  auf 
dem  Khein  vil  gnettcr  veaste  in  dem 
lannde  zu  huetteu:  da»  was  Buchparten 
fVgl.  oben  S,  182.]  Inngelhayni  vnud  Oppenhaimb.  vnud 

machet  zu  .Menntz  ein  schöne  herliche 
weitte  priickhen  vber  den  Uheiu.  die 
wardt  zehanndt  darnach  von  der  Mcntzer 
vntrew  wogen  zerstört  vnd  zerprochen. 

AI»  Julius  alle  Teutsche  lanndt  be- 
zwungen het,  da  fuer  er  gecu  Kbers- 
haiin  mOuster  zu  dem  teuipl,  der  wa» 
in  Marcurius  eeren  gemacht,  opHferet 
vnud  dannckhet  Marcurius,  dem  got 
»eine»  gluckhs  vnnd  »ig»,  nach  haid- 
nkscheu  »ytteii;  wann  zu  den  Zeiten, 


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inr. 

50  jar  vor  Cristj  gepurJt,  da  waren 
evttel  haiden,  vnod  was  Marcuriiia 
oberister  abgol  zu  Teutachen  laniiden. 
vnnd  hielten  in  gar  genediclich  nach 
irem  glauben,  vnnd  also  ist  derselb  teinpl 
zu  Elrerahaim  radnster  seither  zu  aim 
closter  gemacht  worden. 

Alls  uu  Julius  vil  weiter  lannd  hat  . Ua  nun  Julius  alle  Tentsche  laiindt 
bezwungen,  do  zoch  er  machtigklich  zu  bezwungen  het.  als  vor  gesagt,  vnnd 

Rom.  do  woltn  in  die  Römer  nichtt  zehen  jar  das  volckh  het  regiert,  vnnd 

einlassen,  wann  er  wollt  alle  herschaft  bey  inn  in  Teutscbe  laundt  gewest,  da 
allain  im  beheben  die  er  mit  arbait  er-  ordnet  er  die  herra  vnnd  steet , wie  sy 

stritten  hett.  alle  man  im  vor  verspartt  sich  sollen  halten,  vnnd  fner  er  wider 

die  stat  Rom,  zoch  er  wider  zw  teut-  geeu  Rom,  vnnd  bat  die  Römer,  das  sy 

scheu  lanndeu,  vnd  er  sanilet  ain  grosz  inn  liesseu  den  maister  ain  sein  an  dem 

her,  vnder  den  anch  disz  zweii  fürsten  gwallt  zu  Rom,  seidt  da.«  er  were  ge- 

Yon  Bavren  waren , mit  der  hilff  vnd  wesen  maister  vnnd  hauhtmaun  vlier 

ritterlichen  beystandt  er  Rom  nötiget  vnd  das  volckh,  vnnd  den  Römern  so  grossen 

zwanng.  er  vertraib  vil  Römer  in  das  nntz  bet  geschafft,  aber  die  Römer  wollen 

ellent,  vnd  auch  Pompeyum  in  Kgipten.  in  nit  in  die  stat  lassen,  darumh  das  er 

er  pracb  auf  zu  Rom  die  triscamer,  nam  lennger  dann  die  funff  jar  so  .sy  ime 

daraus  alle  die  schütz  die  sein  vodern  zum  zil  vnnd  zeit  betten  gesetzt  aus- 

lanug  ersatnlct  vnd  behallten  hettent  hüben  wer,  vnnd  das  er  auch  des  romi- 

vnud  tailte  die  vnder  die  Tcutschen  vmb  sehen  voickhs  zunil  in  dem  streit  gelassen 

das  sy  im  in  manigen  hertten  streiten  vud  verlorn  heb  darnmb  wollen  sy  in 

so  hilflichen  peystandt  getan  beten.  abstossen  vnnd  einen  annderii  hanhtman 

haben  vlwr  ier  volckh.  des  gab  Pompeins 
vnnd  der  weise  Chato  den  Römern  rat. 
vnnd  gehuldeteii  im  die  edlen,  aber  den 
anndern  was  es  iaidt.  da  Julius  also 
, was  gcschwecht  von  den  Römern , da 

fuer  er  wider  in  Teutscbe  lanndt,  vnnd 
Iwsonnder  zu  allen  den  herrn  vnnd  slötteu 
die  im  gehuldet  heilen , vnnd  claget 
denen  sein  not  vnnd  die  schmachait  die 
ime  die  Römer  betten  gethan , vnnd 
gelobet  inen  grosz  giiet  das  sy  im  zuhillf 
khümen.  da  fuer  alles  Teutscbe  volckh 
mit  ime  gen  Rum,  vnnd  machet  Igratnan, 
den  hertzogeu  von  Bayrn  vnnd  ab  dem 
Norcaw,  zum  oberisten  haubtman  vber 
Abh.  d.  III.  CI.  d.  1(.  Ak.  d.  Wiss.  XV.  Bd.  I.  Abth.  24 


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iillfs  volckli.  da  die  Römer  raclieii,  das 
Julias  mit  so  grossem  macht  khani,  da 
erschracklien  sy  also  seer  das  Porapius 
viind  der  wei«e  Cbato,  die  wider  Julio 
rat  heten  gehen,  vnnd  die  edlen  flahen 
all  zu  Rom  aus  der  stat.  die  anndern 
za  Rom  warenndl  fueren  gegen  Jnlio 
niH  der  stat  zu  rora  vnnd  fuesz,  vnnd 
empfienngen  in  gar  hcriichen,  vnnd  batten 
in  vmb  gnadt.  also  fuer  Julius  mit  den 
Tentschen  vnnd  mit  seinem  volckh  in 
die  stat  Rom.  vnnil  prach  den  thnren 
(Vgl.  oben  S.  185-J  nulf,  dar  in  der  Römer  schätz  lagen, 

vnnd  gab  seinem  volckh  reichen  soll, 
yetlichen  als  er  in  gelobt  het.  vnnd  sprach 
zu  den  Römern : ir  wollent  mir  vor  nit 
ain  wenig  gwallts  vergnnnen , den  ich 
doch  manigfalltig  verdient  vnnd  erarmet 
han : mm  wil  ich  eurs  vngedannkhs  den 
gwallt  miteinannder  allain  haben,  vnnd 
eiir  aller  herr  vnnd  khönig  gewnltigklich 
sein  diett-eil  ich  leb.  vnnd  bevalch,  das 
Diser  kaiser  pot  auch  den  Tentschen  man  die  Tentschen  fiiran  soll  iritzen, 

die  er,  das  allcrmnnigklich  sy  hinnen  vnnd  nicht  mer  duitzeu. 

furan  sollt  irzzen  vnd  nicht  dutz^n: 
wann  vor  der  zeit  nicmandt  niegeirtzet 
ward.  u.  s.  w. 

Also  was  Julius  der  erst  römisch  caiser. 
das  gi"chach  vor  Cristj  gepnrt  t"  jar. 

Da  nun  Julius  der  caiser  den  gewallt 
zu  Rom  allnin  erworben  vnd  erfoch- 
ten u.  8.  w. 

Im  grossen  Ganzen  hält  sich  unser  Werk  weiterhin  ziemlich  genau  an  den 
Gang  der  Chronik  des  Ulrich  Fütrer.  Dabei  ist  ribrigens  keineswegs  ausgeschlos.sen. 
das.s  bei  einzelnen  Abschnitten  mehr  oder  weniger  eingreifende  Abänderungen  vorge- 
noinmen  worden  sind.  Hier  nur  ein  Paar  Beispiele. 

Zunächst  die  Erzählung  der  Schicksale  von  König  Pipins  Gemahlin  Berchta 
wie  der  Gehört  Karls  des  Gi*ossen  in  der  bekannten  Ueismuhle  im  örmthale. 
Ulrich  Fütrer  beginnt  sie  im  Cod.  germ.  43  S.  12fi  folgeudermassen : 

Es  ist  ain  geroaine  vnd  lautraörige 
history  be.schriben  von  der  vermachlnng 


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187 


des  kani);»  Pippini  von  Franckreich  vnd 
seiner  fraweu  Perchta,  das  wol  in  der 
warhiiit  beatct.  wie  oder  wo  wellicher 
l^estallt  aber  Karolua  warlich  geporen 
sey,  vind  icb  nit  mit  trcffennlicher  oder 
bewürter  erklärumb.  daa  red  icb  dem 
nach.  ettJicb  Niderlenndcr  ballten  vnd 
scbreibeu  in  iren  coronicken,  er  sey 
geporn  zn  dem  grossen  Ingelhaim  auch 
mit  den  hysiorieu  alle  ich  bemach  sagen 
winl.  vmb  des  willenn  hab  er  sein 
mai.st  hof  vnd  geaprech  mit  den  kristen- 
licheu  fürsten  dar  gehal)t.  so  sagen 
ettlicb  vnd  der  maiat  tail,  das  er  geporen 
aey  in  Bayren  bey  einer  ainöd  ainer 

mOl  genannt  die  Kelsmill,  gelegen  zwo  nuten  S.  I88;189.] 

meyl  von  der  stat  Mfincben.  vnd  der 
vrsBch  nach : Pippiiius  aey  in  der  art 
beschlosat  vnd  mit  seinem  hof  ge.se.ssen. 
das  auch  zugibt  der  Fraunzosen  coronica 
vmb  das:  wann  er  mit  den  llewnen 
Hachasen  vnd  Pebaimeii  atrait,  wann  er 
zw  Franckreich  kam  zu  handt  viel  daa 
volck  von  dem  glauben  Criatj,  vnd  rich- 
ten wider  auf  ir  aptgotterey:  vmb  des 
willen  muat  er  lanng  vnd  stüt  auf  seinem 
scblosa  W’eyhenstcfcn  I<ehaw8eu, 

Wie  dos  ist  das  er  vil  gehoft  bat  zw 
Weybenstefen , so  sagt  doch  Pontna 
Gotfridus  de  V iterb , das  er  warlich 
geporen  sey  zu  dem  grossen  Inglhaim 
vnder  Maiiitz  doch  mit  allen  bysturien 
all-s  ir  hören  werdt.  mit  dem  hillt  auch 
bruder  Peter  der  mynderen  hrfider,  alle 
er  schreibt  de  regimine  poutifticis  et 
regia  etc.  e.s  .«agen  auch  all  Xyderlenn- 
der,  was  mit  red  her  inii  gesagt  wirt 
von  Weybenstefen  vnd  Augspurg,  das 
sagen  sy  von  Inglhaim  vnd  Maintz.  so 
hab  ich  doch  nie  gelesen  oder  in  warlmit 
hörn  s:^en,  d;ia  Pippiuus  vmb  die  art 


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188 


yimilert  geliofl  oiKt  vnsst  gestriten 
hab. 

Ob  aber  yemandt  kam  begegnet  cxler 
weaste  ainicherlay  wolbewürler  hystorj 
diser  nach  Tollgennden  inateii,  den  oder 
die  selben  bitl  vud  fle  ich , er  well  es 
viub  nieins  genedigisten  herrn  willeiin 
thun,  vud  es  an  dise  stat  setzen,  doch 
das  sy  nicht  crsamlet  seyen  aus  den 
erdichlcu  oder  fliegenudeii  coronickeu, 
der  ich  auch  vil  vnnd  inanige  gelesen 
hab.  vud  hiemit  setz  ich  mein  vnscbatld, 
wann  ich  dise  uachgeiid  hystory  nie 
klarer  noch  lanltrer  erfunden  hab. 

Ich  hab  euch  iiu  by.^her  gesagt  von 
den  streyten  Pippin j,  auch  wie  er  sein 
wunung  vil  geliebt  hab  auf  seiner  purck 
Weyhenstefen  u.  s.  w. 

Die  ganze  folgende  Schilderung  — im  Iwrührten  Cod.  germ.  4ii  in  nicht 
geringerem  Umfange  als  von  S.  12B  bis  IS,")  — hat  Christof  Freiherr  v.  Aretin  als 
Anhang  in  seiner  zn  Mfincbeu  im  .Tahro  1S03  erschienenen  Schrift  „älteste  Sage 
über  die  Geburt  und  Jugend  Karls  des  Grossen“  S.  105  bis  124  niitgctheilt. 

Erbarm ungslo.s  hat  unser  Werk  dieselbe  gestrichen,  nnd  fertigt  das  tianze  in 
nachstehenden  zwei  Absätzen  ab ; 


.ler  habt  vernomen  von  Pippino  vnnd 
von  seinem  streiten,  mm  ist  in  der  men 
sehen  oren  khumen  mit  gemaiuer  redt  von 
der  vermehlung  Pippino,  wie  in  sein 
hofmaister  solt  betrogen  haben  vnnd  im 
sein  vermelthe  oder  vi'rtrante  khöuigiu 
frawen  Pertha,  deskhönigs  von  Kherlingen 
tochter,  als  er  die  dem  khiinig  zu  lanndt 
het  haim  gefuert , hiet  der  hoffmaister 
die  khünigin  geschaflt  jinermöru.  vnnd 
gluckh  hulfft  ier  dauon.  wie  die  inng 
khönigiu  zu  dein  mBIIer  kham,  vnd 
bey  dem  ettlich  zeit  wonet , vnnd 
wie  sich  Pippinns  ainer  zeit  auch  in 
dem  waldt  bej  Gantting  verjrrt  vnnd 
zn  derselben  muH  kham,  genannt  die 
[Vgl.  oben  S.  187.]  Rcismnll,  zwo  meyll  wegs  von  der  stat 


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1K!» 

Mnnchen”),  wie  er  die  obgedacht  iunckh- 
Iraw  IVrIlia  besehliefiF,  wie  dann  die 
eelb  nacht  sy  schwaiinger  wardt  des 
cuiser  Carl.»,  vnnd  wie  im  die  fraw  sagt 
alle  ding  wie  mit  ier  gchanndlt  wiir, 
Tnml  wie  *y  bej  der  muH  den  khönig 
Carl  gepar,  vnndderenden  erzogen  wardt, 
mit  vil  torachter  uachredt,  der  ding 
khaius  Iwsteen  mag.  man  sagt  dabe;, 
das  der  hofmaister  dem  kli5nig  l’ippino 
betrogenlicb  sein  tochter  hab  vermehelt 
rnnd  ziiegelegt,  fnrgehallten  als  es  fraw 
l’ertlia  sein  solt,  auch  wie  er  mit  den 
. dorlFkbindern  zu  I’äll  erzogen  sey.  sol- 

cher fahel  redt  werden  in  den  gnnckhlen 
ril  von  im  gesagt,  das  doch  der  weisen 
glächter  i.st. 

Warlich  ist  er  geporn  in  Lanngeu- 
dockh,  das  man  auch  nennt  Aquitania, 
in  der  stat  Corhanj,  vud  in  khönigclichen 
hßffen  erzogen  worden,  wol  hat  Pippi- 
uus  vor  der  fraweii  Pertha  bey  ainer 
frawen  die  aus  rittera  khumb  geporen 
was  gchal)t  drey  sun,  die  des  caiaers 
Carls  brueder  waren  der  masz  als  ich 
gesagt  hab.  ainer  hic.sz  Leo,  der  aiii 
babst  zu  Rum  wardt.  die  anndern  zweo 
waren  kfauen  ritter,  die  durch  cristen- 
lichcQ  glauben  gross  streit  gethan  haben, 
genannt  Witeman  vnnd  Rapalt. 

Auch  hinsichtlich  der  Erzählung  von  des  ürafen  Wernher  von  Scheiern  be- 
. kanntem  Sohne  Eckhart  mit  dem  Rnndschnhe  — im  Cod.  gerui.  4.‘i  8.  229  bis  231 
— lassen  sich  Abweichungen  geltend  machen ; 

Eckhart  sein  snn  traih  den  krieg  Nachdem  volüert  sein  sun  Eckhardt 

nach  dem  manlich.  er  n'ard  wider  den  krieg  so  maulicb  das  er  wider  zu 

betedingt  zu  dem  lanndt,  vud  das  er  dem  lanndt  zu  Hayrn  kham. 

sott  mit  küuig  Hainrich  dem  dritten 

99)  Die  Worte  „zwo  meyll  weg«  von  der 
sUt  Müoefaen"  .«ind  ent  an  den  Rand  beige- 
schrieben  worden. 


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190 


varen  x«  dein  heiligen  gnih.  er  röaat 
»ich  vaat  herrlich  zu  der  vart.  er  was 
gar  guter  vnd  frenihder  abeutewr  vnd 

geepräeha,  auch  gar  furtriichtig  mit  an  Vgl.  die  Note  100. 

»chlegeii.  dauoD  sich  menigkhcb  im  liebt. 

er  het  xwen  pantschnch  allzeit  au  mit 

dreyn  roten  rieiulein,  vmh  da»  man  in 

nannt  den  hertzog  Hnnt»chuch.*®^)  wo 


OjO)  Unter  Werk  &1ii*rgeht  an  dieAer  Stelle  die  betrelTeDtle  Erzählung,  widmet  aber  nach  der 
ersten  Zeile  der  8.  *244  de«  Ood.  gernt.  4^1  dem  Grafen  Eckliart  folgende  drei  besondere  Absätze: 

Nun  kbaiiib  ich  wider  an  Eckbardt  von  Sebeyru,  von  dem  ich  karttlich  gesagt  hab.  al>  der 
mit  todt  verganngen  was  vnnd  drey  sun  verliess:  UrnoU,  Ott,  vnnd  Chaenradt.  Ott  blaib  gratT  za 
Schein),  dem  wardt  verin-nrat  fraw  Khatherina  von  N.a«»aw.  die  im  gepar  ain  sqii.  genannt  Eckhardt, 
als  der  zu  jam  khani.  wardt  er  gar  ain  ritterlicher  farst.  brae^ier  Anndre  von  Vicenntz  acbrelbt,  das 
er  gar  ain  knn«tlicber  her  aej  gewest  in  astromonia,  ain  großer  maiaier  in  der  frulichen  musica  auff 
jnstrnmi'nnten,  stareklis  vniul  geradts  leibs,  vnnd  bebennd  in  der  kanst  des  fechtens,  ain  beraemb* 
tcr  storicus. 

Furbos  m>T  Rcbndbt  der  gemidt  bnicder  Anndre,  das  der  zeit  als  man  zalt  von  der  gepardt 
CrUtj  dausent  zwayundneuntzig  jar  das  der  babst  Vrl>anas  der  annder  ain  eoncillio  niacUi  in  Krauekli- 
reich  in  der  stat  Claremont.  dahin  kbamen  vil  cristlicber  farmten  vnnd  herrn,  geistlicher  vnnd  welt- 
lich. vnnder  dem  kham  auch  dar  treniiche  botsebafft  von  dem  caiser  Alesio  von  Connstoodinopel. 
der  begert  bilff  von  dem  l^bst  vnnd  allen  fürsten  wider  die  Haiden  vnnd  Turckbon,  die  alles 
Khriechen  lanndt  anfaebten  mit  vnnienschlicher  darchaebtung,  als  das  gar  lantter  begriffen  wierdt  in 
der  mörfardt  Gotfridls  vnnd  des  grossen  Haugen  von  Franuckhrcich.  da  schworen  der  merer  thail 
aller  furstt-n  mit  der  pesalon  macht  in  aigner  person  ain  herfart  an  die  Haiden,  vnnd  fort  das  beillig 
lanndt  vnnd  grab  Cristj  zugewynniii,  dise  fart  oder  niisz  wardt  so  strenng  vnnd  eronstlicb  furgenomen, 
das  aller  mciiigclich  es  sclictzte  für  ain  sonnders  mirackhel  vnnd  wonder,  vnnd  ain  aigentlich  einplasen 
des  heilligcn  geists  in  der  niooschen  hertz. 

Zu  diüer  raisz  russt  sich  der  vorgemelt  graff  Kckhanlt  von  Scheyrn  — hiezu  ist  mit  blässerer 
Tinte  an  den  Hand  bemerkt,  aber  wieder  auHgestriclien : als  man  zalt  120^  jar  mit  ritter  vnnd 
knechbm  vasst  kostHch,  vnd  th«‘t  vi)  sunder  manlicher  kicIi  mit  den  seinen  wider  die  Saraconen.  er 
war  gar  ain  wunder  kurtzwcilligcr  lierr  in  dem  veldt.  er  trneg  allzeit  an  twen  scliwartz  groez 
pundtschuech,  ye^ler  mit  dreyen  rotten  riemen.  darumb  wardt  or  von  allem  voickh  genannt  bortzog 
Fundtschueeb.  als  aber  alles  hör  durch  vil  grosser  streit  zu  Jherusalein  khaiiien,  vnnd  man  die  stat 
anbei)  mit  «tonn  zu  sechzebon  oniidcn,  was  die  stnt  vasst  woll  bt^etzt  mit  den  Haiden,  die  sy  an* 
luasscu  vasst  wortten,  vnnd  triben  zwen  sturm  ab,  wann  da  was  nicht  an  dann  mnnlicli  gesigen:  an 
der  stat  da  geflacht  kliain  oristlichcr  ritter  an  die  bucht,  sunder  nur  für  sy  zustreiten.  vnd  als  die 
gross  schiacht  so  gar  strenng  on  abbsaen  mit  grossem  geschray  werde  bis  an  den  anndern  morgen, 
da  vberolMjrt  durch  gottes  vorliomignusi  vnnd  hilff  der  obgonannt  graff  F^ckhardt  sciu  aturmUeb  ort 
wider  seine  gegenstroitter;  vnnd  mit  wörücber  handt  kbam  er  mit  seinem  panier  — dar  jn  der 
pundtscbnecli  gemalt  stoondt  — in  die  stat.  da  kbam  er  auch  zu  grossen  nuten  clio  das  man  im 
zubilff  kbam.  als  aber  das  urt  an  der  stat  gewuniicn  wardt.  da  bellen  die  ritter  gottea  au  den 
streit  mit  grosson  scharen,  vnnd  wurden  die  pordten  an  der  stat  gooffnet.  da  wardt  gsrhray,  würgen, 
mordcu,  schlossen  vnd  stechen  an  n)a»8en  gross,  da  wardt  erschlagen  in  der  stat  von  den  cristlichcn 
rittern  man  weih  vimd  khindt.  also  wardt  die  stat  Jhcrusaleni  mit  grossen  nuttou  von  den  cristeo 


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101 


er  nu  zu  nacht  Ing,  do  stackt  man  ainen 
pnntschuch  anf.  du  legt  eich  dann  ril 
mer  voleks  zu  daun  zu  des  kunigs  wonung. 
vnd  vnib  desswillen  hiesz  im  der  kunig 
ain  swartzen  puntschuch  in  ain  weyrz 
panier  machen,  alla  gy  zu  Constnutinopid 
kamen  , Hessen  sy  ire  pfard  dar  fuereu 
Hier  an,  vnd  zngen  zu  fnsz  gen  .lerusn- 
lem.  sy  gewuimeu  auch  die  slat  Jerusa- 
lem vnd  das  heilig  grab  vnder  dem  panyer 
des  pnntschuchs.  allso  bestütt  der  ktiuig 
im  den  piinfachuch  zu  ainem  Wappen 
zu  fuereu  vnib  der  gedachtuusz  willen 
das  das  heilig  grab  daruuder  gewunuen 
ist  worden,  nlls  aber  kunig  Hainrich 
wider  zu  teutseheu  lannden  kämm,  an 
stund  gewuunen  die  haydeu  wider  die 
stat  Jerusalem,  erschlagen  alle  die  kriss- 
ten  die  sich  in  dem  laund  aufgewortfen 
betten,  das  gieng  auch  den  meisten  zu 
durch  den  vngetreweii  kayser  Alexium 
von  Con8tantina|)cl  nach  dem  als  der 
heilig  Vater  pabst  Vrbanus  der  annder 
ain  herfarl  vlier  mer  macht,  do  Wall- 
debinus  Keymnndus  vnd  Gotfridus  etc. 
das  heilig  laund  mit  grosser  not  erstri- 
ten , von  dem  zug  auch  gar  aiu  schöne 
historj  beschribeu  ist. 


I Vgl.  oben.  | 


Vgl.  die  Note  lOU. 


Item  man  list  in  aiuer  cruuicen  der 
Scheirer,  da.s  diser  Kckhart  vlwir  mer 
mit  khönig  Ueiurich  sej  gefaru,  vund 
das  heillig  grab  vnndcr  seinem  panier, 
daran  gemalt  war  ain  pundtschueeh,  ge- 
wunncn  sej  worden : in  dem  warlich 
warlich  va.sst  gejrrt  ist,  wann  der  ge- 
naunt  khönig  nie  vber  mer  khaui.  cs 


erobert  vnd  gewannen,  vniul  aller  rnrat  ans  der  stat  geworlTen.  die  toslen  kbrjier  der  eristeulieben 
rittet  warden  mit  vil  clair  begraben,  diser  (rcuidlt  Kckhardt  kham  wider  mit  hohen  eeren  in  lanndl, 
vnnd  paut  hernach  Grie.vpacb,  vnnd  machte  ila  ain  irrafschafft,  nncbdem  kurtilich  starb  er  selligclieh 
an  erben,  vnnd  ligt  za  bcheyrn  anno  etc. 


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192 


iet  aiu  amider  Eckhardt  fjeweaen , der 
des  Eckhardts  ene  heraach  gewest  ist. 
als  Eckhardt  der  ellter  starb,  zalt  man 
daiisent  seebsanduierzigkh  Jar.  aber  als 
die  nicerfart  khönig  Philippen  von 
Fraiiuckreich  was  mit  VValldewinns  Tar- 
credo  vnnd  hertzog  Gotfrido.  darjnn  der 
hert/üg  Piindtschuech  was,  schrib  man 
dausent  zwayhnndert  vnd  acht  )ar.  von 
der  meer  fart  ich  luer  sagen  wierdt. 


Eine  hrx'hst  bedeutende  Erweiterung  hat  sclann  die  llarstellnng  der  Geschichte 
des  Kaisers  Ludwig  des  Baiers  erfahren,  wovon  bei  anderer  Gelegenheit. 

Unmittelbar  darau  kuüj>ft  sieh  ein  Absatz,  der  ein  anschauliches  Bild  kleinerer 
Abänderungen  im  einzelnen  gewährt: 


Nu  vernembt  wie  es  all  die  weil  mit  den 
aunderen  herren  von  Bnyren  gienng  die 
da  in  Nideren  Bayren  waren,  der  waren 
drej , all.s  ich  euch  vor  gesagt  hab : 
Hainfich  der  ellter  zu  Laiulshut,  vnd 
der  het  des  knnigs  von  Pehaim  tochter; 
Ott  sein  hruder;  vnd  llaiiirich  der  junger, 
die  kriegten  in  diseni  werren  des  kaisers 
auch  miteiminnder  an  alls  abla.ssen,  vnd 
wurden  die  laiidt  ser  mit  raub  vnd 
prannt  verderbt,  do  besaunte  kunig 
Ludwig,  wann  er  noch  nicht  hett  die 
zeit  die  kaiserlich  weich,  sunder  er  was 
alls  sich  der  krieg  mit  dem  hertzog 
Fridrieh  von  Oesterreich  verendet  het : 
nw  besannt  er,  alls  ich  ee  sprach,  die 
drey  hei-ru  vnd  den  kunig  von  Pehaim 
gen  Nilrnberg.  vnd  nach  vil  laniiger 
vnderred  wollt  der  kunig  vber  ain  das 
sy  kurlz  gerichtt  wären , wann  im  die 
jungen  herru  beuolhcn  waren , alls  ir 
vor  vernomen  habt,  auch  wolt  es  der 


Nun  vernembt  wie  es  mit  den  jungen 
drey  berrn  von  Baym  gieng  die  da  in 
Nidern  Bayrn  waren:  Hainrich  den  man 
nent  von  Natternberg,  hertzog*")  Ott, 
vnd  Hainrich  sein  brueder'”*),  als  vor 
dnuon  gesagt  ist.  die  kriegtu  auch  mit- 
einannder  der  zeit  caiser  Ludwigs,  vnnd 
wurden  die  lanndt  seer  mit  raub  vnnd 
pranndt  verderbt,  da  hesanndt  könig 
Ludwig,  wann  er  noch  die  zeit  die 
kayterlichen  weich  nit  het,  sunder  die 
krieg  mit  dem  von  Oe.sterreich  verricht 
het : nun  besambt  er  die  obgemeltn  drey 
jnngn  hertzogen  vnd  den  könig  von 
Behem  gen  Niiernnberg.  vnnd  nach  vil 
lauuger  vnnderredl  wolt  der  könig  Lud- 
wig vl>er  ain  das  die  jungen  drey  herrn 
kurtzumb  gericht  vnd  veraint  '"•)  wer- 
den, dann  sy  jm  — wie  gehert  — 
benolhen  weren.  des  wolt  auch  der  könig 
von  Behem.  also  gieungen  die  drey 
jungen  hertzogen  auf  khönig  Ludwign 


101)  Anstatt  ..hertzog"  stand  anfangs:  vnnd. 

102)  Zuerst  stand : brueder  der  junger. 

10:i)  Die  Worte  „vnd  vereint"  sind  erat  an  den  Itand  beigemerkt. 


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103 


viincl  konig  von  Hehem.  anch  purggraff*>n 
von  Nnrnl>erg:  was  dieselben  richten 
vnnd  machten,  diw  soll  bej  innen  auch 
sein,  vnd  kamen  gen  Hegensjmrg,  vnnd 
die  richtung  wardt  also,  das  hertzog 
Hainrich  dem  elltern  **'*)  an  der  bericht- 
uug  wardt  Laundsbut,  Straubing,  Scher« 
ding,  l'tarrkirchen,  mit  den  herrschafflen 
dammb  ligent.  Otten,  seinem  brnedern  *^®), 
wartlt  Hnrckhaiisen,  Otting,  Trannslain, 
vnd  Hall,  mit  ini  jsuegehorungen  bis 
gen  Sttlzpurg  an  das  gepirg  Hain- 
riehn  dem  jnngii  vom  Natteriiberg  **^*) 
wardt  Dinglfing,  Lanndaw,  Teckheiidorf. 
Vilshouen,  Kham,  Pogen,  Khelbaytii.  vnnd 
dise  riclitnusz  geschacb  an  sandt  Ber- 
tholmey  tag  anno  jar.  vnnd 

anno  13.‘12  jar  da  thetten  bede  hertzog 
Haynnrich  die  lanndt  wider  zusninen. 

Ziemliche  Verändernngen  treten  sodann  noch  l)caonder8  gegen  den  Schluss  ein, 
nachdem  des  Kaisers  Ludwig  Sohne  bi«  aut  Herzog  Stefan,  welcher  von  ihnen  mit 
seiner  Nachkommeuschnft  in  Oberbaiern-IngoHtadt  zuletzt  an  die  Reihe  gelangt,  wie 
die  pfälzischen  Fürsten  abgehandelt  worden. 

Bei  Gelegenheit  der  Krwähnung  des  ersten  aus  Deutschland  ini  Jahre  13'.)ö 
gegen  die  Türken  unternommenen  Zuges  mochte  ein  Anklaiig  an  einen  Liebliugsge- 
danken  Aventins  und  seinen  oft  angedeuteten  Plan  einer  Germania  illnstrata  nicht 
zu  verkennen  sein,  Vnnd  khaiu  — heisst  es  daselbst  — das  volckh  alles  zesam  vniider 
der  Saw  in  der  Bnigerey  vor  ainer  stat  au  der  Thuenaw  gelegen , so  die  Torckhen 
vnnd  Kriechen  Nicapel,  das  ist  Sigenburg,  die  Teutschen  SchuMam  nennen,  die 
Franncosen  wolten  den  Vorzug  haben,  der  Turckh  lag  ob.  khönig  8ignmndt  kham 
khaum  daruon  : burggraff  Friderich  von  Nürnberg  bracht  in  auf  ain  schiff,  wer  sunst 
gefanugen  worden,  fuer  auff  dem  wasser  gen  Constantinopl.  hertzog  Hanns  von 
Burgiindi  wardt  gefanngen.  pfallz.graff  Raeprecht  entrann  dauon,  Hesz  vast  all  sein 


kuuig  von  Pehaipi.  alls<)  giengeu  sy 
auf  den  kunig  Ludwig,  auf  den  kunig 
von  Pehaim , vnd  auf  den  purckgrafen 
von  Nürenberg.  die  richten  sy  allso, 
das  Hainrich  dein  elltern  ward  I*aunds- 
hnt,  Straubing,  Scherding,  Pfarrkirchen, 
mit  den  her^chefReii  darumb  ligend. 
Otten  ward  Porckhausen,  Oeting,  Tmwn- 
stain,  vnd  Hall  etc.  mit  ireii  zngehoren. 
Hain  riehen  dem  jungen  geuiel  zu  seinem 
tail  Dingolting,  lanndaw,  TegkendorfF, 
Villshofen,  Kamm,  Pogen,  vnd  Kelbaim 
etc.  vnd  disew  richtnusz  geschoch  an  s. 
Bartholonieus  tag  anno  taiisent  drcwhnn- 
dert  sibenvndzwaintzigk  jar. 


104)  Die  Worte  „vnd  kamen  gen  Kegenspnrg,  vnnd“  tind  erat  an  den  Band  beigcaelit  worden. 
10*^)  We  ursprüngliche  Fauting  war;  also  das  Hainrich  dem  ellcm  so  man  nent  der  hertzog 
von  Natteiiiberg. 

106)  Die  Worte  „»einem  brnedern“  sind  erst  eiiijpfsdialtet  worden. 

107)  Die  W’^orto  von  ,,bis  gen“  angefangon  sind  erat  an  den  Band  geschrieben. 

108)  ür«prflnglich  hiosa  ea:  dem  jungn.  dea  Ottn  bme<ler. 

109)  Dieser  Satz  ist  erat  nachtragUch  b'-igefügt. 

Abh.d.IH.CI.d.k.Ak.d  Wiaa.XV  IM.  I.Ablh.  25 


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194 


lentli  vnnd  j{uet  himler  im.  kham  mit  gar  wenigen  wider  au  laniidt,  vntid  starb  in 
kurzen  tagen  zu  Amberg:  da  ligt  er  begraben  in  sant  Martin»  kirchen.  Hans  8chnlt- 
perger  tou  München,  der  fürsten  <laaelb«  kamerer,  ist  in  discm  krieg  gefanngeu 
worden,  lanng  in  der  Turckhey  vnnd  Tartarej  vmbzogen.  liat  alle»  beschriben. 
sein  pnech  ist  drnckht.  im  zeiUbuech  vber  gaunz  Tentscblanndt  wil  ich  nach  not- 
turfft  disen  zug  beachreilien.  die  allten  krieger  loben»  nit,  so  man  zunil  voicklis, 
voran»  besonndere  sprach,  zesam  bringt:  will  kliain  rechte  gehorsam  da  sein,  wie 
die  erfarneu  wol  wissen,  vnainigkait  zertrennt  vnnd  verderbt  alle  lanndt,  die  Viin- 
geni  haben  sych  allein  de»  Tnrckhen  redlich  l>ej  hundert  vnd  dreyssig  jarn  heer 
erwörth.  yzo  wie  die  Kriechen  — ans  ir  vnainigkhait  haben  ey  den  Tnrckhen  selb» 
inns  lanndt  gelasseji.  wie  kbann  es  in  annderst  ergeen  dann  gleich  wie  es  den  Kriechen 
geschehen  ist? 

In  ähnlicher  Weise  hietet  auch  im  ferneren  Verlaufe  eine  IteinerkDiig  bei  der 
Erwähnung  der  französischen  Knnstschätze,  welche  Herzog  Ludwig  im  Barte  ans 
Paris  nach  Haiern  brachte,  einen  nogefähren  .Anhaltspunkt  für  die  Zeit  un.»erer 

Hertzog  Ludwig,  hertzog  Steffans  snn, 
khani  junger  gen  Krannckhreich  mit 
seiner  Schwester  an  den  hof.  vnnd  wardt 
von  aller  nieuigclich  lieb  gehabt,  im 
gab  auch  die  Schwester  grosz  guet: 
nemblich  vnnsern  hergot  lautter  gülden 
vnnd  sein  krön  vnd  rockh  mit  (sllgestaiu 
versezt;  auch  die  zwelfpotten  lautter 
silberen,  alle  nians  lenng  vnnd  grosz; 
auch  ain  guldes  creutz  mit  edlstain 
versetzt;  vnnd  eonnderlicb  vnnser  frawen 
pilt,  als  arabi.sch  golt,  des  dauu  das 
wenigst  dran  ist . .»omidern  mit  suuil 
gnetten  edlen  gestuin  versetzt,  das  man 
sagt,  nier  dann  zway  furstenthnnib  werilt 
sein  aolt;  vnd  »-onust  vil  gelt,  das  fuerth 
er  mit  im  aiisz  Krannckhreich  in  Bayrn 
gen  Inngolt.stat:  das  man  den  noch  alle 
antfertag  zaigt  in  vnnser  frawen  kirchen : 
one  allein  vnnser  herrgolt  vnnd  die 
zwelfpotten  sein  von  hertzog  Jörgen 
gen  Biirckhausen  gefuerth  worden  : nach 
hertzog  Jörgen  todt  sein  sy  gen  Lannd.s- 
hnt  pracht  worden , vnnd  gleich  nach 
dein  bayrischen  krieg  hat»  hertzog 


Umarbeitung; 

Ludwig,  bertzojf  fstelTaiis  siiii,  kam 
junger  mit  seiner  swester  au  des  knnig 
von  l'nmckreicb  bof.  vnnd  wanlt  von 
mnin'gklich  lieb  gehabt,  im  gab  auch 
die  swester  gross  gut,  da»  er  alles  gen 
Bairen  »ante,  von  gollt  »Uber  gellt  vnd 
der  geleiclien. 


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195 


lltthainrich  g*!U  Nowbiirg  oberhalb  liiu- 
goltatal  gefuert;  alda  iiii  rauch  gen 
bimbl  gpfaren. 

er  lebt  auch  gar  kositlich.  na  het  der  l)i'«r  genannt  hertzng  Ijiidwig,  er 

knnig  an  «einem  hof  «wo  junckfrawcn,  lebte  gar  köstlich,  nun  het  der  khönig 

die  im  genaigt  waren,  n.  s.  w.  Carl  in  l'rannckhreich  awo  echün  jnnckh- 

fraweii  an  iseinem  hof,  die  inie  Ludwgen 
genaigt  waren,  ii.  ».  w. 

Um  nunmehr  zum  Schhisse  zu  gelangen,  sei  noch  erwähnt,  dass  unser  Werk 
bi»  S.  420  des  Cod.  gerra.  43  reicht,  zum  Tode  des  Herzogs  Albrccht  von  Ober- 
baiern- MB  neben  am  1.  März  14<10  nml  seines  Sohnes  .Johann  im  .Jahre  1463,  wie 
ihrer  Begräbniss  auf  dem  heiligen  Berge  zu  Andechs. 

Anstatt  der  nun  noch  bis  S.  427  und  dann  auf  S.  431  folgenden  Behandlung 
des  Herzogs  Heinrich  von  Niederbaiern  und  seines  .Sohnes  Budwig  de»  Reichen  bilden 


den  .Schluss  unserer  Handschrift  folgende 
Endabschnitten  dortselbst  von  ö.  42.5—427 


Diser  hertzog  Hainrich  liesz  hiuder 
im  den  gros  mächtigen  hertzog  Luilwig 
von  Bayren.  der  wardi  gar  ain  fürst- 
licher herr,  manbaft  »ein»  muts  vnd 
hertzens,  vnd  in  seinen  kriegs  Inüffen 
vasst  sighofft.  der  raargkgraf  Albrccht 
von  Branndenburg  hueb  mit  im  ain 
vrleug  an.  dem  durch  zoch  er  alls  sein 
lanndt,  gewann  im  ettwo  vil  stet  vnd 
slösser  an,  die  er  — alls  sich  der 
krieg  endet  im  alle  mit  willen  wider- 
gab. auch  gewan  der  marckgraf  etliche 
in  dem  krieg  wider,  die  dem  fürsten 
verVntrewt  wurden,  di.sen  krieg  beuilch 
ich  ainem  andern  zubeschreiJien,  der  diser 
ding  ])as  dann  ich  vnterricht  ist. 

Item  alls  der  krieg  der  zwayr  lierrn 
nidergelegt  wardt,  huljen  die  reichstet 
mit  dem  gemelten  hertzog  Ludwig  von 
Bayren  an  zu  kriegen,  de»  ward  auch 
der  obgemelt  markgraf  Albrccht  ir  hauht 
durch  verheugnusz  oder  geschafft  kayscr 


zwei  Absätze,  welche  den  eigentlichen 
ent.s|irecben ; 

Nnn  khum  ich  wider  zu  ruckh  au 
hertzog  Hainrich , als  der  starb  anno 
dumin.j  14.50  jar,  vnnd  ligl  zu  Ballign 
Tall  zu  Lanndshnt.  der  lies  biuder  im 
ain  snn  I,ndwig  den  grosmechtigeu  von 
Bayrii.  der  war  gar  ain  fürstlicher  herr, 
manlialTl  seines  geniuets  vnnd  hertzens, 
vnd  in  seinen  krieg»  lenfieu  vast  sighalft. 
der  luarggralT  Albrecht  von  Brandenburg 
hueb  mit  im  aiu  krieg  an.  dem  durch 
zoch  er  als  sein  laundt,  gewanu  im  vil 
stet  vnnd  sehlösser  an 


vnnd  als  der  krieg  der  zwayer  herrcu 
nider  gelegt  war,  huelien  die  reiclistet 
mit  hertzog  I,udwigen  von  Bayrn  an 
zu  kriegen,  des  wardt  auch  obgemelter 
niarggraff  Albrecht  von  Branndenburg 
ir  haubtman  durch  gescliett't  oder  ver- 
26* 


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196 


Fridrichs  des  dritten  an  dem  nameii. 
do  durch  zoch  der  furat  alles  reich  mit 
gewaltijifcr  hanndt  vnd  nmchtt  an  wider- 
standt,  vnd  tet  doch  den  laiiteu  nicht 
sölicheu  schaden  alle  er  des  wol  macht 
liett  gehabt  znthun;  au  was  sich  im 
widersatzt,  alls  das  groas  darf  zu  Naw, 
verachtt  den  fürsten  vnnd  sein  her  zu- 
mal ser.  sy  waren  auch  allso  in  dein 
dorff  gerichtt,  das  ander  mit  in  ver- 
uiaiuten,  das  es  in  lannger  zeit  nicht 
wol  möglich  wör  zugewinneii,  alls  aber 
diser  edel  furst  für  zoch , gewan  er  cs 
in  dem  stegraif,  eud  prnnnt  es  zugrnnud 
ans.  der  furst  was  auch  bey  allen 
dingen  in  aigner  pcrson. 


henckhnusz  kaiser  Friderichen  des  dritten, 
da  durch  zoch  hertzog  Ludwig  das  reich 
mit  gewaltiger  hanndt  an  widerstanndt, 
vnnd  tbet  doch  den  leutn  nit  solchen 
schaden  als  er  es  wol  macht  het  gehabt 
zuthuu:  an  was  sich  im  widerselzt,  als 
das  grosz  dorflf  zu  Naw,  das  veracht 
den  fürsten  vnnd  sein  hör  zu  mall  seer. 
sy  waren  auch  also  im  dorf  gericbt, 
das  anuder  mit  iueu  vermainten  das  es 
in  lannger  zeit  nicht  woll  miiglicb  were 
zugewinugen.  als  aber  diser  edl  furst 
für  zoch,  gewauiig  er  es  in  dem  steg- 
raiff,  vnnd  prennt  es  in  griiudt  aus.  der 
furat  was  alweg  bej  allen  dingen  in 
aigner  persoii. 

Diser  hertzog  Ludwig  trib  zu  laiuuds- 
hut  alle  Juden  aus  der  stat.  das"")  ge- 
schähe darumb:  dieweil  vmid  genielter 
hertzog  Ludwig  jung  was  mit  anndern 
edlknaljen  warffen  sy  im  scliloaa  zu 
Lanndshnt  von  uiner  staben  zum  fenii- 
ster  den  jierg  mit  staiueu  ab.  nun 
waren  aber  die  Juden  vnden  am  schlos- 
perg  zu  bausz,  vnnd  ainer  im  gartten 
wardt  mit  ainem  stain  hart  beschedigt. 
der  judt  clagt*")  das  herzog  Haiurich, 
des  jungn  hertzog  Lndwign  vattern. 
der  liest  den  hofmai.ster  fragen,  welcher 
edlknab  die  .staiu  gewortfeu  vnd  den 
Juden  beschedigt  het:  solle  der  hofmai.ster 
mit  der  ruettcii  woll  achlahen.  da  wolts 
der  edlknabeii  klmiuer  gethauii  haben, 
da  viel  das  losz  auf  den  Jungen  hertzo- 
gen,  der  es  dann  gethanu  het.  da  strich 
ime  der  liofmaister  aus  beuelch  des  ultn 
furstn das  thet  dem  Jungen  furstn 


110)  Von  hier  an  beginnt  eine  bläsioro  Tinte. 

111)  Znerst  stainl:  beelagt. 

112)  Hier  folgte  noch  anfangs:  ain  guette. 


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197 


KO  Zorn,  <1a-<i  er  sagt,  biiHT  im  got  das 
er  lebt  rnd  in  das  reigimeut  kheinb, 
wolt  er  alle  juden  au»  der  ‘ »tat  vnnd 
laundt  treibo.  des  er  daun  tbett. 


58. 

Reste  eiuer  baierischen  Chronik. 

Sie  bilden  in  dem  in  der  ersten  Abtheilung  8.  .19  — 50  besprochenen  Sammel- 
bande  de.»  geheimen  Hau.sarchives  unter  Lit.  k eine  Lago  von  sechs  Rogen  in  Kolio, 
welche  nur  zum  geringeren  Theile  noch  lesbar  sind,  da  sie  dem  Anscheine  nach 
nicht  allein  durch  Feuchtigkeit  gelitten  haben  sondern  wahrscheinlich  einmal  ganz 
im  Wasser  gelegen  und  daher  in  grauenhafter  Weise  verwaschen  sind. 

Wie  sich  vermuthen  lässt,  lantete  ihre  Uebcrschrift  ähnlich  wie  bei  der 
Num.  59.  Wenigstens  erscheint  bei  guter  Heleucbtung  io  der  obersten  Zeile  etwas 
von  dem  „anezogen  vnd  »tarn  des  fnrstliclien  bansz  zu  Bairn“  und  ist  von  der  Mitte 
der  folgenden  Zeile  an  mit  ziemlicher  Sicherheit  noch  zu  entziffern : durch  nach- 
uolgund  Cronicisten  ze  reprobieren , als  Garibaldum  diser  ge-schichteu  der  wis.senst, 
Vincencium  in  speculo  hystorialle,  Alfonsum,  Martinianum,  Franciscum  Patriareba  etc. 

Ist  im  üebrigen  der  darunter  beginnende  Text  der  ersten  Seite  nicht  mehr 
vollständig  erkennbar,  so  ergibt  sich  doch  in  gewisser  Cebereinstimmung  mit  der 
Lit.  b der  Num.  59  die  .iusw’anderung  des  fUrstlichem  Stamme  entsprossenen 
Havarns  in  der  Zeit  der  Herrschaft  des  Pompeiu.s  zu  Rom,  da  er  nicht  in  der  Dienst- 
barkeit dieses  Reiches  verbleiben  wollte,  seine  in  ähnlicher  Weise  wie  dort  geschil- 
derte Bezwingung  durch  Norix  in  dem  Streite  bei  Snlzbach,  und  wie  dann  dieser 
„im  ein  fürstlich  gescsz  an  das  end  da  disz  [zeit]  Regenspurg  staut“  erliaule. 

Ist  von  dem  unteren  Drittel  dieser  Seite  gar  nichts  mehr  zu  entziffern , so 
beginnt  die  Rückseite  folgendermassen : Theodone,  ain  son  Ingramians,  verbandt 
sich  u.  s.  w.  Am  Schlüsse  dieses  .Absatzes  wird  bemerkt,  das.»  .seine  Gemahlin  eine 
Königstochter  von  Franken  gewesen : dis  zeit  waren  nur  4 kongreich  in  alle  Ger- 
maniam,  als  all  Cronicisten  schreiben : Bairn,  Swaben,  Frangken  vnd  Saxen.  Pertrodi» 
gepar  Tbeodonj  ain  son  Tassilo,  dem  vmb  seiner  manheit  willen  hernach  der  konig 
von  Merchern  sein  tochter  gab.  die  geliar  im  auch  ain  son  Tassilo. 

Der  nächste  Absatz,  beginnt:  Konig  Senebor  von  Capadocia  het  drey  sonne, 
Paryll  n.  s.  w.  Der  Schluss  lautet;  Parill  gewan  bey  seiin  weib  ain  son  Titürison. 
dem  ward  des  konig»  Buiiifaz  von  Arragona  tochter  Eiisabel  zu  weib.  die  gebar  ira 
ain  son  Titnrell.  der  uam  Richanda,  koug  Furmitten  tochter  von  Hispanyen.  die 
gebar  im  auch  ain  son  Furmantcll. 


1 14)  Vorher  stand;  dem. 


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108 


Itera  — heisst  es  ilaim  ini  iiürhsten  Ah^ntze  — die  stat  su  sauet  Veicbt  in 
Keriiiiten.  an  dem  selben  ort  ist  vor  /.eitten  die  stat  Tharsia  Bestanden,  da  thet 
der  iniig  oben  anczeigt  Thassilo  aiu  streit  mit  den  Körnern,  vnd  sigt : dar  vnib  der 
Körner  Adelgero  ansy.  dem  land  Bairn  weichen  müst  anno  er  baut  in  Kernten 

vil  kastei,  sein  weih  was  aiiis  vugerisebeii  l'iirsteii  tochtcr:  gebar  ini  3 son  — Aurel- 
lianns,  Theodo,  vnd  Grimaldns  — viul  aiii  toebter.  ward  aim  marggratren  von 
Pcchem. 

Hiemit  schlies.st  das  erste  Blatt.  Auf  dem  nächsten  wird  sodann  in  besonderem 
•Absätze  fortgefahren:  Anrellianus  ward  nach  seinem  vatter  n.  s.  w.  Der  Hchluss 
dieser  Seite  lautet:  Theodo  starb  anno  131  iar.  gab  seim  son  Lotbary  Bairn,  vnd 
Grimaldeii  gab  er  die  inarcli  zn  0.stereicli. 

Knft  ein  Blick  auf  die  Ordnung  des  (iaiizen  unwillkürlich  den  Gedanken  an 
«ine  theilweise  gedrängte  Fassung  der  Iraierisehen  Chronik  des  Ulrich  Fütrer  wach, 
so  zeigt,  wie  häufig,  beispielsweise  in  dom  Schlussabsatzc  auf  der  Kückseite  des 
sechsten  Blattes  auch  der  Wortlaut  eine  nnffnllenile  üebereinstimmung  mit  derselben, 
aus  welcher  hier  nach  dem  Perganieiitcodex  germ.  43  der  Hof-  und  .Staatsbibliothek 
Fol.  23Ä233  die  betreffende  Stelle  in  der  zweiten  Spalte  mitgethcilt  sein  soll: 

Ich  find  ain  history  in  Zesarin.  der  Ich  hab  ain  hystory  fundeii  in  Zesario. 

schreibt:  graft'  Berchtold  von  Wittel.s-  der  .sehrcibt  von  ainem  grauen  genant 
pach  was  gar  ain  gerechter  richter.  dem  l’erchtolldus  von  Witelspaeh:  der  selb 

trampt  ainsmals,  wie  ainer  sprach:  dw  Herr  was  gar  ain  guter  richter,  vnd  het 

riebst  nit  geleich  deinem  volgk.  er  ant-  das  recht  vasst  lieb,  er  straft  das  vnrccht 

wurtt,  das  kftnd  er  nit  verstell,  .sprach  hoch,  disem  grafen  trawmbt  ainer  nacht, 

diaser  zu  im:  morgens  so  du  aiiffstast,  wie  ainer  zu  ini  küm,  sprach:  wie  nu? 

so  gang  vnder  das  thor : vnd  welcher  dir  du  richtestt  nit  geleich  dem  volck.  in 

am  ersten  vff  der  brugk  kumpt,  der  ist  daftcht,  das  er  oiitwurt,  er  kundt  der 

gro«  wirdig  des  toils.  der  gralf  tet  es  mayuiimb  nicht  wissen  noch  vernemeu. 

des  morgens,  so  kumpt  sein  hoffmai-ster,  jener  gab  im  antwurt.  sprach:  morgen 

den  er  zumal  lieh  het.  sprach  der  gralf:  so  du  uiifgestiinden  pist,  so  gang  vnder 

nu  beicht  dein  sünd,  wan  dn  bist  ain  das  tor;  vnd  wellicher  meiisch  dir  zn 

sun  des  tods.  das  ist  da-s  gericht  gotes  dem  ersten  anf  der  prugken  knmbt,  der 

u.  s.  w.  ist  gros  wirdig  des  tods.  alls  der  tag 

zn  morgen  kam,  der  graf  nam  etiliefa 
zn  im,  vnnd  gieng  anf  die  prugk.  so 
kninbt  im  der  liufmaister,  den  er  gar 
zumal  lieb  hetf.  an  stund  s|)rach  der 
graf:  nu  betracht  deiner  sei  säligkeit, 
vnd  peicht  dein  siindt,  wann  du  pist  ain 
sun  des  tods.  das  ist  das  gerichtt  gotte.s. 

• vnd  es  was  doch  nicht  des  grafen  raay- 

nuiig  in  seinem  ernstlichen  u.  s,  w. 


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1!»9 


Vielleicht  liegt  der  Gedanke  nicht  zu  ferne,  da*s  man  es  bei  dieser  Arbeit 
mit  einem  Angzuge  aus  der  berührten  Chronik  für  Zwecke  Aventins  zu  thun  hat. 


:,9. 

Des  , Johann  Tnrmair 
Anfänge  einer  baierischcn  Chronik. 

Sie  bilden  in  dem  oben  XIV  Abth.  3 S.  39 — 30  l>ehandelten  Samraelbande 
des  geheimen  Hnnsarchives  die  dort  unter  Lit.  1 aufgeföhrte  Lage  von  .l  Bogen, 
deren  letzte  3 Blätter  leer  sind,  während  auch  das  vorhergehende  nur  mehr  auf  der 
Vorderseite  beschrieben  i.st. 


a) 

Die  Debenschrifl  lautet:  Hernach  volgt  das  anezogen  vnd  der  edl  stara  des 
forstlichen  haus  BevTn  vor  Christi  gebürt  an  durch  nachnolgund  crouicisten  genant 
zu  reprobieren,  al.s  Garibaldo  diser  geschichten  der  wisseust,  Viucencium  in  spegkulo 
historialle,  Alfonsum,  Martiniannm,  Franczciscum  l’attriarcha  etc. 

Gewissennassen  als  Einleitung  wird  dann  bemerkt : Die  alten  geschieht  be- 

schreiber  von  tenczschen  lannden  geschriben  dem  nach  das  die  Teuczschen  etwan 
vnwesseulich  vnnd  in  groben  barbarischen  Sitten  gelept  haben,  schnöder  klcider  vnd 
sich  kriegischer  Sachen  vnnd  henndel  gebraucht,  als  sie  aber  durch  anniemung  des 
kristlicheu  glaubenus  haben  sie  solche  barbarische  gropheit  bingelegt  u.  >s.  ».  Ins- 
besondere bezüglich  Baienis  heisst  es:  Wir  finden  auch,  das  die  fiirsten  von  Bejru 
durch  ir  selbs  macht  zum  merern  mall  den  Bomerii,  Fraiiczossen  oder  gallischen, 
Viigern  vnd  andern  irn  anstoasenden  lannden  grossen  widerstannd  gethou,  sic  znm 
glauben  Cristy  bekert , vnd  vil  reich  mit  sampt  der  selben  fiirstenthom  cingenomen, 
mit  königlichen  vnd  andern  tittcln  bewonndt  vnd  geregiert  etc.  vnd  nemlicb  wider 
die  vnglaübigen  mauigeu  ritterlichen  streitt  volnbracht  vnd  gro.sseii  syg  erlangt 
haben. 

Der  nächste  .Absclinitt  behandelt  kurz  die  Lage  von  Baiern  orler  — wie  es 
vor  Zeiten  bie.ss  — dem  „Norigkaw,  als  dan  noch  die  gegent  zwischen  Regenspurg 
vnd  Nüremberg  geneiit“  wird,  und  erwähnt,  es  sei  „mitt  grossen  trelfenlicLeu  hc- 
ruempten  stetten  vnd  mergkteu  geziert,  also  da-s  im  gannezeu  Europa  nit  vil  trefflicher 
gegeilt  zierlicher  erscheinen  es  sind  auch  in  dissem  lannd  fünft' bisehofflicher 
stett  vnd  histum,  die  namlialft  sind,  als  t^ulczburg,  vorczeitten  Jnuania  oder  Hellfen- 
bnrg  in  tenczsch  geheissen,  Regenspurg,  Pas.^aw,  Frcy.ssing  vnd  Eystett.  auch  ellich 
gar  treffeulich  fürstenstett,  als  München,  I,anndshut.  Ingoldstat,  Straubing,  Landspurg, 


U4J  Oireer  Satz  hat  in  der  lateinisch  abgefassten  baieriachen  rbronik  im  Cod.  bav.  916  oder 
lat.  1216  der  Ilof-_Dnd  Staatebibliothek  Fol.  :J1 — 111  Jeinanilem  solchen  Ingrimm  verursacht,  dass 
er  sich  am  Kande  xu  dem  Wuthausbrucite  veranlasst  gefonden:  NB.  du  verlogner  baubajr! 


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200 


Wnsserbiirj; , Biirgkhansseu , Braiimiiiw,  Otting,  Müldorf!,  Newburg,  vnnd  ander  vil 
mcr,  wol  erpawt  vnd  mit  vil  habhafftigen  bnrgern  beseczt  u.  a.  w. 

Dann  tiegiunt  die  Oeacliiclitserziililnng:  Nach  erpanwnng  der  stat  Korn  fiOS  jar 
viid  vor  der  gepnrt  Christi  S4  jar,  als  der  meclitig  Pompyus  zu  Rom  lebt  vnd  den 
Römern  vil  lanud  gewonnen  vnd  vndertänig  gemacht  hette,  vnd  gewann  das  selb 
reich  mit  vil  pl5t  vergieasen , dann  im  grosser  widerstand  gescha.  zn  letst  pracht 
er  den  Römern  Armenia  vnd  ander  vil  vnddigende  lannd  in  irn  gewalt.  also  schreibt 
auch  l’anllna  Orosins  libro  sesto,  das  Mittnidalna,  der  konig  Ponnty  vnd  Armcnye, 
bestritt  den  konig  Nicomeden  vnd  vertraib  in  ausz  Rithinia  u.  s.  w. 

Nach  einer  Einschaltnng  „Olliinpias  ist  ein  zail  nach  der  zeit  vier  jar  lanng, 
da  die  lattinischen  vnd  kriechischen  vor  zeitten  ir  z*ll  oder  historien  bescbriben 
halfen“  wird  nnn  „von  dem  konig  reich  vnd  den  lannden  Armenia"  gehandelt, 
woselbst  auch  die  Arche  Noe’s  nach  der  Sintfluth  bei  der  Abnahme  des  Wassers 
stehen  blieb,  und  darunter:  Bauarins  ist  gewessen  ein  ellieher  sonne  des  konigs 
Snnpallo  von  Armenia  vnd  Kaldeornm.  ansz  barbarischem  oder  heidnischen  glauben, 
ein  anpetter  der  abgötter.  sein  mutter  was  geheissen  Sullaiidra,  des  konigs  von 
Egypten  tochter.  sein  gemachcl  was  seins  namens  vnd  gesohlechczs  ansz  Armenia 
geporen,  die  im  gebar  zwenu  sonne,  Boymundnin  vnd  Ingramyan:  diesellfen  gesessen 
sind  zu  Regenspurg,  von  den  nachmals  gesagt  wirtt. 

Rs  folgt  dann  unter  Verweisung  auf  den  oben  Ijerührten  Chronisten  Garibald 
der  gewaltige  Streit  zwischen  Bavarius  und  dem  vornehmen  Römer  Norix  bei  Sulz- 
bach und  die  Besetzung  des  Landes  durch  denselben.  Er  het  sein  wonnng  vmb 
Regenspurg  vnd  vff  dem  Norigkaw.  er  hielt  sich  vast  fürstlich,  atfer  er  het  sechs 
krieg  mit  Banario,  dar  durch  die  lannd  vast  beschwert  vnd  verliert  wurden,  wann 
ir  keiner  dem  andern  nicheza  vher  sechen  wolt.  des  vnderstunden  sich  ir  baider 
lanndscbafft,  vnd  gaben  baiden  fürsten  zu  erkennen  ir  gros  verderben  vnd  des  lannds 
abniemen ; sagten  in  ernstlich  zu,  das  sie  in  sollichs  kriegs  vnd  verderbung  der  lannd 
nit  mer  gesUitten  woltten , snnder  sie  baid  frcuntlich  vereinigen  vnd  vertragen: 
welcher  aber  solchem  vertrag  nit  volgeti  oder  den  anniemen  wölt,  dem  selben  wollen 
sie  alles  widerstand  thun  von  baiden  landen,  vff  sollichs  wurden  baid  fürsten 
vereinigt  also,  das  sie  Iraid  ein  schilt  vnd  wappen  soltten  fueren  vnd  einen  tittel 
haben  als  bestatt  herezogen  in  Beyrn  vnd  vff  dem  Norgkaw.  cs  ward  auch  beschlossen, 
das  einer  den  andern  solt  erben  wie  dan  leiplich  brueder  tfa&nd.  das  geschach.  vnd 
nit  lanng  darnach  starb  Norix  on  leiplich  erben,  da  behielt  Bauario  das  gancz 
lannd , vnd  n^iert  vast  woll.  er  bezwang  auch  etliche  lannd  an  sein  lannd  stosend, 
als  Ostenfrangken , Ostereich  vnd  Mercbern.  als  aber  Banario  mit  tod  ahgieng,  da 
behiellteu  seine  son  das  lannd.  Boyniundus  besa.sz  Beyrn,  Ingramyen  der  be.sasz  das 
Norigkaw,  die  nachmalls  vil  kriegs  betten  vnd  volbrachten  wider  vnd  mit  Jullyo 
dem  ersten  keysser. 

Dieser  nnd  Angnstns  gelangen  jetzt  zur  Erwähnung  bis  znr  Geburt  Christi, 
auf  der  ersten  Beite  des  vierten  Blattes,  woselbst  der  Schluss  lautet:  Als  .Tiiltius 


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201 


enichlagpii  ward,  kam  an  das  ksysserthom  Octanianus  angostus,  das  ist  ein  iiierer 
des  reicha  oder  des  gemein  iiäca,  als  noch  die  römischen  keysser  den  tittel  achriben. 
er  was  ein  sweaterson  Jully.  der  hat  groar.  kriegs  vbung  gliigkaiilligklicb  volnbracht, 
vnd  geniainen  frid  gemacht  in  allen  launden.  dar  rmh  wolt  zu  den  selben  fridlichen 
zeitteil  viifiser  her  Jhesus  Cristiis  geboren  werden,  das  geschach  im  42  jar  des 
keissertlioms  Augusty,  vnd  iin  dritten  jar  der  193  olimpiadischen  zall,  von  erpauwung 
der  atat  Uoin  759  jar,  vnd  von  anf'ang  Banario  des  ersten  besiczers  Heyrlanda 
im  84  jar. 

b. 

Mit  dem  folgenden  Blatte  winl  von  der  gleichen  Hand  begonnen : Nach  er- 
pauwung  der  stat  Rom  69.3  jar,  das  ist  vor  der  gebürt  Cristy  84  jar,  in  regierang 
Pompius  des  Römers,  waa  in  Armenia  eins  konigs  son  da  selb«  mit  nameii  Banario 
oder  Bauare.  etlich  nach  groliem  tenczsch  hallen  in  Bair  genant,  vermnint  nit  in 
dienstperkeit  der  Homer  sonnder  in  freyein  fUrstlicheu  stand  zu  lielilien,  vnd  zoch 
wol  mit  12000  atritgenosseu  vnd  weggefertten  on  weib  vnd  kind  in  ein  gegent 
Histria  genautt,  das  ganncz  mosaig  waldig  vnd  vol  der  Wasser  flnsz  was.  nun  liesz 
er  »ich  an.«z  eygner  vestikeit  des  lannds  da  nider,  vnd  ward  nach  seinem  namen 
Bayrn  genant. 

Disse  gegentt  hett  j^egeii  vffgaung  Nider-Bonnonya  zu  nasten  nachbarschafil. 
Thierol  vnd  Schwaben  gegen  mitag,  Fraugken  vnd  Schwaben  gegen  nidergang,  vnd 
Pechera  gegen  mittcrnacht. 

Nun  hat  die  selbe  gegentt  ztl  der  selben  zeit  ob  40  tenczscher  meil  in  aller 
vienmg  begryifeu.  in  solcher  reuier  lies  er  sein  volgk  das  er  mit  im  bracht  vnd 
vor  im  lannd  fannd  alles  nach  Ordnung  vnd  zu  nucz  huweii  die  selbe  wiltuu-s , gab 
in  auch  allen  gatte  reganient  vnd  statutten,  dar  vnib  vil  volgk  vnder  in  zoch  vnd 
sein  lannd  in  kurczer  zeit  gebessertt  ward. 

Als  er  sich  aber  mit  ruew  da  nider  gelassen  bet,  so  was  ein  her  gar  von 
hochem  ge.schlecbt  durch  allten  ha.ss  von  Troya  her  des  geschlechczs  Philletus , der 
ein  vrsach  was  der  vertribung  Herculles,  vnd  was  ein  brndersou  des  stargken  Herg- 
kulles , von  dem  Troye  erstmalsz  erstört  ward,  des  sellien  Herculles  gcsehlecht  was 
dieser  Noriz.  der  zoch  mit  grosser  hilff  der  Römer  vfl'  disseu  Buuarinm,  vnd  tett 
mit  im  ein  vermessen  streitt  in  der  gegent  da  dis  z.eit  Sulczbach  stat,  den  gewan 
er.  dar  vmb  pautt  er  im  ein  fürstlich  gesäss  an  das  end  da  dis  zeit  Regeuspurg 
staut  disser  Banario  was  iung  stargk  vnd  eins  grosmütigen  herczen , dar  vmb  das 
volgk  gern  vnder  im  was. 

Etlich  nennen  das  land  Baioricam  ausz  gropheit  des  groben  vngeczemplcn 
armischen  volgks.  aber  die  stat  da  dis  zeit  Regeuspurg  leit  nampt  er  nach  im 
Norienm,  wie  wol  vil  wollen  das  ea  Nürnberg  sey,  dem  ich  auch  glauben  gib  ausz 
etlichen  vrsachen. 

Abh.  d.  111.  CI.  d.  k.  Ak.d.  Wi*s.  XV.  Bd.  1.  Abth.  26 


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•202 


Mit  der  näclisten  Seite  beginnt  ein  Abschnitt  von  Julius  Cäsar,  dem  zwei  von 
Octaviau  und  T iberius  folgen , der  alle  deutschen  Lande  eroberte  nnd  viele  Städte 
und  Schlösser  Imnte:  sonderlich  die  Stadt  Tibnrtina,  nach  im  also  genannt,  dis  seit 
llegenspurg  geheissen. 

Dann  folgen  nachstehende  zwei  kürzere  Absätze: 

Als  Jullyo  die  laniid  heczwang,  da  aaczt  er  vier  tributmeiater  gen  Bevrn.  der 
was  Uoymuudus  einer,  vnd  (ieroldns  ein  Römer,  vnd  als  lanug  die  tribantmeister 
in  Beym  waren,  .«o  m&sten  die  rechten  forsten  de«  lanuds  vnd  regamencz  euperen : 
vnd  ward  iin  fuufften  nltter  der  weit  das  lannd  lleyrn  ganncz  bezwungen  von 
Tiberinni,  der  da.«  selb  land  Noricam,  non  Bairn,  nach  seinem  naiuen  Thibitrinum 
geheissen. 

Es  hat  auch  .Cdelgerns,  ein  herezog  der  Schwaben,  den  keisser  in  dem  Br|i]xinen 
veld  dar  nider  gelegt,  doch  ward  Beym  den  keissern  Constino  vnd  Jnlliano  vnder- 
tänig,  das  sie  ilar  ein  verwea.ser  saczteii.  vnd  als  die  leit  zu  Beyrn  von  mancherley 
geschlecht  gepeinigt  wurden , fluchen  sie  in  das  eilend  Neapolliu.  da  lagen  sie 
verporgeii. 

Dieser  Absatz  reicht  bis  in  die  fünfte  Zeile  der  vierten  Seite,  welche  daim 
leer  ist.  .Auf  der  nächsten  kehrt  der  Verfasä«*r  wieder  zu  Tiberius  zurück,  der 
seinerzeit  den  baierischeii  Fürsten  Theodo  vertrieljeu,  und  erwähnt  noch  die  Itegier- 
ung  des  Gayus  Gallicula  von  d .lahreii  und  3 Monaten.  In  der  zeitt  — heisst  e.s 
da  zum  Schlüsse  — enthielt  sich  Theodu  bey  den  Ost^ogotten,  yecz  Vngern.  er 
het  zu  gemachel  des  konigs  tochter  aus«  Frangkeu.  dan  zu  den  zeitten  hielt  man 
I konigreich  in  gancz  Germania : das  waren  Beyrn,  Swnben,  Frangken,  vnd  Sach.sseu. 
die  selb  sein  gemachl  fraw  Pertraudtis  gebar  l)ey  im  drey  sonne.  Banario  starb 
inng,  Vdillio  regiert  nach  seim  vatter,  vnd  Thassillo  der  erst  — als  der  zu  scyn 
iaren  kam  — ward  uianlich,  dar  vmb  im  der  konig  aus  Merchern  sein  tochter  ver- 
mechelt  von  seiner  ritterlichen  tadt  wegen. 

-Anno  108  iar  zoch  Theodo , ein  fnrst  der  Norigkawer  vnd  Beyrn , mit  seinem 
voigk  wider  gen  Be[y]rn  in  sein  eygen  lannd,  vnd  dar  nach  im  30  iar  gestorben. 

(iO. 

Des  Johann  T u r ra  a i r 

(ieschichte  der  Pfalzgrafen  von  Trier  und  bei  Rhein. 

■Sie  bildet  in  dem  in  der  ersten  .Abtheilung  S.  39 — .öO  behandelten  Sammcl- 
bande  des  geheinieii  Hausarchive«  nach  der  daselbst  unter  Lit.  i S.  46  berührten 
Geschichte  der  Kurfürsten  von  Brandenburg,  worunter  uatOrlich  auch  die  aus  dem 
Hause  Wittclsbach,  Kaiser  Ludwigs  des  Baiers  J^öhne,  Ludwig  der  Brandenburger, 
Ludwig  der  Römer,  und  t.ttto  bis  zum  Verkaufe  der  Mark  im  Jahre  1373  ihre  Stelle 
gefunden  haben,  den  Schlus.s  jener  Lagen. 

Ihre  l’eberschrifl  lautet:  Dis  her  nach  sind  alle  pfalczgrauen  von  Trier  vnnd 
bey  Rhein,  vud  ist  mit  dem  kurczsleu  begriffen  der  vrsprnng  vnd  ir  herkomen  von 


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203 


eim  anff  den  andern  bis  sie  cnrfursteii  worden  sind,  wer  die  all  vnnd  ein  veder 
gewessen  ist  der  die  cur  besessen  hat,  stat  als  klerlich  her  nach. 

Die  Darstellung  beginnt  in  „den  zeitten  als  im  bübstlichen  stüll  zu  Koni  sa.sz 
VigilliuB,  vnd  das  romsch  reich  regiertte  der  keysser  .lustinianus“  mit  der  Herrschaft 
des  Königs  Lucius  und  seines  Kniders  Claudius  in  Frankreich,  den  KauhzUgen  der 
wilden  Normannen  und  ihrer  Genossen  den  Khcin  auf  und  ab  bis  nach  Hritannien, 
und  dem  grossartigeu  Siege  des  Herzogs  Odilo  auf  dem  Nordgane,  des  Sohnes  des 
Herzogs  Garibald  und  Bruders  des  Herzogs  Theoiln  von  Baiern  und  (»lerpannonien 
oder  Oesterreich,  eben  (Hier  die  Normanneu,  worüber  König  Lucius  solches  Gefallen 
hatte,  dass  er  nach  ihm  „schigkt,  vnnd  enpfienng  den  als  sein  freuntlichen  lieben 
brüder  vnd  Schein,  verwandelt  im  sein  schilt,  der  vor  mit  wegken  weis  vnd  schwarcz 
was,  das  er  den  furo  hin  solt  weis  vnd  rot  fuern  zn  einem  Zeichen  vnd  erkentnus 
das  er  sein  schilt  offt  mit  der  feind  blöt  besprenng  thab,  vnd  als  ein  griiner  lewb 
wider  seine  feind  gestritten,  vnd  die  mit  manlicher  haund  erobert,  dar  vmb  er  fnro 
hin  noch  ein  schilt  furn  soll,  des  feld  von  adamanten  sein  sol,  dar  in  ein  steygenden 
lewen  mit  offem  maul , rotter  ansgestregkter  znugen  vnd  feisehigen  clawen , als  ein 
leb  der  sein  feind  eroliert  hat.  er  soll  auch  vff  seim  haupt  von  robin  ein  krön  furn 
da  mit  er  vor  andern  scheine.  *n  solchem  schilt  begurt  ich  in  mit  der  gorttel 
ritterlicher  ern,  vnd  schenogk  im  in  sein  ritterschaft  die  pfalcz  des  grossen  hansz 
zu  Trier  dar  au  wil  ich  den  lewen  mit  den  feisehigen  znugen  vnd  wallen  für  ein 
erpwappen  hengken,  wann  er  es  ritterlich  vor  den  feinden  hat  erlöst  vnnd  lieschirnipt, 
das  er  es  furo  billich  für  sein  erb  sol  haben  nid  besiczen  mit  all  sein  erben  vnnd 
nacbkonien,  vnd  nit  allein  das  grosz  hausz,  sunder  alle  ziigehorung  mit  wie  es  bisher 
vusser  verwesser  von  vnsseni  wegen  besessen  vnd  in  gehabt  hat,  nins  auch  sollichs 
verreebennt  etc.  da  mit  er  sich  aber  so  vil  bas  zu  vnns  befreunde,  so  wollen  wir 
im  vnssers  brudern  Clodius  tochter,  ,\dolphina  genant,  zu  der  ee  geben,  mit  der 
er  das  groscz  haus  der  Pfalcz  soll  besyezen  vnd  regiern  als  ander  seine  erblannd  etc. 
also  ward  der  heiratt  beschlossen  vniid  alle  sach  vollenudt  nach  des  konig  Lucius 
vnnd  Ottillo  gefallen  etc.  damit  hat  Ottillo  das  grosz  hans  der  Pfalcz  zn  Trierre 
ritterlich  mit  dem  sebwert  erobert  vnd  behaltten,  dar  vnib  er  sich  fnro  schreib  eiu 
furst  des  gro.sseii  hans,  herezoge  vff  dem  Norigkaw  viiud  iu  Beyni,  wann  im  als 
dem  längsten  das  Norgkaw  zu  geteilt  ward,  mit  solchem  syg  ist  Ottillo  der  erst 
fnrst  des  grossen  haus  zu  Trier  gewest  «eins  geschlechcz.“ 

Von  seinen  beiden  Söhnen  wurde  der  jüngere,  .\rnold,  nach  „aligang  seiner 
vettern  Theodo  vnd  Theodonny  seins  soiins,  die  beid  oiine  meulich  leibserbeii  ahgien- 
gen,  vnd  den  grund  zum  stiffl  Sulczburg  gaben,  auch  herezoge  in  Beyru,  von  dem 
der  leUt  Tliassillo  hic  ist,“  während  Haugwert  „nach  seinem  vatter  fnrst  des  grossen 
haus  zu  Trierre  vnd  herezog  vff  dem  Norigkaw“  geworden. 

Seine  Nachkommenschaft  und  die  Geschichte  des  grossen  bauses  der  Plalz  zn 
Trier  wird  jetzt  theilweise  ansserordeiitlich  romantisch  und  mehr  oder  minder  mit 
Horeinziehnng  der  Ereignisse  in  Baiern  behandelt  bis  zu  dem  am  Anfänge  der 

2fi* 


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204 


berührte»  Lit.  i besprochenen  Anfkoinnicn  der  deutschen  KurTdrsteu  in  der  Zeit  des 
Pfalzgrafen  i^eifrifd  bei  lihein,  des  letzten  Sprossen  de«  Pfalzgrnfen  Otto,  der  auch 
die  Burg  zu  Wittelsbach  erbauen  muss.  So  nain  im  — heisst  es  da  — keisser 
Otto  der  dritt  für,  nach  dem  er  kein  menlicheu  leibscrbeu  hctte,  das  er  dem  reich 
zu  gutt  in  seim  leben  ein  frid  schaffen  woltte.  vnd  nam  fnr  sich  mitt  wissen  bubst 
Johannes  des  19,  das  er  wölt  vff  seczeu  erwöller  des  heilligen  romschen  reiche,  die 
furo  hin  ein  romschen  konig  rnd  kunffligen  keisser  zu  erwölln  betten  onne  ineiiigk- 
lichs  einred.  das  gab  der  benielt  babst  Johannes  zu , vnd  Iresfetigt  es  etc.  wie 
vor*“J  da  von  geseczt  ist,  worden  drey  geistlich  vnd  drey  weltlich  dar  zu  gegeben 
von  allen  steuuden  des  reiche,  vnd  nachmals  von  babst  vnd  keysser  bewilligt  vnnd 
bestett,  vnder  welchen  disser  i^yfryd  der  sechsscr  einer  was , vnd  der  mittler  vnder 
den  dreyen  weltlichen  etc.  also  ward  disser  edl  fiirst  vor  seim  eud  zu  einem  löblichen 
cnrfursten  erwelt  vnd  hestctt.  im  ward  anch  sein  tyttel  also  geseczt,  da.s  er  sich 
furo  schreiben  soltt:  von  gotte.«  genaden  wier  Seyfrid,  pfalczgraue  bey  Khein,  des 
heilligen  rom.schen  Reichs  ercztruch-sfisse  vnnd  cnrfurst  etc.  aber  er  was  so  allt, 
da-«  er  kein  wall  erleblte,  vnd  starb  im  iar  Cristi  anno  lOO.J  iare. 

Aus  der  noch  folgenden  weiteren  t^childerung  sei  hier  nur  mehr  bemerkt,  dass 
sich  bei  dem  ersten  baierischen  Herzoge  Otto  aus  dem  Geschlechte  der  Wittela- 
bacher, der  auch  als  Pfalzgraf  bei  Uliein  angenommen  ist,  Iheilweis«  wörtliche 
Uebercinstimmung  mit  der  unter  Nnm.  .')4  aufgezälilten  Chronik  findet.  Disser  Otto 
— lesen  wir  da  — was  geiiaut  der  rott  pfalczgraue  Otto,  dar  vmb  das  er  rott 
har  vnd  ein  rotten  bardt  liett.  er  was  ein  man  de«  Icibs  vnd  gemücz«,  ein  vorgeer 
der  stcrgk,  blueweiid  in  vil  ern  vnd  reichthümen,  der  aller  erfarnost  in  den  wappen 
gekleit,  mit  der  wei.«heitt  stargk,  in  dem  radt  milt,  mit  sein  ganbcii  geiczig,  des 
lobsz  geeohigkt,  in  der  frumkeit  trew,  vud  aller  lugend  voll,  vnd  vil  armen  seine 
tngentlichc  wergk  erczögt.  er  hat  getragen  die  burd  in  seinen  geschellten,  mit 
welchem  er  seim  furstenlhüm  alzeit  der  getrewst  kempifer  vud  vorstreitter  gewest 
ist  vnd  seine  laml  die  weil  er  lebt  mit  der  höchsten  weyslieit  vnd  dem  besten  frid 
geregiert,  ein  rechter  vatb*r  sein.«  vatterlaimds.  vud  als  er  in  Schwaben  bey  dem 
key.sser  was,  ward  er  krangk , vud  .starb  am  .ö  lag  inlly  anno  11S4  iar,  vnd  ward 
gen  Scheirn  gefiiert,  da  er  Izegralien  lygl  bey  seinen  vorelttem. 

Mit  seinem  Sohne  Ludwig  und  dessen  (Teniahlin  Ludmilla , deren  bekannte 
Vetehlicbnng  ausführlich  erzählt  ist,  bricht  die  Arbeit  ab : vnd  geredt  ir  die  ee  vor 
den  gemailten  rittern.  so  bald  das  gescliach,  wünst  sie  im  vnnd  ir  vil  glügks  zu 
dem  ellicben  stannd.  mit  disseu  wortteu  tratten  lebendiger  ritter  vier  hinder  dem 
beth  vnd  dem  gemailten  fiirhang  herfor,  vud  wUnstcu  dem  fürsten  vnd  der  furstin 
vil  glügks  zu  irem  ellichen  stanude,  vud  sagten  das  sie  in  baiden  kuutschafit  geben 
wöltten  sollichcr  ellicher  abred  etc.  mit  dissen  wortten  gienngen  sie  ausz  der  kamern. 


115)  Vgl.  ».  «.  0.  XIV.  Abth.  3 S.  46. 


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205 


vud  lieasen  die  zway  bey  ein  ander  ira  willeuns  vnd  gefalns  zu  leben  etc.  also 
vberkam  berezog  Ludwig  sein  gemach),  die  gebar  bey  im  zwen  sonne,  Ludwigen 
vund  Otten. 


61. 

De.s  Johann  Turmair 

Itegister  aller  pfalczgrauenn  bey  Kein  vniid  herezogen  in  Beim,  auch  was  vonn 
andernn  geschlechten  aus-/,  jn  erwachsenn  sind. 

Da  ich  dieses  baieriscb-plälzische  genealogische  Gesehichtawerk  un.seres  Aventin 
ans  den  Schlussjah'ren  des  ersten  Viertels  des  16.  Jahrhunderts,  seine  erste  grössere 
Arbeit  in  deutscher  Sprache,  und  das  erste  Ijaicrische  Stammenbneh , den  würdigen 
um  mehr  als  ein  halbes  Jahrhundert  älteren  Vorläufer  von  dem  des  bekannten 
Dr.  Wiguleus  Hundt  wie  von  dessen  nachher  in  den  Num.  66 — 69  erwähnter 
baierisch-pfitlzischen  Genealogie,  inzwischen  in  einem  Vortrage  in  unserer  Cla-sse  am 
3.  Mai  vorigen  .fahres  besonders  behandelt  habe,  kann  ich  mich  hier  in  Kürze  auf 
den  Bericht  hierüber  I S.  365—435  beziehen. 

62. 

Angustin  KOlner's 

Verzaichnus  der  khöniger.  kaiser  fürsten  vnnd  hertzogen  vonn  Bayren  altvatter 
herkomen  sipachafft  vnnd  pluetstamm  mit  der  kürtz  nach  antzaigen  der  alten  historien 
vnnd  brieftlichen  vrkhunden  vnd  wie  das  furstennthumb  Bayren  nach  kaiser  Karols 
desz  grossen  vnnd  seine|r]  sunne  vnnd  enickl  absterben  in  fremtjder  fürsten  regierung 
khomeu  vnnd  zerdrent  vnnd  am  jüngsten  widerumb  zusam  gebracht  worden. 


Aus  Fol.  126  dieser  aus  blos-sen  I>agen  ohne  Einband  bestehenden  Abschrift 
des  geheimen  Staatsarehives  aus  dem  17.  Jahrh.  in  Folio  ergibt  sich,  dasa  der 
berühmte  baierische  Archivar  das  vorbemerkte  Werk  auf  zwei  Bücher '■•)  berechnet 


116)  Kb  heisst  dortsclbst  folcendcriiiasscu : 

DarDacti  ist  hertzog  Ladwig  anno  12U4  aach  toda  abgangen,  so  zu  Fürstenveld  begraben  ligt. 
vnnd  binntter  sein  verlassen  zwen  sün.  Hueiiolfen  vnnd  Ludwigen,  vnnd  der  selb  Ludwig  ist  darnach 
zu  einem  rSmisehen  kaUzer  erwältt  worden. 

Vnnd  wie  es  zwQscben  den  selben  brnedern  herizog  HuodoUen  vnnd  bertzog  Ludwigen  von 
wegen  der  obern  Pfalltz  ebnr-  vnnd  fnrstenthum  in  Bajrn  erganngen  ist,  wirdet  hernach  auch  nach- 
volgennder  vraach  in  naehvollgcndem  anudenn  pnech  angetzaigt.  dann  der  stani  vnnd  Uni  so  von  dem 
merbemelten  allten  bertzog  Heinrichen  in  nidorn  Bayrn  etc.  berkbomen  ist  in  kaiszer  Ludwigs 
regiernng  gar  abgcHtorben,  wie  dann  in  dem  paum  der  HchipBchafft  bienor  — nämlich  anf  Pol.  9U 
— leutterer  verzeichnet  steet.  demnach  wird  desz  bemelten  aliten  bertzog  Heinricba  plnetstam  in 
nidern  Baym  etc.  dieweil  der  in  kaiszer  Ludwigs  regiernng  abgestorben  ist  in  diszem  pnech  fOrgeaetzt, 


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206 


hatte,  wovon  das  erste*  naher  bekannte  bis  zum  Tode  Ludwigs  des  Strengen  beziehungs- 
weise mit  dem  AnachluKsc*  der  Geschichte  von  Xiederbaieru  bis  zum  Erlöschen  der 
Linie  der  dortigen  Herzoge  im  Jahre  1340  reicht,  während  sodann  die  Darstellung 
der  Geschichte  von  den  t^jhnen  Lmlwigs  des  Strengen  an , Rudolf  mul  dem  nach- 
maligen Kaiser  Ludwig  dem  Baier,  mit  Ausschlnss  der  berührten  Geschichte  von 
Niederbaiern  bis  zum  Jahre  1340,  das  zweite  Buch  bilden  sollte. 

Ob  dieses  wirklich  zu  Stande  gekommen,  oder  nicht,  imig  dahingestellt  bleiben. 
Allerdings  sollte  man  das  erstere  nach  einer  Bemerkung  des  bekannten  Dr.  Wigulens 
Hundt  auf  dem  Titelblatte  des  seinerzeit  in  seinem  Besitze  betindlich  gewesenen  Cod- 
gerra.  1592  der  Hof-  und  Staatsbibliothek  schliesseu  dürfen,  wonach  dieses  zweite 
Buch  im  baierischen  Archive  vorhanden  gewesen, 

Mau  möchte  das  ini  übrigen  auch  nicht  für  unmöglich  halten,  wenn  man  in 
dem  alten  Inventare  el>en  dieses  Archive«  aus  der  ersten  Hälfte  des  15.  Jahrhunderis, 
das  nnserm  Augustin  Köluer  als  Grundlage  bei  seiner  Ordnung  diente,  die  von  alter 
Hand  mit  der  Zahl  10  gezeichnete  Lage  ins  .\uge  fas.st,  auf  welcher  er  in  ähnlicher 
Weise  wie  ini  ersten  Buche  unter  der  Üeberschrifl  „Hernachuolgen  sonnder  Ver- 
schreibung 80  khayser  Ludwig  vnd  khönig  Johanns  von  Behoym  in  ir  beder  regirung 
aneinannder  gegeben,  vnd  wie  ainer  dem  anudern  erstlich  wider  Österreich  zehelfen 
«ich  verpundcii  vnd  vmb  ir  irruug  vertragen  haben,  vnd  darnach  wider  in  vuainig- 
keit  choraeu  vnd  sich  zu  lest  kaiser  Ludwig  mit  Österreich  vnd  Beheym  vmb  Karndtn 
Yntal  Tirol  vnd  Xorigkaw  auch  vertragen  Iml“  die  hetrelfendcn  Urkunden  von 
1317-1341  **’)  Whandelt. 


Tood  die  brieflichen  vrlchundt  souil  nldem  Ilayrn  betriflt  so  der  alt  hertzog  Heinrich  jnngehabt  hat 
in  diasem  ersten  pnech  hernach  registriert. 

117)  Beispielaweise  aus  denen  des  Jahres  1332: 

Mer  ain  vcrachreibung  vnd  ainung  mit  hoher  Verpflichtung  so  kaiser  Ludwig  vnd  kh5nig  Johanns 
von  Behe}'tn  aneinander  geben  haben,  das  sy  tu  frid  vnd  nutz  aller  cristeuheit  bed  tu  den  heiligen 
geswom  haben,  da«  yeiweder  dem  anndem  vnd  soinon  kindeu  getreu  vnd  gewaer  sein,  auch  nach 
ichte  seinem  leib  ere  noch  gut  zu  schaden  trachten  well,  noch  ycmand  darauf  Sterken  noch 
anweiseii  etc. 

Vnd  zu  merer  Sicherheit  so  hat  keiser  Ludwig  aus  seinen  raetn  erkom  die  edln  mann: 
Berchtoldo  grafen  zu  Hcnnenberch.  seinen  swager  vnd  heimlichen, 
graf  Gerlahen  von  Nassaw,  auch  seinen  swager, 
graf  Ludwigen  von  Oetingen  den  eitern, 

Herman  von  Liechtenberg,  seinen  cantzlcr, 
graf  Fridrichcti  von  Oetingen, 

Johannsn  burggrafn  zu  Normberg, 

Ludwigen  von  Hohenloh, 

bmder  Heinrichen  von  Zipplingeu,  landcfaomethnm  zu  Franckeo, 

Heinrich  den  Preisingei  zu  Wollnzach. 


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207 


Doch  dem  sei  wie  ihm  wolle,  vom  erstcu  Uucho  ist  der  so  tn  archi- 

valiscbe  oder  eigentlich  ganz  und  gar  auf  urkundlichem  Boden  erbaute  Theil  iu 
einer  sehr  selten  gewordenen  alten  Ausgabe  in  Folio  unter  dem  Titel  „Stamm-  und 
Krbfolg  des  durchleuchtigaten  Haussen  Pfaltz.  Erster  Theil“  im  grossen  Ganzen 
unverändert***)  im  Drucke  erschienen.  Wo  nämlich  auf  Fol.  21*  der  Abschrift  des 
geheimen  Staat^rchives  nach  der  Erwähnung  der  Erschlagung  des  Königsmorders 
Otto  von  Wittelsbach  des  jüngeren  durch  einen  Truchsessen  von  Waldbiirg  und 
einen  Marschall  von  Papi>enheim  in  den  Weingärten  zn  Oberndorf  an  der  Donau  bei 
Abbach  sich  der  Üebergang  findet: 

Darauf  volgt  hernnach  die  registratur  der  brieflichen  vrkhuud  wie  dasz 
furstenuthumb  Bayrn  jn  regierung  weilennd  nachuollgenden  römischen  khunig 
vnnd  kaiser,  uemlich  khnuig  ütten  von  Brauunschweigkh  hertzog  in  Sachssen, 
kaiszer  Fridricheu  desz  annderen  hertzogon  in  Schwaben,  khunig  Heinrichen 
desz  sibennten  lanndtgraueu  iu  Turingeu , khunig  Chnnuruden  desz  viertten 
auch  hertzogeu^jun  Schwaben,  bisz  auf  khunig  UuedolfTeu,  graf  Albrechta 
von  Habspurg  sone.  wider  in  ein  regierung  ziisamgebracht  worden  vnnd  an 
den  rechten  stammen  dttsz  hluets  von  Bayrn  khomen,  so  vil  derselben  brief- 
lichen vrkhund  im  gewelb  zu  München  verhannden,  die  vil  jar  verlegen 
vnnd  iu  diszesz  buech  durch  mich  Augustin  Köllnner,  jrer  fürstlichen  gna- 
den secretarien,  zum  tail  summarie  vuud  zum  tail  von  wort  zu  wort 
registriert  vnnd  jn  peszszcr  richtiger  ordnung  nach  den  jarzallen  Christi  in 
yedesz  fürsten  regierung  nach  einaimder  auszgaungcii  gebracht  worden, 


So  hat  konig  Johanns  von  Behoym  aus  seinen  r>'ten  erkom: 
hcrtiog  Heinriehen  von  Bayrn,  seinen  aulen, 

Vlrichn  von  Honawe. 

Dteraan  von  KoUitz, 

Wilhelmen  von  bandstain. 

Heinrichn  von  der  Lerppen, 

Otto  von  Bergowe, 

Chanradn  von  Cnchaemch, 

Hartman  von  Kromberg, 

Vlrichn  den  Phlackh. 

Darauf  habn  die  obgenanten  furstn  graf»  vnd  herm  za  den  lieiügcu  gesworeii,  ob  der  kaiser 
vnd  kbonig  ir  ainer  des  vergä&K  vnd  änndem  weit,  das  sj  alsdann  solbs  wenndn  sollen  mit  irem  rate 
als  verr  sy  mugoo  etc. 

Oiser  verschreibong  datum  steet : zq  Xurinberg  au  aatid  Bartlmes  tag  da  man  zalt  von  Cristus 
geburde  xiij<  jar  darnach  in  dem  xxxijten  jar. 

118)  Nach  dem  in  d<*r  vorigen  Note  erwiihnteu  fetainmbauiuc  filgt  sie  gegenüber  unserer  Hand- 
schrift noch  ein:  Nach  jetxtgemeMter  Fürsten  in  Bayern  Tod  ist  dasselb  Pürstentbom  auff  Kayser 
Ludwigen,  desz  obgenannten  Hertzog  Ludwit.'s  Cliurfürsten  Sohne,  kommen,  und  Ober-  und  Nieder- 
Bayern  wider  zusammen  gefaüeu. 


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208 


beginut  diese  Drnckausgabe  •*’)  folgendermasseii:  Extract  ansz  der  registmtur  der 

briofflichcn  rrkiinden  wie  das  fürstentlinni  Baym  etc.  in  regiernng  weylaud  nach- 
Tolgender  römischer  könig  und  kayser  n.  s.  f. 

Mit  den  Worten  in  der  Urkunde  der  Herzogin  Ueichgart  vom  Jahre  1335 
„erben  (»sitzen  nieszen  vnud  in  halten  sollen  zne  gleicher  weis“  auf  S.  107  S|>.  1 
des  Druckes,  dem  drittletzten  Blatte  desselben,  gegen  die  Mitte  zu  brach  die  Abschrift 
des  geheimen  Staatsarchives,  als  sie  mir  zuerst  in  die  Hand  kam,  am  Schlüsse  der 
Bflckseite  des  Fol.  178  ab.  Auf  das  hier  noch  fehlende  stiess  ich  in  ungeordneten 
Papieren  des  geheimen  Hausarchive.s , nämlich  auf  ein  einzelnes  Blatt  und  einen  sich 
daran  reihenden  Quintern,  dessen  letzte  3 Blatter  mit  der  Rückseite  des  vorher- 
gehenden nicht  mehr  beschrieben  sind.  Dieser  Re.st  ist  nunmehr  mit  dem  übrigen 
vereinigt,  so  dass  das  Werk  .jetzt  vollständig  ist. 

Auch  den  vollständigen  Text  bietet  der  bereits  erwähnte  wichtige  Cod.  gerin. 
1592  der  Hof-  und  Staatsbibliothek  aus  dem  16.  Jahrh.  von  Fol.  1 — 221  und  227 
bis  229',  dann  der  Cod.  germ.  l.')93  gleichfalls  des  16.  .Tahrh.  von  Fol.  1 — 229', 
weiter  der  Cod.  germ.  1640  aus  dem  17.  Jahrh.  vom  Fol.  I — 216'  und  218 
bis  220'. 

Der  Stelle  über  eine  Urkunde  vom  .Jahre  1288,  in  der  Handschrift  des  gehei- 
men Staatsarchives  Fol.  97'  und  98,  aus  einem  nicht  näher  gekennzeichneten  Exem- 
plare mit  dem  im  Eingänge  bemerkten  Tittel  hat  Prof.  Friedr.  Christ.  Jonathan 
Fischer  im  zweiten  Bande  seiner  kleinen  Schriften  aus  der  Geschichte,  dem  Stsats- 
uiid  Ia;henrechte,  S.  417  iu  der  Note  r gedacht. 

Von  einer  ferneren  Handschrift  iu  dem  früheren  sogenannten  äusseren  .Archive, 
aus  304  Blättern  bestehend  und  auch  mit  dem  Jahre  1341  endend,  macht  dessen 
Vorstand  Johann  Anton  Aettenkhover  in  der  Vorrede  seiner  zu  Regeusbnrg  im 
Jahre  1767  erschienenen  „kui'zgcfassten  Geschichte  der  Herzoge  von  Bayern  von 
Herzog  tttto  dem  Grossen  von  Wittelsbach  an  bis  auf  gegenwärtige  Zeiten“  S.  1 — 3 
Mitthcilnug. 

b) 

Als  ein  Bruchstück  der  früheren  Anlage  eines  .Stückes  aus  dem  nicht  gedruck- 
ten Theile  dieser  baierischen  Geschichte,  und  zwar  theilweise  mit  Verbes-serungen 
von  der  Hand  des  Augustin  Kölner,  theilweise  ganz  von  ihm  selbst  geschrieben, 
erweisen  sich  auch  im  geheimen  Hausarchive  sieben  zusammcngeheflcte  und  wohl 
erst  in  unserem  Jahrhunderte  mit  der  Num.  53  — vgl.  oben  S.  174  — in  ein 
Bändchen  znsammenbrochirte  Bogen  in  Folio,  theilweise  am  unteren  Rande  beschnitten. 


119)  Vgl.  über  sie  Maffat’s  Gnindzüge  zur  älteren  Geschichte  der  baierischen  landesarchivo 
in  den  Münchner  gelehrten  Anzeigen  1855  Num.  11  und  12  Sp.  94—98. 


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209 


Besonders  eingeklebt  sind  zwei  Zettel,  ein  kleinerer  und  ein  grosserer,  mit 
einer  arcfaivalischen  Mittheilung**®)  an  einen  Herrn  Prediger. 

Das  (Stuck  selbst  beginnt  mit  dem  Absätze  ,,Nach  itzuerineUa  niarggi'afen  Loi- 
polds  tod  hat  kaiser  Conrad  anno  1144  des  vertneUen  Leopoldn  sUu , genant  inarg* 
graf  Haiurich  von  Österreich,  das  furslenthumb  Bairu  benolhen.  also  ist  diser 
Heinrich  der  achtet  des  namens  Heinrich  so  das**  u.  s.  w.  auf  Fol.  16'  der  vorhin 
berührten  Handschrift,  und  läuft  auf  den  ersten  drei  Blättern  ganz  von  der  F4and 
Kö!uer*s  bis  zu  Arnulf  und  Ludwig  auf  Fol.  19  jenes  Codex  fort,  von  wo  an  eine 
bereits  vorhandene  Reinschrift  nur  mehr  verbessert  und  lediglich  eiumal  noch  mit 
einem  grosseren  Zusatze  versehen  ist,  und  zwar  bis  zur  Schleifung  von  Wittelsbach 
und  der  aus  seinem  Steinwerke  vorgenommenen  Frbauung  der  Stailt  Aiohach  wie 
dem  Untergänge  des  Kaisermörders  Otto  von  Wittelsbach  des  jungen  auf  Fol.  21' 
jener  Handschrift,  hier  auf  dem  zehnten  Blatte:  alls  die  Historien  auzaigeu,  aus 
beuelch  verinellts  khonig  Philipsen  Brueders  Sune,  hertzog  Fridrichs  von  Swaben, 
der  darnach  Römischer  kaiser  vnd  Fridericus  seeuudas  geuent  ist  w’orden,  furneniHch 
durch  ainen  Trugsiüwen  von  Walpnrg  vnnd  aineii  Marscbalch  von  Pappenheym , die 
jmo  nachgeeilt  halben,  in  den  Weingarten  zu  ObernduH  au  der  Thuuaw  bey  Abacb 
uncb  erslagen  worden. 


c) 

Zum  Beweise  wde  noch  nach  beinahe  dritihalb  Jahrhunderten  amtlich  das 
Werk  des  Augustin  Kölner  für  den  praktischen  Behuf  Verwendung  gefunden,  mag 
hier  nur  in  Kürze  bemerkt  sein,  dass  v.  Obermnyr  seiner  in  den  Sechzigerjahreu 
des  vorigen  Jahrhunderts  abgefassten  in  Reinschrift  im  geheimen  Hausarchive***) 
befindlichen  „kurzen  Geschichte  von  der  Erbfolge  in  Bayni  bey  dem  Wittelspacliischen 
Hause  von  anno  1180  bisz  auf  unsere  Zeiten,  ans  den  bertzoglicben  Lehenbriefen 
und  Erbfallen  gezogen“  als  erste  Beilage  auf  10  Lagen  mler  60  Blättern  in  Folio, 


120)  Lieber  herr  prediger!  ich  kan  aof  eur  frag  nit  finnden,  da«  MeclUhildis  icy  ein  tnarg“ 
grafin  vnnd  Welfoni  — dann  dnrcfaatrichen : oder  flainrcich  dem  hochvertig»''!!  dan  die  Welfo  sin  — 
so  genent  bat  Heinrich  dem  hochnertigen  verhyrat. 

Sind  hier  nur  die  Worte  von  „so  genent"  an  von  der  Hand  des  AugoKtin  Kölner,  so  ist  der 
gruiBcrc  Zettel  gana  von  ihm:  Lieber  herr  Prediger!  Icli  kan  auf  enr  frag  nit  fynnden,  das  Mecb- 
tfaildis  ein  marggrafin  vnd  Welfoni  oder  lleiorich  dem  hochuertigen  »erheyrat:  dann  die  Welfo  sind 
hem  von  Saxn  gewest,  so  aas  Bairn  veriribn  wordn. 

Aber  jeh  fynnd  ain  fraw,  genant  Mecbtliyldis,  so  kaiser  Rudolfs  von  l!a.«:purg  tochter  gewest, 
dauon  kaiser  Idaximiiiaii  hie  ist,  vnd  hertzog  Lodwigti  dem  anndern  von  Bairn  des  nainons  rurlieyrat 
worden  anno  1294.  des  sind  brief  verbanden  im  briefgewelb  alhic.  ligt  xu  h'urstenfeld,  vird  kaiser 
Lodwigs  von  Bairn  mutter  gewest. 

121)  Auch  im  geheimen  Staatsarchive  hinterliegt  ein  Exemplar,  lialbbrücbig  geschrieben,  in 
einem  Pappendeckelbando  mit  blauem  Papterüberzage  in  Folio  und  der  Aufschrift;  Geschichte  der 
Erbfolge  io  Baiern  von  1180  bis  auf  die  neueren  Zeiten. 

Abb.  d.  III.  CI.  d.  k.  Ak.  d.  Wiss.  .VV.  Bd.  I.  Abih.  27 


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210 


indem  die  ersten  3 Lagen  Qnaterne  und  die  folgenden  Sexterne  sind,  den  weitaus 
grösseren  Theil  dieser  Arbeit  angchängt  hat. 

Ks  beginnt  diese  Reilage  auf  Fol.  1 mit  Fol.  52  der  unter  a berührten  Hand- 
schrift des  geheimen  Staatsarchives,  in  der  dort  erwähnten  Druckansgahe  S.  15  8p.  1: 
Hernachvolgn  die  brieflichen  ürknnd  rund  Vertrag,  souil  der  jm  Brief  (jewelb  xu 
München  bisher  gefunden,  der  lunhaltang  bieinn  allein  snmmarie  — dieweil  die  all 
in  Latein  gestellt  — angexeigt  sind,  zwischen  weiland  obgenannten  Pfaltzgraf  Lud- 
wigen ChurTürstn  vnnd  seinem  Bruder  Heinrichen  Hertzogn  in  Baym  aiisgangen 
jrer  Tailung  Krieg  vnnd  Irrung  halbn  von  anno  1262  bisz  auf  1208. 

Volle  üebereinstimmung  herrscht  bis  Fol.  31'  beziehungsweise  86'  und  im  Drucke 
S.  37,  von  wo  an  die  ürkunden  theilweisc  nicht  mehr  vollständig  anfgenomnien 
sind,  sondern  nur  die  Andeutung  „scribatur  nsque  in  finem“  n.  dgl  gegeben  ist, 
KI>en.so  wurde  aut  Fol.  33  die  Debcnschrift  des  auf  Fol.  09  vou  a , 8.  45/46  des 
Druckes,  beginnenden  Abschnittes  ***)  sammt  der  Stammtafel  nicht  aufgenommeu, 
während  die  ürkunden  bis  Fol.  40  beziehungsweise  125,  im  Drucke  8.  65  Sp.  1, 
wieder  nur  mit  ihren  Eingängen  und  der  Zeitbestimmung  angemerkt  sind.  Von  Fol. 
40  beziehungsweise  125' , nämlich  „vonn  Otten  khonigen  in  Hungern  vnnd  seinen 
Bruedemn  vnd  Vetter  Hertzogenn  inn  Nidemn  Bayrnn“  herrscht  wieder  Ueberein- 
stimmnng  mit  Ausnahme  vou  einigen  kleinen  ümstellnngen  bis  FoL  44'  = 133,  im 
Drucke  S.  65  Sp.  1 bis  S.  71  Sp.  1,  und  sodann  nach  einigen  Auslassungen  von  da 
weg  bis  Fol.  145'  wieder  bis  an  den  Schluss  des  Ganzen,  in  der  Handschrift  des 
geheimen  Hausarebives  Fol.  51',  im  Drucke  S.  112  Sp.  2. 

Wenn  vorhin  in  a nicht  mit  Bestimmtheit  behauptet  worden  ist,  dass  das  dort 
berührte  zweite  Buch  wirklich  zu  Stande  gekommen,  lässt  sich  gerade  noch  vor 
Abschluss  des  Drnckes  diese  Frage  jetzt  mit  Sicherheit  bejahen. 

Aus  einer  Keihe  von  so  bezcichneten  „Copial-BOchern“  in  Pappendeckelbänden 
in  Folio  im  geheimen  Hausarebive  enthält  der  fünfte  Baud  aus  der  ersten  Hälfte 
des  16.  Jahrh.  eine  Beinschrift;  dieses  Werkes  mit  den  eigenhändigen  Verbesserungen 
nnd  Abänderungen  Kölners  theil.s  im  Texte  und  theils  am  Rande,  auf  sieben  je  iu 
der  unteren  rechten  Ecke  der  Vorderseite  des  ersten  Blattes  der  einzelnen  Lagen 
mit  den  entsprechenden  arabischen  Zahlen  bezeichneten  Sexternen  von  Papier  mit 
dem  Zeichen  eines  in  einer  Einfassung  stehenden  ansgebauebten  Metallgefässes  aut 


122)  Hernacbaolxen  etlich  brieflich  rrkhan.lt  die  zwUebenn  obgonanntem  pfaltzgraf  Lodwigenn 
cbarftlrsten  , weyleand  kaiser  Ladwigz  vafem  an  ainem  vnnd  nach  aeinea  merbeaiettcD  Brneders  Hei- 
Izog  Hainrioha  abaterbenn  zwQaclien  deazaelben  Hertzog  Hainricha  elltem  aunne,  genannt  Otto,  auch 
Stefi'an  vnnd  Otto,  deazselben  Otten  Brnedern,  dnreh  biacbof  Hainrichen  von  Regennaporg  anazganngen 
sinnd,  anno  1290  bis  anno  129.3,  der  zeit  sich  erst  anngefanngen  bat  tentach  brief  zenebreibenn. 


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211 


4 beiiehnngsweise  6 FOascn  mit  darüber  befindlichem  Deckel,  in  »Ireng  chronologi- 
scher Folge  in  der  Weise  dass  nach  den  betreffenden  Jahren  immer  Blätter  für 
allenfallsige  Nachträge  frei  gelassen  worden  sind. 

Die  HauptQbcrachrift  lautet:  Hernachnollgen  brieflich  Trkhnnd  etlicher  tail- 

brief  rnd  vertrag,  souil  der  im  briefgwelb  ?;n  Manchen  sjnnd,  zwi.schen  kaiser 
Lndwigen  vor  vnd  ee  er  zu  khaiser  ist  erwelt,  auch  darnach  ausganngen  eins-  vnnd 
seinem  brnedern  pfallntzgraf  Ruedolfen,  anch  ir  beder  sunen,  annders  tails  vmb  die 
Chur  vnd  Pfalltz  am  Rein  vnd  hertzogtbumb  Bajrn  von  anno  1310  bis  anno  1338. 

Das  Werk  selbst  beginnt  sodann : Alls  bertzog  Ludwig  von  Bairn  ohurfurst, 

so  das  closter  FUrsteufclld  gestift  vnnd  das  Oberlannd  vnnd  Pialltz  am  Rein  innge- 
habt  hat,  anno  1296  tods  abganngen  ist,  dauon  dann  in  dem  puech  so  in  dem 
klainem  altem  cha.stn  ligt  hieuor  '*'}  allerlay  brieflich  vrkhundt  krieg  vnnd  geschieht 
die  er  mit  seinem  brueüern  hertzog  Uainricben  in  Nidern  Baym  gehebt  angezaigt 
sind,  hat  derselb  hertzog  Ludwig  hintter  sein  verlassen  zwen  sune,  nemlich  Ruedolfen 
vnd  Ludwigen,  dieselben  haben  darnach  ires  vattera  lannde  — nemlich  das  vitzthom- 
ambt  München,  auch  die  guetter  in  Schwaben  vnd  Oesterreich  — getailt  u.  s.  f. 

Zunächst  kommen  die  Jahre  1310—1317  an  die  Reihe. 

Hieran  schliessen  sich  unter  der  Ueberschrift  „Hernachuolgen  die  brieflichen 
vrkhundt  zwischen  khaiser  Lndwigen  nach  seine  bruedera  pfallntzgraf  Rnedolfs 
churlflrstns  etc.  vnd  desselben  gemabel  frawen  Mechthildis  geborn  von  Nassaw  tod 
vnd  absterben  an  ainem  vnnd  dca-selben  khayser  Ludwigs  brueders  khinden  aunders- 
tails  hin  vnd  wider  ausganngen,  souil  der  im  briefgwelb  zu  München  sind“  die 
Urkunden  von  1328  und  1329,  1338,  1341  und  1342. 

Die  Urkunden  selbst  sind  ihrem  vollen  Wortlaute  nach  aufgenommen. 

Ausserdem  zeigt  sich  der  eigentlich  archivalische  Charakter  dos  Werkes  bei- 
spielsweise aus  der  Bemerkung  nach  dem  Vertrage  von  Pavia  vom  Freitage  vor 
Oswald  des  Jahres  1329:  Disen  obnerschriben  tailbrief  vnd  in  besonnder  wie  es 

mit  der  fiirstn  von  Baim  chnr  geballten  soll  werden  haben  derselben  zeit  die  chur- 
fürsten  confirmirt  vnnd  ir  decret  darüber  ausgeeu  lassen,  wie  dann  dieselben  der 
ebnrfnrsten  decret  vnnd  vrkbund  in  dem  register  daijnn  dj  brieflichen  vrkhundt 
vber  dj  chnr  vnd  wal  ains  römischen  khünigs , so  das  bans  vnd  Pfalltz  in  Bairn 
hat,  nach  lenngs  registriert  sind,  nemlich 

von  khünig  Jobannsen  von  Bebaim,  der  khaiser  Karls  des  vierten  vatter  ist  gewest, 
hertzog  Ruedolfen  von  Sachsen,  churfürstn, 

marggraf  Ludwigs  von  Branndeuburg , churflirstns , der  khaiser  Ludwigs  sun  ist 
gewest, 


123)  Zuerst  stand:  in  dem  ersten  puech  hieuor.  Das  Wort  „eratn"  hat  sodann  Kölner  durch- 
strichen  und  die  jetzige  Fassung  au  den  Ksnd  gesetzt.. 

27* 


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212 


hertzog  liueclolfa  von  Baira , pfalltzgranen  bej  R^in , kbaiser  Lndwigs  brue- 
der  3uue, 

herrn  Hainricbeu  ertzbiacbofs  zu  Meutz, 
herrn  Walldewein  ertzbiscliufs  zu  Trier. 

Aber  — liut  Kölner  hiezu  noch  beigesetit  — des  bischofs  von  Cöln  decret 
vnd  confirmatiou  ist  bisher  uit  gcruuden,  villeicbt  aus  vrsachn  das  derselb  von  üoin 
in  der  nal  keyser  Ludwigen  sein  stym  nit  geben  bat. 


63. 

Augustin  Kölner's 

Verzeichnung  der  baierischen  Pfaudschaften  u.  s.  w. 

a) 

Sie  findet  sich,  wahraclieinlich  ans  einem  grösseren  Archiralbande  getrennt, 
nunmehr  als  besonderes  Foliobeft  im  geheimen  Staatsarchive. 

Den  Anfang  bilden  von  des  Verfassers  Hand  unter  der  üeberschrift  „Hernach 
sind  durch  mich  A[ugustin]  K[ölnerl  anno  1531  sonnder  treflich  vnd  notturftig 
hanndlnng  die  vnnscrn  gn.  herrn  h[ertzog]  Wilhelmen  vnd  h[ertzog]  Ludwigen  in 
Hairu  etc.  vnd  jrer  furstl.  gu.  erben  vnd  nachkomen  billich  zu  bedeucken  vnd  darü- 
ber verrer  zuratslagen  gebürt“  die  Ueberschrifteu  der  einzelnen  Gruppen  an  der 
Spitze  je  eines  sodann  leergelassenen  Blattes,  ohne  dass  übrigens  die  wirkliche  .Au.s- 
füllung  selbst  überall  stattgefunden,  welche  wohl  auf  besonderen  Blülteru  beziehungs- 
weise Bogen  für  den  Behuf  der  seinerzeitigen  Reinschrift  erfolgt  ist.  Nur  von  der 
an  vorletzter  Stelle  aufgeführten  „Pfnntschafl  vinb  die  Swartznburg  Retz  Wenig- 
muncheu  vorm  Beheymer  wald“  ist  der  Text  vorhanden , nnd  von  dem  den  Schluss 
bildenden  bekannten  Interesse  des  sogenannten  letzten  Ritters. 

Diesem  Entwürfe  folgt  dann  auf  28  von  der  ursprünglichen  Hand  gezählten 
Blättern  die  Reinschrift  des  Werkes  selbst  unter  der  üeberschrift  „Verzaichnns  vnnd 
bericht  welchermossen  von  vnnsers  gn.  fürsten  vnd  herrn  hertzog  Albrcchts  in  Bairn 
etc.  wegen  etlicher  hochen  vnnd  annsechlichen  Sachen  halben  gehanndlt  vnd  gerat- 
schlagt  werden  mechte“  gewissermassen  in  2 Hanptabtheilnngen , deren  erste  als 
„Pfundtschafft  vnnd  ander  gerechtigkbaiten“  und  die  zweite  als  „Öffnung  vnd  anpot 
etlicher  heuser“  bezeichnet  ist.  Ganz  in  der  unteren  Ecke  reehts  ist  bemerkt: 
Collata  cum  exemplo  primario. 

Den  Reigen  eröffnet  „March  vnnd  Cburlurstentumb  Branndenburg“  mit  dem 
Anfänge:  Als  marggraf  Woldemar  von  Brandenburg  Churfurst  etc.  tods  abganugen, 

bat  Kaiser  Ludwig,  dieweil  derselb  Marggrafe  khaiu  manlichen  Erben  u.  s.  w.  Anf 
Pol.  3 folgt  das  Herzogthum  Pommern  und  die  Markgrafsebaft  Lausitz,  anf  Fol.  5 
die  Grafschaft  Görz,  auf  Fol.  6 die  Landvogtei  im  Elsasse,  auf  Fol.  7 die  Ijandvogtei 
in  Ober-  nnd  Nieder.scliwaben  bis  Fol.  9.  Auf  Fol.  16  findet  sich  die  Pfanndscbafl 
vnib  die  Sohwartzenburg  Uetz  vnnd  Waldinuucheu  vor  dem  Beheymer  wald,  deren 


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213 


eigenbändige  Aufzeichnaog  Kölner ’s  oben  sebon  berührt  worden.  Von  Fol.  17‘— 19 
ist  der  „Wein  Zehent  rne  Hailpronu“  behandelt,  sodann  die  „Pfnnntschafft  vnnd 
widerlosnng  der  Oraffiicbafiben  Hochentrnhedingen  vnd  Wassertruhedingen,  so  yctr. 
die  Marggrafen  von  Brandenburg  des  llaus  Onoltzpach  jnnhaben“  von  Fol.  19 — 2U. 
endlich  die  „PfanndtsebaSt  vnnd  widerlosnng  der  Herrschafft  Cham“  von  Fol. 
20'  - 24. 

Hieran  knüpft  sich  das  „Vertzaichnus  nach  Ordnung  des  Alphabets  viler  Haiiser 
vnd  Schlösser  in  vnnd  ausser  Lannds  Bairn  gelegen,  darauf  vnser  gu.  Fürst  vnd 
Herr  offuung  vnd  anpott  hat“  von  Fol.  24—28'.  Es  beginnt  mit  „Ansenhonen  so 
man  yetz  nent  Eisenhonen  im  Lanndgericht  Crantsperg“  n.  s.  w.  Den  Schluss  bil- 
det „Wincklarn  bey  der  Molt  gelegen“  n.  s.  w. 

Znr  raschen  Auffindung  der  einzelnen  Pfandschaften  n.  s.  f.  ist  auf  der  Rück- 
seite des  ersten  oder  so  zu  sagen  Tittelbtattes  ein  alphabetisches  Inhaltsverzeichniss 
mit  Beifügung  der  einscblagenden  Blätter  des  Textes  gefertigt,  und  daselbst  am 
Schlüsse  bezüglich  des  zuletzt  berührten  Gegenstandes  bemerkt:  Item  die  Heuser 

vnd  Slösser,  darauf  vnser  gn.  fnrst  vnd  her  oflnung  vnd  anpott  hatt,  scind  zue  end 
heruachvotgender  P&ntscfaafften  nach  Ordnung  des  Alphabets  gesebribeu,  derwegeu 
von  vnnötten  dieselben  alher  auch  zesetzen. 

Nicht  aufgenommen  ist  das  Endstück  des  oben  erwähnten  Entwurfes,  welches 
da  lautet: 

König  .Maximilian  Interesse,  so  er  als  Rom.  keyser  von  des  Reichs  wegen  ein- 
geiiouien  vnd  itz  dem  Ertzhertzogthnmb  Oesterreich  zugeaigent  wirdet,  sambt  den 
treflichen  Steten  Ratenberg  Kuefstain  Kytzpuhel. 

Vmb  das  Interesse,  auch  khriegs  khosten , seind  die  Verschreybungen  von  den 
Fürsten  von  Bayrn  nach  Khönig  Maximilians  gantzem  gefallen  gefertigt , vnnd  in 
optima  forma  auf  ewig  versichert. 

Hic  opus,  hic  labor  est.  et  magni  consilij  res: 

Non  ego  — qni  tennis  — consulo,  sed  refero. 

b) 

Es  hat  den  Anschein , dass  diese  Schrift  des  Angustin  Kölner  seinerzeit  von 
Michael  Arroden  für  seine  archivalischen  Arbeiten  ***)  verwertbet  worden. 

Wenigstens  enthält  unter  der  üeberschrifl  „Extract  ausz  des  Arrodenij , gewe- 
sten fürstlichen  Hoff-Caplans  vnnd  Archinarij,  prothocollo  vber  die  durebganngene 
Doenmenta“  ein  Stück  von  drei  zusammengehcflcten  Bogen  in  Folio , wovon  die 
letzten  zwei  Blätter  sammt  der  Rück.seitc  des  drittletzten  leer  sind,  mit  der  auf  dem 
letzten  angebrachten  Umschlagsaufschrift  „Verzaichnus  etlicher  Pfandtschafflen  so  das 


124)  Vgl.  darDber  Dr.  HaüUe  im  ob,.rbai«riKhaa  Archive  für  vaterländiacho  Geschichte  XXXIV 
a 201—206  and  290  - 236. 


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214 


Han»  Bajm  von  andfrn  gehabt  et  reciproce  wa»  andere  von  Bnym  gehabt“  im 
geheimen  Staalfarchive , in  einer  aanberen  Reinachrift  de»  17.  Jahrh.  wörtlich  den 
Text  der  Lit.  a von  Fol.  10 — 14'  über 

1)  Ernlierg,  Clansen  bey  Füeasen,  8tain  am  Ritten,  Rodinckb, 

2)  etliche  Pfandt»chafRen  gegen  StifTt  WOrtzbnrg  vnd  den  Grauen  von  Hochen- 
lohe:  Landen,  Jagsperg,  Gmilndten,  Rottenfcl», 

3)  Kbrenlsheimb,  Vlfhonen,  »chlosz  vnd  statt  VVerdeckh,  echloaz  Honhart,  dorff 
Lar,  ”*)  Burchstall, 

mit  Ausnahme  von  Haldenbergstetteu,  von  Fol.  16'  und  17  Ober  Lnggau  im  Landt 
zu  Lausitz  und  Stefening,  von  F'ol.  17'  über  Stainach,  von  Fol.  19 — 20  über  die 
Grafschaften  Hohen-  und  WassertrOdingen. 

Am  Rande  sind  die  — wohl  auf  Michael  Arroden  bezüglichen  — Folien  791, 
792,  794,  797,  798,  799  von  anderer  Hand  mit  blässerer  Tinte  beigesetzt. 

64. 

Des  Herzogs  Johann  II  von  Simmern-Sponheim 
baierisch-pfalzische  Reimchronik, 

für  seinen  f^ohn  Kurfürst  Friedrich  III  im  Jahre  1569  bearbeitet. 

a) 

Sie  war  nie  gebnndeii,  sondern  findet  sich  in  nngehefteten  Lagen  von  meist  2 
oder  3 in  einander  liegenden  Bogen  in  Folio,  hie  nnd  da  auch  von  4 und  mehr 
solchen,  manchmal  sogar  nur  auf  einzelnen  eingesebobenen  Blättern  beziehnugsweise 
Bogen , im  geheimen  Hansarchive.  Wie  sie  jetzt  nach  früheren  änsserlicben  Kenn- 
zeichen beisammenliegen,  womit  indessen  keine  Gewähr  für  die  vollkommene  Rich- 
tigkeit der  Ordnung  beansprucht  sein  soll,  sind  sie  je  auf  der  ersten  Seite  eiuer  Lage 
nuten  mit  groasen  lateinischen  Biichstaljcn  A — T,  dann  mit  kleinen  dergleichen 
V w X y z und  wohl  wieder  z,  endlich  mit  den  arabischen  Ziffern  1 — 10  einschliess- 
lich bezeichnet.  In  der  Mitte  der  ersten  Seite  des  dritten  Blattes  dieser  letzten  mit 
10  gezahlten  Lage  schliesst  das  Werk. 

Ks  führt  in  durchaus  rotber  Schrift  folgenden  Titel:  Snccessio  Zn-  vnd  Ab- 
khunfft  Haider  Chur-  vnd  Fürstlichen  Henszem  Pfaltz  vnd  Beyern , auch  genealogi 
vnd  Geburt»  Thafell  der  Itzuudt  noch  I.,ehenden  Chur-  vnnd  Fürsten,  Sambt  ainer 
Kurtzen  Histori  dcrselbigen  leben  vnd  thatten,  in  Reimen  verfast,  wasz  nmn  dessel- 
bigen  aus  alten  bewerten  Historien , Kaiser  vnd  König  Privilegien , Confirmation, 
Stifftnngen,  Grabstett  vnd  Kpitaphijs  gehaben  mog;  Von  Etwo  weilendt  dem  Dnrch- 
lenchtigen  Hochgebornen  Fürsten  md  hemi  herrn  Johans  Pfaltzgranen  bey  Rein, 


12.S)  In  dem  Archirale  steht:  I^tw. 


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215 


Hertzogen  in  Beyern,  vnd  graffeu  zu  i^ponheim,  dem  löblichen  hau.‘<z  Pfallz  vnd 
Beyern  zn  Ehren  nit  on  besonder  vleiaz  vnd  ongewenten  Costen  zusam  getragen 
vnd  verlast  etc.  Itzundt  zu  vndertbenigsteu  gehorsam  lerer  Forstlichen  Gnaden 
fOrgelipten  Son  Pfaltzgraf  Friderich  dem  Dritten  CbnrfOrsten  an  tage  gebracht 
anno  1569. 

Darunter  stehen,  in  der  Weise  dass  je  der  erste  Bachstabe  jeder  der  folgenden 
sechs  Zeilen  roth  geschrieben  ist,  das  andere  schwarz,  die  Verse : 

Gleich  wie  der  Löblich  Sonne  Schein 
Die  Erd,  all  gwechs  erfreuet  fein. 

So  ist  ein  fromme  Obrigkbeidt 

Ein  Freud  vnd  Zierd  des  Landts  alzeit: 

Drum  Gott  allzeit  für  alls  zu  bitten  ist 
Für  Tren  obem  zu  aller  frist. 

Nach  der  leeren  ROckseite  dieses  Titelblattes  beginnt  aut  dem  zweiten  Blatte 
unter  der  rothen  Ueberschrift  „an  den  gütigen  Leser“  die  Hauptvorrede  zum 
Ganzen. 

An  sie  knüpft  sich  unter  der  rothen  Ueberschrift  „von  dem  Namen  Pfaltzgraff“ 
eine  längere  zum  Tbcile  polemische  Auseinandersetzung  hierüber.  Es  heisst  nämlich; 
Den  Vrsprnng  Herkhomen  vnnd  Namen  der  Bayern,  Bezirck  Gelegenheit  vuud 
fruchbarkeidt  desz  Landes,  ist  vnnsers  wercks  nit  in  diser  der  Chur-  vnd  fürsten 
Genealogie  zu  beschreiben , dan  andere , jnsonderheit  der  hochgelert  M.  Johannes 
Auentinus,  solche  in  seiner  Bayrischen  C'ronick  stattlich  vnnd  weitläufig  thuet,  zu 
dem  daz  von  solchem  vnder  den  Historien  beschreiber  khein  sonder  streit  oder 
zwitracht.  aber  von  dem  Namen  vnnd  Vrsprnng  Pfaltzgraffe  ist  vnder  den  gelerten 
grosser  streit. 

An  diese  Abbandlnng  reiht  sich  auf  nur  einer  Seite  eine  kurze  Zusammenstel- 
lung „von  rechten  eins  Pfaltzgraneu  ausz  der  Gulden  Bullen.“ 

Nach  gedrängtem  Uebergange  zum  eigentlichen  Werke  auf  wieder  nur  einer 
Seite  folgt  nun  die  wirkliche  Reimchronik  in  der  Weise  dass  den  einzelnen  da  behan- 
delten PeraOnlichkeiten  unter  ihren  roth  geschriebenen  Namen  und  Worden  je  in 
dem  Mittelranm  eines  mit  dem  Zirkel  in  schwarzen  Linien  gezogenen  Doppelkreises 
von  der  durchschnittlichen  Hohe  der  Hälfte  einer  Textseite  Holzschnitte  mit  ihren 
Brustbildern  auf  ihren  Wappenschilden,  häufig  auch  mit  denen  ihrer  Gemahlinen, 
vorgeklebt  sind,  wahrend  am  Schlüsse  der  einzelnen  geschichtliche  Aufzeichnungen 
in  Prosa  stehen,  wie  auch  nach  grö.sseren  Gruppen  und  später  nach  den  bedeutenderen 
Herrschern  förmliche  auf  Urkunden  und  sonstige  geschichtliche  Denkmäler  begründete 
Erörterungen  angeknüpft  sind. 

Die  Reihenfolge  ist  nachstehende;  Adelgher,  König  inn  Bayrn;  Tbeodo  oder 
Dieth  der  Erst,  Hertzog  in  Bayrn;  Dieth  der  .4nnder  vnnd  Grosz,  Hertzog  inn 
Bayrn ; Hertzog  Vthill  der  Erst,  ein  Bruder  hertzogs  Diethen  des  groszen  inn  Bayrn, 
marggraf  zu  Anthorff ; Dieth  der  Dritt,  Tbebalt,  vnd  Vtho  oder  Ott,  gebrOder, 


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216 


hertzogen  in  Bayrn,  Hertzogs  Diflhen  des  grossen  Söne;  Dieprechft],  ein  Son  Her- 
tzog  Diethen  des  Dritten,  vnd  Thessei,  ein  Son  Hertzogs  'Chebalta,  Qevettern,  hor- 
tzogen in  liayrn;  Garibald,  Hertzog  inn  Bayrn;  Geribolt,  Hertzogs  Thesseis  des 
Ersten  Sohn;  Dieth  der  Viert,  Hertzog  inn  Bayrn;  Tbessel  der  Ännder,  Hertzog  inn 
Bayrnn;  Grimholt  der  Erst,  Hertzog  inn  Bayrnn ; Dieth  der  Sechst,  Hertzog  inn 
Bayrn;  Hamnbrecht,  Hertzog  in  Bayrn;  Vthel,  Hertzog  inn  Bayrn;  Thessei  der  drit 
vnnd  letzt  Hertzog  inn  Bayrn. 

Jetzt  wendet  sich  der  Verfasser  „ziim  Laser“  in  einem  kurzen  GesanimtOljer- 
blicke  Ober  diese  Periode  von  4.56 — 788,  nnd  erklärt  zugleich,  da-ss  er,  obwohl  ihm 
nicht  im  Sinne  gelegen,  die  Herrscher  des  alten  Fraukenreichcs  initanfzunehinen, 
um.soweniger  da  nach  seiner  Ansicht  die  baierischen  nnd  pfälzischen  FOrsten  in  keinen 
Verwandtscbaftsverhältnissen  zu  ihnen  stehen , doch  dem  Kaiser  Karl  dem  Grossen 
zn  Ehren  sie  von  Chlodwig  an,  dem  Coaetanens  des  bereits  erwähnten  Königs  Adelger 
in  Baiern,  in  Kürze  behandeln  wolle. 

Das  geschieht  denn  nun  in  der  Heihenfolge:  Cladoueo  oder  Lndtwig.  Kbunig 

in  Franckreich ; Lutharius,  Kbonig  inn  Franckreich;  Blichtliill  ausz  Franckreich^ 
Anselbert  von  Alphay  ein  Komischer  Senator;  Arnolph  Marggraf  zu  Anthorff; 
Arnolt  Marggraf  zu  Antorf,  letzlich  B[ischoff]  zu  Metz;  Anchises,  des  Königreichs 
inn  Franckreich  Hanszmayr;  Pipinns  der  Kurtz  von  Haristall,  Hanszmayr;  Carl 
Marcel,  ein  Hertzog  vnd  Fürst  der  Fraueken;  Pipinns  der  Feist,  ein  hertzog  vnd 
fürst,  letzlich  kouig  zn  Fraueken;  Carl  der  gross,  konig  der  Francken,  letzlich 
Römischer  Kayser;  Keiser  Ludwig  der  gütig;  Ludwig  der  Elter,  khonig  in  Ost- 
Franekeu ; Carlman  Kouig  in  Bayrn  vnd  Italien,  vnd  Ludwig  der  Jünger,  kouig  in 
Ost-Francken  vnd  Bayrn,  gebriider;  Kaiser  Carl  der  drit,  konig  in  Italien  Frauck- 
reieh  vnd  Baim,  zugenaut  der  feist,  obgesatzter  zwayer  brnder;  Kaiser  Arnolph, 
Konig  in  Bayrn,  königa  Caroluians  Sone;  Ludwig  der  drit  inn  Bayrn  vnd  Römi- 
scher König. 

Nachdem  nun  dem  „günstigen  Leser“  die  Irrthümer  der  baierischen  und  pfäl- 
zischen Genealogie  bezüglich  der  zuletzt  behandelten  beiden  Persönlichkeiten , des 
Kaisers  Aruulph  und  des  Königs  Ludwig,  anseinandergesetzt  worden,  gelangt  der  Ver- 
fasser „vf  den  Amolt  oder  Arnolphen,  so  zu  negst  vf  khönig  Ludtwigeu  — jdoch 
in  abgerissen!  bäum  oder  linj  — folgt,  den  rechten  vrsprnng  vnd  ankhunfft  der  jtzig 
lebenden  Chur-  vud  fürsten  im  Ilausz  Pfaltz  vnd  Bayrn.“ 

So  beginnt  denn  Arnolph  oder  Arnolt,  König  vnd  Hertzog  in  Bayrn;  daun 
folgt  Bertholt,  Hertzog  in  Bayrn;  Heinrich  der  Erst,  hertzog  in  Bayrn;  Heinrich 
der  Ander,  Hertzog  inn  Baym ; Sanct  Heinrich  der  drit,  hertzog  in  Bayrn,  Römi- 
.scher  Kaiser  der  zweit  des  Namens,  vnd  der  Erst  in  der  wale,  zugenant  der  Lame; 
Heinrich  der  Viert,  Hertzog  in  Bayrn,  von  Geburt  ein  Palasgraue;  Heinrich,  Her- 
tzog inn  Bayrn,  des  obgemelten  Sone;  Keiser  Heinrich  der  drit,  zugenant  der 
Schwartz;  Ohuno  oder  Cuuradt,  Hertzog  inn  Bayrn,  von  Geburt  ein  Palasgraue; 
Kaiser  Heinrich  der  Virt,  zugenant  der  Elter,  kaiser  Heinrichs  des  dritten  Hoene; 


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217 


Agnes,  Rdmische  Kayserin,  Hertzogin  io  Bayrn ; Oth,  Hertzog  in  Bayrn,  von  Gebnrt 
ein  Graf  zn  Northeim;  Wölff  der  Erst,  Hertzog  in  Bayrn,  von  gebürt  ein  Marggraff 
von  Ast,  Graf  zn  Althorfif;  Welpf  der  Ander,  Hertzog  inn  Bayrn;  Heinrich  der 
Neundt,  Hertzog  in  Bayrn,  Hertzog  Welphen  des  Ersten  Soene,  vnd  des  zu  negsten 
Brneder;  Heinrich  der  Zehent,  Hertzog  in  Bayrn,  Marggraff  zu  Tnscan,  zngeuant 
der  Hoffertig;  [Lenpolt,  Hertzog  in  Bayrn];  Heinrich  der  Eilfft,  Hertzog  in  Bayrn, 
Marggraf  in  Ostreich,  zugeuant  Jochsamer  Gott,  des  furgemelten  Bmder,  bis  zur 
Losreissnng  Oesterreichs  von  Baiern  und  bis  zum  Tode  eben  des  Herzogs  Heinrich 
unter  Kaiser  Friedrich  I; 

Als  nun,  wie  gsagt,  König  Cunradt 

Gstorben,  vnd  zu  Bamberg  bestatt, 

, Hertzog  Fridrichen  in  ,Schivaben 

Die  fürsten  frey  erwehlt  haben. 

Welcher  Couradts  brueders  Soen  war. 

Heinrich  der  Jung  in  Sachsen  zwar 
Hat  nun  mher  schon  erreicht  sein  Jar : 

Dem  neuhen  König  stetz  vrab  recht 

Ansucht,  Er  wolt  entscheiden  schlecht 
Die  Bach  gegen  sein  stiff  Vatter, 

Hertzog  Heinrich  in  Bayrn,  welcher 
Sein  Erb  vnd  Vatterlich  gntter 
Wieder  recht  vnd  all  billicheit 

Nun  iughapt  besessen  vil  zeit 
Wie  wol  nun  der  König  vil  tag 

Angsetzt,  Heinrich  doch  albcg  sag. 

Wie  er  die  nit  besucht,  oder 

Sonst  etwas  für  brecht  zu  wieder. 

Vnd  waren  woll  zwey  gantzer  jar 

Veräiessen.  Nachmals  zn  Goazlar 
Entlieh  zu  recht  gesprochen  war 
Das  Hertzogthumb  Bayrn  Heinrich  zu. 

Nachdem  hat  der  König  nit  Rne, 

Wie  er  sein  Vettern  in  der  gut. 

Das  nit  villeicht  vnschuldig  blut 
Vergossen  wort,  verdragen  mSgt. 

Aber  es  war  der  mangel  schlecht 
Au  Heinrich.  Jedoch  nach  der  handt. 

Als  Fridrich  kam  ansz  welschem  Landt, 

Zu  Regenspnrg  wol  für  der  statt 

W^as  znuor  beschlossen  im  Rath, 

Der  König  zu  Behem  den  Spruch  tbat, 

Abh.  d.  III.  Ct.  d.  k.  Ak.  d.  Wiis.  XV.  Bd.  I.  Abtb.  2B 


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Was  noch  Osstrcicb  heist  dieser  frist, 

Datzmal  mit  Bayrn  begriffen  ist, 

Vnd  drug  ein  Marggraff  von  Osstreich 

Solch  Inndt  von  Bayrn  zn  Lehen  gleich, 
Drum  des  Kaisers  sprach  noch  soll  sein, 

Das  Bayriandt  zwai  Herlzogthnmb  fein. 
Das  Landt  ob  der  Ennsz  zugethan 

Wort  Ostrich,  vnd  soll  nun  für  an 
Ein  frey  eigen  Hertzogthnmb  sein, 

Welchs  Heinrich  solt  behalten  ein: 

Vnd  alls  er  fnr  ein  marggranc  zwar 

In  Ostrich  — wie  sein  Altern  — war, 
Solt  nun  mer  den  Namen  Herizog 

Dragen.  Das  Landt  aber  so  noch 
Dem  Nidcrgang  ligt,  vnd  Baym  gnandt, 

Wirt  dem  Jungem  heim  zuerkandt. 

Dise  rachtnng  geschehen  ist. 

Wie  man  dasselbig  klerlich  list, 

Im  jar  eilf  hundert  fnnfftzig  sechs. 

Zu  wünschen  das  in  Uallo  Oretz 
Gwessen  der  zeit  König  Cunradt 

Sampt  den  fürsten  so  im  Reichs  Rath 
Heinrichs  des  Vatter  zu  Gosziar 

Seiner  Landt  vnd  Icnt  entsatzt  gar. 

Dos  blnt,  so  daher  langer  frist 

In  Sachsen  Bayrn  vnd  Schwaben  ist 
Vergossen,  vf  irm  kopff  berhnt. 

In  Gerichten  nimer  gnt  thut 
Rach  Zorn  Hasz  Neidt  vnd  znnil  gunst; 

Recht  richten  ist  warlich  ein  Kanst. 
Kheiser  Eriderich  in  Welschlandt 

Hat  Welphen  anch  befridt  zu  handt, 

Vnd  im  was  sein  Brneder  für  bat 

Daselbst  reichlich  wieder  erstatt; 

Das  Hertzogthnmb  Spolet,  Tuscan 
Die  Marggrafecbafft,  Sardinian, 

Alles  was  Welphen  vndertban. 

Hertzog  Heinrich,  nun  in  Osstreich, 

Hat  in  Baym  funfftzeben,  desz  gleich 
ln  Osstreich  ein  vnd  zwantzig  jar 

Mit  grossen  lob  vnd  Rhumblich  zwar 


219 


Regiretu  Ist,  alls  er  Bayrlandt 

Seim  atifft  Soen  Heinrich  galt  von  Hundt, 

In  Osstreich  noch  lang  im  Leben. 

Sein  Gemahel  hat  im  auch  geben 
. Lnitpold  vnd  Heinrichen  zween  Soen, 

Aach  ein  Dochter  Agnes,  die  schon, 

Welch  hat  zu  eim  ehelichen  Man 

Den  König  in  Vugaru  Stephan. 

Alls  er  nun  mher  hochbedacht  war, 

Von  einem  Pherdt  thet  fallen  zwar: 

Ein  Vrsach  seins  tbots  dieser  fall 

War,  wie  er  dan  hernach  starb  paldt. 

Hier  schliesst  die  Handschrift,  wie  bereits  bemerkt,  auf  der  Mitte  der  Vorder- 
seite des  dritten  Blattes  der  letzten  Lage. 

An  verschiedenen  Stellen  sowohl  in  den  Heimen  als  auch  in  den  Erörterungen 
in  Prosa  finden  sich  durchstrichene  Stellen  wie  ganze  Seiten,  oder  auch  kleinere 
wie  grössere  Aenderungen  nnd  Zusätze,  so  dass  es  den  Anschein  hat,  als  ob  nicht 
lange  nach  ihrer  Herstellung  eine  Umarbeitung  lllr  irgend  welchen  Zweck  beabsich- 
tigt gewesen.  Aber  keineswegs  alle  Lagen  weisen  einen  dergleichen  Znstand  auf. 
Vielleicht  ist  daher  wenigstens  eine  Reihe  von  ihnen,  auf  welchen  keine  dergleichen 
Veränderungen  sichtbar  sind,  auch  bereits  als  Reinschrift  dieser  Umarbeitung  zu 
betrachten,  die  an  Stelle  des  ursprOnglichen  Textes  eingelegt  wurden. 

b) 

Jedenfalls  liefert  ein  Bruchstück  von  zwei  in  einander  liegenden  Bogen,  wel- 
ches sich  noch  in  dem  eben  liehandelten  Fascikel  befindet,  den  Beweis  dafür,  dass 
wirklich  wenigstens  theilweise  eine  Reinschrift  der  ursprünglichen  Fassung  mit 
Berücksichtigung  der  berührten  Abänderungen  hergestellt  wurde. 

Diese  beiden  Bogen  bieten  nämlich  diese  Reinschrift  zu  der  Lage  M von  den 
Reimen  gleich  nach  dem  Anfänge  des  dritten  Blattes  bis  an  den  in  Prosa  geschrie- 
benen Schluss  von  Kaiser  Ludwig  dem  Frommen  oder  ■Gütigen,  und  weiter  fort  zu 
der  Lage  N ohne  das  Bild,  wofür  der  Ifaum  leer  gelassen  ist,  bis  zur  Mitte  der 
Rückseite  des  zweiten  Blattes. 


(i.'j. 

Bruchstück  einer  baieris  ch-pfäl  zi  sc  hen  Reimchrouik. 

In  ähnlicher  Art,  mit  Abdrücken  von  theilweise  denselben  Holzschnitten  in  dem 
Mittelranme  von  schwarz  gezogenen  Doppelkreisen  nusgestattet , findet  sich  in  dem 
unter  Nnm.  64  a nnd  b berührten  Fascikel  des  geheimen  Hansarcliives  ein  Brncb- 
stUck  einer  Reimchronik  von  Bniern  nnd  Pfalz,  gewissermassen  einer  als  gedrängter 

28* 


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220 


Auszug  ans  dom  grösseren  Werke  des  Herzogs  Johann  II.  Ton  Simmcrn-Sponheini 
gefertigten  Bearbeitung,  von  anderer  Hand,  nicht  ganz  unwahrscheinlich  von  der- 
jeuigeu  von  welcher  in  dem  eben  bemerkten  Werke  die  am  Schlüsse  von  Nnm.  64  a 
erwähnten  Abändernngcn  stammen. 

Es  bildet  dieses  Bruchstück,  so  wie  ich  es  jetzt  aus  den  übrigen  Lagen  einst- 
weilen ansgelesen  und  zusammeugeordnet  habe,  eine  Lage  von  zwei  Bogen,  ein  Blatt, 
eine  Lage  von  drei  Bogen,  endlich  eine  Lage  von  wieder  drei  Bogen , wovon  nur 
niebr  die  erste  Seite  beschrieben , dagegen  fortan  noch  die  Holzschnitte  einge- 
klebt sind. 

Aeusserlioh  ist  dieser  Auszug  so  eingerichtet,  dass  jedem  Fürsten  auf  je  einer 
Seite  nnter  einer  rolhen  Uebersclirift  nach  den  betrefleuden  mit  den  Wappenschil- 
den versehenen  Holzschnitten  12  — 18  Iferse  gewidmet  sind. 

Die  Reihenfolge  ini  einzelnen  stimmt  bis  anf  nur  geringe  Abweichnngen  mit 
der  in  der  Arbeit  des  Herzogs  Johann  II.  von  Bimmern-Sponheim. 

Den  Anfang  macht  Adelger  konig  in  Bayrn ; dann  folgt  Theodo  oder  Dietz 
der  erat,  Hertzog  in  Baym;  Theodo  der  ander,  Uertzog  in  Bayrn,  zugenant  der 
Grosz;  Hertzog  Othill,  sein  Bruder,  marggraf  zu  Anthorf;  Theodo  der  dritt,  Dhie- 
bolt,  vnd  Vthill,  Hertzogen  in  Bayrn,  gebrüder,  Hertzog  Theodo  des  andern  Söne; 
Hertzog  Theasel  der  erst,  vnd  Dietprecht,  Hertzog  Dietben  Söne;  Konig  Garibalt  in 
Bayrn ; Gariballt  königk  in  Baym ; Theodo  der  viert,  hertzog  in  Bayrn ; Tessel  der 
zweit  vnd  Dietprecht,  gebrnder,  Hertzogen  in  Bayrn,  hertzog  Theodo  oder  Diethen 
des  vierten  Sone;  Hertzog  Dieth  der  funft,  Griroholt,  vnd  Dietprecht  der  dritt, 
gebruder,  Hertzog  Thessels  in  Bayrn  Sone;  Hertzog  Dieth  der  sechst,  hertzog  Grim- 
holts  in  Bayrn  Sone;  Hortzog  Haiimbrecht,  hertzog  Diethen  des  sechsten  Sone; 
Hertzog  Vthil  in  Baym,  Haumbreebts  Sone,  konig;  Hertzog  Thessei  der  dritt,  vnd 
Dieth  der  acht  vnd  letzst  in  Bayrn,  sein  Sone. 

Nachdem  jetzt  „dem  gütigen  Leser“  bemerkt  worden,  dass  ununiehr  des  Kaisers 
Karls  des.  Grossen  Vorältem  an  die  Reihe  kommen,  folgt  Anselbert  von  Alphaj,  ein 
Römer,  Marggrane  vff  der  Scheiden;  Arnolpb,  Murggraue  zu  Anthorlf;  Arnolff 
Marggrane,  letzst  Bischoüf  zn  Metz ; Anchises  Murggraf  zu  Antorf,  Grosz  Hanszmayr 
in  Franckreich;  Pipin  der  Knrtz,  Marggraf  zn  Authorff,  Hertzog  in  Austrasia  vnd 
Brabant,  Groez  Hausmayr  in  Franckreich;  Carll  Marcell,  Hertzog  vnd  fnrst  der 
Francken;  Pipin  der  feist,  Hanszmayr,  Konig  in  Franckreich. 

Vielleicht  sollte  jetzt  in  Prosa  der  Uebergang  zu  Karl  dem  Grossen  seine 
Stelle  finden,  der  wegen  des  bereits  eingekicbten  Holzschnittes  keinen  freien  Platz 
mehr  fand. 

Eine  Vergleichung  mit  der  durch  den  bereits  oben  in  Nnm.  6 erwähnten  Pfalz- 
Simmeru'schen  Kanzler  Matheas  Röthler  ini  Jahre  1570  besorgten  Bearbeitung  der 
Reimebronik  des  Herzogs  Johann  II  von  Simmern-Sponheim , welche  sich  im  (Jod. 


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221 


germ.  Ifil4  und  im  Cod.  germ.  1615  der  Hof-  und  Staatsbibliothek  **•)  findet,  to» 
welchen  der  letztere  sehr  rein  geschrieben  ist  nnd  auch  überall  den  Raum  fUr  Ein- 
lUgang  von  Bildern , Tielleieht  wieder  den  gleichen  Holzschnitten . zwischen  der 
Uebersebrifi  nnd  den  Reimen  leer  gelassen  hat,  weist  zum  Theiie  Tollsiandige  Ueber- 
einstimninng  nach. 

Im  Vorubergehen  mag  bei  dieser  Gelegenheit  darauf  hingedeutet  sein,  dass  ein 
Abdruck  des  zuletzt  berührten  Werkes  ans  einer  seinerzeit  einmal  im  Besitze  des 
Marquard  Freher  befindlich  gewesenen  Handschrift  im  Jahre  1781  vom  Professor 
Friedrich  Christof  Jonathan  Fischer  zu  Halle  in  seiner  novissima  scriptonun  ac 
monnmentomm  rerum  Qermanicaram  tarn  ineditorum  qnam  rarissimornm  collectio  I 
S.  39 — 131  bewerkstelligt  wunle.  Freilich  aber  hat  er,  da  er  der  Vorrede  zufolge 
8.  6/7  aus  höchst  sonderbaren  **■)  Gründen  in  diesem  Werke  eine  zwischen  die 
Jahre  1574  und  1576  zu  setzende  Arbeit  des  Kurfürsten  Ludwig  V erkennen  zu 
sollen  meinte,  dieselbe  als  „Knrfürsi  Ludwigs  V von  der  Pfalz  reimweise  veffasste 
Genealogie  des  Bayerischen  nnd  Pfälzischen  Hanses**  veröffentlicht. 

66. 

Des  Dr.  Wiguleus  Hundt 

baierisebe  und  pfälzische  Genealogie  sammt  kurzer  Verzeichnung  der  baierischeii 

Laudestheilungen. 

a) 

Sie  besteht  in  einer  Uaudschrifl  des  16.  Jahrh.  im  geheimen  Staatsarchive 
ans  zwei  znsammengehefteten  Lagen  von  je  8 Bogen,  von  deren  letztem  das  Schluss- 
blatt nicht  mehr  beschrieben. 


126)  Soccetflio  Za-  wind  Abkanfft  beider  Chur-  rnd  fürstlicher  Heaser  Pfsltz  mnd  Bajm,  der 
jetzandt  noch  lebenden  Cho>  vnnd  Fürsten  Oenealog]  oder  geburts  Tafel,  aosz  alten  Historjen  Friui- 
legien  Confiimation  Stifftnngen  Grabstetten  vnnd  schrififtoQ  zusammen  getragen  vnd  Terüunt  von  otwo 
dem  DnrchlenehUgen  Hoebgebomen  Fürsten  vnd  Herrn  Jobannsen,  PCslUgrafcn  bei  Rhein,  Hertzogen 
ja  Bajm,  vnd  Grafen  zu  Spooheim 

127)  Vgl.  hierüber  die  Note  133. 

1^)  Gleich  die  ersten  sind  daher  genommen,  dass  sich  am  Schlnaae  folgende  zwei  Anfieieh- 
Bongen  finden: 

a)  Venaicboos  Meiner  Hertsog  Ludwigen  PfalUgrauen  etc.  Brneder  and  SchwesUrn,  wo 
nnd  wenn  »y  gebom  worden  and  darunder  ir  ains  taile  widemmb  in  Gott  versebiden, 

b)  Mein  Hertzog  Ludwigs  Pfaltigranon  mit  meiner  Geroahelin  erzeügte  Khindor. 

Li^  da  am  Ende  nicht  der  Gedanke  viel  nihor , dass  dieser  Herracher , von  welchem  Fischer  selbst 
bemerkt,  dass  die  pfSlzisehen  Geschichtschreiber  nur  üassem,  eom  foisse  eoocordiae  atqoe  tranquUli- 
latis  stodiosum,  litteranun  amatorem  atque  pietatis  eultorem , die  betreffenden  Einseichnungen  iu  ein 
ihm  sugebörendee  Exemplar  der  in  Frage  stehenden  Reimchronik  geaaUt  habe,  und  dass  sie  bei 
Abschriftnahme  hievon  zugleich  mit  aafgenommen  und  auf  solchem  Wege  weiter  vervielfaUigt  wor- 
den? Ist  das  ja  aoeh  in  den  erwähnten  Handschriften  der  Hof-  nnd  Staatsbibliothek  der  Fall. 

129)  Dass  sie  seinerzeit  dem  Dr.  Wiguleus  Hundt  selbst  gehörte,  beweist  Mine  Bemerkung  am 
unteren  linken  Rande  der  ersten  Seite:  Hern  Dr.  Honds  Liberej. 


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222 


Die  baierische  Genealogie  beginnt  mit  den  Worten  „Hernach  volgt  mit  der  knrtze 
ain  waarhafts  anzaigen  wie  der  Chnrfäniten  Hertzogen  in  Baiem  vnnd  Pfalzgranen  bcj 
Rhein  genealogia  pluetstanimb  vnd  sippacbaft  heerkbSmbt  Ton  der  zeit  an  zurecbnen 
<ils  8J  die  regierung  vermeltes  herzogthnmbe  bej  weilend  kaiser  Fridrichen  dem  ernten 
Barbarossa  genant  anno  1180  wider  Tlierkhommen  haben“  mit  Pfalzgraf  Otto  in 
Baiern,  Graf  zu  Scheiern  nnd  Witfelsbach,  dem  dritten  oder  nach  „Aventinue  in 
sein!  Compendio“  dem  vierten  dieecs  Namens,  nnd  reicht  bis  Herzog  Wilhelm  V, 
dessen  Kindern  — Christina,  Maximilian,  Anna  Maria,  Albrecht  beziehungsweise 
durch  Correctur  anderer  Hand  Philipp  — die  Geburtsjahre  nicht  mehr  beigesetzt 
sind,  wie  auch  vorher  die  Kinder  des  Herzogs  Albrecht  V vielleicht  erst  nachträglich 
eingefOgt  wurden. 

Nach  einer  leeren  Seite  folgen  auf  zwei  Blättern  unter  der  L'eberschrift  „Von 
Thailungen  des  lands  zu  Baiern“  diese  von  12.^4  beziehungsweise  1255  bis  zu  der 
niedetbaierisehen  in  Folge  des  Presburger  Spruches  vom  Jahre  1429. 

Wie  schon  oben  bemerkt,  ist  das  letzte  Blatt  der  zweiten  Lage  leer.  Zwischen 
das  Verzeichuiss  der  Laudestheilungen  nun,  welches  mit  dem  vorletzten  Blatte  dieser 
Lage  schlies.st,  und  dem  erwähnten  letzten  leeren  Blatte,  jetzt  IJmschlagblatte,  ist 
eine  Lage  von  4 Bogen  eingeheftet,  deren  erster  als  Umschlag  dient,  und  oben  in 
der  Mitte  der  ersten  Seite  die  Aufschrift  fDhrt : pfälzisch  titamb.  Diese  pfälzische 
„Pluet  liui  vnd  stamm  der  jetzigen  Pfaltzgrauen  am  Rhein“  Ireginnt  mit  dem  Kur- 
ftlrsteii  Ludwig  dem  Dritten  oder  Strengen,  und  reicht  bis  gegen  den  Schluss  des 
dritten  Viertels  des  16.  Jahrhunderts,  und  zwar  zu  Pfal/graf  Ludwigs  Linie  zu 
Zwcibrtlcken,  und  Pfalzgrnf  Friedrichs  Linie  anf  dem  Hundsrüeken. 

Zu  der  den  Anfang  bildenden  baierischen  Genealogie  sind  von  derselben 
wie  von  anderer  ‘’*)  Hand  hier  und  dort  Bemerkungen  an  den  Rand  gesetzt. 

Es  mag  bei  dieser  Gelegenheit  noch  auf  einen  schlechten  Abdruck  verwiesen 


1601  HeiHiiielswaise  bei  Herzog  Chrbtof  von  ttaicrn-Müiictien:  H[mog]  Oriztotz  bofmaizter 
Hanzz  Truclizezi,  V[lrick]  Ilötinger.  Item  seine  itieuer  V[lrich]  Adltzboner  in  .tdltshoneD  vnd  Sig- 
mondt  Prnkber,  Cniitzler  anno  14-Sö. 

161)  Unter  Kaiser  I.ndnig  dem  Baier  besagt  der  Text:  Vnmi  nla  fmw  Hentrii  teiu  gemzchel  anno 
1620  todta  nbgangen.  hat  jme  graf  Wilhntm  von  Holland  anno  1.626  nein  tochter  fraw  Margreth  rer* 
bejmt.  danon  die  grafsohaftten  Holland  Seeland  Friesland  vnd  Henegaw  an  daz  Hansz  liavrn  kommen. 
Cöllner  zetzt,  wie  doa  graf  Wilbalm  kainen  männlichen  erben  gehabt;  darin  er  zieh  gejrrt,  dann  er 
bet  sin  ton,  anch  graf  Wllbalui  genant,  wcllicber  anno  164.1  ohne  männliche  erben  veivtorbcn.  Aven- 
liirnz  in  zeiner  Cl-ronikh  fol.  7.19  vnd  7K4.  dergleichen  andere  Hiatoriej. 

Hiezn  Kniet  sich  folgende  spätere  archivaliKhe  Hemerknng  in  HQchtiger  Schrift  von  blässerer 
Tinte:  ea  bezaigt  zieh  in  der  laden  126  vndt  register  K 207  ein  oiiginnl.  erafft  welchem  diese  fron 
lieatrix  ainen  bmeder  mnesz  gehabt  haben,  vndt  derselben  erst  nach  dessen  todt  die  obbemelte  graf- 
scliafltcn  bainibgcfallen  sein,  msssen  in  solchem  original  exprezse  entlmlten,  das  kliaiser  Lndwig  seiner 
grmablin  nach  jhres  brneder  todt  die  jhr  haimbgefallne  graffchafften  zu  Rom  verliehen  habe. 

162)  Als  Beleg  liicfür  nur  ein  Beispiel,  nämlich  die  Stelle  über  die  Veimäbinng  des  Herzogs 


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223 


sein,  welchen  aus  einer  Handschrift  die  verschiedene  Schicksale  zn  überwinden  hatte 
bis  sie  in  seinen  Besitz  gelangte***)  im  Jahre  1781  Prof.  Friedrich  Christof  Jona- 
than Fischer  zn  Halle  in  seiner  novissima  scriptornm  ac  monomentorum  reruin  Ger- 
manicarum  tarn  ineditornm  quam  rarissimormn  collectio  I S 137<-192  besorgt  bat, 
woselbst  er  der  Vorrede  zufolge  S.  8—10  in  dem  Werke  ans  bdchst  sonderbaren 
Gründen  eine  Arbeit  des  bekannten  Freher  erkennen  will,  nnd  en  demgemäss  als 
„Markward  Freher*»  Blutstamm  nnd  Sippschaft  der  Herzoge  von  Baiem  nnd  Pfalz- 
grafen am  Rhein'*  bezeichnet  * 

In  diesem  Drucke  ist  der  grössere  Theil  der  Randbemerkungen  der  gleichen 
Hand  wovon  vorhin  die  Rede  gewesen  bereits  in  den  Text  aufgenommen.  Ueber- 
hanpt  sind  verschiedene  Ausführungen  hier  vielfach  weiter  als  in  der  Handschrift 
des  geheimen  Staatsarchives.  So  findet  sich  beispielsweise  in  der  baieriscben  Genealogie 
S.  145  bei  Otto*s  Sohn  Heinrich  dem  Natternberger  unter  Verweisung  anf  Aventins 
Geschichtswerk,  wornnter  wie  sonst  immer  die  Ingolstädter  Aasgabe  der  baierischen 
Annalen  von  Hieronyma.»  Ziegler  vom  Jahre  1554  verstanden  ist,  S.  774  die  Andeu- 
tung, dass  er  „zu.  Natternberg  als  er  kburtzweil  halb  gedantzt  und  gesprungen"  einen 
Fass  gebrochen  habe,  in  Folge  dessen  er  bald  hernach  im  Jahre  1333  gestorben. 
Sodann  sind  die  oben  berührten  Kinder  Albrecbts  V und  Wilhelms  V im  Drucke 
S.  171 — 173  genaaer  behandelt  und  bis  zum  Jahre  1587  verzeichnet  In  der  pfal- 
• zischen  Genealogie  erwähnt  nnsere  Handschrift  von  Ruprecht,  dem  Sohne  von  König 

Raprechts  drittem  Sohne  Ludwig,  nur  in  aller  Kürze,  dass  er  Erzbischof  zu  Köln 
gewesen  and  im  Jahre  1476  gestorben  sei,  während  im  Drucke  S.  180  die  desfallsige 


Alhrecht  V mit  Eosigunde  von  Oesterreicb,  der  Tochter  des  Esisers  Friedrich  111  and  Schwester  des 
Eaisers  MsTimilisD,  in  der  Spalte  1 gegenQber  dem  Wortlaute  unserer  Handschrift  in  der  anderen 
Spalte: 


vand  die  Termihlong  beaehehcn  za  Issprlnkb 
anno  14S7.  hat  den  andern  jener  anno  1487 
boehzeit  gehalten  nach  anzaig  der  Aagtpurgi- 
Mhen  Cronickba.  in  aioer  bajerisehen  teatschen 
Croniekb  etebet,  sej  zu  weinnaebten  auno  1458 
gebora. 


vnnd  gedachter  hertzog  Alhrecht  t4>dt  am 
mariij  anno  1508  o.  s.  w 


18 


rund  die  vermecbltug  besebeeben  zu  Ynsprnkb 
anno  1487. 

jn  ainer  tentscheu  bayrischen  Cronikb  stet,  seie 
za  woihnilebten  anno  etc.  86  besebeeben.  die 
ober  lall  ist  glaublicher  von  wegen  der  khinder,^ 
deren  das  erst  anno  1488  geporen. 
rund  gedachter  benog  Albreebt  todt  am  18 
martij  anno  1508  a.  s.  w. 


133)  Es  heisst  von  dieser  wie  von  den  übrigen  im  berührten  Werke  benützten  Handschriften: 
Qoaa  jam  in  lacem  prolatnros  sum  tria  roanascripta  olim  erant  Cancellario  Halens!  a Ludwig,  qai 
illa  e Marqaardi  Freheri  bibliotbeca  acceperat.  a quo  deinde  — et  quidem,  qnod  ez  iUo  quoniam 
leqne  in  Michaelis  catalogo  thesauri  Ubromm  rolgat.  et  mas.  Job.  Petri  de  Lndwig  HaUe  1745, 
neque  in  catalogo  bibU  Ludw.  mss.  aUegantur,  colllgo  — dono  accepit  Magnus  Bcgni  Borassici  Caneellarias 
aCooceji,  post  cujos  obitam  ad  orphaootropbei  Halleoais  iabernam  Ubrariam  pervenerunt,  quae  postea. 
mibi  Ula  vendidit. 


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224 


Wahl  im  Jahre  1474  and  die  hierauf  eingelretenen  Ereif^üae  bis  zu  seinem  im  Jahre 
1480  im  Gefängnisse  erfolgten  Tode  berührt  sind;  wie  Flandreuais  Crouica  davon 
weitlenffig  schreibt  und  Nauclerus  Generatione  50.  Aach  von  S.  186  an,  Pfalzgraf 
Ludwigs  Linie  zu  Zweibrücken,  ist  der  Druck  gegen  unsere  Handschrift  tbeilweise 
ausführlicher,  während  sodann  umgekehrt  diese  bei  Wolfgang***)  weitläufiger  erscheint, 
wenn  sie  gleich  nur  4 Sühne  und  3 Töchter  desselben  gegenüber  den  dortigen  5 
Söhnen  und  8 Töchtern  verzeichnet.  Endlich  finden  .sich  gegen  die  in  Frage  stehende 
HandschVift  im  Drucke  Seite  188/189  zwischen  die  Zweibrücker  Linie  nnd  die  des 
Pfalzgrafen  Friedrich  auf  dem  Handsrücken  noch  „Hertzog  Philips  Ludwigs  zu  Neu- 
hnrg  Kinder“  eingeechoben , und  bilden  daselbst  S.  191/192  den  Schluss  die  Kinder 
des  Kurfürsten  Ludwig  bis  zum  Jahre  1597. 

b) 

Nur  mehr  der  innere  Bogen  einer  Lage  aus  dem  pfälzischen  Theile  des  eben 
behandelten  Werkes,  von  einer  Hand  des  1647  Jahrh.  in  Folio  halbbrüchig  geschrie- 
ben, findet  sich  gleichfalls  im  geheimen  Staatsarchive. 

Es  entspricht  dieses  Bruch.stück  in  dem  vorhin  angeführten  Dnicke  Fischer’s 
den  S.  178—180,  aber  in  der  Weise,  dass  der  Abschnitt  über  den  zum  Erz- 
bischöfe von  Köln  erwählten  Pfalzgrafen  Ruprecht  — nicht  so  vollständig  ist,  son- 
dern — mit  der  unter  a berührten  Handschrift  stimmt. 

c) 

Ein  Bruchstück  einer  Abschrift  wenigstens  des  ersten  Theiles  des  eben  unter 
Lit.  a erwähnten  Werkes  enthalten  7 und  11  Uber  den  Rücken  za.sammengebeflcte 
Blätter  aus  dem  17.  Jahrh. 'im  geheimen  Hansarchive,  hier  und  dort  mit  Erweite- 
rungen, theilweise  so  dass  die  daselbst  l>erUhrten  Randbemerkungou  der  ersten  Hand 
in  ihrer  Mehrzahl  bereits  fortlaufend  in  den  Text  aufgenommen  sind,  theils  aber  auch 
in  selbständigen  Zuthatcu  bestehend , wie  gleich  im  Anfänge  zwischen  dem  Pfalz- 
grafen  Otto  in  Baiem,  Grafen  zu  Scheiern  nnd  W4ttelsbncb , dem  dritten  oder  nach 
„Aventinns  in  seinem  Compendio“  dem  vierten  dieses  Namens,  und  seinen  Kindern 
unter  der  Ueberschrift  „alii  sic“  über  den  Pfalzgrafen  Otto,  den  Stifter  von  Ensdorf, 
und  seine  Gemahlin  Helica  wie  der  letzteren  Schenkung  von  Kostbarkeiten  an  dieses 
Kloster,  mit  den  Epitaphien  der  dortselbst  begrabenen  Pfalzgrafen  Otto  und  seines 
Sohnes  Friedrich. 


134}  Wolfgaug.  dessen  grinsclt)  Aaaa.  Isndtgraf  Phillippen  von  Hessen  tnchter.  bej  jr  4 süna 
vnd  .S  tSchter  verlassen ; Phillip  I.ndwig,  Johanns,  Ott • Hainrich , Fridrieh;  Cristina,  Anna, 
Dorothea  Agnes. 

Disem  pfalttgraf  Wolfgang  vhergah  sein  votier  pfaltigraf  Ott -Hainrich  die  jnng  Pfaltz  an  der 
Thonaw,  als  er  tnnor  das  stathalter  ampt  in  Amherg  etlich  jar  verwalt  het  er  starh  in  Franckhreich. 
dahin  er  den  Hngenotten  tu  heistand  ein  namhaft  tentach  kriegsnolckh  in  rosz  vnd  fnesz  wider  denn 
konig  gefirt  het  anno  1.^69]. 


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225 


Da»  Bruchstück  reicht  bis  gegen  den  Schluss  von  des  Herzogs  Albrecht  von 
Niederbaiern-FIolland  erstgebornein  Sohne  Wilhelm. 

67. 

Des  Dr.  Wiguleus  Ilnudt 
baierische  nnd  pfälzische  Oenealogie, 

theils  gekürzt,  theils  aber  auch  aosfübrlicber,  und  namentlich  der  Zeit  nach  bis  in 
die  Neunziger jahre  des  Dl.  Jahrh.  weitergelohrt,  auf  13  in  einander  gebeiteten  Bogen 
in  Folio  im  geheimen  Flausarchive  aus  dem  Scblnsse  des  10.  oder  dem  Anfänge  des 
17.  Jahrhunderts,  wovon  die  drei  End.seiten  leer  sind. 

Die  unter  Niim.  66a  borilhrte  Vorrede  fehlt  hier,  so  dass  unter  der  Uel>erschrift 
,.prältzischer  vund  bavrischer  stammen  D.  H.“  gleich  „Otto  Pfalzgraf  in  Baym,  grafl’ 
zue  Seheurn  vnnd  Wittclspach,  anno  1165,  der  dritt , alias  der  d disz  namens“ 
l)eginnt. 

Am  Schlüsse  der  baierischen  Oenealogie  sind  die  in  Nnin.  66  a nur  mehr  an- 
gedenteten  Kinder  Albrcchts  des  Grossn\üthigen  wie  Wilhelms  V ausführlicher 
behandelt,  nnd  theilweise  die  dortigen  Zahleuangaljeu  verändert.  Sie  reicht  bis  zur 
Gehört  der  Prinzessin  Magdalena  am  4.  Juli  1587.  Es  besteht  hieuach  Uebereiu- 
stimmung  mit  der  llandschrifi , aus  welcher  der  da.selbst  erwähnte  Druck  Fischer's 
hergestellt  ist. 

Ohne  die  .■Vufzählnng  der  baierischen  Landestheiinngen  folgt  dann  gleich 
Bluttlini  vnnd  stamm  der  jetzigen  pfaltzgrafen  am  Uhein.  Die  in  Nnm.  66a  auf- 
genommene Erzählung  von  Pfalzgraf  Johanns  Kämpfen  gegen  die  Hussiten  und  die 
Schlacht  bei  Hiltersried  mit  der  Erwähnung  des  Veit  .4rnl>cck  teblt  hier,  wie  auch 
die  unmittelbar  darauf  folgende  Stiftung  des  Klosters  Onadeuberg.  Vervollständigt 
ist  die  Linie  des  Herzogs  Ludwig  von  Zweibrücken,  und  nach  ihr  ist  die  in  Nnm. 
66  a nicht  I>erück8icbtigte  des  Herzogs  Philipp  Ludwig  von  Pfalz-Nenbnrg  bis  in  das 
letzte  Jahrzehnt  des  16.  Jahrh.  eingeschobeu,  worauf  dann  erst  die  des  Pfalzgrafen 
Friedrich  auf  dem  Hnudsriiekeu  folgt,  so  dass  in  den  in  diesem  Satze  berührten 
Beziehungen  wietler  Uebereinstimmung  mit  der  handschriftlichen  Vorlage  des  oben 
erwähnten  Druckes  herrscht. 


6K. 

Ohur-  vnnd  fürstliche  Pfälzische  vnnd  Bayrische 
Geuealogia, 

durch  weilnud  den  edlen  hochgelehrten  Herren  Wiguleum  Hund,  der  rechten 
doctorn,  ftirstl.  Bayr.  Rath,  zuesamen  gezogen. 

Unter  dieser  Ueberschrift  begegnet  von  einer  Hand  der  zweiten  Hälfte  des 
16.  Jahrh.  in  dem  oben  XIV  .^bth.  3 S.  50 — 54  besprochenen  Sammelbande  des 
geheimen  Hausarchives  von  einer  Folienbezeichnnng  107  an  auf  einer  Lage  von 
ursprünglich  sielwn  Bogen,  deren  zweite  Hfilfte  leer  ist,  nnd  ans  deren  erster  Hälfte 
Abh.  ü.lll.Cl.d.k.Ak.il  WUs.  XV  Bd.  1.  Abth.  2'J 


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226 

zwei  Blätter  au«geriaseu  sind,  so  diiss  jetzt  nur  noch  fünf  lieschrieben  sind,  ein 
Bruchstück  des  genannten  Werkes  mit  erläuternden  Bemerkungen  zu  den  einzelnen 
Abschnitten  und  zugleich  mit  wirklicher  Darstellung  der  (Teiiealogie  in  der  Gestalt 
von  Stammtafeln.  So  beispielsweise  erstcres  gleich  nach  der  unter  Xum.  66  a erwähnten 
Vorrede ‘*®)  des  Dr.  Wiguleus  Hundt,  dann  nach  dem  Beginne  des  Werkes  selbst, 
also  nach  der  Verzeichnung  von  Pfalzgraf  Otto  in  Baiern  im  Jahre  1 165  und  seinen 
sechs  Kindern. 

Die  Arbeit  bricht  bereits  mit  den  Stammtafeln  vom  ersten  Herzoge  Otto  von 
Wittelslzach  bis  zum  Aussterbeii  der  niederbaierischen  Linie  im  Jahre  1340  wie  mit 
jenem  vom  Kurtiirsten  Rudolf  I von  der  Pfalz  bis  zum  Tode  Ruprechts  II  im 
Jahre  1398  ab. 


69. 

Des  Michael  Arroden 

.Auszüge  aus  den  Drknndeu  und  .Akten  des  baierischen  .Archives  über  den 
Landshnter  Krbfolgekrii’g. 

Unter  den  bervorragendeu  liaierischen  Archivaren  früherer  Jahrhunderte,  deren 
in  der  ersten  .Abtbeiluug  S.  32  — .37  gedacht  worden,  hat  auch  Michael  .Arroden 
seine  .Stelle  gefunden,  ln  unserem  Jahrzehnte  hat  ihm  Dr.  Hafitle,  wie  dort  erwähnt 
ist,  ein  ehrendes  Denkmal*’*)  im  oberbaierischen  .Archive  für  vaterländische  Geschichte 
.XXXIV  S.  190—236  ge.setzt. 

Es  ist  daselbst  S.  230—236  insbesondere  seine  archivaliscbe  Thätigkeit  gewür- 
digt, und  darunter  deren  Meisterwerk,  die  sogenannte  Huinmaria  Registratura  tabu- 
larii  boici  in  vier  Theilen  in  Folio,  wovon  der  erste  in  zwei  Halbbände  zerfallt, 
jetzt  im  allgeiiieiuen  Keichsarchive  hier.  Von  ihrem  zweiten  Theile  fehlen  die  ersten 
10  Folien  oder  vielleicht  etwas  darüber.  Kr  beginnt  — nach  Hantle's  Mittheilung 
S.  23.Ö  — am  Ende  des  26-  Oktobers  1591,  und  zeigt  als  ersten  Eintrag  eine  Urkunde 
von  1506,  woraus  ersichtlich  dass  der  vorausgehende  erste  Theil  — ebendort  S.  234 
— nicht  mehr  viel  über  den  6.  Oktober  hinausgereicht  haben  könne,  weil  er  an 
diesem  Tage  bereits  bis  zum  Jahre  1501  mit  Arrolens  Einträgen  gediehen  war.  Es 
ist  dieser  Verlust  um  so  bedauerlicher,  als  gerade  dieser  zweite  Theil  besonders 
ausführlich  behandelt  ist,  und  uns  auch  für  eine  allenfallsige  Ergänzung  der  im 


bJi)  Beispielsweise  la  den  Worten  „siino  1180  wider  bekotnen“  heisst  es:  Beijeiiige  so  das 
Herzogthainb  Bairn  wider  vberkomea  hatt  graf  Otto  vonn  Wittelspach  der  gross  gehaisien,  wie  enden 
an  seinem  ortt  weitlcüftiger  davon  soll  gesagt  werden. 

Zn  den  alsbald  folgenden  Worten:  darvon  langer  abz  2oO  jalir.  Berchtoldus,  qui  post  fratrem 
.krnolpbuni  malom  Boiariae  Dux  ab  Ottone  I linperatore  fbit  constitotus,  obüt  sine  liberia  IX  cal. 
Decembr.  anno  Clir.  !Ms,  - 

l:>(i)  Dr.  .Michael  Arrodenius,  herzoglich  baierischer  Archivar  und  Hofkaplan.  Eine  biogra))hiseha 

Skizze. 


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227 


allgemeinen  Reichsarchive  noch  vorhandene  erste  Entwurf  für  denselben  im  Stiche 
lässt,  indem  er  erst  von  S.  262  beginnt,  so  dass  nur  eine  auch  nicht  einmal  annähernd 
sichere  Ausfüllung  durch  den  chronologisch  geordneten  sogenannten  Index  historicus 
von  Urkunden  von  1224 — 1579  au  dem  in  Frage  stehenden  aweiten  Theile  mög- 
lich wäre. 

Des  hienach  mehr  als  gewagten  Versuches  einer  solchen  Arbeit  ist  man  inde.ssen 
überhoben , da  ich  unter  ungeordneten  Papieren  im  geheimen  Hnii.sarchive  auf  das 
eben  als  mangelnd  beaeichnete  Stück  des  zweiten  Randes  der  summarischen  baierischen 
Archivsregistratur  gestossen  bin. 

Es  finden  sich  nämlich  daselbst,  nur  in  neun  losen  je  ans  drei  unten  und  oben 
znsainmengehefteteu  Rogen  bestehenden  Lagen , Reste  iler  Reinschrift  des  berührten 
Bandes,  und  zwar  mit  vielfachen  Randverzeichnungen  und  einer  .sehr  umfassenden 
Einschiebung  von  der  Hand  Arrodens  selbst.  Die  Aufbewahrung  dieser  Reste  muss 
lange  Zeit  hindurch  keine  .«ehr  sorgsame  gewesen  sein,  denn  beispielsweise  gleich 
die  Beschaffenheit  der  Vorderseite  des  ersten  Blattes  legt  in  seiner  durch  Staub  und 
anderes  ganz  unkenntlich  gewordenen  schauerlich  in  grau  und  braun  spielenden 
Farbe  beredtes  Zeuguiss  hiefür  ab.  Wa.s  das  Ganze  im  Einzelnen  betritlt,  sind  von 
der  ersten  Lage  die  Ijeiden  Anfang-sblätter  leer  gcla-«sen,  vielleicht  für  den  seiner- 
zeitigen Titel  und  etwa  eine  gedrängte  Hauptübersicht  des  Inhaltes.  Von  dem  dritten 
Blatte  weg  weisen  die  einzelnen  Lagen  Paginirung  von  1 — G8  auf,  während  die 
Blätter  69—82  foliirt  sind.  83  bis  92  fehlen.  Von  9.3 — 116  herrscht  wieder 
Paginirung.  Zwischen  der  siebenten  Lage  findet  sich  die  vorhin  angedentete  grössere 
Einschaltung  Arrodens,  indem  in  ihre  Mitte  zwei  und  wieder  zwei  eng  Ijeschriebene 
Bogen  eingeheftet  sind. 

Es  umfassen  diese  Reste  seine  archivalische  Arbeit  vom  Montage  dem  7.  Oktober 
1591  bis  in  den  26.  dieses  Monats,  und  vom  29.  desselben  bis  in  den  4.  November. 
Zunächst  ist  der  Inhalt  des  Kastens  1 mit  einem  an.«serhalb  desselben  gelagerten 
Libell  von  S.  1 bis  Fol.  71'  bezicbnngswei.se  79'  verzeichnet.  Daran  schliesst 
ich  der  der  Kästen  2—4  *”)  von  Fol.  80  bis  82  und  S.  93  bis  116,  mit  Ausnahme 


137)  C.  1.  Hifrinaen  liften  3 lad  mit  Xr.  1.  2.  tt.  kmichnet,  vnd  ein  libell  mit  N'r.  I. 

Die  ent  Lad  hebt  an  an  diuni  bist  de  nnn«  I4«.'i  bis  l.'iOt. 

Die  ander  fol.  31  de  anno  1.703  bis  1.704. 

Die  dritte  fol.  4S  anno  l-7(t4. 
libell  fol.  73  de  anno  1.V4  et  l.Vt.',. 

1.38)  C.  2.  Hierinnen  ligen  iwo  Laden  vnd  .">  — oder  richtig  fi  — Libell  mit  Nr.  1.  2.  ete. 
bezeichnet. 

Die  erst  hebt  an  an  diaem  blat  de  anno  I.704  bis  auf  ITÖtl. 

Die  ander  fol.  80  ,le  anno  1-706  bis  1.707. 

Krstea  Libell  fol.  8-7  de  snno  1406  bis  1-704. 

-Anders  fol.  88. 

Das  dritt  fol.  80  de  anno  1460  bis  anf  1490. 

20* 


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228 


der  Stöcke  des  Kastens  2,  welche  auf  die  fehlende  iin  Bande  des  allgenieiueii  Keichs- 
archires  vorhandene  Lage  treffen. 

So  wichtig  das  för  die  genauere  Kenntnisa  des  zweiten  Tbeiles  von  .\rrodens 
summarischer  haierischer  Archivsregistratnr  ist,  so  würde  es  natürlich  doch  noch 
nicht  rechtfertigen,  dass  ich  hievon  unter  älteren  .Arbeiten  zur  Ijaierischen  und  pfäl- 
zischen Geschichte  Meldung  mache.  Wie  aber  dieser  Theil  von  Arrodens  arcbivaliscbem 
Hauptwerke  — was  vorhin  schon  angedeutet  worden  — Ijesouders  an.sfübrlicb 
behandelt  ist,  bietet  er  auch  für  die  Zeit  des  so  traurigen  Landshutererbfolgestreites 
ausgiebigen  Stoff,  und  zwar  nicht  blos  in  einfachen  Kegesten  der  zahlreichen  Urkunden 
der  namhaft  gemachten  Kästen,  sondern  auch  in  äusserst  sorgsamen  und  zum  Theile 
weitläufigen  Auszügen  ans  den  eiuscblagenden  Aktenbänden,  io  Auszügen  die  mit 
sichtlicher  Neigung  nicht  nur  für  archivalische  Zwecke  sondern  mit  Kücksicht  auf 
die  nefricdig\mg  geschichtlicher  Bcdürfni.sse  gefertigt  sind.  So  beispielsweise  der  von 
dem  „Prothocol  .Augustini  Köllners,  Hfertzog]  Alhrechteu  Secretarien,  der  Acta  vnd 
verhör  auf  dem  Tag  zue  Aichach  vnd  Angspurg  1504“  von  S.  27— .31.  Noch  deut- 
licher tritt  das  lj«i  der  Behandlung  des  schon  angeführten  „ansserhalb  der  Laden“ 
des  Ka.stens  1 gelagerten  Libelles  von  rl5ß  Blättern  von  Fol.  71 — 70'  entgegen;  Ist 
sin  Beschreibung  der  namhafflisten  Geschieht  vnd  Kriegshaudinng  nach  Köm.  Kön. 
Maje.«tat  auszgangner  A^rtl,  vnd  wie,  auch  wohin,  vnd  welcher  ort  Hjertzog]  Albrecht 
mit  dem  Hündischen  Heer  vnd  Wagenburg  im  Laudt  Obern-  vnd  Nidern  - Bayrn 
bey  IS  Wochen  vmbgezogen  vnd  zue  Veldt  gelegen  ist,  auch  was  sich  darzwisclieu 
begeben  vnd  verloffen  hat,  von  8.  Görgeii  tag  anno  1,504  bis  auf  den  Februar  anno 
150.5.  Arruden  batte  anfangs  diesen  Archivalbaud  in  nicht  mehr  als  17  Zeilen 
ahgefertigt.  nnd  am  Schlüsse  bemerkt;  Ist  das  gantz  buech  nit  allaiu  lustig,  sonder 
auch  wegen  allerlay  Missin  vnd  Geschieht  nntzlieb  zue  lesen.  Damit  endete  auch 
die  Verzcichnnng  des  Kastens  1 Lade  1 auf  der  ursprünglichen  S.  74,  jetzt  Fol.  71. 
Mit  der  folgenden  nrsprünglichen  S.  75,  jetzt  Fol.  80,  begann  die  des  Kastens  2 
mit  seinen  zwei  Laden  nnd  5 Imziehungsweise  G Libelleu.  Zwischen  diese  Seiten  ist 
nun  nachträglich  der  sorgfältige  Anszug  des  in  Hede  .stehenden  Libelles  auf  zweimal 


Da*  viertte  fol.  8b. 

Das  fSDÜt  fol.  .SU  ilo  anno  I.MHl  bis  auf  1.540. 

Da*  sechste  fol.  !i;l  ile  anno  I52;t  et  1524. 

C.  ;t,  Ilicrinncn  Hegen  4 Imden  mit  Nnm.  1.  2.  ;1.  4.  bezeichnet. 
Die  erst  hebt  an  an  discni  blat  de  anno  1484  bis  auf  1.50b. 
Die  ander  fol,  10.5  anno  1.506. 

Die  dritte  fol.  107  de  anno  1.506  bis  1.508. 

Die  vierdte  fol.  108  snno  1.52-5. 

C.  4.  Hierinn  ligen  zwo  Laden  mit  Kr.  I.  2.  beteiclinct. 

Die  erst  bebt  an  an  disem  blat  de  anno  151.3  bis  154». 

Die  ander  fol.  174  de  anno  1514  bis  1516. 


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229 


zwei  zusaminengehefleteu  eng  bcschriebeueu  Bogen  mit  je  50—60  Zeilen  auf  der 
Seite  von  Arrodcn»  ohnehin  kleiner  aber  nicht»  desto  weniger  sehr  deutlicher  Schrift 
eingefhgt  worden.  Hiebei  hat  die  Paginirung,  uni  mit  der  ZShlung  der  bereit» 
fertigen  weiteren  Arbeit  nicht  in  irgend  eine  verwirrende  Collision  zn  gerathen,  die 
Umwandlung  in  eine  Foliirung  erfahren , so  da.»s  — wie  erwähnt  — die  ursprüng- 
lichen Seiten  75 — 80  einschliesslich  anf  Stelle  der  betreffenden  Rasuren  jetzt  die 
Folien  80 — 82  einschliesslich  bilden.  Bestand  nun,  wie  nicht  zu  bezweifeln,  die 
hierauf  folgende  Lage  wieder  aus  3 Bogen  oder  6 Blättern  oder  12  Seiten,  so  ergibt 
sich  hiefflr  die  Paginirung  gl  — 92  einschliesslich.  Und  hieran  schlieasen  sich  sodann 
ganz  natnrgemäss  unsere  beiden  letzten  fragen  von  8.  93—104  und  105  — 116. 


70. 

Des  Michael  Arrodeu 

Aufzeichnungen  zur  baieriscben  und  pfälzischen  Geschichte. 

Sie  finden  sich  auf  drei  am  Rücken  zusainuiengeklebten  in  einen  neueren 
Papierumschlag  mit  der  Aufschrift  „Historia  Bavarica  de  anii.  767  bis  1451“  ge- 
hefteten Blättern,  wovon  die  Vorderseite  des  letzten  nur  mehr  bis  zu  einem  V'iertel, 
die  Rückseite  nicht  mehr  beschrieben  ist,  im  geheimen  Hausarchive. 

Die  Schrift  zeigt  Arrodens  Hand  in  ihrer  ganzen  Flüchtigkeit. 

Den  Anfang  bildet  die  oben  in  Nuro.  47  unter  Lit.  b erwähnte  Abschrift  der 
Scheiern-Wittelsbach'schen  Geschlechbstafel  bis  zu  mehr  als  drei  Viertheilen  der 
Vorderseite  des  zweiten  Blattes. 

Unmittelbar  hieran  knüpft  sich  ein  Al>satz  mit  der  Ueberschrifl. : Hie  starb 

h[erzog]  Lndwig  der  Pfalzgraf  zu  Haideiberg,  vud  satzte  h[erzog]  Fridrich  sein  brnder 
zue  aiuem  vonnnnder.  In  der  zeit  — b^nnt  er  — alsz  man  zalt  1449,  aiiff  mit- 
wochen  vor  Assuinpt.  Mar.  virg.  vnd  der  was  vff  aiiien  freitag , zue  zwolff  vhren, 
starb  h[erzogl  Ludwig  Pfalzgrsf  bey  Rhein  vnd  h(erzog]  in  B[eyrnJ  zue  Wormbs 
in  der  tb[nm]bprobstey  au  dem  vszgang  oder  an  dem  stnelgang  u.  s.  w. 

Der  nächste  Absatz  unter  der  Ueberschrifl  „alsz  h[erzog]  Fridrich  Pfalzgraf 
w'ardt“  fangt  an:  Darnach  alsz  mau  zalt  von  Christi  gepurt  1450,  wardt  h[erzog| 

Fridrich  vorgeuant,  b[erzog]  Ludwigen  seligen  bruder,  ains  mit  den  jungen  h[erzog] 
Philippen  Rathen , da»  er  solt  sein  lebtag  Pfalzgraf  sein  vnd  alles  des  gewaltig 
sein  das  ainem  Pfalzgrauen  zue  gehört  vnd  auch  zue  gebart,  n.  s.  w. 

Dann  folgt  ein  Absatz:  Hie  wollen  etlich  fürsten  vnd  herrn  b[erzog|  Frid- 
richen  für  khainen  Pfalzgrauen  han.  In  dem  jar  1451  wollen  die  vorgenanten,  der 
bischof  von  Meintz , h[erzogj  Steffau  von  Beyrn , vnd  der  Margraf  von  Baden , vnd 
die  2 grauen  von  Lützelstaln  mit  allen  jhren  halltern  u.  s.  w. 


1:19}  Die  Eudworte  — in  der  Verzeielinong  des  Kastens  2 Lade  2 de  anno  1-iÜÖ  bis  auf  1.507  — 
sind  da:  Abtrett  vnd  Anfsag  brieff  ieden  Ücekben  loeediickben.  die  thailnng  des  [Pnlners]. 


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230 


Nun  Hilirt  uns  unter  der  Uebersehrift  „Das  sindt  die  herrii  vnd  fürsteu  die 
*u  Sjieir  rif  dem  Tag  waren“  ein  längerer  Alisehnitt  die  lä  Fürsten,  26  Grafen, 
20  Freien,  62  Kitter  vor,  die  den  Keichstag  Speier  am  Tage  von  Maria  Hiuimel- 
falirt  des  Jahres  1451  besuchten. 

’ Den  Schluss  endlich  bildet  der  Altsatz;  alsz  — nämlich  im  Jahre  1452  — 
Lntzelatain  gewonnen  wardt,  vnd  die  Grafen  vertriben  von  hferzog]  Fridrichen. 

Mau  wird  hiebei  unwillkürlich  an  den  Anonymus  .Spirensis  zur  Geschichte  des 
Kurftlrsleu  Friedrichs  des  Siegreichen  erinnert. 

71. 

Des  Hermann  W i t e k i n d 

Geuoalogia  vmid  Herkommen  der  t'hiirfurstcn,  auch  Plaltzgranen  bey  Rhein,  von 
Otten  von  Wittelspach,  welcher  vor  vierhundertt  .Jahren  gelebt,  bisz  v ff  jetzt 
regierenden  Plältzgralf  Friederichen  den  vierttenn  dieses  Namens , mit  Vorzeigung 
kürtzlich  eines  .Jeden  L<>benB. 

Diesen  Titel  führt  eine  aus  drei  Lagen  von  je  vier  Hogen  in  Ijnart  Ijesteheude 
Handschrift  des  geheimen  Hausarchives  aus  dem  letzten  Jahrzehent  des  10.  Jahrhun- 
derts. Unter  dem  Titel  selbst  ist  das  zierlich  in  Farben  ausgeführte  Wappen  von 
Uaiern- Pfalz  uufgeklebl.  Auf  der  Vorderseite  des  Umschlage.s  von  grauem  Fliess- 
papier, in  welchen  die  drei  Lagen  geheftet  sind,  steht  von  einer  gleichzeitigen  Hand, 
welche  auch  zahlreiche  kleine  Bemerkungen  an  den  Hand  gesetzt  hat : tienealfigia 
de.sz  Chnrfiirstl.  Pfalz  stammen. 

Sie  beginnt  damit,  dass  „Keiser  Heinrich,  genant  Auceps“  zwei  täöhne  liinter- 
lasseu,  von  welchen  Otto  nach  des  Vatera  Tode  den  Kaiserthron  bestieg,  während 
zum  Bchiife  der  standesgemässen  Versorgung  Heinrichs  „die  rechten  Hertzogeu  in 
Bayern  verstcisaen“  wurden,  .\rnnlf  und  Hermann,  des  Herzogs  Arnulf  Söhne,  welche 
die  Grafschaft  Scheiern  im  Herzogthum  Baiern  erhielten  und  sich  hienach  Grafen 
von  Scheiern  schreiben  mussten,  bis  Kai.ser  Friedrich  der  Hothlmrt  dem  Grafen  zu 
Scheiern  Otto  von  Wittelsbuch  „wegen  seiner  manlichen  thaten  vnd  wollmittens  nn 
seinem  hoff  das  bertzogthumb  Beyern,  welches  seiner  vorältern  gewesen,  wieder  ein- 
geruumbt“  hat. 

Im  weiteren  Verlaufe  wird  ansschlie.sslich  die  l’falz  berührt,  und  zwar  schim- 
mert aller  Orten  ein  tmversöhnlicher  Hass  gegen  das  Pabstthuni  ““j  dnreh,  wie  anch 


140)  Bei  der  Besprockang  de*  Interre^ums  vor  der  Wahl  des  Rndolf  von  Halreburg  heisst  es: 
Za  dieser  Zeit  stundts  gar  vbel  ini  Reich  von  wegen  der  Wahl  eines  Kejsers,  deren  sich  die  Fürsten 
nicht  vergleichen  kmidten  in  17  Jahren:  za  welcher  Vneiaigkeit  daaa  die  Bäpst,  ihrem  Braach 
nach,  weidlich  hoHfea. 

Nach  der  Absetzung  des  „vnnQtzcn“  Kaisers  Wenzel  lesen  wir:  Da  wchlten  sie  — die  Kar- 
fürsten  — Friftlericben,  ein  Hertzogen  von  Braanschweig,  welcher  in  Heimreisen  vff  der  Wag  bei 
Fiirstlcr  verrhitcrisch  vnd  mSrderisch  erschlagen  war  von  einem  Orafen  von  Waideckh  durch  AnztieiT* 


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231 


die  Sprache  im  nbrigen  höchst  unimiwumleu  und  theilweise  sehr  derb  '**)  ist.  Mit- 
unter sind  soud€r1)are  Auecdoten  ***)  eingemischt. 

Der  Verfasser  unseres  Werkes  ist  nicht  genannt.  Doch  ergibt  sich  ans  der 
Vergleichung  verschiedener  Stellen  welche  Daniel  Parens  in  seiner  Historia  bavarico- 
palatina  aus  der  von  ihm  benützten  handschriftlichen  pfälzischen  Geschickte  des 
Hermann  Witekind  anfuhrt,  dass  bei  der  vorliegenden  Arbeit  nicht  wohl  an 
eine  andere  Schrift  gedacht  werden  kann. 


tou^  den  BischolTs  zae  Maintz,  welcher  war  ein  GrafT  von  Naasaw,  mit  Namen  Adolff,  welcher«  mit 
dem  abffesetzten  Keyser  hieitt,  aun  anatifftoug  dcsz  BapaU.  Es  Ut  khein  SchelmenatQekli  so  gross 
oder  klein,  wie  Zusehen,  da  der  tenfTelische  Bapst  nicht  zagebolffen. 

141)  Bei  Gelegenheit  der  Erwähnung  des  Grabes  des  Kurfürsten  Rudolf  II  und  seiner  zweiten 
Gemahlin  Margarethe  „zue  Neustatt  in  Marien  Kirchen,  die  er  gebawet,  darin  noch  ihm  sein  Bruder 
Ruprecht  ein  Canonicat  angericbt  hatt*'  heisst  es:  Die  grobe  Esel  vnd  faul  fresssende  Canoniej  (Hier 
l'fafien  haben  uit  geilacht  oder  geacht,  dasz  sie  zue  RudoUfs  oder  zu  seiner  Gemal  bildern,  die  vif 
jhrem  Grab  erhaben  ligen,  hetten  jhre  Namen  verzeichnen  lassen,  vnd  dass  sie  ihres  Abschiedts 
gedacht,  jedcwh  weUiz  man  wo],  dasz  er  gestorben  im  Jahr  fld&3]  1351. 

Gleich  darauf  lesen  wir  bei  Rudolfs  II  älterem  Bruder : Adolif  ligt  zue  Schönau.  Weise  nit, 
ob  seines  Grabs  anieiguog  vorhanden  seye.  Alsz  ich  da  bin  gewesen,  wasz  es  zum  tbeil  zerbrochen, 
stunde  ein  krippen  druff,  daraus!  ein  Pferdt  asz  vnd  sein  stall  da  batt.  waren  andere  gräl>er  also 
von  den  Welschen,  die  solcbs  Closter  jetzo  inhaben,  beschissen,  dass  einer  mit  einem  feurhackhen  nit 
bett  können  auf  den  grnndt  khommen.  Bescheisaen  also  landt  vnd  leuth,  lebendig  und  todt,  die 
gutten  verjagten  Christen.  Es  ist  nicht  fein,  dasz  die  herm  ihrer  Vorfahren  Monninenta  vnd  Begrab- 
nassen  so  lassen  verwüsten  vnd  abgebo.  weiten  sie  doch  nicht,  dasz  solches  hemachmals  den  ihren 
geschehe,  die  sie  jetzo  so  köstlich  lassen  xuriehten.  quod  tibi  non  vis  lieri,  alteri  ne  feecris.  monu- 
meuia  sunt  sacia,  etiam  apud  eihnicos  et  barbaros. 

Bald  nachher  stossen  wir  unter  Ruprecht  dem  Jungen,  dem  Stifter  der  Universität  Heidelberg, 
auf  folgende  fär  Kaiser  Karl  IV  nicht  sehr  schmeichelhafte  Stelle:  durch  ihn  sein  etliche  zöR  am 
Rhein  an  die  Waltz  khommen,  die  er  vriedder  andere  Churfürsten  vom  Keyser  Carlen  geschenckbt 
naro;  der  iein  Adler  diese  groetse  fedder  auszropfft,  entblusset,  andere  damit  bekleidet,  ein  Mehrer 
seines  vnnd  nicht  desz  römischen  oder  teutseben  Reichs:  auf  dasz  sie  ihm  seinen  Sohn  Wenzeszlaum 
zum  römischen  König  möchten,  den  sie  darnach  seiner  Vntäglichkeit  halben  musten  wieder  absetzen. 

142}  Wie  etwa  von  dem  Gewände,  welches  Kurfürst  Friedrich  der  Siegreiche  von  seinem  Freunde, 
dem  Henoge  Karl  von  Burgund,  erhielt: 

Dieser  Carl  schencklit  ihm  ein  köstlich  doch  vnformlichs  Kleidt.  dasz  verhiesz  er  ihm  zntragon, 
wie  ein  herr  dem  andern  offt  zu  gefallen  narren  muss,  das  Kleidt  war  sehr  kurti,  nach  der  Burgun- 
der damals  brauch,  dass  es  ihm  die  bufft  vtmd  latz  nicht  bedeckbt,  welches  dem  «hmhafften  dapffern 
berrn  ein  vbclatehendt  vnd  scfaAndtlich  geberdt  daucht  sein,  druga  derw^ggn  ein  braidte  Tasch,  den 
latz  damit  zu  bedeckhen.  vf  dasz  aber  die  hoffjuiickhern  vnd  diener  nicht  nach  thetten,  auch  so  kurtz 
rockb  trügen,  wie  sie  dan  pflegen  ihren  herren  nachznfolgen,  kleidt  er  seinen  Hoffnarren  auch  so  knrtz 
vnd  gleich,  weil  aber  der  Karr  keine  däsch  hat,  hielt  er  beide  Hand  vor  den  latz,  ihn  damit  zu 
bedeckhen.  hieransz  siebet  inan,  wie  ein  ehrlicher  züchtiger  herr  Pfaltzgralf  Friedericb  gewesen,  der 
wiedder  seinen  willen  solch  Kleidt  trug,  sich  in  dem  einem  narren  gleich  erkhant. 

143)  Es  sei  hier  nur  gegenüber  dem  zweiten  Absätze  der  Note  141  an  den  vorletzten  Absatz  der 
Note  des  Daniel  Pareus  zum  Kurfürsten  Adolf  S.  16ö  erinnert: 

Seboenaniae  terrae  Hiatus  est,  poeito  monumeuto,  qnod  sibi  adhuc  visum  s(uibit  Witckindus, 


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23-2 


Georg  Christian  Joanuis  fflhrt  in  der  Vorrede  zu  seiner  Ausgabe  der  erwähnten 
Geschichte  des  Daniel  Paren»  S.  2G  unter  Ziff,  5 an : Hermanni  Witechindi  historia 
de  Palatinis,  sine  kurt/e  historische  Beschreibung  der  hochloeblichen  Churflirsten 
bey  lUiein  herkomcn  gebart  vnd  folge  nacheinander,  Breuis  lihcllns  — bemerkt  er 
hiezrr  — et  vix  quincjue  plagnlarum.  Auctor  in  Westphalis  Nienrodii,  tloinitatns 
Marcaui  oppidulo,  natus,  postqunni  Kiga  in  Palatinatum  Hbenanum  delatus  est, 
primniu  Ileidelbergae  in  collegio  cui  a sapieutia  uonien  est  docuit;  post  in  acaderaia 
linguae  graecae  et  deinde  niatheniatnm  egit  Professoreni.  Anno  MDLXIX,  uti  apud 
Tolnernm  in  cod.  diploin.  Pal.  pag.  1.H2  videre  est,  Hectoris  fnnrtus  est  ninnere;  et 
tandem,  rnde  donatns,  obiit  a.  d.  VII  Jd.  Febr.  anni  MDClIl.  \'id.  Adaini  in  vit. 
Philosophor.  pag,  210.  Fechtins  in  tab.  chronolog.  epist.  Marbach,  subiunctis.  Fertnr, 
nt  Georgius  Tolmidas  in  praef.  historiae  snae  Palatinae  annotat,  ne  typia  diunlgare- 
tiir  prohibitum  fuisse.  Manndescriptus  hic  illic  in  bibliothecis  hitet,  vti  qnidein  tum 
cl.  Miegio  tum  ICto  {terquain  celebri  et  hi.storiarum  in  inclita  Giessena  P.  P.  Imma- 
nuoli  Webero  ese  scio.  Incipit  ab  Othone  AVittelspachio,  et  desinit  in  .Toaune 
Casimiro. 

Der  Vergleich  mit  den  „Duces  Bavariac“  des  Cod.  buv.  2848  der  Hol-  und 
Stnatsbihliothek , auf  dem  Dmschlagblatte  von  einer  Hand  des  vorigen  Jahrhnndert.s 
anch  dem  Hermann  Wittekind“*)  zugeeiguct,  führt  zu  dem  Krgebnisse.  dass  unsere 
Handschritt  als  eine  verbesserte  Bearbeitung  de.s  früheren  Entwurfes,  der  alxschrifllich 
im  berührten  Cod.  bav.  2848  erhalten  ist,  erscheint.  Dieser  beginnt  ohne  den  hlin- 
gangsabsatz  unseres  Textes  sogleich  mit  Herzog  Otto  von  Wittelsbach,  und  schliesst 
bereits  in  der  Erwähnung  des  Johann  Kasimir,  in  Spalte  1 gegeuril>er  der  Ausführung 
in  der  Handschrift  des  geheimen  Hausarcliives  in  Spalte  2 : 

Dieszer  Herzog  Johann  Casimir,  Pfaltz-  Dieszer  Johann  Casimir,  Pfaltzgratf, 

graff,  ChurfUnsten  |Friedrich.s]  Sohn  nndt  Churfurstcn  [FriedrichsJ  Sohn  vnd  |Lud- 

[Lndwigs]  Bruder,  regieret  jetz  die  Chur-  wigs]  bruder,  regiert  die  Churfdrstlich 

fürstliche  Pfaltz  alsz  ein  Vormünder  Pfaltz  al.sz  ein  Vormundt  seines  bruders 

seines Brndern  vnmündigen  Sohnes  Frie-  sohn,  welcher  noch  vnmUndig  war,  bis 

derich.  Mit  wasz  lleisz  vudl  trew  Er  jn  dasz  ueundte  Jahr, 

solche  Vormundtschalff  verrichtet,  so 

licet  aliqnain  paricm  dirutnm,  et  — quod  merito  iralignatar  — pmesepi,  ad  qaod  eqnus  steterit, 
iiiipoaito  tenu-ratuui.  Hist.  Falat.  Macr.  pag.  18. 

144)  Hcraiaauas  Wattekindua  — liciisst  es  auf  der  BSckseitc  dactaelbst  — Imt  diesen  knrtien 
Ansaug  der  Pfälta.  Historie  zum  Unterricht  Charf.  Frid.  !V  in  desselben  Jüngern  Jahren  in  teutscber 
sprach  verfertigt.  Charf.  Friciler.  V hat  selbigen  in  die  fraiitzuaische , und  desselben  ältester  102U 
so  nnglQcklicher  weisz  ertrmikene  Frintz  Friderich  Henric.  in  die  Isteinischs  s|irach  übersetzt  vnd  bisz 
auf  Churf.  Frid.  V continuirt.  Vide  die  Dedic.  diese  letztem  Frintzen  von  seiner  Frosapia  Natalibns 
et  Serie  Klectomm  Falatinoruui  etc.  in  van  Bjler  Iiibellormn  rariorum  i«rtim  e<litonira  partim  ineditomm 
fascicnlo  1 jag.  UIU. 

van  Byler  hat  diese  Frosapiam  ans  des  Frintzen  eigner  HandsehriS't  Iierausgegehen.  Vide  dessen 
Fraefation  pag,  lü. 


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233 


wohl  wasz  die  Institution  rndt  Zucht 
seines  rfle^^ohns  alsz  die  Kegieruug 
Todt  Hauszhaltung  anlanget,  dasz  ist 
ftlr  äugen,  Tudt  wirdts  sein  PHegsohn 
nachmals  empfinden  rndt  erkennen,  rndt 
ihm  seinem  liel^eii  Herrn  Vettern  darfUr 
dancken. 

Von  welches  ChurfUrsten  Tugenteu 
vndt  thaten,  die  verfolgte  Christen  wie- 
der die  Tyrannen  zn  schützen,  auch 
desz  reichsz  wohlstaudt  zu  verfechten 
vndt  zn  erhalten,  wirdt  heruachmahls 
vndt  zu  seiuer  Zeit  geschrieben  werden. 

•letz  wünsche  ich  Ihm  ein  langes  leben 
in  gesundtheit  vndt  wohlfarth  sampl 
seinem  Khegeraahl  fruweu  Elissabeth, 
ChnrtUrstens  zu  Sachszen  Augnsti  toch- 
ter,  vndt  Friederichen  dem  jungen  Herrn, 
dass  er  wachsze  vndt  gedeye  zu  einem 
solchen  Herrn  vndt  Kegenteu  der  zu 
solcher  Zeit  den  landen  wohl  furstehe, 
Gottes  ehr,  der  vnderthann  Heil  vndt 
bests,  wie  sich  dann  seinem  berufi' arapt 
vndt  standt  für  allen  dingen  gebühren 
wird,  suche  vndt  (ordere. 


abh.  d.  III.  CI.  d.  k.  Ak.  d.  Wi«.  XV.  Bd.  1 Abtb 


Von  dieszes  Fürsten  Tugendten  vund 
Thateun  wer  vil  zn  sagen , welcher 
vuuerdrossen  verfolgte  Christen  wieder 
die  Tyranuej  zu  schfitzenn , auch  desz 
Reichs  wohlstandt  znuerfechten  vnd  zu- 
erhalltenu  sich  alzeit  befiissenn. 


Ist  in  seiuer  Jugendt  in  König  Carl 
desz  Xeundten  in  Franckhreich  hoff  ge- 
we.szenn , die  frantzüsische  sprach  artig 
vnd  wohl  geköudt.  Lateinisch  mehr  ver- 
staudenn  alsz  können  redeun.  jst  zwey- 
nial  mit  einer  groszen  auzahl  kriegs- 
volckb  Teutschen  zu  Rosz  rnnd  fuesz 
jn  Franckhreich  gewesenn.  hat  den  ersten 
Zug  getimn  jm  Jahr  15GT,  die  Condi- 
scbenn  vnnd  Euangeli.schen  wieilder  desz 
Bapsts  Tyranuej  zu  scbflb.eu ; jst  jbm 
glückblich  abgangen.  Den  andern  im 
Jahr  74:  thett  mit  König  Heinrich  ein 
Treflenn  den  2.  Febrnarij,  schiegt  jhm 
viel  voickbs  ab , erlegt  etliche  fahnen 
Italianer,  erobert  ein  gro.ize  beutth, 
du 


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234 


welche  der  Bapst  dem  Küiii(( /.iischickhen 
wollt.  Hackht  darnach  fort,  nam  Orliens 
ein  vnd  andere  Statt  n.  e.  w. 

Die  Fortsetzung  in  ilicser  Handschrift  dea  geheimen  Hausarchivea  reicht  bis 
über  den  Tod  dea  .lohann  Kasimir  am  6 Jänner  1592  in  die  Regierung  dea  Kur- 
fürsten Friedrich  IV,  und  achliesst:  Ist  Churftlrst  Friederich  geboren  im  Jahr  1574 
den  5.  Martij.  Ist  vonn  seinem  AUvatter  Hertzog  Frietlerichen  aus*  der  Thauff  ge- 
hobenn  etc.  Ist  ein  frischer  gesundter  Herr,  gantz  vnruhig,  kann  nit  rüwig  sein, 
musz  etwas  zu  handttierenn  habenn,  jst  frön  vnnd  spat  anff,  in  Religionssachenn 
eyfferig,  besucht  die  kirchenn  vleiszig  mit  seinem  Hoffgesindt,  dnlt  kheinenn  zu  hoff, 
es  seyen  koch.  Kecker,  oder  sonst  Diener,  müssenn  den  Oatechisninm  vnnd  fnndament 
christlicher  Religion  lehrenn : welchem  der  .\llmechtige  ein  glückselig  laugwirige 
Regierung  verleihe! 

Von  anderer  Hand  ist  hiezu  mit  blässerer  Tinte  noch  heigesetzt:  Ist  den  19. 

T"''  anno  IfilO  todls  verschieden. 

Eine  Abschrift  dieses  Mannscriptes  aus  dem  vorigen  Jahrh.  enthält  der  aus 
der  pfälzischen  Bibliothek  von  Mannheim  slainmende  Cod.  bav.  1016  der  Hof-  und 
Staatsbibliothek  von  Fol.  1 — 26. 

72. 

Des  Christof  (iewold 
baierische  Genealogie, 

theilweise  in  der  eigenen  Aufzeichnung  des  Verfassers,  theilweise  in  einer  Reinschrift 
mit  seinen  auf  den  Druck  des  Werkes  bezüglichen  Bemerkungen,  an  zwei  gesonderten  - 
Orten  im  geheimen  Hausarchive,  nämlich  lose  von  seiner  Haud  die  Generationen  18 
und  19  wie  21 — 28  einschliesslich  auf  einem  oben  beschnittenen  Blatte  und  drei 
Bogen  in  Polio,  sodann  in  einem  in  hellblaues  Papier  brochirten  und  mit  der  Auf- 
schrift ,, Fragmenten  von  Copial  - Büchern“  versehenen  Foliobande  zunächst  die 
berührte  Reinschrift  mit  den  Drnckivcinerknngen  auf  einem  ifuaterne  in  Quart, 
nämlich  von  der  Vorrede“*}  mit  dem  einleitenden  Absätze  über  Kaiser  Kurl  den 
Grossen  und  von  den  Generationen  1 , eben  mit  Karls  des  Grossen  Sohn  Pipin 
beginnend,  bis  l(i  einschliesslich  wie  von  17  bis  zum  Beginne  von  Ottos  des  Erlauchten 


14-">)  SEKEN18SIMORUM  BAIOAIiUE  »UCL'M  — lautet  aie  - KT  t’OMITU.M  PAl.iTINO- 
RUM  RHENI  auctorem  atque  primum  rooditorein , au|>ervacancuni  rati  vlUriui  progreJi,  conatitniinas 
CAROLU.M  magnum:  nnn  qnuleni  lecumluin  coinmuoein  plurimorum  errotem  rel  ad  ini]i,'ratores 

I.udonicnm  pium  et  d>'iiieeps  ad  Arnolphum,  quem  patreui  spurij  fabniantnr  comitis  Arnutplii,  patris 
l««poIdi,  Tel  ad  Hugoiiein  quendam  descendeDtea,  cuini  fuerit  tUina  beupoldua  ille  dux.  ab  iraperatore 
I.udouico  IV  illustiis  coincs  propinqaua  «uua  dilectua  apiwllatus,  id  quod  et  veritati  hiatoriarum  et 
4-hronologiae  annorumque  snpputationi  muaifeste  aduersari  dignoaeitur,  sed  ea  gencrationuiii  Serie 
qaemadniodum  suis  locit  Infra  patebit. 


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23i'. 

zweitem  Sohre  Heinrich,  dami  anf  drei  beechriebenen  Blättern  in  Folio  die  eigene 
Anfeeiclinuug  der  Generationen  14 — 17  einschliesslich  und  20. 

Sie  .steht  in  diesen  beiden  Bestandtheilen  in  Debereinstimmung  mit  dem  Texte 
der  zn  Augsburg  im  .Tahre  1605  in  Folio  im  Umcke  erschienenen,  dem  Herzoge 
Maximilian  I von  dem  Kupferstecher  Dominicus  Cnstos  gewidmeten  und  mit  einer 
stattlichen  Reihe  von  Abbildungen  der  baierischen  Herrscher  in  Kupferstichen  des 
Wolfgang  Kilian  zn  Augsburg  gezierten  Genealogia  serenissimorum  Boiariae  ducnm 
et  i|Uoruodam  genuinae  effigies,  in  deren  Vorrede  ,, (Christoph.  Gewaldus,  utr.  jur. 
doct.  sereniss.  Boiar.  duc.  a conailiis  et  secretis“  dem  Leser  bemerkt,  dass  er  novam 
et  paene  uemini  frequentatam  hacteuus  viani  betreten. 

Sie  schliesst  hieuach  mit  der  Heirat  des  Herzogs  Maximilian  I.  mit  Elisabeth 
von  Lothringpn  im  Februar  des  Jahres  1.59.5. 

Vgl.  auch  noch  die  Num.  7.5  und  74,  wie  87. 


73. 

Des  Christof  Gewold 
baierische  Genealogie, 

mit  mehrfacbeu  Veränderungen  gegenüber  iler  eben  behandelten  Num.  72. 

Sie  findet  sich  im  geheimen  Hausarchive  auf  einer  Lage  von  5 und  einer  von 
4 Bogen  in  Folio,  wovon  das  Schlussblatt  fehlt  und  das  vorletzte  beziehungsweise 
jetzt  letzte  nicht  mehr  beschrieben  ist,  in  schöner  Reinschrift  des  Verfassers. 

Bie  l>egiuut  ohne  die  in  der  unter  Num.  72  berührten  .Augsburger  Druckaus- 
gabe vom  Jahre  160.5  au  die  Spitze  gestellte  Vorrede  des  Christof  Gewold  sogleich 
mit  der  Einleitung  zum  Werke  selbst:  Serenissimorum  Bavariae  ducum  et  comitum 
pslatinurnm  Rheni  antorem  atque  primum  conditorem , supervacaneum  rati  niterius 
progredi,  constituimus  Carolnm  magnnm;  nou  i|uidem  secundum  commuuem  plurimorum 
errorem  rel  ad  Imperntores  Ludovicum  Pium  et  deiuceps  ad  Arnnlphnm  n.  s.  w. 

Im  grossen  Ganzen  stimmt  die  Reihenfolge  der  Generationen  zusammen , und 
sie  reicht  auch  bis  zu  der  Schlussbemcrknng  unter  Herzog  Maximilian  I,  dass  die 
Hochzeit  mit  Elisabeth  von  Lothringen  im  Februar  des  Jahres5l595  gefeiert 
worden.  ' 

Im  einzelnen  fehlt  es  nicht  da  und  dort  an  kleineren  wie  grösseren  Verschie- 
denheiten.  So  hauptsächlich  bei  den  Generationen  9—11.'**)  In  der  zwölften  fehlt 


Uti)  Diese  haben  hier  foI(rcisie  Fassung: 

Geoeratiu  IX. 

Bvrclitoldus  cornes  schirensis  et  palatinns  Bauariac,  Arnolpbt  filius,  oecubait  in  Calabria  contra 
Sariicenos  a.  Cb.  O1XX0II.  rclicto  post  se  (itio  Babonc. 

Aiij  alios  qnoqnc  bnins  fiiios  coinmemoraat,  de  quibus  nondoin  satis  coastat. 

:i0* 


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236 


»m  Anfänge  der  ^alz  der  Drnckanegahe:  adrneatns  eccleaiae  friaingenais  sub  Eleandro 
epiacopo.  In  der  nennzehnten,  Lndwig  dem  Baier,  findet  aich  noch  zwiachen  der 
Wahl  znm  Kaiser  und  dem  Tode  die  Anführung;  fundauit  et  regaliter  ditanit 
monaaterinm  Eetaal , and  zwischen  dem  Todesjahre  1347  und  der  Aufzählnng  der 
Oemahlineu:  mnlta  perpesans  ab  aduersarija  immeritua. 

74. 

Des  Christof  Uewold 

baieri.sche  Genealogie  mit  einem  .Anhänge  von  ^itammtafeln. 
a. 

In  der  ersten  Abtbeilnug  S.  HO — 54  ist  eines  Sammelbandea  des  geheimen 
Hansarchives  in  tjuart  gedacht  worden , von  welchem  dort  geäusaert  ist , dass  sein 
Inhalt  zwar  gegenüber  dem  der  beiden  daselbst  vorher  behandelten  Volianten  nur 
als  dürftig  zu  bezeichnen  sei,  dass  er  aber  demnngeachtet  manches  biete,  was  der 
Beachtung  nicht  ganz  unwertb  ist.  Es  bezieht  aich  diese  letztere  Behauptung  aut 
die  Vorarbeiten  des  Christof  Gewold  hanptsächlich  zu  seiner  baieriscben  Genealogie. 
Wie  nämlich  der  am  berührten  Orte  S.  39 — 50  besprochene  Sammetband  einen  tiefen 
Blick  in  Aventins  W'erkstätte  erlaubt , so  führt  uns  der  in  Rede  stehende  Guartant 
in  eine  grosse  Menge  von  .Aufzeichnungen  unseres  Gewold.  Man  vergleiche  beiapiels- 
wei.se  nur  die  nnter  den  Buchstaben  b bis  e einschliesslich,  g,  h aufgezählten,  unter 
i und  k jedenfalls  wenigstens  theilweise.  Sie  stehen  im  engsten  Znsammenhange 
mit  genealogischen  und  heraldisch-.sphragistischen  Studien,  und  sind  zum  Theile  fllr 
die  Vervollständigung  der  einschlagenden  Arbeiten  des  Dr.  Wigulens  Ilnndt  ange- 
legt , wie  ja  auch  einmal  geradewegs  — vgl.  oben  Nnm.  9 — gewissermasseu  als 
Um.scblagsbemerkung  zu  lesen:  ad  continnaudnin  Hundinm. 

Aber  auch  ein  vollständiges  Exemplar  der  Itaieriscben  Genealogie  von  des 
V'erfassers  Hand  findet  sich  in  diesem  Hammelbaude  von  I'ol.  276  beziehungsweise 
«päter  122  an  auf  zwei  Lagen  von  Je  4 Bogen,  wovon  das  letzte  Blatt  aber  — wie 
am  angeführten  Orte  bemerkt  wurde  — mit  anderen  Gegenständen  beschrieben  ist 


(ioneratio  X. 

Babo,  Berebtolüi  filius,  Schiroram  romes  ct  palatiuQB  BaaBriar,  binorum  filioruni  pater, 
o Otfaonis  1 et 

Babonis  II,  qui  propter  UDmet<»ani  tobolem  ab  bistoricis  celebratos,  initinm  deJit  comilibu  in 
Abnsper^,  Rhor,  Handeck,  et  Rietenburg. 

Generatio  XI. 

Otbo  I,  Babonis  I filiiis,  Bcbirensis  princepi.  palatinus  Banariae,  aepaltna  Friaingae. 

Habnit  nxorem  Julatn  comitiasam  a Nassau,  quae  fecit  i|»uin  patrem 
Otboni.s  II, 

Ämo1ph^  conditoris  comitum  in  Daebauu  et  Pbatai, 

Kcrardi  I,  qni  in  itinere  palaestino  interiit  a.  Cbr.  M bXIlI, 
et  Vlrici. 


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237 


Das  Werk  behandelt  seinen  Gegenstand  in  28  Generationen  bis  auf  Maxi- 
milian I.  nnd  seine  Gemahlin  Elisabeth  von  Lothringen:  nuptiae  celebratae  15!)5 
menae  februario. 

Es  stimmt  im  grossen  Ganzen  zu  der  eben  behandelten  Num.  73,  insbesondere 
in  den  daselbst  im  letzten  Absätze  mit  der  Note  14fi  berührten  Punkten. 

Unmittelbar  daran  schlieast  sich  auf  der  nächsten  Seite  unter  der  Ueberschrift 
„Seqnitnr  tabula  genealogica“  die  Stammtafeldarstellnng  von  König  Pipin  und  seiner 
Gemahlin  Bertrada  bis  Bernhard  und  seinen  Sohn  Arnnlph,  der  im  Jahre  SOI  contra 
Normanuos  fortiter  dimicans  occubnit,  nnd  dann  von  Luithbaldns  sive  Leopoldus 
an  herab  bis  auf  Maximilian  I. 

b) 

Unabhängig  hievon  sind  Aufeeichnnngen  von  der  Hand  des  Christof  Gewold 
anf  zwei  Bogen,  die  in  Folioformat  zusammengelegt  sind,  gleichfalls  im  geheimen 
Hausarchive. 

Wie  mau  aus  ihrer  Biegung  ersieht,  waren  sie  anfänglich  zwar  auch  für 
Quartformat  bestimmt.  Es  ist  auch  auf  etwa  zwei  Ürittheilen  einer  solchen  halben 
Folio-  oder  einer  Quartseite  die  vorhin  in  der  Note  14.5  der  Nnm.  72  berührte 
Vorrede  zur  baierischen  Genealogie  gescbrieben.  Da  aber  die  vierte  Seite  des  Bogens 
— die  lieiden  mittleren  sind  leer  — wie  auch  der  zweite  Bogen  für  Stammtafeln 
verwendet  ist,  die  sich  in  die  Breite  erstrecken,  reichte  das  Quartformat  nicht  ans. 

Die  erste  dieser  Stammtafeln  füllt  von  unten  nach  oben  die  erste  und  vierte 
Seite  des  zweiten  Bogens,  dessen  Mittelseiten  wieder  leer  sind.  Sie  beginnt  mit 
Karl  dem  Grossen,  nnd  reicht  bis  zn  den  Kindern  des  im  Jahre  114(>  verstorbene» 
Grafen  Otto  IV  von  Wittelsbach. 

Bei  des.sen  Sohn  Otto  V,  dem  ersten  wittelsbachisclien  Herzoge  von  Baiern, 
findet  sich  ein  Verweisnngszcichen,  welches  nns  auf  dem  schon  besprochenen  anderen 
Bogen  wieder  begegnet,  woselbst  sich  von  ihm  an  der  Stammbanm  bis  zn  den  Kin- 
dern Ludwigs  des  Strengen  nnd  Heinrichs  von  Niederbaiern  fortsetzt,  welch  letztere  Linie 
ja  im  Jahre  1340  ohnehin  ansstarb.  Hiemit  ist  die  Seite  gefüllt.  Rin  Weiterführen 
in  die  anstossende  Anssenseite  des  Bogens  war  aller  nicht  möglich , du  auf  ihr  — 
wie  bereits  liemerkt  — die  Vorrede  zur  baierischen  Genealogie  geschrieben  ist.  Es 
stebt  daher  im  pfälzischen  Zweige  bei  dem  im  Jahre  1.319  verstorbenen  Kurfürsten 
Rudolf:  de  his  alias.  Die  Nachkommeuschafl  seines  Bruders  dagegen,  Ludwigs  des 
Baiers,  sollte  ohne  Zweifel  auch  besonders  behandelt  werden,  wie  ja  in  a wirklich 
der  Fall  ist.  Ob  etwa  noch  weitere  hierauf  bezügliche  Bogen  vorhanden  gewesen, 
wir  wissen  es  nicht. 

75. 

Kurze  Geschichte  der  Kurpfalz 

von  — Herzog  Otto  I von  Scheiern- Wittelsbach,  beziehungsweise  seinem  Bohne  — 
Lndwig  dem  Kelheimer,  bei  welchem  die  Erznhinng  von  der  Jägersnppe  der  Lndomilla 


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2»a 

Platz  gefunden,  bis  zum  Tode  des  Kurfürsten  Ottbeinricb  im  Jalire  1Ö59:  also  ist 
die  cimriini  erloschen,  vnd  damit  ist  die  Chur  uff  atepbans,  Riiperti  römischen  konigs 
Sohn,  gefallen:  und  wurde  Fridericus  III  zu  Simeru  churfflrst. 

aie  findet  sich,  ziemlich  Rnchtig  geschrieben  und  mit  Tielfacheu  Veränderungen 
und  Verbesserungen  des  Verfassers  selbst  im  Texte  wie  am  Rande  versehen,  im 
geheimen  Ilausirchive  auf  zwei  l>ageu  von  je  4 Bogen  in  Folio,  welche  in  einem 
den  Umschlag  bildenden  Bogen  liegen,  dessen  erste  Seite  nur  die  Aufschrift  „Otto 
Pfaltzgraff"  bat,  wozu  später  „et  Siiccessores"  gesetzt  ist,  während  von  dem  letzten 
Blatte  nur  mehr  die  erste  Seite  bis  zu  dem  schon  bemerkten  Schlüsse  beschrie- 
ben ist. 

Die  Gcrwhtsameu  der  Kui-pfalz  werden  darin  in  ganz  besonderer  Betonung 
hervorgehobeu,  und  Baiern  gegenüber  macht  sich  bei  der  Berührung  der  Beseitigung 
der  Bestimmungen  des  Vertrages  von  Pavia  vom  .lahre  1329  bezüglich  des  Wechsels 
der  baierischen  und  der  plalzischen  Linie  des  wittelsbachischen  Hauses  in  der  Aus- 
übung des  Stimmrechtes  bei  der  Kaiserwahl  beispielsweise  durch  die  goldene  Bulle 
Karls  IV  wie  durch  die  zwei  sogenannten  Sigismund'schen  goldenen  Bullen  vom 
Jahre  1434,'**)  wovon  es  ausdrücklich  heisst,  dass  sie  ,aille  drey,  in  originali  vor- 
handen, uiehrern  inhalts  zu  verleszen“  seien,  ganz  entschieden  eine  gewisse  Behag- 
lichkeit bemerkbar. 

Vielleicht  liegt  es  bei  dem  Ganzen  nicht  zu  ferne,  daran  zu  denken,  dass  man 
es  mit  einer  Arbeit  zu  thun  habe,  welche  für  eine  ganz  bestimmte  im  17.  .Jahrhun- 
derte — es  wird  bei  Friedrich  dem  ,‘^iegreicheu  auf  Maripiard  Frehers  Buch  de  rebus 
gestis  Friderici  I electoris  verwiesen  — abgefnaste  Rechtsaustührnng  nur  in  Kürze 
die  Hau|>tzüge  der  kurpfalzischen  Geschichte  zusammenfassen  wollte. 


76. 

Des  Firnsmus  Fend 

Verzaichnns  etlicher  Sachen  dauon  den  h[errnj  Chamer-Rätheu  auzaigen  zethiien , so 
maistthnils  durch  weilend  herzog  Ludwigen  etc.  gehandelt  worden  sind. 

Fla  füllen  diese  — hier  als  Beispiel  einer  Reihe  ähnlicher  .Arlieiten  des  16.  wie  17. 
Jahrhunderts  eingesrhobnen  — Nachrichten  über  baierisebe  Orte  und  Güter  in  versebie- 
deneii  Gerichten,  samnit  einem  kurzen  Verzeichnisse  von  Adeligen  welche  ans  Gnade 


147)  Also  ist  durch  obige  guideite  ball,  kaiser-  und  kbitigliche,  auch  der  .i  ('burfürsten  decieta 
erkantnuszen  and  iirtheilen  der  altvätterticber  pavijscber  Vertrag  de  anno  so  viel  derselbige 

die  Chur  und  Wahl  eines  rvmisefaen  Königs  iretrifft,  ganz  aberkant  eaasirt  und  annulirt  wurden. 

I4sj  rinrch  diese  kaiser-  und  koniglicb  gülden  bnll  und  chnrfarstliclie  decrota  wird  der  alt- 
vatterliclie  Vertrag  von  Pavia,  so  derselbe  der  Cimr  halben  vermeintlich  ntfgericht  und  nie  in  sein 
KrRfften  und  wSrekliehkeit  gangen,  abermahl  aherkint  oassirt  annullirt  nnd  verniebtigt. 


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23!) 


und  auf  Widerruf  die  Jagdbarkeit  besassen,  vier  zusammengeheftete  Bogen  in  Folio, 
woTon  die  letzte  Seite  leer  ist,  von  der  Haiid  des  Archivars  Erasmus  Fend. 

Am  oberen  Rande  der  ersten  Seite  hat  er  bemerkt;  Dauon  hab  ich  den  h[errn] 
Chamer-Räthen  abschrifft  zuegestelt  den  12  Septembris  anno  etc.  58. 

Die  Änfeeichnungen  beginnen  mit  Holzhausen,  Türebing,  Redenfelden  and 
•\hamstein,  sämmtlich  im  Gerichte  Aibling,  Keu-Chieming  im  Gerichte  Marqnardstein, 
und  schliessen  mit  Schildberg. 

Der  grössere  Tbeil  — mit  Ausnahme  der  ersten  7 und  der  letzten  — sind 
„ans  der  neueren  liandtshutischen  Kegistratnr  von  auuo  etc.  .37  aufahend“  and  „ans 
Kuelaud  khlainer  Registratur“  eben  von  Landshat  “®)  gezogen. 


77. 

De.s  Johann  Wämpl 

Abriss  der  baierischeu  Geschichte  von  Otto  von  Wittelsbach  bis  zur  Mitte  des 

17.  Jahrhunderts. 

a) 

Er  führt  in  dem  in  der  ersten  Abtheilnng  S.  36'.37  berührten  Sammelbande 
des  geheimen  Hausarchives  Fol.  5 — 28  die  Ueberschrift:  Wie  dasz  I.andt  Bayni 

vor  alters  ein  Königreich  gewest,  hernach  zu  einem  Herzogthumb  gemacht,  vnnd 
von  Zeit  des  Ottonis  Wittelspachij  mit  den  abthaillangen  auf  begebente  fäll  gehalten ; 
aber  entliehen  die  priniogenitur  eingeführt  worden. 


14!»)  Di««c  letitere,  an«  (I  itt*smmengeheft«ten  Bnceii  in  Folio  be,«U1ienJ,  wovon  da«  leUto  Blatt 
nicht,  von  dem  vorletzten  nnr  die  Vorderseite  beschrieben,  ist  der  Arbeit  de«  Krasmos  Fend  an- 
l^ebeftet. 

Die  Vorderseite  des  Umschla^biattes  liat  oben  die  Anfsehrirt;  Memorial,  aosz  etlichen  Eegi* 
Stratum  zu  l.anndshaet  durch  den  Kuelanndt  secretary  daselbs  gezogen,  welches  er  mir  l>r.  Hvnnd, 
iletselben  zeit  Cnnniler,  an  die  berm  Chamer-Räth  ze|iringen  haben,  wie  dünn  von  mir  beschchen  etc. 

Dannter  steht  von  der  Hand  des  Erasmns  Fend  die  Nota:  Diecr  Itegi.«tratur  hab  ich  souil 
die  freyheiten  vnd  begnadnngen  anf  widermlTen  belanget,  dauon  vnsers  gnäd.  försten  vnd  herrn 
Chamergnet  khQnfftiger  zeit  Interesse  haben  möge,  aineu  auszog  den  h[errn]  Chamer-Küthen  .«ambt 
merer  veriaichnus  vbergeben  im  herbst  des  .v8  Jars. 

An  der  Spitze  des  Testes  von  Fol.  1 — 10  findet  sich  die  Ueberschritt ; Hierjnn  verzaichnet 
ettlicb  briefHich  vrkhunden  vnnd  sebrifTten  so  bey  der  Cannzley  alhie  zu  Lanndshuet  vnnd  jn  den 
casten  die  im  Lebenstnbl  sein  ligen,  welche  die  fürsten  von  Bayrn  sonndcrlich  betreffen,  auch  mit 
sleiaz  aufzeheken  sindt,  durch  mich  Ruelanndt  dutchiuecht  vnnd  verzaichnet  anno  dominj  DI-'iO. 

Nach  Fol.  IG  ist  ein  besonderer  Bogen  eingebeftet,  dessen  Inhalt  sich  aus  der  Bemerkung  auf 
der  Rückseite  ergibt : Mein  Ruelannds  verzaichnusz  eftlich  brieflich  vrkhunden  vnd  schrifften,  so  von 
der  fürstlichen  Cantzley  zu  Tzinndsbuet  geen  München  auf  erfordern  — nämlich  vom  ;t  März  l.b.“»4  — 
geschickht  sind  worden. 


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240 


Dn».  Werk  seihst  beginnt:  Ubwollcn  Carolus  Maj^uus,  römischer  Kayser  viiud 

auch  Köuig  in  Franekhreich , welcher  Thessalunem  et  Theudonem  anno  788  aiisz 
Bayru  wejfen  jrer  rebelliun  verstosseu , sich  König  zu  Ilayrn  genannt,  s'uud  alsz  er 
die  Hmnien  rnnd  Auarm  ausz  i’annonia  ii.  s.  w.  bis:  solches  herzogthumb  Hayrn 
dem  Ottoni  Grauen  zu  Scheuru  vnnd  Wittelspach  anno  1180  verlieben,  der  es  daun 
(iedoch,  wie  gedacht,  mit  Zurückhbleibung  Paniinniae  vnnd  raehrer  Orthen)  auf  den 
rechten  liluetstammen  Carolj  Magni  widerumb  gebrikcht  hat,  ut  pulchre  describitur 
in  scripto  (iiiodani  vom  Vorzug  desz  huiisz  Baym  gegen  Oesaterreich  Lad.  207. 

Nach  Erwähnung  der  ersten  Wittelsbacher  Herzoge  und  der  Theilung  des 
Landes  im  Jahre  1250  wird  zunächst  Niederbaiern  .abgehaudelt , und  folgen  dann 
die  llbrigen  ans  den  verschiedenen  weiteren  Theilungen  hervorgegaugenen  Linien 
bis  zum  .Aussterlieu  iler  von  Nierlerbaieru-Laudshnt  und  dem  bekannten  Erbfolgekriege, 
au  dessen  Schluss  auf  Pol.  13'  auf  die  bereits  olieu  aufgezählt«  Num.  3.3  verwiesen 
ist:  wie  hernach  ex  Summa  actorum  vnnd  beygelegtem  Cölliiischen  Sprach  mit 
mehren  zu  vernemmen.  Doch  ist  von  solchem  des  H[erzogen|  Georgen  Lanndt  auch 
tails  dem  Kayszer  Maximilian,  dennen  von  Nürnberg,  dem  Eitel  Priderich  Grauen 
von  Zollern,  vnnd  andern  in  recompensam  der  dem  Herzt>gen  .\lbrecht  gelaisten 
Kriegshilff  /.nekoinmen.  Alles  nach  Inhalt  der  verhandtnen  acten,  wuruiin  ich  einen 
kurzen  extract  gemacht  vnnd  alda  infra  fol.  30  neben  dem  Compromi.sz  - sprach 
selbst  beizusezen  für  gnet  befunden. 

Nun  folgt  von  Pol.  14  an  die  „erste  Eintiehrung  de.s  Primogenitur  Rechts“ 
und  der  weitere  Verlauf  mit  einer  nicht  zu  verkennenden  Berücksichtigung  der 
gräflich  Wartenlkcrg'schen  Linie  bis  zur  Mitte  des  17.  Jahrhunderts. 

Bei  den  wichtigeren  Archivalien,  welche  zur  Erwähnung  gelangen,  sind  die 
Lagerorte  gleich  am  linken  Rande  uugemerkt. 

b. 

Ohne  .Angabe  des  Verfassers  findet  sich  eine  Abschrift  dieser  Arbeit  mit 
Abänderungen  und  theilweisc  mit  Ergänzungen  von  dem  Salzburger  Erzbischöfe 
Herzog  Ernst  an  auch  im  geheimen  Staatstirchive  auf  zwei  zusammengehefteteu  Lagen 
von  je  6 Bogen  oder  24  Blättern,  halbbrüchig  geschrieben. 

Die  Ueljersehrift  lautet  da:  Wie  das  Landt  Bayrn  vnd  die  Pfalz  von  Zeit  des 
Grau  Ottens  von  Seheurn  bis  dato  von  ainem  Pürsten  auf  den  andern  gefahlen,  vnd 
wie  es  vnder  solcher  Zeit  abgethailt  worden. 

Der  erste  Absatz  zeigt  sodann  folgende  gekürzte  Passung:  Es  ist  erstlicben 

bekhant,  was  gestalt  Kayser  Priderich  der  erst  nach  der  AchLs-erkhleruug  des 
Henrici  dem  Graf  Otten  von  Schenren  vnd  Witlspach  das  Land  Bayrn  anno  1180 
verliehen,  vnd  dardurch  auf  den  rechten  Bluetstamb  des  Karoli  Magni  solches  widernmb 
gebracht  bat. 

Dann  herrscht  im  ganzen  Einklang  mit  der  Lit.  a bis  in  die  Zeit  des  Herzogs 


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241 


Ferdioaml,  des  GrOnders  der  Warteiiberj»'schen  Linie,  dort  Fol.  LS',  liier  am  Schlüsse 
der  ersten  I>age  auf  Fol.  12'. 

Die  zweite  Lage  sodann  befasst  sich  weiter  ausschliesslich  mit  der  Behandlung 
der  Ansprüche  dieses  Geschlechtes. 

Ausführliche  Behandlung  findet  zunächst  „die  frag,  ob  Ihr  (.'hurfürstl.  Durchl. 
in  Bayrn  nach  abgang  des  Graf  Ferdinand  Lorenz  von  Warltenberg  männlichen 
Stainmens  deuuen  annoch  lebenden  von  Graf  Ernst  Benno  berstammenden  Descen- 
denten  eine  appanagi , vnd  wienil  dessen , ausvolgen  ziaasen  obligiert  seyen"  von 
Fol.  LS' — 22,  und  sodann  die  „vlterior  qnaestio,  ob  des  Graf  Ferdinand  Lorentz  ron 
Warttenberg  etc.  gewesten  Hoffraths  - Praesidenten  hochseel.  hiuderlassnen  Freylen 
Töchtern  man  vom  Churfürstl.  Haus  Bayrn  ein  Hevratsgueth  vnd  ausvertignng  zu 
geben  obligieret“  von  Fol.  22 — 24. 

Beim  Beginne  des  ersten  der  bemerkten  Gutachten  ist  auf  die  linke  Hälfte  der 
Seife  ein  zierlicher  Stammbaum  der  männlichen  Sprossen  des  Herzogs  Ferdinand 
eingezeichuet. 

Die  Lagerorte  der  einschlagenden  Arcbivalien  sind  hier  gleichfalls  auf  den 
leeren  Halbseitcn  angemerkt. 

IS. 

Des  ,T  o h a n n W ä m p 1 

Entwnrff  der  jenigen  orthen  welche  nach  Zeit  des  Ottonis  von  Wittelspach  bisz  dato 
zu  dem  Landt  Bayrn  vnnd  mit  was  titi  körnen  seind. 

a) 

Er  füllt  in  dem  oben  XIV  Abth.  3 S.  36/37  berührten  Foliobande  des  gehei- 
men Hausarchives  die  Fol.  57  — 98'. 

Die  Geschichte  der  betrettenden  Orte  wird  einzeln  theils  kürzer  tbeils  ausführ- 
licher behandelt,  und  fast  durchgehends  sind  hiebei  am  Rande  die  Lagerorte  der 
einschlageuden  Urkunden  angemerkt. 

Die  Arbeit  beginnt  mit  Wasserburg:  Otto  l“"'  Graf  von  Sebeurn  vnnd 

Wittlspacb,  so  von  Kayszer  Friderich  zum  Herzogen  in  Bayrn  erklärt  worden,  bat 
des  Grauen  'Phodori  von  Wasserburg  Tochter  Agnetem  zur  Ehe  gehabt;  vnnd  obwollen 
durch  solchen  Heurath  Er  Otto  dise  Grafschatft  Wasserburg  nit  gleich  damals 
bekommen  n.  s.  w.  E-s  folgen  dann  Burckhauszen , Pogen , Schwäbi.schwörth  oder 
Thonawörtb,  Dachau,  Mospurg,  Murach-Viechtag,  Donatio  Conradi,  Schwabegg  n.  s.  f. 
Am  Schlüsse  von  Schärding  Fol.  64  wird  anf  die  später  von  Fol.  124 — 130'  folgende 
Auseinandersetzung  „wasz  von  alters  dasz  löbliche  Hausz  Bayrn  anf  GOrtz  vnd  Tyrol 
für  prätension  gehabt“  Bezug  genommen.  Zuletzt  kommen  an  die  Reihe  Vöckhla- 
prugg  und  Englhartszehl,  Tärnis  und  die  darzue  gehörige  Filialn,  Manttambt  Stain, 
Rottenberg  mit  den  Endworten:  nach  inhalt  der  beschrcibung  gegen  200  000  fl. 
KauSschilling  verkanfft.  der  Kaulfprief  dat.  München  den  17.  septembris  anno  1664. 

Abh.d.III.Cl.d.  LALd.  WiM  XV.  Bd.  1.  Abth.  31 


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242 


b) 

Als  Vorarbeit  r.u  dieser  Zusanimenstellung  des  Jobami  Wämpl  kann  man  wolil 
eine  dergleichen  aiisebeii,  welche  nuniittelbar  nach  der  Mitte  des  17.  Jahrh.  gefertigt 
ist , und  sich  noch  im  geheimen  Stnalsarehive  auf  fünf  7.ii«aranieiigeheftcten  Lagen 
von  29  mit  Ausnahme  der  letzten  Seite  halblirüchig  beschriet>enen  Blättern  in  Folio 
erhallen  bat . woran  sich  als  Fol.  30  ein  ül>er  die  l>eiden  Innenseiten  de.s  Bogens 
gefertigter  Staminiraum  vom  Herzoge  Otto  I von  Wittclshach  an  bis  zu  den  Söhnen 
des  Kurfürsten  Maximilian  1.,  Ferdinand  Maria  und  Maximilian  Philipp,  wie  zn  den 
Kindern  .\lbrcclits  des  Lenchtenbergers  reiht. 

Ein  neueres  vorgekleblea  Titelblatt  bemerkt,  vielleicht  nach  einer  älteren  Vor- 
lage: .Summarische  Be.schreibuug  aus  denen  im  innern  Archiv  vorhandenen  brieflichen 
Docnmentis  gezogen  im  Jahr  lü.öJ.  Dnbey  die  .\btheilungen  oder  Divisioiies,  so 
von  1255  bis  dato  geschehen. 

Die  Zusammenstellung  selbst  lieginnt  auf  Fol.  I mit  der  Donatio  Conradi, 
woran  sich  Schwabegg,  Türckhaira,  die  Hofmark  Sandtbach,  Khnrchberg,  Paybronn, 
Scherdting  ohne  die  vorhin  bemerkte  Verweisung,  Hengersperg,  Teuspach  u.  s.  f. 
schliessen,  von  Fol.  14  bis  15'  — wie  es  hier  heisst:  Hochen-Schongau  — Hohen- 
schwangau, dann  bis  Fol  17  die  Grafschaft  Haag,  von  Fol.  20  bis  21  Mindlheimb, 
von  Fol.  21'  bis  22'  die  Kur  mit  dem  Krzlrnchsessenamt,  von  Fol.  22'  bis  24'  die 
Oberpfalz  mit  Camb,  von  Fol.  24'  bis  25'  die  Landgrafschaft  I<cuchtenl>erg,  von 
Fol.  26'  bis  27'  Tarvis  und  die  dazu  gehörigen  Filialen,  von  Fol.  27'  bis  28  das 
Mautamt  Stain  u.  s.  w.  Den  Schluss  bildet  von  Fol.  28'  auf  29  Mirandula  mit 
dem  Satze:  also  haben  Ir  Kayserl.  May.  sich  erbotteu,  solchen  consens  znr  richtig- 
kheit  bringen  znhelffeu.  Datae  in  Arcae  Braudisij,  22  Sept.  anno  1638. 

79. 

Des  Johann  Wämpl 

Bericht  vnd  Gnettachten  yber  die  frag,  ob  auf  den  in  der  handt  Gottes  stehenten 
fall  da  der  manliche  stamen  der  Ertzbertzogen  in  Oesterreich  absterben  solt  zu  der 
Verlassenschaft  Khönigreich  vnd  l.andte  dasz  Churfürstl.  Hanaz  Bayern  ainige 
praetension  vnd  Zuesprnch  mit  recht  zn  snee.hen  hete? 

«) 

Der  Entwurf  einer  grösseren  Auseinandersetznng  iles  Verfassers  über  die  berührte 
Frage  ßndet  sich  im  geheimen  Staatsarchive  anf  29  beziehungsweise  30  Blättern 
theils  in  losen  Bogen  und  theils  blos  in  Blättern  in  Folio. 

Die  .Arbeit  selbst  war  ursprünglich  anf  sechs  „Qnaestiones  vnd  pnncten“  be- 
rechnet, nämlich : 

l)  ein  Schema,  au.sz  welchem  zn  secheu,  wie  die  Sippschaff  bewandtet,  vnd  aus 
wemc  der  zeit  dasz  Ertzhaus  Oesterreich  bestehe? 


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243 


2)  durch  wasz  mittl  die  Ertzhertzogen  ausz  Oesterreich  jhre  Khönigreicb  vnd 
Landte  nach  vnd  nach  an  sich  gebracht  ? 

3)  wasz  es  mit  den  privilegijs  Aastriacis  für  ain  Ijeschaflenheit , vnd  ob  auch 
pacta  familiae  verhandten? 

4)  wie  es  bisher  vf  begebne  todtfall  mit  der  snccession  gehalten  wordlen? 

5)  wasz  mit  Ihro  ChurfUrstl.  ünrchl.  Krauen  Xlnetter  Maria  Anna  per  pacta 
dotalia  gebandtlet  worden , ob  dessen  vngehindert  Deroselben  Erben  die  snccession 
gegen  den  Oesterreichischen  Landten  **'*)  offen  steheV 

G)  wer  in  specie  bey  ainem  vnd  andern  Khiinigreich  vnd  Landt  anf  ereigneten 
fall  deficieutis  liueae  maseulinae  Austriacae  succedieni,  oder  ob  thails  dem  Römischen 
Reich  bainibfalleu  wnrdt. 

Die  ersten  fünf  sind  auch  In  dieser  Reihenfolge  durehgeführt.  Dann  aber  tritt 
folgende  Behandlung  von  Ki-age  6 — 12  ein: 

6)  ob  Ihr  Khayserl.  May.  Leopoldns  nit  durch  aiiiige  disposition  vnd  letsten 
willen  dise  Ihr  von  Ihro  Voreltern  znegefallue  Verlassenschafft  vermachen  oder  daruoii 
testiren  khundtV 

7)  ob  der  Khönig  in  Spanien  auf  den  fall  vor  Ihme  der  Khayser  Leopoldns 
abs((ue  heredibus  mascnlis  mit  todt  abgehen  solt  bey  den  Oesterreichischen  Landten 
^roximus  successor  sein,  vnd  die  Oe-sterreichische  Töchter  oder  dero  Erben  auschliessen 
wordte? 

8)  wer  anf  eraignete  fall  deficieutis  lineae  maseulinae  Hispanicae  bey  dero 
Khönigreicb  vnd  Landte  negster  Erb  sein  wnrdte? 

9)  wer  auf  den  fall  der  Khönig  in  Spanien  aintweders  — wie  oben  in  der 
7 qnaest.  erwähnet  — zu  den  Oesterreichischen  Landten  khaiu  regress  zesnechen 
oder  aber  vor  dem  Khayser  Leopolde  mit  todt  abgehen  solt  alsdan  zu  solch  Oester- 
reicbischer  Verlassenschaff  deficiente  linca  mascnlina  Austriaca  das  beste  Successions- 
Recht  haben  wurdte? 

10)  ob  Carnten  Tyrol  vnd  Görtz  auch  ein  Reichs- Lechen , vnd  des  Ferdinandi 
2"  Verlassenschaff  anhängig  seyen? 

11)  wasz  es  mit  dem  Khönigreicb  Behamb  wie  auch  mit  Mährn  vnd  Üchfesien 
für  ein  beschaffenheit  habe? 

12)  ob  Ihr  Churfürstl.  Durchl.  auch  zn  Vngarn  Croatien  Dalmatien  vnd  den 
Windiseben  Landt  ainige  hofnung  ainer  succeasion  zu  machen? 


150),  Im  Trite  lautet  dieie  Qaaestio:  WeIcbergstalUn  Tagehindect  der  pactierten  Veniebt 
Ihro  Churfbrstl.  Durcbl.  Haiimiliani  Gemablia  ilaria  Anna  hocbacel.  gedrehtn.  geboraer  Grtzhartiogin 
vnd  anyetio  dero  Erben  annoeb  der  regrau  inr  succeuion  in  de«  Ferdinandi  2^<  Verlaaaenschaff  vnd 
Oeaterreichiachen  Landten  auf  den  full  der  manlicbe  atamen  der  Ertibcrtzogen  abaterben  aolt  ver- 
bliben  vnd  offen  atebe. 

11* 


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241 


b) 

Ein  Aii8itn(r  au»  dieser  Schrift  — so  wejjen  besserer  ordtnnng  in  volgente  12 
quaestioiies  abgethailt  wordten  — vom  17.  Juni  1669,  gleichfalls  von  des  Verfassers 
Hand , bildet  sich  auf  sechs  /.nsanimeugehefteteu  Bogen  in  Folio  im  geheimen 
Staatsarchive. 

Kr  behandelt  den  erwähnten  (iegenstand  in  den  vorhin  nnter  a schon  näher 
gekennzeichneten  12  Abschnitten.'*') 


bO. 

Des  Liceutiaten  Kaspar  Zillesiiis 
,.Kurtze  Erklärung  des/.  S|ionheimbschcn  Stumuibaum.sz.“ 

Diese  Ueberschrift  führen  zwei  Aufzeichnungen  des  17.  .lahrhunderts  in  Folio 

a)  anf  vier  zusanmiengehefteten  Bogen, 

b)  auf  ursprtlnglich  sechs  zusainniengehefteten  Bogen , von  deren  äusserem 
das  für  den  Titel  be.«tiraiut  gewesene  Vorderblatt  nur  mehr  in  einem  schmalen  Streifen 
erhalten,  das  Kiickblatt  leer  ist, 

beide  im  geheimen  Hausarchive,  die  eben  bemerkte  in  einem  Fascikel  von  Akten- 
stücken zu  Arliciten  des  Oberschultheisseu  Johann  Jakob  Kneupell  zu  Kreuznach 
und  des  Pfalz-Sponheim'schen  Käthes  Kaspar  Zillesius  hauptsächlich  zur  Sponheim- 
scheu Genealogie  und  Geschichte, 

c)  weiter  eine  schone  -Abschrift  wohl  nicht  lauge  nach  der  Mitte  des  vorigen 
Jahrhunderts  in  einem  Couvolute  mit  der  Aufschrift  „MerckwOrdige  meistens  unbe- 
kannte aus  dem  C'hurftirstlicheu  Archiv  gezogene  Nachrichten“  gleichfalls  im  geheimen 
Hausarchive,  und  zwar  in  deren  Abiheiluug  IV  § 18. 

Es  sind  theilweise  höchst  gedrängte  Nachrichten  Uber  6.9  Glieder  des  Spon 
heimischen  Grafenhauses  von  dem  unbekannten  Gemahle  der  Gräbn  Hellwig  an,  die 
mit  ihrem  Sohne  Kberhart  das  Kloster  Schwabeuheim  gestiftet,  bis  zum  Tode  des 
letzten  Grafen  Johann  am  26.  Jänner  1437. 

Es  mögen  hiezu  die  beiden  folgeuden  Num.  81  und  82  verglichen  werden, 
namentlich  die  Spalte  2 der  letzteren,  und  nicht  minder  auch  die  Num.  8. 

Mau  darf  wohl  an  den  berührten  Liceutiaten  Kaspar  Zillesins  als  Verfasser 
denken,  insbesondere  da  sich  von  seiner  Haud  auf  dem  unter  Lit.  b erwähnten  Streifen 
noch  die  Bemerkung  tindet ; Ist  Herrn  Ober-.SchuItheiszen  zu  Creutznach  cum  tabula 
genealogica  also  communiciret  worden  den  21  May  1664. 


l.M.I  Die  fünfte  Qnacitio  lautet  da:  Ob  Ihr  Ohnrfürstl.  Durehl.  Mariae  Annae,  Ferdinandi 
2"  Töchtern,  oder  non  nach  dero  ableiben  Ihro  Erben,  vngehindert  der  pactierlen  Verzicht,  auf  den 
faU  der  Oeaterrelchisch  manaatammen  abeterben  wurdt  der  regreis  zur  auccetiion  deren  verlatsnen 
Laodt  vnd  guett  verhüben  aeye,  vnd  noch  offen  itehe? 


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245 


81. 

Des  Licentiaten  Kaspar  Zillesius 
GeschlecbUregister  des  alten  Grafenhauses  von  Sponheim, 

a)  in  des  Verfassers  eigenhändigem  Entwürfe  in  einem  Foliobande  mit  Perga- 
mentüberzug  aus  einem  alten  Missale  in  dem  eben  unter  Lit.  b der  Num.  80  erwähnten 
Fascikel  des  geheimen  Hansarchives, 

b)  in  einer  ans  dem  vorigen  .lahrhnnderte  stammenden  .\bscbrift  von  sechs 
angehefteten  Lagen  zn  je  4 Bogen  in  Folio , von  deren  letzten  nur  mehr  die  erste 
Hälfte  beschrieben,  wieder  im  geheimen  Hausarchive. 

Der  Titel  des  Werkes  selbst  lautet:  Genealogia  Sponhemica,  oder  Geschlechts- 
Register  der  alten  Grafen  nnd  Grä&ueu  zu  Sponheim , zusammengetragen , mit 
Anführung  vieler  merkwürdigen  Geschichten  illnstriret,  nnd  dem  durchlauchtigsten 
Fürsten  nnd  Herrn,  Herrn  Georg  Wilhelmen,  I’fultz  Grafen  bey  Rhein,  Herzogen  in 
Bayern,  Grafen  zn  Veldenz  nnd  Sponheim  etc.  etc.  nnterthänigst  praesentirct  von 
Caspar  Zillesio,  .lur.  utr.  Licent.  Consil.  Palat.  Sponheim,  die  XXI  Jun.  anno 
MDCLXIV. 

In  der  aus  Birkeufeld  unter  diesem  Datum  geschriebenen  Widmung  sagt  der 
Verfasser,  dass  neben  anderem  ihn  hauptsächlich  die  ihm  auvertraute  „Charge,  welche 
eine  genaue  Wissenschaft  aller  Sponheimischen  Regalien  Freyheiten  Rechten  Gebräu- 
chen nnd  Gewohnheiten  erforderet“  dazu  veranlasst  habe,  die  bei  dem  dortigen 
„Archiv  vorhandene  alte  Briefe,  MannbUeber,  Saal -Bücher,  Rechnungen,  Register, 
Acta,  und  Schrifften,  darbeneljen  auch  da.s  Chronicon  Trithemij  und  andere  Anthores 
horis  .«uccessivis  zn  durchgehen“  und  das  Sachdienliche  in  möglicher  Kürze  zu 
extrahieren.  So  habe  er  es  dahin  gebracht,  seinem  fürstlichen  Herren  „G3  gebohrne 
Grafen  und  Gräfinnen  zu  Sponheim,  die  über  400  Jahr  nach  einander  gelebet,  in 
einer  genealogischen  Tafel  praesentiren“  zu  können , mit  den  nothdürftigsteu  ge- 
schichtlichen Nachrichten  versehen. 

Zunächst  wird  „von  dem  Ursprung  der  Grafschati't,  und  ältesten  Grafen  zu 
Sponheim , auch  von  dem  Namen  Abtheilnngeu  zugehörten  etc.  etc.  solcher  Graf- 
schalTten“  gehandelt. 

In  a ist  nunmehr  die  „Genealogia  Comitnm  de  Sponheim“  auf  zwei  zuaammen- 
geklebten  Bogen  in  Folio  — von  anderer  Hand  geschrieben  — eingeheftet. 

Dann  folgt  die  „Erklährung  des  Sponheimischen  Stamm-Banms  mit  anführung 
der  alten  Grafen  und  Gräfinnen  lebens  und  tbaten“  in  den  vorhin  berührten  6.3 
Gliedern  mit  den  betrefl'enden  geschichtlichen  Anmerkungen  vom  Jahre  1019  mit 
Heinrich  Grafen  zu  Sponheim  bis  zu  dem  kinderlosen  .Absterben  des  Grafen  Johann 
am  26  Jänner  1437. 

Den  Schluss  bildet  auf  nur  drei  Seiten  ein  .Abschnitt  „von  Devolution  und  Er- 
bungen beeder  — das  ist  der  hinteren  und  der  vorderen  — Grafschafiteu  Sponheim.“ 


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246 


Vgl.  hier-u  die  Num.  80  imd  in.^ibesoiidere  die  Spalte  3 der  sogleich  folgenden 
Nnm.  S2. 


82. 

Genealogie  Comitum  de  Sponheim. 

Die  beiden  in  den  Num.  80  und  81  aufgefllhrten  Werke  des  Pfalz-Sponheimischen 
Käthes  Kaspar  Zillesius,  nämlich  die  krirze  Erklärnng  des  Sponheimischen  Stamm- 
baumes, wie  sein  S|K>nheimisches  Gcschlechtsregister.  de>«en  Hauptabschnitt  sich 
gleichfalls  als  ..Erklährung  des  Sponheimischen  Stamm  Baums  mit  anführnng  der 
alteu  Grafen  und  Grähunen  lebeus  und  thalen“  bezeichnet,  setzen  nm  so  mehr  einen 
wirklichen  solchen  Stammbaum  — vgl.  auch  oben  die  Num.  8 — voraus,  als  in 
ihnen  die  eigentlichen  Abstammungsverhältnisse  nicht  in  einer  unmittelbaren  über- 
sichtlichen Klarheit  hervortreten. 

Da.ss  auch  ein  .solcher  von  Kaspar  Zillesius  gefertigt  worden , ergibt  sich  ans 
der  Bemerkung  desselben,  welche  in  Num.  80  unter  Lit.  b angeführt  wurde,  wonach 
er  dem  Oberschulthcisseu  Johann  .lakob  Knenpell  zu  Kreuznach  jene  Schrift  ,,cum 
tabula  genealogicä“  am  21  Mai  1664  luittheilte.  Auch  ist  er  dem  in  Num.  81  unter 
Lit.  a erwähnten  Werke  des  Kaspar  Zillesius  wirklich  einverleibt. 

Weiter  liegt  ein  solcher,  .sehr  sauber  auf  einem  Bogen  steifen  sehr  schönen 
weissen  I’apieres  von  der  Grösse  zweier  gewöhnlicher  Bogen,  vielleicht  um  die  Mitte 
des  vorigen  Jahrhunderts  gefertigt,  in  zwei  E.vemplaren  im  geheimen  llausarchive 
vor,  nämlich 

a)  für  sich 

b)  in  dem  unter  Num.  80  in  Lit.  c erwähnten  Convolute,  und  zwar  in  dessen 
Äbtheiluug  IV  § 18. 

Er  ist  im  gros.seu  Ganzen  nicht  viel  anderes  als  eine  erneuerte  Ausrührung  des 
älteren,  welcher  im  Laufe  der  Zeit  schadhaft  oder  sonst  unbrauchbar  geworden, 
weist  aber  eine  Reihe  von  Einfügungen  zu  den  Nummern  der  beiden  erwähnten 
Werke  mit  Theilziffem  auf,  beispielsweise  als  9'/i  einen  Grafen  Ludwig  von  Sponheim 
mit  Bezug  auf  eine  Urkunde  in  Marquard  Erehers  origines  palatiuae  zum  Jahre  1 180, 
weiter  nach  21  als  21  Vt  einen  Simon  und  als  21*,»  den  Deutschordensmeister  Eber- 
hard **’)  in  Liefland,  nach  22  als  22*/«  einen  Grafen  .Johann**®)  und  als  22*,'»  und 
22*;«  seine  Söhne  Gottfried*®*)  und  Heinrich,  und  enthalt  l>ei  der  Mehrzahl  der 
Glieder  auch  zugleich  lateinisch  geschriebene  Nachrichten. 

In  der  oberen  Ecke  links  ist  das  Sponheini’sche  Wappen  angezeigt,  aber  nicht 
mehr  in  Farben  ausgefUhrt,  sondern  es  sind  selbe  unr  mit  Buchstaben  angedeutet. 


152)  Zum  Jahre  !2>5tt  mit  der  Bemerkang:  ob.  1258. 

153)  Conie«  Sponheimij  et  Senaei.  Uior  N fllis  N eomitii  Sponheimise  alteriaa  lineoe. 

154)  Gothofredas  cum  fratre  partitua  est  1264.  pro  se  retinuit  eomiUtum  Senaeam,  et  iupoete- 
rum  se  ecripait  comitem  Senaeam.  binc  descoadunt  comite»  Senaei. 


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247 


Der  Stanmibanm  selbst  beginut  links  etwas  unter  der  Mitte  mit  dem  Grafen 
Eberhard,  der  Nuui.  2 ’**)  der  oben  berührten  Werke,  und  setst  sich  in  den  lietreffen- 
den  Verzweigungen  nach  der  rechten  Seite  bis  zuni  letzten  Grafen  Johann,  der 
Nntn.  63,  in  der  Weise  fort,  dass  den  einzelnen  Persönlichkeiten  die  je  einschlagen- 
den der  63  Zahlen  beigefögt  sind. 

Zur  Itequemeren  Veranschaulichung  des  Verhältnisses  der  mehrlierührten  drei 
Werke  mögen  folgende  Angaben  dienen,  welche  in  der  ersten  Spalte  dem  in  Rede 
stehenden  Stammbaume  entnommen  sind , in  der  zweiten  und  dritten  den  Text  der 
beiden  unter  Num.  «0  und  Num.  81  aufgeführten  Schriften  wiedergeben: 


Vgl.  die  Note  155. 


Eberhardns  cum  matre 
Hedwig  non  solnm  fnnda- 
vit  coenobium  Schwaben- 
heim, sed  etiam  extrnxit 
templnm  non  procul  a 
Sponheim  in  monte  Feld- 
berg anno  1044. 


1. 

Wer  der  Gräfin  Hellwig 
Gemahl  gewesseu,  ist  un- 
bekandt.  Sie  batt  neben 
ihrem  Sohn  (.iraff  Eber- 
bartten  da.szClosterSchwa- 
benheim  gestifftet. 


2. 


Graf  Eberhardt  stifftet 
und  erbonwet  eine  Kirche 
ohnfem  Sponheimb  auf 
dem  Feldtberg  anno  Chr. 
1044. 


Henrich  Graf  zu  Spon- 
heim 1019,  dessen  im 
Trierischen  Tournier-Bnch 
gedacht  wird.  Des-sen  Ge- 
mahlin war  Hedwig:  ist 
unbekannt , aus  welchem 
Geschlecht  sie  entsprungen. 
Ihrer  aber  wird  in  einem 
Manuscripto  gedacht.  Sie 
stifftet  nelren  ihrem  Sohn 
Graf  Eberhard  das  Closter 
zu  Schwabenheim  Trithe- 
mius  1019. 

Eberhardns  Graf  zu 
Sponheim  bat  zu  Zeiten 
Kaysers  Henrich  III  eine 
Kirch  auf  dem  Feldberg, 
ohnweit  Sponheim  der 
Burg  gelegen , gestifftet 
und  erbauet,  auch  zn  seiner 
Seelen  Heyl  viele  Qüther 
darzu  verordnet,  im  Jahr 
Christi  1044. 

Henricus  I""  der  Kayser 
öbergiebt  ihme  auf  ewig 


155)  Ala  Nani.  I ist  onten  bemerkt:  Henriens  Com.  Sponheim.  1019. 


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248 


Steplmiius,  vir  pin»,  ex 
predicto  templo  , a patre 
aedificato , moiiasteriam 
fnudavit,  ijuod  hudie  Spon- 
heim appellatnr , auuu 
1101.  obiit  ins,  25  febr. 


Meinhardu»  coenobiuni 
Sponbeimense  abaolvit,  8. 
Martino  dedicavit,  et  mo- 
uacbi»  ordniis  Benedicti 
inbahitandmn  conceasit 
1 123. 


die  Dörfer  Hocbfelden  und 
Schweigenhauasen  aamiut 
einem  Walt,  Ileylig  Forst 
genannt,  IUG5  und  1066. 

.letzt  geuielder  Kayser 
gibt  auch  dem  Domstitlt 
Trier  den  Hoff  in  der 
Herrschaft  Kreutzenach  in 
dein  Dorff  Nachgau  gele- 
gen cum  appertinentiis 
1065. 


3. 

Graf  Stephan,  ein  from- 
mer vndt  gottesfnrchtiger 
Herr,  macht  ans  vorbe- 
aagler  Kircb  ein  Closter, 
welches  noch  auf  dieszen 
tag  .Spouheimb  genandt 
wirdt.  1101.  t rt*""  25 
Februar  1 1 1 S. 


4. 

Graf  Meinhardt  ein  vor- 
troflieher  Herr,  vollftlhrt 
den  Closterliauw,  lest  den- 
szelben  weihen , dedicirt 
ihn  st.  Martino , vndt 
setzt  Mönche  Benedictiner 
Ordens  darein  1123. 


Stephanus  Graf  zu  Spon- 
heim, ein  frommer  und 
gottsfdrchtigerHerr,  macht 
aus  der  von  seinen  Fitem 
auf  dem  Feldherg  erliau- 
ten  Kirchen  ein  Closter 
1101,  kann  aber  den  an- 
gefangenen Bau  wegen  an- 
deren eingefallenen  Hin- 
dernüssennicht  vollfllhrcn, 
befähle  derohalben  auf 
dem  Tods  - Bett  seinem 
Sohn  Meinharden,  solchen 
zn  absolviren.  Er  starb 
V cal.  mart.  das  ist  den 
25  Febr.  1118. 


Maynharilus  Graf  zn 
S]M)nhcim,  ein  förtreff- 
licher  Herr,  vollführt  den 
von  seinem  Herrn  Vatter 
seel.  angefangenen  Gloster- 
Ban  durch  Hülff  seiner 
Frau  Gemahlin  und  Herrn 
Bruders,  lasset  auch  den- 
selben durch  Paponem 
Bischoffen  zu  Wormbe 


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249 


ob.  1155,  28  Febr. 

üxor  Mechtildis  sive 
Met  ZS, 


Abh.d.III.CI.(l.k.  Ak.d. 


f den  28  Februar  1155. 

Seine  Gemahlin  Franw 
Mechtild  oder  Metze,  ein 
sehr  audechtige  Matron, 
hat  dos  ihrige  bejr  dem 
Closter  Bauw  auch  gethan. 
ansz  welchem  Ilausz  sie 
geweszeu  sey , ist  iiu- 
wiszent. 


Wi«i  XV,B<I.I.  Abth. 


weyhen  and  s.  Martino 
■sacriticiren  anno  1123. 

Die  Mönchen  bindet  er 
nnter  einem  .Abt  an  h. 
Reuedicti  Orden  und  regul. 
Sie  Graf  und  GrUQunen 
rcsigniren  das  Closter  der 
Kirchen  zu  Meiniz  zn 
Kigeothnm  dergestallt  dsss 
Sie  nur  Vogt  oder  .Schirm- 
herrn desselben  verbleiben, 
den  7 Juni  1124. 

Kr  Graf  Meinhard  er- 
langt vom  Kuy.^er  Henrico 
4“,  dosz  er  das  Closter 
Sponheim  in  des  Reichs 
Schutz  und  Schirm  aaf- 
nimbt,  den  24  Febr.  1125. 

Papst  Honorius  iiimbt 
es  gleichfalsz  in  des  apo- 
stolischen Stuhls  sonder- 
bahren Schutz  auf,  den 
23  .Martii  1127. 

Er  starb  den  28  Febr. 
115.5 

Gemahlin  Mechthildis 
oder  Metze,  (iräfiu  von 
Sponheim,  eine  sehr  an- 
dächtige Fran,  welche  zu 
dem  vorberBhrten  Closter 
cyferich  geholffeu  hat. 

Peszgleichen  hat  Sie 
da-s  Closter  Schwaben  heimb 
Augu.stiner  Ordens,  so  sie 
von  ihren  Eltern  ererbt, 
s.  Martino  zu  Ehren  way- 
hen  las.sen,  und  Adell>erto 
dem  Ertzbischoff zn  Mayntz 
übergeben  1130  mit  dem 
32 


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250 


Vorbehalten,  dara  er  Graf 
Mainhard  die  Tag  seines 
Lebens,  nach  seinem  Tod 
aber  der  unter  seinen  bee- 
den  Söhnen,  welchem  dasz 
SchloBz  Dill  in  Abtheilung 
zufallen  werde,  deseiben 
Vogt  seyn  solte.  Trithe- 
mius. 


Johannes  Ultimos  comcs 
Sponheimensis , dominus 
StarcWenburgensis  et  Cm- 
cinacensis, 


cum  Lndovico  Barbato 
electore  palatino  in  l’alae- 
stinam  profectus  U07. 


03. 

Graf  Johau  der  Ijetztere 
zu  Sponbeimb,  Herr  zn 
Starckenburg  vndt  Kreuz- 
nach, 


reiszct  mit  Hertzog  Lud- 
wigen, der  Bärtige  ge- 
nandt,  nach  dem  heyligen 
Lande,  weszhalben  Keyszer 
Ruprecht  ihme  alsz  Ihr 
Mayestatt  Bludtsverwand- 
ten  einen  geleits  Brieff 
[ertheilet]  1107. 


Johann  der  letztere  Graf 
zu  Sponheim , Herr  zn 
Starckenburg  und  Creutze- 
nach,  giebt  Churfürst  Lud- 
wig das  Dorff  Enckerich 
ein,  doch  dergestalt  dasz 
er  es  jederzeit  wieder  zu 
sich  nehmen  dörffe,  1402. 

Herzog  Ueinhold  be- 
lehnet ihn  mit  der  Vogtey 
Seeheim  1401. 

Er  begabt  die  Capell 
auf  dem  Schlosz  Birckeu- 
feld  in  der  Vorburg  mit 
30  Beichsth.  Gelds  jähr- 
licher Gülden  1404. 

Der  Bischoff  zn  Trier 
belehnet  ihn  mit  unter- 
schiedlichen Stück  1404. 

Er  nimbt  mit  Herzog 
Ludwig,  der  Bärtige  ge- 
nannt, eine  Rei.sz  nach 
dem  gelobten  Land  für, 
weszhalben  ihm  König 
Ruprecht  ein  Patent  uud 
Mandat  ertheilet , dasz 
mäniglich  demselben  als 
sein  des  Kaysers  Bluts 
Verwanten  liey  der  Reisz 
so  er  über  Meer  fürge- 


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251 


Äb  eleotonbos  trerirensi 
et  Palatino  ac  dnce  clivenei 
diversa  fenda  accepit 


Vgl.  Torher. 


Er  empfengt  von  Trier, 
Chnrpfaltz , undt  Cleve 
vndtergcbiedene  StQck  zn 
Lehen. 


Vgl.  vorher. 


nommeu  sambt  gesind  und 
Kleine  Diener  zu  Bosz 
and  Foez  alle  befördernng 
und  guten  willen  erweisen 
»olle  1407. 

Er  begnadet  Jacob  Frne- 
nffen  von  Castell  mit  s. 
Antboni  Älter  zn  Kncke- 
ricli , nnd  fibergiebt  ihm 
die  darzu  gehörige  Göther 
zn  Hanen  1410. 


PfaltzGrafLndwigChnr- 
fürst  belehnet  ihn  mit 
Weiningen , Enckerich, 
Obermendig  and  wildfung 
auf  dem  Idar  1411 

Er  verleicht  Johann 
Rockenbausen,  Pfarrherrn 
zu  Irmenach  den  Altar  zu 
Trarbach  in  dem  Kenen 
Hansz  nmb  Gottes  willen 
1413. 

Er  schwöhretmit  Pfaltz- 
Grafeu  Lndwig  nnd  Frau 
Elisabeth»  ein  Burgfrieden 
zn  Creutzenach.Ebernbnrg, 
Gattenberg,  Arioschwang, 
Gmunden,  Numbnrg,  Cop- 
pensteiu  und  Kirchberg 
1416. 

Vergleicht  sich  mit  Her- 
zog Ludwig  wegen  des 
5""  theils  au  der  voderu 
Grafschafft,  so  demselben 
von  Frau  Elisabetba  Gräfin 
von  Sponheim  vermacht 
worden,  1417." 

32* 


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252 


Bernbardum  marchio- 
nem  Badensern  et  Fride- 
ricum  coiuiteni  Veldenline 
casii  quo  sine  liberis  de- 
cederet  legilimos  hereeles 
omniuni  snarom  ditiomim 
inatituit  1419. 


Kr  setret  Margrafen 
Beruburteu  zu  Bahden 
vndt  Graf  Frid.  zu  Vel- 
den tz  auf  den  fall  er  keine 
Leibes  Erl>en  verlaszen 
würde  zum  rechten  erben 
aller  seiner  Laiiile  vnndt 
Herscbaflten  ein  1419. 


Er  und  Khein  Graf  Phi- 
lipp zu  Oberstein  schwö- 
ren ein  Burgfrieden  zn 
Neuen  Brumberg  1418. 

Kayser  Sigismundns  be- 
stättiget  ihm  alle  .seine 
privilegia,  und  nimbt  ihn 
in  des  Reichs  sonderbahren 
Schutz  1418. 

Dieser  Kayser  Sigis- 
mnndus  schreibt  an  Chnr- 
fdrsten  Ludwig,  das  Er 
den  Edlen  Graf  Johann 
Ton  Sponheim  wegen  ihrer 
unter  sich  habenden  Ir- 
rungen nicht  beschädigen 
sondern  im  rechten  flir- 
nehmen  solle,  1418. 

Befehlet  auch  den  Chnr- 
fUrsten  zu  Brandenburg 
Maintz  und  Cölln,  dasz 
sie  Grafen  Johann  gegen 
Herzog  Ludwig  schützen 
sollen,  1418. 

Herzog  Ludwig  giebt 
ihm  ein  theil  am  Zoll  zu 
Kaub , im  gleichen  die 
Sclilöszer  Enenstein  und 
Wolffstein  zu  Lehn  1419. 

Er  setzet  Marggraf  Bern- 
hard zu  Baadeu  und  Graf 
Friedericb  zu  Veldentz  auf 
dem  fall  Er  keine  Leibs 
Erben  hinderlassen  werde 
zum  rechten  Erlien  aller 
seiner  Laiideu  und  Herr- 
schalTlon  ein  1419. 

Er  raumbt  seinem  \'et- 
ter  Marggraf  Bernharden 
da.s  Schlosz  Gräffensteiu 
mit  zugehörigen  Dörffern 


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253 


für  9000  fl.  pfaivds  weisz 
rin  1-120. 

Er  und  gedachter  Marg- 
graff  legen  zwey  BrieCf  in 
treue  Händ  hiuder  Graf 
Johann  zu  Leiiiingen,  be- 
treffend die  Grafschafft 
Sponheim  mit  Schlöazer 
Städten  und  Oörffern  und 
andern  Zngehör  1420 

Er  versetzt  das  tiräffen- 
reich,  so  er  vom  römiacheu 
König  pfands  weisz  innen 
gehabt,  Marggraff  Bern- 
harden xn  Banden , mit 
Vorbehalt  dass  seine  Er- 
ben und  der  römische 
König  die  Lösnng  haben 
sollen,  1421- 

Er  empfängt  von  Pfaltz 
Graffen  Ludwig  Chnrffirst 
6000  fl.  dergestalt,  dass, 
wann  der  Chnrförst  oder 
seine  Erben  ihm  noch 
14000  fl.  weiter  geben 
würden,  Churl’faltz  ';*tel 
an  der  Orafschafft  zu 
Creutzeuach  — daran  Herr 
Ludwig  bereits  *fjtel  hatte 
— versetzt  seyn  solle, 
1421 

Herr  Ludwig  händiget 
ihm  darüber  ein  Brieff 
ans,  worinnen  er  die  wie- 
derlösung  erkennet,  1422. 

Dechant  und  Capitul  zu 
Aageii  versprechen  ihm 
und  seiner  Gemahlin,  ans 
ursach  dasz  sie  hinderuiig 
an  ihrem  Zehenden  uud 
Geströh  zu  Starckenhurg, 


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254 


In  Boheniia  contra  Hus- 
aiU«  militavit,  in  eoqne 
bello  ae  strennnm  ((essit, 
1422. 


Kr  zeugt  in  Böheimb 
gegen  die  Hussiten,  vndt 
heit  sich  tapfer  in  sel- 
bigem Ketzer  Krieg,  1422. 


Traben,  Trarbach,  und  in 
der  pfleeg  Irmenach  abge- 
thau , mit  Vigilien  Seel- 
meszeu  und  4 brennenden 
Kerzen  ihre  Jahr  Zeit  zu 
begehen,  1421. 

Er  wird  Marggraf  Bern- 
hard zu  Baadeu  200000  fl. 
schuldig,  und  verpfändet 
ihm  deszlialben  die  Graf- 
schafft Sponheim  1421. 

Er  befehlet  Reinharden 
von  Leiningen  sein  Land 
und  I.entb  dergestalt,  im 
fall  er  auf  vorgeuomraener 
Reisz  gegen  die  Husitlen 
nach  Gottes  willen  mit 
Todt  abgehcii  würde,  als 
dasz  dann  seine  Grafschaft 
Marggratf  Bernhard  zu 
Baaden  eiugeraumbt  wer- 
den solle,  1421. 

Zu  Vollziehung  seiner 
Baasen  Frau  Elisabethae 
letzten  willeus  stifftet  er 
ein  Altar  in  der  Pfarr 
Kircb  zu  Crentzenach  ber 
ihrer  Begräbnusz , dasz 
daselbst  ewiglich  Meesz 
durch  2 Priester  gehalten 
werden  solle,  und  begabt 
solchen  Altar  mit  100  fl. 
jährlich  zu  Sprenglingen, 
1421. 

Er  ziehet  in  Böhmen 
gegen  die  Ilusitten , und 
hat  sich  daselbst  dapffer 
gehalten,  1422. 

Marggraff  Jacob  zu 
Baaden  giebt  ihm  schrifil- 
lichc  Versicherung,  dasz 


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255 


Deinde  seuretariiini  sn- 
iim  Golx-Iiamii  abbatem 
constituit , invitis  mona- 
chis,  1432. 


Obiit  Starckenbnrgi  iiu- 
prolis  1437,  2fi,jamiurii, 
sepultns  Trnrbaci. 


Br  luacht  seinen  Secre- 
tariiim  Gobelier  znni  Abt 
im  ClosterSponheimb,  wie- 
der der  Mönch  willen, 
14.32. 


+ den  26  .Tanuarij  1437 
zu.Starkenburg  ohne  Lei bsz 
Erlien , ligt  zn  Trarbach 
in  der  Kirchen  begraben  : 
ist  in  gantzem  Currae  in 
Mes/.ing  gegos/.en,  vndt 
in  der  Mauwer  aufgerichtet 


die  älteste  Söhn  in  der 
GrafschaSl  allein  succe- 
diren  sollen  1422. 

Br  giebt  dem  Closter 
und  Convent  BarfQsser 
Ordens  zn  Merll  ein  Brieff 
Aber  ein  Jährl.  Göldt  von 
4 Malter  Kom  zu  Rei- 
chel u.  s.  w. 

Er  macht  seinen  Secre- 
tarinm  Göbelen  zum  Abt 
im  Closter  Sponheim,  wie- 
derderMönch  willen,  1432. 

Verbindet  sich  mit  Ul- 
rich , erwehlten  Bischoff 
zu  Trier,  dergestalt,  wann 
sie  die  Stadt  gewinnen, 
der  Brseboff  zwey  theil 
und  der  Graf  ein  theil 
haben  soll , doch  vorbe- 
haltlich dasz  der  Bischoff 
den  3“”  Theil  mit  20000 
Mezer  fl.  ablösen  möge, 
1432. 

Er  cedirt  Herzog  Stephan 
Pfaltzgraff  '.«tel  an  Mon- 
•stein  der  Burg  und  Stadt 
u.  s.  w. 

Er  raumbt  Herzog  Ste- 
phan und  Marggraf  Ja- 
coben zu  Buaden  *stel 
der  Grafschafft,  jedoch  auf 
absag,  ein,  1437. 

Stirbt  den  26*™  Januarij 
1 437  zu  Starckenbnrg  ohne 
Leibs  Erben,  liegt  zu  Trar- 
bach in  der  Kirch  begra- 
ben: ist  im  gautzeu  Chyras 
in  Messing  gegossen,  und 
in  der  Mauer  aufgericht 


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256 


Dior:  Walbargis,  Jo- 
hannis comitis  Leiningru- 
«is,  (lomini  liixingani,  et 
Elisabethae  comitis«ae 
LOtzelsteiuij  tilia. 


mit  folgender  Cirabwhrifft: 
Hie  jacet  nobilis  ilomiiuia 
Johannes  novisainius  de 
Spunbeim.  qui  obiit  anno 
doniini  Mt'CCCXXXVll 
feria  quintn  post  festnin 
8.  Lucae  evangelistae. 
Cujus  aniina  per  niiseri- 
cordiain  dei  rerjuieseat  in 
sniicta  pace.  Amen. 


Die  Gemahlin : Frauw 
Walbnrg,  War  Grav 
Uunsaen  von  Leiningen, 
Herrn  au  Kitaingen,  vndt 
Frauw  Elisaabelhen  Grä- 
vin  zu  Lützelstein  tocbter. 


mit  folgender  Grabschn'ftt: 
Hie  jacet,  wie  in  Spalte  2. 


Von  diesem  Grafleu 
schreibt  Trilhemius  in 
Chronico  Sponheiniensi  lul 
anuuui  1426  also:  Er  war 
ein  sehr  curioser  Herr 
u.  B.  w 

Gemahlin  : Walhurg, 

Graf  Hansen  von  Leinin- 
geu , Herrn  zu  Kisingen, 
und  Frau  Elisabeth  Gräfin 
zu  Litzenstein  Tochter. 

Ihres  Herrn  gegen  Ver- 
niechtnus  wird  von  Marg 
Gratleu  Bernharden  von 
Baaden  confirrairel  1421. 

Sie  wird  auf  Castellaun 
Burg  und  Stadt  u.  a.  w. 


83. 

Abänderungsvorschliige  zn  des  I)r.  Philipp  Jakob  Spener 
Domns  Palatino-Bavarica, 

auf  vier  ungehefteten  Bogen  in  Folio,  eiirem  besonderen  Blatte  mit  Verbes-serungen 
zu  den  §j)  7 und  1 1 , wie  weiter  einem  lose  inliegenden  Zettel  zu  § 1 , aus  dem 
Schlüsse  des  17.  .Jahrhunderts,  hnlbbrüchig  geschriclien , mehr  Concept  als  bereit« 
fertige  .Arlreit,  im  geheimen  Hausarchive. 

Von  dem  ersten  Bogen,  welcher  den  üinschlug  des  Ganzen  bildet,  ist  das 
zweite  Blatt  nicht  mehr  beschrieben,  sondern  trägt  blos  auf  der  Rückseite  von  der 
gleichen  Hand  die  Aufschrift;  Animadversiones  vber  Herrn  ijpenneri  Tractatnm 
Heraldicnm,  das  Chur-  vnd  Fürstl.  Hans  Plaltz  betr.  Auf  der  ersten  Seite  des 


fi 

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4 


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257 

Ganzen  steht  Ton  anderer  späterer  Hand:  Animaduersiones  super  trnctatum  beraldicuni 
Speueri  ratione  domns  palatinae  confectam. 

Die  Vergleichung  mit  dem  das  pfalz-baierUche  Haus  betreffendeu  Abschnitte  im 
Lib.  III  Cap.  27  von  des  Dr.  Philipp  Jakob  Spener  bekannter  Historia  insignium 
illnstrinm,  seu  operis  heraldici  pars  specialis,  zu  Frankfurt  am  Main  in  erster  Auflage 
ira  Jahre  1680  und  in  zweiter  im  Jahre  1717  erschienen,  führt  zu  dem  Ergebnisse, 
dass  da  verschiedene  dieser  gutachtlichen  Vorschläge  berUcksichsigt  sind. 

AU  Probe  von  ihnen  möge  hier  die  vorhin  erwähnte  Bemerkung  zu  § 1 1 auf 
dem  besonderen  ursprünglich  mit  Sigelwachs  angeklebten  Blatte  eine  Stelle  hnden: 
Quoad  insignia  liueae  simerensis  notandum , Fridericnm , hujus  liueae  autorem, 
anno  1448,  1455  qnadripertito  scnto  nsum  fuisse,  ita  nt  primum  et  quartnm  leo 
palalinus,  secnnduiu  et  tertium  quadrantem  rombi  bavarici  implerent,  medio  scutorum 
inserta  parmula  tessellas  spauhemias  continente.  Scntis  impositn  galea,  leonem  pala- 
tiiinm  cum  pavoninis  peunis  inter  duo  conma  absqne  rombis  bavaricis  adversa  fronte 
residentem  sustinons:  quandotjne  etiam  hnnc  leonem  absque  illis  pennis  ob.servare 
licet,  quandoqne  etiam  galeam  com  insidente  leoiie  plane  omissam  videmus.  Hujus 
successores  usque  ad  Friderici  III  tenipora,  qui  Klectoratnm  buic  lineae  anno  1559 
intulit,  tripertito  tantnm  scuto,  qnale  hic  ab  antore  describitnr,  imposita  galea  et 
leone  ut  in  priori,  nsos  fuisse  reperio.  Kichardum  vero,  in  quo  sub  hnem  superioris 
seculi  duces  simtnereu.ses  defeocre,  quadriportito  iterum  scnto  usum  fuisse  observavi, 
simbota  palalina  et  bavarica  bis  repetens,  neglectis  tessellis  spanhemijs.  Scntis  in- 
cnmbit  capnt  leonis  sine  corona. 


84. 

Des  David  König 

topographisch-statistische  Geschichte  des  Herzogthnras  ZweibrSeken. 


a) 


Sie  findet  sich  im  geheimen  Staatsarchive  in  deutschem  und  französi.schem 
Texte,  wovon  der  erste  für  sich  ein  geheftetes  Ganze  ausser  dem  Titelblatte  von  27 
Folien  bildet,  der  zweite  allem  Anscheine  nach  aus  einem  grösseren  .4rchivalbande 
losgetrennt  und  auch  nur  spätere  Abschrift  ist,  unter  dem  Titel : 


BeylaUffige  Beschreibnngh  der  Consti- 
tution des  Herzogthumbs  Zweybrücken 
rniidt  aller  Hertzogen  Pfalzgrafen  so 
dasselbe  von  anfang  bisz  vff  diesze  zeit 
regieret,  auch  deszen  gegenwärtigen 
ruins,  gefertigt  vndt  dem  königlichen 
.Schwedischen  bevollmächtigten  Gesand- 
ten zue  den  alhieszigen  Friedens  Tractuten 


Description  de  1’  Etat  ou  se  trouue 
ü peu  pr{«  le  Dnche  de  Deui  pouts 
et  des  Ducs  et  Comtes  Palatins  qui  Tont 
regi  depnis  le  commeucemeut  jusques  ä 
ce  tems,  comme  aussi  de  sa  ruine  presente, 
dresse  et  rais  es  mains  de  son  Excellence 
Mgr.  le  Comte  Oxenstirn,  Ämbas-sadenr 
plenipotentiaire  de  Sa  Majeste  Suedoise 


Abh.  d.  III.  CI.  d.  k.  Ab.  d.  Wis».  XV  6d.  I.  Abtb. 


m 


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258 


Herrn  Graffen  Oxenstirn«  Kxcellenz 
vbergebeu  durch  den  pfallz-zwejhrücki- 
schen  Ilej?ierun(;s  Rath  vndt  Kechenkam- 
mer  Directoren,  auch  anhero  Deputirten, 
David  Königen.  Xitiiwegen  den  15”" 
Novembris  1B77. 


pour  le  traite  de  paix  ä Nimegne,  par 
Dauid  Koenig,  conceiller  de  la  Regence 
et  direeteur  de  la  chambre  dej»  comptea 
de  8on  Alteese  Palatine  de  Deux  pont«, 
anssi  depute  ponr  le  dit  traite.  Ä Ni- 
megne  le  15  novembre  1677. 


Sie  beginnt  mit  Herzog  Stephan,  dem  Sohne  des  Königs  Hnprccht,  und  schliesst 
mit  dem  datnals  regierenden  Herzoge  Friedrich  Ludwig. 

Daran  knüpft  sich  die  Beschreihnng  der  vier  Hauptämter:  Bergzabern,  Zwei- 
brücken,  Lichtenherg,  Meisenheim,  <)iioad  saecularia. 

An  diese  reiht  sich  eine  Anfziihlung  der  .Jura  welche  ZweihrOcken  ausserhalb 
des  Herzogthnms  hatte. 

Kndlich  schliesst  der  „Bericht  wegen  der  geistlichen  GOtter“  im  Fürstenthume. 

Zuletzt  erklärt  der  Verfaaser  unter  dem  bereits  berührten  l.ö.  November  1677: 
V'ndt  dieszes  ist  die  Nachricht  so  ich  absqne  adminiculo  einiger  acteu  vnd  doen- 
menten  ex  propria  reminiscentiä  wegen  dea  Fürstenthurabs  Zweybrücken  vndt  der 
Herzogen  so  diksselbe  biszher  regieret  zue  geben  weisz.  Solte  in  einem  oder  deine 
andern  sich  etwan  noch  einiger  Irrthumb  befinden,  so  wirdt  solcher  durch  den 
mangell,  wie  gemeldet,  aller  .\cten  hoffentlich  zue  entschuldigen  sein. 

Es  mag  hiezu  auch  noch  auf  die  Num.  88  aufmerksam  gemacht  sein. 


b) 

Auch  in  der  Handschriftenahlheilung  der  Bibliothek  des  geheimen  Hausarchives 
findet  sich  eine  halbbrüchig  gefertigte  Abschrift  dieser  Arbeit  in  deutscher  Sprache 
ans  dem  vorigen  .lahrh.  auf  drei  znsammengehefteten  Lagen  von  6,  5,  wieder  5 
Bogen  in  Folio. 


85. 

Des  Thomas  Blanc 
Abbregd  de  l’histoire  de  Banicrc. 

Von  dem  ursprünglichen  Entwürfe  dieses  Werkes  haben  sich  lose  die  ersten 
drei  je  mit  grüner  Seide  zusammengehefteten  Qnnterne  in  (juart  im  geheimen  Staats- 
archive erhalten. 

Da-s  Titelblatt  lautet:  .lesus,  Maria,  .Joseph,  Anna.  Le  Tout  al'  honneur  et  a 
la  gloire  de  Dien.  AbJirege  de  l'Histoire  de  Bauiere.  Tome  premier. 

Auf  dem  zweiten  Blatte  beginnt  der  ..Liure  premier’“  gewissermassen , wenn 
man  will,  mit  einer  Vorrede  die  eine  Art  Widmung  an  den  Kurfürsten  Ferdinand 
Maria  und  seine  Gemahlin  in  sich  schliesst.  J’ay  entrepris  — äussert  sich  der 
Verfasser  — d’  ecrire  1’  histoire  des  Penples  famenx , <|ui  ont  establi  leur  Empire 
au  de^a  et  au  delä  du  Daunbe,  ou  il  commence  de  prendre  un  large  canal;  et 


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259 


d'  ebaucher  les  portraitji  des  raillann  Princcs  qai  ont  commande  ä oiie  Nation 
belliqueufi«,  et  rempli  T Alletna^ne  et  1*  Italic  de  la  terrenr  de  leur  noiu.  Ces  Peu- 
ple«,  diaie,  depuis  ploaieura  sieclea  out  fait  grand  brtiit  daus  TKarope  preniieremeut 
Bons  le  uom  de  Bojea,  et  ensuitte  soiia  )e  nom  de  Hauarois,  et  sous  Tun  et  Taiitre 
86  sont  signalez  par  lour«  couqueste^.  Leurs  Chef^  ont  eate  cjnelquefois  les  Maiatres 
de  TEmpire,  et  les  Arbitree  de  puissants  Estata.  Ils  ont  tonjonr-s  bien  scea  Hoütoiiir 
lenr  gloire,  mcme  daiis  les  teiups  t'acbeux ; et  je  conduiraj  ma  narration  iusques  aux 
trioiupbes  du  grand  Maximilian,  et  an  regne  beureux  de  l'KIecteur  Ferdinand  Marie, 
8on  fila.  Ce  Prince,  Texemple  de  tonttes  les  vertus  cbcetieunes  et  politiqucs,  digue 
Heritier  de  tant  d'  Augustes  Äucetre«,  se  Toiu  uu  Siiccesseiir,  le  doox  espoir  de  ses 
Peuplea.  et  l'appuj  de  ses  Eatata  dont  le  Ciel  a beni  sou  Mariage  ct  Valliauee  qu'il 
a faitte  auec  la  Maison  Hoyalle  de  Sauoye , daus  laquelle  sont  entr^s  de  Suitte 
ciiique  filles  de  Koys.  Henriete  Adelaide,  Princesse  en  qui  lea  vertu«  les  plus  eminentes, 
et  toutes  les  graues  de  1*  esprit  et  du  cor|)S  se  sont  assemblees,  a transmis  auec  eile 
et  apporte  pour  dot  prinoipal  k la  Maison  de  Bauiere  la  baute  et  delicate  prndence 
d’  un  Charlea  Emauuel,  8on  Ayeul,  la  solide  et  cxeniplaire  pietc  d’un  Victor  Amtnlw, 
Sou  Pere:  et  ce  Prince  et  cette  Princesse  tiennent  aniour<lhuy  <lans  un  des  plus 
beaux  pnlais  de  l'Europe  vne  des  plu«  belle«  Coors,  des  plus  polies,  et  des  mieux 
reglos  qtie  Ton  puisse  uoir.  C’est  sous  le  regne  et  In  l>euigne  inflnence  de  ce«  deux 
grans  Astres  que  i'ose  former  uu  dessein  faardi,  et  s'ils  me  sont  Propiees,  comme  je 
r eapere,  je  uoleray  plus  haut  que  ma  foiblesae  ne  port,  et  mes  efforts  u.  s.  w. 

Nach  einer  geographischen  und  topographischen  Besprechung  von  Baieru  und 
der  Oberpfalz  mit  theilweiaen  kurzen  Blicken  auf  die  Kultur*®*)  von  Fol.  4—l4\ 


156)  Pour  ce  qui  e*t  — heisst  e*  von  Fol,  9 bU  10'  — de  la  maniere  de  s*  babiller,  lett 
Baoarois  e*  ajostent  la  plus  part  ä la  FrancoUe,  quelques  uns  a rEspa^uoW,  et  le  Bouriscoia  appri  che 
de  ritalienoe.  Les  femines  du  conunuu  poitent  des  Manteaux  fort  coorts,  fourrez  eo  bjruer,  et  doublt 
en  «st4  de  quelque  etoffe  legere.  Elles  portent  des  cba|ieaux,  oa  Us  Darncs  de  qualite  atUchent  des 
pluines  comme  daus  l'Ei^tat  du  grand  Duc  de  Florcnce  ct  eu  Aogletcrre,  et  da  reste  elles  ne  different 
guere  des  Francoises.  Poar  le  ViUsgeois,  son  liabit  est  a raucienne  mode  AUemande,  vne  camisole 
auec  le  pc^arpoint  a manche  pcndantc,  et  quoyque  rustique  il  ne  se  peut  neu  uoir  de  plus  propre  que 
cette  Sorte  du  T^tcmeut. 

Je  dira;  en  son  Heu  eo  quel  tcmps  la  Baviere  receut  le  Christianisme  pour  passer  ä la  puissanee 
du  Prince  appnyi'e  sur  ses  forces  et  sur  ses  ricbesses.  Oorome  son  Pavs  et  fort  peuplö,  il  peut 
mettre  co  Campagne  trente  roiir«  Hommes  choists  en  moios  de  six  jours;  et  outre  que  ohaque  Habitant 
a an  {>etit  Arsenal  en  sa  maison  , TElecteor  a tant  a Munich  qu*  a Ingolstat  des  armes  pour  vingt 
inille  Hommes,  et  enuiroo  stx  eent  picces  d'artillerie  sans  comprendre  les  petits  canons.  La  Xoblesse 
se  platt  fort  a mouter  a cbeval,  et  le  Prince  au  preinier  mandcment  peut  auoir  deux  mille  chcuaui 
de  ses  sujets.  11  entretient  ordinairement  prea  de  luj  plu^ieurs  CapiUines  Fraovoia.  Sauojards,  Lor- 
ratns  et  Wallona,  qui  sont  )>ayez  m^me  en  temps  de  paix,  de  sortc  qu'  il  peut  assetnbler  cn  peu  de 
iouTS  un  boii  nombre  d'Hommes  sous  des  Capitaines  pleins  d'expcricnce ; ce  qoi  a paru  durant  ces 
dernieres  guerres,  ses  armees  ajatits  este  le  plus  souaeut  de  vingt  et  cincq  mille  Hommes  et  au 

»1* 


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2Cü 


die  mit  einer  Bebilderung  von  Donauwörtb  bis  Fol.  16*  scbliesst,  beginnt  die  eigent- 
liche Geechiebte : il  eat  tenipa  de  coramencer  mon  Histoire,  et  je  prendray  la  Nation 
Bauaroiae  dana  aa  premiere  Origiue  selon  ies  memoires  que  i en  ay  pü  recouurer. 

Vergleicht  mau  mit  dem  was  hievon  noch  erhalten  ist  die  zu  Paris  im  Jahre 
1680  und  mit  neuem  TiHblatte  im  Jahre  16H2  in  Dnodez  erschienene  „Histoire  de 
Bnviere**  des  aavoischen  Rathes  und  Historiographen  Thomas  Blanc,  so  entspricht  — 
wahrend  da  „une  description  exacte  de  tou«  les  Etats  de  Baviere,  VEtat  present  de 
cette  Auguste  Maison,  avec  toutes  les  Brauches,  el  les  appanages  de  ces  Brauches, 
la  description  de  la  Cour  aous  TElecteur  Ft?rdinand  Marie,  et  tont  ce  qui  sVst  fait 
de  plus  cousiderable  soüa  le  Regue  de  cet  Electeur,  depuis  son  Mariage  avec  la 
Princesse  Adelaide  de  Savoye,  .insq«’  au  Mariage  de  Madame  la  Dauphine,  et  a la 
Majurite  de  Monseigneor  l'Eleeteur  Maximiiion  Emanuel  k present  regnanP*  dem 
fünflen  Bande  Vorbehalten  wurde  — die  narstellnng  unseres  Brachstückes  von  Fol. 
18—24'  im  grossen  Ganzen  der  Ausführung  im  ersten  Bunde  S.  27  — 36. 

Nach  der  Widniung  desselben  an  des  französischen  Herrschers  Ludwigs  XIV, 
Brdiü,  den  gleichnamigen  Dauphin,  Gemahl  der  baicri.«chen  Kurprinzessin  Marie  Anua 
Christine,  entnehmen  wir  der  Vorrede,  dn«s  der  Verfasser  von  deren  Mutter,  der 
berührten  Kurfilrstin  Adelheid,  den  Auftrag  zur  Ausarbeitung  die-ses  Werkes  erhalten 
hatte,  r achevay  — knüpft  er  hieran  — cette  eutreprise  quand  la  mort  de  cette 
Princesse  et  de  son  Auguste  Eponx  m’oterout  Tavantage  de  leur  presenter  ces 
deniiers  traits  de  mes  travaiix.  Mais  le  Mariage  de  Madame  ln  Princesse  Electorale 
leur  Fille  aiuee  avec  Monseigneur  le  Dauphin,  et  )a  Majorite  de  Monseigneur  TElecteur 
Maxirailien  Emanuel  lenr  Fils  ont  releve  mes  esperanees,  et  m*  obligent  a reudre 
public  ce  qne  j*  avois  destiue  u la  gloire  de  leur  Maison.  Flugs  war  durch  die 
Bojer  die  innige  Zusammengehörigkeit  der  Baiern  und  Pranzos<*n  hergestellt.  Die 
Befriedigung  des  Betlurfnisses  der  Gloire  gipfelte  stolz  gleich  im  ersten  Satze  der 
Widmung  an  den  Danphiii ; ITIistoire  de  Baviere,  que  je  vous  presente,  tire  tant 
d*^clat  de  ce  Royaume,  qne  eVst  un  juste  tribut  que  jo  rends  a cette  Couronne, 
quBud  je  vous  oflFre  THistoire  d’un  Peuple,  qui  doit  son  Origine,  .sa  Religion  et  scs 
grans  Succ^  a la  France.  Jetzt  durfte  getr<»st  zum  Drucke  geschritten  werden! 


deli.  Poar  VFafanteric  de  Havier«.  eile  e«t  si  bien  disdpline«,  et  si  bien  qu*  eile  doit  catre 

preiH|uc  prefere^  k tontes  le«  antre«,  a qui  cei  deux  p*ünt«  manqiie  soauent;  et  les  Soldats  Allemani 
Di  les  Eetrnn^ers  nc  se  petment  guere  plsindre  d'  auoir  quittu  le  ^efuice  de  ce  Prboe  faute  d’eslre 
bien  p«yez. 

L'Klectear  est  cstirae  un  des  plus  ricbes  Princes  d'Allemagne,  et  aes  reuenua  viennent  de  son 
domaine,  des  fonds  asseniia,  du  sei,  des  forests,  des  (teagea,  des  gabelles  et  des  tailles.  Mais  ce  qiü 
le  rcüd  plus  puissant,  e^i  Pobligatiun  qtie  les  GentiU  hommes  qui  tienoeDi  des  bien«  tant  allodianx 
qu*  en  üef  de  ce  Prince,  ont  de  le  seruir  en  toutes  occastons,  leors  Prinileges  »^«tant  fort 
D'ailleura  le  Duc  ayant  veu  que  les  Princes  Proiestants  d*AUomagne  eabüont  denenua  pnisoans  et 
ricbee  {»ar  Ics  rcoenus  des  Eglises  qa'  Ua  s'  estoient  appropriex.  re^ournt  u.  s.  w. 


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261 


Konnte  so  zwar  die  eigentliche  Geschichte  immerhin  nach  wie  vor  bestehen 
bleiben,  so  war  dncb  bienach  der  nrsprünglicbe  Kntwurf  in  seinen  ersten  Partien 
mehr  oder  minder  unbrauchbar  geworden.  Er  liegt  nnn  noch  in  den  Resten  des 
geheimen  Hausarchives  vor. 

Ein  lose  hiebei  vorfiudlicber  halber  Bogen  schöneren  Papiers  enthält  anf  seinem 
ersten  Blatte  Bemerkungen  über  Gegenstände  die  besonders  zu  berücksichtigen,  bei- 
spielsweise : 

2)  Le  plus  grand  Lac  en  Baniere  est  celuy  de  Kiemsüe.  Le  Wirmsee  est 
celuy,  on  il  y a le  delicieux  Ohastean  de  Starnberg,  le  Bucentore  qui  egale  en 
magnificence  et  en  beante  celuy  de  Venise,  auec  quantite  de  Galcree  et  des  grands 
bateau,  qne  qnand  leur  A.A.  E.E.*'*  y vont  semblent  tine  arinee  nanale;  ontre  an 
Parc  qui  fournit  quantite  de  Corfs,  et  antres  animaux  pour  auoir  le  plaisir  de  la 
Chasse  sur  le  mesme  Lac. 

7)  Lea  Villageoises  porteut  la  Robbe  fort  oourte,  et  les  Villageois  des  Poiir- 
points  auec  un  rond  long  jusipies  dessoiis  les  genoux  plisse,  et  il  ne  portent  point 
des  manches  peiidantes. 

86. 

Des  Johann  Franz  Diani? 

baierische  Geschichte  von  der  Reformation  bis  auf  Maximilian  Emanuel. 

In  der  ersten  Abtheilung  ist  unter  Num.  36  einer  ziemlichen  Reihe  von  thcil- 
weise  höchst  umfangreichen  Fascikelu  mit  Arbeiten  zur  Geschichte  des  KurfUrsten 
Maximilian  Emannel  Erwähnung  ge-sehehen,  wahrscheinlich  von  seinem  „Obriaten 
nnd  Ilistorischreiber“  Johann  Franz  Diani  stammend,  hauptsächlich  in  italienischer 
Sprache. 

Gewisseniiassen  als  die  Einleitung  zur  Geschichte  Baierns  unter  dem  genannten 
Herrscher  erübrigen  weiter  zwei  mehr  oder  minder  in  sich  abgeschlossene  Werke, 
gleichfalls  in  italienischer  Abfassang,  wohl  wieder  des  Johann  Franz  Diani,  im 
geheimen  Staatsarchive. 

a) 

Das  eine  besteht  — theils  in  Reinschrift.,  theils  nur  im  Concepte,  thcils  mit 
zahlreichen  Abänderungen  versehen  — ans  zwei  gewaltigen  Fascikeln,  von  denen 
der  erste  die  neuere  Aufschrift  „M.  S.  .8toria  di  Germania  dal  1617  fin  1683“  mit 
der  unten  am  linken  Rande  angebrachten  Zählung  „pag.  1 — 13M“  führt,  während 
auf  dem  anderen  von  derselben  neueren  Hand  steht:  M.  S.  Frammenti  alla  Storia 

di  Germania,  und  aus  Bruchstücken  in  einem  besonderen  Fascikel. 

Ist  der  Inhalt  auch  wirklich  so  zu  sagen  eine  Geschichte  von  Deutschland  in 
dieser  Zeit,  so  lässt  doch  gleich  der  Eingang  nicht  verkennen,  dass  es  eigentlich 


1,77)  Vgl.  in  dieser  Beziehung  auch  die  Note  165  S.  263  - 26,7.  * 


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262 


Dicht  darauf  abgoseheu  gewesen,  sondern  dass  der  Verfasser  eine  eingehende  Darstel- 
lung der  baierischeii  Geschichte  vom  Begiuue  der  Ueformation  bis  zum  Nimweger 
Frieden  beziehungsweise  bis  zum  Tode  des  Kurfürsten  Ferdinand  Maria  oder  noch 
etwas  weiter  auch  wenigstenH  der  ersten  Uegieruugszeit  des  Maximilian  Enianuel 
beziehe. 

Schon  der  Beginn  des  Ganzen  lässt  hierül>er  keinen  Zweifel.  Quaiito  heisst 
es  da  si  sia  distesa  nclla  Germania,  nell*  Euro[»a,  ed  anche  in  parti  pin  lontaue 
la  potenza  ed  il  nouie  de*  Boij,  qiiauti  graudi  Principi  abbia  prudotti  a se  niedesima, 
ed  ad  altri  Dominj  U Baviera,  ne  furono  registrate  da*  gravissinii  Scrittori  le  veri- 
diche,  et  ugualmeute  inaigue  memorie.  I^a  Casa  che  v\  rcgna  per  alcuni  **•)  secoli, 
e che  vi  reguu  felicemeiite  ne  secoli  piu  remoti,  Ktmile,  poiianio  dire  a se  siessa, 
che  turbati  alle  volte  da  sinistri  accideuti,  a*  quali  pemiettc  Iddio,  che  i Grandi 
sieno  .soggetti,  ö per  provarne  il  enore,  ö per  aeuirne  P ingegno,  conservarono 
tuttavia  1'  iunata  loro  magnaiiiniitH.  graiide  maestra  delle  arti,  cou  le  quali  si  vince 
Pingiusta  emulazione,  e si  regge  la  presente  fortuna.  Sono  incomparabili,  frequenti, 
e degni  d’  essere  sempre  celebrati  ed  iniitati  per  ia  grandezzA,  e per  lo  tine  gli 
esenipj,  che  lasciaruno  di  uua  suggia  foriezza,  di  una  costante  heneticeuza,  e d'uua 
iucorrota  pietu;  cosi  che  cou  gran  ragioue  fu  giudicato,  che  la  Germania  goderebl>e 
interameute  degli  autichi  suoi  pregj,  se  tutti  gli  altri  Principi  avessino  auuto  comune 
ctm  questa  Casa  il  zelo  di  sostenere  la  religioue  ,de*  loro  muggiuri»  e di  procurare 
Pindeiinitä  dell*  Imperio.  Bcorreremo  pero  hreremente  le  azioui,  che  ne  amrairarono 

i prossimi  teinpi  deeorsi,  esporemmo  quelle,  che  vide  la  nostra  eta;  e dalP  une  e 

d’ull  altre  ]>olrii  scorgersi  hen  fondato  il  .souraccennato  giudicio;  e quauto  sia  vero, 

che  i Principi  della  Haviera,  disceruendo  le  massime  del  n>gnare,  impiegarouo  la 

forza,  adattarono  i oonsiglj  ai  btme  puhblico,  nel  quäle  uuebe  il  privato  si  coutieue'*'); 
e che  seutendo  sempre  sananiente  della  Rcligione,  abborrirouo  Pinstituto  di  quelli, 
che  vollero  a’  tempi  et  all*  interesae  accomtklarla. 

Das  Werk  selbst  beginnt  mit  der  Geschichte  der  Reformation  vom  Jahre  1517 
an,  und  gelangt  auf  Fol.  1154  zum  Tode  des  Kurfürsten  Ferdinand  Maria.  Puteva 
tuttavia  credersi,  che  quautunque  non  si  fasse  futta  la  pace  con  tutie  le  cauzioni 
consigliate  dalP  Elettore  di  Baviora,  averebbe  quesli  procurato,  ch*  ella  nou  si 
alterassc;  esseudo  che  la  sicurezza  degli  Ordiui  richi(Hieva;  che  Oesare  nou  atteutassc 
alcuua  cosa  sopra  le  loro  prerogative,  e che  gli  stranieri  non  si  dilatesscro  uelP 
Imperio  oltre  u que*  confini,  che  gli  furouo  assegnati  ]>er  le  conveuzioui:  ma  nel 


158)  Das  Wort  „alcani**  ist  durchstrichen  and  interpangirt. 

159)  Orspr&nglich  stand:  a se  stessa  reineriti,  diedc  al  Mondo  Imperatori,  Regi|  e Principi 
ugoali  a Rcgi,  che  le  bene. 

160)  Das  Wort  „acaime“  ist  darchstricbeo  und  interpongirt. 

161)  Anstatt  ,^i  contieno“  stand:  e contenuto. 


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2B3 


di  26  di  Mag^o  passo  migliore  vita  in  eta  di  ({iiarantatro  soii  auni,  e lasciö  di 
se  nn  disiderio  tanto  maggiore  quanto  che  si  credette,  ch*  averebhc  potnto  vivere 
pin  lungo  t^^mpo,  quelli,  che  non  gcrivono  particolarmeute  le  axioui,  adduranno  gli 
eseiDpj,  e le  meinorie  delle  sue  in^^igni  virtu;  della  nna  verace  ed  aasiduu  pieta,  della 
ginstizia  temparata  e perfetta,  della  splendida  e gruve  moderaziono,  della  sua  8pon- 
tanea  e giodiciosa  beneficenza.  Diranno,  ch*  egli  amu  la  patria  cd  il  bene  de'  «moi 
concitiadini  con  una.  summa  e(|iiita;  che  cercö  la  quiete  de*  suoi  popoli  con  decorosa 
cautela;  che  siucerissima  ue  fii  la  fede«  e non  »inmlata  comc  q?e))a  di  alcuni  i 
qnali  teniono  pia  la  fama  che  la  coscienza:  diranno ‘•*),  che  maturate  dalla  prndenza 
— il  di  cni  passo  e anzi  tardo,  che  freHoloao  — ma  ferme  ed  immutabili  furono 
le  sue  deliberazioui : cbe  non  eaaendo!«!  mai  ingerito  iu  alcuna  guerra  pote  determinare 
ad  ogni  facconda  il  sqo  teni(>o,  e ancbe  alla  solitndiiie  ed  al  «ileusio  incitameDti 
de*  grandi  pensieri : che  per  la  tned^ima  cagiune  gli  aiivenne  ancora  di  mantenere 
HD*  ordine  sempre  uguale  nel  sno  governo,  e di  otteuere  da  «uoi  niinistri  che  osser- 
va.«»ero  attentameiite  le  loro  curiche , nelle  quali  dovevauo  cnsto<lire  il  beneticio  ed 
onorare  Telezione  del  Principe. 

Daran  reiht  sich  noch  der  Anfang  der  Hegieriuig  seines  Sohnes  Maximilian 
Kmannel  in  den  ersten  Achzigerjahren  des  17.  Jahrhunderts,  aber  nicht  mehr  in 
eigentlicher  Ausarbeitung,  sondern  so  zu  sagen  als  flüchtige  Skizze,  welche  eben 
seinerzeit  aus  dem  massenhaften  Stoffe  <ler  in  Nam.  36  erwähnt  worden  zu  einem 
umfassenden  besonderen  Werke  fortgesetzt  und  umgestaltet  werden  .sollte.  So 


162)  Dm  Wort  ..qrella“  Ut  erst  üherge*chripb»m. 

16H)  Auch  das  Wort  „diranao*'  ist  erst  Qbergescbrieben. 

164)  Anstatt  .Jaccenda**  stand:  occupazione. 

165)  Das  ergibt  sich  auch  unzweideutig  aus  einer  im  Entwürfe  wie  in  einer  mit  verschiedenen 
Aendemngen  vemebenen  Keinsebrift  in  den  berührten  Prammenti  alla  Storia  di  Germania  Torliandenen 
Vonede. 

Lasdamo.  dico,  che  la  storia  nniversale  — bdsst  cs  dort  anf  Pol.  Id*  — ■ pin  diletti,  e piu 
giovi  per  la  copis,  diversita,  ed  ordinata  unione  dclle  matcrio,  non  dene  perb  negarsi,  ehe  la  storia 
particolare  non  abbia  i snoi  pregj , e le  sue  proprio  vagbetzc.  8e  questa  non  si  ostende  tant'  oitre, 
contidera  perö  in  tntto  le  diroensioni  que'  looglii,  dov*  eila  si  trattiene:  se  non  k varia  per  la 

moltitudine  della  cose,  spiopi  perb  pin  distintamente  i consiglj  e pin  csattomente  le  azioni.  Esce 

pur  essa  tal  volta  da'  snoi  confini,  e d discopre  i pin  rimoti  paesi,  quanto  h convencvole.  ehe  sieno 
vednti  0 conoscinti;  adducendo  altre  deliberazioni,  ed  impresc  cola  uignite,  od  anteriori,  b posteriori, 
b concordate,  onuero  opposto  a qnelle,  di  eui  principalmenbe  si  tratta:  cos)  ehe  se  le  notizic  non 
sono  tanto  copiose,  uon  resta  perb,  ehe  non  sieno  diletteToli,  utili,  e necessarie.  Si  agginnga,  che 
dallc  storie  particolari  de'  Principi  i loro  discendenti  godono  di  tronare  nella  propria  Casa  grandi 

fatti,  e grandi  esempj  ne  traggono  le  instrnzioni  piu  acconee  per  noatcoere  i loro  interessi  e diritti, 

per  mcKlerare  i consiglj  o le  deliberazioni,  |>er  conoscero  U aito,  \ coetumi,  ed  it  genio  de'  popoli, 
come  pure  le  forze,  o le  massime  de'  Tieini,  e de'  Principi,  de'  quält  6 debbano  diffidare,  b eonuenga 
di  coltiuare  Tamicizia. 


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264 


wird  denn  auch  sogleich  au  Ferdinand  Maria  auf  Fol.  1155'  angeknüpfl:  Elettore 

Massimiliano  Emanuele  suo  primogeuitOf  benche  gia  poasedesse  anche  qTelle  virtii  che 


Egli  k COSA  , che  sieno  pabUicatc 

le  azioni  deU*  Kleitore  Masiiimiliaoo  Emmanueli! 
Daca  di  Baviera,  afHoe  che  ad  eiiao  e<i  a auoi 
poatcri  Don  sia  defraadato  11  prooenntogli  da' 
auoi  gravissimi  dispendj  e dalle  ane  lunghe 
fatiche.  Kc  lo  atile  non  e qnalo  richiedcrelib«  il 
Boggfito,  aara,  cred*  io,  gradita  da’  buoni  la 
puriaaima  e fcdelo  aioccritä  con  la  qoalc  ne  ho 
scritta  la  -storia  che  poscia  roeglio  schiarata  dal 
felicc  ialento  di  alcun  altro  pia  aTventaroso  e 
di  roe  pia  enidito  saranno  inacritti  nella  grande 
atoria  della  sua  Caaa,  donde  appartaea  quanti 
antichisaimi  e fu^uaUti  otnamenii  ne  riceaö  il 
aaddetto  Principe,  e qaanti  egU  ne  aggionae 
ngnalinente  aingolari  e memorabili.  Scorreremo 
i auccessi  de*  tetnpi  dccorai;  ?edremo,  quält  dia* 
cordie  11  Bgitarono,  e quali  }>aci  ne  aieno  acguite 
da  cni  non  ineno  che  dalle  gnerre  nacqvero  le 
turbolenze  ehe  afflisecro  nella  noatra  nltima  eta 
io  varie  parti  P Europa.  Con  tale  occasione 
poträ  oaservarai . che  l'Elettore  MaiwimiliaDo 
sec<*ndo  nato  nel  trinpo  in  cni  si  aforzaua  il 
Tnreo  di  oecupare  il  Regno  di  Caiuiia,  e niinau- 
ciava  d'invadere  quello  di  V'ngbcna;  allora  ai 
treuö  adulto,  ehe  lo  eteaso  iroplacabiie  nimieo 
ai  flgorb  di  opprimere  la  Germania,  e iniHlitaua 
di  soggiogare  l'ltalia,  la  forza  delle  quali 
ratienne  il  corso  rapidissimo  delle  rictone  de* 
snoi  predpceaiori.  Uunde  pot«  itcorgeni  chiara* 
mente,  che  meutre  Iddio  permette,  che  i snoi 
popoli  eiano  espoati  agl'  infortunj  ed  nl  fuore 
de'  anoi  xiimici,  nello  att«8o  tempo  dUpone  i 
Tuetti  per  aaWarli.  Vedreroo,  che  '1  auddetto 
Princi{>e  volle  iinpitrgarc  i primi  auoi  studj  per 
la  difeae  della  Cristianita  con  rUolusiooe  degna 
del  auo  gran  zclo,  avendo  nccondato  con  forte  e 
piena  mano  le  diliberazioni  di  Leopolde  primo 
lmt»eratore,  aotto  al  di  cni  regno  u.  8.  w. 


Ho  intraproao  nach  dem  uraprQnglicbeo  Ent* 
würfe  — di  sciinere  le  azioni  dell'  Elettore 
MasRimiliano  Emauncle  Duca  di  Baviera,  ai 
perebe  roc  lo  impoae  il  debito , ai  perche  adeaso 
et  a*  snoi  poateri  non  aia  defraudata  qnella 
glorm,  che  fu  il  aolo  acquisto  proaeontogli  da* 
anoi  grauUnimi  diapendj , e dalle  aue  lungbe 
fatiche.  Se  '1  mio  atile  nou  h quäle  riebiederebbe 
il  aoggetto,  nara  cred*  io  gradiU  )a  aincera 
esatt^xza  con  la  qoale  scriaerb  queat*’  gcandi 
roemorie,  cbe  poacia  illaiitrate  dalV  eloquenta  di 
alcun*  altro  di  me  piu  furtuoatu  e pin  eruditu 
potraono  inaerirai  oelP  iatoria  della  Caaa,  donde 
appariaca  quanti  anticUlaaiini  et  inaigni  oroamenti 
ne  ricenette  il  noatro  Principe,  e qaanti  egli  ne 
aggiunae  ugualmeute  grandi  e memorabili.  Scor*- 
reremu  U anccesHi  de*  tempi  deoorai , vedremo 
quali  dlacordic  le  agitarono,  e quali  paci  ne 
aieno  »eguite,  da  cui  non  nieno  cbe  dalle  gnerrc 
ebbero  Torigine  qnelle  turbolenze  che  aftliaaero 
nella  noatra  ultima  ela  in  rarie  parti  rKuropa. 
Con  tale  occasione  oaaeruarsi , che  *l  noatro 
Elettore  nato  nel  tempo  in  cui  tentaua  il  Turco 
di  oecupare  il  Hegno  di  Candia,  e ininaccaua 
d*  iuuadore  quello  di  Vngberia;  allora  si  troub 
aduUo  che  lo  atesao  implacabile  nimieo  ai  flguru 
di  opprim«'re  ]*Allemagna,  e ineditaua  di  aoggio- 
gare  Pltalia.  cbe  aono  le  due  sole  pronincie,  la 
forza  delle  quali  rattenne  il  corso  rapidiaaimo 
de*  auoi  progreaai:  donde  pot^  acorgerai  ebiara* 
mente,  che  mentre  Iddio  perinette,  cbe  i inoi 
popoli  aiano  eapoati  a gl’  infortunj  ot  al  fnrore 
de*  auoi  pn>prj  nimici,  nello  t>tea»o  tempo  dit- 
pone  i meti  per  aalnarli.  Vedremo,  ch’  egli  voll« 
impiegu’e  H primi  suoi  studj  per  la  difeae  della 
Beligionc  con  dcliberazione  degna  del  suo  grao 
zelo,  auendo  secondati  11  pgnsimi  e genoai  disegoi 
di  Leopoldo,  sotto  al  dl  cai  giusto  imperio 
D.  8.  w. 


Nach  näherer  BerGhrung  der  Zuatande  in  der  Türkei  wird  aodann  auf  Fol.  19  fortgefahrea : 
Si  vedrä,  cbe  *1  noatro  Elettore  dal  tratio  auperiore  del  Reno  difese  le  vidne  provincie,  i auoi  Stati, 
e la  patria  comune:  ehe  di  la  paaab  a eoccorrere  il  Piemonte,  dapoiche  fu  giudicato  necesaario,  ehe 
fosse  vigoroaamente  aoetenata,  ö ai  teneaae  almeno  coli  riatretta  « eoniinata  una  guerra  che  a*  Francesi 
era  piu  delle  altre  incorooda  e dispendioaa.  Vedremo  quello,  ch*  egli  fcce  ne  Paeee  Baano  SpagnuoU 


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265 


da  altri  nou  fti  acqviMano  che  nel  progreseo  del  teropo.  *••)  luttavia  uoo  atendn  aucora 
toccato  Tanno  decimoUavo,**^)  per  le  pubbliche  , le  qnali  aorde  ed  invariabili 

non  diapenauio  con  il  forte  genio,  che  naf'ce  e cresce  ne*  Principi  ’•*)  coltivato  ch* 
ei  sia  ***)  da  una  felice  ednca/ione»  nott  pote  allora  imprendere  )a  regouza.  Di 
questo  narreremo  particolarmente  i conaiglj  ed  i fatti  ch’  enipirouo*’^)  per  ccm  dire 
la  niiaura  del  8UO  nuue.  la  lode  che  proviene  ad  un  Princii>e  dalle  azioni  e aaa 
propria  ed  eterua ; quella,  che  deriva  dalle  attre  qualitii  pno  dirai  comuue  a moUi ; 
o paasa  dal  defunto  al  snccesMore. 


b) 

GewisserniHaaen  als  ein  handlicher  Auszug  der  eben  behaudetten  Arbeit,  theilweine 
in  wortwörtlicber  Herübernahme,  beg^net  uns  eine  baierische  Geschichte  wieder 
vom  Beginne  der  Reformation  bis  zum  Nimwegerfriedeii  beziehungsweise  bis  zum 
Tode  des  Kurfürsten  Ferdinand  Maria,  in  sehr  deutlicber  Reinschrift  mit  Aenderungen 
des  Verfassers,  in  zwei  in  Pappendeckel  gebnudenen  Foliobänden  von  1S9  und  von 
342  Seiten,  wovon  der  erste  bis  zum  Tode  de»  Kurfürsten  Maximilian  I,  der  zweite 
bis  zu  dem  des  Ferdinand  Maria  auf  S.  336 — 338  reicht:  Intrattaiito  passb  a miglior 
vita  in  etu  di  qvarantatre  anni  l’Elettore  Ferdinande  Maria  di  Haviera,  che  lascio 
di  se  un  disiderio  tauto  maggiore,  qvanto  che  si  credevn  ch*  egli  avrebbe  potuto 


piedolo  ausnio  (1'ana  grandin^ima  eredita,  e che  allora  serriva  di  alpine  per  coprire  qae*  metlesimi 
SUti,  che  ii  ribellarono  dal  Dominio  Cattolico:  per  dilatarat  ne'  qvali  impiegö  i maggiori  aforsi  la 
Fraoeia,  con»e  per  dtfenderli  vi  accoraero  qraai  tutte  le  potenze  delT  Europa.  Da  eio,  che  qrivi  fo 
impreso  ed  intralazciato,  aarä  libero  di  giudicare  i fini  particolari  ed  occaUi  cbe  allora  mnovevaau  i 
PriocipL  Se  detba  dirai,  che  de  ConMerati  di  rado  aono  nniti  gli  animi,  benebe  nieno  ooite  le  forte: 
cbe  condocono  erandi  eeereUi  negli  altrai  paesi  per  averne  I’  arbitrio:  cbe  regolaoo  con  rinieresBe 
gli  aiuti,  che  promuovono  qveilo  de'  ronünanti  solo  io  quanto  possano  {>er  la  protmedere  alla  propria 
sicorezza.  8i  vedra,  se  |H>eiia  dirsi,  che  sicome  in  qvel  tempo  non  rilevava  alla  Repobhlica  Ui  Ollanda 
di  poseedere  ono  Stato  preteso  da  uoa  vicioa  e forte  poteou,  per  indeonita  del  qoale  dovevano  altri 
moiti  Principi  collegarai  con  essa,  qnan>lo  foas«  b minaccata.  ouem  asaalita;  eosi  gli  coovt^iva.  ch«  'I 
niedesiinu  Paeao  Basao  Spagnaolo  ne  fosee  totalmente  »oUomesso,  ne  maggiormente  s'ingradisse.  affloe 
ehe  non  eegli  auaicina»e  un  R«  temuto,  e oon  ei  rinfortaMüe  uu  sospi'tto.  £ perch^  le  gnme,  cbe 
n faervano  in  molte  parti,  poteoano  dirsi  una  sola  guerra,  essendo  eile  da  un  solo  consigltu  diretie, 
Sara  necessario  di  tocesre  anche  i lontani  soeeessi,  per  li  qnali  ben  di  radn  i collegiati  poterono 
eseguire , e inolte  volte  cangiarono  le  preee  deliberazioni.  Si  cimibatte  nove  anni  contra  la  Franria, 
tempo  assat  longo  per  le  afflixioni  dell’  Europa,  e che  non  baat<>  a decidere,  ne  a proccurargli  nna 
qniete  skora. 

Ifhb  UriprQnglich  lautete  die  Faesung:  benche  foiee  giä  tale,  che  nolla  doveva  attendere  dal 
tempo  e dagli  anni. 

1(>7)  Zoersl  stand : toccato  il  decimo  ottavo. 

16H)  Anfan^’s  stand:  Grandi. 

löö)  Die  Worte  „ch*  ei  eia**  find  erst  Qbergesehrieben. 

170)  Die  frühere  Fassung  war:  fatti  I primi  de*  qoali. 

Abh.  d.  III.  a d.  k.  Ak.  d.  Wi«.  XV.  Bd.  1 Äbtb  M 


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266 


vivere  pin  lan(;o  t«ropo,  ed  inMeme  proccarare,*’*)  che  qvantnnqoe  uon  si  foase 
stabilita  la  pace  delV  Imperio  ***)  con  tutte  le  canzioni,  ella  non  si  sarebbe  cosi 
toeto,  come  aTvenne,  interotta,*’*)  esaendosi  in  fine  riconoaciuto  *’*)  da  opjnno, 
che  se  u.  s.  w.  theilweiae  in  derselben  Paasnug  wie  sie  vorhin  in  a>  S.  263  bis  an 
den  Schluss  mitgetbeilt  worden:  nelle  qvali  si  dovevano  cnstodire  i1  beneficio  ed 
onorare  l’elezione  del  Principe. 

Anstatt  der  da  noch  folgenden  Skizze  der  ersten  Regierungsjahre  des  Knrfursten 
Maximilian  Rnianuel  folgen  hier  nach  dem  Schlüsse  der  8.  338  nur  mehr  7 Seiten, 
welche  über  ihn  sozasagen  ganz  und  gar  wortwörtlich  ”*)  beginnen  wie  vorhin 
S.  264.265  bis  ans  Ende  bemerkt  worden. 

Der  Anfang  des  ganzen  Werkes  spricht  sich  dahin  aus:  l«a  Casa  di  Baviera 
dalle  pio  remote  fino  alla  nostra  eta  ha  dati  al  Mondo  grandi  He,  gloriosi  Iniperadori, 
e Principi  ugvali  a i Re.  Si  lascj  che  la  Grecia  a fine  di  reudere  pin  splendidi  i 
Buoi  principj  abbia  ordita  la  sna  storia  da*  favoleggiamooti : not  in  pruova  dell' 
antichita  della  snddetta  Casa  abbiamo  la  continnata  e veridica  tradizione,  a cni  non 
si  pui)  senza  temerita  scemare  la  fede.  abbiamo  i fasti,  ne*  qvali  sono  registrate  le 
grandi  e folici  inipresi  degli  antichi  Ke  di  Baviera  e di  Germania;  i ritmi,  che  si 
cantavuno  in  loro  lode;  e la  nomenclatiira,  che  tuttavia  sussiste , e diirera  nelia 
Bucce«tsione  de'  tempi.  Egli  e cosa  notissima,  che  gli  antichi  prendevano  i nomi 
non  a caso  ma  avvisatameute,  perche  ne  indicassero  il  grado  e Tingeguo ; e ehe 
imposero  gli  stessi  loro uomi  talvolta  a*  fiumi  ed  a*  monti,  e per  lo  pio  alle 
popolazioni  ed  a*  luogbi  fondati  da  essi ; perloche  si  vedono  anche  oggidi  nella  nostra 
Baviera  alcune  citta  e molti  castelli;  üalla  distanza  dal  sito  de*  qvali  come^^*) 

dalla  dinüminazione,  che  ne  addussero  i pin  antichi  geograii  ed  i pin  acenrati  scrittori, 
si  conosce  all*  evidenza  «wer*  eglino  que*  medesimi,  che  ftirouo  edificati  da  i primi 
Re  di  Baviera,  e da  i loro  discendenti.  I trofei,  le  lapide,  le  inscriziout,  i titoli,  e 


171)  Von  „cb*  egli  avrebbe^'  an  ist  aof  einom  besonderen  Zettel  an  den  Rand  geklebt. 

172l  Hier  stand  arsprOngÜch  noch:  e degli  stranieri. 

17:t)  Znamt  war  geschrieben:  alterata. 

174)  Die  frühere  PaMong  lantete : essendosi  notato. 

175)  Inebesondere  anch  narb  der  bereite  angedeoteten  RQckeicht,  dass  eeine  Oeechiebte  beeoo' 
dere  behandelt  werden  wird:  Bi  qvesto  narrererao  inrtirolarinente  i coneiglj  ed  i fatti,  che*  empirono, 
per  coi'l  dire,  la  mietLra  del  sno  Nome. 

Äneb  eeboD  gleich  nach  dem  Beginne  anf  8.  4 findet  sich  eine  nnsweidentig  hierauf  goriehUtc 
Anepielnng:  Dovendo  perö  noi  von  anderer  Hand  geändert  in:  Intrapreei  con  qvalche  ginsto 

motivo  di  — compilare  la  etoria  de)  vtvente  RIettore  MasBitniliano  Enmianoele,  abbiamo  etitnato 
von  anderer  Hand  geändert  in:  e perö  stimai  necessario  di  brevemente  accennare  alcnni  de’  fatti 
e di  consiglj  degli  olt'mi  snoi  glorioei  Predecessori  o.  s.  w. 

176)  Das  Wort  „loro“  ist  erst  an  den  Rand  bemerkt. 

177)  Die  Worte  „nella  nostra  Baviera**  sind  erat  Qbeigeschrieben. 

178)  Die  Worte  „de*  qvali  come“  gleichfalls. 


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267 


le  insegne , che  ’n  varie  parti  si  scorgono , Ternceraeiite  ci  aimnouiacono . che  i Ke 
ed  i Principi  di  Baviere  per  tntta  la  loro  Serie  fnrono  atteiitissimi  di  lasciare  a' 
p<]steri  le  nieinorie  delle  loro  azioni:  sioome  dalle  scrittnrc  pubbliche  ed  anten- 
ticbisaime,  dalle  qvali  per  tutte  le  leggi  u.  s.  w. 

Der  Scblnssabsatz  lautet ; ln  hne  la  pac«  de  i Ke  di  Praucia  e di  i^vezia  e 
deir  Rlettore  di  Brandenbnrgo  fn  aecoudo  il  detlato  del  Cristaanissimo  conclnsa  e 
segnata  in  Parigi,  e qvella  del  Re  di  Danimarca  dopn  a qvalche  teinpo  in  Nimwegen, 
proteatb  egli  pare  e si  dolae  di  essere  stato  abbaudonato  dal  Brandenburgbese , ma 
qveati  se  ne  scusö,  come  gli  altri  con  la  legge  della  necessifä.  la  qvale  — com'  egli 
allora  affermö  — aasolve  chichesia  da  ogni  contratto  e da  qralunqTe  nbbligazione. 

87. 

Geuealogia  Comi^um  Schjreusium, 
ex  bibliotheca  schyrensi  desumpta, 

auf  ilrei  ineinandergehefteten  Foliobogen,  deren  letzte  Seite  nicht  mehr  tjeschrieben, 
aus  dem  letzten  Viertel  des  17.  .Jahrhunderts,  im  geheimen  Huu.sarchire. 

Sie  behandelt  ihren  Gegenstand  in  ähulicher  Weise  wie  die  oben  in  den  Num. 
72—74  berührte  Genealogie  des  Christof  Gewold  in  Generationen,  und  zwar  hier 
in  30  solchen,  da  noch  die  Kurfürsten  Ferdinand  Maria  und  Max  Emanuel  berück- 
sichtigt sind. 

Gegenüber  der  dort  erwähnten  Druckansgabe  des  Gewold'schen  Werkes  rom 
Jahre  IGO."!  finden  sich  hier  vielfache  Verschiedenheiten. 

Nach  „Luitpoldns,  Leupoldus,  Lupoldus,  Leopoldus  varie  passim  nominatus, 
lichyrensium  comitum  gloriosus  protoparens  et  auctor  indubitatus“  findet  sich  vor 
der  siebenten  Generation , dem  ersten  Arnoldus  seu  Amulphns  cognomeuto  Malus, 
folgender  Uebergang:  Ab  hoc  tempore  usqne  ad  annum  1180,  id  est  ad  Ottonem 
comiteni  Schyro- Witlspacensem,  pur  aunos  232  integros  haec  stirps  ducalis  iichvrensis 
a ducatu  Boiariae  iuit  exclusa.  Nam  Otto  Imperator  rogatu  matris  suae,  dominae 
Mechtildis,  ducatum  Bavariae  tradidit  fratri  suo  Henrico,  eiusque  uiori  Judithae, 
filiae  Amoldi  fratris  Berchtoldi  praedicti  — nämlicb  in  der  sechsten  Generation  — 
sororiqno  comitum  Schyrensinm,  qnae  sola  ex  .\rnoldi  liberis  Boiariae  cnm  marito 
imperaverat.  Uaec  Juditha,  matrona  formosissima  simul  et  prudeutissima , fuudavit 
coenobinm  ss.  virgiuum  Katisbonae  vulgo  Niderminster,  ubi  iacet  sepulta,  fuitqne 
avia  8.  Henrici  IT  imperatoris  romani,  qui  Baben bergensem  qnoqne  episcopatum  fundavit. 

Wie  im  Drucke  stehen  in  der  10  und  11  Generation  auch  Weruher  und  Otto  I 
au  der  .Spitze;  aber  beide  Generationen  sind  hier  ausführlicher*’*)  behandelt.  , 


179)  Die  erstere  folgendcnnsssen : 

Werabenu,  Berchtoldi  Glios,  comes  Schyrensis,  ex  coniuge  Beatrice,  fliia  Sophias  sororU  Coiomaoni 
Hcogariae  regle,  dqos  laecepit  filiofl: 

34* 


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268 


Der  SchlnKs  der  r.wolfteu  sodann  lautet  fol^eudermaÄseu ; Eckardus  dictus  mit 
dem  Buntschuech.  Hic  interfuit  expeditioni  a Godefrido  BuUionio  victoriosissimo 
I^tharingiae  duce  in  Palaestinani  susceptae:  da  richtete  Eckardus  auflf  zu  nachts 
neben  seiner  zeit  einen  schiU'ch  o<ier  stifi  mit  3 rothen  bundtrilhineu  als  sein  feldt- 
Zeichen : uti  chrooicon  nostrmu  Inquitur.  Es  qua  expeditione  rediens  in  jnsnla  C'ypro 
obiii  anuo  llOl!  Ute  Eckardus  superstiteH  habiiit  61io8  Kckardum  munachnm  Schy« 
rensem  1131«  Ottonem  et  Hernardum  comites  de  Wolfratshauseu. 

Merkwürdig  kurz  werden  die  Weuerationen  von  der  17  an  behandelt.  Beispiels- 
weise die  19:  Ludovicus  1II***\  Ludovici  IP*  coguomeuto  severi , Bavariae  dux, 

comes  palatimis  Rheni,  eligitur  in  Roraanornm  imperatoreni  20  oct.  1314.  obiit 
5 oct.  1847.  sepnltus  Monachii  nd  divam  Vit^nem.  summus  nionasterii  nostri 
l>euefactor  ob  douatain  et  incorporatam  parochiam  PfafFenhofeu  et  alia  pririlegia 
monasterio  coiicessa.  Uxor  prima:  Beatrix  Polona;  secunda:  Margarita  Hollanda. 
Filius  eiusdem  Ludovicus  marchio  brandenburgensis  dunavit  monasterio  parochiam  in 
Vobburg  cum  pertiuentijs,  et  fundavit  missam  qnotidianam  perpetuaiu  in  capitulo 
Schjrensi. 

Von  der  25*^  Generation  au  fuhren  die  Herrscher  folgende  Beinamen : Guil- 
lielmus  constaus,  Albertus  magnanimus«  Guillielmus  religiosus«  Maximiliauos  vere 
maximus,  Ferdinandus  Maria  paciiicus,  Maximilianus  Emmanuel  bellicnsns. 


88. 

Des  David  König 

to]K>grapbiscb-staiistiHche  Ge«»chichte  des  Herzogthiims  ZweibrUcken, 
vermehrt  im  September  1093. 

Sie  führt  in  einem  Pappendeckelbande  des  geheimen  SUatsarchives  in  Folio 
den  Titel  wie  Kum.  84«  woran  sich  noch  der  Zusatz  knuptl:  uunniehro  mit  « 


Ottonem;  hic  Otto  est  primos  inter  Ottones  Schyrenses; 

Babonem  I*“". 

Hic  Oabo  comcs  postea  Abenspergicus , iscredibiH  forme  foecanditsto  liberoruu  cohortem  nactus,  40 
•ols)]e«,  inque  iis  mare«  omne«  legitimo  tfaoro  eiceptos,  Honhco  I jmperatori  addaxit,  qooc  CaeMr 
omnes  in  lilios  suoa  adoptavit 

Die  eilftc  Üeneratiou  Uiutüt  folgendermosaen: 

Otto  1*^%  Wcrnlieri  Alias , comos  schyrensis,  paUtinas  Boiariao,  obiit  anno  1040,  Mpultoa  Fritioga«. 
Uzorem  habait  Totam.  comitis  NaasovieDsis  Aliam,  de  qaa  nati  aant: 

Otto  II'*“’,  de  qoo  infra. 

Amolpboa.  protoparens  comitam  in  Dachao,  qui  cx  lieatricc  coniuge  excepit  Conradom  et  Ottonem. 
Cbnradas  rareos  geaait  Arnoldum  et  Conradum  IH**. 

Hic  Conradns  II**“*  ex  domiaa  üthilda  aascepit  Aliam  Conradum  III'*““'. 

Conradas,  a quo  comiteo  de  Pbtlay  orioodi.  Qui  Conradus  postea  gennit  Coalteram  archiepiscopum 
trevirensem,  Ottonem,  Conradom,  qoi  roraoi  gcnoit  Conra*lam  et  Ottonem. 


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269 


verscfaiedcuen  uotatis  Hlter  den  die>^mithli);en  Zu.staiidt  dp»  Ilprzo^lhiinihs  vermehrt 
vndt  des  köni|;l.  Schwedischen  Plenipotentinrij  Herrn  Graffen  von  üxeiistirus  Eieelleua 
vnterthänit^t  überreicht,  den  .V“  Septeiubris  von  jetznmhli(ter  fOrstl.  Pfalz- 

zweybrückischeii  Regiernng. 

Sie  ist  bis  S.  S3  hslbbrndiig  in  der  Weise  geschrieben , dass  zn  dem  in  der 
rechten  Spalte  befindlichen  Texte  David  Königs  vorn  15.  November  IS77  in  der 
linken  die  Zusätze  angebracht  sind. 

Daran  reihen  sich  sodann  noch  l>PBondorc  Anhänge,  beispieUweise  von  S.  85 
bis  119  die  „Specification  des  Fttrstenthumbs  ZweybrOcken  Vasallen,  auch  wasz 
selbige  zu  liehen  tragen“  und  S.  120 — 123  was  hingegen  das  Herzogthnm  zu  Lehen 
trägt,  worauf  S 124  mit  der  aus  Meisenheini  vom  4 September  1R93  datirteu 
Bemerkung  schliesst:  Vndt  dieszes  ist  wasz  mann  von  dem  dieszmahligeii  Znstandt 
des  Herzogthnmbs  ZweybrOcken  in  Ermangelung  der  Acten,  so  wegen  der  vusicl.eren 
Zeitben  vndt  lauflen  theils  jenaeiths  Rheins  theila  nacher  Bischweyler  vnd  Strasburg 
transportiret  worden.  Ober  obiges  zu  auuotiren  geweszt. 

Ans  den  weiteren  Berichten  von  S.  125 — 179  »ei  hier  nnr  noch  der  von 
8.  128 — 136  erwähnt;  wie  die  Jnstitz  in  dem  Kiirsteuihumb  Zweybröbken  hiebevor 
administrirt  worden , vndt  wie  es  ahnjetzo  damit  gehalten  wird,  sambt  ohnmaszgeb- 
licher  anzeig  wie  solche  noch  zur  Zeith  eioziirichten  wäre. 

89. 

Des  Karl  Ludwig  Tolner 
Genealogie  der  ältesten  Pfalzgrafen  bei  Rhein. 

Sie  findet  sich  auf  losen  Bogen  und  Lagen  in  einem  weissen  Papierumschlage 
mit  der  neueren  Aufschrift  „Expositiones  Genealogicae  Palatinae“  im  geheimen  Hans- 
archive.  Nach  einer  Bleistiftbemerkuug  unter  dieser  Aufschrift  ist  sie  seinerzeit 
„bey  der  orleanischen  und  lithauischen  .^ucceasion“  gelegen 

Der  Text  besteht  aus  einem  Bogen,  dessen  erste  ,Seite  dem  Titel  gewidmet  ist, 
während  die  folgenden  drei  die  ,,Praefatio  ad  Lcctorem“  enthalten,  und  aus  8 I.,ageu 
von  je  2 Bogen  oder  40  Seiten.  Hiezu  kommen  drei  oder  wenn  mau  will  vier 
grössere  Stammtafeln. 

Der  Titel  lautet:  Expositiones  Genealogicae  Palatinae  seu  rationes  et  proba- 

tiones  GENEAIXIGIAE  verae  et  genuinae,  hactenus  non  satis  cognitae.  primorum 
et  antiquiasimorum  COMITÜM  PALATINORUM  RHENI  ut  et  eorum  in  Palatinatu 
Rbenano  eidemqne  annexo  Palatii  Vicariatu-s  et  Archidapiferatns  officio  vera  et 
indubitata  successio  a temporibus  Conradi  I Imp.  usque  ad  Rudolftim  I Habsburgicum. 
Ex  ipsis  Antiquitatis  Historiae  fontibus,  anthoribns  ut  plnrimum  coaevis  fideqoe 
digniasimis  mannscriptis  antiquissimis,  ipsorum  deniqne  Imperatorum  hinc  inde  datis 
diplomatibns  vetnstissimis,  omnique  exceptione  majoribus  testimouiis  erutae  et  ftisius 


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270 


de«1iictap,  Ktndio  ÜBroli  Lndovici  Toliieri  Pal.  L.  H.  Clftuenlii-fi.  Principi  Naasovio- 
EHIIenb.  quondam  a stadÜN. 

Die  Vorreile  be/.eichiiet  in  ihrem  Schlussab.saty.e  die  Aufgabe  des  Werkes 
folgenderniasseii : liisee  praemuiiitis  sisto  tibi,  beiievole  Lector,  uovam  et  bactenns 
non  satis  cuguitam  (ieuealogiam  Comituni  Palatinorum  Rheni  antiquissimornm 
eorumque  in  Palatinatu  Rhenanu  veleri  eidemquc  annexu  Palatii  officio  veraiu  et 
indnbitutuni  a temporibus  Henrici  I et  Ottonis  1 nsque  ad  Imperatoren)  UudoUnm  I 
Habsburgicnni  successioncni , quam  mox  sequetur  Historia  Palatina  ipsa  jam  fere  ad 
prelum  parata,  quä  res  quae  hisce  Ripositionibus  Genealogicis  jam  tibi  exbibentur 
fusius  expoueutur. 

Vom  Texte  behandelt  das  erste  Kapitel  ohne  Üel)er8chrift  bis  S.  13  im  grossen 
Ganzen  dasselbe  was  auch  das  Caput  1 iler  ol)en  l)ernhrten  iin  Drucke  tu  Frankfurt 
am  Main  im  Jahr  1700  in  Folio  erschienenen  „Historia  Palatina,  seu  primornm  et 
antiquisaimonim  Comituni  Palatinorum  ad  Kheunin  res  gestae  eorumqu«  in  Palatinatu 
Rhenano  vera  et  induhitala,  hactenus  non  satLs  cognita  succeasio“  umfasst:  qno 
ostenditur,  coroites  Lucenihurgicos  ntinquam  fuisse  Comites  Palatinos  Rheni,  nti 
hactenns  creditum.  Caput  2 , von  >S.  1 4 au , handelt  de  antiquissimorum  Comitum 
Palatinorum  Rheni  in  Palatinatu  Ithenano  eidemquc  annexo  Palatii  officio  successione. 
Es  bricht  in  der  Frage  nach  den  Geinahlineu  des  Pfalzgrafen  Kunrad  gegen  Ende 
des  12.  Jahrhunderts  — in  dem  angeführten  Drucke  der  Historia  Palatina  S.  331  — 
mit  den  tVorten  ab:  cum  certnm  sit,  nullum  Rheni  Palatinum  hoc  tempore  (id  est 
ante  Conradiim  Rheni  Palatinum,  fratrem  Friderici  I imperatoris,  Hermauni  succes- 
sorem)  in  rerum  natura  fuisse,  qui  nomen  Conradi  gesserit:  errant  denique  et  alii 
qui  cum  Heniiinl  gesio]. 

Von  den  Stammtafeln  entspricht  die  erste  auf  4 zusammengeklebten  Blättern 
derjenigen,  welche  in  Kupferstich  anf  die  Vorrede  und  das  Inhaltsverzi’ichniss  der 
Druckausgalie  der  Historia  Palatina  folgt,  in  unserer  Handschrift  unter  der  ganz 
oben  gleichfalls  in  einem  8chwarz.en  Kreise  angebrachten  ücberschrift : GLORIA 

ÖTIRPIS  PALATINAE,  seu  Genealogia  Comitum  Palatinorum  Rheni  hactenns  non 
satis  cognita,  uova,  ex  ipsis  Autiquitatis  Historicae  fontibus  ernta  et  exoruata, 
Studio  Caroli  Ludovici  Tolneri  Palat.  L.  H.  Ibrincipi  Nassovio  Dillenbnrg.  quondam 
a studiis.  Die  zweite,  mit  B bezeichnet,  ist  die  in  jenem  Drucke  gleich  darauf  und 
zwar  ebentalls  mit  der  Zählung  B folgende.  Die  dritte  endlich,  mit  E bezeichnet, 
entspricht  der  dort  auch  unter  Fl  aufgenommenen. 

Man  wird  wohl  nicht  besonders  im  Irrthvuue  l>efangen  sein , wenn  man  das 
Ganze  als  eine  Vorarbeit  zu  des  Veriassers  Historia  Palatina  betrachtet,  welche 
allmählig  ans  diesen  ersten  Stndien  herausgewachseu.  Wenigstena  wird  man  dos 
bereits  ans  dem  vorhin  mitgetheilten  Schlüsse  der  Praefatio  ad  Lectorem  in  unserem 
Werke,  welche  — wie  auch  der  Text  selbst  — theilweise  wortwörtlich  eben  in 
die  Historia  Palatina  hinilbergenommen  ist,  ohne  besondere  Bedenken  annehmen 
dürfen. 


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271 


90. 

Abriss  der  allj^etueinen  uad  deutschen  wie  der 
pfälzischen  Geschichte 
bis  in  das  zweite  Viertel  des  18.  Jahrhunderts. 

Er  findet  sich,  wohl  für  die  Unterweisung  pfälzischer  Prinzen  in  der  Geschichte 
bestimmt,  in  zwei  Exemplaren  im  geheimen  Staatsarchive: 

A)  in  einem  mit  weiss-gelbem  Papiere  überzogeuen  Pappendeckel bande  in  Quart, 
aus  dem  Besitze  des  Plalzgrafen  Friedrich  zu  Zweibrücken , der  sich  daselbst  vorne 
am  ersten  Blatte  am  24  Jänner  I7.S7  eingezeichuet, 

B)  in  zwei  gleichfalls  mit  weiss-gelbem  Papiere  überzogenen  Pappendeckelbün- 

den in  Quart,  von  denen  der  erste  fast  ganz,  der  zweite  nur  mehr  bis  zu  etwa 
einem  Drittel  beschrieben  ist,  und  wovon  der  letztere  auf  der  Vorderdecke  in  lauter 
gsossen  Buchstaben  die  Anfschrifl  führt:  Hisloriae  Palatinae  Epitome.  Von  dem 

was  weiter  darunter  befindlich  gewesen  ist  nur  mehr  „Domino“  zu  erkennen. 

Die  allgemeine  und  deutsche  Geschichte  bis  in  das  Jahr  1718  reicht  in  A von 
S.  1—109,  in  B 1 von  S.  1 — 113. 

Die  pfälzische  beginnt  in  A mit  S.  119,  in  B I mit  S.  118,  und  behandelt 
nach  kurzer  Einleitung  Uber  den  Ursprung  der  Pfalzgrafen 

1)  zunächst  die  vor  den  Wittelsbachern  von  Eberhard  bis  zum  Tode  Heinrichs 
des  Stolzen  im  Jahre  1227,  in  A von  S.  12fi  — 137,  in  B 1 von  S.  127  — 139, 

2)  die  aus  dem  Hanse  Wittelsbach  von  Ludwig  dem  Kelheimer  bis  zum  Tode 
Ottheinrichs  im  Jahre  1559,  in  A von  S.  137 — 171,  in  B l von  S.  139-177, 

3)  Die  .Simmern’sche  Linie  von  Kaiser  Kuperts  Sohn  Stefan  bis  zum  Jahre 
1685,  in  A von  S.  171-198,  in  B I von  S.  177—208, 

4)  die  Nenburg’sche  von  des  Herzogs  Wolfgang  Wilhelm  Sohn  Philipp  Wil- 
helm bis  zum  Jahre  1716,  in  A von  S.  198 — 204,  in  B I von  S.  208 — 215, 

5)  sodann  in  A gewissermassen  als  besonders  gekennzeichneten  Abschnitt  die 
Zweibrncken’sche  von  Ludwig  dem  Schwarzen  bis  zum  Jahre  1722  von  S.  209  bis 
230  bis  245,  in  B ohne  diese  Abscheidung  in  ununterbrochenem  Verlaufe,  und  zwar 
im  Bande  I von  S.  215 — 243  und  sodann  im  Bande  II  von  S.  1 — 17, 

6)  die  Landsberg'sche  von  Friedrich  Kasimir  bis  zum  Jahre  1681 , in  A von 
8.  245—249,  in  B II  von  S.  17—22, 

7)  die  Kleeburg'sche  oder  schwedische  von  Johann  Kasimir  bis  zum  Jahre  1718, 
in  A von  8.  249 — 267,  in  B II  von  8.  23 — 45, 

8)  mit  ihrer  „Nebens-Branche“  von  Johann  Kasimirs  Sohn  Adolf  Johannes 
bis  zum  Jahre  1731,  in  A von  S.  267 — 273,  in  B 11  von  S.  45 — 52, 

9)  die  Velden  z'sche  von  des  Herzens  Alexander  von  Zweibrücken  Sohn  Rupert 
bis  zum  Jahre  1694,  in  A von  S.  273 — 278,  in  B II  von  S.  52 — 58, 


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272 


10)  die  Hirkenfeld’fiche  von  <les  Heraog»  \Volfj{iUig  von  Zweil)rücken  und  Xeii- 
bnrg  jllngstem  Sohne  Karl  bis  /.nni  Jahre  1071,  in  A von  S.  27« — 281,  in  B II 
von  S.  58 — 02. 

II)  die  Hiachweiler  mit  Christian  I,  in  A bis  S.  288,  in  B II  von  S.  02 — 04, 
wo.selhat  der  St-hlnssalKala  lautet:  Endlich  bekuin  er  wegen  dem  Heuratbsguth, 
welches  seine  Krau  tiemahlin  an  Zweyhrncken  wegen  ihrer  Frau  .Mutter , einer 
Printr.essiu  von  Kotian,  /n  forderen  hatte,  die  l’fiindschafft  von  Bischweilcr,  allwo 
er  auch  seine  Kesidenz  batte. 


!ll. 

Acta  dio  Stranhingisclie  Erbachafft  betr.  de  1425  — 14. 80. 

Ex  .\rchivo  .Monacenai  ad  .Archivura  Bijiontinuni. 

Diesen  Titel  führt  von  der  Hand  des  l’falz.-Zweibrücken 'sehen  wirklichen  geheimen 
Ratlies  lind  ersten  Archivars  .lohanu  Heinrich  Bachmann  ein  in  Pappendeckel  mit 
gelb-braunem  Papiernber/.iige  gebundener  Foliant  des  geheimen  Staatsarchives. 

Au  seinem  Schlüsse  lieglaubigte  er  zu  ZweibrOeken  am  18.  Februar  1779,  dass 
„dieser  Codex  Mannscriptiia  von  einem  andern  collationirteii  Codice  Mauu.scripto  ans 
dem  Münchner  Archiv  getreulich  abge.«chriel>en'‘  sei. 

Er  beginnt  mit  der  im  Prkundeubnehe  zu  des  Professors  l)r.  Friedrich  Christian 
Jonathan  Fischer  Oeschichte  des  ersten  Jahrgangs  der  Stniubingischen  Erbfolge  — 
vgl.  seine  kleinen  Schriften  aus  der  Oeschichte , dem  .Staats-  und  Lehenrechle  H 
S.  1 bis  402  — unter  Num.  28  abgedrnckten  „Teiding  als  wir  Herzog  Heinrich 
mit  saniht  vn.«crn  lieben  Vettern  Herzog  Emsts  und  Herzog  Wilhelms  Raten  zu 
Straubiugeii  gethan  haben“  im  Arch.  Tom.  Privileg.  X.VII  Fol.  81 , und  schliesst 
mit  dem  Schiedspruche  zu  Nürulzerg  vom  Samstage  nach  (iall  dos  Jahres  1430. 

Ein  bei  der  .Alischrift  der  Erkunde  „die  Geisel,  die  Herzog  Heinrich  von  des 
Niderlands  wigen  getan  hat  zue  Arnberg“  vom  17.  Sept.  1420  lose  liegender  Zettel 
besagt:  .AU  mir  dieses  Manuscript  von  München  koiiimunizirt  worden,  war  meine 

Vorlegung'*")  schon  unter  der  Presse,  .sonsten  hätte  ich  den  § 115  — Vers:  Von 

Seiten  Herzogen  Heinrichs  etc.  — p.  149  nach  der  Erläuterung,  welche  Herzog 
Heinrichs  Revers  (der  heisst  in  diesem  Mscr  Geisel)  vom  Dienstag  Exaltalionis  Crucis 
1420  und  Spruch  Briff  vom  Samsdag  nach  st.  Gallen  Tag  1430  au  Händen  giebt, 
eingerichtet. 


180)  Nämlich  die  iin  Jahre  1778  zn  Zweibrheken  erschienene  Verlegung  der  KideicommimriKben 
Rechte  des  Kur-  and  Fürstlichen  Hauses  Pfalz  überhaupt  uud  des  regierenden  Herrn  Herzogs  zn 
Pfnlz-Zweibrücken , als  dermaligcn  nächsten  Agnaten  nnd  Kurfolgerz,  insonderheit,  anf  die  von 
dem  am  30.  Des.  1777  höchstaeelig  verstorbenen  Herrn  Kurfürsten  Mnziiiiilian  Joseph  in  Bsiera, 
nls  dem  letzten  ans  der  Wilhelminischen  Linie,  verlassene  anmmtlicbe  I,ande  nnd  Leute  samt 
Zugehürde. 


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273 


»2. 

Des  T li  o m a « E It  e u d u r f e r 
Bischofakatalog  von  Lorch-Passau. 

Eine  mehr  zierlich  als  correct  gefertigte  Handschrift  des  geheimen  Staats- 
archives  aus  dem  10.  Jahrh.  in  Folio,  nach  dem  stark  gebraOnteii  ersten  Blatte  mit 
der  Anftchrift  „Patauiensis  episcopatue  priiiilegia  et  seriea  epi.scopornm**  längere  Zeit 
ungehiinden  gewesen , enthält  nach  einem  Oopialbnche  von  Urkunden  und  anderen 
Aktenetflcken  der  Paasauer  Kirche  '••)  eine  umfangreiche  (Ihronik  von  Lorch-Passau 
bis  znm  .lahre  1402. 

Der  Verfa.sser  ist  nicht  genannt.  Doch  dörfte  es  nicht  zu  gewagt  sein , auf 
Thomas  Ebendorier  von  Haselbach  zu  rathen.  Man  weiss  von  diesem  fruchtbaren 
Schriftsteller,  über  dessen  geschichtliche  Arbeiten  Ottokar  Ixirenz  in  der  zweiten 
Ausgabe  von  Dentschlauds  tieschichtsquellen  im  Mittelalter  von  der  Mitte  des 
1.3.  Jahrhunderts  1 S.  226—235  verglichen  werden  mag,  dass  er  auch  einen  Bischoft- 
katalog  von  Lorch-Passau  gefertigt,  wie  er  selbst  Wstimmt  in  anderen  .seiner  Schriften 
angibt.  Wie  es  den  Au.schein  hat,  wurde  aber  dersell«  jedentalls  in  neuerer  Zeit 
nicht  besonders  berücksichtigt.  Wenigstens  aussert  Lorenz  a.  a,  0.  I S.  234  in 
Note  1;  Was  es  mit  dem  Catalog  der  Pa.ssauer  Bischöfe  auf  sich  hat,  weiss  ich 
nicht;  Zeissberg,  der  ihn  verglichen  zn  haben  scheint,  urtheilt  sehr  nngünstig 
darüber. 

Ich  habe  keine  nähere  Kenntniss  von  der  Sache,  und  beabsichtige  auch  hier 
weiter  nichts  als  in  Kürze  einige  der  wesentlicheren  Anhaltspunkte  mitzntheilen, 
welche  mir  bei  Einsichtnahme  der  in  Frage  stehenden  Handschrift  den  Gedanken 
anfgedräiigt  haben,  dass  man  es  mit  dem  Werke  des  Thomas  Bbendorfer  von  Hasel- 
bach zu  thnn  habe. 

Es  ist  zunächst  bekannt,  dass  er  eine  lateinische  Kaiserchronik  wie  auch  eine 
Chronik  von  Oesterreich  geschrieben.  In  unserer  Handschrift,  in  welcher  sich  das 
Werk  über  Lorch-Passan  bald  nach  dein  Eingänge  „Priscornm  caritatem  ad  nos 
patrum,  qni  non  solnm  came  sed  et  per  euangelium  in  Christo  nos  geniiemnt  sancte 


IM)  Zunächst  von  Fol.  I bis  an  den  Ocbluss  von  Fol  74'.  Von  dem  letzten  Aktenstücke 
findet  sich  der  Schloss  auf  den  ersten  8 Zeilen  des  Fol,  77 , indem  ein  Bogen  zwischen  Fol.  74  und 
77  gebunden  ist. 

Dann  folgt  von  derselben  Hand  ohne  Ueberschrift  blos  nacli  einem  Zwisebenraame  von 
höchstens  einer  Zeile;  Hncusqoe  tractauimus  de  origine  Gotbomm,  qni  et  u.  s.  w.  auf  Fol.  77,  nach 
dessen  Bückseite  die  Fortsetzung  aus  dem  bemerkten  Grunde  des  Vorbiodens  dar  Mindschrift  auf 
Fol.  75  folgt,  bla:  ab  allis  nationibns  Inbripolla,  st  a Tiberio  eius  reconatruetore  Tiburnia 
est  Tocata. 

Hieran  knüpft  eich  wieder  nur  nach  kleinem  Zwisebenraume  und  ohne  Ueberschrift:  Post 
dsoeriptioneni  gentium  et  dioerssrnm  uationnm  Enrope,  bis  auf  fi  Zeilen  des  Fol.  76,  welches  sodann 
leer  ist,  mit  dem  Behlnise:  Fontonina,  Chathalamnt,  Hemnne. 

Abh.  d.  III.  ('I.  d.  k.  Ak.  d.  Wiss  X V.  Bd.  I.  Abth.  35 


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•>74 


coQuersatiouid**  u.  %,  vr,  als  Catalogus  incliti  ducatus  Au.^triae  praesulam  a diebus 
<|uibus  fidei  christianae  co)1a  decrevit  submittere  b^Koicbnet,  fiuden  sich  zahlreiche 
Verweisungen  auf  ein  von  ihm  verfasstes  Directorium;  ausserdem  beispielsweise  bei 
der  Behandlung  des  Biscliofes  Otto  von  Lonsdorf  die  Bemerkuug:  ut  in  cronica 
Austriae  clurius  prosequntus  smn ; uod  abgesehen  von  anderem  lesen  wir  nicht  lauge 
nach  dem  Beginne  dos  Ganzen:  serenissimi  priucipia  ac  domini  domiiii  Friderici  III 
Ronjauorum  regis  seniper  augnati  neenon  Aostriae  Stiriac  Karinthiae  aUjoe  Carniolae 
dneis  etc.  maiidalis  obtemperans  pauca  de  gestis  ortu  et  occtisn  Romanornm  regum 
depinxi,  .\ustriae  etiam  cronicam»  (juam  de  materua  lingua  in  latinnm  transtuleram, 
«ihi  qnibusdam  addltis  et  resectis  eisdem  counectere  decrevi , ut  unios  voluminta 
qnautitatem  meis  acriptis  efficereni.  etiam  qiiautum  ex  diverais  historiis  extrahere 
potui  spiritualium  patruiu  archipraesulum  et  episcopomm  hujns  ducatus  principniiier 
cathalogum  iu  uiium  conscribere  non  inutile  censui,  ad  incitandnm  undeenmque 
legentium  animos  ad  ipsorum  gesta  deo  digna,  ut  sectatores  efheerem. 

Ausserdem  erwähnt  Flieronynuis  Pez  vor  der  Ausgabe  der  österreichischen 
('hronik  im  zweiten  Theile  seiner  ?^riptores  rerum  Austriacarum  S.  6^^3,  dass  unser 
.Wiener  Domherr  und  Hofcaplan  wie  Universitätsprofessor ’•*)  auch  die  Pfarrei 
Herchtüldsdorf  iunegelmbt.  In  unserer  Hiimlschrift  sagt  der  Verfasser  unter  dem 
Bischöfe  Leonhanl  von  Leiming»  dass  dieser  ihn  priinum  ad  eeclesiam  »ancti  .lacobi 
in  Valkennstain  et  post  triiim  mensiuni  spalium  ad  ecclesiam  Virginis  gloriosae  io 
Herloltsdorff  **•}  anno  domini  1435  gratiose  et  liberaliter  habe  investiren  lassen. 


ls;ü)  Anspielungen  gersilc  auf  Wien  finden  sich  an  mehreren  Orten. 

So  wir.t  alsbalil  nach  dem  beginne  des  Ganzen  bei  UerQhrung  des  durch  die  Bemühungen  der 
christlichen  Heiligen  verdrängten  Ileidenthnms  bemerkt:  abiectis  sporticiis* ydolorum  cultibos  Martis 
precipue  et  Jouis»  qiiibos  huius  prouintie  quondam  delusa  vesania  ineolanim  Jedita  fntMe  dignoscitnr, 
pToot  in  ipsorum  statnis.  que  hodie  Wienne  pre  foribus  eccletie  sancti  Stephani  cancello  ferreo  incluse 
Mruantur,  a Gumlramsdortr  turri  vt  fertur  allatis  pro  memoria,  sat  s liqnct 

ln  der  Behandlung  der  Thätigkeit  des  Qulrinos  heisst  es  bei  Gelegenheit  der  Erwähnung  der 
\Mta  des  heiligen  Severin:  vita  nnstri  sancti  Patron!  Seuerini.  abbati«  monasterij  fauianensis,  id  e«t 
Wienne  al  eios  mnros  |>er  eundt^m  fnndati. 

Weiter  auch  unter  Altinann:  Ouatiiuis  istius  presnlis  merita  tongc  Uteque  quidam  ut  sui 
cenobij  prnfessus  sf»argere  disposuerit,  )>er  quantam  ignotam  feininam  grauate  fame  diebus  nostrii 
nescio  quo  jkcrmote  spirita  adeo  ut  et  suis  artibus  lUdos  ostentaret,  pront  clarius  in  scalis  Vienne 
muletatam  vjdimns,  et  wlgarcs  ad  ipsins  Hmina  contra  prohibitionein  ecciesie  venire  neque  probibeq 
possent  aot  auerti,  prefati  poniifieis  denotione  succensi:  hoc  tarnen  non  admisit  diuina  pronidentia 
qain  condctain  detegeret  salubriter  falsitatem. 

War  vorhin  von  der  Vita  des  heiligen  Severin  die  Uede,  so  geschieht  ihrer  ansaer  anderen 
Stellen  auch  bei  BerQhmng  der  LQcke  der  Loreber  Erzbischöfe  von  Theodor  bis  Vivilo  folgendermassen 
Erwähnung:  vita  elarinsimi  nostri  i>atroni  beatiasimi  Seuerini  monacbi  et  abbstis.  quam  Neapoli 
reperi  io  eins  monasterio,  vbi  et  ipsius  gleba  in  altari  sunimo  conditur. 

1S8)  Bereit«  unter  Bischof  Petrus  findet  sich  eine  längere  Stelle  über  diese  Pfarre,  deren  Text 
ich  hier  — zum  Beweise  der  am  Eingänge  aufgestelKtm  B<5liauptnng,  wie  wenig  correct  theilweise 


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27r. 

Fasst  man  sodann  die  Nachrichten  ins  Auge,  welche  Thomas  Ebeiidorfer  über 
sich  selbst  in  dem  Abschnitte  de  ortn  Scriptoris  am  Bchliuse  des  vierten  Buche.^ 
seiner  österreichischen  Chronik  augehängt  bat,  so  wird  sich  allein  daraus  schon  im 
Zusammenhalte  mit  verschiedenen  Andeutungen  in  der  Handschrift  des  geheimen 
StaaUarchives  jene  Annahme  rechtfertigen.  Kr  bezeichnet  dort  einmal  Hollabrumi 
als  den  Ort  seiner  Geburt  und  Taule-  Wir  hören  ferner  daselbst  von  besonderen 
Verbältnisseu  der  dort  betindlicheu  Kirche  des  heiligen  Lorenz  mit  eilf  anderen 
Pfarrkirchen,  welche  damals  ,«Zweltterin^^  hiesseu.  Und  endlich  bemerkt  er  gerade 
hiebei,  dass  er  davon  ausfubrlicber  in  seiner  Chronik  von  Lorch-PassaiC^*)  gehandelt 


aiis«n?  HaDdtclirift  ist  — ohne  Aen<i«runi?  mittheil«.  Kt  ut  huius  presuliü  antplior  circa  spiritualia 
•ollicitudo  appareat.  tpse  uldetar  diocesi  sue  tiaes  vi$;ilanter  pertaHtrassf , ct  suura  cpiscopaie  offidom 
propria  io  persona  instar  sni  predeceasorU  deuotos  pertoluisse  et  aiiministiaesc.  Kccc  anteeessor 
costcr  Ottinaniii  ipae  in  cectesia  parrochialj  in  BertoUtorf,  cui  dei  ut  aiebat  permissinae  deseraio, 
capellam  beatj  Nicoiaj  in  sinistro  prefate  ecclesie  de  presenti  collocate,  que  tune  in  dos  dextra  fundata 
cxtiteiat.  xxv  tal.  aaKnsti  rnaemn  altare  eiusdem  dcdicauit.  eodemqoe  die  altare  sanctonim  Simoiii« 
et  Jude,  Andrec  et  Bartholome],  sancti  Stephan]  prothomartiris , Tbcodori,  Kunigundis,  xi  miliuin 
virginum,  et  sancte  Klisabvtb.  in  medio  ccclesie,  qnod  nunc  omniuin  apostolorum  vocatur,  ante  trienDium 
ad  aliiim  tranalatum.  similiter  consecrauU  propria  sua  in  persona.  Kt  quia  prefata  ecclesia  in  gweria 
expulsione  Pridorici  ducts  a patria  .\ustrie  per  prefatutu  ducem  fuit  incinerata  in  «xlium  domtn] 
Ottonis  de  Berchtoltxdorff,  suprerni  Camerari]  ducatos  Austrie,  in  Camerstain  Castro  reaidentis,  cotus 
hodie  Hupersunt  in  Berchtoltxdorif  rcstigia,  prefate  cccieaic  fundator,  ipsius  quo<}ue  altaria  |»er  qaandum 
desperatum  sacrilegum  presbiterum  fuere  violata.  sanctorom  quoque  renerabiles  reliquie  furtim 
ex  eisdem  ims  ablate.  Ücet  per  iiisequentea  deprebensuji  fncrit  prrditus  iste,  reenperateque 
reliquie:  scedulas  tarnen  desiguantes  easdem  ex  nomine  recu]KTare  non  valereut:  ob  quod  et  sepedicta 
ecelcsia  desolata  remansit  vrque  ad  annum  domini  MCTLXX,  in  quo  et  v*»  jdus  noocmbrii  prefatus 
Ten«‘rabllis  pontifex  Petrus  eedesiam  Bertoldensem  inm  refonuatam  dedieauit  in  bonore  sanctissinie  et 
intemerate  dei  genitricie  virginis  ^farie,  cuius  patrocinio  hodie  gloriantur,  licet  a fundo  diebus  meis 
de  nouu  ree<lififata  exiatat.  et  ante  bieoniuin  io  eins  naui  testudioata  desuper,  basilien  quoque  ipsius 
Bubtus  conpleta,  et  duo  altaria  aancti  Marci  et  AugOBtini  immoueriua  quattuor  aanctoruin  doctoruin 
ecclesie  ae  apoetolorum  in  medio  ipsius  — me  plorimum  operante  per  reucrendum  patrem  dominum 
Franciscura  Assisien  episcopuro  de  nmndato  reuerendiasimi  domin]  Johannis  sancte  romane  eedesie 
tituli  aancti  Angeli  diaconi  cardinalia  per  Uermaniam  legst]  cmi^ecrata  anno  domini  .MCCCC  xlviii]. 

1K4)  Auch  auf  diese  beiden  Orte  Huden  sich  hier  und  dort  nähere  Änapielnngen. 

Bei  Lorch  wird  unter  Quirinui  bemerkt:  in  Castro  Laurcaecnsi.  in  loco  qni  vsque  hodie  Ronia- 
nurum  Todfatur  captiuita«*,  quem  hodie  fratres  minores  ibidem  fnfra  »na  septa  iKMsident. 

Paa»au*a  sodann  wild  unter  Erzbischof  Bruno  von  Lorch , welcher  auch  nach  dem  Tode  de-« 
Bischof»  Ottokar  von  Pasaau  diesen  Sitx  inne  batte,  folgendermassen  gedacht:  Hcc  Patauienais  ecclesia 
ecribitar  in  cronjds  a Popino,  filio  Anchise.  qui  et  maior  domus  erat,  maritus  Plcctrudis,  Grimealdi 
ducis  Bowariorum  et  Campani«  filia,  refonnata  funditus:  cuius  &li]  Bo  so  et  Grimualdua:  mde  versus 
Colonie  scripti: 

I*egali  Thatonio  PlcctmiUi  iuncta  Pjfpino 
Busonem  genuit.  magnumque  ducem  Grtmoaldurn, 

primum  principein  tJampanie,  secundum  Galliarnm.  Habetur  eius  ymago  hodie  Patauie,  a dextria 
maioatatia  haben»  eccleaiam  in  manibiu:  et  Plectrodis  a dextris  eius. 

;tr>* 


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27fi 


Hin)  dort  jeu»  12  Kirc)nm  mit  Xameii  autgefUhrt  )iabe:  pront  latiiia  in  praomluiu 
l.anrpacensiuni  catologo  de^cripai,  n)>i  et  Iias  dnoileciin  eoclesiaa  ex  noiuiiie  designari. 
Waa  entnehmen  wir  hieni  aus  iiiiaerer  Handschrift?  Unter  dem  Vorgänger  des 
Biactiofs  (.*tto  von  Lnnadorf,  Herthold,  heisst  ea  bei  der  Krwühunng  der  lehenweiaen 
Uebertragnng  von  12  l^farrkirchen  an  Bremr.laus  o<)er  Ottokar  iiei  Oelegenheit  seiner 
Vermählung  mit  Margaretha  von  Oesterreich:  abatrncta  sola  liii,  Holohrnnna  nomine, 
in  ipia  (|iii  hec  acriiin  mcrnm  baptisma  snscepi,  (|uam  ad  instautiam  canunicornm 
Paiaviensium  ad  daudutn  assensnm  pracfntac  infeodationi  ipsorum  naibna  deputavit. 
Und  was  sodann  die  vorhin  ta^merkten  besonderen  Verhältnisse  der  12  Kirchen 
betrifft,  wobei  namentlich  auf  die  Chronik  von  lajrch-I’assau  verwiesen  ist,  äussert 
unsere  Handschrift  unter  Biachof  Reginmar,  dass  er  den  Markgrafen  Leopold  den 
Frommen,  den  Stifter  von  Kloster- Xeuburg,  dazu  vermocht  hatie,  nt  deciniationes 
multarum  ecclesiarnm,  qnaa  sui  praedecessores  saecnlari  consnetndine  contra  decreta 
patriim  possederant,  ecclesiae  dei  remitteret  et  restitueret,  et  i|>Karum  ecclesiarnm 
rectoribus  iuautea  colligendas  commemlaret  pro  salute  siia,  Aguetis  couthorulis,  et 
snac  prolis.  qiiod  et  factum  sui  duo  maiores  natn  hlii  in  manns  praefati  episcopi 
astipulautes  laudavernnl,  Albertus  videlicet  et  Leopoldus.  nomina  autem  ecclesiarnm 
haec  sunt:  Xeunhurgk,  Holnbrunne,  Oors,  Polaii,  Kgkndorff,  Kuspach,  Mistelbach, 
Valkcnnstain,  ladsz,  Mnszleich,  VVciderfeld,  inaior  Pulka,  Alhat,  et  FTemburgk. 
precibus  tarnen  Hartmanni  praepositi  Nenuburgensis  primi  religiös),  cnjns  conailio 
et  monitu  praemissas  princeps  deo  deuotus  decimas  sam  to  Stephano  nt  praemittitur 
remiserat,  deciniatinnem  ecclesiae  Neunbnrgensis  parocbialis  coeuobio  sanciae  Mariae, 
qnoil  jam  dictus  niarchio  religioso  affectu  construxerat,  idera  pontifex  delegavit. 

Ohne  auf  weiteres  hier  eiuzugehen,  theile  ich  als  Probe  des  Textes  Stellen  aus 
dem  Abschnitte  Uber  Bischof  Rndiger  und  seinen  Nachfolger  Kourad  mit  Ktlcksicht- 
nahme  auf  ihre  Beziehungen  zu  dem  berüchtigten  Passauer  Dekan  u.  s.  w.  Albertus 
Boheinus  unten  S.  2Ü3  — 2!I6  in  der  Beilage  mit. 

!)3. 

Copialbnch  über  den  Salzburger  Bauernaufstand 
in  den  Jahren  1523  und  I52H. 

Ks  tindet  sich  alischriftlich , aus.«erordentlich  eng  von  einer  Hand  des  vorigen 
Jahrh.« gefertigt,  im  geheimen  Staatsarchive  auf  t Lagen  von  je  7 Bogen  oder  94 
beschriebenen  Seiten  in  Folio,  mit  einem  Inhaltsverzeichnisse  über  das  Ganze,  wel- 
ches die  fünfte  [tage  gleichfalls  von  7 Bogen  bildet , wovon  die  letzten  5 Blatter 
und  die  Rückseite  des  vorhergehenden  nicht  mehr  beschrieben  sind. 

Bas  erste  nicht  gezählte  Blatt  der  ersten  laige  bildet  den  Titel:  Brieffereyen 
und  Beytrsge  zur  Geschichte  des  Aufruhrs  im  .sechszehnten  Jahrhundert.  Eine  spätere 
Hand  hat  das  dahin  verdeutlicht:  oder  Sammlung  von  Sendschreiben,  Vollmachten, 


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277 


Verträgen,  Befehlen  nnd  anderen  Aktenstficken,  den  Salzburgischen  Banern-Aiifstand 
von  1525  nnd  1526  betreffend. 

Mit  dein  zweiten  Blatt«  beginnt  der  Text  in  der  Weise  dass  er  zwischen  zwei  nicht 
sehr  breiten  Kündern  steht,  wovon  der  innere  die  Zahl  der  einzelnen  .\kten.stOcke 
von  1 — 109  einschliesslich  mit  kurzer  .Angabe  alier  ihren  Inhalt  verzeichnet,  der 
äussere  eine  fortlanfende  Reihe  von  Zahlen  nach  einem  Buchstaben,  welcher  wohl 
ein  kleines  o sein  wird,  von  1 — 349,  so  dass  vielleicht  darin  die  Seiten  des  t Iriginales 
ihre  Beiftlgung  gefunden. 

Die  einzelnen  StQcke  selbst  sind  fast  durchgängig  ihrem  ganzen  W'ortlaute 
nach  wiedergegeben.  Das  erst«  ist  das  „Schreiben  von  denen  Oasteiuern  in  Pongau 
Salzburger  landts  an  die  von  Stall  in  Steyermarkht“  vom  Donnerstage  vor  Pfingsten 
1525.  Das  letzte  das  „.Manndat  der  beschwerungeu  der  Vnnderthanen  itn  Stifit 
Salzburg"  vom  20  November  1526. 

.Auf  dem  ersten  Blatte  hat  der  bekannt«  Salzburger  Geschichtschreiber  Zauner 
unter  den  oben  berührten  Titel  die  Bemerkung  gesetzt : Me  hocc«  Codice  MC“  in 

con.scribenda  historia  Salisburgensi  insigni  cum  fructu  usnm  esse,  grata  mente 
profiteor.  Salisbnrgi  die  XIV  Dec.  1602.  .Indas  Thaddaens  Zauner. 

94. 

Geschichtliche  Erörterung  über  die  Praeeminenz 
nnd  Präcedenz 

des  baieriseheu  Hauses  vor  dem  österreichischen, 

auf  sieben  in  einander  liegenden  Foliobogen,  wovon  die  Rückseite  des  vorletzten 
Blattes  und  das  letzte  Blatt  nicht  mehr  beschrieben,  aus  dem  dritten  oder  letzten 
Viertel  des  16.  Jahrhunderts,  im  geheimen  Staatsarchive, 

Sie  beginnt:  Es  i.st  vnwidersprechlich,  das  Baym  lang  vor  tauseut  Jahren  ain 
Khinigreich  vnd  vraltes  Herzogthumb  gewesen , von  Theodone  dem  Ersten,  welcher 
die  Römer  daraus  vertriben  vmb  dasz  Jahr  500,  hisz  auf  Teiisalonem  den  Dritten 
vnd  sein  Sohn  Theodouem  den  .Achten  — welche  von  Carolo  Magno  Römischem 
Kay.ser  vnd  Khönig  in  Franckhreich  von  Rebellion  vnd  Vngeborsamb  wegen  vmb 
das  Jahr  788  bekhriegt  gefangen  vnd  in  dasz  Closster  Ijauroszhaimb  am  Rhein  ver- 
stossen  worden  — nnchet  bey  dreybmidert  Jahren  jnngehebt  u.  s.  w. 

Nach  ihrem  Schlüsse  „sonder  es  mecht  ausser  der  Reichsversambluugen  — 
damit  es  bey  alltem  Herkhommen  billich  bleibt  — auf  andere  mitl  vnd  weg  zu 
gedeuckheu  .sein,  dardnreh  guetes  V’erthrawen  vnd  Freundtschafft,  alls  sich  zwischen 
so  nache  gesüpten  vnd  genachberten  Fürsten  sonderlich  bey  jezigen  schweren  laüffen 
woll  gezimbt,  nach  miglicheit  gepfianzt  erhallten  vnd  dannocht  dem  löblichen  hausz 
Bayrn , deasen  nachkhomraen , vnd  sonderlich  den  andern  Pfalzgrauen , deren  sich 
etlich  ohne  dasz  den  regierenden  Herzogen  jn  obem  vnd  nidem  Bayrn  der  Session 
halb  jm  heyligen  Reich  vnbefuegten  eiuballtnng  zethnen  vnderstienden,  nichts  bege- 


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278 


b«u  noch  prciudiciert  wcrd,  wie  dann  daran  mit  uiobteu  xuz-weideu.  baide  löbliche 
Heuser  werden  ohne  daez,  selbs  dahin  willig  vnd  genaigt  sein:  darzue  der  Allmechtig 
seinen  Segen  welle  gelxm,  amen“  hat  der  spiitere  Arcbirar  Johann  Mändl  bemerkt: 
Kxtrahiert  aus  Auguslini  Cöluern  bnech,  vnd  ist  dem  ansehen  nach  von  weilandt 
Dr.  llnudt  verfasst  worden. 

Auf  der  letzten  Seite  steht:  Ausz  Augustin  Köllner  schrifften.  historische 

<leductiun  vnd  austiehrnng  sambt  angehengtem  Gutachten.  Darunter  steht  sodann 
wieder  von  der  Hand  Mäudra:  Von  Vrsprung  vnd  Heerkhonimen  beeder  hochlob- 

lichen  Chur-  vnd  Kizhaüser  Hayrn  vnd  Ossterreich,  deren  praeeniinenz  vnd  praece- 
denz , priuilegien , vnd  wie  Ossterreich  an  vnd  hernach  widernnib  von  Bayrn 
khonimen. 

Es  mag  hiezu  der  schon  oben  S.  J06  und  J08  erwähnte  Cod.  gerni.  1.502  der 
Hof-  und  Staatsbibliothek,  der  seinerzeit  im  Besitze  des  Dr.  Wiguleus  Hundt  gewesen, 
welcher  ihn  vom  Bangraz  von  Freiberg  erhalten  hatte,  der  ihn  vom  Grafen  Joachim 
von  Ortenburg  wie  dieser  von  .seinem  Vater  Moriz  erhalten  haben  soll,  Fol.  440  bi.s 
4.52  verglichen  werden;  nicht  minder  die  Abschrift  in  dem  gleichfalls  8.  208  bereits 
berührten  dortigen  Cod.  germ.  1640  Fol.  .500 — .516. 


95. 

Des  Dr.  Gail  Tusc helin 

knrtzer  bericht  wie  das  Crener  Keich  an  die  Grauen  zu  Sponheim  kommen , jtem 
wie  die  Ertzbischoff  zu  Trier  die  Vogtey  im  Cröuer  Keich  erlangt,  Jtem  wasz  die 
Grauen  zu  Sponheim  auch  wasz  ein  Ertzbischoff  zu  Trier  derents  haben, 

aoniel  ausz  ettlichen  wenig  Urkunden  gezogen  hatt  konden  werden,  die  dem  Doctor 
Gallen  Tuschelin  in  copijs  newlich  zugestelt  worden. 

auf  zwei  Lagen  von  4 und  2 je  zusanimengehefteten  Bogen  in  Folio,  wovon  die 
letzten  drei  Seiten  nicht  mehr  beschrieben,  uns  dem  Jahre  I58T,  in  einem  Akten- 
bande des  geheimen  Hausarchives , ausser  anderem  auch  „der  Cröfer  vnder- 
thauen  verwaygerte  huldigung  vnd  anders  mehr  betreffendt  de  anno  etc.  85 
vsque  etc.  90.  91.“ 

Der  Bericht  beginnt:  Ich  befinde  in  ettlichen  hernach  angozogenen  altten 

Urkunden,  da.ss  die  Dörfer  Oroue,  Rheiel  oder  Kheielkirch,  Künheim,  Künheinier 
ijewreu  mit  allen  Eugehornugen  ahn  der  Mosell  vf  der  seitten  gegen  der  Eifell  in 
einem  nbgemerckten  Gezirck , vast  in  die  rnndte  gelegen , dem  heiligen  Reich  von 
altters  aigenthumblich  zugeetanden , vnd  dasz  derohalbeu  die  regierende  Keyser  vnd 
köuig  dieselbige  Pfleg  von  wegen  des  Reichs  jngehabbt  genutzt  vnd  genossen,  daher 
dan  solche  Dörfler  mit  einem  Wortt  noch  henttigs  Tags  da.sz  Oröner  Reich  genent 
wnrdt,  das  es  uemblich  ein  Land  sey  dasz  zu  dem  heiligen  Reich  gehörig.  Vnd  die 
weill  dasz  Dorff  Cröue  dasz  gröst  vnd  dasz  best  Dorff  in  solcher  Pfleg  jst,  haben 


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“iTil 

die  andere  mit  diesem  PorCf  den  nameu  dasz  Cröler  Reich  iiekommen.  Vnd  dessen 
zn  glaublicher  Anzaig  n.  s.  w. 

Au  dieses  Aktenstllck  schliesst  sich  ein  mit  der  darin  berfilirten  „guttlicheu 
Tractation  zn  Oene  mit  den  Trierischen  Käthen“  im  Zusammenhang  stehender 
„Bericht  was  anf  dem  Guetlichen  tag  zne  Creiie  den  II  Jannarij  Anno  etc.  87  des 
Crener  Weiszthumbs  halben  pro  et  contra  turkhomraen,  anaz  dem  protliocoll  gezo- 
gen“ anf  einer  gehefteten  Lage  von  drei  Bogen,  wovon  das  letzte  Blatt  abgeschnitten 
und  auch  das  vorletzte  nicht  mehr  beschrieben  ist. 

Vgl.  auch  noch  unten  die  Snm.  10.1.  . 

9ß. 

I j e n e a I o g i a i 1 1 n s t r i n m C o m i t u in  in  S p o n h e y m 
vtriusijne  lineae  in  Creutzenach  et  Starckenburg , ex  script«  chronico  Sponbeymensi 
abbatis  .luhannis  Trithemy,  inprimis  vero  Originnlijs  einsdem  comitatn«  desumpta,  et 
in  hnnc  ordinem  digesta.  Anno  Christi  1588. 

Diesen  Titel,  unter  welchem  noch  in  grossen  Bnehstaben  „(i.  Sp.  S.  VI“  steht, 
ftlhron  drei  zusamnieiigeheftete  Lageu  in  Kolio,  wovon  27  Blatter  ausserordentlich 
sorgfältig  in  der  Weise  beschrieben  sind,  dass  der  Text  je  zwei  Drittel  der  Seite 
füllt,  auf  dem  linken  Drittel  die  einschlagenden  „.Authores“  lieziehungsweise  archi- 
valischen  fjuellen  bemerkt  sind,  im  geheimen  Hau.sarchive. 

Die  ßehaudlung  des  ganzen  Stoffes  theill  sich  in  13  „üradns“  von  dem  nicht 
genannten  Gemahle  der  Gräfin  He»lwig  bis  zum  letzten  Grafen  Johann  — conscripsit 
testamentum  sunm  anno  1420.  sextam  partem  Comitatus  tradidit  Stephano  CVimiti 
Palatino  et  .lacobo  Marchioni  Badensi  anno  1437.  ei  Bernhardus  Marchio  Badensis 
promisit  ordiuatioues  suas  seruandas  anno  1437.  et  Jacobns  Marchio  Badensis  scripto 
canit  quod  tantum  maiores  natu  filij  succedere  debeant  in  hoc  Oomitatu  anno  1422  — 
und  seiner  Gemahlin  Walburg. 

Diese  Zusammenstellung  lag  dem  Licentiaten  Kaspar  Zillesius  bei  seinen  in  den 
Nnra.  80  und  81  aufgeflihrten  Arbeiten  vor.  Er  bemerkte  darüber  auf  der  Rückseite 
des  Titelblattes  zn  Birkenfeld  am  20  Jnni  1664:  Diese  genealoglam  hab  ich  an 
unterschiedlichen  orten  unrichtig  und  mangelhafft  befunden,  und  .seindt  unterschied- 
liche Graffen  auszgelaszen,  wie  ex  collatione  der  meinigen  leichtlich  von  einem  jeden 
zu  ersehen  stehet. 

97. 

Wormser  Chronik 
bis  zum  Jahre  1623. 

Sie  findet  sich  als  ein  in  blauen  Papiernmschlag  brochirter  Band  in  Folio  im 
geheimen  Hausarchive.  Es  ist  eine  .Abschrift  ans  dem  vorigen  Jahrhnnderte, 


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280 


aiifünglich  etwaii  weiter  f;ehalten  und  mit  breiterem  Rande  auf  der  linken  Seite, 
apater  sehr  gedrännt  and  nur  mit  einem  »chmalen  Rande. 

Etwa  vom  zweiten  Drittel  an  aind  linke  oben  und  nnten  V'erweieuugcn  auf 
irgend  welche  Seiten  angebracht,  am  Schinase  auf  p.  529  vlt.  Vielleicht  beziehen 
sie  sich  auf  die  V'orlage. 

Vor  den  Anfang  des  Werkes  ist  von  anderer  Hand , welche  allenthalben  Ver- 
besserungen gemacht  und  sehr  häuhg  am  Rande  Abweichungen  einer  Handschrift 
unter  der  Bezeichnung  „MS.  V.“  heigefügt  hat,  bemerkt:  Womibeer  Cronica,  dasz 

ist  Kine  Beschreybnng  deaz  rhraprung.s  dieaser  Statt,  Item  was  sich  vor  denckwflrdige 
Sachen  in  vnd  vmb  diesse  Statt  haben  zugetragen,  coutiuuirt  bisz  in  das  Jahr  lt>29. 
Durch  Krantz  Bixihtolden  von  Klerazheimb  .MDXL‘*‘)  anfänglich  colligirt. 

Der  Anfang  lautet:  Wornibs,  eüi  berälunpte  Statt  am  Rhein,  ist  etwau  die 

hauptstatt  deren  Völcker  gewesen  welche  von  den  altten  Scribenten,  Tacito,  Caesare, 
Plinio,  Ptolomaeu,  Ammiano , Vangiones  genennet  worden,  der  Zeit  Borlietomagus 
geheissen,  vnndt  uachniahla  den  Namen  ßormagum  u.  a.  w. 

Vom  Anfänge  bis  zum  Beginne  des  Jahres  14Ö0  ist  aui  Rande'  eine  nicht 
nraprOngliche  Paragrapheneintheiinng  ungetilgt,  bei  der  Huldigung  der  Stadt  Worms 
an  Kaiser  Ruprecht  am  Donnerstag  nach  Allerheiligen  des  Jahres  1400  tj  4.S. 

Der  Schlmss  anf  dem  ans  Versehen  au  den  Anfang  gebundenen  letzten  Blatte, 
dessen  Rückseite  nicht  mehr  beschrieben , behandelt  noch  zwei  Ereignisse  aus  dem 
Jahre  1623,  Anno  1623  im  Fehruario  hat  sich  allhie  zu  Wormbs  ein  schwartzer 
dicker  Wolcken  eines  breiten  huts  zwevmabl  gros  anznsehen  beym  Mon  erzeigt, 
welcher  sich  alsbaldt  in  einen  gro.sseu  Adler  ohne  Kopff  vnd  ausgespreiten  flügelen 
verwandelt  vnd  fortgeschoasen , deme  alsobaldt  ein  feuwriger  strahl  auch  nachge- 
sebosseu,  vnd  hernach  verschwunden.  Kanibstag  den  6 Sept.  gemelten  Jahrs  ist 
allhie  zu  Wormbs  zwischen  II  vnd  12  Vhren  im  Mittag  ein  sehr  gmsz  Wetter 
gewesen . vnd  in  der  allbiesigen  Dhomdecaney  in  dem  alten  vnd  fordern  iienwen 
banw  vber  dem  thor,  so  der  vorige  Dhomdechant  Herr  Didterich  Wilhelm  von 
Dann  buuwen  vndt  auffriehten  o.  s.  w. 


98. 

Des  Bernhard  Hollandt 

Aufzeichnungen  über  Gesandtscbafts-Ceremoniel  bei  den 
westphälischen  Friedensverhandlnngen  und  bei  der  kölnischen  Friedenaconferenz. 

lieber  ihre  Veranlassung  gibt  die  Vorrede  der  nachher  nnter  Lit.  b eingereihten 
Schrift  genügende  Auskunft.  Als  in  anno  1674  — beginnt  sie  — durch  die  in  dem 


18«)  Ib  d«r  HaadKhrift  steht:  MDCXL. 


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281 


chnrftirsU.  sctiiVnen  Palast  zu  München  aus  Verwaiirlosunn  einer  Hof- Damen  ent- 
siandtene  grosse  Feurs  Prnnst  vnder  andern  auch  die  hriefereyeu  vnd  acta  in  der 
Geheimljen  Canzlev  (indeme  man  das  vorneminere  darnon  annderwertshin  zu  salvieren 
getrachtet,  vnnd  dahero  alles  zusammen  geraffet  vuiid  geworffeu , wies  in  der  eil 
vnder  die  Hand  kommen)  in  sehr  grosse  Confusion  gerathen , hat  aus  gnädigstem 
hefelch  des  seel,  ChurfOrsteu  Ferdinand  Maria  be_v  ersagter  Gebeiini>en  Cauzley  alles 
zusammen  helffeu  müessen,  vnnd  die  zersträhete  acta  vnd  schrifften,  souil  möglich, 
wider  in  jhre  ordtnung  zusammen  zuricbten.  Xachdem  mir  nun  dazuinall  vnder 
anriern  auch  ein  starckher  theill  von  dennen  Münster-  Vnd  Osnahrnggischeu  Fridens 
tractaten  vnder  die  Handt  gefallen,  aber  so  verwahret  vnnd  ellendt  ziiegericht,  das 
ich  aines  iiitmebr  zn  dem  andern  zubringeii  vnd  folgents  nichts  hessers  mehr  znthuen 
gewust,  dann  das  ich  all  solches  in  einen  grossen  fascicul  versamblot,  mit  dem  vor- 
neiumen,  ich  wolts  nach  der  hanndt  gegen  dennen  in  duplo  verhandeuen  vnd  in 
Pirainent  znsamb  gepnndtenen  Mflnsterischen  vnd  Osnabniggischen  Tomis  halten,  die 
Defect  darauf  wider  ersezen,  yber  das  völlige  Werckh  aber  — darhey  Chnr-Buyrn, 
wie  bekandt,  so  grossen  theill  gehabt  — ein  Oompendium  oder  Historische  Deduction 

mit  seinem  darzue  gehörigen  Indice  verfassen , vnd  disz  zu  Dienst  der  Geheimen 

Canzley  vnnd  sonderbar  derienigen  Miuistrorum  welche  von  ersagten  Münster-  vnnd 
Osnabruggischen  Fridens  Connent  baldt’disz  baldt  ienes  zn  wissen  vonnötten  hetteu, 
wie  ich  dann  dazumnllen  (weils  S.  Chnrftlrstl.  Dtirchl.  Höchstseel,  ans  seinen  Vrsacheu 
Selbsten  also  verlangt)  mit  extrahierung  desz  zu  Münster  vnd  Osnabrugg  oljseruierten 
Ceremonials  den  anfang  gemacht,  hingegen  bin  ich  wegen  anderer  mir  von  Zeit  zu 
Zeit  aufgegebenen  Verrichtungen  mit  dem  vorgehabten  Comiiendio  historico  immer 
stöckhendt  verbliben , bis  ich  anno  1690  baldt  nach  dem  Augspurgisohen  Wahltag 

des  Römischen  Königs  zu  der  grossen  (Konferenz  nacher  dem  Grafenhaag  vnd  nach- 

gehendts  zu  den  Kiswickhischeii  Präliminar-  vnnd  gleich  darauf  gefolgten  Fridens 
tractaten  verschickht  worden,  wo  ich  ans  maugl  der  Canzley  .Vkten  die  also  genante 
Pfanner'sche  in  trnckli  gegebene  historia  Pacis  VVestplmlicae  sainbt  des  französischen 
Historischreihers  Vittorij  Syri  Mercurio  historico  vnd  was  ich  sonsten  aus  andern 
bewehrten  Scribenteii  von  den  Westpbalischeii  Tractaten  fOnden  können  für  mich 
genommen  vnd  mit  Hilff  des  ienigen  was  mir  ausz  vn.«ern  Tomis  in  iler  gedächtnus 
gehlilien  gegenwertige  rcmarqnen  oder  anmörckhnngeii  verfaßt . welche  aber  allein 
das  Ceremonial  vnd  die  bey  ersagten  Westphalischen  Fridens  tractaten  obseruierte 
forinaliteten  betreffen,  deren  ich  bey  dennen  Riswickhi«chen  tractaten  am  mehristen 
vonnötten  gehabt , gleichwoll  mit  dem  krafftigen  fürsatz.  das  ich  mit  der  Hilff 
Gottes,  wan  ich  wider  in  Bayrn  körnen  solte,  anch  das  fürgenommene  (’oinpendinm 
historienm  aus  vnnsern  Canzley  .Actis  noch  darzue  verfassen  vnd  dardnreh  dises 
augefangene  Werckh  völlig  ergenzen  wolte.  so  mir  auch  vmb  soleichter  fahlen  dertte, 
weill  ich  aus  andern  bewehrten  actis  vnd  Historicis  schon  einen  ziniblichen  vorrath 
darzue  heybandten. 

Abh.a.III.CI.d.k.Alt  d.  Wis«,  XV  W.  I.  .\bib.  M 


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282 


a) 

Extract  ansz  dem  bey  denneii  We8tpbali>t;hen  Fridens  tractaten  gehaltenen 
Chur-Bayrischen  Diario,  souill  das  Cerenionial  betrifft. 

Er  bildet  den  Hauptinhalt  eines  mit  hellgelbem  Le<ler  Uberzugeneu  Pappendeckel- 
baudes  in  Folio,  halbbriichig  gescbrieljen,  im  geheimen  Hausarcbivc. 

Nach  einem  9 Blätter  riillenden  ausflihrlichen  Inhaltsverzeichnisse  folgt  der 
Text  anf  105  Seiten  je  mit  genauer  Angabe  der  einschlagenden  Folien  des  berührten 
Diariums  auf  der  leeren  Ilalbseite. 

Hierau  schliesst  sich  noch  der  „Extract  ansz  dem  Munster'schcn  Diario  Tom. 
l“*  et  ‘i"  de  auno  1646“  und  der  „Extract  ex  actis  publici.s  paeis  VVestphalicae,  die 
Reichs  Deputation  zu  den  Westphalischen  Fridens  tractaten  betreffend,  so  von  dem 
Hildesheimb'schen  Cantzier  Herrn  von  Zimuiernmnn  herkhombt.“ 

b) 

.Anmerckhungen  vber  die  zu  Munster  vnd  t.lsnabruckh  vorgewesene 
Frideus  tractaten, 

in  einem  mit  hellgellrem  Leder  überzogenen  Pappeudeckelbande  in  Folio,  wieder 
halbbriichig  geschrieben,  im  geheimen  Staatsarchive. 

Nach  einer  Vorrede  auf  den  ersten  5 Blättern,  deren  S.  280  und  281  bereits 
Erwähnung  geschehen,  und  einem  Inhaltsverzeichnisse  auf  weiteren  2 Blättern  beginnt 
das  Werk  selbst,  auf  113  oben  am  aussereu  Räude  gezählten  Seiten,  woran  sich 
von  S.  115  — 118  die  .Abschrift  des  auf  S.  110  berührten  am  15/25  Oktober  1648 
nach  10  L'hr  durch  den  Stadt.secretär  auf  einem  schonen  neapolitanischen  Pferde 
verlesenen  „der  Statt  Münster  Publications  Patents,  den  Friden  zwischen  der  Rom. 
Keyserl.  vnnd  Königl.  Meyest.  in  Franckhreich  betreffend“  reiht. 

c) 

Auch  in  dem  in  ganz  gleicher  Weise  gehaltenen  in  zwei  Exemplaren  '*‘)  im 
geheimen  Hansarchive  vorhandenen  „.Münster'scheii  Cereiuonial  Extract  aus  dem 
Vittario  Siri  , souill  das  zu  MUn.ster  vnnd  Osznapruckh  observierte  Ceremonial 
betrütfl“  ist  an  den  betreffenden  Stellen  die  Rücksicht  auf  Baiern  genommen. 

So  beispielsweise  anf  S.  50 — 54  beziehungsweise  50  — 55:  Einzug  vnd  tracta- 

ment  der  Chur- Bayrischen  Gsaudten  zu  Münster.  Oder  auf  S.  56  beziehungsweise 
58:  Chur-Bayrischer  Hecundarius  — Dr.  Krebs  — was  er  bei  denen  Französischen 
für  einen  plaz  gehabt,  vnd  wie  Er  selbige  titulirt. 


166)  Das  eiae  bildet  wieder  einen  mit  bellgelbem  Leder  überzogenen  Pappendeckelband  in 
Folio,  das  andere  wie  Lit.  d einen  mit  brannem  Leder  überzogenen  und  über  den  Rücken  mit  Gold- 
venierung  versebenen  Pappendeckclband  gleicbfalle  in  Folio. 


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283 


Anmörkhnngpn  yher  die  Chur-Gillnischc  Heich!»  Conferenz 
de  anno  1073  et  Iß'4. 

Sie  finden  sich  in  einem  mit  braunem  [^er  nlientogeneii  nnd  üi)er  den  RUnken 
mit  Goldpreesung  versehenen  Pap|iendeokelbaiide  in  Folio,  gleichfalls  balbbrnchig 
geschrieben,  im  geheimen  Staatsarchive. 

Der  Text  dieser  mit  „denen  Vrsaohen  welche  die  Cronn  Franckhreich  bewogen, 
dennen  General  Standen  im  April  anno  1072  denn  öffentlichen  Krieg  anzakhiiiidten“ 
beginnenden  und  bis  zum  Nenmagisehen  Friedenscongress  im  Jahre  1076  reichenden 
Schrift,  Uber  welch  letzteren  der  Verfasser  seine  „besondere  schrifflliche  reniarqnen 
der  ChurfOrstl.  Gehaimben  (lanzlei  zn  gnetten'"  zusammen  getragen.  umfas.st  4 1 oben 
am  äusseren  Rande  gezählte  Seiten,  woran  sich  von  8.  4.'i  — 244,  theilweise  von 
anderer  Hand  geschrieben,  die  je  auf  der  leeren  Halbseite  Irezeichneten  Beilagen 
reihen,  während  auf  weiteren  7 nicht  gezählten  .Seiten  eine  Aufzeichnung  „Sambstags 
denn  26  Angnst  anno  167,3“  schliesst. 

Bei  Gelegenbeit  der  Besprechung  der  ,,Ueii8Siiniption  der  zu  Vilm  vnderbrochenen 
Vereiiiignngs  Tractaten  beesler  Hauser  Bayrn  vnd  Pfalz  vnnd  in  absonderheit  auch 
desz  Reichs -Vicariats  von  S.  1.3  an  wird  S.  17 — Ifl  l>emerkt:  Weill  sieh  auch, 
wie  baldt  hernach  gemeldet  werden  solle,  der  Cöllnische  Fridens  Conuent  aus  einer 
anndern  Vrsach  /xirschlagen , so  ist  sowoll  die  Erbeinigung  vnnd  Verbrflederung  der 
Pfälzischen  Haiiser  alsz  auch  der  Vicariats  Vergleich  bisz  ad  annniii  1690  in  suspenso 
verbliben.  zu  welcher  Zeit,  als  Ihr  Mayest.  Mayest.  Mayest.  der  Kayser  Leopold,  die 
Keyserin  Thereszia,  der  Köm.  König  Joseph  mit  dem  Pfalzgraf  Philipp  Wilhelmh 
von  Nenbnrg  von  dem  Angspurgischen  Wahltag  nacher  Mönchen  khommen  vnnd  sich 
daselbsten  einige  Täg  aufgehalten,  hochgedacht  er  Hörzog  zu  Pfalz-Neuburg,  alsz 
welchem  zuuor  wie  weltkhüudtig  die  Churpfalz  angefahlen  wäre,  den  Vicariats 
Vergleich  von  Neuem  starckh  zutreiben  angefangen , vnnd  sich  auch  zu  solchem 
Kndte  seiner  Frau  Tochter  der  Kayserin  wie  auch  des  Kaysers  selhsten  hochen 
ioterposition  zu  praevaliren  getrachtet,  also  da,«z  es  damahls  schon  eine  geschechene 
sach  gewesen  wäre,  wann  sich  nit  der  alte  Herr  Gehaimbe  Rhat  Wänipl.  der  zugleich 
Innerer  Archivarins  wäre,  ausz  dem  Innern  Archiv  gewi.ser  Docnmenten  erindert 
hätte,  warin  Ihr.  Kayserl.  Mayest.  mit  liandt  vnderschrifft  vnnd  Insigl  Chur- Bayrn 
wider  Chur- Pfalz  vnnd  dessen  Attentaten  bey  dem  Reichs  Vicariat  aufs  khräfftigst 
zu  manuteniren  versprochen,  deszgleichen  auch  dasz  (3inrrrirstl.  Hochlobl.  Collegium 
gethann,  n.  s.  w. 

«9. 

Bruchstücke  eines  Entwurfes  von  L ebensbildern  baierischer  Herrscher 
von  Otto  IV  von  Wittelsbach  bis  zu  Kaiser  Ludwig  dem  Baier, 
anf  nngebefteten  Bogen  in  Folio  halbbrilchig  geschrieben , so  dass  die  rechte  Spalte 
den  Text  enthält,  in  der  anderen  Verweisungen  auf  die  einschlagenden  Geschichtswerke 

,3€* 


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2S4 


und  thpilweisi-  auch  AufShrungcu  der  Lagerort«  von  namentlich  hertlhrteii  Akten- 
stücken de»  baierischen  Archive«,  ivie  Abänderungen  Plata  geinnden  haben,  während 
solche  weiter  auf  besonderen  Hogen  und  Blättern  wie  kleineren  Ausschnitten  beiliegen, 
im  geheimen  Hauaarchire. 

An  der  .Spitre  des  ersten  Bogens  steht:  Coepi  13"  .lunij  1703  opu».  ijnod 
operatu«  es  in  uobis,  jn  uuniine  SS.  Trinitatis  amen. 

|)ie  Leben.sbilder  selbst  behandeln  Utto  IV  von  WilUdsbacb,  den  nachmaligen 
Herzog  Otto  V,  Ludwig  den  Kelheinier,  Otto  den  Erlauchten,  Heinrich  XIII  von 
Xietlerbaiern,  Ludwig  den  Strengen,  den  Herzog  von  Nieilerliaiern  und  König  von 
l'ngarn  Otto,  woran  .»ich  noch  Ib-ste  l>ezt)glich  der  Wahl  Ludwigs  des  Baiers  zum 
Kaiser  reihen. 

Unter  Ludwig  dem  Kelbeimer  wird  bezüglich  seiner  Ermordung  und  ihres 
muthmasslichen  .Anstifter»  fulgendes  bemerkt;  .41«  aber  uit  lang  darnach  den 
It)  Oktober  1231  herzog  Lndwig  zu  ahendts  nach  der  Tufl  aut  der  Bruckh  hin  vud 
wider  gienge,  wurde  ihm«  von  einem  Meichelmörder,  den  darzue  Heuriens  der  kouig 
«uborniert  hatte,  mit  einem  .Möser  ein  Stoss  in  den  Leib  gebracht,  daryb-r  er 
alsogleich  in  anwe,senheit  seine«  Hofgesindt  zu  Boden  gefnhien  vud  im  .57  Jahr  seines 
alter»  verstorben,  der  Meichlniörder  aber  alsogleich  au  der  [Stell]  von  denen  fürstlichen 
Bedienten  ermordet  worden  ist.  .Sein  leychnam  wurde  nachcr  Scheyru  geliehrt.  vnd 
daseltisten  in  der  fürstl.  begrebnusz  beygelegt.  Adlsrjreiter]  p.  I 1.  23  fol.  .5.50  sagt, 
herzog  Ludwig  habe  .sich  zur  letzt  mit  Keyser  Friderich  zerfahlen,  vnd  seye  derenl- 
halben  durch  einen  von  ihme  erkaufften  Mörder  vf  obbesagte  Weis  vmbs  leben 
gebracht  worden.  Sit  fide»  authori  snb  alio  C|nain  in  titulo  libri  expresso  nomine 
mihi  non  ignoto:  ich  halte  daruor,  es  seye  in  diser  Materi  dem  Pabstl.  Stuell  rill 
zu  ehren  geschriben  vnd  ain  vud  ander»  mit  Stillschweigen  ybergangen  worden. 
Interim  ist  gewisz  vud  viiauimi»  Historicorum  opinio,  dasz  der  innge  König  Hainrich 
seiuein  Herrn  Vattern  nach  dem  reich  vnd  leben  gestöhlt,  vud  derentwegen  comperta 
cansa  vom  reich  vnd  seinem  Herrn  Vattern  ad  perpetuo»  carccre«  verdamet  worden, 
ia  nach  in  Apulien  elendiglich  verstorben  seye.  Oewis«  ist  auch,  rlasz  Herzog  Lud- 
wig desz  iuugen  Königs  obsicht  gehabt  hatte,  vud  gegen  den  Kayser  allzeit  propens'*') 
vnd  diser  Visach  wihlen  von  dem  inugeu  König  so  gar  mit  verhörguug  desz  Laudts 
verfolget  war;  das  also  ich  mit  den  vornehmsten  Historici»  nit  glauben  kan,  da.sz 
Kay.ser  Friderich  aineu  thail  au  diser  Morthat  gehabt,  vud  dises  rmb  souill  weniger, 
alsz  ich  bei  Tolnero  in  Cod.  diplomat.  Palat  n.  197  litteras  consolatorias  a([Uttonem 
illustrem  Bavariae  Ducem  datas  beygetrugkhter'“)  finde,  worinen  er  den  Tot  dises 


1S7J  Am  Bande  steht  noch:  Hatte  auch  der  Kayser  seine  — Hering  Ludwigs  — Uohtcr 
Isahella  zur  Ehe.  u.  s.  w. 

183)  Easdem  exhihet  Petrus  de  Vineis,  lm{jeratoris  Friderici  caacellarius,  L 4.  epiat.  3. 
fol.  Uh. 


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285 


Her/o^eu  Uehsten  bedsurt,  vnd  vuder  andern  expressiouen  dine  Worth  brauchet:  ex 
quo  ^ antecedit«  quod  Ludovicus  Socer  debituin  naturae  exoluerit  tuuto  iiuä 
pungit  doloris  ritus  acerbns,  quanto  per  eius  absentiam,  qu;  genitoris  in  nobis 
otficium  conipensabat,  et  veluti  nontri  pars  magua  consilij  crga  nos  cbaritatis  puteruae 
nun  inipareh  dabat  atfectus,  multa  nobis  decisae  carnis  et  graiidia  incommoda  resvrata 
seutimas.  Veruoi  quia  sic  irreparabiliter  cadere  hominis  est  natura,  non  poena,  et 
morbus  iste  non  est  medicabilis  herbis,  u.  s.  w.  Woraus/,  des  Kaysers  yber  diseo 
Totfabl  geschöptfte  Luid  vnd  seine  gegen  ihne  getragene  hohe  schat/aing  sathsamb 
vnd  mithin  das  widrige  erbeUet. 

Unter  Otto  dem  Krlaucbten  ist  bei  der  Krwiihnnng  seiner  Vermahlung  zu 
iStraubing  in  den  Pfingstteiertagen  des  Jahres  12*25  unter  Anführung  der  Chronik 
des  Nanclerus  auf  die  bekannten  Verse  „zu  Haidlberg  im  .Schlos“  Bexug  genommen; 

(Jtto  der  erst  Pfalzgratf  bei  Ftbein 
Hatt  Pfalzgraf  Hainrichs  Tikhterleiu. 

Mit  Maiiheit  er  es  erfecht: 

Des  Reichs  Churfnrst  blib  sein  geschlecht- 

Der  Verfasser  ist  nicht  genannt.  Eine  Anspielung  auf  «len  Knrf(lrst**n  Maximilian 
Emanuel  als  seinen  Laudesherm  findet  sich  bei  Gelegenheit  der  Erwähnung  der 
Dienste  des  Herzogs  Otto  von  Wittelsbach  für  Kaiser  und  Reich : als  wurden  ihme 
solche  vf  dem  Reichstag  zu  Hegenspurg  durch  das  Herzogthumb  Baym  vergolten, 
vnd  auf  dise  weis  da.s  Geschlecht  von  Wittlspach  vnd  Scheyru,  so  Gott  in  Maximiliauo 
2*^  meinem  derroabl  regiereudt  gnädigisten  Herrn  bestendiglich  erhalten  wolle,  in 
die  fürstlich  dignitet  vnd  Würde,  dessen  sye  von  Pertholdo,  Arnolphi  niali  Brüdern, 
an  232  Jahr  entratheu  miessen,  iure  postlimiuij  restitaiert.  Die  häufige  Anführung 
von  Lagerorleu  der  da  und  dort  einschlagendeu  Archivalien  deutet  darauf  hin , dass 
er  Einsicht  von  denselben  habe  nehmen  können.  Die  Beachtung  der  Schrift  endlich 
fuhrt  darauf,  dass  man  es  mit  einer  Jugendarbeit  des  um  Baiern  und  sein  früheres 
Archiv  so  hochverdienten  nacbnmligeu  Kanzlers  Franz  Joseph  Freiherrn  v.  ünertl 
za  thnu  bat,  in  dessen  zahlreichen  Ahbaudlungen  über  staatsrechtliche  Fragen  von 
besonderer  Wichtigkeit  vielfach  geschichtliche  .Autnhrungen  an  Werk 

erinnern. 


189)  Man  vergl  Winpielsweis«  mit  der  eben  erwähnten  Stelle  bei  Otto  von  WitteUbach  die 
folgende  aus  seiner  im  geheimen  Staatsarchive  vorbamlenen  Oedoctio  historica  praelimiuaria  et  super* 
ficialis  jurinm  I>ucum  llavariae  in  terras  Austriae:  also  dasz  vnm  KaysiT  gegen  Selben  — nämlich 
Heinrich  den  L5wen  — anno  1180  die  Acht  erkennet,  üerzogen  (Hten  von  Wittlspach  s<doer  hoehen 
Verdiensten  wegen  daaz  Herzogthninb  Bavm  anf  dem  Reiehs-Tag  tu  Regeuspurg  verliehen,  vnd  für 
jare  poatliuiinij  restitnicret:  von  welchem  dise  Carolinisebe  linie  von  Zeiten  Bertholdi.  Arnolphi  mall 
Brüdern,  an  232  ganzer  Jahr  ansgeecblossen  wordten. 


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286 


100. 

Beachreibang  der  Herzogen  in  Baiero, 
rrie  ael)>e  auf  einander  gefulget  und  zur  Kegiernug  kommen  sind;  [dann  der 
von  ihnen  eroberten  und  wieder  entri.saenen  Landen.]  anno  508 — 1282. 

So  lautet  — der  in  Klammern  gestellte  Satz  ist  von  anderer  Hand  beigefngt  — 
das  Titelblatt  einer  .\rbeit  von  nur  12  Quartblattern  im  geheimen  Hausarchive,  zum 
Theil  in  eigenthümlicher  Sprechweise  ahgefasst. 

Sie  beginnt:  Nachdeme  die  Herzogen  ans  Bayrn  des  vralteu  .\giIol6ngiscfaen 

Geschlechts  Theodo  1“'  vnd  dessen  Sohn  Theodo  2'“'  vmb  das  Jahr  nach  Christi 
Geliurth  .508  die  Körner , deren  Pothmessigkeit  sieh  bis  an  die  Thoiiau  erstreckhete, 
vbcr  die  Teuf.sche  Gebflrg  veriagt,  hatten  sye  sich  jure  Irellj  in  die  Poasession  aller 
eroberten  Laude  gesezt,  mithin  von  Oessterreich  Steurmarckh  Kärnten  vnd  Tyroll 
Mai.sler  gemacht,  welche  Läiidter  sye  Herzogen  ersagten  Geschlechts  bis  ad  aiinnm 
788  zusammen  280  Jahr  ruehiglich  ingehebt , theila  durch  ihre  Prinzen , theils  aber 
anfge.«ezte  Marchiones  vulgo  .Margrafen  oder  Comites  limitum,  welche  eines  dermahligen 
Vizedonib  gewalt  vnd  earacter  hatten,  regieren  lassen. 

l>ie  Geburt  Karls  des  Grossen  ist  nach  „Carlsburg  in  Bayrn“  gesetzt.  Die 
Vorgänge  unter  Herzzig  Tassilo  II  werden  folgendermaasen  geschililert.  Thassilo 
stund  bei  Carolo  M|ugno|  aiilängs  in  grossen  Gnaden.  Als  er  aber  Nachricht  von 
seine.s  Horm  Vatteni  Todt  liekham.  so  zöge  Kr  in  aller  Stille  ohnne  Abschid  znnemmen 
nach  Haus,  womit  er  Carolum  M[agnum]  sehr  vor  den  Kopf  stüess.  Vermählet« 
sich  hierauf  mit  der  l>angnbnrdischrn  Prinzessin  Lytobtlrga.  Und  weillen  Carolus 
M|aguusJ  seinen  .^chwiger  Valtcr  dethronisirte,  so  riiehete  die  Gemahlin  nit  bis  ave 
ihne  wider  Carolnin  M|agniini]  in  den  Harnisch  gebracht,  da  er  dann  die  Hunnen 
— vmb  Carolo  dessto  mehrer  gewachsen  zusein  — an  sich  vnd  zu  Veld  zöge;  Er 
käme  aber  zu  kurz,  vnd  ward  anno  775  nach  Wormbs  citiert,  wo  er  nit  allein  aufs 
neue  sich  submitiern  sondern  auch  12  vornehme  Herrn  vom  Landt  nebst  seinem 
Prinzen  Theodone  8*  zur  Gaisl  geben  muesate.  Sechs  Jahre  hernach  lainte  Er  sich 
widerumlwu  auf;  doch  (arnlus  MlagnusJ  käme  jhm  geschwind  yberu  Hals  vnd  tribe 
jhne  anno  782  so  in  die  Enge  dass  Er  im  Lager,  wie  die  Histori  meldet,  vmb  V^er- 
zeichuiig  bitten  mueste.  disem  vngeacht  gieuge  Er  Thassilo  aus  verinuethen  Antrih 
seiner  Praiieii  Gemahlin  aV>ernmhleu  mit  gefehrlichen  Anschlägen  schwanger.  Dessent- 
wegen ward  Er  vnd  .sein  .8ohii  anno  788  von  Carolo  M|aguo]  in  das  Closster 
Laurshainib,  dan  seine  Frau  Gemahlin  als  ein  Nonn  verstossen. 

Der  Schluss  liehandelt  Baierns  Verhältnisse  zu  Oesterreich  nach  der  Wahl 
Rudolfs  von  Hahshurg  bis  zum  Jahre  1282.  Zunächst,  wie  König  Ottokar  von 
Böhmen  „vom  Keyser,  sonderhahr  aber  durch  Hilff  Herzogen  Lndovici  Severi  aus 
Bayrn,  welcher  in  diesem  Kri^  mit  einer  grossen  Macht  in  Porsohn  zu  Veld 
stundte,  yberzogen,  vnd  endlich  anno  1278  bei  dem  Stattlein  Markht-Ekh  in 
Oessterreich  erschlagen“  wurde.  Kayser  Kndolph  — wird  dann  fortgefabren  — 


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287 


machte  anfangs  seinen  Sohn  Albertam  zum  keyserlichen  Statthalter  yher  Oesaterreich 
vnd  selben  anhangeudte  Proninzen.  Als  er  aber  nach  der  Haudt  ibme  die  mehrere 
Reicbsfürssteu  durch  Ausheurathoug  seiner  4 erwachsenen  Frauen  Töchter  gewuuen 
batte  f verliehe  Er  anno  1282  auf  einem  zu  Augspurg  gehaltnen  Reichstag  dh^e 
angefablue  Oesaterreich-  Steyr-  vnd  Khärntische  Landt  emaut  seinem  ältisteu  Sohn 
Herzogen  Albrecht:  darwider  beede  Herrn  (iebmeder  Herzog  Ludwig  vnd  Herzog 
Hainrich  aus  Bayru  solemniter  vnd  publice  protestiert,  vorwoudteml  das  die  Landt 
Oessterreich  Steur  Kärnten  vnd  Crän  durch  Ihre  Vorfahrer  aus  der  Römer  w'ie  auch 
der  Wendteu  Hunnen  vnd  anderer  vnglaubigen  Völekher  lländten  mit  Vergatessuug 
Villen  Bluts  erstritten,  vnd  ihnen  hernach  vnnbillicb  wider  alle  Reichs  Constitution, 
so  daiuahls  schon  dfe  Vertrirnerung  der  Fürssteuthum  verhütten,  entzogen  vnd  ver- 
theillet  worden,  mithin  weillen  sye  auch  wider  Ottocarum  zue  Herbeibriuguog  diser 
Landte  das  meriste  getbon,  billicb  vnd  den  Hechten  gemess  were,  nachdeme  sye 
dermahlen  erlediget,  das  sye  dem  Haus  Bayrn  wider  zuegestölt  vnd  niemand  andern 
vom  Reich  verliehen  wurden.  Ob  zwar  nun  die  anwesendt©  Reichs  Ffirssten  der 
Herzogen  habendes  Recht  wohl  erkeneten , waren  sye  doch  vorhinein  schon  von 
Kayser  Rudolph  praeocupirt  vnd  solcher  gestalten  eingenommen  das  sye  ihr  gegebnes 
Worth  dem  Ka3'ser  nit  mehr  zurugg  züehen  könten,  sondern  Herzogen  Ludwig, 
welcher  nach  einer  ad  acta  ybei^ebnen  Protestation  mit  vnwillen  abgeraist,  mit 
einer  andern  grossen  Hoffnung  laetiert  vnd  aligespeist,  woruon  doch  nichts  ad 
etfectum  khommeu  ist. 

Ein  Verfasser  ist  so  wenig  als  bei  der  Num.  99  genannt.  Aber  die  unver- 
kennbare Uebereiustimmung  mit  Auslassungeu  in  den  Arbeiten  des  dort  am  Schluss© 
namhaft  gemachten  Kanzlers  Frauz  Josef  Freiherrn  v.  Unertl  lä^t  kaum  eiuen 
Zweifel  darüber,  dass  auch  diese  kleine  Schrift  von  ihm  stammt. 

101. 

Des  Franz  Peter  Flussing 

kurze  genealogische  Beschreibung  des  durchleuchtigisteu  Chur  Haus  Bayrn, 
vom  Verfasser  ,,iu  vier  Sprachen,  als  Teutsch,  Welsch,  Französisch  und  Spanisch^ 
gefertigt,  dem  Herzoge  Ferdinand  Maria  (Innocenzi  in  Baiern  im  Jahre  1737 


UK>i  Man  vergleiche  beiepielBweiee  zo  der  eben  berührten  Anfubrung  über  die  Belehnung  des 
Herzogs  Albrecht  mit  Oesterreich  u.  s.  w.  wie  die  mnthmaasliche  Ursache  von  desoen  Einfall  in 
Baiern  folgende  Stelle  eben  aus  der  Num.  99:  wt-illcn  henog  Hainrich  mit  seinem  Herrn  bmeder 
Ludwig  dem  Pfalz  «Grafen  in  die  belehnuDg  der  Oesterreicbischen  lande  für  ibne  bertogen  Albrecht 
bei  dem  zu  Augspurg  in  vorhergeheodero  h2****>  Jahr  vorbey  gangenen  Reichstag  nit  eingewiUiget, 
vnd  sich  gegen  die  anweeendte  Chur«  vnd  fürsten  verDehmen  lassen,  wie  dasz  die  laod  Oesterreich 
Steor  Kärndten  vnd  Ciain  durch  ihre  Vorfahren  aus  der  Kön»er  wie  auch  aus  der  Wenden  Hunnen 
vnd  anderer  voglanbiger  Völkher  bänden  mit  Vergiessung  vülen  bluets  erstritten  vnd  ihnen  hernach 
vnbillich  entsoheii  worden,  mithin  billicb  were,  nachdeme  sye  dermahlen  verlediget,  dass  sye  dem 
hane  Bayrn  wider  luegestelt  vnd  niemand  anderen  als  ihnen  vom  Reich  verliehen  wurden. 


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288 


({pwidnifi,  in  einpni  Pappmidpi  Mbande  mit  Ueberaug  von  braunem  Leder  in  Gold- 
presfumg  in  Qmirt.  im  geheimen  Hausarchive. 

Auf  dem  ersten  HIatte  ist  da«  baierische  Wappen  unter  dem  Kurhnte  und 
zwischen  den  Ordensinsignien  in  Farben  dargestellt,  über  welchem  in  einem  Spruch- 
hande  in  lauter  grossen  Buchstalien  die  Worte  „felix  faiistnnique  sit"  angebracht 
sind,  worunter  die  .lahizahl  1737  steht. 

Nach  dem  Titelblalte  und  der  Widmung  beginnt  das  Werk  selbst;  Das  Bayr- 
land  hatte  zu  jeglicher  Zeit  die  l>eruemhteslen  Fürsten  gehallt , daun  wann  man  nit 
reden  will  von  den  Königen  die  in  diesem  I^and  regiert  haben  zwischen  der  Zeit 
des  niuftten  Sacamli  bis  auff  das  neunte;  ans  diesem  henntigen  durchlenchtigisten 
Hans  von  Bayrland  warreu  von  der  Zeit  Othonis  von  Wittelspach,  so  sich  mit 
Agnes,  einer  Erbin  der  Pfaltz  und  des  Bayrland  im  .lahr  122.Ö  in  die  Eheliche 
Verbimlnus  eingelassen,  zwey  Kayser  und  König  aus  Schwaden  Dennemarckh  und 
TJorwegen  kommen,  auch  unterschieilliche  C'hurfOrsten  des  Reichs,  tiratfen  von 
Holland  etc. 

Es  folgt  dann  die  Darstellung  der  tieschichte  auf  l‘.t  Blättern  von  .Adelger, 
hier  Ableger  geschrieben , von  dem  man  glaubt  dass  er  sich  im  Baierlande  um  das 
.Jahr  456  niedergelassen,  bis  zn  den  Kindern  des  Kurfürsten  Maximilian  Emanuel 
aus  seiner  zweiten  Ehe  mit  Therese  Kunigunde,  der  Tochter  des  Polenkönigs  ,Tohann 
III  .Sobiesky;  Maria  Carolina  gelxihren  den  4 .Aug.  169t>,  Carolus  .Allwrtus  Oaietaniis 
gebohren  den  6 .Aug.  IKÜT,  der  henntigen  Tag  glorwürdig  regieret,  Philippus 
Mauritius  gebohren  den  5 Aug.  I(i!l8  und  zu  Rom  gestorben  in  I71i<,  Clemens 
Angustiis  gebohren  den  I.'t  .Aug.  I7t)0,  heuutig  regierender  Chnrfürst  von  Cölln, 
Ferdinand  Maria  — dem  die  Schrift  gewidmet  ist  — gebohren  den  5 -Aug.  1699, 
.lohanu  Theodorus  getaihren  den  3 Sept.  170;4,  Bischoff  von  Freising  und  Regenspurg. 

Hieran  .schliesst  sich  dann  die  französische,  italienische,  spanische  IJebersetzung. 

102. 

Des  .fohaun  Martin  Maximilian  Einzinger  von  Einzing, 
.Inreconsultns , (kunes  Palatinus  Caesareos  ac  Electoralis  Bavsricus,  nec  non 
8.  J.  R.  Notarius  publicus  juratus  et  iminatriculatus. 

chronologische  hihren-Tafel  der  durchlauchtigsten  Königen  Herzogen  und  Chnrlürsten, 
welche  vom  (taribald  oder  (iariwald  1 bis  auf  das  heut  zn  Tage  glorwürdigst  regie- 
rende Churhaus  io  dem  ehemaligen  Königreiche  und  dermaligen  Churfiirstenthnm 
Bajem  Horiret  und  geherrachet  haben , nebst  der  Anzeige  ihrer  Sterbjahren  sowohl 
als  ihrer  Frauen  Gemahlinen,  vielleicht  bei  Gelegenheit  der  Vermählung  des  Kur- 
fürsten Maximilian  III  .losef  im  .lahre  1747  entworfen,  in  breitem  Querfolioformate, 
über  den  Rücken  in  einen  Streifen  farbigen  Papiers  brochirt,  im  geheimen  Hans- 
archive.  , 

Der  oben  bemerkte  Titel  ist  auf  dem  ersten  von  Blondean  in  Tnsche  gefertigten 


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2i*i> 

Blatte  in  Praclursclirifi  zwischen  Draperien  aiisgeföhrt , in  deren  Mitte  oben  das 
Knrwnppen  mit  den  Ordensinsignien  aus  Standarten  hervorragt,  während  unten  links 
die  Gerechtigkeit  und  rechts  ein  geharnischter  Bitter  Wache  halten. 

Die  änsserst  kurz  gefasste  Znsammeustellmig  selbst  beginnt  mit  Garibald  I, 
und  schliosst  unter  der  röniischeu  Num.  "!>  folgenderniasseu : Maximilian  der  3'” 
Joseph,  derraalig  glorwiirdigst  regierender  Chnrfllrst  etc.  Geimihlimi  Maria  Anna 
Sophia,  des  König  August  des  ,3'""  iu  Polen  und  Ohurfürsten  zu  Sachszeii  Prinzessin 
Tochter.  Der  Himmel  verleihe  die.seni  dnrchlauchtig.sten  Khepnar  die  so  erwOnschte 
Khevermählung ! 


103. 

Des  H.  B.  Patrick 

ausführliche  Turormation  von  dem  sogenannten  Cröver-Rcich  an  der  Mosel,  und 
rechtliche  Aussführung  derer  alleinigen  Landes-Herrlichen  Gerechtsamen  beydet 
liochlnrstlichen  Geraeiiis-llerrschafften  der  Hindern  Grafscliafft  Bponfaeini  — Pfaltz- 
Zwcybrfickeu  und  Baaden-Baaden  — in  dcmselltcn,  auch  dass  einem  zeitlichen 
Ertz-Bischolfen  und  Chur-Kursten  zu  Trier  nebst  denen  von  -Alters  hergebrachten 
St.  Peters  oder  des  Ertzstifl'ts  Dieustleuteu , Peterlinge  genant,  nach  dem 
nralteu  Schöffen  - Weiszthnm  alsz  dem  beyderscits  aguosuirteu  regnlativo  ein 
mchreres  nicht  alsz  das  von  der  fainilie  derer  von  Dann  erkantfte  Vogtey-Ambt 
mit  denen  demselben  aiihiiugigeu  in  beröhrtein  Sehöiren-Weiszthum  aus^edrnckten 
Rechten  und  Nutznngen  ciu  hiszher  nsurpirtr-s  Condominimn  territoriale  pro 
una  tertia  aber  keines  wege.s  zu  stehe.  •*') 

Sie  bildet  unter  dieser  Aufpchrifl,  gleich  auf  dem  Titelhlatte  selbst  vou  der 
Hand  des  Pfalz- Zweybrücken '.scheu  Regiernngsrathes  Patrick  mit  der  Bemerkung 
..Zweytes  Concept,  so  hieii  und  wieder  etwas/,  aiigmentirt  und  geändert  worden“ 
versehen , halbhrllchig  geschrieben , mit  zahlreichen  Aenderungen  nnd  weiteren  Ans- 
rdhrungeu  Patrick’s  sowohl  auf  den  leeren  Halbseiten  als  sonst,  etwas  Ober  das  erste 
Drittel  eines  in  Pappendeckel  mit  schmutzig  weisseiii  Papiere  Qberzogenen  (iross- 
foliobandes  im  geheimen  Staatsarchive. 

Zwischen  das  Titelblatt  und  den  Anfang  der  Abhandlung  ist  eine  zu  § 1 der- 
selben gehörige  ..Sivecial  - Cliarte , dos  so  genanic  Croever-  Reich  an  der  Mosell  mit 
einem  theil  des  Oberambts  Tnirbaoh  und  denen  angräntzenden  Trierischen  Aembteren 
vorstellend,  so  viel  davon  znr  Krlüuterung  der  Anszführlicheu  Information  von  dem- 
selben nöthig  befunden  worden“  vom  Jahre  1749  ciugebimde]i. 


l'Jl)  Autan^licli  stand  noett,  ist  aber  durchstrichen  worden:  Sambt  aagefügten  gravaminibaa 
der  SiHjnlieimischen  FünrilicbewGemoins-nerTschafft  gegen  die  Cbur-Trieriscbe  aaffs  hbebst  gestiegene 
Anmasznngen. 

Abb.  d.  111.  (3.  d.  k.  Ak.d.  Wies.  XV.  Bd.  I.  Abih.  »7 


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290 


Das  Werk  selbst  war,  wie  es  »len  Anschein  hat,  ursprünglich  auf  66  §§  berech- 
net , umfasst  jetzt  aber  deren  83 , wovon  gerade  dieser  letzte  ganz  von  der  Hand 
Patrick’s  zugesetzt  ist, 

iJaran  reiht  sich  eine  „Erklärung  derer  in  dem  alten  SchÖffen-Weiszthmnb 
des  Cröver-Reicbs  de  anno  1359  und  Gerichta-Buch  von  1470  bisz  1494  enthalthenen 
alten  und  in  dasziger  Gegend  üblichen  Wörter“  unter  Beifügung  der  je  betreffen- 
den Folien. 

Von  den  sodann  folgenden  Beilagen  bildet  eine  Abschrift  von  dem  „Schöffen- 
Weistum  des  CVover  Reich«,  circa  1355  verfasset“  den  Anfang 

104. 

Des  C r i 8 1 0 p h Jakob  K r e m e r 
zweiter  Abschnitt  der  Geschichte  der  t>raf'<chaft  Sponheim. 

Nach  einem  aus  Gruuihach  vom  3 Jänner  1755  datirten  Briefe  wahrscheinlich  an 
den  Pfalz  - Zweibrücken’schen  Uegiernugsratb  nnd  Archivar  Bachmann  hatte  der 
Verfa.«wer  die  Absicht,  eine  genealogische  Geschichte  der  genannten  Grafschaft  in 
vier  Abschnitten  zu  bearbeiten. 


192)  Nach  dem  mitQberschicktcn  Grun<lri«ac  io  folgender  Mthcilnng: 

Sectio  I 

Von  dem  ältesten  Zustand  derer  Sponlieimischen  Landen  unter  denen  Kölnern  and  Francken. 

Cap.  1. 

Von  denen  Eintbeiton^en  des  DiaseiU  Kbeinischeo  Teatschlands  vor  und  nach  Christi  Geburt, 
and  daher  entstandenen  Volck  derer  TrevfrerD.  woher  nach  lifezeicet  wird,  dass  diese  die  Sponheimische 
Landen  »o  wohl  an  der  Mosel  aU  an  der  Nob  besessen. 

Cap.  2. 

GesebiebUn  der  Trevirern  tu  denen  Zeiten  Julii  Caesaru. 

Cap.  3. 

Forti^setste  Geschichten  derer  Trerirern  nach  des  Julii  Caeaaris  Zeiten  bis  auf  den  Einbruch 
der  Francken  in  Gallien. 

Cap.  4. 

Weitere  Fortsetzung  dieser  Geschichten  unter  den  Frünckisclien  Königen  so  wohl  MeroTlogiseh* 
als  Carolingi sehen  Stamme. 

Cap.  .*». 

Geographische  Beschreibung  dererjenigen  Gauen,  worinneo  die  Sponheim  lachen  Landen  ge- 
legen waren. 

Cap  6. 

Beweis»,  das»  die  Beherrscher  oder  Grafen  dieser  Gauen  »um  Tlieil  »um  Sponbeimischen  Haus» 
gerechnet  werden  können,  als  eine  Fortsetzung  des  4^  Capitels 


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291 


Zunächst  führte  er  hievon  einen  Theil  de«  zweiten  ans,  welchen  er  mit  dem 
erwähnten  Schreiben  dem  darin  bezeichneten  Hej^ierungsruthe  mittheilte.  K«  mus« 
hierauf  eine  Vorlage  au  den  Herzog  Christian  von  Zweibrucken  erfolgt  «ein,  denn 


Cap  7. 

Untcrauchang  der  Frage:  ob  die  Herren  Grafen  von  Sponheim  jemablcn  das  Herttogtbom 
Cirathen  besesaen  and  daselbarten  eine  bexondere  Linie  geatiAet. 

Sectio  II. 

GeDealogiKh'Diplnmatiachc  GeachiclUen  derer  Herren  Grafen  von  Sponheim  vom  XI  bis  in  das  XV 
Saecnlum.  oder  bis  auf  die  Erloocbang  dieses  Hanses. 

Cap.  1. 

Von  denen  Herren  Grafen  von  Sponheim  bi»  anf  die  Abtheilung  in  die  Starckenbarg-  und 
Creatznachische  Linien. 

(.'ap.  2. 

Geschichte  derer  Herren  Grafen  von  Sponheim  CreuUnachUcher  Linien  bis  auf  deren  im  Jahr 
1415  erfolgten  Erlöschung. 

Cap. 

Von  denen  Herren  Grafen  von  Sponheim  aus  der  Starckenburgischen  Linie  bis  auf  das  Jahr 
14d7,  in  welchem  der  SponbeimUehe  Mannsstarmn  erloschen. 

Sectio  III. 

Geachichte  der  Grafschaft  Sponheim  nach  Erlöschung  de«  SponheUniachen  Mannntamui,  und  denen 

darinn  unter  deren  durchlaucbtigaten  BaiUern  bia  auf  gegenwärtige  Zeit  vorgefallenen 
Staatsveränderungen,  so  wohl  in  PoHticis,  al»  Eceleaiasticia. 

Cap.  I. 

Von  dem  wQrckliciien  Anfall  dieser  GrafsebaA  an  das  HochHlrstl.  Baadisebe  und  Gräfl.  Vel* 
den1ii*che  |>o«t  Pfaltzgräfl.  Ilauaz  bej  Rhein  und  durch  den  Bainheimer  Vertrag  errichteten 
Condofuinio. 

Cap.  2. 

Von  den  durch  die  Grahn  Klisabeth  dem  Clturhausz  PfalU  v^rsebaften  ‘/»tcl  der  Vordem 
GrafschaA  Sponheim. 

Cap.  :3. 

Geschichten  der  hintern  und  vordem  Grafschaft  Spt>Dheim  bia  auf  die  Zeiten  der  Simmerlxchen 
Chor>Würde.  so  wohl  in  dem  PfalU.  als  Baa^lischen  Hausz. 

Cap.  4. 

Gesebiebten  der  bintem  Grafschaft  S|M>nheini  nach  der  Siinmerischcn  Cbur-WQrdc,  und  was 
darinnen  so  wohl  in  dem  HoehfQrstl.  PfalU*  iiirckcnfeldiscbcn, als  Badischen  Hau»e  bis  jetzo  vor 
ätaata-Veranderung  vorgefallen. 

Cap.  5. 

Fortgesetzte  Geschichten  der  vordem  Grafschaft  in  dem  PfaUz^Simmerischen  post  Chur-Pfältzi- 
sehen  und  BaadUchen  Ilausz  bis  auf  die  gpgenwärtige  Zeit. 

Sectio  IV. 

Politisch'Geographiscbe  Beschreibung  der  gantzen  so  wohl  hintern  als 
vordem  Grafschaft  Sponheim  nach  ihrem  jetzigen  Zustand. 

* ‘ 37* 


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•i!l2 


es  beM  in  (Ie.<seu  Fint-sclilii^siinfj;  eben  au  Baebnmmi  vom  4.  Februar  IT.'iä:  wird 
der  von  Secretario  Kracmer  ({efertigte  Anfsat*  einer  8]ioulieimi8chen  Historie  mit 
dem  Anfiigen  reinittirt,  dnea  Kr  davon  ins  tielieim  durch  den  Candidatum  Pelzer 
eine  Abschrilft  machen  luszen , so  fort  über  den  Betrag  der  Scbrtdh  (iebiilir 
die  Verzeichmis  tthergeben  soll,  welche  Wir  ans  üueorer  Cubinets-Cassa  zahlen 
lassen  wollen. 

Diese  Abschrift , halbbrflcbig  gefertigt , verwahrt  das  geheime  Staatsarchiv  in 
einem  in  branues  Glanzpapier  brochirten  Foliobande. 

Sein  Hauptlitel  lautet:  Zweyter  Abschnitt  oder  Genealogisch  - Diplomatische 

Geschichte  derer  Herren  Grafen  von  Sponheim  vom  Kilften  bis  in  das  Fünfzehnte 
■Tahrhundert  oder  bis  auf  die  Kriüschung  die.ses  Hauses. 

Das  erste  Ilauptstrick  „von  denen  Herrn  Grafen  von  Siionheim  bis  anl  die 
Abtheilung  in  die  Starckenburg-  und  Crentznaehische  Linien'*’)  besteht  aus  32  §S.  Das 
zweite  „von  denen  Herrn  Grafen  von  8|H>nheim  Creutznachischer  Linie  bis  anf  deren 
ini  .Jahr  1414  erfolgten  Erliwchung“  läuft  bis  § 62  fort,  reicht  aber  nur ‘*‘)  bis 
zum  Grafen  Simon  II  und  dessen  Kinder  etwas  über  die  Mitte  des  14.  Jahrhunderts, 
so  dass  die  Zeit  des  Grafen  W'alram  nicht  mehr  besonders  behandelt  ist. 

Zwei  mit  Verweisungen  auf  die  eiuschlagendeu  §§  dieser  Arbeit  gefertigte 
Stammbäume  auf  je  einem  eigenen  Bogen  liegen  an , der  eine  von  der  Hand 
Pelzer's,  der  andere  von  der  Hand  Kremer's  selbst  mit  Kleistiftabändermigeu 
desselben. 

liabtiii  diese  104  Nuiiiinern  mit  ihren  da  und  dort  eiii- 
gereihten  U n ternum  in  er  n wie  die  in  der  Note  1 (i  der  ersten 
. Abtlieilung  eigens  nufgcfnh  rteii  Tagebücher  den  Vomith  an 
älteren  Arbeiten  zur  liaierischen  und  pialzischen  (ie-sehichte  iin  geheimen 
llaiui-  und  Staatsarcliive  keineswegs  ganz  imd  gar  eracliöpft.  so  ist  docli 
die  Hauptsache  hieraus  zur  Kenntniss  weiterer  Kreise  gebracht,  und  es 
kann  hicmicli  der  Wächter  derselben  sich  wie  bei  jener  ci-sten  Abtheilung 
zur  Zeit  bei  di(«em  llandlangerdieiLste  bescheiden. 

In  di(««r  Hetiehung  hat  der  Verfaw«r  in  dem  oben  berührten  Briefe  bemerkt»  da«  er 
«eine  „Gedanken  ron  dem  ächten  Urs|jiraDg  der  Abtheilang  in  die  ätarckenburg-  nnd  Creutinachieeho 
Linien  wohl  Zehen  Mahl“  knderte:  biax  ich  wie  es  wörtlich  heilst  ^ auf  die  wahre  spur,  und 
damit  in  den  Stand  gekommen  bin.  m xeiiten,  das«  solche  nicht  im  jahr  LKIl  zn  Kutellaon,  sondern 
bereits  mehr  aU  ein  halbes  Jahrhundert  vorher  unter  denen  Söhnen  Grafen  Johann  I von  Sponheim 
und  Starckenburg  geschehen.  Den  Bewein  habe  § 4Ö  und  50  zw.’ir  nur  durch  reraiasionen  auf  den 
verfolg  meiner  abbandlong  gefUhret;  ich  finde  mich  aber  im  Stand»  solchen  so  ausxualellen,  da«  er 
Überzeugend»  und  auszer  allen  Widerspruch  gesatzet  werden  solle. 

104)  Dessbalb  heisit  es  auch  in  dem  bemerkten  Briefe  mit  Bezugnahme  auf  den  da  mitgethoilten 
Grundriss:  das»  das  Qberscbickte  erst  einen  geringen  Tlteil  davon  aus  machet»  und  ohne  Anfang  und 
Tnde  ist. 


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"Beilage. 

Zu  Xuni.  92  Seite  273  — 276.  “ 

Hic  Undigerus  viiacnni  suis  eanouicis  AUiertnin  dictum  Boheiiuini  pro  eo  quia 
romanam  defendebat  ei;clesiam  suis  rebns  expolinuit.  ***)  Ipse  vero  per  totaro 
.^Icmoniam  fit  legatiis  cnm  auctoritate  maxima,  ita  ut  et  facultatem  halwret  deponendi 
arehiepiscopos  et  episcopos  per  i|nadrieunium.  De  )|U0  Saltaeburgensis  cum  ceteris 
episcopis  commoti  -snut,  instantes  vnacnm  ducc  Bauarie,  (piatenus  hoc  iagum  romane 
ecclesie  ab  Alemauia  extcrminaret.  Sed  non  extendebat,  qnia  Imperator  in  excom- 
mnnicatione  *'*)  sordebat.  Kinaliter  tarnen  apnd  castrnm  IVrnstain  apud  quendam 
ministerialcm  suum  cognatum  AVilhelmiim  pro  mille  marcis  nrgenti  venditur.  Sed 
hoc  agnito  nocte  ad  alinm  ca.strnm  Tirbergk  sni  consangninei  profiigit,  et  ibidem 
per  annnm  et  dimiditim  moram  fecit.  In  quo  Castro  fierbergk  dum  se  obsideri  per 
arehiepiscopos  et  episcopos  et  indeuotos  magnates  agnosceret,  Bobeiniam  intranit. 

Vbi  recouciliato  Moguntino,  quem  de  speciali  mandato  pape  depoauerat,  tandera 
per  Senonas  oeenite  Lngdanani , nbi  curia  erat , venit : et  in  Harisins  uix  iiianus 
Frideriei  iinperatoris  amicorum  enasit. 

In  Lngduno  ergo  Albertus  prefatns,  qui  prins  per  electionem  concordem  ad 
decanatiim  patariensem  assuniptus  est,  per  papam  Innocentiiim,  qui  Fridericum 
iinperatorem  deposuerat,  et  alium  eligi  preceperat, '”)  et  electionem  landgranii  Duringie 
rati  habebat,  ordinatur  in  sacerdotein ; ei  decanatuni  confirmat  eundein,  et  siniul  ad 
ecclesiam  in  Weilten  introuisat. 

Qua  spe  fretus  prefatus  .Albertus  arcbidiaconus,  iam  dccanus,  reuerti  ob  com- 
positionem  cnm  nnnciis  Budigeri  coram  papa  factam  nititor  ad  propria  remcare. 


195)  In  der  Uttudeehrirt  steht;  expolistar. 

196)  Ebeadort;  eiterDiiiiacione. 

197)  Ebendort:  percipemt. 


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294 


Per  episcopnni  '“)  patauieuseni  circumuent«»,  cum  sibi  iiigressu«  ad  Pataniam 
dam  foret  inhibilus,"'*)  VVasscrbnrgk  suo  periculo  redieiis  intrare  cngitnr.  Vbi  a 
comite  fvasserhnrgen^i  cum  »nis  traditns  obsidiune  diuturua  ciuctuH  est,  nocte 
qnoqne  omnibns  suis  perditis  fuga  elapsus  *••)  cum  suis  venit  in  Uoheiniam.  Et 
taudem  mi'<ai  sni  ad  Lugdnnnm  siias  iactnrns  sumino  poutifici  Iniioceotio  quarto 
dcplanxernnt. 

IIcc  ita  prosetjiiuluR  sum  , ut  appareat  quam  sit  difficile,  zelum  dei  liabentem 
capita  ecclpRie  apiritnalia  iiednm  auctoritate  Rumnii  poutificis  Rcd  etiam  ex  ratione 
corrigere  atque  moiiere  ut  plus  deo  quam  boniiiiibns  ohediaiit,  sicuti  in  isto  Friderico 
secundo  tirannn  apparuit,  cui  nedum  seculnriuni  principuni  cetua  sed  et  ardiiepisio- 
puruni  et  episcoporum  numorus  copiosus  cnm  presenti  Uudigero  episcopo  etiam  poat 
ipsius  damnatiouem  legittimum  adhesit , et  insidias  de  opposita  oppinione  statuit. 
Et  qnis  qualiaqne  horum  subaequutus  est  tinis? 

Es  folgt  jetzt  die  Erzäblung,  wie  nach  der  Absetzung  des  Kaisers,  die  Papst 
Gregor  X auf  dem  Coucil  zu  Lyon  ausgesprochen , die  KurfQrsten  von  Mainz  und 
Köln  cum  pluribu«  principibus  Kheiii  den  Landgrafen  Heinrich  von  Thüringen  znm 
römischen  Könige  wühlten,  der  alsbald  einen  Hoftag  nach  Frankfurt  am  Main  ans- 
sihrieb;  wie  gegen  ihu  des  Kaisers  Sohn  Konrad,  dem  der  Herzog  von  Baiern  seine 
Tochter  zur  Gattin  gab.  mit  der  er  zn  Vohbnrg  die  Hochzeit  feierte,  in  den  Kampf 
zog;  wie  der  neue  König  dann  feierlichen  Hoflag  zn  Nürnberg  hielt,  und  nach 
Schwaben  zog,  ubi  upere  Sueuorum  VImam  sibi  rebellem  obsedit:  a qua  tarnen  nucte 
recetlit,  et  in  via  apuil  castrnm  proprium  Warttimla'rg  lapsus  de  eqno  post  dies 
paucns  vltiraum  diem  claudit. 

Daran  schliesst  sich  die  Mittheilung,  wie  Herzog  Friedrich  von  Oesterreich  in 
venatione  turpitcr  exitio  datns  est,  und  wie  wenige  Tage  nach  Empfang  dieser 
Nachricht  seine  .Mutter  Theodora  starb. 

Dum  hec  acta  .«unt,  Friderieus  alius  imperator  ad  Lambardiam  se  contulit,  et 
Mediolannni  gloriosa  victoria  snbogit. 

Interea  mittitnr  a latere  dominus  Petrus  Caputius  dyaconns  cardinalis,  qui 
cum  Syfrido  mognntino,  Conrado  coloniensi,  .Arnoldo*'*'}  treuerensi,  Gerharde  bremensi, 
et  cum  multis  aliis  episcopis  Barlwintie  connenientes  apud  villain  Borrench  nouum 
regem  secundo  contra  Fridericum  elignnt,  Wilhelmum  comitem  Holandrie,  admodum 
iuuenem.  Plures  >|Uoque  crncem  assumunt  contra  prefatum  Fridericum  iam  depo- 
situm  tumnltnaniem.  Per  qnos  et  prefntnm  legatnm  Petrum  niaxime  tarnen  Frisoues*“') 


19S)  Ebendort: 

remenre  epiFCopn», 

I9H)  Ebpndort; 

inhnbitus. 

200)  Ebfndort: 

IftpsUS. 

201)  Ebendort: 

ac. 

202)  Ebendort: 

prefatus  lej^atos  Petrus  maxiiue  tarnen  Frisonus. 

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295 


Ac|uisf(raDnm  ob«idione  cingitur;  qua  diutiua  protracia  et  «trage  niultorum  tandeiu 
Aquisgranum  '•*)  aquis  inuudatnr  et  eapilnr.  Qua  capta  prefatus  Wilheinms  per 
legatiim  et  Colonieusem  solemnitcr  coroiiatur. 

Et  ibidem  prefatus  Budigeru«  pataiiiensis  cpiseopus  per  legatum  ad  iu.stantiaui 
«epedicti  Alberti  decani,  quem  deceperat,  et  tractatua  iuter  se  per  snos  nuncios 
Lugduni  per  pupam  factos  irrilanerat,  deponitur  et  de  speciali  maiidato  pape  a suo 
episoopatu  submouetur:  ac  qnicf(uid  per  eam  factum  fuerat  in  irritum  docitur  et 
inordinatum  *"*)  renocatur. 

Et  Couradus  tercins,  filius  ducia  l’olouie,  nepos  regis  Bohemie,  ad  iustuutiaiu 
solius  Alberti  prefati  decani  patauieusis  ecclesie  in  episcopiim  surrogatur  anno 
domini  MCC  xlviiij. 

Hat  tempestate  i’atauia  pluribus  iocommodis  atteritur.  Vnde  quidnm  de 
ea  dicebat : Quid  agis,  misera  PataniaV  Nonne  ceteris  et  poteacia  eiuiuebas  et 
dinitiis?  Qiiomodo  nunc  inculta  recumbi»  et  mendica«!  Non  babes  paiiem  quo 
ventreiu  reficias.  Erjuora  tibi  pro  viuo,  lupides  pro  paue , uubes  tibi  pro  lignis, 
fletus  et  gemitus  pro  tripudio.  Sic  te  fastinanit,  sic  te  irrisil  improbus  Budigerus, 
quem  tibi  in  tutorem  erexeras,  qui  tuum  decalcauit  eaput,  et  ossa  dispersit  per 
deuia  et  triuia  et  veluti  hostis  ad  extreina  deducere.  V’tinaro  hunc  uunquuin 
vidiases!  Vbi  Inorum  canonicorura  gloria,  vbl  niiuisterialium  potentia,  vbi  ciuium 
diuicie,  qui  sibi  statuam  erexerant  vt  eidem  niterentur,  qne  tauieu  suo  casu  omnes 
oppressisset,  nisi  sanctornm  suornni  patrocinio  fnissent  reuelati. 

Couradus,  diii  Polouie,  electus  anno  domini  MCCL,  sedit  Patauie  anno  vno 
mensibu'i  tribus,  Qui  sepe  uomiuato  Alberto  decano  castrum  Bnrbum  cuiu  suis 
comitibus  coutnlit  in  proprietatem , et  in  episcopatu  patauiensi  castrnm  Wildeu- 
stain  et  Wescherstain  cum  villis  et  suis  pcrtiuentiis,’'’*^  ac  mutam  in  l’atania 
Tnacnin  prepositura  Abbatie  et  omnia  beneticia  canouicorum  patauiensium,  suorum 
aduersariomm , liberaliter  contnlit  et  snis  priuilegiis  contirmauit.  Oh  qnod  et 
prefatus  decanus  sibi  Ixvi  marcas  argenti  puri  pro  redditu  sno  in  Poloniam 
mutuauil,*"*)  et  pro  centum  roarcis  anri  se  pro  eodem  Colonie  rädern  coustituit, 
vbi  et  plnribns  niensibus  demoratns  et  amplius  circa  cxr  marcas  argenti  expendit. 
Tandem  vero  per  quendam  prepositum  sancti  Widonis  spirensis  territus  ad 
romanam  curiam  festinantcr  accessit,  et  ambiliouem  eiusdem  prepositi  prudenter 
euacuauit. 


203)  Ebendort: 
2U4)  Ebendort: 

205)  Ebendort: 

206)  Ebendort: 


Äqaisgrani. 

ordinatam. 

pernsijs. 

mntsuit. 


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2!lfi 


Iilem  C'onradus  plettus  post  anni  circuliim  acl  iiiguiu  nmtHmonii  conuolauit. 
cluceua  in  vxoreni  liliam  Jucis  l’olononim  Odowitz,  et  fratrem  sniim  prinio- 
geiiitnin  Wadeslaiini  capiens  portioncm  pateriie  ane  horeditatis  reqoirit.  Quo  deteiito 
et  fratrem  aunm  .secuiido- genitiim  detinet,  ac  per  h(x:  totius  I’olonie  moiiarchiani 
obtinet. 

Et  (]uia  tiregoriua  papu.  audirns  doiiiiiiorum  maguiitini  et  coloniensia  et  alionim 
contra  doniiuum  l’etrmu  Caputium  It^atniii  murniur  pro  eo  quia  aic  occolte  Kiidigeruni 
patauienaeni  de[H>suit,  etatuit  prefatum  in  iuditiuni  euoaindnm  de  conailio  rloniiuoriim 
Cardinaliuni : conmittitur  quotpie  causa  electo  Saltzeburgensi  douiino  Fillippo,  lilio 
ducia  Karintbie,  qui  defuuclo  Eberliardo  Saltzeborgensi  per  caiiouicos  et  ininisteriales 
ecclesie  concorditer  electus  extiterat.  Kt  quia  iuris  {leritiis  uon  erat,  nec  talinm 
assistentia  fortassis  fulcitus , ideo  et  derisioui  patuit  et  totum  negotium  confudit. 
Bed  tarnen  postea  papa,  per  etlictnm  citando  liudigerum  epiacopum,  in  valuis  ecclesie 
sancti  Petri  die  ipaa  dedicationis  eiuedeni  prefatain  causam  releuauit.  Qui  quideiu 
episcopus  dum  in  termino  sibi  prefixo  minime  conpareret,  panliaper  prestolatns,  in 
publico  consistorio  coram  multis  archiepiacopis  et  episcopis,  premisso  themate  ,,homo 
cnm  in  honore  esset,  uon  intellexit“  et  facta  uollatioue  per  dominum  Petrum  Alba- 
nensem  epiacopum  cardinalem,  ab  omni  honore  pontiticatna  et  sacerdotij  iterato 
deponitur,  et  omiiium  aliorum  ordinuni  ofbcio  pro  perpetno  in  fnturo  xiij  kal.  niartij, 
licet  absens  foret,  suspendilnr.  Quicquam  etiam  per  eum  etc. 


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Beiträge  und  Erörterungen 


zur 

(rescMchte  des  deutschen  Eeichs 

iu  den  Jahren  1330 — 13i34:. 


Von 

Dr.  Wilhelm  Preger. 


Abli.  d.  UI.  CI.  d.  k.  Ak.  d.  Wiss.  XV.  Bd.  II.  Ablh. 


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HitiUriwfhfr  Verein  fUr  Sifi»rwrt.  j,^ 

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Beiträge  und  Erörterungen 

zur  Geschichte  des  deutschen  Reichs 

In  den  Jahren  1330 — 1334 

TOD 

Dr.  Wilhelm  Preger. 

Als  Kaiser  Ludwig  ini  Dezember  1329  Italien  verliess,  wo  er  Macht 
und  Ansehen  ebenso  rasch  verloren  wie  zuvor  gewonnen  hatte,  war  dieses 
Land  dem  Ehrgeiz  seiner  (Tewalthal  wr  und  der  Eifereucht  seiner  Parteien 
in  erhöhtem  Masse  jneis  gegeben.  Von  den  Stiidten  blieben  nur  wenige 
dem  Kaiser  treu.  Eine  nach  der  andern  suchte  Frieden  njit  dom  Papste 
und  Befreiung  von  dem  Interdikte.  Aber  darum  fand  der  Pai>st  in  po- 
litischen Dingen  doch  nicht  den  Gehorsam,  den  er  als  Verweser  der 
Reichsgewalt  oder  auch  als  uninittelbaror  Herr  in  An.si>ruch  nahm.  In 
Parma,  Reggio,  Modena,  wo  sein  Legat  der  Herrschaft  sich  bemächtigt 
hatte,  8i»h  sich  dieser  sehr  bald  wieder  durch  die  einheimischen  Parteien 
verdrängt.  Uniiusgesetzt  kämpften  in  Ober-  und  Mittelitalien  die  Gnelfen 
und  Ghibellinen  wider  einander,  oder  suchten  die  Stadtherren  die  Ge- 
walt, welche  sic  an  sich  gerissen,  über  die  Nachbargebiete  auszudehnen. 
Die  Zustände  in  der  Lombardei  waren  im  wesentlichen  die  gleichen,  wie 
sie  nicht  lange  nach  dem  Tode  Heinrich’s  VII.  geherrscht  hatten.  Da- 
mals berichteten  die  jiäpstlichen  Kommi.s.süre  Bernhard  und  Bortraud  an 
.lohann  XXU.  *)  : Nach  allem  was  wir  gehört  und  zum  Teil  selbst  ge- 


1)  Bericht  Tom  18.  Juli  1317.  Tab.  Vatic.  Secr.  lit.  .Von.  I.  T.  I 87  —90.  Es  war  mir 
geftattet,  fQr  ein«n  Teil  der  Torliegouden  Arbeit  Auszug«  aus  zumeist  noch  anbckannteD  Urkunden 
dea  vatikaniscben  Arcbivs  zu  benützen,  nnd  eine  Anzahl  derselben  nach  Erroeaaen  in  den  Beilagen 
drucken  zu  lassen.  Für  diese  freundliche  Erlaubnis  spreche  ich  dem  verehrten  Besitzer  der  Sammlung 
sowie  dem  Verfasser  der  trefflichen  Auszüge  hiemit  den  geziemenden  Dank  aus. 

!• 


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4 


Behen  Iia1>en.  sind  es  die  Tyramien.  welclie,  die  Herrschaft  ülwr  das  Volk 
an  sich  reissend,  den  allgemeinen  Frieden  stören  und  die  Getreuen  der 
Kirche  von  ihren  Ehren  und  Einkünften  verdrängen.  Die  Unterdrückten 
seufzen  in  der  Stille;  es  fehlt  ihnen  aller  Schutz;  die  Gelder])ressungen 
geschehen  mit  Hilfe  der  rohen  und  grausamen  S<")ldnerschaaren,  und  die 
Macht  der  Tyraimen,  die  immer  mehr  Städte  an  sich  reissen,  wächst. 
Filiere  Heiligkeit  veraeihe,  so  schliesst  dieser  Bericht,  aber  sehr  viele 
Kleriker  und  Baien  miünen,  dass  kaum  je  oder  niemals  die  Lomimrdei 
F’riede  halien  werde,  wenn  sie  nicht  ihren  eigenen  König  erhält,  der  seine 
Herrschaft  in  seiner  F'amilie  vereriit  und  einer  barbarisi'hen  Nation  nicht 
angehört.  “ 

Nun  haben  wir  Kunde  von  einer  Bulle,  durch  welche  .lohann  XXII. 
Italien  vom  Kaisertum  und  Reich  clor  Deutschen  getrennt  haben  soll, 
womit  dann  allerdings  der  Weg  zur  Firfüllung  jenes  Wunsches  zum  Teil 
geebnet  gewesen  wäre. 

Die  Bulle  Johanns  XXII.,  welche  Italien  vom  Reiche  trennt. 

Von  dem  Texte  dieser  Bulle  waren  bis  auf  Höfler  nur  die  Anfangs- 
worte. welche  Alberich  von  Rosate '),  und  die  Schlusssätze  oder  die  eigent- 
liche Sentenz,  welche  Nikolaus  Minorita*)  mitteilt,  bekannt.  Höfler’) 
fand  dann  in  einer  Florentiner  Handschrift  den  ganzen  Text,  wie  er  meint. 

Ist  die  Bulle  echt,  d.ann  ist  sie  sicher  nicht  ohne  Fliniluss  auf  die 
Gestaltung  der  politischen  Verhältnisse  geblieben,  wenn  gleich  dieser  Fiin- 
fluss  bis  jetzt  von  denen,  welche  die  Flchtheit  annehmen,  nicht  mit  Sicher- 
heit hat  nachgewiesen  werden  können.  Indes  hätte  sie  auch  schon  als 
eine  der  Thatsachen,  welche  die  Willkür  .lohanns  XXlf.  dem  Reiche 
gegenüber  kennzeichnen,  ihre  geschichtliche  Bedeutung. 

Im  Hinblick  auf  den  durch  Nikolaus  .Minorita  bekannten  Teil  der 
Bulle  hat  Baluzius  die  Flchtheit  bezweifelt , und  auch  Böhmer  hat  sie 

1)  Dictlonariam  Jurin  rtc.  Vt-net.  1672.  S.  unter  [talia  nnd  Pap».  Ine.:  Ne  pra«tereat 
(Text:  praeiftreatur)  cunitideraiitis  intoitum. 

2)  Hei  Boliiner.  Fontes  eie.  IV,  .'*[*9. 

Abhandlungen  d.  K.  Höhni.  OoaelUcli.  der  WinnenscliArten  1H6».  Aon  Avi^nun  S.  40  fT. 


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niclit  unter  den  Regesten  Johanns  verzeichnet,  obwolil  er  jene  Stelle  aus 
Nikolaus  kannte. 

Dagegen  erklären  sich  Höfler,  Riezler  imd  neuerdings  Carl  Müller*) 
für  die  Echtheit  und  zwar  nach  dem  ganzen  Umfang  des  Textes,  wie  er 
durch  Höfler  gefunden  worden  ist. 

Mit  der  Frage  über  die  Echtheit  steht  jene  über  die  Zeit  der  Dulle 
— auch  Höfler  fand  sie  ohne  Datum  — in  enger  Verbindung.  Die 
zuletzt  genannten  Schriftsteller  gehen  hier  weit  auseinander.  Während 
Höfler  sie  in  den  Anfang  der  Regierung  Johanns  setzt,  weisen  sie  Riezler 
und  Müller  dem  Ende  derselben  zu. 

Keine  der  beiden  Fragen  scheint  mir  bis  jetzt  hinreichend  erledigt, 
auch  durch  Müller  nicht , der  sich  am  eingehendsten  damit  beschäftigt 
hat.  Ein  bisher  unl>ekanntes  Schriftstück  unserer  Staatsbibliothek  wird 
dies  herausstellen  und  uns,  wie  ich  hofte,  zu  einer  gesicherteren  Antwort, 
verhelfen. 

Dass  Johann  eine  Bulle  erlassen  habe,  welche  Italien  vom  Reiche 
trennt,  dafür  zeugen  1)  da.s  Frankfurter  Manifest  Kaiser  Ludwigs  vom 
8.  August  1338“),  2)  eine  geheime  Instruktion  des  Kaisern  für  seine 
Roten  in  Avignon  vom  J.  1339  ■*).  3)  eine  Streitschrift  für  Ludwig  aus 
derselben  Zeit  bei  Nikolaus  Minorita,  und  4)  der  italienische  Rechts- 
gelehrte  All)erich  von  Rosate.  welcher  in  seinem  nicht  lange  nach  Lud- 
wigs Tode  vollendeten  Dictionarium  juris  der  Bulle  zwei  Orten 
gedenkt. 

Zu  diesen  bisher  iMjkannten  Zeugnis-sen  kommt  nun  noch  das  unserer 
Münchner  Handschrift  *),  eines  (iutachtens  der  Gelehrten  an  Ludwigs  Hofe, 
durch  welches  der  Kaiser  vor  unvorsichtigen  Verhandlungen  mit  dem 
Papste  gewarnt  werden  soll.  Dies  Zeugnis  ist  insoferne  vor  den  andern 
wichtig,  weil  es  noch  aus  der  Zeit  Johanns  XXII.  selbst  stammt  und  eine 


1)  Die  lit.  Widermach^r  der  Papste  zur  Zeit  Lodwigg  de«  Haiers.  1874.  8.  ff. 

’2)  Der  Kainpf  Ludwigs  des  Daiem  mit  der  röin.  Curie.  Tüb.  S.  ff.  :I7Ö  ff. 
OlfnsehUger»  8ta«Ugeschichte.  Urk.  LXX. 

4)  Bei  Eiezler  a.  a.  0.  S.  :W|. 

5)  Cod-  lat.  Monac.  (‘i*’.  15  sc.)  f.  178  »fiq.  «.  Beilagen  Nr. 


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6 


genauere  Bestimmung  Aber  die  Zeit  der  Bulle  und  mittelbar  auch  über 
die  Echtheit  ermöglicht. 

Die  genannten  Schriftstücke  bezeugen  uns  nicht  bloss  im  allgemoineu, 
dass  Johann  durch  eine  Bulle  Italien  vom  Reiche  getrennt  habe,  sondern 
eines  von  ihnen,  das  von  Nikolaus  mitgotoilte  bringt  auch,  wie  schon 
bemerkt,  die  Schlusssätze  oder  die  eigentliche  Sentenz  der  Bulle,  und  die 
Worte,  mit  w’clchen  in  den  übrigen  der  Inhalt  der  Bulle  angegeben  wiitl, 
zeigen,  dass  die  V'erfasser  die  Sentenz  in  dem  Texte  kennen,  wie  ihn 
Nikolaus  überliefert  hat,  Beziehungen  auf  den  von  Höfler  aufgefundenen 
weiteren  Text  fimlen  sich  in  den  genannten  Zeugnissen  nicht  ’). 

Gegen  die  Echtheit  einer  Bulle  mit  dem  erwähnten  Inhalt  scheint 
nun  zu  sprechen,  dass  derselben  sonst  weder  von  Johann  noch  von  einem 
der  folgenden  Päpste,  soviel  mir  bekannt  ist,  gedacht  wird,  dass  sie  in 
keiner  Sammlung  der  Bullen  Jolianns  sich  findet,  und  dass  Raynald.  dem 
das  päpstliche  Archiv  zur  Verfügimg  stand,  über  sie  schweigt. 

Allein  dieses  Fehlen  mid  Schweigen  könnte  auch  einen  andern  Grund 
hal)en  als  den  der  Unechtheit.  Selbst  bei  solchen,  welche  den  Papst  in 
die  Verwesung  des  Reiches  eintreten  lassen,  wenn  dieses  erle<ligt  ist, 
konnten  Zweifel  entstehen,  ob  dersellw  dann  ein  Recht  habe,  ohne  die 
Zustimmmig  der  Fürsten  Reichsgut  zu  veräussern,  ganze  Länder  vom 
Reiche  zu  trennen.  Diese  Erwägung  war  es  auch  vielleicht,  W'elche  den 
Alberich  von  Rosate,  der  dom  Papste  die  Reichsversvesung  im  genannten 
Falle  zugesteht  ^),  zu  der  Bemerkung  veranlas.st  hat,  Gott  allein  wis.se  es 
ob  der  Papst  zu  einer  solchen  Bulle  ein  Recht  gehabt  habe.  Auf  jeden 
Fall  w'ar  dieser  neue  Eingriff  Johanns  in  die  Rechte  des  Reiclis  geeignet, 


1)  Riezler  und  wie  es  scheint  nach  MQUer  jrUubon,  da.<i9  Alberich  von  Rosate  auch  eineu  Teil 
des  HdHer'schen  Textes  als  den  der  Bulle  gekannt  habe,  den  letzten  AbachuiU  derselben  vor  der 
eilfeotUchen  Senteox.  welcher  mit  den  Worten  be^nnt:  Ke«  praetereat  considerantis  intuitum.  Denn 
Alberich  sa^e,  die  Bulle  habe  mit  den  Worten  bi‘i;onDen:  Ne  praetereat  considerantis  intnitum.  Allein 
wäre  das  nicht  ein  schlimmes  Zeugnis  (ttr  Alberich,  wenn  er  eiaen  mit  Nec  beginnenden  SaU,  dom 
kein  anderes  nec  folgt,  für  den  Anfang  eines  Schriftstückes  hatte  halten  können?  Und  ihm  xutraaen, 
dass  er  ne  für  nee  geleseu,  geht  ebensowenig,  da  auch  hier  die  Konstruktion  dea  Satzes  den  Irrtum 
sofort  aufdecken  musste:  Nec  pretoraat  constderantis  intuitum.  sed  infürmet  adTertentis  auditom*  rccens 
de  facili  memoranda  commissio  Imperatoris  llenrici,  qui  etc. 

2)  Papa  — supplct  defectum  regis  vacant«  regno. 


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dein  Papsttum  auch  unter  solchen  Reichsständen  Gegner  zu  erwecken, 
welche  die  bisherigen  Aniiiassungen  Johanns  sich  hatten  gefallen  lassen. 
Es  könnte  danun  gar  wolil  jenes  nachträgliche  Schweigen  auf  jiäpstlicher 
Seite  auch  nur  ein  kluges  Verschweigen  sein. 

Vielleicht  hat  auch  die  Meinung  des  Raluziu.s  *)  über  die  Bulle  in 
solchen  Rücksichten  ihren  Grund.  Beweise  für  seine  Meinung  bringt  er 
ja  nicht  bei;  denn  wenn  er  auf  etliche  Beisjiiole  mitergeschobener  päpst- 
licher Erlas.se  aus  jener  Zeit  hinweist,  so  ist  das  doch  wolil  kein  Bewei.«. 
dass  auch  unsere  Bulle  untergeschoben  sei. 

Auch  das  macht  die  Bulle  nicht  verdächtig,  dass  sie  mit  einer  ein- 
zigen Ausnahme  in  Schriftstücken  erwähnt  wird,  welche  von  der  kaiser- 
lichen Partei  ausgegangen  sind;  denn  es  ist  selbstverständlich,  dass  man 
da  Anklage  erhebt,  wo  man  Beeinträchtigung  erleidet.  Zudem  ist  die 
Anklage  an  hervorragender  Stelle  erhoben  worden,  in  dem  Frankfurter 
Manifest  Kaiser  Ludwigs.  Wie  kommt  es,  dass  der  Vorwurf  niemals 
von  Avignon  aus  mit  der  Erklärung  zurückgewiesen  wonlen  ist,  dass  die 
Bulle  unecht  sei? 

Aber  wollte  man  auch  gegenüber  den  Zeugnissen  von  kaiserlicher 
Seite  das  Misstrauen  nicht  fallen  lassen,  so  bliebe  doch  immer  noch  das 
Zeugnis  dos  angesehenen  Alberich  von  Rosate,  eines  Rechtslehrers,  der 
zwar  die  Unabhängigkeit  des  Kaisertums  vertritt  aber  darum  doch  nicht 
ein  unbedingter  Anliänger  Luilwigs  ist  *). 

Auch  in  dem  Inhalt  oder  in  der  P’orm  der  Sentenz  liegt  nichts  wa.-* 
gegen  sie  spräche.  Wir  brauchen  gar  nicht  auf  die  Zeiten  vor  Johann 
zurückzugehen;  es  genügt  schon,  an  den  im  Eingang  angeführten  Bericht 
zu  erinnern,  in  welchem  die  päpstlichen  Kommis.säre  dem  Papste  die  Un- 
abhängigkeit des  Königreichs  Italien  als  einen  von  sehr  vielen  Klerikern 
und  Laien  gehegten  Wunsch  nahe  legten.  Warum  hätte  Johann,  leiden- 
schaftlich erregt  gegen  Kaiser  Ludwig,  der  ihn  entthront  hatte,  zu  den 
Schlägen,  die  er  liereits  wider  den  Feind  geführt,  nicht  auch  diesen  neuen 
fügen  kömien? 


1)  Vit»e  Papar.  ArenioD.  I,  704. 

2}  8.  t.  Pap«:  — Joanne«  XXII.  (deposQiti  Ladovienm  de  BaTaria—  — qneni  totem»  licnt  pato, 
oearpatum  est»  nisi  abt  eeaent  (imperatorca)  baeretici»  licet  ipse  Lndovica«  in  mnltia  eicesaerit  contra 
Kclesiam  Romanani,  forte  profoeatns. 


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8 


Und  was  die  sjji-achliche  Fonii  betrifft,  in  welche  die  Sentenz  ge- 
fasst ist  — ich  rede  hier  mir  von  der  Sentenz,  nicht  von  dem  durch 
Höfler  hinzugebrachten  Texte  — so  liegt  auch  in  dieser  nichts,  was  auf- 
fallen könnte.  Sie  ist  dem  Stil  der  Schriftstücke,  wie  sie  um  jene  Zeit 
aus  der  päi«tlichen  Kanzlei  hervorgingen,  durchaus  nicht  unähnlich. 

Liegt  somit  bis  jetzt  kein  hinreichender  Grund  vor,  die  Existenz 
einer  i>äpstliclien  Bulle  mit  der  durch  Nikolaus  Minorita  liekannten  Sen- 
tenz zu  bezweifeln,  so  ist  dagegen  der  Zweifel  um  so  berechtigter,  wenn 
es  sich  mn  die  Frage  handelt,  ob  die  Bulle  mit  jener  Einleitung  uml 
geschichtlichen  Begründung  existiert  halie,  mit  welcher  sie  Höfler  in  einem 
Codex  der  Magliabecchiana  in  Florenz  alischriftlich  gefunden  hat. 

Fürs  erste  fällt  auf,  dass  die.se  Einleitung  mit  ihrer  ganzen  histori- 
schen Darlegung  zu  der  Sentenz  nicht  passt,  welcher  sie  doch  zur  Be- 
gründung dienen  soll.  Man  täusche  sich  oftmals,  so  meint  der  Eingang^ 
und  was  man  anfangs  für  heilsam  erachtet  habe,  da.s  stelle  sich  im  Ver- 
laufe der  Zeit  als  schädlich  heraus.  So  sei  es  auch  mit  dem  Kaisertum. 
Und  nun  würd  eine  Reihe  von  Beispielen  gebracht,  welche  zeigen  sollen, 
wie  schädlich  dieses  der  Kirche  und  der  öffentlichen  Ruhe  gewesen  sei. 
Die  Beispiele,  welche  zum  Teil  sehr  starke  Unrichtigkeiten  enthalten, 
schliessen  mit  Heinrich  VII.,  dessen  Zeit  als  die  „allerjüngste“  bezeichnet 
wird.  Diese  giuize  Reihe  von  Vordersätzen  und  die  Art  wie  sie  urteilen, 
fmxlert  als  Schlusssatz : wir  erklären  da.s  Kaisertum  für  aufgehoben,  und 
statt  dessen  folgt  eine  Sentenz,  welche  da-s  Kaisertum  bestehen  lässt  und 
nur  Italien  vom  Reiche  trennt,  sowie  Deutschland  nach  Frankreich  hin 
schärfer  abgegrenzt  wis.sen  will.  „Wir  machen“,  heisst  es  in  der  Sentenz, 
„Italien  vom  deutschen  Kaisertum  und  Reiche  los,  und  wollen,  dass 
Deutschland  durch  deutliche  und  bestimmte  Grenzen  von  Frankreich  ge- 
■schieden  werde.“ 

Um  die  Lostrennimg  Italiens  zu  begründen,  gab  es  eine  viel  näher- 
liegende Deduktion.  Der  Papst  brauchte  nur  auf  die  Mis.sstäude  hinzu- 
weisen, welche  durch  die  weite  Entfernung  der  deutschen  Herrscher  von 
Italien  in  diesem  Lande  eintraten  und  eintreten  mussten.  Und  diese  Be- 
gründung kommt  nun  auch  in  der  Sentenz  selbst  vor  und  wird  da  als 


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9 


die  vornehmste  Ursache  angeführt,  *)  aber  so,  dass  man  sieht,  sie  müsse 
im  einleitenden  Teile  schon  irgend  wie  erwähnt  sein.  Denn  ein  Sata 
der  Sentenz,  beruft  sich  auf  die  bereit«  angeführten  Gründe  uml  sagt, 
dass  man  andere  nicht  anführen  wolle,  um  Weitläufigkeiten  zu  vermei- 
den. Nun  kommt  aber  in  der  ganzen  Einleitung  des  Höfler'schen  Textes 
von  diesem  Ilauptargumente  keine  Silbe  vor. 

Der  zweite  Umstand,  welcher  diesen  ersten  Teil  der  Bulle  als  ver- 
dächtig ei'scheinen  lässt,  ist,  da.ss  die  geschichtliche  Begründung  mit 
Heinrich  VII.  abschliesst  und  von  dessen  Zeit  als  der  allerjüngsten  ge- 
sprochen wird.  Das  war  es  denn  auch,  was  lIöHer  bestimmto.  die  Bulle 
in  die  ersten  Regierungsjahre  .lohanns  zu  verweisen.  Allein  er  hat  dabei 
nicht  beachtet,  d.ass  dem  Frankfurter  Manifest  zufolge  die  Bulle  „nach 
den  Processen'^  gegen  Ludwig  ei'lassen  ist,  wie  das  schon  Riezler  hervor- 
gehoben hat.*)  AVie  durfte  dann  aljer  jener  historischen  Begründung 
der  Hinweis  auf  Ludwig  den  Baier  fehlen?  Riezlers  Vei'snch,  tien  Mangel 
eines  solchen  Hinweises  damit  zu  erklären,  dass  in  den  Augen  des  Papstes 
Ludwig  weder  König  noch  Kaiser  gewesen  sei,  ist  doch  nur  ein  künst- 
licher. Denn  war  auch  Ludwig  für  den  Papst  ein  Usurjiator,  so  konnte 
ja  selbst  dieser  Umstand  der  Kurie  sehr  gut  zum  Beweise  dienen,  wie 
viel  Schaden  das  Bestehen  der  Kaiserwürde  der  Kirche  gebracht  habe. 

Und  wie  der  Inhalt  der  Einleitung  nicht  zu  dem  Inhalte  der  Sen- 
tenz piissen  will,  so  stimmt  auch  die  Sprache  der  ersteron  nicht  zu 
der  Sprache  der  letzteren.  Auch  Müller  wird  darüber  bedenklich,  glaubt 
aber  die  Sache  damit  erledigt,  das.«  dieser  einleitende  Teil  der  Bulle  fast 
wörtlich  einem  Schreiben  Robert«  von  Neapel  und  seiner  Bundesgenossen 
an  den  Papst  entnommen  sei,  welches  mn  den  Anfang  des  .luni  1334 
verfasst  ist.*)  Allein  das  Plagiat  ist  doch  nicht  so,  dass  es  nur  wörtlich 


1)  — tlwernente?,  q«od  ntjllo  anqatm  tempore  conjung-antor  et  uniantnr ei  eo  precipoe, 

qnod  ««rundem  provincianim  loQifca  diffoMque  proiensio  »ic  coDfandit  et  unlus  rej^oanti« 

jurisdictioflU  et  j^abernationi»  eSectum,  ut  tpitarum  cura^ro)  perplexe  negligat.  et  dum  Iinperatoria 
animos  ad  multa  dividitor,  «d  eiDgul«  per  conaeqoens  ininuatur. 

2)  fmiaper  post  dictos  processos  quasdam  literaa  imb  bulU  sua  dicitur  fecisse  ot  per  niuodum 
public«  transmisisiic,  in  qnibus  as^erit,  se  toUm  Italiain  ab  Jmperio  et  Ke{fno  Alemanniae  soparaas«. 

dj  Es  ist  ein  Verdienst  MüHefSj  auf  dieses  Sebreiben  aufmvrkbam  gemacht  und  es  aog  einer 
Pariser  Handachrift  xom  Abdruck  i^^ebracbt  zu  haben.  Nur  setzt  er  die  Zeit  desselben  etwas  zu  s|tat 
an:  Juni  bis  Juli  1^S4.  J>as  Schreiben  sellnt  gibt  die  n&tin^eti  Merkmale  an  die  Hand;  es  ist 

Abh.d.IIl.Cl.d.k.  Ak.d.  Wis».  XV.  Bd.  llÄbtb.  2 


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herübergenommen  wäre.  Eb  sind  vielmehr  Aenderungen  in  der  Form 
vorgenonmien,  welche  auf  derselben  Linie  liegen,  wie  die  rhetorischen 
Wendungen  im  Schreiben  Roberts,  nur  dass  sie  diesellien  noch  überbieten. 
Wir  dürfen  also  gar  wohl  von  einem  eigenen  Stil  dessen  reden,  der  den 
ersten  Teil  geschneiten  hat,  und  da  will  denn  diese  gesuchte  Künstlich- 
keit, mit  der*man  z.  B.  die  gleiche  Anmutung:  dass  man  beachten  möge, 
in  immer  neuen  Wendungen  wechseln  lä.sst,')  da  will  diese  rhetorische 
Häufung  der  Anapher,  kurz  diese  ganze  rednerische  Geziertheit  zu  dem 
zwar  auch  nichts  weniger  als  guten,  aber  immerhin  weit  nüchterneren 
mul  treffenderen  Ausdruck  in  der  Sentenz  wie  in  den  sonstigen  Erlassen 
Johanns  in  keiner  Weise  pas-sen. 

Ich  habe  diesen  Höüer'schen  Text  der  Bulle  ein  Plagiat  aus  dem 
Schreiben  Roberts  vom  J.  1334  genannt,  wiewohl  der  geschichtliche 
Nachweis  für  die  Schädlichkeit  der  Kaiserwürde  in  diesem  Schreiben 
selbst  nur  wieder,  wie  Müller  bemerkt  hat,  ein  Inserat  aus  einem  älteren 
Schreiben  vom  Jahre  1313*)  ist,  in  welchem  derselbe  König  seinen  Ge- 
sandten Weisungen  gibt,  wie  sie  bei  Klemens  V.,  dem  Vorgänger  Johanns, 
darauf  dringen  sollen,  dass  er  die  durch  die  delegierten  Kardinale  voll- 
zogene Krönung  Heinrichs  Vll.  zum  Kaiser  für  ungültig  erkläre.  Die  Be- 
weisführung in  der  Bulle  könnte  also  auch  insofeme  nur  jenes  ältere 


TerfiKst,  hU  Parma  and  Re^jrio  zugleich  von  der  Liga  bedroht  waren  tind  die  Katastrophe  ror  Parma 
am  7.  Juni  noch  nicht  eingetreten  war:  also  in  der  Zeit  nach  dem  L Mai  und  vor  dem  7.  Jani. 
Yergl.  iro  Schreiben  a.  a.  0.  8.  402  mit  Pöppelmann,  Johann  r.  Böhmen  in  Italien,  Arch.  f.  öeterr. 
OeMhichte  Bd.  35,  242—24^1. 

1)  Hier  einige  Satze  inr  Vergleiehnng: 

Schreiben  Roberts  t.  J.  I3;t4:  Ecce  qnid  Jalianos  ireperator  fecerit  etc.  Balle: 

Attendat  mo<lcma  eonspectio,  qoid  JoUanns  etc. 

Schreiben  Roberts:  qaid  JuUanoa  inip.  fecerit,  qai  perHecatus  est  sanctoe  catbolicos 
christianos  naqae  ad  stragis  excidiam  et  ecclcsiaro  ipeam  taeeit  etc.  Bnllo:  qoid  Jaltanos 
eidem  eecleeiae  taedii  et  peraecutionia  intnlerit,  qaid  ortbodoiii  asqoe  ad  stragis  excidiam 
irrogmverit  etc. 

Schreiben  R. : Eeee  qoid  Valerioe  Imperator  fecerit  etc  Balle:  Arertat  diiqnirentis 

injnriam,  qaod  Valerias  Imperator  etc. 

Schreiben  K. : Attandator  eclam,  qoid  Pelagias  Broto  commiserit  etc.  Bulle:  Coosi- 

deret  diligentis  attentio,  quid  Pelagios  Bruto  portaverit  etc. 

Schreiben  R.;  Ncc  omittat  memoria,  qaid  Leo  imporator  egerit  eie.  Bolle:  Nec  in 
abscondito  maneat  amara  recensio  Leonis  AngUfti  etc. 

2»  Bei  Bonaini,  Acta  Henrici  VII.  I,  233  ff.  Die  Urkunde  gehört  dem  J.  1313  aOf  nicht  dem 
J.  1312,  wie  Bonaini  annimmt,  denn  sie  setxt  die  Exkommunikation  Heinrichs  Vll.  voraus,  s.  a a.  0.  235* 


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11 


Schreiben  Roberte  zur  Voraussetzung  haben.  Doch  ist  dies  nicht  der  Fall ; 
denn  die  Bulle  enthält  auch  Sätze,  welche  wohl  im  Schreiben  Roberts  vom 
Jahre  1334,  aber  nicht  in  jenem  älteren  stehen.  Aber  ist  nicht  noch  ein 
Anderes  möglich?  Könnte  das  Besondere,  welches  die  Bulle  mit  dem 
zweiten  Schreiben  Roberts  gemein  hat,  nicht  auch  so  sich  erklären,  dikss 
letzteres  aus  der  Bulle  geschöpft  hätte?  Ein  Umstand  macht  diese 
Annahme  geradezu  unmöglich.  Es  ist  der,  dass  im  Schreiben  Roberts 
der  Bulle  nicht  gedacht  wird.  Müller  selbst  hat  dies  hervorgehoben, 
um  zu  beweisen , dass  die  Bulle  später  als  das  tichreiben  Roberts  sein 
müsse.  In  der  That,  wie  konnte  Robert.  Erwägungen  als  seine  eigenen 
dem  Pa|wte  vorlegen,  wenn  diese  Erwägungen  bereits  in  einer  Bulle  des- 
selben Papstes  standen?  wie  konnte  Robert  für  eine  Meinung  bei  Johann 
werben,  olme  zu  erwähnen  und  sich  darauf  zu  berufen,  dass  damit  ja  nur 
Johanns  eigene  durch  die  Bulle  sanktionirte  Meinung  vertreten  werde? 
Es  ist  darum  ganz  immöglich,  die  Bulle  früher  als  das  zweite  Schreiben 
Roberts  zu  setzen.  Dieses  aber  ist  um  den  .\nfang  des  Juni  1334  verfasst. 
Der  Papst  ist  am  4.  Dezember  1334  gestorben.  War  nun  der  durch  Höher 
hinzugefundene  Text  ein  Bestandteil  der  Bulle,  dann  kann  diese  nur  zwi- 
schen Juni  und  Dezember  1334  erlassen  sein,  wie  sie  denn  auch  Müller 
in  den  August  setzt 

Wie  nun  aber,  wenn  die  Bulle  doch  älter  wäre,  als  das  Schreiben 
Roberts  vom  Juni  1334?  Was  würde  daraus  folgen?  Dass  die  geschicht- 
liche Darlegung  von  der  Schädlichkeit  des  Kaisertums  nicht  in  der 
Bulle  gestanden  haben  kann.  Denn  derselbe  Grund,  dass  in  dem  Schrei- 
ben Roberts  dieser  historischen  Darlegung  nicht  gedacht  ist,  kann  mit 
gleicher  Kraft  beides  beweisen:  entweder  dass  die  Bulle  später  ist  oder,  • 
wenn  sie  nicht  später  ist  — dass  ihre  geschichtliche  Beweisführung 
später,  mit  andern  Worten  — dass  diese  letztere  unecht  ist. 

Nun  ist  aber  in  der  That  die  Bulle  älter.  Es  wird  sich  das  zeigen, 
wenn  wir  das  mehrerwähnte  Schriftstück  unserer  Münchner  Handschrift 
näher  betrachten. 

Weil  man,  so  beginnen  die  Gelehrten  ihre  Warnung  an  Kaiser  Lud- 
wig, mit  Gottlosen  keine  Gemeinschaft  haben  dürfe,  so  müsse  sich  der 
Kaiser  aufs  äusserste  hüten,  mit  Jakob  von  Cahore  — mit  diesem  seinem 
früheren  Namen  wird  Johann  von  den  Gegnern  meist  bezeichnet  — in 

2* 


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irKemi  eine  V'erhaiulhing  zu  treten  lievor  «lieser  seine  verderblichen  Irr- 
tOnier  widerrufen  und  auf  alle  Hechte  über  das  Reich , welche  er  sich 
auinasse,  verzichtet  habe.  Denn  nwche  Ludwig  auf  andere  Weise  Frie- 
den. sei  es  auf  das  Zureden  solcher,  welche  aus  ungetreuem  Herzen  dazu 
raten,  oder  solcher,  welche  weder  die  Schrift  noch  die  Geschichte  ken- 
nen, so  würden  Kaiser  und  Reich  die  schwerste  Schädigung  erleiden. 
Nachdem  <lann  die  Selliständigkeit  des  Reiches  und  ilie  Unabhängigkeit 
der  Wahl  und  Krönung  seines  Oberhau|)teK  zum  König  und  Kaiser  dar- 
gelegt ist,  wird  auf  die  verschiedenen  Prätensionen  des  Papstes  überge- 
gangen und  dabei  erwähnt: 

Unde  et  audivimus,  quod  quendam  fecit  libellum,  quem  decretalem 
ap]>ellat,  in  quo  asserit,  se  provinciam  Ttaliae  ab  imporio  et  regno 
Alemanniae  sej)arasse. 

Nachdem  die  Unzukömmlichkeiten,  welche  aus  den  Ansprüchen  des 
Papstes  auf  die  oberste  Gewalt  in  weltlichen  Dingen  sich  ergeben,  in 
langer  Reihe  angeführt  sind,  heisst  es  am  Schlüsse:  Möge  darum  der 

Kaiser  bis  zum  Tode  für  die  gerechte  Sache  einstehen,  nicht  bloss  mit 
ämsserlichen  sondern  auch  mit  geistigen  Watfen,  die  ihm  seine  Gelehrten 
in  Menge  darbieten  können.  Jetzt  freilich  ist  die  Gerechtigkeit  zum 
Spott  geworden,  weil  den  Gelehrten,  die  sie  gerne  darlegen  möchten, 
dies  auf  keine  Wei.se  gestattet  ist.  weshalb  es  auch  nicht  wunder  nehmen 
darf,  wenn  viele  dafür  halten,  dass  die  Gelehrten  dem  Kaiser  von  keinem 
Nutzen  seien,  gleichwie  auch  die  tapfersten  Soldaten  in  der  Schlacht 
als  lumütz  erscheinen,  wenn  sie  das  Schwert  nicht  zücken  dürfen. 

Aus  den  mitgeteilton  Stellen  geht  hervor,  dass  das  Gutachten  der 
• Gelehrten  in  den  Jahren  1330 — 1334  verfasst  sein  müsse,  denn  in  diese 
Jahre  fallen  die  Unterhandlungen  des  Kaisers  mit  dem  Pajiste  Johann. 
Die  Versuche  mit  Johann  zu  unterhandeln  enden  aber  im  Juni  1334; 
denn  aus  der  späteren  Zeit  bis  zum  Tode  des  Papstes  ist  uns  nur  noch 
von  den  Remühimgen  Ludwigs  berichtet,  in  Verbindung  mit  ('äsena, 
Occam  und  Bonagratia  ein  allgemeines  Konzil  gegen  Johann  zu  Iwrufen, 
das  diesen  stürzen  soll.  Wir  dürfen  aber  nmi  gleich  den  Grenzstein  für 
unser  Gutachten  noch  weiter,  vom  Juni  1334  auf  den  November  1333 
ziu-ücksetzen ; denn  die  Verhandlungen  Johanns  von  Böhmen  mit  dem 
Papste  für  Ludwig,  welche  im  Juni  1334  enden,  beginnen  spätestens  um 


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den  Noveinl>er  1333;  sehr  wahrscheinlich  aber  schon  früher.')  Unser 
Gutachten  aber  spricht  von  Verhandlungen,  welche  erst  beginnen  sollen. 
Ein  anderes  Merkmal  kann  uns  diese  nähere  Abgrenzung  nur  bestätigen. 
Wir  sehen  aus  den  mitgeteilten  Schlusssätzen  des  Gutachtens,  dass  es 
verfasst  ist  zu  einer  Zeit,  da  den  Gelehrten  das  Schreiben  wider  den 
Paysst  vom  Kaiser  verboten  war.  Nun  wissen  wir  aber,  dass  sicher  in 
der  ersten  Hälfte  des  Jahres  1334,*)  sehr  wahrscheinlich  aber  auch  schon 
im  Jahre  1333,  die  Theologen  an  Ludwigs  Hofe  den  Payrst  wegen  seiner 
Lehre  de  visione  beatifica  auf  das  eifrigste  bekämpft  haben,  wie  denn 
unter  andern  der  Kaiser  selbst  im  Juni  1334  eine  Schrift  Bonagratiaa, 
welche  wegen  der  genannten  Lehre  des  Papstes  an  ein  allgerneines  Konzil 
appelliert,  mit  grossem  Beifall  aufnimmt  und  zur  Förderung  seines  Planes, 
Johann  durch  ein  Konzil  zu  stürzen,  kopieren  lässt.*) 

Auch  nach  der  andenn  Seite  hin  werden  durch  das  eben  genannte 
Merkmal  unseres  Gutachtens  die  Grenzen  verengert.  Denn  seit  die 
ininoritischen  Feinde  des  Paj)stes  mit  Lndwig  sich  verbunden  hatten,  bis  zur 
Mitte  des  Jahres  1330  beweist  eine  Anzahl  von  Schriften  derselben,  und 
der  Umstand,  dass  der  Kaiser  selbst  für  die  Verbreitung  ihrer  öffentlich 
erhobenen  Anklagen  sorgte,*)  dass  das  Gutachten  erst  nach  dieser  Zeit 
entstanden  sein  müsse. 

Somit  blieben  uns  von  den  Verhandlungen,  auf  welche  sich  unser 
Gutachten  beziehen  könnte,  nur  diejenigen  übrig,  welche  in  die  Jahre 
1331,  1332  und  1333  fallen.  Nehmen  wir  nun,  um  unter  diesen  die 


1)  S.  Urk.  JohADUs  t.  6.  Dei.  bei  W<«ch,  Kainer  Ladwifi*  d.  B.  u.  Job  t.  Böhmen 

8.  llü,  and  die  Urkunde,  welche  Heinrich  von  Niederboiern  am  7.  an  Philipp  von  Frank- 

reich  aasstclU,  bei  Böhmer,  Act  Imp  sei.  Vergl.  die  Erörterang  am  Schlosse  dieser  Abhanülung. 

2)  Am  8.  Jan.  13H4  protestirte  Johann  in  einem  Konsistorium  gegen  den  Vorwurf,  dass  er  in 
der  Fmgo  de  vkiono  beatifica  eine  Determination  gegeben,  zu  welcher  Protestation  Bonagratia  einen 
ne  widerlegenden  Kommentar  schrieb,  vgl.  Ba/n.  nr.  2B  u 31.  Diesen  Traktat  wQnscfate  Kardinal 
Orsini  im  Jnli  nach  Avignon  geschickt  r.u  sehen,  vgl.  den  Bericht  de*  kau.  ünterliindlera  Walter  bei 
Höfler  a.  a.  0-  S.  12. 

3)  8.  d.  Brief  des  Minoritenbroders  Walter  b.  Uö&ei,  a.  a.  0.  S.  11.  Die  Appellationsschrift 
Bonagratias  ist  vielleicht  der  von  Kaynald  (s,  vor.  Annierk.)  erwähnt«  Kommentar. 

4)  ZoleUt  noch  in  einem  Schreiben  an  die  Stadt  Aachen  vom  12.  Joni  1«I30,  (wahrscheinlicb, 
wie  Böhmer  vermuthet,  ein  Rondschreibea)  bei  Quix,  Geschichte  der  Stadt  Aachen.  Urk.  305.  Die 
Anklagen  sind,  wio  ich  weiter  unten  zeigen  werde,  einer  an  den  Kaiser  und  die  mit  ihm  tagenden 
Fürsten  gerichteten  Schrift  Cöseuas  entnommen. 


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richtige  zu  hnden,  von  neuem  das  Gutachten  selbst  zu  Hilfe,  so  geht 
aus  der  Art,  wie  Ludwig  vor  Unterhandlungen  mit  dem  Papste  gewarnt 
wird,  hervor,  dass  diese  Unterhandlungen  für  die  Gelehrten  etwas  neues 
sind,  etwas  von  dem  sie  zum  erstenmal  hören.  Sie  warnen  nicht  vor 
„abermaligen“  Unterhandlungen  mit  dem  Papste;  sie  begründen 
nicht  ihre  Meinung,  dass  der  Papst  erst  seine  Häresie  von  der  höchsten 
Gewalt  über  die  irdischen  Reiche  zuvor  müsse  widerrufen  haben,  damit, 
dass  frühere  Verhandlungen  eben  an  dieser  Prätension  des  Papstes 
gescheitert  seien,  — eine  Berufung,  die  sicher  nicht  fehlen  würde  in 
dieser  Schrift,  in  der  sie  sich  kaum  genug  thun  können  in  der  Zusam- 
menstellung von  Gründen,  welche  gegen  eine  unvorsichtige  Verhandlung 
sprechen  — sondern  es  ist  durchaus  wie  in  der  Einleitung  so  auch  im 
ganzen  Gutachten  von  einem  Schritte  die  Rede,  wie  ihn  der  Kaiser  bis- 
her nicht  gethan  hat.  Nun  fallen  die  ersten  Versöhnungsversuche,  welche 
für  Ludwig  in  Avignon  gemacht  wurden,  zwar  vor  den  Juni  1330;  allein 
das  waren  Versölmungsversuche,  welche  durch  andere  Fürsten  für  Lud- 
wig gemacht  wurden,  und  von  denen  nach  unserem  Gutachten  angenom- 
men werden  muss  und  auch  kann,  dass  sie  den  Gelehrten  unbekannt 
geblieben  waren.  Zudem  geht  der  Brief  Christophs')  vou  Däuemark  an 
die  Kardinale  über  die  Mahnung  zum  Frieden  nicht  hinaus,  und  was  die 
beabsichtigte  Reise  Wilhelms  von  Holland  nach  Avignon  im  März  1330 
betrift't,  so  ist  überhaupt  sehr  fraglich,  ob  diese  den  genannten  Zweck 
gehabt  habe.  Aber  auch  von  dem  Schreiben,  welches  Johann  von  Böh- 
men in  Verbindung  mit  Balduin  von  Trier  und  Otto  von  Oesterreich  am 
24.  Mai  desselben  Jahres  mit  Zustimmung  Ludwigs  an  den  Papst  richtete, 
ist  aus  verschiotlonen  Gründen  anzunohmen,  tla-ss  die  Minoriten  in  Mün- 
chen nichts  davon  erfahren  haben.  Schon  die  oben  berührte  und  noch 


1)  S.  B«iU|?e  nr.  28  Müller  »etzt  nAch  einem  spateren  He^t  diesen  Brief  in  das  Jahr 
18^10.  Allein  die  Urkunde  im  k.  Hausarchiv  hat  nur  dss  Datmu  des  2.  Januar,  aber  keine 
Jahresanf^be.  Auf  der  Kehrseite  befindet  sieb  die  Bemerkung  eines  spatereu  Archivars:  Anno, 
ut  puto,  ViSO.  Paranf  beruht  wabracheinlich  die  Anfrabe  des  liegest« , welches  aus  dem  18.  Jahr- 
bändert  stammt.  Ich  verniate  nach  dem,  dau  Ludwig  in  dem  Schreiben  nur  rez  Romanorum  ge- 
nannt ist  und  nach  dem  übrigen  Inhalt,  dass  es  io  die  Zeit  vor  der  Kaiserkrünung  gehört.  Kine 
Konzession  an  den  Papet,  wie  Müller  meint,  kann  das  Weglassen  des  Kalsertitels  nicht  sein,  da  sonst 
auch  das  rez  Romanorum  hätte  wegbleiben  müssen. 


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15 


näher  zu  erörternde  Schrift’,)  mit  welcher  sich  in  eben  dieser  Zeit  Cäsena 
an  den  Kaiser  wendet,  und  in  welcher  sich  von  Befürchtungen,  dass  man 
unterhandeln  möge,  keine  Spur  zeigt,  genügt  zum  Beweise. 

Anders  verhält  es  sich  mit  den  Unterhandlungen,  für  welche  Lud- 
wig seine  Vollmacht  am  14.  Oktober  1331  ausstellte.  Hier  ist  es  der 
Kaiser  selbst,  welcher  seine  Boten  in  Avignon  unterhandeln  lasst.  Ehe 
er  diese  sendet,  hat  er  durch  Abgesandte  die  Stimmung  in  Avignon 
erkunden  lassen.  Es  sind  des  Kaisers  eigene  Sekretäre  Arnold  Minnebeck 
und  Ulrich  Hofinair,*)  welche  nach  Avignon  reisen.  Auch  die  Instruktion 
für  sie  lässt  keinen  Zweifel,  dass  der  Kaiser  aus  diesen  Verhandlungen  kein 
Geheimnis  gemacht  wissen  wollte.  Nur  diese  also  können  es  sein,  deren 
Vorgeschichte  die  Gelehrten  an  Ludwigs  Hofe  in  Unruhe  versetzt  und  in 
Bezug  auf  welche  sie  unser  Gutachten  verfassten.  Es  kann  nur  zur  Be- 
stätigung dienen,  dass  wir  die  richtige  Zeit  für  das  Gutachten  gefunden 
haben,  wenn  in  dem  Schreiben,  das  Kaiser  Ludwig  seinen  beiden  Boten 
an  den  Papst  initgibt,  von  der  Geneigtheit  die  Bede  ist,  welche  der  Papst 
zu  diesen  Unterhandlungen  habe,  >ind  wenn  dem  entsprechend  auch  das 
Gutachten  davon  zu  reden  weiss,  dass  der  Papst  die  Unterhandlungen 
wünsche.  Von  den  Unterhandlungen,  welche  Johann  von  Böhmen  und 
Philipp  von  Frankreich  in  den  J.  1333 — 1334  in  Betreff  der  Verzicht- 
leistung  Ludwigs  auf  das  Beich  bei  der  Kurie  führten,  wissen  wir,  dass 
Ludwig  es  dabei  vermieil  sich  selbst  an  die  Kurie  zu  wenden,  und  dass 
der  Papst  sich  lange  Zeit  abwehrend  gegen  die  Bemühungen  Johanns  von 
Böhmen  imd  Albrechts  von  Oesterreich  verhielt.  Aber  auch  abgesehen 
davon,  so  gilt  für  diese  letztgenannte  Unterhandlung,  wie  für  die  allein 
noch  in  Frage  kommende,  für  welche  Ludwig  um  die  Wende  des  Jahres 
1332  die  Grafen  von  Oettingen  und  Hals  aboi-dnete,  dass  sie  auf  Verhand- 
lungen Ludwigs  folgten,  welche  gescheitert  waren,  weshalb  mit  ihnen 
unser  Gutachten,  das  von  einem  Scheitern  bisheriger  Verhandlungen 
nichts  weiss,  nicht  verknüpft  werden  kann. 

Fällt  somit  das  Gutachten,  wie  als  sicher  angenommen  werden  darf, 
in  die  Zeit  der  Vorgeschichte  der  Gesandtschaft  vom  14.  Oktober  1331, 


J)  Sieh«*  S.  Kl  Anm.  4. 

2)  Uofmair  ond  nicht  Hofmann,  wie  Gewold  und  Müller  haben,  steht  in  der  ürkande  des 
Mftochner  HaasarchiTs. 


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16 


dann  iiiuwj  die  Bulle,  deren  die  Gelehrten  im  Grutachten  gedenken,  in 
der  ersten  Zeit  des  Jahres  1331  erlassen  sein.  Denn  früher  sie  zu  setzen 
verbietet  die  Angabe  des  Frankfurter  Manifests,  der  zufolge  sie  nach 
den  Prozessen  gegen  Ludwig,  deren  letzter  in  den  Januar  1331  fallt, 
erlassen  ist  Ist  somit  die  Bulle  auf  alle  Fälle  vor  dem  Schreiben 
Uoberts  vom  Juni  1334  verfasst,  und  gedenkt  Uobert  bei  seiner  ge- 
schichtlichen Darlegung  dessen  nicht,  dass  er  damit  nur  des  Papstes 
eigene  Woi-te  wiedergebe,  so  ist  damit  die  Unechtheit  des  Höfler’schen 
Teils  der  Bulle  erwiesen;  denn  es  ist,  wie  schon  gesagt,  undenkbar,  dass 
das  Schreiben  die  Gründe,  welche  gegen  den  Fortbestand  des  Kaisertums 
sprechen,  mit  den  eigenen  '\Vort«>n  des  Papstes  hätte  anführen  können, 
ohne  daran  zu  erinnern,  da.ss  es  des  Pa}>stes  eigene  vor  der  Welt  erklärte 
Meinung  sei,  die  man  hier  ausspreche.  Auf  die  echte  Bulle  aber  sieh 
zu  berufen,  die  nicht  ilas  Kaisertum  aufhob,  sondern  Italien  vom  Reiche 
trennte,  lag  für  Kotert  kein  Anlass  vor,  vielmehr  aber  Grund  davon  zu 
schweigen,  weim  durch  diese  Bulle  einem  fremden  Füi'sten,  wie  .sich 
zeigen  wird,  der  Wog  zur  Krone  von  Italien  geebnet  werden  sollte. 

Mit  unserem  nUlu'ren  Nachweise  aber,  dass  die  Bulle  der  ernten 
Zeit  des  Jahres  1331  angehöre,  fällt  nun  auch  dahin,  wji.h  llöfler 
und  Müller  über  ihr  Verhältnis  zu  der  Goschichfo  des  Kamjifes  zwischen 
Ludwig  und  dem  Pajiste  sagen.  .Sie  ist  dann  weder  nach  Ihitler  da.s 
Programm,  nach  welchem  sich  der  Pujxst  in  seinem  Verh.alten  gegen 
Ludwig  durch  die  -ganze  Dauer  seiner  Regierung  bestimmen  lässt,  noch 
ist  sie  der  Schlussstein  in  der  Politik  Johanns  XXII.  gewesen,  wie  Müller 
naehzuweisen  versucht  hat. 

Wir  werden  vielmehr  einen  m'sächlichcn  Zusammenhang  mit  den 
Versuchen,  welche  Philipp  von  Frankreich  iin  J.  1330  bei  dem  Papst 
machte,  für  seinen  Bruder  Karl  die  Krone  von  Italien  und  füi-  sich  sellwt 
das  Arelat  zu  gewinnen,  vermuten  dürfen.')  F.in  in  dieser  Zeit  deshalb 
abgesiJdossener  Vertrag,  auf  den  wir  noch  zu  sprechen  kommen  werden 
und  die  .Stelle  in  der  .Sentenz,  welche  auf  eine  bessere  Grenze  Frankreichs 
gegen  Dent.schland  liedacht  ist,  deuten  darauf  hin.  Wir  wenden  uns 


1)  VUlani  Crooica  Fir.  1X4.V  Vgl.  L X,  l!H  mit  X,  158  nnd  la  beidem  den  Vertrag  Johanns 
von  Höhmen  mit  dem  Loi?aten  vom  17.  Apr.  Beil.  nr.  5 am  Ende. 


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17 


damit  den  Vorgängen  in  Italien  in  den  näclisten  Jahren  nach  I.udwigs 
Ilückkelir  zu. 

Johann  von  Köhnien  in  den  Jahren  18J1  und  I3J2. 

Der  Kaiser  hatte  den  deutschen  Boden  kaum  erst  wieder  betreten, 
als  er  den  Italienern  wiederholt  seine  baldige  Rückkehr  und  die  Betei- 
ligung Johanns  von  Böhmen  bei  diesem  Zuge  ankündigte.  Die  Ver- 
hältnisse in  Deutschland  hinderten  Ludwig,  sein  Vorhaben  auszulühi-en. 
Dagegen  kam  der  König  von  Böhmen  im  Oktoljer  1330  nach  Ti-ient, 
nahm  hier  die  ilim  ilargebotone  Signorie  über  Brescia  imd  dessen  volk- 
reiches Gebiet  an.  zog  am  31.  Dezember  in  diese  Stadt  ein,  gewann  dann 
die  Herrschaft  jenseits  dos  Po  in  Reggio,  Modena  und  Parma,  wo  <lie 
Herrschaft  des  ])iii)stlichen  Legaten  verdrängt  worden  war;  und  bis  zum 
April  1331  h.atten  sich  ihm,  ihrer  inneren  Streitigkeiten  müde,  alle 
wichtigen  Städte  der  Lombardei  mit  Mailand,  jenseits  des  Ajiennin  auch 
Lucca.  unterworfen.  Am  1 7.  April  scJiloss  dann  Johann  mit  <lcm  jiäjjst- 
lichen  Legaten  zu  Piumaccio  einen  Vertrag,  dessen  Inhalt  ein  Geheimnis 
geblieben  ist').  In  welcher  Absicht  hat  nun  Johann  diesen  Zug  nach 
Italien  unternommen  ? Hat  er  es  für  den  Kaiser  und  das  Reich  gethaii  ? 
Er  mag  es  hie  und  da  vorgegeben  haben;  die  Art,  wie  er  in  der  Lombardei 
verfuhr,  der  Unwille,  mit  welchem  Ludwig  das  Unteinehmen  Johanns  auf- 
nahm. zeugen  vom  Gegenteil.  Oder  handelte  er  bereits  im  Einverständnis 
mit  dem  Papste?  Einzelne  Städte  hatten  den  Papst  darum  gefragt  und 
dieser  hatte  wiederholt  erklärt,  dass  es  nicht  der  Fall  sei.  Man  ist 
darüber  jetzt  nicht  mehr  im  Zweifel,  dass  Johann  ohne  Befehl  des  Kaisers 
uud  wider  des-sen  Willen  nach  Italien  zog  in  der  Absicht  sich  da  eine 
Herrschaft  zu  gründen.  Ob  er  daran  dachte,  die  Zustimmung  des  Kaisers 
noch  zu  gewinnen,  unter  seiner  Hoheit  die  neue  Herrsi'haft  zu  führen? 
Im  Juli  1331  kam  er  zu  dem  Kaiser  nach  Regensburg,  unterhandelte 
hier  22  Tage  lang  mit  ihm,  und  es  kam  zu  Verträgen,  welche  dem 
Könige  den  grössten  Teil  des  Erworbenen  sicherten,  al»r  die  Aner- 
kennung der  Ol)erhoheit  Ludwigs  über  das  neue  Gebiet  zur  Voraussetzung 


I)  Vsl-  zu  diesan  Vorg&ugan  röppalmaun,  Jühann  von  Bdliman  in  lUlien  13:t0  — 13.33.  Arch. 
r.  aaterr.  Gasch.  Bd.  35,  356  IT.  331  f. 

Abh.d.  Ill.Cl.d.k  Ak.d.  Wi«.  XV.  Bd.  II.  Abth.  3 


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18 


hatten,  ln  einem  weiteren  Vertrage  vom  17.  Dezember  defsellien  Jahre« 
zu  Frankfurt  erkannte  Johann  von  neuem  die  Hoheit  Ludwigs  an. 

Die  neueren  Darsteller  Weeeh,  l’öpjielmann.  Müller  sehen  in  den 
llegensburger  Verträgen  eine  Aus.s<"ihnung  Johanns  mit  I.udwig,  Pöppel- 
mann  meint,  anfangs  sei  Johanns  Politik  eine  nur  luxemburgische,  dann  eine 
luxemburgisch-päpstliche,  mit  den  Verträgen  zu  Uegensburg  alwr  eineluxein- 
burgiscli-kaist^rliche  geworden,  ln  etwas  amlerer  Weise  Müller:  erst  sei  sie 
nur  eine  luxcnnburgische  gewesen,  in  Uegensburg  halie  sich  dann  Johann  mit 
dem  Kaiser  versöhnt  und  nun  sei  sein  Bestreben  gewe.sen,  auch  den  Paj>st 
mit  seinem  Lnternehmen  auszusölinen  und  zur  Befestigung  seiner  Herr- 
schaft den  Frieden  zwischen  Kafsor  und  Papst  wieder  herzustellen. 

Das  wäre  also  eine  Politik  Johann.s,  welche  auf  eine  wirkliche  Aus- 
söhnung mit  dom  Kaiser  sehr  bald  nach  den  Krfolgen  in  Italien  bedacht 
gewesen  wäre,  und  sie  auch  erreicht  und  nach  vorübergehenden  Störungen 
wieder  gewonnen  hätte. 

Ich  kann  mich  diesen  Auffassungen  nicht  anschliessen.  Der  Vertrag 
von  Piumacc.io.  des-sen  Inhalt  wir  nun  mitteilen  können,  ijnd  die  auf 
Grund  dieses  Verti-ages  fortdauernde  Verbindung  Johanns  mit  dem  Papste 
sprechen  dagegen.  Sie  weisen  auf  eine  l’olitik  Johanna  i:»  den  Jahren 
1331  und  1332,  welche  ununterbrochen  dem  Kaiser  feindlich  war  und 
dessen  Kntthronung  zum  Ziele  hatte. 

Das  Vertragsdokument  im  vatikanischen  Archiv  ist  in  der  ihtu  bei- 
gefügten Signatur  nur  mit  der  Jalir/ahl  1331  bezeichnet');  aber  ein  in 
dem  Vertrage  aiif  den  Herlrat  angesetzter  Termin,  und  neben  anderen 
Umständen  vor  allem  die  Thatsache,  da.ss  im  J.  1331  kein  anderer 
Vertrag  zwischen  dem  Papste  und  Johann  von  Böhmen  in  Betreff  der 
Herrschaft  über  Italien  geschlossen  wurde,  sichern  die  Annahme,  dass 
wir  in  diesem  Dokumente  den  Vertrag  haben,  der  am  17.  April  1331 
zwischen  Johann  und  dem  juip.stlichen  Legaten  Bertrnnd  zu  Piumaccio 
gest-hlossen  worden  ist. 

Der  König  erkennt  in  dem  Vertrage  die  Hoheitsrechte  des  Papstes 
über  die  von  ihm  in  Besitz  genommenen  Städte  Parma,  Modena  und 

1)  Vttikaii  Archiv,  be«OB(l.  Kapsel  s.  B<i)a),'«ti  Nr.  A. 


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19 


Reggio  an  und  nimmt  diese  Städte  vom  Pnjiste  zu  Lehen,  für  welche  er 
ihm  denn  auch  den  Huldigungs-  und  Lohenseid  leisten  wird.  Dann  ga- 
rantiert er  dem  Papste  alle  die  Kajntel,  welche  er  vor  seiner  Ankunft 
in  der  Lombardei  durch  seine  N'untien  der  römischen  Kirche  angetragen 
hat.  Johann  will  1)  wenn  er  die  Lomltardei  tiesitzt  oder  wieder  erobert, 
die  Rebellen  gegen  die  Kirche  zum  (lehorsam  zwingen,  '!)  der  Kirche  in 
der  Lomliardei  alle  ihi«  liechte  zuiiickstellen. 

Johann  verspricht  ferner,  Ludwig  dem  Haier  nie  anz\diangen,  ihm 
nie  Hilfe  zu  leisten , ihn  nie  als  König  oder  Kaiser  anzuerkennen, 
so  lange  er  nicht  mit  <ler  Kirche  versöhnt  ist : dagtjgen  wird  er  dem  Pajwte 
und  der  Kirche,  wenn  es  nötig  ist,  wider  ihn  helfen.  Der  König,  welcher 
Ludwig  dem  Baier  niemals  einen  Huldigungs-  und  Lehenseid  geleistet, 
wird  solches  auch  in  Zukunft  nicht  thiin. 

Der  Vertrag  soll  geheim  bleiben,  nur  Philipi>  von  Frankreich  ilavon 
in  Kenntnis  gesetzt  werden,  damit  man  wis.se,  ob  derselbe  auf  einem 
früheren  Vertrage  in  Itezug  auf  ilie  Lombardei  bestehen  wolle.  Für 
diesen  Fall  müssen  dem  französischen  Könige  dann  auch  jene  drei  Städte 
überlassen  werden. 

Wir  sehen  aus  den  angeführten  Stellen.  1 ) »lass  Johann  von  Böhmen 
schon  während  er  zu  Ende  dos  .Tahrea  1.930  zu  Trient  weilte,  den  be- 
stimmten Plan  gefiusst  hatte,  sich  der  Lombardei  unter  Zustimmung  und 
Protektion  des  Papstes  zu  l)eniächtigen.  also  das  Königreich  lüdion  als 
Feind  Kaiser  Ludwigs  an  sich  zu  reissen,  und 

2)  dass  der  Papst,  ehe  sein  Legat  diesen  Vertrag  mit  Johann  von 
Böhmen  einging,  einen  Vertrag  mit  König  Philipp  von  Frankreich  ge- 
schlossen luitte,  durch  w'elchen  dieser  die  l,ombardei  erhalten  sollte. 

Johann  hat  wohl  als  er  zu  Trient  weilte,  auf  keinen  Fall  viel 
früher,  dem  Papste  seine  Anerbietungen  gemacht.  Denn  das  Schreiben 
des  Papstes')  an  Johann  vom  21.  SeptemlHar  1330  weiss  noch  nichts 
davon.  Hier  wird  vielmehr  der  König  wegen  seiner  bisherigen  Parteinahme 
für  Ludwig  aufs  ernsteste  zurechtgewiesen.  Ich  vermute  mit  Pöppel- 
mann,  dass  dieses  .Schreiben  wesentlich  dazu  beigetragen  hat.  Johann 


1)  B«i  RaynaKl  or.  H4  ff. 


3* 


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20 


auf  die  feindliche  Hahn  wider  Ludwig  zu  führen.  Der  PapHt  erinnert  in 
deini^lhcn  den  König  an  die  Zuneigung  der  Päpste  zum  Hause  der  Luxem- 
burger; sein  Vorgänger  habe  Johanns  V'ater  zum  Kaiser  erhoben.  Schon 
in  einem  Schreiben  vom  31.  Juli')  hatte  er  Johann  aufgefordert  auf  die 
Wahl  eines  neuen  Königs  bedacht  zu  sein.  In  beiden  Briefen  mahnt  der 
Papst  im  Tone  eines  uni  das  Seelenheil  ’ des  Königs  bekümmerten  Freundes, 
das  Band  mit  Ludwig  zu  zerschneiden.  Wie  aus  der  Fei-ne  winkt  das 
Königs-  das  Kaiserbild. 

Ludwigs  Stern  schien  damals  im  Niedergang,  der  des  Papstes  wie<ler 
im  Aufsteigen.  Der  von  dom  Kaiser  aufgestellte  (iegenpapst  hatte  sich 
vor  kurzem  unterworfen.  In  der  Lombardei  hatten  die  wichtigsten 
Städte  den  Kaiser  verlassen,  die  Gnade  der  Kirche  gesucht. 

So  mag  der  letzte  Brief  des  Papstes  dem  Gedanken  in  Johanns 
Seele  zum  Leljen  verhelfen  halK-n,  im  Bunde  mit  dem  Todfeinde  Kaiser 
Ludwigs  die  Krone  von  Italien  und  dann  die  Kai.serkrono  zu  gewinnen. 

Der  im  Vertrage  orwrdinte  Umstand,  dass  Johann  schon,  ehe  er 
Italien  betrat,  seine  Anerbietlmg^^n  gemacht  hat,  gibt  nun  auch  zu  den 
Erklärungen  des  Papstes  bald  mach  den  ereten  Erfolgen  Johanns  in  der 
Lombardei  den  richtigen  Kommentar.  Wenn  der  Papst  auf  die  Anfragen 
Azzo  Viscontis  in  Mailand  und  der  Florentiner  am  14.  22.  u.  31.  Januar 
1331*)  versicherte,  der  König  von  Böhmen  sei  ohne  sein  Mitwissen  und 
Wohlgefallen  in  Italien  eingezogen,  so  ist  dies  eine  diplomatische  Rede- 
wendung, welche  nur  die  förmliche  Verbindung  mit  Johann  leugnen  soll 
und  die  den  Anerbietungen  Johanns  gegenüber  anfangs  noch  zuwartende 
Haltung  des  Papstes  erkennen  lässt.  Als  die  Erfolge  des  Königs  sich 
mehrten,  schreibt  der  Papst  seinem  Legaten,  derselbe  möge  sich  gegen 
Johaim  aller  feindlichen  Schritte  möglichst  enthalten*).  .Am  17.  April 
ist  dann  der  förmliche  Bund  geschlossen.  Nur  auf  Frankreichs  Ein- 
willigung kommt  cs  noch  an. 


1)  Mftrtine,  Th««auruj  If,  806. 

2)  Du  Sebreiben  an  Aizo  VUeonti  b«i  ßa^o.  1:VU  Nr.  18»  die  beiden  an  die  Florentiner  bei 
Ficker,  Urknodeii  tnr  Geschichte  des  RdroertOf^es  Kaiser  Ludwigs  :t07  u.  808. 

8)  Rajn.  1381  Nr.  19. 


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21 


Mit  dem  Vertrage  von  Piuinaecio  nun  stehen  die  schon  erwähnten 
am  10.  12.  und  13.  August  zwischen  König  Johann  und  Kaiser  Ludwig 
zu  Regensburg')  geschlossenen  Verträge  im  offenen  Widei’sjnnich.  Dort  ver- 
spricht Johann,  LiKlwig  nie  als  Kaiser  und  König  anzuerkemien;  liier  erklärt 
er,  dass  er  „mit  dem  siegreichen  Füi-sten.  seinem  Herm,  Herrn  Ludwig, 
Kaiser  der  Römer“  ein  Ueliereinkommen  getroffen  halie.  ■ Dort  hatte  er 
für  die  Städte  Parma,  Reggio,  Mutina  dem  Paj)ste  den  lluldigungs-  und 
Lehenseid  zugestanden;  hier  nimmt  er  in  dem  ersten  Vertrage  diese 
Städte  mit  anderen  Städten  von  dem  Kaiser  als  Pfand  für  eine 
Schuldsumme,  im  zweiten  als  ein  im  Namen  des  Kaisei-s.  im  dritten  als 
ein  gemeinsam  mit  dem  Kaiser  zu  verwaltendes  (.Tebiet,  Dann  geht 
Johann  von  Regensburg  nach  Böhmen,  erwehrt  sich  von  hier  aus  der 
ihm  inzwischen  erstandenen  Feinde,  der  Polen,  Ungarn  mul  üusterreicher, 
und  eilt  sodaniT  nach  Frankreich,  nachdem  er  die  nötige  Vorsorge 
für  den  Schutz  seiner  Länder  getroffen  hatte.  Auf  der  Reise  nach 
Paris  trifft  er  in  Frankfurt  noch  einmal  mit  dem  Kaiser  zusammen, 
und  gelobt  ihm  hier  am  19.  Dezember  mit  einem  Eide,  dass  er  sich 
keiner  Stadt,  keines  Schlosses,  keines  Fligentums  des  Reiches  in  Italien 
ohne  des  Kaisers  besondere  Einwilligung  unterziehen  wolle*). 

Bezeichnen  nun  diese  Verträge  von  Regensburg  und  Frankfurt 
wirklich  eine  Wandlung  in  der  Politik  König  Johanns?  Ist  dieselbe 
eine  „luxemburgisch-kaiserliche“  geworden? 

Hätte  der  Papst  auch  von  dem  näheren  Inhalt  der  Regenslmrger 
Vertrüge  nichts  erfahren:  schon  die  Reise  zu  Kaiser  Ludwig  imd  die 
sofort  bekannte  Thatsache.  dass  der  König  von  Böhmen  mit  Ludwig  sich 
friedlich  vertragen,  hätte  des  Pajistes  Mi.sstrauen  und  Unwillen  erregen 
müssen.  Nun  aber  ist  gar  nicht  anzunehmen,  d.ass  man  auf  kaiserlicher 
Seite  aus  dem  Inhalt  der  V'erträgc  ein  Geheimnis  gemacht  liabe,  nachdem 
Johann  zuvor  öffentlich  vom  Kaiser  der  Auflehnung  wider  die  Autorität 
des  Reichs  beschuldigt  worden  war.  Der  von  seinen  öffentlichen  und 


1)  Dif  dr«  UrkunJeD  im  Münchner  Stutwrehic;  die  v.  IS.  Ang.  »bgedr.  bei  Sebeidt.  Bibli»- 
HUtorica  OoettingenaiA  I,  S.  '.240.  C«b«r  die  beiden  noderen  vcrgl.  Bacbner,  Geeohiebt«  von 

Bnjrern  V.  439. 

2)  UQnchner  StutenrehiT.  Böhm.  Keg.  Lndw.  d,  D.  Vergl.  Büchner  S.  441. 


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22 


goheitnen  Anliiingfrn  in  Deutschland  mit  Naclirichten  treflflidi  bediente 
Papst  hat  siclier  schon  kurze  Zeit  nach  den  Regensburger  V’^erhandltingen 
von  den  Resultaten  derselben  das  Nähere  erfahren. 

Nun  bekundet  aber  eine  Keilie  von  Thatsachen.  dass  das  Bündnis 
zwischen  Johann  und  dem  Papste,  wie  es  der  Vertrag  von  Piumaccio 
geschaffen,  ununterbrochen  im  J.  1331  fortbesteht. 

Am  17.  .\pril  war  der  Vertrag  geschlossen  worden.  Um  dieselbti 
Zeit  muss  die  Kunde  von  der  drohenden  Haltung  des  Kaisers,  die  Johanns 
Rückkehr  nach  Deutschland  notwendig  machte,  diesem  zu  ( ihren  gekommen 
sein.  Am  2.  Juni  verlasst  er  Parma,  die  neue  Residenz,  wo  nun  sein 
Sohn  Karl  für  ihn  die  Regierung  fortführt,  und  man  weiss  hier,  dass 
er  Italien  verlassen  wird').  Boten  halien  seine  Rückkehr  nach  Deutsch- 
land geraume  Zeit  vorher  angekündigt.  Auf  (irund  dieser  Ankündigung 
wartet  der  Abt  von  Königssaal  dort  lange  auf  seine  Ankunft’®).  Wetm 
nun  der  Pa]ist  dem  König  am  12.  .Mai  schreibt^),  dessen  Boten  würden 
den  piipstlichen  Bescheid  über  verschiedene  .\ugelegeidieiten  und  be- 
sonders über  den  Baier  mündlich  bringen:  so  hatten  diese  Boten  des 
Königs  ohne  Zweifel  dem  Paimte  die  Reise  nach  Deutschland  an- 
zeigen  und  den  Papst  über  das  Bevorstehende  Ijeruhigen  sollen ; vielleicht 
hatten  sie  auch  für  einen  Voi-schlag  die  Erlaubnis  einzuholen,  den  Johann 
in  Regensburg  machen  wollte,  um  des  Kaisers  Misstrauen  zu  verscheuchen, 
ich  meine  das  Anerbieten  einer  Vennittlung  für  die  Versöhnung  Ludwigs 
mit  dem  Papste.  x\in  24.  Juli,  als  iler  König  schon  in  Regensburg  an- 
gekommen ist,  hebt  der  Papst  auf  .lohanns  Bitte  da.s  über  Parma  aus- 
gesprochene Interdikt  auf'*);  wenige  Wochen  )iach  den  Verhandlungen  zu 
Regensburg  sehen  wir  Delegierte  des  Legaten  imd  des  Regenten  Karl 
vereint  Entscheidungen  in  Sassuolo  treffen-'’).  Der  Bund  Johanns  mit  dem 
Legaten  dauert  ungestört  das  ganze  Jahr  hindurch  fort. 

Welchen  Schluss  muss  man  nun  aus  dieser  Sachlage  ziehen?  Dass 
es  Johann  von  Böhmen  gelungen  sein  müs.se.  den  Pajist  bezüglich  der 


1)  Poppelruann  a a.  0 

2'r  Peter  v.  Zittau,  «d.  Iiosertb.  Fontes  ßerum  Austriacararn.  Sttriptnre»  VI[(,  $.  4^2. 

3)  Dudik.  ]ter  KoroaDam  II.  S.  118. 

4)  Pöpiieltnaon  S.  <134. 

5)  a.  a.  0.  S.  348. 


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Regensburger  Verträge  zu  bei-uhigen.  «lass  er  iliiii  diestilben  als  Xot- 
verträge  werde  hingestellt  haben,  die  er  gesonnen  sei  so  bald  als  möglich 
zu  brechen. 

Es  mag  fi-eilieh  hiel'iir  starker  Versicherungen  bedurft  haben;  denn 
in  Avignon  war  man  zu  voi-sichtig  und  klug,  um  durch  einen  Kund  mit 
Johann,  wenn  er  nicht  hinreichende  Bürgschaften  bot.  die  eigene  Stellung 
sowohl  Frankreich  wie  Italien  gegenüber  zu  gefalmlen.  Schon  im  J.  1331 
zeigten  sich  die  V'orboten  des  grossen  Bundes,  welcher  im  J.  1332  fast 
alle  bedeutendeivn  Städte  und  Füi-sten  Italiens  gegen  den  König  von 
Böhmen  und  den  Legaten  des  Pajjstes  einigte.  So  hatte  man  denn  auch 
im  Vertrage  von  Piumaccio  Johann  noch  das  letzte,  w'iis  er  sich  wünschen 
musste,  Vorbehalten. 

l)or  Herrschaft  Johanns  über  die  Loml)aitlei  fehlte  noch  ein 
Dojjpeltes.  das  ihr  zur  Stärkung  nötig  schien : die  öffentliche  Anerkennung 
des  Papstes  und  der  Königstitel ; denn  die  einzelnen  Städte  waren  nur 
durch  gesonderte  Verträge  ihm  iinterthan;  sie  blieben  unter  sich  ge- 
schieden. So  bildete  jener  Vertrag  nur  eine  Vorstufe  für  Joharms  Ziel. 
Sodann  hatte  der  Pajmt  noch  Sorgt!  um  die  Zustimmung  Frankreichs. 
Diese  war  von  Johann,  wie  sich  aus  nachher  mitzuteilonden  Dokumenten 
ergibt,  bis  jetzt  nicht  ei'holt  worden.  Von  Frankfurt,  wo  er  im 
Dezember  den  letzten  Scheinvertrag  mit  Ludwig  geschlossen  hatte,  war 
Johann  zu  Verhandhmgen  mit  Philipp  nach  Paris  geeilt;  dann  wollte 
er  in  Avignon  weitere  Unterhandlungen  führen.  Aber  cs  schien  dem 
Papste  doch  gut.  dem  letzten  Frankfurter  Vertrage  gegenüber  einiges 
Misstrauen  gegen  den  König  durchblicken  zu  lassen,  so  sehr  er  anderseits  auch 
wieder  seine  Geneigtheit  zu  Besinechungen  mit  ihm  zu  erkennen  gab.  Zwei 
Briefe,  an  demselben  Tage  an  König  Johann  gerichtet,  bezeugen  diese 
Haltung.  Auf  den  Frankfurter  Vertrag  wird  es  sich  beziehen,  wenn  der 
Papst  in  dem  einen  Briefe  sagt,  da-ss  er  Johanns  Boten  gehört  habe, 
und  wenn  er  ihn  ermahnt  von  der  Gemeinschaft  mit  den  Feinden  der 
Kirche  abzustehen'),  d.  h.  weniger  vorsichtig  aasgedrückt,  offen  mit 


1)  Dndik,  a.  0.  IB.  J&u.  <]Ut>d  nantium  suoin  audirit,  et  borUtur,  Qt  a coinmaniooe 
hoatiam  eeclesiae  abstioeat. 


24 


Ludwig  dem  Baier  zu  brechen,  und  die  vereprochene  aber  noch  nicht 
bewirkte  Ausgleichung  mit  Philipp  wird  es  betreffen,  wenn  der  Papst 
im  zweiten  Briefe  mahnt.  Johann  möge,  ehe  er  seine  Heise  zur  Kurie 
unternehme,  erwägen  ob  er  damit  recht  thue.  Wenn  das  der  Fall  sei, 
dann  möge  er  mit  fröhli<;hem  Herzen  kommen’). 

I)as.s  nun  aber  in  der  That  Johann,  während  er  am  1 !),  Dezemlwr 
1331  zu  Frankfurt  Ludwigs  Hoheit  über  Italien  anerkannte,  noch  fort- 
während die  Beseitigung  derselben  iin  Sinne  hatte  und  ferne  davon  war, 
des  Papstes  Bei.staud  für  seine  ehrgeizigen  Alraichten  wieder  aufs  Spiel 
zu  setzen,  das  Iwwoist  nicht  nur  eben  diese  Werbung  bei  dem  Papste 
um  sein  persönliches  Erscheinen  in  Avignon,  sondern  auch  seine  gleich- 
zeitige Thätigkeit  am  französischen  Hofe.  Denn  bei  der  beabsichtigten  Heise 
nach  Avignon  handelte  es  sich,  wie  wir  sehen  werden,  um  die  Sicher- 
stellung oder  Erweiterung  iles  Vertrages  von  Piumaccio,  der  einen  so 
hervorragend  feindlichen  Charakter  dem  Kaiser  gegenüber  trägt.  Und 
in  Paris  schloss  Johann  nicht  bloss  eine  neue  enge  Familienverbindung 
mit  dem  französischen  Königshause,  indem  er  seine  Tochter  dem  Sohne 
und  Firben  des  Königs  verlobte,  sondern  er  ging  auch  mit  dem  Könige 
im  Januar  zu  Fontainebleau  einen  Vertrag  ein*),  der  uns  enthüllt,  dass 
er  auch  die  Kaiserkrone  unter  Beseitig\mg  Ludwigs  erstrebte.  Denn  in 
diesem  Vertrage  sagt  er  dem  Könige  Philipp  seine  Hilfe  zu  auch  gegen 
den  Kaiser,  falls  dieser  einen  Reichsfürsten  unterstütze,  den  Philijip 
bekriege;  er  wolle  auch,  so  heisst  es  ferner,  wenn  er  oder  sein  Sohn 
römischer  König  oder  Kaiser  werden  sollten,  keine  .Vnsjirüche 
auf  die  Besitzungen  des  Königs  von  Frankreich  machen;  auch  dem  Könige 
in  der  Champagne,  in  Vermandois  und  Amiens  mit  Bewaffneten  boistehen, 
selbst  wenn  er  römischer  König  wenle.  Bedenken  wir,  dass  der  Papst  das 
Reich  als  erle<ligt  Ijctrachtete,  dass  er  wiederholt  grosse  Anstrengungen 
machte,  eine  neue  Königswahl  zu  bewirken,  dass  er  iin  Jahre  1330 
Johann  aufgefordert  hatte,  hierauf  be<lacht  zu  sein:  so  dürfen  wir 


1)  a.  a.  0.:  ot  priuaqaam  it«r  ad  enriam  Bomaoam  siucipiat,  bene  pooderet,  nnm  recte  faclat, 
«t  si  sie.  nt  boc  iter  laeto  animo  arripiat. 

2)  BÄhm.  Job  v.  Böhmen  nr.  40Ji. 


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25 


annehtnen,  dass  Johann,  der  gerade  um  diese  Zeit  den  Bund  mit  dem 
Papste  noch  enger  zu  machen  strebte,  an  eine  Erhebung  zum  Könige 
und  Kaiser  nicht  nach  Ludwigs  Tode,  sondern  bei  Ludwigs  Leben  dachte. 

Wenn  mm  bei  dieser  Sachlage  Johann  im  Mürz  1332  den  Kaiser 
zum  Schiedsrichter  zwischen  sich  mid  Oesteireich  macht,  wenn  er  im 
August  dieses  Jahres  einen  Freundschaftsvertrag  mit  Ludwig  schlieest, 
so  dürfen  wir  mit  liecht  auch  hier  wieder  fragen,  ob  diese  Vollmachten 
und  Verträge  wohl  ehrlich  gemeint  gewesen  seien,  ob  sie  eine  Wendimg 
in  der  Politik  Johanns  bezeichnen?  Und  auch  hier  wii-d  uns  die  Er- 
wägung gleichzeitiger  und  nachfolgender  Thatsachen  mit  Nein  antworten 
lassen.  Wir  werden  finden,  dass  er  sich  auch  mit  diesen  Verträgen  nur 
von  der  augenblicklichen  Notlage  loskaufte,  in  die  er  durch  den  Kaiser, 
der  ihn  durchschaute,  gebracht  worden  war. 

In  Italien  war  einer  der  Hauptpfeiler  von  Johamis  Macht  mit  der 
Wegnahme  des  Gebiets  von  Brescia  am  15.  Juni  1332  durch  Mastino 
della  Scala  zusammengebrochen.  Schon  gährte  cs  überall  in  ilen  ihm 
unterworfenen  Städten.  Dazu  hatte  ihn  Ludwig  in  seinem  Schwiegersöhne 
Heinrich  von  Niederbaieni  getroffen,  den  er  mit  Krieg  überzogen  hatte. 
Da  war  Johann  herbeigeeilt  und  hatte  die  genannten  Verträge  zu 
Nümlrerg  geschlossen');  Aber  wie  sehr  Ludwig  in  Johann  seinen  Feind 
erkannt  hatte,  das  offenbart  der  Inhalt  dieser  Verträge  und  die  von 
Ludwig  geforderte  Bürgschaft  Balduins  von  Trier,  nach  welcher  dieser 
dem  Kaiser  seine  Hilfe  Zusagen  musste,  falls  Johann  ihn  „am  Reiche 
irren“  wollte.*)  Ein  weiteres  Zeugnis,  das.s  der  König  von  Böhmen  nur  aus  Not 
und  zum  Schein  diese  Verträge  schloss,  lässt  sich  einer  Instruktion  entnehmen, 
welche  kurz  zuvor  der  Herzog  Heinrich  von  Kürnthen  seinem  Boten  für 
König  Johann  mitgegelien  hatte’).  Heinrich  ist  um  seiner  Tochter  Jlar- 
garetha  willen,  die  an  Johanns  zweiten  Sohn  verheiratet  ist,  der  vertraute 
Bundesgenosse  des  Böhmenkönigs.  -\us  der  Instruktion  Heinrichs  nun 
erfahren  wir,  dass  der  Herzog  um  Johanns  w'Ulen  seit  dem  Dezember 


1)  Urk.  V.  Aug.  1M.32  bei  Weech  Ludwig  d.  Bayer  q,  Johann  x.  Böhmen,  S.  tLS.  Urkonde 
?.  24,  Aug.  im  M.  Sta&tsarch'  'J/dl^,  8.  Beilskg.  nr.  29. 

2}  Dominien^,  Baldewin  v.  Lütteiburg,  S.  nach  der  Urkunde  vom  17.  Ang.  1^2. 

3»  Ficker,  a a.O.  S.  152. 

Abh.d.Iil.Cl.d.k  Ak.  d.  Wisa.  XV.  Bd.  II.  Abth.  4 


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26 


dem  Kaiser  jede  Zusammenkunft  verweigert  liat,  weshall)  ihn  der  Kaiser 
wie  einen  Feind  ansieht.  Aus  der  Mahnung  Ueinri’clis  aber,  dass  der 
König  seine  .Sache  mit  dem  Kaiser  entweder  durch  Krieg  oder  durch  \'er- 
handlung  zu  Ende  bringen  möge,  je  nachdem  er  es  für  nützliciier  halte, 
erhellt,  dass  der  V'ertragsweg  nur  gewählt  wurde,  weil  der  Krieg  für 
den  Augenblick  dem  Zwecke  nicht  zu  dienen  schien. 

Dass  Johanns  Absichten  gegen  den  Kaiser  jetat  und  bis  gegen  den 
Schluss  des  Jahres  1332  unverrückt  die  gleichen  geblieben  sind,  das  be- 
weisen endlich  die  seit  dem  Juli  von  neuem  gemachten  Versuche,  des 
Papstes  Zustimmung  zu  einer  Reise  na<’h  Avignon  zu  erhalten,  und  der 
Erfolg  dieser  Versuche  im  November. 

Wir  sahen  da.ss  im  Vertrag  von  Piumaccio  des  älteren  Vertrages 
getlacht  war,  den  der  Papst  wegen  der  Lombardei  mit  Philip])  von 
Frankreich  geschlossen  hatte,  und  da.s.s  es  für  Johann  darauf  ankam, 
Philij)p  zur  Verzichtleistung  zu  vermögen.  Der  Papst  selltst  mochte 
sich  scheuen,  zu  Philipp  von  dem  Vertrage  zu  sprechen,  den  er  gleichsam 
hinter  dessen  Rücken  geschlossen  hatte.  So  lange  Johann  nicht  von 
F'rankreich  zustimmende  Erklärungen  brachte,  konnte  der  Paj)s-t  neue 
Zugeständnisse  in  Betreff  Italiens  nicht  machen.  Darum  hatte  er  am 
21.  Juli  Johanns  Reise  zur  Kurie  abgelehnt').  Nun  mu.ss  es  Johann  ge- 
lungen sein,  die  Reise  nach  Avignon  dem  französischen  Könige  als  in 
dessen  eigenem  Interesse  gelegen  darzustellen,  ohne  das.s  Johaim  dabei 
das  eigentliche  von  ihm  erstrebte  Ziel  offenbarte:  denn  Philipp  gab  sich 
nicht  nur  zum  Vermittler  Ijeim  Papste  für  diese  Reise  her,  sondern  seine 
Boten  versicherten  auch  zu  .\vignon,  ein  Vertrag  Johanns  mit  dem 
Pa])8te  wegen  Italiens  könne  der  Kirche  nur  nützlich  und  dem  all- 
gemeinen Wohle  förderlich  sein*). 

Aus  der  Antwort  des  Papstes  an  Philip])*)  ersehen  wir,  welche  Lust  ihm 
mit  dieser  Botschaft  vom  Herzen  gefallen  war ; er  erschö])ft  sich  fast  im 


1)  Vgl  K«)naU  1.S32  sr.  11. 

'!)  9.  die  unten  antrefBhrt«n  Briefi;  d«s  Pa}»8tefl  v.  2t5.  Febr. 

3)  Bei  Ra;naH  13^)2.  nr.  11.  Aas  dem  Inhalt  wie  aue  dem  Ort  der  Einreibung  in  der  von 
Rajn.  benQtiten  Sammlong  ergibt  sich,  dus  dieses  ü^hreiben  s)»&ter  ist  als  das  obenerwähnte 
vom  21.  Juli 


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27 


Danke  weil  der  König  selbst  so  freundlich  ihm  Johanns  Ankunft  angezeigt, 
habe.  Johann  kam,  mit  den  höchsten  Ehren  empfangen.  ln  den 
Tagen  seines  Aufenthalts  vom  10.  — 24.  Noveml)er  liess  er  10000  Gold-  * 
gülden  aufgehen.  Und  „es  ging  dem  Könige  fi»st  alles  nach  Wunsch“, 
berichtet  der  vertraute  Unterhändler  Johanns  dem  Abte  von  Ktinigssal. 
Die  Kardinale  gaben  ihm  bei  seiner  Abreise  eine  Meile  weit  ilas  Geleite. 
Jener  Unterhändler  crwälmt  zugleich,  dass  er  mit  geheimen  Aufti-ügen 
an  den  Bischof  von  Konstanz,  an  Heinrich  von  Kärnthen  und  an  den  Bischof 
von  Trient  betraut  sei.') 

l)as.s  in  diesen  Tagen  ein  neuer  Vertrag  wegen  Italiens  zwischen 
Johann  und  dem  Papste  geschlossen  worden  sei,  ist  aus  den  Urkunden  des 
vatikanischen  Archivs  gewiss*).  Dass  dieser  Vertrag  einen  schweren  Verlust 
für  den  König  von  Frankreich  bedeutete,  wird  aus  der  grossen  Aufregung 
ersichtlich,  welche,  wie  wir, finden  werden,  *lie  Mitteilung  des  Vertrages 
bei  Philipp  hervorrief. 

Wir  fragen,  was  dieser  zu  Avignon  geschlossene  Verti’ag,  der  sich 
auf  die  Lombardei  bezog,  enthalten  haben  möge?  „Es  ging  dem  Könige 
fast  alles  nach  Wunsch“,  so  hörten  wir.  Wir  wissen,  dass  im  Vertrage 
von  Piumaccio  des  älteren  Vertrags  gedacht  ist,  den  der  Pa]>st  wegen 
Italiens  mit  Frankreich  geschlossen  hatte.  Nach  der  Aufregung,  welche 
die  Mitteilung  des  Vertrags  von  Avignon  bei  Philipj)  heiworrief  können 
wir  nicht  zweifeln,  dass  dieser  Vertrag  dem  König  Johann  zur  Befe.stigung  der 
ihm  vom  Paiwtc  zu  Piumaccio  zugestandenen  Heri-schaft  in  der  Lombardei 
diente,  vielleicht  auch  den  Titel  eines  Königs  von  Italien  zusicherte.  Auf 
keinen  Fall  kann  der  von  Johann  so  anhaltend  erstrebte  Vertrag  weniger 
gewährt  haben,  als  jener  von  Pimnaccio.  Nehmen  wir  so  Anfang  und  Ende, 
den  eisten  und  den  zweiten  Vertrag  mit  dem  Papste  zusammen,  und 
erwägen  wir,  dass  das  Verhältnis  Johanns  zu  der  Kurie  in  der  ganzen 
Zwischenzeit  ungestört  blieb,  wenn  auch  der  Papst  hie  und  da  Beruhigimg 
von  seiten  Johanns  forderte,  erwägen  wir  feiner,  dass  es  sich  für  den 


])  Pptr.  T.  ZittaQ  a « 0.  S. 

2)  8.  die  durch  gütige  V^rmittlang  dee  k.  Ministerimas  de«  Aeusaeni  mir  zugekommeoen  Ab- 
echrift  der  Briefe  de«  Papste«,  Beilagen  Nr.  ]5  n.  17,  die  leider  den  Vertrag  selbst,  wie  leb  nacli  der 
Bemerkung  Raynalda  geholTt  batte,  nicht  enthalten.  Vgl.  Ra^n.  1^18  nr.  28. 

4* 


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2Ö 

ehrgeizigen  König  gleich  anfangs,  als  er  im  Dezember  1330  von  Trient 
aas  seinen  Zug  nach  Italien  unternahm,  um  eine  im  Bunde  mit  dem 
' Papste  zu  erringende  und  im  Bunde  mit  demselben  zu  bewahrende  Krone 
handelte:  so  kann  kein  Zweifel  sein,  dass  die  zwisi'hen  den  Verträgen 
von  Piuniaccio  und  Avignon  liegenden  Verträge  von  Regensburg,  Frankfurt 
und  Nürnberg  nur  Scheinvertrüge  waren,  durch  die  Notlage  erzwungen, 
und  in  der  Alwieht  geschlossen,  sie  zu  brechen,  sobald  sich  eine  Ge- 
legenheit dazu  bieten  würde;  dass  mithin  von  einem  Wechsel  in  der 
Politik  Johanns  während  der  Jahre  1331  und  1332  nicht  wohl  die 
Rede  sein  kann. 

Ludwigs  Politik  In  den  Jahren  1330  — 1334. 

Mit  diesen  ehrgeizigen  Bestrebungen  fügte  sich  Johanns  Politik 
eine  Zeit  lang  den  zahlreichen  Vei-suchen  ein,  welche  der  Pajtst  machte, 
die  Stellung  des  Kaisei's  in  Deutschland  zu  untergi-aben.  Wären  letztere 
besser  geglückt,  so  würde  wohl  schon  König  Johann,  wie  nachmals  sein 
Sohn  Karl,  die  deutsche  Krone  gew«)mien  halien.  Alx'r  es  gelang  dein 
Kaiser,  tlie  Kraft  seiner  Gegner  zu  lähmen.  Ehe  wir  jedoch  Ludwigs 
Tliätigkeit  in  dieser  Richtung  würdigen  können,  werden  wir  noch  kurz 
an  jene  Vereuche  des  Papstes,  die  Stände  des  Reichs  wider  Ludwig  zu 
erregen,  zu  erinnern  haben,  wobei  wir  nur  einige  weitere  charakteristische 
Thatsachen  den  schon  bekannten  aus  unseren  Dokumenten  hinzufügen. 

Als  Ludwig  aus  Italien  zurückkehrte,  war  Johann  AXII.  bemüht, 
üljerall  den  Widerstand  gegen  ihn  in  Deutschland  wachzurufeu.  Ludwig 
war  noch  in  Trient,  als  am  17.  Januar  1330  an  eine  Menge  von  Städten. 
Fürsten  und  Herren  Süddeutschlands  gleichlautende  Schreiben  des  Papstes 
ergingen,  den  zurückkehrenden  Ludwig  nicht  aufzunehmen,  ihm  nicht  zu 
gehorchen,  ihm  überall  feindlich  entgegenzutreten.')  Am  27.  Januar  liess 
er  den  früheren  Prozessen  wider  ihn  aliennals  eine  Bulle  folgen,  welche 
den  Bann  erneuerte  und  alle  bedrohte,  welche  ihn  als  Kaiser  anerkennen 
würden.*)  Im  April  1330  erlässt  er  ein  Rund.schreiben  an  die  Obrigkeiten 

1)  Vat.  Arcb.  17.  Jan.  IHllO.  a.  B«tl.  Nr.  1. 

2)  MarUne  II.  787. 


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29 


und  Unterthanen  des  Reichs ;')  Ludwig,  der  in  Italien  alles  in  Verwirrung 
und  Arumt  gestürzt,  wolle  nun  dasselbe  oder  Scliliniiiieres  in  Deutsch- 
land versuchen.  Seine  Vereijcechungen  seien  Lüge,  denn  er  verfüge  nur 
über  fremdes  Eigentum,  da  er  sell)«t  nach  den  ji&pstlichen  Prozessen 
nichts  mehr  sein  eigen  neunen  könne. 

Es  gelingt  ihm.  Herzog  Otto  von  Oesterreich  sowie  die  beiden 
Bischöfe  von  Strassburg  und  Konstanz  zu  einem  Waffenitunde  wider 
Ludwig  zu  vereinen;  er  stellt  ihnen  für  den  Kampf  eine  namhafte  Geld- 
unterstützung in  Aussicht*)  Er  veranlasst  den  Verweser  de.s  Bistums 
Basel,  diesem  Bunde  beizutreten.*')  Die  Verbündeten  holen  im  Falle  des 
Zweifels  bei  ihm  sich  Rat,  wenn  es  sich  darum  handelt,  durch  neue 
Glieder  den  Bund  zu  vei’stürkeii.'*) 

Der  Ankündigung  des  Papstes  vom  4,  Januar  1331,*)  diws  Ludwig 
in  die  ül>er  ihn  verhängte  Strafe  der  Exkommunikation  nun  wirklich  ver- 
fallen sei,  folgt  eine  Reihe  von  Handlungen,  welche  zeigen,  dass  der 
Pap.st  sicii  jetzt  seilet  der  Verw'altung  des  Reiches  annehmen  will.  Er 
schreibt  Reichstage  aus®)  und  mahnt  zugleich,  von  den  durch  Ludwig 
augekündigten  wegzubleiben;*)  alle  auf  solchen  kaiserlichen  Tagen  durch 
Ludwig  veranla-ssten  Beschlüsse  werden  im  voraus  für  ungültig,  alle  ihm 
geleisteten  Eide  für  nichtig  erklärt.  Im  März  belehnt  er  die  Herzoge 
von  Pommern  mit  ihren  Ländern,*)  ohne  des  Reiches  dabei  nur  zu 
gedenken;  L’ntergel>ene  des  Herzogs  tklo  von  Burgund  hatten  in  einer 
Streitsache  von  dem  Entscheid  des  Herzogs  an  den  Kaiser  appollirt.  Der 
Papst  verbietet  dem  Herzog  die  Annahme  solchei’  Apj«llationen  unter 
Androhung  der  Strafen,  die  für  die  Anhänger  Ludwigs  ausgesprochen 
sind.*)  Zuschriften  an  die  Heiv-oge  von  Pommeni  und  au  alle  der  Mark 


I)  Vat  Arch  24.  Apr.  lS.'iO.  a Bril.  Nr.  2. 

'1)  Kftjn.  1^)0  Nr.  und  Gesta  Ikrtboldi  a.  0.  Ht>4. 

3)  Vat.  Ircli,  9.  Apr.  liHI.  8.  Beil,  Nr.  4. 

4)  V.  Ä.  5.  Juni  m\.  S.  Beil.  Nr  ß. 

5)  Martü-ne  II,  816. 

6)  Rayn.  IvWl  Nr.  22,  mit  Hinwei»  auf  Urkunden  des  rat.  Archivs:  Adversos  haec  Ludorici 
Bavari  conaitia  alios  indixit  conventus. 

7)  Antwort  des  Papstes  an  Uodolf  von  Sachsen  20.  Jan.  Rayn.  Rtdl  Nr.  21. 

8)  13.  März  1331,  Rayn.  1:1.31  Nr.  24. 

9)  V.  A.  13.  Aug.  i;«l,  g.  Beil.  Nr.  7. 


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30 


Brandenburg  benadiburten  Fürsten  und  Bischöfe  fordern  auf  sich  Ludwig 
inunnhaft  zu  widersetzen  und  ihn  zu  bokäiiipfen,  wenn  er  kommen  sollte, 
seinen  Sohn  dort  eiiwusofzen.') 

Wir  wissen,  mit  welchem  Erfolg  für  seinen  Schatz  sich  .Johann  die 
Besetzung  zahlloser  kii-chlicher  Stellen  reservirte  und  über  lx>stehende 
Wahlrechte  hinwegsah.  Von  seinen  angeblichen  lleservationsrechten 
machte  er  nun  auch  bei  Erletligung  deutscher  Bistümer  ausgiebigen 
Get>rauch,  um  willige  Werkzeuge  für  seine  Anschliige  wider  den  Kaiser 
zu  gewinnen.  Das  .Jahr  1331  namentlich  l>ot  ihm  dazu  reichlichen 
Anla.ss.  Am  27.  März  ernannte  er  für  das  Bistum  Verden  den  Mainzer 
Kanonikus  Johann  von  üöttingen;®)  am  5.  April  lür  Augsburg  den  Propst 
Nikolaus;*)  am  10.  Juni  erhebt  er  einen  Scholastikus  der  Bremer  Kirche 
zum  Bischof  von  .''chleswig;*)  am  14.  Juni  den  AugustinermOneh  Ulrich 
zum  Bischof  von  Chur;*)  am  31.  Juli  den  Projjst  Heinrich  zum  Bischof 
von  Hildesheim.®)  So  hat  er  auch  in  den  folgenden  Jahren,  im  J.  1332  zu 
KölnJ)  iin  J.  1333  zu  Konstanz  imd  Würzburg*)  mit  päpstlich  (Jr'sinnten 
die  bischöflichen  Stühle  zu  l>e8etzen  gesucht.  Da  aber,  wo  von  früheren 
Jahren  her  seine  Ernannten  gegen  die  kaiserlich  gesinnten  Inhaber 
nicht  zur  Ausübung  ihres  Amtes  gelangen  konnten,  wie  in  Mainz,  wo 
Heinrich  von  Virneburg  durch  Balduin  von  Trier,  in  Worms,  wo  Salman 
durch  Gerlach  zuriiekgedrüngt  war,  da  war  er  bemüht,  durch  Drohungen 
und  verschärfte  kirchliche  Zensuren  die  Macht  der  Gegner  zu  brechen.*) 

Wir  sahen,  wie  er  zu  Gunsten  Frankreichs  Italien  vom  Reiche 
trennen  wollte,  wie  er  dann  die  Krone  dieses  Landes  an  Johaun  von 
Böhmen  zu  bringen  gedachte,  imd  auf  die  Wahl  eines  Gegenkönigs  in 
Deutschland  hinarbeitete. 

1)  V,  A 18.  Ang.  1881,  §.  Ectl.  Nr.  8.  vgl.  liBmit  di«  Zu-tchr.  vom  12  Febr.  KiSI  Wi 
lUyn.  Nr.  22. 

2)  Vit.  Arcb.  Ep.  coipm.  P.  I,  Ep.  81. 

8)  Vat.  Ärch  ih.  «|>.  82. 

Vat.  Arcb.  ib.  «p.  «H.  Der  Bischof  sahlt  dem  Papste  für  seine  Ernennong  2(HJ0  Goldgolderi 
für  die  Kriege  des  Papstes  io  Italien.  V.  A.  Secr.  P.  I,  Ep.  :^tü. 

Vat.  Arch.  Ep.  comin.  P.  I,  ep.  .'14. 

8)  Vat.  Arcb.  Ep.  comm.  P.  lll,  ep.  1210  n.  P.  I,  ep.  46. 

7)  Vat.  Arch.  Comm.  P.  1,  ep.  802. 

8)  Vat.  Arch.  Comm.  P.  II,  Ep.  15.  a,  Ep, 

Vat.  Arch.  28.  Sept.  1H8I  a.  Beil.  Nr.  9,  o.  19.  Okt.  1881  a.  Beil.  Nr.  10. 


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31 


Italien  nahezu  verloren;  Johann  von  Böhmen,  Philipp  von  Frank- 
reich iin  Bunde  miteinander,  mit  dem  Papste;  in  Deutschland  die  vom 
Papste  ernannten  Bischöfe,  die  feindlichen  Fürsten,  eine  Zeit  lang  die 
Herzoge  von  Oesterreich,  dann  Heinrich  der  Aeltere  von  Nioderbaiem, 
Heinrich  von  Kürnthen.  die  Herzoge  von  Pommern,  Rudolf  von  Sachsen; 
dazu  die  beständigen  Agitationen  des  Papstes  und  zahlreicher  Helfer')  — 
fürwahr  eine  gefährliche  Lage  für  Ludwig  und  das  Reich! 

Sehen  wir  zu,  wie  Ludwig  nach  seiner  Rückkehr  sich  der  Gefahr 
zu  erwehren,  seine  Stellung  zu  behaupten  suchte. 

Am  6.  August  1330  gewinnt  er  nach  mehrfachen  Unterhandlungen 
die  völlige  Aussöhnung  mit  den  Habsburgern,  den  Herzogen  Otto  und 
Albrecht:®)  ein  schwerer  V'erlust  für  den  Papst,  der  durch  den  Bund, 
den  Herzog  Otto  mit  den  Bischöfen  von  Strassburg  und  Konstanz  ge- 
schloa-seu  hatte,  den  Krieg  gegen  Ludwig  schon  vor  Augen  sah  und 
dafür  eine  Geldhilfe  zugesagt  hatte.  Auch  weiss  Ludwig  seine  Nellen 
in  der  Pfalz,  mit  denen  er  sich  noch  auf  der  Rückkehr  aus  Italien  zu 
Pavia  abgefuuden  hatte,  und  von  seinen  niederbairischen  Vettern  wenigstens 
Heinrich  den  Jüngeren  und  Otto  sich  dauernd  zu  verbinden.*) 

In  einer  Reihe  von  V’ertrügen  sucht  er  sich  des  eigenen  Landes 
sowie  der  olxirdeutechen  Herren  und  Städte  zu  versichera.  Am  4.  Oktober 
1330  bewirkt  er  einen  Landfrieden  für  die  Dauer  eines  Jahres  zwischen 
dem  Bi.schof  von  Augsburg,  13  oberdeutschen  Grafen  und  Herren,  12 
schwäbischen  Städten  und  seinen  Dienstleuten  und  Städten  in  Baiem.'*) 
Am  29.  Juni  1331  vereint  er  8 andere?  schw'äbische  Städte  zu  einem 
Landfrieden  auf  die  Dauer  seiner  Regierung.*)  Beide  Bündnisse  werden 
dann  ergänzt  dui-ch  den  grossen  am  5.  Dezendjer  1331  geschlossenen 
Vertrag,  nach  welchem  zwischen  seinen  drei  Söhnen  und  dem  Herzogtum 
Baiern  einerseits,  dem  Bischof  von  Augsburg  und  22  schwäbischen  Städten 


1)  Ein  Boispiel  tt«  auch  in  den  Beil.  Nr.  14. 

2)  Urk.  bei  Olenacbla^or  LXI.  aus  GewoM. 

3)  Vgl.  namontl.  die  Gewührong  de«  Pririlegiom»  de  non  erocando  an  die  Pfiilier  ».  22.  Juni 
BUtO  bei  Oefele,  ^cripl.  rer.  boic.  II,  154  and  den  Bandbrief  Ottos  und  Heinrichs  des  Jüngern  Ton 
Niederbaiem  1.  c.  t.  2U.  Juni  1331,  I.  c.  1>V». 

4)  Bübmer  Reg.  Ludwigs  Nr.  1223.  erneuert  stn  10.  Juni  auf  weitere  2 Jahre  ib.  1551. 

5)  a.  a.  0.  Nr.  133*>. 


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32 


anderseits  auf  die  Dauer  von  Ludwigs  Lel)en  und  dann  noch  auf  zwei 
weitere  Jahre  ein  gegenseitiges  Schiitzhündnis  Iwstehen  soll,  insbesondei*e 
auch  für  den  Fall  einer  neuen  Kimigsw'ahl.') 

In  den  folgenden  Jahren  bewirkt  er  gleichartige  Bündnisse  unter 
den  Standen  und  Städten  am  Rhein.  Am  22.  Juli  1332  verbindet  er 
die  Städte  Mainz.  .Strassburg,  Worms,  Si>eiei',  Oppenheim  mit  den  Erz- 
stiften Trier  und  Mainz  und  den  Hochstiften  Speier  und  Worms  zu 
einem  zweijährigen  Landfrieden,  der  dann  am  30.  Nov.  1334  auf  weitere 
2 Jahre  erneuert  wini.*)  Man  geht  irre,  wenn  man  diese  Ijandfriedens- 
bündnisse  geschlos.s«>n  wähnt,  der  Fehdelust  zu  wehren,  der  friedlichen 
Entwicklung  im  Lande  Raum  zu  schäften.  Sie  sind  vor  allem  Schutz- 
bündnisääe  für  den  Kaiser  selbst,  sie  sind  die  .\ntwort  dos  Kaisers  auf 
jene  Versuche  des  Papstes,  <las  Schwert  iler  deutschen  Stäinle  wider  ihren 
Oberhen-n  wachzurufen.  Der  eigentliche  Feind  ist  in  diesen  Bündnissen 
nicht  genannt:  aber  die  Verbündeten  wollen  Zusammenhalten  gegen  jeden, 
der  sie  angreift.  -Sie  sind  gescdilossen  mit  Gunst,  Gebot  und  Willen  des 
Kaisers;  aber  der  sie  gebietet,  steht  sellwt  nnter  ihrem  Schutze. 

Die  Anhänglichkeit,  die  Treue  der  Städte  gewinnt  der  Kaiser  durch 
zahlreiche  Privilegien.  Die  Urkundenregesten  aus  diesen  .Jahren  ver- 
zeichnen eine  ungewöhidich  gi’osse  Zahl.  Er  w'urde  bald  inne,  da-ss  Insi 
diesen  freien  Gemeinwesen,  die  mehr  auf  die  Ausbildung  der  Freiheit 
als  auf  die  Ausdehnung  der  Herrschaft  bedacht  waren,  'der  sicherste 
Rückhalt  gegen  die  Herischsucht  der  Fürsten  und  der  kräftigste  Sinn 
für  die  Ehre  des  Reiches  zu  finden  sei.-’)  Die  Städte  bestanden  die  Probe 
der  Treue,  als  die  Kurie  ihren  Einfluss  auf  das  religiöse  Leben  in  uner- 
hörter Weise  aufl)ot,  dieselbe  wankend  zu  machen. 

Auch  den  Ordens-  imd  Welt-Kleras  ist  Ludwig  bemüht,  durch  grosse 
Vergünstigungen  auf  seine  Seite  zu  ziehen  oder  wenigstens  zur  Unthiltigkeit 
den  Anforderiuigen  des  Papstes  gegeni'iber  zu  bestimmen.  Wir  erwähnen 
hier  nur  der  beiden  Gnadenbriefe  vom  27.  Mürz  1332  und  vom  15.  iPärz 


1)  ».  a.  0 Nr.  l;tts. 

2)  a.  a.  0.  Xr.  1477  und 

’i)  Vergl.  die  üriefe  der  olerdcntseben  Städte  t.  2 Jan.,  IS.  F«br.  n.  21,  Mär*  in  meiner 
AbbanJ!.:  Der  kirchenpol.  Kampf  etc.  S 6!)  f. 


J 


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33 


1333;')  mit  dem  ersten  will  er  die  bairischen  Pfarrer,  mit  dem  zweiten 
die  bairischen  Mönche  an  sich  ketten,  indem  er  ihnen  Befreiung  von 
weltlicher  Gewalt,  von  Steuern  und  Diensten  zuspricht.  Auch  dem  nicht 
bairischen  Klerus  gewährt  er  zahlreiche  Gnadenbriefe  gleicher  Art. 

Aber  nicht  bloss  auf  dem  friedlichen  Wege  der  Verhandlungen,  der 
Vergleiche  und  Zugeständnisse  sucht  Ludwig  die  Befestigung  seiner 
Stellung,  die  Wiederherstellung  seines  Einflusses.  Kr  ist  nicht  minder 
rührig  im  .\ngriff.  Eben  jenes  Waffonbündnis  zwischen  Otto  von  Oester- 
reich und  den  Bischöfen  von  Strassburg  und  Konstanz,  das  mit  dem 
Ueberg.ang  Ottos  in  das  kaiserliche  Lager  endete,  hat  er  durch  einen  • 
raschen  Zug  gegen  diis  von  Otto  bedrohte  Kolmar  gesprengt.*)  Gegen 
die  ihm  vom  Papste  zur  Bestreitimg  seines  Sohnes  in  der  Mark  Bran- 
denbiu-g  erweckten  Feinde  versichert  er  sich  des  bewaffneten  Zuzuges 
von  24  norddeutschen  Fiu-sten,  Grafen  und  Hen’en.®) 

Als  Johann  von  Böhmen  sein  reichsfeindlichos  Unternehmen  in  Italien 
mit  so  raschen  Erfolgen  ins  Werk  gesetzt  hatte^  ruft  er  zuerst  auf  dem 
Keichstag  zu  Nürnberg  im  April  1331  eine  Erklärung  gegen  Johann 
hervor, ■*)  schliesst  dann  am  3.  Mai  mit  den  Herzogen  von  Oesterreich,  ' 
den  Pfalzgrafen  bei  Bhein,  dem  Markgrafen  von  Meissen  und  seinen 
zwei  Söhnen  Stephan  mid  Ludwig  ein  Bündnis.*)  ernennt  am  4.  Mai 
Otto  von  Oesterreich  zum  Reichsvikar®!  luid  kommt  mit  diesem  dahin 
überein,  dass  er  in  Verbindung  mit  den  Königen  von  Ungarn  und  Polen 
Böhmen  angreife.*)  Durch  die  ihm  von  Ludwig  drohende  Gefahr  sieht 
sich  Johann  genötigt,  Italien  zu  verlassen,  vor  Ludwig  in  Regensburg  zu 
erscheinen  und  dessen  Hoheit  über  Italien  anzuerkennen,  wenn  gleich  das 
nur  zum  Scheine  geschah.  Den  König  vor  dem  Kriege  zn  sichern,  den 
er  durch  Otto  von  Oesterreich  ihm  bereitet  hat,  hält  Ludwig  nicht  für 
gut.  Der  Böhme  eilte  von  Regensburg  nach  seinem  Lande,  dem  drohen- 

1)  BShiner  a.  a.  0.  Nr.  a.  1521. 

2)  Oesta  Bcrtboldi  a.  a.  0.  :104.  ^ 

3)  Im  Oktob«r  1:W1.  Oefele  1,  764  rgl.  li^bmcr  Keg.  Ladwi-.:«  Nr.  1;J59  upd 

4)  Petr.  V.  Zittaa  bei  Ijoaerth  a.  a.  0,  S.  4^7. 

5)  B6hmer,  Reg.  Ludw.  Nr.  1294. 

6)  I.  c.  Nr.  1297. 

7)  Petr.  T.  Zittau,  b.  Loeerth  S.  4S7.  Brief  de*  Notars  Johanns  Heinrich  t.  26.  Not.  13H1. 

ef.  4>^2. 

Äbb.  d.  III.  CI.  d.  k.  Ak.  d.  Wiss  XV.  Bd.  II.  Abth.  A 


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34 


den  Einbrüche  der  Feinde  zu  begegnen.  Als  ihn  dann  seine  ita- 
lienischen Angelegenheiten  veranlassten  nach  Paris  zu  gehen,  um  König 
Philipj)  für  sich  zu  gewinnen,  muss  er  den  Krieg  unbeendet  hinter  sich 
zurflcklas.sen.  Die.se  Fortdauer  der  (iefahr  nötigte  ihn.  ehe  er  Deutschland 
verliess.  dem  Kaiser  durch  jenen  V'erti'ag  zu  Frankfurt  abermals  zu 
willen  zu  sein.  Ludwig  liess  sich  indes  durch  Johanns  Versprechungen 
nicht  täuschen;  cs  ist  ihm  wohl  auch  der  Inhalt  des  V'ertrags.  den  Johann 
sehr  bald  nach  dem  Frankfurter  Tage  zu  Fontainebleau  schloss,  nicht 
imhekannt  geblieben.  Er  ergriff  die  Gelegenheit,  die  ihm  der  Streit 
um  die  llegienmg  unter  den  Herzogen  von  Niederbaiern  lx)t,  um  Heinrich 
den  Aelteren,  den  Schwiegereohn  Johanns,  in  Straubing  zu  beskriegen  und 
so  mittelbar  Johann  selbst  zu  schwächen.')  So  wurde  die  Lage  Böhmens, 
da  ohnedies  der  Krieg  mit  Oesterreich  nicht  glücklich  verlief,  noch  ge- 
fiihrdeter.  Diese  Lage  war  es,  welche  ,Tohann  zu  den  schon  früher  erwähnten 
Nürnberger  Verträgen  mit  Kaiser  Inidwig  nötigte.  Johann  hatte,  wie 
die  V'erträgo  selbst  zeigen,  weder  durch  die  V'ersprechmigen,  die  er  hier 
gali,  noch  diirch  die  V'erlobung  seiner  Tochter  mit  dem  Sohne  dos  Kaisers 
Ludwigs  Misstrauen  besiegt.  Aber  für  Ludwig  war  durch  diese  V'erträge 
die  mächtige  Bürgschaft  Balduins  von  Trier  gewonnen,  die  ihm  dessen 
Bundesgenossenschaft  sicherte,  wenn  Johann  ihn  „am  Reiche  irren  wolle.“ 

So  ist  der  Kaiser  im  Angu.st  des  Jahres  1332  Herr  der  politischen 
Lage.  Die  Uebermacht  seiner  Stellung  ist  in  der  schon  oben  benützten 
Instruktion  des  mit  Johann  eng  verbundenen  Heinrich  von  Kärnthen  be- 
zeugt. wenn  nach  dieser  Heinrich»  Bote  dom  König  die  Schwierigkeit 
ein<?s  Krieges  mit  dem  Kaiser  durch  den  Hinweis  auf  dessen  Macht  vor- 
stollen  und  zugleich  erklären  soll,  dass  Heinrich  der  Aufforderung  Ludwigs, 
vor  ihm  zu  erscheinen,  nicht  länger  sich  widereetzen  könne. 

Johanns  Macht  in  Italien  hatte  dadurch,  dass  ihm  Mastino  della 
Scala  von  VT^rona  im  Juni  1332  das  groase  Gebiet  von  Brescia  entriss, 
einen  tödlichen  Stoss  erhalten.  Sio  erlag  nach  dem  wenig  austragenden 
Siege,  den  Karl,  Johanns  Sohn,  im  November  bei  San  Felice  errang, 
bis  zu  dem  folgenden  Jahre  dem  vereinten  Hasse  der  italienischen  Liga.*) 


1)  Vgl.  Petr.  T.  Zittaa  I.  c.  S.  4‘Jl. 

2)  Ueber  den  Verlauf  duw’r  Kämpfe  «.  Puppebnann. 


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35 


Ob  an  diesem  Ziisammenbreehen  der  Macht  Johanns  in  Italien 
Ludwig  irgend  welchen  Anteil  gehabt  habe,  darüber  fehlen  bis  jetzt  die 
Zeugnisse.  Nur  schwache  Spuren  sind  es,  die  auf  eine  jwlitische  Ver- 
bindung Ludwigs  mit  den  Feinden  der  luxemburgischen  Herrschaft  in 
Italien  hindeuten.  In  dem  Waffenstillstand,  den  Johann,  als  er  nach  dem 
Zusammenbruche  seiner  Macht  im  J.  1333  Italien  für  immer  verliess, 
mit  der  Liga  schloss,')  erkennen  die  lombardischen  Städte  Ludwig  als 
ihren  Oberherrn  an,  während  sie  bei  Abschluss  ihres  Bimdes  gegen 
Johann  im  Jahre  vorlier  wetler  des  Kaisers  noch  des  Reiches  gedacht 
hatten.  Als  es  sich  um  die  Mitte  des  Jahres  1334  um  ein  wider  den  Papst 
zu  berufendes  Konzil  handelte,  finden  wir  den  Bischof  von  Como  unter 
denen,  welche  den  Plan  mit  ins  Werk  zu  setzen  suchen,  und  er  wie  die 
Scala  in  Verona  sind  es,  an  welche  Streitschriften  wider  Johann  X.VII. 
geschickt  werden.") 

Indessen  hätte  es  in  Italien  der  Einmischung  des  Kaisers  nicht  einmal 
bedmft,  um  die  böhmische  Herrachaft  zu  zeratören.  Es  sorgte  hiefür  schon 
der  Hass  der  Italiener  gegen  die  fremde  Gewalt  in  ihrer  Alitte. 

Die  bis  jetzt  erwähnte  politische  Thätigkeit  Ludwigs  hatte  mittelbar 
auch  dem  Papste  Abbruch  gethan,  dessen  Absichten  jene  dem  Kaiser 
feindlichen  Fürsten  dienstbar  waren.  Nicht  minder  thatkräftig  zeigt  sich 
Ludwig,  wo  es  gilt,  der  mehr  unmittelbaren  Einmischung  des  Papstes 
in  die  Kcichsverhältnisse  entgegen/ uw irken  oder  do:i  Einfluss  derjenigen 
unter  dem  Klerus  zu  vernichten  oder  zu  hemmen,  welche  sich  zu  Werk- 
zeugen der  päj)stlichen  Angriffe  gebrauchen  liesseu.  Den  Anstrengungen 
Joluums  gelang  es  nicht,  einen  Reichstag  wider  Ludwig  zu  stände 
zu  bringen  oder  die  Ffu'sten-  und  Reichsversammlungen,  welche  Ludwig 
anordnete,  zu  vereiteln.  Den  Briefen  des  Papstes  zum  Trotz  hält  Ludwig 
einen  Füi'stentag  im  Juni  1330  zu  Speier,')  in  der  Zeit  vom  April  bis 

1)  S.  Ficicer  a.  ».  0.  S.  161. 

2)  H6fl<>ra.  a.  0.  S.  11  o.  lll.  S.  II  heiml  ca:  nuncius  donimi  ekcti  Kttnaiii  reoit  ail  Impcratorem 

ete.  H5Hcr  vermutet  »Utt  Kunaiii  Camnui,  wa«  mir  durch  daa,  was  wir  S.  12  finden;  (*umu 
niittatar  reaponsio  Domini  N.  (Napoleon  Oraini)  zn  werilen  scheint. 

H)  Cäscna  richtet  zwiacben  Februar  and  Juni  ein  Schreiben  an  Ladwi^  und  dio  zu  einem 
rarlamcnlo  verMmnielten  Ffiraten.  Dass  das  Schreiben  innerhalb  der  angegebenen  Zelt  verfasst  seu 
dafbr  B.  nnten  8.  dS  n.  -VJ  Anni.  den  Beweis.  Steht  diese  Zeit  im  allgeiiicinen  fe»t,  dünn  folgt 
aa.i  der  Vergleichung  der  ßegesten  Ludwiga,  dass  jene  Versammlung  au  Speior  stattfand. 


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36 


Juni  1331  einen  Ueichstiig  zu  Nürnberg,  iin  August  1332  wieder  zu 
Nürnberg,  im  J.  1333  einen  Hoftag  zu  Frankfurt. 

Don  pä]wtlichen  Bischöfen  begegnet  fast  überall  in  den  Bistümern 
ein  von  ihm  kräftig  unterstützter  Widerstand,  und  es  gelingt  in  den 
meisten  Füllen,  den  von  der  kaiserlichen  Partei  Gewählten  den  Besitz 
des  Bistums  zu  verschaffen  oder  zu  erhalten. 

Als  der  reichstreue  Balduin  von  Trier  auch  das  Erzstift  Mainz  an 
sich  gebracht  hatte,  schirmt  ihn  Ludwig  mit  allen  seinen  Mitteln  gegen 
den  • Papst  und  den  von  diesem  ernannten  Heinrich  von  Virneburg. 
Das  ganze  Domkapitel,  nicht  Einzelne  nur,  hatte  hier  Balduin  ge- 
wählt') und  beharrte  den  Zensuren  des  Papstes  gegenüber  bei  seiner 
Wahl.  Am  11.  Dezember  1331  verpflichten  sich  der  Kaiser  und  Balduin 
gegenseitig,  dass  keiner  ohne  den  andern  mit  dem  Papste  Frieden 
schliessen  wolle.*)  Der  Kaiser  spricht  kurz  nachher  wider  die  Stadt 
Maiiui,  ilie  es  mit  Heinrich  hielt,  die  Acht  aus.  Wie  in  Mainz,  so  ist 
auch  in  Worms  die  Mehrzahl  dos  Klerus  auf  Ludwigs  Seite.  Hier  hat 
das  Domkapitel  den  vom  Papste  ernannten,  von  Ludwig  als  Hochverräter 
bezeichneten  Salmann  vertrieben.  Gegen  150  Kleriker  derTliocese  wurden, 
weil  sie  Salmann  nicht  anerkennen  wollen,  nach  Avignon  beschieden,*) 
ohne  [dass  die  Geforderten  dem  Befehl  Folge  geleistet  hätten.  Gegen 
den  päpstlichen  Kandidaten  in  Hildesheim  ernennen  Propst  imd  Kapitel 
Heinrich  von  Braunschweig  zum  Bischof,  und  diesem  gelingt  es  das 
Bistum  in  Besitz  zu  nehmen.'*)  Auch  in  Schleswig  vermag  der  vom  Papste 
emamite  Hellembert  keine  Anerkennung  zu  gewinnen.*) 

In  Basel  ist  Johann,  Bischof  von  Langres,  Administrator  des  Bistums. 
Sein  Vikar  ist  Johann,  der  Prior  von  St.  Alban  bei  Basel.  Mit  einem 
Heere  war  dieser  ausgezogen  dem  Bischof  Berthold  von  Strassburg  zu 
Hilfe,  den  Ludwigs  Anhänger  angegriffen  hatten;  aber  Ludwig  kam  herbei 
und  nötigte  Berthold  zur  Unterwerfung,  den  V^ikar  von  Basel  zum  llückzug. 


ll  VrI.  Beil  Nr.  9. 

2)  Dominicafi  2S9. 

3)  Vgl,  Beil.  Nr.  10.  8.  <U  «Dcb  ölier  daa  Verhalten  der  Stadt  Worm*, 

4)  S.  Heil.  Nr.  12. 

5)  8.  Beil.  Nr.  11. 


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37 


Zu  spät  niahut  der  Papst  zu  neuem  Vorgehen  gegen  die  Anhänger 
des  Kaisers.')  * 

In  Würzburg  wollte  ein  Teil  des  Klerus  den  Kanzler  Ludwigs 
Hermann  von  Lichtenberg  zum  Bischöfe  haben,  wie  der  Papst  selbst 
bezeugt,  und  in  Ludwigs  Gegenwart  wurde  die  Wahl  durchgesetzt  am 
30.  Juni  1333.*)  Auch  hier  vermochte  der  von  der  Minderzahl  gewählte 
päpstliche  Kandidat  Otto  von  Wolfskehl  nicht  aufzukommen,  so  lange 
der  vom  Kaiser  geschirmte  Hermann  lebte. 

Viele  vom  Klerus  unterwarfen  sich,  als  sie  die  rücksichtslose  Ent- 
schiedenheit sahen,  mit  der  Ludwig  anftrat.  Edikte  des  Kaisers  im  April 
und  August  des  J.  1330  gebieten,  die  Güter  aller  Kleriker  einzuziehen, 
welche,  den  päpstlichen  Geboten  folgend,  das  Interdikt  halten  wollen.*) 
Ein  Edikt  das  Kaisei-s  vom  12.  Juni  desscllHin  Jahres  befiehlt  den  Städten,*) 
dem  Minoritengeneral  Cäsena  alle  Ordensglieder  auszuliefern , welche 
den  Befehlen  desselben  nicht  gehorchen  würden.  Andere  Edikte  wehi-en 
dem  Klerus,  Schriften  zum  Xachteil  dos  Reiches  bekannt  zu  machen,*) 
oder  gebieten,  alle  I'erdachtigen.  welche  nach  Avignon  reisen,  anzu- 
halten.®) Den  Geistlichen  von  Würzburg  droht  Ludwig  mit  Verwüstung 
der  Kirchen,  wenn  sie  ihn,  den  Gebannten,  nicht  dem  Herkommen  gemäss 
cinholen  werden.’) 

Doch  war  es  nicht  bloss  die  Gewalt,  welche  Ludwig  dem  Feinde  in 
Avignon  entgegensetzte.  Die  Häui)ter  der  strengen  Partei  unter  den  Mi- 
noriten,  welche,  vom  Papste  gebannt,  an  seinem  Hofe  sich  aufliielten,  sind 
für  ihn  seit  seiner  Rückkehr  aus  Italien  mit  unabläs-sigem  Eifer  bemüht, 
Johanns  Ansehen  durch  ilire  Schriften  zu  vernichten.  Wir  sehen  aus 
dem  oben  besprochenen  Wamungsschreiben  derselben  vom  .1.  1331,  dass 
sie  mit  ihrer  literarischen  Thätigkeit  von  den  Weisungen  des  Kaisers 


1)  31.  Okt  1333.  8.  Heil.  Nr  21.  Vf^l.  GesU  Uerfholdi  a.  a 0.  307. 

2)  8.  darüber  Müllur  a.  a.  0.  296  iT. 

3)  Efislingen  3 a.  4.  Apr,  1330,  gednicltt  bei  S.  385  u.  3H7,  Edikt  t-  18.  Aag.  13.30  b« 

Uogo  Ton  K«utHrigen  in  Böhmer  Kontos  IV.  ff. 

4)  Bei  Q>]iK  a.  a-  0.  305.  Es  Ut  ohne  Zweifel,  wie  auch  Böhmer  bemerkt,  oin  Rundschreiben. 

5)  Kege«!.  Ludwig«  bei  Böhmer  Kr.  1539.  14.  Mai  13:jB.  Welchen  Gefahren  diejenigen  sich 
ausaeteten,  welch«?  die  Prozesse  des  Papstes  Terkümleten,  daron  «.  ein  Beispiel  in  den  Beilagen  Nr.  10. 

6)  Reg.  Ludwigs  Nr.  1419  d.  d.  «30.  Jan.  13.32. 

7)  Beschleus  des  Wurzb.  Klerus  v.  20.  Jnli  13'^.  Mon.  boica.  39,  8.  502  if. 


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38 


nbhiin^g  waren.  Danmls  wehrte  er  ilinen  auf  einige  Zeit  das  Schreiben 
und  sie  erhoben  deshalb  ihre  Klage  vor  ihm.  Wir  s'ahen.  weshalb  er 
dies  that.  Er  hatte  vor,  seine  Boten  Hofmair  und  Minnebeck  nach 
Avignon  zu  senden  um  wegen  eines  Friedens  mit  der  Kurie  in 
Unterhandlung  zu  treten.  Aber  bald  nachh(!r  schon  beginnen  sie  ihre 
Thätigkeit  von  neuem.  Es  ist  da.s  änaserste  von  Polemik,  was  in  diesen 
Schriften  gegen  Johann  aufgeboten  wird.  Vor  allem  werfen  sie  ihm  als 
Ketzerei  vor,  dass  er  lehre,  Christus  habe  auch  als  ^fensch  die  Herrschaft 
Ober  die  weltlichen  Dinge  gehabt;  sodann  da.sser  beliaupte,  die  Apostel  hätten 
niemals  das  (jelübde  gethan.  alle  Dinge  zu  verlu.s.sen.  Man  sieht  leicht, 
dass  die  erstere  Lehre  dem  Papste  zur  Begründung  seiner  Machtansprüche 
dienen  sollte.  Später  ist  namentlich  Johanns  .Vnsicht,  dass  die  selig  Ent- 
schlafenen vor  der  Auferstehung  nicht  zum  unmittelbaren  Schauen  Gottes 
gelangen.  Gegenstand  ihrer  heftigtsen  .\ngriffe.  Und  der  Kaiser  vertritt 
in  öffentlichen  Ei’las.sen  die  Lehrmeinung  der  Minoriten  als  seine  eigenen, 
er  kämpft  öffentlich  gegen  Johann  mit  ihren  Argumenten,')  er  sorgt 
dafür,  dass  ihre  Schriften  verbreitet  werden.’) 


1)  S.  «Im  8c)»oq  erwilhnte  Schreiben  an  di«  Stadt  Aachen  \'om  1*J.  Joni 

2)  S.  (kn  Urief  de«  Minoriti*n  Walter,  bei  Höfler  S.  11. 

•Sehrtflen  der  Minoriten  an  Lndwiga  Hofe,  welche  in  dio  Jahn*  1-b‘lO  ■—  ^jehoren: 

1.26.  Mäns  Monachii:  CaaenAa  .ipolo^e  Johanns  22.  Bolle:  Quia  vir  reproba«.  Ine: 
Ad  perpetuara  roi  inemoriam  innot«-4cat  otc,  (nach  Wäulding  Tora.  VI,  x.5h  Irrtümlich 
wird  htefOr  die  von  Johannes  Minorita  rnitgeteilto  Schrift  (Balarias  cd.  Manai  III,  .'14t 
sqq.)  gehalten.  Dieao  letztere  iat,  wie  ich  nachgewieaen.  (der  kirchenpol.  Kampf  unter 
Ludwig  d.  B.  etc.  S.  H.'i  Anna.  4l  erst  kurz  vor  CAsena«  Tode  im  J.  I.‘U2  verfasst. 

2.  Mai  S«'hreiben  Caaena.s  mit  der  .Aufschrift:  Ludovteo  etc.  caeterisqoe  Prineipiboa, 

baronibns  et  nobiiibus  aeeatn  in  ParUmento  existeotibus,  bei  Goldaat  II,  M44  (faUclie  Pa- 
ginierung). Dass  dies  Schreiben  in  die  obciiangegebenc  Zeit  gehdre  und  nkht  in  das  J. 
wie  Uieiler  vermutet,  bfwidst  folgende«:  1.  Die  12  verxciebneten  pai>«tlieheD  IrrtQmer  sind 
r’inem  Lib**U  des  Pap«t<>s  cntiiomin«‘n,  das  dicaor  der  Appellation  Cäsena«  entgcgengtstcllt 
hat.*  Das«  dies  Lik’!!  die  am  17.  November  Id2^>  erlaasctie  Bnlle  Quia  vir  reprobiu  aas 
erweist  nicht  bloss  der  Verglekli  des  Wortlautes,  sondern  auch  der  Uiustanl,  dass  Casena 
die  IrrtQnior  mit  der  Ikihcnzahl  anfTthrt,  die  sie  in  der  Bqik  haben.  2)  CWna  bittet  den 
Kaii<cri  diese  IrrtQmer  ad  C(xde«jao  poblicara  notitiani  celeritcr  d<viqcere.  Wie  sollte 
er  selbst  erst  vier  Jahre  mit  der  Stellung  dieaer  Bitte  gewartet  haben?  3)  Cäsena  spricht 
von  einer  im  , vorigen“  Jahr  gehaltenen  Predigt  de«  Papstes,  die  einen  Sieg  iea  KQnigs 
von  CaatilU'D  über  die  Saraz^^nen  feiern  sollte.  Siege  dies  .*«  Königs  sId*!  wohl  in  den  Jahren 
ld*2«  und  IH25I,  aber  nicht  in  dem  Jahre  l:kl2  verzelchnoi.  4)  Kiii  Verzeichnis  |)ap8tl> 
IrrtOmer  im  J.  I:I3;I  würde  auch  die  Lehre  dea  Papste«  de  visione  b^'atifleä  angeHlhrt  haben. 
5)  das  Schreibe»  des  Kaisers  an  die  Stadt  .Aachen  vom  12.  Jani  1-tUJ  hat  unsere  Schrift 


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39 


So  finden  wir  Ludwig  nach  «einer  Klickkohr  aus  Italien  ini  Kampfe 
wider  seiife  Feinde.  Nach  allen  Seiten  hin  ist  er  thätig,  den  Grund, 
auf  dem  er  steht  zu  befestigen,  die  Feinde  anzugreifen.  Wir  sahen,  dass 


zur  VeraaiMieizunK,  wcnnj^leidi  e*  itur  eit 
Stellung  dem  Zwecke  des  SchreiWns  m 
päpstliche  AiitoriUt  Mcheine  jetzt  erloschen  - 
pauperum  cauaas  indesinenter  assumero  et 
(Eingang):  Jmperiali  conrenit  znaji^tati. 
daciam  coercere. 

Ci<M>na: 

Dogmatizatnsest,  qnod  Christus  In  quantum 
homn,  ab  iustAnti  eonceptionis  haboit  QDiTer> 
sale  duminium  rerum  temix>raltam  aicut  rerus 
rez  et  domitiDs  in  tcmiioraUbat!.  et  qaod 
Christus  iH)n  fnlt  dictus  pauper  ct  egenus 
propter  carentiam  dominn  rerum  temporaliuin. 

VII:  Qnod  Apostoli  nunqonm  to- 

verant  omnia  relinquere,  nec  nnquani  votum 
omnia  relinquendi  emiscrant. 


len  Teil  der  Irrtömer  heraushebt,  und  die  I>ar- 
ehr  anpasst.  Vgl  Cisena  (im  Eingang):  Die 
■'VobU  rcstat,  Iiii]wrator  piisaime,  negotia  fldei  et 
inccssanler  prosequi  etc  Ludwigs  Schreiben 
:orum  precipoc  et  fautoruni  ip'=ontm  au- 

Ludwigs  Schreiben: 

Dogmatizat  enim  erroricc,  quod  Christus  in 
quantmn  erat  humn  viator,  fuit  rez  terrenus 
ct  tnundanus  regnorum  et  principatuum.  do- 
tnintum  posridens  temporale,  nec  erat  pauper 
pr  carentiam  alicuius  frei)  tempontlis. 

— — Quod  Apo5.t"li  dominium  rerum  tem- 
poralium  nunqaam  reliqoerunt,  etquo^l  votum 
paupertati*  minime  emiserunt. 


6)  Der  Srbln^s  «tes  kaiserl  Schreibens,  welcher  alle  dem  Cisena  feindlichen  Minoriten  diesem 
aU'^zuliefern  befiehlt,  zeigt,  dass  Cisrna  um  die  Zeit,  als  Ludwig  zu  6{KMer  weilte,  sich 
an  diesen  gowendtt  haben  muss.  Das  ^chreib^n  Ludwigs  ist  am  12.  Juni  zu  Speier  erlassen. 
Da  somit  Cäsenaa  Schreiben  vor  den  Juni  iailt,  und  an  den  Kaiser  sowie  die  in  einem 
Parlamente  Tersammelten  Ehrsten  gerichtet  ist.  so  muss  bei  dem  Aufenthalt  des  Kaisera 
in  Spoier  vom  20.  klai  bia  22.  Juni  eine  Förstenveisuminlang  gehalten  worden  sein.  Damit 
stimmen  auch  die  Regesten  Lndwlgi.  bei  Böhmer  Nr.  lUd:  Verzicht  Ludwigs  auf  Holland 
zu  Gunstens  seine«  Schwagers  .mit  Einwilligung  der  Kdefaafünten*  ; Kr.  1140:  Privilegium 
de  nun  evocandu  an  Lodwigs  Vettern,  die  Pfahgrafen  bef  Rhein.  Für  eine  Fdrstenver- 
Sammlung  vor  dem  20.  Mai  geben  die  Regesten  keinen  Anhalt. 

H.  4«  Jan.  l.i:U.  Schreiben  Cä^mas:  Univerais  et  einguÜs  ministri«.  cuatodibos  etc.  luc. 
Christianae  fidoi  fundamentum.  Bei  Goidaat  II.  S 118^!•  lialuzius  gibt  den  4.  Januar, 
Wadiling  den  14.  Jan.  Lb'll  an.  Unrichtig  setzen  es  Golda.«t  und  Riezler  in  das  J.  133:);  denn 
da*  Schreiben  spricht  von  dem  bevorstehenden  ficneralkapitd  der  Minoriten,  das  der  Gegner 
Cosenaa,  Gerhard  Odonis,  nach  Perpignan  ausgeschriebeD  hatte  Dieses  Qeneralkapit>d  fand 
im  J.  1:J31  statt. 

4.  2.%  .tpril  D^)l.  Schreiben  CAsenas:  Universis  fratribaa  ordinia  etc.  Ine:  Literas  pluriom 
inagietrorum.  Bei  Goldast  II,  1236  — 12:)8  DiewU-en  Sitze  gegen  Johann,  aber  mit 
anderer  Einldtung,  als^)  wohl  für  die  OcATcniliehkcit  bestimmt : Cod.  lat.  Monte.  17S33  f.  l.M  b. 

5.  1331.  Schreiben  der  1‘heologen  an  Ludwigs  Hofe  an  dm  Kaiser,  welche«  vor  Unterliand- 
longen  mit  dem  Pai»ste  warnt.  S.  Beil.  Nr.  30  Aua  Cod  lat.  Mon.  17833 

6.  Deiemb.  13:)2.  Schreiben  Cäsenas  an  Gerhard  Odonis.  Inc:  Teste  Salomone.  Gedruckt, 
so  weit  cs  erhalten  ist,  in  m Abbaiidlong:  der  kirchenpol.  Kampf  etc.  Beilage  I. 

7.  1333  od.  1334  (vergl  Kiezlor  a.  u.  0.  24b)  Occain:  Tractatus  de  dogmatibus Johannis  XXII. 
papae,  bei  Goldast  ll,  740  — 770. 

8.  1330'*  1333  (vcrgl.  Rh-zler  243  n.  301)  Occam:  Opus  nenaginta  dicrum.  Bei  GoMast  II, 

903  1236. 


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40 


er  es  mit  grossem  Erfolge  that.  Der  gleichzeitige  und  dem  Kaiser 
feindliche  Heinrich  von  Rebdorf  bemerkt  zutn  J.  1333:  die  vom  Paijste 
gesetzten  Bischöfe  und  Prälaten  seien  von  Ludwig  mit  Kraft  bekämpft 
und  viele  derselben  vertrieben  worden.  Trotz  der  päpstlichen  Prozesse 
halie  ihm  fast  ganz  Deutschland  gehorcht.')  Und  es  ist  nicht  etwa  so 
bei  Ludwig,  dass  Zeiten  der  Thätigkeit  mit  Zeiten  der  Erschlaffung  ab- 
gcwechselt  hätten;  der  Kampf  gegen  die  Feinde  geht  wenn  auch  in 
verschiedenen  Formen  doch  ununterbrochen  foi’t. 

Es  bedurfte  dieser  Zusaunnenstellung  von  Thatsachen,  um  den  Boden 
für  die  nun  folgenden  Erörterungen  zu  gewinnen.  Sie  betreffen  zwei 
Seiten  in  Ludwigs  Politik,  die  man  bisher  als  Zeichen  der  Schwäche  des 
Kaiser  nnd  von  Gesichtspunkten  aus  beurteilt  hat,  die  ausserhalb  des 
Kreises  liegen,  in  welchem  peine  sonstige  Thätigkeit  sich  bewegt. 


— 34.  Tlonagratia:  KoiniiwnUr  xu  d««  Pa)x4teii  tiehre  de  visioiie  D^i,  Vat.  Bibi  Coti. 
400li,  cf.  RaynaM  13;H  Nr.  Hl. 

10.  13H4.  Bouaf^iatiaa  A|>p«11ation  an  ein  allgenifinp«  Koozi),  «rwähnt  in  dem  Schreiben  des 
Minoriten  Walter  an  Cäscna  bei  Höflor,  Aus  Avignon  S.  11.  cf.  lUynald  ad  a.  lH34Kr. ‘14 
und  31.  Et  ist  fraglich,  ob  diese  Schrift  ifieotiich  sei  mit  der  Torhergehendeu. 

11. — 13.  132h  — drei  Schriften,  deren  Anfänge  in  dem  obenangefQbrten  Schreiben  r«  4.  Jan. 

angegeben  werden,  und  als  deren  Verfasser  die  appcllantes  iiiagislri  in  sacra  pagina 
bezeichnet  sind : 

a)  Pe  patre  impio  qaemntnr  filii. 

b)  Principales  haereses. 

e)  Quicurque  ?u]t  aaWns  esse. 

14.  Zwischen  1320  *•  1334.  Replik  auf  einen  libellus  allegationnm,  in  welchem  gegen  Casenas 

^ 4p|>eUation  und  des  Kaisers  Sentenz  gegen  Johann  XXII.  qoidain  errorea  noviter  divulgantur. 
Verfasser  angenannr.  Inc:  Quoniam  contra  ^.inctam  UnmAnam  ecclesiaro,  katholicam  fidem 
etc.  Cod>  lat.  Mon.  17833  f.  145,  bricht  f.  151  ab. 

1.5.  I:130  — 13.34.  Vou  einem  ungenannten  Verfasser;  StreiUebrift  wtder  die  Ansprüche  des 
Papstes  auf  die  höchste  tiewalt  in  weltlichen  Dingen  Cod.  lat.  Mon.  10635  f.  4^3  sqq. 

16.  1333-*Di^l4.  Itationes,  per  quas  probatur,  quod  Gcraldus  (Gerhard  Odonis)  est  haereticas.  Er* 
wahnt  im  Selirelben  Walters  bei  Höfler  S.  12  Die  Forderung  Wallers,  diese  Schrift  nach 
Avignon  zu  schicken,  zeigt  gleichfalls,  da»  die  inneren  Streitigkeiten  unter  den  Minoriten  mit 
zur  Befehdung  des  Papstes  dienen  musstet],  und  dass  Schriften  wie  diese  oder  die  3,  4u.6 
gt-nauntcD  auch  in  weiteren  als  den  nächsten  minoritischen  Kreisen  verbreitet  worden. 

1)  Bei  Höhmer,  Fontes  IV,  520:  ln  Alemania  ntagnum  schisma  est  in  elero  et  pupulo  ex  pro- 
viaionibus  sedia  apostolice  ad  episcopatus  et  sollempnes  prelaturas  et  alia  benefleia.  Quas  idem  Lu- 
dewicus  in  odium  sedis  apostolice  fortiter  impedivit,  multos  etiam  proviso«  a seile,  qoi  ei  obsedire 
nolebant.  admisit  (aniovit  ?J.  et  ipei  tota  quasi  Alemania  non  obstantibas  sedis  apostolice  proeessibus 
obedivit. 


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41 


Dt«  Verhandlnn^n  in  ATlgnon. 

Es  scheint  mir  anf^esiclits  der  gleichzeitigen  Thatsachen  unmöglich, 
die  Friedensunterhandlnngen,  welche  l<udwig  während  der  Jahre  1330 — 34 
zu  Avignon  führen  Hess,  auf  religiöse  Bedenken  oder  überhaupt  auf  Kleinmut 
zurückzuführen,  wie  dies  bis  auf  die  Gegenwart  herab  geschehen  ist 

In  derseltjen  Zeit,  in  welcher  Johann  von  Böhmen  und  Balduin  von 
Trier  dem  Papste  mit  Bewilligung  Ludwigs  Vergleichsvorschläge  machen, 
erlässt  dieser  das  schon  erwähnte  öffentliche  Ausschreiben  (12.  Juni  1330), 
in  welchem  gesagt  ist,  diws  , Jakob  von  Caturrho,  der  sich  Papst  .Johann 
XXII.  zu  nennen  anma.sst,  fünf  Konstitutionen  erla,ssen  habe,  in  welchen 
er  die  abscheulichen  Lästerungen  seines  Wahnsinns  als  Dogmen  öffentlich 
verkünde.“  Er  nennt  ihn  einen  Häretiker,  der  seine  Thorheit  und 
Unwissenheit  in  theologischen  Dingen  sowie  in  denen  des  natürlichen 
Rechtes  in  den  erwähnten  Schriften  vor  aller  Welt  dargelegt  habe.  Nach 
den  Satzungen  der  Konzilien  sei  er  als  Ketzer  aller  Würde  und  Macht 
beraubt.  Darum  solle  niemand  es  wagen  seinen  Befehlen  und  Sentenzen  zu 
gehorchen  u.  s.  w.  Er  befiehlt  den  Städten,  den  V^erteidiger  der  Wahrheit 
Michael  von  Cäsena  und  alle,  die  es  mit  ihm  halterf,  zu  schirmen  wider 
jedermaim;  auch  alle  Minoriten,  welche  dem  General  widerstreben,  auf 
dessen  Verlangen  in  den  Kerker  zu  werfen. 

Und  nehmen  wir  die  letzte  der  für  Jjudwig  durch  die  Könige  von 
Böhmen  und  Frankreich  au  der  Kurie  geführten  Unterhandlungen,  bei 

welcher  es  sich  um  den  Verzicht  auf  die  Krone  zu  Gunsten  Heinrichs 

von  Niederbaiern  handelte,  so  fällt  hier  gleichfalls  auf,  dass  diesen  Be- 
mühungen eine  Reihe  sehr  entschiedener  .Angriffe  Ludwigs  auf  die 
.Anhänger  des  Pajistes  in  Deutschland  zur  Seite  geht.  Die  Unter- 
handlungen nämlich  haben  von  seiten  Johanns  zum  mindesten  schon  im 
Oktober  1333  in  Avignon  begonnen  und  sie  dauerten  bis  in  den  Juni 
1334.  Aber  um  die  Zeit  des  Anfangs  derselben  bekriegt  Ludwig  den 

Bischof  von  Strassburg,  den  eifrigen  Anhänger  des  Papstes,  und  wie 

bitter  man  das  in  .Avignon  empfindet,  wird  aus  dem  obenangofuhrten 
Briefe  dos  Papstes  an  den  Prior  von  St.  Alban  in  Basel  ersichtlich, 
in  welchem  <ler  Kaiser  als  ein  Diener  des  Satans  bezeichnet  wird. 
Und  gleichfalls  in  die  Zeit  jener  Unterhandlungen  fällt  es,  dass  Ludwigs 
Abh.d.  III.  Cl.it  t Ak  a.W«.  XV.Bd  ll.  .Abtli.  8 


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42 


Kanzler  Hermann  von  Liclitenberg  sich  des  Bistums  Würzburg  gegen 
den  vom  PajMrt  ernannten  Otto  von  Wolfskehl  bemächtigte,  wobei  ihm 
der  Kaiser  selbst  Hilfe  ziiführte. 

Wie  sollten  da  die  Unterhandlungen  Ludwigs  mit  Papst  Johann  auf 
religiöse  Motive,  auf  Gewissensunruhe  und  daraus  entspringenden  Kleimnut 
zuriickzuführen  sein  ‘i 

Sehen  wir  nun  auf  die  Unterhandlungen  selbst.  Ich  habe  schon  in 
meiner  früheren  Arbeit  über  Imdwig  den  Baier  gegen  Riezler  nachzu- 
weisen gesucht,  dass  nicht  die  Prokuratoriun  Ludwigs  für  seine  Gesandten 
in  Avignon,  sondern  die  geheimen  Instruktionen,  die  er  den  Gesandten 
mitgal),  für  die  Frage  entscheidend  seien,  wie  weit  der  Kaiser  gewillt 
war,  der  Kurie  nachzugel)en.  Wir  haben  aus  der  Zeit  Johanns  nur 
noch  die  Instruktion  vom  14.  Oktober  1331,')  welche  den  Gesandten 
Minnebeck  und  Hofnmir  bei  den  in  der  nächstfolgenden  Zeit  in  Avignon 
zu  führenden  Verhandlungen  zur  Richtschnur  dienen  sollte.  Alxtr  sie 
genügt ; denn  aus  der  Art,  wie  der  Papst  die  übrigen  V'erhandlungen 
abwies,  ist  ersichtlich,  dass  die  Zugeständnisse,  die  Ludwig  in  denselben 
zu  machen  wirklicli,  bereit  war,  nicht  grösser  gewesen  sein  können,  als 
die  vom  14.  Oktober  1331. 

Iler  Brief  Ludwigs  an  den  Papst,  welchen  Minnebeck  und  Hofmair 
ül)erbruigen.  ist  in  einem  sein'  ehrerbietigen,  aber  nicht  in  besonders  unter- 
würfigem Tone  gehalten.  Im  Eingänge  nennt  er  sich  Ludwig  von  Gottes 
Gnaden  Kaiser  der  Römer.  Er  beklagt  den  Zwiespalt  und  seine  Folgen;  er 
ersucht  den  Papst,  der,  wie  er  vernommen,  zur  Eintracht  geneigt  sei, 
mit  seinen  Weisen  auf  Mittel  bedacht  zu  sein,  durch  welche  der  Friede 
unter  Wahrung  der  Ehre  der  Kirche  und  des  Reiches  erreicht  werden 
könne.  Er  sei  bereit  alles  zu  tlmn,  soweit  es  die  Ehre  des  Reiches 
gestatte. 

Diesem  Vorbehalt  entspricht  nun  auch  die  Instruktion.  Ihr  zufolge 
sollen  die  Gesandten  die  Ehren  und  Rechte  des  Kaisers  und  Reichs  zur 
ersten  Richtschnur  nehmen. 

Bei  der  Forderung  des  Papstes,  dass  der  Kaiser  eine  Busse  auf  sich 
nehme  wegen  dessen,  was  er  wider  den  römischen  Stuhl  gethan,  macht 


1)  Gewold,  IWeniio  Lndoviei  IV.  Im)L  Ingolat.  1618  118 


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43 


Ludwig  einen  bemerkenswerten  Unterscbied.  Busse  dafür  zu  nehmen, 
dass  er  wider  den  Glauben  der  Kirche  gehandelt  hat»,  verweigert  er. 
Er  achtet  sich  durch  die  Prozesse  des  Papstes  in  dieser  Hinsicht  nicht 
gebunden.  Eine  leichte  zeitliche  Busse  für  anderweitige  Verletzungen 
des  römischen  Stuhles  zu  übernehmen  sei  er  bereit,  und  ebenso  zur  Bitte,  dass 
der  Bann,  der  ihn  um  solcher  anderweitiger  Verletzungen  willen  getroffen, 
aufgehoben  werden  möge.  Die  Barfflsser  will  er  gerne  ,in  seine  Uichtuiig“ 
mit  aufnehmen  und  sie  zu  bewegen  suchen,  dass  sie  dem  Stuhle  fortan  ge- 
horchen. Weigern  sie  sich  dessen,  so  will  er  sie  nicht  mehr  schirmen. 
Thun  sie  fortan  etwas  wider  den  Glaul>en,  und  geht  der  Papst  den 
Kaiser  darum  an,  so  will  er  „den  Glauben“  schirmen.  Man  hat  dieses  Zu- 
geständnis dem  Kaiser  verdacht,  als  habe  er  seine  bisherigen  Bundes- 
genossen damit  preisgegeljen.  Aber  man  h.at  übersehen,  dass  die  Richtung, 
in  die  er  sie  mit  aufnehinen  will,  eine  solche  ist,  nach  welcher  er  die 
Prozesse,  welche  ihn  als  Häretiker  verurteilt  haben,  in  keiner  Weise 
als  bindend  erachtet,  dass  er  also  mit  seinem  bisherigen  Verfahren  im 
Glauben  der  Kirche  zu  stehen  meint.  Es  ist  demnach  ein  für  die  Theo- 
logen sehr  ungefährliches  Zugeständnis,  wenn  er  sagt,  dass  er  wider  sie 
den  Glauben  schirmen  wolle,  falls  sie  etwas  thäten,  was  wider  denselben 
wäre,  und  das  um  so  mehr,  als  Ludwigs  Worte  sich  auf  etwaige  künftige, 
nicht  auf  die  früheren  Thaten  derselben  beziehen. 

Eine  neue  Weihe  und  Krönung  zu  empfangen  ist  Ludwig  bereit; 
doch  nur  um  dem  Stuhl  seine  Ehre  su  lassen,  da  es  das  Herkommen 
also  mit  sich  bringe.  Aber  die  Krönung  von  1328  wird  mit  dem 
damals  bestehenden  Streite  entschuldigt,  und  auf  sie  nur  verzichtet,  wenn 
sofort  die  neue  erfolgt 

Andere  Eide,  als  seine  Vorgänger  im  Reiche  dem  Papste  geleistet 
wird  er  nicht  schwören;  anderes  als  was  jene  dem  Stuhle  zugeshmden, 
wird  er  nicht  zugestehen. 

Wir  sehen,  das  sind  Zugeständnisse,  die  alle  auf  der  Voraus-setzung 
ruhen,  dass  Ludwig  bisher  rechtmässiger  König  und  Kaiser  war,  imd  dass 
die  Prozesse  des  Papstes,  welche  ihn  als  Ketzer  verurteilt  haben,  keine  An- 
erkeimung  von  ihm  erhalten.  Die  neue  Weihe  und  Krönung  wird  zu 
einer  blossen  Frage  der  Etikette  gemacht.  Hätte  der  Papst  auf  dieser 

6“ 


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44 


Grundlage  Friede  geBchlossen:  er  würde  nicht  eine  Niederlage  des  Kaisers, 
sondern  seine  eigene  besiegelt  halien.  Denn  alle  Ansprüche  des  Papstes  auf 
die  Oherherrlichkeit  über  das  Reich,  aus  denen  der  ganze  Streit  ent- 
sprungen war,  wären  damit  stillschweigend  zurückgenoinnien  gewesen. 

Wenn  es  nun,  wie  auch  diese  Instruktion  uns  gezeigt  hat,  weder 
religiöse  Motive  noch  eine  unglückliche  Lage  der  V'erhältnisse  und  daraus 
entspringender  Kleinmut  waren,  welche  Ludwig  in  den  .1.  1330 — 34  zu 
Unterhandlungen  mit  Avignon  geführt  haben,  wenn  wir  vielmehr  Ludwig 
in  dieser  ganzen  Zeit  entschlossen  für  die  Rechte  des  Reiches  eintreten 
sehen,  so  werden  wir  von  selbst  zur  Erklärung  der  Verhandlungen  aus 
den  j>ei’bönlichen  und  individuellen  Beweggründen  lieraus  auf  Motive 
geführt,  welche  lediglich  dem  Gebiete  der  politischen  Zweckmässigkeit 
angehören.  Und  diese  Motive  sind  nicht  schwer  zu  erkennen. 

Erstlich  war  ein  Frie<le  auf  Grundlagen,  welche  die  Ehre  und  die 
Rechte  des  Reiches  nicht  gefährdeten,  jedenfalls  Ijesser  für  die  innere 
Entwicklung  wie  für  die  äussere  Machtstellung  des  Reiches,  als  ein  fort- 
gesetzter Kampf,  der  immerhin  die  weltliche  Autorität  gefährdete. 

(Jing  aber  der  Papst  auf  einen  Frieden  unter  den  l>ezeichneten  Vor- 
aussetzungen nicht  ein,  wie  wohl  Ludwig  selbst  dessen  sehr  bald  schon 
gewiss  gewortlen  war,  so  blieb  doch  die  fortgesetzte  Erneuerung  der 
Friedensversuche  ein  politisches  Mittel  der  ergiebigsten  Art  für  den  Kampf 
selbst.  Denn  erstlich  bezeugten  diese  V'örsuche  die  Friedensliebe  Ludwigs 
in  den  Augen  des  Volkes  und  verhinderten  die  Erregung,  welche  die 
päpstlichen  Verwünschungen  und  Drohungen  hervorzurufen  geeignet 
waren;  sodann  stumpften  sie  bei  dem  Klerus  vielfach  den  Eifer  in  der 
Verkündigung  der  Prozesse  ab.  Denn  da  in  Folge  der  Unterhandlungen 
sich  regelmässig  djis  Gerücht  verbreitete,  es  werde  bald  Friede  wenlen 
zwischen  Kaiser  und  Papst  so  scheuten  sich  viele,  ilurch  zu  grossen 
Eifer  für  die  Prozesse  sich  der  nachträglichen  Missgunst  auszusetzen. 
Auch  in  Avignon  erkannte  man  den  Vorteil,  der  in  der  Verbreitung 
solcher  Gerüchte  von  einem  ^vorstehenden  Frieden  für  Ludwig  lag, 
und  die  Kurie  Hess  es  sich  darum  auch  ganz  besonders  angelegen  sein, 
solche  Gerüchte  wieiler  zu  zerstreuen  und  dagegen  zu  einem  kräftigen 


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Vorgehen  in  der  Veröffentlichung  und  V'ollziehung  der  Prozease  an- 
zutreiben. ') 

Endlich  waren  diese  Unterhandlungen  auch  ein  Mittel,  die  anmassliche 
Stellung  der  Kurie  gegenüber  der  deutschen  Reichsgewalt  und  deren 
ausschweifende  Forderungen  den  Fürsten  und  Städten  des  Reichs  immer 
von  neuem  vor  Augen  zu  führen,  und  so  die  Stimmung  für  die  Ehre 
imd  Selbständigkeit  des  Reiches  zu  wecken  oder  zu  steigern. 

Die  Frage  wegen  der  Abdankung  Ludwigs  zu  Gunsten  Heinrichs  von 

Niederbaiern. 

Auch  die  Verhandlungen  wegen  des  Uel)erganges  der  Reichsgewalt 
an  Heinrich  den  Aelteren  von  Niederbaiern  werden  sich,  wie  ich  hoffe, 
von  Gesichtspunkten  aus  verstehen  lassen,  nach  welchen  sie  sich  der 
übrigen  politischen  Thätigkeit  Ludwigs  als  Mittel  für  die  gleichen  Zwecke 
einordnen.  Wie  rätselhaft  die  Frage  in  Betreff  der  Ab<lankung  noch 
immer  erscheint,  beweist  die  letzte  mnfassonde  Arbeit  über  Ludwig, 
die  wir  Carl  Müller  verdanken.  Man  finde,  so  heisst  es  hier,*)  in  der 
politischen  Lage  so  wenig  Grund  zu  Ludwigs  Abdankung,  dass  man 
geneigt  sein  könnte,  hiefür  die  Auffassung  von  Ludwigs  Politik  anzu- 
wenden. welche  neuerdings  von  mir  für  die  Versöhnungsversucho  Ludwigs 
unter  den  späteren  Päpsten  aufgestellt  worden  sei:  man  könne  demgemäss 
auch  hier  nur  einen  Schachzug  sehen  wollen,  der  ihn  den  Fürsten  ge- 
genüber in  dem  Lichte  darstellen  sollte,  dass  er  zum  äussersten  bereit 
sei,  die  Kurie  aber  eine  V^ersöhnung  nicht  wolle.  Diesen  Zweck  unterstellt 
indes  hier  nur  Müller,  nicht  ich;  und  mit  Recht  erscheint  ihm  das 
hiefür  gewählte  Mittel  als  thöricht.  Al)er  so  kommt  auch  er  zu  der 
herrschenden  Auffassung  zurück,  welche  in  der  Persönlichkeit  des  Kaisers 
den  Grund  für  die  unerwartete  Tliat  sieht;  Ludwig  habe,  meint  Müller, 
für  den  gewaltigen  Streit  die  Lust  verloren  gehabt,  entweder  weil  seine 
Gemütsart  den  Konflikt  mit  der  Kirche  auf  die  Dauer  nicht  zu  ertragen 
vermochte,  oder  weil  ihm  die  geistigen  Kämpfe  überhaupt  zuwider  ge- 
worden seien. 


1)  Vit.  Irth.  t.  Beil.  Sr.  24. 

2)  «.  «.  0.  S.  Slit  f. 


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Aber  wenn  es  Gewissensunrulu*  war,  welche  Ludwig?  zu  diesem 
Schritte  bestimmte,  wie  kommt  es,  dass  gleiclizeitig  mit  den  an  der 
Kurie  geführten  Unterhandlungen  die  päpstliche  Partei  in  Deutschland 
aufs  kräftigste  von  Ludwig  bokäm]ift  wird?  und  wenn  er  aus  Ueberdruss 
an  den  geistigen  Kämpfen  der  Hegiening  müde  geworden  war,  wie  kommt 
es,  dass  von  einer  ErschlafFung  der  Kräfte  in  seiner  sonstigen  Reg^erungs- 
thätigkeit  nichts  bemerkbaj^  ist?  Und  wie  sollte,  selbst  diesen  Ueberdruss 
angenommen,  Ludwig  gerade  den  Schwiegersohn  seines  Feindes,  Heinrich 
von  Nietlerbaiern  sich  ersehen  haben,  um  ihn  zum  Erben  seiner  Gewalt 
zu  machen  ? 

Wenn  wir  fragen,  wer  wold  zunächst  auf  den  Gedanken  gekommen 
sein  möge,  Heinrich  von  Nicderbaiem  für  die  Nachfolge  im  Reiche  vor- 
zuschlagen, so  ist  es  das  nächste  und  natürlichste,  an  den  Schwiegervater 
Heinnchs,  an  den  Röhmenkünig  zu  denken,  diesen  an  politischen  An- 
schlägen so  fruchtbaren,  unsteten  luid  ehrgeizigen  Fürsten,  für  den  Heinrich 
stets  nur  ein  gefügiges  Werkzeug  war.  Nun  haben  wir  aber  auch  ein 
urkundliches  Zeugnis  für  diese  Annahme.  Heinrich  sagt  in  dem  Vertrage, 
den  er  wegen  seiner  Köuigswahl  am  7.  Dez.  1333  mit  Frankreich  schliesst:') 
Es  bestehe  durch  Vermittelung  Königjohanns  zwischen  Ludwig  und 
der  Mehrzahl  der  Kurfürsten  ein  Vertrag,  nach  welchem  Ludwig  zu 
Gunsten  Heinrichs,  vom  Reiche  zurücktreten  wolle. 

Johann  vermittelte  also  diesen  Vertrag,  Johann  von  Böhmen,  der 
bisherige  Feind  des  Kaisers,  er,  von  dessen  gefährlichen  Absichten  der 
Kaiser  unterrichtet  war,  den  er  noch  im  letzten  Nürnberger  Abkommen 
mit  dem  höchsten  Misstrauen  behandelt  hatte.  Und  nichts  macht  in 
den  Dokumenten,  welche  dieser  Atxiankungsgeschichte  angehören,  auch 
nur  von  ferne  den  Eindruck,  als  werde  hier  ein  Druck  auf  Ludwig  geübt 
Hat  der  Böhmenkönig  die  feindliche  Politik,  welche  durch  die  Verträge 
von  Piumaccio  und  Avignon  bezeichnet  ist,  aufgegeben?  Li  der  That 
lässt  alles  in  den  Urkunden  ein  inneres  Einverständnis  zwischen  Ludwig 
und  dem  Böhmenkönig  vermuten,  also  einen  völligen  Umschlag  in  der 


h liöhraer,  AeU  Imperii  selecta  II,  Nr  mediante  doroino  Johanne  rego  Bobemiae  illostri, 

aoeero  nostro  cariasimo,  at  idem  dominua  Ludovieu»  cetiat  omni  iuri  et  atatoi  imperii  et  regni  Ro- 
manorum etc'. 


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Politik  de»  letzteren.  Wann  mag  dieser  Umschlag  eingetreten  sein?  Was 
kann  ihn  veranlasst  haben? 

Dass  der  Böhmenkönig  nicht  mehr  auf  dem  Boden  der  Verträge 
von  Piumaccio  und  Avignon  stehe,  davon  zeigen  sich  deutliche  Spuren 
schon  mehrere  Monate  vor  den  Rothenbimger  Verträgen,  welche  zuerst 
von  Ludwigs  Kücktritt  und  Heinrichs  von  Niederbaiern  Nachfolge  handeln. 

Als  Johann  sich  genötigt  sah.  mit  der  gegen  ihn  und  den  Papst 
vereinten  italienischen  Liga  am  19.  Juli  1333  einen  Waffenstillstand  zu 
schliessen,  da  erscheint  auch  der  Kaiser  wieder  in  der  hierüber  ausge- 
stellten Urkunde,’)  mul  zwar  als  ein  Haupt  der  streitenden  Parteien,  dem 
mit  Ausnahme  Neapels  und  der  Florentiner  alle  übrigen  die  .\nzeige  zu 
machen  haben,  wenn  sie  vom  Waffenstillstände  wieder  zum  Kriege  über- 
gehen wollen.  Nun  würile  es  zwar  bei  einem  Johann  von  Böhmen  noch 
w’enig  sagen,  wenn  wir  seinen  Namen  wieiler  unter  solchen  finden, 
welche  Ludwig  als  ihren  Oberherm  anerkennen;  allein  die  Sache  ei’hillt 
doch  mehr  Bedeutung,  wenn  wir  lesen,  dass  einen  Monat  vorher  der 
König  mit  seinem  bisherigen  Bundes-  imd  Kampfgenossen,  dem  Legaten 
des  Papstes,  sich  überworfen  habe  und  ohne  Abschied  zu  nehmen  hinweg- 
geritten sei;*)  und  wenn  er  im  Oktober,  als  er  das  für  ihn  verlorene 
Italien  verlässt  und  nach  Deutschland  geht,  sich  mit  auffallender 
Bestimmtheit  als  Friedensstifter  bezeichnet,  der  den  Kaiser  und  die  Kirche 
versöhnen  werde.*)  Lässt  sich  ja  auch  schon  aus  der  Natur  der  Ver- 
handlungen wegen  der  Nachfolge  Heinrichs  selbst  ableiten,  dass  jene 
Wandlung  in  der  Politik  Johanns  nicht  erst  in  der  Zeit  der  ersten 
Rothenbnrger  Urkunde  vor  sich  gegangen  sein  könne.  Johann  hätte  in 
der  kurzen  Zeit,  welche  zwischen  seiner  Rückkehr  aus  Italien,  und  den 
Tagen  zu  Rothenburg  und  Frankfurt  verlief,  unmöglich  jene  Verhand- 
lungen zwischen  Ludwig  und  den  Fürsten  vermitteln  können,  von  denen 
eine  der  Urkunden  spricht,  selbst  w'enn  er  nicht  alsbald  von  den  Alpen 


1)  Bei  Ficker,  a.  a.  0.  Nr.  827  160 

2)  VilUoi  a a.  0.  X,  217:  Di«Be«i  paleee,  che  i re  Oiovaani  siecome  amico  degU  Aretini 
e a loro  preghiera  e per  aDimo  di  parte  ghibellioa  indn^o  U scccoreo.  Per  la  qoal  ooaa  il  legaW 
•*iodegoo  con  loi  e partiaei  da  Bolo|rnft  aanza  ano  coagio  a di  15  di  Gittgoo  e torooai  a Parma. 

8)  P&ppelmaao  ans  der  Hiat  Corteaiorum  bei  Huratori  XllI,  p.  859. 


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aus  nach  den  Niederlanden  geeilt  wäre  um  dort  mit  dem  Henog  von 
Brabant  zu  kriegen.*)  Hat  aber  Johann  von  Italien  aus  seine  Vennittler- 
thätigkeit  begonnen,  dann  müssen  wir  für  die  AnlÜnge  derselben  gewiss 
bis  auf  die  frühei-en  Zeiten  des  Jahres  zurückgehen;  denn  in  einer  so 
grossen  und  schwierigen  Frage,  mit  der  so  viele  Interessen  verknüpft 
waren,  war  ein  wiederholtes  Hin-  und  Wiederreisen  der  Boten  in  Deutsch- 
land und  zwischen  Deutschland  und  Italien  unvermeidlich.*) 

Dokumente  des  vatikanischen  Archivs  weisen  uns  denn  nun  auch 
für  den  Umschwung  in  der  Politik  des  Böhmenkönigs  in  die  Zeit  un- 
mittelbar nach  dem  V'ertrage  zu  Avignon,  in  den  Dezember  des  J.  13J2 
zurück.  W^ir  sahen,  der  Vertrag  von  Piumaccio  hatte  dem  König  zu  der 
Herrschaft  über  die  Lombardei  die  Zustimmung  des  Papstes  gebracht, 
aber  unter  der  Bedingung,  dass  der  Vertrag  auch  die  Genehmigung  des 
Königs  von  Frankraich  erhalte,  da  in  einer  früheren  Vereinbarung 
mit  Frankreich  der  Papst  dem  Bruder  des  französischen  Königs  die 
Herrschaft  über  Italien  zugestanden  hatte.  Jene  Zustimmung  nun  muss  von 
Johann  nicht  eingeliolt  worden  sein;  denn  als  der  Vertrag  von  Piumaccio 
durch  den  von  Avignon  nach  des  Böhmenkönigs  Wunsche  erweitert,  und 
nun  am  30.  Nov.  1332  vom  Papste  dem  Könige  mitgeteilt  worden 
war,®)  geriet  dieser  hierüber  in  die  äusserste  Aufregung.  Und  es  müssen 
die  Zugeständnisse  selbst.,  welche  der  Papst  dem  Böhmenkönig  gemacht 
hatte,  und  nicht  etwa  die  Unterlassung  einer  blossen  Formaltät  den 
König  Philipp  in  solchen  Unmut  versetzt  haben,  wie  aus  dem  gleich  an- 
zuführenden Schreiben  des  Papstes  sich  erpbt.  Auch  zeigt  dieses,  dass 
Philipp  darum  gewusst  und  es  gebilligt  hatte,  dass  der  Papst  mit  dem 
Bölimenkönig  unterhandle.  Johami  muss  es  also  verstanden  haben,  dem 
König  über  den  Gegenstand  der  vorzunehmenden  Verhandlungen  eine 
falsche  Vorstellung  beiznbringen,  ilm  wähnen  zu  lassen,  dass  es  sich  um 


1)  Petr.  T.  Zittau  a.  a.  0.  8.  467:  niox  at  e^irressae  de  T«ombardie  partibun  cam  filio  sao 
Karolo  Taorat,  Ducem  Brabantic  pro  ducata  in  Ljmbark  com  copioso  ezcrcitu  invadit  hostiliter  et 
inipa^nat. 

2)  Auch  die  Unterhantilun^eo  des  BöbmenkbniifB  mit  dem  Papste  in  dieser  Saebo,  deren  io 
der  Urkunde  des  Königs  vom  ü.  Deicmber  (a.  a.)  gedacht  ist,  wdiien  odb  nach  der  Art,  wie  eie  er- 
wfihnt  werden,  auf  die  Zeit  rar  den  Rotheoburger  Urkunden  für  den  Beginn  der  Unterhandlungen  xnrhek. 

3)  8.  Beil.  Nr.  15. 


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Dinge  handle,  die  dem  Interesse  Frankreichs  weit  ferner  lägen,  als  es 
in  der  Tluit  der  Fall  war. 

Wie  sehr  aber  der  französische  König  über  diesen  Vertrag  von 
Avignon  aufgebriwht  war,  das  sehen  wir  aus  den  Anstiviigungen.  welche 
der  Papst  machte,  den  König  zu  beruhigen. 

Er  hatte,  wie  erwähnt,  den  mit  Johann  von  Böhmen  eben  geschlos- 
senen Vertrag  dem  König  am  30.  November  1332  mitgeteilt.  Aber  statt 
einer  Antwort  Philipps  kamen  nun  Nachrichten,  welche  von  der  Er- 
bitterung Kunde  gaben,  welche  der  Vertrag  hervorgerufen  habe. 

Da  schreibt  der  Papst  am  10.  Januar  1333:')  Mit  Verwunderung 
habe  er  gehiirt.  das.s  der  König  darüber  erregt,  sei,  da.ss  ihm  für  den 
mit  dem  König  von  Böhmen  abgeschlossenen  Vertrag  die  Genehmigung 
nicht  Vorbehalten  worden  sei.  Der  König  scheine  sein  eigenes  Schreiben 
verges.sen  zu  haben,  worinnen  er  einen  solchen  Vertrag  dringend  empfehle. 
Er  möge  indes  bedenken,  auf  wie  schwachen  Füssen  der  Vertrag  stehe, 
wie  schwierig  er  durchzuführen  sei,  so  dass  der  König  gar  keinen  Grund 
habe  sich  zu  erregen;  ja  w'enn  der  Vertrag  seiner  Majestät  missfalle,  so 
sei  er,  der  Papst,  bereit,  seinerseits  ganz  davon  zurflekzu treten. 

Als  der  König  auch  jetzt  noch  dem  Papste  nicht  antwortet,  wie- 
derholt dieser  sieben  Wochen  später  sein  voriges  Schreiben  und  schliesst 
mit  dem  Wunsche,  dass  die  Gnade  Gottes  das  Herz  des  Königs  bei  seinen 
Handlungen  lenken  möge.*)  In  einem  zweiten  Schreiljen  desselljen  Tages 
bittet  der  Papst  die  Königin  um  deren  besänftigende  Vermittlung;  habe 
ja  doch  der  Gesandte  Philipps  einen  Traktat  mit  Johann  so  empfolilen 
wie  des  Königs  eigene  Angelegenheit.*)  Von  demselben  Tage  ist  auch 
ein  drittes  Schreiten,  welches  den  König  wogen  der  Rückkehr  des  Pajwtes 
nach  Italien  zu  beruhigen  sucht,*)  und  ein  viertes,  in  welchem  der  Papst 
dem  König,  offenbar  um  ihm  etwa.s  angeiiehmes  zu  sagen,  meldet,  er 

1)  V»t.  Aich.  Sfcr.  Änn.  XVI!  a,  XVIII.  Ep.  Äll.  Der  Inhalt  dieses  Briefes  iti  dem  Schreiben 
T.  2H.  Febr.  l'i'U  wiederholt,  8.  diesca  in  den  Bell.  Nr,  17. 

•2)  Schreib,  t.  28.  Febr.  \m  Beil.  Nr.  17. 

3)  Vat  Arch.  «.  Beil.  Nr.  18. 

4)  Gedruckt  bei  Rajnald  1333  Nr.  24. 

Abh.  d.  III.  CI.  d.  k.  Ak.  d.  Wi«  XV.  Bd.  II.  Ablh.  7 


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habe  die  Nuntien  des  Baiers,  welclie  wegen  des  Friedens  zu  unterhandeln 
nach  Avignon  gekoinnien  seien,  zurückgewiesen.') 

Man  sollte  nun  meinen,  der  Unwille  des  Königs  von  Frankreich 
müsse  sich  in  noch  verstärktem  Masse  auch  gegen  den  eigentlichen 
Urhel)er  des  Vertrages  von  Avignon,  gegen  .Johann  von  Böhmen  gewendet 
hal>en.  der  unmittelbar  nach  dem  .\bschluss  desselben  von  Avignon  nach 
Paris  gereist  war,  also  gerade  zu  einer  Zeit  dort  ankam,  in  welcher 
Phili])p  die  erste  Nachricht  von  dem  Vertrage  durch  den  Papst  empfing. 
Wenn  wir  nun  statt  dessen  wenige  Wochen  später  den  Böhmenkönig  mit 
einem  in  Frankreich  geworl)enen  Ueere  und  mit  einer  Cieldunterstü/.iing 
Philipps  nach  Italien  auflirechen  sehen,*)  um  hier  das  Reich.  da.s  er  sich 
gegründet,  vollends  aufzurichton,  so  sind  wir  zu  dem  unvermeidlichen 
.Schlüsse  gedrängt,  da-ss  es  in  diesen  Wochen  vor  dem  Aufliruch  Johanns 
nach  Italien,  d.  i.  vor  dem  ‘24.  Dezomljer  zu  einer  Uebereinkunft  zwischen 
dem  Ijöhmischen  und  franzJjsiscdien  König  müsse  gekommen  sein,  welcher 
die  beidereeitigen  einander  zuwiderlaufenden  Interessen  ausglich. 

Nun  erscheint  in  jenem  Vertrag,  welchen  Heinrich  von  Niederbaiem  als 
künftiger  König  mit  Frankreich  abschliesst,  König  Philipp  nicht  minder  als 
ein  Helfer,  der  Heinrichs  Nachfolge  l)ei  den  deutschen  Fürsten  betreibt,  wie 
Johann  von  Böhmen.  Für  die  Geldsummen,  die  er  es  sich  hiefür  hat 
kosten  lassen,  soll  ihm  eben  das  Arelat  abgetreten  werden.*)  Und  auch 
hier  sagt  mis  wieder  die  Natur  derartiger  Verhandlungen,  dass  die  Be- 
mühungen Philipps  um  die  Nachfolge  Heinrichs  nicht  erst  in  der  Zeit 
der  Rothenburger  und  Frankfurter  Verträge  können  begonnen  haben. 
Wahrscheinlich  hängt  schon  die  vorhin  erwähnte  Abweisung  der  Gesandten 


1)  Gedruckt  bei  Raynald  Nr.  2S.  ln  weichem  Grad«  der  PapRt  von  Frankreich  abban^i]^ 
war,  das  tcigt  auch  die  in  der  Beilage  Nr.  13  initgetellte  päpstliche  Anfrage  vom  26.  Sept 
13:32  in  der  Verlobungssache  des  Königs  von  Böhmen.  Kiner  von  den  zahlreichen  Deweisan,  wie  oft 
Fragen  kirchlicher  Bijziplin  nach  poiitUchen  R&cksiehten  entachiedeo  wurden. 

2)  Villani  X.  211:  E dissesi  cb'avea  avutu  dal  re  di  Francia  o in  dono  ovvero  in  presto  cen* 
tomila  tiorini  d'oro.  cf.  XI,  225:  — — avendo  fertna  aperania  d’easere  io  poco  di  tempo  al  tntto 
re  e signore  d'ltalia  coiraioto  deUa  Chieaa  e del  ano  legato  e eol  favore  del  re  di  Francia. 

3)  — et  com  Ulaatriasima»  princept  dom.  Philippos,  Kranciae  rei.  ut  predieta  ad  effectom 
perducantar  optatum  — — ^ dederit  iam  roultipliciter  et  dare  prumieerit  opus  et  operam  effieacee  etc. 
— inanper  attendentee,  quod  idem  rei  Franeornm  pro  predictiv  impleodis  iam  magnas  pecaniarum 
quaotitates  ezpeodit  et  liberalitcr  erogavit  etc. 


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Ludwigs  durch  den  Papst  iui  Fobr.  1333,  und  hängen  die  Versuche 
Philipps  beim  Pa])ste  im  Septeml)er  1333,  den  Bischof  von  Lüttich  zum 
Erzbischof  von  Mainz  zu  machen,')  mit  dieser  veränderten  Richtung  zu- 
sammen. Wir  sahen,  die  Mitteilung  von  der  Abweisung  der  Gesandten 
Luilwigs  war  eines  von  den  Mitteln,  welche  der  Pap.st  zur  Beruhigung 
Philipps  anwandte.  Fir  wird  mit  der  Abweisung  einem  Wunsche  Frank- 
reichs entsimochen  haben,  dessollwn  Frankreichs.  da.s  doch,  wie  wir  wissen, 
diese  Gesandtschaft  veranlasst  hatte.*)  Denn  Frankreich  wie  Böhmen 
mussten  jetzt  wünschen,  dass  sich  die  Kurie  Ludwig  gegenülier  so  unzu- 
gänglich als  möglich  zeige,  damit  dieser  für  ihre  neuen  Vorschläge  um 
so  entgegenkommender  sei.  Und  ebenso  konnte  der  Wunsch  Philipps, 
den  ihm  ergebenen  Bischof  von  Lüttich  zuin  Erzbischof  von  Mainz  ge- 
macht zu  sehen,  mit  den  Bemühungen  Philipps,  Kurstimmen  für  die 
Wahl  Heinrichs  von  Niederbaieni  und  für  die  Abtretung  des  Arclat  zu 
gewinnen,  in  Verbindung  stehen. 

Doch  mag  es  sich  mit  den  teiden  zuletzt  angeführten  Thatsachen 
auch  anders  verhalten,  so  viel  bleibt  gewiss,  dass  die  urkundlich  verbürgte 
gemeinsame  Thätigkeit  der  Könige  von  Böhmen  und  Frankreich  in  der 
bache  der  Abdankung  Ludwigs  schon  länj^re  Zeit  vor  den  Kothenburger 
und  Frankfurter  Vereinbarungen,  welche  in  den  November  und  Dezember 
1333  fallen,  müsse  begonnen  haben.  Was  mag  die  Verbindung  Iioider 
Könige  für  diesen  Zweck  veranlasst  hallen?  Wir  sahen  vorhin,  es  müsse 
kurz  nach  dem  Vertrage  von  Avignon,  der  solche  Erbitterung  bei  Philipp 
von  Frankreich  hervorrief,  zu  einem  Vergleiche  zwischen  beiden  Königen 
in  Betreff  Italiens  gekommen  sein.  Ist  dieser  V’ergleich  wegen  Italiens 
vielleicht  zu  Stande  gekommen  im  Zusammenhang  mit  dem  Plane,  welcher 
die  Abdankung  Ludwigs  betraf? 


1)  V>t.  Arch.  9.  Beil.  N’r.  19. 

2)  Rajn.  Nr.  11  Nie.  liur^ndi  Hist.  bav.  140;  Sant  qoi  rej'em  prsovaricationis 

iDsiinuIciit,  quasi  cain  Pontifiee  colluaiaet  nolletqae  sbeolntuin  ('Msareni  eio.  Maltisque  id  suniiectnrn 
foit,  quod  non  prius  in  (laliam  quam  a Gallo  discuNltiret.  Constabat  onim  PontiQccin  abnoiium  Gallo 
et  per  Gallum  maxiine  pare.  quomimus  Imperator  abiolveretur.  Zwar  hat  die  Reise  von  ATignon 
nach  Paris  lonachst  einen  andern  Grand,  abi  den  von  barf^andins  anj^ef^cbenen,  cs  ist  der,  die  Zu- 
stimmung Philipps  10  dem  Vertrage  wegen  Italiens  zu  gewinnen.  Aber  das  wird  wohl  riclitig  sein, 
(lass  die  Abweisung  der  Gesandten  Ladwiga  durch  den  Papet  auf  den  einen  der  beiden  K&nige  oder 
auch  aaf  beide  zurüekiurQhren  tat. 

7* 


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Briefe  des  Papstes  an  Philipp  und  Johann  führen  mit  Notwendigkeit 
zu  dieser  Annahuio.  Nach  ihnen  haben  die  (Gesandten  Böhmens  und 
Frankreichs  in  Avignon  über  die  Abdankungsfrage  und  die  italienische 
Frage  zugleich  verhandelt. 

„Nuntien  des  Königs  Philipp  und  des  Königs  Johann  von  Böhmen,  so 
heisst  es  in  einem  Schreiben  des  Papstes  vom  27.  Juni  1334  an  den 
König  von  Frankreich,’)  hätten  mit  dem  Pa]wt  in  Bezug  auf  clen  eraten 
Traktat  zwischen  diesem  und  dem  König  von  Böhmen  neue  Verhandlungen 
gepflogen,  deren  Resultat  des  Königs  von  Frankreich  Nuntien  ihm  über- 
brächteu.  Mit  dieser  Anzeige  empfiehlt  der  Papst  zugleich  seine  eigenen 
Nuntien  Ca.sse  und  Cariti  dem  königlichen  Wohlwollen,  und  bittet  um 
sicheres  Geleite  für  sie.“  Ein  Brief  vom  gleichem  Datum  und  Inhalt 
ist  an  den  König  von  Böhmen  gerichtet.  Ein  dritter  Brief  vom  dem- 
sellx!n  Datum®)  empfiehlt  die  genannten  Nuntien  dem  Herzog  Heinrich 
von  Baiern,  ein  vierter  vom  28.  Juni  l>eglaubigt  sie  bei  Ludwig 
dem  Baier.^) 

In  dem  an  Ludwig  den  Baier  _ gerichteten  Briefe  heiast  es,  der 
Papst  habe  dm’ch  die  Gesandten  der  Könige  von  Böhmen  und  Frankreich 
von  Ludwigs  Entschlüsse  gelröi’t.  auf  das  Reich  verzichten  zu  wollen. 
Er,  der  Papst,  ermahne  ihn  nun,  Ernst  damit  zu  machen  und  den  Nuntien 
Gasse  und  Cariti  seine  Willensmeinung  deshalb  kund  zu  thun. 

Wir  sehen,  diesellien  Boten  der  Könige  von  Frankreich  und  Böhmen, 
welch(!  in  der  .Sache  Ludwigs  mit  dem  Papste  zu  thun  hatten,  haben 
auch  wegen  des  ersten  Traktats  zwischen  Johann  von  Böhmen  und  dem 
Papst  verhandelt,  und  dieselben  Boten  des  Papstes,  welche  den  beiden 
Königen  die  päpstliche  Antwort  über  ihre  Verhandlungen  wegen  „des 
ersten  Vertrags“  überbringen,  sind  zugleich  des  Papstes  Boten  an 
Heinrich  von  Niederbaiern  und  Kaiser  Ludwig,  üeber  Paris  gehen  sie 
nach  Deutschland. 

Der  erste  Traktat  zwischen  Johann  von  Böhmen  und  dem  Papste 
ist  der  Vertrag  von  Piumaccio,  in  welchem  König  Philipps  Ansprüche 


1)  S.  Beil.  Nr.  26. 

2)  S.  Beil.  Nr.  27. 

3)  Gedrackt  bei  BayDald  l't34  Nr.  2t). 


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53 


auf  Italien  Vorbehalten  waren  und  König  Joliann  gelobt  hatte,  Ludwig 
nie  als  Kaiser  anzuerkeiinen.  Es  handelte  sich  also  daru]ii,  für  eine 
Ahäialerung  dieses  Verti'ages  des  Papstes  Zustiniinung  zu  gewinnen. 
Diese  Zustiniinung  wird  von  den  beiden  Königen  gemeinsam  erstrebt. 
Also  ist  zwischen  diesen  ein  Vergleich  wegen  Italiens  zu  stände  ge- 
kommen. Um  die  .\nerkennung  dieses  Vergleiches  handelt  es  sich. 
Eine  Wirkung  der  neuen  Verhandlungen  ist,  dass  Gosse  und  Gariti  auch 
zu  Herzog  Heinrich  und  Ludwig  dem  Baier  reisen.  Es  bestellt  also  ein  Zusam- 
menhang zwischen  dem  Plane  der  Verzichtleistung  Ludwigs  zu  Gunsten 
Heinrichs  und  jenem  Uebereinkonmieii  zwischen  Philipj)  und  .Johann  wogen 
der  Verträge  von  Piumaccio  und  Avignon.  Dit*ses  Uebereinkommen  aber 
besteht  seit  längerer  Zeit,  denn  es  sind  „erneute“  Verhandlungen,  die 
gepflogen  wertlen. 

Steht  somit  aus  einzelnen  Thatsachen  fest  dass  es  die  Könige  von 
Böhmen  und  Frankreich  waren,  welche  die  Vermittlung  in  der  Verzicht- 
leistungsfrage  übernommen  hatten,  aus  anderen  Thatsachen  alier,  dass 
diese  Vermittlerrolle  im  Zusammenhänge  steht  mit  einer  Einigung 
zwischen  den. beiden  Königen  wegen  Italiens;  aus  andern  endlich,  dass 
diese  Einigung  muss  zu  Stande  gekommen  sein  zwischen  dem  .Vbschlu.ss 
des  Vertrages  von  Avignon  und  dem  Zuge  Johanns  nach  Italien,  also 
zwischen  dem  30.  Nov.  und  24.  Dez.  1332:  so  ist  klar,  ilass  die  Ver- 
mittler für  die  Verzichtleistung  Ludwigs  zu  Gunsten  Herzog  Heinrichs 
zugleich  auch  die  Urheber  dieses  Planes  waren,  oder  bestimmter  noch, 
dass  dieser  Plan  in  der  Seele  Johanns  von  Böhmen  muss  entsjirungen 
sein,  als  dieser  es  für  nötig  fand,  den  König  von  Frankreich  wegen  der 
Vertrage  von  Pimnaccio  und  Avignon  zu  besänftigen  und  dessen  Verzicht- 
leistug  auf  die  Krone  von  Italien  zu  gewinnen. 

Und  worin  mag  dieses  Uebereinkommen  Johanns  von  Böhmen  und 
Philipps  bestanden  haben?  In  nichts  anderem  als  was  wir  den  Rothen- 
burger und  Frankfurter  Urkunden  entnehmen  oder  aus  der  Zeit  des  Ueber- 
einkommens  selbst  schliessen  können.  Beide  Könige  suchen  vereint  dahin 
zu  wirken,  dass  die  deutsche  Krone  von  Ludwig  an  Heinrich  von  Nieder- 
baiem  komme,  und  Heinrich  wird  dann  das  Arelat  an  Frankreich  ab- 
treten. So  wird  also  in  dem  eigenen  Verzicht  auf  die  Bewerbung  um 


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die  deutsche  Krone  und  in  dem  Arelat  der  Preis  zu  suchen  sein,  um  den 
der  Böhmenkönig  sich  die  Zustimmung  Frankreichs  für  seine  Herrschaft 
über  Oberitalien  erkaufte. 

Sagen  wir  nun  aber  auch  gleich  von  vorne  herein,  dass  Johann  von 
Böhmen  sicherlich  nicht  hoffte  und  bei  der  Machtstellung  Ludwigs  im 
Jahre  1333  auch  nicht  hoffen  konnte,  er  werde  in  der  Hauptfrage  etwas 
anderes  durchsetzen,  als  zum  höchsten  die  Zustimmung  zur  Wahl  Heinrichs 
als  dei-einstigen  Nachfolgers  für  <len  Fall  des  Todes  des  Kaisers.  Die 
Zustimmung  für  Heinrichs  Nachfolge  aber,  sowie  für  seine  Herrschaft  in 
Italien  konnte  er  nur  zu  gewinnen  hoffen,  wenn  er  dem  Kaiser  Aner- 
kennung, Bündnis  und  Ausgleich  in  der  kirchlichen  Frage  in  Aussicht  stellte. 

Letzteres  war  nun  freilich  der  schwierigste  Punkt.  Denn  es  standen 
sich  hier  die  Gegensätze  uoversöhnlich  gegenüber.  Ludwig  würde  nie 
zu  einem  Frieden  sich  verstanden  haben,  welcher  in  Bezug  auf  die 
Königs-  und  Kaiserwahl  die  Rechte  des  Reiches  verleugnet  hätte,  der 
Papst  nie  zu  einem  Frieden,  der  die  Ansprüche  der  Kurie  auf  das  Ent- 
scheidungsrecht in  dieser  Frage  nicht  anerkannt  hätte. 

Aber  konnte  dem  Papste  nicht  der  Schein  für  die  Sache  geboten 
und  er  so  überlistet  werden?  Dass  man  in  der  That  durch  List  die 
Aufhebung  des  Bannes  und  Interdikts  zu  gcwiimen  suchte,  dafür  haben 
wir  in  den  Urkunden  selltst,  sowie  in  dem  Misstrauen  und  der  schliess- 
lichen  Weigerung  des  Papstes  die  genügenden  Merkmale. 

Aus  der  Verhandlung  mit  Hei-zog  Heinrich  ergibt  sich,  dass  die  Erwähl- 
img  des  letzteren  abhängig  gemacht  wird  von  der  Absolution  Ludwigs  durch 
den  Papst.  Der  Papst  soll  dahin  gebracht  werden,  dass  er  die  Alisolution 
ausspreche,  ohne  dass  Ludwig  zuvor  die  Krone  niederlegt.')  Böhmen 

1)  Urkuod^  d d.  19  Not.  bei  Oefele  II,  16:i  f.  Wir  Heinrich  t-tc.  verjehen  (dTcnlich  an 
disen  Brief,  den  wir  haben  von  nnneern  Herren  dem  Khaieer  umb  die  Verzeichnnis  des  Beichs,  dss 
ich  den  nit  xai^en  soll,  noch  soll  kein  Krallt  haben,  bis  das  in  der  Pab>t  absolviert  annd  erlöset  von 
allem  dem  das  er  aof  in  i^eleit  and  j^ethan  hat  nnnd  alles  das  mit  tme  darin  khomen  sjnnd,  das  soll 
albio  geschehen,  er  soll  den  Pahxt  pitten,  das  er  im  vergeh  unnd  abneme  alles  das  er  wider  ioe 
unnd  den  Steel  tu  Rome  gethan  hab,  mit  allen  den,  die  mit  ime  darein  khomen  s}'nnd,  wenn  das  der 
Pabst  thuet  entgegen  seines  Pötten  nnnd  ainen  waren  Pötten  heraus  sennd  mit  vollem  Gewallt,  der 
in  ze  Dantchen  Lannden  offennlicb  absolvier  unnd  abneme  alls  vor  geschriben  ist.  Es  soll  auch  der 
Herr  Khaiaer  widermeffen  nand  abnenien,  was  er  wider  den  Pabst  nnnd  den  StuI  za  Rom  gethaa 
hat,  wenn  das  geschieht,  so  aol  der  Prief  den  wir  haben  Kraft  haben  unnd  voilfnert  werden,  der  Brief 
ist  geben  zu  Rottenworch  etc. 


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5Ö 

• 

und  Frankreich  hoffen  dies  zu  erreichen,  indem  sie  versichern,  dass 
Ludwig  nach  der  Absolution  auf  die  Regierung  verzichten  werde,  und 
sie  können  das  versichern  unter  Hinweis  auf  Urkunden,  welche  allerdings 
den  Schein  hiefür  bieten.  Aber  eben  auch  nur  der  Schein;  denn  sie 
sind  so  hinterhältig  abgefasst,  sie  laden  so  geschickt  die  Garantie  von 
dem  einen  auf  den  andern  ab,  dass  man  auf  diu  Vermutung  kommen 
muss,  Ludwig  habe  niemals  im  Ernste  daran  gedacht  vom  Reiche 
zurückzutreten. 

Am  13.  Nov.  1333  verpflichtet  sich  Herzog  Rudolf  von  Sachsen  zu 
Rothenburg,*)  dass  er  Herzog  Heinrich  „zu  einem  römischen  König  und 
künftigen  Kaiser“  wähle,  „wenn  der  Kaiser  abginge  oder  bei  dem 
Reiche  nicht  bleiben  wollte.“  Heinrich  kann  hiernach  mit  Si- 
cherheit nur  auf  die  Krone  rechnen,  wenn  Ludwig  gestorben  ist;  ob  er 
sie  früher  erhalte,  hängt  ganz  davon  ab,  ob  der  Kaiser  sich  dazu  ent- 
schliessen  will.  .\m  19.  Nov.  verjiflichtet  sich  dann  Heraog  Heinrich 
selbst  in  der  schon  erwähnten  Urkunde,  den  Brief,  den  er  vom  Kaiser 
halle  „um  die  Verzeichnuss  des  Reichs“,  niemand  zeigen  zu  wollen. 
Derselbe  solle  auch  keine  Kraft,  haben,  bis  der  Papst  Ludwig  absolviert, 
habe.“  üb  der  Brief  des  Kaisers  von  der  Verzichtleistung  handle  als 
von  einem  Falle,  der  nach  der  Absolution  sofort  eintreten  wird,  oder 
als  von  einem  bloss  möglichen  Falle,  wie  die  Urkunde  Rudolfs  von 
Sachsen,  ist  nicht  gesagt.  Es  scheint  nur  das  erstere.  Auch  da,  wo 
von  dem  in  „Kraft  treten“  des  Briefes  nach  der  Absolution  die  Rede 
ist,  erhalten  wir  keinen  Aufschluss.  Es  ist  nicht  gesagt,  weis  in  Kraft 
treten  soll:  ob  die  Zusage,  dass  Ludwig  sofort  zurücktreten  wolle,  oder 
dass  Heinrich  als  ein  beim  Leben  des  Kaisers  erwählter  Nachfolger  ge- 
wisse Rechte  ausübe.  Die  das  nun  aber  zu  wissen  wünschen  müssen, 
brauchten  freilich  nur  sich  von  Heinrich  die  Urkunde  Ludwigs  zeigen 
zu  lassen.  Doch  da  steht  als  Hindernis  im  Wege,  dass  Heinrich  sich 
gegen  Ludwig  hat  verpflichten  müssen,  den  Brief  niemand  zu  zeigen!“ 

Am  6.  Dezember  gelobt  Johann  von  Böhmen  dem  Kaiser  zu  Frankfurt,*) 
den  Herzog  Heinrich  dazu  anhalten  zn  wollen,  dass  er  das  halte,  was  er 


1)  Urk.  b«i  S<h«idt  I.  e.  1,  Z42  Nr.  3S. 

2)  Bei  Bocbiwr  a.  *.  0.  S.  449  f. 


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dem  Kaiser  in  seinem  Briefe  geschworen,  wenn  Heinrich  „nach  Ludwig 
römischer  König  werde.“  Ob  diese  Versprechungen  sich  auf  Ludwigs 
Erijen  oder  auf  Ludwig  selbst  bezogen,  ob  das  „nach  Ludwig“  den  Tod 
oder  die  V^erzichtleistung  zur  Voraussetzung  habe,  bleibt  wieder  unaus- 
gesprochen. 

In  einer  andern  Urkunde  vom  gleichem  Tage')  verspricht  Johann 
dem  Kaiser  Hilfe  wider  den  Papst,  falls  dieser  die  Vorschläge,  über  ^welche 
jetzt  noch  die  Unterhandlung  in  Avignon  schwebe,  nach  ihrer  Annahme 
wieder  brechen  wolle. 

Das  sind  die  zwischen  dem  Kaiser  und  den  deutschen  h'ttrsten  aus- 
gestellten Urkunden.  Wir  beacditcn,  da-ss  sie  alle  wohl  geeignet  sind, 
den  Schein  zu  erwecken,  als  ob  Ludwig  zurücktreten  wolle,  dass  aber 
in  keiner  derselben  es  wirklich  ausgesj)rochen  ist.  und  dass  die  Urkunde 
in  welcher  man  bestimmte  Aufklärung  («rwartet,  eben  diejenige  ist,  welche 
von  Herzog  Heinrich  niemanden  gezeigt  werden  darf. 

Ganz  anders  lauten  die  Erklärungen,  welche  Herzog  Heinrich  und 
sein  Schwiegervater  dem  Könige  von  Frankreich  gel)en.  In  der  Ur- 
kunde Heinrichs  vom  7.  Dezember,  in  w'elcher  dem  Könige  Philipp  für 
seine  Bemühungen  um  Heinrichs  Nachfolge  das  ganze  Arelat  versprochen 
wird,  heisst  es  auixlrücklich : es  Ixistehc  durch  Vermittlung  des  Böhmen- 
königs zwischen  Ludwig  und  der  Mehrzahl  der  Kurfüreten  ein  Vertrag, 
nach  welchem  Ludwig  zu  Gunsten  Heinrichs  vom  Reiche  zurücktreten 
wolle.“  Aber  auch  hier  ist  zu  beachten,  dass  Heinrich  dem  französischen 
Könige  nur  versichert  ein  solcher  Vortrag  sei  vorhanden,  sicut  per  eorum 
patentes  litcras  super  hoc  editas  nobis  constat;  der  König  von  Frank 
reich  hat  also  die  betreffenden  Urkunden  nicht  selbst  gesehen.  Eine 
kennen  wir;  die  oben  erwähnte  von  Herzog  Rudolf;  wenn  sie  alle  waren 
wie  diese,  und  es  ist  sehr  wahrscheinlich,  dann  war  es  gut,  dass  Philipp 
sie  nicht  gesehen  hatte. 

Aber  Ludwig  hat  vielleicht  anderwärts  sich  mit  Bestimmtheit  erklärt, 
dass  er  zurücktreten  wolle  ? Auch  Albrecht  von  Oesterreich  hat  Böhmens 
imd  Frankreichs  Bemühungen  um  die  Absolution  in  Avignon  unterstüzt. 

1)  Bei  Weech  a.  a.  0.  S.  118  f. 


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Denn  auf  Kaiser  Ludwigs  Sache  wird  es  sich  beziehen,  wenn  der  Papst 
wenige  Wochen  vor  den  Rotlienl)urger  Verträgen  dem  Herzog  schreibt:') 
Von  seiten  jenes  Angesehenen  (nobilis  d.  i.  Ludwigs)  müsse  die  Wahrheit 
erst  verbürgt  imd  ein  Fimdauiont  gegolten  sein,  auf  dein  man  weiter 
bauen  könne,  und  am  13.  F'ebruar  1334  werden  erneute  Versuche  des 
Herzogs  vom  Papste  dahin  beantwortet:*)  Wenn  ihm  von  Jenem  (Ijudwig) 
solche  ProjKisitionen  gemacht  w'orden  wären,  so  würde  er  mit  Freuden 
darauf  cingegangen  sein;  denn  einen  solchen  Mann  von  der  Bahn  des 
ewigen  W^rderljens  zuräckzuhalten,  wäre  ihm  eine  unermessliche  Freude. 
Aber  das.  was  bis  jetzt  von  ihm  angeboten  sei,  mache  es  noch  nicht  möglich. 

Auch  bis  zum  Schlüsse  der  Verhandlungen,  die  für  Ludwig  in 
Avignon  mit  Papst  Johann  geführt  wurden,  ist  von  Ludwig  seltet  keine 
bestimmte  Zusicherung  des  Rücktrittes  gegeben  w'orden,  wie  aus  dem 
Schreiben  hervorgeht,  mit  vvelchem  der  Papst  zuletzt,  am  28.  Juni,  seine 
Boten  an  den  Kaiser  sandte.*)  Denn  er  sagt  darin,  dass  er  durch  die 
Nuntien  Philipps  von  Frankreich  und  Johanns  von  Böhmen  von  dem 
Entschlüsse  Ludwigs  gehört  habe,  und  eine  andere  Gewissheit  noch 
nicht  hal)e.  Wir  entnehmen  dieser  .Stelle  zugleich,  dass  Ludwig  seihst 
bei  den  Unterhandlungen  sich  ganz  im  Hintergründe  gehalten  hat,  und 
dass  Böhmen  und  Frankreich  mehr  wie  vermittelnde  Freunde  als  w'ie 
eigentliche  Mandatai'e  Ludwigs  in  Avignon  sich  eingeführt  ha1)en. 

Und  so  dürfen  wir  nach  diesem  allem  unbedenklich  annehmeu,  d:i.ss 
es  Ludwig  mit  der  Alxlankung  nicht  ernst  gewesen  sei,  dass  er  alier 
dem  Böhmen  gestattete,  im  Bunde  mit  Frankreich  dem  Papste  die 
Abdankung  vorzu.spiegeln , um  ihm  die  Absolution  zu  entlocken.  Es 
wird  somit  auch  der  Brief,  den  Ludwig  nach  dem  Abbruch  der  Ver- 
handlmigen  an  die  Woi-mser  schrieb*)  (24.  Juli),  die  volle  Wahrheit  ent- 

1)  Vat.  Arch  2'A.  Okt  t,  Beil.  Nr  .20.  Ein  andere«  Schreiben  des  Papate-i  an  d«n  Bischof 

von  Pnsflan  vom  IH.  Febr.  (».  Beil.  Nr.  2^1)  bezieht  sich  off«nb«r  aal  Otto,  den  Bmdor  Albrechts. 

2i  Ib.  s.  Beil,  Nr.  22. 

S)  Bei  flayi».  Kr.  20  w|q. 

4)  Bei  BSbtner  Fontes  I,  214:  tun  wir  ew  chunt  mit  disem  offen  brief,  daz  daz  in  unser  hertze 
noch  sin  nie  cboro  noch  nimmer  chttml,  dat  wir  daz  reich,  do  wir  msnijL?  zeit  uns  und  den  tmiiern 
we  umb  baben  getan  und  u»s  hart  an  choinen  ist,  bey  unserm  lebnntigen  leyb  niemant  aus  der  hant 
geben.  Wo!  ist  daz  war  und  wellen  sein  nicht  hekn,  dai  wir  durch  chreftigang  dez  heiligen  teiehs 
te  rat  wrden  mit  aneern  fürsten  und  herren,  ob  wir  nicht  enwaeren.  daz  denn  zehant  nach  uns  ein 
römischer  kQnicb  waer  etc. 

Abh.  d.  III.  CI.  d.  k.  Ak.  d.  Wira.  XV.  Bd.  II.  Abth.  H 


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hulten,  wenn  er  darin  sagt,  dass  ihm  eine  Verziclitleistung  auf  das  Reich 
nie  in  den  Sinn  gekommen  sei,  dass  es  sich  vielmeiir  bei  den  Verhand- 
lungen mit  den  Fürsten  wegen  Heinrichs  nur  um  die  Naclifolge  iui 
Reiche  gehandelt  habe. 

Etwas  der  r)i])k)inatie  jener  Zeit  oder  dem  Wesen  Ludwigs  Freind- 
artigi«  wird  man  in  diesem  Täuschungsversuche  schwerlich  finden  wollen. 
In  dem  erbitterten  Kriege  zwischen  den  beiden  höchsten  Gewalten  war 
der  Grundsatz:  Trug  um  Trug  schon  längst  nichts  Neues  mehr.  Wa-s 
Ludwig  und  insbesondere  den  vorliegenden  Fall  betrifft  so  bieten  die 
Prokuratorien  des  J.  1343  etwius  ganz  Aehnliches.  In  diesen  zwar  zu 
Avignon  forniuliei-ten,  aber  von  Ludwig  als  Gnmdlage  für  die  Verhand- 
lung angenommenen  Prokuratorien  verapricht  Ludwig,  den  kaiserlichen 
Titel  ohne  jeden  \k)rlx!halt  niederlegen  zu  wollen.  Aber  in  der  ge- 
heimen Instruktion  zu  diesen  Prokuratorien  sagt  Ludwig  seinen  Bevoll- 
mächtigten: den  kaiserlichen  Titel  sollt  ihr  hinlegen;  ihr  sollt  aber  nicht 
schwören,  dass  wir  ihn  nicht  wieder  annehmen  wollen,  ihr  hättet  denn 
Sicherheit  vom  Papste  und  dem  Ki'inig  von  Frankreich,  dass  er  uns  in 
einer  bestimmten  Zeit  wiedergegeben  werde.')  „Nimium  lubricus“  so 
nennt  der  gleichzeitige  .Ubertinus  Mussatus  den  Kaiser.  Und  wir  handeln 
gewiss  richtiger,  wenn  wir  auch  in  der  Abdankungsgeschichte  den  schlauen 
imd  nicht  den  schwachen  oder  streitmüden  und  im  Gewissen  unruhig 
gewordenen  Ludwig  als  Flrklärung  zu  Hilfe  nehmen. 

Aber  konnte  wohl  Ludwig  erwarten,  dass  der  Papst  auf  einen  so 
unsicheren  Boden  treten,  oder  dass  er,  sobald  er  inne  geworden,  dass 
man  ihn  getäuscht  habe,  die  ausgesprochene  Absolution  nicht  wieder 
zurücknehmen  werde  ? Und  musste  Ludwig  nicht  auch  den  Zorn  Frankreichs 
fürchten,  das.  durch  Johanns  List  zur  Slitwirkung  verleitet,  in  Avignon 
gewissermasseu  die  Bolle  eines  betrogenen  Betrügei-s  spielte? 

Wenn  Ludwig  auf  die  beiden  Fürsten  sah,  die  in  Avignon  das  Ge- 
schäft für  ihn  ftthiden.  so  dürfte  die  Hoffnung  dos  Kai.sers,  der  Papst 
werde  ihren  Versicherungen,  werde  den  Kommentaren  des  Böhmen  zu 


1)  S.  m.  AbhanOllun^;  D?r  kirchffopol.  Kampf  etc.  8. 


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den  deutschen  Urkunden  von  Rothenburg  imd  Frankfiut  Glauben  schenken, 
doch  nicht  als  zu  abenteuerlich  erscheinen.  War  ja  der  Papst  der 
Wünsche  Philipps  von  Frankreich  so  gewärtig,  wie  er  dies  bei  keinem 
andern  Fürsten  war,  vmd  war  doch  Johann  von  Böhmen  derjenige,  welcher 
im  Bunde  mit  dem  Papste  die  Beseitigung  Ludwigs  erstrebt  hatte.  Und 
war  es  nicht  vor  allem  Böhmens  Interesse,  wenn  demnächst  Heinrich 
von  Baiern  die  Regierung  dejj  Reichs  übernehmen  wfli-de?  So  durfte 
Ludwig  wohl  hoffen,  der  Papst  könne  allenfalls  sich  verleiten  lassen, 
auf  die  Vorschläge  der  beiden  Könige  einzugehen. 

Der  Zorn  des  Papstes  aljer,  wenn  er  inne  werden  würde,  dass  er 
getäuscht  sei,  bot  auch  nichts  dar,  was  Ludwig  von  dem  Versuche  hätte 
aljschrecken  können.  Es  blieb  doch  sehr  fraglich,  ob  der  Paj>st  den  Bann 
erneuern  und  nicht  vielmehr  gute  Miene  zum  bösen  Spiele  machen  werde. 
Denn  hatte  er  den  Bann  einmal  aufgehoben,  ohne  dass  Ludwig  die 
Krone  zuvor  niedergelegt  hatte,  so  hatte  er  ein  Prinzij)  aufgegehen:  er  hatte 
damit  zugcsftinden,  dass  ein  rechtmässiges  deutsches  König-  und  Kaisertum 
auch  ohne  des  Papstes  Zustimmung  bestehen  könne.  Der  Papst  mu-sste 
fürchten,  bei  einer  erneuten  Erörterung  der  Frage  nun  selbst  als  Zeuge 
für  die  Behauptungen  der  kaiserlichen  Partei  beigezogen  zu  werden. 

Auch  jene  Frankfurter  Urkunde,  nach  welcher  der  Böhme  zum  Kaiser 
stehen  will  wider  den  Papst,  falls  dieser  das  Gewährte  wieder  zurück- 
ziehen wollte,  konnte,  zu  rechter  Zeit  in  .\vignon  bekannt  gegeben,  mit- 
wirkeu,  um  die  Erneuenmg  des  Bannes  zu  verhüten. 

Den  andern  Fall  aber  angenommen,  dass  der  Pai»st  auf  die  Bemüh- 
ungen Böhmens  und  Frankreichs  nicht  eingehen  werde : so  mussten 
doch  schon  aus  den  Verhandlungen  sellwt  dem  Kaiser  nicht  unwesent- 
liche politisiche  Vorteile  ents|)ringen.  Denn  auf  jeden  Fall  war  der 
Kaiser  dadurch  dt-s  gefährlichen  Böhmenkönigs  auf  die  ganze  Zeit  der 
Verhandlungen  sicher.  Er  hatte  Böhmen  an  sein  Interesse  gt'knüpft  und 
von  dem  Paj)ste  abgezogen. 

Ob  Ludwig  wusste,  dass  der  Böbmenkönig  und  sein  iSchwiegeisiohn 
den  König  Philipp  duich  Täuschung  zu  ihrem  Verbündeten  gemacht 
hatten,  darüber  lässt  sii-h  kaum  eine  Vermutung  aufstellen.  Jedenfalls 
konnte  Ludwig  die  Besänftigung  Philipjjs  dem  gewandten  Böhmenkönige 

s* 


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6U 


überlassen,  dem  die  gleiche  schwierige  Aufgabe  ja  auch  nach  den  Ver- 
trägen von  Piumaccio  und  Avignon  gelungen  war. 

Die  Unterhandlungen  der  beiden  Könige  in  Avignon  sind  an  dem 
Mi.sstrauen  des  Pajistes  gescheitert.  Die  Nuntien  Gasse  und  Cariti,  welche 
die  Weigerung  des  Pajjstes,  auf  die  V'orschläge  und  Versicherungen 
Johanns  und  Philipps  einzugehen,  diesen  überbrachten,  gingen  im  Anfang 
des  Juli  1334  von  Paris  aus  erst  zu  Heinrich  von  Nioderbaiern,  dann 
zum  Kaiser,  um  sichrere  Bürgschaften  zu  fordern.') 

Ludwig  aber,  als  er  gewiss  geworden  war,  dass  der  Papst  auf  die 
Versicherungen  der  beiden  vermittelnden  Könige  nicht  eingehe,  begnügte 
sich  mit  dem  V'orteile,  den  ihm  die  zeitweilige  V'erwendung  der  ihm  vorher 
feindlichen  Fürsten  für  seine  Dienste  gebracht,  und  mit  den  Kundgeb- 
ungen der  Sympathie,  welche  ihm  das  Gerücht  von  seiner  Abdankung 
in  Deutschland  erweckt  hatte,  und  durch  letztere  neugestärkt  ging  er 
jetzt  daran,  den  Plan  eines  allgemeinen  Konzils  zu  betreiben,  um  durch 
die.ses  die  Kraft  seines  unbeugsamen  Gegners  in  Avignon  für  immer  zu 
brechen. 

1)  Vat.  Arcb.  s.  B«ü.  Nr.  ‘^6.  27.  and  den  Brief  des  PapateB  an  Ludwig  bei  Haynald.  ■ 


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Beilage  ii. 


1. 

Tabal.  Vatic-  Kpistolae  (Literae)  Secretac.  Tom.  VII.  anni  Xlil.  u.  XIV,  Ep.  1HH8.  17.  Jan.  IttSO. 

Johann  XXII.  an  dip  Kommune  und  üniTereitaf*  der  Stadt  Basel. 

Warnung  vor  der  Aufnabme  Ludwig.«.  Anfzählung  der  Sünden  des  Baiera, 
wobei  erwähnt  wird,  wie  Peter  von  Corvara,  der  Antipapa  genannt  wird,  sich  eine 
ganze  Knrie  geschaffen  habe;  er  habe  pseiidooardinales,  notarios  aliosque  offiiciales 
inxta  moreni,  quem  servat  Komana  curia,  eingesetzt.  Von  Ludwig  heisst  es,  er  habe 
in  Italien  die  Städte  nnd  Orte,  die  ihn  aufgenommen  and  ihm  gehorcht,  verwüstet 
zerstört  nnd  in  solche  Armut  gestürzt,  dass  sie  sich  noch  lange  nicht  davon  erholen 
würden.  Deshalb  seien  auch  bereits  fast  alle  Städte,  die  sich  ihm  ergeben,  wieder 
von  ihm  abgefallen  and  zum  Gehorsam  gegen  die  Kirche  znrOckgekehrt,  und  die 
noch  nicht  zurOckgekehrt  .seien,  bereiteten  «ich  eben  dazu  vor.  Nun  wolle  Ludwig 
in  diesen  nächsten  Tagen  sich  nach  Trient  begeben,  wohin  er  eine  Versammlung  berufen 
habe.  Da  wolle  er  aber  auch  nur  Gelegenheit  .suchen,  .Anordnungen  unter  denselben 
coloribus  diversis  exquisitis  zu  treffen  wie  in  Italien,  um  auch  diese  und  die  übrigen 
Gegenden  .Alemanniens  anszusaugen  und  in  seine  Frevel  und  Irrtümer  zu  verstricken 
Deshalb  schicke  er  sich  schon  an,  nach  Basel  und  in  die  Gebiete  .Alemanniens  seine 
Beamten,  Vikare  und  Diener  zu  senden.  Unter  diesen  Umständen  ermahne  er,  der 
Papst,  in  väterlicher  Fürsorge  ihre  Vorsicht  und  bitte  sie  in  dem  Herrn,  die  ihnen 
und  ihren  Nachkommen  drohenden  grossen  Gefahren  zu  erwägen,  ihren  Ruhm  nicht 
zu  beflecken,  ihren  Schöpfer  und  ihre  Mutter,  die  heilige  Kirche,  nicht  gegen  sich 
heransznfordern,  auch  die  über  die  Anhänger  Ludwigs  verhängten  .Strafen  und  .Sen- 
tenzen nicht  zu  übersehen,  nnd  Ludwig  und  seinen  Beamten  die  Aufuahme  zu  ver- 
weigern, ihnen  nicht  zu  gehorchen,  ihnen  nicht  mit  Kat  und  Hilfe  beiznstehen,  viel- 
mehr ihnen  eutgegenzutreten.  D.  Av.  XVf.  cal.  Febr.  .Ann.  XIV.  * 


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62 


Td  derselben  Weise  an  die  Kommune  und  UniTersitns  von  Augsburg,  Kolmar 
(Baseler  Diöcese),  Lindau,  Schaffhausen,  St.  Gallen  und  an  die  Wingenses  (Wangen?) 
(alle  vier  Konstanr-er  Diöcese),  an  den  Johanniterprior  Rudolf  de  Vallemassonis,  an 
die  Grafen  von  Wirtemberg,  von  Hohenberg,  von  Zollern,  an  Rudolf  Graf  von  Ra- 
dovria  (Rordorf?),  Johann  Graf  von  Habsburg,  Friedrich  Graf  von  Toggenburg,  und 
Hesso  Markgraf  von  Baden. 


2. 

Tab.  Vat.  Secr.  T.  VII.  a.  XIV.  Ep.  I8K4.  S4.  April  US«. 

Johann  an  alle  Herzoge,  Grafen,  Vieegrafen,  Barone,  Reneachalle,  Justlziarien, 
Schöffen,  ronanles,  rectorea,  coniniuultatea,  unirersitates  und  weltliche  Herren, 
und  die  (Ihrigen  Oelreuen,  zu  deren  Kenntnie  dies  Schreiben  geiangt. 

Ludwig,  der  in  Italien  alles  in  Verwirrung  und  Armut  gestHrzt.  will  nun 
da-sselbe  oder  .Schlimmeres  in  Alemaunien  versuchen.  Seine  Versprechungen  sind  Lüge, 
da  er  nur  von  Fremdem  geben  kann;  denn  er  selbst  kann  nach  den  Prozessen 
nichts  mehr  sein  eigen  neuueu.  in  seinem  Gefolge  sind  Michael  von  Cäsena  und 
Jakobns,  ehemaliger  episcopns  Gastellanns,  der  sich  für  einen  apostolischen  Legaten 
BUsgibt,  nachdem  Peter  von  Corvara  ihn  dazu  ernannt  hat.  Die  Adressaten  werden 
ermahnt,  sich  den  drohenden  Gefahren  zu  entziehen  und  den  Kirchenfilrsteu  bei  der 
Gefangennehmnng  des  Michael  von  Cäsena  und  .Jakobus  Castellanus  auf  alle  Weise 
behilflich  zu  sein.  D.  .Avin.  VIll.  cal.  Mai.  Anu.  XIV. 

3. 

Tab.  Vat.  Kplst.  (Literae;  Comatanes  l*ars  IV.  anal  XV.  Ep.  673.  tl.  Apr.  168]. 

Johann  an  die  Achte  in  RBfleiilmHlarh,  Kuniia  und  Yiktring  in  der  Salzburger 

Diöcese. 

Die  Pfalzgrafen  bei  Rhein  und  Herzoge  von  Baierii  Heinrich  und  Otto  (Brüder) 
und  deren  Vetter  Heinrich  haben  in  der  Erzdiöcese  .Salzburg  und  in  den  Suffragan- 
diöcesen  einige  exacliones  et  coUectas  graves  et  indebitas  erhoben.  Dafür  haben  die 
Bischöfe,  der  Erzbischof  und  seine  Suffragano  von  Regenshurg,  Pas.sau  und  Chiemsee 
und  das  Kapitel  von  Freising  (während  der  dortigen  Sedisvakanz)  über  die  Herzoge 
und  ihre  Nachkommen  die  Exkommunikation  und  über  ihr  Gebiet  da-s  Interdikt  verhängt 
und  publiziert.  Die  Herzoge  sind  in  sich  gegangen  nnd  hal>en  schriftlich  uml  eidlich 
versprochen,  nie  und  aus  keinem  Grunde  wieder  etwas  Aehuliches  zu  thun.  1^ 
wurden  die  Zensuren  aufgehoben.  Der  Papst  licstätigt  es  nnd  trügt  den  Adressaten 
auf,  darüber  zu  wachen,  dass  die  Herzoge  ihr  eidliches  Versprechen  halten.  D.  Av. 
IIl.  ndn.  ,Apr.  Ann.  XV. 


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63 


4. 

T»b.  Vnt.  8«r.  Tom.  VIII.  ».  XV.  o.  XVI.  Ep  .m  9.  Ipr.  IMI. 

Johann  an  Johann,  Bischof  von  Langres  (Llngonensls),  AüminiBtrator  der 

Kirche  von  Basel. 

Die  Bischöfe  Bertbold  von  Strnssbarg  und  Rudolf  von  Koiistau/.  haben  dem 
Papste  geschrieben,  dass  sie  eine  Zusammenkunft  unter  einem  bestimmten  Termin 
mit  einigen  Getreuen  festgesetzt,  um  anzuordnen,  wie  sie  Ludwig  dem  Raier  entge- 
gentreten  sollten,  und  haben  den  Adressaten  schriftlich  gebeten,  au  ihrer  Zusammen- 
kunft teil  zu  nehmen.  Der  Papst  ermahnt  ihn,  dieser  Aufforderung  im  Interesse 
der  Kirche  und  des  apostolischen  Stuhles  zu  folgen.  D.  Av.  V.  idus  Apr.  Ann.  XV. 


5. 

ii<>sond«re  ICspsel  20.T.  Eldl.  17.  Apr.  ISSl, 

Vertrag  zwischen  dem  Papste  Johann  XXII.  und  König  Johann  von  Böhmen. 

König  Johann  ist  in  die  Lombardei  gekommen  und  hat  drei  Städte  eingenommen  uud 
im  Besitz:  Parma,  Reginm,  Mntina,  zum  Präjudiz  der  römischen  Kirche,  der  jene  Städte 
gehörten.  Die  Information  (Iber  das  Itestehende  Rechtsverhältnis  nahm  der  König 
aber  an,  übertrug  die  Städte  und  wünschte  sie  im  Namen  der  Kirche  fortan  zu  be- 
sitzen. Der  Papst  neigte  sich  diesem  Wunsche  zu  in  der  Annahme,  wenn  er  hoch- 
herzig bandle,  werde  die  Treue  uud  Ergebenheit  des  Königs  gegen  die  Kirche  noch 
gestärkt  werden  und  weder  für  die  Kirche  noch  für  Italien  würden  darans  Nachteile 
entstehen,  vielmehr  Vorteile  für  beide.  Er  belehnte  also  den  König  und  seine  Nach- 
folger mit  den  drei  Städten  und  ihren  Gebieten  und  Gerechtsamen  unter  der  Be- 
dingung, dass  der  König  ihm  das  homagium,  die  fidelitas  und  alle  Kapitel,  welche 
der  Lehenseid  einschliesst.  leiste  und  dass  seine  Nachfolger  in  dem  Lehnsbesitze 
dasselbe  thun.  Ferner  soll  der  König  die  Kapitel  garantieren,  die  er  vor  der  Ankunft 
in  der  Lombardei  durch  seine  Nuntien  der  römischen  Kurie  selbst  angetrageu  hat, 
nämlich  dass  er,  wenn  er  die  Lombardei  besitze  oder  nach  Verlust  wieder  erobere, 
und  Rebellen  gegen  die  Kirche  dort  finde,  diese  mit  all  seiner  Macht  zum  Gehorsam 
gegen  den  Papst  und  die  hl.  Kirche  zwingen  und  sie  verfolgen  werde,  wenn  sie 
fliehen  wollten.  Ferner  dass  er  der  Kirche  die  ihr  durch  die  Tyrannen  in  der  I.om- 
bardei  entzogenen  Rechte  auf  dem  kürzesten  Wege  restituieren  helfen,  und  namentlich 
auch  den  Klerus  vor  ITnrecht  schützen  und  das  an  demselben  verübte  Unrecht 
rächen  wolle. 

Ferner,  dass  er  alle  Guter,  Hechte  und  Freiheiten  des  Klerus  jevlen  Ranges, 
und  zwar  des  Ordens-  und  des  VV'eltklerua,  schützen  und  allen  Kirchen,  Kathedralen 
und  andern  Kirchen  in  den  Wahlen,  Postnlationen,  Nominationen  und  Provisionen 
die  volle  Freiheit  wahren  wolle.  Ebenso  will  er  die  Kirche  ihre  Gerichtsbarkeit 
üben  und  alle  vor  ihr  Forum  gehörigen  Prozesse  frei  verhandeln  und  führen  und 


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bei  Appellationen  an  den  römiechen  Stahl  sowohl  die  Appellanten  als  die  Appellati  frei 
r.ur  Kurie  ziehen  lassen.  Die  zwei  Söhne  des  Königs  sollen  sich  für  diese  Leistungen 
mitverbUrgen  und  einen  Eid  darauf  leisten.  Fenier  verspricht  der  König,  dass  er 
und  sein  Nachfolger  im  Lehen  die  Gebiete  der  Kirche  in  der  Lombardei  schützen 
und  dass  sie  nirgends  ein  Kapitaneat  oder  Dominium  oder  anderes  Amt  auf  diesem 
Gebiete  annehmen  ausser  mit  Lizenz  und  Zustimmung  des  Papstes,  und  ebenso  auch 
nicht  in  Tiiscien.  Diejenigen,  welche  im  Nameu  der  Kirche  sub  obedientia  temporal! 
Gebiete  inne  haben,  versprechen  auch  ihrerseits,  das  Gebiet  des  Königs  zu  achten 
und  nicht  zu  besetzen.  Der  König  verpflichtet  sich  ferner,  nie  das  Königreich  Si- 
zilien oder  andere  Länder,  welche  der  König  von  Sizilien  besitzt  und  namentlich  in 
Piemont  und  der  Lombardei  besitzt,  zu  besetzen  oder  zu  verletzen.  König  Johann 
hat  sich  aber  das  Recht  gewahrt,  wenn  der  König  von  Sizilien  ilni  liehriege  und 
sein  Gebiet  angreife,  sich  zu  wehren  und  Vergeltung  zn  üben.  Der  Papst  bat 
seinerseits  erklärt,  dass  er  nie  einen  Krieg  zwischen  beiden  Königen  gestatten  werde. 
Auch  verspricht  der  König  speziell  die  Mailänder  nicht  anzugreifen,  wenn  sic  selbst 
keinen  Krieg  erregen  und  iliin  Restitution  und  Satisfaktion  für  geschehene  Beraubung 
und  Verletzung  geben.  Der  Papst  will  unter  allen  Umständen  keinen  Krieg  zwischen 
beiden  Parteien  zugeben  und  verspricht,  wenn  keine  Ausgleichung  sonst  erfolgt, 
das  justitiae  complementnm.  Den  Besitz  des  Lehens  hat  der  König  selbst  zu  ver- 
teidigen und  der  Papst  ist  zur  .Stellung  von  Ililfstruppen  oder  zur  Wiedereroberung 
nicht  verpflichtet. 

Ferner  verspricht  König  Johann,  Ludwig  dem  Baier  nie  anzuhangen  und 
ihm  nie  Hilfe  zn  leisten,  ihn  nie  als  König  oder  Kaiser  extra  gratiam  ecclesiae 
anzuerkenuen,  vielmehr  wenn  es  nötig  wäre,  dem  Papste  und  der  Kirche  gegen  ihn 
zu  helfen.  Der  König  behauptet,  dem  Ludwig  nie  die  iidelita.s  und  das  homagium 
geleistet  zu  haben  und  will  es  ihm  auch  in  Zukunft-  nicht  leisten.  Erfüllt  der  König 
diese  Versprechungen  nicht,  so  verliert  er  jedes  Recht  auf  das  Lehen.  Der  üohn  des 
König»,  Karl,  Obergibt  dem  Papst  oder  ilessen  Bevollmächtigten  die  .Stadt  Lucca  und 
was  er  sonst  von  dem  Territorium  und  Distrikte  der  Stadt  Ijesitzt  zur  ganz  freien 
Disposition.  Das  alles  »oll  geschehen  bis  zu  dem  Feste  des  Erzengels  Michael 
im  September.  Der  Papst  wird  unterdes  auch  den  Frieden  zwischen  dem  König 
Johann  und  dem  König  von  Sizilien,  sowie  zwischen  Johann  und  Florenz,  und  mit 
anderen,  mit  weh^hen  der  König  vou  Böhmen  im  Zwiespalt  ist,  kräftig  zu  vermitteln 
bemüht  sein.  Der  Paizst  und  der  König  von  Böhmen  geben  einander  das  Versprechen 
der  gegenseitigen  Leistungen  schriftlich.  Die  Eidesleistung  der  Söhne  des  Königs 
erfolgt,  sobald  cs  füglich  geschehen  kann,  nach  der  Belehnung  (lacta  investitnra).  Nach 
der  Inve.slitur  und  Eidesleistung  werden  noch  literae  in  meliere  forma  ausgestellt. 

Der  König  wird  von  nun  an  in  allen  Zwistigkeiten  mit  dem  Könige  von  Si- 
zilien dem  Urteilsspruche  des  Papstes  sich  fügen,  unter  der  Bedingung  jedoch,  dass 
der  König  vou  Sizilien  dem  Sprache  sich  gleichfalls  unterwirft.  Diesen  letzten 


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Punkt  beschwor  der  König  von  Böhmen,  die  Hand  aufs  Evangelium  gelegt,  und  ver- 
sprach ferner,  dass  er  alles,  was  in  den  vorhergehenden  Kapiteln  ihn  verpflichte,  treu  in 
der  Art  und  Form,  wie  man  flbereingekoninien,  halten  und  erfüllen  wolle.  Und 
auch  der  Papst  versprach  alles  und  jedes,  was  ihn  darin  verpflichte,  in  derselben 
Weise  zu  halten ; auch  befahl  er  Aber  alles  dies  uuum  vel  plura  publica  instrumenta 
zu  machen.  Endlich  kamen  sie  flberein,  dass  der  König  von  Frankreich  von  diesen 
conventiones  zwischen  ihnen  in  Kenntnis  gesetzt  werden  solle  — nt  sciatur,  an  vellet 
intendere  ad  quendani  tractatum  alias  secum  habilum  super  statu  patrie  Lombardie, 
quod,  si  volnerit,  in  casu,  in  qno  tractatus  compleretur,  predictus Johannes  do- 
minus rez  Boheniie  sibi  dictas  tres  civitates  dimittcre  teneatiir. 

6. 

Tab.  Vat.  Secr  Tom.  VIII.  a.  XV.  a.  XVI.  Ep.  USU.  5.  Jaal  1381. 

Johann  an  Berthold,  Bischof  von  Strassburg. 

Ein  Bündnis  gegen  Ludwig  mit  jenem  Fürsten  (wird  nicht  geuauut)  sei  nicht 
raUam,  wenn  derselbe  nicht  zuvor  zur  Kirche  selbst  zurückkehre.  Er  möge  dem- 
selben also  zuerst  diese  Rückkehr  Vorschlägen.  I).  Av.  nonis  Jun.  Ann.  XV. 

7. 

Tab.  Vat.  S«r.  Tom.  VIII.  a XV.  u.  XVI.  Ep.  177.  18.  Aig.  IS8I. 

Johann  an  Oddo,  Herzog  von  Burgund. 

Untergelwiic  des  Herzogs  haben  in  Streitigkeiten  von  seinem  Forum  oder  dem 
seiner  Beamten  an  Ludwig  als  an  den  Kaiser  appelliert.  Her  Papst  verbietet  dem 
Herzog  die  Annabme  solcher  Appellationen.  Er  verfalle,  wenn  er  nachgebe,  den 
Strafen,  die  den  Aiiliäugoru  Ludwigs  angedrobt  seien.  D.  Av.  id.  Aug.  Ann.  XV. 

8. 

Tab.  Vat.  Secr.  Tom.  VIII.  a XV.  ii.  XVI.  Ep.  :t(4.  IS.  Aug.  18.11. 

Johann  an  die  Herzoge  von  Steltin,  Otto  und  de.H.seii  Söhne. 

Er  habe  gehört,  dass  Ludwig  zur  Mark  Braudeulmrg  kommen  wolle,  um  seinen 
Sohn  in  vollen  Besitz  zu  setzen.  Iler  Pap.«t  ermahnt  sie,  wenn  er  komme,  sich  ihm 
virililcr  et  laudahiliter  entgegeuzuwerfen  und  ihn  zu  bekämpfen.  I).  Xv.  XV.  cal. 
Sept  .\nn.  XV. 

In  ähnlicher  Weise  an  die  Bischöfe  von  Hihlesheim,  Osnabrück,  Bremen, 
Münster,  Verden.  Lübeck,  Ratzeburg,  an  die  (trafen  Gerard  von  Hoya,  Adolf  von 
Schanmbnrg,  .Tohanii  und  Obristian  von  Oldenburg  und  Delmeiiborst  und  an  Werner, 
den  Dentscliordensmeister  und  dessen  Ordensgenosaeu  in  Prea8.seii. 

Abh.  d.  III  Ct  d.  Ii.  Ab.  d.  Wiss  XV.  Bd.  II.  Abth.  !> 


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9. 

Tab.  Tat.  Comin.  P.  l.  a.  IVI.  Ep.  101.  2S.  S«pt  1S81. 

Johann  an  den  Blachof  ton  Naumbnrg,  an  den  Dekan  der  Kirche  zu  Bonn 
und  an  den  Scholaatikns  8.  Georgli  zu  Köln. 

Diejeuigeu  nclche  nicht  an»  Liebe,  Ciehursam  und  Demut  den  Befehlen  des 
Papstes  sich  bcngen,  sind  durch  Strafen  zu  zwingen.  — Dem  Baldnin  sei 
per  . . . prcpoaitum  et  . . . deeauum  et  capitulum  eiusdem  ecclesie  Magnntine  admi- 
nistratio  spiritualiuni  et  temporalinm  plena  et  libera  übertragen  worden,  quaiuquam 
hoc  dicte  sedi  (apost.)  dnmtaxat  de  inre  competat,  nach  der  potestatis  plenitudo, 
die  er  besitzt.  Balduin  hatte  drei  Mainzer  Domherren,  Gerhard  von  Bacemberg 
(Banml^erg?),  Johann  von  Kriedljerg  und  Johann  de  Fontibus  zu  iudices  archicpisco- 
palis  curie  Maguntine  ernannt ; wogegen  der  vom  Papste  ernannte  Erzbischof 
Heinrich  andere  iudices  aufgestcllt  hatte.  Die  iudices  Balduins  verhängten  Ober 
verschiedene  Anhänger  Heinrichs  — Prälaten  und  andere  Geistliche  der  Kirchen 
der  Stadt  und  der  Diöcese  — die  Exkommunikation  sowie  andere  Sentenzen 
und  suchten  deren  Exekution  zu  bewirken;  apostolische  Schreiben  Hessen  sie  in 
der  Diöcese,  da  wo  sic  Macht  hatten,  nicht  zu,  bis  sic  dieselben  eingesehen  und 
approbiert  hatten.  Ferner  hat  Balduin  den  Hermann  von  Bebra  zum  Dekan  der 
Kirche  S.  Maria  zu  Erfurt  und  zu  seinem  Kommi.ssär  daselbst  ernannt,  der  den  An- 
hängern Heinrichs  die  Benefizien  in  jenen  Gegenden  nimmt,  und  dieselben  den  An- 
hängern Balduins,  die  hinwieder  durch  Heinrich  und  den  Papst  mit  der  Exkommu- 
nikation und  anderen  Zensuren  belastet  'sind,  erteilt.  Der  Papst  ernennt  nun  die 
Adressaten  zu  seinen  lüchtern  und  befiehlt,  alle  Sentenzen,  Statute  und  Mandate, 
Privationen  und  Kollationen,  die  durch  Hermann  von  Bebra  erlos.sen  und  geschehen 
sind,  für  null  und  nichtig  zu  erklären,  und  ebenso  die  Handlungen  aller  iudices  des 
Baldnin,  die  ja  keine  rechtliche  Wirkung  haben  könnten.  Er  gebietet  ferner  diesen 
seinen  Kichtern,  mit  allen  kirchlichen  Zen.sureu  gegen  diejenigen  vorzugehen,  die 
sich  ihren  Befehlen  widersetzeu  würden.  D.  Av.  IV.  cal.  Oct  Ann.  XVI. 

10. 

Tab.  Vat  Coraiii.  P.  III.  a.  XVI.  Ep.  19.  Okt.  1581. 

Johann  an  alle  Erzbischöfe,  Bischöfe,  Aebte,  Pröpste  und  andere  Prälaten, 
zu  deren  Kenntnis  dies  Schreiben  kommt. 

Enthält  die  Prozesse  des  Papstes  gegen  die  Wormser,  deren  Kapitel  nach  dem 
Tode  des  Bischofs  Konrad  (Kuno)  den  Gerlach  de  Pincerna  (Schenk  von  Erhacb), 
Kanonikus  in  Speier  gewählt  und  den  vom  Papste  ernannten  Salmann  vertrieben 
hatte,  so  dass  Gerlach  in  den  rollen  Besitz  des  Bistums  gelangte.  Darauf  hat  der 
Papst  iudices  ernannt,  den  Dekan  der  Kirche  S.  Gangolph  und  die  Scholastiker  der 
Kirchen  St,  Peter  und  St.  Maria  ad  gradus,  die  mit  allen  Strafen  bis  zn  dem 


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67 


änsaenten  gei^n  Propnt,  Dekan  nn6  Domherren  des  Kapitels  ku  Worms,  so  wie 
gegen  Vasallen,  Belehnte  jeder  Art,  Geistliche  und  Laien  jeden  Ranges,  welche 
Salmann  nicht  anerkennen  wollten,  Vorgehen  sollten,  bis  äalmann  von  allen  Bnrgen, 
Festungen  etc.  Besitz  ergriffen  habe.  Sie  waren  beantragt,  die  Prozesse  mit  allen 
Feierlichkeiten,  auch  in  Form  der  Edikte  zn  veröffentlichen.  Die  Richter  mahnten 
also  nnter  Drohungen  Friedrich  von  Leiningen,  den  Propst,  Dietrich  von  Borbocb, 
den  Dekan,  nnd  die  einzelnen  Domherrn,  auch  die  Rektoren,  Konsnin,  Ijehenslente, 
Vasallen,  Gemeinden  etc.  Zwei  Jahre  unterliegen  sie  schon  den  Zensuren  ohne  Be- 
kehrnng.  Ungefähr  150  Namen  von  dem  Klerus  der  Wormser  Diöcese  werden  ge- 
nannt, mit  dem  Zusatze,  dass  noch  andere  ermahnt  worden  seien.  Als  die  Ermahnung 
nichts  fruchtete,  wurden  sie  mit  peremptorischem  Termin  nach  Avignon  citiert,  welcher 
Citation  keiner  der  Geladenen  Folge  leistete,  obgleich  einige  eine  Appellation  an  den 
Papst  anmeldeten.  Pro  forma  wurde  ein  Prozess  in  Rom  (?)  unter  dem  Vorsitze 
des  Kardinals  Gaiicelin  in  contumaciam  geführt.  Der  Gerichtshof  erklärte,  Gerlach 
Pincerna  habe  kein  Recht  auf  Worms,  der  rechte  Bischof  sei  Salmauu.  Die  C'itierten 
und  nicht  Erschienenen  seien  als  coutnmaces  zu  behamleln,  es  sei  zur  Privation  ihrer 
Benetizien  zu  schreiten,  auch  ihre  luhabilität  auszuspreclieu.  Der  Papst  bestätigt 
alles,  was  der  cpiacopns  Albanensis  entscheidet  und  trägt  seinen  Richtern  die  Exe- 
kution auf.  Ferner  sollen  nun  auch  die  Vasallen.  Rectores,  Consules  und  Cniver- 
sitates  der  Städte,  Castra  etc.,  die  zur  Diöcese  gehören,  mit  zweimonatlichem  Termine 
durch  Edikte  citiert  werden  an  Orten,  wo  es  zn  ihrer  Kenntnis  kommt.  D.  Av.  XIV. 
cal.  Nov.  Ann.  XVI. 

Ein  anderes  Schreiben  von  demselben  Datum  wiederholt  die  Hauptsache  uud 
hebt  hervor,  dass  der  Magistrat  von  Worms  die  Aufnahme  nnd  Publikation  aller 
päpstlichen  Schreiben,  welche  die  ^ache  des  Salmann  betreffen,  in  Worms  und  an 
anderen  Orten,  wo  die  Stadt  eine  Macht  ansübt,  verboten  hat.  Die  Strafen  seien 
nun  zu  vermehren.  Das  Domkapitel  zu  Worms  wird  des  Uechte.s,  bei  eintretemler 
Vakanz  einen  Biscbol  zu  wählen  oder  zu  postulieren,  für  immer  für  verlustig  erklärt, 
es  verliert  ferner  alle  je  von  den  Päpsten  erlangten  Privilegien,  Indulgenzcn,  Gnaden, 
Ehren,  Freiheiten  und  Immunitäten,  wenn  es  nicht  innerhalb  dreier  Monate  zum 
Gehorsam  zurllckkebrt  uud  Salmann  als  rechtmässigen  Bischof  anfuimmt  Auch  die 
vornehmsten  Behörden  der  Stadt  Worms  etc.,  der  Burgen  uud  Dörfer  der  Diöcese 
und  die  Va.«allen  werden  verwarnt,  dass,  wenn  sie  nicht  innerhalb  dreier  Monate  zu 
Salmann  sich  bekennen,  ihre  Kinder  bis  zur  dritten  Generation  inclusive  als  inhabiles 
in  Bezug  auf  kirchliche  Benefizien  erklärt,  und  die  Städte  nnd  Gemeinden  mit  dem 
Interdikt  belegt,  würden.  Die  Stadt  AVorms  insbesondere,  die  Universitas  und  die 
einzelnen  Bürger,  sollen  aller  Privilegien  etc.  verlustig  gehen ; auch  würde  zur 
Strafe  der  bischöfliche  Sitz,  dessen  sie  nicht  mehr  wert  .seien,  an  einen  andern  Ort 
verlegt.  Es  werde  ein  Beispiel  der  ultio  des  verletzten  apostdlischen  Stuhles  zum 
Schrecken  für  die  Nachwelt  staluirt  werden.  Eide  und  BOnduisse  mit  Gerlach  und 

9* 


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seinem  Anhänge  seien  null  und  nichtig : auch  alle  Rechtshandlungen  in  Bezug  auf 
Güter  und  Aemter  seien  ohne  rechtliche  Wirkung,  und  die,  welche  solche  Güter  und 
Aemter  durch  Dekrete  jener  inue  hätten,  seien  exkommuniziert,  wenn  dieselben  nicht 
innerhalb  zweier  Monate  znrückgegeben  würden. 

Ein  drittes  Schreiben  desselben  Datums  ist  an  die  drei  päpstlichen 
Richter,  die  oben  genannt  wurden,  gerichtet.  Sie  sollen  feierliche  Ihiblikationen 
der  Zensuren  rornehmen  und  aufiordern,  Schulden  nnd  Abgaben,  die  zum  bischüf- 
licheu  Tisch  von  Worms  gehören,  an  Salmann  zu  zahlen,  nnd  überhaupt  die  Ein- 
künfte aller  Art.  die  dom  Bischof  zuatehen,  diesem  znwenden.  Zu  diesem  Zwecke 
sollen  kirchliche Zensnren  nnd  schliesslich  der  weltliche  Arm  zu  Hilfe  genommen  werden. 

Ein  weiteres  Schreiben  ist  an  alle  Ordenshänser  in  Deutschland,  an  Aebte, 
Prioren,  Pröpste  un<l  Konvente  gerichtet.  Der  Pap.«t  gebraucht  den  Ausdruck,  er 
habe  Salmann  zum  Bischof  ad  regnuin  der  Wormser  Kirche  befördert.  Er  zeigt 
ihnen  die  über  das  Worni.ser  Kapitel  verhängten  Zensuren  an  und  befiehlt  ihnen 
kraft  des  Gehorsams  und  unter  Androhung  der  Exkommunikation,  den  Rebellen 
nicht  zu  folgen,  da.s  Interdikt  nicht  zu  verletzen,  nnd  sich  namentlich  nicht  nach 
der  Wormser  Kathedrale  zu  richten,  die  ja  eben  mit  unter  den  Zensuren  stehe. 
Auch  werden  ihnen  die  strengsten  Strafen  für  den  Ungehorsam  augedroht,  wenn 
sie  auf  Ibajuisition  die  Prozesse  gegen  die  VVormser  nicht  publizieren,  und  zwar 
so  oft  und  wo  sie  dazu  aufgefordert  würden. 

11. 

Tab.  Vat.  Comm.  P.  III.  a.  XVI.  Kp  I.'i"".  1«.  Juni  1882. 

Johann  an  den  Propst  des  Kloaters  S.  Georg  in  Stade,  an  den  Schola- 
atiker  der  Kirche  zu  Hamburg  und  an  Magiater  Jakob,  scliolasticiiH  eccleaie 

Tullensia. 

Erzählung,  wie  er,  der  Papst,  nach  dem  Tode  des  Bischols  .lohann  den  Hel- 
lembcrt  zum  Bischof  von  Schleswig  ernannt  habe  (10.  Juni  1331),  nnd  wie  er  dem 
Hellembert,  weil  er  die  littere  provisionis  nicht  schnell  genug  von  der  päp.stliohen 
Kanzlei  habe  erhalten  können,  sofort  die  .Administration  des  Bi.stnras  Schleswig 
übertragen  hab.  Wäbreud  der  drei  Monate  der  Administration  nun  war  Hellembert 
ira  ruhigen  Besitz  des  Bistums  und  seiner  Einkünfte.  Weil  aber  die  littere  pro- 
visionis noch  nicht  augekommeu  waren,  so  musste  Hellembert  mit  der  Verwaltung 
inuebalten,  and  diesen  Moment  benützten  einige  der  bcnacbbarteii  Mächtigen,  eine 
Opposition  zn  bilden,  die  dann  bei  der  Ankunft  der  littere  provisionis  so  stark  war, 
dass  dieselben  in  Schleswig  nnd  au  andern  Orten  nicht  publiziert  werden  konnten, 
während  jene  Nachbarn  die  Güter  des  Bischofs  besetzten.  Die  Schleswigcr  selbst 
seien,  hicss  es,  nur  durch  die  Drohungen  von  Gewaltthätigkeiten  zur  Widersetzlichkeit 
gegen  Hellembert  gebracht  worden.  Der  Papst  befiehlt  nun  den  drei  Richtern,  den 
Hellembert  in  seinen  Besitz  einzusetzen  mit  Anwendung  aller  Mittel.  D.  Av.  XVI. 
cal.  Jul.  Anii.  XA'I. 


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12. 

T«b.  V»t  Comm.  P,  II.  ».  XVI.  Ep.  1161.  28.  Juni  18U2. 

Johann  an  den  BIsrhof  von  Paderborn,  an  den  Abt  dea  Klosters  der  iiisula 
vor  den  Hauern  von  Minden  und  an  den  Propst  der  Kirche  St.  Johann  zu 

Osnabrikek. 

Erzählt,  wie  er  mich  der  Kesignation  Ottos  den  Hamburger  Propst  Heinrich 
(Eiricns)  zum  Bischof  von  Hildeshoini  ernaunt  habe,  aber  Propst,  Oekan  und  Kapitel 
zu  Hildesbeiiu,  um  die  Reservation  wohl  wissend,  haben  den  Kanonikus  ihrer  Kirche, 
Heinrich  von  Braunschweig,  zu  ihrem  Bischof  gewählt,  und  Balduin  Erzbischof  von 
Trier,  liat  als  Erzbischof  von  Mainz  (welchen  Sitz  er  occupiert,  sagt  der  Papst) 
ihn  bestätigt.  Er  bat  sich  zum  Bischof  weihen  la.sseu  und  das  Bistum  in  Besitz 
genommen  Die  Adressaten  sollen  nun  mit  allen  Mitteln  den  vom  Papst  Ernannten 
in  den  Besitz,  der  castra,  oppida,  fortalicia,  Güter,  Rechte  etc.  de.s  ganzen  Bistums 
bringen.  Sie  sollen  mit  pereiiiptorischen  Terminen  gegen  Propst,  Dekan  und  Kapitel 
etc.  Vorgehen,  die  dem  Heinrich  von  Braunschweig  geleisteten  Homagieu  und  Eide, 
BO  wie  alle  Verträge  und  Biinduisse  mit  ihm  für  null  und  nichtig  erklären,  sollen 
mit  Exkommunikation,  Suspension,  Interdikt  etc.  drohen  und  damit  Vorgehen,  Ci- 
tationeu,  Edikte  anschlagen  etc.  D.  Av.  IV,  cal.  Jul.  Ann.  XVI. 


13. 

Tab.  Vst.  Secr.  Tom.  IX.  s.  XVII-  a XVIII.  Ep.  .>00.  26.  Sept.  1832. 

Johann. an  Philipp,  König  von  Frankreich. 

Zwischen  Johann  König  von  Böhmen  und  der  erstgeborenen  Tochter  des  ver- 
storbenen Herzogs  Friedrich  von  Oesterreich  sei  eine  Heirat  verabredet,  die  der  Dis- 
pensation durch  den  römischen  Stuhl  bedürfe.  Er  bringe  dies  zur  Kenntni-s  .seiner  Ma- 
jestät und  bitte  sich  eine  Meinungsäusserung  darüber  aus.  Mau  habe  sieb  übrigens 
dahin  vertragen,  dass  der  Friede  zwischen  den  Königen  von  Böhmen  und  Ungarn 
sammt  den  Herzogen  von  Oesterreich  unverletzt  bleiben  solle,  möge  die  Heirat 
zu  Staude  kommen  oder  nicht.  I).  Av.  VI.  cal.  Oct.  Ann.  XVII. 

14 

Tab.  Vat.  Se«r.  Tom.  IX.  a XVII  n.  XVIII.  Ep.  627.  1.  0kl.  1832. 

Johann  au  die  Edelleute  Johann  und  Hennigo  de  Slavia,  Herren  von  IVerle. 

Sie  haben  ihm  Briefe  gesandt  durch  ihren  Nnnliu-s  Arnold  von  Neyenkerken. 
Er  dankt  ihnen  für  ihre  gntc  Gesinnung  und  ftlr  ihre  Thätigkeit  im  Interesse  der 
Kirche.  Er  bittet  und  ermahnt  sie  au-szuharren.  Die  Prozesse  gegen  die  Söhne 
Ludwigs  des  Baiers  sende  er  in  ihre  Gegend  zur  Publikation.  Sie  wünschten  ein 
Lehen,  aber  ihr  Nuntius  hatte  kein  ausreichendes  Mandat.  Die  andere  Bitte  werde 
erfüllt.  D.  Av.  cal.  Oct,  Ann.  XVII. 


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70 


lö. 

Tab.  Vat  Set.  Tora.  IX.  a.  XVII.  o.  XVIII.  Ep.  80.  Not.  1888. 

Regi  Francle. 

Dt  de  hüs  que  inter  iios  et  carissimum  in  Christo  tilium  nostram  Jobannem 
Regem  Boemie  illu.atrem  acta  siiut,  pro  quo  .acripsit  serenitas  regia  et  destinarit 
nontium,  noticiam  nrngniücentia  regia  habeat  pleniorem,  pandet  celsitudini  regie  cedala 
presentibiis  intercluaa,  (|uam  pauci.s  maniTestare  placeat  eiäque  imponere  sub  iiira- 
mento  prestito,  ot  in  ea  cnntenta  unlli  coimnunicare  debeant,  scd  ipsa  secreta  tenere. 
Gratia  doinini  nostri  iesu  christi  cor  regium  in  agendis  dirigat  et  protegat  ab  ad- 
versis.  amen.  Datum  li.  cal.  decembris  anno  XV^II.  ' 

16 

Tsb.  Vst.  Comm.  P.  I s.  XVII.  Ep.  H;!.  9.  Jan.  1888, 

Johaiin  an  den  Bischof  von  Strasgbiirg. 

Die  Dominikaner  Kourad,  Prior,  nqd  Theodorich,  Lektor  su  Speier,  Johann, 
Lektor  za  Bern,  nnd  Got'/.mann  von  Hagenau,  aus  der  deutschen  Ordensprovinz, 
haben  berichtet,  dass,  als  sie  auf  ihrer  Kilckkehr  von  einem  Proviuzialkapitel  in 
dem  unter  ihrer  Leitung  stehenden  Kloster  zu  Lampert,  Speierer  Diöcese,  ein- 
gekehrt waren,  der  Ritter  Simon,  genannt  Siachlider,  und  Arnold,  sein  Sohn,  ferner 
Heinrich,  genannt  Knebel,  Jolranu  von  Watlienheim  (Udenheim?),  Heinrich  de  domo 
lapidea,  Heinrich  Skoba,  scultetus  Nove  civitati.s,  and  Rudeger  Plünderer,  armigeri, 
Rebellen  gegen  die  Kirche  aus  der  Speierer  Diöcese,  im  Bunde  mit  einigen  andern, 
einen  feindlichen  Angriff  auf  sie  machten,  weil  sie  die  päpstlichen  Prozesse  gegen 
die  Relicllen  der  Kirche  publiziert  hatten  Die  bewaffnete  Schaar  erbrach  die  Thorc 
des  Klosters,  tbat  den  genannten  Dominikanern  Gewalt  an  bis  zur  Blntvcrgiessung, 
nahm  sie  gefangen,  schleppte  ,«ie  durch  Dorngesträuch  und  Gebü.sch  in  die  Burg 
Wolsberg  und  warf  sie  in  den  Kerker,  wo  sie  dieselben  so  lange  gefangen  hielten, 
bis  die  Dominikaner  ihnen  eidlich  Lossprechung  versprachen  und  alle  Gliter  des 
KIo.sters  als  Pfand  liessen.  Die  Dominikaner  haben  nun  wirklich  den  Papst  um  Ab- 
solution für  jene  gebeten,  weil  erstlich  sic  selbst  in  jene  Gegenden  ohne  Todesgeiahr 
nicht  mehr  gehen  könnten,  wenn -die  .Absolution  nicht  erfolgte,  und  zweitens,  weil 
das  Kloster  alle  seine  Güter  verlieren  wurde.  Der  Papst  ermächtigt  den  Bischof, 
den  sakrilegischcn  Verbrechern  Absolution  anziibieteu,  wenn  sie  congrua  satisfactio 
leisten  und  die  auferlegte  Busse  öberuehmen.  D.  Av.  V.  id.  Jan.  .Ann.  XVII. 

17. 

Tab.  Vat.  Secr.  Tom.  IX.  a.  XVII.  o.  XVIII.  Ep  88.  Febr.  1888. 

R«gi  Kraiicip. 

Hnia  in  hüs  que  tructata  fneruut  inter  nos  et  carissimum  in  chri.sto  filium 
nostrum  Johannem  Regem  Boemie  Illustrem,  dum  idem  Rex  in  Romana  esset  curia. 


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regium  reservatum  non  fnit  beneplacituni,  regiatn  foisse  intelleximos  benivolenciam 
pertnrbatam : qnod  ex  hoc  supponimus  ntiqne  prorenisse,  qnod  ea  que  nobis  super 
illia  excellencia  regia  ecripaerat  memoritcr  non  teneliat,  (|ue  sie  profecto  ad  saam 
revocaaset  niemoriani,  profeclo  nolla  turbationia  affniaset  niateria  sed  gratiariim  pocius 
actionis.  Per  literaa  qnidem  regias  uobia  prefati  regia  negncia  velat  propria  celaitudo 
regia  oommendavit,  ipsaque  dco  grata  reique  pnblice  expe<lieiitia  et  ad  noatrum  et 
eiusdem  ecclesie  honorem  et  conimodnm  asaeruit  pertinere,  ncc  hiia  eontenta  ad 
premiasa  promovenda  et  prosequenda  negocia  auum  proprium  ridelicet  Magiatrnm 
Petrum  Galvangiii  Parisiensem  Canonicum  deatinavit  nuncium.  ipaaque  negocia  regiis 
aliis  nuntiia  qui  erant  commcndaTit.  Ruraua  ai  diligenter  attendiaaet  circumspcctio 
regia  quam  sit  tractatua  ipae  debilie  tamque  difficilia  ad  complendum  exiatat,  utique 
nullaro  tnrbationis  ingessiaaet  materiam,  pront  ex  ipsiua  tenore  tractatua  quem  celsi- 
tudini  misimns  regie  percipere  potuit  eTidenter.  Sed  quicquid  de  hoc  tractatnm  fiiorit, 
hoc  pro  nobia  et  Hege  prefato  excelleucie  iam  dudum  obtniimus  ac  in  presenciarum 
offerimiia  regie,  qnod  ai  sibi  placnerit,  a tractatu  predicto  parati  anraua  prorans  re- 
cedere  sic  quod  pro  iiifecto  penitus  lial)eatnr,  nec  euim  nostra  nec  dicti  Regia  fuit  in- 
teutio  in  predicto  tractatn  deducere  aliqua,  que  debercnt  regie  celsitudini  displicere. 
Hec  alias  scripsimua,  sed  qnia  nondnm  ad  noa  perveiiit  an  scripta  nostra  ad  manum 
regiam  veneriut,  iterum  duxiinua  hec  scribeuda,  gratia  dei  in  agendis  cor  reginm 
dirigat  et  protegat  ab  adrersis.  Datum  II.  caleudas  Marcii,  anno  decimo  septimo. 

1«. 

Tab.  Vat  Secr.  Toro,  IX.  a.  XVII  n.  XVIII.  Ep.  .1.?8.  28.  Febr.  18S«. 

Johann  an  die  Königin  von  Frankreich. 

Dieselbe  Angelegenheit.  Auch  der  Nuntius  des  Königs  Philipp,  der  Pariser 
Kanonikus  S.  Galvanns,  hal>e  den  Traktat  mit  König  .lohanu  so  empfohlen  wie 
des  Königs  Philipp  eigene  Angelegenheit,  und  nichts  von  einem  vorv.u behaltenden 
regium  beneplacitnm  gewusst.  Die  Königin  möge  durch  ihre  besänftigende  Ver- 
mittlung bewirken,  quod  regalis  perturbatio  quiescai.  Dasselbe  Datum. 

19. 

Tab.  Vat.  Secr.  Toro.  IX.  a XVII  a.  XVIll.  Kp.  ilj».  15.  Sept  1SS8. 

Johann  an  Philipp  König  von  Frankreich. 

Der  König  hat  gebeten,  der  Papst  möge  den  Hischof  von  Lattich  zum  Erz- 
bischof von  Mainz  machen  nnd  den  Erzbischof  von  Mainz  zum  Bischof  von 
Lattich.  Der  Papst  erwiedert:  bei  Versetzungen  von  Prälaten  müsse  der  apo.stolische 
Stuhl  ein  Doppeltes  beachten,  1)  dass  keiner  von  einem  höheren  Range  zu  einem 
niedreren  herabgesetzt  werde  nnd  '2)  dass  keine  der  beiden  in  Betracht  kommenden 
Kirchen  Schaden  nehme.  Bei  Erfüllung  der  Bitte  des  Königs  aber  würde  der  Erz- 


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bischof  von  Mainz  um  seinen  Kang  kommen  am)  die  Lütticher  Kirche  wahrscheinlich 
Schaden  nehmen.  Üer  jetzifje  Bi.schof  von  Lüttich  sei  ein  mächtiger  Mann,  habe 
viele  Freunde  und  sei  doch  im  Kampfe  mit  den  Mächtigen  des  Volkes  zn  einem  viel- 
jährigen  Exil  gezwungen  worden ; endlich  nach  grossen  Kämpfen  und  Ciefahreu  sei 
er  im  friedlichen  Besitz;  ein  Nachfolger  aber  würde  leicht  wieiler  den  Kampf  auf- 
nehnien  müssen.  Auch  wäre  die  Versetzung  nur  statthaft  mit  j^ustimmung  der  beiden 
Prälaten  und  der  Domkapitel.  Daher  rniige  der  König  ihn  entschuldigt  halten,  dass 
er  auf  .seine  Bitte  nicht  eiugehen  könne.  D.  Av.  XVII.  cal.  Oet.  Ann.  XVIII. 

2«. 

Tab.  Vat  Sc«.  Tom.  IX.  a XVII.  o.  XVTII.  Ep.  lll!>.  i*.  Oet.  UW«. 

Johann  an  Albre<;ht  Herzog  von  Oesterreich. 

Dieser  hat  den  (»rsfen  von  Oettingen  Ludwig  den  Aelteren  und  den  Kartäuser 
Prior  (iottfried  von  Marburg  als  seine  (iesandten  mit  Propositionen  resp.  Bitten 
zur  Kurie  gesandt.  Der  Papst  beteuert,  dass  er  die  Sache  reiflich  geprüft  und  er- 
wogen halje,  sie  könne  aber  mit  den  Anweisungen  und  Vollmachten,  welche  des 
Herzogs  Nuntien  halten,  nicht  erledigt  werden,  die  deshalb  negocio  imperfecto  zu- 
rnckgeschickt  werden.  Er  sei  zur  Erledigung  der  Sache  immer  bereit,  wenn  ihm 
possibilia  ac  deo  ar.cepta  proponiert  würden.  Dazu  seien  zwei  Dinge  erforderlich, 

1)  quod  sibi  veritas  et  misericordia  debeaut  obviare,  so  dass  von  seiten  jenes  nobilis 
die  Wahrheit  komme,  und  von  seiner  (des  Papstes)  Seite  die  misericordia,  die  jeden- 
falls nicht  fehlen  werde,  wenn  ex  parte  ip.sius  nobilis  die  Wahrheit  assistiere, 

2)  weil  man  ohne  Fundament  nicht  bauen  könne,  so  müsse  erst  ein  solches,  das  noch 
nicht  vorhanden,  gelegt  werden.  Der  Herzog  möge  ihn  also  entschuldigen,  dass  er  vor- 
läufig auf  seine  Wünsche  nicht  eingchen  könne.  D.  Av.  X cal.  Nov.  Ann.  XVIII. 

21. 

Tsb.  Vat,  Seer.  Tom.  IX.  a.  XVH.  u.  XVIII.  Ep.  1120.  31.  Oet  13.SS. 

Johann  an  Johann.  Prior  des  Klosters  8.  Alban  vor  den  Mauern  Ua.sels, 
Deneralvikar  des  Bistums  Basel. 

Die  .Vnhänger  Lndwig.s  des  Baiern  (der  minister  Batanae  genannt  wird)  haben 
Berthold.  Bischof  von  Stras.sburg,  angegriffen,  und  der  Papst  hat  an  den  Adres.sateu 
ein  Ermahuungsschreibeu  gerichtet,  dem  BUcliof  von  Btrassburg  viriliter  und  po- 
timter  beizustehen.  Der  Papst  sagt  nun,  mit  Verwunderung  habe  er  vernommen, 
dass  der  Generalvikar  von  Basel  zwar  ein  Heer  versammelt  nnd  sich  zur  Hilfeleistung 
für  den  Bischof  von  Strassbnrg  auf  den  Marsch  begeben,  daun  aber  plötzlich  ohne 
eine  Vereinigung  mit  den  Truppen  des  t)edrängten  ßiscLofs  erreicht  zu  haben,  nach 
Basel  zurückgekehrl  .sei.  Der  l’apst  fordert  ihn  auf,  mit  von  neuem  gesammelten 


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mul  ventärkteu  Kräften  den  Feldzug  wieder  aufzouelimeu,  and  dem  ßieehof  zu  Hilfe 
zu  eilen;  er  wisse,  dass  dies  auch  durchaus  im  Sinuc  des  ep.  Liiigonensis,  des  Ad- 
ministrators der  Baseler  Kirche  sei.  1),  Ar.  II.  cal.  Nov.  .Aun.  XVIII. 


22. 

Tsb.  Vst,  Secr.  Tom.  IX.  a.  XVII.  u.  XVIII.  Kj.,  IliS.  18.  IVbr.  1884. 

Johann  an  Albert,  Menog  von  Uesterreich. 

Der  Papst  bat  sich  über  des  Herzogs  Brief  gefreut,  nnd  dankt  ihm  für  die 
darin  evident  kundgegebene  Gesinnung.  Wenn  ihm  solche  Propositionen  von  jenem 
gemacht  worden  wären,  würde  er  mit  Freude  darauf  eingegangen  sein.  Nobis  qnidem 
ad  ingens  gandium  cederet,  si  tantum  virum,  currentem  ad  precipicium  et  mortem 
etemani,  possenins  retrabere  ipsumque  reducere  in  viam  salutis  eterne.  Doch  was 
bis  jetzt  von  ihm  angeboten  sei,  mache  es  noch  nicht  möglich.  Sed  exoramu.s  pacis 
actorem  cemui,  ut  cor  eins  humiliet  etc.  D.  Av.  id.  Febr.  Ann.  XVIII. 

23. 

Tab.  Vat.  Secr.  T.  IX.  a.  XVII.  a.  XVIII.  Ep.  112U.  18.  febr.  1884. 

Johann  an  Albert.  Bischof  von  Paasau. 

Em  Herzog  von  Oesterreich  wandlc  auf  den  abschüssigen  Wegen,  die  zum  Tode 
führen.  Der  Bischof  möge  auf  denselben  einwirken,  dass  er  umkehre;  er,  der  Papst, 
werde  ihn,  obgleich  er  der  Kirche  viel  Leid  zugefUgt,  mit  Freuden  wieder  aufuehinen. 
D.  .Av.  id.  Febr.  Ann.  XVIII. 


24. 

Tab.  Vat.  Secr.  Tom.  IX  a.  XVII  u.  XVIII.  Ep.  ll:l:t.  21.  Mal  1884, 

Johann  an  Krich,  Bischof  von  Hildesheim. ‘) 

Er  wundere  sich  sehr,  dass  in  jener  Gegend,  wie  er  aus  seinem  Briefe  sehe, 
das  Gerücht  sich  verbreitet  habe,  der  Baier  sei  mit  der  Kirche  ausgesöhnt,  da  es 
jeder  B^ründuug  entbehre.  Weder  er  noch  andere  Getreue  in  jenen  Gegenden 
möchten  dergleichen  glauben,  weuu  es  ihnen  nicht  durch  eine  päpstliche  Bulle 
amtlich  initgeteilt  werde.  Sie  sollteu  vielmehr  kräftig  Vorgehen  ad  publicationem  et 
executionem  prooessnum  etc.  Er,  der  Papst,  schreibe  in  diesem  Sinne  auch  wieder 
an  die  Erzbischöfe  von  Köln,  Mainz,  Bremen  und  Magdeburg  und  an  jene  Fürsten, 
in  Betreff  deren  er,  der  Bischof  Erich,  geschrieben,  dass  sie  ihm  beistehen  möchten. 
D.  Av.  12.  cal.  Jon.  Ann.  XVIII. 


1)  Ancb  bei  Kajnald  18.84.  Nr.  28,  aber  ohne  nihere  Zeitangabe  nnd  minder  genan. 
Abb.  d.  III.  CI.  d.  k.  Ak.  d.  Wies.  XV.  Bd.  11.  Abtb.  10 


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Tab.  Vat.  üacr.  Tom.  IX.  a.  XVII  o.  XVIII.  E|>.  »»».  S6.  Jmi  11134. 

Johann  an  Philipp  von  Frankreich. 

Er  teilt  ihm  im  .\nschlnii.s  den  Inhalt  zweier  Briefe  mit,  den  einen  von  dem 
König  von  Serbien,  und  den  andern  von  Ludwig  dem  Baier  [an  Lndwig?  Der  Brief 
dea  Papstes  an  Ludwig  vom  'JS.  Juni  (bei  Kaynald)  weiss  nichts  von  einem  von 
Lndwig  an  den  Pa|ist  gerichteten  Briele],  D.  Av.  VI.  cal.  Jnl.  Ann.  XVill. 

26. 

Tab.  Vat.  Ster.  Tom.  IX.  a.  XVII  u.  XVIII.  Kp,  «!>!(.  S7.  Jaai  1*84. 

Johann  an  Philipp  von  Frankreich. 

Nnntien  des  Königs  Philipp  und  des  Johann  von  Böhmen  haben  mit  dem  Papst 
in  Bezug  auf  deu  ersten  Traktat  zwi.schen  diesem  und  dem  König  von  Böhmen  neue 
Verhandlungen  gepflogen,  deren  Itcsnltat  des  Königs  von  Frankreich  Nuntien  ihm 
überbriugeu.  Dies  zeigt  der  Papst  an  imd  empfiehlt  zugleich  seine  eigenen  Nuntien, 
den  Magister  Haymnnd  del  Casse,  Dekan  der  ecclesia  Lingonensis,  und  Bertraud 
Cariti,  Archidiakonus  Vanrensis,  dem  königlichen  Wohlwollen  und  bittet,  um  sicheres 
Geleite  für  sie.  D.  Av.  V.  cal.  Jul.  Ann.  XVIII.  In  derselben  Weise  an  deu 
König  von  Böhmen. 


27. 

Tab.  Vat  8«r.  Tom.  I.\.  a.  XVII  u.  XVIII.  Ep.  1001.  37.  Janl  l.^T4, 

Johann  an  Heinrich,  Herzog  von  Baiern  und  I^falzgraf  bei  Rhein. 

Der  Papst  bittet  ihn  um  Wohlwollen  uud  Geleitsbrief  für  seine  Nr.  2ti  ge- 
nannten Nuntien.  D.  Av.  \^  cal.  Jul.  .Ann.  XVIII. 

28. 

Manchen,  K.  Hausarebiv.  3.  Jan.  — 

Chriatoph  von  lUincmark  ersucht  die  Kardliiäle , den  Papst  Johann  zu 
mahnen,  da.ss  er  die  Reclite  des  römischen  Königs  Ludwigs  anerkenne,  und 
bittet  mitzuhelfen,  dass  die  Eintracht  zwischen  beiden  hergestellt  werde. 

Ileverendissimis  in  Christo  patribus  ac  dominis,  sacro  cardiualinui  coctui  et 
collcgio  honorando  C.,  dei  gracia  Dauornm  rex  etc.,  salutem  et  se  ipsum  cum  omni- 
inoda  qua  potest  reverencia  et  houore.  llevereude  pateruitati  vestre  cum  humilitate 
qua  decet  attencius  intimamus,  nos  veracitcr  peroepiase,  ut  inter  sanctissimum  in 
Christo  patrem  ac  dominum  dominum  Johanuem,  mlseracione  divina  sacrosaucte  Romane 
ac  uuiversatis  ecclesie  snmninm  pontificem,  ex  una  parte  et  magnificum  priucipem 
dominum  Lodovicuni  Komanorum  regem  ex  altera  dissensio  plnrima  et  grandis  dis- 


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75 


cordia  prochdolor  e«t  snbnrta,  de  qtio  sine  dabio  tnrbati  aumus  non  modicuni  et 
dolemna,  ymo  diibitamne  verisiiniliter  et  timcniua,  <inod  exinde  proeenire  puterint 
non  aolnm  pereouanim  et  rerum  dispendia  gnivia,  ymo  et  animaruiii  pericnla  (|Dani 
plurima  et  scaudala  in  popnlo  in  maximam  christianitatis  et  tidei  per  dixeraaa  lo- 
cornm  diatauciaa  forsitan,  quod  den»  auertat,  notabile  dctrinientum,  unde  Tobia  et 
veetrum  cuilibet  omni  inatancia  qnB  poaaunius  supplicamn«,  quatenns  dominum  Jo- 
bannein,  enmmuin  pontiticem  predictum,  relitis  pie  nionere  et  inducere.  ut  predietum 
dominum  Lodonicnm,  regem  Romanornm,  inre  suo  ac  iuria  aui  prosequucione  perfroi 
amore  dei  iuaticie  et  noatrarnm  precum  interventn  velit  permittere,  prout  predecesaorea 
Bui,  Komanornm  regea,  pacifice  et  qniete  uai  fnerant  ab  autiqno,  et  ad  conrordiam 
inter  eoa  faciendam  propter  deum  cum  efficacia  vos  interponere  digueinini,  ad  quod, 
sicut  et  pro  parte  speramua,  posse  proficere,  oooperari  et  laborare  volumua  cum  etfectu. 
Nec  miremini,  quod  pro  ipao  et  bono  ipsius  tractare  volumua  et  in  ania  iuatia  cauaia 
noH  iniromittere,  quia  liliua  auua  Kliam  noatram  dnxerat  in  uxorem,  nee  aliud  de 
ipso  aentimna,  quam  quod  de  tideli  chriaticola  eat  aenciendum,  cni  testimonium  per- 
bibent  vite  aue  et  operacionia  rectitndo,  nec  nun  lama  eiuadem  non  solum  apud  bonoB 
et  grave«,  verum  eciam,  ut  intelleximua,  commnniter  apud  omnea.  Bono  et  pacia  et 
trauquillitatis  aancte  Romane  eccleaie  et  predicti  patrU  noatri,  anmmi  pontificia.  et 
tocina  cbriatianitatis  libentiaaime  intendere  volumua,  ut  tenemur.  Valeant  in  t'bristo 
veatre  paternitatea  reverende  per  tempora  longiora.  ticriptura  craatino  circnmciaionia 
Domini. 

29. 

München,  K.  Staatsarchiv,  J XOmberir,  24,  Aa;.  ltW2. 

Kaiser  Ludwig  und  König  Johann  von  Böhmen  verpflichten  sirh  zu  gegen- 
seitiger Freundschaft. 

Wir  Ludewig,  von  üota  genaden  Römischer  keyser,  zn  allen  ziten  ein  merer 
des  rieh.",  vnd  wir  .lohan,  von  Got.s  genaden  Kunig  zu  Beheim  vud  ze  Polan,  graf 
zu  Lucemburg,  veriehen  vnd  tun  chunt  allen  den,  die  diaen  brief  sehent  oder  horent 
lesen,  daz  wir  vna  Heplich  vnd  friwentlich  mit  enander  vereinet  haben  dnreh  fride 
vnd  nutz  aller  kristenbeit,  vnd  daz  dest  minner  archwons  vnd  zwifela  zwischen 
vns  sei,  so  haben  wir  beide  zu  den  heiligen  geaworn,  daz  vnser  ytweder  dem  an- 
dern getrwB  vnd  gewär  sei  vnde  vnsem  kiuden,  noch  niht  gere  noch  trachte,  daz 
dem  andern  weder  an  leibe,  eren  noch  gut  schade  sei,  noch  nieman  dar  vf  sterchke 
noch  auweia  mit  dbeinen  sacken  an  alle  geuerde.  War  auch  daz  ieman  vnser  eint- 
weder«  schaden  werben  wolt  oder  wuerken  mit  worden  oder  mit  werclien,  daz  aol 
der  ander  furchomen  vnd  wenden  als  verre  er  mach,  vnd  sullen  vns  furbaz  trwelich. 
vnd  gäntzlicb  an  einander  lazzen  leibes,  eren  vnd  gbts.  Vnd  zu  einer  merern  Si- 
cherheit ao  haben  wir  keyser  Ludewig  vz  vn.serm  rat  erchom  die  edlen  mann 
Bertold  grafen  ze  Henneberg,  vnsern  lieben  swager  vnd  heimlicher,  vnaern  swager 

10* 


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76 


f^raf  (ierlahen  von  Nazzovre,  grafi'  Ijudnigen  von  Otingen  den  eitern,  Hernmn  von 
Liechten  borg,  vnsern  kanczler,  graf  Friderich  von  Olingen,  .lohansen,  bnrgrafen  w» 
Nöreiiberg,  Lndewigen  von  Hohenlocfa,  brnder  Henrich  von  Zipplingeu,  lantcho- 
mentwr  ze  franchen,  Heinrich  den  Breysinger  von  Wollenczsach.  So  halieu  wir  .lo- 
han,  kiinig  ze  Beheini,  vz  vuseriu  rat  erchorn  vnsern  eyden  Herezog  Heinrich  von 
Beyern,  Vlrieh  von  Hanowe,  Uyeinen  von  Kolditz,  Wilhelm  von  Lannstein,  Heinrich 
von  der  Leippen,  Otten  von  Bergowe,  ( 'hnurat  von  Luchsenich,  Hartman  von  Krom- 
herg,  Vlrieh  den  l’hluchk,  vnd  die  selben  habent  alle  zn  den  heiligen  gosworen.  ob 
vnser  dheiner  des  vergazze  i\nd  ändern  wolt,  des  got  nicht  gebe,  daz  si  daz  wenden 
aullen  mit  irein  rat  als  verre  si  inngent.  Vnd  wolt  man  in  des  nicht  volgen,  so 
sullen  si  den  der  vor  warnen,  an  dem  man  nicht  halten  wolt.  vnd  haben  si  daz 
beident  halbe  gebeizzen,  vnd  aullen  wir  in  dar  vmb  nimmer  deater  feinter  sein  noch 
werden.  Der  vber  haben  wir  beide  gebeten  den  Hochwirdigen  Baldewin,  Krczbyschof 
ze  Trier,  daz  er  geloht  hat  l>ei  guten  trwen  vnd  bei  sinem  ampt  daz  selbe  ze  tun, 
daz  vnser  beider  rat  gesworen  hat.  Wir  wellen  auch,  daz  alle  bnnde  stSt  beleihen, 
die  vnser  ietweder  gen  einen  frweiiden  getan  hat,  als  wir  si  au  vnsern  Ijriefen  vz 
genonien  halten.  Vnd  wellen  doch  dar  inue  tnn  daz  best,  daz  wir  inngen  mit  Worten 
vnd  mit  werchen,  daz  zu  frwentsebaft  vnd  eiuung  gehöret  vnd  ziuhet  vnd  daz  krieg 
furchomen  mach  mit  guten  trwen  au  allen  argen  list.  Vnd  daz  die  vorgenant 
rede  alle  gancz  stät  vnd  vnzerbrochen  beleihe,  so  haben  wir  beide  des  zu  den  heiligen 
gesworen  vnd  hencheu  vnser  beider  lusigel  an  disen  brief  zu  einem  ewigen  vrchundc. 
Der  geben  ist  ze  Nürnberg  an  send  Barthelemeus  tag,  da  mau  zait  von  kristus 
gehurt  driutzeheu  hundert  iar  darnach  in  dem  zwei  vnd  dreizzigstem  iar.  In  dem 
.\cht  zeheuden  iar  vnser  des  keysers  richc  vnd  in  dem  fünften  des  keysertums. 

Mit  den  Siegeln  Ludwigs  und  .lolianns. 

30. 

Cod.  Ist  Monac.  17.s:W  f.  17S  d.  |:«1. 

'Voralellung  der  für  Kaiser  Ludwig  streitenden  Minoriten,  die  l'nterhand- 
Inngen  desseiben  mit  dem  Papste  Johann  XXII.  betrelTend. 

Quoniam  scriptiira  testante  diviua,  qui  impio  prebent  auxilium,  ant  hijs,  qui 
odernutdominnm.  amicicia  coninugimtur,  poenam  doniini,  enins  in  manus  borrendnm  est 
incidere,  promerentnr,  snmmopere  vereiidnm  est  christianissimo  ac  serenissimo  priiicipi 
domino  Lodovico,  dei  gracia  Komanonim  imperatori  semper  angnsto.  ne  impio  deique  et 
Christiane  fidei  inimico  .lacolto  de  tiarecto  amicicia  enniungatnr,  cum  ipso  pacem  et 
ooncordiam  quomodolibet  faeiendo,  nisi  Jacobns  snpradictns  (Text;  snpradictos)  suos  pn- 
blice  revocaverit  perniciosos  errores , omniaqoe  iura  imperii,  qiie  nsnrpat  indebite, 
veraciter  non  simulate  voluerit  resignare  ac  ea,  qne  insticia  exigit,  per  omnia  ad- 
implere.  Si  enim  alias  pacem  dominus  imperator  ad  persnasionem  qnoruncunqne. 
qni  vel  inhdeliter  consiilunt,  vel  causam  imperatoris  minus  bene  cognoscunt, 


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V7 

Ecriptaram  saci-am  et  racioneni  naturalem  ac  hietoriaf-  fifle  digiias,  in  quibue  imperii 
iura  fnndantur,  ignorantes,  cnm  .Tacobo  faceret  antedicto,  Homannm  imperhim, 
cjuantnrn  in  ips-o  est,  ad  nibilum  est  deducere,  inra  successonim  Miorum  principumque 
Alamanie,  electornni  imperatoris,  turpiter  detrnncabit,  peraonam  propriam  in  con- 
fiisionem  ilahit  et  obprobrinm  ae  multipliciter  illaqueabit.  armai|neabiiciet,  que  predictue 
Jacobna  niminm  pertiinescit,  snos  heredes  inuumeris  ac  variis  exponet  pericnlia  ac  fideles 
et  zelatorea  imperatorie  maieslatisdestruet  et  confnudet  et  tandem,  qnod  omnium  pessi- 
mum  est,  ddein  indefensam  deseret  orthodoxani.  Quod  antem  dominus  im|)erator,  si 
aliter,  qnani  dictum  est.  se  cnm  JacotK)  composnerit  memorato.  Komaunm.  quantnm 
in  ipso  est,  ad  nichilnm  deducit  imperluni,  patere  poterit  evidenter,'  si  inra  imperii, 
que  prefatna  .Tacobns  impndenter  nsni'pat,  in  medium  deducantur.  Primo  namque 
ad  iura  spectat  imperii.  quod  Romannm  iniperinm,  quod  regnorum  et  principatimm 
noscitnr  esse  caput,  liberum  nunc  sicnt  fuit  antiquitns  nec  in  aliquo  plus  quam 
cetera  regna  mnudi  Romano  pontifici  siibiectum,  ex  quo  patenter  conclnditur,  quod 
persona  ydonea  in  regem  Ronianornm  legitime  per  principes,  electores  imperatori.s, 
electa  per  Ronianum  pqntiticem  est  uullateuus  confirmaudus  nec  sibi  inramentnni 
fidelitatis  aut  vasallatua  seu  snbiectionis  cuiuscuuque  in  temporalibus  prestare  tenetur, 
nec  sic  electns  est  ab  ipso,  nisi  sponte  rolnerit.  consecrandns,  seil  Romano  pontifice 
irrequisito  tanquam  »erns  rex  Romanorum  anctorilatem  optinet  Romanuni  regendi 
impeiinm  et  disponendi  omnia  teniporalia,  que  ad  idem  spectant  imperiom,  atque 
imperatorem  a quo  voluerit  poterit  legitime  corouari,  quemadmodnm  alii  reges  in* 
consnito  Romano  pontiRce  regnornm  suornm  administracionem  suscipinnt  et  a quibus 
eis  placuerit  coronantur.  Quod  antem  aliqni  imperatores  Romano  pontiRci  iura- 
verunt  ab  ipsoqne  corouam  imperii  acceiierunt,  respondeo  hoc  non  ex  necessitate 
sed  ex  spontanen  volnutate  seu  dexocioue  aut  lorte  ex  simplicitate  fecerunt,  unde 
tnlia  facientes  legem  suis  sncceB,«oribns,  qua  talia  facere  cogerentnr,  prescribere  minime 
potuerunt,  cum  non  habcat  iniperinm  pnr  in  pareiii. 

Ex  predietis  eciam  colligitur  cxideuter  qno<l  papa  quicunqne  non  habet  pote- 
statem  iniperinm  dividendi,  dimimiendi  rel  nugendi,  qnemadmodnni  alia  regna  nec 
diridere  nec  augere  potest.  Ratet  eciam  ex  preniissis,  quod  papa  non  potest  plus 
imperatorem  Romanum  instituere  seu  destituere  quam  qnemcnnqiie  alinni  regem 
cbristianum,  nec  eciam  polest  transferre  imperiiini  sicnt  alia  regna.  tii  antem  dicatur, 
qnod  papa  transtniit  Romannm  imperium  a Grecis  in  Germanos,  ad  hoc  et  ad  qnam- 
plura  alia,  que  qnidam  pro  parte  alia  allegare  conantur,  faciliter  respondetur,  quod 
nunquam  papa  racione  papatus  rel  alicnius  auctoritatis  vel  potestatis  sibi  date  a 
Christo  transtniit  imperium  vel  qnoniodolibet  de  imperio  ordinavit,  i|aemadmodnm 
nec  regem  Francorum,  de  quo  legitur  XV.  ql  cap.  VI  .diins,  anctoritate  papatus  de- 
posnit,  aicut  gloa<a  dicit  ibidem ; dicitur  deposiiisse.  qnia  depoiieiitibus  conseiisit,  hoc 
est.  auctoritate  regui  deponentis  deposuit.  Sic  quiequid  papa  nuqnam  fecit  circa 
Romannm  imperium,  auctoritate  fecit  illornni  qni  potestatem  habnemnt  de  imperio 
slisponendi  et  illam  potestatem  aliis  committendi,  et  ita  potestas  de  imperio  ordinandi 


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non  plus  spectat  ad  papam  racione  oSicii  papatna  quam  ad  quemcunque  alium  clericum 
Romanum  vel  civem,  quare  racione  officii  papatns  non  est  vacante  imperio  eiusdem 
imperii  ricarius  repntandua.  Sic  omuea  predictaa  libertatea  sepedictns  Jacobna  iniperii 
niiitur  annullare  dicens,  Komano  pontilici,  in  quantum  eat  ricarius  Christi  et  snc- 
ceasor  beati  Petri,  Komauum  imperium  eaae  anbiectnm,  et  qnod  in  regem  Komauorum 
riectna,  aiite<juam  per  ipsum  fuerit  contirmatua,  nec  rex  rocari  debet  uec  aliquam 
optinet  adminiatracionem  regni  de  iure,  et  quod  elcctua  aibi  iuramentuin  tidelitatis 
et  snbiectionis  preatare  tenetur,  qnodque  non  niai  per  ipaum  vel  ]>er  aliuiu  de  eins 
nmndato  |K>teat  in  inipemtorem  legitime  coronari,  et  quod  imperium  poteat  dividere, 
diininuere  et  angere,  nnde  et  andiTimns,  qnod  queudant  tecit  libellum,  (|uem  decre- 
talem  appellat,  in  quo  aaserit,  se  provinciara  Ytalie  ab  imperio  et  regno  Alemanie 
separasse,  et  <)Uod  poteat  imperatorem  deponere  et  alium  anbrogare  ac  imperium  de 
geilte  in  gentem  tranaferre,  et  quod  vacante  imperio  Komanomm  debet  administrare 
imperium  (|uautum  ad  omnia  iura  et  iurisdictioues  imperii  temporales.  Ut  autem 
Jacobus  anpradictuH  suaa  prefatas  asserciones  nephariaa  Tideatnr  in  scriptura  fundare 
dirina,  novam  bereaim  detestabilem  adinrenit,  dicena  et  ^ereiis,  quod  Christus,  in 
quantum  homo  viator  pasaibilia  et  mortalis,  omnium  reguornm  mundi  ac  cunctarnm 
rerum  temporalinm  dominium  habuit  temporale,  et  qnod  per  carenciam  dominii  tem- 
poralia  ac  proprietatis  in  apeciali  omnium  rerum  tempoi alium  non  potuit  eciam  per 
diTinam  potenciam  esse  pauper.  Hane  autem  bereaim  callide  introducit,  nt  ex  ea 
concludat,  quod  papa.  in  quantum  Christi  ricariua,  potestatem  et  inriadictiouem 
habet  super  omnia  regna  resque  temporales  et  mobiles  et  immobiles  univeraas,  ex 
qua  radicc  omnes  premiase  sue  asserciones  manifeste  snmuutur. 

Sed  ex  isto  fundameuto  propbano  inconreuiencia  quam  plurima  preiudicibilia 
Omnibus  regibus  et  principibus  ac  omnibus  christianis  concluduntur  aperte,  quorum 
primum  eat,  quod  non  aulnm  Romanum  imperium,  verum  eciam  omnia  regna  ac  tem- 
poralia  universa  papa  potest  auctoritate  propria  dividere  et  diminuere  ac  Iraus- 
ferre  et  destruere  pro  suo  arbitrio  voluntati-s.  Seenndum  inconveniena  est,  quod  sequitur 
ex  fundaiuento  predicto,  quod  papa  potest  duces,  comitea,  atqiie  barones  alio.s  1 

facere  reges,  e converso  de  regibus  facere  principes  inferioris  dignitatis,  ipsis  regnis 
minime  requisitis.  Tertium  inconveniena  eat,  qnod  regna  posaet  dare  episcopis  et  epis- 
copos  ipsos  in  regia  confirmare  dignitate,  qnemadmodnm  de  facto  quo.sdam  archie- 
piscopoa  et  epiacupoa  ducea  et  marchionea  et  comitea  reputat  et  appellat.  Qnartuni 
incoureniens  eat,  quod  papa  castra  et  predia  ac  tbesanros  et  res  mobiles  ac  im-  ' 

mobiles  ((nornmennque  chriatianorum  licite  viileret  auferre  pro  aue  libito  voluntatis.  , 

Quintum  inoonveniens  quod  sequitur  est,  qnod  a principibus  Alamauie,  electoribns  I 

imperatoris,  ins  et  potestatem  eligendi  de  iure  posaet  auferre  ac  electionem  rite  cele-  | 

bratam  cassare  et  aibi  collacionem  imperii  re.servare,  aient  iste  Jacobus  de  episco- 
patibua  et  aliia  diguitatibus  predicta  facere  de  facto  dinoacitur.  Sextnm  inconve- 
uiensquod  seqnitnr  est,  quod  papa  vacante  imperio  quemcunque  principatum  in  imperio 
constitutum,  nt  r^nnm  Bohemie,  ducatnm  quemcouque  et  omnem  marchionatum  ac 


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7!» 


comitatun),  si  proptrr  defectum  inaiicnli  liere»lis  vacavprit,  couferre  poterit  ciii  volnerit. 
et  ita  nepotibus  et  coiiBanj^ineis  suis  rnsticis  et  calciariis  posaet  dare  imperii  prin- 
cipatus.  tjeptimum  iiiconreuiens  quod  se<(uitnr  est,  qaod  omnem  seiitenciam 
imperatoris  et  cniuscniuiue  principis  inferioris  super  causa  quacuiique  temporali 
potest  papa  si  voluerit  rerocave  ac  eciani  aiiunllare.  Oolavuni  iiicouveniens  est, 
qnod  a setencia  imperatoris  et  priucipnm  aliorum  liceret  cuilibet  subiecto  imperio  in 
cauais  secularibus  ad  Romanam  eccleaiam  appellare.  Nonum  iuconreuiena  est,  quod 
papa  posset  omnes  principes  Alamauie  et  Ytalie  pro  feudis  et  aliis  temporalibus 
vncare  ad  Roiiianam  curiam  et  citare.  Inconvenieucia  omnia  supradictu  et  atia  plura. 
per  que  libertates  tollnntur  imperii,  ex  heresi  memorata  seqnmitur,  quare  iiullo  modo 
poterit  imperator  cum  honore  imperii  pacem  facere  cum  .lacobo  sepedicto,  nisi  idem 
Jacoims  heresim  revixaverit  antedictam  oinuesque  predictas  restituat  libertates.  Kursus 
ad  iura  spectat  imperii,  quod  quicunque  e.lerici,  infra  imperium  rillas,  ciritates,  castra 
vel  predia  poasidentes,  de  ipsi.s  tribiita  et  alia  servicia  imperatori  exbibere  teneiitur, 
uisi  imperiali  benignitate  immunitatem  ab  huiu.smodi  ruerint  assecnti,  nec  ab  hniusmodi 
de  prediis,  villis,  civitatibns  et  castris,  que  tenet  papa,  raciono  papatiis  est  exeinptus, 
nulla  enim  talia  possidet  iure  diviuo  et  ideo  nou  uisi  iure  huiuano  talia  poterit 
Tendicare,  quare  inribus  ablati's  imperatorura  et  regum  iioii  potest  pai«  dicere;  hec 
villa  inea,  hoc  castrum  lueum  est,  omnia  ista  potestati  imperatorie  sunt  subiecta, 
Amplius  ad  iura  spectat  imperii,  quod  uulla  persona  seeularis  ret  ecclesiastica  infra 
imperium  constituta  et  ipse  papa  habet  aliquani  iurtsdictionem  temporalem  sei  iu 
causis  raere  secularibus  ex  iure  diviuo,  sed  soinmmodo  ex  conce.ssione  libera  im- 
peraloris.  Adhnc  ad  ins  imperii  .spectant  tota  ,\1amauia  atque  Ytalia  universa 
ac  omnes  in.sule  adherentes  Y^talie  et  terra  sancta  tota  sc  alie  tcrre  vicine  infidelium, 
que  quonjlum  imperio  subieete  fucrimt,  quare  ad  solum  imperatorem  Komauuiu 
spectat  potestos  de  eiusdem  modi  disponendi,  ,^ed  omnia  supradicta  iura  tollere 
iiititnr  ,lacobus  antedictus,  cum  millam  rem  temporalem  ab  imperio  recognoscat, 
inrisdictionem  eciam  temporalem  non  ab  imperio  se  asserit  obtiuere,  ipsnmque  im- 
perium turpitcr  lacerat  et  detruncat,  cum  asseutire  iion  formidat,  quod  imperator 
Homanu.s  super  regnuin  Jerusalem,  Sicilie  et  Apulie  et  omnes  terras  vicinas  infidelium, 
omnes  insulas  maris  in  illis  partibus  conslitutas,  Uomam  cum  Omnibus  civitatibus 
patrimnnii,  totam  Cainpaniam,  ducatnm  Spoletanum  et  marchiani  jVnchonitanam,  co- 
mitatnm  Romandiole,  Boiioniam  et  Ferrariam  nullum  ius  optinet  domiuii  temporalis. 

Ex  pre<lictis  igitur  liquet  aperte,  quod,  si  dominus  Imperator,  antequaiu  Jacobus 
memoratus  omnia  iura  imperii  autedicia  aliaque  plura  nun  de  facili  enarranda  plene 
restituerit  et  iwrfecte  reeognoseendo,  videlicet  quod  omnia  iura,  libertates  et  terre 
prefate  ad  imperatoriam  pertinent  diguitatem,  composnerit  cum  eodem,  quantum  in 
eo  est,  Romanum  ad  uichilum  dedneat  imperium,  iuraque  succe-ssorum  suorum  et 
principum  Alamauie  electorum  torpiter  detrnncabit.  Insnper  personam  propriam 
multipliciter  illaqueabit.  Frimo  enim  de  facto  fatebitnr,  vel  prius  fuisae  liereticum 
et  scismaticuin  ac  excommuuicatum  et  {leriurum,  quum  vicies  ipse  Jacobum  tanquam 


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bereticiim  et  scisiiiaticum  et  exconimuuicatnni  daoipDaverit,  ac  quud  crederet,  ipsnm 
esse  bereticum,  pluries  inrainento  firniaverit,  vel  post  in  fantoriam  beretici  incidisse^ 
si  aliter,  quam  dictum  est,  se  composuerit  cum  eodem.  Nam  si  Jacobus  anpradictns 
non  est  bereticus,  seJ  katholicam  predicans  veritatem,  ergo  imperator,  quando 
ipsuin  tauquam  bereticum  et  diKtrinam  eins  tauquam  bereticam  condempnaTit,  fuit 
bereticus  reputandus;  si  vern  iste  Jacobus  est  bereticus,  ergo  imperator  componeudo  cum 
ipso  tautor  beretici  est  censeiidus.  Secundo,  si  imperator  coiuponendo  cum  ipso 
emn  tauquam  verum  papam  recognoscit,  alteruni  duorum  inconveniencium  sequitnr 
evidenter,  videlicet,  quod  vel  imperator  habet  bereticum  pro  papa  vel  habet  katbo- 
icom  pro  papa,  qui  tarnen  uuuquam  fuit  verus  papa,  quia  luce  clarins  conslat, 
qnod  vel  iste  Jacobus  est  bereticus  vel  predecessores  sui  tuernnt  beretici,  cum 
iste  et  predecessores  sui  opiniones  contrarias  circa  ewangelicam  veritatem,  quanim  altera 
est  beretica,  quia  scripture  sacre  repugnaus,  peiünaciter  defensaverint,  cum  Cbristianos 
ad  credendum  eorum  assercionibus  penis  obligaverint  et  preceptis.  Si  autem  iste 
Jacobus  est  bereticus.  ergo  imperator  ipsnm  recoguoscendo  papam  habet  bereticum 
pro  papa ; si  vero  preclecessores  sui  fuerint  beretici,  ergo  non  fuerunt  veri  summi 
pontifices,  et  per  consequens  caislinales,  qui  istum  Jacobnm  el^erunt,  non  tuerunt 
veri  cardiuales,  ex  quo  patenter  concluditur,  quod  iste  Jasobus  nunquam  fuit  verns 
papa,  et  ita  imperator  recognoscens  ipsum  pro  papa  babebit  pro  papa  illum,  qui 
nun<juam  fuit  papa.  Tercio  periculosa  erit  imperatori  concordia  memorata,  quia  si 
imperator  composuerit  se  cum  supradicto  Jacobo  et  ipsum  pro  katholico  et  vero 
papa  babuerit,  si  postea  fiierit  discordia  inter  eos  exorta,  qnod  poterit  propter 
minimiim  castrum  accidere,  et  predictus  Jacobus  dominum  imperatorem  excominuni- 
caverit,  et  imperator  in  eicommnnicacione  per  aunum  manserit,  sepedictus  Jacobus 
imperatorem  tauquam  relapsum  absque  andiencia  indicabit,  eritque  novissimus  error 
peior  priori,  presertim  com  imperator  post  coucordiam  eidem  tytnlnm  beresis,  que 
ipsum  nunc  teilet  fortissime  macnlatum,  impouere  nequaqiiam  poterit,  post- 
quani  ipsum  seniel  catholicum  et  verum  recoguoverit  papam.  Nec  credat  do- 
minus imperator,  quod  concordia  sit  diu  duratnra,  quia  snperbia  Jacobi  antedicti  et 
neipiicia.  postquam  de  causa  beresis,  quam  ultra  omnia  pertimescit,  fuerit  expeditus, 
ipsum  quiescere,  quando  occasionem  contra  imperatorem  invenerit  (T;  iuvenerati,. 
non  permittet.  Quarto  ex  alio  erit  periculosa  imperatori  bec  coucordia  prcdicta, 
nam  presumendum  est,  qnod  post  istum  bereticum,  cum  aliquis  katholicus  in  snmmum 
fiontilicem  eligatur,  qui  omnes  bereses  omuesque  faiitores  istius  Jacobi  coudempnabit, 
et  per  consequens  dominum  imperatorem  tauqnam  fantorem  beretici  et  pravitatis  heretice 
condempuabit,  jmo  dominum  imperatorem  tauquam  bereticum  indicabit.  Nam  si 
imiieiator  istnro  papam  Jacobnm  verum  papam  et  katholicum  recognoscet,  ergo  inter 
oredentes  erroribus  ipsins  et  per  consequens  inter  berelicos  compntabitnr.  Nec 
poterit  se  imperator  ita  se  excusarc  sicut  ceteri  reges,  cum  imperator  magis'quam 
alii  sit  de  suis  heresibus  iuformatus  in  tantnm,  ut  ipsum  pronunciaverit  bereticum 
manifestnm.  Quinto  timere  habet  imperator  concilium  generale  futnrnm , nam 


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öl 


si  generale  fnerit  couciliuui  celebratum , imperatnr  non  poterit  excnaari , qunm 
hereticuB  vel  faiitor  heretici  sit  censendns,  si  concordiam  fecerit  cnm  Jacobo  anpradicto. 
Si  enim  concilium  generale  ipsum  tauijuam  hereticum  condempnabit,  quod  salra  fide 
oniittere  non  (loterit,  et  dominum  im|>eratorem  eadem  seiitencia  tanquain  fautorein 
eins  et  cre<lentem  erron'bus  ipsius  condempnabit  et  involvet.  Si  vero  coucilinm  ge- 
nerale istum  Jacobum  pronuuciabit  katholicum,  quod  eat  minime  estimandam,  ea- 
dem senteucia  imperatorem  fnisse  quandoque  hereticum  iudicabit.  Et  ita  si  imperator 
composnerit  cum  eodem,  senteuciam  concilii  generalis  rel  in  rita  rcl  post  mortem 
non  valebit  evadere  et  in  obprobrinm  imperatoris  in  cronicis  et  fntnris  scriptis  auten- 
ticis  relin(|uetnr,  qnod  dominus  Lodovicus,  dux  Bavarie,  Romanorum  imperator 
primo  papam  tanqnam  hereticum  solemuiter  condempnarit,  quem  postea  eidem  sub- 
iugando  imperium  tanqnam  verum  papam  et  katholicum  recognorit.  Sexto  erit 
predicta  composicio  domino  imperator!  perniciosa  pr<>  eo  quod,  sicut  tactum  est, 
eidem  .Tacobo  titnlum  beresis  non  valebit  obicere,  propter  qnod  eritandum  et  non 
propter  aliud  iste  Jacobus  predictam  procurat  concordiam.  Timet  enim,  ne  imperator 
aliique  katbolici  .saltem  post  mortem  eins  geuerale  procurent  concilium  celebrari, 
quod  si  rite  fnerit  celebratum,  non  est  dnbium,  qniu  tanqnam  hereticns  condempna- 
bitiir.  Septimo  inntilis  erit  predicta  concordia  imperator!  pro  eo,  quod  propter 
talem  concordiam  gnelH  et  alii  rebelles  imperii  imperator!  minime  adherebunt,  ymo 
forte  iuspirante  illo,  qni  immntat  corda,  tarn  iinperatori  quam  Jacobo  antedicto 
titnlum  heretice  pravitatis  imponunt.  Revocet  antem  ad  memoriara  dominus  im- 
perator, quo<l  guelfi  et  rex  Robertus  imperator!  Heinrico,  non  obstante  quod  in  con- 
cordia fnerit  cnm  eccleaia,  sibi  toto  conainiue  restiternnt. 

Ex  prcmissis  constat  indubie,  qnod  ei  imperator  cnm  dicto  Jacobo  aliter,  quam 
dictum  est,  pacem  faceret  et  concordiam,  se  ipsum  mnltipliciter  illaqneabit.  Qnod 
antem  auos  pneros  et  beredeg  innnmeris  ac  variis  exponet  periculis,  patenter  apparet- 
Esto  enim,  quod  imperator,  dum  rixerit,  qnamvis  cum  Jacobo  composnerit  sepedicto, 
se  potnerit  per  potenciam  defensare,  tarnen  qnig  sit  fnturus  imperator  post  eum. 
ignorat,  nec  seit  an  erit  inimiens  .«nus  filiornnu|ne  suorum  mortali.s,  quod  si  con- 
tingeret,  |et]ad  bona  herednm  imperatoris  fntnrns  imperator  aspiraret,  et  cum  papa 
catholico  contra  ipsos,  quod  pater  eorum  fnisset  fantor  heretice  pravitatis,  obiceret 
et  probaret,  non  apparet,  qnod  filii  imperatoris  contra  imperatorem  fntnrum  et  papam 
ac  amico.s  eornm  possent  per  potenciam  se  tueri.  Qno<l  et  predicta  concordia  in 
confn.sioiiem  et  destructionem  caderet  amicornm  imperatoris,  patet  aperte.  Rosset 
enim  Jacobns  supradictu.s,  qnandoennque  sibi  placeret,  hdelibns  obicere,  quod  parendo 
domino  imperator!  favi.ssent  beretico  et  ita  penam  fantorie  bereticorum  non  possent 
evadere.  Quare  probabiliter  est  cavendum,  quod  si  imperator  nunc  cum  Jacobo 
-supradicto  componeret,  non  inveniret  postea  sapientes,  qni,  si  ab  ipso  Jacobo 
discordaret,  sibi  fideliter  adberere  auderent,  qninyino  de  eins  constancia  peiiitns 
desperarent.  Imo  per  tractatns  de  pace  amicos  snos  videtnr  inlirmara,  qnare  timentes, 
ne  imperator  compunat  cum  ipso  Jacobo,  prius  conabuntur  compoiiere  com  eodem. 

Abh,d.lII.aa.k  .U.  d.  Wisa.  XV.  RI.  II.  .\lith.  II 


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82 


\ovii«ime  vero,  ri  imperator  composuerit  cum  Jacobo  supradicto,  fidem,  quam  de> 
fcudrndam  suscepit  a deo,  deserit  indcfensam,  quod  in  gloria  imperatoria  maculam  in- 
delebileni  geiierarct,  preaertim  cum  imperator  iuraverit,  se  fidem  kathoUcani  defen- 
surmu.  et  proccsaus  ac  sentencias  pro  fidei  veritale  publicaverit  contra  Jacobum  se- 
pedictiini.  Atteudat  ergo  dominus  imperator,  quod  inxta  sentenciam  sapientis  usque 
ad  mortem  pro  inaticia  est  certandnm  et  pro  iusticia  (?)  fidei  et  imperii  non  solum 
per  arma  materialia  sed  eciam  per  arma  epiritualia,  id  est  per  sacrarum  testimonia 
aeripturarnm  et  |ier  upertas  raciones,  qiiibus  nnlla  lex  liumana  poterit  refragare,  quas 
sihi  sapientes  eopioaia'ime  ininistrabunt.  Mumm  inexpugnabilem  se  opponat  et  a 
seductore  predicto  Jacobo  de  Carecto  nuUatenus  decipi  se  permittat,  sed  sicnt  sepe- 
dictu»  iniquua  Jacobiis  dominum  imperatorem  conatnr  ubique  terrarum  impie  et  men- 
daciter  diflamare.  ita  dominus  imperator  suam  inuocenciam  et  insticiam  ac  fidei 
siuceritatcm  per  sapientes  nbique  declaret,  quod  fiet  taciliter,  si  dominns  imperator 
suam  iusticiam  iuter  sapientes  de  ipsa  plenius  informatos  et  riros  literatos  contrarium 
sencientes  fecerit  ventilari.  Tuuc  enim  iniuria  oonfusa  succumbet  et  iusticia  glo- 
riosa  poteucius  triumphabit.  Nunc  autem  facta  est  in  derisum  iusticia,  qnia 
sapientes,  quibus  est  cognita,  ipsam  declarare  minime  permittuntur  (?).  Et  ideo 
non  mirum,  si  a multis  domino  imperatori  inutiles  reputantur,  quemadmodum  mihtes, 
quantnmconque  strenui,  in  prelio  videntnr  inutiles,  si  euses  suos  cxtrahere  nulla- 
tenns  sinerentur. 


S.  ö,  Z.  » r.  «.  1.  Ilieskr'). 

S.  4a,  Anmerk.  1 u.  'i  IQr  btt4  1. 


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Politik  und  Geschichte  der  Union 

zor  Zeit  des  Aosgangs  Rudolfs  II  und  der  Anfänge 
des  Kaisers  Matthias 


Moriz  Ritter. 


Abh.  d.  in.  a.  d.  k.  Ak.  d.  Wipt  XV-  Bd.  II  Abth. 


12 


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V orbemerkung. 


Vorliegender  Abhandlung  liegen  haui>tsiichlich  folgende  airhivalische 
Quellen  m Grunde:  die  L'nions-,  Wahl-  und  ISeiehßtagsacten  des  Berliner 
Archivs,  die  sinn  Jahr  1611  eingeroihten  und  vielfach  über  diese  Zeit 
hinansgehenden  Unionsacten  des  Stuttgarter  Archivs  und  die  Papiere  des 
gräflich  Dolma’schen  Archivs  zu  Schlobitten.  Hinsichtlich  der  letztem 
bemerke  ich,  dass  die  Schlobittener  Acten  aus  der  Zeit  1612 — 20  vor 
mehrern  Jahren  im  Aufti-ng  der  historischen  Commission  von  Herrn 
l)r.  Baumann  Iwarbeitet  sind.  Es  siml  seine  Auszüge  und  E.xcerpte,  die 
ich  zu  meiner  Abhandlung  benutzen  durfte.  — Dass  das  nur  vorliegende 
Quellennmterial  kein  nach  allen  Seiten  hin  vollständiges  ist,  wird  der 
Kundige  leicht  ersehen.  Indess  da  es  mir  zu  genügen  scheint,  um  die 
für  die  allgemeine  deutsche  Geschichte  wichtigem  Punkte  in's  Licht  zu 
stellen,  und  da  eine  genauere  Durchfoi'schung  des  Gegenstandes  in  nächster 
Zeit  kaum  zu  erwarten  ist,  so  glaube  ich,  mit  der  Verwerthimg  meiner 
Collectaneen  nicht  länger  anstehen  zu  sollen.  Für  uniuithig  habe  ich  es 
gehalten,  überall  wo  ich  meine  Vorgänger,  besonders  Gindely  (Rudolf  II 
Band  II)  und  Ranke  (zur  Reichsgeschichte,  2.  Aljschnitt.  Werke  Bd.  Vllj, 
ergänze  oder  ihre  Aufstellungen  ändere,  eine  besondere  Polemik  anzu- 
hängeii.  Die  von  mir  ungezogenen  Acten  sinechen  für  sich  selber. 


12* 


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8fi 


Erstes  Kapitel. 

Die  Lage  der  Union  nach  dem  Jiilicher  Erbfolgekrieg. 

Die  protestantische  Union  des  Jahres  1608  gehört  zu  den  politischen 
Schöpfungen,  welche  durch  si-hr  lange  Kämpfe  vorbereitet  sind,  und  doch 
bei  ihrer  Verwirklicluuig  fdierall  Widei’sprüche  und  Halbheiten  an  sich 
tragen.  Ursprünglich  betrieben  von  einer  fortgeschrittenen  Partei')  deutscher 
Fürsten,  welche  der  Politik  des  j)rotestantischen  Deutschlands  eine  im 
wesentlichen  offensive  Richtung  zu  geben  suchten,  kam  sie  zu  Stande  als 
ein  Verein  zur  Abwehr  wideri'echtlicher  Angriffe  gegen  die  Person  der 
Verbündeten  und  gegen  die  Lande,  welche  ihnen  zur  Zeit  des  Bundes- 
schlusses  zustanden.  Anfänglich  gedacht  als  eine  Vereinigung  der  Kräfte 
und  Bestrebungen  der  gesammteu  protestantisirhen  Reichsstande,  vermochte 
sie,  als  sie  im  Jahr  1608  begründet  und  bis  ins  Jahr  1610  erweitert 
wurde,  aus  Norddeutschland  nur  Kurbrandenburg,  Hessen-Kassel  und 
Anluilt  zu  gewinnen,  und  im  Süden  musste  sie  auf  den  Beitritt  der 
Grafen,  Reichsritter  und  eines  Theiles  der  Städte  verzichten.  Wie  also 
die  Union  in  Wirklichkeit  da  stand,  war  sie  ein  ziemlich  enges  Verthei- 
digungsbündniss:  zu  einer  Vertretung  der  Rechte  oder  gar  der  Interessen 
des  gesammten  protestantischen  Deutschlands  fehlten  ihr  sowohl  die 
Kraft  als  der  Muth.  Und  doch  war  und  blieb  der  Gedanke  dieser 
letztem  grösseren  Aufgabe  das  eigentlich  treibende  Element  in  der  Ge- 
schichte des  Bundes.  Indem  nämlich  ein  Theil  der  Mitglieder,  welche 
die  An.schauungen  der  fortgeschrittenen  protestantischen  Partei  mit 
besonderer  Energie  festhielten,  dafür  sorgte,  dass  Aufgaben,  die  mit 
einer  Vertretung  der  Rechte  oder  des  Strebens  nach  Machterweiterung 
des  gesammten  protestantischen  Deutschlands  zusammenhiugen,  den  Ver- 
bündeten immer  wieder  entgegengebracht  wurden,  entstand  im  Innern 
des  Bimdes  der  Gegensatz  zwischen  den  Befürwortern  einer  kühnen,  über 
die  Gränzen  der  Unionsverfassmig  hiuausgehenden  Politik  und  der  Partei 
der  ängstlichen  Zurückhaltung.  Durch  diesen  Widerspruch  ist  die  Ge- 
scliichte  der  Union  an  erster  Stelle  bestimmt. 

1)  Was  ich  daruDtcr  Terttche,  habe  ich  in  der  AbhamUoog:  .Karftlrat  August  too  Sachsen 
und  Frieilrich  III.  von  der  PfaU*  nusgefQhrt.  Archiv  fUr  die  sächsische  Oaschichte.  Nene  Folge  Bd.T. 


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87 


Den  nächsten  Anhiss  zum  Her\-ortreten  der  sich  also  entgegen- 
gesetzten Bestrebungen  bot  sclion  im  zweiten  Jahr  des  Bestehens  der 
Union  der  Jülicher  Krbfolgekrieg.  Es  war  dies  die  erete  grosso  Ver- 
wicklung, in  welche  der  Bund  hineingezogen  wurde,  die  einzige,  in  der 
er  äusserlich  bedeutende  Erfolge  davontrug,  zugleich  aber  auch  der 
Grund  für  eine  Krisis  in  seinem  Innern,  von  welcher  er  sich  später  nur 
unvollkommen  erholt  hat.  Um  da.s  Auftreten  der  Union  in  dem  letzten 
Kegierungsjahre  Kudolfs  II.  zu  verstehen,  muss  auf  ihre  Beziehungen  zu 
diesen  .lülicher  Wirren  zuriickgegriffen  weixlen. 

Die  Union  wurde  durch  zwei  auf  einander  folgende  Anlässe  genöthigt, 
zu  den  kriegerischen  Bewegungen  des  Jahres  1610  Stellung  zu  nehmen. 
Der  erste  Anlass  lag  unmittelbar  in  dem  Streit  über  die  Behauptung 
des  von  Kurbrandenburg  imd  Neuburg  ergriffenen  Besitzes  der  Jülicher 
Lande.  Dass  in  diesem  Streit  ein  wahres  Lebensinteresse  der  deutschen 
Protestanten  zur  Entscheidung  gestellt  sei,  war  eine  Ueberzeugung.  welche 
die  Mitglieder  des  Bundes  ohne  Ausnahme  erfüllte.  Allein  gegenüber 
der  Frage,  ob  nun  desshalb  die  Union  einzugreifen  habe,  spalteten  sich 
die  Fürsten  und  die  Städte.  Letztere  beriefen  sich  darauf,  dass  die 
Unionsacte  mit  wol  berechneter  Absicht  die  Bundeshülfe  nur  zum  Schutz 
der  l>eim  Bundesschluss  im  Besitz  eines  Unirten  befindlichen,  nicht  aber 
zum  Erwerb  neu  angefallener  Lande  bestimmt  habe;  sie  verweigerten 
darum  eine  offene  Hülfe  zur  Erhaltung  des  brandenburgisch-neuburgischen 
Besitzes.  Die  Fürsten  dagegen,  ohne  die  Richtigkeit  der  städtischen 
Beweisführung  zu  bestreiten,  stellten  das  allgemeine  Interesse  über  den 
Buchstaben  der  Unionsverfassung  und  fassten  ihrerseits  den  Beschluss, 
die  Hülfe  zu  leisten.  So  führte  jener  erste  Anlass  zu  einem  einseitigen 
Vorgehen  der  Fürsten  und  zu  offenem  Zwiespalt  in  der  Union. 

Eine  weitere  Folge  der  nun  in  den  Jülicher  Landen  emjxjrschwell- 
enden  kriegerischen  Bewegung  war  es,  dass  Erzherzog  Leopold  im  Namen 
des  Kaisers  in  seinen  Stiftern  Strassburg  und  Passaii  Truppenwerbungen 
anstellte:  zunächst  gegen  Kurbrandenburg  imd  Neuburg,  dann  aber  auch 
gegen  diejenigen,  welche  ihnen  zur  Behauptung  der  Jülicher  Lande 
Beistand  leisteten.  Da  die  Unirten  sich  durch  diese  Anstalten  in  ihren 
eigenen  Landen  bedroht  sahen,  so  wurden  sie  zum  zweiten  Mal  genöthigt, 
ihre  Stellung  zu  den  kriegerischen  Vorgängen  zu  wählen.  Es  wurde  von 


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88 


ihnen  — und  zwar  diesmal  in  Uebereinstimniung  mit  der  Unionsacte 
und  unter  Zustimmung  der  Städte  — der  Ilesehluss  zu  gemeinsamen 
(iegenrüstungen  gefasst:  ein  Beschluss,  durch  dessen  Ausführung  die 
Union  zeitweilig  stark  und  gefürchtet  in  Deutschland  auftrat.  Indess 
nicht  lange  war  diese  kriegerische  Haltung  eingenoiuinen,  so  kam  es  zu 
neuem  Zwiespalt  zwischen  Fürsten  und  Städten.  Einige  von  den  erstem, 
denen  die  erschöpfende  Defensive  zu  lang  dauerte,  veranstalteten  einen 
zweimaligen  Einfall  der  Unionstrup|)en  in’s  Eisass,  um  die  Streitkräfte  des 
Erzliei-zogs  Le«])old  zu  zersprengen.  In  diesem  einseitig  beschlossenen 
Unternehmen,  zumal  da  der  Zweck  desselben  schmählich  verfehlt  wurde, 
sahen  die  Städte  eine  abermalige  Verletzung  der  defensiven  Unionsver- 
fassung, und  in  ihrem  Unwillen  darüber  gingen  sie  so  weit,  dass  sie  ihre 
Beiträge  zu  den  Krtste.u  desselben  verweigerten. 

ln  solcher  Eage  befanden  sich  die  Dinge,  als  eine  Verlegenheit  nach 
der  andern  über  die  Union  kam.  Während  laiopold  seine  Streitmacht 
in  der  Xachbarseliaft  der  Uiiirton  zusammenhielt,  la^gaim  die  katholische 
Liga  nach  dem  Münchener-Abschied  vom  4.  .September  Hi  10  ein  zweites 
ihnen  feindliches  Heer  aufzubringen.  Der  Kaiser  erliess  am  21.  .Juni  ein 
Mandat,  in  dem  er  die  Einlälle  der  Unirten  ins  Eisass.  ihre  Einlagerungen 
und  Dui-chzüge  dureh  verschietlene  geistliche  Fürstenthümer,  endlich  die 
Union  selljer  als  Verletzungen  des  Landfriedens  bezeichnete:  er  befahl 
die  Auflösung  des  Bundes  uiul  die  Trennung  seiner  .Streitkräfte ; den 
Soldaten  kündigte  er  für  den  Fall  des  \'erharrens  im  Dienste  der  Union 
die  Strafe  der  Acht  und  Oberuclit  an.  Wenn  die  auf  solche  Weise  ein- 
gesetzte kaiserliche  Autorität  sich  nicht  als  leer  luid  hohl  erwcnsen  sollte, 
so  mus.ste  auf  dieses  Mandat  die  Aechtung  der  unirten  Stände  folgen. 
Und  schon  unterhandelten  die  Kurfürsten  von  Köln  und  Mainz  üljer  eine 
Vereinigung  der  Liga  mit  den  Ständen  der  protestantisch-sächsischen 
l'artei  zu  gemeinsamem  Schutz  gegen  die  Landfriedensbrecher. Während 
aber  so  die  Gegner  der  Union  sich  erhoben,  gingen  den  imirten  Füi^sten 
die  Mittel  zur  Unterhaltung  der  Tru])i»eu  aus;  von  den  Städten  wui'den 

1)  IhisR  die  VerUatHlinngeD  Tiber  ein  ketIioliKh-|>rote«laDti8cbej  Bünd»i$a  bei  der  i^ragcr  Fiir<teo> 
TersAinmlung  bcgftnncu,  xwar  aaf  Anlaus  der  EiofäUe  der  Unirten  ln  die  Gebiete  von  btraabnrg, 
Würzburg,  Bamberg,  ia;;t  ein  Gutaebton  des  H.  Braunschwei^  T,>in  2%.  Dec.  1610  uusirücklicb. 
(Moser,  pntriot.  Archiv  VI  S.  477,  4><2.> 


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8!» 


neue  Leistungen  verweigert,  so  lange  nicht  die  militärischen  Anstalten 
auf  den  Fuss  strenger  Defensive  zurttckgeführt , und  die  Kosten  der 
Elsässer  Einfälle  von  den  Fürsten  übernommen  sein  würden;  endlich  der 
starke  Kückhalt  der  Union,  der  nicht  in  Deutschland,  sondern  in  Frank- 
reich war,  hatte  seit  dem  Tode  Heinrichs  IV.  (14.  Mai  IG  10)  und  dem 
Eintritt  der  Uegentschaft  seine  Zuverlässigkeit  verloren,  und  war  jc'den- 
falls  für  offensive  Unternehmungen  unbrauchbar. 

Unter  derartigen  Verhältnissen  war  es  ein  Glück  für  die  Unirten. 
dass,  während  sie  selber  die  Kosten  ihrer  übereilten  Unstungen  und  Unter- 
nehmungen nicht  mehr  bestreiten  konnten,  die  beginnenden  Anstalten 
der  Gegner  alle  die  Mängel  an  sich  trugen,  die  aus  der  Abwesenheit 
eines  gemeinsamen  Planes  und  zeitiger  Vorbereitungen  sich  ergeben.  Nur 
dadurch  konnte  es  der  Union  noch  getingen,  eine  Anzahl  von  Vortheilen 
die  sie  ihrem  frühen  Losbrechen  verdankte,  in  Sicherheit  zu  bringen. 

Es  wurde  durch  das  Zusammenwnrken  der  Hülfstruiipen  der  unirten  Fürsten 
und  der  auswärtigen  Mächte  die  volle  llesitznahme  der  Jülicher  Lande 
für  Brandenburg  und  Neubnrg  erwirkt  (1.  Sept.  IG  10);  zwischen  Union 
und  Liga  wurde  ein  Vertrag  geschlossen  auf  Grundlage  beiderseitiger 
Entwaffnung  (24.  October  1610);  und  wenn  Leopold  seine  Truppen  nach 
wie  vor  beisammen  hielt,  so  wurde  doch  mit  dem  Strassburger  Dom- 
capitel  ein  Vergleich  vereinbart,  nach  dem  sich  diesell)en  in  das  Ober- 
elsass  und  auf  österreichisches  Gebiet  zurückzuziehen  hatten  (24.  August). 

Im  Vertrauen  auf  diese  Abmachungen  und  gedrängt  von  ihrer  Geldnoth, 
dankten  dann  die  Unirten  ihre  Werljetruppen  ab  bis  auf  vier  Keiter- 
compagnien  in  der  Gesammtstärke  von  500  Mann.') 

Wie  gestaltete  sich  nun  aber  — das  ist  die  nächste  Aufgabe  der  • 

Betrachtung  — nach  solchen  Erfolgen  und  Zugeständnissen  die  Lage 
der  Union?  Um  diese  Frage  zu  beantworten,  gehe  ich  nach  einander  auf 
die  finanziellen  Verhältnisse  des  Bundes,  die  innem  Zwistigkeiten  desselben, 
luid  endlich  auf  seine  militärische  imd  politische  Stellung  ein. 


I)  Acten  III  n.  2M.  Neben  Jen  dort  gennnntrn  drei  Compagnien  hielt  man,  wie  der  Scliwein- 
fbrter  Abechied,  1611  Man  2S,  zeigt,  eine  vierte  Compagnie  des  Mgr.  Anepach  im  Feld. 


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90 


I.  Oie  Finanzlage  und  die  Innern  Zwistigkeiten. 

Beim  Abschluss  der  Union  hatte  man  <lie  für  Bundeszwecke  erforder- 
lichen Cieldinitttd  dadurch  zu  sichern  gesuclit,  dass  man  in  den  enäten 
fünf  Jahren  (Mai  1608  — Ende  1612)  die  Summe  von  neimzig  Uömer- 
monateu  in  den  folgenden  fünf  Jahren  noch  fünfzig  Monate  einzuschiessen 
bes(ddoRs;  von  dem  Bet7-ag  der  neunzig  Monate  waren  wider  zwei  Drittel, 
also  sechzig  Jlonate,  in  den  drei  ersten  Jahren  zu  erlegen.  Die  stärkere 
Belastung,  welche  so  auf  die  erste  Zeit  der  L'nioasdauer  fiel,  hatte  den 
Sinn,  dass  man  durch  die  frühzeitige  Begründung  eines  Fonds  sich  für 
die  Erfortlernisse  späterer  Zeiten  gefasst  machen  wollte ; und  in  der  That 
wurde  der  UnionsvoiTatli  bis  .Anfang  1610  so  gut  wie  unberührt  bewahrt. 
Aber  da  brachten  die  kriegerischen  Bewegungen  unverlüdtnissmiissige 
Anforderungen:  bi.s  zum  Ende  des  Jahres  musste  der  gesainmte  Vorrath 
der  sechzig  Jlonate  für  Unionsausgal>en  eingefordert  werden.')  An  und 
für  sich  hätte  man  nun  eine  solche  Aufzehrung  der  ordentlichen  Mittel 
hinnehmen  können,  wenn  man  damit  gereicht  hätte,  und  wenn  die  Ver- 
bündeten sich  fähig  und  l>ereit  gezeigt  hätten,  ihre  Beiträge  gleichmässig 
zu  zahlen.  Aber  es  war  das  erste  schlimme  Zeichen,  dass  l)ei  Einzahlung 
der  Beisteuern  sich  die  Rückstände  häuften.  So  lange  der  Kriegszustand 
dauerte,  war  Ordnung  in  der  Bezahlung  der  Truppen  unmöglich,  weil 
die  Gelder  so  unregelmässig  eingingen;  und  als  während  und  nach  der 
Abrüstung  die  Rückstände  ernstlicher  eingetrieben  wurden,  berechnete 
man  im  Herbst  1611  noch  einen  rückständigen  Betrag  von  137,393  Gulden*), 
d.  h.  ungefähr  den  siebenten  Theil  der  gesammten  Beisteuer.*)  Kui‘- 

1)  Die  Reihe  der  BewilligiiDgOD  war  folgeode:  ein  IH.  Februar  2 Monate  (Acten  111  n.  20  S.  107), 
am  13.  Mirz  7 Monate  (n.  44  S.  136),  am  6 April  9 Monate  (n.  85  S.  183>,  am  19.  Juli  H und 
27  Monate  (n.  '^7  8.  :)49,  am  7.  December  7 Monate  (n.  294), 

2)  Der  Rotenburi^r  Kechnungaabtehied  1611  8ept-2  (MQoehen  547/13  f.  261.  Stuttgart  UnioDS* 
acten  XI.  f.  562.  664),  enthilt  in  seinen  Beilagen  folgende  Zusammenstellung: 

Churpfalx  2,704  fl..  Churbrandenburg  86,HK4  fl,  (.Qber  abzug"  von  12,796  und  10,000  fl.  in 
Datbenos*  und  äaugenflngers  Rechnung),  Neuburg  — » ZweibrQeken  5,811  fl.,  WQrteroberg  22,441  fl. 
O'/tkr.t  Anhalt  1.155  fl.  31'/«  kr.,  Oettingen  NOrnberg  9,527  fl.  50'/*  kr.,  DIm  11611.,  Schwoinfart 
1,274 fl.  11  kr.,  Memmingen  2,480(1.,  ,Theop1iilns  Richius  ist  der  Union  schuldig,  so  er  bei  Nürnberg 
erhebt  5000  A."  — Summa  IS7..393  fl.  4-V/4  kr.  Hiniichtlich  Neuburg*  wird  bemerkt:  .obwol  s.  f.  g.  «or 
60,  monatlich  764  fl.,  und  also  in  lumma  45,840  fl.  xur  nnion  schuldig,  ist  doch  solche  post  und  noch 
roerers  ausgeben,  darüber  kein  reebnung  Torhand«).* 

3)  £in  UnioDsmonat  betrng  gegen  16,000  fl.  (Acten  III  n.  20  S.  100  Aum.  1.) 


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91 


brandonburg  war  über  drei  Viertel  von  seiner  Quote  schuldig  geblieben, 
Würtemberg  etwa  ein  Fünftel. 

Also  die  ordentlichen  Steuern  gingen  nur  theilweise  ein.  Dazu  kam 
als  zweiter  üebelstand,  dass  der  Betrag  derselben  bei  weitem  für  das 
Bedürfniss  nicht  ausreichte,  und  dass  Ijei  Vertheilung  der  fernem  Er- 
fordernisse sich  die  schlimmsten  üngleichhoiten  ergaben.  Von  vornherein 
sah  man  sich  im  Jahre  1 B 1 1 genüthigt.,  zur  Deckung  der  auf  die  gesammte 
Union  fallenden  Ausgaben  de.s  Jahres  1610,  sowie  der  Kosten  der  gering- 
fiigen  Defensivanstalten  in  der  ersten  Hälfte  von  1611  noch  weitere 
35  Monate  zu  bewilligen,  womit  die  bis  Ende  1613  fälligen  Unionsst-euern 
bis  auf  5 Monate  erschöj)ft  wurden.')  Da  aber  auch  mit  diesen  Bei- 
trägen die  wirklichen  Ausgaben  nicht  zu  bestreiten  waren,  so  mus.ste 
das  andere  auf  anderen  Wegen  eingobracht  werden;  und  hier  zeigte  sich 
die  schlimme  Ungleichheit  der  Belastung.  Da  wurde  vor  allem  die  für 
Behau])tung  der  Jülicher  Lande  geleistete  Hülfe  von  den  Einnahmen  und 
Ausgaben  der  Union  geschieden  und  — abgesehen  von  den  geheimen 
imd  wenig  ergiebigen  Darlehen  einiger  Städte®)  — den  Fürsten  aus- 
schliesslich zugewiesen.  Dieser  besondere  Beitrag  belief  sich  auf  35  Kömor- 
nionate,  oder  eine  Gesammtsumme  von  ungefähr  260,000  Gulden.*)  Eine 
weitere  Summe  von  beinahe  300,000  Gulden  wurde  den  Füi-sten  zuge- 
schoben  fiü'  die  Kosten  der  von  den  Städten  nicht  gebilligten  Einialle 
in’s  Eisass  und  einzelner  Gesandtschaften.*)  Als  Ereatz  dafite  übeniahmen 
die  Städte  bloss  einen  ausserordentlichen  Beitrag  von  60,000  Gulden. 

Das  war  die  Mehrbelastung  der  Fürsten  insgesaimnt.  Eine  zweite 
Keihe  von  Ausgaben,  die  einzelnen  Ständen  einseitig  zur  Last  fielen,  ergab 
sich  durch  die  Nothwendigkeit  von  Vorschüssen  und  durch  die  Unter- 
scheidung zwischen  solchen  Schäden  und  Ausgaben,  welche  die  Union 
iusgesjmnnt,  und  solchen,  die  der  einzelne  Unirte  allein  zu  tragen  hatte. 


t)  Roteuborgcr  Nebonabschictl  1611Sept.2.  Von  d«n  Mutmten  waren  15  Monate  imJahrlflll, 
20  weitere  1C12 — 14  zu  erlef^en.  Zar  Ergänzung  des  Unionsfonde  »ollten  dann  20  weitere  Monate 
erlegt  werden,  damit  sich  derselbe  Endo  1614  wieder  auf  Ö5  Monate  stellte. 

2)  Acten  111  n.  116. 

3)  Ein  Monat  «üramtlicher  nnirter  F&nten  ausser  Kurbrandeoburg  und  Neubarg,  die  hier 
natürlich  nicht  tnitalcuerteu,  belief  sich  auf  7,463  fl.  (Acten  III  n.  20  S.  lOO  Anm.  l.) 

4)  N&mlich  276.013  fl.  für  das  Elsässer  Unternehmen  und  13.23S  fl.  für  Gesandtschaften. 

Abh.  d.  UI.  CI.  d k.  Ak-  d.  Wiss.  XV.  Jid.  II.  Äbth.  13 


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92 


Schon  iin  October  des  Jahres  1610  berechnete  Kurpfalz  seine  derartigen 
Vorachüsse  und  z\Yeifelhaftcn  Ausgaben  auf  nahezu  200.000  Gulden;  im 
.fahr  1611  legte  er  ül>er  geleistete  Vorschüsse  eine  Kechnung  von 
284,609  Gulden  vor.  Nel>eu  der  Pfalz  waren  es  besonders  die  drei  aus- 
schreilwnden  .Städte,  die  zu  Darlehen  herangezogen  wurden:  Ulm  l>erech- 
nete  100,000  fl.,  Nürnberg  80,000,  Stnissburg  64,458.')  Nun  wurden 
allerdings  diese  Vorschüsse  durch  die  ini  .lalir  1611  nachträglich  be- 
willigten und  iiii  Laufe  von  vier  Jahren  einzuzahlenden  Deiträgu  allmüldich 
getilgt;  al>er  nicht  getilgt  wurden  solche  Ausgaben,  welche  die  Union 
den  Kinzelnen  üborlie8.s.  Inwonders  Schäden,  die  bei  Durchzügen  imd  Ein- 
fällen erlitten  waren,  unil  Kosten  von  Anstalten  zur  Landesvertheidigung, 
welche  über  die  von  den  Unionstagen  beschlossenen  Rüstungen  hinaus- 
gingeu.*) 

Von  letztem  Au.sgal)en  fiel  auf  Kurpfalz  der  grösste  Betrag  mit 
126,813  Gulden;  der  Miirkgraf  von  Anspach,  dessen  Opfer  die  zweit- 
grössten waren,  taerechnete  42,749  fl.;  dann  kam  Hes.sen-Cassel  mit  rund 
30,000,  Würtemberg  mit  27,000,  das  kleine  Zweibrücken  mit  23,000  fl. 
Neuburg  dagegen  hatte  gar  nichts  zu  verrechnen,  die  Städte  nur  unl>e- 
deutende  Summen.*) 

-Man  erkennt  aus  diesen  Angaben  sofort,  dass  <iie  Lasten  der  Unirten 
gross  und  ungleich  vertheilt  waren.  Vergegenwärtigen  wir  uns  nun,  um 
die  Wirkung  derselben  auf  die  Finanzen  eines  einzelnen  Bundesinitgliodcs 
zu  ermessen,  die  Grösse  der  von  Kurpfalz  gebrachten  Opfer  in  ihi-er 
Gesammtheit.  An  Unionsteuern  zahlte  der  Kurfürst  95  Monate,  für  die 
Jülichor  Hülfe  35  Monate,  und  für  die  wegen  der  Elasser  Einfälle  den 
Fürsten  allein  zugewiesenen  Kosten  nochmals  20  Monate:*)  das  machte 
im  ganzen  307,200  Gulden*),  eine  Summe,  welche  durch  Zuzähhuig  der 


1)  Bcila^Ti  ßotenborger  Hechnuiii?sabxchi<.M)it  Straasbarg  rechnet«  Aaelai^eu  von  H. 

tiod  ein  baarett  I>ark*hen  von  6000  fl.  - Von  «ier  pfiUzi»chen  Forderang  müssen  nach  Ausweis  eines 
Verxeichoissea  von  1618  i München  548/2)  schliesslich  nur  2.^6,04^  fl.  46‘/>  anerkannt  sein. 

2)  Rotenbnrger  Rechnungsabschted. 

')  Zusaiiimeiutcllnng  von  1611  München  547/18. 

4)  In  einem  besohdern  Abschied  zu  Hotenbnrg  (Stuttgart.  Uoionsacten  XI  f.  570)  Übernahmen 
die  Fürsten  diese  Steuer 

5)  204X  X 150. 


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«3 


ebüu  tTwühnten  126,813  fl.  auf  434,013  fl.  stieg.  Dazu  kuiuun  dann 
die  Vorschüsse  von  rund  284,000  oder  2.56,000  fl.,  die  allerdings  später 
znrückgczahlt  wurden'),  aber  doch  in  Jahren  1610 — 11  aufgebracht 
werden  mussten.  Möge  man  nun  eine  Gesammtausgabe  von  nmd  430.000 
oder  von  700,000  Gulden  rechnen,  jedenfalls,  wenn  man  diesen  Summen 
die  ordentlichen  Einnahmen  der  pfillzi.schen  Centralverwaltung*!  gegen- 
übeintellt,  die  im  Jahr  1599  gegen  250,000  Gulden  betrugen  und  in 
den  folgenden  eilf  Jahren  immerhin  auf  300,000  Gulden  gewachsen  sein 
mögen®),  so  ergiebt  sich,  dass  der  kleine  Krieg  von  1610  der  Pfalz 
el)enso  schwere  Oj)fer  auferlegte,  wie  sie  ein  gn)sser  und  verlustreicher 
Krieg  von  einem  grossen  Staate  fordern  würde. 

Die  Ausg.aben  von  Kui-pfalz  waren  freilich  die  bedeutendsten,  welche 
für  die  Unternehmungen  .der  Union  von  einem  einzelnen  Bundesstande 
geleistet  wurden;  aber  in  einem  ähnlichen  Missverhültniss  zu  den  Mitteln 
stanilen  doch  auch  die  Opfer  der  Uebrigen.  Es  war  eine  Ueberanstrengung 
welche  den  Unirten  zugemuthet  wurde;  und  theils  hierdurch,  thcils  durch 
den  wenig  glänzenden  Verlauf  der  kriegerischen  Vorgänge,  wurde  seit 
Ausgang  des  Jahres  1610  eine  sehr  bedenkliche  Stimmung  in  der  Union 
hervorgenifen:  statt  dos  Vorwärtsdringens  vom  Anfänge  ties  .lahros  kam 
jetzt  die  defensive  Hichtung  vollständiger  zur  Geltung  als  früher;  statt 
des  V'ollgefühls  erkämpfter  Triumphe  blieben  gereizte  Empfindungen 
zurück;  und  als  die  Vertreter  einer  von  diesen  Stimmungen  tmd  .\bsichten 
beseelten  Partei  traten  den  Fürsten  die  Städte  entgegen. 

Es  ist  nothwendig,  die  damalige  Haltung  der  Städte  näher  in’s  Auge 
zu  fassen.  Nachdem  man  ihnen  bei  ihrem  Eintritt  in  die  Union  die 
doppelte  Forderung  zugestanden  hatte,  dass  sie  ei'stens  sich  nur  zu  einem 


1|  Bis  161*>  waren  174,27*J  fi.  bezalilt.  (Vemichni«e«  München  54H/2.) 

2)  Ich  brauche  diesen  Aufdruck,  weil  die  Konten  der  AmUTerwaltunj^  und  die  ihnen  enteprech' 
enden  Einnahmen  besondere  Terrechnut  wurden,  und  stomit  das  Einnahmebud^et  des  pfalsischen  Hofs 
sieh  niedriger  stellt,  als  sieb  nach  heuti^-er  Berechnuni'sweise  stellen  würde. 

B)  Vjr).  meine  Biographie  Friedriehs  IV.  (ÜeutMhe  Biographie  VI  S.  616.)  und  Acten  1 S.  *>3 
(dort  ist  Z 2 r.  n.  statt  ;KK),000  fl.  — 300,tM)0  sendi  in  lesen).  Bei  der  Summe  von  2-50,000  Ö. 
ist  der  Betrag  der  noter  dem  Titel  der  TQrkenhÜlfe  erhobenen  Steuer  nicht  einbitgriffeo.  Bui  Km<> 
rechnuDg  derselben  würde  sich  das  pditzisebe  Budget  abermals  erheblich  höher  stellen.  — Das  Wachs* 
thnm  der  Einnahmen  wird  man  annehmen  müssen,  wenn  auf  die  Häussersche  Angabe  von  :ld6,000  fl. 
Einnahme  in  den  Jahren  1616— IS  (Gesch.  d.  Pfalz  II  S 6-59)  Verlass  ist. 


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94 


defensiven  Bündnisse  verpflichteten  und  zweitens  bei  Fassung  genieinsanier 
Beschlüsse  einen  den  Fürsten  nicht  ganz  aber  doch  beinahe  gleichen 
Stiimnantheil  haben  sollten,  hatten  sie  es  erlebt,  dass  in  den  Elsässer 
Unternehmungen  nicht  nur  die  Schranken  der  Defensive  überschritten, 
sondern  die  darauf  zielenden  Beschlüsse  ohne  ihr  V^orwissen  von  einem 
kleinen  Kreis  von  P'ürsten  gefasst  und  sofort  ausgeführt  waren.')  Hieraus 
entstand  ilire  Opposition  gegen  das  offensive  Vorgehen  der  Fürsten,  und 
diese  erhielt  ihre  eigentliche  Schärfe  durch  den  Argwohn,  inan  wolle  die 
Städte  zu  einer  dienenden  Klasse  in  der  Union  erniedrigen.  Wie  in  Folge 
des-sen  die  Städte  den  Fürsten  ihre  Mitwirkung  versagten,  ist  oben  be- 
rührt. Es  kam  aber  auch  gegen  Ende  des  .lahres  IG  10  soweit,  dass  der 
Nümberger  Kath  die  Frage  zur  Erwägung  stellte,  ob  die  Städte  den 
Bund  nicht  lieber  ganz  verlassen  sollten.*)  Dieser  Gedanke  wurde  aller- 
dings mit  Bestimmtheit  zurückgewuesen ; allein  bei  der  Unionsversammlung 
in  Schweinfurt  (März  IGll)  übergaben  die  Städte  den  Füi-sten  eine  Zu- 
sammenstellung all'  der  Vorfillle,  durch  welche  sie  die  ihnen  zukommonde 
Stellung  im  Bunde  als  verletzt  ansahen.*)  Wie  nothwendig  es  den  Fürsten 
erschien,  solche  Klagen  zu  beridiigen,  erkennt  man  aus  der  Bereitwillig- 
keit, mit  der  sie  sich  die  Kosten  der  einseitig  beschlossenen  Unternehm- 
ungen auf  bürden  liessen,  mid  aus  der  Eile,  mit  der  sie  die  Abrüstung 
der  Union  horbciführten. 

Durch  solche  Nachgiebigkeit  der  Fürsten  wurde  indes-s  die  Lage 
der  Union  wol  thoilweise  gel>es.sert,  aber  auch  theilweise  verschlimmert» 
Das  Vertrauen  zwischen  Fürsten  und  Städten  blieb  gestört  und  jedenfalls, 
jeinehr  den  letzteren  Rechnung  getragen  wurde,  um  so  mehr  kam  der 
Grundsatz  ängstlicher  Zurückhaltung  zur  Anerkennung.  Nicht  besser 
gestalteten  sich  ferner  die  Dingo  dadurch,  dass  zu  dem  allgemeinen 
Gegensatz  zwischen  Fürsten  und  Städten  eine  Reihe  von  be.sondern  Dif- 
ferenzen miter  den  Fürsten  selber  kamen:  so  entfernten  sich,  um  nur 


1)  D«tn  erst«n  K|ji&M<;r  Einfall  die  Bestimmung  dce  Heidelberger  Abuchied«  (1010  Min  Bl) 
über  Zerstörung  der  MusterpUtzo  zu  Grunde.  (Acten  111  n.  44  S.  Bi7).  Uebcr  dio  Mitglieder  der 
Heidelberger  Tagsatzong  Acten  JIl  n.  47  Der  zweite  Hlaasser  Einfall  wurde  zwischen  Eandgraf  Mortz, 
KttrpfaU,  Aiinpach  und  Baden  beschlossen.  (Acten  HI  n.  145.) 

*2)  Acten  111  n.  2!)1  Anm.  I. 

•I)  Abschied  1611  Marz  2.1.  (tJtuttgart,  Unionsacten  IX  f.  251.) 


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95 


xlas  wichtigste  zu  berühren,  Würteiiiberg  und  Culinbadi  in  ihrer  politischen 
Auffassung  von  ihren  Standesgenossen  und  näherten  sich  ilem  Standpunkt 
der  Städte;  zu  den  Streitigkeiten  zwischen  Itrandenburg  und  Neuburg 
filjer  die  Jülicher  Lande  brachte  nach  Friedrichs  1V\  Tod  (Sept  1610) 
die  Frage  der  vomiundschaftlichen  Regierung  der  Kurpfalz  einen  neuen 
tiefgreifenden  Stroit  zwischen  dein  Inhaber  der  Regierung,  dem  Herzog 
Johann  von  Zweibrücken,  und  dem  Fnitendenten  denselben,  dem  Herzog 
Philipp  Ludwig  von  Neuburg. 

War  aber  seit  Ende  1610  der  Stand  der  Dinge  darnach  angethan, 
um  derartige  Zwistigkeiten  und  unter  demselben  die  übereilte  Entwaffnung 
ohne  Gefahr  zu  gestatten  ? Ein  Blick  auf  die  politischen  und  militärischen 
Verhältnisse  wird  darfll>er  aufklären. 

II.  Die  militSrische  und  politische  Lage. 

Von  den  beiden  kriegerischen  Unternohmimgen  dos  Jahres  1610 
hatte  diejenige,  welche  gegen  Jülich  gerichtet  war,  den  zur  Union  ge- 
hörigen Fürsten,  Kurbrandenburg  und  Neuburg,  die  Festung  Jülich  und 
damit  den  vollen  Besitz  der  Jülicher  Lande  verschafft;  aber  es  fehlte 
für  die  Sicheidieit  dieses  Besitzes  an  jeglicher  Gewähr.  Gerade  während 
des  Kampfes  war  das  Haus  Sachsen  vom  Kaiser  mit  den  umstrittenen 
Landen  belehnt,  der  Kaiser  hatte  also  die  Pflicht  übernommen,  dieses 
Haus  in  den  Besitz  der  übertragenen  Lehen  einzuführen.  Wenn  nun  die 
imirten  F'ürston  nach  jenem  äussern  Erfolge  sofort  ihre  Streitkräfto  ont- 
hessen,  in  dem  Gefühl,  dass  man  eine  derartige  Hülfe  nicht  sobald  wieder 
zusitminenbringen  könne,  .wenn  Frankreich  seine  Truppen  zurückzog  in 
der  Absicht,  sich  in  diesen  Streit  so  leicht  nicht  wieder  einzulassen,  so 
musste  man  wol  besorgen,  dass  die  Gegner  der  besitzenden  Fürsten  ihren 
Angriff  zur  gelegenen  Zeit  erneuern  wünlen.  Schutzlos  imd  gefährdet 
Hessen  die  Unii'ten  ihre  Bundesgenossen  in  Jülich  zurück. 

Nicht  viel  günstiger  erschien  auf  den  eisten  Blick  die  L.age  der 
gesaminten  Union  auf  dem  andern  Schauplatz  kriegerischer  Bewegungen, 
in  Oljerdoutschlaud.  Während  der  Bund  seUief  gegen  Ende  des  Jalu-es  1610 
seine  Werbetruppen  bis  auf  500  Reiter  zu  entlassen  genöthigt  war,  zog 
sich  das  kleine  Elsässer  Heer  des  Erzherzogs  Leopold  nach  dem  Willstätter 


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96 


Vertrag  vom  StrassUiirger  Stift  in  das  Oherelsass ; dort  blieb  es,  den 
Unirteii  in  drohender  Nähe,  beisammen,  und  als  im  flecember  1610  die 
Alsianknng  tjegann,  geschah  sie  so  langsam  und  /.weidentig,  dass  die 
Besorgniss  vor  dem  Klsn.sser  Volk  die  Unirten  bis  ins  Friihjahr  1611 
stetig  in  .\them  hielt.')  Das  zweite  Heer  des  Erzherzogs  im  Stifte  Passau 
sollte  nach  den  Bedingungen  des  Vergleichs  zwischen  Kaistn-  Undolf  und 
Matthias  (Sept.  — Oct.  1610)  ebenfalls  abgedankt  wonlen;  alsT  auch  dieses 
blieb  beisammen,  und  erst  als  es  sich  im  Decemlier  1610  nach  tlber- 
Oesterreich  und  von  da  nach  Böhmen  wandte,  erleichtert!-  es  die  Furcht 
der  Unirten,  ohne  sie  zu  heben.  Der  einzige  Wiilersacher  der  Union, 
der  ehrlich,  wie  er  es  zngesagt  hatte,  seine  Tru|>pen  entliess,  war  Herzog 
Ma.vimilian  von  Baiern  als  Haupt  der  katholischen  Liga. 

Wenn  also  die  Union  im  Frühjahr  1610  durch  ihr  rasches  Ergreifen 
der  Waft'en  die  Gegni-r  geschre<-kt  hatte,  so  stainl  sie  zu  Anfang  des  .Jahres 
1611  den  kaiserlichen  Streitkräften  beinahe  wehrlos  gegenüber.“)  Es 
war  das  ein  Umschwung  der  militärischen  Verhältnisse,  dessen  volle 
Gefahr  ei-st  durch  die  gleichzeitige  Wendung  der  politischen  Beziehungen 
klar  wird.  Als  König  Heinrich  IV.  von  Frankreich  im  Februar  1610 
sich  mit  der  Union  über  das  .lülicher  Unternehmen  einigte,  war  zugleich 
eine  gegenseitige  Unterstützung  verabredet,  falls  der  König  wegen  der 
Jülicher  Hülfe,  und  falls  die  Unirten  wegen  einer  mit  .Jülich  oder  der 
Union  zusaminenliängenden  Angelegenheit  sollten  angegi-iffen  werden.  Als 
dann  aber  an  die  Stelle  des  Königs  die  haltlose  Hegentschaft  getreten  war, 
erlangte  man  von  derselben  mit  Mühe  die  versprochene  Hülfe  für  .Jülich; 
jene  allgemeinere  Abrede  dagegen  wurde  lautlos  bei  Seite  geschoben.*) 
Das  will  sagen , es  wurde  die  Verbindung  der  Union  mit  I-'rankreich, 
in  welcher  die  Hauptstärke  derselben  lag.  im  wesentlichen  gelöst,  .\ller- 
dings  zeigten  dafür  in  derst-lben  Zeit  England  iind  die  Staaten  sich  bereit- 


1)  AvtcH  III  n.  Kurpfalz  an  Wftrtembprjf.  Kill  Jan.  21.  (Stuttgart,  rnionünoten  XI  f. 4.) 
Wormwr  uiul  Schweinfurltfr  Ab<iclii«d.  F«br.  10,  Mürz  2^1.  (Stuttgart.  Unionsacten  IX.) 

Bei  <len  Ver«aminlun'/cn  zu  Speier  (1610  I>cc.  Acten  III  n.  ShH).  WorniB  (1611  Febr.)  untl 

SchwHnfurt  (1011  M&n),  an  denen  lich  Dbrigciiz  nur  einige  Unirt«  iMtiheiügten,  wurde  Ober  di« 

GrOndong  einer  Landrettung  gehandelt.  In  Sehweinfurt  benehloiiii  man  die  AufAteliung  von  20(K)  Mann 
t.  F..  die  dann  im  Mai.  zugleich  mit  den  noch  unter  den  Fabnen  gehaltenen  EeiUrn.  wider  abge>iankt 

wnrdeii.  (Kurpfalz  an  Würtemberg.  1611  Mai  VI  Stuttgart.  Uiiiomiiict  n.  X C2'>) 

:t)  Acten  III  ii.  2W. 


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97 


willig,  ein  älmliches,  nur  in  den  Ansätzen  iler  Hülf<!  viel  liescheidontu-es 
Bündnit«  mit  der  Union  zu  schliessen.  Allein  die  Verhandlungen  dairfiljer 
kumen  nicht  vorwärts,  erst  in  den  Jahren  KJ  12 — 14  gelangte  man  zu 
definitiven  Abschlüssen.  Vom  Anfang  des  Jahres  Hill  kann  man  sagen, 
dass  damals  die  politischen  Beziehmigen  der  Union  nicht  viel  günstiger 
waren  als  ihre  militärische  Stellung. 

Mitten  in  solcher  Ungunst  der  Dinge  gab  es  nun  aljer  wider  ein 
vortheilhaftes,  freilich  von  dem  Willen  uml  der  Weisheit  der  Unirten 
unabhängiges  Verhältniss,  w’elches  ilmen  schon  im  Verlauf  der  kriegerischen 
Actionen  zu  statten  gekommen  war:  das  war  die  Zerfahreidieit  und  der 
Zwiespalt  im  Lager  ihrer  Gegner,  vor  allem  der  Streit  zwischen  Kaiser 
Uudolf  und  seinem  Bruder  Matthias.  Diesem  Streit  hatte  die  Union  es  zu 
verdanken,  dass  sie  am  Ende  ungefährdet  blieb,  ja  dass  sie  in  unerwarteter 
Wendung  von  denen,  die  sie  anfänglich  bedrohten,  zu  einer  nicht  ganz 
unbedeutenden  Wirksamkeit  berufen  ward.  Den  Ui'sju'iing  und  Verlauf 
dieser  Wendung  haben  wir  in’s  Auge  zu  fassen.') 


Zweites  Kapitel. 

Die  Union  und  der  Ausgang  Kiidulfs  II. 

« 

Durch  das  gegen  die  Unirten  erlassene  Mandat  vom  21.  Juni  1610 
hatte  Budolf  II.  die  Autorität  «ler  Reichsregierung  in  solcher  Weise-  ein- 
gesetzt. dass,  w’enn  dieselbe  nicht  beschimiift  werden  sctllte,  entweder  die 
Union  sich  a\ifl()sen,  oder  ein  offener  Krieg  des  Reichs  gegen  den  wider- 
spenstigen Bund  geführt  werden  musste.  Was  in  Wirklichkeit  nach  jenem 
Erlass  geschah,  entsprach  weder  der  einen  noch  der  anderen  Folgerung. 
Von  Seiten  der  Union  wimle  eine  heftige  Etitgegnung  an  den  Kaiser 
verfasst,  und  tlas  Mandat  zur  Seite  geschoben.  Von  Seiten  des  Kaisers 
kam  den  Unirten  im  Octobi'r  1610  eine  Erklärung  zur  Kenntniss:  er 


1)  Die  Entwicklan^  tU*r  binher  vielfÄch  berührten  JüUeher  SMcbe  ich  in  Folg:en«ieni  fatleii, 
weil  <iie  Union,  oder  nach  oor  die  unirten  Fünften  in  ihrer  Gc»amiiitheit.  seit  Endo  1610  für  dieselbe 
nicht  mehr  eintraten. 


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98 


wolle  mit  denselben  iin  unguten  nichts  zu  thun  haben.')  Ja  einer  von 
den  Intriganten,  die  damals  den  Kaiser  zu  frevelhaften  Entschlüssen 
drilngten  und  halbe  Zustiimmmg  und  hall«  Aufträge  von  ihm  auabrachten, 
eröffnute  schon  im  Se])teml)er  dem  Herrn  von  Uosenberg,  dass  der  Kaiser 
gewillt  sei.  .siqh  selber  in  die  Union  zu  begeben.*)  Wie  hängt  ein  solches 
Ende  mit  einem  solchen  Anfang  zusammen? 

Bei  dem  Versuch  einer  Erklärung  muss  man  von  vornherein  fest- 
halteu,  dass  damals  am  kaiserlichen  Hof  von  Einheit  und  Cormequenz 
in  der  Regierung  gar  nichts,  von  dem  Dasein  einer  Reichsregierung  über- 
hau j)t,  insofern  es  sich  in  bindenden  Entschliessungen  und  Erlassen  änssert, 
nur  wenig  zu  erkennen  war.  Der  Kaiser  wurde  berathen  bald  von  den 
in  Prag  versammelten  Fürsten  und  den  obersten  collegialen  Behörden, 
bald  und  mit  Vorliebe  von  Abenteurern  und  Intriganten,  deren  Haupt  der 
Erzherzog  Leopold  war.  Wenn  im  Namen  des  Kaisers  gehandelt  und 
verhandelt  wurde,  so  geschah  es  gerade  in  den  wichtigsten  Fragen  weniger 
auf  bestimmte  kaiserliche  Entschliessimgen,  als  a«if  unsichere  Aeusser- 
ungen  und  zweideutige  Zustimmung  des  Monarchen  zu  ertheilteu  Rath- 
schlägeii.  Die.se  Zerfahrenheit  zeigte  sich  in  der  gesammten  .Jülicher 
Verwicklung,  vor  allem  in  <ler  Angelegenheit  der  in  Passau  gesammelten 
Truppen.  Allenlings  waren  es  klare  Erlasse,  durch  welche  Rudolf  11. 
am  14.  Juli  1609  den  Erzherzog  Leopold  zum  Haupt  der  kaiserlichen 
Commission  in  Jülich  ernannte,  .und  am  9.  .lanuar  1610’)  die  Vollmacht 
dessell«!»  zu  Truppenwerbungen  kund  that.  Allein  als  das  Heer  in  Paasaii 
gesammelt,  und  über  seine  Verwendung  zu  entscheiden  war,  da  wurde 
kein  bindender  Entschluss  gefasst,  sondern  nur  wilde  Pläne  zwischen  dem 
Kaiser,  dem  Erzherzog  Leopold  und  den  Anhängern  desselben  erwogen 
Nach  dem  wiö  vorausgegangen  war,  mussten  die  Trupj>cn  zur  Vortreibung 
der  besitzenden  Füraten  aus  den  Jülicher  Landen  und  zur  Bekämjifung 
dei’  jenen  Fürsten  boistchenden  Union  verwandt  werden;  in  Wirklichkeit 
standen  aber  in  jenem  Kreise  schon  im  Frühjalir  1610  andere  Gedanken 
im  Vordergrund:  die  Rückgowiimung  der  an  König  Matthias  abgetretenen 


1)  Acten  III  n.  2'<S  S.  -t-Sl. 

2)  Acten  III  n.  24», 

3)  Karl.  Beiträgf  zur  tiuachichtc  Oesterreich»  o.  d.  E.  IV  S. 


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9!» 


Lande,  die  Erhebung  LeopoldB  zum  ImhiniBcheu  und  römischen  Könige, 
eine  kirchlich-politische  Reaction  in  den  böhmischen  Landern  Als  daher 
das  erwähnte  Mandat  erging,  war  die  Politik,  deren  Ergebniss  es  war, 
in  der  Hauptsache  von  der  kaiserlichen  Regierung  schon  verlassen. 

Bei  alledem  wurde  zur  Ausführung  der  neuen  Pläne  eine  feste  Ent- 
schliessung  nicht  gefasst,  sondern  in  beispielloser  Perfidie  und  Unent- 
schlossenheit in’s  ungewisse  vorangeschritten.  Als  die  in  Prag  versam- 
melten Fürsten  den  Kaiser,  statt  ihn  in  seinen  Absichten  zu  unterstützen, 
zu  einer  scheinbaren  Vensihnung  mit  Jlatthias  nöthigten,  rangen  sie  ihm 
da.s  Zugeständniss  ab,  dass  die  Passauer  Truppen,  weil  sie  der  Versöhnung 
im  Wege  standen,  abgedankt  werden  sollten.  Das  geschah  in  den  letzten 
Tagen  des  September.')  Dann  dauerte  es  bis  zum  “23.  November  ehe  ein 
wirkliches  Decret  über  die  Abdankung  erging;*)  und  in  derselben  Zeit 
wurde  wieder  im  stillen  der  förmliche  Beschluss  gefasst,  die  Abdankung 
nicht  geschehen  zu  lassen.*)  Zur  Ausführung  dieses  Beschlusses  geschah 
vorläutig  nichts,  als  dass  den  Truppen  die  vor  ihrer  Entlassung  zu  be- 
richtigende Besoldung  nicht  gezahlt  wurde:  eine  bestitnmte  Weisung  über 
ihre  fernere  Verwendung  wurde  nicht  ertheilt.  Erst  als  iin  December  1610 
das  verzweifelte  V’olk  unter  dem  Obersten  Raine,  der  in  die  geheimen 
Pläne  eingeweiht  war,  eigenmächtig  aufbrach,  zunächst  nach  Oberöster- 
reich, dann  nach  Prag,  da  endlich  kam  eine  gewaltsame  Action,  die  sich 
naturgemäss  gegen  Matthias  und  die  protestantischen  Stände  Böhmens 
kelirto,  in  Fluss. 

Bei  dieser  Lago  der  Dinge  wird  man  es  liegreifen,  weshalb  der 
Kaiser  im  Octoher  1610  mit  den  Unirten  im  unguten  nichts  mehr  zu 
thnn  haben  wollte.  Aber  eine  weitere  Folge  dieser  Wehdung  der  kaiser- 
lichen Politik  war  es,  dass  die  Union  in  dei-selben  Zeit  eine  zweite  nicht 
minder  vortheilhafte  Annäherung  erfuhr.  Oleich  beim  Beginn  der 
Passauer  Rüstungen  hatte  König  Matthias  die  gegen  ihn  gerichteten  Pläne 
geahnt  und  zu  seinem  Schutz  sowol  militärische  Anstalten  getroffen,  als 
auch  politische  Verbindungen  gesucht.  Eine  der  Mächte,  mit  denen  er 


1)  Hibcrlin  XXIII.  S.  “25S  fg. 

2)  Oindely,  Rudolf  II,  6d.  II  S.  178. 

8)  Ä.  «.  0.  S.  179. 

Abh.  d.  III  CI.  d.  k.  Ak.  d.  Win.  XV.  Bd.  II.  Abth.  U 


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100 


ein  freundlichos  Vorhiiltniss  wiinschtu,  war  die  Union.  Bereits  iin  Juni 
vernahm  man  von  des  Könij^s  Absicht,  eine  fiesandtscliaft  an  den  Bund 
abzufertigen'),  im  August  spracli  Matthia.s  diese  At)sicht  vor  den  stiind- 
ischen  Aus-schttssen  in  bindender  Form  aus''*),  im  Novend)er  erscliion  in 
seinem  Auftrag  Gundaekcr  von  1‘olheim  beim  Herzog  von  Würtemberg®), 
und  zu  Anfang  des  Jahres  1611  begaben  sich  in  gleichem  Auftrag  Nicolaus 
von  GrinthaH)  und  Graf  Reichard  von  Starhemlwrg®)  zu  den  miirten 
Fürsten:  der  erstere  brachte  unter  andern  beim  Administrator  der  Kur- 
pfalz,  letzterer  beim  Herzog  von  Würtemberg  seine  Aufträge  voi\ 

Die  nächste  Absicht  des  Königs  bei  dieser  Annäherung  war,  die 
Unterstützung  der  Union  gegen  des  Kaisers  AngritFe  zu  erlangen,  wie 
denn  auch  die  letzterwähnte  Gesandtschaft  im  Hinblick  auf  den  Fhnfall 
der  Passauer  in  Oesterreich  geradezu  um  Truppen-  oder  Geldhülfe  bat®) 
Die  Unirten  wichen  solchen  Ansjmiichen  an  ihre  ei-scliöpfte  Tliatkraft  aus, 
aber  dem  Verlangen  nach  guten  Beziehungen  kamen  sie  bereitwillig  ent- 
gegen. Für  sie  lirachte  es  also  die  neue  Gestaltung  der  Dinge  mit  sich, 
da.sa  der  Kaiser  ihnen  nicht  mehr  gefährlich  war,  und  dass  des  Kaisers 
Bruder  ihr  Bündniss  suchte. 

Unmittelbar  an  dii'so  Wendung  der  Dinge  zu  Gunsten  der  Union 
schlossen  sich  nun  aller  die  Katastrophen,  die  durch  den  Aufbruch  der 
Passauer  Truiijien  horvorgerufen  wurden.  Im  Mär/  des  Jahres  1611  ver- 
banden sich,  weil  sie  von  jenen  Streitkrüften  gleiclunä.ssig  bedroht  waren, 
König  ^Matthias  unil  die  böhmi-schen  Stände;  bis  zum  22.  Mai  brachten 
diese  Verbündeten  es  dahin,  dass  Rudolf  die  liöhmischen  Stände  vom  Eid 
der  Treue  lösen  musste;  am  23.  Mai  wurde  Matthias  als  König  von 
Böhmen  angenommen,  worauf  die  Regierung  der  seit  1608  dom  Kaiser 
noch  belassenen  I,ande  an  ihn  überging;  am  11.  August  endlich  kam 


1)  Acten  III  n.  HU  Anm.  1, 190,  24o.  Auf  die  darauf  xielenden  Rathi<chlaji;e  fitindlscher  Partei- 
hÄu^iter  and  die  weiter  gehenden  Absichten  dtrselben  gehe  ich  hier  nicht  ein. 

2)  Acten  III  n.  24-'i,  Vgl.  241  Anm.  I,  190  Anm.  2. 

U)  Resolution  des  Herzogs.  Kotr.  24.  (Stuttgart.  Unionsocten  XI  f.  297.) 

4)  Resolution  des  H.  Zwoibrftckeii  Febr  19.  (Stattgart.  Unionsacten  IX  f.  142.) 

'Ä)  Würtemberg  an  Matthias.  April  13.  (Stuttgart.  Unionsacten  XI  f.  512.) 

«)  Zweibrucken  an  Batlen.  1611  Febr.  19.  (A.  ».  0.  IX  f.  144.)  Die  angegangonen  Fürsten  ver- 
wiesen die  Sache  an  den  ünioostag,  und  der  Schweinfurter  ünionstag  kam  zu  keinem  Beachltws  darüber. 


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101 


ein  Vergleich  zu  Stande  üljer  die  Ehren  un<l  Einkünfte,  welche  dem 
abgedankten  Lamlesherrn  zugestanden  wurden.  In  densellmn  Tagen,  in 
denen  solche  Dinge  in  der  österreichischen  Monarchie  vorgingen,  kam 
das  lleich  in  Bewegung.  Die  Kurfürsten  beschlossen  die  Abhaltung  eines 
Ck)llegialtags,  der  auf  den  17.  Juli  1611  nach  Mühlhausen  berufen  wurde, 
aller  erst  gegen  Ende  des  Monats  Octoljer  in  Nürnlierg  zu  Stande  kam; 
dessen  .■Aufgabe  sollte  sein,  die  Kückwirkung  dej-  österreichischen  \'orgiinge 
auf  das  Reich,  besonders  die  Feststellung  der  Nachfolge  des  Kaisers  in 
Berathung  zu  ziehen. 

E.S  war  natürlich,  dass  diese  geivaltaamen  Vorgänge,  indem  die 
unmittelbar  Betroffenen  sich  nach  Unteretützung  und  Bunde.sgenossen  nm- 
sahen,  immer  weitere  Ki-eise  ergriffen.  Zu  denjenigen,  die  zunächst  davon 
berührt  wurden,  gehörte,  wie  nach  den  eben  erwähnten  frühem  Anknö]if- 
ungen  des  Kaisers  und  des  Königs  Matthias  zu  erwarten  war,  die  Union. 
Am  26.  Juni  1611'),  zu  einer  Zeit,  als  die  Krönung  des  Königs  Matthias 
vollzogen,  aber  der  Vergleich  vom  11.  August  noch  nicht  getroffen,  und 
somit  die  Gesammtheit  der  kaiserlichen  Concessionen  noch  nicht  unwider- 
ruflich war,  schickte  Rudolf  den  englischen  .\geuten  Gunderot  au  den 
Markgi-afen  von  Anspach  und  den  Füi'sten  Christian  von  Anhalt,  mit  der 
Absicht,  bei  den  Unirten  einen  Rückhalt  zu  gewinneiL  Was  dieser  Ab- 
geordnete auf  liestimmten  Auftrag  vorbrachte,  war  ziemlich  allgemein: 
der  Kaiser  wünschte  der  Unirten  Unterstützmig  zur  Erhaltung  der  Ehre 
des  Reichs  und  seiner  Person,  und  er  ersuchte  beide  Fürsten,  zu  näheren 
Besprechungen  mit  ihm  nach  Prag  zu  kommen.  In  dem  ersten  Theil 
dieses  Gesuches  lag  wenig  auffallendes;  denn  gewi.ss  bedurfte  der  Kaiser, 
wenn  er  nach  dem  Verlust  seiner  Erblande  die  Rcichsregienmg  fortführen 
wollte,  der  nachdrücklichen  Unterstützung  aller,  l>e.sondei-8  auch  der  unirten 
Reichsstände.  Verfänglicher  dagegen  lautete  schon  die  Einladung  der 
beiden  Fürsten,  die  in  der  Union  den  Gedanken  der  selbständigen  und 
offensiven  Politik  vorzugsweise  vertraten,  zu  vertraulichen  Besprechungen 
mit  Rudolf,  und  vollends  bedenklich  waren  die  Aeusserungen , welche 
der  Agent  auf  Grund  der  mündlichen  Mittheihmgen  des  Kaisers  machte: 
die  Abtretung  Böhmens,  so  hiess  es  da,  sei  eine  eiv,wuugene,  die  neue 

l)  Oeditiv  OonderoU-  Berlin.  UuionsActen  XXII. 

U* 


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102 


Regierung  beginne  bereits  den  Ständen  unerträglicli  zu  werden,  die  ganze 
Umwälzung  sei  von  Sjianien  und  dem  l'apst  ins  Werk  gesetzt,  um  den 
Weg  zu  bahnen  zu  einer  Bedrückung  des  Reichs  nach  dem  Muster  der 
Tyrannen  FenJinands  von  Steiermark.  Was  Rudolf  bei  den  Verhand- 
lungen in  Prag  widerholt  androhte,  dass  er  aus  Böhmen  sich  nach  dem 
Reich,  am  liebsten  mich  Regensburg,  begeben  werde,  wuixle  auch  hier 
aiwgesjirochen.  Kurz,  wenn  man  all'  diese  Reden  ernst  nehmen  durfte, 
80  schien  es,  dass  der  Kaiser  die  Hülfe  des  Reichs  suche,  um  seinem 
Bruder  das  Königreich  Böhmen  wieiler  zu  entreissen  und  die  Nachfolge 
desselben  im  Reich  unmöglich  zu  machen.*) 

Fürs  erste  blieb  diese  Anknüpfung  ohne  bestimmte  Folgen.  .Vber 
als  im  August  101 1 der  Unionstag  zu  Rotenburg  gehalten  wurde,  ei’schien 
bei  demselben  eine  neue  kaiserliche  (xesandtschaft,  bestehend  aus  Eustach 
von  We.sternach  und  Zacharias  fteizkofler*) , wahrend  gleichzeitig  der 
Agent  Gnnderot  die  kurfürstlichen  Höfe  von  Sachsen,  Brandenburg  und 
Pfalz  besuchte.*)  Wenn  man  von  diesen  Gesandten  .Vnträge  erwartete 
in  der  Richtung  der  selbständigen  Andeutungen  Gunderots,  so  wurde  man 
freilich  enttämscht:  im  wesentlichen  bat  der  Kaiser  auch  jetzt  bloss  um 
Unterstützung  zur  Erhaltung  seiner  und  des  Reichs  Autorität.*)  Indess 
dass  ein  solches  Gesuch  nunmehr  an  den  gesammten  Bund  kam,  war  ein 
Fortschritt  in  der  begonnenen  Annäherung,  und  für  die  Union  war  es 
ein  Vortheil  und  ein  Triumph  zugleich. 

Gewiss  nicht  ungünstiger  wurde  die  Stellung  der  Union  dadurch, 
dass  ilieses  V'orgehen  des  Kaisers  sofort  wieder  die  concurrirende  An- 
näherung des  Königs  Matthias  nach  sich  zog.  Flinon  Tag  nach  dem 
Vortrag  der  kaiserlichen  Bevollmächtigten  nahm  die  Rotenburger  Ver- 
samndung  die  Werbimg  des  Herrn  Giuidaker  von  Polheim  entgegen,  der 
im  Namen  des  Königs  Matthias  an  sie  abgefertigt  war:  er  stellte  den 
Feldzug  des  Königs  nach  Prag  als  vertragsmässige  von  den  böhmischen 


l*)  Beilage  I. 

2)  Anbrlogen  der  Gt*«andtcn.  Atigiut  II.  (Stuttgart  Uoionsacten  X f. 

3)  GuDderot  an  Anspacb.  Jnli  30.  (Berlin.  Unionsacta  ad  tom.  XII.)  Kesolntion  des  Administ 
Kurpfalt  auf  Gonderota  Werbong  Ang.  16.  (Stnttgart.  Unionaacten  X f.  196.) 

4)  Bei  Kurpfalz  wurde  auch  wegen  der  rQckatindigen  ßeiebaateuem  gemahnt. 


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103 


Ständen  geforderte  Hülfeleistunjjf,  seine  Erhebung  zum  böhmischen  König 
als  das  von  ihm  gar  nicht  vorgedachte  Ergebnis»  einer  Veroinbiining  des 
Kaisei-s  und  der  böhmischen  Stände  dar.  Und  da  bei  <les  Gesandten 
Abfertigung  der  Vergleich  vom  11.  August  noch  nicht  zu  Stande  ge- 
kommen war,  so  schloss  sein  Vortrag  mit  der  Hitte  um  die  Unterstützung 
dui'  Union,  falls  diese  letzte  Vereinbarung  nicht  zu  Stande  kommen  sollte.*) 

In  den  Erklärungen,  welche  hierauf  die  Union  au  den  Kaiser  wie 
an  seinen  Bruder  abgab,  hütete  sie  sich  abermals  vor  der  Verplündiing 
ihrer  Kräfte.  Mit  dem  unverkennbaren  Wuasch,  den  Vergleich  zwischen 
dem  Kaiser  und  Matthias  bald  vollendet  zu  sehen,  verwies  sie  den  eratem 
auf  ihren  erprobten  Eifer  für  des  Reichs  Wol  und  die  kaiserliche  Autorität, 
und  rieth  dem  letztem  zu  Mässiguug  luid  Ehrfurcht  vor  seinem  Bruder. 
Allein  dass  die  so  angeknüpften  V^orhandlungen  ihre  Bedeutung  doch 
nicht  blos  in  der  Uingcsbiltuug  der  allgemeinen  Beziehungen  der  Union 
zur  Ueichsgewalt  hatten,  diiss  vielmehr  gleichzeitig  noch  ein  unmittel- 
bares Ergebnis»  denselben  angebahnt  war,  wenlen  wir  erkennen,  wenn 
wir  einen  Punkt  in  diesen  Bespreclnmgen  hervorlieben,  der  bisher  bei 
Seite  gela-ssen  ist. 

Seitdem  durch  den  Gegensatz  der  confessionellen  Parteien  die  V'er- 
fassung  des  deutschen  Reichs  gesprengt  war,  standen  die  Geschicke  Deutsch- 
lands unter  der  verhängnissvollen  .\lternative,  ob  die  Parteien  sich  selbst- 
ständig zu  organisiren  und  ihre  Gegensätze  selbständig  auszutragen  ver- 
mochten. oder  ob  cs  ihnen  gelingen  werde,  ein  gleiches  Mass  für  ihre 
beiderseitigen  Reclite  und  die  Möglichkeit  einträchtigen  Zusammenwirkens 
iimerhalb  der  Grunzen  eines  gemeinsamen  Staatswesens  wieder  zu  finden. 

Die  Bewegungen  des  Jahres  1610  hatten  es  der  Union  gezeigt,  dass 
für  die  erstere  Aufgabe  ihre  Kräfte  nicht  ausreichteii.  Sehr  erklärlich 
war  es  daher,  wenn  unter  dem  Gefüld  der  Ermattung  der  Wunsch  uacli 
einer  gütlichen  Verständigung  über  die  Gegensätze  zwischen  katholischen 
und  protestantischen  Ständen,  zwischen  den  Standen  und  dem  Kaiser 
erwachte.  Der  erste,  in  dem  dieses  Verlangen  zum  bestimmten  Ausdrucke 
kam,  war  der  llerzog  Johann  Friedricli  von  Würtemberg.  Er  hatte  über 
den  Plan  eines  allgemeinen  Ausgleichs  mit  Kurfürst  Friedrich  IV.  von 

t)  Beilage  II. 


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104 


der  Pfalz  kurz  vor  deswen  Tode  (16.  Sept.  1610)  corresjwndirf);  den 
gleichen  Gedanken  batte  er  durch  Vermittlung  des  Zacharias  Geizkofler 
an  den  Erzherzog  Maximilian  von  Oesterreich  gebracht  und  bei  diesem  ein 
freundliches  Entgegenkommen  gefunden.  ®)  Wie  nun  Matthias  bei  seiner 
Annäherung  an  die  Union  da«  Bewusstsein  hatte,  dass  er  seine  persön- 
liche Angelegenheit  nicht  ausschliesslich  in  den  Vordergrund  rücken 
durfte,  so  eignete  er  sich  jenes  sellK»  Vorhaben  an,  und  zwar,  wie  man 
sicher  annehmcu  darf,  in  der  doppelten  Absicht,  seine  niichstliegenden 
Anträge  zu  empfehlen  und  daneben  seine  Nachfolge  im  Keich,  die  er  ja 
seit  lange  ei"strebte  und  bei  dem  Verfall  des  Kaisere  immer  dringender 
erstreben  musste,  den  protestantischen  Ständen  angenehm  zu  machen. 
Schon  in  der  ersten  Werbung,  welche  sein  Gesandter  Guudaker  von  Pol- 
heim  im  November  16 10  bei  Würtemberg  verrichtete,  liess  er  in  diesem 
Sinne  um  Aufklärung  bitten  über  die  Zerwürfnisse  im  Beich  und  bot 
seine  Dienste  zur  Verniittlung  an.*)  Von  da  ab  kam  der  Gedimke  der 


))  Würtemberg  au  Zweibrücken,  Nenbarg,  Annpach,  Baiien.  IßlO  Not.  10.  (Stottgurt.  UnioD»* 
acten  XI  f.  267. 

Vergl.  das  ebeo  angeführte  Schreibe».  Ferner:  Protocoll  einer  würiemboig.  Katheeitzung. 
1610  Not.  18  (A.  a 0.  f.  2ß«.)  Würtemberg  an  Maximilian.  Not,  29.  (f.  Es  sollte  scheiDen. 

dass  aacb  der  R.  Baiern  mit  demselben  Plane  uroging.  Ich  finde  darüber  folgende«  Schreiben  des 
R.  Philipp  Ludwig  toh  Neuburg  an  Würtemberg  vom  10.  April  16U:  Gaugier  liat  bei  seiner  Durch* 
reise  nach  Düsseldorf  mit  M.  Jäger  auf  besonderu  Auftrag  des  Pfgr.  Wolfgang  Wilhelm  über  wichtige 
Puncte  sich  besprochen,  besonders  über  die  Mittel  zur  Herstellung  des  Vertrauens  im  deutachen  Reich, 
und  dabei  erdUhet.  was  der  H.  Baiern  gegen  ,umers  eltisten  sons  1 in  der  iierson  zu  München  diies 
puncten  halben  ganz  eiferig  und  wol  affertionirt  sich  vememen  lassen.“  Aus  erwähnter  BeaprechaDg 
ergiebt  sich  dass  Würtembergs  und  Neuburgs  Ansichten  in  dieser  Sache  tm  Einklang  sind ; deshalb 
und  weil  .sich  gleicher  gestalt  auf  der  andern  seiten  auch  friedliebende  fürste»  befinden,  durch  deren 
Termitlung  und  beförderung  diser  fürgesetite  zweck  aller  orten  zu  erlangen  sein  möchte“,  so  bat  der 
Herzog  seine  Bemühungen  in  dieser  Sache  fortgesetzt.  Zur  Führung  der  Ausgleichsverhandluiigen 
wären  Ton  päpstlicher  Seite  zu  gewinnen  Mainz  und  Baiern  als  Häupter  der  Liga  und  wegen  ihres 
grossen  Ansehens  im  allgemeinen.  Der  H.  Würteml»erg  möge  sein  Gutachten  geben,  ob  als  dritter 
Unterhändler  Erzii.  Maximilian  oder  wer  sonst  zu  gewinnen  sei.  Von  protestantbcher  Seite  muss  man 
solche  Fürsten  nehmen,  welche  einander  wol  leiden  mögen,  etwa  Chursachseti  und  Würtemberg.  Die 
Dienste  des  H.  Neuburg  stehen  ebenfalls  zu  Gebote.  Ist  man  einig,  welche  Unterhändler  und  wie  sie 
gewonnen  werden  sollen,  so  bat  man  sich  weiter  zunächst  auf  jeder  Belte  booitouders  zu  bedenken,  .wie 
man  bernacber  das  ganze  werk  füreu  und  ineffectum  richten  wolle.“  (Stuttgart.  Uulonsacten  X f.  9. 
Vgl.  Sattler  V'l  S.  56.)  Es  scheint  iudess  das  Datum  dieses  Schreibens  um  ein  Jahr  zu  früh  sn* 
gesetzt,  da  von  einer  Anwesenheit  Wolfg.  Wilhelms  am  bairischen  Hof  zu  Anfang  des  Jahres  1611 
nichts  bekannt  ist. 

:l)  Stuttgart.  Unionsacten  XI  f. 


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105 


allgemeinen  Ausgleichung  aus  seinen  Vcrhaiullungcn  mit  Würteml)erg 
nicht  wieder  hinaus;')  mul  im  Juli  Ißll  war  damit  si>  viel  erreicht, 
dass  die  würtcmbergischen  Ililthe  den  König  ^latthias  als  den  am  meisten 
geeigneten  Nachfolger  des  Kaisers  Ije.zeichneten.’-) 

Jlatthias  suchte  also  einen  Rückhalt  bei  den  ])rotestantischen  Ständen 
des  Reichs,  indem  er  sich  einen  (ie<lanken  aneignote,  der  dieselben  l)e- 
heri-schte.  Was  war  da  natürlicher,  als  diiss  der  Kaiser,  nachdem  er 
seiner  Erblande  beraubt  war  und  nur  im  Reich  noch  die  Mittel  zur 
Fortführung  der  Herrschaft  linden  konnte,  dem  Beispiel  seines  Bruders 
folgte?  Ala  Rudolf  II.  den  Oln-i-sten  Gunderot  au  Anspiich  und  Aniialt 
sandte,  Hess  er  l>etheuren,  das,s  er  dem,  was  zum  Nutzen  des  Reichs  von 
ihm  verlangt  wei-den  könne,  nachkommen  werde,  und  dass  er  mit  den 
Protestanten  ein  vertrauliches  Verhältni&s  wünsche.^)  Als  seine  Gesandten 
vor  der  Rotenburger  Tagsatzung  erechieneu,  schlugen  sie  Besprechungen 
vor  über  Herstellung  der  Eintracht  im  Reich  und  Erhaltung  der  Rechte 
der  Stände.'*) 

Eine  wirkliche  Vei-ständigung,  oder  auch  nur  die  Anfänge  zu  einer 
solchen  kamen  nun  freilich  auf  jene  Andeutungen  nicht  zu  Stande.  Als 
die  kaiserlichen  Gesandten  die  vorgeschlagenen  ßospreclumgeu  mit  der 
Rotenburger  Versammlung  ■wirklich  eröffnet  hatten,  erhielten  sie  ein  am 


1)  Matthias  an  WOrtemberg.  Itill  Pebr.  (A.a  O-  f.  44U.)  Würtomberg  an  Matthias.  April  If). 
(f.  512.)  WQrt'  mbcrga  Resolution  an  Polhcim.  Aug.  20.  (B«U.  II.)  Daa  xunachst  erwähnt«  Schreiben 
des  Matthias  hat  übrigens  noch  eine  beeondere  8piUe.  Matthias  bebt  nnter  den  GrQndt'n  des  Zwie- 
spaltes im  Reich  wie  im  Hause  Oesterreich  den  Rinfluss  der  friedhässigen  Rathgeber  des  Kaiaeni 
hervor.  Er  dankt  dem  Heriog  daRlr,  dass  er  ihn  um  sein  Gatachten  über  Herstellung  der  Eintracht 
im  Reich  gebeten  hat.  Dann  fahrt  er  fort:  eine  Schwierigkeit  hierbei  ist  es,  den  Kaiser  und  seine 
Käthe  für  dieses  Werk  des  Friedens  und  den  Plan  der  Ernennung  von  Personen,  «welche  die  tail  ver- 
nemmen  und  xeitlieh  »olciie  hinlegen  kunten“,  zu  gewinnen.  Da  der  kaiserliche  Hof  seiner  Gewohnheit 
nach  die  Bikcbc  ricUcicht  nur  verschleppen  dürfte,  so  könnte  man  «auf  andere  weg  gleichesfaU  gofasi 
sein,  oder  die  interessierte  persuadtern,  das  sie  inen  etliche  unpartcUsdte  und  oninteressierte  neben 
eine  mobman  gefallen  Hessen.  Bei  welchem  termino  die  nnierte  färBten  in  gemain  viel  vermoj^ii  könten  ; 
welches  i.  Kai.  M.  zu  keinem  praeiadicio  do^balben  gereichet,  weil  ir  ambt  erfordert,  frid  und  ainigkeit 
za  erhalten,  ir  auch  mit  nnrnhe  and  ol>erhanRen  negotiis  nit  alle  zeit  wol  ist.*  Der  König  ist  bereit 
alles  zn  than,  was  er  .den  unirten  char-  and  fürsten  zu  gemainem  friden  im  hei),  reich  nützliches 
eraaigen  kann.  Das  übrige  ist  der  feder  nit  zu  vertrauen.* 

2)  Gntachten  von  Eborsteiu,  Kngelshofen.  Buwinkhaoseo,  Faker.  Juli  2t>.  (A.  a.  0.  X f.  2-U.  | 
d)  Beilage  I. 

4)  Vortrag  der  Gesandten. 


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106 


10.  Anglist  erlassent-s,  vinlleicht  diu-cli  don  mii  11.  dessellien  Monats  /.um 
Absi'hluss  gelangenden  letzten  Vergleieli  mit  Matthias  hervorgerufenes 
kaiserliches  .Si-hreihen , nach  dem  die  fernere  Verhandlung  üher  Be- 
schwenlen  der  Ueichsstiinde  auf  den  Nürnberger  Kiirfursttmtag  zu  ver- 
weisen war.')  Damit  «uirden  die  Conferenzen  abgebrochen.  Indess  die 
Unirten  nahmen  die  geschehenen  Andeutungen  als  eine  Art  von  Ver- 
jiflichtung  des  Kai.sers  und  seines  Bruders  auf  zur  weitern  \’erfolgung 
des  einmal  aufgestellten  Zieles;  und  im  Vertrauen  darauf  formulirten  sie 
ihre  Stellung  zu  dem  ihnen  so  willkommenen  Voi-schlag.  Nach  ihrem 
alten  Grundsätze  gab  es  für  den  .\ustrag  der  gi-ossen  Streitigkeiten  im 
Keieh  nur  ein  Forum,  nümlich  den  Beichstng;  es  gab  nur  eine  Art  der 
Entscheidung,  nämlich  freiwilliges  Uebereinkoimnen  silmmtlicher  Ileichs- 
stände  ohne  Uebei-stimmung.  DemgemiU«  forderten  die  Unirten  vor  allem 
einen  Reichstag.  Du  jedoch  die  letzte  V'ersammlung  der  Reichsstände 
(1608)  nur  dazu  gedient  hatte,  um  die  Gegensätze  der  Parteien  auf  die 
Spitze  zu  treiben,  so  hielten  sie  es  ferner  für  nöthig,  die  Arlieiten  des 
neuen  Reichstags  vorboroiten  zu  lassen.  Sie  verlangten  also  eine  voraus- 
gehende Versammlung  auserwählter  Füi-sten  iKÜder  Parteien,  welche  eine 
vorläufige  Verständigung  versuchen  sollte,  natürlich  ohne  da.ss  auch  hier 
ein  Ueberstinunen  statthaft,  oder  das  Ergebniss  für  <len  Reichstag  bindend 
sein  dui-fte. 

In  solcher  AVeise  wurde  der  Plan  der  Ausgleichung  zunächst  von 
Würteinlierg  gefasst*)  und  dann  mit  einem  wichtigen  Zusatz  von  dem 
Rotenburger  Unionstag  gebilligt.  Hier  nämlich  unterschied  man  zwischen 
solchen  Forderungen  der  Protestanten,  die  durch  den  fraglichen  Aus- 
gleich unter  sAmmtlichen  Ständen  zn  erledigen  waren,  und  denjenigen, 
welchen  der  Kaiser  einseitig  gerecht  werden  koimte.  Zu  letztem  rechnete 
man  die  Aufhebung  der  den  Protestanten  widerwärtigen  Entscheidungen, 
welche  aus  der  Ausübung  der  kaiserlichen  Jurisdiction  im  Reichshofrath 
hervorgangen  wareji.  die  Aufhebung  dieser  Jurisdiction  selber,  sowie  eine 


1)  n^fiprechung^  swlvchen  den  Genndten  and  den  DopatirUn  d««  Unionstaf^  Tom  17.  Aa|?. 
(Statthaft.  Unionsmcten  X f. 

WOrtemberj;  an  ZwcibrOcken  «tc.  1610Nnv.  19.  (Stuttgart,  roionsacten  XI  f.  267.)  DeaiHbeo 
Resolution  auf  Polheims  Werbung.  1611  Kcb.  3.  (f.  449.)  Nsubnrg  an  Würtemberg.  1611(1012)  April  19. 
(X  f.  9.) 


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107 


Neulx^setzung  d<?s  kaiserliclu-n  Uathos  unter  Mitwirkung  der  Fürsten.  Um 
nun  den  Ausgleich  zu  erleichtern,  sollte  der  Kaiser  in  der  letztem  Classe 
von  Forderungen  den  Protestanten  sofort  zu  Willen  sein.')  — Schwerlich 
konnte  man  in  diesem  Zusatz  der  ünirten  eine  günstige  Aussicht  für  dsis 
Vei-söhmmgswerk  erkennen;  ihr  Grundsatz  war  eben  jetzt  wie  später, 
dass  es  gefährlich  sei,  eine  Neigung  zu  Concessionen  zu  veiTathen. 
Aber  dessen  ungeachtet  hielten  sie  an  dem  aufgestellten  Plan  in  seiner 
allgemeinen  Fassung  mit  seltener  Zähigkeit  fest:  es  war  der  Gedanke  der 
„Comiiosition“,  der  fortan  in  den  üeziehungen  des  Kaisers  und  der  jiro- 
testantischen  Stünde  im  Vordergrund  stehen  sollte,  und  dessen  endlich 
erkannte  Undurchführbarkeit  vor  allem  dazu  diente,  um  die  Geister  mit  der 
Nothwendigkeit  eines  grossen  Krieges  vertraut  zu  machen. 

Fasst  man  das  bisher  Ge.sagte  zusammen,  so  ergiebt  sich,  dass  der 
Hotenburger  ünionstag  vom  A)\gust  Hill  einen  nicht  unwichtigen  Ab- 
s<'hnitt  in  der  l'nionsgeschichte  bildet:  hier  wurde  die  Abrechnung  über 
den  Krieg  von  1610  aufgestellt;  es  kam  hier  die  neue  Verbindung  der 
Union  mit  dem  Kaiser  und  Matthi:is  zum  vollen  Ausdruck,  und  es  wurde 
der  Anstoss  gegeVien  zu  den  die  Folgezeit  erfüllenden  Com|H)sitions- 
verhandlungen. 

Drei  Monate  nachher  trat  der  Nürnberger  Kurfürstentag  zusammen. 
Da  auf  dieser  Vei-sammlung  alT  die  schweren  Fragen,  welche  in  dum 
laufenden  Jahr  die  Union,  das  Reich , die  österreichischen  Lande  Ijuwegt 
hatten,  vor  dem  Forum  des  Reichs  zur  Sprache  kommen  sollten,  so  muss- 
ten die  Parteien  sich  gefasst  machen,  das,  was  sie  errungen  hatten,  zu 
sichern,  und  was  sie  noch  erlangen  wollten,  vorzubringen.  Die  Unirten 
erwarteten  Verstärkung  ihrer  günstigen  Stellung  zwischen  dem  Kaiser 
tmd  Matthia-s  und  enistliche  Fortsetzung  der  Compositiousverhandlungen. 


1)  Antwort  der  Kotenbarger  Veriiainnilung  tn  die  ItaiscrlichenGeeuidten  (Stuttgart.  Unionsacten  X 
f.  442.)  Am  Schloss  heisst  es:  wenn  gegenwärtig  der  Kaiser  Ule  oben  angeregten  leiliglich  in  seiner  Hand 
liegemleu  Braehwerdon  abstellt,  and  in  den  unter  den  Standen  des  Koichs  schwebenden  Beschwerden 
,die  vor  alters  indergleichen  differentien  im  h.  Rom.  reich  gebreuclilichen  mittel*  anwendet,  so  wird 
Eintracht  und  Wolstand  im  Reich  hergestellt  wenlen,  und  der  Kaiser  den  Diensteifer  der  Stände 
mit  der  That  bewährt  sehen.  — Unter  den  Im  Reich  herhdmmlichen  Mitteln  ist  etn  Modus  nach  Art 
der  Wurtemberger  Vorschläge  txx  Ters|ehen,  wie  denn  auch  die  kaistTlichcii  Gesandten  in  einer  ferneren 
Beaprechang  toiq  17.  Aug.  die  AoagleicliBverbandlung  durch  eine  paritätische  Ständedeputation  ihrer* 
seits  als  einen  .Ausweg  proponiren. 

Abh.  d.  III.  CI.  d.  k.  Ak.  d.  Wiss  XV.  Bd.  H.  Abth.  ir. 


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108 


>Iatthia.s  hoffte,  eine  (ienehinigung  seiner  neuen  Erwerbungen  zu  erzielen, 
indem  die  Kuiffürsten  ihn  als  Inhaber  der  böhmischen  Kur  erkemiten, 
und  er  wünschte  nicht  niintlor  dringeiul,  seine  Wahl  zum  römischen  König 
endlich  durchzusetzen.  Der  Kaiser  schliesslich  hatte  den  Gedanken,  sich 
zum  mindesten  die  im  lleich  ihm  gebliebene  Herrschaft  und  die  in  Böhmen 
ihm  gelassene  Wü«le  zu  sicheni  und  die  Bestimmung  seiner  ■ Nachfolge 
hinatiszuschieben. 

Das  Spiel  der  entgegengesetzten  Bestrebungen  begann,  indem  Rudolf  II 
seine  Verbindung  mit  den  Unirten  wider  aufnahm.  Von  ihm  eingeladen, 
erschien  im  Octobor  1611  der  Markgraf  von  Anspach  in  Prag '),  und 
am  23.  dieses  .Moiuvts  wurde  er  vom  Kaiser  der  zum  Nürnberger  Tag 
abgefertigten  Gesandtschaft  beigesellt.®)  Die  Aufträge,  die  er  bekam, 
hatten  den  Zweck,  einerseits  dem  Kaiser  in  der  Beichsregierung  wieder 
eine  wirksame  Stellung  zu  vei'schaffen ; . — in  dieser  llichtimg  wurden 
Vom-hliige  verlangt  zur  .Vbstellung  der  Beichsbeschwerden  und  zur  Be- 
lebung der  .lustiz;  es  wurde  angedeutet.  dass  der  Türkenkrieg  alwrmals 
beginnen  könne,  und  dann  vom  Kaiser  mit  dem  lleich  zu  führen  sei; 
es  wurde  endlich  die  leise  Bitte  um  eine  Beisteuer  des  Ibüchs  zur  Unter- 
haltung der  kaiserlichen  Regierung  eingefügt;  — anderseits  gingen  des 
Markgrafen  Instructionen  darauf  aus,  den  zwischen  dem  Kaiser  und 
Matthias  geschlossenen  Vertrag  zum  V^ortheil  des  elfteren  zu  wenden: 
die  Kurfürsten  wiu'den  ersucht,  den  böhmischen  Ständen  grössere  Ehr- 
furcht gegen  den  Kaiser  einzuschärfen;  sie  wurden  befragt  über  Sicher- 
ung der  dem  Kaiser  ausgesetzten  Einkünfte,  über  Verlegung  der  Residenz 
in  das  Reich,  und,  wenn  mau  die  Worte  streng  nehmen  ilai-f,  sogar  über 
Geltung  oder  Nichtgeltung  dos  gesammten  Vertrags.’) 

Selbverstäudlich  trat  diesen  Anträgen  dos  Kaisers  die  Gesandtschaft 
seines  Brudci's.  an  deren  Spitze  der  Bischof  Klesl  stand,  überall  entgegen. 
Matthias  nahm  als  König  von  Böhmen  die  Mitgliedschaft  des  kurfürst- 
lichen Collegiums  inAns])ruch;  der  Hauptzweck  seiner  Vorstellungen  war, 
die  Kurfürsten  von  der  Nothwendigkeit  einer  römischen  Königswahl  zu 


1)  Gindely  II.  S. 

2)  Kaiserl.  Creditiv.  Berlin.  Unionmcta  ad  toro.  XII.  Früher  hatte  der  Kaieer  den  Lao  Igrafen 
Moritz  an  die  Spitze  seiner  Gesandtschaft  stellen  wollen.  (Rommel  II  8.  320.) 

3)  Beilage  HI. 


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109 


übei-zeugen.  und  die  Wahl  wo  möglich  sofoi-t.  und  dann  natürlich  zu  seinen 
Gunsten,  vornehmen  zu  lassen.  Er  wüaschte  sichtlich,  die  Kurfürsten  zu 
einem  ähnlichen  Verfahren  zu  heatimmen,  wie  es  kürzlich  die  Iwhmischen 
Stande  l>ei  Uebertragung  der  Krone  Ikihmens  beobachtet  hatten.  ‘) 

Hätten  mm  die  Kurfürsten  es  vermocht,  solchen  Gegensätzen  gegenüber 
sich  selber  zu  einigen!  Aber  es  zeigte  sich,  dass  die  Spaltung  von  1608 
im  wesentlichen  Irestehen  geblieben  war.  Wenn  der  Kaiser  — hierin  im 
Einverständniss  mit  der  Union  — den  Kurfüi-stan  die  \'orbereitungen  zur 
Einigung  des  getrennten  Reiches  antrug,  so  konnten  unmöglich  die  geistlichen 
Kurfüi-sten  mit  denen  von  Pfalz  luid  Brandenburg  in  ditwon  Dingen  Überein- 
kommen. Wenn  der  Kaiser  von  ihnen  erwartete,  dass  sie  seiner  Erniedrigung 
ein  Ziel  setzten,  und  wenn  in  der  That  sowol  Sachsen  als  die  geistlichen 
Kurfürsten  über  das  Vorgehen  des  Matthia.s  erbittert  waren,  so  hätten  doch, 
falls  der  .Muth  zu  einem  Einschreiten  in  die  österreichischen  Händel  vor- 
handen gewesen  wäre,  <lie  Kurfürsten  der  Liga  und  die  von  der  Union 
sich  unmöglich  über  die  Art  einer  Restauration,  die  entweder  der  prote- 
stantischen oder  der  katholischen  Sache  zu  gute  kommen  musste,  vereinigen 
können.  Das  Ergebniss  war  daher  ein  halbes,  wie  es  regelmässig  bei  den 
letzten  Kurfflrstentagen  gewesen  war:  an  dem  Vergleich  zwischen  Kaiser 
und  Matthias  wurde  nichts  geändert;  die  Frage  der  Einigung  des  Reichs 
wurile,  abgesehen  von  einigen  unbedeutenden  Ma.s.snahmen,  auf  einen  Reichs- 
tag geschoben,  und  die  Bewilligung  zur  kaiserlichen  Berufung  eines  solchen 
im  voraus  beschlossen.  Nur  in  einem  Punkt,  der  allerdings  keinen  Verzug 
mehr  zu  leiden  schien,  kam  man  zu  einem  weiter  reichenden  Entschluss, 
in  der  Nachfolgefrage.  Da  fertigte  man  eine  schleunige  Gesandtschaft 
an  den  Kaiser  ab.  um  dessen  Zustimmung  zur  Vornahme  der  M'ahl  ein- 
zuholen. In  der  Voraus-setzung  dass  die  Zustimmung  nicht  versagt  werden 
könne  und  dürfe,  einigte  man  sich  gleichzeitig,  den  Wahltag  am  21.  Mai 
in  Frankfurt  abzuhalten.-)  Unter  die  zur  Theilnahme  berechtigten  Kur- 
fürsten aber  nahm  mau  den  König  Matthias,  wie  er  es  verlangt  hatte,  auf.  *) 

1)  Berichte  Kleiil*  bei  Hammer  II.  Nr.  H49,  J150,  356,  H61. 

2)  Beilage  IV. 

3)  (linüely  II.  S.  318.  Das  Mainzer  Ausschreiben  des  Wahltags  vom  16.  Uec.  1611  itiertin. 
Rtp,  XII  1,  2.)  wurde  auch  an  Matthias  gerichtet,  (vgl.  das  Be-lenken  von  Anspach,  Miukwiz  und 
Pflug.  Beilage  IV.) 

15* 


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110 


Aber  aucli  bei  flieseni  Vorgehen  felilte  zur  sidieren  Erreicliung  ile» 
gesteckten  Ziels  noch  eines : die  Einigung  fiber  die  Person  des  Nwlifolgers. 
Es  standen  sich  in  dieser  Hinsicht  abermals  die  Alwichten  der  geistlichen 
und  der  zur  Union  gehörigen  weltlichen  Kurfürsten  entgegen,  und  zwischen 
beiden  in  der  Mitte  lx>fand  sich  Kursa<’h.sen.  Wol  hatte  der  Erzbischof 
von  Mainz  iin  Septeinljer  des  .Jahres  1610  sich  über  die  Nachfolge  mit 
dem  Kui'füi'sten  von  Sachsen  besprochen')  und  dabei  als  seinen  Candidaten 
den  Erzlieiv-og  Albert  empfohlen,  -)  wol  war  auch  von  kaiserlicher  und 
katholischer  Seite  soviel  erreicht,  dass  Sachsen  sich  bei  Beginn  des  Kur- 
füi-stentags  vor  allem  mit  den  geistlichen  Knrfureten,  abgesondert  von 
Pfalz  und  Brandenburg,  zu  Ix-reden  gölachte;*)  aber  hinsichtlich  der 
Pereon  des  zu  Wählenden  war  man  am  sächsischen  Hof  bei  Eröft'nting 
des  Nürnljerger  Tags  noch  unklar:  jwlenfalls  sollte  er  vom  Hause  Oester- 
reich sein;  sichtlich  neigte  man  auch  ti'otz  des  Unwillens  ül>or  die  letzten 
Vorgänge  am  meisten  zu  Matthias;  allein,  wie  man  sich  selber  nicht 
binden  wollte,  so  wollte  man  auch  von  einer  bindenden  Vereinbarung  der 
Kurfürsten  vor  dem  eigentlichen  Wahltag  nichts  wis.sen.  — Ob  Sachsen 
bei  dom  Kurfih'Stentag  selber  über  diese  liinie  hinausgegangen  ist?  Einige 
Zeit  nach  demselben  mahnte  ihn  der  Erzbischof  von  Mainz  an  eine  dort 
getroffene  „vertrauliche  Abrede“"')  und  als  die  an  der  Abrede  Betheiligten 
nannte  er  neben  Sachsen  und  sich  selber  die  Erzbischöfe  von  Trier  und 
(oln.®)  Nimmt  man  hierzu,  dass  Mainz  gloichziütig  fortfuhr,  über  die 


1)  Gin<i«l}-  II.  s.  162. 

2)  Ueb«r  dUM  Cotif«renzcn  thcilt  Gentonber^  in  einer  itadisUcben  Rathssitzon^  rom  20  0dtbr. 
1611  (Presden  I067S,  Ander  lJuch  Wahlaachen  1612.  f.  foljjendes  mit:  »soviel  da«  sobieetnrn 
betrift.  bette  sich  Meint  erboten,  alle  aubiecta  domus  AoBtriacae  nfs  pappicr  za  bring’en.  und  rationc« 
pro  et  contra  bei  iedes  XU  aotzen  and  u.  gg.  b.  zaiostellen.  Hct  der  Gräxer  lini  und  In  specie  ertzhertzog 
Lefipoldi  gedacht,  aber  dovon  bald  wieder  abj^prungen.  Max.  wurde  dieses  nicht  annemen.  Endlich 
bette  er  Matthinm  und  Albertum  kegeu  einander  gesetzt,  die  exceas  erstlich  zum  höhesten  exaggeriret 
und  endlich  uf  Albertum  geschlossen,  auch  gedacht,  das  Pfaltz  zu  dieser  election  geneigt.  Heit  dofor. 
das  an  diesem  ort  viel  explorandi  causa  gesagt." 

‘\)  In  der  erwähnten  Sitzung  wird  über  die  Möglichkeit  einer  von  Sachsen,  Mainz  und  amleni 
KarfQrsten  auazuHtellenden  Obligation  über  Geheimhaltung  der  Successionavcrhandlungen  beratben- 
Dabei  bemerkt  lirandenstein : .so  würde  es  auch  bei  Pfalz  und  Pratulenburg  ungleich  anseben  habeo. 
wen  dergleichen  oue  ir  beisein  gesebebe." 

4)  1612  Febr.  6 .ich  verpleibe  nochmals  bet  Nümborgiacben  abaebiet  und  vertraulicher  abret* 
(Dresden  l(Kii5.  Erstes  Buch  Wabltagssachen  1612.  f.  17.) 

ö)  Werbung  Broms^ra  bei  Knrsacbaen.  1612  März.  (t.  a.  0.  (.  96), 


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Bewerbungen  des  M.itthias  sich  ungünstig  und  über  Alliert  sidi  günstig 
gegen  t^achsen  zu  üussi'm,')  so  könnte  man  vernicht  sein,  jene  Abrede 
auf  eine  Verständigung  der  genannten  Kurfürsten  über  die  Wahl  Alberts 
zu  douteu.  Aller  wenn  man  dagegen  sieht,  wie  liei  der  im  Mai  l(il2 
lieginnenden  Wahlhandlung  die  geistlichen  Kurfürsten  für  Albeit,  Sachsen 
dagegen  für  Matthias  war,-)  wie  auch  unter  den  (Jeistlichen  <ler  Kurfürst 
von  Cöln  wieder  zu  Baiern  neigte.“)  so  muss  man  doch  wol  die  An- 
nahme einer  Einigung  über  die  Peisoii  des  zu  Wählenden  aufgeben;  man 
wird  die  Abretle  auf  irgend  ein  anderes  Moment  in  ilen  Waldvei-hand- 
lungen  beziehen  müssen.  *) 

Unfertig  wie  somit  der  Beschluss  des  Nürnberger  Tags  ülier  die  M'ahl- 
angelegenhüit  war,  wurde  doch  iler  Kaiser  aufs  emjifindlichste  von  dem- 
selben betroffen.  Denn  wenn  ihm  die  Kurfüi’sten  ihre  Mitwirkung  ver- 
sagten zur  Befestigung  seiner  Stellung  im  lieich  oder  zur  Aenderung  des 
Vertrags  mit  Matthias,  so  vei'eitelten  sic  doch  nur  Hoffnungen,  ilie  in  die 
Zukunft  gingen;  indem  sie  sich  aber  anschickten,  die  von  Kudolf  so  lange 
und  so  hartnäckig  verhinderte  Wahl  ‘eines  Nachfolgeis  durchzuzwingen, 
verschlimmerten  sie,  seine  gegenwärtige  Lage;  ein  erwählter  Nachfolger 
musste  bei  Rudolfs  geistiger  Verfassung  ihm  fürs  Reich  das  wenlen, 
was  Matthias  ihm  für  die  östeiTeichischen  Lande  geworden  war. 

Bei  solchen  Verhältnissen  fragt  man  sich,  ob  Rudolfs  Annäherung 
an  die  Union  ihm  denn  nicht  einmal  in  dieser  Verlegenheit  zu  statten 
kam.  Denkt  man  hierbei  an  die  zur  Union  gehörigen  Kurfürsten,  so 


1)  In  dein  Schreiben  Tora  6.  Febr.  bemerkt  er  über  Ue^eomüllers  Werbung»  durch  welche  die 
Wahl  des  K.  Mathias  eitipfoblen  wnrde:  »der  strick  ist  gestelit;  w>'r  ticli  fangen  wil  lassen,  dem 
stehet  cs  frei.*  — ln  einem  eigenh.  Kachschreiben  vom  *i.  April  berichtet  er  mit  sichtlichem  Missfallen 
die  Abneigung  von  Kurpfalt  gegen  Albcrt's  Candidatar:  die  Unirten  »eien«  wie  man  böre,  mit  Matthias 
Handels  einig  geworden.  »Wil  gern  sehen,  wer  den  andern  betrigen  wirt.*  (a.  a.  0.  f.  1*2»>.) 

2)  Kurkuln  an  Baicru.  1612  Mai  :1Ü.  (Wolf  111.  8.  Ueber  das  irrige  Datum  dieees  Schreibens 
dche  nnten. 

3)  Vgl.  die  Keihe  der  Aaszüge  bei  Wulf  111  8.  2H6  fg. 

4)  Erwähnen  muss  ich  freilich  noch  eine  amlere  Möglichkeit.  In  der  angeführten  Werbung 
Brörosers  winl  Kursachsen  befragt,  ob  er  bei  der  erwähnten  Abrede  beharre.  Darauf  heisst  es  in  des 
KorfQraten  Resolnthra  (April  S.  Dresden  a.  a.  0.  f.  I2U):  die  Succtfssionnache  ist  durch  de»  Kaisers  Tod 
in  andern  Stand  gerathen.  Die  vom  Enbischof  angedeuteten  Kriegsrüstungen  und  Praktiken  <der 
Staaten  und  mehrerer  Unirten)  , andern  auch  die  gefaste  consiHa.*  Seine  Gedanken  darüber  hat  der 
Kurfürst  dem  Brömser  mündlich  eröffnet. — Unmöglich  ist  es  nicht,  dass  in  dieser  etwas  undeutlichen 
Antwort  eine  Lossagung  von  einer  Abrede  Ober  Alberta  Wahl  liegt. 


112 


muss  man  die  Frage  verneinen;  Pfalz  mul  Brandenburg  stimmten  mit  ihren 
Collegen. ‘)  Denkt  man  an  die  beiden  Fürsten,  welche  die  Amiäherung 
vornehmlieh  vermittelten,  an  Anspach  und  Anhalt,  so  stellt  sich  die  Sache 
etwas  anders  und  nichts  weniger  als  einfach. 

Beim  Nürnberger  Tug  wirkte  der  Markgraf  von  Anspach  selbst- 
verständlich gegen  ilie  Beschlüsse  über  die  N.uchfolge, ')  denn  er  war  ja 
G<«andter  des  Kaisers.  Kurze  Zeit  nach  dieser  Versammlung,  in  den 
ereton  Tagen  <les  .Iahr(?s  1(112,  ei’schien  er  aber,  vom  Kaiser  berufen, 
zum  zweiten  Mal  in  Prag;  mul  min  war  es  seine  Aufgabe,  nach  eigenem 
Krmessen  dem  Kaiser  in  seinen  neuen  ATnlegenheiten  zu  rathen  und  zu 
helfen.*!  Dem  Kaiser  kam  es  damals  darauf  an,  den  Wahltag  rückgängig 
zu  machen.  Obwol  er  der  kurfürstlichen  Gesandtschaft  die  Zustimmung 
zur  Abhaltung  desstdben  nicht  zu  verweigern  gewagt  hatte,  so  hoffte  er 
doch,  ihn  daduivh  in’s  ungewisse  verschieben  zu  können,  dass  er  den 
Beichstag,  den  man  ja  auch  in  Nürnberg  für  nöthig  era<ditet  hatte,  und 
der  in  den  Comiuisitionsjdanen  der  Unirten  obenan  stand,  ihm  voiuetzte. 


1)  Der  Bei^ihluia  in  <!er  Wahhachp  war  ein  einhelliger.  (Mainzer  AuzKlireiben.  1611  Dec  16.)  — 
Um  Dicht  zu  breit  zu  werden,  kann  ich  nlciit  io  die  Einzelheiten  der  Geschichte  des  Korrnretentag^ 
eingehen.  Nur  aodeuten  will  ich,  dass  nach  Kh^l's  Reri'ht  (Hammer  II.  Nr.  ;W1)  die  geistlicheD 
Kurfürsten  und  Sachsen  anfangs  geneigt  waren,  den  Nürnberger  Tag  als  Wahltag  zu  constituiren  und 
sich  Ober  den  Nachfolger  sofort  schlQsttg  zu  machen,  das»«  dagegen  Pfalz  und  Brandenburg  die  Aus* 
Setzung  der  Wahl  auf  einen  beson  lern  Wahltag  rerlaugten.  Vielleicht  hatte  denn  auch  die  oben  er- 
wähnte Abrede  den  Zweck,  einem  abermaligen  Venmch,  den  endlich  festgesetzten  Wahltag  zu  rcr- 
schtcben,  zu  widerstehen. 

Hammer  11.  Nr.  -Itil. 

3)  Am  24.  Dec.  Kill  schreibt  Anlialt  an  Anspach  : Gunterot  wird  bald  im  Namen  des  Kaisers  zu 
dem  Markgrafen  kommen,  .pour  rons  prier  dVntreprendre  nne  anibassade  dVmpeecher  rasseinbire  collegiale 
pour  l'election.  II  la  subatance  de  rinstroction,  latiuelle  ne  veult  rien.  11  vous  fault  aller  la, 
apporter  et  rapporter  Ic  latin,  a quoy  je  rous  aideray,  a ce  que  jVspcre,  asse*  bien.  L’empereur  desire 
que  j*aiile  eu  France;  mais  rimbecillite  de  nia  bourse  trnuvera  une  excuse  de  gouttes  pretendoes. 
Ce  que  je  vous  ay  roulu  representer  arec  adjointes  nouvelles  des  noces  a Vienne,  cs)nsommees  et  celebrees 
par  gouttes,  hjdropistes  et  mr.  NelH.  Bon  augure  de  la  siiccesaion !“  (Berlin.  Unionsacta  LX.)  Am 
3.  Jan.  1012  schreibt  derselbe  an  Christoph  von  Dohna:  der  Kaiser  will  den  auf  den  21.  Mai  anbe- 
räumten  Wahltag  verschoben  stdien  ; es  sei  gegen  die  Heichsgesetze,  dass  die  Kurfürsten  bet  Debxeitea 
und  gegen  den  Willen  des  Kaisers  einen  Nachfolger  deeseiben  wählen.  Zur  Verbinderang  des  Tags 
schickt  er  Gesandte  an  Sachsen  nnd  Mainz.  Dass  man  den  K.  Matthias  zu  demselben  berufen  wolle, 
findet  er  bi-fremdend.  ,Led.  cm|tereur  a recherche  m,  le  raarqui«  et  rooy  que  debvions  venir  en  per* 
soune  vers  lui.  dont  ra.  le  nmrquis  s'en  va  anjoiirdhui ; moi  je  me  suis  excuse.  II  desire  une  diet« 
imperiale  {>our  pouvoir  propoeer  a loult«  les  «stats  lea  torts  qa'on  lui  fait.  et  que  touts  les  estats  irait* 
teot  pour  les  capitnUtions  entre  lui  et  le  sueeesseur.  11  a desseing  de  se  faire  )>arty  en  Fmnce  et 
au  Pays-bas  et  avec  tous  ceulx  qui  n’ayment  pas  rEs|<agnül*  (Schlobitten.  Nr.  42«. I 


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113 


Hierzu  sollte  der  ^larkgraf  helfen.  Ohne  Zögern  ging  nun  Anspaeh  auf 
den  Oetlanken  der  Veranstaltung  des  Ueichstags  ein.  .\l)er  wenn  der 
Kaiser  damit  die  Absieht  vei’band,  die  Fe.ststelluiig  der  Nachfolge  über- 
haupt zu  hintertreiben,  so  sc-hliig  der  .Markgraf  eine  andere  Hiehtiing  ein. 
Unter  allerhand  entgugenkoiimienden  V'orscddägen , wie  Uudolf  die  M ahl 
nicht  vermeiden,  sondern  unter  seine  Leitung  bringen  .solle,  schloss  er 
seine  Kathschläge  mit  dem  Hinweis,  dass  der  Kaiser,  um  diesen  Zweck 
zu  eiTcichen.  mit  der  Üesignation  seines  Nachfolgers  den  Kurfürsten  zu- 
vorkouinien  müsse;  und  er  empfahl  ihm  geradezu  den  König  Matthias.*) 
M'ie  soll  man  ditsicn  Uath  erklären?  Beachten  wir  zunächst,  dass 
.\nspfwh  im  vollen  Kiuverständuiss  mit  dem  Füi-sten  Christian  von  .Vidialt 
verfuhr,  wie  denn  auch  der  Kaiser  den  Beistand  des  letztem  verlangte. 
M'eim  mm  beide  Fürsten  die  Wahl  von  den  Verhandlungen  eines  voraus- 
gehenden Heiclistags  abliängig  machen  wollten,  so  folgten  sie  damit  den 
Absichten  <ler  Botenburger  Tagsatzung  und  der  hergebrachten  Politik  der 
Unirten  überhaupt,  welche  jeden  wiclitigen  Akt  im  Reich  abhängig  zu 
machen  suchte  von  einer  vorausgehendeu  gesetzlichen  Erledigung  der  Be- 
schwerden der  Reichsstände,  oder,  wie  man  es  sich  jetzt  daclite,  von  der 
Composition.  M'^eiin  aber  abgesehen  von  dieser  Voybedingung  die  beiden 
Füi-sten  der  Vornahme  der  M'ahl  nicht  nur  nicht  entgegen  waren,  sondern 
den  Ausfall  dei'selben  mit  Hülfe  des  Kaisere  im  \’oraus  zu  sichern  suchten, 
so  lag  dies  zunächst  daran,  dass  ihnen  die  Neigung  der  geistlichen  Kurfürsten 
zur  Erhebung  Alberts  bekannt  geworden  war;  es  lag  ferner  daran,  «hiss  sie 
die  wahren  Absichten  der  spanischen  Politik  verkannten.  M'ährend  nämlich 
der  8[tanische  Gesandte  seit  .4nfang  IBll)  die  M’ahl  des  Matthias  als  die 
einzig  zweckmässige  erkannt  hatte*)  und  stetig  beförderte,  liessen  sich  .Anhalt 
und  Ansjttich  den  Glauben  nicht  nehmen,  dass  .Alberts  Candidatur  von 
Sj)anien  aufgestellt  sei  und  Iteförtlert  werde.  .Albert  erschien  ihnen  als 
der  .Auserwählte  einer  spanisch-katholischen  Verbindung;  um  .seine  Bewerb- 
ung zu  durchkreuzen,  dazu  wussten  sie  kein  anderes  Mittel,  welches  Erfolg 
versprach,  als  baldige  Sicherung  der  AVahl  des  Matthias.  *) 


1)  Beilage  V. 

2)  UindeW  II.  S.  157. 

:t)  Vgl.  Anhalts  Schreiben  vom  14.  Jan.  (Beilage  V)  and  :i.  Jan.  (oben  II2  Anm.  :i.) 


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114 


Alle  NValilverhaiidlungen,  an  denen  der  Fürst  von  Anhalt  betheiligt 
gewesen  Ist,  tragen  die  Kennzeichen  der  Intrigne  und  Zweideutigkeit  an 
sich.  Auch  jetzt  wurde  dieser  Charakter  nicht  verleugnet.  .Airspach  war 
vom  Kaiser  nach  Prag  berufen,  um  demsellien  Hath  und  Hülfe  gegen 
Matthias  zu  gewähren.  In  densell)en  Tagen  nun,  in  denen  er  zum  eisten  Mal 
am  kaiserlichen  Hof  erschien,  richtete  der  Jlarkgraf  bereits  an  Matthias 
ein  eigenhändiges  Schreiben,  in  welchem  er  seine  Dieirste  zur  lloförderung 
der  .\bsichten  des  Königs  anlKit. ')  ln  Nürnl)erg  sodann  erneuerte  er 
seine  entgegenkommenden  Erklärungen  gegen  des  Königs  Gesandte;  und 
als  er' zum  zweiten  Mal  in  Prag  weilte,  erhielt  er  Schreiben  von  Klesl 
und  Mathias,  die  ihn  in  seiner  Haltung  bestärken  sollten.  -)  F>  brachte 
es  auf  diese  Weise  ilahin,  dass  er  der  Wrtraute  beider  verfeindeten  Brüder 
zugleich  war. 

Und  gewiss,  für  die  Zwecke,  die  der  Markgraf  verfolgte,  war  es  gut, 
dass  er  nicht  bloss  mit  Kaiser  Uudolf  rechnete.  Denn  al.s  er  zum  zweiten 
Mal  in  Prag  anlangte , fand  er  denselben  so  krank , dass  er  gar  keine 
Audienz  erhielt ; und  lievor  jenes  Gutachten  über  die  Nachfolge  des  Königs 
Matthias  übergeben  werden  konnte,  machte  der  Tod  dem  widerwärtigen 
Treiben  des  Kaisers  ein  Ende  (20.  .Januar  1012).  Hierdurch  erhielt  die 
ganze  Nachfolgefrago  einen  neuen  und  dringliotien  Charakter ; für  Anspach 
aber  war  damit  die  eine  Hälfte  seiner  Pläne  vereitelt,  und  nur  die  An- 


1)  Erwähnt  in  dem  Schreiben  Klesl*«  bei  Hammer  II  Nr. 

2)  Am  Ja»,  schreibt  Mntthia«  an  Anapach  (Berlin.  Unionsacta  ad  tnm.  XXIV):  „mir  haben 
meine  zu  Nürnberg  geweste  ges&nte.  insonderheit  aber  der  bisebof  alhie,  was  für  gnaden,  ebr  and 
liebs  e.  1.  Ton  meinetwegen  inen  erzeigt,  zu  genügen  referiert,  deswegen  ich  mich  dun  gonlz  freuntlicb 
gegen  derselben  bedsneVe  Was  du»  o.  1.  mit  berürtern  bischoven  etwiis  vertreulicliers  irer  äbernniu’ 
men<^n  kaiserlichen  Cfmimission  wegen  conrersiert,  mögen  tlieselb  tleetten  versichert  sein,  dass  ich  Iren  zu- 
vor mir  gegebenen  fürstlichen  werten  und  anerboltenen  aff*»ction  viel  ein  nierera  vertrant,  als  da«  ich 
der  angenommenen  commiaeion  halber  den  geringsten  Zweifel  in  dieselbe  hätte  «ttdlen  sollen...  Wis 
ich  da»  vast  gern  verstanden,  das  e.  1.  von  i.  Kai.  M.  hietznnd  erfordert  wonlen  , dan  also  haben  sie 
gelegenbeit,  ire  offerta  nnd  nffcction  gegen  mir  würcklicb  kq  erzeigen.**  Bedauern  über  des  Kaisers 
Krankheit,  bei  dem  er  sieb  gern  einatellen  würde,  wenn  es  ihm  nicht  missliebig  wäre.  — An  demselbea 
Tag  schreibt  Klesl : ..derselben  (e.  i.  g.)  zu  Prag  ankanft  und  der  Florentinischen  potsehaft  mit  mir 
alhie  gehabte  conversation  hat  mich  bewegt  und  behertzt  gemacht,  e.  f.  g.  hiemit  zn  schreiben  und 
diesclb  zu  iTindero,  das  ich  der  k.  M.  m.  gg.  h.  alle«  dises,  was  e.  f.  g.  mit  mir  vertreulich  lu 
Nürnberg  conversiert,  aafredit  und,  wie  ichschuldig,  referiert. * Beifolgendes  Schreiben  desKünigs  bestätigt 
dessen  Yertranen  zu  dem  Markgrafen,  welcher  seine  gegenwärtige  ('oimnission  dazu  benntzen  wird,  .ob  sie 
l.  Kai  M.  gmOet  gewinnen,  etliche  alterationes  lind^nrn,  endlich  gegen  dem  heil,  reich  und  gauze  Christen- 
heit zum  bosten  disponieren/* 


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115 


kniij)fung  mit  Matthias  blieb  ihm  noch  übrig.  In  Voraussicht  dieser  Sacli- 
lage  hatte  ihm  denn  auch  der  Fürst  von  Anhalt  schon  am  16.  Januar 
geschrieben:  wenn  der  Tod  des  Kaisers  eintritt,  so  müsst  Ihr  meines 
Erachtens  offen  und  ehrlich  die  Partei  des  ^latthius  ergnüfen  und  von  ihm 
Vollmacht  aimbringen  zu  Verhandlungen  mit  Sachsen.  lirandenluu’g,  Pfalz 
und  Mainz;  immer  iin  besondern  Gegensatz  gegen  die  Candhlatur  Allwrts.') 
Betrachten  wir,  wie  dieser  Rath  befolgt  wurde,  und  was  für  die  Zwecke 
der  Unirten  dabei  erreicht  wurde. 


Drittes  Kapitel. 

Die  Wahl  des  Königs  Matthias. 

Zehn  Tage  nach  dem  Tod  seines  Bruders  traf  Matthias  in  Prag  ein. 
Einer  der  ereten,  der  Audienz  bei  ihm  erhielt,  war  der  Markgraf  von 
Anspach,  und  die  Frucht  der  ilainals  gepflogenen  Besprechungen  war, 
dass  der  unirte  Fürst  im  Auftrag  des  Königs  in  das  Reich  hinausreiste, 
um  für  dessen  Wahl  zum  deutschen  Kaiser  zu  wirken.''*)  Am  25.  2)larz 
verrichtete  er  seine  Werbung  l>eiiu  Administrator  der  Kurpfalz;  wenige 
Tage  nachher  begab  sich  nicht  er,  .souderu  der  Administrator  selber,  be- 
gleitet vom  Fürsten  von  Anhalt,  zum  Erzbischof  von  Mainz,  um  hier  die 
Befönlerung  des  Matthias  ebenfalls  zu  befürworten. 

Gewiss  liegt  darin  der  Beweis,  dass  die  Verbindung,  welche  sich 
zwischen  den  Unirten  und  dem  Kaiser  Rudolf  gebildet  hatte,  von  dein 
Nachfolger  desselben  aufgenommen  wuiale,  und  dass  äusserlich  kein  Rest 
von  dem  alten  Gegensatz  mehr  übrig  war,  der  beinahe  ein  kaiserliches 
Achtm'theil  über  die  Union  gebracht  hatte.  Aber  das  Nähere  über  den 
Charakter  dieser  Verbindung  erkennt  man  doch  erst,  wenn  mau  den 
Erwägungen  folgt,  unter  denen  iVnsjiach  dem  König  Matthiius  seine  Dienste 
anbot,  und  unter  denen  dieser  sie  aunahm. 


1)  Beilage  VI. 

*2)  Hierfür  un«i  für  das  Folgende  Beilage  VI. 

Abh.  d m CI.  d-  k.  Ak.  (L  \Vis8.  XV.  BJ.  II.  Äbth.  16 


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llii 


Kilt  Kaiser  aus  dem  Hause  < lesterreieii , das  war  der  Gedankengang 
des  Markgrafen,  ist  an  sicli  niclit  wünsclienswertli,  aber  unvermeidlich. 
Unter  den  beiden  Mitgliedern  dieses  Hauses,  tlie  allein  Aussicht  haben 
gewühlt  zu  werden,  ist  Albert  für  die  Katholiken.  Matthias  für  die  I’ro- 
testanten  der  bessere  Candidat.  Letzterer  würde  sich,  sobald  er  etwas 
gegen  die  I’rotestanten  unternehmen  wollte,  durch  seine  mit  neuen  Frei- 
heiten ausgestatteteii.  der  Mehrzahl  nach  jirotestantischen  Lande  behindert 
sehen,  auch  würde  er  diiri'h  die  Türken  nntl  die  Xachbarschaft  tler  pro- 
testantischen Heichsstilnde  im  /anm  gehalten  werden,  und  zur  grösseren 
Sicherheit  können  die  Unirten  mit  den  Ständen  seiner  Lande  sich  förm- 
lich verbinden.  Da  ferner  die  Wahl  des  Matthias  im  Gegensatz  zu  den 
.Absichten  der  katholischen  Ueichsstände  und  Mächte  erfolgen  wird,  so 
muss  er  ohnehin  seine  Stütze  bei  den  Protestanten  suchen.  Und  da  er 
durch  seine  Wahl  sich  mit  .Albert  Überwerfen  wird,  so  kann  zugleich  die 
Macht  des  llau.s«'s  Oesterreich  sich  nicht  wieder  befestigen,  dies  um  so 
weniger,  da  Alatthias  kein  langes  Leben  mehr  vor  sich  hat. 

Also  die  Protestanten  wählen  Matthias,  weil  in  seinem  Hause,  seinen 
Krblanden  unil  dem  Reich  seine  Kräfte  überall  gelähmt  sein  werden.  — 
ln  ganz  anderm  Sinne  nahm  Matthias  den  ihm  allgetragenen  Beistand  an. 
Kr  berie-f  sich  den  Protestanten  gegenüber  gern  auf  seine  Concessionen 
an  die  protestantischen  Landstände  und  auf  tlie  unfreundliche  Stiinmung 
eines  Theils  der  Katholiken:  das  sei  der  Beweis  einer  Gesinnung,  welche 
zwischen  hehlen  Partien  mit  gleicher  Billigkeit  vermittle.  Den  Katholiken 
gegenüber  suchte  er  dagegen  seine  eigentliche  Gesinnung  zu  charakterisiivn, 
indem  er  erinnerte,  dass  er  im  Jahre  1604  zur  Aufhebung  der  von 
Maximilian  II.  den  <)sterreichischen  Protestanten  gewährten  Concession 
gerat hen  hatte,  und  dass  er  noch  gegenwärtig  die  Besch wenlen  der  pro- 
testantischen Stände  errege.  Die  Concession  für  Oesterreich  von  1609 
wurde  dargestellt  als  tun  IVbel,  veranlasst  durch  des  Kaisei-s  Umtriebe  und 
unvermeidlich  gemacht  dureh  die  Unthätigkeit  der  katholischen  Mächte, 
auf  deren  Unterstützung  der  König  hoffen  durfte.  Ks  wurde  darauf  hin- 
gewiesen, dass  ilie  Concession  nur  für  des  Königs  Ijcbzeiten  gewährt  sei.  ) 


I)  Inatrnclion  1011  Man  12.  (Hammer  II.  n.  304.  Vgl.  deo  Entwarf  n.  263.)  Gatachten 
1612.  (Hammer  MI.  n.  372.  Vgl.  n.  742.  ebenfalla  an  1012,  nicht  1617  gehörig.) 


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117 


Jii  der  NjiaiUBehe  (Jesandte  wurde  bereit»  ItilO  l)edeiitet.  e»  »ei  <lie  Auf- 
gabe, da»,  was  zum  Naditheil  der  lieligioii  und  de»  Hauses  Oesterreich 
preis  gegeben,  wider  einzubringen.  In  dieser  Gedaukelireilie  konnte 
natürlich  der  Beistand  der  protestantischen  Fürsten  nur  als  ein  solcher 
ersclieiuen,  der  benutzt  wurde,  ohne  belohnt  zu  werden.  Der  Erzbischof 
von  Mainz  hatte  Hecht,  wenn  er  über  das  Verhfiltniss  zwischen  Matthias 
und  der  Union  bemerkte:  ich  möchte  »eben,  wei'  den  andern  betrügen  wird. 

Ob  die  Wahl  des  Matthias  der  Union  zum  Vortlieil  gedeihen  sollte 
oder  nicht,  das  hing  Iwi  so  widersprechenden  (iesinnungen  vornehmlich 
davon  ab,  ob  die  Unirten  vorlu'r  bestimmte  Zusagen  von  ihm  erlangten, 
oder  ob  sie  während  des  Interregnum  auf  andere  Weise  den  Zustand  des 
Keichs  zu  verändern  vermochten.  In  ereterer  Beziehung  nun  hob  Matthias 
es  vor  den  Katholiken  mit  liecht  hervor,  dass  keine  U-apitulation  zwischen 
ihm  und  den  Unirten  getroffen  sei:-’')  die  Union  war  wohl  stark  genug, 
um  den  Kaisiw  lliidolf  und  »einen  Nachfolger  zum  V'erzicht  auf  die  in 
dem  .lunimandat  von  IfilO  eingenommene  Stellung  zu  nöthigeii,  aber  die 
Bedingungen  einer  Kaiserwahl  zu  dictiren,  vermochte  sie  keineswegs.  Hin- 
sichtlich des  zweiten  Punktes  war  es  der  Wunsch  Anhalts.  <lem  gewiss  hierin 
die  Unirten  heistimmten,  den  Wahltag  möglichst  hinausgeschoben  zu  sehen: 
ein  langes  InteiTegnum  unter  pfülzisch-sächsischem  V'icariat  konnte  l)enutzt 
werden,  um  in  den  grossen  Streitfragen  zwischen  katholischen  und  pro- 
testantischen Ständen  die  Dinge  zu  (Junsten  der  letztem  zu  wenden.^) 
Allein  auch  hier  trug  die  Majorität  der  Kurfürsten  es  über  die  AVünsche 
der  Union  davon,  indem  der  W.ahltag  fa.st  genau  an  dem  zu  Nürnberg 
bestimmten  Termin  eröffnet  wurde. 

Von  da  ab  beruhte  die  Hoffnung  <ler  Unirten  nur  noch  auf  der 
dopjjelten  Voraus.setzung,  dass  einerseits  die  Katholiken  durchaus  den  Kra- 
herzog  Allx»rt  wählen  wollten,  Matthias  also  bei  mul  nach  der  AVahl  sich 
auf  die  protestantische  l'artei  werde  stützen  müssen,  und  dass  anderseits 
bei  der  vor  dem  Wahlact  zu  vereinbarenden  Wahlcapitulation  die  Prote- 


1)  Kleil  an  ZnXiga.  1610  A|iril  2.  (Hammer  II.  n.  273.) 

2)  Tgl.  3.  111  Anm.  1. 

3)  In  dem  eitirten  ActenstUrk  Hammer  III.  n.  372. 

4)  Anhalt  an  Anspach.  1612  Fehr.  9.  (Herlin.  Unionsacta  ad  tom.  XXIV.) 

5)  Bestimmt  war  der  21.  Hai.  Die  erste  Sitxnng  des  Wahltags  war  am  22.  Hai. 

16‘ 


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118 


stauten  ihre  Kordeninu;«'!!  wüitlen  aufstellen  unil  durehsetzeii  können.  Auch 
darin  sahen  sie  sich  am  Knde  getäuscht.  Die  Candidatur  Alhei’t.s  war 
vor  allein  von  dem  Krzheiv.og  selher  so  wenig  ernst  gemeint,  dass  der- 
sells^  noch  vor  dem  Wahltag  seinem  Drnder  versichern  Hess,  er  wolle  die 
Wahl  nicht  erstreben.')  Wenn  trotzdem  die  geistlichen  Kurfui’sten  für 
ihn  waren, -)  so  entschieden  sich  der  Papst  und  Spanien  mehr  für  Matthias,®) 
und  zu  demselben  neigte  der  Kiirfiu'st  von  Sachsen.*)  Was  aber  die 
Vei-suche  einer  wesentlii'h  geänderten  Wahlcapitulation  angeht,  so  pflog 
der  Kurfüi'st  von  Sachsen  über  seinen  conservativen  (irundsatz.  die  Kniser- 
wahl  nicht  abhängig  zu  machen  von  der  Hefriedigung  einer  der  grossen 
Parteien,  noch  vor  dem  Wahltag  einen  Gedankenaustausch  mit  dem  Erz- 
bischof von  Mainz,  nai-h  welchem  man  voiiiussagen  konnte,  er  werde  die 
weitgehenden  .\ns|irüche  der  unirten  Kurfürsten  gemeinschaftlich  mit  seinen 
gei.stlichen  Collegen  niederstimmen.  ®)  Der  .Vdministrator  der  KiU’iifalz 
selber  lieschied  sich  in  Anerkennung  dieser  Sachlage,  da.s,s  Aenderungen 
der  Cajiitnlation  W(d  zu  erstreben,  alier  schwer  zu  erlangen  sein  werden: 


1)  Der  Grainl  von  Albcrts  Xurü4*kliBUung  wird  in  ikni  Vortrag  der  Krzlierzoge  vom  27.  Dee. 
Kill  (durtor  Vif.  S.  2)  zu  stachen  noin.  .\in  12.  April  kurichtot  Ph.  Fochs  an  Anapuck  (Iterlio. 
UnioitMCU  ad  tom.  24):  or  hat  dom  Ki'mig  MattliiaH  de«  Markgrafen  Schreiben  Qbei^oben  and  die 
niQndiiche  Werbung  rerriehtot.  Der  K.  erwiderte  n.  a. : ,*wero  «eine«  bruders  halben,  das  er  sieb  nicht« 
annemon  wurde,  ganz  versichert.“  Zur  Ueberbringttng  der  dem  Gr.  Sore  aufgegebenen  Werbung  aei  schon 
ein  anderer  Gesandter  unterwegs.  ,8o  stunde  es  nun  mit  Sachsen  gegen  «einer  peraon  weit  in 
bessern  terminis  Hotte  den  von  Walstein  kürzlich  alda  gehabt*,  und  anncmblicfae  satisfaction  er* 
langt.*'  — Jn  einer  dem  undatirten  Schreiben,  Heil.  VI,  folgenden  eigenh.  Notiz  bemerkt  der  Mark- 
graf: «die  erklernng.  s«)  durch  den  g(rafj  v(on)Siord)  geschehen  solte,  du  nemlich  A(lbcrt)  die  succcs- 
siun  weder  affectiren  noch  aimeinen  wollte",  würde  dem  Matthias  Nntzen  schaden,  wenn  sic  vor  dem 
Wahltag  etlichen  t'hurfUrsten,  besonders  Mainz  und  Sachsen  vorgotragen  würde.  — Vgl.  auch  die  Acunser- 
ung  Klesl's  Hammer  lli.  ii. 

2)  Siehe  oben  S.  111  Anni.  2.  Auf  den  Versuch  Kurerdn»,  die  bairische  Candidatur  eiuzo- 
sekieben,  der  wol  ziemlich  in  der  Luft  schwebte,  gehe  ich  absichtlich  nicht  ein. 

d)  Vgl.  die  Correspondenz  zwischen  Kurcüln  und  üaiern.  Wolf  HI  8 2HC  fg. 

41  Siehe  oben. 

o)  In  des  Knrl^rsten  Resolution  auf  des  Mainzer  Gesandten  Brömser  Werbung  lieisst  es  hin- 
sichtlich der  Capitnlation : allen  BetMThwerdeu  abzuhelfen  steht  nicht  in  der  Kurfürsten  noch  de« 
künftigen  Keichshaupto«  Macht.  Angesichts  der  .Misi>briach>?  in  der  Regierung  de«  vorigen  Kaisers 
Ware  aber  in  die  Capitnlation  cinzurOcken,  dass  der  neue  Kaiser  mit  Zuziehung  der  Kurfürsten  das 
Kegiment  .fasse*  und  .bcstolle**,  dass  er  Diener  und  Häthe  gebrauche,  die  im  Reich  angesessen,  ver- 
nW'igend  und  angcflclien  sind  und  das  Vertrauen  der  Stände  haben.  Die  t^ig^Qtlichen)  Verhandlun^n 
Ober  di«  ('apiinlation  sind  aber,  um  Streitigkeiten  zu  vermeiden,  erst  bet  der  Zusammenkunft  sämmt- 
lichcr  Kurfürsten  zu  fuhren.  d>resden.  l'hil.  Krsten  Utich  Wahltagssachcn  1012.  f.  120.) 


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119 


er  wolle  das  seinige  thiin  ,und  das  übrige  Gott  dem  allmächtigen 
befehlen“.*) 

Wa.s  der  .\dininistrator  fürchtete,  geschah  denn  auch.  Als  der  Kur- 
fürstentag versammelt  war,  und  die  Uurathungen  über  die  Wahlcapitu- 
lation*)  vor  sich  gingen  (29.  Mai  — 8.  Juni),  machten  er  und  Brandenburg 
den  Versuch,  in  einem  der  wichtigsten  Punkte  de.s  pfäbisch - protestan- 
tischen Parteiin-ogramms,  der  sich  auf  Umgestaltung  der  kaiserlichen  lle- 
gierung  im  paritätischen  und  ständischen  Sinne  bezog,  eine  Entscheidung 
herbeizuführen.  Es  wurde  verlangt:  Besetzung  des  Beichshofraths  unter 
Mitwirkung  der  Keicksstände,  Be.soldung  dessellion  durch  Zusc:hüsso  der 
Reichsstände,  jährliche  Visitation  durch  Mainz  und  einen  protestantischen 
Kurfürsten,  gleiche  Vertretung  beider  Religionen  bis  in’s  Präsidium  hinein. 
Nicht  ganz  klar  war  es  dabei,  bis  zu  welchem  Grad  man  die  Gerichtsbarkeit 
der  Behörde  einschränken  wollte,  ob  nach  der  ganzen  Strenge  der  pfälzi- 
schen Staatslehre  oder  nach  einem  geiiiässigteren  Gesichtspunkte:  jeden- 
falls fas-sto  man  den  Hofrath  als  vorwiegend  gerichtliche  Behörde  auf, 
neben  welcher  der  für  die  allgemeinen  Regierungsgeschäfte  bestimmte  ge- 
heime Rath  als  besondei’es  Collegium  anerkannt  wmrde.  ln  letzterm  sollte 
nach  dem  pfälzischen  Vorschlag  eine  .Vnzaid  Räthe,  präsentirt  von  den 
Kurffu’sten,  und  Ijeiden  Religionen  angehörig,  aufgenoinmen  werden. 

Das  Geschick  die.ser  Vorschläge  war,  dass  sie  zunächst  von  Sachsen 
stark  abgeschwächt  wurden,  schliesslich  al)er,  da  die  geistlichen  Kurfürsten 
sie  nun  einmal  nicht  annahmen,  uml  Sachsen,  um  nur  die  Wahl  nicht  zu 
gefährden,  zu  den  Gei-stlichen  übertrat.  unter  nichtssagenden  Vorbehalten 
zu  Boden  fiehm.  Es  gelangtefl  zur  Annahme  nur  ziemlich  unverfiingliche 
Bestimmungen,  z.  B.  dass  der  Kaiser  in  wichtigen  Angelegenheiten  nicht 
ei-st  hinterher,  sondern  von  vornherein  die  Kurfürsten  um  Rath  zu  fragen 


1)  An  KarbranJenbar^.  1012  April  *<0.  (Berlin  Xil  1,  2.  WahltajC  xu  Frankfort) 

2)  Vgl.  (las  Prytokoll  bei  Moser,  Wahlcapitnlation  Krani;'  J.  IW.  II  8.  *‘167.  Mir  liegt  ein  von 
Herrn  Dr.  Baumann  excerpirtes  Protowll  Abrahams  v.  Dohna  (bei  der  brandenburg.  Geeandtschaft)  vor 
(Schlobitten.  Manuecriptonim  tom.  XXV),  durch  welches  da.s  Moser'scbe  Protokoll  vielfach  erganxt  wird. 
— ProtocoUausxQge  aus  einigen  Sitxangen  bei  Wolf  111  8.  29i).  Wolf  muss  ein  pfalzlschea  Protocoll 
vor  sich  gehabt  haben , da  er  die  Wahl  auf  den  8.  Juni  (sie  fiel  auf  deo  13.  nach  neuem  Styl)  an- 
setzt. Merkwßrdiger  Weise  setzt  er  auch  das  Schreiben  Kurc^lns  S.  21^3  auf  den  30.  Mai,  welches 
Datum  nur  dann  passt,  wenn  man  alten  Styl  annimmt.  — Bin  Brnchstllck  aus  dem  karbranilenbargt- 
schi'D  Protocoll  bei  Ranke,  Werke  VII  8.  2>'8. 


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120 


habe,  dass  die  Mitjilieder  de»  geheimen  und  Hofraths  von  deutsclier  Na- 
tionalität, theils  fni’stlieh  oder  adelich.  theils  sonstige  ehrliche  Leute  und 
in  Heiehssachen  wohl  erfahren  »ein  müssten,  das»  eine  neue  Hofraths- 
ordming  zu  verfassen  und  den  Kurfürsten  vui-/.ulegen  sei. 

Xocli  weniger  Glück  hatten  die  Kurfuraten  von  der  l’falz  und 
Brandenburg  mit  andern  Vorsidilägen,  wenn  sie  z.  B.  — in  Krimiei-ungeii 
an  die  Conflicte  von  1610  und  als  Hinweis  auf  ernstere  Vorgänge  der 
Zukunft  — den  Antrag  »teilten,  kein  Beichsstand  dürfe  in  die  .\cht  er- 
klärt werden  ohne  Vorwissen  der  Kurfüreten  uml  keinem  Kurfürsten  dürfe 
diese  Strafe  anders  widei-fahien  als  mit  X'orwissen  der  gesammten  Ueichs- 
stände;  oder  wenn  sie  den  protestantischen  Bisthuinsadministratoren  den 
Weg  znm  Reichstag  wider  zu  öffnen  versuchten  durch  (ünen  Vor»chlag, 
nach  welchem  demjenigen,  der  ordnungsmässig  die  Belehnung  nachgesucht 
hatte,  die  Session  nicht  verweigert  werden  sollte.  Derartige  Forderungen 
wurden  beseitigt,  und  die  Berathungen  über  die  Uapitulation  überhaujit 
in  zehn  Tagen  zu  Ende  geführt. 

Während  dieser  Zeit  konnten  die  geistlichen  Kurfüraten  »ich  über- 
zeugen, dass  mit  der  Candidutur  Albnwhts  nicht  ilurchziidringen,  und 
dass  Matthias  ihnen  nicht  gefährlich  war.  Am  13.  .Juni  wurde  derselbe 
einstimmig  zum  Kaiser  gewählt. 

Auf  solche  Weise  entsprang  die  Wahl  des  .Matthiii»  einem  Conipromiss 
zwischen  der  katholischen  und  prot<«tautischen  Partei,  al)er  einem  Com- 
promiss  nicht  über  streitige  .Ansprüche,  s<jndeni  nur  über  die  Pei-son  dtw 
zu  Wählenden.  Der  Mann,  der  in  liiesom  gewiss  nicht  gerailen  Verlauf 
der  Dinge  das  Interesse  de»  Matthias  vorflehmlich  wahrgenoiiimen  und 
die  Verhandlungen  ilesselben  geleitet  hatte,  war  derselbe,  der  seit  vierzehn 
Jahren')  für  ihn  dachte  und  handelte,  der  Bischof  Melchior  Klesl  von  Wien. 
Seit  der  Zeit,  da  Rudolf  die  Regierung  von  Böhmen  niedergelegt  hatte, 
und  die  Reichsregierung  durch  das  Hinüberziehen  vornehmer  kaiserlicher 
Räthe  in  den  Dienst  des  Matthias*)  gleichsam  an  dessen  Hof  lünüljerzu- 
wandern  begann,  hatte  Klesls  Wirksjiinkeit  ihn  mitten  in  die  Verhältnisse 

1)  In  der  Eingabe  Ton  ISII  bei  Hnminer  UI.  n.  bereeboet  er  seine  Dienste  beim  K. 
Matthias  nnf  dreizehn  Jahre. 

2)  Vgl.  z.  n.  Hammer  II.  n.  356,  lU.  3S7.  Hannewalt  an  Anspach.  1611  Dec.  24.  (Berlin. 
ünioDsacten  ad  tom.  24.) 


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121 


des  deutschen  Reiches  hineingeführt.  Als  dann  Matthias  zum  deutschen 
Kai.ser  gewählt  war,  fiel  ihm  recht  eigentlich  die  Einrichtung  der  Reichs- 
regierung zu:  er  verwaltete  die  Kanzlei  bis  zur  Ernennnng  des  Reichs- 
vicekanzlers  Ludwig  von  Ulm  (Endo  1612);  er  führte  den  neuen  Präsidenten 
des  llofraths,  Grafen  Johann  Georg  von  Zollern,  nebst  andern  Hof-  und 
Geheimen  Rathen  in  ihre  Aemter  ein;  und  nach  der  Resetzung  aller  solcher 
Stellen  behielt  er  für  sich  die  Direction  des  geheimen  Raths  und,  was 
mehr  als  das  sagen  will,  die  Direction  des  kraftlosen  Kaisers  sellter.’) 

An  diesen  Mann  trat  nach  der  Wahl  die  Frage  heran,  wie  der  durch  ein 
so  zweideutiges  Verhalten  gegen  die  Parteien  erkämiifte  Titel  der  kaiser- 
lichen Regierung  zur  Wirklichkeit  zu  machen  sei.  Denn  das.s  unter  den 
Gegensätzen  der  protestantischen  und  katholischen  Stände  und  unter  der 
Unfiihigkeit  Rudolfs  II.  die  Reichsregierung  geradezu  stille  gestellt  war, 
konnte  er  sich  unmöglich  verhehlen ; und  dass  beide  Paideien  sich  ülter  die 
Wahl  des  Matthias  geeinigt  hatten,  weil  beiden  die  Verhältnisse  im  Reich 
unerträglich  waren,  und  jede  eine  Aenderung  derselben  in  ihrem  Sinne 
von  der  neuen  Regierung  erwartete,  war  nicht  minder  klar.  In  Aner- 
kennung dieser  Lage  der  Dinge  entwarf  denn  auch  Klesl  ein  politisches 
Programm. 

Es  ist  oljen  erwähnt,  w'ie  das  V'orgehon  der  Uuirten  und  ihr  Zerwurf- 
niss  mit  Sachsen  und  seinen  coaservativ-lutherischen  Gesinnungsgenossen 
den  Gedanken  einer  V'crbindung  der  letztem  mit  der  katholischen  Liga 
erzeugt  hatte.  Die  Verhandlungen  über  dies<?n  Plan  waren  begonnen 
bei  dem  Prager  Furstenconvent.  fortgesetzt  zunächst  bei  der  in  Cöln  der 
Jülicher  Sache  wegen  gehaltenen  Versammlung  und  abermals  bei  deniNürn- 
Iwrger  Kurfürstentag.  Rei  ilieser  letzten  Gelegenheit  hatten  sie  zwischen 
Sacksen  und  Mainz  eine  Wendung  in  dem  Sinne  genommen,  dass  die  beste, 
I al>er  entfernte  Auskunft  in  der  Auflösung  der  Sonderbündnisse  überhaupt 
bestehe,  und  dass  Sachsen  einen  dahin  zielenden  Versuch  gegen  die  Union 
zu  machen  habe:  wegen  der  geringen  Aussicht  derartiger  Versuche  jedoch 
und  in  der  Voraussetzung,  da.s,s  die  Union  als  da.s  grössere.  Uel)el  einen 
Gegenbnnd  zur  Rettung  der  Katholiken  und  der  Reichsverfaasung  als 


1)  Hammer  111.  n.  H94. 


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122 


gerinjifereB  Uebel  notliweuiHg  mache,  werde,  wi  meinte  Mainz,  dei'  nächste 
Ausweg  nocli  immer  zu  dem  erwähnten  gemischten  Bündnisse  führen 
müssen.') 

In  diesem  Stand  war  die  Verliandlung,  als  Klesl  — sei  es  durch  eigenes 
Eindrängen,  sei  es  auf  Veninlnssung  des  Erzbischofs  von  Mainz  — sich  des 
Planes  bemächtigte  und  darüber,  noch  im  Laufe  des  Jahres  1612,  mit 
Mainz  in  Correspondenz  trat.  .4iich  bei  ihm  war  die  Grundstinmmng 
durch  den  Satz  von  der  Verderblichkeit  der  confoasionellen  Bündnisse 
gogctxin,  auch  er  schlug  eine  Vereinigung  der  Liga  mit  Sachsen  und  allen 
für  die  Roichsverfa.s.sung  eintretenden  Ständen  vor:  aber  — und  das  war 
die  ihm  eigenthüinliche  Wendung  — «las  Haupt  dieses  Bundes  sollte  der 
Kaiser  sein.  *)  Ol)  Klesl  damit  seinen  letzten  Gedanken  aussprach  ? Mir 
scheint  nach  seinem  weitem  Verhalten  eher,  dass  es  ihm  «illeidings  Ernst 
war  mit  .Auflösung  d«T  Union  und  Liga,  dass  er  dann  aber  nicht  eigent- 
lich an  einen  neuen  Bund,  sondem  an  das  Zusammenhalten  der  grossen 
Majorität  der  Ueichsstände  unter  kaiserlicher  Autorität  dachte. 

Die  Frage  ist,  über  welche  Mittel  er  gebot  um  ein  so  kühnes  Unter- 
nehmen durchzuführen.  Man  muss  sich  in  dieser  lliasicht  erinnern,  wie 
die  Anstrengungen  des  Jahres  1610  in  beiden  Bündnissen  Entmuthigimg 
und  Zwiespalt  hervorgerufen  hatten,  und  wie  aus  dieser  Stimmung  der 
Plan  der  Composition  hervorgegangen  war.  Matthias  hatte  sich  schon 
im  Jahre  1611  den  neuen  Gedanken  angeeignet;  einer  der  ersten  Entschlüsse 
Klesls  l)ei  dem  Wechsel  der  Heichsregierung  war  es  nun,  dass  er  auf 
denselben  zurückkam;  im  Namen  des  Kaisers,  so  meinte  er,  sollte  die 
Ausgleichung  «ler  gros.sen  Gegoisätze  im  Reich  unternommen,  und  damit 
die  Bündnis.se  überflüssig  gemacht,  und  alle  Stände  dem  Kai.sor  veri>flichtet 
werden.  Allerdings  war  dies  ein  Plan,  der  leichter  zu  fassen  als  durch- 
zufühn.-n  war.  Vielleicht  in  der  Emi)findung,  dass  der  Erfolg  zu  uiLsicher 
sei,  verband  denn  auch  Klesl  mit  seinem  ersten  Gedanken  sogleich 
einen  zweiten. 


1)  Beilnge  VII. 

*2)  Wolf  111  S.  fg.  Am  13.  März  1613  berichtet  auch  Batigj  an  Puiiiieax:  KImI  solle  nach 

Krüften  an  Aufltisuug  der  Union  and  Liga  arbeiten.  (Paris-  Bibi.  nat.  Harlaj  f.  96.)  Vgl. 

Häberlin-Senkcnberg  XXIII  8.  022  Anm.  i. 


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123 


An  der  Üstgränze  der  österreichischen  Lande  bewährte  damals  das 
Fürstenthum  Siebenbürgen  seine  in  dein  Jahrhundert  vorher  und  nachher 
ges]nelte  Rolle  des  Friedensstörers  zwischen  Oesterreich  und  der  Türkei. 
In  demselben  Jlonat  in  dem  der  Wahltag  zu  Frankfurt,  gehalten  wurde, 
brachte  Andreas  Geczi  im  Namen  der  drei  siebenbürgisclien  Nationen 
da.s  Gesuch')  an  die  Pforte,  sie  von  ihrem  Fürsten  Gabriel  Uathory 
zu  befreien  uud  die  türkische  Hoheit  über  Siebenbürgen,  die  nach  öster- 
reichischer Auslegung  durch  den  Frieden  von  Szitva-Torok  (1606)  end- 
gültig VieseiGgt  war,®)  geltend  zu  machen.  Bald  darauf  veiutändigte  sich 
Betlen  Galmr  erst  mit  dem  Pascha  von  Temesvar,  dann  in  Adrianojiel 
mit  dem  Sultan  selber  über  seine  Erhebung  zum  siebenbürgisclien  Fürsten 
unter  türkischer  Hoheit.  Diesen  Umtrieben  gegenüber  näherte  sich  Bathory, 
der  bisher  eine  unabhängige  Stellung  zwischen  der  Türkei  und  Ungarn 
erstrebt  hatte,  dem  Kaiser.  Zu  -\nfang  des  Jahivs  1613  schlossen  seine 
Gesandten  mit  Matthias  einen  Vertrag®)  in  welchem  die  Zugehörigkeit 
Siebenbürgens  zm-  ungarischen  Krone,  und  somit  auch  die  Oberhoheit 
des  Königs  von  Ungarn  anerkannt  wurde. ')  Das  Ergebniss  von  all’  diesen 
Schritten  war,  dass,  wenn  nunmehr  der  Kaiser  auf  seinem  Vertrag  mit  Bathory 
l>estand,  ein  neuer  Türkenkrieg  ausbrechen  musste,  wie  denn  auch  im 
Frühjahr  1613  von  Seiten  des  Sultans  gerüstet  wurde,  und  daliei  die  Ab- 
sicht hervortrat,  die  Regulirung  des  ungrisch-türkischen  Grenze,  die  nach 
dem  letzten  Friedensschluss  noch  zu  vollziehen  war,  iin  türkischen  Sinne 
durchzuführen. 

Wenn  man  nun  aber  bedachte,  wie  die  für  das  Haus  Oesterreich  so 
nachtheiligen  Friedensverträge  von  1606  nur  dadurch  zu  Stande  gekommen 
waren,  dass  dem  Kaiser  Rudolf  II.  durch  die  allerwärts  ausbrechende 
Empörung  die  Vortheile  eines  zehnjährigen  Krieges  aus  der  Hand  geris.sen 
\yaron,  so  lag  für  einen  österreichischen  Staatsmann  der  Gedanke  sehr  nahe, 
es  dürfe  keine  neue  Concession  gemacht  werden,  wol  aber  müsse  die 
Gelegenheit  lienutzt  werden,  die  vorigen  Verluste  nach  Möglichkeit  wieder 


1)  Mai  12.  Katooa  XXIX  S.  408. 

2)  Katooa  XXIX.  S.  -U9. 

H)  Katona  XXIX.  S. 

4)  Dagegen  räumte  der  Kaiser  den  Siebenbürgen!  das  Recht  freier  Fursteowahl  ein,  während 
der  Wiener  Friede  den  Klickfall  Siebenbürgens  an  die  ungrische  Krone  nach  Itocskay's  Tode  bedang. 
Abh.  d.  IIT.  CI.  d.  k.  Äk.  d.  Wisa.  XV.  Bd.  II.  Abtb.  K 


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124 


einzubi'ingen.  In  <lic*sein  Sinne  fasste  Klesl  die  Sache  auf.  Er  hoffte, 
wie  die  österreicliischen  Ijande,  so  auch  das  Reich  zu  einer  ruhuireiclien 
Action  nach  aussen  fortzuroissen  und  ini  Bewusstsein  der  allgemeinen 
Zusaniinengehörigkeit  die  innern  Streitigkeiten  zu  ersticken. ') 

Um  beides,  die  Compositioii  und  die  Vertheidigung  der  ungrischen 
Kronlandc  gegen  die  Türken,  zu  Wege  zu  bringen  und  somit  die  kaiser- 
liche Ma<-ht  durch  eine  erfolgr-eiche  Bethätigung  derselben  wieder  zu  be- 
gründen, wünschte  Klesl  die  möglichst  baldige  Abhaltung  eines  Reichstags. 
E.s  w\irde  daher  von  kaiserlicher  Seite  wenige  Tage  nach  der  Wahl  an 
die  Kurfüi-sten  der  Anti'ag  gerichtet,  die  Berufung  einer  solchen  Ver- 
sammlung, die  in  drei  bis  vier  .Monaten  eröffnet  wenleii  sollte,  zu  Ire- 
willigen.  Alrer  gleich  hier  zeigte  es  sich,  dass  den  Kurfürsten  die  Dinge 
weniger  dringend  ei'schieneii  als  der  kaiserlichen  Regierung : indem  sie  den 
Reichstag  Irewilligten,  verschoben  sie  den  Termin  des-selbeii  auf  den  April 
des  Jahres  1613.*l  Wirklich  eröffnet  wurde  er  daun  eirf  im  .\ugust  lt>13 
zu  Regonsburg. 

Der  Verlauf  dieses  Reichstags  und  der  Verhandlungen,  die  unmittel- 
bar aus  demsellren  hervorgingen,  ist  in  der  Beschichte  der  Reichsregierung 
des  Kaisers  Matthias  wol  das  iMsleutsamste  Moment.  Denn  obgleich  es 
an  einem  äusseren  Erh)lg  bei  demselben  fast  gänzlich  gebrach,  so  wurde 
doch  darüber  entschieden,  ob  eine  Hei-stellung  der  staatlichen  Einheit  des 
Reichs  in  den  Gränzen  der  l>estehenden  Verfassung,  iiei  dem  damaligen 
Verhältniss  der  Parteien  unter  einander  und  des  Kaiseisi  zu  den  Parteien, 
möglich  war.  Wegen  des  unuiittelbai^m  Zusammenhangs  der  Vorgänge 
des  Reichstags  mit  den  bisher  besjmochenen  V'erhandlnngen  gehe  ich  so- 
foi-t  zu  demselben  ül)er. 


1)  Uebfir  stineo  Eifer  f&r  den  Türkenkrieg  rgl.  n.  a.  seine  }>chreibeD  an  Molart.  1018  Oct. 
(Hammer  JIJ.  n.  407,  40><.)  Im  übrigen  muss  die  Rechtfertigung  dar  über  Klesl'R  Abaichten  aus» 

gesprochenen  8«tze  sieb  aUR  seiner  Haltung  am  Reichstag  und  bet  den  Compositionsverhaudlungen 
nach  dem  Kciclutag  ergeben.  Interessant  ist  die  Rechtfertigung  seiner  Politik  in  seinem  Schreiben 
an  Anspacli  vom  4.  Oetober  1014.  (Hammer  III.  n.  4>51.  das  Orig,  im  Berliner  Archiv.  Union'ucta 
ad  tom.  !24.) 

2)  Dohna's  Protocoll.  Sitzung  Juni  19. 


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125 


Viertes  Ka]>itel. 

Der  Regensburger  Reichstag  und  die  Conipositioii. 

Am  13.  August  1613  wurde  der  Uogensburger  lleichstag')  durch  Vor- 
le.sung  der  kaiserlichen  Proposition ‘*)  eröffnet.  Mit  aller  Offenherzigkeit 
wurden  in  derselben  die  zwei  grossen  Ziele  der  kaiserlichen  Politik  — 
Aufliisung  der  Bündnisse  und  Vertheidigung  gegen  die  l’elwrgi'iffe  der 
Türken  — in  den  Vhtrdorgrund  gestellt.  Statt  der  Bündnisse  verlangte  der 
Kaiser  Hemtellung  der  Kinigkeit  unter  den  Standen  und  Wiederbelebung 
der  Keichsverfassung,  und  als  das  rechte  Mittel  für  diesen  Zweck  propo- 
nirte  er  die  'Wiederaufrichtung  der  .lustiz  am  Kammorgericht,  indem  Vi- 
sitationen und  Vornahme  der  Revisionen  in  Gang  gebracht,  und  die  alte 
Kammergerichtsoi-dnung  durch  Aufnahme  der  seit  1553  erla.s.senen  Gesetze 
und  Visitationsabschiede,  die  er  hatte  zusammunstelleii  lassen,  ergänzt 
tvürde.  Zur  Vertheidigung  Siebenbürgens  und  der  ungrischen  Granze 
gegen  die  Türken  beansjiruchte  er  eine  Steuer,  die  höher  oder  nie<lriger 
austiel,  je  nachdem  es  zum  offenen  Krieg  kam  oder  nicht,  deren  voller 
Betrag  sich  aber  auf  260  Monate®)  belief.  — Vergleicht  man  diese  Vor- 
schläge mit  dem,  was  oben  als  diu«  Programm  Klesls  bezeichnet  ist.  .so 
scheinen  sie  doch  auf  den  ei-sten  Blick  demselben  kaum  zu  eutsj)rechen : 
Belebung  der  Ueichsjustiz  bedeutete  noch  lange  nicht  die  Vornahme  der 
gesauunten  Gegensätze,  welche  protestantische  und  katholische  Stände 
getrennt,  und  das  Reich  zerrissen  hatten ; das  Verfahren  eines  Reichstags 


1)  Meine  Hauptqiielle  für  diesen  Keichstaie:  bilden  die  kurbraadenburj^isdien  Berichte  (Berlin 
X.  Iieich.*iUi^  IßlH.  Vor  mir  bennUt  Ton  Hanke.  Werke  VJI.  S.  fj;.)  and  die  von  Abraham 
ron  Dohna  (Mitglied  der  brandenbarg.  Gestvadtsebaft)  gemachten  Aufzeichnungen . halb  Tagebuch, 
halb  Protocoll.  Sie  finden  sich  im  Schlobitteiier  Arcbir.  inanuscriptorum  tom.  XXVI,  und  sind  von 
Herrn  Dr.  Bauniann  ezeerpirt.  Die  gedraekten  AetenstQcke  vom  Reichstag  jedesmal  zu  citiren,  halte 
ich  fQr  überflüssig-  Man  findet  die  nöthigen  Xaebweisangen  bei  Hüberliu>Senkenberg.  an  dessen  Ex« 
cerpte  man  sich  freilich  nicht  halten  darf.  Senkenberg  fügt  einige  Auszüge  ans  einem  Heiebstags- 
protocoll  des  Darmstädt^r  Archira  binza. 

2)  Mit  derselben  ist  zusatnmenzuhaUen  das  kataerlichc  Anuehreiben  bei  Sattler  VJ.  Beil.  S.  07. 
:t)  Nämlich  fünf  Jahre  lang  je  Monate  zum  Schutz  der  Grünten,  für  dieselbe  Zeit  je  *2U  Mo* 

nate  im  Fall  des  Krieges,  endlich  10  Monate  fUr  die  Befestigung  Wiens  und  zwei  Festungen  in  der 
Nähe  von  Canissa.  — Ob  letztere  10  Monate  einmal,  oder  fünf  Jahre  lang  gezahlt  werden  sollten,  ist 
anklar.  Dohna,  in  dem  unten  erwähnten  Protocoll  nimmt  es  im  letztem  Sinne  und  rechnet  eine  For* 
derung  von  dOO  Monaten  aus. 

17* 


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126 


mit  Abstimmung  nach  Majorität  und  mit  gesetzlichem  Cliarakter  iwiner 
Beschlüsse  entsprach  keineswegs  demjenigen  Verfahren,  welches  bei  einer 
ComjK)sitionshandlung  zu  beobachten  war.  Indess  abgesehen  davon  dass 
allerdings , wie  sich  gleich  zeigen  wird , die  Proposition  wahrscheinlicli 
kein  getreuer  Auwlrnck  von  Klesls  Alisichten  war,  so  zeigte  die  kai.ser- 
liche  Hegiorung  doch,  indem  sie  gegen  ein  langes  Herkommen  nicht  die 
Türkonhülfe.  sondern  den  Justizi)unkt  voranstellte,  da.ss  es  ihr  Ernst  war, 
wenigstens  eine  der  schwersten  innern  Streitfragen  zur  Erledigung  zu 
bringen.  Unmöglich  konnten  sich  auch  die  versöhnlich  gesinnten  Mit- 
glieder dieser  Itegierung  die  innere  Nothwendigkeit  verhehlen,  mit  der 
die  Parteien,  besonders  die  Uuirten,  von  jenem  einen  1‘unkte  zu  den  übrigen 
Streitfragen,  und  von  der  formellen  Behandlung  der  Gegenstände  auf 
den  Weg  freier  Verständigung  drängen  mussten.  Nicht  mit  Unrecht  konnte 
man  daher  die  Proposition  als  eine  Aufforderung  an  die  Stände  betrachten, 
den  Versuch  einer  Vei’ständigung  über  ihi’c  Parteigegensätzc  zu  unter- 
nehmen. 

Die  grosse  Frage  war  nur,  oh  die  kaiserliche  Uegierung  diesem 
Vei-such  eine  Direction  zu  geben  vermochte.  In  dieser  Beziehung  hatte 
Klesl  sich  .Mühe  gegeben,  das  vortnmliche  Verhältniss  des  kaiserlichen 
Hofes  zu  dem  Markgrafen  von  Anspach  zu  erhalten;')  Matthias  hatte 


1)  Am  7,  Sept.  U»12  schreibt  Klesl  an  Anspach:  er  hat  des  Markg^rafen  Schreiben  dem  Kaiser 
Qod  der  Kaiserin  übergeben.  .Und  eie  glauben  mir  bei  meinen  eren,  das  sie  das  ktnt  im  baue  sein, 
aucli  bei  uns  anderst  darfür  nicht  gehalten  werden;  und  verhoffe.  i.  Kai.  M.  Werdens  bet  allen  gelegen- 
beiten erxaigen,  sie  halten  sich  nur  stamlhaftig  an  dieselben.*  Der  ungrische  Palatin  ist  gegen 
Türken  und  Siebenbürgen  nicht  Torwarts,  nnch  zur  Aufnahme  der  Deutschen  bei  dieser  äussersten  Notb 
tu  bringen.  Der  Türke  hat  in  der  Moldau  Pulacken  .niedergehauet*  und  ist  dann  mit  40,000  M. 

nach  Siebenbürgen  gezogen.  Sein  langer  bei  Kronstadt,  Lippa,  Janö,  Wardein  will  er  besetzen.  Der 
Kaiser  sucht  durch  seinen  Gesandten  in  Constantinopel,  wie  er  es  bei  dem  Pascha  ron  Ofen  ond  dem 
Bathur)*  Yeraucht  hat.  für  den  Frieden  zu  wirken.  Aber  der  Türke  kennt  seinen  Vortfaeü : dass  die 
Ungarn  keine  Deutschen  wollen,  dass  Deutsche  und  Ungarn  in  Siebenbürgeo  lieber  unter  dem  Türken 
alt  unter  Batborjs  Tyrannei  leben  wollen,  dass  im  Reich  ein  baldiger  Reichstag  nicht  zu  erlangen 
war.  Friedbrüehige  KinfAUe  de«  Türken  von  Erlau  und  Cauissa  aus.  Erwägt  mau  diese  Dinge,  so 
dürfte  man  wol  einsehen,  dass  man  einen  Reichstag  gleich  nach  dem  Wahltag  hätte  veranstalten  sollen. 
.Solches  schreibe  e.  f.  g.  ich..,  weil  ick  wol  waiss,  das  sie  mit  mir  ains  sein,  und  mir  die  zeugnus 
geben  wenien,  dasich  in  diesem  meinem  ambt  nichts  verschwigen,  dissimuliert  noch  Vorhalten.*  Auch 
der  Kaiser  hat  das  seinige  gethan.  .Es  sagen  andere  was  sie  wÜllen,  so  sihe  ich  unsor  Verderbon 
vor  äugen . . Es  sein  vü  kOnigreicb  und  das  Kaisertomb  zu  Constautinopel , ja  das  heil.  Unt  selbst 
unter  des  Türken  gewalt  kommen. . . Wer  sieh  seinem  fennt  nicht  widersetzet,  muess  in  seinen  gewalt 
sieb  begeben.  (Berlin,  Unionsacta  ad  tom.  24.) 


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127 


(len  zum  Keidishofratli  beförderten  Gundaker  von  Polheini  an  den  Ad- 
ministrator der  Kurj)falz  und  an  andere  unirte  Fürsten  geschickt,  mit  der 
Bitte,  sie  möchten  persönlich  am  lleichstag  erscheinen;’)  ja  am  kaiser- 
lichen Hof  wagte  man  es,  eine  der  wichtigsten  Streitfragen,  ob  nilmlich 
die  Session  und  überhauj(t  der  Besitz  der  protestantischen  Bisthums- 
administratoreii  anzuerkenneii  sei  in  einer  Denkschrift  anzuregen  und  eine 
Entscheidung  zu  Gunsten  der  Protestanten  zu  empfelilen.  '■*) 

Wäre  diese  Sclirift  im  Namen  des  Kaisers  oder  auch  nur  des  Bischofs 
Klesl  ausgegangen,  so  lüitte  sich  damit  die  kaiserliche  liegiermig  au  die 
Spitze  einer  Bewegung  gestellt,  die  zu  Concessionen  an  die  Protestanten, 
zu  dem  Verzicht  auf  eine  katholische  Reaction  führen  konnte.  Aber 
gerade  das,  worauf  es  in  diesem  Falle  angekommen  wäre,  fehlte:  die  Schrift 
wurde  verbreitet  ohne  einen  Namen,  auf  den  die  Verantwortung  fiel.*) 
V^tn  vornherein  trug  somit  die  Haltung  der  kaiserlichen  Regierung  die 
Merkmale  der  Zweideutigkeit  und  Halbheit  an  sich.  Der  Grund  davon 
mag  zum  Theil  in  Klesls  V'ergangeuheit  gelegoi  haben,  die  zu  eng  mit 
dem  katholischen  Parteiinteresse  verbunden  war,  um  ihm  jetzt,  da  er  zum 
Versuch  der  V'erständigung  fortschroiten  wollte,  eine  wirkliche  und  prin- 
cii>ielle  Concession  an  die  Protestanten  zu  gestatten;  zum  Theil  aber  werden 
die  Ui-sachen  auch  in  einem  Zwiesjialt  unter  den  kaiserlichen  Rathen 
gasucht  werden  müssen.  Es  wird  sich  zeigen,  wie  während  des  Reichs- 
tags der  Reichsvicekanzler  von  Ulm  den  scharf  katholischen,  Klesl  den 
vermittelnden  Standpunkt  vertrat.  Dass  dieser  Gegensatz  von  Anfang  an, 
jedenfalls  schon  bei  Eröffnung  des  Reichstags  vorhanden  war,  imd  damals 
mit  einem  Siege  der  katholischen  Partei  begann,  wird  man  annehmen 
dürfen,  wenn  es  inchtig  ist,  dass  die  Abfa,ssnng  der  ProjKjsition  nicht  dem 
Bischof  Klesl.  sondern  dem  Andreas  Hannewalt  übertragen  wurde  ,■*)  einem 
Manne,  der  unter  Rudolf  11.  von  den  protestantischen  Reichstäuden  als 
die  Verkorperimg  der  ihnen  feindlichen  Politik  des  Kaisers  l>etrachtet  ward. 


1)  Creditiv  für  Polhoim  1613  Febr.  16.  (München.  2.  Mit  der  Notiz:  .die  w^buog  Ut  ge- 
wesen, das  sich  Pfalz  beim  rekbstAg  in  der  ^lerson  einstellen  wolle.)  Vgl.  die  Aeusserung  ln  Klesls 
Schreiben  (folgt  weiter  unten)  an  Anspach  vom  31.  Aug.  1613. 

2)  Wolf  III  S.  336. 

8)  Die«  nmas  man  aus  den  Worten  Wolfs  (a.  a.  0.)  schliessen.  Anders  Kauke,  Werke  VII,  S.  222. 
4)  £r  solle  der  Verfaeser  sein,  berichten  die  kurbrandenborgUeben  Gesandten  am  13.  Sept.  1618. 


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128 


Der  Inhalt  der  Projwsition  selber  unterstützt  diese  Annahme.  Denn  an 
einer  Stelle  wenigstens,  wo  sie  in  der  Frage,  ob  die  vier  Klostersachen 
dem  Urtheil  der  Revisionscommission  zu  unterziehen  seien  oder  nicht, 
sich  deutlich  gegen  die  Forderimgen  der  pfälzischen  Partei  ausspricht, 
ermuntert  sie  jedenfalls  nicht  die  Stimmung  des  Ausgleichs  und  der 
Versöhnung. 

Im  Grunde  genommen  war  also  Klesls  Plan  der  Vei'stündigung  ein 
schönes  Ziel,  zu  dem  er  aber  leider  keinen  Weg  anzugeben  wusste.  Es 
konnte  nicht  anders  sein,  als  da.ss  er  in  der  Folgezeit  l>ei  seinen  auf- 
dringlichen Bemühungen  um  die  Au-sgleichung  und  bei  diesem  Fernhaltcn 
von  wesentlichen  Concessionen.  sein  Heil  in  der  Täu-schung  der  Parteien, 
besonders  der  Proti?stanten,  suchen  musste,  um  schliesslich  von  allen  Seiten 
als  Betrüger  verworfen  zu  werden. 

Und  MÜe  stand  es  nun  Iwi  dieser  Halbheit  der  kaiserlichen  Politik 
mit  der  Stellung  der  Parteien?  Die  Unirten  konnten  sich  sagen,  dasi 
mit  dem  Versuch  der  Ausgleichung  man  ihren  eigensten  Gedanken  an- 
nahm. Wie  aber  bei  derartigen  Vergleichen  immer  das  jeweilige  Ki’aft- 
bewusstsein  der  Parteien  von  entscheidendem  Einflüsse  ist,  so  konnten  sie 
danetien  nicht  übeistehen,  dass  gerade  jetzt,  seit  dom  Jahre  1612,  ihre 
Stellung  eine  ungleich  gflnstigei’e  geworden  %var  als  im  Jahre  1610. 
Und  in  dieser  Stimmung  kamen  sie  im  März  161.S  in  Rotenburg  zu- 
sammen, um  sich  über  ihre  Haltung  bei  dem  kommenden  Reichstag 
zuvorständigen.*)  Sie  hatten,  wie  es  scheint,  von  dem  obersten  Ziel  der 
kaiserlichen  Politik,  welches  in  der  Auflösung  des  katholischen  wie  des 
protestantischen  Bundnis.sos  l>estand.  voi-nommen:  dom  gegenüber  war  es 
eine  der  ersten  Ma-ssregeln  iler  Versammelten,  das.s  sie  sich  zusagten,  an 
der  Union  festzuhalten,  auch  dann,  wenn  die  Katholischen  ihnen  die  Auf- 
lösung ihrei’  Liga  als  Gegendienst  vcisprechen  würden.  Die  Absicht  dos 
Kaiseisi,  am  Reichstag  den  Justizpmikt  an  erster  Stelle  vorzunehmen, 
erkannten  sie  als  ein  Entgegenkommen  an,  welches  sie  vergelten  wollten, 
indem  sie  'dem  Vortrag  der  Proposition  vor  den  gesammten  Ständen  nichts 
in  den  Weg  legten:  allein  nach  diesem  Act,  so  beschlossen  sie  weiter, 


I)  l’eber  Jas  Kolganäe  IMlair«  VIII. 


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129 


hab«  man  von  jirotestantischer  Seite  die  Gesamintheit  der  Beschwerden 
voraulegeii  und  sich  vor  Krörterung  derselben  in  andere  V'erhandlungen 
niclit  einzulassen.  Kine  neue  Reilaction  der  Beschwerden  wurde  demgeinäss 
entworfen  und  angenoiimien.  ‘)  Positiv  gewandt,  forderte  diese  Schrift 
zu  Gun.sten  dos  j)rotestantisc-hen  Bekenntnisses:  .Vusübung  der  rcichs- 
ständischeu  Ueehte  durch  die  protestantischen  Bisthuuisadmiiiistratoren 
und  Zulassung  der  Protestanten  zu  Stiftscajiiteln  und  geistlichen  Orden. 
Anerkennung  der  Kcrdinandeischen  Declaration  und  des  Rechtes  der  jiro- 
tostantischen  Reichsstiinde , die  Klöster  und  Stifter  ihrer  Laude  nach  re- 
forinatorischen  Grundsätzen  uinzuwandeln,  endlich  für  die  pi-otestantischen 
Ünterthanen  katholisclier  Stände  das  Reclit  zu  bleiben  oder  aaszuwandern, 
und  ihren  Gottesdienst  in  der  Nachbarschaft  zu  besuchen.  In  Bezug  auf 
die  Reichsvorfa,s.sung  wurde  verlangt:  die  Beseitigung  der  mit  dem  Kammer- 
gericht concurrirenden  Jurisdiction  des  Reichshofratlis  imd  Verzicht  auf 
die  Geltung  der  Majorität  am  Reichstilg  in  Religionssacheu  und  „frei- 
willigen“ (d.  h.  Türken-)  Stoueni,  .streng  paritätische  Besetzung  des  Kammer- 
gerichtes und  der  Dejiutation-stage  und  Zuziehung  von  Protestimten  zum 
Iteichshofrath.  Zum  Schlus.s  kam  endlich  noch  eine  lange  Reihe  von 
Ijesonderen  Forderungen,  unter  denen  die  Restitution  Donauwörths  und 
die  Bestätigung  der  vom  pfälzischen  Reichsvicariat  zu  Gunsten  der  jiro- 
testantischon  Sache  erlassenen  Flntscheide  in  Aachen,  Biberach  und  Fried- 
berg obenan  standen. 

Der  Beschlus-s,  diese  Summe  von  Forderungen  zu  betreiben,  war  die 
Entgegnung  auf  den  Versuch , aus  den  zwischen  den  Parteien  streitigen 
Punkten  bloss  die  Justizangelegenheit  horauszunehmen.  Nicht  minder 
deutlich  war  die  Antwort  auf  die  Voraiis-setzung , dass  über  die  grossen 
Streitfragen  auf  dem  Wege  reichstäglicher  Verhandlung  entschieden  werden 
könne.  Nach  der  bei  dem  Unionstag  von  Kill  getroffenen  Unterscheiduug 
trennte  man  diejenigen  Beschwerden,  deren  Abstellung  durch  kaiserliche 
Verfügung  erfolgen  könne,  von  den  andera,  über  welche  Kaiser  und  Stände 
sich  einigen  mussten:  aus  der  ersten  Cla.sse  sollten  die  wichtigem  sofort, 
vor  Eintritt  iu  die  lleichsberathmig , erledigt  werden,  hinsichtlich  der 
andern  erschien  nur  ein  freier  zVusgleich  statthaft,  und  die  Zusicherung 

1)  Vgl.  di«  Anm.  za  dem  b«treffcDdeo  Passus:  in  !kü.  VIII 


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130 


einer  solclieii  Vergleichsverhandlung,  die  noch  während  dos  Reichstags 
zu  beginnen  hatte,  und  hei  der  man  dem  Kaiser  die  Rolle  des  Vermittlers 
zwischen  den  Parteien  ziidachte,  sollte  die  weitere  Bedingung  für  die 
^’ornahme  der  Reichtagsgeschnfte  sein. ') 

So  rasch  machte  also  die  Union  den  Schritt  von  der  Reichstags- 
verhandlung zur  Composition.  Da  es  ihr  ohne  Zweifel  mit  solchen  Ans- 
gleichsverhandlungen  ernst  war,  so  erhebt  sich  für  uns  die  Krage,  ol)  sie 
sich  denn  auch  mit  dem  Oedanken  vertraut  machte,  den  Vergleich  durch 
Concessionen  zu  erm<iglichen.  Ich  finde,  dass  in  zwei  der  wichtigsten 
Streitfragen  ein  Xachgeben  wenigstens  angedeutet  wurde.  Nach  tleni 
wahren  Sinn  der  Beschwerden  ülmr  den  llofrath  kam  dom  Kaiser  eine 
eigene  .Turisdiction  nur  in  zwei  Fällen  zu:  bei  .\n-  oder  Al>erkennung 
von  Reichsleh<‘n,  und  bei  Landfrieden-sbrucli  (in  letzterm  Fall  coiicurrircnd 
mit  dem  Kammergericht).  Ging  in  solchen  Sachen  das  Verfahren  gegen 
füi-stenmässige  Pei-sonen.  so  sollten  zur  UrtheilsfäJlung  Standesgenossen 
der  Beklagten  zugezogen  werden ; nur  gegen  nieflere  Stände^  mochte  ein 
mit  Reichshofriithen  besetztes  (Bericht  ausreichon.  Da  nun  diesen  Be- 
haujdungen  gegenüber  Kaiser  Matthias  die  mit  dem  Kammergericht  con- 
currireiule  .lurisdiction  des  Hofraths  ebenso  entchieden  verfocht  wie 
Rudolf  II..  und  da  er  hierin  die  katholischen  wie  die  jirotestantisch-con- 
servativen  Stände  auf  seiner  Seite  lintte,  so  wurde  in  Rotenburg  der 
Gedanke  einer  wenigstens  jiartiellon  Anerkennung  der  in  Besitz  xmd  Aus- 


1)  Die  Scheitlung  dtr  Bt‘Kbwerden  oiul  die  Forderung  veriKhiedenartiger  Hohandlang  denielben 
läMt  sich  in  der  Brscbwerdeschrirt  selber  erkenoen.  Der  zweite  Theil  beginnt  (nach  dem  Prock  bei 
Meyer.  Ausg.  von  L ^ S.  59  col.  1 letzter  Absatz)  mit  der  Bemerkung,  dass  nuniDehr  die  Be> 

echwerden  folgen,  die  den  Kv.  roo  den  katholischen  Ständen  zugefügt  seien,  und  deren  Abstellung 
durch  gOtlichen  Ausgleich  zwischen  den  beiderseitigen  Ständen  der  Kaiser  vermitteln  •olle.  Der  voraus* 
gebende  erste  Theil  enthält  also  die  Besebwenten,  die  nach  Ansicht  der  Unirien  ln  di's  Kaisers  Hand 
stehen,  wie  es  denn  auch  zum  Schluss  dieses  Theils  heisst:  , welches  alles  abznschaffen  aud  in  eine 
biliigmiasige  Gleichheit  und  ortlnong  zu  bringen,  e.  Kai.  M.  allergnaedigst  gernhen  wollen*.  Nach 
dieser  Sebeidung  würde  in  des  Kaisers  Hand  stehen : Regelung  der  kaiserlichen  (und  Hofraths*)  Juris- 
diction, Restitution  Donauwörihs.  KinfQhrung  der  Parität  am  Kammergericht,  Bestätigung  der  Vica* 
riatsacte,  Kmeuerung  der  ordentlichen  Visitationen  unter  Betheiligung  Magdeburgs,  Beseitigung  von 
Parteilichkeit  und  Competenzüberschreitung  des  Kammergerichts,  Beseitigung  der  Boechwerden  über  das 
Rotweiler  Hofgericht,  Abstellung  von  Beeintrlchtigungen  der  Evangelischen  bei  Kreistagen,  von  Ent- 
ziehung der  ihnen  zukommenden  Sessionen  am  Reichstag  und  Niebtberufung  der  geistlichen  ev.  Fürsten 
zum  Reichstag.  (Der  letzte  Punkt  kehrt  im  zweiten  Theil  übrigens  in  der  Wendung  wider,  dass 
diesen  geistlicheo  ev.  Fürsten  ihre  katholischen  CoUegen  die  Session  streitig  machen. 


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131 


Übung  beiindlichen  Jurisdiction  des  Keichshofrathes  angeregt.  Das  Er- 
gebniss  der  darül)er  gepflogenen  Erwägung  war  verneinend.  Allein  ais 
Grund  für  die  Al)lelinung  führte  man  doch  nur  an,  das.s  bei  der  gegen- 
wärtigen Gesiimung  der  kaiserlichen  Käthe  imd  der  Hofräthe  jedes  Zurück- 
weichen gefährlich  sei.  Also  wenn  die  kaiserliche  Regienmg  sich  zu  den 
Tendenzen  der  pfälzischen  Partei  freundlicher  stellte,  dann  war  eine  Con- 
cession  möglich.  Noch  gewundener  als  in  diesem  Punkt  lautete  die  Ent- 
scheidung der  Unirten  in  dem  so  tief  greifenden  Vierklosterstreit.  Es 
war  in  einem  für  den  Kaiser  bestimmten  und  den  Unirten  wahrscheinlich 
durch  tVürtemberg  mitgetheilten  Gutachten  des  Zacharias  Goizkofler  der 
Vorschlag  gemacht.,  den  Streit  über  liecht  oder  Unrecht  bei  Einziehung 
von  Klösteni  auszu.setzen  und  nur  den  zeitweiligen  Be.sitzstand  zu  sichern. 
Die  Vereammlung  meinte  nun, 'j  man  habe  derartige  Vorschläge  anzu- 
horen.  ihre  Tragweite  zu  ermessen  und  dann  über  ihre  Annehmbarkeit 
mit  den  andern  Evangelischen  sich  schlüssig  zu  machen.  Wenn  sie  freilich 
hinzufügte,  dass  eine  Formel  annehmbar  sei,  welche  die  katholischen 
Stände  gegen  üebergritfe  schütze,  den  protestantischen  aber  für  jetzt 
und  künftig  (also  auch  den  spater  übertretenden)  <las  liecht  der  Refor- 
mation in  ihren  Landen,  d.  h.  das  Recht  der  Einziehung  von  Klösteni 
und  gei.stlichen  Anstalten  belasse.  *)  so  hielt  sie  an  allem  fest , was  der 
extreme  Standpimkt  nur  verlangen  konnte.  Aber  wenn  es  ihr  mit  diesem 
Festhalten  so  ernst  war,  warum  dann  der  Wunsch,  Vorschläge  zur  Güte 
an  sich  kommen  zu  lassen? 

Die  Union  verrieth  also  eine,  wenn  auch  leise  Neigung  zu  Conces- 
sionen.  Aehnliche  Stimmungen  mögen  damals  im  Innern  der  katholischen 
Liga  vorhanden  gewesen  sein;*)  aber  zum  Untemdiietl  von  der  Union 
hielt  das  Haupt  des  katholischen  Bundes  und  der  Bund  sell>er,  wo  er  als 
Gesammtheit  sprach,  es  für  zweckmässiger  den  einmal  eingenommenen 
Rechtastandpunkt  unter  Abweisung  derartiger  Vermittlungsversuche  zu 
behaui>ten.  Dass  in  Streitigkeiten,  die  nach  Massgabe  des  Religionsfriedens 
zu  entscheiden  seien,  das  Kammergericht  zu  urtlieilen,  und  in  allen  lle- 


1)  Ueber  den  ZiuammenhiDg  mit  UeiikoSen  Ootocht.'n  vgl.  die  Anmerkung  tu  dem  betref- 
fenden  Pamus  in  Beil.  Vlll. 

2)  Aocb  den  betreiTendeo  P&siub  der  Warttcmber^erReichitai^instrnction.  (SattU'rTI  S.  70.) 

3)  Darüber  unten  bei  der  Gesebiebte  de«  Beich«ta)(«. 

Abh.  d.  ni.  a.  d.  k.  AV.  d.  WiM.  XV,  Bd.  II.  Abth. 


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132 


visioiuittachcn , oline  Ausschluss  der  vier  Klostersachen,  die  Visitations- 
coiumission  zu  erkennen  habe,  dass  der  Ueichstag  in  den  Streitfragen 
zwischen  den  confessionellen  Parteien  seine  gesetzliche  Entscheidung  durch 
Majorität  trelfen  müsse,  und  daas  des  Kaisers  Jurisdiction  nicht  nur  mit 
der  des  Kainiuergerichts  concurrire,  sondern  sie  auch  übertrefFe,  dass  end- 
lich der  Besitz  der  protestijntischen  Bisthuinsadministrutoren  ein  wider- 
rechtlicher sei  — das  waren  die  Beschlüsse  mit  welchen  iin  Jlär/-  1613 
die  in  Frankfurt  versammelten  Ligisten  nebst  mehreren  andern  katholi- 
schen Ständen  die  Stellung  abgrünzten,  die  sie  am  Ueichstag  einzunehmen 
gedachten. ') 

Es  gab  nur  einen  Punkt,  in  dem  Katholiken  und  Protestanten  ziem- 
lich übereinkameu:  das  war  die  abwehrende  Haltung  gegenüber  der  ge- 
forderten Türkensteuer.  Wie  die  Protestanten,  so  verlangte  sichtlich  auch 
das  Haupt  der  Liga  Erhaltung  des  Friedens  mit  den  Türken,  so  lange 
er  sich  nur  erhalten  lasse;  beide  w'ünschten  zmii  Vortheil  der  ständischen 
Freiheit  keine  Hülfe  in  Geld  sondern  in  Trnpjjen;  die  üiürten  endlich 
machten  jede  Steuerbewilligung  abhängig  von  der  Befriedigung  ihrer  An- 
sprüche in  Sachen  der  Beschwerden,  während  Herzog  Maximilian  meinte, 
wenn  die  Protestanten  die  Steuern  verweigerten,  so  dürften  auch  die 
Katholiken  sich  ihrer  Mittel  nicht  entäussern. 

M’ie  wenig  Hoffnung  auf  einen  gedeihlichen  Verlauf  des  lleichstags 
bei  .solchen  V'orbereitungen  der  Parteien  übrig  blieb,  lässt  sich  leicht 
ermessen.  Die  Unirten  fassten  denn  auch  die  Jlöglichkeit  einer  vollstän- 
digen Abweisung  ihrer  Forderungen  und  die  Folgen  davon  in’s  -\uge: 
ihre  Gesandtem  sollten  in  jenem  Fall  nach  Majorität  beschliessen,  ob  der 
Beichstag  zu  verlassen  sei  gleich  dem  von  1608;  und  da  nach  Ausführung 
dieses  Beschlusses  ein  gewaltsames  Vorgehen  <ler  Katholiken  gegen  die 
Protestanten  zn  ts'sorgen  war,  und  vielleicht  gar  der  Kaiser  an  die  Spitze 
iler  Liga  treten  konnte,  so  hielten  die  unirten  Fürsten  die  Stärkung  der 
Geld-  und  Kriegsmittel  der  Union,  die  Verbindung  derselben  mit  fi-emden 
.Mächten,  l)CSonders  mit  Zürich  und  Bern,  mit  England,  den  Staaten, 
Schweden  und  Dänemark  für  unabweisbar.  Ganz  in  demselben  Sinne 

1)  Frankfurter  Abschied.  März  11.  (Wolf  111.  S.  -^^4)  bairische  Instruction  zom 

Frankfurter  Tag  (8.  -MO)  und  bairische  KeiclisUgainstruction.  (3S*2.) 

'^)  Wolf  III.  S.  fg. 


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133 


rechnete  gleichzeitig  Herzog  Maximilian,  dass  da»  starre  Feststehen  der 
Katholiken  auf  ihrem  Kechtsboden  die  Protestanten  zur  Sprengung  des 
Reichstags  und  zu  offener  Kriegseinjwrung  veranlassen  könne;  er  rieth 
für  diesen  Fall  das,  was  die  Unirten  fürchteten,  nftmlich  die  Verbindung 
des  Kaisers  mit  der  katholischen  liiga,  welche  dann  im  Falle  des  Krieges 
die  ()|>fer  zu  bringen  hätte,  die  sie  für  den  Türkenkrieg  nicht  ver- 
schwenden dürfe.  ')  Die  Liga  selber  verhandelte  bei  der  Frankfurter 
Versjumnlung  über  Erlegung  neuer  Beiträge  zur  Vertheidigung  des  Bundes 
gegen  den  möglichen  Losbruch  der  Unirten. ") 

Mehr  wie  zwei  kriegsbereite  Lager,  als  wie  Mitglieder  eines  Friedens- 
congresses  standen  also  Katholiken  und  Protestanten  einander  gegenüber, 
als  die  kaiserliche  Proposition  verlesen  ward.  Schon  äusserlich  merkte 
man  die  feindselige  Stimmung  der  unirten  Fürsten  daran,  dass  sich  trotz 
des  kaiserlichen  Wunsches  kein  einziger  von  ihnen  jjersönlich  eingefunden 
hatte  ;^)  und  sehr  bald  zeigte  es  sich,  dass  die  Aufträge  ihrer  (le.sandten 
auch  nicht  dazu  angethan  waren,  um  äusseres  Blinvernehmen  und  Unklar- 
heit der  Lage  länger  bestehen  zu  lassen. 

Die  erste  Sorge  der  Unirten  war,  die  sämmtlichen  Protestanten  zu 
SonderlHjrathungen  unter  kurpfiilziseher  Leitung  *)  und  zu  einem  Vorgehen 


1)  Wolf  in.  S.  :wi)  fg. 

2)  Di«  beiden  äbsebiede  bei  Wolf  III.  S.  S.m,  :169.  Beerilli^n);  von  Z.’i  und  erentnell  noch  10 
Monaten.  Ein  Theil  der  Gesandten  behielt  «ich  die  Ratification  der  Herrschaften  vor. 

S)  Klesl  schreibt  darüber  am  Sl.  Argnst  an  Anspach:  «ich  muss  mein  nnglicl:  klagen,  das 
mir  nit  correspondiert . und  ich  bei  allen  tailen  veislacht  srier.  Got  nim  ich  «um  xeugen,  das  ich'« 
aufrecht,  e,  f,  g.  und  allen  treuherzigen  1.  M.  dienern  zum  bbsten  genmint  hab.  Weil  aber  die  Sepa- 
ration ez  professo  gesucht  wiert,  et  quasi  nullo  titulo  kan  nunmer  beschonet  weclen,  ist  cs  roier  von 
hertzen  laid,  da«  ich  solches  nit  reinedieren  kan.  Da«  evangelium  ist  lanter:  non  est  potestas  nisi  a 
deo,  et  qui  jiotestati  resisiit,  deo  reaistit.  Die  ezempla  altes  und  neues  testaments,  historien  und  der- 
gleichen sein  vorhanden.  Got  mness  straffen . weil  wir  wieder  den  TQrcken  niemaln  solche  occasion 
als  hieznnd  gehabt,  die  alle  wegen  diser  diftidenzen  und  verblendnng  verloren  werden.  Ich  liab  diese 
uniones  und  ligas  oder  scissiones  dahin  verstanden,  das  vorige  Kai.  ,M.  ir  ainbt  vielleicht  nit  thun, 
und  also  jedweder  tail  sich  handhaben  oder  defendiern  wallen  Da  nun  hieznnt  der  justitiaepunct  der 
erste  von  L M.  gesetzt  wiert,  bleibt  die  ganze  union  aus  und  sernpuliert,  oder  suchet  man  lauter 
missverstant.  Vil  anderst  sein  i.  M.  zu  Francktbrt  vertröstet,  auch  durch  hern  von  Polbaimb  aber 
versichert  worden : welicbe«  i.  Kai.  M.  taegllcli  und  stQndlich  mit  empfhndligchait  vermelden.  Mit 
hefligebait  und  erzaigung  hette  man  niemaln  verlOeren,  wol  aber  gewannen  können,  weil  man  die 
schuld  gethan.*  Weitere  Klagen  Uber  da«  Ausbleiben  der  Forsten  in  Person,  besonder«  auch  des 
Markgrafen.  (Berlin,  Unionsacta  a.1  tom.  24.) 

4}  Die  erste  Versammlung  der  Cnlrten  notirt  Dohna  zum  10.  August. 

IS* 


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134 


iin  Siane  der  Rotenburger  Beschlüsse  zu  bestimmen.  Dieser  Vereuch 
misslang  bei  dem  Hause  Sachsen  und  dem  Landgrafen  von  Hessen-Danu- 
sta<lt;  dagegen  wurden  gewonnen  Mecklenburg,  Lauenburg,  Braunschweig- 
Lüneburg.  Pommern-Stettin,  die  Wetterauor  Grafen  und  mehrere  Städte.') 
Die  Ge.simmtheit  der  so  geeinigten  Protestanten  bezeichnete  sich  nach 
früheren  Vorgängen  als  Correspondirende. 

Schon  am  17.  August,  als  der  Reichstag  die  Verhandlung  über  die 
kaiserliche  Proposition  begann,  traten  die  Correspondirenden.  so  weit  sie 
bis  dahin  geeint  und  eingetroffen  waren,  *)  mit  der  in  Rotenburg  verein- 
barten Erklärung  hervor:  in  den  ersten  Tagen  würden  sie,  so  hioss  es, 
dem  Kaiser  die  evangelischen  Beschwerden  übergeben,  und  nunmehr,  l)is 
der  Kaiser  zur  Erledigung  dersell>en  die  nöthige  Ai\ordnnng  getroffen 
habe,  *)  sich  an  den  reichstäglichen  Verhandlungen  nicht  betheiligen.  Die 
katholische  Majorität,  verstärkt  durch  Sachsen  und  Darmstadt,  hielt  dem 
gegenüber  an  dem  Gegen-stand  der  Tagesordnung  fest  und  vereijibarte 
einen  Beschluss  über  die  Reihenfolge  der  Beratlmngspnnkte  (Vornahme 
der  .Justizangelegenheit  an  ei'ster  Stelle) ; aber  als  sie  durch  Relation 
zwischen  den  drei  Cr)llegien  diestm  Entscheid  zum  Reichsschluss  erhoben 
wollte,  entfernten  sich  die  Pfälzer  und  Brandenburger  aus  dem  Kurfürsten- 
rath, und  den  Correspondirenden  gelang  es,  durch  Einstellung  ihrer  Be- 
theiligung den  Reichstag  ins  Stocken  zu  bringen,  *) 


1)  Von  oichUnirten  SUilten  beiliciligUn  «ich  Lübeck,  Isny,  Hopfingen,  Hegen«barg.  Lindau. 
Rcatlmgen,  Leutkirch,  WezUr. 

2)  Im  KQrförst-enratb  Pfalz  imd  HrRodenborg,  im  Für«tenrath  I<autern.  äimmtfrn,  Kwoibrückt’ii. 

An«pacb,  Würtemberg.  Ues.>ieii*Ca««el,  Wetternuer  Onfen  {Wolf  IIL  8.  ferner  Lauenburg,  dc««e& 

Votum  von  Pfalz  geführt  vurde,  Culmbacb,  Meckb-nburg,  Anhalt.  — Baden  erschien  im  Correspondenz- 
rath.  aber  nicht  im  Fürstenrath,  weil  ihm  der  beansprochten  drei  Vota  nur  eines  zugestanden 
wurde.  Neuburg  scheint  sieh  der  Theilnahme  am  Correspondenzrath  und  an  den  gemeinen  Rei>rha> 
Verhandlungen  enthalten  zu  haben.  (Brandenburg.  Relation  vom  Ang.)  Die  Genandten  von  Pommern' 
Stettin  trafen  erst  am  17.  ein  und  erschienen  am  18.  zum  ersten  Mal  iut  Correspondenzrath  (Branden* 
bürg.  Bericht  vom  ‘.fO.  Aug.),  der  iQneburger  Gesandte  erschieii  zum  ersten  Mal  am  9.  Sept.  (Bericht 
vom  11.  Sept.)  Seit  dem  2.  Oct,  votirte  Pommera-Stettin  zugleich  für  Wolgast.  Bericht  vom  4.  OeU 

>1)  .bis  so  lang  das  hierOber  gebfirende  versehung  von  i.  M.  gemacht  worden  waere.*  Branden- 
burg. Relation  vom  18»  Aug.) 

4)  Am  19.  boschluMen  die  Correspondirenden,  io  den  Rathen  nicht  weiter  zu  erscheinen.  Die 
pomTuerschen  Gesandten  erklkrten,  sie  würden  erscheinen»  aber  nicht  votiren.  Ebenso  hielten  sich 
Mecklenburg  und  die  Städte.  Vom  2.  Sept.  ab  hielten  sich  samnitliche  Correspondirende  den 
Rathen  fern. 


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135 


So  kam  man  gleich  zu  Anfang  auf  den  Punkt,  den  inan  heim  letzten 
Reichstage  doch  erst  nach  einigen  Wochen  erreicht  hatte.  Die  Reichs- 
tagsberathungen ruhten;  der  Schwer|)unkt  der  Verhandlungen  zog  sich 
in  einen  Schriftenwechscl  zwischen  Con-esiiondirenden  und  Kaiser,  welcher 
mit  der  am  19.  August  vollzogenen  üebergabe  der  protestantischen  Be- 
schwerden begann  und  bis  zum  10.  September  zu  einer  (juadruplik  der 
Correspondirenden  führte. 

Haltlos  wie  von  Anfang  an  war  in  dieser  Verwicklmig  die  Stellung 
des  Kaisers.  In  seinen  Antworten  an  die  Correspondirenden  stellte  er 
ihrem  Ansinnen  auf  vorherige  Aljstellung  der  Beschwerden  die  Aufforde- 
nmg,  zur  vorlierigen  Erledigung  der  Proposition,  und  dem  Verlangen 
nach  freier  Veiatändigung  ilie  aiuwlrückliche  Erklärung  von  der  in  gemeinen 
Reichssachen  entscheidenden  Majorität  entgegen.  Hätten  diese  Antworten 
die  einhellige  und  letzte  Meinung  der  kaiserlichen  Regierimg  enthalten, 
80  wäre  von  vorn  herein  alles  Verhandeln  umsonst  gewesen,  und  es 
würde  auch  das,  was  oben  von  den  Absichten  Klesl’s  gesagt  ist,  unrichtig 
sein.  Aller  die  Wahrlieit  ist,  dass,  wde  bei  der  Projiosition , so  auch  in 
die.sen  Antworten  der  Einfluss  der  streng  katholischen  Partei,  an  deren 
Spitze  der  Vicekanzlor  von  Ulm  stand,  vorwaltete,  und  dass  Klesl  mit 
dieser  Schärfe  unzufrieilen  war. ')  Zwischen  beiden  Richtungen  sollte  bald 
eine  Auseinandersetzung  erfolgen. 


1)  t'eber  dt'D  Gegeosatz  im  «iltfcmeinen  Sattler  VI.  S.  Geber  Ulm«  bitziire  Aeuaserunifen 
da«.  S.  Sl.  ln  einem  «ehr  scharfen  Schreiben  an  den  Kaiser  vom  5.  Ort.  beschweren  «ich  die  Corre* 
fpoDdirenden  über  .Verläamduni^en“,  die  Ulm  am  :)0.  Aog.  gegenüber  den  Kegettsharger  Gesandten 
Ober  ihre  Haltung  aasgesvrochen  habe.  (Duhna  October  4 und  August  .SO).  Schon  die  Replik  der 
Correspondirenden  vom  20.  Aug.  wird»  statt  dem  Vicekanzler.  dem  Biachot*  Klesl  übergeben  mit  der 
Bemerkung:  »weil  man  bei  der  negsten  Überantwortung  viel  harter  dreuwort  verneinen  müssen,  und 
man  deren  nit  gewont,  wollte  man  t hochw.  dieselbe  zuatellen.*  Klesl  sagte  darauf  zu:  er  wolle  die 
Schrift  dem  Kaiaer  .zu  eigen  handen  überantworten,  auch  da»  beste  dabei  than.  Kr  würde  zwar  viel 
darüber  erzürnen;  aber  er  hclte  wol  eher  in  den  kot  getreten,  er  rnüate  e«  auch  itz  nit  sebewen." 
(Dohna  Aug.  20.}  Ueber  die  Triplik  der  Correspondirenden  vom  >10.  Aug.  berichten  die  branden* 
Bürger  Gesandten  (äept.  l.)r  wegen  der  heftigen  Auslassungen  Ulms  gegen  die  .hem  und  knechte, 
aonderlicli  aber  die  armen  genanten  Calvinisten“  übergab  man  die  Triplik  nicht  ihm,  sondern  ilem 
Kleel.  .dieweil  dieser  und  der  Ulm  einander  feint  und  aofsetaig.“  Kleal  nahm  rie  gern  und  willig  auf 
und  bemerkte:  er  werde  sie  sicher  zu  des  Kaisers  Händen  liefern  .auch  gern  alle«  darüber  ferner  thuen, 
was  den  saehen  nutz  und  erspnetlich  sein  rabchte.  mit  anderm  raerertu  erbietteo.  welches  wir.  indem 
sein  Ingenium  bekant,  dahin  stellen.  ~ Er  bat  gleichwol  auch  die  andere  partei  mit  ireo  hitzigen 
consiliii  ziemlich  dabenebenst  angestochen.* 


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136 


Fur’s  erste  stützten  sich  die  Vertreter  der  extremen  Meinungen  auf 
die  Majorität  am  Reichstag.  Hier  verwirkten  sie  von  den  nicht  corre- 
Bi)ondirenden  Ständen  am  23.  und  24.  August  ein  üutacliten,  in  welchem 
des  Kaisers  Antworten  gebilligt  wurden. ')  Indess  schon  am  6.  September, 
als  dies  Bedenken  in  verschärfter  Form  erneuert  ward,  erhoben  Sachsen  und 
der  Landgraf  von  Hessen-Darmstadt  Einwände  dagegen;*)  sie  fürchteten, 
von  ihrer  politischen  Opposition  gegen  die  Correspondirenden  zur  Schädigung 
ihrer  Kirche  fortgerissen  zu  werden,  uud  suchten  nach  Sicherung  gegen 
den  Zwang  ihrer  Bundesgenossen.  Während  aber  so  die  conservativen 
Protestanten  zurückwichen , zeigte  sich  auch  der  Halt,  denen  <iie  katho- 
lischen Stände  boten,  keineswegs  zuverlässig.  Wenngleich,  äusserlich  ange- 
sehen, die  Katholiken  elwnso  einig  wie  unversöhnlich  den  Protestanten 
gegenüber  standen  — wie  sie  denn  nach  dem  Muster  des  Jahres  1 594 
die  i)rote8tantische  Gravamina  mit  einer  katholischen  Beschwerdeschrift 
beantworteten,  und  in  dieser  sowohl  als  in  den  Aeusserungen  einzelner 
Männer  das  verhängnissvolle  Wort  wieder  laut  wimle,  dass  es  nicht  bloss 
un\  Erhaltung  des  katholischen  Besitzes,  sondern  um  Rflckgewiimuug  des 


1)  Gatachten  <)er  Kurfßnaten  rom  2'i.  Aa^.  Adoptirt  Tom  FQralcorath  aui  24.  An^.  (Hacberlin 
XXIll  S.  fg.)  Nach  der  branJciiburger  Relation  Tom  28.  Aug.  batte  sich  aacli  der  8tidt«rath 
aogeachloe^en. 

2)  Nach  Senkenberg  (d.  h.  dem  Darmstädter  Protocoll.  8.  5tü6  Anni.  z.)  hätten  Sachsen  and 
Hessen  eugestimmt.  Nach  dem  brandenburger  Bericht  vom  8.  Sepi.  dagegen  hätte  Korsachet^n  wider* 
Sprüchen,  und  nach  dem  diesem  Bericht  beigelegten  Protokoll  des  Frintenraths  vom  5.  Sept.  hätten 
Sachsen  und  Hessen  in  gleichem  Sinne  rotirt.  Ebenso  erwähnt  itohna  in  seinem  Diarium  (ß.  Sept.) 
den  Widerspruch  Kursachtens.  Vom  FQrstenrath  sagt  er:  Baiem  hat  die  «majora  in  religionssachen 
nit  approbirt,  aber  sonsten  wol.*  Sachsen  hat  .indiiTerenter*  geredet.  — Dohna  tbeilt  (znm  5.  und 
6.  Sept.)  über  Sachsens  und  Darmstadts  Haltung  noch  Folgendes  mit:  die  Sachsen  haben  den  erneuteo 
Befehl  erhalten  «one  uns  za  verfaren*.  Priratim  aber  erklären  die  Karsächsisebon  dem  Camerarios : 
'er  möge  ausharren}  .wir  würden  alles  erhalten.  Unangeseheo  sie  bsfel  bekommen,  on  ans  tu  ver- 
faren.  so  sahen  sie  wol,  das  os  sine  fructu  sein  würde.*  ln  der  Klostersacho  roüsaten  sie  mit  den 
Corres|ioodirenden  halten,  denn  Ihre  Kl&ster  wären  erst  nach  dem  Religionsfrieden  (sie?)  cingezugen 
worden.'  — Dohna  bemerkt  dazu:  .so  schikts  got.  das,  da  sie  propter  rerbum  nit  bey  uns  halten 
wolten,  das  sie  pro])ter  ventrem  bey  uns  ii  halten  müsaen.  Es  macht  uos  einen  mat,  and  erwarteten 
die  ke.Tserlige  resolution  mit  minderer  furcht. * — * Weiter  theilten  die  Kumebeen  mit:  .daas  den 
pfaffen  lieb  were,  unter  anflerm  dekel  ire  contrihation  einzobehalien.  Man  würde  suchen,  entweder 
dnreh  depntatos  uns  zu  helfen,” oder  den  reiebstag  zn  prorogiren.*  Sie  hätten  es  lieber  gesehen,  dass 
die  Correspondirenden  gar  nie  in  den  Kath  gekommen,  als  dass  sie  .aas  dem  rat  von  inen  gegangen.* 
Landgraf  Ludwig  sei  sehr  bestünt.  .das  man  i.  f.  g.  fürwürfe,  das  sie  von  den  eTangelisebeii  sich 
scherden;*  er  wisse  nicht,  was  er  thnn  solle,  wolle  nichts  gegen  dieselben  vornehmen;  er  müsse  oft 
.mehr  trinken,  damit  nur  die  melancoley  Qbergienge.*  8ie  (die  Sachsen)  haben  keinen  Befehl,  .etwas 
contra  religionem  zu  tbun,  wie  sie  es  denn  wol  teigen  würden,  wen  man  nur  za  rat  keroc.* 


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137 


seit  dem  Paseauer  Vertrag  und  dem  Religionsfrieden  an  die  Protestanten 
V'erlorenen  zu  tlmn  sei  *)  — so  neigten  doch  unter  den  katholischen 
Ständen  und  Käthen  manche  zu  einem  Ausgleich  auf  Grund  des  Besitz- 
standes,*) und  sie  mochten  umsomehr  dazu  neigen,  da  gerade  während 
des  Reichstags  die  Riga  mitten  unter  den  Bemühungen,  alle  katholischen 


1)  Vgl.  die  Stelle  in  den  katb.  Bivcbwenlcn  bei  Mejer.  1.  8.  8.  68  col.  2 unten : «und  man 
nicht  allein  nicht  gemeint,  dieselbe  (Hi»thQmer  und  Stifter)  wider  abzntrctten,  sondern  et«.*  In 
dem  Bericht  der  brandenbnrgischen  GesaDilton  vom  IS.  Aug.  Ober  die  Knrffirsitenrathssitzang  vom  17. 
heisst  es:  «es  bat  sich  bei  diesem  convent  der  Cdlnische  can^zler  dr.  bisterfeit  gegen  dem  dr.  Came* 
rario  auch  so  weit  heraus  gelassen,  dass  er  gesagt,  es  sollten  und  mosten  alle  seiter  dem  rcligions* 
frieden  cingezugene  clöstergneter  hinwieder  restituiret  werden;  dazu  wcren  ire  berren  gantz  resolvirt; 
den  ausserdem  wurde  es  einen  kurtzen  reichstag  geben  ; und  betten  ire  berren  albereiU  die  mittel  an 
der  hant,  dieses  zu  effectuiren  und  binauszufQren.  — Welches  warlich  wort  sein,  die  wol  in  acht  zu 
nemen.*  Vgl.  Ranke  TU.  S.  234  Anm.  I.)  — Derselbe  Gedanke  kehrt  in  dem  Gutachten  des  Mainzer 
Raths  von  Eifein  wieder.  Lhnig.  europ.  Staatsconailia  I.  S.  787.) 

2)  Die  pfälzischen  Reichstagsgesaiulten  nberschicken  am  20.  Sept.  ein  Aktenstück,  (es  findet 
sich  auch  bei  Dohna,  zum  20.  Sept.)  welches  durch  »einen  Inhalt  sich  als  ein  Gutachten  über  die  von 
den  katholischen  Ständen  zu  befolgende  Politik  kennzeichnet.  Es  heisst  in  demselben:  wenn  die  Or> 
respondirenden  nicht  nachgeben  oder  abziehen,  so  soll  1.  nichts  destoweniger  der  Reichstag  fortgesetzt 
werden.  2.  Blau  muss  sich,  um  die  gefassten  Bosohlüsse  and  des  Kaisers  Autorität  aafroeht  zu  er- 
haltciR  genügend  gefasst  machen,  »o  dass  letzterer  „nicht  allein  wider  die  contradictores  procediren, 
sondern  anch  exeqniren  könte.*'  -i.  Für  den  Fall,  dass  die  Türken  den  Frieden  brechen  und  Sieben- 
bürgen nicht  verlassen  wollen,  muss  man  auf  Mittel  zur  Unterstützung  des  Kais4>rs  be«lacht  »ein. 
4.  Es  ist  zn  bedenken,  was  man,  wenn  Charsachsen  und  sein  Anhang  sich  den  Katholiken  anzuschliesscn 
weigert,  nichts  desto  weniger  thun,  und  wie  man  «lern  Kaiser  helfen  kann,  „die  grosse  ungleiclibeit 
künftig  daraas  zu  verhueten.“  5.  Für  den  Fall,  dass  es  an  den  notbigen  Mitteln  fehlen  sollte,  vor- 
stehende Pankte  auszuführen,  so  bleibt  nach  der  Ansicht  Einiger  nichts  übrig,  als  die  Goraposition. 
Diese  hat  zwar  den  Katholiken  keinen  Nutzen  gebracht,  ist  aber  von  frühem  Kaisern  im  Interesse 
des  Friedens  vorgenommen.  Es  sind  sodann  die  schlimmen  Folgen  eine»  Kriegs  bedacht  worden. 
Sollten  auch  „viel  treuherzige  etferige‘*  der  Meinung  sein,  man  solle  auch  ..den  übrigen  rcst**  wagen,  so 
mögen  sie  bedenken:  es  ist  ein  anderes,  darüber  „in  loco  secretisaimo“  zu  beratheti,  and  ein  anderes, 
den  Schaden  erleiden  und  den  Untergang  seiner  Unterthanen,  Kircheu  und  Jurisdictionen  miUnzn^ehen. 
Wenn  im  Fall  de»  Krieges  Etliche  kleinmOtbig  werden  und  nachgeben,  so  winl  der  Bond  zerrissen 
werden,  und  es  dürfte  dann  ein  ncoer  Reiligionsfrinle  zum  höchsten  Präjudiz  de»  geistlichen  Vorbehalts 
and  de»  bestehenden  Religionsfriede&s  verursacht  werden.  Darum  muss  mau  zur  rechten  Zeit  alles 
wohl  bedenken,  damit  man  solchem  Unheil  zuvorkomme  und  die  Gehorsamen  in  allen  Fällen  sicher 
stellen  könne.  Nur  in  Gewisseussachen,  von  denen  die  Seligkeit  abbangt,  darf  man  nicht  weichen; 
wo  dies  abvr  nicht  der  Fall  ist,  oder  man  Mittel  findet,  das  Gewissen  zu  salviren.  wollen  Viele  meinen, 
man  solle  diese  Mittel  gebrauchen  und  alle  eitrerocn  Blassregelo,  so  lange  man  nicht  zu  denselben 
getrieben  wird,  vermeiden.  (Münch^'n  543/2.)  Schon  Geizkofler  bemerkt,  dass  »ein  Vorschlag  einer 
Regelang  der  Frage  der  geistlichen  Güter  nach  dem  Besitzstand  von  «etlichen  ]>olitiichen,  auch  geist- 
lichen Stands  Personen*^  gemacht  sei.  Lünig  europ.  StaaUconsilia  I.  S.  730  coL  2.)  Den  unnach- 
giebigen Standpnnct  verheht  dagegen  das  ebenfalls  während  des  Reichstags  abgefasste  Gutachten  von 
Effem  (Lünig  1.  8.  787),  desgleichen,  nach  Angabe  Dohnas  (tum  20.  Sept.),  das  Gutachten  eines  Trierer 
Raths  und  ein  drittes  von  dem  Cölner  Domherr  Wolf  v.  Metternich. 


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138 


Stände  in  üir  zu  vereinigen,  durch  die  Umtriebe  Klesl’s,  der  iiire  Auf- 
lösimg  wünsi:lite,  und  durch  die  Politik  des  Hauses  Oesterreich,  das  sie 
in  Concurrenz  mit  Baiern  zu  beherrschen  suchte,  in  eine  geilihrliche 
Krisis  trat.') 

Zu  dieser  Lhizuverliissigkeit  der  ständischen  Majorität  kam  für  den 
Kaiser  als  zweite  Schwierigkeit  die  wachsende  Kriegs-  und  Gelduoth.  Zu 
Anfang  des  Monats  Septemiwr  traf  die  Nachricht  ein,  daas  die  Türken 
an  die  80,000  Mann  zusamineugebracht  und  ihre  kriegerischen  Openitioncn 
begonnen  hatten,  indem  sie  Lippa  und  Jeiui  zur  üebergalje  aufforderten: 
der  Krieg,  in  dem  bald  darauf  Bathory  fiel,  und  Betlen  erhoben  wurde 
war  damit  eriifthet.”)  Diesem  Angriff  gegenüber  sah  sich  der  K.aiser  so 
vollständig  von  eigenen  Mitteln  entblösst,  dass  er  selbst  die  Kosten  seines 
Kegensburger  Aufenthalts  nur  durch  dürftige  Darlehen,  die  er  vom  spa- 
nischi-n  Gesandten  und  anderwärts  erwirkte,  zu  erschwingen  vermochte.®) 

Unter  solchen  Verlegenheiten  erwiesen  sich  die  Absichten  der  Ex- 
tremen am  kai.studichen  Hof  doch  sehr  bald  als  midurchführbar,  und  es 
kam  die  Zeit,  wo  die  MänntT  des  Ausgleichs  Gehör  fanilen.  Zum  ereten 
Mal  geschah  es  am  1 1 . September,  dass  Bischof  Klcsl.vor  den  CoiTespon- 
direnden  mit  der  Erklärimg  hervortrat,  man  müsse  auf  einem  andern 
Weg  als  dem  bisherigen  die  Verständigung  zu  erzielen  suchen.  An  dem- 
selben Tag  Hess  sich  die  kaiserliche  Regierung  von  Zacharias  Geizkotier, 
dem  Maime.  der  schon  vor  dem  Reichstag  zu  Concessionen  an  die  Pro- 
te.stanten  gerathen  hatte,  ein  Gutachten  über  die  Mittel  ziu*  Einigung 
geben.'*)  Geizkofler  verlangte  und  erhielt  zwei  bedeutsame  Concessionen; 
einmal  iiändich,  da.ss  statt  des  blossen  Justizpunktes  die  gesammten  Be- 
schwerden der  Stände  erörtert  werden  sollten,  ferner  dass  die  Erörterung 
nicht  in  der  Form  tler  Reichtagsordnung,  sondern  auf  dem  Weg  freier 


1)  Ich  Terauche  ea  nicht»  auf  die  inneren  Vorgänge  !tn  Kreis  der  katholiacheo  Stande,  noch  auf 
di«  BeziehnnKen  zwiachcii  dem  Kaiser  and  den  katholischen  Standen  einzugehen,  da  in  diesen  Dingen 
die  Ergebnisse  tod  Stiere’«  Forschangen  abtuwarten  sind. 

2)  Brandenbnrgiscbe  Relation.  Sept.  lü 

3)  Einzelheiten  in  den  Schriften  Klesr«  bei  Hammer  III.  n.  403,  407.  Dohna  notiit  zum 
I.  Sept.  über  den  kaiserlichen  Hof;  «wäre  aneh  grosse  not;  den  man  sagte,  das  die  hatachicrer  and 
trabanten  zu  dem  schlachter  gehen  mQsten  und  daa  blut  des  geschlachteten  riehes  uffangen  and 
kochen  lassen:  also  das  der  grossen  Herren  detit  oft  gröwer  ist  als  geringer  lento.” 

4)  Brandenburg.  Relation  rom  14.  Sept.  Dohna  zum  II.  und  13.  Deceinber. 


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139 


Verständigung  unter  den  Kurfürsten  und  einem  jmritätischen  Aasscliuss 
der  ülirigen  Stände  gepflogen  werde.  Als  Vermittler  zwisehen  den  Par- 
teien schlug  er  den  Erzhei-zog  Maximilian  von  Oesterreich  vor.  Wie 
ernsthaft  diese  Vorschläge  sofort  von  dem  Kaiser  aufgenominen  wurden, 
erkannte  man,  als  in  den  letzten  Tagen  dos  September  der  Erzherzog  in 
Regensbui’g  eintraf,  um  die  Verständigungsversuche  zu  beföi-deni. 

Indess  in  demselben  Augenblick,  da  die  kaiserliche  Itegierung  ihre 
bisherige  Haltung  aufgab  und  auf  die  Forderung  der  Composition  oftoner 
einging,  zeigten  sich  auch  wieder  principielle  Schwierigkeiten,  au  denen 
schliesslich  der  Plan  scheitern  sollte.  Im  Sinne  der  ünirten  hatte  alles, 
was  ein  .Ausschuss  der  Stände  verglich,  nur  vorbereitenden  Werth;  es 
musste  von  der  Oesammtheit  der  Stände  neuerdings  vereinbart  werden, 
und  auch  von  ihnen  nur  auf  dem  Wege  freier  VTu-ständigung.  Das  Be- 
denken Geizkoflers  dagegen  setzte  zwei  In.stanzen  anderer  Art  fest,  indem 
es  Iwsagte  : was  der  Aus.schus.s  vereinhart,  ist  definitiv  v'ereinbart ; worülier 
er  sich  nicht  vergleichen  kann,  darüber  giebt  der  Kaiser  einen  wenigstens 
vorläufigen  Ausschlag. ')  Darin  lag  ein  eiister  Anstoss.  Ein  zweiter  ergab 
sich  aus  der  wachsenden  Geld-  und  Kriegsnoth.  In  der  Hoffiiung,  eine 
Steuei-bewilligung  zn  erlangen,  ging  der  Kaiser  auf  den  Vei-sucli  einer 
Verständigung  über  die  Beschwerden  ein.  Nun  aber  war  der  Stand punct 
der  protestantischen  Stände  in  den  Worten  befasst:  erst  Erledigung  der 
Beschwerden,  dann  Bewilligung  von  Steuern;  der  Kaiser  dagegen  in  seiner 
finanziellen  Notli  konnte  unmöglich  ilas  Ende  iler  unabsehbaren  Vergleichs- 
verhandlungen abwarten. 

Um  in  der  letztem  Verlegenheit  liath  zu  schaffen,  vei-suchte  der 
Kaiser  eine  rasche  Wendung.  Am  1.  Oetober  trat  er  mit  einer  neuen 
Proposition  vor  den  lieichstag,  in  welcher  er  unter  Hinweis  auf  die  stei- 

1)  Dobim  giebt  folgenden  Aanug  au»  Geizkoflvrs  Betleuken : es  gebe  keinen  andern  Ausweg 
aU  den  einer  Interposition;  »da  solte  cnhenog  Msx  bej  Bein,  das  ganze  charfbrsteucollegiani,  und 
aus  den  andern  ein  gleicher  aasschua;  man  solle  da  verfaren  nit  per  Vota,  sondem  mit  einer  oon- 
fereni;  was  man  nnn  vergleichen  kQnte,  dna  wäre  verglichen,  wo  es  sieh  stossen  anlte«  muss  man  es 
i.  M.  anbringen,  das  die  den  aasschlag  gebe,  so  lang  bis  man  die  beschwerten  beftidigte."  — Da,  so 
berichtet  Dohna  weiter,  die  Pfälzer  diesen  Vorschlag  kennen  lernen  (Dl.  S«pt.).  »o  berathen  ale  ,4” 
grosser  geheim'*  mH  Prukmaim,  dem  WOrtemberger  Faber,  dem  Hessen  Starschedel  und  dem  NQrn* 
berger  Gesandten.  Sie  beschliessen  n.  a.,  „das  es  mit  der  interposition  zwar  ein  ding  aey,  das  aber 
der  kejrser  gleichsam  den  ansscblag  der  strittigen  punrten  haben  solte,  das  sei  ganz  nit  thonlicb, 
den  wem  wolt  er's  zusprechen,  als  den  papisteo  ? 

Äbh.  d.  HI.  CI.  d.  k.  Ak.  d.  Wiss.  XV.  Bd.  II.  Abtb.  19 


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140 


gerule  Tflrkeiigefahr,  da  Bathory  schon  geschlagen,  Oberungarn  bedroht, 
und  seine  Bückkehr  nach  den  Erblandeu  unaufschiebbar  sei,  um  eine 
schleunige  Türkenliülfe  von  40,  eventuell  80  Monaten  bat  und  für  die  übrigen 
Angelegenheiten  eine  Verschiebung  des  Beichstags  auf  bessere  Zeiten  vor- 
schlug. Wenn  man  bedenkt,  dass  vier  Tage  vor  diesem  Act  der  in- 
zwischen cingetroffene  Erzherzog  Ma.ximiliaai  die  Correspondirenden  befragt 
hatte,  ob  sie  ihn  als  Vermittler  in  einem  Verstilndigungsversuch  über 
ihre  Beschwerden  annehmen  wollten,  und  dass  am  Tage  der  neuen  Pro- 
position der  Erzherzog  mit  einer  Deputation  der  Corresjwndirenden  die 
erste  Unterredung  über  den  Inhalt  ihrer  Beschwerden  anstellte,')  dass 
also  die  Verhandlung  über  einen  Au.sgleich  in  Sachen  <ler  Bes<'hwerden 
gerade  damals  begonnen  wurde,  so  wird  man  beim  Kaiser  nicht  die 
thörichte  Illusion  voraussetzen,  er  werde  eine  Türkenhülfe  erlangen,  indem 
er  mit  einem  Schlag  alles  andere  in's  ungewiase  vei-schiebe;  seine  Absicht 
winl  vielmehr  gewesen  sein,  bei  der  steigenden  Noth  den  Versuch  zu 
machen,  ob  er  den  ermüdeten  Ständen  nicht  eine  rasche  Steuerbewilligimg 
abringen  könne,  indem  er  gleichzeitig  den  Ausglcichsversuch  mit  den 
Protestanten  bloss  anbahiie.  statt  ihn  zu  vollenden. 

Dieser  Gedanke  der  den  Correspondirenden  statt  voller  Befriedigung 
eine  Abfindung  zuwies,  zeigte  sich  an  und  für  sich  als  gar  nicht  übel 
berechnet;  die  Correspondirenden  schienen  geneigt,  darauf  einzugehen. 
Allein  die  Frage,  die  sie  nun  sofort  aufwarfen,  war:  bis  svie  weit  der 
.\nfang  zur  Verständigung  noch  am  Beiebstag  gemacht  werden  .sollte, 
um  eine  gedeihliche  Fortsetzung  der  V^erhandlungen  zu  sichern.  In  dieser 
Frage  lag  die  grosse  Schwierigkeit,  um  welche  sich  die  nun  beginnenden 
Berathungen  über  die  Nebenpro|iosition  vornehmlich  bewegt.en. 

Die  Correspomlirenden  hatten  dem  Kaiser  den  Gefallen  gethan,  bei 
der  Pro])osition,  imd  abermals  l)ei  der  zur  Behandlung  derselben  anbe- 
raumten  Sitzung  der  drei  Bäthe  (3.  Octobtm)  zu  erscheinen.  *)  In  dieser 
Sitzung  aber  trugen  sie  nach  vorheriger  V'ereinbarung  da-sjenige  vor,  was  sie 
gleichsam  als  Pfand  des  guten  Willens  Iwtrachteten.  \'on  den  Beschwerden, 
welche  nach  ihrer  Auffassung  in  dei'  Hand  des  Kaisers  lagen,  wollten  sie 
nicht  mehr  alle,  aber  doch  die  wichtigsten  sofort  abgestellt  wissen.  Sie 

1)  Brandenbarg.  R«lation  vom  4.  October 

2)  Hier  erschien  auch  Baden  und  nahm  seine  drei  Se9sion«>n  ein.  (Brandenburg.  Relation  Oct.  4. 


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141 


forderten  also:  Durclifülirung  der  Paritiit  am  Kammergericht  und  Ab- 
stellung der  Jurisdiction  des  kaiserlichen  Hofraths,  soweit  sie  verfassungs- 
widrig sei,  desgleichen,  im  Zusuiimienluiug  mit  letzterem  Ansinnen,  die 
Erledigung  mehrerer  Einzelbeschwerden,  wobei  wieder  die  llestitution 
Donauwörths  und  die  Anerkennung  der  \'icariatsentscheidungcn  in  Aachen, 
Bibera<'h  und  Friedberg  in  erster  Linie  standen. ')  Die  Visitation  des 
Kannnergerichts  nebst  Entscheidung  der  Revisionssachen,  ferner  die  Be- 
liandlung  des  ganzen  Justizpunktea  dachte  man  einem  paritätischen  Depu- 
tationstag zu,  dessen  Mitglieder  der  Heich.stag  sofort  ernennen  sollte. 
Natürlich  mussten  dabei  die  vier  Klostersachou  und  etwaige  gleichartige 
Ffdle  von  den  Hevisionssachen  abgesetzt  und  zu  gütlicher  Vergleichung  — 
sei  es  unter  den  Parteien,  sei  es  an  einem  Reichstag  — verwiesen  werden. 
Was  dann  von  Beschwerden  noch  übrig  war,  das  sollte  durch  die  (kmi- 
positionsverhaudlung,  die  erst  vorlwreitend  durch  einen  Ausschuss,  dann 
definitiv  durch  einen  Reichstag  zu  führen  war,  erledigt  werden:  die  Art 
und  Weise  des  vorbereitenden  Verfahrens  aber,  so  fügte  man  mit  sicht- 
licher Bezielnmg  auf  den  unannehmbaren  Voi'schlag  Geizkoflers  hinzu, 
sei  noch  am  gegenwärtigen  Reichstag  zu  vereinbaren.  — Unter  der  Voraus- 
setzung, dass  ihnen  dieses  alles  eingeräumt  werde,  und  dass  ferner  der 
Friede  wirklich  durch  Schuld  der  Türken  gebrochen  werde,  zeigten  die 
CorresjKjndirenden  sich  geneigt,  dem  Kaiser  eine  be.scheidone  Hülfe  zu  be- 
willigen, aber  auch  dies  nicht  ohne  einen  neuen  Vorbehalt  zu  Gunsten  der 
absoluten  Freiheit  der  Bewilligung,  l>ei  der  die  Minorität  nur  zu  dem- 
jenigen verpfiichtet  sei,  was  sie  selb<‘i'  zugestanden  habe.  *) 

Als  am  3.  October  dieses  \’otum  vorgebracht  wurde,  erneuerten  sich 
die  Scenen  vom  17.  Augu-st.  Die  Majorität  überstimmte  die  Correspon- 


^ 1)  Daneben  fand  Dad«ns  Beachwerdo  über  den  Hofproceas  in  Sachen  der  Mark  ßadi^D-ßadea 
Aufnahme. 

2)  Das  /eroeinsauio  Votum  der  CorrespotHlireDden  atebt  nach  einer  unvolUtändij^eD  Aufzeicb« 
nunpf  bei  Sattler  VI.  Beil.  S.  79,  und  nach  der  im  Städterath  gegebenen  Form  bei  Straf,  Geachichte 
der  Religioaabeechwerden  I.  S.  •'iOl.  Ich  gebe  folgenden  Auuog  deaaelben  nach  einer  vollatandtgern 
Aufzeichnung  in  den  Berliner  Akten  (Beilage  zu  dem  Bericht  vom  4.  Oet.}:  man  hat  hinaiebtiieh  der 
Prorogation  keinen  Befehl,  stellt  aber  dem  Kaiser  anheim  ,,mit  zathun  de«  chorf.  collegii  einen  andern 
reichstag  berneclist  auszuBchreiben.**  Damit  deraelbe  Erfolg  habe,  ist  den  „difficultetcn . . . interim 
also  ZQ  begegnen  und  dazn  noch  hie  praeparation  zu  machen,  damit  hcmechat  an  andern  bet^uemen 
orten  notwendige  handlang  dazu  Torzunemen.^  Man  wünscht,  dass  Ungarn  und  das  Reich  gegen  die 
Türken  geschützt  werden,  und  dass  „es  Siebenbürgen  halben  in  einen  aolclien  stant  gebracht  werden 

19* 


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142 


dii^endcm  und  setzt«  den  IJesciiluss,  dass  eine  Hülle  zu  leisteu  sei,  ohne 
Rücksicht  auf  die  gestellten  Bedingungen  durch,  womuf  die  Correspon- 
diremlen  lieschlossen.  sich  des  Besuchs  der  Räthe  abernmls  zu  enthalten.') 
In  den  reducirten  Rathen  ging  dann  in  den  folgenden  Tagen  die  Berathung 
über  dieTürkenhfllfe  ihren  Weg,  das  ilauptintorcsse  aber  zog  sich  wiederum 
in  Conferenzen,  welche  von  den  Correspondirenden  mit  Erzherzog  Maxi- 
milian und  verordneten  kaiserlichen  Ratheu  vom  1.  bis  zum  21.  October 
gehalten  wurden. 

ln  diesen  Conferenzen  wurde  der  Ausgangspunkt  von  einer  am  4.  Oct. 
überreichten  Schrift  der  ( 'oiTespoudirenden  genommen,  welche  nach  dem 
Muster  des  Votums  vom  3.  October  verfasst  war.  Von  allgemeinem  In- 
teresse waren  die  Besprechungen  in  sofern,  als  sie  die  Punkte  zeigten, 
bis  auf  welche  man  sich  in  Forderungen  und  Anerbietungen  einander 
näherte.  Bei  Feststellung  dieser  Annäherung  muss  man  jedoch  darauf 
achten,  dass  Maximilian  bis  zum  10,  October  seine  Erklärungen  auf  die 
Ansprüche  der  Correspondirenden  im  Namen  des  Kaisers  abgab,  dann 
aber  am  13.  October  eine  weit  nachgiebigere  Resolution  im  eigenen  Namen 
ertheilte,  welche  vom  Kaiser  nicht  genehmigt,  sondern  durch  eine  letzte 


kirnte,  d&8  dahero  nit  juder  Mit  die  occ&sioo  zu  eioeui  TurckcnkricK  ctiU|)riiij;eQ,  sondern  die  mit  dem 
Sultan  ^^etrofTene  i>aeitication  erhalten  werden  könte.  dazu  bei  rorigen  rcichstaegen  oft  auch  geraten 
worden.*'  Das  Reich  dürfte  z.  Z.  zum  Widerstand  gegen  einen  so  mächtigrii  Feind  kaum  stark  ^unug 
sein.  Jedenfalls  kann  man  keine  Steuer  bewilligen,  „ei  wurde  dan  friet  und  recht  im  reich  besser 
Btahilirt  und  den  besebwerden  wo  nit  gar  doch  etlicher  mmen  noch  alhie  abgeholfen."  Eventuelle 
Verwahrung  gegen  die  Majorität.  Als  Boschwerden,  die  noch  hier  abzQstellen  sind  — hinaichtlicb  der 
übrigen  ist  noch  hier  der  Modus  zu  vereinbaren,  nachdem  vor  dem  künftigen  Reichstag  geeignete 
Verhandlung  über  sie  anzustelien  ist  ->  bezeiclmet  man:  a.  Abstellung  der  Terfafsangswidrigeo  Hof- 
processe,  besonders  in  den  badischen,  Aachener,  Friedberger,  Biberacher  Sachen,  und  zumal  wenn 
während  des  Interregnnms  von  den  Vicarien  Anordnungen  darin  getroffen  sind.  b.  Einführung  der 
Parität  am  Kammergericht  uni  Verhandlung  des  Justizpunctes  im  übrigen  an  einem  paritätischen  und 
verstärkten  Deputationstag  zu  Speier,  dessen  (neue)  Mitglieder  noch  hier  von  den  Ständen  zu  er- 
nennen sind.  c.  Verweisung  der  Visitation  und  Revtsionssachen  an  denselben  DeputationsUg.  Ueber 
die  bewoasten  Klostersachen  und  gleichartige  Fälle  hat  man  sieb  freundlich  zu  bereden  und  sie,  wenn 
man  sich  darüber  nicht  vergleichen  k.*\nn,  an  den  nächsten  Reichstag  zu  weisen,  e.  Restitution  Donau- 
wörths.  Dass  Haiern  befriedigt,  und  darüber  die  Restitution  nicht  verzögert  werde,  dazu  wird  der 
Kaiser  Mittel  finden;  in  alle  Wege  ist  die  Einstellung  der  Bedrangung  der  Leute  wegen  der  Religion 
zu  verfügen.  — Unter  diesen  Bedingungen  weirlcn  die  ev.  Fürsten  obne  Zweifel,  falls  der  Friede  mit 
den  Türken  nicht  zu  erhalten  Ut,  dem  Kaiser  Hülfe  leisten,  etwa  mit  einer  Anzahl  Römermonaten  bis 
zum  nächsten  Reichstag,  wie  sie  denn  auch  künftig,  wenn  die  Notb  mehr  erfordert,  „mit  fernerer 
volck-  oder  gcldhülfe  nach  bedndung  sich  auch  der  gebar  erzeigen"  werden. 

1)  Brandenburger  Relation  vom  4.  Oct. 


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143 


Erklärung  vom  17.  October  zum  Theil  zurückgenoimuen  wurile.  Fassen 
wir  mit  Kücksicht  auf  diesen  Hergang  das  wesentliehe  zusauimen.  ’) 

Unter  ihre  sofort  zu  twfriedigenden  Ansprüchen  hatten  die  Corre- 
sponJirenden  in  dem  Votum  vom  3.  Octoher  die  Parität  am  Kammer- 
gericht aufgeführt:  in  der  Schrift  vom  4.  October  lies.sen  sie  diesen  Punct 
fallen.  In  dem  Votum  vom  3.  October  hatten  sie  ferner  die  .\b.stellung 
der  von  ihnen  bestrittenen  Jurisdiction  des  kaiserlichen  Hofratlis  verlangt: 
in  der  Schrift  vom  folgenden  Tage  bezogen  sie  sich  auf  die  vom  Era- 
herzog  ihnen  gemachte  Mittheilmig,  das-s  eine  neue  Hofratlisorihiuug 
demnächst  den  Kurfüraten  zur  Begutachtung  vorgelegt  werden  st)lle;  sie 
forderten  Mittlieilung  dei-selben  an  die  gusammtcn  Stände  und  in  Folge 
dessen  gesetzliche  Uegelung  der  Competeuz.  Für  die  Gegenwart  und  die 
Zwischenzeit  begehrten  sie  Einstellung  der  schwebenden  llofprocesse  und 
Nichtanstellung  von  neuen  Processen.  — Durch  eine  solche  Suspension 
wäre  eine  von  den  wichtigen  noch  schwebenden  Einzclbeschwerden , die 
Aachener  Veinvicklung,  von  selbst  im  Sinne  der  Protestanten  geordnet 
worden;  aber  hinsichtlich  dieser  sowol,  wie  der  Bilwracher,  Friedborger 
und  l)a<lischen  .Stmtsache  wurde  auch  noch  ausdrücklich  gütliche  Er- 
ledigung verlangt.  •) 

ln  den  Antworten,  die  hierauf  im  Namen  des  Kaisers  ergingen, 
wurde  d<is  Ansinnen  einer  gesetzlichen  Kegelung  des  llofraths  bei  Seite 


1)  Di«  iiiu«»ern  Momento  aiotl  folgende:  Oct.  Vorl»e«pr«cbungeo.  — Oct.  4-  Di«  Corre- 

8pondir«i)d«n  Übergeben  dem  Enh.  Maximilian  ein  Venteichnifs  ihrer  Forderungen,  im  weseutlichea 
dem  Votum  vom  3.  Oet-  eutspreebend  (Auuug  bei  Dohna).  — Oct.  7.  Conferenz  vor  MazimiliaD,  io 
der  Klesl  des  Kaizera  Reeolotion  auf  obige  äehrift  mündlich  eröffnet.  — ' Oct,  Schriftlich«  Antwort 
der  C'orrespoodirenden  hierauf,  Oberreiebt  an  Maximilian  am  U.  October.  — Oct.  0 und  10.  Cvnfcrenzeu 
mit  Maximilian , in  denen  ersterer  de«  Kaisers  Resolution  auf  die  Torige  Schrift  mündlich  eri^ffnet, 
worauf  die  Correspondirenden  scbliesslich  eine  scbriftliebe  Antwort  verfass^.n.  — Oct.  13.  Eine  auf  letz- 
tere Antwort  im  Namen  des  Erzb.  Mazimiiiiu)  (nicht  des  Kaisers)  verfasste  Schrift  wird  von  Ueizkofler 
übergeben.  — Oct.  14.  Schriftliche  .Antwort  der  Cerrespondirenden  bierHUf.  — Oct.  If).  Abreise  des 
Erzherzogs.  — Oct.  17.  Audienz  der  Corruspondireiiden  vor  dem  Kaiser,  dessen  Resolution  auf  ihr« 
Forderungen  von  Ulm  niuodlicb  eröffnet  wird.  — Oct.  19.  äcbriftliebe  Antwort  der  Oorresponiliremb’n. 
— Oct.  21.  Letzte  Erwiderung  des  Kaisers.  — Die  .Acten  dieser  Verhandlungen  liegen  mir  vor  in 
den  brandenburgischen  Relationen  nebst  ihren  Beilagen  und  in  Dobna's  Diarium.  Einzelne  Artenstücke. 
vielfach  aber  in  ungenügenden  .Auszügen,  sind  gedruckt.  Nachweise  bei  Haberlin-MieDkenberg.  Drei 
Actenstücke  aus  der  letzten  Phase  der  Verhandlungen  theile  ich  in  Beilage  IX  mit. 

2)  Desgleichen  in  Sachen  der  Stadt  Weil.  Die  Bestütigung  der  Vicariatsentseheide  wurde  da- 
gegen nicht  mehr  bestimmt  gefordert.  Es  heisst  nur:  io  Sachen  der  Vicariatsacte  »oll  nichts  weiter 
geändert  werden,  „darülrar  man  doch  vieliner  di«  contirinationes  verhoffet  bette.* 


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144 


geBclioben;  das  einzige  reale  Zugestiindniss,  das  überhaupt  gemacht  wurde, 
lug  in  der  Erklili'ung:  der  Kaiser  werde,  ohne  sich  gerade  die  Hände 
binden  zu  wollen,  in  der  Aachener  und  wol  auch  in  den  andern  spe- 
eiellen  Streit.saclien  bis  zu  dein  gleich  zu  erwähnenden  Coinpositionstag 
den  Protestanten  keine  Schädigung  zufügen. ' In  seiner  Resolution  vom 
13.  October  erbot  sich  daun  allerdings  der  Erzherzog  Maximilian,  den 
Correspondirenden  im  eigenen  Namen  eine  Bescheinigung  zu  geben,  dass 
bis  zum  Coinpositionstag  die  Hofprocesse,  so  weit  sie  in  den  evangelischen. 
Beschwerden  angefochten  würden,  suspendirt  sein  sollten.  Allein  dieses 
Zugeständniss  wimle  in  des  Kaisers  Schlusserklärung  zurückgenommen: 
er  wolle,  so  hies.s  es  darin  nur,  solche  Mäsaigiiug  zeigen,  das.ssich  Niemand 
zu  beschwei’en  halie. 

Nicht  näher  kam  man  einander  in  der  Donauwörther  Sache.  Die 
CoiTespondirendeii  verlangten  einfache  Zusii-henmg  der  Restitution  inner- 
lialb  eines  bestimmten  Termins:  der  Kaiser  war  ganz  bereit  dazu,  voraus- 
gesetzt dass  die  Reich.sstände  ihm  die  .Mittel  zur  Bezahlung  der  bai- 
rischen Executionskosten  bewilligten.  An  dieser  Bedingung,  die  nur 
Erzherzog  Maximilian  in  der  Erklärung  vom  13.  Octol>er  fallen  Hess, 
der  Kaiser  aller  wieder  aufnahm,  scheiterte  die  Verhandlung. 

Neben  diesen  .Anliegen , deren  sofortige  Erledigung  die  Protestanten 
verlangt  hatten,  stand  nun  noch  die  Frage  der  Behandlung  des  Justiz- 
punktes und  der  übrigen  evangelischen  Beschwerden.  Der  Kaiser  zeigte 
sich  bereit,  beide  Sachen  den  Beratlmngen  eines  paritätischen  Stände- 
ausschusses  zu  übergeben,  der  gegen  Ostern  1H14  in  Speier  zusammen- 
treten sollte:  allein,  wenn  nun  die  Corresjiondirenden  verlangten,  dass 
man  sich  über  die  Mitglieder  des  Ausschusses  noch  am  Reichstag  einige, 
und  wenn  sie  über  den  für  sie  entscheidenden  Punkt,  die  Art  und  AVeise 
der  Verhandlung  nämlich,  ebenfalls  am  Reichstag  eine  bestimmte  Fest- 
setzung getroffen  sehen  wollten,  so  wich  der  Kaiser  ihnen  jedesmal  aus. 

1)  Die  Erklärung  Tom  10.  Oct.  lautete  iiaob  dem  brandeDburf^Uchen  Bericht  (Oet.  12):  .wegea 
Achen  und  Maelhaimb  (die  MObIheimer-Sache  wurde  UQAufitefordert  von  kuieerlicber  Seite  hier  eioge' 
mischt)  sollen  wir  oos  bis  auf  dieselbte  commisaioo  nichts  zn  hefareo  haberv;  aber  die  baende  konten 
inen  i.  M.  nicht  biodeu  lassen,  ebensowenig  als  wie  sie  den  catholiken  znsagen . . wollen,  ob  sie  wo! 
hiemmb  instendi^^  angebalttn,  zu  eiequiren.“  — Auf  den  Einwand  der  Correspondirenden,  dass  tou  Uadeo, 
Priedberg,  Biberacb.  Weil  nichts  gesagt  »ei,  erwiderte  Maiimilian,  ,das  sie  (s.  d.)  unten  den  AacbiKhen 
und  Muelheimbischen  Sachen  alle  andere,  die  derselbten  art  weren,  zugleich  gemeint  ..  haben  wolteu. 


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145 


Es  handelt«  sich  hier  für  die  Gorrespondirenden  vor  allem  um  das  Pi-incip 
der  Nichtgeltuiig  der  Majorität;  und  dieser  Grundsati'.  schien  ihnen  so 
wichtig,  dass  sie  darüber  noch  ein  besonderes  und  letztes  Begehren  for- 
mulirten.  Wenn  sie  — so  lautete  ihre  Erklärung  — in  Folge  der  An- 
nahme ihrer  Forderungen  sich  wieder  an  den  Iteichsverlmndlungen  über 
die  Türkenhülfo  Ijctheiligten . so  müssten  sie  vorher  gegen  die  Verbind- 
lichkeit der  Majoritätsbewilligung  gesichert  sein. 

Der  Kaiser  gab  in  diesem  Punkte  ebensowenig  nach,  wie  in  den 
andern.  Darüber  aber  machte  die  Majorität  iler  Stände,  die  in  den  ilroi 
Uäthen  ihre  Verhandlungen  fortgesetzt  hatte,  der  Sache  ein  Ende;  sie 
vereinbarte  einen  lleichsabschied , durch  welchen  dem  Kaiser  30  Monate 
l)ewilligt,  und  im  übrigen  der  Reichstag  auf  den  18.  Mai  1614  verschol>en 
wurde.  Dieser  Al)scliied  wm-de  vom  Kaiser  genehmigt,  im  Xanien  sämmt- 
licher  Stände  ausgefertigt  und  am  22.  (Jet ober  verlesen.  Vorher  jedoch 
hatten  noch  Sachsen-Coburg  und  Holstein  sich  ausgesondert  und  gegen 
den  Abscliied  jtrotestirt, ')  während  umgekehrt  aus  der  Zahl  der  C<iri'e- 
spondirenilen  die  Stadt  Regensburg  die  Unterschrift  des  .Abschiedes  nicht 
zu  verweigein  wagte.  Die  (’orrespondii-enden  legten  gegen  densellwn 
natürlich  Protest  ein. 

UelxM'sehen  wir  den  Gang  der  gesammten  Verhandlungen  nochmals, 
so  springt  in  die  Augen,  d:iss  man  von  beiden  Seiten  sich  zwei  Monate 
lang  um  Vergleichshandlungen  abquälte,  ohne  die  nothwendige  Bedingung 
jedes  Vergleiches,  die  Bereitwilligkeit  zu  bestimmten  Concessionon,  einander 
zu  zeigen.  Wir  sahen,  wie  eine  leise  Neigmig  zu  Zugeständnissen  sieh  in 
der  Union  vor  dom  Reichstag  geltend  machte : aljer  am  Keich.stag  selber 
machte  die  Union  nur  den  Unterschied  zwistdien  Ansprüchen,  die  sofort 
zu  Itefriedigen,  und  solchen,  die  sjiäter  zu  behandeln  seien;  in  ihren  .An- 
sprüchen sellier  eine  Herabminderung  eintreten  zu  lassen,  schien  ihr  nicht 
zeitgemäss.  Wie  innerhalb  der  Union,  so  hatte  auch  im  Kreise  der 
Liguisten  die  Politik  der  Niudigiebigkeit  ihre  Vertreter : aber  die  schroffe 
Haltung,  welche  die  Unirten  von  vornherein  einnaiimen,  verschaffte  den 

1)  SachMD^Cobarg  (vgl.  Hiberlin  •ä<nkcob«rg  XXIIl  8.  Adiu.)  protectlrte  nicht  mit  ileo 
Gorrespondirenden,  sondern  Air  sich  allein;  ebenso  Mecklenburg.  Holstein  schloss  sich  den  Correspon' 
direoden  an.  (Dohna  Oct.  21,  22.) 

2)  Dohna  Oct.  20,  21. 


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146 


starren  Vertreteni  des  Hechtsstandpunktes  das  volle  Uebergewicht.  Iin 
kaiserlichen  Kath  hatten  die  Unversöhnlichen  einen  Veilreter  ihrer  Sache 
im  Vicekanzler  von  Ulm ; dem  trat  entgegen  der  Bischof  Klesl.  der  mit 
seiner  aufdringlichen  Beredsamkeit  immer  von  Verständigung  und  Ver- 
söhnung redete,  schliesslich  jedoch  — sei  es  aus  eigener  Ineonsequenz, 
sei  es  aus  Scheu  vor  den  katholischen  Ständen')  — vor  jedem  ent- 
scheidenden Zugeständnisse  zurückschrak.  Gerade  an  ihm  zeigte  sich 
denn  auch  die  wahre  Natur  dieser  l'erlmndlungen.  Die  katholische  Partei 
erfüllte  sich  mit  Misstrauen  gegen  ilm  als  einen  halben  Verrätlier;  die 
Protestanten  sahen  schliesslich  in  ihm  einen  Betriiger,  der  nicht  anders 
denke  als  Ulm  und  gj-össeren  Hass  verdiene  als  dieser. 

Trotz  dieses  kläglichen  Misslingens  blieb  der  Geilanke,  welcher  die 
Verhandlungen  des  Heichstags  beheiTscht  hatte , auch  in  den  folgenden 
Jahi-en  lel)endig.  Der  Plan  der  Comjiosition  war  für  Klesl  in  den  ver- 
wickelten Gängen  seiner  Politik  nach  wie  vor  das  l>estimmcnde  Ziel;  in 
dem  Vorte  (’omposition  war  für  die  Unirten  die  Forderung  befa.sst.  welche 
ihnen  Kaiser  und  Heich  vor  jeglicher  lau.stung  ihrereeits  zu  erfüllen  hatten. 
Erst  als  Klesl  gestürzt  war,  und  gegen  den  Böhmenkönig  Friedrich  V. 
das  grosse  katholische  liündniss  den  Krieg  eröffnete,  trat  jener  Plan  vor 
den  Katastroplu‘11  zurück,  ilie  nach  seinem  Scheitern  kommen  mussten. 

1)  Dohna  b«2deltnet  (zum  10.  Oct.)  die  «inmal  neu  die  kaUerlichen  RütlN}  suclteti  verj^eb^ 
lieh  die  ^'cistltchen  Korfürsteii  zur  Nach^ebigkeit  zu  bewegen.  Diese  wollen  nicht  einmal  zugeben, 
dass  der  Kaiser  ..seinem  reiehshofrat  behehle,  einzuhalteo,  bis  man  mit  unsem  graTamintbus  hordurch 
kaeme.  Drüber  erzherzog  Mai  die  bend  gehen  lioase  uml  »ahe,  das  nichts  zn  verrichten  sein  wurde.” 
Vergebliche  Mahnungen  an  die  Gegenpartei  zum  Nachgel^en.  »So  stunden  wir  gegen  einander  wie  zwei 
böcke.  die  nietnant  weichen  wollen.”  — Ich  bemerke  bei  dieser  Gelegenheit  Qbrigens  nochmals,  dass  ich 
die  Stellung  der  Unirten  am  Reichstag  schildere,  nicht  aber  auf  die  Vorgänge  im  Kreise  der  katho- 
lischen Stände  und  auf  die  Beziehungen  zwischen  ihnen  und  dem  Kaiser  eingehe 

2)  Vgl.  die  Aeusserung  über  ihn  in  Beil.  IX.  Dohna  bemerkt  hier  ihn  (Oct.  14.):  Klesl  soll 
gL^agt  haben,  er  habe  bewirkt,  dass  die  gehorsamen  Stände  dem  Kaiser  soviel  bewilligt  haben,  und 
er  wolle  es  noch  höher  treiben.  Die  f.^rrespondirenden  werden  »och  froh  sein,  wenn  man  sie  zu 
Gnmlen  annchme.  ,Got  wirt  dem  falschen  pfnffen  seine  untrew  bczalen ; den  er  zu  Frankfurt  gesagt, 
man  solle  den  kerern  nur  viel  Zusagen,  d&rfte  man  doch  nit  alles  halten.  Das  hat  er  nun  wol  prao 
ticirt.  den  er  nf  eine  suche,  die  preees  priniarias  Caesaris  im  enatilft  Magdeburg  bctrafle.  Ift  decrcta, 
des  Kejsers  ausgegeben,  da  es  doch  nur  einer  haben  kQnfe.  Christian  von  Bellin  batte  eins  davon, 
wurde  aber  vergebens  umbgefQrt  mit  grosser  schand  des  Keisers,  welcher  uf  des  ehurfbrsteo  von 
Brandenburg  intcreession  sein  wort,  hant  und  siegel  weggeben,  und  dieser  lumpenp&f  wolt  »las  retrac- 
tiren!  Kr  hat  vergessen,  dass  sein  brnder  sich  ex  desperatione  gehenkt.  Kr  sehe  zu,  das  wie  er  aus 
oinoni  becker  zum  fürsten  W'orden,  das  er  nit  ans  dem  bisehtntn  auch  an  den  galgon  komme/* 


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Beilagen. 


I. 

Die  Deeandtechafi  Dunderols  an  Anapaeh  and  Anhalt. 

Meine  Hanptquelle  der  Gesandtschaft  Gunderots  ist  da.s  Protocoll  eines  von 
Anhalt  in  Stottgart  Torgetrageueu  Berichtes.  (Stuttgart.  Uniousacta  X f.  113.)  Das 
Acteustück  ist  nndatirt,  gehurt  aber,  wie  sich  unten  zeigen  wird,  zwischen  den 
30.  Juni  und  ü.  Juli.  Ich  lasse  es  z.  Th.  wörtlich  folgen  : 

F.  Christian  von  Anhalt:  „hah  sich  bei  i.  f.  g.  wollen  ein.stellen  aus  dem 
lant  zu  Gulich  und  commnniciren , sonderlich  suasn  Anspach.  Sei  oberst  von 
Gunterot  uf  der  post  zu  Nürnberg  ankonuncn  und  begert,  mit  i.  f.  g.  zu  reden,  auch 
schreiben  zugestelt  und  mündlich  angezeigt.  Dergleichen  auch  bei  Auspach  ge- 
schehen.“ Gunderots  Werbung:  kaiserlichen  Grass  und  Gnade  für  Anhalt.  „Obschon 
allerbant  Vorkommen,  so  i.  M.  misfellig,  sol  eich  doch  dessen  nicht  hindern  lassen. 
Wolte  viel  schuldig  sein,  das  i.  f.  g.  consiliis  vor  zwei  jaren  gefolgt  betten.“  Anhalt 
und  Anspach  mögen  beim  künftigen  Uuionstng  das  befördern,  „was  i.  M.  notturft  er- 
fordere.“ Gegenüber  falschen  Berichten  mi^n  sie  denjenigen  annehmen,  den  ihnen 
der  Kaiser  wolle  abstatten  lassen,  und  dabin  sehen,  dass  der  Kaiser  mit  seiner  und  des 
Reichs  Reputation  aus  der  Gefahr  komme.  „Das  weiten  sie  in  acht  uemen,  das  man 
i.  M.  nichts  anmuten  wurde  können  pro  imperio,  das  sie  nnderlassen  (?)  werde,  und 
das  i.  ^L  mit  den  evangelischen  in  vertrenlichem  wesen  stehen.“  — Gunderot  scbliesst : 
„hab  auch  keiner  kaiserlicher  gesanter  sein  wollen ; doch  betten  sie  (i.  M.)  im  die 
stel  praesentirt,  so  er  letzlich  angenommen.“ 

Anhalt  erwiderte:  er  werde  das  .\ubringen  der  Union  mittbeilen,  bitte  aber  um 
eingehendere  schriftliche  Mittheilung  des  „inhalts  legationis.“  Der  Unionstag  sei 
snspendirt,  werde  aber  bald  vor  sich  gehen.  Wenn  dann  der  Kaiser  demselben  eine 
Werbung  vortragen  lassen  wolle,  so  werden  sich  die  Unirten  zu  seiner  Zufriedenheit 
erklären,  und  er  (Anhalt)  sich  auFs  beste  dafür  verwenden.  Der  Fürst  erinnerte 
darauf  an  seine  Gesandtschaft  und  .^Vorstellungen  von  IbU9. 

Gunderot  wollte  nichts  schriltliches  von  sich  geben : ,.hetten  i.  M.  viel  mit  im 
communicirt,  welches  bedenklich  anzuzeigen.  Aber  soviel  vermelt,  das  i.  M.  gezwungen 
weren  zu  dem,  was  mit  dem  koiiig  geschlossen.  Hetten  sie  mit  .Soldaten  verwacht, 
Abh.  d.  UI.  CI.  d.  k.  Ak.  d.  Wi»s.  XV.  U.L  II.  Abth.  29 


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148 


auch  die  raet,  fo  zu  i.  M.  pereou  gehen  wollen,  uf  i.  M.  pereon  inquiriren  hi.«i«u 
lind  aber  schweren  listen  und  ducken'  verhört,  welches  doch  in  ir  herz  nit  kommen. 
Daminh  konten  sic  (sich)  bei  solchen  falschen  leuteu  nicht  lenger  nfhalten.  Darauf 
sich  lamentirt  wider  den  konig:  regire  ubeler,  als  zuvor  am  kaiserlichen  hofgeclagt; 
hette  den  Bohemen  noch  nicht  volzogen,  was  sie  inen  zugesagt;  Hessen  den  Clösel 
das  factotuni  sein.“  Die  ganze  Umwälzung  sei  vom  Papst  und  von  Spanien  in’s  Werk 
gesetzt : „wollen  gravamina  wie  zu  Graitz  im  reich  aniahen.“  Die  böhmischen  Stände 
la.ssen  sich  schon  verlauten,  „wen  es  nicht  anders  werden  wollte,  konten  sie  lieim 
konig  nicht  bleiben,  sonderlich  graf  von  Turn.  Hab  konig  die  papistische  raet  be- 
halten  Die  stellt  in  Oesterreich  weren  diffident  unter  sich,  und  betten  i.  M. 

inen  befohlen  anzuzeigen:  obsebon  i.  M.  den  vertrag  vor  drei  jaren  gemacht,  das  doch 
konig  darwider  practicirt  und  itzo  ins  werk  gericht,  alles  zu  dem  end,  da-s  sie  ira 
zut  crou  Bohemen  verhelfen  werden;  welches  \V.  Kinski  mit  statlicher  recompens 
vergolten,  hingegen  andere  nichts  bekommen ; hab  also  der  konig  nicht  candide  umb- 
gangen  mit  der  Sachen.“  — Schliesslich  Bitte:  „weil  i.  M.  so  gar  verlassen,  sollen 
i,  f.  gg.  (Anhalt  und  Anspach)  zn  derselben  kommen  nach  Prag.“ 

Anhalt  entschuldigte  sich.  Anspach  erwiderte:  „mau  müsse  wissen,  zu  was  ent 
sie  gefordert  wurden.“  Er  wolle  auch  den  ünionstag  nicht  versäumen.  „Hette  auch 
konig  vertreulich  mit  Anspach  communicirt,  darum  weren  auch  i.  f.  g.  nicht  unge- 
neigt  hinein  zu  reisen,  doch  wollen  sie  sich  nichts  obligirt  haben.“  Der  Markgraf 
bittet  den  H.  WOrtemberg  um  sein  Gutachten. 

Soweit  das  Protocoll.  Die  Mittheilungen  desselben  werden  ergänzt  durch  eine 
auf  Gunderots  Werbung  gegebene  Resolution  Anspachs  und  Anhalts  (Berlin.  Unious- 
acta  XXH):  lieide  Fürsten,  so  heisst  es  darin,  lialjeu  dem  Gesandten  .\nleitung  ge- 
geben, „wie  e.  Kai.  M.  sich  nachmals  der  noch  vorstehenden  versaramlnng  etzlicher 
unirter  chur-  und  fürsten  in  kurzem  sich  liereit  zu  machen,  das  dun  vielleicht  mit 
gesanibtem  rat  und  zuthun  e.  Kai.  M . . . satisfactiou  widerfareu  könnte.“  Was  die 
Person  beider  Fürsten  angebt,  so  erklären  sie  sich  jederzeit  dem  Kaiser  zu  Diensten 
bereit.  — „Onolzbach  den  20.  Junii  a.  Kill.“  — Am  5.  Juli  schreibt  daun  Anhalt 
aus  Heidelberg  au  Anspach:  er  habe  Gunderots  Anbringen  dem  H.  Würtemberg  mit- 
gethcilt,  der  mit  dem  Inhalt  nicht  einverstanden  sei  aus  Rücksicht  auf  K.  Matthias. 
Gleiche  Mittheilnng  habe  er  dem  Admin.  Pfalz  gemacht.  Noch  keine  Antwort.  — 
„Heidelberg  den  25.  .lunii  a.  ICH  “ (Berl.  Unionsacta  ad  tom.  XII.)  — Am  6.  Juli 
schreibt  Anhalt  an  Anspach:  Würtemberg  ist  ,,gauz  passionato  anf  des  Malthiae  seiten, 
und  solches  aus  anstiftuug  des  Ueitskoflers.“  Anspach  könnte  dem  Gnnderot  schreiben, 
wenn  der  Kaiser  mit  ihm  vor  dem  Ünionstag  couferireu  wolle,  so  müsse  er  ihn  Ixild 
erfordern,  — „Heidelberg  den  2(i.  Junii  a.  Kill.“  (.4.  a.  0.)  — Uebrigens  hatte 
Gunderot  den  Mgr.  Anspach  auch  ersucht,  bei  dem  vorstehenden  tränkischen  Kreis- 
tag mit  den  andern  Ständen  zu  berathen,  wie  der  Kaiser  mit  seiner  und  des  Reichs 
Reputation  aus  seiner  Gefahr  baldigst  zu  retten  sei.  (Anbringen  G.’s.  Unionsacta  XXII.) 


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II. 

Die  GeBanütschaft  Gnndackera  TOn  Pollieiiii. 

1611  Auf^nst  12.  — Vortrag  vor  der  Roteuburger  üiiiousrer- 
sa  mm  lang.  (Cop.):  Bericht  Ober  des  Matthias  Zug  gen  Prag:  der  König  von  den 
böhmischen  Ständen  gegen  die  Pussaner  zu  Hülfe  gerufen,  zögerte  drei  Wochen,  bis 
er  sein  Volk  sandte,  fUuf  Wochen,  bis  er  auf  neue  vermöge  „der  ufgerichten  com- 
pacten“ angebrachte  Mahnung  der  böhmischen  Stände  persönlich  aufbracfa.  Ks  sollte 
eben  nicht  „einer  begierd  regnandi , oder  das  sie  sich  in  das  königreich  eindriugen  . . 
wollten,  gleich  sehen.“  Daranf  Kinladung  des  Kaisers,  und  einige  Tage  später  ,,one 
allen  deroselben  (des  Königs)  gedanken“  Äutraguug  der  böhmischen  Königskröuiiiig 
durch  denselben  mit  Vorbehalt  der  Regierung  für  den  Kaiser.  Matthias  antwortete: 
„weiln  8.  k.  w.  nicht  wüsten,  warumb  .sie  von  den  staenden  bernffen  worden,  wolten 
sie  solches  vemenimen,  i.  Kai.  M.  und  den  andern  aber  keine  Ordnung  geben,  wie  sie 
sich  der  cron  und  regiments  halben  vergleichen  wurden.“  Die  holimischen  Stände  er- 
klärten ,,auf  erforderung"  (we-ssen?):  sie  würden  „denjenigen  weg,  welchen  ihnen  die 
compactata  zeigeteu,  furneiumen,  auch  ire  notturft  bei  i.  Kai.  ,M.  Selbsten  handlet).  Und 
haben  sich  i.  k.  w.  weitter  nicht  (viel)  oder  wenig  in  disem  werk  angenommen.“  Aus- 
schreibung des  Landtags  durch  den  Kaiser  und  dessen  Beschlüsse.  Krönung  des 
Matthias.  Es  waren  noch  „etliche  absonderliche  puncten“  zwischen  dem  Kaiser  und 
Matthias  zu  vereinbaren.  Aber  der  Verhandlung  darüber  entzog  sich  der  Kaiser  erst 
vor  daun  nach  der  Krönung;  er  hat  ..endlich  auf  Regenspurg  zu  verraisen  und  alda 
zu  residieren  sich  erklaert.“  Dieses  Verhalten  von  friedhässigen  Leuten  angerathen. 
Mit  äusserster  Muhe  bewog  der  König  eudlicb  den  Kaiser  zur  Vornahme  der  Ver- 
handlung. Der  König  entliess  gleichzeitig  seine  Trappen  bis  auf  einige  Hundert. 
Stand  der  Verhandlungen  zwischen  Kaiser  und  Matthias.  Während  derselben  Al>- 
dankung  der  Passauer. 

Der  König  ersucht  nun  die  ünirten  : sie  mögen  „solch  i.  k w.  Intention  gut 
heissen.“  Wenn  der  Kaiser  die  letzten  Vorschläge  des  Matthias  nicht  annehmen, 
sondern  wider  den  Ratbschlägen  friedhässiger  lieute  folgen  sollte,  so  mögen  die 
Unirten  dem  entsprechenden  Vorstellungen  nngehört  des  Königs  keinen  Glauben 
schenken,  souilern  für  Erhaltung  und  Beförderung  „brüderlicher  lieb“  eintrcten.  Sollte 
endlich  der  Kaiser  den  König  oder  seine  Lande  feindlich  angreifen,  so  mögen  die 
Unirten  ihm  auf  sein  Gesuch  Beistand  leisten.  Anerbieten  und  Bitte  um  Fortsetzung 
der  guten  Correspondenz  des  Königs  mit  den  ünirten.  (Stuttgart.  Unionsacta  X f.  463.) 

AntwortderUnirten  (Aug.  16):  der  König  wird  in  der  gütlichen  Verhandlung 
mit  dem  Kaiser,  die  er  zu  gutem  Ende  zu  bringen  suchen  wird,  sich  alles  gebührlichen 
Respectes  gegen  den  Kaiser  betleissigen,  besonders  auch  es  so  einzurichten  suchen,  dass 
der  Kaiser  seine  Residenz  in  Prag  behalte  und  einen  ihm  vielleicht  schädlichen  ürt- 
nnd  Luftwechsel  vermeide.  Der  König  bat  guten  Erfolg  zu  erwarten,  wenn  er  die  gOt- 

20* 


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liehe  Handlung  mit  Khrfurcht  und  Mdssigung  weiter  führt.  Deshalb  mid  da  „die 
•Sachen  in  dem  königreich  Büfaeimb  de.s  Passaiiwischen  kriegsvolks  halben  zue  etwas 
sieherm  zuestant  kommen , wird  es  w«l  der  hievor  vcrtrö.sten  assistentz  berürts . . 
kriegsvolks  halben  ferner  nicht  bedörfen“,  zumal  auch  der  Kaiser  friedlichen  Ilath- 
scliliigen  folgen  wird.  Fortsetzung  der  guten  Correspendenz.  (f.  409.) 

Neben  der  üuionsversaramlung  scheint  Polheim  auch  die  Fürsten  einzeln  an- 
gesprochen  zu  haben.  Der  H.  Würtemberg  erlheilt  ihm  am  20.  August  folgende 
.Antwort:  der  König  hat  geiiaukt.  „das  i.  k.  w.  einer  assistcuz  wider  das  Pa-ssauische 
kriegsTolk  von  i.  f.  g.  von  disem  vertröstet  worden.“  — Die  Erledigung  der  von  den 
Dnirten  geklagten  Beschwerden  hat  der  Kai.ser  auf  den  vorstehenden  ChurfTirstentag 
verschoben.  Der  König  wird  sich  Ijemtthen,  dass  diese  Sache  „mit  der  Kai  M.  belieben“ 
in  gedeihlicher  Weise  erledigt  werde.  Der  Herzog  wird  in  gleichem  Sinne  arbeiten  und 
seine  Correspondeuz  mit  dem  König  fortsetzen.  Hierbei  die  Mahnung,  der  König  möge 
in  diesen  und  ähnlichen  Sachen  „sich  schaetlicben  und  bösen  raeten,  welche  der  re- 
ligion  Augspurgischer  confession  and  deren  ruhe  vor  andern  übel  affectionirt,  nicht 
zu  viel  vertranen,  damit  solche  vertreuliche  correspondenz  desto  sicherer  nnd  besser 
vortgesetzt  werden  könne,  inmassen  solches  und  mer  anders,  was  i.  f.  g.  mit  dem 
hern  königlichen  gesanten  vertrenlich  und  ganz  wolmeinent  weiters  muntlichen  cora- 
mnuicirt . (er)  mit  fleiss  zu  referireu  wi.ssen  würt.“  (f.  210.  C’pt.) 


III. 

Die  kaiserliche  Gesandtschaft  ziim  Nfirnberger  KnrfOrstentag. 

» 

lieber  die  Anträge,  welche  er  au  den  KurfUrstentag  bringen  wolle,  spricht  sich 
der  Kaiser  schon  am  I.  Juni  in  einem  Schreiben  an  Kurmaiuz  aus  (Stuttgart. 
Cnionsacta  X f.  I.ü3);  er  wolle  proponiren  lassen:  1,  wie  das  kurfürstliche  Collegium 
„widernmb  ergentzet  und  vereiniget,  2.  mein  regiment  tauglich  wider  ersetzt  und 
gebessert,  und  3.  wie  der  jüngst  verschobene  reichstag  entweder  reassumirt  oder  durch 
neuen  consens  der  churf.  11.  ausgeschrieben,  auch  schliesslich  andere  mer  suchen . . befür- 
dert  werden  möchten.“  — Die  .4uflrüge  des  Markgrafen  von  Anspach  sind  zunächst  aus 
seinem  Vortrag  vor  der  Kurfnratenversainmlung  (Nov.  3.  Berlin.  Cnionsacta  ad  tom.XII) 
zu  entnehmen;  1.  Eifer  des  Kaisers  für  Herstellung  der  Eintracht  im  Reich,  Abstellung 
der  gravaiuina,  Aufrichtung  der  Justiz.  Erbittet  sich  Vorschläge  der  Kurfürsten  zur 
Erzielung  dieser  Reformen.  — 2.  Üble  Behandlung  das  Kaisers,  besonders  durch  die 
böhmischen  Stände.  Die  Kurfürsten  mögen  dieselben  zu  grösserm  Respect  gegen  den 
Kaisers  weisen.  — 3.  Der  im  Vergleich  des  Kaisers  mit  Matthias  für  erstem  ansgesetzte 
Unterhalt  leicht  nicht  für  den  Hofstaat,  geschweige  denn  zur  Ablegung  der  im 
ungrischen  Kriege  gemachten  groasen  Schulden.  In  diesem  und  den  andern  schon 
von  dem  vorigen  kaiserlichen  Gesandten  vorgetragenen  Piincten  mögen  die  Kurfürsten 
sich  des  Kaisers  in  seiner  Drangsal  so  annehmen,  dass  ,.i.  M.  sich  bei  denjenigen,  da 


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»ip  sich  noch  zur  Zeit  licfimlei).  merern  rcsjied*  inskünftig  zu  KPtrösten.“  — Üim«*n 
Vortrag  nbersendet  Anspacli  am  selbigen  Tag  dem  Kaiser  und  iiemerkt  dazu:  die  ihm 
„anfgetragene  andere  geheime  suchen“  wird  er  den  Kurfürsten  einzeln  vortragen,  wie 
er  heute  bei  Mainz  den  Anfang  dazu  gemacht  hat.  Der  Krzbischof  hat  die  Sachen  zu 
Bedeuken  genommen.  — Den  Inhalt  dieser  geheimen  .Aufträge  entnimmt  man  aus 
der  von  Anspach  aufgezeichneteu  mtlndlichen  Krklüruug  des  Krzb.  .Mainz,  folgenden 
Inhalts:  1.  hetretl’end  den  taslauerlichen  „zn.staud"  des  Kaisers  sieht  der  Krzbischof  es 
für  ilnrchans  unräthlich  au , „von  vorigem  vertrag  abzuschreitten“  und  so  „fernere 
numhe  zu  beginnen,“  Er  erinnert  an  die  vom  Prager  Eörstenlag  ertheilteu  Kathschläge. 
2.  Die  ..aasecuration  des  depntata“  hält  der  Erzbischof  für  nöthig.  3.  Die  Kesidenz 
steht  in  des  Kaisers  freier  Wahl.  Zu  erwägen  gibt  der  Erzbischof  aber,  ob  nicht  ein 
schlesischer  reichslehenbarer  Ort  gewählt  werden  sollte,  „damit  dieselbe  (Kai  M.)  nit 
so  stracks  ins  reich  kommen  möchten  “ d.  Die  „voruemhete  Sachen“  des  Kaisers  wird 
ihm  jeder  Reiohsstand  gern  in  Verwahr  nehmen.  5.  Die  spanische  (iesandtschaft  bat 
den  andern  Kurfürsten  nichts  anderes,  soweit  man  vernommen  hat.  angebracht  als  beim 
Admin.  Hfiilz.  (Empfehlung  der  Wahl  des  Königs  Matthias,  wenn  die  Wahl  eines  röm. 
Königs  mit  Zustimmung  des  Kaisers  vorgeuonmien  wird.)  6.  Kur  diskursweise  be- 
merkt der  Erzbischof:  wenn  das  nngrische  Kriegswesen  wider  aiigeheii  sollte,  „were  es 
billich,  wen  das  reich  denselben  krieg  Itireu  mUste,  das  alsdann  auch  i,  M.  als  dem 
hanbt  die  directiou  zustUode  und  verbliel«:.“  — Dass  der  Alarkgraf  seine  Werbung 
auch  bei  andern  Karfdrsten  verrichtete,  ergiebt  sieb  aus  tiebreibeu  von  Kiirpfalz 
und  Kurtrier  an  den  Kaiser.  (Nov.  22.  Berlin.  Unionsacta  ad  tum.  XXIV.) 

IV. 

Der  Nöriiberger  Kurflirsteiitag. 

Heber  die  Verhandlungen  des  Kurförsteutags  soweit  sie  nicht  mit  der  Nach- 
folge zosanunenhingen , berichtet  der  .Administrator  von  Knrpfulz  an  Würtemberg 
folgendes  (Dec.  lU.  Stuttgart.  IJnionsacten  XI  f.  1007):  I.  hinsichtlich  der  Beschwerden 
über  das  Kammergericht  nnd  den  kaiserlichen  Hof,  welche  alle  vor  zwei  .lahren  von 
der  Union  vorgetragenen  Beschwerden  umfassen,  drangen  die  geistlichen  Kurfürsten 
auf  Rea-ssumlioii  der  I59S  beschlossenen  ausserordentlichen  Vi.sitation:  Kurpfalz  und 
Brandenburg  verlangten  Wideranfnahine  der  ordentlichen  Visitationen  „hindangesetzt 
des  wegen  Magdenbnrg  hiebevor  erregten  Streits,“  nnd  mit  Aussetzung  der  vier 
Klostersachen  zu  gütlicher  A'ergleichung.  Schliesslich  setzte  die  Majorität  im  W'ider- 
sprnch  mit  Pfalz  und  Brandenburg  den  Iwi  dem  Kurfürstentag  von  IbOti  ventilirten 
Beschluss  dnroh,  dass  in  den  vier  Klostersachen  vom  Kamiiiergericht  die  Acten  nebst 
Bericht  über  die  EntscheiduugsgrUnde  eiugefordert , und  von  einem  nächsten  Kur- 
fürsten- oder  Reichstag  erwogen  werden  solle , ob  dem  Recht  und  der  Billigkeit 
gemäss  genrtheilt , and  das  gefürchtete  Präjudiciiun  wirklich  vorhanden  sei.  Der 
Kaiser  ist  demgemäss  ersucht , das  Kamiiiergericht  zur  Einsendung  liesogler  Schrii)- 


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1&2 


Stücke  an  die  Mainzer  Kanzlei  aufzuforderu.  — lieber  die  sonstigen  Beschwerden 
und  Verbesserung  der  kaisei  liehen  Regierung  hatten  die  kaiserlichen  Comniissarien 
sellrer  eine  Proposition  vorgetrageu.  Die  geistlichen  Kurfürsten  und  Sachsen  be- 
zogen sich  auf  das  vom  Prager  Convent  dem  Kaiser  abgestattete  Bedenken.  Einer 
abermaligen  Ueberreichung  desselben  stimmten  Pfalz  und  Uraudenbnrg  zu  unil  ver- 
langten vergeblich  einen  Zusatz  betrelTenii  die  „maessigung“  der  Hofprocesse  nach 
Mussgabe  der  Kammergerichtsordnung.  Knrpfalz  und  Kurbrandenbnrg , bei  ihren 
Anträgen  vielfach  überstimmt,  haben  sich  ausdrücklich  Vorbehalten,  dass  den  evan- 
gelischen Ständen , besonders  in  den  vier  Klostersachen , durch  die  Verhandlungen 
des  Knrfürsteutags  keinerlei  Präjudiz  zngezogen  werde.  Mit  Beziehung  auf  die  Be- 
stimmnng  des  lloteuburger  Tags  über  eine  nach  dem  KnrfQrstentag  zu  haltende 
Versammlung  der  nächst  wohnenden  Unirten,  schlägt  nun  der  Administrator  vor, 
dass  vor  dein  nächsten,  zwischen  Ostern  und  Pfingsten  zu  haltenden  Kurfürsten- 
oder  Reichstag  ein  Unionstag  gehalten  werde,  zn  Besclilussfassang,  was  bei  dieser 
Sachlage  die  evangelischen  Stände  zn  thnn  haben,  besonders  in  den  Klostersachen.  — 
Ueber  die  Evangelischen  in  .Aachen  und  Cöln  ist  nichts  vorgekommen,  nach  von  pfälzi- 
scher Beite  nichts  augeregt,  da  der  Kaiser  „die  achtamandata  (gegen  Aachen)  zu  su- 
spendireu  Vertröstung  gethan  haben  sollte.“  2.  Oer  Kaiser  und  der  König  von  Ungarn 
haben  ihren  „allerdings  volzogenen"  Vergleich  berichten  lassen,  und  sind  von  den  Kur- 
fürsten zn  getreuer  Haltung  des.selbeu  ermahnt,  „wiewol  mit  ansneminung  dessen,  was 
etwan  wider  versehen  dem  reich  an  seiner  gerechtsamh  und  libertet  dardureb  künftig 
praejudiciren  möchte.“  Der  Oedanke,  die  R<!siden7.  aus  Böhmen  nach  Dentscbland  zu 
verleben,  der  den  Unirten  beim  letzten  Unionstag  solche  Sorge  machte,  wird  unter  diesen 
Umständen  dem  Kaiser  vergangen  sein.  — Ein  Gesuch  des  Kaisers  nm  ,,eine  contribu- 
tion  und  zneschuss  zu  dero  nnderhalt“  ist  z.nr  Beliebnng  sämmtlicher  Btiinde  verwiesen. 
3.  Bezüglich  Donanwörths  trugen  die  in  l’rag  gewesenen  Kurfürsten  den  dort  vorge- 
brachten Vorschlag  vor.  während  Pfalz  und  Brandenburg  auf  der  kaiserlichen  Resolu- 
tion betreffend  die  Restitution  bestanden.  Die  Majorität  entschied  sich  für  noch- 
malige Erinnemng  obigen  Vorschlags  an  den  Kaiser.  Baiern  ist  auf  Klagen  der 
verbannten  Donauwörther  ersucht , er  möge  die  Douauwörther  „über  die  aussönung 
mit  neuwem  thaetlichem  vornemeu,  und  sonderlichen  wider  den  religiou-  und  profan- 
frideu  nit  beschweren  lassen.“  — 4.  Kursnehsen  schien  „der  nnion  etwas  mer  als 
etwan  vor  disem  atfectionirt,“  so  dass  „sich  zum  wenigsten  zue  derselben  keines  wide- 
rigen  zu  versehen  sein  dürfte.  — 5.  Einen  baldigen  Reichstag  hat  man  für  nötbig  er- 
achtet und  beschlossen,  einen  solchen,  wenn  der  Kaiser  darum  nachsuche,  zu  bewilli- 
gen, dabei  aber  den  Kaiser  zu  erinnern,  er  möge  einen  gedeihlichen  Fortgang  des 
Reichstags  dadurch  anbabnen,  dass  er  „den  bishero  vorgewesenen  difficulteten  abhelfe.“ 
— Itatnm  uf  der  Rehehfitten  den  6.  Deceiubris  a.  1611. 

Für  die  Nachfolgeverlmudltingeu  vergleiche  mau  die  Acteustücke  bei  Hammer 
II.  n.  3S0,  361  ; ferner  Gindely  II.  S.  318.  und  l>esonder8  die  kaiserliche  Resolution 
au  die  kurfürstlichen  Gesaudfeu  vom  25.  (oder  23  ?)  Nov. , bei  Londorp  I.  S.  98. 


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153 


(vgl,  Uiutlely  II.  S.  321  Aam.  2).  Der  bei  Loudurp  a ii.  O.  gedruckte  Auär-iig  der 
Werbung  der  kurfürstlichen  Gesandten  widerspricht  in  allen  Puncten  den  wirklichen 
Bc.scbiU.s8eu  des  Kurlurstenlags.  Man  möchte,  wenn  er  überhaupt  auf  einem  authen- 
tischen Actenatiiek  beruht,  verinuthen,  dass  i-s  ein  besonderes  .Aiibringen  Anspachs 
oder  des  zu  der  kurfürstlichen  (ieaandtschaft  gehörigen  Cainerarins  (llindely  II  S.  320) 
ist.  Zur  fernem  hirlänteruiig  der  fraglichen  Verhandlungen  gebe  ich  folgende  zwei 
Acten.stücke : 

I.  Rudolf  II.,  Instruction  für  den  R eic  h sbo  f r at  h Khreufried. 
Frh.  Miukwiz  an  Chursachsen  (Kill  December  15.  Iterlin.  Uuioiisacteu  ad 
lom.  24.  Cop.):  der  Kaiser  hatte  geglaubt,  der  N0rnl)erger  Kurfiirsteutag  habe  ihn  aus 
seiner  Soth  erretten  und  vor  allem  auf  seine  Proposition  antworten  sollen.  „Befinden 
aber,  das  man  nur  mit  der  succession  seie  uinbgangen,  und  uns  durch  andeutnng  eines 
hantbriefieins,  so  man  uns  znstellen  sollen , fast  zur  resolntion  gedrungen.“  Das 
gleicht  dem  vom  K.  Matthias  gegen  den  Kaiser  eingeschlageneu  Zwangsverfahren. 
Hätte  mau  dem  Kaiser  „die  sache  recht  vorgehracht“  und  ihm  „die  deliberation  heim- 
gestellet,“  so  würde  er  sich  „halt  ans  gutem  freiem  willen“  zur  Zufriedenheit  der 
Kurfürsten  erklärt  haben.  Und  „wan  man  uns  gar  zur  dank.saguug  der  ausgestan- 
denen schweren  mühe  und  arbeit . . die  benennuug  der  person  ans  unserem  hau.s 
Oesterreich  heimgestellet,  betten  wir  auch  niereren  trost  als  also  in  un.serer  trilm- 
lation  empfinden  mögen.“  Bei  der  gegenwärtigen  Sachlage  bittet  der  Kaiser  den 
Kurfürsten  nur  noch,  er  möge  sich  verwenden,  „damit  wir  in  dieser  Sachen  nicht 
übereilet,  oder  ja  zum  wenigsten  solche  bis  nach  dem  reichstag,  an  welchem  uns 
und  dem  heil,  reich  viel  mer  gelegen  ist,  verschoben,  und  volgends,  wan  es  nicht 
anders  sein  kann,  zu  solcher  wal  mit  seinen  gebürenden  re4|uisitis  geschritten  werde.“ 
Nicht  weniger  hat  es  den  Kaiser  bestürzt,  dass  zu  der  Wahl  sclion  ein  Tag  be- 
stimmt sein  soll.  Derartiges  soll  „billich  mit  unserer  approl)atiou  beschehen.“  Der 
Kurfürst  möge  also  in  Sachen,  „die  wider  uns“  sind,  nicht  einstinimen , sondern  es 
dahin  richten , „das  derselb  conventus  bis  nach  dem  reichstag  beruhen , und  wir 
die  person  aus  uuserm  haus  andeuten  mögen.“  Der  Kaiser  wird  sich  dann  zur  Zu- 
friedenheit erweisen.  Der  Kurfürst  empfängt  die  Bestätigung  des  Jüterbocker  Ver- 
trag.s , aber  mit  der  Erinnerung,  das,s  er  dafür  dem  Kaiser  in  seinen  Angelegen- 
heiten überall  treulich  beizustehen  hat. 

II.  Johann  Georg,  Kurfürst  von  Sachsen,  Resolution  auf  die 
Werbung  von  Minkwiz  (1B12  Januar  3.  A.  a.  0.  Cop.):  der  Kurtürstentag 
zog  den  8uccessiouspunkt  vor  Ankunft  der  kaiserlichen  Commissarien  in  Berath- 
nng,  weil  er  ihm  unter  allen  Anliegen  des  Reichs  als  der  dringendste  erschien. 
Man  dachte  an  keine  Beeinträchtigung  der  kaiserlichen  Wörde.  Bei  .Abfertigung  der 
Gesandtschaft  au  den  Kai.ser  rechnete  man  darauf,  dass  er  seine  Znstimmung  — 
„inmassen  Jan  sulche  auch  von  e.  Kai.  M.  ervolget“  — nicht  versagen  werde,  und 
deshalb  befand  man  es  einhellig  für  gut , „sich  in  omneiu  eventnm  eines  waltags 


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154 


KU  vergleichen.“  Zugleich  gab  man  dem  Erzbischof  von  Mainz  Vollmacht  , dem 
Kaiser,  wenn  er  in  üblicher  Weise  um  die  Bewilligung  eines  Reichstags  nachsnebe, 
dieselbe  zu  ertheileu,  so  dass  der  Reichstag  gleich  im  .\uschluss  an  den  Wahltag  zu 
Frankfurt  gehalten  werden  küuue.  Es  ist  dem  Kurfürsten  unverständlich,  weshalb 
der  Reichstag  dem  Wahltag  vorausgehen  soll.  Da  „einmal  ein  coll^alschlnss  znm 
wal-  und  reicbstag  — doch  auf  angedentte  mass  — gemacht,  derselbe  von  meinen 
mitehurfUrsteu  und  mir  l>esigelt  und  unterschrieben,  und  iuhslts  der  charfüiatlichen 
und  von  mir  geschworenen  verein,  solchem  uiicbzukommen  gebürt,“  so  kann  der  Kur- 
fürst gegen  diese  Beschlüsse  nichts  erklären.  Warnung  vor  falschen  Einflüssen,  be- 
sonders vor  Zulassung  eines  Interregnum.  Die  Proposition  des  Kaisers  ist  von  den 
Kurfürsten  wol  beantwortet,  uud  die  Antwort  schon  vor  sieben  Wochen  den  kaiser- 
lichen Comniissarien  übergeben. 


V. 

Anspachs  Terhandlungeii  in  Prag. 

Nachdem  Anspach  am  II.  Jan.  dem  K.  Anhalt  gemeldet  bat,  er  habe  Iwim 
Kaiser  wegen  dessen  sich  bedenklich  anlassauder  Krankheit  noch  keine  Audienz  er- 
halten (Berlin.  Unionsacta  ad  tom.  24),  meldet  er  demselben  am  15.  Januar  (a.  a.  0.): 
Der  Kaiser  hat  ihm , dem  v.  .Minkwiz  nnd  Christoph  Pflug  — ..davon  der  herzog 
von  Braun.schweig  sich  abgesondert  und  es  seines  teils  a pari  zn  thun  erklaert“  — 
befohlen,  die  Relation  von  Dresden  (vgl.  Beil.  IV.  Sendung  des  Minkwiz)  abznbören 
und  ihr  Ontachten  darüber  zu  geben;  „welches  dan  von  uns  nnmer  beschehen,  nnd 
verhofl'eu  wir,  es  sol  nf  den  e.  l.  bewusten  scopnm  gerichtet  werden  kflnnen,  das 
nemlich  der  waltag  zurück,  oder  aber  doch  der  reicbstag  demselben  Vorgehen  möge.“ 
— Praga  den  6.  Jan.  1612.  — P.  S.  Vor  drei  Tagen  Ändienz;  fand  den  Kaiser 
sehr  schlimm,  „tellement  qn'ü  fant  proceder  d'une  autre  fai^ou,  |ms  si  senre,  comme 
si  on  ponrroit  parier  a.  s.  M.  mesmes.” 

Das  in  di(s<em  .Schreiben  erwähnte  Gutachteu  wird  von  Anspach,  Minkwiz  nnd 
Pflug  am  16.  Jan.  abgestattet.  Es  lautet:  auf  den  Antrag  der  Kurfürsten  l^trelfend 
Bewillignug  des  Wahltags  hätte  der  Kaiser  .statt  bestimmter  Erklärung  sich  Beilenk- 
zeit  aushalten  und  zugleich  bei  der  Uesa udtscbaft  aufragen  sollen,  ob  man  die  Be- 
willigung hei  ihm  als  Kaiser,  oder  zugleich  als  Kurfürst  suche.  Darauf  ging  des 
Markgrafen  eigenhändiges,  von  Hertel  übergebenes  Bedenken.  Weiter  hätte  dann 
der  Kaiser  eine  iTesandtschafl  an  die  Kurfürsten  schicken  sollen,  um  sie  zu  erinnern, 
wie  es  nach  kaiserlichen  Rechten  und  dein  Herkommen  bei  der  Wahl  eines  Nach- 
folgers twi  Lebzeiten  des  Kaisers  zn  halten  sei,  uud  um  zugleich  die  Bewilligung 
eines  Reichstags  nachzusuchen.  Erst  wenn  letztere  ertheilt  wäre,  hätte  er  „auf  einen 
ordentlichen  . . waltag  gncdigste  Vertröstung  geben  sollen.“  Vortheile  eines  solchen 
Voigeheus,  darunter  folgende;  ohne  des  Kaisers  Bewilligung  hätten  die  Kurfürsten 


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deu  K.  Matthias  zu  kmupm  Wahltag  berufpu  können.  E.s  würden  „dadurch  dero 
hem  brüder  ut  candidati  imperii  zu  mererm  und  grösserm  respect  gegen  e.  Kai. 
M.  angewiesen  worden  sein , sich  auch  aller  gemach  ad  snbniissionem  et  tacitam 
capitulationem  in  Zeiten  geschickt  und  augebeu  haben.“  Da  nun  aber  der  Kai.ser 
„in  verwilliguug  des  waltagcs  oue  gutten  rat  praecipitiret,“  so  handelt  es  sich  nun- 
mehr ilaruin,  „wassermassen  der  sacheu  am  fOglichsten  zu  helfen  und  zu  remediren 
seie.“  Nach  liecht,  Herkommen,  besonders  dem  Kaden 'scheu  Vertrug  von  1534 
wäre  der  Kaiser,  weil  die  Kurfürsten  nicht  ordnungsgemäss  vorgegangeu  sind,  be- 
fugt, ihre  ganze  Verhandlung  zu  cassiren.  Um  indess  die  nüthige  Einigkeit 
mit  den  Kurfürsten  zu  erhalten,  möge  der  Kaiser  sie  lieber  nochmals  durch 
eine  Gesandtschaft  ersuchen,  den  Keichstag  dem  Wahltag  Vorgehen  zu  lassen.  Ein 
demgemässes  Schreiben  an  Kursachsen,  in  dem  des  Kaisers  Hechte  und  die  ordnungs- 
gemä.sse  Anstellung  eines  Wahltags  ausgeführt  werden , *)  wird  beigelegt.  Nach 
seinem  Inhalt  kann  die  Instruction  au  die  andern  Kurfürsten  ausgefertigt  werden. 
Möge  nun  der  Wahltag  vor  oder  nach  dem  Reichstag  fallen,  jedenfalls  wäre  es  nütz- 
lich, wenn  der  Kaiser  sich  inzwischen  entschlösse,  wen  er  den  Kurfürsten  als  seinen 
Nachfolger  vorschlageu  will.  Er  könnte  darüber  mit  Kursachsen  insgeheim  zu  Ruthe 
gehen.  „Wie  wir  dau  vor  unsere  personeu  pflichten  und  gewissens  halber,  doch 
e.  Kai.  M.  biemit  kein  Ziel  noch  ma.ss  gesetzet,  nicht  widerraten  köuten,  da.ss  die- 
selbe ireu  eltisten  hern  brudern,  den  könig,  deine  sie  königreiche  und  erblaude 
albereits  abgetreten , bei  welchen  aber  seit  viel  menschen  gedeucken  als  Vormauern 
des  heil,  reichs  gegen  dem  erbfeinde  die  hoheit  und  würde  der  römischen  crone  ge- 
wesen, den  churfursten  des  reichs  bei  Zeiten  nominiren  und  maiorum  exemplo  auf’s 
beste  recommendiren"  möge.  Der  König  wird  sich  dafür  dankbar  erweisen.  — 
Prag  den  16.  Jan.  a.  1612.  (A.  a.  0.) 

Dies  Gutachten  kam  dem  Kaiser  nicht  mehr  zn,  da  er  darüber  starb.  (Anspach 
an  Anhalt.  Jan.  2S.)  Zur  Erläuterung  der  dabei  verfolgten  .Absichten  füge  ich  noch 
folgendes  Schreiben  Anhalts  an  Anspach  vom  14.  Jan.  (a.  a.  0.)  bei  : so  lang  noch 
Hoffnung  vorhanden,  möge  der  Margraf  Prag  nicht  verlassen;  er  möge. sich  um  persön- 
lichen Zutritt  beim  Kaiser  bemühen . zugleich  „mit  den  besten  und  vertraulich.sten 
officiren  der  crou  B(öhcira  I und  der  landstende  conversiren  und  unterbauen , das  die 
Spanische  pructieken  sonderlich  mit  Alberto,  gehindert  wurden...  Bei  solcher  ge- 
legenheit  zu  versuchen,  ob  könig  Matthias  (und)  liöheim  mit  den  drei  tceltlichen 
ehurfürsten  nicht  allein  die  alte  vorein  erneuern , sondern  auch  vormeren  wolten, 
sonderlich  wan  ein  neuerweiter  einigen  solcher  vier  weltlichen  ehurfürsten  beleidigen 


1)  Als  Ordimagswidriglfeiten  Ini  bisherigen  Vorgehen  der  Kiirfdrsten  werden  bezeichnet:  Mainz 
hat  wider  „die  gewönlicbe  form  der  cilation,  der  kaiserlichen  autoritaet  und  gp|iosition  nnerwaenet. 
und  meiner  (des  Kaisers)  bedingten  und  entllcbcn  nieiiiung  ganz  zn  entgegen,  meinen  brudern  den  kbnig 
Matthias  . ■ neben  e.  1.  und  miteburfursten,  so  mererteile  unbelenet,  oue  mein  vorwissen  zum  waltag 
bernffen.** 

Abh.  d.  III.  CI.  d.  k.  Ak.  d.  Wiss  XV.  Bd.  II.  Abth.  21 


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wolte,  item  das  in  religionwesen  keine  bestrengnns  zu  gestatten,  item  wie  es,  im 
fal  die  Durcken  eintrungen,  gehalten  werden  solte.“  Zur  Verhandlung  hierzn  wäre 
etwa  der  II.  März  zu  bestimmen.  Pfalz  und  Brandenburg  werden  dazu  bereit  sein, 
Sachsen  sich  nicht  entziehen  können.  Matthias  ist  durch  Anspach  zu  gewinnen  und 
hat  dann  wieder  auf  die  weltlichen  Knrfllrsten  einzuwirken.  — ,,Si  vons  avez  I'acces 
(beim  Kaiser),  et  qu'il  se  presentoit  quelque  occasion  d’un  legatum  par  le  testament, 
crojez  nioi  qne  ce  .scroit  une  rccompense  de  vos  peines.  Mais  si  ne  croyez 
qn'extremite,  je  vous  conseille  d'aller  droit  a Dresden,  af6n,  si  ne  ponvez  poiirchasser 
le  bien,  an  moins  que  taschiez  d'empescher  le  manvais.** 


VI. 

Anspach  und  Matthia.s. 

Xoch  vor  dem  Tode  des  Kaisers  wurde  das  offene  Eintreten  Anspachs  für  die 
Succession  des  Matthias  vorbereitet.  Auf  des  Markgrafen  Anfrage  vom  11.  Jan.,  was 
er  im  Falle  des  plötzlichen  Todes  dos  Kaisers  thun  solle,  erwidert  Anhalt  am 
16.  Jan.  (Berlin.  Dnionsacta  ad  tom.  XXIV);  da.«  Schreiben  vom  11.  macht  ihn  sehr 
unruhig.  Sobald  der  Tod  des  Kaisers  eintritt,  .je  tiens  que  vous  debvez  prendre, 
ouvertement  et  sans  dissimnlation , (le  parli)  de  Matthias,  le  venir  ou  aller  voir  et 
prendre  Commission  de  lui  vers  Saxe,  Brandenbonrg,  Palatin  et  Mayence,  et  qne 
puissiez  traitter  avec  Braudenbourg  par  nn  substitut;  et  ce  en  speciel  contre  All)ert 
et  vous  .servir  des  points  dont  je  von«  ay  escril  hier."  — .Am  '23.  Januar  schreibt 
Anhalt;  da  der  Kaiser  gestorben,  suche  der  Markgraf  nunmehr  dem  K.  Matthias 
vorzustellen , „das,  was  e.  1.  bis  dato  laboriret,  in  effectu  zn  i.  k.  w.  bestem  ange- 
sehen, indem  e.  I.  sich  bemühet,  die  Kai.  M genzlich  zu  gewinnen,  das  dieselbe  i. 
k.  w.  ir  Votum  gegeben  betten,  und  wüsten,  das  sie  zu  diesem  fundament  albereit 
ser  gereumet.“  Die  Zustimmung  des  Kaisers  wäre  für  ihn  sehr  wichtig  gewesen, 
„dan  über  zwen  cburfursten  betten  i.  k.  w.  wenig  vota  im  collegio  zu  hoffen,  und 
das  noch  mer , so  stunden  etzliche  in  der  meinuug , das  i.  k.  w.  raete  eines  teils 
Selbsten  raer  uf  einen  andern  als  i.  k.  w.  sehen.“  Gegenwärtig  habe  Matthias  die 
Wahl,  entweder  die  Kaiserkrone  zu  gewinnen,  oder  Krieg,  ja  Ruin  de«  Hauses  Ost- 
reich zu  gewärtigen.  Zn  dem  Zweck  habe  er  sich  soIIkt  seine  .Stimme  zn  geben, 
habe  vertraulich  mit  Pfalz  und  Brandenburg,  Mainz  nnd  Sachsen  zn  verhandeln, 
wozu  ihm  er  (der  Markgraf)  seinen  Dienst  anbiete.  Kr  müsse  ferner  „die  allianzen. 
davon  ich  e.  1.  iui  vertrauen  geschrieben,  an  die  hand  nemeu,  die  Uuirte  favorisiren 
und  inen  in  der  Donawertischcn  und  Aachischen  Sachen  nichts  zuwider  von  mandatis 
und  dergleichen  ansgeheu  noch  geschehen  lassen.“,  nnd  sich  ,,in  puncto  grava- 
minnm  aller  schiedlicfakeit“  erklären.  Anspach  hat  ferner  dem  Klesl  „zu  helfen  zn 
'seinem  scopo,  das  er  director  des  consilii  noch  zur  zeit  zu  verbleiben,  nnd  ihn  weid- 
lich mit  dieser  ambition  zn  reiten.“  Er  ermahne  ferner  den  König , mit  Kurpfalz  „gnte 


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vertreulichkeit  zu  halten  als  demjenigen,  der  sich  öffentlich  jederzeit  für  ihn  dcclarirt" 
und  ihm  als  Director  der  Union  gute  Dienste  erzeigen  könne.  Im  Verbältniss  zu 
auswärtigen  Mächten  solle  man  nichts  übereilen,  sondern  weitere  Berathung  Vorbe- 
halten. — Am  24.  Jannar  schreibt  A n h a 1 1 : „je  peuse  que  ce  point  des  correspon- 
dances  *)  eu  (sic)  seit  practicable.  Si  les  estats  evangeliques  penseut  bien  a leurs  affaires, 
ils  debvoient  tascher  de  reduire  ces  beau.t  royaulmes  et  provinces  a une  teile  dispo- 
sition,  que  les  evangeliques  y puisseut  parvenir  une  fois.  Les  Lspauguols  fout  leurs 
deaseins  pour  trente  et  cinquante  an.s;  ponrquoi  ne  le  ferions  uous  pss  aussy  en  un 
aftaire  couceruant  la  gloire  de  Dien  et  uostre  Conservation  ?" 

Ueber  seine  ersten  Schritte  nach  dem  Totle  des  Kaisers  berichtet  Anspach 
am  2.  Februar  an  Anhalt  (a.  a.  0.):  vorigen  Montag  traf  der  K.  Matthias  ein.  Auf 
seine  sofortige  Anmeldung  erhielt  der  Markgraf  vor  dem  päpstlichen,  spanischen  und 
allen  andern  Gesandten  eine  anderbalbstündige  Audienz.  Er  erbot  sich  dem  König  zur 
üeberuahmc  eines  etwaigen  Auftrags  io  das  Reich.  Der  König  verordnete  den  B,  Klesl 
zu  weitern  Verhandlungen.  Diesem  theilte  der  Markgraf  mit,  wie  „alles  dasjenige,  so 
wir  bisanhero  albie  gebandelt,  auch  e.  I.  mit  uns  geret  und  durch  schreiben  coni- 
muiiicirt,  i.  k.  M.  zum  besten  gemeint  und  angesehen  gewesen.“  V'ermuthlich  wird  der 
König  dem  Markgrafen  Auftrag  nach  Dresden,  Mainz.  Pfalz  ertheilen.  — Am  25.  März 
verrichtet  Anspach  seine  Werbung  im  .\uflrag  des  K.  Matthia.s  beim  Administrator 
der  Kurpfalz.  Am  1.  April  theilteu  der  Administrator  und  .Anhalt  diese  Werbung 
dem  Erzb.  Mainz  mit  und  sprachen  für  Matthias  und  gegen  Albert.  (Mainz  an 
Sachsen.  April  2.  Dresden.  lOfil.  Erstes  Buch  Wahltagssacheu  1012.  f.  126.  Vgl. 
zwei  Berichte  Anspachs  au  Matthias,  der  eine  undatirt,  der  andere  vom  14.  April. 
Berlin  a.  a.  O.) 

Seine  Ansichten  über  die  Zweckmässigkeit  der  Nachfolge  des  Matthias  führt 
Anspach  in  folgendem  Gutachten  au  einen  ungeuannten  Fürsten  aus  (o.  D. 
Berlin  a.  a.  0.  Eigenh.  Entwurf  und  Abschrift  de.sselbeu  in  Form  eines  Concepts) : 
Hat  dem  Fürsten  „in  irem  nachern  persönlichen  anwesen  alhie“  sein  Bedenken  ,,de  suc- 
ce.ssione  Cae.«aris“  zu  übersenden  versprochen.  Da  z.  Z.  die  Zeitungsschreiber  übe." 
diese  Sache  öffentlich  schreiben  „und  ir  Votum  gleichsam  dem  Alljerto“  geben  dürfen, 
so  kann  viel  weniger  ,, unser“  einem  verdacht  werden , seine  Meinung  darüber  aus- 
zulühren.  „Und  ist  1.  „bei  mir  one  allen  zweivel,  das  man  bei  dem  haus  Oester- 
reich vor  dismal  verbleiben  wort.“  Unter  den  .Mitgliedern  dieses  Hauses  würde  den 
Katholiken  am  vortheilhaftesten  sein  der  König  von  Spanien,  oder  Erzh.  Albert,  oder 
Erzh.  Ferdinand.  Ersterer  ist  nicht  durchzubringen,  letzterer  zu  mittellos:  er  hat 
ja  auch  ..den  Türken  zum  nahen  iiachbum,  ingleicheu  Ungern,  Oesterreich,  so  me.-ern 
teils  evangelisch So  seind  im  die  V^enetianer  auch  nahe,  als  welche  nit  catholisch 


1)  Vielleiclit  meint  er  die  in  seinem  Scfarcibeii  vom  U.  Jsnusr  (Beil.  V)  erwähnte  Verbindnng 
der  weitiiehen  Kurfürsten  mit  Matthias , vielleicht  eine  Verbindung  mit  den  Ständen  der  Lande  des 
Matthias. 

21* 


J 


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Rnug.“  Auch  Krab.  Maximilian  wird  schwerlich  gewühlt  werden;  denn  er  müsste 
„vom  reich  erhalten  werden,  dar/.n  niemant  würt  verstehen  wollen.  So  würt  er  selbst, 
als  der  scr  religiös,  einen  .solchen  nützlichen  catholischen  desseiug,  so  durch  einen 
andern  aus  seinem  hause  in’s  werk  gerichtet  könte  werden,  nit  wollen  hindern ; dan 
weil  er  sich  selbst  wenig  darumb  annimbt,  da  er  doch  wüste,  das  man  auf  in  in- 
clinirt,  auch  die  geistlichen  zugleich  ire  meinung  geaendert,  so  scheinet,  das  diese 
Sachen  one  zweivel  mit  ime  communicirt  worden,  und  er  seinen  consens  albereit 
darein  gegeben.“  Für  die  Katholiken  bleibt  also  .Aliwrt.  Ihm  gegenüber  ist  für  die 
Evangelischen  Matthia.s  zu  empfehlen.  Mit  seinen  Reichen  kann  er  gegen  die  Türken, 
wie  auch  in  ., andern  des  reichs  nöten  ein  statliches  thnu.“  Es  sind  zugleich  seine 
Lande  „nierern  teils  evangelisch  nnd  (haben)  nunmer  .soviel  libertet  erlanget,  das  man 
sich  evangelischen  teils  gar  nit  zu  befaren,  das  er  dieselbe  mittel  der  religion  zu 
praeindicio  würde  anwenden  können.“  Mau  hat  auch  „zu  merer  Versicherung  noch 
die  mittel,  sieh  mit  selbigem  könig  and  crblanden  ')  zu  unirn.“  Es  würden  dadurch 
Matthia-s  und  Albert  veruneinigt.  Ersterer  ist  den  „catholischen  churfUrsten  zuwider, 
au.s  welchen  nr.sachen  man  sich  dis  teils  desto  mer  solle  an  in  halten.“  Kommt  er 
dann  durch  Berörderung  der  Flvaiigelischen  zu  der  Würde,  so  „würde  er  umb  so  viel 
mer  ein  aug  auf  die  Union  haben  müssen.“  Er  wird  in  Zaum  gehalten  durch  die 
Türken  und  die  Nachbarschaft  der  Evangelischen.  Einwflrfe  gegen  Matthias,  dar- 
unter folgende : es  wird  so  „das  haus  Oesterreich  widerumb  ganz  stahilirt.“  Allein 
Matthias  wird  nicht  lauge  mehr  leben,  „und  haben  die  königreiche  nnd  erblanden 
nnnicr  solche  freilieiten , das  die  Sachen  gar  in  einen  andern  stant  sind  innerhalb 
wenig  jaren  kommen."  Die  V^erstimmung  zwischen  Albert  und  Matthias  wird  auch 
jene  Befestigung  hindern.  Und  endlich  ist  ,,aus  zweien  bösen  das  geringste  zu  er- 
kiesen.“ Matthias  ist  vom  Papst  und  Spanien  selber  empfohlen  worden;  allein 
„die  recoinmendation  ist  a desseing  beschehen,  uns  irre  zu  machen.“  Matthias  wird 
von  Klesl  ganz  regiert;  allein  es  i.st  „bei  keinem  andern  von  diesem  haus  eines 
bessern  zu  gewarten.  — Gründe  gegen  Albert. 

VII. 

Verhandlungen  über  AuflÜHung  der  Union  oder  Gründung  eines  paritätischen 

KttndnisBe.s. 

Dass  die  Verhandlungen  über  Stiftung  eines  katholisch-prote.stantischen  Bünd- 
nisses tjeim  Prager  Eürstenconvent  begannen,  habe  ich  8.  88  Anni.  1 naebgewiesen : über 
den  Fortgang  derselben  bei  und  nach  der  Cölner  Tagsatznng  finden  sich  Actenstücke 
bei  Wolf  III  8.  20 — 38  und  bei  IIäberlin-8enkenherg  XXIIf  8.  337 — 332.  Zur  Er- 
gänzung theile  ich  eine  Verhaudlung  zwischen  Mainz  und  Sachsen  mit. 


1)  .So  falsch  in  dem  copirten  Cpt.  ln  dem  eigenh.  Entwurf ; „mit  eelbigen  kS.-  und  erblanden." 


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Ende  Märvt  oder  Anfang  April  1612  (das  Oredilie  ist  vom  24.  März)  trägt 
der  knrmainzische  Gesandte  Brömser  dem  Kurf.  Sachsen  u.  a.  vor: 
bei  dem  Nürnberger  KorfUr.stentag  sagte  Kursachsen  dem  Erzh.  Mainz  zu , dass  er 
den  Administrator  der  Knrpfalz,  den  Mgr.  Ans|>ach  und  andere  l’nirte  nach  Gelegen- 
heit von  der  Union  abwendig  zu  machen  suchen  werde,  indem  er  erwartete  „ilas 
es  auf  der  catholischen  stende  seitten  ein  gleichmässige  maiiiung  haben  . . werde.“  Nun 
sieht  der  Erzbischof  „dergleichen  onzeittige  nnione.s“  als  schädlich  fllr  de*  Heicha 
Verfassung,  Friede  und  Wolfalirt  an.  Aber  da  die  Staaten,  besonders  in  der  Nach- 
barschaft des  Rheius,  starke  Kriegsrilstungcn  an.stellen,  da  Pfalz,  Wörtemberg,  Htrass- 
burg.  Baden  und  andere  ünirte  Befehl-sleute  anwerheii  und  beträchtliche  Wartegelder 
ansgeben,  so  dürften  die  Katholischen,  wenn  sie  nicht  zur  Gegenwehr  rüsten,  da  ea 
möglicherweise  gegen  sie  abgesehen  ist,  übel  dabei  fahren.  Der  ErzVrischof  bittet 
deshalb  den  Kurfürsten  um  .Aufschluss,  was  für  .Anschläge  unter  jenem  Vornehmen 
stecken  möchten,  ferner,  ob  er  mit  vorgenannten  Ständen  Ober  die  Union  gehandelt 
habe,  und  mit  welchem  Erfolg.  (Dresden  1061.  Ertes  Buch  Wahltngasachen  a.  1612 
f.  95.)  — .Auf  diese  erste  Werbung  folgt  eine  zweite  de.s,sclben  Gesandteu,  folgenden 
Inhalts : 

„nachileme  bei  jüngst  gehaltener  abentmalzeit  under  anderem  von  e.  cbf.  g. 
ich  soviel  nnderthenigst  vermercket,  das  wegen  abschatfung  der  Union  dieselbe  bis 
noch  nicht*  sonderlich  oder  veraulessig  verrichten  mögen,  und  aber  anf  solchen  fal, 
und  da  deswegen  kein  versicherte  resolution  ervolget,  e.  chf  g.  ich  ferner  um^er- 
thenigst  anzulangen,  von  meinem  gnedigsten  hern  gnedigsteu  beuelch  entpfangen,  als 
habe  lieh)  . . . meinen  habenden  ferneren  befelch  nuterthenigst  zue  erofnen  gedacht. 
Wissen  sich  demnach  e.  chf.  g.  zweifelsfrei  gnedigst  zue  entsinnen,  weichergestalt 
von  dem  hern  ertzbischoffen  und  churfürsten  zue  .Maiutz.  meinem  gnedigsten  hern, 
sie  vor  diesem  auf  vorgangene  freuntliche  und  vertreuliche  comraunication  die  ver- 
sicherte erklerung  bekommen,  auch  nochmals  i.  chf.  g.  mit  got  dem  almechtigen  als 
dem  rechten  hertzenkündiger  nnd  irera  gewissen  eitlich  beteuren  und  beteuren  wollen, 
das  solches  zuesainethuen  und  verbinden  etlicher  catholischer  stende  im  reich  anderst 
nicht  angesehen  und  genieinet  gewesen  und  noch  ist,  als  das  man  sich  bei  dem 
heiligen  Römischen  reich,  dessen  libertet.  dem  heilsamen  religion-  und  prophanfriden, 
wie  auch  (im)  genuss  der  wolangeordneten  reicbsconstitutiouen  nnd  Verfassungen  er- 
halten und  behalten,  auch  sich  gegen  den  onbilligeu  gewalt  nnd  taeglicbe  zuenotigung 
etlicher  onfritfertiger,  oneinger  stende  etwas  versichern  oder  je  aufhalten  möge,  in- 
massen  den  got  und  nnmer  der  weit  offenimr  ist,  wie  es  mit  solchen  itzgedachten 
zuenotignngen  und  uberhauffendeu  empfundenen  trangsal  beschaffen , auch  entlieh 
mit  und  nach  aufgerichter  Hallischer  iinion  soweit  kommen,  das  man  einsmals  den  ca- 
tholischen  und  sonderlich  den  geistlichen  steuden  den  garauss  zue  machen  und  ein 
andere  formen  des  reich*  anznerichteu,  nicht  allein  mit  Worten  und  Schriften  sich 
offent-  und  heimblichen  verlautten  lassen  (in  masseu  man  deren  Schriften  nnd  uach- 
richtnngen  genugsam  zue  banden  bekommenl,  sondern  auch  gar  zue  dem  werck  und 


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der  that  zue  greiffen  uud  uiider  eiuetii  audern  geguchteii  ecbeiu  die  waffen  und  wer 
au  die  haut  zue  nenien.  frenibde  auslendixche  mechtige,  dem  reich  iederzeit  verdechtige 
poteutaten  mit  in  das  spiel  und  das  reich  zue  inritiren , und  in  allem  nichts  zue 
underlassen,  was  nur  die  gefar  vermeren  mögte,  welches  ongewitter  vielleicht  auch 
so  schlecht  nicht  aligangcu  were,  da  der  almechtige  gut  mit  seiner  gewaltigen  haut 
nicht  in  das  mittel  gegriffen  und  diese  schädliche  Consilia  vor  ditzmal  etwas  ver- 
wirret mul  zue  nicht  gemaclit  hette.  Dahero  vorangeregte  catholische  beschwerte 
stende  einiger  niensch  geaunten  und  onparteiischen  verstaiits,  und  deme  sonsten  die 
beschaffeiihaiten  solcher  trangsal  bewust,  der  vorgangeneu  gegeuverfassungen  ver- 
hoffentlich  in  ongnettem  nicht  verdenken  wirt  oder  kan. 

Nichts  destoweniger  hochsternielter  mein  gnedigster  her . . . uachiualg  nichts 
Hebers  sehen  uud  wünschen  mogte,  als  das  mau  allerseits  von  solchen  geferlichen 
trenmmgeu  uud  purtialiteteu  nbstunde  und  sich  bei  und  an  den  heilsamen  reicbs 
Constitutionen  und  verfa.ssnngen  dem  religion-  und  prnphanfriedeu,  darzue  mau  oue  das 
so  hoch  und  mit  leiblichem  ait  verbunden,  hielte,  iuniassen  i.  chf.  g.  solches  irerseits 
zue  werben  und  zu  verschaffen  an  aller  moglichkait  ongern  etwas  erwinden  lassen 
wolle,  da  mau  nicht  ')  Versicherungen  haben  mogte,  das  es  hei  der  anderen  nnion 
und  deren  zuegewauten  stendeu  ein  gleiche  meinung  haben  solte.  Demnach  aber  i, 
eilt',  g.  und  andere  catholi.sr.he  uud  fritfertige  lieschwerte  stende  bis  noch  darzue  nicht 
allein  wenige,  ja  gar  kein  hofnung  calcr  ansehen  erlangen  können,  sonder  viel  mer 
nnd  stündlich  die  gewisse  uoehriebtung  haben , das  solche  Union  von  tag  zue  tag 
sich  mit  in-  uud  auslendischer  macht  zue  bestercken,  mit  allem  angelegenen  tieiss 
und  schwinden  anschlegeu  bearbeiten  thuet,  auch  darauf  die  hohe  betrauungen,  ja 
gar  die  werck  gegen  den  catholischeii  nicht  aufhoren  oder  nachlasseu,  uud  dan  i.  chf. 
g.  von  allen  anderen  catholischen  stendeu,  die  solches  onwesen  uud  inen  zue  uaheude 
gefar  vorseben.  umb  dero  ratsames  gnetachten  vielfeltig  angelangt  werden,  wie  mau 
sich  dieser  seits  zu  etwas  tnehrern  Versicherung  auch  austelleu  konte  oder  mogte  — 
welche  anlangende  stende  i.  chf.  g.  oue  autwort  in  die  lengde , wie  bisbero  in  hof- 
nung de.s  gegenteils  gewierigeu  resolution  geschehen , nicht  aufhnlten  mögen  oder 
können  — , jetloch  in  dieser  so  hochwichtigen  Sachen  one  gehabten  rat  nicht  gerne 
weiters  fortfaren  oder  erkleren  wolten,  sich  aber  vor  anderen  zue  e.  chf.  g.  (als  mit 
dero  löblichsten  vorfaren  hertzogen  uud  churfiirsteu  zue  isaxen  i.  chf.  g.  auch  seligste 
vorfaren  ertzbiseboffen  und  churfBrsten  zne  Maintz  von  ondencklichen  zeitten  in 
guettem  vertreuliclieu  wesen , mit  mercklicliem  wolstaut  uud  aufuemeu  nicht  allein 
haider  chnrfurstentmiih  sonderen  auch  des  gantzen  rcichs  uud  des  geliebten  vatter- 
lants  gestanden,  und  dieselbe  vertreulichkait  dnreh  gottes  gnat  nnd  segen  sich  auf 
beide  e.  chf.  gg.  mit  aller  fritliebendeu  wolgefallen  und  sonderbaren  frent  continuiret 
nnd  erstrecket)  sich  in  diesem  fall  und  in  allen  hoch  uud  veraulessicb  getrosten,  sie 


1)  Ue>:  nur. 


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werde  dieselbe  mit  gnettera  rat  nicht  laeseu : als  thuen  sie  e.  clif.  g.  hirmit  dnrch 
meine  person  vertreulichen  ersuchen , ziim  fsl  bei  der  andern  Union  nicht  zue  er- 
langen sein  solle,  das  sie  darvon  abstunden,  ob  als<lan  e.  chf.  g.  rermeinen  wolle, 
das  die  catholische  und  andere  fritfertige  stende  ongleich  verdacht  werden  konten  oder 
sollen,  da  sie  ire  angefai  gene  gegen rerfassnng  nicht  allein  continuirten , sonder 
dieselbe  zue  stercken  sich  gleich  den  anderen  bemnbeten,  wie  es  dan  inen  vielleicht 
an  initteln  auch  nicht  ermangeln  mogte. 

Demnach  den  auch  e.  chf.  g.  abermals  one  zweifei  sich  gnedig.<t  erindern,  was 
dieser  Union  halben  vor  diesem  mit  e.  chf  g.  hern  bruderii  löblichsten  gedacbtenis, 
e.  chf.  g.  Selbsten  nnd  dero  gantzem  löblichsten  hauss  :^xen,  wie  auch  anderen  frit- 
fertigeu  der  Angsburgischen  confession  znegewanten  freunt-vertreulichen  commnnicirt 
worden,  auch  darauf  auf  vorangeregten  fal,  da  nemblich  die  uniones  baiderseits 
nicht  abgeschaft  werden  wollen,  guette  und  frenntliche  Vertröstungen  beschehen,  als 
Ihnen  e.  chf  g.  hiemit  i.  chf  g.  abermals  freunt-vertreulichen  ersuchen  und  pitten, 
sie  wollen  sich  anitzo  ires  gemuets  onbeschwert  erkleren , was  sich  die  catholische 
churfilrsten  und  stende  auf  vor  nnd  mer  angeregten  fal  zue  e.  chf.  g.  und  dero  löb- 
lichsten hauas  veranlessich  zu  getrosten.“  Grunde  für  den  Beitritt  des  KnrfÜrsten 
von  tiachsen  Einziger  Zweck  der  katholischen  Verbündeten : sich  im  Genuss  der 
Keicbsverfassung  nnd  des  Land-  und  Keligionsfrieden.s  zu  behaupten. 

,,Nechts  diesem  haben  i.  chf.  g.  ferners  anznbrengen  bei  diesem  puucten  mir 
gnedigst  anferlegt,  das  zwar  i.  chf  g.  bei  iro  wol  sehen  und  eiuphuden , wie  wenig 
es  mit  den  alten  löblichsten  reichsverfassnngen  ubereinstimpt , sich  mit  frembden 
oder  auslendischen  potentaten  zue  beladen  und  dieselbe  in  des  reichs  Sachen  mit  ein- 
zuezihen,  wenigers  nicht  auch  deroselben  onverborgen,  was  gro.sse  ge^r  dergleichen 
beginnen  vor  diesem  mit  sich  bracht  und  noch  nach  sich  zihen  mogte,  nichtsdesto 
weniger  aber  dennoch  die  erfarung  nnd  der  augenschein  answeiset , weichergestalt 
die  andere  Union  nicht  nnderlassen,  frembde  ansländische  potentaten,  als  Engellant, 
Dennemark,  ja  gar  die  Staten  in  Hollant  zue  irer,  der  unionsverwanten  fürstlichen 
stende,  augenscheinlichen  nnd  hantgreiflichen  eigenen  gefar  an  sich  zue  zihen  nnd 
sich  darmit  treflich  zu  stercken,  auch  darauf  mit  onformblichen  und  vor  diesem  on- 
erhorten  eiecutionibus  anf  des  reichs  boden  nicht  allein  anitzo,  als  mit  Coln,  Achen, 
Ritberg,  sich  betreulich  vernemeu  lassen  nnd  buchen,  sondern  vor  diesem,  als  mit 
Gulch  und  sonsten,  im  werck  zu  hohem  despect  der  kai-serlichen  hochheit  und  des 
heiligen  reichs  erwiesen:  so  stehen  i.  cht.  g.  in  denen  sorgsamen  gedanckeu,  da  die 
andere  union.sverwanten  darmit  continuiren  sollen,  sie  mt^en  vermittels  solcher  aus- 
lendiscfaen  hulf  den  fritfertigen  stenden  an  macht  überlegen  (sein),  nnd  also  dieselbe 
in  gefar  stecken,  bei  solcher  irer  enghertzigkait,  und  in  deme  sie  der  reichs  Consti- 
tutionen halben  zue  viel  scrupulos  oder  conscientios  verplieben,  darüber  den  kurtzeren 
zihen  und  das  reich  mit  den  constitutionibus  zue  verliren;  als  pitten  sie  e.  chf  g. 
hochvertreulichen  und  frenntlichen,  ir  ratsam bs  bedeucken  darbei  zu  erofnen,  ob 
sie  vermeinen,  thunlich  zue  seid,  das  man  auf  dieser  seits  gleichraessig,  wo  nicht  gar 


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an  die  Union  sich  7.0  Itegelten.  jedoch  auf  begehende  onTerhofte  fernere  ofleusiou  vnib 
ein  ergleckliche  und  reranlessige  asaistentz  und  succurs  bei  Kranckreicb,  Lottriiigeu. 
Sapboy,  Burgnud  und  anderen  benachbarten  vermittels  einer  gesampten  ansehent- 
lichen  legation  ausuchete,  und  ob  e.  chf.  g.  zue  solchem  ausncheu  oder  legation 
die  irige  zuezueordnen  kein  l>edenckens  tragen. 

Vor  das  vierte,  demnach,  wie  in  meiner  vorigen  Werbung  underthenigst  ange- 
meldet, sich  allerhiuit  krigischer  austalt  am  Reim<tromb  und  anstossenden  landen 
an  tagk  gibt , dahero  man  .sich  einer  ongelegenbait  befaren  müsse , pitten  i.  chf.  g. 
abermals  e.  chf.  g.  getreuen  rat,  ob  sie  vermeinen  wolten.  den  catholischen  und  frit- 
fertigen  Stenden  zue  raten  sei,  sich  in  etwas  Verfassung  zue  irer  und  der  irigen 
versii'heriing  zue  stellen,  welches  sie  doch,  als  darbei  bei  itzigen  teuren  zeitten  nicht 
viel  Vorteils  zue  gewarteu,  viel  lieber  geubriget  sein  und  pleibeu  wolteu."  — 
O.  D.  — Dresden  10675.  Erstes  Buch  Wabltags.«achen . 1612.  f.  103. 


VIII. 

Rotenburger  Union8Abarhie<l.  (1613  .-Vpril  7.  Orig.) 

(Änwe.seud:  Hesseu-Ca-sel,  Zweibrllcken,  An.spach,  WOrlemberg,  Baden,  Anlialt- 
Bernbnrg!  persönlich;  Gesandte  von  Kurbrandenburg,  Kulmbach.  Itettiugen.  8tras.s- 
burg,  Nürnberg,  Ulm.) 

Vor  und  nach  dem  Frankfurter  Wahltag  wurde  der  Herzog  von  Zweibrllcken 
von  verschieclenen  Uuirten  um  Absetzung  eines  ünionstags  vor  künftigem  Reichstag 
ersucht,  üemgeniäss  und  nach  Einvernehmung  mit  den  übrigen  Unirten  Berufung 
des  ünionstags  auf  den  24.  März.  Propositiou  am  25.  .März. 

I.  Einhellige  Zusage  der  Versammelten,  bei  der  Union  zu  beharren,  auch  nicht 
z.  B.  durch  die  etwaige  „Vertröstung  des  andern  teils,  das  er  hingegen  auch  seine 
ligam  ufhebeu  wolte,“  sich  davon  abwenilig  machen  zu  lassen.  Mängel  der  Union 
fand  man  Ijesonders  in  den  Restanten  und  Irrnngen.  In  ersterer  Hinsicht  ist  all- 
seitig, besonders  von  Knrbrandeuburg , die  Erstattung  sicher  zngesagt.  Mau  hat 
für  Rückzahlung  der  hohen  Rückstände  Kurbrandeuburgs  fünf  Termine  (Michaelis 
1613  — Michaelis  16151  festge-stellt,  wa.s  der  Gesandte  ,,ud  referendum“  genommen 
hat,  mit  der  Erklärung  sein  Kurfürst  werde  sich  beim  nächsten  Reichstag  hierüber 
wol  erklären.  Die  andern  Unirten  haben  ihre  Rückstände  bis  Michaelis  1613  zu  er- 
legen, bei  Vermeidung  der  kraft  der  Uiiiousverfassnng  gegen  die  Säumigen  be.stimmten 
Massregelu.  Dem  Herzog  von  Neuburg  wird  Baden  diese  Bestimmungen  vortragen 
und  ihn  ermahnen,  seine  früheren  Restauten  und  die  seit  längerer  Zeit  zurückgehal- 
teuen  Uuion.ssteuern  in  den  dem  Kurf.  Brandenburg  bewilligten  Terminen  zu  zahlen. 
— Die  durch  nachbarliche  Irrnngen  beschwerten  .Stände  werden  dem  Directorinm 
eine  ,, richtige  specification“  derselben  übergeben,  worauf  man  sie  auf  den  in  der 
üniousverfassung  bestimmten  Wegen  gütlich  oder  schiedlich  bcizulegen  suchen  wird. 


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163 


Vorschläge  zur  Stärkung  der  Verthcidigungsfähigkeit  der  Union  (Sicherung 
eines  bestimmten  Kredits  durch  die  einzelnen  Uuirteu , Bereitschatl  von  Artillerie 
und  Kriegsbedarf  bei  den  einzelnen)  sind  von  den  Städtegesanrlten  „ad  refereudum“ 
genommen,  mit  Zusage  einer  baldigen,  wie  sie  glauben,  nicht  ungünstigen  Resolution 
ihrer  Herrn.  Die  höhern  Stände  haben  beachlos.sen , da-ss  Kurpfalz  einen  Credit 
von  200,000  11.,  die  übrigen  einen  selchen  nach  verhältuis.smässigem  An.satz  sich  zu 
sichern  .suchen  und  darüber  in  sechs  Monaten  sich  dem  Directorium  erklären  sollen. 
Ein  Vorschlag  derselben  bezüglich  eines  Magazins  uud  Kriegsbedarfs  liegt  bei.  Der 
kurbraudenburgische  Gesandte  hat  diese  Sachen  „ad  refercnduin“  genommen , mit 
Zusage  wie  oben.  — Erweiterung  der  Union.  — Gemeinschaftliche  Berathungen  der 
evangelischen  Stände  beim  nächsten  Reichstag  in  den  sie  angehenden  Sachen  unter 
knrpfälzischem  Directorium  zur  Vereinbarung  gleicher  Voten  nöthig. 

Da  unter  den  Schweizern  nach  Bericht  Badens,  Zürich  und  Bern  „etwas  mer 
freie  baut  haben , sich  mit  andern  staendoii  in  büntnnsseu  einzulasseii ,“  so  wird 
Baden  und  Strassburg  mit  ihnen  unterhandeln,  ob  und  wie  sie  in  näheres  Verständ- 
uiss  mit  der  Union  gebracht  werden  können.  Fleissige  Correspondeuz  mit  den  öst- 
reichiscbeii,  böhmischen  und  mährischen  Ständen.  Ersnehung  derselben  durch  das 
Directorium,  dass  sie  „dem  gegenteil“  in  ihren  Landen  keine  Werbungen  noch  , .andere 
vorteil“  ge.statten,  und  dass  man  sich  gegenseitig  über  uachtbeilige  Vorgänge  unter- 
riebto.  Verhandlungen  mit  der  .Stadt  h'rankfurt  sind  bei  gegenwärtigem  Zustand 
bedenklich.  Doch  mögen  einzelne  Unirte  „ad  partem  guete  underbauwung  thnen,“ 
damit  man  dann  sehe,  ob  beim  nächsten  Reichstag  „sich  bessere  Gelegenheit  etwas 
auszurichten  praesentiren  möchte.“  — Unter  auswärtigen  .Mächten  ist  mit  England 
..eine  gewisse  würckliche  correspondeuz“  bereit-s  vereinbart ; die  mit  den  .Staaten  be- 
gouneue  Verhandlung  ist  wieder  aufznnehnien.  Ueber  diesen  Punct  haben  iiidess. 
da  die  Städtegesaudten  nicht  iustruirt  waren,  nur  die  Fürsten  nebst  Dettingen  „etwas 
gewisses  bedacht."  D#  Städtegesandten  werden  die  bei  diesem  l’unct  ihnen  darge- 
legte Nothwendigkeit  referiren,  und  zweifeln  nicht,  dass  ihre  Obern  beim  nächsten 
Reichstag  sich  hierüber  ,, eines  entliehen  erklären  lassen"  werden.  — Man  wird  Eng- 
land ersuchen,  sich  bei  Schweden  uud  Dänemark  zu  verwenden,  da*s  sie  ihre  jüngst 
getrotfene  1‘aciücation  erhalten,  und  dass  „das  gemeine  evangelische  wesen,  und 
sonderlich  in  Teutschlaml , desto  staerker  stabilirt  werden  möchte“.  König  .Takob 
wird  dann  gebeten,  über  das  Ergebniss  zu  berichten  und  sein  Gutachten  zu  geben,  was 
„der  Union  ratsamb  uud  be(|uemlich,  bei  Inaleu  i.  k.  ww.  zu  suechen.“  — Die  Cor- 
respoudenz  mit  Venedig  ist  zn  unterhalten. 

II.  Ueber  die  übel  admiuistrirte  .lustiz  am  Kammergericbt  und  kaiserlichen 
Hofratli  haben  die  Unirten  von  den  dazu  Verordneten  Bedenken  uud  Vorschläge, 
„was  bei  künftigem  reicKstag  zu  urgieren  sein  soltc“,  eutgegeugeuoininen  uud  geneh- 
migt. Man  suche  Ireim  nächsten  Reichstag  wenigstens  fllier  die  wichtigsten  Pnncte 
auch  mit  andern  evangelischen  Stünden  sich  zu  geuieinschiiftlichem  Vorgehen  zu 
einigen.  Hinsichtlich  des  Hofruths  wird  mau  am  Reichstag  zunächst  die  vom  Kaiser 
Abh.  d III.  CI  d k.  Ak.  d.  Wi»s.  XV.  Bd  II.  Abth.  -JJ 


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den  Kurfürsten  vorzulegende  Reirhshofrathsordnung  abwarten.  Zwei  Beicbagerichte 
und  besonders  die  kaiserlichen  (Jommissiouen  hat  man  anders  nicht  als  nach  Ausweis 
der  Kammergerichtsordnung  und  des  alten  Herkommens  zuzugehen  und  die  Apella- 
tionen  von  kaiserlichen  Commissarien  an  das  Kammergericht  sich  nicht  henehmen  zu 
lassen.  Wegen  der  voreilig  erlassenen  Acbtserklärungen  erinnerte  mau,  es  sei  dafür 
einzntreten , „damit  inskünftig  kein  stant  on  wüssen  und  bewilligen  der  chnrfOrsten 
und  staent  insgemein  in  die  acht  erklaert,  ingleichen  das  die  vielfältige  eorruptiones  am 
kaiserlichen  hof  abgeschaft  und  eingestelt“  werden.  Da  Kaiser  Matthias  in  Schreiben 
an  Zwcibrücken  und  .Anspach  die  Jurisdiction  des  Hofraths  entschieden  verficht,  und 
etliche  evangelische  Stände  dessen  mit  dem  Kammergericht  concurrirende  Jurisdiction 
ebenfalls  behaupten,  „so  ist  zwar  nicht  nnerwogen  geplieben,  ob  man  dieserseits 
etwas  nachgel>eu  oder  nfs  eusserst  nur  verhnetten  und  Vorkommen  wolle,  damit  die 
Unordnung  nicht  weitter  einreissen,  nnd  die  staent  nicht  mer  beschwert  werden.  Es 
ist  aber  ser  bedencklich  nnd  bei  noch  jetziger  beschaffenheit  der  reichshof-  und 
anderer  kaiserlicher  raet  gefaerlich  Iwfunden,  sich  aus  den  so  klaren  reichsordnungen 
bringen  zn  lassen.“  Man  suche  also  andern,  besonders  Knrsachsen,  ihre  Meinungen 
von  der  Conenrrenz  zu  widerlegen,  und  den  Keichsständen  ihre  Rechte  zu  sichern. 
Betreffend  das  Kammergericht  und  besonders  dessen  Afisitation,  so  suche  man  dem  Erz- 
bischof von  Magdeburg  seine  Session  und  was  mit  derselben  znsainmenhängt  zn  sichern. 
Wird  das  Kammergericht  am  Reichstage  nicht  reformirt,  nnd  die  ordentliche  Visita- 
tion und  Revision  nicht  wieder  cingefiihrt,  so  hat  man  „etwas  andentlung“  zu  thnn, 
dass  man  die  Unterhaltung  des  Gerichts  zurOckhalten  werde,  zumal  da  „Oesterreich 
gar  nicht,  Burguut  aber  ser  .sanmbselig  an  solcher  underhaltnng  tragen  wollen.“ 

111.  Ueher  die  vier  Klostersachen  haben  die  V'erordneten  ebenfalls  ihr  Gut- 
achten abgestattet,  welches  genehmigt  wird.  Man  hat  darüber  mit  den  andern  evan- 
gelischen Ständen  ,,fleissig  zn  commnniciren,“  besonders  aber  in  der  Hauptsache  sich 
in  keine  unuöthigeu  Dispnte  einznlassen.  Die  von  dem  Nünifeerger  Collegialtag  be- 
schlossene Einsicht  der  .Acten  ist  nicht  ohne  Gefahr ; doch  kann  man , wenn  daranf 
bestanden  wird,  sich  gegen  die  daraus  fliessenden  Präjndicien  verwahren.  „Ob  auch 
etwan  das  interdictum  'uti  possidetis’  für  ein  mittel  angesehen  werden  und  uf  die 
ban  kommen  wollte,*)  so  ist  doch  bei  demselben,  und  sonderlich  ob  man  gewissens 
halben  so  weit  nachgeben  künte , allerbant  l>edencken  eingefallen , nnd  darvor  ge- 
halten worden,  das  nochmaln  nf  die  aussetzniig  diser  vier  clostersachen  zn  tringen 
sein  solte.  Weil  man  aber  nicht  gewust,  wie  der  gegenteil  dises  oder  andere  mittel 
verstehen  möchte , so  hat  man  gnet  befunden , das  dieses  medium  nicht  allerdings 


1)  Sichtliche  Beziehung  anf  den  Passos  in  Geizkoflers  Gatachten,  LUnigs  Staatsconsilia  I.  S.  7äö 
col.  2:  ,,das  uti  possidetis  ita  possideatis  zu  practiciren  etc.*',  welche  Worte  von  dem  Benntzer  (nach 
fr.  1 D.  Uti  possidetis  4.d,  17)  auf  das  Inierdict  „uti  possidetis'*  bezogen  sind.  — Oeizkoller  cor* 
respoudirte  Ober  sein  Bedenken  mit  WOrtemberg  (Sattler  VI  Beil.  S.  6,*i).  Durch  WOrtemberg  wird 
das  Bedenken  also  den  Unirten  mitgetheilt  sein. 


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hiudauzusetzen , eoudern  dasseih  anzuhüren , uud  hernächat  mit  dea  andern  evange- 
lischen ataenden  zu  bedencken,  wie  weit  sich  daaselb  one  sonderlielie  cousequenz  uud 
praejndiz  des  religionfridens  und  der  staent  thuen  uud  accepliren  lassen  wolte.  Uud 
wan  dieses  medium  den  < erstant , das  den  paepstischen  in  dem  irigen  keiu  fernerer 
eintrag  gescbeben  sollte,  möchte  es  nicht  allerdings  abweg  sein,  doch  das  vermüg 
dea  religionfridens  den  evangelischen  staeuden  die  reformation  in  ireu  landen  fürsteu- 
tumbeu  uud  gebietten  jetzo  und  ins  künftig  frei  und  unverwört  gelassen  werden  (soll).“ 

IV.  Das  von  den  Verordneten  in  Sachen  der  ..gravamiua“  ausgestellte  Out- 
aebteu  ist  geuebmigt  mit  einigen  Zusätzen.  ')  .\iis  der  am  näcbsteu  Keichstag  mit 
den  andern  Evangelischen  darüber  anznstellenden  Comraunication  wird  sieb  ergelien. 
was  für  „gravaniina  zu  behaupten  oder  etwan  so  hoch  nicht  zu  urgieren  sein  werden.“ 
Belege  zu  den  Beschwerden  hat  jeder  Unirte,  besonders  die  Reichsstädte,  dem  Di- 
rectorium  zeitig  einzusenden. 

V.  Bezüglich  Donauwörths  ist  beim  jüngsten  Kurfürsteutag  durch  Mehrheit 
beschlossen,  der  Kaiser  solle  Baieru  „vermittelst  einer  Commission  zu  einer  richtigen 
Ii(|uidation  der  ufgewauten  executionscosten  vermögen,  und  nach  der  haut  (solle)  die  stat 
Donauwört  bei  den  mitverwauteu  staetten  oder  sonsten  umb  beisprnng  zue  aljledig- 
ung  solcher  Unkosten  sich  bewerben.“  Der  Kaiser  hat  darauf  den  Herzog  von  Baiern 
nur  „zue  specifleation  durch  ein  schreiben  enuant",  dieser  aber  machte  isohwierigkeiteu, 
eine  solche  zu  geljeu,  bevor  er  hinsichtlich  der  Zahlung  versichert  sei.  Dem  gegen- 
über haben  die  unirteu  Reichsstädte  gegen  obigen  Beschluas  des  KurfOrstentags  pro- 
testirt,  und  auch  die  Fürsten  halten  jede  Betbeiliguug  au  dem  Ersatz  der  Ko.steu 
für  prüjudicirlich.  Mau  wird  also  beim  nächsten  Reiebstag  die  Douauwörther  Sache 
neben  andern  gemeinen  Beschwerden  mit  allem  Eifer  lietreiben,  um  wo  möglich  die 
von  Rudolf  11.  versprochene  Restitution  zu  erlangen  und  die  Unkosten  denen  zuzn- 
schieben,  welche  die  -Sache  verschuldet  haben.  Ein  eifriges  Erinneruugsschreiben  in 
diesem  Sinn  an  den  Äaijier  hat  man  beschlossen,  noch  vom  ünionstag  aus  an  den 
Kaiser  abgeheu  zu  lassen.  — \'l.  Die  .Aachener  Sache  ist  wegen  Wichtigkeit  der 
Stadt  und  wegen  des  auf  Nichtachtung  der  Anordnuugen  des  Vicariats  stehenden 
Präjudizes  als  gemeines  „gravamen“  mit  andern  evangelischen  Ständen  beim  nächsten 
Reichstag  zu  betreiben,  mit  .Antrag  an  den  Kaiser,  entweder  die  Vicariatsverordnung 
zu  bestätigen,  oder  eine  „solche  Vermittlung  zu  finden“,  dass  .Aachen  nicht  unter 
„fremile  subjection  gebracht  werden  möge.“ 

Vll.  Hinsichtlich  der  Betreibung  der  ..gravamiua“  ist  beschlossen:  a.  da  der 
Kaiser  in  dem  Ausschreiben  den  Justizpunct  an  erste  Stelle  gesetzt  hat,  so  wird 
man  umb  ,,merem  glimpfs  willen“  nicht  Behandlung  der  ..gravamiua"  vor  der  Pro- 
positiou  verlangen,  sondern  sie  gleich  nach  derselben  Oiwrgcbeu,  dann  in  den  Rathen 

1)  Auj  lÜMcr  Schrift  wurde  unter  Aenderungen  in  „cingsng,  condusion  und  pctilion“  am 
BeichsUg  die  evangelische  Besehwerdeschrift  verfertigt,  (lirandenbnrger  Relation  vom  IS.  Aug.  161S.) 
lieber  die  Drucke  der  Beschwerde.«cbrift  Haeberliu-Senkenberg  XXIll.  I8.  ,h7U  Anin.) 


ICC 


nach  Anhörung  der  dort  vorzntrajjcndpn  Vorschläge  erklären,  dass  man  vor  der 
Krörtening  der  ,,gravaminu“  sich  in  „keine  verbfintliche  deliberation  und  conchiss 
einlassen  könne,  wie  dau  hiebei  durchaus  nicht  ratsamb  befunden,  von  diesen  gemeinen 
gravatninibus  in  den  raeten  durch  votieren  einigen  Schluss  machen  zu  lassen , weit 
mau  sich  sonderlich  im  ftlrstcnrat , gleichwie  vor  diesem , liberstimmens  zu  befaren, 
und  die  Verbitterung  nnr  grösser  und  vergeblich  disputirt  würdet.“  Man  sucht  mit 
aller  Austreugang  alle  evangelischen  Stände  zur  Theilnabme  an  diesem  Vorgehen 
zn  gewinnen.  Gelingt  das  nicht,  oder  gewinnt  man  doch  nur  wenige,  so  beharren 
die  ünirten  gleichwol  dabei , bis  mindestens  die  vornehmsten , besonders  die  in  des 
Kaisers  Hand  stehenden  „gravamina“  erledigt  sind,  und  hinsichtlich  der  übrigen 
„etwas  hofnnng  und  mittel,  etwan  durch  ein  interpositiou  i.  M oder  in  andere  weg 
erlangt  würt.“  Zu  dem  Zweck  darf  dann  aber  kein  ünirter  von  diesem  Beschluss 
einseitig  abgehen,  und  sind  die  Heichstags-Iustructionen  nach  Massgabe  desselben 
gleichförmig  abzufassen.  Wenn  in  Sachen  der  ,, gravamina"  nichts  erreicht  wird,  und 
alte  Hoffnung  etwas  zn  erreichen,  sich  als  nichtig  heraus.stellt,  so  haben  die  Keichstags- 
gesandten  der  Unirten  darüber  zu  beschliessen,  ob  sie  den  Reichstag  verlassen  sollen, 
und  den  Majoritätsbeschluss  zu  befolgen.  Da  nun  hiernach  ein  gewaltsames  Vor- 
gehen der  Gegenpartei  gegen  die  Evangelischen  zn  beftlrchlen  ist,  und  die  Gegner 
alles  tbun  werden,  um  den  Kaiser  dazu  zu  vermögen,  dass  er  sich  als  Haupt  der 
Liga  erkläre,  so  hat  man  — abgesehen  von  Verweigerung  der  Contribution  und 
ähnlichen  in  früheren  ünion.sabschieden  bedachten  Mitteln  — von  Seilen  der  höhern 
Stände  die  beim  ersten  Punct  angeordneten  Mittel  znr  Defensionsbereitschaft  und 
Zuziehung  fremder  Machte  (letzteres  nach  dem  Beispiel  der  Gegner)  bestätigt.  Die 
Gesandten  der  Reichsstädte  werden  die  Resolutionen  ihrer  Herrschaften  über  diesen 
Punct  so  betreiben,  dass  sie  bei  taler,  wo  möglich,  vor  dem  Reichstag  dem  Direc- 
toriuni  zukoinmen , damit  mau  um  .so  ungehinderter  die  nöthigen  Beschlüsse  über 
Steuerverweigerung,  Secession  von  den  Rathen  oder  Zerschlagung  des  Reichstags 
fas.sen  könne. 

Hinsichtlich  der  Tflrkenhülfe  wird  man  heim  Rcich-stag  genaue  Erkundiguugen 
über  den  Stand  der  Türkengefahr  einziehen  und  mit  andern  evangelischen  Ständen 
znr  möglichsten  Haltung  des  Friedens  mit  den  Türken  rathen.  Wird  diese  Mahnung 
nicht  beachtet,  und  werden  zugleich  die  ..gravamina“  nicht  erledigt,  so  wird  keinerlei 
Steuer  bewilligt.  Stellt  sich  hingegen  die  Türkengefahr  als  gewi.ss  heraus , so  ist 
„zue  vorkommung  fernem  TOrckischen  einbruchs"  eine  Hülfe  zu  bewilligen,  jedoch 
in  Volk,  nicht  in  Geld  und  mit  dem  Beding,  „das  des  reiebs  interesse  besser  al.s 
bisher,  indem  dasjenig , was  dem  TUrcken  abgenommen , anderstwohin  als  zu  dem 
reich  verwendet,  in  achtung  genommen  werde.“  Gewiss  soll  „auch  uf  disen  fal 
einer  bewillignng  nicht  weniger  nf  die  erörterung  der  gravaminum  noch  bei  wereudem 
reiebstag  getrungen,  und  austrncklich  bedingt.,  werden,  das  nf  den  widerigen  fal 
die  bewilligte  contribution  nichts  sein . . sol.“  Es  ist  zugleich  eine  Versicherung 
für  die  coiitribuirendcn  Stände  zn  erwirken,  dass  die  Hülfe  zn  keinem  andern  als 


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dem  von  ihnen  gewollten  Zweck  verwandt  werde;  es  ist  fllr  Abstellung  der  coufes- 
sionellen  Ungleichheit  bei  Besetznng  der  Befehlshaberstellen  und  anderer  Aeuiter  zu 
sorgen.  Falls  von  den  Türken  kein  Angrift  zn  Itefahren  ist.  die  .Stände  alter  in 
ihren  billigen  Anträgen  befriedigt  werden,  nhi!  dann  eine  Hülfe  vom  Kaiser  verlangt 
wird,  so  hat  man  mit  andern  die  sicherste  uud  erträglichste  .Art  dieser  Hülfe  und 
die  Bedingungen  derselben  zu  bedenken,  vor  dem  wirklichen  Beschluss  aber  Bescheid 
einznholen. 

L’eber  Münze  und  Moderation  bat  der  Unionstag  beiliegende.s  Betlenken  der 
A'erordneten  genehmigt.  — ln  den  .Anlagen  ferner  Antwort  auf  Badens  Bitte  um  ein 
Bedenken  in  der  Eik’.schen  Sache  nebst  dem  Schreilten  an  den  Kaiser  darüber,  des- 
gleichen Bedenken  der  Verordneten  nnd  Intercessions-schreiben  an  den  Kaiser  auf 
die  Beschwerden  der  Stadt  gegen  die  Burg  Friedberg,  der  Stailt  Kempten  gegen  den 
dortigen  .Abt.  — Geheimhaltung  der  Uuionsverhandliingeu. 

Datum  Rottenburgk  a.  d.  T.  Den  28.  Martii  anno  1613. 

Stuttgart.  Uuiouaacta  XHl.  f.  22'J  Orig. 


IX. 

Letzt«  Verhandlungen  der  Unirten  mit  Erzherzog  Maximilian  und  dem  Kaiser. 

Am  l.S.  October  Ubergiebt  Geizkofler')  im  Namen  des  Erzherzogs  fol- 
gende Schrift;  1.  „compositionstag“  wird  auf  Ostern  1614  nach  Speier  angesetzt: 
es  werden  „die  unterhendler  jetz  benaut.  Aldar  der  ganze  punctus  iustitiae  uud 
bederseits  gravamina  furgenommen,  darinnen  gütlich  tractirt,  und  wits  daselbsteu  ge- 
handlet,  oder  ratsam  und  thunlich  befunden,  der  Kai.  M.  referirt  werden  (sol). 
2.  Die  corrigirte  hofraUordnung  sol  den  churfnrsteu  mit  allerehistem  zngestalt,  unter 
des.sen  nnd  bis  auf  künftigen  commissiunstagk  mit  fortstel-,  erkeu-  und  exequirung 
der  process,  so  die  religion  betreffen  und  sonsten  in  die  geklagten  gravamina  mit 
einluuffen,  in  specie  der  Badischen,  Aachischen,  Friedbergischen,  Biberach’schen,  Weil 
der  stat,  und  Mulheimischeu.  ein  unvergreiflicher  stilstant  erhalten  (werden).“  Darüber 


1)  l)«hns  bemerkt  zum  18.  October : man  vermuthe.  diese  Schrift  rühre  nur  von  tieiskofler  her, 
welcher  gern  ein  zutes  Ende  der  Sachen  a&lie,  da  man  ihm  an  ;t00.000  ft.  schnldig  sei;  „er  ist  in 
dieser  aacli  aer  emsic  gewesen ; hat  sich’a  sehr  in  gemüt  gerogan  und  vil  drin  gearbeitet,  das  er  sich 
eine  krankbeit  uf  den  hali  gezogen.  Etlige  meineten,  es  wer  der  schlag ; er  aber  sagte,  es  seic  nnr 
eine  mattigkeit.“  — Vom  l.b.  October  bemerkt  Dohna:  Mazimilian  Itekennt  den  Correapondirenden, 
dass  Geizkofler  einige  Poncte  mit  ihm  „confmrt“  habe.  Den  lanb  2 erwähnten)  Schein  aei  er  bereit 
zu  ertheilen,  wenn  es  der  Kaiser  befehle.  Weiter  bemerkt  der  Erzlierzog  : es  wäre  ihm  leid,  wenn 
aie,  die  , .einerlei  geblnt  weren,“  einander  in  die  Haare  kämen.  „Ifamit  er  auf  gut  aufrichtig  Taitach 
mit  uns  houdolte,  so  were  er  zufrieden,  das  alles  übel  über  in  gienge,  als  über  den  minston  der  nn- 
sern.**  — «Wir  hielten  in  (so  notirt  Dohna)  für  einen  frommen  aufrichtigen  füraten.  Der  liebe  got 
behüte  ihn ! Ist  vera  imago  lutris.“  — Ueber  die  .tatorsebaft  siehe  unten  die  brandenburgische  Re- 
lation vom  18.  October. 


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168 


soll  den  Gesandteu  ,,von  der  f.  d.  erzher/.og  Maiimiliauo,  sintemal  die  Röra.  Kai.  M. 
dessen  bedenckeiia  haben,  schriftlicher  schein  erteilet  werden.“  S.  Donauwörth  soll 
zwischen  jetzt  und  Ostern  „plenarie  in  geistlich-  und  politischen  Sachen,  auch  allem 
deme,  was  von  dannen  wegk  gefüret,  In  den  alten  stant  restituirt,  den  catholischen 
aber  ir  freies  exercitium  oiie  alle  Verhinderung  gestattet  werden.  Woher  der  ange- 
forderte executionskosten  zu  neinen,  wirt  der  Kai.  M.  one  massgebuug  heimbgestellet. 
4.  AYan  die  correjpondirende  sich  mit  den  übrigen  stendeu  in  votando  ratioue  qiio- 
tae  vel  conditiounm  einer  einhelligen  meinung  . . nicht  vergleichen  würden , stehet 
zue  deren  gelcgenheit,  ire  notturft  nicht  allein  in  den  raeten,  sondern  absonderlich 
der  Kai.  M.  vorznbringen  , desgleichen  . . auch  bei  abhömug  des  abschiedes  l>ei  der 
Meintzischeu  canzlei , das  inen  die  unterlassene  coutradiction  bei  der  ötfeutlichen 
ablesuug  wie  auch  der  suhscription  uupraejudicirlich  sein  sol,  zu  protestiren  und  zu 
begeren , die  protteitation  dem  protocollo  einzuverleiben.  Sie  sollen  auch  mit  den 
6scalischen  proces.sen  in  sSlchen  feilen  nit  gefaret  werden." 

Hierauf  erwidern  die  Cor  r espo  udi  re  n de  n am  14.  October:  1.  Einver- 
standen, und  auch  „das  die  unterhaendler  von  der  Kai.  M.  noch  alhier  benent  werden, 
damit  man  solches  allerseits  angehörigen  örtern  reteriren  möge.“  Die  Relation  der 
Unterhändler  an  den  Kaiser  über  das  Verglichene  und  Nichtverglichene  hat  zu  ge- 
schehen, „damit  hernaechst  und  bei  rea-ssumtion  des  reichstags  auch  solcher  unver- 
glichener  Sachen  halb  ferner  versuch  gethan,  und,  wie  es  im  reich  herkommen , mit 
wissenden  dingen  darin  gehaudiel  und  entliehe  Vergleichung  getrotfeu  werde,“  Der 
Kaiser  wird  Anordnung  thnn,  „das  dieser  pmict  also  in  den  itzigen  reichsahschiet 
gebracht  werde.“  2.  Einverstanden.  Die  Vorlage  der  Hofrathsordnuug  erwartet  man 
noch  am  gegenwärtigen  Reichstag.  Die  erwähnte  Suspension  muss  gelten  „cum 
etfectu  bis  der  commissionstag  vorüber,  und  die  Sachen,  wie  zu  hotten,  entweder  da- 
selbsten  verglichen,  oder  bei  künftigem  reichstage  andere  Verordnung  geschehcu.“ 
Hinsichtlich  Biberachs  und  Weils  erinnert  mau.  „das  es  umb  keine  prucess  oder  ex- 
ecpintiou,  sondern  urab  eine  nuparteiliche  gütliche  Commission,  darumb  i.  Kai.  M. 
gehorsambst  ersucht  worden , zu  thun  sei."  Im  allgemeinen  bittet  mau  nochmals, 
dass  Ober  die  fraglichen  isachen  vor  oder  doch  l)ei  dem  Compositioiistag  gütliche 
Vergleiche  unterhandelt  werden.  Den  angebotenen  Schein  des  Erzherzog.^  nehmen 
die  tiesaudten,  obwol  dazu  nicht  instrnirt,  au,  wenn  nun  einmal  eine  Ijezligliche  .An- 
ordnung im  Reichsabschied  nicht  zn  erhalten  ist.  3.  Einverstanden.  Der  .Stand  „in 
kirchen,  schulen,  hospitatn  und.,  im  reginient“,  wie  er  vor  der  Execution  war,  ist 
herznstellen , und  darnach  den  Katholischen  ihre  Iteligionsfibung  im  Kloster  zum 
heil.  Kreuz  zu  sichern.  Liquidation  und  Unkosten  gehen  die  Correspondirenden 
nichts  an.  Man  erwartet,  „das  i.  M.  auch  diesen  pnncten  in  den  aWhiet  mit  ein- 
verleiben werden.“  4.  Die  Erfahrung  von  vielen  Reichstagen  lehrt , dass  man  mit 
Protestiren  und  Conditioniren  gegen  die  Verbindlichkeit  der  Majorität  nicht  gesichert 
ist.  Mau  wiederholt  daher  das  Ausiuueu , dass  die  Prote.stationen  und  Coudilionen 
in  Relationen  und  Abschied  gebracht  werden , oder  dass  mindestens  die  t'orrespon- 


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169 


(lirenden  durch  einen  Schein  dee  Kaisers  oder  Anweisung  desselben  an  seinen  Kunimer- 
gerichtsfiscal  gegen  fiscalische  Processe  gesichert  werden.  Die  (Gesandten  bitten 
hierauf  um  schriftlichen  Bescheid,  „oder  mcissen  der  begerten  dimission  halb  ire 
vorige  erklernng  wiederholen,“ 

lieber  diese  Schriften  und  was  darauf  folgte,  berichten  die  Bra  n den  bu  rge  r 
Gesandten  am  18.  October:  am  13.  wurde  eine  neue  schriftliche  Resolution 
„im  nameu  des  erzherzogen  Maximiliani“  durch  Geizkofler  den  Correspondirenden 
übergeben  und  darauf,  da  sie  nicht  genügte,  am  14.  eine  schriftliche  Antwort  über- 
reicht. Ära  15.  Erforderung  sämmtlicher  Städtegesandten  vor  den  Kaiser,  der  sie 
durch  den  Ticekanzler  ermahnen  liess,  vom  fernem  Betreiben  ihrer  Beschwerden 
abznlassen  und  die  von  den  „gehorsamen  staenden“  bewilligten  30  Monate  auch  zu 
bewilligen.  Dann  wurden  sie  zu  weiterer  Besprechung  mit  den  kaiserlichen  Räthen 
beschieden.  Hierbei  .sonderten  sich  die  katholischen  Städfegesandten  von  deu  evan- 
gelischen ab,  ohne  dass  man  weiss,  was  sie  erklärt  haben.  Die  evangelischen  Ötädte- 
gesandten  erklärten , bei  den  von  den  Correspondirenden  übergebenen  Schriften  zu 
beharren.  — Der  Ausschuss  der  übrigen  Correspondirenden  wurde  am  15.  vor  Erz- 
herzog Maximilian  beschieden,  welcher  ihnen  erklärte:  weder  auf  ihre  Erklärung  vom 
14.  noch  auf  die  vom  10.  Oct.  haber  er  vom  Kaiser  eine  Erklärung  ausbriugeu 
können.  Da  er  nicht  mehr  länger  am  Reichstag  verweile,  mögen  sich  die  Correspon- 
direnden an  deu  Kaiser  selber  wenden.  In  der  am  13.  übergebenen  Schrift  sei  ,, das- 
jenige, was  von  dem  scheine,  so  i.  f.  d.  den  elenden  geben  sollen,  darinnen  vermeldet, 
des  Geizkoflers  vorschlagk  gewesen ; doch  trügen  i.  f.  d.  über  der  ausstellung  des 
Scheins . . kein  bedencken,  wan  es  nur  i.  M.  wil  und  befelich  were.  .An  demselben 
aber  tbettc  es  ennangeln.“  — Am  16.  reiste  der  Erzherzog  ab  — Am  selbigen  Tag 
wurden  sämmtliche  Corregpondirende  vom  Kaiser  lieschieden,  dann  aber,  nachdem 
man  sie  ohne  die  dem  geringsten  fürstlichen  Gesandten  gewährten  Rücksichten 
empfangen  und  warten  hatte  lassen,  auf  den  folgenden  Tag  beschieden.  Da  endlich 
Audienz  beim  Kaiser,  welche  ohne  irgend  ein  Zeichen  kaiserlicher  tinade  — der 
Kaiser  griff  beim  Hereinkoraraen  nicht  einmal  an  deu  Hut  — vor  sich  ging,  ln  seinem 
Namen  hielt  Clm  den  Vortrag,  der  ausdrücklich  als  die  letzte  kaiserliche  Erklärung 
bezeichnet  wurde,  ')  Dalrei  wurde  den  Correspondirenden  auch  verwiesen , dass  sie 
in  der  letzten  Schrift  an  den  Erzherzog  Maximiliau  zu  .scharfe  Worte  gebraucht 
hätten.  ,, Solches  alles  ist  uns  nun  zimblich  nahet  gangen,  sonderlich  weil  auch  aus 
solcher  anzeig  befunden,  das  alles  zuerucke  gehandlet  würde ; den  uns  hiervor  sowol 
vom  Kaiser  in  Schriften , als  auch  vom  erzherzogen  und  dan  von  des  teiiffels  mis- 
geburt,  dem  Kleesei,’)  merere  zuesage  und  versprüchnis  geschehen  wäre.“  Der  Aus- 
schuss bat  daher  um  Zeit  zu  schriftlicher  .Antwort,  was  ihm  vom  Kaiser  bewilligt  ward. 


1)  Eine  Änfieicbnani?  derselben  giebt  Dobna.  Eine  andere  lindet  sieb  in  der  ge>lmckten  Re- 
lation vom  Reichfltag  (Senkenberg,  Sammlung  ungedruckter  nnd  rarer  Schriften  1.  S.  141). 

*d)  Piei«  Orthographie  tritt  hier  nen  ein.  Der  Grund  liegt  am  Tage. 


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170 


Darauf  Vcrsamiuliing  der  Correspondireudeu  uuter  Zur.iehuug  der  Städte  und 
Vereinbarung  der  achrifttichen  Erklärung.  ‘)  — Zu  der  kaiaerticheu  Erklärung  ist 
7,u  beai’liten : die  rnterhändler  des  beabsicbtigten  Speirer  Tnga  werden  nicht  genannt, 
wie  doch  „r-uvorhin  verheisehen.  Und  hatjeu  wir  sonsten  von  andern  örtern  genng- 
.«amcn  bericht,  da.s  Trier,  Sachsen,  der  Erzherzog  Maximilian  unil  lantgraf  Ludwig 
hierzu  gezogen  werden  sollen.  Weil  aber  diese  alle  mer  auf  erweitterung,  ausbreitiing 
und  propagatioii  der  kaiserlichen  juristliction  sehen,  forter  als  das  sie  solche  au  irc 
alte  limite.a  liesage  der  cainmergerichtsordnung  und  anderer  reichasatzungen  alligirt 
und  eingezogen  zue  sehen  begeren  sollen . lantgraf  Ludwig  auch  sich  solcher  hof- 
process  wieiler  lantgraf  Moritzen  bis  in  gcgeuwart  aclb-sten  gebraucht,  werden  chnr-, 
fürsten  und  stende  wol  zuezuschawen  haben,  was  dergestalt  zum  wercke  vor  bofiiung 
zue  tragen."  Man  schweigt  Uber  den  „modus  piocedendi,“  gieht  al)er  mehr  als 
genügend  zu  verstehen,  „das  auch  hieriuuen  uberal  die  niaiora  den  Schluss  machen, 
und  das  übrige  pro  extremo  znni  ausschlage  des  Kaisers  gestalt  werden  solte.“  Als 
letzter  Termin  der  Verhandlung  war  bisher  stets  Ostern  angegeben,  jetzt  heisst  es: 
Ostern,  „da  e.s  müglicli.“  — Die  Kpfurnmtion  des  Hofraths  soll  nacdi  der  Capitu- 
lation  „alsofort  zu  eiiigang  des  reichstags  da  .sein  und  den  steuden  vorgelegt  werden:" 
jetzt  wird  die  Vorlage  ohne  Benennung  einer  Zeit  und  nur  für  die  Kurfürsten  zu- 
ge-sagt.  Da  die  Reformation  ausserdem  der  allgemeinen  Meinung  nach  von  Mainz 
entworfen  ist.  so  wird  sie  die  Evangelischen  gewiss  nicht  befriedigen.  Wer  endlich 
soll  der  „moderation"  bei  .Anstellung  und  A'ollstreckmig  der  Execntioiisproeesse 
tränen V War  doch  vorher  durch  den  Erzherzog  , .diese  gewisse  /.iie«age  gethau.  das 
alles  bi.s  an  den  Speiri.schen  tagk  in  itzigem  zuestande  verhleilien  solle."  Wegen 
der  Restitution  Donauwörths  geschieht  jetzt  .,nnr  in  generc  Vertröstung,  das  solche 
(stat)  wircklich  restitnirt  werden  solte,  wan  wir  da.s  gelt  zur  coutentirnug  des  Reieru 
darreichteu,  da  sich  doch  der  Kaiser  zuvor  durch  Kleesln  in  beiseiu  des  erzherzogen 
erkleren  lassen,  der  zuesagen  Kaiser  Riidolti  stricte  zue  iuhaerireu , ingleichen  noch 
vor  geendigtem  reichstage  die  vollkommene  restitutiou  zu  thueu.  *)  Itzo  aber  wirt 
der  zeit  ganz  gesohwiegen  Es  ist  auch  das  wort  ‘wirkliche  restitutio’,  so  alhier 
gebraucht  worden,  ein  solch  wort,  so  ganz  anf  schrauben  stehet.“  Die  Evangelischen 
können  zu  den  Kosten  der  Restitution  nicht  beitragen.  „Soviel  daun  letzlich  die 
maiora  lietrift,  thut  aucli  in  demselben  pass  die  erklerung  den  Sachen  kein  genügen; 
den  solche  werden  hierdurch  dem  herkoumieu  znwieder  auch  in  contributione  ge- 
sterckt  und  stabilirt.“ 

I)  In  Jer  geiirockten  Kelation.  Beil.  P. 

Kbsil’i  Krklsruna  vom  *,  Octoher  lautet  nach  ,1er  tieaandteu  ei;;enein  Bericht  ;Oct  9): 
„wehren  tionswert  wollen  sie  Kaieers  RuüolH  erklerung  inhaeriren,  onü  solte  ans  solche  restltulrt 
werden."  Baiern  sei  bereits  zur  Liqnslatlun  aufgefordert,  doch  müssen  die  Stande  dem  Kaimn  zur 
Aufbringung  der  Kosten  beistehen. 


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B e i t r ä e 


zur 

Geschichte  der  Grttndung  imd  der  ersten  Periode  des 
bayerischen  Hansritterordens  vom  heiligen  Hnbertns 

1-44.-4—1700 


J.  Würdinger. 


Abh.  a.  III.  CI.  d.  k.  At.  d.  WiM.  XV.  Ud  II.  Abth, 


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Beitrüge 

zur  Ocschichte  der  Gründung  und  der  ersten  Periode  des  bayerisclien 
Hausritterordens  vom  lieilisen  Hubertus  1444  — 1709 

von 

J.  Würdinger. 

Vom  Uegieruiigsantritte  Kaisur  Carl  IV'.  an  bis  zu  dem  Zeitpunkt« 
an  dem  Kai.ser  Maximilian  I.  die  früher  willkürlichen  V'erbindungen 
deutscher  Länder  durch  Einfühmng  der  Kreise  zu  einem  Theile  der  Reichs- 
verfaasung  machte,  war  Deutschland  in  einem  Zustande,  den  man  als 
einen  Bundesstaat  wiiil  bezeichnen  können.  Der  gi’össte  Theil  schien 
sich  in  Bündnisse  einzelner  Stände  auHösen  zu  wollen.  Grössere  Landes- 
herren, der  rittcrschaftliche  Adel,  die  Städte,  selbst  die  Bischöfe  ver- 
banden sich  untereinander,  um  sich  ihrer  Existenz  gegen  die  UbImu-- 
griffe  und  Angriffe  des  anderen  Tlieils  zu  eiwi^hren,  zuweilen  auch 
um  über  die  V'ei-theidigung  hinaus  auf  Unterdrückimg  der  Gegen- 
partei hinzuwirken,  wobei  es  deim  nicht  selten  geschah,  dass  zwei 
Stände  gegen  den  dritten  gemeinschaftliche  Saclie  machten,  Eüi'sten  und 
Städte  miteinander  verbunden  gegen  den  fehdelustigen  Adel,  oder  wieder 
Fürsten  im  V'ei-eine  mit  der  Ritterschaft,  gegen  die  Städte  oder  einen 
anderen  Gegner  auftraten.  Diesem  Drange  nach  Association  scheinen 
mir  auch  diejenigen  Verbrüderungen  zwischen  Füllten  mul  Adel  ent- 
sprossen zu  sein,  welche  sieh  im  Norden  Deutschlands  im  Laufe  des 
15.  Jahrlumdei'ts  mit  dem  Namen  Orden  bildeten,  und  die  eljenso  den  Cha- 
racter  einer  geistlichen  V'ereinigung  der  Genossen,  durch  für  die  Mit- 
glieder vorgesohrielx'ne  Gebetübungen  und  den  gemeinsamen  Besuch  des 
Gottesdienstes  au  bestimmten  Tagen , als  den  der  V'ersammlung  des  Adels 


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A 


!74 


um  ihren  Fürsten  zur  Verfolgung  weltlicher  Zwecke  trugen.  — Schon 
Ende  des  14.  .Tahrhunderts  tritt  eine  derartige  Gesellschaft,  die  nach 
ihrem  Bundeszeichen  „einem  goldenen  oder  silbernen  llosenkranz“  die 
Gesellschaft  zum  Rosenkranz  genannt  wurde,  in  Cleve  auf  Ihre  Stifter, 
der  Graf  Adolf  voji  Cleve,  stsin  Bruder  der  Graf  von  der  Mark  imd  sein 
ältester  Sohn  Ailf  bestimmten  die  Dauer  des  Bundes  auf  zehn  Jahre.') 
Ihr  folgte  1440  die  Stiftung  des  Schwancnni'dens  in  Brandenburg,  1444  die 
des  Orden.s  Set.  Hubertus,  auch  „vom  Horn“  genannt,  in  Jülich,  dann  1408 
zum  Gedachtnlss  au  den  üt)er  den  Hereog  von  Cleve  bei  Straelen  er- 
fochtenen Sieg  die  eines  „Marienordens“  in  Geldern,  der  aber  schon  mit 
seinen  ersten  Trägern  wieder  endete.®) 

Die  höchste  politische  Bedeutung  unter  den  genannten  erwarb  sich 
der  Schwanenorden,  in  dessen  Reihen  aus  der  Zeit  des  Kampfes  der 
Wittelsbacher  mit  Kaiser  und  Reich  auch  die.  Xamen  mancher  Glieder 
des  oberj>fälzischen  mul  bayerischen  Adels  verzeichnet  sind.  Die  letzten 
Aufnfihmen  in  densellien  fallen  in  das  .lahr  152Ö.*)  In  älterer  und 
neuester  Zeit  beschäftigte  sich  di(»  Forschung  vielfach  mit  seiner  Ge- 
schichte, weniger  glücklich  ist  in  dieser  Beziehung  der  seit  1444  fort- 
bestehende. 1808  durch  König  Ma.ximilian  1.  zum  Hausorden  der  Imyer- 
ischen  Herrscherfamilie  erhobene  Hubertus-Orden,  über  dessen  Entstehung, 
Statuten,  Mitglieder  für  die  Zeit  von  1444 — 1709  in  den  die  Ritterorden 
behandelnden  .Schriften  nur  äussei-st  dürftige  Nachrichten  enthalten  sind. 
Den  Nachweis  zu  lief(TO,  dass  es  aber  zur  Darstellung  seiner  Geschichte 
auch  für  die  erste  I’erif)de  seines  Bestehens  nicht  an  urkundlichem  Ma- 
terial fehlt,  ist  die  .Aufgabe,  die  ich  mir  für  heute  gestellt  halie. 

Mit  Eduard  HI.  der  als  Bräutigam  der  Herzogin  Catharina  von 
Bayern  in  der  Schlacht  von  Baesweiler  am  24.  August  1371  fiel,  starb 
der  nassauische  Füi-stenstamm,  welcher  von  1229 — 1371  die  Herrschaften 
Geldern  und  Zutphen  bese.ssen  luitte,  aus.  Sieben  Jahre  lang  währte 
der  Kamiif  um  die  Nachfolge  zwischen  ilen  erbberechtigten  Schwestern 
des  verstorbenen  Herzogs,  .\n  Mechtilde  die  kinderlose  AVittwe  des 


1)  Tross:  r.  Schuren  Chronik  von  Clere  und  Mark  187. 

2}  Kettersheitn.  Gestchiefate  der  Stadt  und  des  Amts  Geldern. 

3)  Hsenle,  Urkunden  und  Nachweise  zur  Geschichte  des  Schwanenordens.  Seite  flg. 


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170 


Grafen  Johann  von  Cleve,  schloss  sicli  die  Pailei  der  Heeckern.  an  Marie, 
die  Gemalin  des  Herzogs  Wilheiui  von  Jülich,  die  der  Bronkhoi'sten  an. 
Nachdoni  der  .Sohn  der  letzteren  Wilhelin  das  grossjährigu  Alter  er- 
reicht hatte,  erhielt  er  am  29.  November  1377  von  Kaiser  Carl  IV. 
die  Belehnnng  mit  Geldern  imd  Zütphen , und  in  Folge  dessen  verzichtete 
Mechthilde,  ilie  in  der  Zwi.schenzeit  sich  mit  Johann  von  Chatillon. 
Grafen  von  Blois  vermahlt  hatte,  gegen  eine  Jahresrente  von  33000 
Goldschilden  (24.  Miii-z  1379)  auf  ihre  Ansprüche.  Als  Herzog  Iteinald  IV. 
um  25.  Juni  1423  ohne  Hinterlassung  ehelicher  Krbeu  starb,  endete  mit 
ihm  auch  der  Mannsstämm  der  Herzoge  von  Geldern  aus  dem  Hause 
Jülich.  Von  den  drei  Priltcudenten , die  sich  um  die  Ilerzogthümer  Gel- 
deiTi  und  Jülich  bewarben:  Arnold  von  Egmont,  Sohn  der  Maria  von 
,4rkel,  deren  .Mutter  Johaimn  eine  Schwester  der  beiden  letzten  Herzoge 
von  Geldern  Wilhelm  und  Heitiald  gewesen  war;  Herzog  Adolf  von  Berg, 
uiiil  Johann  von  Locn,  Herr  zu  Heinsberg,  waren  die  Ansprüche  Arnolds 
nach  dem  Ilausbrauche  der  geldernschen  Fürstenfamilie,  der  die  Erb- 
berechtigung der  weiblichen  Linie  anerkannte,  am  begründete.sten.  Auf 
der  Tagfalu-t  zu  Nymegen  wählten  die  Bitteisichaft  und  Städte  Gelder- 
lands am  28.  Juni  den  dreizehnjährigen  Arnold  von  Egmont  zu  ihrem 
Herzoge,  die  Vereammlung  der  jülichischen  .Stände  zu  Heinsberg  erkor 
sich  dagegen  den  Herzog  Atlolf  von  Berg  zu  ihrem  Herm.  Der  Stoff 
zu  einem  langwiei'igen,  Land  und  Leute  bedrückenden,  im  Geiste  der 
Zeit  mit  Verwüstung  und  Brand  die  gegenseitigen  Besitzungen  beschädi- 
genden Fehdezuge  war  geboten.  Ungeachtet  da.ss  Kaiser  Sigismmid 
am  15.  August  1424  erklärte,  er  halte  den  Grafen  Egmont  für  den 
nächsten  Erbberechtigten  und  rechten  Hen-n  der  Lande  von  Geldern  und 
Jülich,  so  sprach  er  sich  doch  schon  im  nächsten  Jahre  für  den  Herzog 
von  Berg  aus,  und  belehnte  diesen  1428  mit  Geldern  als  einem  an  das 
Iteich  heimgefallenen  Lehen.  W-rgeblich  waren  die  Bemühungen  Adolfs 
der  von  Jülich  Besitz  ergrift'en  hatte,  auch  die  Bewohner  Gelderns  zu 
unterwerfen,  die  Fehde  begann.  Den  am  13.  Juli  1429  auf  vier  Jahre 
geschlossenen  Stillstand  brach  Arnold  durch  seinen  Angrifl'  auf  Wilhelm 
von  Buren.  Am  kaiserlichen  Hofe  währten  die  Verhandlungen  wegen 
der  Erbfolge  fort.  .Als  weder  .Arnold,  noch  die  tmgehorsamen  Geldern- 
schen der  dreimaligen  Vorladung  vor  das  Keichsgericht  Folge  leisteten. 


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176 


wurde  über  sie  am  17.  Juli  1431  die  Acht,')  am  6.  November  dessellwn 
Jahres  die  Abenicht  ausgesprochen.  Die  Antwort  Aniolds  auf  diese 
Maa.ssregel  war  ein  Einfall  in  das  Gebiet  von  Jülich  (1433),  doch  zwang 
ihn  die  in  seinem  Heere  ausgebrochene  Pest  z.ur  Heimkehr. 

Wiederludt  wiu’de  mm  vom  Kaisei-  Acht  und  Aberacht  über  den 
Herrn  und  das  Land  von  {ioldern  (1433)  verkündet,  der  Landgraf  Lud- 
wig von  Hessen,  der  Erzbischof  vom  Mainz,  die  Stadt  Dortmund  er- 
hielten den  Befehl  dem  Herzoge  von  .lülich.  der  die  Erlaubniss  habe  das 
Ueichsl)anner  gegen  den  Aberächter  von  Egmont  zu  führen,  zu  helfen, 
worauf  Adolf  auch  1434  und  1435  mit  Jülicrii.schen,  Bergischen  und 
Cölniscdien  Trujipen  in  das  geldrische  Uberquartier  rückte,  bis  endlich 
am  4.  März  1436  ein  AVaflenstillstjmd  auf  4 Jahre  zu  Stäindo  kam. 
Während  dieser  Fehden  hatte  der  Kaiser  gegen  den  Verächter  seiner 
Befehle  neue  Watten  geschmiedet  und  den  Bischof  Johann  von  Lübek 
beauftragt,  den  Papst  Eugen  und  das  Concil  von  Basel  aufzufordern,  sie 
möchten  mit  Kirchenstrafen  gegen  die  Aechter  von  Geldern  vergehen, 
ln  Folge  die.ses  Ansinnens  orliess  das  Concil  im  Juli  1434  au  mehrere 
rheinische  Prälaten  den  Auftrag,  die  Geächteten  mit  Kirchenstrafen  zu 
bedrohen,  und  als  dieses  nicht  zum  Ziele  führte,  erhielt  der  Bischof  von 
Elbing  1436  den  Befehl,  ül)er  Arnold  und  seine  Unterthanen  den  Bann 
aiiszuspi‘e(dien.-) 

Die  Hofthung  des  Grafen  Egmont,  der  Kaiser  würde  nach  dem 
Tode  des  kinderlosen  Herzog  von  Jülich  (8.  Juli  1437)  seine  Ansprüche 
auf  Jülich  und  Geldern  anerkennen,  war  trügerisch,  denn  Sigmund  be- 
lehnte bald  nach  Erledigung  die.ser  Läniler  den  Gerhard , einen  Brndere- 
Bohn  des  N'erlebten  und  Urenkel  des  Pfalzgi-afen  lluprecht , des  Aelteren. 
zuerst  mit  Jülich,  Berg  und  ltavenslH;rg,  dann  auch  mit  Geldern  und 
Züti)hen,  und  forderte  die  Bewohner  der  beiden  letztgenannten  Herr- 
schaften auf,  diesen  als  ihren  Erbherrn  aufzunehmen  und  zu  empfangen.*) 
Die  Bestätigung  dieser  Belehnungen  durch  Kaiser  Friedrich  HI.  ei-folgto 


1)  I^comblet  toin.  IV  iiro 

2)  CrkuDtlenMinmlung^  do  von  ßedinglioveu.  coil.  g«nn.  22dl  im  VllI  nro.  70,  71  d«r  Hof* 
und  StJuUbibliotliek  MQncben. 

d)  RedinghoTen  c.  1.  nro.  00,  01,  0*1,  04. 


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177 


1442.')  Im  folgenden  Jahre  bereitete  Ileraog  Gerhard,  von  Lüttich  und 
dem  Erzbischöfe  von  Cöln  imtei-stützt , einen  Angriff  auf  Geldern  und 
dessen  Biuidesgenossen  den  Herzog  von  Cleve  vor  und  nahm  letzterem 
am  IH.  Septemlrer  1443  das  Schloss  Bruch  an  der  Ruhr  ab.  Nachdem 
Egmont  mit  Lüttich  Frieden  ge.schlossen.  und  so  seinen  Bücken  gegen 
Angriffe  geschützt  hatte,  beschloss  er  nach  Ablauf  das  bis  zum  10.  Ok- 
tober 1444  verlängerten  Stillstandes  seine  Ansprüche  auf  Jülich  mit  Waffen- 
gewalt durchzusetzen,  und  bot  hiezu  seine  Mannschaften,  sowie  die  der 
Bundesgenossen  Utrecht  und  Cleve  auf.  Finde  Oktober  fiel  Figmont  mit  2200 
Reitern  in  den  nördlichen  Theil  von  Jülich  ein,  und  verbrannte  in  der  Nacht 
vom  2.  auf  den  3.  November  längs  der  nach  der  Hauptstadt  führenden  Strasse 
1 7 Dörfer.  Auf  die  Kunde  von  diestmi  Ueljerfalle  berief  Herzog  Gerhard 
seine  Rittei'schaft  aus  .Fülich  mid  Burg,  sowie  die  Bürger  der  Städte 
unter  sein  Banner.  Nur  800  Reiter  brachte  er  zusammen,  doch  standen 
oft  eqirobte  Krieger  der  Graf  Gerold  von  Blankenheim  , • die  Herrn  von 
Menxle.  Palant  und  Birgelen  mit  ihren  Manen  in  der  Schaar.  Am 
Morgen  des  Set.  Hubertustages  (3.  NovemlMu-)  wurde  ein  Ritterschlag 
abgehalten,  zuerst  erhielt  ihn  der  Herzog  von  einem  alten  Ritter,  dann 
ertheilte  er  ihn  an  alle  Ritterbürtigen,  die  darnach  begehrten,  darnach 
wurde  auf  der  nach  Linich  und  Bracheln*)  führenden  .Strasse  der 
Vorniarach  angetreten.  Gegen  zwei  Uhr  Nachmittags  wurtle  man 
des  F’eindes,  der  auf  dem  linken  Ufer  der  Ruhr  herabzog,  ansichtig, 
ra.sch  ordnete  Gerhard  seine  Treffen,  und  sich  an  die  Spitze  des  eirten 
Haufens  setzend,  stürmte  er  auf  den  F'eind  los,  mit  Wucht  des.sen  Reihen 
durchbi-ecliend.  Der  Sieg  war  bei  seinen  Fahnen.  Ueber  dreissig  geldiasche 
Ritter,  unter  ihnen  Gerard  von  Wardenburg,  .Johann  von  Zaiwt,  Jacob 


1)  ReiUnRhoven  uro.  9.'». 

2)  Wilhelm,  Sohn  zu  HgiDont  und  Herr  tu  Mechei*‘n,  bezeichnet  den  Ort  des  Treffens  opdem 
velde  boynen  Lynge  ind  Braichelcn.  Lncomblet  IV.  ürk.  274.  Die  MiinstereiÄer  Chronik  (1270— 14ö0- 
giebt  die  Starke  der  Geldrischen  auf  2700,  die  der  JOlicher  anf  l2iH)  Pferde,  den  Verlust  ersterer 
auf  5(M)  ITerde  an  (Annalen  für  den  Nie^lerrheln  Heft  l.'i.  Seite  201.)  Der  Verlauf  des  liefechtea 
wurde  nach  einer  gleichzeitigen  Chronik  ron  Cöln,  (Chroniken  der  <1eQttichen  Städte  14.  Band  Seite  7S5) 
beschrieben;  die  Namen  dcrTbeilneiinior  enthält  eine  Uandechnft  des  kgl.  Hausarchtves,  die  im  Besitze 
des  Pfaltgraven  Philipp  Wilhelm  war.  Die  Annahme,  die  Stiftung  des  Klosters  der  Kreuzberrn  zu  Düssel- 
dorf sei  mit  der  des  Hubertus-Ordena  gleichzeitig  und  wegen  des  Sieges  erfolgt,  ist  irrig,  sie  geecliah 
ein  Jahr  früher  am  14.  August  144^1.  Lacombet  Band  IV  Urk.  249. 


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178 


von  Viirick , Garnier  von  Zaneck  lagen  toJt  auf  der  Wallatadt,  Wilhelm 
von  Egrnont,  Aniolds  Bruder,  Thiry  von  Uiedwick,  der  Baillif  von 
Egniont,  Johann  von  Broichhuisen  „der  den  Krieg  roirte,“  Heinrich  von 
Boxnier,  Everard  von  Wilpe,  Johann  von  Arendael,  Johatui  von  Vianen, 
Johann  von  Bronchorat,  Bene  d'Oyen,  Heinrich  von  Oppelieren,  Herr- 
inan  von  Wye,  Herr  zu  Hernen  und  viele  andere  Bitter  und  Knap]ien 
fielen  in  (Jefangenschaft , aus  der  mancher,  der  das  Lösegeld  nicht  auf- 
bringen konnte,  erst  iin  Jahre  1448  entlassen  wurde.  Mit  dom  Siege 
verloren  die  Geldern,  wie  die  Chronik  sagt,  aber  auch  die  reiche  Beute, 
die  sie  bislier  gemacht  hatten,  und  die  Ehre  der  Waffen;  zur Xachtszeit 
Hohen  sie  aus  dem  Lande  der  Heimat  zu,  noch  jetzt  wiisfimd  und  bivn- 
nend.  — Von  jetzt  an  war  zwischen  Jülich  und  Geldern , die  durch  die 
langwierigen  Fehden  an  Kräften  und  Geld  erschöpft  waren,  Friefle. 

Der  über  diesen  glücklichen  Erfolg  hoch  erfreute  Herzog  von  Jü- 
lich errichtete,  entw'eder  am  Schla«’httage  selbst')  oder  in  <len  näclisten 
diesem  folgenden  Tagen  zur  Kbre  Gottes,  Mariens  seiner  liel)en  Mutter 
und  des  heiligen  Marschalk  Sanct  Hubert  zum  Zeichen  des  Dankes  für 
ihre  besondere  Hilfe  für  Herren  und  Damen  eine  Bruderschaft,  und 
einen  um  den  Hals  zu  tragenden  Orden,  der  unter  dem  Namen  Orden 
Scti  Hul)erti,  oder  nach  der  Form  des  anhiingenden  Kleinodes  „vom 
Horn“  genannt  wunle.  Fcststijhonde  Statuten  scheint  die  Gesellschaft  in 
iler  ersten  Zeit  nach  dem  Wortlaute  der  Be-stiitigungsurkunde  vom  Ja- 
nuar 1477  „welch  Orden  doch  l)isher  nä  Noitturft  nyet  eigenlich  be- 
stettigt,  noch  confirmeert  en  is“  nicht  gehabt  zu  haben;  die  Fonn  des 
ersten  ( )rdenzeicbens  war  die  nämliche,  die  wir  im  Original-Gesellscliafts- 
buch  des  Jahres  1477  abgebildet  finden,  das  Statut  von  147fi  bestimmt 
ausdrücklich  „da.ss  der  Orden  von  Gold  oder  Silber,  je  nach  Stand  und 
Geburt,  von  der  Form  sein  soll,  die  der  Stifter  Gerard  dafür  bestimmt 
und  verordnet  habe.“  Die  Bundosglieder  von  1444 — 1471  sind  in  einer 
vom  tJ.  Mai  1655  datirten  .Abschrift  erhalten,  welche  Butkens  d'Anoiy 
von  einer  i'ergamenthandschrift,  die  durch  ihren  Einband  von  rotheni 


1)  Eine  bei  ReUinghoven  enthnltene  alte  Genealogie  der  FUrston  von  Jälicb  sagt  bei  Gerard, 
instiUit  1441  ordineru  eqaeetrem  ä.  Hubert! , ipsa  Scti.  Huberti  die,  qao  devieit  EgmonUoora, 
Geldriae  dncem. 


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179 


Saniiiit  und  die  goldene  Scliliesso  als  das  Original  des  ersten  Gesell- 
schaftsbuches  gekennzeichnet  ist,  nahiii.')  Sie  war  iin  Besity.e  des  Doyen 
von  Cleve,  des  Herrn  von  Palant,  des  Sprossen  einer  Familie,  die  im 
Orden  selbst  «nehrfacli  vertreten  ist.  Ausser  dem  Stifter  Gerard  und 
seiner  Gemahlin  Sophia,  einer  Prinzessin  von  Sachsen,  nennt  die  Liste  aus 
dem  Gründungsjahre  1444;  an  fürstlichen  Personen  den  Kurfürsten 
Ludwig  von  der  Pfalz,  Herzog  Wilhelm  von  Sachsen , den  Herzog  Friedrich 
von  Bramischweig,  den  Markgrafen  Jacob  von  Baden;  an  Grafen:  Kverard 
von  der  Jlark,  Johann  Graf  von  Nassau  und  Jacob  von  Horn;  an  Herrn 
und  Rittern:  Johann  von  Heinsberg  Lobenberg,  Bruno  von  Querfurt 
und  Thiery  von  Mandeiucheid , an  Damen  die  Prinzessin  Elisabeth  von 
Nassau  und  Sophia  von  Palant  als  Mitglieder.  Die  nächsten  Aufnahmen 
zidden  1449  — 2,  1452  und  1455  je  1,  1458  — 2,  1460—  1 1461—3, 
1462  — 6,  1470  — 8 Zugänge,’“)  worunter  2 Fürsten,  3 Füi-stiimen, 
8 Grafen,  13  Herrn  und  Ritter,  so  dass  die  Zahl  der  von  1444 — 1471 
aufgenommeuen  Mitglieder  38  betragt,  jedes  derselben  ist  mit  seinen 
vier  Ahnen  aufgeführt. 

Sein  besonderes  Interesse  wendete  nach  dem  Tode  des  Stiftei-s 
Gerard  (1475)  dessen  Sohn  und  Nachfolger  in  den  Herzogthümern  Jülich 
und  Berg,  Wilhelm*)  dom  Orden  zu,  uml  Hess  kurze  Zeit  nach  dem 
Regierungsantritte  für  denselben  die  Statuten  verfertigen,  die  vom 
22.  Jämier  1476  datirt  sind.  Die  Originalurkunde,  welche  zuerst  in  der 
Ordenskirche  zu  Nydegg,  nach  deren  Zerstörung  im  schmalkadisehen 
Kriege  seit  1550  in  der  Collegia tskirche  zu  unserer  liel>en  Frau  in  Jülich 
hinterlegt  war,  ist  verschülieii,  doch  sind  von  ihr  im  17.  und  18.  Jahr- 
hunderte durch  die  Notare  Steprath  und  Leutmann  amtUch  beglaubigte 
Abschriften  in  nieder-  und  obei-deutscher  Sprache*)  genommen  worden 
aus  deren  Inhalt  folgende  Bestimmungen  sich  ergeben. 


1)  Die  Abschrift  liegt  im  Oricasarchiv  im  iliDistcriam  de«  Aeossern  and  des  kgh  Hauses. 

2)  Vide  Beilage  nrn.  1. 

3)  Wilhelm  liess  tu  M&hlbeim  einen  Goldgulden  mit  dem  heiligen  Hobertus  KhUgon.  Von 
Carl  Theodor  exlstürt  ein  Dacatc  mit  dem  Uabertos-Orden  von  IToO. 

4)  Beide  Abechriften  liegen  im  Ordens-Archiv«  ride  Beilage  2 and  3.  Schon  vx  Anfang  des  10. 
Jahrhonderta  waren  die  Archive  des  (^llegiataitiftea  and  des  Sepalcbrinerconveatet  in  Jlllicb  nicht 
mehr  aufxofindeo.  Zeitaebrift  des  Bergischen  Qeschifhtavereines  IH.  313. 

Abb.  d.  III.  CI.  d.  k.  Ak.  d.  Wiss.  XV.  Bd.  II.  Abth.  24 


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180 


Nacli  einer  Einleitmifr,  in  welcher  der  zwischen  Jülich  und  Geldern 
bestehende  Erlistreit,  die  Schlacht  und  die  darauf  erfolgte  Stiftung  <les 
Oiilens  erzählt  wiril.  erklärt  Herzog  Wilhelm,  er  wolle  nun  den  bisher 
ohne  genügende  Statuten  bestehenden  {trden  im  Sinne  seines  verstor- 
benen Vaters  mit  solchen  vei-sehen,  ihn  bestätigen  und  verl>essern,  zu- 
gleich bestimmt  er  für  ewige  Zeit  die  KiiThe  Joliann  des  Täufers  zu 
Xydeggen  zum  Sitze  der  Bruderschaft. 

Als  Ordenszweck  wird  die  Verehrung  Gottes,  der  Gottesmutter  Maria, 
des  heiligen  Marschalls  Set.  Hubert  und  der  fünf  Wimden,  wie  sie  ihm 
am  Charfreitag  an  dem  Crucifix  zwischen  dem  Geweihe  des  Hirsches  er- 
schienen, bezeichnet.') 

Ueber  das  Tragen  des  Ordens  um  den  Hals  lautet  die  Vorechrift, 
dass  er  an  allen  heiligen  Tagen  angelegt  werden  soll,  wem  diess  nicht 
möglich,  der  habe  an  den  hohen  Festen  und  andern  Tagen,  das  Hu- 
berttiszeichen , welches  er  mit  dem  Orden  empfangen,  ober  i>der  unter 
den  Kleidern  zu  tragen.  Wer  diess  unterlä.sst,  und  desshalb  zur  Anzeige 
kömmt,  hat  am  Set.  Hul)ertu.stag  dem  Herolde  eine  Geldbusse  zu  ent- 
richten. Würde  Jemand  den  Orden,  ehe  er  ihn  rechtlich  empfangen, 
tragen,  so  hat  der  Herold  ihn  darüber  zu  bereden,  uml  ihm  den  Ge- 
brauch des  Zeichens  im  Namen  des  Herzogs  zu  verbieten,  im  Wie<ler- 
holungsfalle  das.selbe  dem  Frevler  abzunehmen,  es  dem  Herzog  einzu- 
schicken, der  das  abgenommene  Kleinoil  dann  mich  Nydegg  Ln  den 
Ordensschatz  sendet. 

Nur  sechzig  fromme,  liebe  .Männer,  die  nie  wider  die  Ehre  gehandelt 
und  von  ihren  vier  Ahnen  von  guter  schildkundiger  Kittei-schaft,  d.  h. 
von  adelich  gebornen  Filtern  und  Gros.seltern  sLinl,  können  in  den  Orden 
aufgenommen  werden.  Wer  in  die  Brudei-schaft  eintreten  will , hat  den 
Ueizog  persönlich  oder  schriftlich  darum  zu  bitten.  Ist  der  Bewerber 
dem  Filmten  genehm,  so  erhält  er  von  diesem  einen  Brief  an  die  vier 
Brudermeister,  welchen  er  diesen  am  Hubertusfeste  mit  einer  von  zwei 


1)  cod.  icoo.  gibt  hi<;r  abireicbenii  : Id  Kre  Gottes,  in  Lre  der  beiligea  Dreifaltigkeit,  der 
heiligen  fünf  Wunden  und  de«  heiligen  Marscbalks  Set-  Huprecht,  Maria  ist  nicht  erwänt.  — Aasstr 
Set.  Hubert  wurden  in  der  Kirche  Klein  Martin  tu  Köln:  Antonias,  Cotnelluti,  Qoirina« 
als  heilige  Marsclialke  verehrt. 


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181 


Ilittei-siimnen  eidlich  imerkaimfen  Ahneiiprobe,')  in  der  auch  ilie  Wapi^n 
gemalt  sind,  übergiebt.  Finden  die  Bruderineister  und  der  zur  Prüfung 
der  Ahnentafel  beigegebeiie  Herold  alles  richtig,  »<>  hat  der  Candidat  in 
die  fiewellschaftskas!«;  nach  seinem  Range  das  Eintrittsgeld  zu  erlegen. 
Flin  Friis<t  «iebt  in  die  Lade  12,  dem  Herolde  4;  ein  tlraf  oiler  freier 
Fldelmaun  6 mul  2;  ein  Rittermann' 5 und  1 oberliindische  dulden  jei len 
zu  4 Mark  cölnisch  gerechnet.  Der  neu  Eiutietende  schwört  in  die 
Hände  eines  der  vier  Rrudermeister  „Weder  mit  Rath  noch  That  gegen 
den  Herzog  zn  handeln,  Treuo  und  Freundschaft  den  Huudesgliederu  zu 
halten,  die  Ordensstatuten  genau  zu  beobachten,  die  Mithriider  gegen 
ehrenrührige  Nachrede  in  Schutz  zu  nehmen,  und  dem  Angegriffenen 
diese  kund  zu  thun.  Würileii  Verhältnisse  eintreten,  dass  ein  lllied  iler 
Brudei’schaft  gegen  den  Herzog  feindlich  auftreten  müsste,  st>  soll  er 
ilieses  dem  Fürsten  sechs  Wochen  zuvijr  schriftlich  verkündigen  und  den 
Orden  nach  Nydogg  zurücksendeu.“  Nun  erhält  der  Bewerlier  von  dem 
Brudenneister  den  Onlen,  sein  Name  mit  den  AhnenwapjHm  wird  durch 
den  Herold  in  das  Brudei’schaft.sbuch  eingetnigen.  An  i^eligiösen  Ver- 
pflichtungen übernimmt  der  Neueingetretcne , dass  er  jeilen  Tag  fünf 
Pater  noster  und  ebensoviele  Ave  Maria,  an  den  Quatember  Freitagen 
fünfzehn  Pater  noster  und  Ave  Maria  zur  Ehre  Gottes  und  der  heiligen 
fünf  Wunden,  wde  die  Set.  Hubert  zwischen  dem  Hirschgeweih  am  Char- 
fi'eitag  erblickte,  botet,  am  Vorabende  des  Hubertustages  fastet,  oder 
wenn  es  ihm  lieber  ist,  einen  Ghorius  zu  iJ  kölnischen  Weisspfennigon 
in  die  Ka.sse  oder  an  die  Armen  giebt,  und  den  Namenstag  des  Schutz- 
patrons, (wahi-scheinlich  in  der  Ordenskiivhe)  feiert.  Ausserdem  sollen 


1)  Als  Belapie!  einer  AbnouproiMt  mag  folgemln  4eni  Einscbreibbiiehe  des  0i‘i1eii«arcblrs  out* 
Qommt'oe  geiten : 

Nuns  Gorobert  comte  de  Nienwenare  et  Henry  de  Home,  sire  de  Perwei*  du  pals  de  Uuäbk, 
Gbole,  Herbier  etc.  faisona  scaroir  a mus  nobles  et  gcaereux  Mreü.  de  Vordre  ducal  du  St.  Mari- 
chal  St.  Hubort  |»ar  contes,  qae  Nous  eai  aparu  ct  notoir,  que  Vave  p&tornel  de  nre  eher  Cuiiaia  et 
Parent  Mesaire  Jean  Sire  do  Mcrixie  de  Petersheym , et  na  graiide  mere  materoeUu  fut  une  fille  d« 
Bergeg  «nr  Ic  Zoom,  tous  leg  qnolz  de  ieur  extraction  de  tout  ancieonete  son  eatez  noblen  bien  nccx, 
St'i^rneurs  bannerctx,  telun  que  ogu«  uvons  apprins  et  eiitendu  du  uoa  Predecesseurs  et  pareng  et  ne  le 
scavona  autrement;  Ce  cj  escrirons  gar  nre.  eerment,  I«  quel  nous  arona  preete  et  faict  a nro.  eher 
Seigneur  En  testnoignage  de  Terite  Nous  avnna  faict  pendre  a ces  preaentes  noz  seaux  Donau 
en  Van  nostre  Seig'-  quatorx*.'  eens  B^ptaotu  slxu  le  diinancbc,  qu*üa  chaat«  Retniniscere. 

24* 


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182 


sicli  die  Mitglieder  erbarlich  halten,  einander  lielwn.  besonders  alwr  in 
keinem  öffentlichen  Oeverspüll  (Khebruch)  sitzen.  Würde  ein  Mitglied 
die  Ordensstatnten  niiasnchten.  oder  sich  gegen  die  Ehre  grtiblich  ver- 
gehen, soll  der  Urudenneister  oder  der  Herold,  dem  dieses  kund  wird, 
dem  IhTzoge  davon  Anzeige  machen.  Dieser  beruft  dann  die  Bruder- 
meister  und  nach  seinem  Belieben  eine  Anzahl  Bitter  an  seinen  Hof,  und 
ladet  den  Bezüchtigten  zur  Verantwortung  bei  diesem  Ehrenrathe  vor. 
Im  Falle  eine  Venirtheilung  erfolgt,  wird  dem  Betheiligteu  die  Ordens- 
ketto  abgenoiiimen  uud  nach  Nydegg  geschickt,  sein  Name  aus  dem  Oe- 
scllschaftsbuchc  „gewischt.“  Der  Tod  eines  Mitgliedes  mus.s  dem  Dekan 
zu  Nydegg,  der  auch  die  Orden.skette  in  Empfang  nimmt,  angezeigt 
weiden,  damit  die  vorgesohriebene  kirchliche  Trauerfeier  abgehalten 
werden  kann. 

Auf  Antrag  der  Ordensritter  koimten  auch  deren  Ehefrauen  in 
die  Bruderscliaft  aufgenommen  werden.  Wenn  sie  die  Ahnenprolie  be- 
standen, die  Statuten  zu  halten  versprachen,  imd  das  ilen  Männern  vor- 
gcschriebene  Beitiittsgeld  erlegt  hatten,  schickten  den  Damen  die  Bruder- 
meister den  Orden  zu.  — Die  Eniennung  der  Hofjungfrauen  zu 
Ordensgliedern  liehielt  sich  der  Herzog  als  (Irossmeister  vor.  doch  durften 
dieselben  das  Abzeichen  nur  so  lange  tragen,  als  sie  im  Dienste  der 
Herzogin  standen,  auch  sie  mussten  die  vorgeschriebeneu  Gebete  ver- 
richten, und  am  vorgeschriebenen  Tage  fasten.  Der  Fürst  liestimmte 
ausserdem,  dass  er  auch  ohne  die  Brudermeister  nach  Belieben  „einen 
FüT'sten.  Gi'afen  oder  Freiedelmann  in  den  Orden  aufnehmen  könne.“ 

Zur  Aufivchthaltung  der  Statuten,  Verwaltung  des  Vermögens  und 
Aufbewahrung  der  Kleinodien  waren  vier  Bruderme  ister,  zwei  aus 
dein  Lande  Jülich,  ebensoviel  au.s  dem  von  Berg  ernannt,  welchen  für 
liesondere  Verichtungen  bei  den  Adelspi’obeu  und  zur  Wahrung  guter 
Sitten  unter  den  Mitglieileni  ein  Herold,  als  Verwaltungsratli  der  Decan 
und  die  zwei  ältesten  Canonichen  des  Stiftes  Nydegge  beigegeben  waren. 
Ausser  <len  liereits  in  frühem  Abschnitten  berührten  Verrichtungen  kamen 
den  Brudernieistern  noch  folgende  zu.  Am  Set.  Hubertus-Abend  sollen 
sie  sich  in  Nydegg  einfinden  und  Sorge  tragen,  dass  au  diesem 
Tage  in  der  Collegiutskirche  für  die  leliendon  und  todten  Bruder  und 
Schwestern  Messen,  Vigilien  und  Fürbitten,  am  Hubertustage  selbst  für 


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183 


die  Verstorbenen  eine  Seelenmesse,  für  die  Lebenden  ein  gesungenes 
llocbaiut  abgehalton  werden.  Hierauf  folgt  die  Verlesung  der  Statuten, 
die  Eidesnbnahme  und  die  Ordensüberreicliung  an  die  neuen  Iti-üder. 
Darauf  wühlen  sie  für  das  nächste  .Jahr  vier  andere,  hiezu  geeignete 
Brudenneister,  schicken  die  Wahlacte  dem  Fürsten  ein,  und  bostinimen 
den  Tag,  an  welchem  sie  ihr  Amt  übergeben,  und  über  die  abgelaufene 
Amtszeit  Uechenschaft  geben  wollen.  So  soll  es  alle  Jahre  gehalten  werden. 
Sollte  einer  der  Brudermeister  durch  Krankheit  odei’  Hausnoth  gehindert 
sein  am  Set.  Huliertustage  bei  der  Versammlung  zu  erscheinen,  hat  er 
hievon  schriftliche  Anzeige  zu  emtatten,  und  die  andern  drei  handeln, 
als  wenn  alle  vier  da  wären;  ebenso  wird  es  gehalten,  wenn  einer  oder 
mehrere  im  Laufe  des  Jahres  mit  Tod  abgegangen,  die  Beschlüsse  der 
übriggebliebenen  haben  gleiche  Kraft,  als  ob  der  Uath  vollständig  besetzt 
gewesen  wäre.  Im  Vereine  mit  dem  Dechant  und  Capitel  der  Ortlenskirche 
haben  die  Brudermeister  viermal  des  Jahres  an  den  Freitagen  der  Qua- 
temberwochen, die  Abhaltung  der  Messen,  Vigilien,  und  Fürbitten  für 
lebende  und  todte  Ordensglieder,  sttwie  das  dazu  bestellte  Geläute  zu  l>e- 
sorgen,  wofür  sie  doppelte  Prüsenzgelder  erhalten.  Es  sollen  die  Bruder- 
meistor auch,  wenn  sie  am  Hubertus-Altend  und  des  Patrons  Festtag  an- 
wesend. für  ihre  Auslagen  an  Kost  und  Zehrung  aus  der  Bundeskasse  ent- 
schädigt werden.  Ferner  liegt  ihnen  ob  in  der  Kirche  einen  Verschluss  zur 
Hinterlegung  der  Bundesgelder  und  Kleinodien  herzustellen , zu  dem  jeder 
einen  eigenen  Schlüssel  empfängt;  zur  Verwaltung  und  Verwahrung  dieser 
Gegenstände  sind  der  Dechant  und  zwei  Canonicer  beizuziehen.  Die  Gelder 
sollen  auf  erbliche  Beuten  angelegt,  und  die  Zinsen  zur  Erhaltung  des 
Capitels,  Auszahlung  der  Präsenzgelder,  Anschaffung  von  Messbüchern, 
Kelchen,  Glocken  und  anderer  Notdurft  verwendet  werden.  Würde  das 
Ordensvermögen  sich  so  vermehren,  dass  sich  Uebenschüsse  ergäben,  haben 
sie  diese  zur  Mehrung  der  Messen,  Erhöhung  der  Gebühren  für  .\bhal- 
tung  derselben  und  zur  Förderung  des  Kirchenbaues  zu  verausgaben.  Der 
Dechant  und  die  zwei  Canonichen  haben  die  eingesendeten  Kleinode  auf- 
zubewahren, bis  sie  dieselben  den  Brudermeistern  zum  Verschlüsse  über- 
geben können. 

Betrachtet  man  die  vorstehenden  Statuten,  so  ergiebt  sich,  dass  der 
Hubertus-  wie  der  vier  Jahre  früher  in  Brandenburg  gegründnte  Schwaneii- 


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184 


Orden,  mit  dem  er  auch  manches  Statut  gemeinsam  hat,  einen  geistliclien 
und  weltlichen  Character  tragt,  der  einerseits  in  den  vorgeschriebenen 
Gebetübungen  und  der  Feier  der  Gottesdienste , anderei’seits  in  dem  dein 
Fürsten  geleistetem  Schwure,  der  diesem  die  Hilfe  und  den  Beistand  lier 
Ordensbrüder  in  Aussicht  stellte,  seinen  Ausdruck  fand. 

Feber  die  Quelle,  welcher  wir  den  Bestand  des  Ordens  von  1473 — 
1500  entnehmen,  i.st  es  nöthig  einiges  zu  liemerken. 

Der  ^'erfas.ser  einer  im  Aufträge  im  17.  Jahrhundert  gefertigten 
Zusammenstellung  der  aus  friiherer  Zeit  erhaltenen  Aufzeichnungen') 
des  Ordens  berichtet,  dass  beim  Brande  des  Schlosses  Xydegg  1542  das 
Archiv  der  Herzoge  von  Jülich,  die  Original -Documente  des  Ordens  und 
viele  andere  Papiere  zu  Grunde  gegangen  seien.  Reclmet  man  zu  dieser 
Thatsache  noch  den  zersbironden  Kintluss  dreier  Jahrhunderte,  die 
.Stürme,  die  während  ihres  Verlaufes  geraile  über  jene  Gegenden  hin- 
brausten, so  mag  die  Behauptung  nicht  gewagt  erscheinen,  unsere  Hof- 
und  Staatsbibliothek  habe  durch  die  Schankung,  welche  der  höchst  selige 
König  Ludwig  I.  ihr  mit  der  Papierhandschrift  cod.  icon.  31S  machte, 
das  einzige  noch  liestehende,  au.s  dem  16.  Jahrhunderte  stammende 
Schriftstück  des  Ordens,  und  zwar  ila.s  in  den  Statuten  bezeichnete  Ein- 
schreibbuch erhalten. 


1)  Vor  <U<^er  Aafzeichnnnif,  welche  «len  Titel:  rinRtitution  de  l'Ordre  de  St  Robert  ioRtitne 
par  le  bault  et  paii»ant  prince  Gertr«!  }»&r  le  ^r&ce  de  Dien  doc  de  Joliers  et  de  Berg:  etc  fuhrt  befinden 
sich  io  München  zwei  Kiemplare.  I)ae  eine  io  Polin,  nach  den  gestickten  Insignieo  auf  der  Einband- 
decke Eigentbmn  eines  Biücbofes  and  Ordensgliedes,  war  1^:14  im  Besitze  des  Baron  d'Udekcm  io 
Loeweo  ond  wurde  theilweiae  von  Baron  KeilTeoberg  Im  VIII.  Bao-le  der  nooreaui  Memoires  de  PAca- 
deinie  de  Bruxelles  vcrbfrentlicht,  bei  weicher  Geiegeoheit  er  auch  eine  Beschreibung  der  Hand'Cbrift 
un«l  d<^  ineisterhaft  gezeichneten  Titelbildes,  einer  Darstellung  Set  Huberts,  das  ein  Werk  des  Malers 
Marten  Voimi  1601),  der  die  Werke  Dürers  nelfach  copirte,  sein  dürft«,  giebU  letAA  kirn  die 
Hamlschrift  durch  den  Baron  van  den  Steen  Jehay  als  Geschenk  in  die  Hände  Künig  Ludwig  1.,  der 
sie  dein  Ordensarebiv  einv«>rleibte.  Sie  scheint,  da  in  der  Vorrede  ein  Vorschlag  zu  einem  Ordens- 
costüm  und  dem  Ccremonie))  bei  der  Aufnahme  enthalten  ist,  bereits  mit  dem  6e«lanken  einer  Er- 
nenerung  des  Ordens  verfasst  worden  zu  sein.  — Das  zweite  Exemplar  in  1®  befindet  sich  im  könig- 
lichen Hausarebiv  und  ist  durch  eine  Inschrift  als  aus  der  Bibliothek  des  PfaUgrafen  Philipp  Willielm 
stammend,  kennbar.  Sie  stimmt  mit  Ausnahme  der  Vorre«li%  die  bei  I.  auRfQhrlicher  behandelt  ist, 
mit  dem  obigen  in  den  Kamen  und  Wappen  der  ()rdensgli«>der,  ond  ihrer  Eintheilung  voUständig 
überein.  Für  die  Verzeichnisse  der  Inhaber  147-1— löOO  liegt  den  Aufzeichnungen  der  cod.  kon.  JJIS 
zu  Grunde,  das  Übrige  wurde  aus  den  Ordenspapieren  entnommen.  Beide  Ma'ioscripte  scheinen,  da  sie 
die  Aufzeichnungen  Butkens  nicht  benützten,  vor  dem  Jahre  16V»  gefertigt  worden  zu  sein. 


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185 


Das  Buch  besitzt  noch  seinen  Orij^naleiubaml  von  gepi'esstem  dunkeln 
I^eder  mit  einem  Theile  des  in  gothischer  Form  gehaltenen  Messinglw- 
Bcldäges.  und  zählt  142  nununerirte  Blätter,  das  hiezu  verwendete  Papier 
in  Gross-Octav  ist  gerippt,  und  trägt  verschiedene  IVasserzeichen.  darunter 
am  häufigsten  einen  Hund  mit  Halsband  und  einem  aus  dem  Itücken 
eniporsteigenden  Stalte.  eltenso  eine  Hinde  mit  nach  rückwärts  gewendetem 
Ko])fe.  Auf  der  lliickseite  des  vorderen  Buchdeckels  befindet  sich  von 
der  Hand  eines  Künstlers  die  Darstellung  Set.  llulterts  mit  der  Unter- 
schrift: ü Sente  Hu]irechtz  sy  uus  genadig.  Der  Heilige  in  roth  und 
grün  getheiltem  Jagdanzuge.  mit  einer  vom  Heiligenschein  umgebenen 
Filzkupi>e  auf  dem  Haupt  ist  mit  Knebelspiess , Jagdschwert  und  Dolch 
bewehrt,  und  trägt  an  einem  rothen  mit  grün  gerändertem  Bande  sein 
Hiüfliorn.  \^on  einem  Jagdhunde,  auf  dessen  Halsband  die  Buchstalten 
B V,  begleitet,  schreitet  er  durch  ein  Flussthal,  rechts  von  ihm  jenseits 
des  F’lusses  erhebt  sich  ein  Berg  dessen  Gipfel  von  einer  stattlichen  Burg 
gekrönt  ist,  unter  ihr  und  am  Fusse  des  Borges  sind  'Wohnhäuser,  wahr- 
scheinlich Nydegg,  auf  dem  links  von  dem  Wanderer  liegenden  baum- 
bedeckten Hügel  steht  ein  zieiidich  unscheinbares  Kirchlein,  vor  dem 
ein  Mann  kniet,  die  Urdenskapelle  darstelleiul.  Das  1.  Blatt  trägt  auf 
seiner  Vorderseite  das  Wappen  von  Jülich  und  Berg  mit  dem  Herzschild 
von  Ravensberg,  um  den  Schild  schlingt  sich  mit  sechs  Kettengliedern 
an  denen  das  Kleino<i  mit  der  Darstellung  des  vor  dem  Hirsch  knioendon 
Hubertus  und  dem  Hiefhorn  hängt,  die  grosse  goldene  Ordenskette. 
Aus  der  rothen  Krone  des  goldenen  Helmes  steigt  ein  Pfauenwedel  empor. 
Auf  der  Rückseite  die  Inschrift:  Dyt  synt  Hertzoch  Gerartz  myns  gne- 
digen  Hem  IV  Annich  Herrn:  Hertzoch  zo  Guilg,  zo  dem  Berge,  grave 
zo  Ravensberg.  Syns  vaiders  moder  eyn  Palzgravinne,  ind  syn  moder 
eyn  Gravynne  Tcklenborch,  ind  svnne  moder  moder  eyn  Doch  ind  gra- 
vymie  van  Mors.se.  Die  dazu  gehörige  Ahnentafel  folgt,  da  auf  den 
Blättern  2,  3,  4 der  Auszug  der  ürdensstatuten  enthalten,  auf  der  Vorder- 
seite des  Blattes  5,  auf  dessen  Rückseite  dann  als  zweiter  Eintrag  folgt : 
In  den  Jaren  unss.  Hem  na  gt)tz  gebm'te  dae  men  schreiff  14  c dry  ind 
seveutzich  stai-ff  myns  gnedigen  Hem  Frousve  Frouwe  Sophia  ind  ir  Soin 
Hertzoch  Adolph,  den  got  gnedich  ind  barmhertzich  syn  wille  Amen. 
Mit  diesen  beiden  Einträgen  ist  die  Zeit  gegeben,  in  welcher  das  Buch 


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1H(! 

bpfronnen  wunle,  sie  fiillt  noch  in  die  Kogierungsperiode  üerards  1473, 
also,  da  die  Hensogin  Sophia  bereits  als  gestorben  vni-getragen  wird  und 
Herzog  Oerard  1473  starb,  zwischen  1473  und  1475.  Uni  das  Allianz- 
wappen der  Herzogin  schlingt  sich  ebenfalls  die  goldene  Urdenskette 
aber  nur  mit  vier  Kettengliedern.  Von  fürstlichen  Personen  folgen  auf 
den  Blättern  6 — 18:  die  Herzogin  Margaretha  von  Sachsen,  Herzog 
Wilhelm  von  Jülich,  die  1479  gestorbene  Herzogin  von  Jülich  Elisabeth, 
die  erste  Frau  Herzog  Wilhelms  und  gebome  Prinzessin  von  Nassau 
Salbrück,  sowie  dessen  zweite  (lomahlin  (1481)  die  Herzogin  Sibilla,  eine 
Tochter  des  .Markgrafen  Achilles  von  Brandenburg,  und  Enkelin  der  Kur- 
fürstin Elisabeth  einer  Prinzessin  von  Bayern  Landshut 

Die  Kückseite  des  Blattes  1 7 bringt  die  nach  den  Statuten  ernannten 
vier  Bnidermeister  und  zwar  als  ersten  den  Grafen  Heinrich  zu  Limburg 
und  Herrn  zu  Broich,  als  zweiten  Herrn  Johann  zum  Baide  und  Petein- 
heim,  als  dritten  Engelbrecht  Birgelen,  Erbmalschalk  zu  Jülich,  als 
vierten  endlich  Berthold  von  Plettenberg,  Hofmeister  des  Herzogs  von 
Jülich.  Uelier  die  Zeit  ihrer  Ernennung  giebt  die  Notiz  „Dit  is  ange- 
haven  anno  77“*)  Aufschluss,  die  zwei  auf  der  nämlichen  Seite  folgenden 
weitern  Brudermeister  der  fünfte  Einand  von  Pallant,  der  sechste  Dieterich 
von  Hall  gehören  dann  dem  Jahre  1478  an.  Auf  Blatt  18a  ist  die 
Ahnentafel  Heinrichs  von  Limburg,  auf  sie  folgen  sorgfältig  eingetragen 
bis  Blatt  105  auf  der  Kückseite  der  Blätter  die  Namen,  auf  der  Vorder- 
seite die  Ahnenafeln  der  Ordensbrüder  und  Schwestern.*)  Die  auf  der 
Rückseite  von  105  enthaltene  Aufnahme  des  Conz  von  Alandei-scheid  im 
Jahre  1487  und  nach  drei  leeren  Blättern  auf  108,  die  am  Stephans- 
tage 148(5  erfolgte  des  Erkiuger  von  Seinsheim,  Herrn  von  Schwarzen- 
berg Ijezeichnen  für  die  vorhergehenden  Einträge  die  Zeit  von  14  77 — 
1486.  109,  110  sind  leer,  die  Blätter  111  und  112  enthalten  die 

Ahnentafeln  des  Dietrich  von  Hai  und  seiner  Frau,  113  die  eines  von 
Hochsteden.  Den  Schluss  des  Verzeichnisses  bilden  114  die  Aufnahme 


1)  Durch  diese  Notix  sind  i»ucb  die  iksienklicbkeiten  des  Baron  von  Reiffenberf?  in  der  oben 
bereichneton  Kdition  es  könnten  die  f^ensnnten  und  die  nun  folgenden  Mitglieder  xum  Jahre 

1444  gehören,  gelöst. 

Beilage  5. 


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187 


des  Coin  von  Vlatten  am  18.  .luli  1500  und  115  die  seiner  Frau  Anna 
von  Vclbrüggeii.  Die  Bliittor  115 — 142  enthalten  weder  Namen  noch 
Wappen,  sondern  nur  je  vier  Schablonen  für  Almentafeln.  Dass  das 
Buch  auch  später  noch  benützt  wurde,  zeigt  von  jüngerer  Hand  (Blatt  100) 
die  Notiz:  Anna  von  Plettenberg  starb  anno  1500.  — In  Mitgliedern 
und  Ahnen  um  meisten  vertreten  sind  die  Familien:  Merotle,  Nesselrode, 
Biuslelt,  Birgel,  Klderen,  Elverfeld,  Ohemen,  Gronsfeld,  lloiltorpp, 
Hoemen,  Hom,  Landsberg,  Pahuit,  Haide  von  (thidhach,  Sachsen, 
Schoonroide,  .Stuel  von  Holstein.') 

Der  auf  den  Blättern  2 — 5 enthaltene  .\uszug  aus  den  Statuten 
enthält  als  Aufsc’hriften  der  einzelnen  Kapitel : Sent  Huprechtz  Broder- 
• schafft  etc.;  Synen  eyt  unsem  gl.  ileni  zo  doin;  Der  weder  unsen  gl. 
heren  doin  moste;  Van  dem  vasten  der  broeder;  Van  degelichen  Gol)ede 
dei-  broeder;  Van  dem  quattertemper  gebede;  Van  der  vrawen  orden; 
Van  verlenongen  des  ordens;  Van  dem  dragen  des  ordens;  \’an  doden 
dess  broderschatf.  ‘ 

Die  Handsirhriften  des  Haus-  luid  Ordensurchives , sowie  Heiffenberg 
enthalten  eine  französische  Uebersetzung  dieses  Auszuges,  welcher  bei 
den  Aufschwoerungen  vorgelesen  wurde.  Da.ss  der  seit  1709  gebräuch- 
liche Wahlspruch:  „ln  Trau  vast’‘  schon  seit  der  Stiftung  be.stehe,  ist 
in  keiner  der  altern  Aufzeichnungen  bemerkt.  — Da.s  Drdensz eichen 
besteht  nach  den  Zeichnungen  im  cod.  icon.  318  aus  einer  bei  Männern 
sechs-,  bei  Frauen  vierglieilerigeu  goldenen  Kette,  an  der,  durch  ans 
der  Kette  herabreichondo  Bänder  festgehalten,  das  auf  einem  Hiefhorn 
ruhende  Kleinod  „Set.  Hubert  am  Fusse  eines  Berges  vor  dem  Hirsche, 
der  zwischen  den  Stangen  des  Geweihes  ein  Kreutz  tiiigt,  kniend,  hängt. 
Die  einzelnen  Kettenglieder  sind  durch  zwei  gegen  einander  gekehrte 
mit  in  Form  einer  8 verschlungene  Tragbänder  verbundene  Hiefhörner 
gebildet.  Zwischen  den  Kettengliedern  sinil  längliche  Wülsten  eingofügt, 
welche  nach  beiden  Seiten  die  Kettenglieder  überragen.“ 

Die  Ilegierung  Herzog  M'ilhelins  u)ulä.s.st  die  Glanzjwi'iode  dos  Or- 
dens, dessen  Beihen  nach  den  Aufzeichnungen  fast  vollständig  gefüllt 
waren,  schon  mK'h  seinem  Tode  (6.  September  1511)  aller  traten  Ver- 

1)  Beilage  IV. 

Abh.  d.  III.  CI.  tl.  k.  Ak.  d.  Wif«.  XV.  Bd.  II.  AUli.  Z.-> 


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188 


hältnisse  ein,  welche  ungünstig  auf  der  Bruderschaft  ferneres  Blühen 
wirkten.  Mit  Wilhelm  endeten  die  Herzoge  aus  dem  jülichischen  Hause, 
sein  Schwiegersohn  und  Nachfolger  Johann  vereinte  die  Herzogthümer 
Jülich  und  Berg  mit  seinem  Stammgute  dem  Herzogthume  Cleve.  Waren 
die  Ordensmitglieder  bisher  meist  aus  Jülich  und  Berg,  so  verlieh  Jo- 
hann denselben  hauptsächlich  auch  an  auswärtige  Grafen  und  Herrn. 
Da  die  Aufzeichnungen  nicht  mehr  so  regelmässig  gemacht  worden  zu 
sein  scheinen,  oder  verloren  gingen,  ist  es  schwer  zu  entscheiden,  welche 
von  den  meist  ohne  Vornamen  folgenden  Mitgliedern  noch  in  die  letzte 
Zeit  1500 — 1511  Herzog  Wilhelms,  welche  bereits  in  die  Johanns  fallen. 
Als  aufgenommen  sind  noch  beurkundet:  Johann  Herzog  von  Cleve  und 
dessen  Gemahlin  Maria,  Erbtochter  von  Jülich  und  Berg  (f  1543),  ferner  * 
aus  dem  Stande  der  Grafen  und  Herrn  die  Familien:  Solms,  Werden- 
berg, Hohenzollern,  Pappenheim,  Hanau,  Moers  Sarwerden,  Reiffei-scheid, 
Leiningen,  Finstingen,  die  Rhein-  und  Wiklgrafen,  Isenburg,  Nassau- 
Wiesbaden  und  V'ianden,  Rienek,  Bettingen,  Daun  von  Oberstein,  Nellen- 
burg,  Syrk,  'Wertheiiu  und  Limburg.  An  diese  reihen  sich  als  Ritter 
und  Edle  bezeichnet  Glieder  der  Geschlechter : Stubenlierg  aus  Oester- 
reich, Bullenheim,  Brackl,  Geinweiler,  Eller,  Hohenfels,  Harecourt, 
Beaucourt,  Beyer  von  Bo ppart,  Bullinghcu,  Frimersen,  Schalsberg,  Uhlen- 
broich, Keldenich,  üi’slwck,  Giinmenich,  Schaffhausen,  Emmendorp, 
Raedt  von  Fleistein,  Krummei,  Ixküll,  Knipprode,  Quadt,  Borscheid, 
Gimborn,  Trips.  Ob  unter  den  Aufgeführten  auch  diejenigen  Mitglieder 
sich  befinden,  die  dem  Fümten  den  Vorwurf  zuzogen,  er  habe  durch  die 
Aufnahme  von  Gesandten  der  Fürsten  und  Abgeordneten  der  Städte, 
welche  durch  ihre  Herkunft  hiezu  nicht  berechtigt  waren,  das  Ansehen 
des  Ordens  so  geschwächt,  das.s  der  Adel  weiter  kein  besKmderes  Ver- 
langen darnach  gehabt,  möchte  zu  bezweifeln  sein.  Herzog  Johann  wird 
in  der  .Aufzeichnung  als  der  dritte  und  letzte  (irossmeister  bezeichnet.') 
Bald  nach  dem  Regierungsantritte  dieses  FOinten  begannen  die  religiösen 
Bewegungen,  die  man  unter  dem  Namen  Reformation  zusammen  zu 
fassen  gewohnt  ist,  und  die  selbst  in  den  grossentheils  katholisch  ge- 


1)  llaniluchrift  dea  Ordenaarebives  Blatt  10. 


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18!» 


bliebenen  Ländern')  einen  Umschwung  der  Anscliauungen  schufen,  die 
einer  halb  geistlichen,  halb  weltlichen  Vereinigung  weniger  AVerth  bei- 
legten. Gerade  das,  was  solche  Bruderschaften  zur  Zeit  ihrer  Stiftung 
BO  hoch  in  den  Augen  der  Glieder  stellte,  das  religiöse  (iewand  in 
welches  ihre  Tendenz  eingehüllt  war,  nms,ste  bei  der  .Venderung  der 
Ideen,  die  bei  manchen  Mitgliedern  stattfand,  an  Geltung  verlieren,  und 
dieser  Umstand  wird  gewiss  mehr  als  die  zu  häufige  Verleihung  zum 
Verfalle  des  Ordens  beigetragen  haben. 

AVuitlen  schon  durch  die  genannten  Ui’sachen  die  Bande  der  Ver- 
brüderung sehr  gelockert,  so  traten  bald  nach  dem  Tode  des  letzten 
Grossmeisters  (1539)  Ereignisse  ein.  welche  sie  völlig  gelöst  zu  haben 
scheinen.  Es  wurden  nämlich  im  Jahre  1542  in  dem  Kriege,  den  Johanns 
Sohn  und  Nachfolger  Wilhelm  um  den  Besitz  von  Geldern  führte,  die 
alte  fürstliche  Residenz,  die  Häuser  der  Canonicer  in  dem  Stiidtchen  Ny- 
degg'“)  stark  beschädigt,  die  ausserhalb  desselben  liegende  Ordeiiskirche 
zerstört,  die  Besitzungen  verwüstet.  Da  der  Herzog  nicht  im  Sinne 
hatte  seine  Burg  w'ieder  aufzubauen,  machte  er  das  stark  befestigte 
Jülich  zu  seiner  Hauptstadt,  und  verlegte  dorthin  auch  das  von  seinen 
Vorfahren  gestiftete  und  reichlich  ausgestattete  Canonicat  (1 550  15.  Nov.)*) 
Der  päpstliche  Legat  Sebastian  Pighinus  gab  hiezu  seine  Zustimmung 
und  erlaubte  (1551.  13.  Februar),  dass  die  26  Präbondiston  auf  6 Priester, 
5 Diacone  und  3 Subdiacone  beschränkt  wurden, '•)  die  wirkliche  üeber- 
siedelung  des  Stiftes  fand  aber  erst  1569  statt.  Wenn,  was  aber  bei 
dem  Umstande,  dass  in  keiner  dieser  Urkunden  des  Ordens,  seiner  Fest- 
tage oder  des  Schatzes  Erwähnung  geschieht,  unw’ahrscheinlich  ist,  der 
Orden  als  Bruderschaft  noch  fortbestand,  so  genügte  die  lange  Unter- 


1)  ln  den  jOUcliischen  Aemtern  W&stenberg,  Born,  Heinsberg  und  Millen  kam  15:12  die  erste 
erangelische  Kirchengemeinde  zu  Stande 

2)  Njrdegg.  Schloss  und  Stadt  an  der  Roer.  Ersteree  wurile  zwischen  1141  und  1191  erbaut, 
1214  durch  den  gewaltigen  Jenseitstbarm  und  durch  eine  Vorburg  Terstarkt,  UUS  wurde  die  Neustadt 
erbaut.  134H  geschah  auf  den  Wunsch  des  Markgrafen  Wilhelm  von  Jülich  die  Verlegung  dea  Ca- 
nonicats  von  Stommel  nach  Xydegg.  Ausser  der  Beachiewsung  durch  Carl  V.  U542)  wurde  der  Ort 
1642  von  den  Hessen,  1678  von  deu  Fraozoeen  rerbrannt,  hierauf  1794  ein  Tbeil  der  Burg  abge* 
brochen. 

3)  Redingboven.  c.  1 XIV  Band  nro  1. 

4)  Redingboven  e.  1.  nro  2. 

2.->* 


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MIO 

lirecliung  der  Zusainnienkünfte  und  die  mit  ihr  verbundenen  jiolitischen 
Kreignisse  seinen  völligen  Untergang  herbeizufülu'en.  Schliesst  man 
ausserdem  aus  den  Statuten,  welche  der  jiäpstliche  Nuntius  Caspar 
Gropper  am  1.  Octnber  1574  dem  Stifte  g»>b.  und  in  denen  er  den  Ca- 
nonicem  das  Henunlaufen  in  der  Kirche  während  des  Gottesdienstes, 
freches  llormnsehen,  den  Besuch  von  Kneij)en  und  Spielhäusern,  das 
Tragen  von  Schwertei-n  in  der  Kirche,  das  Halten  von  Concubinen  verbot, 
und  ihnen  diis  Tragen  ehrbarei’  Kleider  anempfahl,')  auf  die  bei  den 
Stiftsherrn  heiTschenden  Sitten,  so  fehlte  es  auch  an  geeigneten  geist- 
lichen Persönlichkeiten,  welche  die  Würde  des  religiösen  Theiles  der 
Statuten  hätten  vertreten  können.  — Die  Aullösung  der  Set,  Huln'rtua- 
Bruderschaft  geschah,  da  keine  förmliche  Aufhebung  Ijekannt  ist,  nur 
allmälig,  und  man  kann,  da  einzelne  Mitglicaler  bis  zu  Ende  des  16. 
.Jahrhunderts  lebten,  für  die  Dauer  derKell)en  wohl  150  .Jahre  ansetzen. 
Die  Zahl  der  bekannten  Ordensglicder  beträgt,  über  200. 

Die  Erinnerung  an  das  Bestehen  des  liubertusordens  scheint  selbst 
in  iler  nähern  Umgebung  des  Hei-zogthum  .Jülich  sich  bald  verloren  zu 
haben,  denn  schon  das  in  Frankfurt  1593,  also  noch  zu  Lebzeiten  der 
eingebornen  Fürsten,  erschienene  Werk  Megisers  „über  alle  Ritterorden 
der  Christenheit'“  erwähnt  seiner  nicht,  und  stunein  Beisjiiele  folgt,  auch 
Mennenius  in  den  1613  zu  Cöln  erschienenen  ,,deliciae  eipiestrium  seu 
inilitarium  ordinum.  Eine  bereits  der  Geschichte  angehörende  Institution 
ist  er  1672  dem  Vei-fasser  der  Geschichte  des  goldenen  V'liesses  Elias 
Asmohle , der  in  der  Vorrede  von  einem  in  flämischer  Sprache  aljge- 
fassten  Buche  spricht,  das  die  Oiileu-sregeln  und  die  Mitglieder  bis  1487 
enthält,  also  nach  Umfang,  Sprache  und  Inhalt  mit  dem  Münchner  codex 
nbereinstimmt,  der  die  Veranlassung  zur  vorliegenden  Studie  wurde.  Ihm 
entnimmt  Schoencbeck  1699  in  seiner  „histoire  de  tous  les  ordres“'  einen 
kurzen  Abriss  der  Ordonsgcscliichte , liegleitet  ihn  al)er  mit  einer  der 
riiantasie  entsprungenen  Abbildung  des  Ordenszeichens. 

Nach  dem  kinderlosen  Tode  des  Herzog  .Johann  Wilhelm  von  Jülich, 
Cleve,  Berg  entbrannte  zwischen  den  sich  zur  Erl)folge  Ixirechtigt  hal- 
tenden Uiiusern  Branilenburg,  Pfalz-Neuburg,  Pfalz  Zwoibrücken  und 


1)  Redinglioven  c.  1.  nro  il. 


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191 


Sachsen  der  Clevische  Erbfolgestreit.  Er  endete  mit  dem  Clevischen 
Vergleich  Hl.  Sept.  1666),  in  welchem  Jülicli,  Berg  und  Bavenstein  dein 
Pfal/grafeu  Philipp  Wilhelm  von  Neubiirg,  dessen  Vater  Wolfgang  1614 
zur  katholischen  lleligiou  üliergetreten  war,  definitiv  zugesprochen  wurde. 
Wälirend  dieser  Wirren  und  noch  ein  halbes  .Jahrhnndert  darnach  ge- 
dachte Niemand  des  Ordens,  und  schon  schien  er  ganz  erloschen,  als 
ihn  Km-fürst  .Johann  Wilhelm  .Josejih  von  der  Pfalz,  zugleich  Uerzog 
von  Jülich  zur  Feier  der  nach  längerer  Trennung  erfolgten  Wiederver- 
einigung der  Ober-Pfalz  mit  seinem  .Stammlande')  am  28.  September  1708 
wieder  belebte,  und  mit  neuen  von  den  ursprflnglichen  wesentlich  ver- 
schiedenen Statuten  versah.  In  einem  an  den  Pfalzgrafen  Carl  Philipp 
gerichteten  Briefe  vom  3.  Jänner  1709  schreibt  der  Kurfüisst  seinem 
Bruder  fiter  die  Wiedererrichtung:  ., Nachdem  der  vom  Heraog  Gerhard 
dem  Set.  Hubert  zu  Ehren  gestiftete  Orden  bei  den  in  dem  heiligen  rö- 
mischen Reich  ei-eigneten  Revolutioiiün  ganz  in  Abgang  gekommen,  habe  er, 
da  aus  gerechtester  Verhängung  Sr.  göttlichen  Majestät  das  Kurhaus 
der  Pfalz  wieder  in  alle  seine  vorigen  Würden,  Ehren,  Praerogationen 
und  Lande,  die  ihm  eine  geniume  Zeit  entfremdet  gewesen,  eingesetzt 
worden,  den  Orden  wieder  erneuert  imd  restaurirt  Das  sei  geschehen 
zu  immerwährendem  Dank  für  solche  von  dem  Allerhöchsten  empfangene 
Gnad,  und  zu  Lob  und  Ehre  der  heiligsten  Mutter  Gottes  und  vorge- 
nannten heiligen  Huberts,  auch  der  Nachwelt  zur  rühmlichsten  Ge- 
däclitniss  solcher  also  wieder  erlangter  altväterlicher  Dignitaet  und 
Lande. 

Der  Orden  erhält  das  Motto:  ln  fidelitate  constans  (In  Trau  Vast). 
Ritter  vom  gi’äflichen  und  freihen'lichein  Stande  sollen  zwölf  sein,  die 
Anzahl  der  aus  fürstlichem  Stande  ist  nicht  festgesetzt,  jeder  Ritter  muss 
bei  der  Aufnahme  1 00  Ducaten  dem  Schatzmeister  für  die  Armen  geten. 
Ti-eue  gegen  den  Fürsten,  Barinherzigkeit  gegen  Arme  sind  RittorpflicliL 
Die  Wahl  der  Ritter  geschieht  durch  das  Capitel.  Von  dem  Kurfüisiten 
werden  zu  Oitlonsbou inten  unmittelbar  ernannt:  der  Statthalter  und 
Kanzler,  vom  Capitel  Vicekanzler,  Secretär,  Schatzmeister,  Herold, 


1)  Hierauf  bezieht  sieb  der  170v<  aui‘  den  iosi^ieit  antrebracht«  Spruch;  ln  memoriam  recu* 
peratae  di^itatis  avitae. 


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Kleiderbewahror.  Aeiiiter  in  der  Pfalz  sind  zu  den  Einkünften  l>estinirat 
und  in  zwölf  Coininenden  getheilt.  Aus  ihnen  erhält  der  Statthalter 
4000,  die  drei  ältesten  Kitter  je  600,  die  folgenden  sechs  je  300  Reichs- 
thaler  jäJirlich.  Fürstliche  Kitter  beziehen  keinen  Gehalt,  erhalten  aber 
dafür  ein  Regiment,  imd  wenn  keines  erledigt  ist  die  Gage  eines  Obersten 
aus  den  Einkünften  der  Obei-pfalz.  Frauen  sind  vom  Orden  ausge- 
schlossen. 

Zu  gleicher  Zeit  mit  den  Statuten  erschien  auch  eine  Verordnung 
des  Kurfürsten,  „was  bei  Creirung  der  Ritter  des  Ordens  dos  heiligen 
Hubert!  zu  obsendren“  in  welcher  ausser  dem  Hofceremoniell,  die  Schwur- 
form und  die  Abhaltung  des  Ritterschlages  enthalten  sind.') 

Ein  zweiter  gegenüber  dem  pfälzisch -jülichischem  von  dem  Kur- 
fürsten Clemens  August  von  Cöln,  dem  Bruder  Kaiser  Carl  VII,  1746 
gegründeter  bayerischer  Hubertus-Orden  mit  der  stolzen  Devise:  Aussi 
dement,  qu’auguste  erlosch  wieder  mit  dem  Tode  dos  Stifters. 


1)  I>u  Orii^irail  auf  PergaToent  mit  d«r  Uoterscbrift  des  Kurfürsten  Johann  Wilhelm  befindet 
•ich  mit  der  Bezeichnung  cod.  bav.  1505  in  der  HandKhriftensammlang  der  Hnf«  nnd  Staatsbiblio- 
thek in  Münclien. 


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Beilagen 


I. 

Ordensglieder  Ton  1444—1471  mit  je  4 Ahnen. 


Jahr 

Ordaniglitdar 

' 

Ahnen 

proben 

Be- 

merkung 

Vater 

Motter 

Vaters 

finiter 

Mntters 

Mutter 

1444 

fienird,  Herxofr  v.  JOIich 

jQlich 

Teklenburg 

Pfalz 

Menrs 

Stifter 
+ 1474 

• 

Sophie,  Herzogin  r.  dlllkh 

Sachsen 

Pominern 

Braunschwg. 

Holstein 

t 1477 

Lodwlff,  KurfQrst  voo  der: 
Pfals  ! 

Pfali 

S)Kinlieim 

Norenberg 

Leuebtenbrg. 

WllhelBi,  Hereog  von  j 
8ach»ea  1 

Sachsen 

Braaiiichwg. 

Henneberg 

Pommern 

Friedrich,  Hertog  von  | 
BriBnachwel^LßnebQrf;  j 

Braunaehwg. 

Sachsen 

Brandenburg 

Sachsen 

Jacob,  Markgraf  v.  Badan 

Baden 

Oettingen 

Sponheim 

Mannsfeld 

.Everard  v.  d.  Mark,  Graf: 
von  Arenberg 

V.  d.  Mark 

Nenfchatel 

Arenberg 

Limbnrg 

Jacob,  Graf  von  Hom  und 
Alteaa,  Herr  v.  d.  Weert 

Hom 

Montignj 

Heinsberg 

Quennes 

Johaau,  Graf  v.  Xaaaaa 

Nasaau 

Polanen 

V.  d Mark 

Solms 

Johann,  Herr  von  Heina- 
berg-I^venberg 

Heinsberg 

Genneppe 

Randenroide 

Bnt  von  Bern 

Bmno,  Herr  v.  ({nerflrt 

Querfurt 

Beiehliagen 

Henneberg 

Gruithuysen 

Thicrj  V.  Mandemckeid 

Manderscheid 

Stein 

Nievenarilt 

Kodemaben 

Sophie  v.  Palant  j- 

Palant 

Piermont 

EngelitorlT 

Erenberg 

> 

EHaabeth  v.  XaMaa-Saar*' 
brücken. 

Naasau 

Heinsberg 

Lothringen 

Üiest 

Voye»  lei  Xll  Chevalier«  de  la  prcmiere  creatinn. 

les  ilaraee  soot  ioubnombraires  a la  volonte  du  Chef. 

1+4« 

Adolf,  Herzog  von  JOIich  f 
Herr  von  Sittard  I 

Jülich 

Sachsen 

Tecklenburg 

Poatoern 

Otto,  Graf  v.  d.  IJp|ic  ! 

Lippe 

Everstein 

Schualenburg 

Isenberg 

1+5/ 

Margaretha,  Heizogin  von 
Sachaen 

Sachsen 

Brandenburg 

Pommern 

Bayern 

Uhh 

Vincent,  Graf  v.  Moenrs 
und  Saarwerden 

Menrs 

V.  d.  Mark 

Saarwerden 

Jülich 

1 

\ 


194 


•I  AhntRproben 


Jahr  |! 

Ordeniplieder 

Vater  i 

t 

Mutter  1 

Vaters 

Mutter 

be- 

Mutters  '*  tnerkung 
Mutter 

14.W 

Sihlllfy  von  RratideiiburK  Brandenburg  ! 

Sacbaen 

Bayern  j 

Oesterreich  ; 

H.W 

Marie  Herzogin  v.  JHIich  JöHch  j 

Brandenburg 

Sachsen  i 

Sachsen 

14C0 

Heinrich,  Graf  r.  I>«en«  Limburg  ' 

borg  u.  Uroock  1 

' Wische 
1 - 1 

Broock  ' 

Bronkhorst 

I4i;i 

Heinrich,  Herzog  v.  Na»««ii  N'a^aau 
Herr  zu  Bilstein 

Gitomen  | 

1 HandenralU  j 

Hom  \] 

• 

Kverard,  Graf  von  SaTn*  ifayn 
Wittgeni«lein 

Arenberg 

Arnsberg  | 

T..oon  1 

i' 

• 

MrolaoK,  Graf  v.  Teklen-  Teklenburg 
bürg 

' Lieck 

Hoy  ' 

Bentheim  '[ 

141!.! 

Johann,  Herr  von  NcMael-  Nesselradt 
rode  zum  iitein 

' Orafschaff 

SchoenraetU 

Kschweiler  i 

IVllhelra  von  Sombroeuf,’!  Sombroouf 
Herr  zu  ßeckuin 

Cbabot 

Kerbten 

1 Sterenadorp 

■ 

Sebastian,  Graf  v,  Seyii.  Seyn 
Herr  zu  Krfurt 

Syrick 

Solms 

1 Kbeiograf 

• 

Mcolana«  Graf  v.  Te<*kleii>  Tecklenborg 
harr 

Hot  ' 

M«-urs 

^ Sachsen 

- 

Heinrich  von  (fenimen,  Geminen 
Herr  zu  Saffelenberg 

Horn 

1 

1 Bronkhorst 

Heinsberg 

|i 

. 

Ghbert  vao  Grii1thiii*ien  Gruythusen 

' L«io 

Gemmen 

1 SeheUardt  ^ 

1470 

Philipp  Graf  von  >l'aldeck  Waldeck 

Werthheim 

Nassau 

llcymenherg 

■ 

Kngelbert  von  lilrgelen,  Birgelen 
.Mararhall  v.  JQlich 

Kaehvreiler 

Schafdris 

Unckelhoven 

> 

'Johann  von  Hoenien,  vU  HOmen 
comte  «.rOud^kerk 

: Birgden 

Oudekerk  , 

1 Kschwiler 

DenI»  von  Raesfeldt  Haesleldt 

Hoemen 

Steck 

1 Keyt  Oude-  i 

1 kercke  ' 

• 

llernard  (Werner)  von  Pa*  Palant 
laut,  Herrzn  Brcilebent 

KngeLtorff 

Btfrgerhuaen 

Binsfeld  | 

1 

! Bertraiid  v Xesnelrode  zu  Nea^telradt 
' zu  Erunstein 

Landsberg 

1 Grafschaff 

, Schonndt  |. 

1 

- 

'Johann  v.  .MenMle.  Herr  Merode 
zu  Pett^nheim 

Petersheiin 

Wwenal 

1 li 

, Berges  |i*>  1 

• 

Simon  V.  PlettenberK  Plettenberg 

Lisma^ie 

- Hoirdc 

V.  Bobben  i' 

|i 

i i! 

cy  denua  nomioeta  avec 

h 

Le  aoui'Kigntf  atteate  snr  tnon  bonneur  et  noble^se,  qnc 

lea  ehcTaliers 

qturtier«  sont  tirvz  hont  in  vieu  Höre  on  parchemin  r^poMnt  qaanJio  Tay  ven  en  maios  de  Monsr. 
le  Doyen  do  (.leves  PalUnt  coovert  d«*  relonrs  rouf;«  Serrorca  d’or^s.  Tennoing  j’ay  aigne  la  preeentf 
et  chachetc  de  niea  armoires.  Kn  Natareth  H de  May  16.^.*). 


lintkena  sr.  d'Anoly. 

(Titel  d.  Mecpt.  Iin  Onleoa-ArcblT.  L’onlre  de  at.  Hubert,  inetitoe  par  Oerard  etc.)  Folio. 


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BestätiKmigH-  und  Slaiut«nltrirf  des  Sanet  Hubertus-Ordens.') 
de  dato  22.  Jannar  117G. 

Wir  Wilhelm  vau  (jotz  (Juueden  llzuucli  zo  Guylgu,  zo  dem  Berge,  Greve  zo 
liaeciiaberg , her  zo  Heinsberg  doin  kuiit  allen  luden,  die  diesen  krieff  aollcn  aien  oi 
hoeren  lesen,  so  als  der  Hochgeboren  Kurst  hre  Gerhart  Hzouch  zo  Guylge,  zo  dem 
Berge  seliger  Gedacht  uuse  liese  her  endo  Vader  as  der  nciste  recht  Krro  van  der 
Swert  - Syde  zu  dem  Hzochdom  ran  Gelreende  GrailTschapt  vau  Zntpheii , deselve 
landscha|iten  vau  unsen  allerguedichsteu  Hr  Hren.  Kriderich  Komschen  Keyser  zo 
lehn  outfaugen,  ende  deselve  landsuhapten  mit  keyserlickem  urtbel  ende  recht  er- 
wonneu  hait  — da  uu  dau  de  Bdviman  UUter.schapt  ende  Siede  der  vorsz.  Land- 
schnpt  Euie  zoweder  vrewelnk  ende  ungehorsam  gewest  syut,  ende  darzo  venicht 
unse.  allerguedichsteu  Ur.  des  Keysers  Urdele  ende  Senteutien  ende  boveu  syne 
keyserlike  Majestaet  Geboetsbriefe  yu  daroever  gesant  moitwillicb  van  eygencii  Ver- 
nemen  den  Edelen  hru  Arnold  vau  Egmont  vor  yren  bru  ende  Hzougeu  van  Gelre 
upgeworpen  eude  genoemen  Daroiume  sich  dan  eyn  schwerlich  kreich  tu.schen  den 
vorsz.  linsen  lieven  Hru  ende  Vader  ende  der  vorsz.  Laudschapt  van  Gelre  erhaven 
hait,  !iodau  der  Vorstl.  her  Arnold  mit  andren  Gelrischen  Synen  zo.stcuden  mit 
eyne  groysson  houQe  in  uuss.  lund  van  Guylge  gezogen  ulda  mercklichen  Schaiden, 
buide  mit  Koufe  eude  brande  gedaiii  hait  in  den  Jareu  unss.  Hr.  Dusent  vier  houdert 
vier  ende  vicrtzich  op  des  hilgen  Sent  Huprecht  dag.  Darum  der  vortz.  unse  lieve 
hr.  eude  Vader  mit  syne  Ritterschapt  ende  uutersai.sser  sich  io  dat  V'elt  gestalt,  den 
vorsz.  Geldrescheu  mit  syueu  iutwunders  bayner  geuieck  eude  nnderongeu  gezogen 
ist,  daroever  sich  eyn  Stryt  begeven  hait,  eude  in  densetveu  stryde  de  Gelrescben 
meer  dau  dry  mann  legeus  eyuen  uns.  lieven  hrn  ende  Vmlers  Volck  hadden,  da  der 
alinechtigc  Gott  ende  der  bilge  Marsehaick  sent  Huprecht  dem  Vorsz.  nnse  liven 
Hn.  ende  Wler  eude  den  Syueu  de  guaide  gedain  Glück  eude  Eventure  verleit,  dat 
sy  den  stryt  gewonnen,  dat  Veit  behalden  eude  den  Viaudeu  afgewonneu  baut.  — 
Üarom  dann  der  Vorsz.  unser  lieve  Hr.  eude  Vader  zor  Eren  Gotz,  .Marien  Öyner  lieven 
inoider  ende  des  hilgen  Marschalks  sent  Hupertz  Eyuen  Orden  in  dem  Halse  zo 
tragen  ende  brodersebapt  auuommeu  ende  geordiueert  hait,  Welche  Orden  doch 
bisher  uae  uoitturlft  nyet  eigeulieb  bestedigt,  noch  coufirmeert  en  is,  hain  Wir  de 
Vorsz.  Gnaide  ange.sicu  ende  vcrmirckt,  Ende  so  Wir  dan  gautz  geneigt  syn  de  Vorsz. 
Ere  ende  Danckbarkeit  unser  lieve  hr.  eude  Vader  unsem  lieven  Hru  Gott  ende  8ent 
Huprecht  mit  dem  vorsz.  Orden  vorgeiiommeu  hait,  nyet  zo  vermyniiereu,  dau  uaer 
unse  macht  zo  vermeeren  ende  zo  verbesseren,  ende  hain  darom  mit  godem  Willen 


1)  Oniensarchtv  mit  der  Bezeichnung  des  Schriftst&ckcs ; Set.  Hob.  Ord.  iim  6.  Acta  die  Er- 
neaernng  der  Statuten  Set  Hnberti-Ordens  ITiiO. 

Abh.  d.  III.  CI.  d.  k.  Ak.  d.  Wus.  XV.  Bd.  II.  Abtb. 


L'ß 


l!)fi 


emlc  vorbpiliigtem  Haide  des  Vorn!,  uns  lieveii  !irn  ende  Vaders  Orden  ende  broder- 
schapt  annomen  fortan  zo  volforen  heatedigl  ende  confirmeert , ende  overniiU  diesen 
brief  Ijestedigen  ende  confirmeeren  zo  den  Ewigen  daigen  in  anser  Collegiatcnkirken 
zo  i^ent  Johiinn  ETungelisten  zo  Nydecken  gehenden  et  begangen  zo  worirden  in 
d'Eere  Gots,  Marien  syne  lieve  Mneder.s  ende  des  liilgen  .Marachalks  Sent  Hoprecht 
mit  allen  pnnten  ende  .\rticulen , als  heriiaer  geachreven  volgt. 

Zorn  Irsteii  aal  der  Orden,  den  wir  ende  nnse  Hitterscbapt  draegen  van  Goulde 
of  Sylver  syn,  wie  igligen  dat  naer  syne  staet  ende  gebürt,  ende  van  der  formen 
ns  nnse  lieve  hr.  ende  Vader  den  vorgenoiumen  ende  geordineert  halt,  ende  wir  hain 
geschlossen  ende  verdrnegen , da.s  nyet  dan  seestig  manapersonen  in  desem  iinsen 
Orden  ende  brneder.-chapt  syn  eil  süIIen , ende  wer  darzo  gelaisaen  ende  ontfaiigeii 
sal  woorden,  in  maissen  dat  hernaer  kinirlich  bescbreven  staet,  der  sal  syn  ein 
froeme  lieve  niaun,  der  nyet  weeder  Ere  gedain  hait  emle  sal  syn  van  syne  vier 
Annhern  van  goeiler  schillkindiger  Kitterschapt  ende  wer  zo  desem  ordeii  ende  broe- 
derschapt  ontfangen  wirt,  der  aal  naer  der  ontfankniase  allweege  Sent  Hupcrtzdaeg 
vyren  ende  syneii  avent  vasten,  of  darvBr  geveii  eynen  alden  Ghorius  of  diy  wisse 
peiming  collsch.  in  dese  hroederscliaept,  of  armen  Inden,  wie  eine  dat  beleeft;  Vort 
sal  der  spreckeii  alle  daege  vüiif  l’ater  noster  ende  Moviel  ave  Marien  in  Ecre  Gota 
ende  der  liyligen  viinf  VVonden  as  de  tuschen  den  Hirtzliorne  .sent  Hupert  op  hylgcn 
Vriedag  erschynen.  Vort  sal  der  ende  alle  de  ghiene  in  desen  Orden  ontfangen 
worden  in  de  haunden  Eyns  van  den  vier  Broeder-  ende  OrJeiisnieester , as  men 
hernaer  hoeren  wirt  zo  den  Hilligeii  sehwoeren,  legens  ende  weeder  uns  nyet  zodoen 
mit  raede  noch  Saede ; Vort  broederliche  truwe  ende  frundschaept  under  hiiu  zo 
haldeu,  ende  alle  punten  ende  hibiilt  des  Ordens  ende  Broederschaept  te  houden 
ende  naer  syne  macht  zo  volforen.  Ende  hoirt  Eynicher  op  des  andren  Eer  spreeckeii 
of  straiffeii,  sal  der  ghyne  dat  gehoirte  verautwoorden  bis  aen  den  anderen,  den  dat 
aentrifft,  ende  hiiin  ock  dat  kunt  doen. 

Ende  waere  Saacke,  dat  yit  cynichem  broeder  so  gelegen  woerde,  dat  hy  syns 
Eydts  of  ander  beweiitnysse  halvcr  weeder  endo  tegens  uns  doen  moist,  dat  sal  hy 
uns  sees  weeckeii  lanek  zovor  ens  verkündigen,  ende  .synen  Eydt  in  deese  Broeder- 
schaept uitschriven  mit  synen  offenen  versiegelten  brieven  ende  damit  synen  lials- 
baud  ende  orden  in  dat  vorsz.  Gotscliuys  zo  Nydecken  over.senden.  Vort«.  hain  wir 
nu  vur  dat  yrste  ende  anfanck  geordineert  ende  darzo  ge.sat  uit  unser  Kitterschapt 
vier  Ordens-  ende  Broedermeesters , as  zweene  mit  iin.se  Lande  van  Gnylge,  ende 
zweeue  uit  nnse  Lande  van  dem  Berge , die  vier  sullen  desen  iinsen  Orden,  ende  wat 
darimien  zo  doin  ist,  hanthaven  ende  regiren,  ende  de  sullen  op  sent  Ilnperts  avent 
neyst  ikommt  zo  Nydeggen  syn,  alda  bestellen  in  nnse  Collegiaterkirckeii  vorsz  dat 
alle  broeders  de  in  dese  broeiier.schaept  syn,  begangen  worden,  sy  syn  doet  off  levendig 
mit  missen,  vigilien  ende  commendatien,  ende  op  sent  Hiiprecht  dag  eyue  äielemisse 
doin  singen  ende  daruaer  eyne  syngeiid  hoemisse  van  iieiit  hupert , ende  op  den 
selvcn  daeg  den  Orden  verlien,  as  de  missen  uyt  sint,  alle  den  gbynen,  de  darzo 


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197 


bei|aem  synt,  as  das  hernaer  gakleert  ata«t,  ende  deuseWen  dan  vnrlesen  alle  articnl 
ende  punteii  di.s  briefs,  ende  zo  den  billigen  doin  swaeren , de  zo  houden  ende  vol- 
foren  uaer  yre  macht,  ende  den.-ielven  dan  unse  zeicken,  dat  wir  darzo  hain  gesät 
ende  geordineert,  overgevcn,  Kude  op  denselven  daeg  aollen  de  vorsz.  vier  Ordens 
ende  liroeilermeesters  onder  sich  vier  anden,  as  uit  igleichen  uusen  vorsti.  Landen 
zweene  nyt  den  broedereu  dainueu  synde,  de  sy  darzo  nütze  ende  bequeme  bednncken, 
keeseu,  ende  deselre  aullen  sy  uns  van  dannen  scbriptlich  ocversenden , ende  daby 
eyncn  nemlicken  daeg  beteickeueu.  — Süllen  wir  ns  den  den  vieren,  de  also  darzo 
gekoereu  woorden,  doin  schriven  vor  uns  of  unser  volmachtigen  roilen  zo  erschynen, 

dar  de  vier,  de  dit  neyst  vergangen  jair  broderineesters  geweest  syn,  oock  körnen  y 

beure  Heckenschaept  so  duiu  vau  alleu  Saukeu,  nitgeven  ende  inneuien  vur  nns  of 
unseu  Ucdcn,  ende  den  andren  vieren,  de  darzo  gekoereu  synt  ende  alle  geieeg 
davan  den  oevergeven,  de  ooch  dainne  gehoirsani  ende  willich  syn  sollen,  ende  vortan 
dat  ueyst  jaer  regireu  ende  doin,  wut  darzo  gebürt,  as  rorschreveu  staet,  ende  op 
seut  lluprechts  avent  ueyst  daruaer  volgeude  zo  Nydecken  konien , de  kuyr  de  veir 
andren  doin,  endo  sovorfan  hauthaven  ende  regircn,  alle  Jairs  veir  andre  ze  setzen,  ende 
all  dat  zo  dein  in  maissen  dat  vur  ende  uaer  in  deseu  brieve  geschreeveu  staet,  Ende 
de  veir  gekorene  brodenueesters  eu  sutlen  in  gheinerley  wyse  nyct  laisseu  nock  om 
gheyne  sacken  wille  uytblyveu,  syeu  sullen  op  sent  Huprecht  avent  zo  Nydecken 
koroeu  in  vorsz.  maissen,  dan  were  ydt  eynigen  vau  Uuuliefsnode  of  Kraingden 
halven  so  gelegen,  dat  liy  o|)  de  vorsz.  zyt  nyet  zo  Nydeckeu  gesyn  en  konte,  dat 
sal  hy  mit  synen  oopenen  besigelten  brieve  by  synem  Eyde  de  andren  zo  Nydecken 
vorkondigen  ende  beweeren,  so  sollen  de  andren,  de  da  waasen  alle  Saicken  vort 
wyssen,  ende  de  Kner  der  veir  andren  doin,  gcleick  of  sy  alle  veir  da  waasen.  Des- 
gleichen of  der  veir  broedermeesters  bynnen  Jaers  eyniger  of  mer  toids  halver  af- 
giengen  sullen  de  andre,  so  noock  im  leven  blieven,  fortan  alle  Saicken  nyt  richten, 
ende  doin  geleick  of  sy  noock  alle  im  leven  waassen. 

Vort  as  eynig  manu  van  Ititterscbaept  begerden  bsette,  in  desen 

nnsen  Orden  ende  broedersebaept  zo  syn,  der  sal  des  aeu  nns  personlyk  gesynnen, 
of  overmits  syne  besiegelte  Schrifft  laissen  gesynnen.  Sullen  wir  deme  dan,  so  vern 
uns  geliefde  den  daiu  zo  uemen,  eyneu  brieve  doin.geven  uen  de  vair,  de  dat  Jaor 
broedermeesters  synt  dat  sy  den  ontfaugeu,  fp  vern  hy  darzo  bequem  was.  Den 
brieve  sal  der  ghyne  des  Ordens  ende  broedersebaept  gesynnens  op  sent  Hnpreebts 
daeg  zo  Nydeckeu  den  veir  gekoereu  Broedermeesters  vurbrengen , ende  daby  eynen 
besigelten  Schyu  met  aubaugenden  Sigellen  van  zweeu  Erbareu  uubesprokenen 
ßittermanueo,  de  dat  by  yren  Eydeu  darinnen  beweeren,  ende  behalden,  dat  deselve 
van  synen  veir  Annhern  van  goeder  Ritterschaept  sy,  ende  daby  syne  Waapens  ende 
Schildens  van  syne  veir  .Annhern  gemaclt  oevergeven  un.sem  beralde:  as  dat  so  ge- 
schiet  iä,  ende  derselve  eyn  vrome  mann  is,  der  nyet  weeder  Eere  gedain  hait,  sullen 
deselve  broedermeester.s  eme  nnsen  Orden  overmits  synen  Eydt,  as  vorsz.  staet,  ver- 
lien  ende  darin  ontfaugeu,  ende  derselve,  der  also  darin  genomeu  ende  outlangen 

20* 


« 


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198 


Word,  is  der  eyn  Fürst.  sbI  hy  in  de  broederscimept  geven  zwelf  overleiidsche  Gulden 
of  veir  Mark  Colsch.  vur  iglieken  gülden,  endo  unsem  heralde  veir,  eyn  Grcre  of 
vry-Kdelmann  sess  Gnlden,  ende  nnsem  heralde  zwcen  gülden,  ende  eyu  llittermami 
dry  Guldens,  ende  unseiu  heralde  eynen , op  dat  der  de  Waappens  van  igliekem 
iusete  ende  Hebalde,  ende  man  sal  igleicks  broeder»  namen  in  eyn  Boyck  iusohriven. — 
Vort  were  sacke,  dat  eynicher  van  den  broeders  begerde,  dat  ayne  elige  hnysvrowe 
desen  unsen  Orden  traege  ende  in  ile  broederschaept  were,  sal  hy  dat  r.o  Nydecken 
aen  de  veir  broedermeestera  verkondigen,  ende  de  beweeronge  doin , dat  sy  von  goeder 
Ritterschaept  sy,  ende  heure  veir  Annhern  Schilde  ende  dat  Gelt  mitschicken  in  aller 
maissen , as  vorschreven  ataet  op  de  broeders.  So  aullen  dan  de  broederineesters 
derselven  den  Orden  verlien  ende  sy  mel  in  dat  Boyck  der  broederschaept  teyknen, 
ende  der  inet  beleykent  senden,  wie  sy  sitdi  homlen  anlle  met  henre  Geliett,  ende 
anders  naer  uytwysougen  dis  uussera  ordens.  anders  en  sollen  ghyne  vrowen  personen 
desen  unsen  orden  drugen.  — Vort  were  sacke,  dat  lOynig  Fürst,  Greve,  of  Vryedelinau 
dys  nna.  orden  Broederschaept  an  uns  gcsonne,  sollen  wir  den  oft  niis  geüeft  den 
maicht  hain,  den  orden  un  verlien  buyten  die  Broedermecsfers,  ende  anders  uemanden 
ende  aullen  oock  van  den  yren  Kydt  ende  dat  Gelt  in  de  Brocdershaept,  wie  vorsz.  nicht 
ontfangeii,  of  laiasen  ontfangen.  Vort  mögen  wir  nnsern  Hofjunfeieu,  de  van  Ritter- 
schaept waasen,  verlien  ende  erlenen  nnaen  orden  zo  draegen  , dewyle  sy  in  miaeii 
hoeve  by  unser  Eliger  hnys  vronwen  ende  unser  Gemahelde  synt,  ende  solang  ay  den 
draegen,  sollen  sy  schuldig  syu  dat  gebett  zo  doin.  ende  zo  va.sten,  as  vurgecleert 
staet,  ende  a.s  hy  unser  hoevejnngfcrcn  nyet  langer  eii  weesen  , aullen  ay  dan  den 
Orden  nederlegen  ende  nyet  langer  in  gheyne  wyse  draegen,  het  sy  dan  sacke,  dat  der 
hun  verlien  woonlen  overinits  de  Broedermeeater.«,  as  sich  dat  gebürt  in  vorsz. 
massen.  — Vort  aullen  de  veir  broedermeestera  bestellen  mit  den  Erbaren  unsen  lieven 
andeechtigen  Dechen  ende  Capittel  der  vorat.  un.ser  Kirken  zo  Nydecken,  dat  deea«' 
broederschaept  begangen  sal  woorden  alwege  zon  eweigeii  daegen  vier  worlf  de* 
Jairs  mit  uaenien  op  iglicken  vrydaeg  in  deu  quatertempen  mit  vigilien , missen 
ende  commendaerieu,  da  man  bidden  sal  vor  alle  levendigen  ende  toiden  broeders, 
ende  sal  eyn  iglicke  broeder  op  de  daege  sprechen,  wa  hy  sy,  vunfzien  I’ater  noster 
ende  soviel  ave  marieu.  Ende  .of  de  veir  broedermeestera  op  de  vorst.  veir  daege 
zo  Nydecken  geayii  können  of  willen,  sullen  sy  dat  doin,  ende  de  begengknisae 
bestellen  met  geluydt*  ende  andren  noittdurffligeu  sacken,  ende  of  sy  nyet  da  gesyn 
konden,  sullen  sy  dan  dat  bestellen  aen  den  Dechen  ende  Capittel  vorst.  dat  snlchs 
also  geschee  ende  gefaoiiden  woorde.  Vort  sullen  de  veir  broedermeestera  eyn  be- 
schloss in  de  vorstz.  unae  kircke  doin  maickeu,  du  egleyehen  van  hun  eynen  Schlüssel 
van  haven  sal,  da  sy  der  broederschaept  gelt,  kleinoid  ende  anders  inne  bewahren. 
Vort  sullen  de  veir  broederroeesters  den  Dechen  ende  zweeu  van  den  elsdeu  of  er- 
bersten Canouichen  der  vorstz.  nnser  Kircken,  de  sy  berjueme  bedunckeu,  dar/.o  ueinen 
ende  kesen,  yn  dee.«er  broederschoepts  «aickeu  helfien  te  bestellen  ende  bewahren,  ende 
des  sullen  deselve  doppel  prae.sentie  hoven , a.s  de  begengkuiase  in  nmissen  vorstz. 


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19f> 


geschien.  Knde  waire  J'ack«',  (lat  eynicher  rau  den  broedern  of  suj^teren  binnen  dem 
.laire  toidth  halver  afgingen,  «il  der  ander  stiih  lej»ter  bestellen,  dat  syn  ordeu  zo 
Nydeggen  den  vor^t.  Dechent  ende  zweeii  Canonichen  oversant  worde,  ende  syn 
toidt  inede  Terkundigt.  so  sollen  de  Dechent  ende  zween  Cauonicbeu  den  orden  ont- 
faugen  ende  bewahren,  bis  an  de  zokomint«  der  vair  broederineesters  hun  den  dan 
zo  orergeven,  ende  sollen  vau  stand  den  broeder  of  snster,  der  gestorveu  was,  mit 
missen  ende  vigillien  eerleich  begaen.  as  sich  dat  gi'beurt.  — Vort  sullen  de  broeder- 
Tnec‘fiterR  alle  Kienode  ende  gelt,  dat  sy  ontfiingen  keereu  ende  legen  aen  ertiige 
Renten,  de  den  priestorn  ende  personen  des  Capittels  vorst.  dienen  sal,  de  deese  be* 
gengkniasf*  doin,  wie  de  broedermeesler»  dat  in  dem  besten  ordineeren  ende  bestellen 
worden,  ende  oock  mysiiboyker,  gcyer,  kelck,  geluydts  ende  anders,  as  des  noit- 
turfflick  is,  damit  geldeti.  Knde  waire  saicke,  dat  yt  gutt  ra^de  dut  de  Kenten  sich 
verbesseren  ende  vermeihren  worden,  meer  dar  men  behonftde  zo  den  vorst.  begengk* 
nissen,  sullen  de  veir  broedermeestera  bestellen  dat  durnaer  de  misMJU  ooek  gegroist 
ende  vermeirt  worden,  of  andre  inisseu , het  sy  de  gelieks  of  zerdeelder  damit  l)e- 
steedigen  in  deselve  Kircke  in  Eere  unser  lieveu  Frouweu  ende  anders  zo  derselven 
Kircken  bowe  mitdeilen,  wie  sy  dal  all  naer  geleege  der  Renten  of  gelt«,  dat  sy 
haedden,  beqnemlick  sal  duncken.  Vort  sullen  de  broeders  ende  snsters,  de  in  doesen 
orden  ende  broedcrschaept  synt , sich  erberlieck  halten  ende  lievon , ende  besonder 
in  gheyne  offenbaere  oeverspyll  nyet  sitzen.  Vort  sullen  alle  broeder  ende  snsters 
den  ordeu  zum  mynsten  alle  hilge  daege  draegeii , ende  of  liun  doch  also  gelegen 
waas,  dut  sy  den  uyet  otfenlyck  alle  hilgc  daege  of  audre  daege  draegeu  wetiddeu, 
sndden  sy  dan  sulche  sout  Ruprechts  Zeichen,  damit  sy  desen  orden  jrst  ontfangen 
hedden,  by  sich  hoven  ende  dmegen  bovcn  of  under  den  kledeeren , sonder  under- 
laeas,  ende  wer  befunden  were,  der  sulchs  nyet  en  dreege,  der  sal  eynen  alden 
Ghorius  verbnieht  hain  of  dry  wissen  j>ennynck  colsch.  darvur,  den  unser  heralde 
of  dem  ghynen  der  dat  befonde,  zo  geveu,  der  dat  vorts  op  sent  Hnprechts  daeg 
zo  Nydecken  in  de  Broederschaept  oererleevereii  sal.  Vort  were  saicke , dat  ymant 
so  vermessen  was,  ende  den  orden  droege  zovoir  ende  ee  hy  den  ontfangen  hedde, 
ende  in  de  Bro«»derschaept  genomen  was,  as  vorstaet,  bet  sy  mann  of  vrouwe  sal 
unse  Herald  den  darin  spreecken,  ende  van  nnsen  wegen  gebieden  den  orden  neder 
zo  legen  ende  nyet  mer  zo  draegen,  ende  of  der  daereuboven  den  ordeu  droege,  so 
sal  der  orden  daii  unser  broederschaept  verfallen  syu,  ende  «al  unser  herald  uns 

dat  vorts  verkouden,  dan  sullen  wir  bÄtetten , dat  der  orden  dem  ghynen  von  dem 

halse  genommen  werd  ende  vort.*«  naer  Nydeggeu  geschickt  zo  gebruchonge  unser 
broedersclmept  gleycks  ander  yre  gelt  en<le  kleinodie. 

Were  ock  saicke  dat  eynicher  vau  den  broederen  sich  nyet  en  hidit,  as  de 
punteii  ende  articulen  in  diesem  brieve  uitwysen,  of  dat  hy  weder  Kere  gedaiii 

hedde  of  dede,  »nllen  de  veir  broedermeesters  of  iiuse  Herald  sameiiHyck  off  yre 

iglyck  eyn  b««onder  ons  dat  b>’  yren  Kyden  vrrkondigen ; so  bald  sy  dat  veraeromen, 
snllen  wir  den  dau  vur  de  veir  broedermeesters  ende  andre  broeders,  sovile  es  una 


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200 


geliefde  darby  zo  haveii,  beschedpn  ende  kan  der  sich  nyct  verantwortheu,  as  unj 
ende  de  veir  broedemieesters  ende  andre  broeders  darby  bescbeden  wesend  bedacht 
syne  Kere  ende  deesem  orden  geuoch  were,  sal  der  dan  des  ordena  ende  broeder- 
echaept  entwyseht  syn,  ende  ayneii  orden  snllen  wir  yn  alsdan  doin  afleygen  ende 
vorstz  zo  Nydeggen  schicken,  gelycks  as  of  hy  gestorven  were. 

Vort  snllen  de  veir  broedermeeatera , as  ay  zo  Nydecken  kommen  op  sent 
Huprechts  avent  ende  daeg  vre  kost  ende  zerongen , de  ay  oin  der  broederachaept 
ende  den  ordena  willen  verdoin  moisten  of  worden , klairlyck  berechnen  ende  nyt 
der  broerlerschaepts  Rente  of  gelde  nemen. 

Ind  want  wir  Wilhelm  Herzouch  voi-atz.  deaen  orden  ende  broederachaept  .soat 
Turgeuominen  ende  ingesat  hain  van  nn  fortan  erflyck  vur  uns,  unse  erven  ende 
Nakouimlinge  vcatlich  ende  stattlich  zo  haldeu,  hain  wir  daromb  deeseu  brieve  in 
de  vorat.  unse  kircke  doin  oever  geven,  ende  unae  Sigitl  heran  met  nuse  wist  ende 
goeden  wille  doin  hangen.  Der  gegeven  ia  zo  Blunckeuberg  in  den  .Taere  unser 
Hru.  Duaent  vier  houdert  sees  und  aevenzig  op  den  Montag  naer  St.  Agueten  daeg. 

De  Mnndnto  D"'  Duois  ns*'‘  per  vic.  Czl. 


Kx  vero  ejus  et  in  Archiv  io  venerabilia  Capituli  eccleaiae 
Collegiatae  B.  M.  V.  hin  Juliaei  asaetranter  detento  originali  co- 
piam  haue  deaumptara  non  modo  olim  per  Notarium  legalem  et  jnria 
licentiatum  Joan. , Betrnm  Steprath  aed  et  nnnc  per  me  infra  acriptam 
uc  collationatam  adeoque  dicto  ejus  original!  verboteuua  couaonam  teator. 


Joh.  Wilhelm  Lentmann, 

Notariaa  Apostolicua-CacBSreua  legalia  bic  Jatiaei 
resideaa,  manu  signetoque  propriis. 


III. 

Wir  W’ilhelm  von  Gottes  Gnaden  Hertaog  zn  Gulich  und  Berg,  Graf  zu  Ra- 
vensperg  Herr  zu  Heinsberg  etc. 

Thuen  kuudt  allen  Leuthen , die  diesen  Brief  sollen  sehen  oder  hören  leasen, 
wie  dass  der  hochgeborne  Fürst  Herr  Gerhard,  Hertzog  zu  Gulich  und  Berg,  .aee- 
ligen  GcdächtnOss,  unser  liebe  Herr  und  Vater,  als  der  nächste  Erbe  von  der  Schwerdt- 
seithe  zu  dem  Herzogthums  Geldern  nud  der  Grafschafft  Zütpheu  dieselben  Land- 
schaften von  unserem  allgnädigsteni  Herrn  Herrn  Friderieh  Römischen  Katser  zn 
I.a-hn  empfangen  und  dieselbe  Laudaclmften  mit  kaiserlichem  Urtheil  und  Hecht  er- 


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Wonnen  hat.  Da  nun  dann  die  edele  Ritterschaft  nnd  Städte  der  vorftemelten  Land- 
schaft so  widerwillig  nnd  ungehorsam  gewesen  .sind , und  dar/.u  verachtet  nnsers 
Allergnädigsten  Herrn  des  Kaisers  Urtheile  und  Sentenzen  nnd  gegen  Seiner  kaiser- 
lichen Majestät  Gebothsbriefe  muthwillig  anss  aigeneni  Trieb  den  Edelen  Herrn  -Ar- 
nold von  Egniont  für  ihren  Herrn  crkänt  und  als  Hertzogen  von  Geldern  aufge- 
worfen und  genommen,  darum  sich  dan  ein  beschwerlich  Krieg  zwischen  den  ge- 
melten  nnssereii  lieben  Herrn  Vatter  und  der  vorgeinelten  I.andschafft  von  Geldern 
erhoben  hat  und  der  gcmelter  Herr  Arnold  mit  seinen  andren  Oeldriscben  Zuständen 
mit  einem  grossen  Hanffen  in  nnserm  Landt  von  Gniich  gezogen , alda  merklichen 
Schaden  mit  Hauben  und  Brennen  gethan  hat,  Im  Jahr  nn.sseres  Herrn  Tansendt 
Vierhundert  vier  und  vierzig  anf  den  heiligen  Elnbertnstag.  Worumb  unsser  vor- 
gemeller  lieber  Herr  und  Vater  mit  seiner  Hitterschafft  nnd  Unterthanen  sich  in 
das  Feldt  gestellet,  gegen  gcmelte  Goldrische  mit  den  ^einigen  in  Ordnung  und 
Glieder  angezogen , woräber  sich  ein  Sireith  begeben  hat , nnd  in  welchem  Streith 
die  Geldrisehen  mehr  denn  drey  Mann  g^en  Einen  des  Volkes  nnsseres  lieben  Herrn 
nnd  Vatters  hatten , da  der  Allmächtige  Gott  und  der  heilige  Marechal  Hubertus 
dem  Vorgcnielten  unsserm  lieben  Herrn  und  Vatter  und  den  seiuigeu  die  Gnade  ge- 
thau  und  das  GlUck  verliehen,  dass  sie  den  Streith  gewonnen,  da.s  Kehlt  behalten 
und  den  Feinden  abgenohmen  haben;  darum  dan  der  Vorgemclte  unsser  liebe  Herr 
und  Vatter  zur  Ehre  Gottes,  Marien  seiner  lieben  Mutter  und  des  heiligen  Marechal 
Hubertus  einen  Orden  an  dom  Halse  zu  tragen  nnd  eine  Bruderschafft  gestiftet  hat, 
welcher  Orden  doch  bisher  nach  Nothdurft  nicht  aigeutlich  bestätigt  ist.  So  haben 
Wir  die  vorgemclte  Gnade  angesehen  nnd  vermerckt,  wie  wir  dan  ganz  geneigt 
sind,  die  vorgemelte  Ehre  und  Dankbarkeit  nnsseres  lieben  Herrn  und  Vatters, 
welche  er  nässerem  lieben  Herrn  Gott  nnd  dem  heiligen  Hubert  mit  dem  gemelten 
Orden  vorgenohmen  hat,  nicht  zu  vermindern  , sondern  nach  unsserer  Macht  zu  ver- 
mehren und  zu  verbesseren,  und  haben  darum  mit  gutem  Willen  uud  vorberlachtem 
Kath  den  Orden  uud  die  Bruderschafft  des  vorgemelteu  unseres  lieben  Herrn  und 
Vatters,  forthin  zu  vollfdhrcn  auf  uns  geiiohmen,  ihn  bestättigt  und  coutirmirt,  und 
vermöge  dieses  Briefes  bestättigen  und  confirmireu  zu  ewigen  Tagen,  in  unserer  Col- 
legint-Kirchen  zu  Set.  Johann  Evangelisten  zu  Nydeggeu  gehalten  und  )>egaugen  zu 
werden,  zur  Ehre  Gottes,  Marien  seiner  lieben  Mutter,  und  des  heiligen  Marechals 
Hubert  mit  allen  puncten  und  Articnlen,  wie  hiernach  beschrieben  folgt. 

Zum  Ersten  soll  der  Orden,  den  wir  und  unsere  Uitterschaft  tragen,  von  Goldt 
oder  Silber  seyu , nach  eines  Jeglichen  Staudt  nnd  Geburih  und  in  der  Form,  wie 
ihn  unser  liebe  Herr  and  A'' alter  sich  vorgenohmen  und  verordnet  hat,  und  wir 
haben  beschlossen  und  uns  vereiubahret , da.ss  nicht  mehr  dun  Sechszig  Maniisper- 
sohucii  in  diesem  uusgeren  Orden  und  Bruderschafft  seyn  sollen,  uud  wer  darzn  ge- 
lassen und  aufgenohiuen  werden  .soll,  wie  solches  hernach  klärlich  beschrieben  stehet, 
der  soll  ein  frommer  lieber  Mann,  der  nichts  wider  die  Ehre  gethan  hat,  nnd  soll 
seyn  von  seinen  Vier  Ahnen  von  guter  schilderkündiger  Ritterschaft,  uud  wer  in 


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202 


di^m  Ordeu  niul  Brudprachatft  auf);enafamen  wird , der  soll  nach  der  Aufnahin  all- 
zeit Sanol  Hubertus  Tag  feyeru  und  den  Tag  vorher  fiusteu,  oder  dafür  geben  eiuen 
alten  Gorgius  oder  drey  weisspfenning  Cölliiiscli  in  diese  Hriidcrachalft , oder  denen 
armen  la-mthen,  wie  ihm  solches  beliebt  Forth  soll  er  betten  alle  'lag  fiinlF  Pater 
Noster  und  soviel  Ave  Maria  znr  Khre  Gottes  und  der  Heiligen  füuff  Wunden. 

Weither  soll  der  und  alle  diejenige,  die  in  diesen  Orden  aufgenohmen  werden, 
in  die  Handt  eines  der  Vier  Bruder-  oder  Ordeusnieister , wie  man  hernach  hören 
wird,  zu  den  Heiligen  schwöhren,  wider  Uns  nichts  zu  thuen  mit  Kath  noch  Thal, 
forth  brüderliche  Treue  und  Freundschufft  unter  einander  zn  halten,  und  alle  puncten 
nnd  Inhalt  des  Ordens  und  der  Brnderschadt  zu  halten,  und  nach  seiner  Macht  zu 
vollfSbreu,  und  falss  einer  hörte  auf  des  anderen  Ehre  sprechen,  uud  sie  schuiäbleren 
so  soll  derjenige,  der  dieses  höret,  es  verantworten  für  den  anderen,  dem  solches 
angehet,  und  ihm  auch  solches  kundt  thneu;  nnd  falss  ein  Bruder  seines  Aydts 
oder  anderer  Bewandtnissen  halber  gegen  Uns  verfahren  müsse,  dieses  soll  er  uns 
sechs  Wochen  zuvor  verkündigen  uud  seinen  Aydt  in  diese  Bruderschafft  aufsagen, 
durch  seinen  offenen  versiegelten  Brief,  und  damit  seinen  Halsbaudt  und  Orden  in 
das  vorgemelte  Gotteshauss  zu  Nydeggen  nhersenden. 

Ferner  baljen  Wir  nun  für  das  erste  und  zum  Anfang  verordtnet,  und  auss 
Unserer  Ritterschaft  Vier  Ordens-  uud  Brudermeistern  darzu  gesetzt , uemblich  zwey 
aus.s  unsserem  Gülischen  und  zwey  aus  uusserem  Bergischen  Lunde.  Diese  Vier 
sollen  diesen  nnsseren  Orden  nnd  was  darinnen  zu  thueu  ist,  handthaben  und  re- 
gieren, nnd  diese  sollen  auf  nächsten  SanctjHubertustag  Abends  zuvor  zu  Nydeggen 
seyn,  alda  in  unsserer  vorgemelten  Collegialkircben  bestellen,  dass  für  alle  Brüder 
dieser  Brnderschafft , sie  seyn  todt  oder  leliendig  Messen,  Vigilien  nnd  Gedächtnissen 
gehalten  werden,  und  auf  Sanct  Hubertstag  eine  ::ieelenmesae  singen  lassen,  und 
hernach  eine  feyerliche  Sangmesse  zn  Ehren  des  heiligen  Hubert,  uud  auf  denselben 
Tag  .sollen  sie , wann  die  Messen  ans  sind , den  Orden  verleyhen  allen  denen , die 
darzu  bequäm  sind,  wie  solches  hernach  erklährt  stehet,  und  ihnen  dann  vorlesen 
alle  Articül  uud  pnncten  dieses  Briefs,  und  sie  zu  den  Heiligen  schwöhren  lassen, 
selbige  zu  halten  und  nach  ihrer  Macht  zu  vollfUhreu,  nnd  denselben  sodann  uusser 
Zeichen,  so  wir  darzu  gesetzt,  und  verordet  haben,  üljergeben. 

Demnechst  sollen  au  demselben  Tug  die  vorgemelte  Ordens-  nnd  Brndermeister 
unter  sieh  Vier  andere,  aus.s  Jedem  nemblich  unsserer  vorgemelten  Landen  Zweeu 
auss  den  Brüderen,  welche  darin  sind,  so  ihnen  darzu  nützlich  uud  bequäm  scheiueu, 
erwählen  und  dieselbe  sollen  sie  Uns  von  dannen  schriftlich  übersenden , und  den 
Tag,  wann  che  es  geschehen,  dabey  setzen ; sollen  wir  alsdann  den  Vieren , die  also 
darzu  erwählt  werden , schreiben  lassen,  dass  sie  vor  Uns  und  den  Ivevollmächtigten 
Rüthen  erscheinen  sollen,  wohin  die  Vier,  welche  das  vergangene  Jahr  Brudermeister 
gewesen  sind,  auch  kommen,  ihre  liechenschafft  zu  thueu  von  allen  Sachen  der  Aus- 
guh  nnd  Eiiinahm  vor  Uns  oder  nnsseren  Rätheu  und  den  anderen  Vieren,  die 
darzu  erwählt  sind,  und  allen  Unterricht  davon  diesen  übergeben,  welche  auch 


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203 


'larin  gehorsam  und  willig  aevu  sollen,  und  fortlian  das  nächste  Jahr  ri'giereu  und 
tbnen,  was  sich  gebühret,  wie  vorgeschrieben  stehet,  und  nechst  darnach  folgenden 
Sauet  Ilubertsubendt  nach  Nideggen  kommen,  die  Wahl  der  Vier  anderen  r.ii  halten, 
und  so  forthau  zu  handhaben  und  zu  regieren,  alle  Jahr  vier  ciulere  zu  setzen,  und 
alles  das  zu  ihnen,  wie  dieses  vor  und  nach  in  diesem  Brief  geschrieben  stehet, 
uud  die  vier  erwählte  ßru.lermeister  sollen  auf  keinerlei  VV'eiso  etwas  unterlassen, 
noch  aus  einigerley  Ursache  nusblciben,  sie  sollen  auf  Snnct  Hnljerts-.\bendt  nach 
Nideggen  kommen  auf  vorgcschriebeno  Art. 

Wäre  es  aljer  mit  einen  von  ihnen  wegen  Lcibsnolh  oder  Krankheit  so  be- 
schatten, dass  er  nin  die  vorgeschriebeue  Zeith  nicht  zn  Nideggen  sein  könnte,  dieses 
soll  er  durch  ciuen  offenen  versiegelten  Brief  bei  seinem  Ayde  den  anderen  zu  Ni- 
deggeii  anzeigen  und  bewei-vseu,  also  sollen  die  andern,  die  da  seyn  werden,  alle 
andere  Hachen  wissen,  und  die  Wahl  der  vier  andern  vornehmen,  als  wenn  sie  alle 
Viere  da  wären , desgleichen  wenn  in  einem  Jahre  einer  oder  mehrere  dieser  vier 
Brndermeisteren  mit  Todt  abgiengc,  so  sollen  die  Andere,  die  noch  im  Leben 
bleiben,  ferner  alle  Hachen  verrichten  nnd  tliueu , gleich  als  wenn  sie  noch  alle  im 
Leben  wären. 

Hernsch  wenn  einer  auas  der  Ritter.seliaft  verlangte  in  diesen  un.ssereii  Orden 
und  Brnderschattt  zu  seyn,  der  soll  dieses  persöhnlich  von  Uns  begehren,  oder  vermag 
einer  von  ilinie  versiegelten  Hchrift  begehren  lassen,  alsdann  wollen  wir,  so  fern 
es  uns  belieben  wird,  ihn  darin  autiiehnien,  ein  Schreilten  an  die  Vier,  welche  in 
demselben  Jahre  Brudermeistern  sind,  ausfertigeu  lassen,  ihn  anlzuuehnien,  sofern 
er  darzn  fähig  ist.  Dieses  Ansebreiben  soll  derjenige,  der  willens  ist,  in  den  Orden 
und  die  Brnderschafft  anfgenohmen  zu  werden,  anf. Hauet  Hubertiistag  zu  Nideggen  denen 
Vier  erwählten  Brudermeisteren  vorzeigen,  nud  dabei  einen  versiegelten  Schein,  mit 
anbangenden  Hiegilleii  zwoer  Ehrbarer  und  nicht  tadelhafter  Uittereu,  welche  in  dem- 
selben bey  ihren  Aydeu  betheureu  nnd  bekräftigen,  dass  er  seine  Vier  Ahnen  habe 
und  von  guter  llitterscbaft  seye,  Er  soll  dabey  seine  Wappen  und  Hchilder  der  Vier 
Ahnen  gemahlt  unsserem  Herolde  übergeben. 

Wenn  dieses  also  geschehen  und  derselb  ein  frommer  Mann  ist,  der  nichts 
wider  die  Ehre  gethau  hat,  so  sollen  diese  Brnderinei.steru  ihm  nn.sseren  Orden,  ge- 
mäss seinem  Aydt,  wie  rorgeschriebea  stehet,  verleihen,  und  ihn  in  densellzen  a\if- 
nebmen,  nnd  wenn  also  derjenige,  so  in  denselben  an  und  anfgenohmen  wird,  Ein 
Fürst  ist,  so  soll  er,  der  Bruderschnllt  zwölf  Oberläudische  Gulden,  oder  für  jeden 
Gulden  Vier  Mark  Cüllniscb,  nud  unsserem  Herolde  Vier  bezahlen;  Ein  Graf  oder 
Freyherr  scchss  Gulden  und  unsserem  Herolde  zween;  Ein  Ritter  aber  drey  Gnlden 
und  unsserem  Heroldt  einen,  auf  dass  dieser  die  Wappen  eines  Jeden  einsetze,  nud 
beybehalte.  Man  soll  auch  eines  Jeden  Bruders  Nähme  in  ein  Buch  cinschreihen. 

Wäre  es  auch  Hache,  da.s.s  einer  von  den  Brüderen  begehrte,  daas  seine  Eheliche 
Haussfrau  diesen  unssereu  Orden  tragen , und  in  die  Bruderschafft  aufgenobnien 
werden  möchte,  so  soll  er  diese.s  zu  Niedeggeii  den  Vier  Brudermeisleren  auzeigen 
Abh.  d.  111.  CI.  d k.  Ak.  d.  Wiss.  XV.  bd.  II.  Abth.  •>? 


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204 


uml  l>eweisseu,  dass  sie  Ritterbilrtig  sern,  und  die  Schildter  ihrer  Vier  Ahnen  mit 
dem  (jeldt,  wie  von  den  Hrüderen  vorgeschrieben  stehet,  auf  jeden  Fall  einsehicken, 
alsdeiin  sollen  die  Bruilermeisteru  derselben  den  Orden  Terleyheu,  und  sie  in  das 
Brnderschafftsbuch  einschreibcn.  und  den  einneschriel>enen  zustellen,  wie  sie  sich  in 
ihrem  Oebett  und  anderwärts  nach  Ausweissung  dieses  unsseres  Ordens  verhalten 
solle,  sonst  sollen  keine  andere  Frawenzimmer  diesen  unsseren  Orden  tragen. 

Wenn  auch  ein  Fürst,  Graf  oder  Freiherr  diesen  unsseren  Orden  nnd  Brnder- 
schatll  von  uns  begehrte,  so  sollen  Wir  die  Macht  haben,  wenn  es  uns  beliebt, 
ihnen  den  Orden  ohne  Vorwissen  der  Brudermeister  zu  verleyheu  und  anders  Nie- 
mandt.  Wir  können  auch  von  denselben  ihren  Aydt  uml  das  Bruderschafftsgeldt, 
wie  vorgeschriebeu  stehet,  empfangen  oder  empfangen  lassen. 

Ferner  stehet  es  uns  frey  un.ssereii  Hof-l)aiues,  wenn  sie  Kitterbilrtig  sind, 
unsseren  Orden  zn  verleyhen,  und  ihnen  die  Krlaubnis  denselben  zu  tragen  zu  ge- 
statten, alss  lang  sie  au  unsserem  Hof  bei  uusserer  Khelichen  Haussfraw  und  Gemahl- 
innen sind,  und  so  lang  sie  diesen  tragen,  sollen  sie  schuldig  seyn , das  Gebethe  zn 
verrichten,  nnd  zn  fasten,  wie  vorgeschriebeu  stehet  und  wenn  sie  unssere  Hof- 
Damos  nicht  mehr  sind,  sollen  sie  den  Orden  iiiederlegen,  und  auf  keine  Weiss 
mehr  tragen,  es  seye  dann  .Sach,  dass  er  ihnen  verliehen  werde  durch  die  Bruder- 
meistern,  wie  sich  dieses  vorgeschriebener  Maasen  gebühret. 

Weither  sollen  die  Vier  Brudermeistere  mit  den  Ehrbaren  unsseren  lieben  an- 
dächtigen Dechandt  und  Capitularen  nnsserer  vorgeschriebenen  Kirche  zu  Nideggen 
anordtnen,  dass  diese  Bruderschafft  zn  ewigen  Tagen  alle  .Jahre  vierraahl , nemblich 
an  jeden  Freytag  in  den  tjustertemperen  mit  Vigilien,  Meessen  und  (iedächtnOssen, 
worinnen  man  bitten  soll  für  alle  lebendige  und  verstorbene  Brüder,  solle  gehalten 
werden,  und  soll  ein  jeder  Bruder  an  diesen  Tagen,  wo  er  immer  seye,  sprechen 
fönffzehn  Pater  Nester  und  so  viel  Ave  Maria,  und  wann  die  Vier  Brudermeistere 
an  den  vorge.schriebeuen  vier  Tagen  zu  Nideggen  seyn  können  oder  wollen,  so  sollen 
sie  es  thueu,  und  diese  Begänguiss  mit  Gelünthe  und  anderen  iiothwendigen  Sachen 
anordtnen , und  wau  sie  nicht  da  seyn  könten , so  sollen  sie  dieses  an  den  vorge- 
schriebenen Dechant  und  Capitularen  bestellen,  damit  solches  also  geschehe  und  ge- 
halten werde;  nnd  sollen  die  Vier  Brndermcistero  in  nnsserer  vorgeschriebenen 
Kirche  einen  verschlossenen  Kasten  machen  lassen,  wovon  ein  .Jeder  aiiss  ihnen  einen 
Schlüssel  haben  soll,  worin  sie  das  Qcidt,  die  Kleinodien  nnd  andere  Sachen  der 
Brndersehafft  verwahren. 

Es  sollen  auch  die  Vier  Brudermeistere  den  Dechandt  und  zwey  von  den  ältesten, 
oder  Ehrbar.sten  Canonichen  nnsserer  vorgeschriehenen  Kirche,  welche  sie  für  bequäm 
darzu  halten , zu  Gehülfen  dieser  Bruderschnffts-Sachen  anzuordlnen  nnd  zn  bewahren 
nehmen,  und  erwählen,  nnd  dafür  sollen  dieselbe  doppelte  Praesentz-Jura  habenr 
wann  die  Begängnisse  vorgeschriebener  niasseu  gehalten  werden ; nnd  solte  einer 
von  den  Brüderen  oder  Schwesteren  in  dem  .Jahr  mit  Todt  abgehen , so  soll  de 
andere  ihn  überlebende  besorgen,  dass  sein  Orden  nach  Nideggen  dem  vorgeschrie- 


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205 


benpn  Uechant  nnd  zween  Canonicheu  übersendet,  und  »ein  Al)9terben  zugleich  ver- 
Itündiget  werde.  AI.sdann  »ollen  die  Decbnnt  und  Canonichen  den  Orden  empfangen 
nnd  bewahren  bis  zur  Ankmift  der  Vier  Brudermeiateren,  um  ihu  denenscibcn  aladan 
zu  übergeben,  und  sie  sollen  ulnbaldt  dem  verstorbenen  Bruder  oder  Schwester  zum 
Trost  mit  Messen  und  Vigilien  Begängnis»  ehrlich  halten , wie  e«  »ich  geziemet. 

Forth  sollen  die  Brndermeistere  alle  Kleinodien  und  Oeldt.  so  sie  empfangen 
anf  erbliche  Khenten  verwenden  und  aasthnen,  welche  den  Priesteren  nnd  Persobnen 
des  vorgemeltcn  Capitols  angedeyhen  sollen,  so  diese  Begängnüsscn  halten,  wie 
cs  die  Brudermeistere  bestens  einrichten  nnd  anordtnen  werden.  Es  sollen  such 
Messbücher , Stollen,  Kelch,  Olocken  und  andere  Sachen . was  nothwendig  ist,  davon 
angcscbalH  werden,  und  solle  Gott  es  fügen,  da.»,»  diese  Rhenten  sich  verbesseren 
und  vermehren  würden,  mehr,  als  man  brauchte  zu  den  vorgeschriebenen  Begäng- 
nns-seu,  so  sollen  die  Vier  Brudermeistere  e»  eiurichten,  dass  die  Messen  auch  diesem 
nach  verdoppelt  und  vermehret  werden,  oder  andere  Messen,  es  .seye  znsammen, 
oder  jede  besonders  in  derselben  Kirche  zur  Ehre  uusserer  lieben  Frawen  damit  be- 
stiften,  und  das  andere  hinführo  zu  derselben  Kirchen -Bau  hergeben,  wie  ihnen 
dieses  alles  nach  BeschalTenheit  der  Khendten  oder  Gelder , so  sie  hätten , thunlich 
scheinen  wird. 

Hodann  sollen  die  Brüder  und  Schwestere,  welche  in  diesem  Orden  und  Bruder- 
schalft  sind,  sich  ehrbar  halten  und  leben,  und  besonders  in  keine  otTeubahr  ver- 
dächtige Häusscr  sich  aufhalten;  auch  sollen  alle  Brüder  und  Schwestere  den  Orden 
wenigstens  an  allen  heiligen  Tagen  tragen , nnd  wann  es  ihnen  nicht  belieben  würde, 
denselben  an  allen  heiligen  und  anderen  Tagen  ölTeutlich  zu  tragen,  so  sollen  sie 
diejenige  Band  Hubert!  Zeichen , womit  sie  diesen  Orden  dereinst  empfangen  haben, 
immer  liey  sich  haben  und  tragen  über  oder  unter  den  Kleydern,  und  wenn  einer 
gefunden  würde,  der  solches  nicht  trüge,  der  »oll  dalür  in  einen  alten  Uhorius  oder 
drey  Iteicb.spfcnnig  Cöllniscb  verbrücht  haben,  und  solche  nnsserein  Heroldt  oder 
demjenigen,  der  es  bcmercket  bat,  geben,  der  es  weither  auf  St.  Hulrerti  Tag  zu 
Nideggen  an  die  Bruderschafft  überliefern  »oll. 

Wenn  ferner  einer  so  vermessen  seyn  würde,  dass  er  diesen  Orden  trüge  zuvor 
nnd  eher,  als»  er  denselben  empfangen  hätte , nnd  in  die  Brnderschaöt  wie  vorge- 
schriebeu  stehet,  anfgenohmen  wäre,  es  seye  Mann  oder  Fraw,  so  soll  nasser  Heroldt 
ihu  darum  besprecheu,  und  von  unssertwegeu  ihm  befehlen,  den  Orden  abzulegen 
und  nicht  mchi  zu  tragen,  und  wenn  derselbe  diesem  ungeachtet  den  Orden  trüge, 
alsdann  soll  der  Orden  unserer  Bruderschatft  verfallen  seyn,  und  soll  unsser  Heroldt 
uns  dieses  alsbald  verkündigen,  alsdann  werden  wir  verordtnen,  dass  der  Orden 
demjenigen  vom  Halse  genohiucn,  nnd  weither  nach  Niedeggeu  geschickt  werde  zum 
Gebrauch  uusserer  Brndersebafft  gleich  ihrem  anderen  Geldt  und  Kleinodien. 

Solle  auch  einer  von  den  Brüderen  sich  nicht  betragen , wie  die  puncten  und 
Articulen  dieses  Briefs  es  ausweiasen , oder  solle  er  wider  die  Ehre  gethaii  haben, 
oder  tbuen,  so  sollen  die  Vier  Brudermeistere  oder  unsser  Heroldt  zu  sainmeu  oder 

27* 


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206 


ein  Jeder  inslwgondere  uns  1>0T  ihren  Ayden  daroii  Ekrieht  erstatten,  snhaldt  sie  es 
vernehmen , alsdann  wollen  Wir  diesen  vor  die  Vier  Brndermeistere  und  soviel  an- 
dere Brüder  alss  cs  uns  gefallen  würde,  deren  dabei  zu  haben,  abladen,  mid  kann 
er  sich  alsdann  nicht  veranthworthen , wie  es  uns,  Jeu  Vier  Hrndernieiateren  nnd  den 
anderen  Brtlderen,  so  darr.n  abKeladen  waren,  seiner  Ehre  und  dem  Orden  gemäss 
hinlänglich  zu  seyn  düncken  würde,  alsdann  soll  dieser  anss  dem  Orden  mid  der 
Bruderschaft  verwiesen  seyn,  und  wir  wollen  ihm  alsdann  Ijefehlen,  seinen  Orden 
abzulcgcn  und  sogleich  nach  Nicdeggen  zu  schicken,  ebenso  als  wenn  er  ge- 
storben wäre. 

lieber  dass  sollen  die  Vier  Brndermeistere,  wenn  sie  auf  Set.  Huberti  Abend 
und  Tag  nach  Xiedeggen  kommen,  ihre  Zehrungskosten,  welche  sie  allda  verwenden 
werden,  und  auch  allen  Ncbenlohn  und  Zehrungskösten,  welche  sie  wegen  der 
Bruderschafft  nud  dem  Orden  machen  werden,  und  klarlich  l>erechnen  mflsseu,  auss 
den  Bruderachaffts-Uenlhen  und  Geldern  hernehnieu. 

Letztlich,  weil  wir  Hertzog,  wie  Oben  uns  von  nnn  an  diesen  Orden  und 
Bruderschafft  iur  uns,  unssere  Erben  und  Nachkömmliugeu  Erblich,  vest  und  stets 
zu  halten  rärgenohmen,  und  denselben  eingesetzt  haben,  so  haben  wir  diesen 
nnsseren  Brief  in  die  vorgemehltc  unssere  Kirche  übergeben  lassen,  und  unsser  In- 
siegel mit  unsserem  Wissen  nnd  guten  Willen  darahn  zu  hängen  befohh'U,  welcher 
gegeben  ist  in  dem  Jahre  utisseres  Herrn  Ein  tansseiult  Vier  hundert  sechs  und 
Siebenzig  anf  Montag  nach  St.  Agnestag. 

L.  S.  üe  Mundato  D"'  DucU  nostri  per  Troll  Czl. 

Es  vero  ejus  et  in  Archivio  venerabilis  capitnii  ecclesiae  Cnllegiatae.  B.  M.  V. 
hie  Juliaei  as,servanter  deteuto  Originali  copiam  hanc  desnmptum  non  tantum  olim 
per  Notarium  legalem  et  Juris  licentiatum  Joannem  Petrum  Steprath,  seJ  et  nunc 
per  me  Infra  subscriptnra  rite  conscriptam  et  collationatam , adeoi(ue  dicto  originali 
verboteuua  cousonara  testor. 

Johann  Wilhelm  Ileutmann. 

Notario«  Aiwstolico-Camteus  legalia  et  hie  Jüliaei  resijens. 


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207 


\ 

N 

\ 

Sent  huprechtz  broderschaffi  elc. 

Itra  *0  wissen,  dat  <l«er  öden  ind  broderschatf  a<  uni?ehauen  ind  bestedicht  ln 
ere  gots,  der  heyligen  d ry  neldic  h ey  t . In  ere  der  heylger  vnnff  wondeu, 
des  heilgen  mar^chalcks  sent  huprechtz,  der  otlenbarongen  np  den  heylgen 
wyssen  vrydacli.  Ind  wer  deser  broderschatf  begert  ind  yeine  zogelaissen  wirt , der 
sali  dein  ind  haldeu  In  niuissen  herua  geschribu  rolght. 

Synen  eyl  vnsem  gl.  Heren  zo  doyn. 

Item  so  salll  eyn  yecklich  broder  sweren,  weder  vnseu  gnedigen  Heren  nyet 
zo  doin  myt  raide  noch  daide  ind  sali  vort  alle  punten  ind  artikell  In  den  heufll- 
briene  begreiffen  halden  ind  volfvoeren  na  synre  macht,  eyne  myt  desem  rerdrage 
hyrynne  begriffen. 

Der  weder  vnsen  gl.  heren.doin  moeste. 

Item  off  eynichem  broeder  so  gelegen  \rnrde  van  eydtz  wegen  , off'  ander  be- 
wentnysse  off  vudersaissen  haltieu,  weder  vnseu  gnedigen  heren  doin  moeste,  dat 
sall  hey  myt  synen  offenen  besiegelten  brieue,  rnaem  gnedigen  heren.  VI.  wechen 
lanck  zo  voerentz  verkündigen  ind  den  bro«iermey<teren  deser  broderschaff  vp 
schryuey  ind  dar  myt  synen  orden  ind  zychen  oeuersenden  zo  Nydeggen  In  sent 
kristinen  kyrohe  da  dese  broderschaff  gelegen  ist. 

van  dem  vasten  der  broeder. 

Item  sall  eyn  yecklich  broder  sent  huprechtz  auent  vasten  ind  synen  dach 
vyren  off  in  der  broderschaff  darunr  gheuen  Dry  alb.  coelsch,  wilchs  einer  geliefft. 

van  degeliehem  gebede  der  broeder. 

Item  yt  eal  eyn  yecklich  broder  sprechen  alle  dago  viinff  pater  no,ster  ind 
vnnff  ane  marien  In  ere  golz  ind  der  heylgen  vnnff  wondeu.  alz  die  sent 
huprecht  tnsschen  des  hyrtz  horne  vp  den  vurst.  wys.scn  vrydach  offenbart  worden 
dat  yeme  got  ind  sent  hoprecht  syne  vnnff  -syune  behoeden  wille, 

van  dem  qualertemper  gebede  etc. 

Item  sall  eyn  yecklich  broder  sprechen  In  allen  quatertemper  vp  den  vrydach 
XV.  pater  noster  ind  so  vill  ane  marien  vor  alle  broeder  ind  sn.ster  deser  broder- 
schaff lenendich  ind  doyt  Iml  ouch  a.sdan  alle  broeder  ind  snster  lewendich  ind  der 
darvyss  verstomen  synt  l>egain  a.s  geweulich  is, 

van  broderlicher  lieffde  ind  truwen. 

Item  soileu  die  broedere  mailich  anderen  broderliche  lieffde  ind  truwe  halden, 
nyemantz  den  anderen  versprechen  Ind  hoerte  yematz  van  yn,  vp  eyns  anderen 


IV.' 

Statiiton-Aiiazug  ans  dem  Kinschreibbiteh. 
Ccd.  icoii.  318. 


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2Ü8 


broder  eer  yedt  spreche!),  der  iiyet  vutgaiiiwerdich  werc,  der  sali  yn  /.ora  besten 
Terantwortteu  biss  au  den  ghenen  , vp  den  gesprochen  wurde  hey  vurkoraen  wirt 
Sich  seiner  zo  verantworilen. 

van  gestalt  der  broedere. 

Item  sali  eyii  yecklich  broder  descr  broderschafl’  van  gueder  ritterschaff  syn 
van  syneii  IV  Aeueben  der  iiyet  weder  syne  cir  gedain  en  bait  iiid  sali  vort  eirber- 
lichen  lenen  ind  sich  haldcn , onch  besonder  in  geyme  onerspille  offenbierlichen  sitzen, 

van  gehorsamheyt  der  broeder. 

Item  sali  eyn  yecklich  broder  der  van  vnsern  gnedigeu  bereu  In  deser  broder- 
schaif  zo  gelaissen  wirt,  gehorsam  syn  alle  pnnteu  doyu  ind  haldeu  na  Inyde  ind 
Inuchaldeu  des  vurgez,  briefs  ind  dis  verdrachs  sich  dar  weder  nyet  wranelen, 

wer  sich  nyet  en  hielte  na  desen  verdrage. 

. Item  were  eynicb  broder,  der  sich  nyet  en  hielte  na  ynnehalden  des  briefa  ind 
dis  contractz,  off'  besonder  der  yedt  weder  syne  eir  gedain  bette  oß'  dede  dat  sich 
knntlich  erinnde  ind  des  hey  sich'  an  vnaem  gnedigeu  heren  nyet  verantwordeu  künde, 
der  sali  desen  Orden  ind  broderschaff  verloiren  hain  ind  verwyst  syn  ind  sali  synen 
Orden  van  stunt  an  zo  Nydeggen  In  sent  kristiueu  kirchen  senden,  gelych  off  hey 
doyt  were, 

wat  men  In  dese  broderschaff  geuen  sali. 

Item  sali  eyn  fürste  gheuen  in  desen  orden  ind  broderschaff  XII  golden  ind 
dem  heralt  IV  gülden,  item  eyn  greue  off  eyn  edell  mau  VI  gülden  ind  dem  Iieralt 
II  gülden  Ind  eyn  Uittermeessigh  man  111  gniden  ind  dem  heralt  I gülden. 

van  der  vrawen  orden  etc. 

Item  yt  en  sollen  geyne  vrawen  personen  orden  dragen.  Sy  en  hauen  dan  elige 
mane,  die  den  orden  irst  vntfaugen  bauen  Ind  so  verre  as  die  vranwen  personen 
onch  guet  genoich  synt  van  yren  IV  Aenchen  in  des  beweronge  doynt,  as  vp  die 
broedere  geschreuen  »teyt.  Item  soylen  die  vranwen  onch  yre  gebet  doyu  ind  haldeu 
onch  as  vp  die  broeder  steyt,  Item  soile  die  vranwen  onch  ind  den  orden  ind  broder- 
schaff glieuen  allit  as  vp  die  broedere  geschr.  steyt  nyssgesebeyden  vnse  gnedige 
vrauwe  ind  yre  Jouffranwen.  dewylle  sy  by  vnser  gnedigeu  vranwen  synt.  Ind  as 
sy  van  vnser  gnedigen  vranwen  synt.  Sollen  sy  den  Orden  nyet  me  dragen , yre 
mane,  die  betend  den  vrloff  van  meinem  gnedigen  heren  vnd  bewyss  than  as  sy 
ander  brnyde  ind  snester. 

van  verlenongon  des  Ordens  etc. 

Item  off  herem  hoynen  yemantz  werc,  manen  off'  vranwen,  die  den  orden 
droegen  sonder  vnss.  gnedigeu  heren  orloff  ind  II  brodermeyster  zo  den  sali  iinss. 
gnediger  heren  heralt  ryden  ind  yn  den  orden  aifdoyn  legen  biss  zeit  ist.  Sy  van 


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209 


TnsPin  ^rnedigon  heren  iiul  brodermeyster«  orloff  hauen  Ind  asdaii  offt  vnser  piiedigon 
heren  beliefl't , yerae  off  yn  yueu  brieff  gheuen  ind  die  vntfaiigen  as  rerre  die  seinen 
luaiien  off  vranwen,  dar  ao  beqnenie  aynt  myt  yreu  IV  Aeiichen , Ind  so  sali  men 
myns  gnesligen  heren  brieff'  vurbrengen  T)>  sent  huprechtz  dach  in  die  bewerongc 
der  IV  Aenchen  oenernytz  eynen  versiegelten  brieff'  van  II  oirberen  vuberuchtichden 
Ritter  manen  onch  asdun  myt  zu  brengen  In  vnri.  niais'^en,  da  sall  yn  dan  der  nrden 
verleyul  werden  na  Inyde  des  Heufftbrieffs  etc. 

van  dem  dragen  des  Ordens. 

Item  sali  eyn  yecklich  broder  synen  orden  alle  heylichs  dages  dragen  ind  sali 
syn  Zeichen  alle  dages  dragen  boynen  np  off"  vuder  den  cleyderen , vp  cync  pene  van 
eyme  Tornesch.  In  die  broderschatt’  zo  gheucn  so  rucke  hey  da  yune  bruchich  ind 
versnynilich  vunden  wurde, 

van  doden  dcss  broderschaff. 

Item  so  waneu  vnss  her  got  oeuer  eynichen  bro«lcr  off  suster  geboiden  hait  in 
doitzhahien  affgegaugeu  ist.  tjo  solen  desselueu  doiden  uyester  eruen  ind  maige 
yren  orden  ind  zoichen  zuyruc  schicken  ind  bestellen  zo  Nydeggen  In  die  kirch  da 
ind  as  dan  da  begayn  ind  ouelich  rur  sy  bitten  sall  as  geweulichen  is. 


V. 

Ordenaglleder  von  1476—1500  mit  4 Almen,  nach  dem  cod.  Icon.  318. 


Jfthr 

A h R e B 

» r 0 b • n 

Be-  ' 

merkang 

0rdentgli«4«r 

1 Vat«r 

Matter 

Vaters 

Matter 

Mattere 

Matter 

1444  [ 

■ 

ii 

Oerliard,  Herzog  xaJDlIch  | JQlich 
and  Berg  1 

Tekleubarg 

Pfaltz 

Mears 

Stifter 

tU7S 

SophU,  Herzogin  ▼.  Jfilich  Sathaen 

Pommern 

Braunschwg. 

Holstein 

H7S 

Adolf)  Herzog  von  JUllch  * JQlich 

Sachsen 

Teklenborg 

Pommern 

1473 

Margtrotba,  Herzogin  von  Sadisen 
}techKeu 

Brandenburg 

Pommern 

Bayern 

Wllhelni)  Herzog  von  ij  Jülich 
JOlich  I 

Sachsen 

Tecklenbarg 

Pommern 

t isil 

tH79 

EllHjihoCh)  Herzogin  von  NasaaU'Szl- 
JUlieh  1.  Fraa  Wilhelms  j brück 

Heinsberg 

Lothringen 

Diest 

1«7 

SjrhUlB)  Herzogin  von  JQ-’  Brandenburg 
Heb,  Wilhelms  2 Frau, 

Saclisen 

Bayern 

Oesterreich 

t l.'iZt 

1477 

Heinrich)  Graf  zu  Lim*  Limburg 
bürg  Herr  zu  Broich 

ISjrKh 

Broich 

Bronkhorst 

1 Bmdei* 
rneister 

1 

! 

Heinrich)  Herzog  Naj«u 

Bilstein 

Oyemen 

Kandenroidt 

Horn 

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210 


Jahr 

A h n 0 n p 

• r 0 b e a 

Be- 

merkung 

Ordansglieder  | i 

j;  Vater 

Matter 

Vaters  ' 
Matter 

Mutter« 
Matter  ^ 

1477 

Kherfaard  von  SAya,  Graf|;  Wit^fenstein 
zu  Witgenstein  *) 

Arborch 

Areneberg  I 

Loyii  1 

Hebaslian,  Junker  zn  8ajii  Sayn 

Syrick 

1 Solms 

Byognir  I' 

ClaoH,  Graf  zu  Teklen-  Teklenburg 

Hoj- 

! 

Meura 

Sachsen  j 

bnrjf 

I 

Clans  Graf  von  Teklen-  ' Teklenburg 

Hergen  aufd. ! 

Hoy 

Bentheim 

bnrg.  Sohn 

allen  Isslcn  , 

H80 

Philipp  Junker  von  ITal-V  Waldeck  j 

Werthheim  i 

' Nassau 

Ilenncberg 

K 

deck  j, 

1 

Heinrich  Herr  roo  Gym*!  Gmainen 

Horn  * 

Bronkhorst 

Heinsberg 

men  (Ghenien) 

1479 

Johann  v.  Merode,  Herr“  Merode 

Peteraheim  | 

Weaenmaill 

Bergen  op  l 

2.  Bruder- 

zu  Petersheitu  ^ 

t 

Zoom 

meister 

,1 

Wilhelm  Sombrenf  zu  Ij  Sombreuf 

Zabot  auR  - 

i Kerppen 

Streuestropp  ■ 

Recklteun  1 

Hennegau 

aus  Limburg  J 

j 

Beatrix  Sombreuf,  Wil-  jl  Merode 

Hom,  Graf- 

Rifferscheid  ^ 

j 

heims  Frau  ' j 

schaff 

j Petersheim 

za  Salm  | 

K.  Junker  Solms  der  Junge  • 

(Ohne  Angabe) 

1 

1 

Kn^lbreeht,  Erbmar-  t!  Hirgelen  I 

Bschwylei*“ 

Scbaaedrifoi  1 

Hüchelhoven 

8.  Bruder- 

|l 

schall  zu  JQlich 

(Broich)  { 

meister 

Elisabeth  Rtrgelen,  En*  ^ ßaetzfeld  anf 

1 Stecken  iro 

Hoemen  und 

Bede  bei 

i 

gelberU  Frau  f dem  Hraym 

!>and  Cleve 

Oedenkirch 

Glaitbacb 

t 

Dietrich  von  Palaiit  | Palant 

Bergerhnias 

Engelstorff 

Binafett 

Johann  v.  Oedenklrchen  Oedenkirch 

Birgelen 

Rede  bei 

Erscbwylre 

(Hoemen)  , 

Qlatbach 

(Mnrgarethal  von  Oeden-  l|  Palant 

Pyrmont 

Engelstorp 

1 Erenberg 

kirebon,  Johanns  Fran  |i 

‘ Däm  von  Harre,  (Harff>  Harve 

Broiebhniu  a. 

Niuenbeim 

Werdenberg 

Geldern 

aus  Geldern 

1 Johann,  Herr  von  \esael*  Nesaelroide 

Lantsberg 

Graffschaff 

Sehoinroide 

1 rolde  zum  StHn.  Land* 

’l  drost  von  Dcrg  j: 

1 

jiCatarlna  v.  Neaselrolde,  u Gymmen 

1 Horn 

Bronkhorst 

Heynsbereb 

[]  Johanns  Frau  (Ghemeii) 

Bertram  v.  »sselrolde,  ' Nesselroide 
< Herr  zum  Krenatein,  Mar- 
Bchall  de«  Herzogth.  zn 

1 Margaretha  von  NesHcl-  Hort sclielt  a. 

Lantsberg 

Grafsebaff 

1 

SchSnroide 

1 

!! 

. Krauwel  von 

KIter  aus 

ßernsaa 

I| 

rolde,  Hortrama  Fran  Lützelbarg 

Gimborn 

’ Lützelburg 

1 

1 

i 

1)  Nach  ßeiUjife  I war  nro  8 bereits  14<30,  nro  9 utui  10  1401  aufg^eaotnmeTi  und  sind  ans  dem 
1.  Brnderscliaftsbuch  mit  anderen  DbertraK<}n. 


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211 


J&br 

Ordintgl  ledtr 

Ahnenproben 

Be- 

Vater 

Mutter 

Vaters 

Matter 

Malters 

Mutter 

merkung 

Johann  toq 
Herr  t.  Palstercamp 

N\'s»elroide 

LanUberg 

Qraffscliaff 

Schoinrotde 

1477 

Ilertold  V.  Pletlenberfr, 
Hofmeister 

Plettenberg 

Letmont 

(Letbmat) 

Hoirde  aus 
Westphalen 

V.  Pobben 

4.  Bruder- 
meister 

N (Anna)  t.  IMetlenber^, 
BertoUs  Frat) 

Nesse]  roide 

Gemmen 

Landsberg 

Home 

UotHcbalk  von  Harve, 
Bitter 

Harve 

Blrgelen 

Bemsberg 

Binavelt 

(Johamm)  v.  Harre,  Gott* 
Schalks  Frau 

Hörnen 

HQl» 

Roide  bei 
Glatbach 

Roide  bei 
Ordingen 

Johann  v.  Marode,  Bitter 
(Franki'nberg) 

Merode  (bei 
Neos) 

Gronsfetd 

Frankenberg 

Herolde 

Johann  t.  Einer,  judex 
im  Land  Bert;  Bitter 

Einer 

Oift  bei  Ket* 
wich 

Forst  im 
Lande  Berg 

•Schics wich  In 
Cleve 

t 

N.  von  Merode,  Frankt-n- 
berffs  Frau 

Borscheit 

(Bortxet) 

Tristant 

Elter 

Komich 

N.  (Agnes)  Frau  des  Car* 
filius  von  Palaot 

Hoemen 

Oedenkirch 

Rede  bei 
Glatbach 

Meroide 

1484 

Heheiflkrt  von  Merode, 
(xu  Bornbeim) 

Merode 

Hamal  (d'El- 
deren) 

Vlatten 

Tresenje«  a. 
Hennengau 

N.  (Klisnbeth)  v.  Merode, 
Scheiffarts  Frau 

Beyssel 

Beifort 

Garstorp 

W'ylitx  (un- 
lesbar) 

i 

fl49e 

Wilhelm  von  Bemsaa, 
Ritter 

Bemsau 

Belinghofen 
aus  Cleve 

Elvcrfeld 

Hilberg  aus 
Stift  Münster 

1 

N.  ( Anna)  von  Beriuaa, 
Wilhelms  Frau 

Lntzenroide 

Nesaelroide 

Clebcrg 

Lands borg 

Wilhelm  von  »aselrode, 
von  Langsclieid 

Neeselroidev. 

Fleckeostein 

Varensberg 

ferner 

Koixxroidt 

N.  von  Neaaelrode,  Wil- 
helms Frau 

Irmtroid,gen. 
die  Phalon 

Dracbenfels 

Nassau  Mit- 
terschaff 

Amdaill 

Werner,  Herr  xu  BjraHfelt 

Byn&felt 

Drojrten  aus 
Geldern 

Bachem 

Bojmgart 

N.  von  Bjnsfelt,  Werners 
Frau 

Ke}'m»dich 

Hejmerden 
aus  Utrecht 

Buxsslingen 
in  Geldern 

Oy»  genannt 
V.  Balgoy 

Wilhelm  von  Neaselrode 

xuui  Stein 

Nesselrode 

Gemmen 

I<and«berg 

Horn 

N.  (Johanna)  von  »ssel* 
rode,  Wilhelms  Fran 

BirgeUn 

Raiftfelt 

Eschwilre 

Bosnien 

Heinrich  von  llompeaeh, 

der  Bruderschaft  Mar- 
schalk 

Hompesch 

Buidesheim 

(Binsbeiin) 

lUndenroide 

Guckenzell 
V.  Schönaich 

N.  (Sophia)  v.  Hompesch, 
Hetnriclis  Frau 

Bortsclielt  a. 
LQtzelbnrg 

Crauweli  von 
Gimborn 

Elter  in  LÜ- 
tzclbnrg 

Bernsau  aus : 
Berg 

t 

Beraaiits  von  Palant 

Palant 

BorUcheit 

Engelsdorp 

Elter  ! 

Abh.  d.  III.  CU  4.  k.  Ak.  d.  Wim.  XV.  Bd.  II.  Abth.  -J8 


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212 


Jahr  ' Ordensglleder  ^ 

''  1 

Ahnenproben 

: Be- 

merkung 

j Vater  j 

j Muttßr 

V'aters 

Mutter 

I M Utters 
1 Matter 

r ü 

' N.  von  Falant,  Bemards  Kassfelt 
i Frau 

1 Aesiwin  aus 
1 Oleve 

OdenkircUen 

1 

i HeMan  in  ■ 
Cleve 

1 Salentin  ron  Mcnsin^ni ' 

.Mensingen  I 

1 

1 Hoiltorpp 

1 Kdsenberg 

1 Ruidenburg 
I V.  Spiegel  | 

j i'mimd  Ton  der  Hor?tl, 
j Krbschcnk  von  Berj  | 

1 Horst 

1 HoiUori  1 

Elverfeld 

1 Hoidenberg  | 

1 K.  von  der  Hontl«  Con-  | 
rads  Fraa  , 

j Velbrng 

B|»ede  in  Oe1*i 
dem 

, Stael  T.  Hol- 
stein 

Myrieo  in 
GeMem  | 

1 (lerurd  von  lloeiiicn, 
Junker  1 

Hoomen 

Hulsse  1 

Beide  1 

Beide  bei  ! 
Uerdingen  ^ 

1477  Kinund  von  Palant 

I 

Palant 

Boidenberg 

Kngelstorp 

Appelter  | 

o.  Bmder- 
' meifter 

Robert  von  Pleltenliorfr  * 

1 Plettenberg 

i Ornwbach 

Piscbenich  | 

Gymracnieh  | 

Daldnln  von  dem  liorito,  | 
' Herr  zu  liknae 

Berge 

Lerroide 

Blense 

LQpcnaw  j 

1 Heinrich  von  Vlatten  . 

'i  ! 

1 Vlatten  Erb- 
; schenk 

llollicb 

Lysskirch 

Bunenbacb  i 

li  N.  (Anna)  von  Vlatten,  1 
Heinrichs  Frau 

j Berne  i 

Ryneten  , 

Kerkhnni 

Buelsbek 

D8m  von  Palant,  Junker 
1 (in  Weiawiler) 

Palant  1 

1 

BorUcheit 

Engclstorz 

Elter  ' 

( 

t Dlotrleh  von  lAadsber^, 

Janker 

Landsberg  ^ 

Mangeoen  j 

Klverfeld 

Gross  - Cal- 
chum 

Johann  v.  Harve') 

Harve 

Hoeraen  j 

: Birgden 

1 HUIn 

Johann  von  Scbdnrolde 

Bchönroide 

Pesch  1 

BIrgelen  | 

Bynsfdt 

X.  (Maria)  v.  HchSiirolde, 
Johanoj«  Frau 

Meroide 

Kurtenbacb  | 

OruDsfelt 

Moillacker  b. 
Bytsen  ' 

1 

1 

Willem,  Herr  tn  Reld 

Nesselroide 

jT.Fleekenstein 

Meroide  von 
Frankenberg 

Vlatten 

Gransfeld 

1 

|j  N.  (Adriana)  von  Relde, 

jj  Williama  Frau 

1 Anidaill 
1 ' 

Kcid  , 

(fehlt) 

1 

(fehlt) 

1 Heinrich  v.  h'eaaelroide, 
1 Janker 

Nesselroide. 

1 ilana  Fleckst. 

Meroide  j 

Vlatten 

Gransfdd 

i Paulas  von  Hreitliaeh, 
t Bitter  1 

1 Breitbach 

1 

1 Sanerk  j 

’ 1 

von  Wed 

llerisfort 

'Johann  von  IlreitfNieh  | 

ijohne  Namen  (Loretto  v. : 
l!  Schdneck,  des  Joliann  v.! 
y Breitbacbt  Fraa) 

- 1 

1 Breitbach 

Saneck 

' 1 

von  Wed 

Herisfort 
V.  Wineck 

1 

i i^clibneck 

1 

1 

Kyiienherg 

Pyrmont  | 

VlaUeu 

1 

l)  Hier  fehlt  in  *ier  Hand^cbrift  ein  Blatf,  es  Uutct  in  der  Abschrift:  Wilhelm  ton  Vlodorpy 
mit  den  Ahnen  Vlodorp-Wynaml,  ran  de  Wyet,  Hoyn  d’AemUnrnde. 


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213 


Jahr  1 

0 r d • n t g 1 ( e d • r 

A h n e n p 

rohen 

Be- 

Vater  1 

MutUr  1 

Vater«  | 
Matter  j 

Matten 

Matter 

merkung 

1477 

Johann  ron  Breltbaeh,  |. 
Ritter 

Breitbaeh 

Steinenbach 

i 

Meingenberg  ’ 

Arendal 

>VllheItn  ron  >V«sflrode.  ^ 
Janker  Wilhelms  Sohn  > 

Nesselroid 

Fyrentroid 

Varensberg  | 

Drachenfels 

1 

K.  (Philippinaj  r.  Xessel-  , 
rolde,  Wilhelms  Fiun 

Holtropp  1 

LnyUtoqi 

von  der  Au 

van  Tyti 

llointx  S|ieetx,  Janker  > 

S[»eeti  1 

Randenroide  | 

Luylstorp  I 

Mylendonk 

1 Bernhard  von  Uondey  | 
Janker 

Honde 

ßfid 

Lymburg 

'fehlt) 

N.  von  Uoiid«^  Beruliardsl 
, Frau  I 

i Ncsselroide  j 

Burk  in 
Westpbalen 

Lands  borg 

Besav 
( Hosch)  ? 

i 

! Johann  von  Nnprf  1,  Drost 
«ler  HerrschaR  UaTetiiS'  i 
bcry  1 

i Nagel  1 

1 

suei  V.  Hol- 1 
stein 

Westphaeling 

Bfveren 

Johann  von  Bjru6feU, 
Junker 

Byiuftilt 

Rjmsteck  , 

Droiten  aas  . 
Gelderland  ' 

, Heimerdtcn 
aus  Utrecht 

Urrard  von  BleniU,  ge-  , 
nannt  Berg 

Blens« 

Yrymersheii 

Le  roide 

Thomey  j 

|I 

t 

N von  Frankenherg,  Jo-; 
hanns  (?l  Frau 

, Merode  l 

! Bortscheit 

Gronsfelt  | 

1 Elter 

i Werner  von  der  Boym- 

: 

! B*>emgart 

Holssbclm 

SinljiK 

VlalUn 

1 

{ K.  TOD  dem  Bojmgarl, 
Werner«  Frau 

, Towenbroich 
(Eggenroide) 

Burk  vorher 
Prendt 

1 Ho!Uhai«eii 

1 Bocholt« 

Hollturp  der  Jangc 

Hoiltorp 

von  der  A. 

Brakei 

llelmsteiden 

(Jerard  von  der  Korst, 
Janker  * 

Horst 

' lloltorp  1 

ElverfeU 

1 Roidenberg 
1 (Spiegel  V.) 

1 

N.  von  Horst,  Qerard«  , 
Frau 

, Kraraell  von 
' Kinatten 

Molenark 

Lopenau 

' Kessel  von 
Nurberg 

j 

: Wilhelm  von  Pletten- 
berg 

; Plettenberg 

1 Kit«  von 
; Bernsau 

1 Schwaneberg 

Horich 

1 

N.  von  Plettenberg,  Wil- 
' heim«  Frau 

Elrerfcld 

Creberg 

Brakel 

' Ham 

Heinrich  von  Italde 

Raide 

Renen 

Steinebaeh 

Koverstein 

tl506 

,|  (Barbara  l v.  Haide,  Hem- 
ricli«  Frau 

Plettenberg 

Oirsback 

Fiachenich 

Gymenicb 

1'  Lalgrr  troD  SUnimel, 
' (Stamheim) 

Stamel 

j KBlehhoyin 
' ( (Walchum) 

Stael  V.  Hol- 
stein 

von  Baden 

t 

-I  Statins  von  dem  Uojm- 
gart 

Bojmgart 
Erhkamerer 
von  Jülich 

1 Bortscheit 

' DorUani 

( 

Elter 

j,  Johann  Stael  v.  Holtzsten 

' 

I Stael  von 
liangguelaic) 

1 

Behingcn  ge- 
' nanat  Over- 
J huvfts 

1 lloltzlieym 
1 von  Cöln 

i Docker 

i 

i 

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214 


1 

Jabr  Ordanigliedtr 

1 Ahaenpreben  I 

Be- 

merkung 

j Vater  | 

i Matter  1 

Vaters  | 
1 Matter  \ 

Malters  !j 
Matter  | 

In.  von  Stftp),  Johanna 

1 Merode  ron  I 

i Schoenroide 

1 

Gronsfelt  ^ 

Bireelen  j 

1 

1 Frau 

1 Fliesteden  j 

1 

1 

! Oh 

ne  Ahne n 

andWappen  ! 

U87  Con«  von  Mandersohfld 

(Manderscheid]  Schleyden  | Dann  j 

Blankenhoira)' 

''  1 

1 Oh 

ne  Ahnen 

and  Wappen 

14S6  Erking^r  tod  Seln^hefm 

(Seintheim 

1 ffutten 

, Bickenbach 

Cronberg) 

tu  Schwarzenberg 

Dietrich  ron  Hall 

U.I 

1 Qaaiie 

1 Ophoren 

Kniprade 

6.  Bruder- 

1' 

meister 

1 N.  Ton  Ha],  Dietricht  ' 

Horrlch 

Helmondt  i 

! Bastenacb 

Cortenbach 

1 Prau 

^ Werner  tod  UoeliBte4ea  i 

: Hochste^len 

Uom 

1 Rauderoido 

Erenstein 

1500  I Coin  von  Vlatten,  Janker 

Vlatten 

Bern  ! 

1 Bullieh 

Ernatten 

1«.  JttU : 

(Wapp.  fehlt) 

j (Wapp.  fehlt) 

1 Ans»  Ton  TI«tt«D,  di» 

VelbrugiT 

Ilemorlck 

Boemgart 

Spe 

1 Cuntz  Kran 

«Wapp.  fehlt) 

(Wapp.  fehlt) 

, (Wapp.  fehlt) 

1 

(Wapp.  fehlt) 

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Der  Kalenderstreit 
des  sechzehnten  Jahrhnnderts 

in  Deutschland 


Felix  Stieve. 


Al)h. d.  III.  a d.  k.  Ak.  d.  Wi«.  XV.  BJ.  HI.  Abth. 


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Der  Kalenderstreit 
des  sechzehnten  Jahrhunderts 

io  Driitsrhland 

TOD 

Felix  Stieve. 


Uebor  don  Widerstand,  welchen  die  Protestanten  Deutschlands  im 
Bcchzehnten  Jahrhundert  der  Einführung  des  gregorianischen  Kalendei'S 
ontgogensetzten,  und  über  die  Schriften,  in  welchen  damals  um  den  Wert 
und  die  Zulässigkeit  der  Neuerung  gestritten  wurde,  hat  zuerst  Ferdinand 
Kaltenbrunner  umfassenderen  und  eingehenderen  llericht  erstattet. ')  Eine 
Reihe  von  Ergänzungen  und  Berichtigungen  seiner  Ausführungen  hai)e 
ich  bereits  bei  einer  Besprechung  derselben  verofifentlicht.  *)  Nochmals 
und  näher  auf  don  Gegenstand  einzugehen,  unternehme  ich  deshalb,  weil 
Kaltenbrunner  nicht  alle  einschlägigen  Schriften  kamite  imd  aus  den 
ihm  zugänglichen  von  den  theologischen,  ])olitischen  und  nichtwissen- 
Bchaftlichen  Erörterungen,  mit  welchen  die  Kalenderänderung  bekämjift 
oder  verteidigt  wurde,  nur  unvollständige  und  ungenaue  Jlitteilung 
machte.  Gerade  diese  Erörterungen  sind  jedoch  nicht  allein  für  die 
Denkweise  jener  Zeit  sehr  bezeichnend,  sondern  sie  besitzen  zugleich  für 
die  politische  Geschichte  unseres  Vaterlandes  Bedeutung,  da  die  Beob- 
achtung verschiedener  Kalender  in  hohem  Masse  zur  Verechärfung  des 
Zwiespaltes  zwischen  den  kii-chlichen  Parteien  Deutschlands  beitrug.  Es 


1)  FeMiiiand  Kalten bra nner;  Die  Polemik  Über  die  Grej^orianieche  Katendemform. 
SitZQDjTi^^lcbtc  der  hlst.^phil.  Claae  der  k&ia.  Akademie  d.  W.  Iknd  $7,  48.')— 

2)  In  der  Historiscben  Zeitschrift  X.  F.  VI,  127  -136. 

I* 


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4 


dürfte  daher  nicht  überflüssig  erscheinen,  aus  den  zum  Teil  sehr  seltenen 
Streitschriften,  die  einzusehen  mir  vergönnt  war,  ‘)  vollständigere  Aus- 
züge zusammenzustellen.  Ueberdies  glaul)e  ich,  dass  die  Al)lehnung  des 
neuen  Kalenders  durch  die  Protestanten  eine  andere  Beurteilung  finden 
muss,  als  ihr  bisher  von  Seite  der  Geschichtschreiber  und  in  weiteren 
Kreisen  zu  Teil  geworden  ist. 

I. 

Papst  Gi’egor  XIII  führte  den  nach  ihm  l>enannten  Kalendei-,  welcher 
gegenwärtig  bei  allen  christlichen  Völkern  ausser  bei  den  Anhängern 
der  grit-chischen  Kirche  im  Gebrauch  ist,  vor  nunmehr  nahezu  drei- 
hundert JaliTOii  au  Stelle  des  i.  J.  47  vor  Christus  von  Julius  Cäsar 
geschallenen  Kalenders  ein,  um  die  kirchliche  Festrechnung  in  Einklang 
mit  dem  wii-klichen,  dem  astronomischen  .lahre  und  dessen  IIimmel.s- 
erscheinungen  zu  setzen. 

Den  Angelpunkt  für  die  Berechnung  der  beweglichen  Kirchenfesto 
bildet  bekanntlich  das  Osterfest.  Die  ersten  Christen  feierten  dasselbe 
im  Anschlu.s.se  an  das  Passah  der  Juden,  welche  da.s  Osterlamm  in  der 
Nacht  vom  14.  auf  den  1.5.  des  Monates  Nisan  assen,  wo  der  Frühliugs- 
vollmond,  der  erste  V'ollmond  nach  der  Tag-  und  Nachtglcichc  des 
Frühlings,  sichtbar  war.  Wahrend  aber  die  a.siatisohen  Christen  Ostern 
am  14.  Nisan  scllwt  hielten,  weil  nach  dem  Evangelisten  .Johannes 
Christus  an  diesem  Tage  geki'euzigt  worden  war,  begingen  die  Abend- 
länder das  Auferstehungsfest  am  Sonntage  nach  dem  14.  und  das  An- 
denken des  Leidens  Christi  am  vorausgehenden  Freitage,  denn  nach  dem 
Zeugnisse  aller  Evangelisten  war  Christus  an  einem  Freitage  gestorben 
und  an  einem  Sonntage  aufeisitanden ; wie  deshalli  allwöchentlich  jener 
Tag  als  Fasttag,  der  zweite  als  Festtag  betrachtet  wurde,  so  glaubten 
die  Abendländer  das  Andenken  des  Erlösungswerkes  entsprechend  seinem 
Verlaufe  erneuern  zu  müssen  und  fanden  es  unpa-ssend,  die  vierzig- 

1)  Dem  Herrn  Oberbibliuthekar  Dr.  För»temRnn  tu  Dresden,  Herrn  Oberbibliothekar  Professor 
Dr.  Otto  V.  Heinetnann  zu  WolfcnbQttol  und  Hurm  Geheimrath  Professor  Dr.  Lepsius  zu  Berlin  bin 
ich  f&r  die  ghti^e  Zusendung  der  auf  den  hiesigen  Bibliotheken  nicht  rorhandenen  SchriDen  zu 
grösstem  Danke  verjiflicbtct.  Die  Titel  der  von  mir  eingesehenen  Schriften  gibt  de>  Anhang  und 
führe  ich  sic  der  Kürze  hun>er  mit  der  ihnen  dort  eigenen  Kummer  an. 


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5 


tägigen  Fasten  an  einem  Freitage  zu  beenden,  falls  der  14.  Nisan  auf 
einen  solchen  traf.  Weitere  Abweichungen  wurden  dadurch  verursacht, 
dass  die  Juden  seit  der  Zei"störimg  Jerusalems  den  14.  Nisan  nicht  mehr 
nach  Beobachtung  der  Gestirne,  sondei-n  nach  ungenauen  Berechnungen 
ansotzten,  denen  zu  Folge  jener  Tag  vor  der  wirklichen  Frühlingsgleicho 
einfallen  konnte.  Indem  nun  unter  den  beiden  bis  dahin  vorhandenen 
christlichen  Parteien  die  Einen  dem  jüdischen  Kalender  folgten,  die 
Andern  ihr  Ostern  nach  dem  wirklichen  Frühlings  Vollmonde  richteten, 
entstanden  vier  verschiedene  Arten  der  Osterfeier.  Dazu  kam  endlich 
noch,  dass  die  römische  Kirche  die  Frühlingsgloiche  irrig  auf  den  18., 
die  alexandrinische  richtiger  auf  den  21.  Mürz  setzte.  Diese  Unteischiede  * 
veranlassten  seit  der  Mitte  des  zweiten  Jahrhunderts  immer  heftigere 
Streitigkeiten  und  wachsende  Verwirrung.  Daher  traf  da.s  Concil  von 
Nicäa,  um  die  Einigkeit  herzustellen  und  um  die  Christen  von  jeder 
Gemeinschaft  mit  den  Juden  zu  sondern,  i.  J.  325  ilic  Anordnung,  das.s 
Ostern  stets  am  ersten  Sonntage  nach  dem  Frühlingsvollmonde  gefeiert 
unil  als  Tag  der  Frühlingsgleiche  der  21.  März  angenommen  werden 
solle.  Dies«!  Vorschrift  gewaiui  — wenn  auch  nur  sehr  langsam  — 
Geltung  und  wurde  seit  dem  nennten  Jahrhundert  in  allen  christlichen 
Ländern  befolgt.  *) 

Die  Vülter  des  Goncils  hatten  jedoch  übersehen,  dass  der  l)ei  ihrer 
Bestimmung  der  Frühlingsgleiche  zu  Grunde  gelegte  julianische  Kalender 
da.s  Jahr  um  11  Minuten  14  Secunden  zu  lang  ansetzte  und  mithin  seine 
Frühlingsgloiche,  wie  sie  seit  der  Einführung  des  Kalendei-s  durch  Julius 
Ciusar  bis  zum  Concil  bereits  vom  25.  auf  den  21.  März  gewichen  war, 
so  auch  in  der  Folge  nach  je  129  .Jahren  um  je  einen  W'eiteren  Tag 
gegenübej'  dem  astronomischen  Aequinoctinm  zurflektreten  mu.ssto.  Ausser- 
dem hatte  diis  Concil  für  die  kirchlichen  Berechnungen  die  Voraus- 
setzung angenommen,  dass  der  Mond  nach  je  19  Jahren  zur  selben 
Stimdo  in  dieselbe  Phase  eintrete ; auch  hier  lief  jedoch  ein  Irrtum 
unter,  der  nach  312  Jalmui  einen  Tag  üntei'schied  zwischen  den  Mond- 
berechnungen des  kirchlichen  Kalenders  und  den  wirklichen  Erscheinun- 
gen des  Gestirns  ausnuichte. 

1)  Hefele  CanciHeng<'5chicbt«  1,^0  fg.  320  fg.  und  Ideler  Handbnch  der  Chronologie  ‘HS  fg. 


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6 


Natürlich  traten  diese  Fehler  je  länger  desto  deutlicher  hervor.  Es 
kam  dahin,  dass  der  Kirchenkalender  Neumond  verkündete,  während 
schon  die  wachsende  Sichel  am  Ilimmol  erglänzte,  und  dass,  wenn  iler 
wirkliche  Frühlingsvollmond  vor  dem  21.  März  de.s  Kalenders  eintrat, 
Ostern  um  eine,  \-ier  oder  fünf  Wochen  zu  spät  gefeiert  wurde.  Indem 
ferner  einzelne  Kirchen  bisweilen  nach  den  llimmelsbeobachtungen  statt 
nach  dem  Kalender  reclmeten,  stellten  sich  aufs  neue  Abweichungen  in 
der  Abhaltung  des  Festes  ein,  wie  denn  Bremen  einmal  Ostern  vier 
W(K‘hen  eher  als  die  übrige  Christenheit  begangen  hat,  wenn  der  alte 
Sjmuch  berechtigt  ist:  „Bremenses  asini  canunt  llosurrexi,  cum  populus 
. Doi  cantat  Oculi  iiiei.“  ’). 

Seit  dem  Beginn  des  13.  Jahrhunderte  wurde  der  l!uf  nach  Abhnlfe 
laut  und  bald  erhob  sich  derselbe  dringend  von  allen  Seiten,  zumal  man 
neben  der  Verwirrung  allerlei  andere  Unzuträglichkeiten  und  namentlich 
den  SjK)tt  der  Laien  zu  erdulden  hatte,  ja  besorgte,  es  könne  einmal 
am  Chartreitage  der  Neumond  und  durch  ihn  eine  Sonnenfinsternis  ein- 
trett'en  und  so  der  Glaube  des  Volkes  an  den  übernatürlichen  Ursprung 
der  Sonnen-  und  Mondfinsterniss  bei  Christi  Tode  erschüttert  worden.  *) 

Mehr  als  zwei  .lahrhunderte  lang  wurde  die  Verbesserung  des  Ka- 
lenders erörtert.  Endlich  gi'iff  Gregor  Xlll  durch. 

Der  Arzt  Aloisio  Lilio  aus  Ziro  in  Calabrien  hatte  in  zehnjähriger 
Arbeit  einen  Entwurf  zur  Hei-stellung  und  Erhaltung  des  Einklanges 
zwischen  der  kirchlichen  Jahresrechnung  und  den  UimmelBerschoinungen 
vollendet.  Mit  seinem  Werke  hatte  auch  sein  Leben  den  Abschluss  er- 
reicht. Sein  Bruder  Antonio  legte  jedoch  die  Schrift  1577  dem  Papste 
vor.  Dieser  liess  sie  darauf  durch  mehrei-e  in  Born  anwesende,  mit  .Ma- 
thematik und  .Astronomie  vertraute  .Männer  prüfen  und  schickte  dann 
katholischen  Füi’sten  und  Universitäten  einen  Auszug  zu.*)  Eine  Keilte 


1)  Den  yer*  führt  N.  20  tlep  Anhangp  an.  Vgl.  Kaltenbronner  .V2Ö  fg. 

2)  KsUenbrunncr  Die  VorgeKchiebte  der  GregorianUeben  Kalenderreform . Sitzongsberiebte 
der  hiii.'pbil.  Cliuae  der  kais.  Akademie  d.  W.  82,  2^*9  fg. 

:3)  Kaltenbranner  Pnteniik  4^9  fg.  Tbeiner  Annales  ccclesiutici  II.  444,  Archiv  für 
Kunde  Octcrreichiccber  Gesehichtsqucllcn  XV,  210.  Franz  Joseph  von  Dianco  Geschichte  der  Cni- 
TcniUU  Köln  1,  999.  Kalt  eii  br  au  n er  sagt  S.  490,  der  Auszug  sei  «den  katholischen  Fürsten 
and  Universitäten*  zagesehickt  worden.  Die  Kinfühningsballe  sagt  nur : .ad  chrjstianos  principes 
celebrioresqae  uoiversitates”  und  f«  ist  nicht  wahrscheinlich,  das«  die  katholischen  Heichsfürsteii  zum 


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7 


von  Gutacliten  liefen  ein ')  und  verschiedene  Werke , welche  die  Aen- 
derungsfrage  behandelten,  wui'den  veröfl'entlicht.  Ohne  indes  — soviel 
ersichtlich  ist  — diese  zu  berücksichtigen,  unterzog  ein  vom  Papste  be- 
auftragter Ausschuss  die  Vorschläge  Lilios  einer  eingeheiiden  Prüfimg 
und  änderte  sie  in  einigen  wesentlichen  Punkten  ab.  Er  gedachte  die 
beabsichtigten  Neuerungen  in  einem  ausführlichen  Werke  zu  begründen. 
Ehe  jedoch  noch  dessen  Ausarbeitung  begonnen  war,  setzte  Gregor  XIII 
jene  ins  Werk,  weil  das  Jahr  1582  von  vornherein  als  „Jahr  der  Ver- 
Ijesserung“  in  Aussicht  genommen  worden  war  und  die  cyklischen  He- 
rechnungen  von  da  ausgingen. 

Am  24.  Februar  1582  ordnete  nämlich  der  Pu|tst  durch  die  Bulle 
„Inter  gravissima.s“  an,  dass  der  neue  Kalender  eingeführt  und  durch 
Auslassung  von  zehn  Tagen  im  Üctober  desselben  oder  eines  der  näch- 
sten Jahre  die  Frühlingsgleiche,  welche  thatsächlich  Iwreits  auf  den 
11.  März  des  Kalenders  fiel,  wieder  auf  den  21.  zurückgeljRicht  werden 
solle.  Beigefügt  wurden  der  Bulle  ein  Kalemlerbruchstück  für  die  Mo- 
nate üctober  bis  December  1582  und  „Canone.s“.  Ersteres  veranschau- 
lichte die  durch  Ausla.ssung  der  zehn  Tage  veranlasste  Verschiebung  des 
bisherigen  Kirchenkalenders,  die  „Canones“  aber  gaben  das  Verfahren 
an,  wodurch  in  Zukunft  die  astronomische  FiTihlingsgleicho  unverrückt 
auf  dem  21.  März  des  Kalenders  festgehalten  und  die  Mondbestimmungen 
des,selben  dauernd  in  Fiinklang  mit  dem  wirklichen  Umlauf  gesetzt  wer- 
den sollten.  Die  in  diesen  Hegeln  mehrfach  vereprochene  wiasensi'haft- 
licho  Kechtfertigung  der  päpstlichen  Voi-schriften  wuwle  vom  .Vusschusse 
niemals  vorfa.sst;  erst  1588  gab  ein  Jlitglied  desselben,  der  aus  Bamlrerg 
stammende  Jesuit  Christof  Clavius,  eine  solche  zur  Abwehr  der  in- 
zwischen von  Gelehrten  erfolgten  Angiätfe  heraus;  einige  Jahre  sj)äter 
liess  er  eine  weitere  Verteidigung  folgen  und  1603  veröftentlichte  er  im 
Aufträge  des  Papstes  Clemens  VII 1 eine  umfangieiche  Erläuterung  des 
Kalenderwerkes.  *) 

Gatacbten  awftffforJt'rt  wunien ; dAW  die  ünireraitat  lu  Wien  niebt  durch  den  J^apat.  aondem  durch 
den  Kaiser  befragt  wv^ie,  berichtet  K.  S.  491  se)b«t. 

1)  Kanke  Die  römischt-n  Päpste.  Ü*  Aufl.  I,  277,  Kaltenb  runiter  Ütl. 

2)  Kaltenbrunner  fg. 

H)  Kaltenbrunner  54*»  fg  565  fg. 


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8 


II. 

Wir  sahen,  dass  die  Anregung  zu  der  Aendcruiig  nidit  von  Gregor  XIII 
ausging.  ’)  Es  war  daher  nicht  eben  grossherzig,  dass  er  das  Verdienst, 
den  neuen  Kalender  geschaffen  zu  haben,  für  sich  in  Anspruch  nahm, 
indem  er  denselben  unter  seinem  Namen  ausgehen  liess  und  so  das  An- 
denken des  eigentlichen  Urhelnjrs  zurückdriingte. 

Ueber  den  wissenschaftlichen  Wert  des  Kalendei-s  zu  urteilen,  ist 
nicht  meine  Sache.  Es  ist  bekannt,  dass  seine  Berechnungen  noch  manche 
allerdings  geringfügige  Fehler  enthalten.  Ilervorgehobon  muss  jedoch 
werden,  däiss  bereit»  um  1080  in  Persien  ein  Verfahren  angenommen 
worden  war  und  gleich  1582  ein  entsprechendes  durch  den  Landgrafen 
Wilhelm  IV  von  Hessen  vorgoscldagon  wurde,  demzufolge  der  julianische 
Fehler  in  der  Jahresberechnung  in  33  Jahren  auf  14’/s  Secunden  er- 
mässigt  wurde,  während  ihn  da»  gregorianische  System  eret  in  400  Jahren 
auf  22  Secunden  hcrablmachte.  ®)  Immerhin  aber  war  die  Aenderung  eine 
für  jene  Zeit  sehr  bedeutende,  von  gimser  Gelehrsamkeit  und  ungewöhn- 
lichem Scharfsinn  getragene  Leistung. 

Keineswegs  aber  darf  sie  als  eine  für  das  öffentliche  Leben  not- 
wendige und  ihrer  Absicht  nach  gemeinnützige  That  bezeichnet  wei'den. 

Die  Fehlerhaftigkeit  der  julianischen  Jahreslänge  und  der  kirchlichen 
Mondbestimmimgen  war  seit  Altei-s  den  Gelehrten  bekannt.  Schon  die 
1252  zum  Abschlüsse  gebrachten  Tafeln  des  Königs  Alfons  X von  Ca- 
stilien  gaben  dann  die  asti-onomische  .lahreslänge  bis  auf  wenige  Secunden 
richtig  an  und  suchten  wie  die  Phasen  der  Sonne  so  die  des  Mondes 
astronomisch  genau  vorauszubestimmen.*)  Seit  dem  Endo  des  14.  Jahr- 
hunderts wmrden  für  Astronomen  und  Aerzte  Kalender  angefertigt,  welche 
dieselben  Aufgaben  zu  lösen  trachteten.  Bedeutendes  leisteten  endlich 
in  dieser  Hinsicht  die  1151  erschienenen  „Tabulae  Prutenicae“  des  Eras- 
mus Beinhold.  *)  Auf  ihnen  fussten  die  Ansätze  des  gregorianischen  Ka- 


1}  In  der  Einflibniugsbulk  bemerkte  der  dies  selbst. 

2)  Radolf  Wolf  Geschiefate  der  Astronomie  S.  331;  Tgl  unten. 

3)  Wolf  78  fg. 

4)  Kaltenbrunnner  Vorgesebieht«  357  fg. 

5)  Wolf  242  fg. 


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y 

lenders.  *)  Dieser  selbst  aber  war  für  die  Gelehrten  unbrauchbar,  weil 
er  die  Sonnen-  und  Mondplnusen  nicht  astronomisch  genau,  soiulcm  nach 
einer  Durchschnittsrechnung  nngab,  und  er  wurde  durch  seine  eigen- 
artigen Cyklen  bei  jedem  Zurückgehen  in  die  Vergangenheit  Anlass  zu 
zeitraubenden  Uim-echnungen.  Bei  allen  Lesekundigen  ferner  war  seit 
dem  Endo  des  15.  Jahrhunderts  der  kirchliche  Kalender  dui-ch  die  ge- 
druckten der  Astronomen  und  Mathematiker  völlig  verdrängt,  in  welchen 
die  Sonnen-  und  Mondphasen,  soweit  es  damals  möglich  w.ar,  astronomisch 
genau  bestimmt  wurden.  Für  das  bürgerliche  Leben  endlich  war  es 
doch  völlig  gleichgültig,  ob  die  Tag-  und  Xachtgleichen  alhuählich  um 
BO  und  soviel  Kalendertage  zurückrückten  und  ob  die  kirclilicheu  An- 
galjen  der  Mondjihaseu  unrichtig  waren.  tVie  man  mehr  als  1600  Jahre 
lang  mit  dem  julianischen  Kalender  gelebt  hatte,  ohne  durch  ihn  Nach- 
teil zu  empfinden,  so  würde  man  es  auch  weiterhin  vermocht  haben. 
Werden  doch  noch  heute  die  Iliissen  und  Griechen  dadurch,  da.ss  die 
Verschiebung  ihres  Kalenderjahres  gegen  das  Sonnenjahr  auf  zwölf  Tage 
angew'achsen  ist,  in  ihrem  Dasein  nicht  gestört.  Allerdings  würden  die 
Bauern-,  Schiffer-,  Adei-la^-,  Purgier-  und  ähnlichen  Kegeln,  welche  sich 
an  gewisse  Kalendertage,  die  Lostage,  wie  man  sie  damals  nannte, 
knüpften,  mit  der  Zeit  unbrauchbar  geworden  sein,  aber  das  Volk  selbst 
hätte  sicherlich  ihre  Berichtigung  im  Anschlüsse  an  die  Beobachtung 
der  so  deutlich  wahrnehmbaren  Naturerschoinimgen  auch  fernerhin  ebenso 
vollzogen,  wie  es  in  den  verflossenen  Jahrhunderten  geschehen  war,  und 
wäre  auch  schliesslich  der  21.  März  in  den  Winter  gefallen,  so  würde 
dennoch  gewiss  kein  Bauer  an  diesem  Tage  deshalb  zu  ackern  mul  zu 
säen  begonnen  haben,  weil  der  kirchliche  Kalender  den  Frühlingsanfang 
dorthin  verlegte. 

Freilich  wird  es  nun  heutzutage  Niemandem  beifallen,  zu  bestreiten, 
dass  ein  unveränderlicher  Kalender  bequemer  und  zweckmä.ssiger  als  ein 
wandelbarer  is.t,  und  dass  mithin  seine  Einführung  wünschenswert  und 
an  sich  verdienstlich  w'ar,  aber  lediglich  für  die  katholische  Kirche  war 
die  Aenderung  des  julianischen  notwendig  und  lediglich  von  diesem  Ge- 
sichtspimkte  aus  unternahm  und  begründete  sie  Gregor  XIII. 

1)  Kaitenbrunner  Foieniik  4UG. 

2)  Kaltenbranner  Vorj^twchkiite  37ß. 

Abh-d.ni.Cl.d-k.  Ak.d.Wws.  XV.B.1  lII.Abih.  2 


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10 


Unter  den  wichtigen  Aufgal)en  seines  Hirtunamtes,  sagt  er  in  der 
Einführungsludle,  sei  nicht  die  geringste  die,  dasjenige  auszufülireu,  was 
das  tridentiner  Concil  dom  apostoliselien  Stuhle  „Vorbehalten“  habe. 
Dazu  gehöre  die  Verbesserung  des  Rrevioisi,  welches  die  Gebete  und  die 
Berechnung  der  Feste  enthalte.  Jene  habe  sein  Vorgänger  Pius  V ge- 
ordnet; die  Verbesserung  des  Kalenders  sei  durch  Lilios  Vorschläge  er- 
niiiglicht,  u.  s.  w.  Da  nun,  um  das  Osterfest  gemäss  der  Anordnung  der 
Päpste  Pius  I und  Victor  1 , des  nicänischen  Concils  und  Anderer  zu 
halten,  drei  Dinge  nötig  seien,  .so  .schreibe  er  vor  und  befehle“,  in 
Zukunft  gewisse  Vorschriften  zu  l)eobaehten.  Er  „wolle“,  da.ss  alle  Geist- 
lichen den  neuen  Kalender  hielten,  un<l  er  „ermahne  und  bitte  kraft  der 
ihm  von  Gott  verliehenen  Gewalt“  den  Kaiser  sowie  die  übrigen  Könige, 
Fürsten  und  lleri-schaften  und  „gebiete“  denselben,  den  Kalender  aiizu- 
nelmien  und  in  ihren  Landen  einzufühi-en,  damit  in  der  ganzen  Christen- 
heit Gleichheit  in  der  Feier  der  Festtage  gehalten  werde.  'Wer  sich 
seiner  Anordnung  widei’setze  oder  gegen  sie  handle,  solle  wissen,  dass  er 
damit  in  die  Ungnade  Gottes  und  di;r  Apostel  Petrus  und  Paulus  falle. ') 

Vor  allem  aus  der  Notwendigkeit,  den  kirchlichen  Kalender  wieder 
in  Einklang  mit  den  Vor.schriften  des  nicänischen  Concils  und  den  wirk- 
lichen llimmelsei'scheinungen  zu  setzen,  leitete  dann  später  auch  Clavius  '*) 
die  Berechtigung  der  Neuerung  ab.  Ueberdies  fügte  er  i)ei,  dass  durch 
die  zunehmende  Verschiebung  der  Kalendertage  die  kiivhlichen  Feste 
jene  symbolische  Beziehung  zu  den  Jahreszeiten  verlieren  würden,  welche 
sie  wie  Weihnachten  zur  Winter-,  Johanni  zur  Sommeisionnenwende  u.  s.  w. 
besässen.  Wenn  er  daneben  anführte,  dass  die  Monate  allniälich  ein 
anderes  Witterungsgepräge  erhalten,  dass  die  Lostage  ungültig  und  die 
Schilderungen,  die  Wetterregeln  und  ähnliche  Dinge  in  älteren  Schrift- 

1)  nie  Balle  ut  zoeret  Kcdrackt  itn:  Kaiemlariani  (iregorinnum  Perpetoom.  Cum  Pritilegio 

Sammi  Pontilici»  Et  Aliorum  Principom.  Romae.  Ex  OfFicina  Bominici  Basae.  MDI.XXXII.  t°. 
80  Blätter.  Das  Büclilein  enthält  auaserdem;  2)  Das  Pririleg  des  Papstes  fiir  den  Dracker;  S)  Canon 
in  Kalendarium  Gregorianum  nnni  correetionis  4)  Da.a  Brnclistück  für  October  bis  Deeember 

1&S2;  .1)  Quid  obaerranduin  sit,  si  correctio  Kalendarii  non  Rat  anno  1.^2  (Anweisungen  bis  1.>S.1); 
6)  Canones  in  Kalendarium  Oregorianum  Perjietuum;  7)  Tabula  Paschalia  Antiqna  Befonnata;  8)  Ta* 
bula  Pasclialis  Nora  lieforraata;  8)  Tabula  Paschalia  Nova  Reformata;  9)  Tabella  Temporaria  Festo- 
runi  Mubilinm ; 10)  Ewiger  Kalender  fürs  ganze  Jahr. 

2)  Romani  Culendarii  a Gregorio  XIII  P.  M.  restituti  Eiplicalio  160d,  p.  70  fg. 


J 


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11 


stelliTn  unverständlich  werden  würden,  so  waren  da-s  allerdings  Gründe 
weltlicher  Natur,  doch  waren  dieselben  für  die  Curie  nebensächlich  und 
für  das  öffentliche  Leben  bei  dem  so  langsamen  Fortschreitcm  der  Ver- 
schiebung von  geringer  lledeutung,  und  sie  wurden  obendrein  noch  da- 
durch allgeschwächt,  da.ss  der  Papst  die  Frühlingsiileiche  nicht  der  Zeit 
entsprechend  ansetzte,  in  welcher  Caesar  seinen  Kalender  geschaffen, 
Cliristus  gelebt  und  die  wichtigsten  römischen  und  jüngeren  griechischen 
Schriftsteller  geschrieben  hatten. 

Die  Zurücklegung  der  Frühlingsgleiche  war  unter  den  .Venderungen 
Gregors  diejenige,  welche  sich,  da  sie  die  Ausla.ssung  von  zehn  Tagen 
erforderte,  im  öffentlichen  Leben  sofoi't  und  am  stärksten  bemerkbar 
niuchen  und  .selbst  dann,  wenn  alle  christlichen  Völker  sich  fügten,  viel- 
fache Verwirrungen,  Streitigkeiten  und  Nachteile  verursachen,  in  dem 
Falle  aller,  dass  die  iirotestantischen  Länder  und  Gebiete  sich  wider- 
setzten, Handel  und  Verkehr  aufs  schwerste  schädigen  und  bitteren  con- 
fessionellen  Hader  wachrufen  mu.sste.  Gerade  diese  Aenderung  wurde 
jedoch  ausschliesslich  durch  kirchliche  Gründe  veranlas.st  und  gerecht- 
fertigt. Von  katholischer  Seite  wurde  schon  vor,  von  protestantischer 
gleich  nach  der  Vcröftonflichung  des  gregorianischen  Kalenders  geltend 
gemacht,  dass  es  doch  weit  einfacher  und  zweckmässiger  sei,  die  h’rüh- 
lingsgleiche  auf  dem  11.31äi-z,  wo  sie  damals  astronomisch  eintraf,  fest- 
zuhalten, ’)  und  dass  es  wissenschaftlichen  und  christlichen  Gesichts- 
punkten besser  entspreche,  sie  auf  den  25.  oder  den  2S.  März  zu  legen, 
da  sie  auf  ersteren  Tag  zn  Caesars,  auf  letzteren  zu  Christi  Zeit  gefallen 
sei.  Dagegen  rechtfertigte  der  Papst  die  Wahl  iles  21.  Mära  einfach 
durch  die  Vorschrift  des  nicänischen  Concils.  Diese  Uerufung  war  indes 
Mgar  vom  katholischen  Standpunkte  aus  nicht  zutreffend  und  hin- 
reichend, denn  das  Concil  hatte  seine  Osterregel  nicht  wie  seine  übrigen 
Beschlüsse  in  feierlicher,  unbedingt  bindender  Form,  dimh  einen  mit 

U l)er  ProtoRt-ant  Calyisiiis  machte  Ou^egOM  in  Reinem  Elenchns  Calcmlarü  Grej^oriani.  Kil'J, 
Foi.  I).  3I>  darauf  aufmerksam,  das-s  man  den  11.  Marz  allerdings  nicht  febtlmlten  k^nns,  wenn  man 
Ostern  dem  Nicänum  und  dem  wirklichen  Krühliitj'svollmonde  gemäss  feiern  wolle,  denn  «onst  könne 
man  genötigt  sein,  einige  SonutagsCTangplien  auszalaRsen,  beziehangswpisc  in  unpnsseniler  Reihenfolge 
elnzaschalten.  Wie  schon  er  bemerkt,  war  dies  von  katholischer  Seite  nicht  hervorgehoben  worden 
Dod  doch  gerade  ein  Grand,  der  auch  für  die  Protestanten  ins  Gewicht  fiel,  da  ja  auch  sie  die  Fest* 
reebnung  nach  dem  alten  kirchliche»  K ilender  richteten. 

2* 


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12 


dem  Aiiiitliein  ausgerüsteten  Canon  aufgestellt,  ’)  und  warum  sollte  es 
dem  Pa]>ste  nicht  zugestanden  haben,  die  nicänische  Vorschrift  in  ISo/.ug 
auf  die  Frühlingsgleiche  ebenso  zu  ändern,  vs'ie  er  es  in  Hinsicht  der 
Mondcyklen  that? 

Clavius  brachte  später  als  zweiten  Grund  vor,  dass  die  griechische 
Kiivhe  ebenfalls  den  21.  Mürz  beobachte,  also  bei  Festhaltung  desselben 
eher  ihr  Anschlu.ss  zu  hoffen  sei.  Auch  das  war  jedoch  nur  ein  Schein- 
grund, da  die  Griechen  längst  wegen  weit  wichtigerer  Unterschiede  jede 
Gemeinschaft  mit  den  Lateinern  abgebrochen  hatten.  Geradezu  abge- 
schmackt ist  endlich  der  dritte  Grund,  den  Clavius  geltend  macht,  indem 
er  sagt:  „Da  die  Mehrheit  der  Märtyrer,  Kirchenlehrer,  IJekenner  und 
.Jungfrauen,  deren  Feste  die  Kirche  in  dankbarem  .\ndenken  fromm 
begeht,  um  die  Zeit  des  nicänischen  Concils  lebte,  die  Märtyrer  nämlich 
wenig  voi-lier  unter  Deeius  und  Diocletian,  den  grausamsten  Verfolgern 
der  Kirche  Gottes,  die  Bekenner  aber  zur  Zeit  des  Concils  selbst  oder 

bald  nachher  zur  Zeit  d(«  Basilius  und  Gi’egor  von  Nazianz , 

konnte  die  Frühlingsgleiche  nicht  auf  eine  passendere  Zeit  gesetzt  werden 
als  auf  die  des  nicänischen  Concils,  damit  die  Feste  der  Heiligen  jähr- 
lich zu  rechter  Zeit  wiederkehrten  und  gefeiert  würden,  das  heisst,  nicht 
weit  von  jener  Zeit,  in  welcher  die  Heiligen  auf  Erden  lebten  und  die 
katholische  Kirche  diirch  Beispiel  und  Lehre  erleuchteten,  denn,  wäre 
die  Gleiche  auf  die  Zeit  der  Gebiud  Christi  zurüekgeführt  oder  da,  wo 
sie  vor  der  | gregorianischen  | Verbesserung  eintraf,  festgehalten  worden, 
so  wären  die  Zeiten  aller  jener  Heiligen  verwirrt  woivlen.“  *)  Nach 
diesf^r  Ausführung  verdienten  also  Christus,  die  Apostel  und  die  grossen 
Heiligen  der  ersten  Jahrhunderte  sowie  die  des  Mittelaltere  weniger 
Uücksieht  als  die  nach  der  Meinung  des  Clavius  zahlreicheren  des  vierten 
Jahrhunderts. 

Die  wahre  Ui'sache  der  Bestimmung  des  21.  März  hat  man  in 
spitercr  Zeit  übersehen,  doch  hatte  Clavius  dieselbe  .schon  vor  dem  Er- 


1)  Hefela  Conciliüogcitciiirhte  ],  (g 

2)  A.  a.  0.  78  fg.  Kaltcnbrun  nor  l*ol«iuik  570  bemerkt  bietu:  ob  gleich  nach  (Um 

Mart.rrtQm  oder  Tode  eines  Heiligen  sein  Qedäcbtnistag  in  den  Kalender  eingezeichnet  worden  wäre." 
Allerdings  wurde  bekanntlich  iIm  Fest  jedes  Heiligen  auf  seinen  Todestag  gesetzt,  und  da  man  hierin 
der  IVberlieferong  folgte,  die  »ich  von  den  liSeiten  des  Betreffenden  fortptianzte,  so  wQrdc  insoweit 


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13 


scheinen  des  Kalenders  ven-aten ')  und  er  wiederholte  sie  auch  bei  dessen 
nachträglicher  Verteidigung.  Sie  bc.staud  darin.  das.s  bei  anderem  Ver- 
fuhren alle  vorhandenen  Breviere  und  Missale  unbreuchbar  wurden  und 
alle  bisher  gültigen  Tagbestiinmungen  für  die  beweglichen  Kirchenfes-te 
ningeiindert  werden  mussten,  wa.s  grosse  Kosten  und  Umstände  vi!r- 
ursacht  haben  wüi-de. 

Das  alx'r  war  natürlich  kein  Grund,  der  für  die  Protestanten  Be- 
deutung besas.s,  und  elwn.sowenig  konnte  diesen  der  Umstand,  dass  die 
Kalenderändenmg  für  die  katholische  Kirche  notwendig  war,  als  zwin- 
gender oder  auch  nur  genügender  .\nla.ss  erscheinen,  sich  ihr  zu  fügen. 
Die  einzige  Erwägung,  welche  die  Protestanten  und  zwar  namentlich  tlie 
deutschen  dazu  hätte  btwtimmen  können,  war  die.  dass  die  Katholiken 
sich  unbedingt  nach  der  Vorschrift  des  Pajistes  richten  mussten  und  dass 
es  daher  zweckmässig  sei,  sich  ihnen  anzuschliessen,  um  die  Verwirrimg 
und  die  ^^elfachen  Nachteile  doppelter  Kalemlerrechnung  fernzuhalten. 
Diese  Erwägung  musste  indes  znriicktreten,  da  der  Papst  die  Neuemng 
ausschliesslich  mit  dem  Bedürfnisse  seiner  Kirche  begründete  und  die 
Annahme  kraft  seiner  Amtsgewalt  und  bei  Strafe  des  Bannes  befahl. 

Gregor  hatte  nicht  das  Mindeste  gethan,  um  den  die  Protestanten 
herausfordenuleu  Eindruck  dieser  Bulle  zu  niihUmi.  Obgleich  sie  schon 
unter  dom  24.  Februar  1562  ausgefertigt  wurde  mid  obgleich  in  Deutsch- 
land ein  Keichstag  am  1.  Januar  desselben  .lahres  ausgeschrieben  und 
am  3.  Juli  eniffnet  wurde,  Hess  der  Papst  doch  erst  Mitte  September 
durch  seinen  Legaten  den  Kaiser  ersuchen,  die  Annahme  des  neuen  Ka- 


der von  Claviai  angenibrtc  Grand  Sinn  hab«n.  Ob  er  ftb«r  wirklich  meinte,  dsus  man  der  Heiliiren 
gerade  an  dem  Tnge,  wo  sie  wirklich  gestorben  seien,  gedenken  solle,  verraa^  ich  aus  soinen  uii* 
klaren  Worten  nicht  zu  entnehmen;  vielleicht  wollte  er  nnr  sagen,  c«  sei  {lassend,  die  Jahrcsrechnang 
festzohalten..  welche  zu  der  Zeit,  wo  die  meisten  Ht-Uigen  lebten,  gegolten  habe,  weil  sonst  die  An- 
gaben aas  ihrem  Leben  den  Tagen  des  gebraucblicben  Kalenders  nicht  eDU|>rachen.  Andere  Katho- 
liken  deuteten  freilich  das  Festhalten  am  21.  März  in  ersterem  Sinne;  vgl.  anten. 

1)  Christophori  Clavii  ßaiDbergenait!  Kx  Soeietate  Jeea  In  »[dioeram  Joannia  de  Sacro  Loeco 
Gommentarias,  uuue  itcrom  ab  ipso  auctore  cecognitiu  et  multis  ae  variis  loeis  locapectatus.  Komae 
IfiSl,  p.  'jr>9:  »Quare  rectios  Gregorina  XIII  Pontifex  Opt.  Max.  idem  (aequinoctiam)  redneendum 
esse  fttatait  ad  diem  21  martii,  qnu  nimiraro  contingebat  tempore  Nicaeiii  conciliit  hoc  est,  anno  825. 
Ita  enim  nihil  prorsus  immatandam  erit  in  breviarüs  ac  inisaalibus  pernianebnotque  iidem  termini 
pascbales,  quoe  sancti  iUi  patres  in  eoncUio  Nicaeno  constitnerant.*  Andere  Grdnde  fugte  Clavios 
dort  gar  nicht  bei. 


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14 


lenclers  zu  bewirken. ')  Krst  nin  dieselbe  Zeit  dürfte  iiuch  den  katho- 
lisclien  Ueicli.s.standen  die  Mitteiluiify  und  Aufforderung  zugegangen  sein, 
denn  das  gedruckte  Einfülirungsnianilat  de.s  eifrigen  Uischofs  Urban  von 
Paasau  ist  vom  23.  Se|)teinber  datiert  und  zwei  'l'age  spiiter  wies  Urlian 
seinen  OfHcial  in  AVien.  .Melcliior  Khlesl,  au,  in  aller  Eile  die  fleneh- 
inigimg  des  Eralieiv.og  - Stattlialtei's  von  Oesterreicli  für  die  Ven'jffont- 
licliung  naclizusnclien ; er  habe  nicht  Zeit  gehabt,  .sagte  er  später,  diese 
vor  Ausfertigung  seiiu-s  >Iand  ates  einznliolen.  -)  ln  Uoin  war  der  Ka- 
Icniler  vorher  Niemandem,  selb.st  den  Gesandten  :iicht  gezeigt  wonlon. 
Das  .Mies  legt  die  Vermutung  nahe,  dass  der  l’apst  die  Welt  über- 
rnmjieln  und  dadurch  jeden  Widerspruch  unmöglich  machen  wollte,  und 
man  kann  sich  nicht  des  .Scldusses  erwehren,  dass  er  den  Hintergedanken 
hegte,  die  .\nnalmie  di^s  Kalenders  durch  die  Katholiken  werde  die  Pro- 
te.stanten  zum  .\iischlussc  zwingen  und  so  bewirken,  dass  er  thatsächlich 
als  das  llaujit  der  ganzen  Christenheit  anerkannt  wei-de.  Um  so  aus- 
schliesslicher erschien  sein  Wille  als  der  einzige  Grund  der  .Venderung. 
da  die  wissenschaftliche  Hegründung  derselben,  wie.  erwähnt,  nicht  mit- 
vei-üftentlicht  wurde  iiml  man  nicht  einmal  Sorge  trug,  dass  die  Hegeln 
der  neuen  Hechnung  re<'htzeitig  weiteren  Kreisen  la-kannt  wurden.  Noch 
Endo  Deianiiber  1582  befaml  sich  in  den  Händen  der  deutschen  Pro- 
testanten nichts  mehr  als  ('in  in  München  zum  Zwecke  der  Einführung 
bei  den  Gemeinden  Haierns  gefertigter  Naclidruck  des  Kalenderbruch- 
stücki'S  für  den  Schluss  des  .lahres, und  noch  einige  Monate  spät(!f 
bemerkte  der  Churfürst  von  Hrandenburg , dass  nirgend.s  Exemplare  des 
in  Hom  gedruckbm  Kalenders  zu  bekommen  seien.'")  Einem  ilefehle  und 
einer  Danndrohung  des  Papstes  ab(!r  konnten  sich  die  Protestanten,  wie 


1)  Kalt«  II  bru  tnicr  I'oKniit  5U4. 

2)  Th.  Wie  de  mann  Uenchichte  der  Kefonnation  nnd  OeKenreformatien  im  Lande  unter  der 
Knsfl,  420  fg. 

:i)  Hauke  Paiwle  277.  Wenn  er  der  obigen  Nachricht  beifügt:  «ehe  er  von  den  rerschieileuen 
Höfen  gebilligt  worden,*  eo  musa  da  eine  Ungrnanigkeit  aeiuer  (Joelle  rorliegen»  Die  Einfübinnga- 
bulle  und  Clavina  Exriieatio  p.  71  bezeugen  anedrücklich,  dass  den  Hofen  nur  der  Auazug  der 
Schrift  Liliue  zngerchickt  wurde  nnd  erat  nach  Einlaufen  ihrer  Gutachten  der  Anseeliaaa  aeine  Prü- 
fung iiegann  und  den  Kalender  anfertigte. 

I)  Ohemnitx  in  aeinem  Berichte,  a.  Anhang  K.  14. 

5)  K alten  bru  nner  507. 


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15 


nun  einmal  die  kirchlichen  Verhältnisse  und  Anschauungen  gestaltet 
waren,  nicht  fügen:  ihre  Ablehnung  war  unveriueidlicli. 

Allewlings  ent.«in-ang  dieselbe  ihrer  kirchlichen  Engheraigkeit  und 
ihrem  wütigen  Hasse  gegen  Uom,  aber  einerseits  war  sie  an  und  für 
sich  keineswegs  so  unvernünftig,  wie  man  gewöhnlich  annimmt,  weil 
eben  für  das  bürgerliche  und  öffentliche  Leben  das  Bedürfnis  zui'  Aen- 
deruiig  des  alten  Kalenders  nicht  l>estand  und  die  Auslassung  von  zehn 
Tagen  mancherlei  Sidiwierigkeiten  und  Nachteile  mit  sich  brachte,  ander- 
seits kann  man  nicht  lüugnen.  dass  der  Papst  diircli  sein  rücksichtsloses 
Vorgehen  die  Hauptschuld  an  dem  langwierigen  und  unheilvollen  Ka- 
lenderawiespalte  trügt,  wobei  fi-eilich  auch  wieder  für  ihn  ilie  tiesinnung 
seiner  Zeit  als  entlastender  Umstand  in  Anschlag  gebracht  werden  muss. 

III. 

Vielleicht  hätte  Kaiser  liudolf  11  ilie  allgemeine  .\nnahme  des  neuen 
Kalenders  in  Deutschland  Iwwirkeu  können,  wenn  er  dieselbe  sofort  im 
Sei>teinber  15S2  nach  dem  ersten  Anbringen  des  päpstlichen  Legaten 
aus  kaiserlicher  Machtvollkommenheit  und  ohne  des  püjistlicheii  Befehles 
zu  gedenken,  ungeordnet  hätte,  wie  das  sjaiter  von  ihm  uud  anderen 
Fürsten  geschah.  Allerdings  widerspnich  ein  solches  Verfahren  dem 
Herkommen  des  Kelches,  es  verletzte  dits  von  den  Ständen  so  eifer- 
süchtig überwachte  , deutsche  Libertät“  und  es  wäre  ihm  um  so  mehr 
verargt  worden,  als  der  Ueichstag  ohnehin  geratle  um  ihn  versammelt 
war.  Unüberwindlich  waren  indes  diese  Hindernisse  keini'swegs.  In  seiner 
langsamen,  beilenklichen  und  unentschlossenen  Art  verschob  jedoch  Ru- 
dolf die  Entscheidung,  bis  die  Zustimmung  der  Ueichsstände  gesichert 
stu. ')  Mit  dem  Reichstage  alsbald  Verhandlungen  zu  beginnen,  war  aus- 
sichtslos, da  die  meisten  Fürsten  schon  abgei’cist  waren  mul  die  fle- 
sjmdten  in  Hinsicht  auf  die  Kalenderfrage  keine  Vollmacht  Iresiisson. 
Auch  in  der  nächstfolgenden  Zeit  aber  that  Rudolf  keine  Schritte,  um 
sein  Ziel  zu  erreichen. 


1)  Kaltenbruimer  604  fg.  und  iiidn«  BMprechung  io  d«r  Hist.  Zt«dir.  S.  l*i-S  (g.  /u 
l«tzUrer  trage  ich  Qach>  dass  auch  Calrisius  in  der  Vorreiie  2U  seinem  Kienchos  calendarü  Gre« 
goriani.  1612,  den  Chytraeo«  missverstand 


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Iß 


Inzwischen  erlioss  wie  der  Bischof  von  Passau  *)  so  Herzog  Wil- 
holin  V von  Baierii,  der  in  gewohntem  Uebereifer  *)  auch  seine  bischöf- 
lichen Nachbarn  zu  unverzüglicher  Annahme  des  Kalenders  drängte,®) 
für  sein  Gebiet  den  Befehl,  der  ])äpstlichen  Bulle  gemäss  nach  dem  4. 
den  15.  Octolier  zu  zählen.  Das  ei-schien  dem  Kaiser  als  ein  Eingrilf 
in  seine  liechte  und  als  Gefährdung  der  Euitracht  im  Reiche.  Sein 
Statthalter,  Erzherzog  Ernst,  legte  gegen  die  Veröffentlichung  des  Piis- 
sauor  Befehls  in  OesteiTeich  unter  der  Enns  entschiedene  Verwahrung 
ein  und  forderte  die  Zurücknahme  der  in  Oberösten'oicli  ohne  sein  Vor- 
wissen  erfolgten  Anordnung,  worauf  denn  auch  erstere  unterblieb  und 
auf  die  Beol)achtuug  letzterer,  wie  es  scheint  nicht  weiter  gedrungen 
wurde.®)  Rudolf  selbst  aber  bewog  den  baierischen  Herzog,  sein  Ein- 
führungsgebot zu  widerrufen.  ®) 

Trotz  dieser  Haltung  des  Kaisei^s  verkürzte  eine  neue  Bulle  des 
Pajistes  vom  7.  November  1582  die  ursprünglich  für  das  folgende  .lahr 
auf  den  Octoter  gesetzte  .Annahmefrist,  indem  sie  vorschrieb,  schon  ini 
P'ebruar  vom  10.  auf  den  21.  zu  springen.®)  Ihr  gehorchten  inde.s  im 
Reichsbezirko  nur  die  belgische  Regierung^),  der  Bischof  von  Trient 


1)  S.  oben  S.  14. 

2)  Ueber  §eine  kirchliche  OeeinnDn^  v^l.  Stieve  Die  Politik  ißaieni»  15bl-~-1607  in:  Briefe 
nnd  Acten  t.  Gosch,  des  dreissigjübrif^'R  Kriegs  IV,  407 

3)  Wiedemann  a.  a.  0.  431.  Ohne  7.weifel  batte  Wilhelm  wie  an  Paü«RQ  so  auch  an  die 
anderen  Bischöfe,  deren  Sprenj^eln  Baiem  angeburtc,  geschrieben. 

4)  A.  a.  0.  431  fg.,  wonach  K a Itenbru  n ner  500  and  meine  .\ngabc  in  der  Hist.  Zeitsebr. 
N.  F.  V!,  135  au  berichtigen  sind. 

5}  Wiedemann  432.  G.  Maffei  Annali  di  Gregorio  X!ll,  II.  274.  Schon  in  seinem  Gut' 
achten  vom  6/15.  December  1682  erwähnt  I^andgraf  Wilhelm  IV  von  Heesen  des  Widerrofs,  Neoer 
Literarischer  Anzeiger,  Tübingen  IHüH,  137.  ln  späteren  Streitschriften  wird  mehrfach  darauf  hin* 
gewiesen.  Die  betreffenden  Mandate  Wilhelms  sind  mir  anbekanut. 

3)  Die  Bolle  bei  Clav  ins  Kxplieatio  und  sonst  getlruckt.  Hin  entsprechendes  Breve  au  den 
Kaiser  vom  13.  November  bet  Thoiucr  Annales  eccl.  Jll,  379  und  bei  Kaltenbrunner  582;  in 
beiden  Abdrücken  heisst  es  seltsamer  Weise,  es  solle  nach  dem  10.  der  20.  gezählt  werden.  Der 
Grund  der  Beschleunigung  ist  keineswegs,  wie  Kaltenbrunner  505  Anrn.  2 will,  darin  zu  suchen, 
•dass  man  für  1583  eine  I>ifferenz  in  der  Osterfeier  vermeiden  wollte«*  denn  Ostern  fiel  nach  dem 
alten  Kalender  anl  den  31.  März,  nach  dem  neuen  auf  den  10.  April,  also  nach  beiden  auf  den* 
selben  Tag. 

71  Mandat  Philipix  II,  Doornicke  10.  Januar  1583.  Ks  belsst  darin,  der  Papst  habe  einen 
neuen  ewigen  Kalander  gemacht,  „die  principaelicken  dienen  tal  voor  de  ft-eetdaeghen  «mde  solem* 
niteyten  der  beiligher  kerekc.“  Ttei  König  befehle  die  päpstliche  Verordnung  zu  beobachten,  „ende 


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17 


Cardinal  Madruzzo, ')  und  der  Bischof  Marquard  von  Augsburg.  *)  Wil- 
helm von  Baiern  ordnete  freilich  aufs  neue  die  Beobachtung  des  päpst- 
lichen Willens  an,  widerrief  aber  dann  seine  Befehle  nochmals,  sei  es 
auf  Mahnung  des  Kaisers,*)  sei  es,  weil,  wie  er  Gregor  XIII  schrieb,^) 
die  Bischöfe,  zu  deren  Sprengeln  sein  Land  gehörte,  die  Frist  zu  kurz 
fanden  oder  sich  erst  mit  ihrem  Metropoliten  verständigen  zu  müssen 
glaubten. 

Rudolf  II  Hess  sich  durch  die  Vorstellungen,  welche  der  Papst 
schriftlich  und  durch  seinen  wiener  Nuntius  an  ihn  richtete,®)  lediglich 
dazu  bewegen,  jetzt  endlich  .am  20  30.  December  1582  das  Gutachten 
der  Churfursten  einzufordern.  ®) 

Der  eifrig  katholische  Johann  VII  von  Trier  äusserte  sich  ganz 
im  i)äpstlichen  Sinne.  Dagegen  meinte  Churfürst  VTolfgang  von  Mainz, 
der  in  kirchlicher  Hinsicht  eine  vermittelnde  Richtung  einhielt  und  stets 
das  Reichsinteresse  vorunstellte,  ®J  dass  der  Kaiser  den  neuen  Kalender 


wel  de  welvaert  ende  deacht«  die  nayt  deso  reformatie  staet  te  TerwEchteo  niet  Rlleeo- 

licken  ten  opsiene  van  de  Bolemniteyten  van  de  feesten  van  keratdach»  p*^scben  es  andere  verander- 
licke  feestdaeghen,  die  van  nu  vortieo  zallen  ghecelebreert  wonlen  ten  naesten,  dat  deaelve  tjrn 
gheviert  ghewest  t’xedert  t'beginse!  der  heiligfaer  kercke.  maer  oock  dat  de  saysoenen  van  den  jaer« 
midtsgaedcra  de  eqaiDoxien  ende  soUticien  oft  stillstant  der  zonnen  zullen  gbelickelicker  commen 
te  vallen»  volgende  den  loop  van  der  zonne,  hebben  by  rypen  adviae  ....  gheordonneert*  n.  s.  w. 
Placaets  van  Flandern.  Gend  1629»  II.  729.  Am  16.  Juni  1575  batte  ein  kgl.  Mandat  bereits 
befohlen»  von  1576  an  das  Jahr  mit  dem  I.  Januar  zu  beginnen,  während  bisher  in  dieser  Hinsicht 
in  den  Niederlanden  »ebr  verschiedene  Uebungen  bestanden  hätten.  A.  a.  0.  727. 

1)  Kaltenbronner  509.  Durch  einen  wunderlichen  lapsus  calami  schreibt  er:  «Um  so 
mehr  batte  Knhenog  Ferilinand  zu  leiden,  zu  dessen  Gebiet  die  Sprengel  von  Trient  und  Augsburg 
gelBirton.*’  Es  musste  heissen : desaen  Gebiet  teilweise  zu  den  Sprengeln  von  Trient  und  Augsburg 
gelwrte.  Den  Tag  der  Einführung  in  Trient  gibt  K.  leider  nicht  an. 

2|  Dieser  Hess  vom  Dk  auf  den  24.  Februar  springen.  PI.  Braun  Biscbtde  von  Augs- 
borg  IV,  44  fg. 

6)  Vgl.  Kaltenbrunner  506.  Wilhelm  wird  dem  Kaiser  wol  nur  angezeigt  haben,  dass  er 
und  die  ihm  benachbarten  Bischöfe  sich  verständigt  hätten,  den  Kalender  im  Febrnar  eininfübren ; 
denn  dass,  wie  K.  aogibt,  die  Bischöfe  dem  Kaiser  durch  Wilhelm  hätten  verkünden  lassen,  sie 
wurden  den  Kslcndsr  einführen,  wäre  doch  seltsam  und  ungebräuchlich  gewesen. 

4>  The  itier  III,  421. 

5}  A.  a.  0.  419  fg.  und  Kaltenbrunner  565. 

6)  Kaltenbrnnner  506  fg.,  der  auch  im  Weiteren,  sofern  nicht  andere  Quellen  angegeben 
sind,  benützt  ist. 

7)  Vgl.  über  ihn  Stieve  Politik  Baiems,  Briefe  und  Acten  IV,  Register. 

8|  Vgl.  über  ihn  a.  a.  0. 

Abh.  d.  111.  CI.  d.  k.  Ak.  d.  Wiss.  XV.  Bd.  111.  Abth.  3 


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18 


nicht  cinführeii  dürfe,  wenn  nicht  »ilimntliche  Reichsstände  ihre  Zu- 
stimmung gäben,  und  dass  er,  um  diese  zu  erlangen,  einen  Reichs- 
deputationstag ausschreiben  möge. ')  Churfüisst  Gebhard  Truchsess  von 
Köln,  der  sich  bereits  für  den  Uebcrtritt  zum  Protestantismus  ent- 
schieden und  den  Kampf  um  den  Besitz  des  Erzstiftes  begonnen  hatte, 
scheint  nicht  befragt  worden  zu  sein  oder  doch  nicht  geantwortet 
zu  haben. 

Auf  protestantischer  Seite  hatte  man  sich  schon  vorher  au.s  eigenem 
Antriebe  mit  der  Kalenderfrage  beschäftigt.  Churfürst  .Vugiist  von  Sachsen 
befragte  den  Landgrafen  Wilhelm  IV  von  Hessen,  welcher  als  Astronom 
und  .Mathematiker  in  grossem  .Ansehen  stand,-)  um  sein  Urteil.^)  Wil- 
helm erwiderte  darauf  am  .ä,  15.  December  1582  geringschätzig,  der  neue 
Kalender  werde  wol  von  .selbst  in  Ranch  aufgehen,  und  er  machte  gegen 
dessen  Annahme  verschiedene  Gründe  geltend,  vor  allem  den.  dass  die 
Protestanten  ileiii  Papste  die  Befugnis,  ihnen  in  kirchlichen  Dingen  Be- 
fehle zu  erteilen,  nicht  zugestehen  und  sich  nicht  aufs  neue  seiner  Ge- 
walt unterwerfen  lassen  dürften;  er  war  der  Ansicht,  dass  man,  falls 
einmal  eine  -Venderung  geschehen  solle,  durch  das  bereits  oben^)  er- 
wähnte, weit  küi-zere  und  genauere  Verfahren  die  Frühlingsgleiche  auf 
dem  1 1 . Mürz  festhalten  möge.  Dagegen  stimmte  ihm  der  braun- 
schweiger  Sujienntendent  Martin  Chemnitz,  den  er  seinei’seits  zu  Rate 
zog,  am  18,28.  December  1582  allerdings  in  seinem  kirchlichen  Bedenken 
bei,  zeigte  sich  aber  im  übrigen  der  .Annahme  des  neuen  Kalenders  sehr 
geneigt  und  betonte  nachdrücklich,  dass  vor  allem  auf  Erhaltung  der 
Einigkeit  Bedacht  zu  nehmen  sei. 


1)  Das  soll  es  ohne  Zweifel  bedeuten,  wenn  KAltenbranner  p.  •^07  der  Kaiser 

•eine  Deputation  tusammenkommen  Ussen*.  Bekanntlich  war  ja  der  Depututionstag  eine  ständige 
Eeichecinrichtung  und  wurde  berufen,  wenn  ein  Reichstag  la  amstandtirh  schien. 

2)  Wolf  Geschichte  der  Astronomie  266  fg. 

!))  Cbytraeus  Chronicon  Saxoniae,  ed.  Lips  1611,  p.  712. 

4J  S.  oben  S.  ■?, 

.5)  Das  Gutachten  Wilhelms  ist  aussen  an  der  oben  S.  16  Anm.  5 erwähnten  Stelle  schon  bei 
Kasch  ».  Anhang  N.  29  gedruckt  worden. 

6)  Der  Brief  ist  in  N.  14  des  Anhangs  gedruckt  Chemnitx  sebliosst : «Aber  das  eine  Bt^lenken 
E.  6.  Gn.  ist  bochnotwendig  und  heilsam,  weil  der  Churfursten  and  Stande  des  Reichs  Bvdenkfn  oder 
Votum  hierin  nicht  ersucht,  dass  nicht  per  indiscretam  accepUtionem  novt  calendarii  Gregoriani  dem 


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19 


Nicht  minder  hob  dies  der  durch  Gelehrsamkeit  ausgezeichnete  Pro- 
fessor der  Matlieinatik  und  Astnmomie  zu  Altorf,  Johann  Priitorius,  in 
einem  auf  Befehl  der  obersten  liegierungsbehörde  Nürnbergs  verfassten 
Gutachten  vom  l'll.  December  1582  hervor,  obwol  er  bereits  scharf 
darlegto,  dass  die  Aenderung  nur  für  die  Katholiken  notwendig  sei.  *) 
Auch  ein  anderes  Gutachten,  welche.s  der  churpfälzer  Begierung  zu  Am- 
berg vermutlich  von  dem  Consistorium  eines  oberdeutschen  Fürsten  auf 
ihr  Ansuchen  erstattet  wurde,  *)  fand  zur  l^ernieidung  verderblicher  Zwie- 
tracht die  Annahme  des  neuen  Kalenders  zulässig,  falls  die  wissenschaft- 
liche Begründung  dei-sellxm  vorgelegt  und  von  deut.schen  Fachmännern 
gebilligt  sowie  die  Freiheit  der  evangelischen  Kirche  gewahrt  werde. 
Ebensowenig  verhielt  sich  Pfalzgraf  Philipi)  Ludwig  von  Neuburg 
von  vornherein  ablehnend,  als  ihm  Wilhelm  von  Baiern  im  Januar  1583 
ankündigte,  das.s  er  den  neuen  Kalender  im  Februar  einzuführen  gedenke. 
Er  ersuchte  densellHui  nur,  den  .\nschluss  mehrerer  Stände  ubzuwarten, 
und  frug  die  Reichsstädte  Augsburg  und  Regensburg,  wie  sie  es  zu 
halten  gedächten,  worauf  in  ereterer  der  Mathematiker  I)r.  Georg  Henisch 
auf  Anlass  des  Rates  ein  Gutachten  erstattete,  welches  die  Aenderung 
billigte,  und  der  Rat  mit  Zustimmung  der  meisten  evangelischen  Mit- 
glietler  beschloss,  sich  nach  den  katholischen  Nachbarn  zu  richten.  ®) 
Sehr  entschieden  wurde  endlich  die  Beseitigung  des  unrichtigen 
julianischen  Kalenders  — wenn  auch  nicht  auf  dem  gi'egorianist'hen 
Wege  — und  die  Notwendigkeit  einträchtigen  Vorgehens  mit  den  Kn- 


Papüt  Gewalt,  in  unst?rcr  Kirclien  etwa»  in  änilern,  anzosetien  gJct  zu  gebieten,  directe  oder 

oblique  wiederom  clngeräomt  wurde,  nml  der  Punct  mnas  mit  sonderlichem  grossem  Fleis»  wol  ver* 
wahret  werden.“ 

1)  Ihis  Schr<>ibpn  ist  gedruckt  in  Anhang  N.  II.  Die  oldgen  Angaben  über  Urheber  und 
Adressaten  glaube  ich  in  der  nist.  Zeitschr.  a.  a.  0.  erwiesen  zu  haben.  Ueber  Pritorius  ?gl. 
Wolf  Gesell,  d Astr.  102  fg.  nnd  Kegister. 

2)  Es  ist  ebenfalli  in  Anhang  N.  11  gedruckt.  Veber  Ursprung  und  Adresse  s.  Hist.  2^it»chr. 
1H2  fg.  Meine  dort  ausgesprochene  Vermatung.  dass  das  Gutachten  in  Gotha  verfasst  sei,  muss  ich 
zuriieknebmen.  leb  stützte  sie  darauf,  dass  die  Verfasser  von  .unseren  gnädigen  Fürsten  und  Herrn* 
sprächen.  Da  liegt  jedoch  ein  mir  völlig  unerklärliches  Versehen  von  meiner  Seite  vor.  Es  heisst 
nämlich  in  Anhang  N.  11  fol.  166  b nur  .unserm*  a.  t.  w.  Mithin  können  nicht  die  beiden  Herzoge 
von  Gotha  gemeint  sein,  sondern  es  ist  an  einen  anderen  Fürsten  in  der  Naebbarsebaft  der  Oberpfalz 
und  Neuburgs  zu  denken. 

3)  P.  van  Stetten  Oeechiebte  von  Augsburg  I.  Ueber  Heniseb  s.  das.  826. 

3* 


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20 


tholiken  in  dem  Gutachten  des  MathematikerB  der  diurj>fälzi8chen  Schule 
zu  Neustadt  an  der  Hardt ')  Iwfürwortet. 

Allen  diesen  Protestanten  war  damals  lediglich  das  in  München  ge- 
druckte Kalenderhruchstück  bekannt.  Nicht  mehr  lag  den  Chui’füraten 
von  Ilrandenburg  und  Sachsen  vor,  als  sie  dem  Kaiser  antworteten. 
Johann  (ieorg  erklärte  sich  mit  der  Einführung  de.s  Ksdenders  voll- 
kommen einvei’standen  und  stellte  nur  die  eine  Bedingung,  das.s  der 
Kaiser  jenen  in  seinem  eigenen  Namen  veröffentliche,  damit  die  Aen- 
derung  nicht  vom  Papste  ausgehe.  Nachdrücklicher  betonte  .August  von 
Sachsen,  dass  das  Ansehen  und  die  Picchte  des  Kaisei-s  und  des  Beiches 
gewahrt  und  Anmas.sungen  des  PajMites  gegen  diese  zurückgewiesen  wer- 
den müssten,  doch  zeigte  auch  er  sich  nicht  gesonnen,  den  Kalender  ab- 
zulchnen,  und  schlug  wie  Mainz  vor,  die  .Angelegenheit  auf  einem  Dc- 
jHitatioastage  erörtern  zu  lassen. 

AVir  sehen,  die  Stimmung  der  deutschen  Protestanten  war  dem 
neuen  Kalender  im  Allgemeinen  keinesw'egs  ungünstig.  Sogar  einer  der 
bedeutendsten  Theologen,  der  sich  durch  seinen  stairen  und  unduldsamen 
Eifer  für  lutherische  Itechtglüubigkeit  auszeichnete,  Chemnitz, ’'*)  hatte 
sich  — und  zwar  sehr  entschieden  — für  die  Annahme  au8gespii>chen. 

Die  .Aeusserungen  der  Churfürstou  machten  Budolf  II  Mut.  Da  die 
.Abhaltung  des  De[)utationstages  wegen  der  kölner  Wirren  nicht  möglich 
war,  *)  zeigte  er  dem  Churfürsten  von  Sachsen  an,  er  werde  die  Ein- 
führung des  neuen  Kalenders  für  den  nächsten  October  anordnen,  dabei 
aber  die  Würde  des  Beiches  genügend  in  Acht  nehmen.  Nun  war  es 
jedoch  zu  spät,  denn  den  Protestanten  war  inzwischen  die  Einführungs- 
bulle l>ekannt  gewoiden. 

Dass  Gregor  in  dieser  seine  .Aenderiing  mit  dem  Beschlüsse  des 
Concils  von  Trient  begründete,  dieses  Concils,  welches  die  evangelischen 
Lehren  aufs  si-härfste  verurteilt  mul  mit  zahllosen  Bannllüchen  Ijehistet 
hatte  und  zu  dessen  blutiger  Vollstreckung  man  die  Päpste  und  Spanien 
sammt  ihrem  .Anhänge  verechworeu  glaubte;  da-ss  er  die  Neuerung  als 


1)  N.  'Z  des  Anhangs  p.  5 fg.  TgL  Uiat.  Ztaclir.  a.  a.  0.  i'^^. 

2)  Vgl  ab«r  ihn  Allgemeine  deaUche  Biographie  s.  and  die  dort  angeführten  QaeUco. 

3)  THes  Qbertieht  Kaltenbranner  50K 


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21 


ein  Reservatrecht  des  römischen  Stuhles  und  als  einen  Teil  der  Brevier- 
verhesserung  bezeichnet«;. dass  er  ihr  keinen  anderen  Zweck  Ixdmass  als 
den.  das  Osterfest  nach  den  Vorschriften  alter  l’äpste  und  des  niciinischen 
Concils  zu  begehen;  dass  er  ihre  Kinführung  kraft  seiner  .Amtsgewalt 
befahl  uml  dass  er  die  Widerspiinstigon  mit  dem  Hann  btslrohte.  das 
Alles  schien  den  Protesbuiten  die  Annahme  zu  verbieten,  falls  sie  nicht 
durch  diese  stillschweigend  das  tridentiner  Concil,  die  Verbindlichkeit  dos 
canonischen  Rechtes  und  die  kirchliche  01)ergewalt  des  Papstes  aner- 
kennen wollten. 

Sofort  äusserte  sich  Churfüi-st  .August  in  diesem  Sinne ')  und  erklärte 
dem  Kaiser,  dass  er  sich  dem  angekflndigten  Befehle  dessell>en  nicht 
fügen  werde,  ehe  er  sich  nicht  mit  seinen  Glautensgenossen  vei’stündigt 
habe.  l>etztere  Bedingung  war  lediglich  eine  aus  Rücksicht  für  den 
Kaiser  beigefügte  Verhüllung  der  umviderrullichen  .Ablehnung.  .August 
wusste  voraus,  da-xs  alle  Protestanten  sich  wie  er,  der  Mächtigste  unter 
ihnen,  entscheiden  würden.  Rückhaltlos  schroff  lautete  dann  die  .Ab- 
lehnung des  Churfürsten  Ludwig  von  der  Pfalz,  welche  wol  deshalb  eiiät 
am  3 13.  Sejrtember  1583  erfolgte,  weil  er  sieh  ziu)ächst  von  dem  hei- 
delberger  Professor  der  Mathematik,  Michael  Mä.stlin.  der  später  in 
Tübingen  Keplei-s  Lehrer  war,-)  ein  ausführliches  Outachten  ülx;r  den 
neuen  Kalender  geben  Hess,  das  er  dem  Kaiser  zusandte. 

Xichtsdestoweniger  ging  Rudolf,  durch  das  Drängen  des  Papstes  und 
eifriger  katholischer  Reichsstände  genötigt,  weiter.  .Am  4/14.  .''eptember 
1583  forderte  er  die  sämmtlichen  Reichsstände  auf,  im  October  den  netien 
Kalen<ler  eiuzuführen.  Um  die  Beilenken  der  Protestanten  zu  beseitigen, 
erwähnte  er  dabei  den  Papst  und  den  kirchlichen  Zweck  der  Aenderung 
mit  keinem  Worte  ^)  und  begründete  diese  aus.s<'hliesslich  mit  der  Xot- 


1)  B«t  K alt«n  brn  nner  S.  Z«iIo  17  voa  mitcn  moas  in  dem  Satz«:  .dass  der  Pabst 
sieht  nur  siebt  die  Haltung*  des  Kalenders  mandir*.-,“  das  sinnstrirende  zweite  nicht  weKfalles. 

2)  Vgl.  über  ihn  Wolf  Oesch.  d.  Astrem.  und  Register. 

3)  S.  Anhang  N.  und  11,  and  Kaltenbrnnner  580  fg. 

4)  Uro  die  Protestanten  nicht  zu  reizen  and  die  staatliche  Hoheit  za  wahren,  hatte  schon 
Wilhelm  ton  I3ai«*rn  bei  der  VeK^fTentlichung  des  KalenderbrucKstdclces  im  Herbst  15HJ  nicht  von 
dem  Aufträge  des  tridentiner  ('ondls  gesprochon  and  betont,  dass  der  Papst  die  Aenderung  auf 
emsiges  Anhalten  des  Kaibcrs  und  anderer  christlichen  Fürsten  erfolgt  sei.  N.  H des  Anhangs  S.  51. 


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22  . 


Wendigkeit,  dass  Deutscliland  des  Handels  und  Verkebra  wegen  mit  den 
es  umgehenden  Staaten  in  der  Zeitrechnung  Gleichförmigkeit  l>eobachten 
müsse.  Die  Verschickung  dieser  Aufforderungen  wurde  zum  Teil  durch 
tlen  Widei'stand  gehindert,  welchen  die  für  diesell)e  Zeit  Ijefohlene  Ein- 
führung des  Kalenders  in  Böhmen  fand.  Nach  dessen  Beseitigung  erliess 
lUulolf  am  18  28.  Oei'ember  1Ö83  ein  neues  Ausschreibeu,  worin  er  an- 
ordnete, im  Januar  1584  vom  6.  auf  den  17.  zu  springen.') 

Seit  letzterem  Tage  datierte  er  sellwt  nach  dem  neuen  Kalender. 
Dil"  katholischen  Beiclisstiinde  richteten  sich  teils  nach  seinem  ersten 
Ausschreiben,  teils  folgten  sie  nllmiililich  nach.''')  Am  Beichskammer- 
gerichte  wurden  beide  Kalender  beobachtet.’)  Die  protestantischen  Stände 
aber  verhielten  sich  — ohne  Zweifel  nach  vorgiiiigiger  Verständigung  — 
sämmtlich  ablelmend.  Vergeblich  verhandelte  der  Kaiser  1584  im  Früh- 
jahr auf  dem  Fürstentage  zu  llotenburg  a.  T.  mit  den  dort  Anwesenden 
und  im  September  mit  einer  Versammlung  der  Beichsstädte.  ■•)  Kr  er- 
reichte nichts. 


Vgl.  Wietlemunn  Reformation  o.  « w.  I.  4:U.  Auch  in  dor  Vorrede  to  N.  1 des  Anhanjfs  wird 
lediglich  gesAgt : •Nachdem  iins  hochnotw^digen  Ursachen,  der  K.  Ks).  SJt.  satnnit  anderer  f&r* 
nembsten  christlicben  Potentaten  und  .Ständen  .Inhalten,  auch  mit  dertolben  Wissen  und  Wülen  di« 
Mängel  und  Irrtilmer,  so  sich  im  gemeinen  Kalender  mit  der  Zeit  in  Haltung  des  bl.  lästerlichen 
Fest^  und  wai  demselben  anhutigig  (wie  solches  den  Gelehrten  und  matheinaticis  unrerborgen)  «in* 
gerissen,  mit  sondern  Fleiss,  MQhe  und  UnkcMiten  corrigirt  . . . sind,“  u.  s w. 

1)  Kaltenbrunncr  '>'.»1»  fg.  I>as  Mandat  des  Kiisers  rom  4/14.  September  bei  Lbnig 

Reirhsarchiv  t.  111,  Continualio  I,  dld  und  Spicilegium  erclesia^ticuro.  Continuatio  1,  Der  ent- 
sprechende Rinfübrung^bcfehl  für  Oesterreich  rom  I/ll.  October  im  Codex  .\uatriacus  1,  241.  Bei 
LQnig  Spicilegium  a-  a.  0.  lindet  sieh  ferner  ein  Mandat  rom  10.  December  für  Schlesien,  tmeb 

dem  6.  Januar  1*>^4  den  17.  zu  zählen;  gleiche  Befehle  ergingen  für  Böhmen.  Mähren  und  Lausitz. 
Worauf  sich  die  Angabe  bei  Khevenhiller  Annales  Ferdinandei  1,  246,  der  Kaiser  habe  am  10.  De- 
cember fbr  das  Reich  und  seine  Erblander  befohb'n,  rom  14.  auf  den  25.  December  zu  springen, 
stützt,  ist  mir  unbekannt.  Die  Behauptung  Tbeiners  Annales  eccl.  111,  41S,  der  Kaiser  habe  atn 
•Sl.  August  die  KinführuDg  ftir  den  10/21.  October  befDhlen,  ist  offenbar  eine  der  bei  Tbeioer  nicht 
aelteuen  Nachlässigkeiten. 

2)  Ich  habe  die  Einführungstage,  soweit  es  wir  möglich  war,  in  der  Hist.  Ztschr.  a.  a 0. 
135  fg.  zusammengestellt. 

8)  Es  rerordnete  am  14.  Juni  15S8,  bei  Bcantragnng  ron  Processen  nur  den  alten  Kalender 
zu  gebrauchen,  bis  der  Kaiser  und  die  ReiclisstänJe  anders  bestimmen  würden.  Häberltn  Neue 
Teutsebe  Reicbsgeschichte  XIII,  441.  Von  welchem  Tage  an  cs  die  beiden  Kalender  beobachtete, 
finde  ich  nicht. 

4)  Chjtraeut  i'hronicon  Sazoniae  741  und  Häberlln  XIII,  524.  Die  Reichsstädte  hatten 
15)<4  iin  Februar  rereinbait,  den  neuen  Kalender  nicht  anzunehmen,  ehe  es  nicht  Ton  allen  Reichs- 
•tän  len  geschidie.  A.  a.  0.  520. 


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23 


Solchen  Widerstand  hatte  er  nicht  erwartet  und  der  entstehende 
Zwies])alt  erweckte  ihm  schwere  Sorge.  Sein  Uruder  Ernst  riet  ihm, 
die  Einführung  des  neuen  Kalendei-s  zu  wndomifen. ')  Das  war  ihm 
jedoch  wegen  der  Katholiken  und  aus  kirchlichen  Rücksichten  unmöglich. 
Er  musste  den  Dingen  ihren  Lauf  lassen  und  sich  wie  später  sein  Nach- 
folger auf  neue  Versuche,  die  l’rotestanten  zum  Anschlüsse  zu  bewegen, 
beschränken.  -) 

ln  den  kaiserlichen  Hauslandeu  gelang  es  Rudolf  und  seinen  Brü- 
dem,  zum  Teil  allerdings  nicht  ohne  Kämpfe,  den  Kalender  auch  bei 
den  evangelischen  Ständen  und  Unterthanen  zur  Anerkennung  zu  brin- 
gen. Im  Reiche  fügten  sich  ihm  nur  die  Brotestanten  derjenigen  (ie- 
biete  und  Reichsstädte,  deren  Regierung  katholisch  war.  Die  »niab- 
hängigen  betrachteten  es  als  (ilaubenssache,  sich  seiner  zu  erwehren,  und 
mit  der  ganzen  Leidenschaftlichkeit  kirchlichen  Hasses  wurde  er  aus 
ihrer  Mitte  in  Druckschriften  bekäm))ft. 

Schon  1583  war  eine  Reihe  von  solchen  erschienen.  Im  nächsten 
Jahre  wurden  sie  zu  Heidelberg  wie  ein  Manifest  der  Partei  gemeinsam 
veröftentlicht.  Andere  folgten  tiach.  Nebenher  wurden  aus  besonderen 
Anlässen  Gutachten  nnd  Erörterungen  über  die  Zulässigkeit  der  Annahme 
des  neuen  Kalenders  verfasst,  welche  nicht  minder  deutlich  als  jene 
Druckschriften  die  Stimmung  nnd  Anschauungen  der  Protestanten  dar- 
legen. 

IV. 

Ich  beabsichtige  nicht,  die  wissenschaftlichen  Einwendungen,  welche 
gegen  die  Richtigkeit  des  neuen  Kalenders  erhoben  wurden,  nnd  die  zu 

U KaltenbrsDner 

*2)  Vgl.  Hist.  Ztsebr.  a.  a.  0.  131.  Ueber  tÜe  Verhandlungen  von  160-1  und  1613  werde  ich 
in  meinen  Veröffentlichungen  für  die  Historische  Commission  nähere  Nachrichten  bringen. 

:l)  Vgl.  Kaltenbrunner  5I1  fg.  Chlumecky  Zierotin  124;  Raapach  Evangelisches 
Oesterreich  IV,  44,  VI.  153  fg.  Priti  Geschichte  des  Landes  ob  der  Ena  27!».  Wiedemann  Re- 
formation und  Uegeiireformatton  im  Lande  unter  der  Enrw  I,  432  fg.  J.  Zahn  Der  Kalenderstrcit  In 
Steiermark,  Mittbeilungen  d.  bist.  Vereins  f.  St.  XIII,  128  fg.  Dimitz  Geschichte  Krains  III,  105, 
Hermann  Geschichte  von  Kärnten  II,  184,  Khevenhiller  1,  320,  K-  A.  Menzel  N-  Gesch.  der 
Deutschen  IIL  54  Anm.  4.  Fessler  Geschichte  von  Ungarn,  2.  AulL  IV,  9.  Ueber  Oesterreich 
vgl.  auch  N.  29  des  Anhangs. 

4)  Die  mir  bekannten  verzeichne  ich  im  Anhänge. 


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24 


ihrer  Alilelinung  vorgebrachten  Ausführungen  zu  l)erichten.  ')  Für  die 
uns  beschäftigende  Seite  des  Kalenderstfeites  sind  sie  ohne  Bedeutung 
und  es  genügt,  zu  erwUlinen,  dass  die  geringfügigen  Ungenauigkeiten 
des  neuen  Kalendeis,  welclie  übrigens  von  Clavius  und  Cletnens  VIII 
rückhaltlos  zugestanden  wurden,  sowie  eine  Keihe  von  anderen,  mehr 
oder  minder  verständigen  Ausstellungen  der  Gelelirten  auch  in  weiteren 
Kreisen  gegen  die  Annahme  geltend  gemacht  wurden. 

Die  Gründe  der  Ablehnung,  mit  welchen  wir  uns  eingehender  zu 
l)eschäftigen  haben,  waren  anderer  Art. 

Zunächst  bestritt  mau,  da,ss  die  Aeuderung  des  julianischen  Kalenders, 
dessen  Fehler  allgemein  bekannt  seien,  ein  Bedürfnis  der  Wissenschaft 
oder  des  öffentlichen  Lebens  bilde,  und  führte  daljei  nicht  nur  die  oben 
erwähnten  Gründe  ins  Feld,  sondern  bot  sofort  auclj  den  dumpfen  Aber- 
glaul>en  und  ilie  verlwhrte  Theologie  der  Zeit  als  Bundesgenossen  auf. 
Es  sei  gar  nicht  zu  fürchten,  wurde  gesagt,  dass  die  Frühlingsgleiche 


1)  Vgl.  über  sie  Kaltenbrunner  TiH  fg. 

2)  Sehr  derb  geschah  dies  durch  OsUnder  in  K.  7 des  Anhangs  91  b.  Würde,  bemerkt  er, 
der  Kalender  an  evangeluchcn  UniTersititen  durch  die  Hechel  gesogen,  so  wünU  sich  gewiss  noch 
>iel  grobes  Werg,  das  nichts  taugt,  Hoden,  „dann  die  Sachen  so  richtig  mit  diesem  Kalender  sein 
wie  eines  alten  Bauern  tilsig  Haar,  darin  einer  wol  neun  Kämme  verbrechen  möchte,  ehe  er  es 
richtig  macht«*.*  Es  kann  wol  geschehen,  dass  nach  einigen  Jahren  ein  anderer  heiliger  Geist  daher- 
Hiegt  und  diesen  heiligen  Geist,  der  den  gregorianischen  Kalentler  canonisiort  hat.  reformiert.  Bei 
den  Päpsten  ist  es  ja  nicht  selten,  dass  sie  die  Decrete  ihrer  Vorgänger  verwerfen  Dieser  Kalender 
wird  gewiss  nicht  länger  dauern,  al»  Papst  Gregor  lebt. 

t\)  S.  S.  H fg.  Am  geringschätzigsten  sprach  sich  seltsamer  Weise  der  Astronom  Mästlin  aus. 
So  oft  ich.  sagt  ft  in  der  Vorrede  zu  N.  b des  Anhang«,  bei  meinen  Studien  auf  Auseitiander- 
Setzungen,  dass  die  Aeuderung  des  Kal>nderi  notig  sei,  traf,  «hab  ich  mich  allmal  ob  der  kindischen 
Einfalt  deren,  so  diese  Mater!  auf  die  Dahn  gebracht  haben,  rerwanlert,  dass  sie  gleichwie  die 
Kinder  (welche,  so  sie  in  ihren  studiis  was  Subtiles  ergreifeo.  ea  für  hohe  Kaust  halten,  so  doch 
einem  verständigen  Mann  dasselbe  auch  nur  Kiuderwerk  UtJ  sich  mit  diesen  schlechten,  beillosen 
Sachen  bekümmern  und  darin  ihre  Kunst,  gleich  als  ob's  was  Wichtigs  wäre,  erzeigen  wollen  und 
aber  daneben,  was  mehr  notwendig  und  nützlich  ist,  wie  die  Kinder  nicht  verstellen  noch  achten. 
Aber  die  Schuld  und  Unuich  schreib  ich  allweg  derselben  'Aoii  zu.  in  welcher  die  Künste  noch  nicht 
so  bekannt,  viel  weniger  so  hoch  gestiegen  waren,  wie  sie  durch  Gottes  Gnade  jetzt  kommen  sind. 
Darum  habe  ich  nicht  vermeint,  auch  anders  nicht  getlenken  können,  denn  es  wurden  nunmehr  alle 
mathematici  (wie  zwar  solches  bei  den  recht  verständigen  mathematicis  als  bei  denen,  welche  in 
mathematicis  nicht  mehr  Kinder  sondern  Männer  sind,  geschieht)  zu  dieser  jetzigen  glückseligen  Zeit 
sieh  schämen,  solche  Aenderung  des  Kalenders  weiter  fortiutreiben  * Nun  aber  kommt  der  Papst. 
Da  ist  es  mit  dem  blossen  Spott  nicht  mehr  gvtban.  Ich  will  also  zeigen,  wie  es  mit  der  Sache 
steht.  Die  Neuerung  ist  zuin  Teil  kindisch,  zum  Teil  arglistig;  sie  ist  nnriebtig  und  eine  Praktik 
gegen  das  reine  Evangelium,  u.  s.  w. 


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25 


scliliesslicli  auf  Weihnachten  falle,  weil  lange  vorher  der  jfmgste  Tag 
Kalender  und  Welt  in  Feuer  vcj’zehren  werde.  Der  Glaul>e  an  das  nahe 
Bevorstehen  des  Weitendes  war  seit  den  Zeiten  der  Beforinatoren  und 
namentlich  durch  sie  bei  den  Protestanten  allgemein  geworden  und  hatte 
sich  auch  bei  den  Katholiken  eingebürgert.  Die  Bedensart:  „in  diesen 
unseren  letzten  Tagen“  und  älmliche  Wendungen  begegnen  uns  nicht  nur 
in  den  Büchern  der  Theologen,  sondern  sogjir  iin  diplomatischen  Brief- 
wechsel und  in  amtlichen  Actenstücken  und  Urkunden  wie  bei.sjiielshalber 
im  bairischen  Landrecht  von  1016  ')  gleich  Erwälmiuigen  einer  unbe- 
zweifelbar  feststehenden  Thatsache  unzählige  Mal  und  in  eigenen  Ali- 
handlungen,  namentlich  aber  in  den  so  beliebten  astrologischen  „Prak- 
tiken“ wurde  immer  wieder  versucht,  den  Tag  des  Gerichtes  fe.stzu.stellen. 
So  lag  es  denn  nahe,  die  herrschende  Ueberzeugung  auch  hier  zu  ver- 
werten. 

Es  geschah  gleich  anfangs  durch  den  Landgrafen  Wilhelm,  welcher 
vei-sicherte.  die  Welt  werde  untergehen,  ehe  noch  die  Frühlingsgleiche 
bis  in  den  Februar  gewichen  sei,  wobei  er  überdies  für  seine  Standes- 
geno.ssen  noch  warnend  bemerkte,  dass  „mutatio  calendarii  jeder  Zeit 
grosse  mutationes  imperii  gebracht“  habe.  Dann  führte  der  wirtem- 
bergische  llofprediger  Lucas  Osiander  aus,  “)  da  die  Nähe  des  Weitendes 
verständigen  und  schriftkundigen  Christen  ül)er  jeden  Zweifel  erhaben  sei, 
hätte  der  Pap.st  die  Zeitrechnung  während  der  noch  übrigen,  vielleicht 
wenigen  Jahre  wol  im  alten  Stande  lassen  und  sich  die  Mühe  ersparen 
können,  einen  Kalender  zu  machen,  der  bis  fünftausend  oder  noch  mehr 
Jahre  nach  Christi  Geburt,  also  bis  etliche  tausend  Jahre  nach  dem 
jüngsten  Tage  hinausreiche.  „Aber  freilich,“  ruft  er  aus,  „die  Päpste 
sprechen  mit  dem  bösen  Knechte  im  Evangelium:  Mein  Herr  kommt 
noch  lange  nicht,  und  deshalb  haben  sie  auch  längst  angefangen,  ihre 
Mitknechte  zu  schlagen,  das  heisst,  reine  Kirchendiener  und  Christen  zu 
verbannen,  zu  hängen,  zu  köpfen,  zu  ertränken  und  zu  verbrennen.“  *) 


l)  Polizeiordnaag  IX. 

ä)  N.  7 dea  Anlittnjf»  fol.  92  b fg. 

3)  In  dem  GntAcbteu  für  die  amberger  Regiernng,  welche«  oben  Si.  19  erwähnt  wurde,  heisit 
ec:  Der  jalianicche  Külendcr  .wäre  auch  liinfüro  nncerec  Erachtens  nicht  anbillig  tu  behalten, 
sintemal  uns  ans  Gottes  Wort  und  andern  Zeugnissen  bewust  ist,  dass  der  jüngste  Tag  nahe  ror  der 

Abb.  d.  111.  CI.  d.  k.  Ak.  d.  Vfm.  XV.  Bl  111.  Abtb.  4 


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26 


Entbprechcnd  iUisserte  sich  1584  der  tübinger  Kalenderinacher  Jo- 
hann Schidin, ')  welcher  nieiiite,  die  Welt  könne,  da  eine  herrliche,  dem 
Propheten  Elias  zugeschriebene  Prophezeiung  ihr  nur  6000  Jahre  zuge- 
stehe, höchstens  noch  413  Jahre  erhalten  bleiben,  wenle  aber  wahr- 
scheinlich schon  1588  untergehen,  wie  ein  Spruch  verkünde,  der  von 
dein  berühmten  Astronomen  Itegiomontan -)  herrühren  siille  und  laute: 

Tansead  fünfhuudert  achtzig  und  acht, 

Das  ist  da»  Jahr,  das  ich  betracht’. 

Geht  in  dem  die  Welt  nicht  unter. 

So  geschieht  doch  sonst  gross  merklicli  W ander.  *) 

Dieser  — damals  ungemein  oft  angeführte  — Spruch  stützte  sich 
auf  das  im  Jahre  1588  stattlindendo  Eintreten  der  sogenannten  gros.sen 
Conjunction  aller  Planeten,  mit  weleher  eine  der  astrologischen  Epochen 
schlos,s.  Schulin  fand  ihn  durch  ein  Prognosticon  ile.s  Astrologen  Cy- 
prian Leovicius  •'*)  und  andere  Zeichen  bekräftigt.  Dagegen  verschob  eine 
1580  veröffentlichte  Schrift“)  den  Weltuntergang  bis  1623,  erachtete  aber 
auch  diesen  Zeitraum  für  zu  kurz,  als  dass  sich  die  Kalenderiinderung 
noch  lohne. 

Seihst  ein  so  tüchtiger  Astronom  wie  Miistlin  trat  in  diese  Erörternng 


ThQro  mI,  An  welchem  ^pgenwartige  Welt  tnit  aller  Jahre«rediming  ein  Ende  nehmen  und  der 
Sohn  Gottes  mit  seiner  letzten  Zukunft  ein  nett,  fröhlich  inbeljahr  des  ewigen  f^bens  lierzubringen 
wird  und  Anfängen.*  N.  11  d.  A.  fol.  Iü4a. 

l)  Anhang  N.  18,  p.  14  fjj. 

*4  Vgl.  Über  ihn  Wolf  Gesch.  d.  AkU.  87  fg.  n.  Register. 

Ein  anderer  Spruch,  den  K.  I des  Anhangs  neben  obigem  anführt,  lantete  dagegen: 

Mille  annis  (?onim) 

Hniusmotli  non  fnit  coelnm. 

Veteres  dudum  dixere, 

Hoc  anno  onmia  lagere 
Mandi  hnem  non  babebis, 

Permntationem  magnam  videbis. 

4)  Sämintliche  Planeten  kamen,  indem  Satnrn  nnd  Jupiter  das  wässerige  Dreieck,  die  Zeichen 
des  Krebses,  des  8corpinns  nnd  der  Fische  verliesaen,  im  feurigen  Dreieck,  den  Zeichen  des  Widder», 
des  Ldwen  und  des  Schützen  zusammen.  Diese  Stellnng  sollten  sie  bei  Erschaffung  der  Welt  einge- 
nommen haben  und  erreichten  sie  nur  nach  je  achthundert  Jahren  wieder.  Vgl.  Sethl  Calrisii 
Elenchus  Caleodarii  Gregoriani  1612,  A 2 fg. 

5)  Vgl.  über  ihn  a.  a.  0.  80:t. 

6)  .knhang  N.  28. 


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27 


ein  und  verkündete  gleich  Schulin  auf  die  Prophezeiung  des  Elias  hin. 
deren  Echtheit  er  freilich  bezweifelte,  dass  die  Welt  spätestens  nach 
400  Jahren,  vemmtlich  aber,  da  der  Antichrist  bereit.s  offenbar  geworden 
sei,  noch  eher  untergehen  werde.  *)  Der  Verfasser  des  neuen  Kalenders, 
bemerkt  er,®)  habe  allerdings  viel  „Subtilität*  angewendet,  indes  sei  es 
offenbar  nur  geschehen,  um  mit  seiner  Klugheit  zu  ]>rangen,  denn  ihren 
Nutzen  solle  jene  meist  erst  viele  hundert  Jahre  nach  dem  jüngsten  Tage 
tragen.  „Oder,“  fragt  er  höhnisch,  „werden  etwa  Gott,  die  lieben  Engel 
und  wir  nach  dem  jüngsten  Tage  in  der  ewigen  Herrlichkeit  diesen  Ka- 
lender auch  gebrauchen  müs.sen.  bis  die  40000  Jahre  abgelaufen  sind, 
für  welche  er  berechnet  ist?“  Dabei  steigt  Mästlin  ein  erschreckender 
Verdacht  auf.  „In  dem  ganzen  scripto  dieses  Kalendarii  Gregoriani.“  sjigt 
er,  „wird  des  jüngsten  Tages  niemals  mit  einem  einzigen  Wörtlein  aufs 
wenigste  gedacht.  Hingegen  aber  heisst  sein  titulus;  Kalendarium  Gre- 
gorianum  Perpetuum,  de."«  Gregorii  immerwährender  oder  ewiger  Ka- 
lender. So  auch  Tabulae  Perpetuae  etc.  Daraus  möchte  man  schier 
Ui'sache  nehmen,  den  Verfasser  samnit  dem  Papste  und  Allen,  die  den 
Kalender  billigen,  zu  verdenken,  dass  sie  allesammt  vom  jüngsten  Tage 
gar  nichts  halten  und  also  weder  nach  Cliristus  noch  nach  der  Welt 
Ende  fragen,  ja  auch  weniger  daran  denken  als  die  epicureischen  Sjiötter, 
von  welchen  der  Apostel  Petrus  (dessen  Stuhles  Erbe  der  Papst  sein  will) 
II  Pet.  3 redet.“  “) 

Es  war  den  Katholiken  leicht  diesen  Hinweis  auf  das  nahende  Weit- 
ende hinfällig  zu  machen.  Schon  das  neustädter  Gutachten  hatte  ihn 
mit  den  von  Mästlin  selbst  angezogenen  Worten  der  Schrift,  dass  Nie- 
mand Zeit  und  Stunde  wisse,  abgelehnt,  ■*)  und  ein  anderer  Protestant, 


1)  ln  N.  11  des  ÄohanKS  ful.  16  a fg 

2)  A.  L O.  66  t)  fg. 

3)  Aach  die  Raaemhlage,  Anhang  sagt:  Der  PA(>st  volle  wol,  damit  er  noch  lange  nicht 
TOT  Gottes  Richteratulil  kommen  dQrf«,  die  Wort«  Christi  zu  Wasser  iiiachen,  dass  die  Zeit  am  der 
AuserwÄblten  Villen  abgekürzt  werden  ^Ue;  sein  Kalender  gebe  ja  za  verslrben.  dasa  die  Welt  noch 
siele  hundert  Jahre  bcsteben  werde.  Zam  Schlasse  rerkündet  aach  sie  den  jüngsten  Tag  als  nahe 
bevorstehend,  weil  alle  Zeichen  desselben  erfüllt  seien.  Ketzereien,  Aufruhr,  Zwietracht,  Hanger, 
Teaerang,  Pestilenz  and  Verfolgung  der  Christen  sind  cingetreten;  die  Feindsebaft  wächst,  die  Liebe 
erkaltet,  Ungerechtigkeit  nimmt  überhand;  das  Evangoliani  aber  wird  recht  gelehrt.  0 ChrUte, 
zQgere  nicht  lange  mehr  und  criüse  uns  aas  des  Papstes  Tyrannei ! 

d)  N 2 des  Anhangs  p.  16.  Aach  er,  sagt  der  Verfasser,  glaube,  dass  man  in  den  letzten 

4* 


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28 


der  Kantor  an  der  Thomastchule  zu  Leipzig,  Seth  Kallwitz, ')  bemerkte, 
dass  man  aus  demselben  Grunde  auch  aufhören  müsse,  llüuser  zu  bauen, 
Weinl)erge  anzulegen  und  Bäume  zu  pHauzen.  *)  Deu  übrigen  Einwend- 
ungen wider  die  Notwendigkeit  der  Aenderung  komiteu  die  Anhänger 
des  Papstes  freilich  die  Berechtigung  nicht  absprechen  und  sie  beriefen 
sich  daher  zu  deren  AWhwächung  nur  auf  die  Fehlerhaftigkeit  des 
alten  Kalenders,  das  uralte  Verlangen  nach  Abstellung  dieser  und  die 
Zweckmässigkeit  einer  unveränderlichen  Jahresrechnung.®) 

V. 

An  zweiter  Stelle  machten  die  Protestanten  die  Nachteile  geltend, 
welche  die  Auslassung  von  zehn  Tagen  verursachen  werde.  Eine  unge- 
meine Verwirrung  müsse  in  allen  Handlungen  de«  bürgerlichen  und 
öffentlichen  Lebens,  welche  an  bestimmte  Kalendertage  geknüpft  seien, 
im  Geschäftslcben  und  im  Gerichtswesen  entstehen.  Die  Angaben  der 
Geschichtswerke  und  Chronologen  und  die  astronomischen  Tafeln  mid 
Berechnungen  würden  unbrauchbar  sein.  Zinsen  und  Schulden  müssten 
zehn  Tage  eher  bezidilt.  die  Zehnten  zu  einer  Zeit  entrichtet  werden, 
wo  die  Früchte  noch  auf  dem  Felde  standen,  und  diese  wie  andere  Er- 
zeugnisse könnten  nicht  mehr  auf  die  nun  zu  früh  fallenden  Jahrmärkte 
gebracht  wei-den,  wo  die  Einen  sie  zu  verkaufen,  die  Anderen  sich  mit 
ihneu  zu  versehen  gewohnt  seien.  Allerdings  könne  man,  wie  der  Pajjst 
das  in  seiner  Bulle  vorschreibe,  die  Uichter  anweisen  bei  Zahhmgen  und 
I.«istungen  zehn  weitere  Tage  zuzugestehen,  aber  der  arme  gemeine  Alaun 
wage  und  vermöge  nicht  immer  einen  Process  anzustrengen.'*) 

Zeiten  sei,  aber  daraus  folge  nicht,  dass  der  jüngste  Tag  in  ein,  zwei,  drei  hundert  Jahren  kommen 
inflase,  denn  was  uns  tausend  Jahre,  sei  bei  Gott  ein  Tag. 

1}  V’gl.  Wolf  Geach.  d.  Astron. 

2)  Setbi  Calvisii  Elenchns  Calendarii  Gregoriani editus  oper*  Dtvidis  Ohgani,  Franco* 

forti  March.  1612,  foh  CH. 

8)  Fabricius  bei  Kaltenbrunner  531.  Rasch  in  N.  29  des  Anhangs,  fol.  14  fg.,  «o 
er  Ton  C/rill  von  Alexandrien  beginnend  die  aafzählt,  welche  die  Fehler  des  kirchüchen  Kalenders 
rügten. 

4)  Gutachten  des  Landgrf.  Wilhelm  vou  Hessen;  MästUn  in  N.  11  des  Anhangs  fol.  18a  fg. 
Plieninger  N,  8,  p.  37. 


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29 


Dass  alle  diese  allerdings  empfindlichen  Beschwerden  zum  Teil  an 
sich  nur  vorübergehende  seien,  zum  Teil  bei  gutem  Willen  und  ein- 
trächtigem Zusammenwirken  beseitigt  werden  könnten,  wollte  man  nicht 
sehen,  obgleich  schon  Chemnitz  ')  bemerkt  hatte,  dass  der  neue  Kalender 
nach  Vollzug  der  einmaligen  Auslassung  ausser  in  der  Osterfeier  keine 
Aeuderung  der  Kalendertage  bedinge  und  mithin  bei  allseitiger  Annahme 
keine  dauernde  Wrwirrung  veranlassen  könne. 

In-sbesondero  wurde  die  Vemdiiebung  der  Festtage  benutzt,  um  die 
Bauern  gegen  den  neuen  Kalender  einzunehmen.  Eine  in  vieifflssigen, 
zweizeilig  gereimten  Jamben  abgefasste  „Bauernklage“  Hess  1584  die 
Bauern  sagen:  Wir  wissen  nicht  mehr,  wann  wir  ackern  und  säen  sollen, 
denn  du,  Papst,  hast  tms  durch  deinen  Kalender  alle  Lostage  ver- 
kehrt. Wir  müs.sen  die  Gülten  und  Uenten  entrichten,  ehe  die  Früchte 
reif  sind.  Kein  Krämer  und  Bauer  kann  wissen,  wann  ein  Kirchtag  ist. 
Jene  kommen  zu  uns,  wir  zu  den  Märkten  zu  spät.  Die  Arzneiwurzeln 
werden  nicht  mehr  rechtzeitig  gegraben.  Die  Pfiiften  wollen  uns  zwin- 
gen, das  Obst  unreif  abzunehmen.  Wir  wissen  nicht  mehr  den  kiu-zesten 
noch  den  längsten  Tag.  Der  Sonnenschein  soll  sich  nach  deinem  Ka- 
lender richten.  Alle  Feste  lutst  du  früher  gelegt.  Gewiss  wird  dein  Gott 
mit  dir  auch  zehn  Tage  früher  das  jüngste  Gericht  halten,  weil  du  die 
Kirche  gespalten  hast. 

Sogar  die  Tiere  mussten  in  den  Kampf  eintreten.  Das  Lied  lässt 
sie  klagen,  dass  sie  nicht  mehr  ihre  rechte  Brunstzeit  kennten  und  die 
Vögel  nicht  mehr  wüssten,  wann  sie  sich  paaren  und  nisten  und  wann 
sie  mit  ihrem  Gesänge  aufhören  und  wegziehen  sollten. 

Diesell>en  Gedanken  wiederholte  ein  „Kalenderliod“  von  1585, 
welches  beginnt: 

,,Dem  Papst  ist  der  Kompass  verrückt, 

Die  Naseu  bat  er  krumm  gedruckt 

Uud  mit  dem  Hintern  hat's  ersehen,  , 

Dass  ttit  recht  seine  Heil’gen  stehen. 


1]  K.  14  des  Anhangs  fol.  3 b. 

Zj  N.  3 des  Anhangs. 

:t)  ä.  S.  9.  Die  Klage  zählt  alle  Banernlostage  anf. 
4)  K.  22  des  Anhengs. 


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30 

Es  dnnVt  ihm  frei. 

Von  Nöten  sei. 

Dass  man  mach’  ein  Kalender  neu. 

Ein  Kalender  hat  neu  betracht. 

Die  Bauern  damit  irr  gemacht. 

Es  thnt  ihn  weh  under  dem  Hut, 

Unss  nimmer  ist  ihr  Praktik  gut. 

Es  dünkt  mich  frei, 

\’on  Nöten  sei, 

Pass  er  auch  mach'  ein  Praktik  neu 

Kann  er  die  Leut  zwingen  mit  G’walt, 

Pass  man  sein  neu'n  Kalender  halt, 

.So  zwing'  er  auch  die  Tier  dazu. 

Pass  jedes  seinen  Willen  ihu 
.Sie  nieiueu  frei, 

Nit  not  es  sei, 

» Pas  Alt  ihn  g’fällt  und  nit  das  Neu'.“ 

Dann  wird  versichert,  der  Bär  bleibe  bis  zur  alten  Lichtmess  in 
seiner  Höhle,  der  Storch  koniuio  mit  dem  alten  Peter,  der  Kuckuck  rufe 
mit  dem  .alten  Hans,  der  Hirsch  springe  am  alten  Ilgentag  in  die  Brunst 
u.  B.  w.,  die  päpstischen  Bauern  aljcr,  die  man  mit  Gew'alt  zum  neuen 
Kalender  zwinge,  klagten  sehr  und  richteten  sich  mit  ihrer  Arbeit  nach 
dem  alten. 

Auf  die  Bauernklage  antwortete  1585  ein  katholischer  „Bauern- 
ratschlag“ *)  in  ebenso  schlechten  Verstm  und  ebenso  witzlos,  alx*r  ver- 
ständiger, nachdem  er  eine  Geschichte  der  Kalenderänderung  vom  Ni- 
cünum  an  gegeben.  Namens  der  Bauern:  Du,  Verfasser  der  Bauernklage, 
Bcliiobst  uns  die  Beschwerden  gegen  den  Pap.st  zu.  . Wir  aber  hüten  uns 
wol.  dass  uns  nicht  wieder  wie  im  Bauernkrieg  ein  Wahn  betrüge.  Der 
Pajjst  hat  die  Zeit  weder  abgekiii-zt  noch  geändert.  Das  heisst  vielmehr 
die  Zeit  verkehren,  dass.  sLatt  die  vom  uralten  Gott  gesetzten  Feste  zu 
halten  und  die  Fsisten  zu  beobachten,  jetzt  alle  ihre  Ordnung  vernichtet 
ist  un<l  alle  L.aster  gemein  sind.  Wir  achten  für  säen,  pHanzen  und 
graben  nur  auf  die  Tageslänge,  das  Wetter  und  die  Laudesart.  Käme 

1)  N.  21  des  Anltanp«. 


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31 


es  auf  flie  I^ostage  an,  so  wiiren  unsere  VorfaJiron  sckliinin  daran  ge- 
wesen, als  jene  stets  zurückwielien.  Nicht  die  Heiligen,  sondern  tlie  Ge- 
stirne machen  das  Wetter.  Meinst  du,  die  Loostage  stimmten  jetzt  ge- 
rade mit  der  Natur  überein,  so  nimm  statt  der  bisherigen  Heiligen 
solche,  deren  Feste  zehn  Tage  später  treflen,  und 

„Hättest  derselben  noc#  nicht  gniig, 

Ein  g'wisses  rieten  wir  mit  Fug: 

Magst  die  Philosophie  durchgrOnden 
Der  alten  Weiber,  so  wirst’s  tinden; 

Hab'  wol  uni  Gäus  und  Enten  .\cbt. 

Die  Mucken  und  Flöhe  auch  betracht.'* 

Die  Gülten  konnten  doch  unsere  V'orfahren  entrichten,  als  die  Tage  noch 
fa.st  so  lagen,  wie  es  jetzt  wieder  angoordnet  ist.  .Viich  treffen  ja  die 
Ernten  je  nach  der  Witterung  sehr  verschieden  und  im  schlimmsten 
Falle  wird  man  uns  schon  Aufschub  geben.  / Die  .lahrmürkte  sind  aller- 
dings verkehrt  worden,  es  wäre  aber  keine  Unordnung  entstanden,  wenn 
man  den  neuen  Kalender  allgemein  nugenommen  hätte,  und  m.au  kann 
sie  ja,  wie  oft  geschehen,  verlegen. 

Was  die  Tiere  angeht,  fährt  die  Dichtung  dann  fort,  so  wollten 
wir  Bauern  ihnen  erst  gestatten,  sich  noch  viele  Jahre  jiach  dem  alten 
Kalender  zu  richten,  daun  aljer  beschlossen  wir,  sie  zu  ersuchen,  dass 
sie  den  Kalender  halten  möchten,  wie  ihn  einst  ilie  Ilömer  und  jetzt 
wieder  der  Papst  geordnet.  Da  antwortete  uns  die  Kuh,  sie  wisse  ohne 
Kalender  zu  berechnen,  wann  sie  sich  zum  Stiere  gesellen  müsse,  und 
die  Vögel  sagten:  AVir  richten  uns  lediglich  nach  dem  Himmel;  in 
Deutschland,  Welschland,  der  Türkei,  dem  Mohi-enlande,  Indien.  .Amerika 
und  der  Taitarei  tinden  wir  vielerlei  Kalender;  sie  alle  kümmern  uns 
nicht ; 

„Doch  wissen  unter  uns  tlie  .Alten, 

Dass  man  vor  Zeiten  hat  gehalten 
In  dem  Land,  das  heisset  Christenheit, 

Ein’  bessere  Einhelligkeit  “ 

Nach  dieser  Mahnung,  die  aus  dem  wti.sten  Hader  der  kirchlichen  Par- 
teien wolthucud  zu  uns  horüberklingt,  schliesst  dann  das  Lied:  Auf  die 
Antwort  der  Tiere  hin  hielten  wir  Bauern  wieder  Rat  und  fanden  nun. 


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32 


vrovon  jene  sprachen,  nämlich  den  längsten  und  kürzesten  Tag.  Meinst 
du  wirklich,  wir  Bauern  wüssten  nicht,  wann  die  jetzt  treffen?  M.ahnt 
uns  doch  alles  an  sio  und  zeigen  sie  uns  doch  auch  die  Tiere  an. 
Kannst  du's  nicht  merken,  so  achte  auf  die  längste  Xacht,  dahei  ist 
auch  der  küraeste  Tag  und  umgekehrt 

Vernünftig  und  schlagend  %urde  auch  in  anderen  Schriften  dar- 
gethan,  dass  <lie  Auslassung  der  zehn  Tage  dem  bürgerlichen  Leben  nicht 
dauernden  Nachteil  bereiten  könne,  wenn  sie  allseitig  durchgeführt  werde.') 
Eifrige  Katholiken  empfanden  indes  das  Bedürfnis,  auch  durch  die  Natur 
die  liiehtigkeit  des  pä)istlichen  Kalenders  bestätigen  zn  lassen.  So  erzAhlt 
Johann  Basch -|  1590:  „Man  spricht  insgemein,  an  S.  Vincenzen  Tag 

heiraten  jährlich  die  Vögel  zusammen.  Obwol  das  \'ieleu  ein  Gelächter 
sein  uml  abenteuerlich  gedünken  will,  so  gel.)e  es  doch  der  Augen.schein, 
.sagen  die  Leute.  Als  daher  etliche  heuer  und  friiher  mit  Eleiss  darauf 
Acht  gehabt,  haben  sie  gesehen  und  befunden,  dass  ilie  Vögel  sich  j).aar- 
weis  gi-sellet  und  zusammengestandeu  an  S.  Vincenzen  Tag  nach  dem 
neuen,  nicht  mehr  nach  dem  alten  Kalender.  ®)  Katholische  V'ögel.  ver- 
ständiger als  manch  grober,  stutziger  Mensch ! Die  heiraten  auf  dom 
Kirchtag  zusammen  und  halten  den  Neuk.alender  elu-sam.“ 

(ianz  besondere  Freude  bereitete  den  Ajdiängern  de.s  Papstes  ein 
Nussbaum,  ttljcr  welchen  1584  der  Brief  eines  Unbekannten  an  ilen 
Pfarier  zu  Nikolsbimg  in  Jlährcn  veröffentlicht  wurde.  "*)  Als  ich  nach 
Graz  kam.  berichtet  der  Verfasser  — offenbar  ein  vornehmer  Manu  — 
erzählte  mir  Erzherzog  Karl,  zu  Campo  longo  in  Friaul,  drei  Meilen 
von  Görz,  sei  ein  Nussbaum.  der  stets  Itis  in  der  Nacht  vor  Johanni 
dürr  bleibe,  dann  aber  i)lötzlich  Blatter.  Blüten  und  kleine  Niusse.  welche 


1)  Fabricioi«  bei  K altcnbrun  n »r  Rasch  N.  211  tl.  Anhang»  fol.  31  fg.  Hornstein 

N.  :I2  fnl.  7 fg. 

2)  N.  2J>  tl»*8  Anhanirs-  TeWr  dfn  VerfasKer  vgl.  dort  und  N.  l«,  17  und  2*».  Er  wird  wol 
derselbe  sein«  von  welchem  Zedier  UoiTerMllexicoD  s.  v.  angiht.  er  hab>*  1572  etliche  lateinische 
Weihnachls-,  Oster*  und  andere  Gesinge  für  vier  ou«l  mehr  Stimmen  eq  München  in  Druck  gegeben. 

3)  Die  Stelle  ist  fast  wörtlich  aus  V.  12  des  AnhaiigfS  entnommen. 

4)  S.  N.  12  des  Anhanges  Als  Grund  der  Veröffentlichung  wird  dort  nngegebon.  das  Wunder 
bestätige,  dass  die  Kulenderinderung  nützlich  und  Gottes  Willen  und  Werk  sei,  dass  wir  Christen 
gehorsame  Schäflein  d«  obersten  Hirten  sein  sollen  uml  dass  der  Kalender  die  wahren  Lostage 
mehl  vorrBcke. 


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33 


mit  den  anderen  reif  würden,  treibe.  So  liabo  er  es  stets  und  noch 
1582  nach  dem  alten  Kalender  gethan.  Nachdem  aber  in  Friaul  im 
October  1582  der  neue  Kalender  eingoführt  worden,  habe  er  1583 
diesem  gemäss  sein  Wunder  verrichtet.  Das  habe  dem  Erzherzog  der 
Nuntius  gemeldet.  Viele  reisten  hin.  Auch  ich  machte  mich  auf  den 
Weg.  ALs  ich  zum  Bischöfe  von  Laibach  ’)  kam,  berichtete  ein  dort 
anwe.sender  Adlicher  aus  Görz,  Fortunat  Cetha,  der  Kichter  zu  Görz, 
Matthias  Scherer,  den  man  auf  mehr  als  -10000  Ducaten  Vermögen  schätze, 
habe  eigens  einen  Mann  zu  Johanni  nach  Campolongo  geschickt  und 
dieser  habe  den  Baum  am  Vorabende  dürr,  arn  Festtage  mit  Blättern, 
Blüten  und  Früchten  geschmückt  gefimdeu;  von  ihm  mitgebrachte  Zweige 
habe  der  Richter  dem  Erzpriester  und  vielen  Vornehmen  zu  Görz  gezeigt. 
Richter  und  Erzpriester  bestätigten  mir  dann  selbst  das  Alles  und  ebenso 
die  Bauern  von  Campolongo,  wohin  ich  mit  dem  Richter  und  dem  zu 
Johanni  von  ihm  Abgeschickten  ging.  Ich  habe  heute  einen  am  Jo- 
hannistage gebrochenen  Zweig  an  Herrn  von  Dietrichstein*)  geschickt, 
der  ihn  ohne  Zweifel  dem  Kaiser  zeigen  wird.  Einen  anderen  w'ill  ich 
mit  nach  Rom  nehmen  und  dom  Papste  zeigen.  Auch  den  Bischöfen 
von  Olmütz  und  Wien  schicke  ich  welche.  Der  Baum  hat  sich  also  nach 
dem  Pajjste  und  der  katholischen  Kirche  gerichtet  und  „habe  ich  Ew.  Ehrw. 
diese  neue  Zeitung  darum  zuschreiben  wollen,  damit  Sie  Gottes  Wunder 
vernehmen  und  erkennen,  dass  mit  der  Zeit  die  unvernünftigen  Bäume 
verständiger  und  der  Kirchen  Gottes  zu  gehorsamen,  geneigter  und  wil- 
liger werden  als  die  vernünftigen,  unsere  Ketzer“. 

Wir  sehen  aus  diesem  Berichte,  in  welch  hohen  Kreisen  man  dem 
frommen  Verhalten  des  Nussbaumes  Aufmerksamkeit  schenkte.  Sogar 
der  Jesuit  Maflfei,  welcher  die  Geschichte  Gregors  ,\III  bald  nach  dessen 
Tode  schrieb,  gedenkt  des  Baumes  und  versichert-,  dass  des  Pa[)stes 
Zweifel  durch  das  Zeugnis  des  Nuntius  Malaspina  beseitigt  worden  seien. 
Er  weiss  zugleich  noch  von  anderen,  nicht  minder  belehrenden  Wundem 
zu  melden,  die  sich  fern  in  Siebenbürgen  zugetragen.  Als  ein  Mann, 
erzählt  er,  an  einem  nach  dem  neuen  Kalender  verbotenen  Tage  ge- 


1)  Johann  Taut»ch«r,  ein  eifriger  Förderer  der  Restauration.  Valvusor  Erein  JI.  667. 

2)  Ohne  iiweifel  der  Obersthofnieister  Rudolfs  II,  Freiherr  Adam  von  Dietriebstein. 

Abh.  d.  III.  CI.  d.  k.  Ak.  d.  Wiss.  XV.  Bd.  III.  Äbth.  :> 


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34 


heiratet  habe,  »ei  sein  Brmler  am  nächsten  Tage  gestorben  und  er  selbst 
mit  seiner  Frau  in  so  heftigen  Streit  geraten,  dass  sie  ihm  davon  ge- 
laufen; ein  anderer  Mann  sei  wegen  des  gleichen  Vergehens  tiugs  vom 
Teufel  besessen  und  niehroixj  Tage  ge<iuält  worden,  unil  dem  Leibarzte 
des  Woiwoden  Siegmund  Bnthori  I)r.  Blandrate,  einem  , Häuptling  der 
Arianer“,  sei  zu  seinem  Staunen  das  Zipperlein,  welches  ihn  seit  vielen 
Jahren  stets  von  Weihnachten  bis  Lichtmess  befallen  habe,  nach  dem 
neuen  Kalender  gekommen.  ') 

Solchen  Geschichtchen  gegenüber  bat  eine  neue  vermehrte  Ausgalw 
der  Bauernklage’'“)  den  Pajist,  doch  auch  den  deutschen  Pflanzen  und 
Tieren  gleichen  Verstand  wie  dem  Nussbauiu  von  Campolongo  und  jenen 
Vögeln,  die  sich  nach  dem  neuen  Kalender  gepaart,  zu  verleihen,  wies 
aber  zugleich  triumphierend  darauf  hin,  dass  in  der  letzten  Christnacht 
nach  neuer  Rechnung  die  Salzpfanne  zu  Hall  iiu  Inntal  sicli  nicht  habe 
umstellen  lassen  und  die  Rose  von  Jericho  nicht  aufgeblülit  sei.  Da  der 
Pap.st  der  irdische  Gott  sei,  möge  er  beiden  doch  Gehorsam  befehlen 
und  den  Bauern  eine  neue  Pi’aktik  für  die  Witterung  bis  zum  jüngsten 
Tage  machen,  der  ja  nicht  mehr  fern  sein  könne.  Ein  anderes  Lied 
wusste  zu  berichten,  dass  über  Bieberach,  als  es  letzthin  Pfingsten  nach 
dem  neuen  Kalender  gehalten,  ein  schreckliches  Gewitter  losgebrochen 
sei  und  ein  Blitz  die  Kirche  getroffen  habe,  in  Folge  wovon  der  Turm 
und  die  Kanzlei  abgebrannt  und  dreis.sig  Leute  geschädigt  oder  getötet 
seien. 

Die  Auslas.sung  der  zehn  Tage  gab  übrigens  zu  seltsamen  Missver- 
ständnissen Anlass.  Sogar  Chemnitz  bemerkt,  nach  eingelaufenen  Zeitun- 
gen sei  zu  Riga  beinahe  ein  .\ufruhr  entstanden,  als  der  erste  Sonntag 
nach  dem  neuen  Kalender  an  einem  .Mittwoch  des  bishei’igen  gehalten 
worden.^)  Der  gemeine  Mann  meinte,  die  zehn  Tage  würden  iliin  au» 


1}  G.  Maffei  Anoali  di  Gregorio  XIII  cd.  C.  Cr>queUnes  174*2,  H,  UH7  (g 
2)  N.  10  de«  Anhangs. 

X.  10  dea  Anhangs 

4)  N.  14  des  Anhangs  fol.  2a.  U«b«r  die  Wirren,  welche  die  EinfUhrang  dea  Kalenders  in 
Riga  Tcranlasste,  findet  Mcb  Einiges  bei  Dressor  Sfiebsisebes  Chronicon  719  and  7:11.  Die 'Schrift 
Ton  Benjamin  Bergmann  Die  Kalenderunruhen  in  Riga  in  den  Jahren  15i^5  bis  151H),  Leipzig  1H06. 
war  mir  nicht  zagänglich. 


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35 


seinem  Leben  genonniien.  ').  Auch  in  Belgien  zeigte  sich  diese  Auf- 
fassung, wie  ein  S'e  verspottendes  Gedicht  des  flandrischen  Jesuiten  An- 
gelinus  Gazaeus  bekundet.  Üsiander  schämte  sich  nicht,  sie  zu  j)linnpen 
Witzen  auszul)euten.  ,,1’apst  Gregorius,“  sagt  er,“)  „und  diejenigen,  so 
die.se  grosse  Kunst  erfunden,  wären  wol  wert  gewesen,  dass  man  ihnen 
die  zelm  Tage,  so  sie  auf  einmal  aus  dem  Jahr  herausgenomincn,  nichts 
Weiler  zu  es-sen  noch  zu  trinken  gegeben  hätte,  denn,  weil  sie  diesell)en 
zehn  Tage,  aus  der  Welt  verloren,  hätten  sie  auch  daran  weder  Essens 
noch  Trinkens  Ixidurft.  Und  mag  der  Papst  Gregorius  Zusehen,  wie  er 
sich  mit  den  lieben  zehn  Heiligen,  welche  er  im  verschienenen  zweiund- 
achtzigsten Jahre  mit  Verwerfung  der  zehn  Tage  ihrer  V'erehrung  be- 
raubt hat,  vergleiche,  damit  sie  nicht  im  Himmel  den  Riegel  inwendig 
vorstossen,  wann  er  etwa  über  eine  Zeit  lang  hineinwollte,  dann  es 
möchten  alsdann  'seine  Schlüssel  nicht  aufschliessen  und  möchte  ihn  der 
Teufel  hiezwischen  vor  dem  Himmel  hinwegführen. “ 

Vor  allem  wurde  n.atürlich  auf  die  Verwirrung,  die  Nachteile  und 
den  Zwiespalt  hingewiesen,  welche  dadurch  entstehen  mussten,  dass  die 
Katholiken  den  neuen  Kalender  annahmen,  während  die  Protestanten  den 
alten  bewahrten.  Wir  kommen  darauf  in  anderem  Zusammenhänge  zurück. 
Hier  sei  nur  eines  Liedes  gedacht,  welches  allerdings  nicht  eigentlich 
den  Kalcnderstreit  zum  Gegenstände  hat.  indes  'doch  von  ihm  ausgeht 
und  für  die  Geistesannut  der  Zeit  bezeichnend  ist.  Es  ist  „der  Weiber- 
krieg wider  den  Pap.st,  darum,  das.s  er  zehn  Tage  aus  dem  Kalender 
gestohlen  hat.“  welcher  1590  erschien.'*) 

In  holperigen,  vierfüssigen,  gereimten  .lamben  erzählt  der  Verfasser: 
Als  ich  einst  in  Gedanken  über  die  L'i-sachen  der  Jetzigen  Widerwärtig- 
keiten einschlief,  erschien  mir  der  Engel  Genius  und  führte  mich  in  den 
Himmelssaal.  Dort  sah  ich  eine  grosso  Schaar  aus  allen  Nationen,  welche 
von  Arithmetik  und  Astronomie  disputierten.  Auf  meine  Frage,  was  das 
Bedeute,  erwiderte  der  Genius:  „Siehst  Du  nicht  vor  dem  Saal  dos 


1)  Kasch  in  N.  29  des  Anhangs  fol.  20;  gar  Viele,  »agt  er,  seien  darüber  selir  bekümmert. 

2)  A.  Gazaeus  Pia  liilaria.  Antwcrpiac  1629,  \>.  79  fg. 

3)  N.  11  des  Anhangs  fol.  02a  fg. 

4)  K.  .10  des  Anhangs.  Vgl.  den  Aunug  bei  Kaltenbrunner  S.  529.  Man  sollte  memen. 
das«  diewtr  eine  ganz  andere  Schrift  vor  Angen  gehabt  habe. 

6* 


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36 


Papstes  Mönche  und  Pfaffen,  Prälaten,  Nonnen  und  Affen,  die  uns  zehn 
Tage  aus  dein  alten  Äliuanach  gestohlen  haben?  Jene  Streitenden  for- 
schen nach,  ob  das  aucli  recht  sei  und  wem  sie  sich  anschliessen  sollen. 
Das  ganze  Männergeschlecht  ist  durch  die  Aenderung  in  Aufculir  und 
Uneinigkeit  gebracht.“  Ich  frug,  was  denn  diese  die  Männer  angehe? 
Der  Genius  ei-widerte:  „Die  Weiber  herrechen  das  ganze  Jahr  über  die 
Männer  ausser  in  der  Marterwoche.  Will  einer  auch  sonst  mitregiereu, 
so  muss  er  seine  Frau  schön  geputzt  auf  den  Markt,  in  die  Stadt,  zur 
Kindtaufe  oder  ins  Bad  schicken  oder  sie  aus  dem  Fenster  sehen  lassen. 
Durch  die  Kalenderänderung  sind  nun  zwei  Marterwochen  entstanden. 
Das  wollen  die  Weiber  nicht  dulden.“  Ich  frug,  ob  denn  die  Weiber 
im  Glauben  einig  seien?  „0  nein,“  sagte  der  Genius,  „die  einen  sind 
lutherisch,  die  anderen  papistisch,“  und  als  ich  bemerkte,  da  werde  es 
viel  Streit  geben,  fuhr  er  fort:  „Binnen  kurzem  wird  des  Papstes  Religion 
untergehen  und  in  Ewigkeit  verdammt  sein.  Die  Pfaffen  sind  sehr  auf 
dem  Irrwege,  dass  sie  nicht  heiraten.  Nach  Gottes  Wort  soll  Jeder  in 
die  Ehe  treten,  nicht  aber  mit  Huren  haushalten. 

„Ob  gleich  ein  Eheweib  an  dem  End’ 

Will  han  im  Haus  das  Regiment, 

So  ist's  doch  besser  an  dem  Ort, 
üaun  in  der  Höllen  leiden  dort 
' Ewige  Pein  und  grosse  Qnal, 

Höllische  Marter  ohne  Zahl. 

Solches  wehret  in  Ewigkeit, 

Diss  aber  hie  ein  kleine  Zeit.“ 

Die  Weiber,  versichert«  der  Genius,  werden  den  Papst  und  seine  Rotte 
bald  angreifen.  Gleich  darauf  entstand  im  Saale  grosses  Getöse.  Von 
den  Mäimern  klagte  der  Eine  dem  Andern,  wie  er  zu  Hause  von  seiner 
Frau  geplagt  werde.  Der  Eine  sagte,  dass  er  jetzt  heim  müsse,  um 
Haus  und  Hof  zu  kehren,  damit  seine  Frau,  wenn  sie  ausgehe,  sich  nicht 
die  Kleider  beschmutze;  der  Andere,  dass  er  Stuben,  Wände,  Tische, 
Bänke  und  Trinkgeschirre  putzen,  sowie  kochen  und  waschen  müsse;  in- 
zwischen vernasche  sein  Weib  Hab  und  Gut;  was  er  an  einem  Tage  ver- 
diene, vergeude  sie  in  einer  Stmide  und  er  müsse  sie  doch  obendrein 
noch  Gnädige  Frau  nennen;  saufe  sie  sich  voU,  müsse  er  aus  dem  Hause 


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37 


laufen,  wenn  er  nicht  mit  Faust  und  Knittel  geprügelt  werden,  das 
Haus  mit  dem  HinU'rn  anschauen  und  die  Frau  alleweil  zum  Prediger 
haben  wolle.  Bei  dieser  Klage  erwachte  ich.  Gott  wird  hoffentlich  noch 
Mann  und  Weib  vereinen,  da.ss  es  keinen  Streit  mehr  gibt. 

Das  geschmacklose  Machwerk  bietet  ein  Beispiel  von  den  faden 
.Scherzen,  zu  welchen  der  neue  Kalender  damals  oft  genug  im  Volke 
Anlass  geben  mochte. ') 


VI 

Unter  den  ernsten  Gründen  gegen  seine  .\nnahme  iH'gegnet  uns  in 
der  Mehrzahl  der  .Schriften  die  Ausführung,  dass  die  Befugnis  zur  Aen- 
derung  nicht  dem  Papste,  sondern  der  weltlichen  Obrigkeit  zustche.  Der 
Churfürst  von  Sachsen  hatte  sich  schon  in  seinem  ersten  Gutachten*) 
über  den  Kalender  sehr  eingehend  in  diesem  Sinne  ausgesprochen  und 
man  konnte  sich  hier  auf  Luther  berufen,  dessen  Ansehen,  wie  gleich  zu 
erwähnen,  ebenfalls  wider  die  Neuerung  verwertet  wurtle. 

Sehr  bitter  tadelte  man  es  dabei,  dass  der  Papst  ohne  Vorwissen 
und  Einwilligung  der  deutschen  Protestanten  vorgegangen  sei.  Haben 
auch,  sagte  Landgraf  Wilhelm  von  Hessen,  Italien,  Spanien  und , vielleicht 
Polen  den  neuen  Kalender  angenommen,  so  wissen  wnr  doch  nicht,  ob 
deshalb  wir  Deutschen  „penes  quos  imperium  est,  gleichfalls  dem  näch- 
sten einwilligen  sollen,  sonderlich  weil  unser  Bat  und  Bedenken  darüber 
nicht  erfordert“  worden.  Es  ist  „autoritas  imperii  allwol  hiermiter  in 
Acht  zu  haben,  ne  (jui  aliis  nationibus  hactenus  Icges  dedimus,  ab  iisdem 
non  sine  omine  accij)ere  videamus.“  Dieser  Imj>oratt)ren8tolz  entspr.aeh 
freilich  nicht  mehr  der  Machtstellung,  welche  das  zersplitterte  Reich 
einnahm.  Berechtigter  war  es,  wenn  man  sich  auf  die  wissenschaftlichen 
Leistungen  der  Deutschen  in  der  Astronomie  berief. 

So  geschah  es  in  dem  Gutachten  von  Neustadt  an  der  Hardt.*)  Es 


1)  Vgl  wfta  Wolf  Oe»cb.  d.  Astroo.  au*  mir  unbebanntcr  Quelle  anführt.  Baieh  be* 
richtet  in  N.  29  de«  Anhan{(«  fol.  19  fg.,  im  Tolke  sage  mao,  der  Pap«t  habe  allen  iJindern,  die 
«einen  Kalender  nicht  annebmen  würden,  gedruht,  xu  maeben,  dass  auf  einen  Sommer  xwei  Winter 
kirnen. 

2)  S.  oben  S.  20. 

3)  N.  2 de«  Anhangs,  p.  10. 


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38 


lässt  sich,  heisst  es  dort,  „mit  dieser  plötzlichen,  unordentlichen  Refor- 
mation ansehen.  als  wenn  der  Pa])st  die  deutschen  Ketzer  nicht  wert 
geachtet  hätte,  sie  hei  .Vnstellung  und  Förderung  dieses  gemeinen  Werkes 
um  Rat  zu  fragen,  wie  es  seine  Vorfahren  gethan,  die  an  die  deutschen 
Fürsten  und  Univei-sitäten  geschrieben  und  von  ihnen  ihr  Beilenken  in 
diesem  Handel  begehrt  halien,  auch  bei  I’ön  des  Ungehorsams  und  Bannes, 
Und  sind  l)oi  diesem  Ratschlag  allemal  die  vornehmsten  Cardiuäle  und 
anderen  gelehrten  Männer  Deutsche  gewesen,  von  denen  die  Walen,  was 
sie  in  diesem  Handel  wissen  und  fürgeben,  gelernt  haben.“ 

Noch  schärfer  geisselt  ifüstlin  des  l’aj)stes  Verfahren.  Sixtus  IV. 
sjigt  er,')  hat  Regiomontan  zur  Kalenderverbesserung  berufen,  Leo  X 
das  Gutacliten  der  Univemitäten  eingefordei't  und  zwar  nicht,  wie  es  in 
seiner  Macht  gestanden  hätte,  selbst,  sondern  durch  den  Kaiser.  Gregor  XIII 
aber  hat  nichts  dergleichen  gethan  und  beim  Reichstage  von  lü82  weder 
von  seinem  schon  im  Februar  lieschlo.ssenen  Vorhaben  Anzeige  gemacht 
noch  die  Einwilligung  des  Reiches  nachgesucht.  Ehe  dann  noch  ein 
Monat  seit  dem  Reichstagsschlussc  verflossen  war,  wurde  ein  Kalcnder- 
bruchstück  nach  <les  Papstes  Vei’besserung  in  Deutschland  verbreitet  und 
sofortige  Annahme  gefordei't.  Die  Gründe  der  Aenderiuig  und  die  Re- 
geln. wie  es  im  nächsten  .fahre  zu  halten,  wuiilen  dabei  nicht  angegeben. 
Hintcnnach  erschien  das  K.alendarium  Gregorianum  ])erpetnum.  ein  Tractät- 
chen,  welches  die  Uisuichen  und  die  Art  der  Aenderung  nicht  anzeigt 
sondern  nur  den  Gebrauch  erläutert.  Zugleich  w'unle  die  Kinführungs- 
bnlle  bekannt  gemacht.  Dann  folgte  eine  neue  Bulle  vom  7.  November 
1582.  den  Kalender  spätestens  im  Februar  1583  anzunchinen,  mit  dem 
Zusatze,  dass  keine  Entschuldigung  statthaben  solle.  Ich  kann  das  nicht 
anders  verstehen,  als  dass  der  Papst  dius  ganze  römische  Reich  und  na- 
mentlich Deutschland  äffen  will.  Wozu  sonst  dies  Verschweigen  und 
Uebereilen?  „Wie  könnte  mau  das  andei-s  verstehen,  als  dass  er  ver- 
suchen will,  ob  die  Deutschen  noch  so  all)crn  sind,  wie  derselben  Etliche 
etwa  gewesen,  da-ss  sie  für  göttliche  Heiligtümer  alles  das  gehalten  haben, 
was  ihnen  im  Namen  des  Papstes  vorgeh’alten  worden  ist?  Weil  er  ihnen 
erttlich  ein  zeratückeltes  Fragment,  so  am  Wege  nicht  wert  wäre,  auf- 


1)  N.  II  iIm  Anhang-«,  fol.  44  fg. 


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39 


zuhelion,  zukoiiiim<n  lässt,  danach  ein  Tractätlein  oder  Hflchlein  aiisHiegen 
lä.sst,  worin  doch  kein  Grund,  keine  hypotheses,  keine  ohservationes, 
keine  Ursachen,  daran  man  doch  aufs  wenigste  möchte  häbig  sein,  an- 
gezeigt worden,  aus.ser  allein  iler  I)onnerklaj>p  seines  Bannes,  welchen  er 
auch  Imld  mit  einem  neuen  Donnerklapji  bekräftigt  wider  alle  diejenigen, 
so  auf  sein  blosses  und  eitles  Begehren  und  Gebot  nicht  mit  hoher 
Ehrerbietung  diese  Reformation  aufnehmen.  Üiler  aber  er  meint,  es  habe 
Deutschland  keine  so  geehrten  Leute,  welche  sich  hierauf  verstehen 
können,  darum  werde  es  nicht  taugen,  dass  man  ihnen  die  Ui-sache  und 
den  Grund  solchen  Werkes  zu  erkennen  gebe.  Und  besonders  erscheint 
hieraus,  da.ss  der  Papst  solchen  seinen  foetum  (ne  dicam  foetorein)  gern 
vorher  allenthalben  in  den  Gang  bi-ächte,  ehe  man  seinen  (Jrund  er- 
lernen und  wis.sen  möchte,  damit  nicht  die  Gelehrten  ihm  zuvor  naeh- 
rechneten  und  etwa  erkundeten,  <lass  die^e  Correction  ebenso  falseh  und 
irrig  wäre  als  der  uncorrigierte  Kalender.  Wann  er  aber  schon  ange- 
nommen wäre,  ehe  man's  inne  würde,  so  dürfte  man  ihn  nachmals  ohne 
Zweifel  Scham  halber  nicht  abthun.  Aber  es  soll  seiner  Heillosigkeit 
(oder  sollte  sagen,  Heiligkeit!  allhier  nicht  geraten,  dann,  ob  er  schon 
seine  Kunst  in  diesem  Werk  gar  vM'schlagen  und  verborgen  hat,  so  findet 
man  dennoch  bei  uns.  Gottlob,  noch  so  gelehrte  Leute,  die  aus  dem 
Grunde  ihm  nachreclmen  und  iiiulen  köiuien,  worauf  er  seinen  Gi’uud 
gesetzt  hat.“  ') 

Derartige  Vorwürfe  vermochten  <lie  Katholiken  nicht  abzulehnen. 
Sie  unterliessen  indes  nicht,  zu  erwähnen,  dass  der  Papst  vi'rschiedcne 
Univereitäten  l>efragt  habe,  und  wie  dies  schon  Herzog  Wilhelm  von 
Baiern  gothan  hatte,  behaupteten  auch  verschiedene  Schriften,  dass  der 
Kalender  auf  .Anmahnen  und  mit  Vorwis,sen  des  Kaisei's  und  anderer 
christlichen  Fürsten  geändert  sei.  Die  Berechtigung  des  Papstes  aber 
suchte  man  wiederholt  durch  den  geschichtlichen  Nachweis  zu  Ihv 
gründen,  da.ss  stets  die  kirchlichen  Behörden  den  Kalender  festgestellt 


1)  .tach  du  Bedenken  für  die  aniberi^er  Kegiernng  cntliilt  ülinliche  .kasführaogen.  N.  1 1 de« 
Anhangs  fol.  1G4  fg. 

*2)  Vgl.  oben  S.  21  Anm.  4 und  N.  12  de*  Anhang*  fol.  2b,  X.  l*  fol.  10,  N,  29  fol.  IS  fg., 
X.  S2  fol.  14. 


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40 


liätten  und  aucli  Ciisar  den  seinen  nicht  als  Kaisei'  sondeni  als  Pontifex 
inaxiinus  geschaffen  habe. ') 


VII. 

Die  verwundbarste  Stelle  der  gi-egorianisclien  Schöpfung  war  natür- 
lich auch  vom  kirchlichen  Standpunkte  aus  die  Rückverlegung  der  Früh- 
lingsgleiche auf  den  21.  Mär:?. 

Osiander  ging  dagegen  mit  seinem  tlegelliaften  und  salzlosen  Spotte 
an.  Es  sei  nur  loser  Schein,  sagt  er,-)  wenn  der  Papst  als  seine  Ab- 
sicht ausgebe,  da.ss  das  Osterfest  gemäss  dem  Nicilnum  auf  den  rechten 
Tag  fallen  solle,  und  er  begründet  diese  Rehauptung,  indem  er,  ausser- 
onlentliche  Unwissenheit  verratend  oder  heuchelnd,  fortflihrt:  Auch  nach 
dem  neuen  Kalender  füllt  1583  das  Fest  .auf  denselben  Tag  wie  nach 
dem  alten,  was  nicht  geschehen  könnte,  „da  in  dem  alten  Kalender  um 
so  viel  Tag  sollte  gefehlt  sein.“  Dem  nicünischen  Concil  war  es  auch 
gar  nicht  um  die  astronomische  Richtigkeit  der  Osterfeior  zu  thun,  son- 
dern darum,  dass  sie  nicht  am  selben  Tage  mit  den  Juden  begangen 
und  dass  die  Verwirrung  beseitigt  werde.  „Darum  bedeckt  Papst  Gre- 
gorius  sich  und  seinen  neuen  unnötigen  Kalender  mit  den  Feigenblättern 
des  nicünischen  Concils  so  wol,  wie  sich  ein  Dieb  hinter  der  Leiter  ver- 
birgt.“ AVie  will  es  auch  der  Papst  einrichten,  dass  die  Frühlingsgleiche 
stets  auf  den  vierzehnten  oder  fünfzehnten  Tag  nach  dem  Frühlings- 
Neumonde  trifft?  Die  Astronomen,  welche  mehr  al.s  der  Papst,  der  nur 
nach  den  Schätzen  des  Erdenreicha  trachtet,  von  der  Sache  verstehen, 
wissen,  da.ss  es  oft  um  eine  ganze  Woclio  fehlt.  Aber  sollte  der  Papst, 
wie  er  den  Engeln  gebietet,  nicht  auch  den  Gestirnen  befehlen  können, 
nach  seinem  Kalender  zu  gehen?  Stimmt  seine  Rechnung  nicht,  so  ist 
die  beste  Antwort,  dass  der  Kalender  durchaus  richtig  sei,  aber  die 
Sonne  nicht  stets  den  richtigen  Tag  treffe  mit  ihrem  Eintritte  in  den 
ersten  Gra<l  des  Widders;  zu  solcher  Unordnung  habe  vielleicht  Josua 
Anlass  gegeben,  als  er  die  Sonne  Stillstehen  hiess,  oder  Jesaias,  als  er 


\)  Kasch  in  N.  17  des  Anhangs  fol.  Sa  uml  N.  2i>  fol.  Ifl.  Kocst- Bosäns  N.  24  des  An- 
fol.  6 fg.  Guldin  Refataio  elenchi  a Setho  CAlvitio  conscripti  p.  9 fg. 

2)  K.  11  des  Anhangs  fol.  93a  fg. 


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dem  Könige  Hiskias  anzeigte,  der  Schatten  an  der  Sonnenuiir  Achabs 
werde  um  zehn  Linien  zurückgehen ; hätte  man  damals  die  Sonne  bei 
ihrem  ordentlichen  Laufe  gelassen,  so  würden  gewiss  sie  und  der  Mond 
aufs  Haar  mit  dem  gfregorianischen  Kalender  Zusammentreffen,  ,es  wäre 
denn,  dass  es  um  etliche  Bauernschuhe  weit  fehlte.“ 

Die  wahre  Ursache  der  Aenderung.  versichert  dann  Osiander,  „zeigen 
andere  päpstische  Leute  in  Deutschland  an,  nämlich,  das.«  nach  dem 
alten  Kalender  der  lieben  Heiligen  und  Märtyrer  Feste  nicht  jilhvegen 
auf  den  Tag  gefallen,  woran  sie  gelitten  haben.  Wahrlich,  da.s  ist  nicht 
ein  Geringes  und  ist  billig  hoch  in  Acht  zu  nehmen.  Und  mag  diese 
einzige  ürsache  genügend  sein,  mit  dem  neuen  pä|wti,schen  Kalender  die 
ganze  Welt  zu  verwirren.  Denn,  da  die  lieben  Heiligen  im  Himmel  ohne 
Zweifel  eben  vornehmlich  an  demjenigen  Tage  ihren  Anrufern  Audienz 
geben,  woran  sie  gelitten  haben,  und  sich  zur  selben  Zeit  anheimisch 
finden  lassen,  während  sie  sonst  hernach  ins  Paradies  spazieren  gehen, 
so  wäre  hierin  l)ald  etwas  versäumt,  denn  würden  die  Collecten  in  der 
Messe  und  sonstige  auf  ihren  Tag  eingelegte  Gebete  um  ganze  zehn 
Tage  zu  langsam  gesprochen  und  ihre  anderen  Gottesdienste  auch  um 
zehn  Tage  länger,  als  sich  gebürt,  eingestellt,  so  wäre  solches  alles  ver- 
gel)lich  und  müssten  solche  andächtige  Diener  der  lieben  Heiligen  gar 
beinahe  ein  g-anzes  .Jahr  warten,  bis  sie  wiederum  bei  den  verstorlwnen 
Heiligen  Audienz  bekämen,  dmin  es  heisst  im  gemeinen  Sprichwort:  der 
Bischof  weiht  nicht  alle  Tage.  Und  ist  also  den  lieben  Heiligen  auch 
nicht  zu  verargen,  da  sie  nicht  alte  Tage  zu  Verhör  sitzen,  sondern 
allein  an  den  Tagen,  wann  es  ihnen  gelegen,  denn  sie  haben  ohne  das 
auf  Er<len  Mühe  und  Plagen  genug  gehabt.  Hieraus  ist  abzunehmen, 
eine  wie  grosse  und  unvermeidliche  Not  es  gewesen,  dass  Papst  Gregor  XIII 
seinen  neuen  Kalender  an  diese  Welt  gebar,  damit  er  doch  nicht  un- 
fruchtbar erfunden  werde,  weil  hievor  auch  ein  Pa(i8t  zu  Rom  (Johannes 
des  Namens  der  VHI)  ein  feines,  kleines,  holdseliges  Kindlein  an  diese 
Welt  gebracht,  wie  die  alten  päpstischen  Scriljenten  selbst  nicht  läugnen 
können.“  *) 


I)  Die  Sagr<^.  über  deren  UrspraDj?  Döllioger  Paptttfab^In  1 f;?.  Aufachlui^«  jnbt.  war  damals 
* eine  beliebte  Waffe  gegen  dos  Papattnm.  Der  Jesoit  Georg  Seberer  f.iDd  tu  nMig,  «ie  in  einer 
Predigt  Tor  dem  Enherzog  Ernst  zo  widerlegen,  die  15S4  im  Druck  erschien. 

Äbh.  d.  III.  Ci.  i k.  Ak.  d.  Wiss.  XV.  Bd.  III.  Abth.  C 


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Verstäiiiliger  schläft  darauf  üsiander  vor:  ,Weuu  ja  der  Papst 
(iref^orius  zum  Kalenderinac.lieu  (vielleicht  aus  himmlischer  Influenz)  eine 
sonderliche,  aiigeboi-ene  Neigung  haben  möchte  und  den  alten  Kalender 
hätte  i-eformieren  wollen,  so  wäre  das  der  nützlichste  Weg  gewesen,  diws 
er  die  zehn  Tage  im  veisfchienenen  Jahi-e  aus  dem  Monat  tX^tober  nicht 
hätte  herausgenommen,  sondern  sie  hätte  .stehen  lassen,  hätte  aber  da- 
gegen herausgenomnien  die  Namen  iler  Heiligen,  von  denen  man  in  der 
heiligen  Schrift  und  in  andern  rechten  glaubwünligen  Historien  nichts 
Hndet.  sondei’ii  allein  ihre  Geschichten  mit  grausamen,  greiflichen  Lügen 
in  den  päijstischen  Legend-  (oder  vielmehr  Lugend-)  Büchern  gefunden 
werden,  deren  vermeinte  Heilige  auch  wol  zum  Teil  mögen  im  .-Vbgriind 
der  Hölle  sitzen.  Er  hätte  al)er  dagegen  hineingesetzt  die  lieben  wahren 
Heiligen.  Claims-  und  Weibsjiei'souen.  deren  Historien  im  alten  und  neuen 
Testament  beschrieben  und  von  denen  man  gewiss  i.st,  diuss  sie  recht 
geglaubt,  gottselig  gelebt  und  gewisslich  Gott»«  Kimler  sind.  Dieser 
Heiligen  Namen  im  Kalender  neben  den  gewöhnlichen  christlichen  Festen 
unil  Aposteltagen  wären  dazu  dienlich  gewesen,  dass,  wenn  ein  Christ  in 
den  Kalender  gesehen,  er  sich  auf  einen  je<len  Tag  hätte  wissen  einer 
heilsamen  Historie  aus  der  heiligen,  göttlichen  Schrift  zu  erinnem  und 
aus  derselben  zu  bessern.  .\ber  was  sollte  sich  der  Papst  der  heiligen 
Schrift  annehmen,  die  ihm  das  gebrannte  Leid  anthut  und  vor  der  er 
sich  übler  fürchtet  als  ein  verzagter  Hund  vor  einem  Igel.' 

Zum  Schlüsse  l>enutzt  der  Hofi>rediger  die  Gelegenheit  zu  einem 
Angrifte  auf  das  gesammte  Wesen  und  Lehren  der  römischen  Kirche. 
, Warum,“  fragt  er,  „nimmt  Pajist  Gregorius  den  Kalender  zu  refor- 
mieren vory  Warum  reformiert  er  nicht  vielmehr  nötigere  Irrtüiner, 
Misbräuche  und  Uebelstände  in  der  päpstischen  Kirche?“  Er  sollte  die 
falschen  Lehren  und  .\bgöttereien  alwchaft'en.  „Warum  schatt't  er  nicht 
ab  die  Geldstricke  und  Goldnetze,  womit  er  und  die  .Seinen  bisher  der 
Welt  Geld  und  Gut  geraubt  haljen?  W'arum  schattt  er  nicht  ab  das 
unehrbare,  schändliche,  unzüchtige  W'esen  und  Leben  seiner  Gei.stlichen, 
deren  Sünden  nunmehr  etliche  hundert  Jahre  bis  an  den  Himmel  reichen 
und  schreien?  Hier,  hier  sollte  Paj>st  Gregorius  XIII  die  Brille  auf  die 
Nase  stecken  und  sehen,  was  in  der  Kirche  notwendig  zu  reformieren 
und  zu  verbessern  wäre,  auf  dass  er  nicht  mit  sich  so  viele  taJisend 


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Seelen  in  ilen  Abgninil  der  Hölle  führte.  Diese  Keformation  wäre  der 
Welt  viel  nötiger  al»  der  gregorianiiH'lie  Kalender,  welcher  der  Chri.sten- 
heit  zu  ihrem  Heil  und  Wolstand  weder  kalt  noch  warm  gibt.  Aber 
Pajjst  Gregoriuii  (wie  auch  etliche  seiner  V'orf'ahren)  reformiert,  gleicher- 
massen  in  der  Kirche,  als  wenn  Einer  in  ein  schönes  Gemach  käme, 
woriii  unflätige  Leute  gespieen  und  anderen  Unrat  mehr  gethan  hätten 
und  er  sähe  ein  kleines  Spinnweblein  an  einer  Wand  oder  ein  wenig 
Staub  auf  dem  Simse;  darüber  finge  er  eine  grosse  Khige  an,  wie  man 
ein  solches  herrliches  Gemach  hätte  so  unsauber  gehalten,  nähme  der- 
wegen  einen  h’uchsschwanz  und  kehrte  damit  Spinnweben  und  Staub 
hinweg,  Hesse  aber  den  andei'en  grossen  Unflat  unil  (ie-stank  in  dem 
Gemach  liegen,  ja  er  rühmte  auch,  es  wäre  lauter  Weihrauch,  lignum 
Aloes  und  Bisam  un<l  gebe  dem  (Jemach  einen  besonderen  Stdimuck  und 
Wolstand.  Eben  ein  solcher  Reformator  ist  auch  Papst  (Jregorins  in  der 
Kirche.  Gehört  derwegen  in  die  Zahl  der  Pharisäer,  von  denen  Christus 
sagt;  Wehe  euch,  ihr  Schriftgelehrten  und  Pharisäer  u.  s.  w.  So  hat 
auch  Papst  Gregorius  einen  engen  und  einen  w'eiten  Schlund,  einen 
engen,  dass  er  nicht  dulden  oder  verschlucken  kann,  wenn  eines  Heiligen 
Gedächtnis  sollte  um  etliche  Tage  zu  spät  begangen  werden;  einen  weiten 
aber,  dass  er  alle  ]iä])stischen  Irrtümer,  Abgöttereien.  Misbräuche,  falschen 
Gottesdienste.  Schande  und  Liwter  seiner  Geistlichen  in  einem  Schluck 
und  Druck  hinabsehlunden  kann.  Da  stösst  ihm  nichts  im  Halse  an.  er- 
zürnt sich  auch  nicht  darüber.  Und  wenn  die  Deutschen  so  närri.“ch 
wären  und  gäl>en  ihm  all  ihr  Hal>  und  (Jut.  Land  und  Leute,  so  könnte 
er  es  auch  alles  verschlunden  und  Hesse  es  ihm  selbst  ganz  wol  l)e- 
kommen.“ 

Das  war  die  gewöhnliche  Art  der  theologi.schen  Klopffechter  jener 
Zeit,  unter  denen  sich  Osiaiuler  einen  Namen  erwarb.  In  ihrer  plumpen 
Wut  wu.s.sten  sie  den  Gegner  nur  schmähend  mit  Kot  zu  l>ewerfen,  nicht 
aber  ihn  mit  schneidiger  Watte  gefährlich  zu  trefi'en.  Besser  verstand 
dies  der  Laie  Mästlin,  ‘)  indem  er  sachlich  und  würdig  die  Frage  erfas.ste 
und  l)ehandelte. 

Viele  halten  es  für  Unrecht,  sagt  er,  da.<.s  die  Feste  nicht  mehr  zu 

1)  y.  11  lies  Anhangs  fol  20& 

6* 


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44 


der  Zeit  gehalten  werden,  wo  sie  ursprünglich  eingesetzt  waren  und  wie 
sie  namentlich  das  Concil  von  Nicäa  bei  Strafe  des  Bannes  angeonlnet 
hat.  Kinige  glauben  sogar,  dass  dieser  Finch  des  Nicänunis,  dem  man 
vei-falleii,  gegenwärtig  viele  schwere  Landstrafen  über  die  Christenheit 
bringe.  .Man  S4dl  min  allerdings  die  Vorschriften  und  .Vnordnungen  der 
alten  Kirche  nicht  verachten,  aller  man  muss  auch  den  Ursprung  der- 
sellien  erwägen.  Gott  selbst  hat  den  .luden  die  .Sabbatfeier  und  die 
übrigen  Feste  mit  hohem  Hrnst  vorgeschrieben  und  Ueberti'etungen 
schwer  gestraft.  Aber  diese  Feste  waren  nur  Vorbilder,  ilie  sich  auf 
Christus  und  das  neue  Testament  bezogen,  und  seit  ilas  Erlösungswerk 
vollbracht  ist,  sind  wir  nicht  mehr  daran  gebunden,  denn  Christus  ist 
das  Ende  des  Gesetzes,  üem  zum  Zeugnisse  hallen  die  erst<>u  Christen 
den  Sabbat  mit  dem  Sonntage  vertanscht  .Vussenlem  halien  sie  noch 
andere  Feste  eingeführt  und  dieselben  teils  auf  die  Tage  gesetzt,  wo  der 
allgemeinen  .\nsicht  nach  die  zu  feiernilen  Ereignisse  geschehen  oder  die 
Heiligen  gestorben  s»iin  sollten,  teils  sie  nach  ihrer  Bedeutung  eingereiht. 
Biese  Ordnungen  sollten  aber  den  Gewissen  keinen  Zwang  auferlegen, 
denn  weder  Gott  nix^h  die  .-Vpostel  halien  in  Bezug  auf  die  Feste  (iebote 
erlassen.  Paidus  lehrt  vielmehr  vielfach  das  Gegenteil.  Auch  ist  Ostern 
in  den  ei-sten  1 51). Jahren  von  den  abendländischen  und  östlichen  Christen 
vei'schieden  gehalten  worden,  ohne  da.s.s  Zwiidracht  darülier  entstand. 
Es  muss  in  der  Kirche  eine  bestimmte  Ordnung  für  die  Feste  geben, 
aber  zu  behau]iten.  dass  diese  notwendig  auf  gewisse  Tage  fallen  müssen, 
ist  eine  .Vntastung  der  christlichen  Freiheit.  Ba.s  Zurückweichen  «ler 
unbeweglichen  Feste  i.st  gleichgültig,  denn  die  erste  Kirche  legte  sie  aus 
freiem  Gutdünken  in  diese  oiler  jene  Jahreszeit.  Wir  sind  auch  nicht 
von  der  alten  Kirche  allgewichen,  denn  wir  halten  die  Kalendertage  fest, 
welche  sie  bezeichnete.  Es  vei^stiesse  jedoch  gegen  die  Lehren  Christi 
und  Pauli  und  gegen  die  christliche  Freiheit,  wenn  man  sagte,  die  Feste 
müssten  bei  einem  gewissen  .Stande  der  Sonne  begangen  werden,  weil 
dieser  vorhanden  gewesen,  als  das  zu  feiernde  Ereignis  eiutrat.  Weiss 
man  denn,  wann  Christus  geboren  und  beschnitten  wurtley  Weder  die 
Apostel  und  Evsuigelisten  noch  irgend  ein  glaubwürdiger  Geschichts- 
schreiber lierichten  darülier;  eine  althergebrachte  Meinung  aber  genügt 
nicht,  um  die  Gewissen  zu  binden.  Wüsste  man  aber  auch  diu  Tage 


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45 


zuvtii'läsBig,  weshalb  sollte  man  daim  das  Uedüchtnis  dem  einstigen  Stande 
der  Sonne  entspreehend  Iwgehen,  als  miisste  der  Pretliger  »eine  Zuhörer 
nicht  nur  in  das  VeretAiulnis  des  Glaubens  sondern  auch  in  die  Astro- 
nomie einführen?  Xur  auf  Krbauiuig  ist  zn  sehen.  Die  mystische  Deu- 
tung, welche  man  der  Stellung  der  Feste  zu  den  Jahreszeiten  gibt,  ist 
le<liglich  Wortklauberei  und  Thorheit.  Der  Fauwiuul,  dass  die  astro- 
nomisch - gleichzeitige  Feier  Ijesonder»  ziu‘  Andacht  reize , ist  kindisch 
und  ihn  widerlegt  am  lx*steu  der  Charfreitag,  denn  kein  Mensch  weiss, 
an  welchem  Tage  Christus  star!>  und  die  Gelehrten  streiten  noch,  ob  es 
der  25.  Mürz  oder  3.  April  war;  wiire  es  uns  zur  Seligkeit  nützlich, 
ihn  zu  kennen,  so  würden  Christus  und  die  A|>ostel  un.s  den  Tag  be- 
zeichnet haben. 

Kbensowenig  lässt  Mästlin  die  Venn-dnung  tles  Nicänums  als  ge- 
nügenden Grund  für  ilie  Festhaltung  des  21.  März  gelten.  Jene,  sagt  er, 
geht  nur  die  von  Menschen  gesetzten  Festtage  an;  sie  ist  mithin  nicht 
anzunehmeu.  wenn  sie  als  <nn  besondere  hoher  Gott«?.sdienst  und  als  eine 
die  liewis.sen  bindende  Ptiic.ht,  von  welcher  unter  keiner  Bedingung  alj- 
gewichon  werden  dürfe,  ausgegeben  wird.  Dann  gehört  sie  zu  den 
Menschensatzungon.  die  Gott  verwerfen  lehrt.  Ks  war  ferner  dem  Concil 
lediglich  um  Abstellung  der  Unonlnung  mid  des  Zwiesj)alt<>j>  bei  der 
Gsterfeier,  also  um  die  Fälligkeit  iler  Kiixhe  zu  thiui,  nicht  aber  um 
eine  Kalenilerreform,  da  es  die  Frühlingsgleiche  nicht  auf  die  Zeit  Christi 
zurücksetzte  noch  der  Verschiebung  vom  21.  März  vorbautc.  .letzt  han- 
delt es  sich  nur  um  die  eine  F’rage,  ob  mau  verpflichtet  sei,  die  F'rüh- 
lingsgleiche  auf  den  21.  März  und  Ostern  auf  den  nachfolgendi.'n  Sonn- 
tag zu  setzen.  Der  Fluch  des  Concils  kann  uns  nicht  treffen,  denn  bei 
uns  herrecht  keine  Uneinigkeit  in  der  Osterfeier,  wir  sind  auch  keines- 
wegs von  seiner  Ordnung  abgewichen  und  was  geändert  ist,  geschah 
ohne  Wissen  und  Voi-satz.  Oliendrein  hat  das  Concil  gar  keinen  Canon 
über  das  Fest  gemacht  noch  bei  Bannesstrafe  V'erordnungeu  getroffen, 
sondern  es  hat  lediglich  die  lleretelhmg  der  Fälligkeit  beraten  und  dem 
Kaiser  die  Aiisfülmmig  hoimgestellt.  Wäre  aber  auch  ein  betreffendes 
DecTct  vorhanden,  so  wäre  es  doch  luigei’eiuit,  da.ss  es  ims  binden  sollte, 
zehn  Tage  aus  dem  Kalender  zu  nehmen,  wälmmd  das  Concil  selbst  die 
zwei  oder  drei  Tage,  welche  schon  zuviel  waren,  nicht  wogliess.  „Ja. 


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4(1 


wie  ärgerlich  will  es  geredt  sein,  da»».  <la  sie  unserem  Herrn  und  Hei- 
land Christo  Jesu  zu  Uhren  nicht  liaben  zw'ei  oder  drei  Tage  fallen 
laasen  wollen,  damit  das  Aetiuinoctiuin  und  da»  Osterfest  sich  mit  der 
Zeit  Christi  wieder  vergleiche ; wir  sollten  von  ihretwegen  oder  ihnen 
zu  Gefallen  zehn  ganze  Tage  mit  grausamer  Verwirrung  und  Unordnung 
müssen  aualftschen ? Mit  nichten  also!“  Warum  legt  der  Papst  jetzt 
nicht  die  Fruhlingsgleiche  auf  den  ‘23.  oder  24.  Marz,  wie  sie  zu  Christi 
Zeit  tielV  Ist  etwa  Ostern  mehr  ein  Gedächtnis  des  nicänischen  Concils 
als  des  Leidens  und  der  Auferstehung  Christi  V Die  erste  Kirche  und  die 
V^äter  des  nicänischen  Concils  zeigen  uns.  dass  die  Kirche  die  Coremonien 
ordnen  kann,  wie  es  am  testen  ist.  Wer  wollte  ihnen  solche  Tyrannei 
beimessen,  (hiss  sie  diese  Freiheit  nur  für  sich  hätten  gebrauchen  und 
der  Nachwelt  entziehen  wollen?  Eine  Aenderuug  ist  zulä.ssig,  sobald 
dabei  das  Beste  der  Kirche  und  nicht  Aergernis  tezweckt  wird.  Müssten 
wirklich  alle  dem  angeblichen  Decrete  zufolge  im  Banne  sein,  welche 
Ostern  nicht  so  genau  nach  dem  Stande  der  Sonne  und  de»  Mondes 
halten,  so  wären  die  Väter  des  Concils  selbst  und  die  »jiäteren  Christen 
oft  dem  Banne  verfallen,  denn  der  wirkliche  Frühlingsvollmond  trifft 
nicht  selten  einige  Stunden  eher  oder  später,  als  der  kirchliche  Kalender 
ihn  ansetzt  und  ein  Mond,  der  in  unseren  Gegenden  noch  auf  den  Sams- 
tag fällt,  kann  unter  einem  östlicheren  Meridian  schon  auf  den  Sonntag 
trelfen.  Es  lässt  sich  überhaupt  keine  cyklische  Rechnung  erdenken,  die 
ganz  genau  mit  den  Himmelserscheinungon  zusammentriff't.  Führte  also 
das  Concil  von  Nicäa  eine  solche  ein.  so  beweist  das.  dass  es  nicht 
wollte,  man  solle  sich  so  genau  nach  dem  Laufe  der  Sonne  und  des 
Mondes  richten,  sondern  dass  es  ihm  nur  um  die  Einigkeit  zu  thun  war, 
AVeshnll»  stört  man  also  die  Einigkeit  mit  einer  Reform,  die  unnötig  ist 
und  nie  volle  Genauigkeit  schaffen  kann?  Man  sollte  lieber  die  gräu- 
lichen Misbräuche  in  der  Kirche  abschaffen. 

Die  llauj)tursache  der  Festhaltung  des  21.  März,  schliesst  Mästlin, 
ist  die,  dass  in  den  jiapistischen  Messbüchern  und  Brevieren  grosse  Ver- 
wirrung eingetreten  ist.  denn  sie  lehren  die  beweglichen  Feste  nach  den 
Himmelserscheinungen  suchen,  aber  nicht  nach  den  gegenwärtigen  son- 
dern gemäss  der  Zeit  des  Nicänums.  Das  sollte  die  Geistlichen  freilich 
nicht  stören,  denn  sie  müsstim  gebildete  Leute  sein.  Indes  wollen  sie 


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17 


(luvcli  Wiedereinluhniiiff  «les  21.  Mürz  ennöglic.hen,  das«  ><ie  ihre  alten 
Bücher  behalten  ktinnen.  Sie  i'estehon  diesen  (trund  nicht  ein,  doch 
Ulavius  hat  ihn  verraten.  *)  Ware  es  nun  mir  nin  den  |>füf'lischon  Ka- 
leinler  zu  thiin,  so  möchten  sie  sich  einen  heim  Hatiier  drehen  oder 
heim  Bäcker  hacken  lassen,  so  (jfut  und  scln'in.  wie  sie  ihn  nur  wünschten. 
Ks  handelt  sich  aber  um  den  bürjfi'rlichen  Kalender  und  deshalb  ist  es 
nicht  zu  raten,  lediglich  um  des  papistLschen  IMesskrams  willen  eint;  so 
unertriigliche  Zerrüttung  münniglich  anfzulegen. 

Kinen  Teil  dieser  .ViLsführungen  Mastlins  hatte  .schon  launhert  Flo- 
ridus  I’lieiiinger,  ein  .Slrasshurger,  in  einer  .\nfang  lö83  erschienenen 
Schrift  -)  vorgetragen.  Er  sju'ach  sicli  dabei  für  ein  unbewegliches  Oster- 
fest aus  und  berief  sich  auf  Luther,  welcher  denselben  Gedanken  ver- 
treten, auf  die  von  der  weltlichen  Obrigkeit  voi-zunehmende  Ausführung 
jedoch  verzichb't  hatte,  weil  das  Weitende  nahe  sei.  Die  bctietfeudc 
Stelle  aus  Lnthei-s  .Schrift:  „Von  den  Concilien“  *)  wurde  jetzt  in  einem 
eigenen  Büchlein'*)  veröffentlicht,  damit  das  Urteil  des  Vatei-s  iler  Ue- 
forniation,  dessen  Worte  in  jener  Zeit  seinen  .\nhiingeni  beinahe  höher 
als  ilie  der  Schrift  galten,  die  Seinen  im  Kani))fe  gegen  das  Werk  des 
Pajistes  bestärke.  Auch  von  vemdiiedenen  anderen  Gegnern  des  neuen 
Kalenders  wurde  der  Vorschlag,  ein  festes  Ostern  zu  schaffen,  iler  sicher- 
lich noch  heute  vollen  Beifall  verditmt,  l)effirwortet  und  das  neustädter 
Gutachten  wies  den  sogar  von  Protestanten  gemachten  Einwand  zurück, 
dass  alsdann  am  Charfreitag  einnud  Neumond  und  eine  natürliche  Sonnen- 
finstenjis  eintreton.  dadurch  alwr  deu  .luden  zu  dem  Spotte  .\nlas8  ge- 
geben werden  könne,  dass  auch  die  .Sonnenfinsternis  Iwi  Christi  Totle 
nicht  eine  wuntlerbare  gewesen  sei.  *) 

Für  die  pä)>stliche  Bestimmung  der  Frühlingsgleiche  suchte  übrigens 
Plieninger  noch  andere  (iründe  hervor  als  Mästlin.  Der  Papst,  sagt  er,®) 
ging  nicht  über  das  Nicänuiu  zurück,  weil  ilieses  zuewt  allgemein  aner- 


I)  Vgl.  oben  ä.  IS  Anin.  I. 

*J)  N.  4 Anhang.  Teber  >len  Verfusier  liab«  ich  kein«  Nachrichten  tinJen  kennen. 

3)  Latfaeri  Opera  ed.  Walch  XII,  J673  ftf. 

4)  N.  !•'>  de»  Anlfang». 

J) )  N.  H de«  Anhang«  p.  10  fg. 

6)  N.  2 de«  Anhang«  p.  *27  fg. 


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4H 

kannte  Regeln  über  das  Osterfest  aufstellte,  was  Christus  und  die  Ajxistel 
nicht  gethan  und  die  Päpste  vor  jenem  Concil  vergeblich  versucht  hatten. 
Zweitens  ist  der  Todestag  Christi  nicht  sicher  festzustellen.  Denn  da 
Christus  au  einem  Freitage  bei  Vollmond  starb,  muss  dies  nach  Rech- 
nung der  Astronomen  am  3.  April  33  geschehen  sein. ')  Die  Kirchen- 
väter aber  nehmen  den  20.,  25.  oder  30.  Marz  34  an.  Der  Pajwt  hätte 
also  entweder  mit  den  Ansätzen  der  Astronomen,  auf  die  er  .sonst  seinen 
Kalender  gründet,  oder  mit  den  Kirchonvätem  in  Widerspruch  treten 
müssen,  denen  er  nicht  Unrecht  geben  darf,  ohne  die  Stützen  seiner 
ganzen  Macht  zu  Ijrechen.  Deshalb  half  er  sich  durch  Festhalten  des 
Nicänums.  Plieninger  ist  seinerseits  keineswegs  geneigt,  der  Rechnung 
der  Astronomen  den  Vorzug  zu  geben.  Sie  könne  nicht  richtig  sein, 
bemerkt  er  weiterhin,  *)  da  Christus  nach  dem  Zeugnisse  der  Evangelisten 
iin  vieriinddreissigsteu  Jahre  seines  Alters  gestorben  sei. 

Wie  er  sich  hier  von  der  theologischen  Engherzigkeit  seiner  Zeit 
beeinflusst  zeigt,  so  sehen  wir  ihn  dem  wiiTen  astrologisch-mystischen 
Hange  dei'selben  folgen,  wenn  er  den  Iwiden  erwähnten  (Iründen,  die 
allerdings  wohl  die  Entscheidung  des  Pajtstes  beeinflussten,  hinzufügt; 
„Der  Pa|»st  sollte  durch  das  Festhalten  am  Nicännm  einer  geheimnts- 
vollen  Fügung  Gottes  zufolge  zu  erkennen  geben,  dass  er  nicht  der 
Statthalter  Christi  und  Nachfolger  Petri,  sondern  der  Nachfolger  Con- 
stantins  des  Grossen  sei.  Der  Kaiser  hat  gleich  nach  dem  Concil  von 
Nicäa  seinen  Sitz  nach  Constantinopcl  verlegt,  wodurch  die  Trennung 
des  römischen  Reiches  erfolgt  ist  und  aus  diesem  selbständige  König- 
reiche. das  zehnhfirnige  Tier,  von  welchem  Daniel  im  siebenten  Haupt- 
stück spricht,  entstanden  sind.  Wie  jene  vom  Kaiser,  so  sintl  dann  die 
Päi>ste,  durch  die  freilich  zweifelhafte  Schenkung  Constantins  übermütig 
gemacht,  in  der  Folge  vom  christlichen  Glauben  allgefallen.  Mit  dom 
Reiehtume  ist  das  Gift  in  die  Kirche  gekommen  und  iler  Pajist  zum 
Antichrist  geworden.  Er  hat  den  Sitz  der  heidnischen  Kaiser  einge- 
nommen und  ihnen  in  zügellosem  l<eben  und  in  Anmassung  der  höchsten 


1)  (Jeher  die  Kichiiirkoit  dieser  lierechnong  und  Ihr  Verhältnis  iii  den  Evnnpplien  s.  A B. 
Latterbeck  Oie  Jahre  Christi  nach  aloxandrinisehem  Ansatz*’  und  neueren  astronomischen  Berech- 
nungen. Giessen  1^78^. 

2)  N.  8 des  Anhang  p.  fg. 


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4!) 


Gewalt  nacligeahint.  So  wuchs  er  geiimss  Daniel  als  das  kleine  Hom 
zwischen  den  zehn  empor  und  erniedrigte  drei  von  diesen,  das  erete  dui'ch 
die  V'eratossung  des  königlichen  Geschlechtes  Pharamundi  [der  Mero- 
winger] in  Frankreich,  das  zweite  [die  Byzantiner]  durch  Einziehung  des 
Exarchats  von  Ravenna  und  das  dritte  durch  V'ertilguna:  der  Longo- 
hardenkönige.  Darauf  deutet  seine  dreifache  Krone,  die  zugleich  seinen 
Anspruch  auf  die  Herrschaft  über  Erde,  Iliininel  und  Hölle  kundgibt. 
Er  erlangte  die  Monarchie  der  ganzen  Welt  durch  Abhtss.  Bann  und 
Blutvergies,sen,  wie  dies  auch  Macchiavelli  bezeugt.  Nach  Daniel  sollte 
ferner  das  kleine  Horn  die  Zeit  ändern  und  das  hat  ja  nun  Gregor  XIII 
gethan.  Weiter  hat  er  sich  dadurch  als  Nachfolger  der  Kaiser  bekundet, 
dass  er  sich  patrem  patriae  nannte,  woraas  jiapa  entstand.  Er  hat  sich 
über  alle  Fürsten  gesetzt  und  sell)st  über  Gott,  da  er  sich  in  seiner 
Einführungsbulle  Pontifex  Optiinüs  Maxinius  nennt.  Da  man  seit  Con- 
stantin  d.  Gr.  angefangen  hat.  da.s  weltliche  Schwert  zu  göttlichen  Hän- 
deln zu  gebrauchen,  so  halten  wir  mit  gutem  Grimde  dafür,  dass  damals 
der  Antichrist  angefangen  hat.  in  der  Kirche  zu  regieren.  Durch  das 
Festhalten  am  Nicänum  sollte  nun  der  Papst  den  vollen  Beweis  liefern, 
dass  er  der  Antichrist  und  das  Tier  ist.  dem  im  dreizehnten  Haupt- 
stttcke  der  Apokalypse  42  prophetische  -Monate,  da.s  ist  42  mal  30  pro- 
phetische Tage  oder  12fi0  .Jahre  gegelwn  werden,  also  genau  so  viele, 
wie  Daniel  dem  Tiere  mit  den  Hömeni  zumisst  und  vom  Concil  von 
Nicäa  bis  zur  Kalenderändenmg  verflo.s.sen  sind,  denn  jenes  tagte  zwischen 
323  und  325®)  und  diese  erfolgt  zwischen  1583  und  158.5.  Ausführlich 
weist  dann  Plieninger  nach,  da.««  seine  Rechnung  auch  im  Einzelnen  mit 
den  Thatsacheu  der  Kirchengeschichte  übereinstimme,  und  wie  er  schon 
in  der  Vorrede  dargelegt  hatte,  dass  der  Papst  unzweifelhaft  der  Anti- 
christ sei,  so  ruft  er  weiterhin  aus:®)  „Nachdem  nun  erwiesen,  da,«s  der 
Papst  der  grosse  Antichrkt  ist.  das  Ilorn  Danielis,  welches  den  Gräuel 
der  Verwüstung  in  die  heilige  Stadt  oder  christliche  Kirche  nach  Daniel 
7.  und  11.  eingeführt  hat,  und  die  babylonische,  unverschämte  Hure, 


1)  In  der  Bulle  kommt  dieser  Auudrack  nicht  vor,  dAi^egen  gebnucht  ihn  Clarios  ad  der  oben 
S.  Anm.  1 emriUmten  Stelle»  worüber  auch  Mästlin  sieb  AufbäU. 

2}  Man  stritt  damals,  ob  das  Conctl  323  o»ler  325  gehalten  sei. 

3}  N.  8 des  Anbangs  p.  32. 

Abh.  d.  m.  CI.  d.  k.  Ak-  d.  WU».  XV.  Bd.  III.  Äbth.  7 


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50 


welche  dfis  zehiihörnige  Tier  nach  Apokalypse  17.  geritten  hat,  und 
nachdem  solches  vielfältig  7.u  unserer  Zeit  entdeckt  und  offenbar  worden 
ist  und  zwar  der  Papst  selbst  solches  erwiesen  durch  die  vorgenommene 
Aenderung  des  Jahres,  dm-ch  die  zurückgeführte  Zahl  der  Tage,  des- 
wegen Süllen  wir  uns  seiner  Gebote  als  Menschensatzungen  nicht  teil- 
haftig (xler  ihnen  unterwürtig  machen,  auch  im  Geringsten  nicht.“ 

Ebenso  beutete  Mästlin  in  der  an  Churfüi-st  Ludwig  von  der  Pfalz 
gerichteten  Widmung  seiner  mehrerwähnten  Schrift  die  Worte  Daniels : 
pjr  wird  sich  unterstehen,  Zeit  und  Gesetz  zu  ändern,  aus, ' ) um  dnr- 
zuthim,  das,s  Gregor  XIII,  der  ja  auch  das  cauouische  Recht  geändert 
habe,  der  Antichrist  sei,  und  wie  Plieninger  suchte  den  Bew'eis  dafür 
der  Astronom  Tobias  Möller  oder  Müller  von  Crimmitzschau  in  einer 
eigenen  Schrift*)  zu  fülu-en,  nachdem  er  bereits  einen  wissenschaftlichen 
.Angriff  gegen  die  päjjstliche  Neuerung  veröffentlicht  hatte.  “)  Dabei  ver- 
kündete Möller  das  Weitende  für  1606,  weil  Daniel  bi.s  zu  jenem  von 
der  Aufrichtung  des  Gräuels  der  Verwüstung  1200  .lahre  rechne;  Daniel 
spreche  nur  von  einem  Gräuel,  nicht  von  Gräueln;  mithin  könne  er  da 
nichts  Anderes  meinen,  als  das-s  Kaiser  Constantin  316  den  ei-sten  Paj)st 
eingesetzt  hal>e;  damals  sei  ja  auch  eine  Stimme  vom  Himmel  ei'schollen: 
Heute  ist  ein  Gräuel  in  die  Kirche  eingefülmt  worden.^) 

Gegen  Möller  suchte  ein  mainzer  Jesuitenschüler  Peter  Röst  dar- 
zuthim,  **)  dass  die  AV'orte  Daniels  sich  nicht  auf  den  Papst  beziehen 
köjmtcu.  Im  Uebrigen  vermieden  die  Katholiken,  auf  eine  Widerlegung 
dieser  wunderlichen  Deutungen  der  Prophezeiungen  näher  einzugehen. 

1)  N.  11  de«  Anhaiii?«  fo).  2 f|?. 

2)  S.  2‘1  de«  Anhuogiü  U«ber  den  Verfa«Äer  Vjfl.  Zedier«  UniversallexicGn  g.  v. 

N.  6 des  Anhang«  Vj;l.  Ka  I tc  n bronu  er  Da«  di»rt  erwähnte,  dem  Reich«ta)^^ 

vorjrclc;fte  Werk  über  die  Berichtiguntr  der  Jahresrechnnn^  verspricht  auch  hier  in  nächster 

Zeit  zu  TerofTentlichen.  Ansserdetn  verweist  er  wiederholt  auf  die  Vorrede  eines  15H4  von  ihm  heraus- 
^egrebenen  Xnleiiders,  den  ich  nicht  kenne 

4)  Unter  den  Gröndeii  für  die  Nälie  des  jüof^ton  Tages  führt  Möller  ausser  der  Verderbtheit 
diT  Menschen  auch  an.  das«  sieh  die  Kräfte  des  Himmels  so  stark  bewe^  und  das  standhafte  Flr* 
mamont  so  sehr  ^enkt.  Um  von  der  Sonne,  von  welcher  es  feststeht,  zu  scliweigeo,  er,  hat 
sich  auch  ein  atuJercr,  noch  unbekannter  •Motus*  so  sehr  geneigt,  dass  e«  nicht  zu  glauben  wäre, 
wenn  es  nicht  bemerkbar  würde,  dass  dadurch  ein  so  grosser  Irrtum  in  die  Astronomie  eingeführt 
worden  i*t. 

’i)  K.  24  de«  Anhaoga. 


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ebenso  aber  auch,  die  Verbindlichkeit  der  nicänischen  Vorschrift  und  die 
Notwendigkeit  des  Zurückgehen.s  auf  den  21.  Mäi-z  zu  erörtern. 

VIII. 

.lene  Ausführungen,  dass  der  Papst  der  Antichrist  sei,  führen  uns 
nun  zum  wahren  Grunde  der  Ablehnung  des  neuen  Kalenders. 

Schon  das  neastädter  Gutachten  bemerkte:')  „Ob  Gregorius  XIII  in 
dieser  vielfältigen  S{>altung  und  billigen  Verachtung  des  Papstes  und 
seiner  Gesetze  einen  erneuerten  und  verbesserten  Kalender  werde  können 
insgemein  cinführon,  das  wird  man  sehen.  Hätten’s  die  vorigen  Päpste 
gethan,  als  sie  noch  ihr  Ansehen  und  Gehör  hatten,  so  wäre  es  nun 
ge.schehen.  Jetzt  ist  es  dahin  geraten  mit  der  päpstlichen  Heiligkeit, 
dass  sie  dermassen  verhasst  und  abscheulich  ist  in  vielen  Landen  und 
Völkern,  voraus  in  Deutschland,  dass  sie  Alles,  was  von  ihm  und  von 
Rom  herkonunt,  verwerfen  und  fliehen,  als  wanns  vom  Teufel  und  aus 
der  Hölle  käme,  wann  es  gleich  gut  ist.“ 

Diesen  Hass  forderte  die  päpstliche  Einführungsbulle  in  die  Schranken. 
Wir  erwähnten  bereits,  welchen  Eindruck  sie  bei  den  evangelischen  Stän- 
den hervorbrachte.  Die  in  der  Folge  entstandenen  Flugschriften  und  Gut- 
achten führen  einhellig  aus.  dass  die  Ablehnung  des  Kalenders  Gewissens- 
jiflicht  sei,  weil  der  PajMst  die  Aenderung  als  eine  rein  kirchliche  Ange- 
legenheit behandle  und  die  Annahme  mit  Berufung  auf  die  Concilien  von 
Nicäa  und  Trient  sowie  auf  seine  Amtsgewalt  und  mit  Androhung  des 
Bannes  befehle.  Füge  man  sich  da.  so  werde  man  die  evangelische  Frei- 
heit aufgeben  und  sich  stillschweigend  den  genannten  sowie  allen  anderen 
Concilien  und  der  päjistlichen  Gerichtsbarkeit  wieder  unterwerfen.  Von 
nun  an  sah  man  in  der  Kalenderänderung  nur  eine  schändliche  Praktik, 
durch  welche  der  Papst  sich  die  evangelische  Kirche  wieder  unterwerfen 
oder  die  Katholiken  zu  blutigem  Kriege  gegen  deren  Anhänger  hetzen 
wolle.  *) 


1)  N-  2 de«  Anhangs  p.  1^. 

2)  Schon  das  ijedenkeu  fltr  die  «mberger  Regierung  batte  diesen  Vevdacbt  ansgesprochen. 
N.  11  de«  Anhangs  fol.  I66a.  Ausser  den  tm  folgenden  AngefQhvten  s.  Macstlio  K.  U des  Aii' 
hangs  fol.  47  fg.  Plieninger  N.  p.  2.1  fg.  Hecrbrand  N.  13,  p.  1 fg.  Seholin  N l>f 


52 


Mit  der  wüsten  Leidenschaftlichkeit  jener  Zeit  werden  diese  Gesichts- 
punkte geltend  gemacht. 

Johann  Magirus,  Propst  zu  Stuttgart,  schickte  der  uns  schon  be- 
kannten Schrift  Üsiimdei'8 ')  eine  empfehlende  Vorre<lo  voraus,  worin  er 
sagte,  da  es  klar  sei,  dass  der  Papst  diu’ch  seinen  Kalender  nichts  An- 
deres bezwecke,  als  in  Deutschland  eine  grosse  Trennung  in  kirchlichen 
und  weltlichen  Angelegenheiten  und  die  Aufhebung  des  lleligionsfriedens 
und  der  christlichen  Freiheit  zu  bewirken,  so  müsse  solchem  arglistigen 
V'omehmen  begegnet  werden,  „denn  was  diese  listigen  Füchse  und  gräu- 
lichen Wehrwölfe,  dieses  Pa])stes  Gregorii  Vorfahren  hievor  für  Jammer 
in  Deutschland  angestiftet,  auch  anzustiften  sich  unterstanden,  das  sei 
mehr  denn  zuviel  am  Tage,“  und  wiü-den  alle  Gutherzigen,  die  (Jiristus 
von  Herzen  liebten  und  dem  Widerchrist  feind  seien,  üsiander  seine  aus- 
schliesslich gegen  den  Pajist  gerichteten  Ausführungen  nicht  als  allzu- 
scharf verdenken,  da  ja  bei  verständigen  und  in  Gottes  Wort  erfahrenen 
Christen  kein  Zweifel  mehr  bestehe,  dass  der  Papst  der  Antichrist  und 
ilie  babylonische  Hure  sei. 

Osiander  selbst  übte  zunächst  wieder  seinen  pfäffischen  Witz.  Petrus, 
versichert  er,  hat  imsbesondore  von  den  Päpsten  geweissagt,  das-s  falsche 
Lehrer  unter  ihnen  aufstt^hen  wüurden.  Diese  haben  einige  Jahrhunderte 
lang  Alles,  was  die  einfiUtigeu  Christen  von  ihnen  genommen,  um  Geld 
verkauft,  so  dass  sie  des  täglichen  Handelns  gewohnt  waren  wie  die 
Diebe  des  Steldens,  bis  mau  sie  hängt.  Durch  Luther  aber  hat  Christus 
ihnen  den  Ablas-skram  umgestossen  „und  ihre  Ablassbriefe  so  imwert  ge- 
macht, dass  tei  recht  vei'stündigen  Christen  die  Hunde  möchten  darim  etc.“ 
Daher  will  jetzt  Gregor  XIll  statt  der  Ablassbriefe  Kalender  verkaufen, 
welche  noch  mehr  Vorteil  bringen  würden  als  jene,  da  sie  jährlich  und 
von  Jedem  gekauft  w’erden  müssten.  Kr  sucht  ein  Monopol  für  diesen 
Handel  zu  errichten,  indem  er  ilurch  eine  eigene  Bulle-)  bei  Bann  und 


p.  10  fir*  Aueb  Laiidj'raf  Wilbeliu  von  H»«u‘n  sagtp  in  ««iaein  Schreiben  vmu  o/15.  Ueceinber 
Der  KHlendcr  sei  nicht  ein  roin  politincbes  Werk  nnd  man  dürfe  nicht  dem  Papste  die  Befu^is  ein' 
raamen.  die  Feste  seini’K  Ciefaliens  zu  ändern,  noch  sich,  du  diut  Work  ex  mandato  papae  herlliease, 
durch  die  Annahme  mittelbar  der  päpstlichen  Gewalt  uaterwerfen. 

1)  N.  7 des  Anhangs. 

Die  Bulle:  ,Cum  not«  »uper*  vom  Ü.  April  bestimmte,  dass  Niemand  während  der 


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53 


tausend  Ducaten  Strafe  den  Nachdruck  seines  Kalenders  verbietet,  nach- 
dem er  in  der  Einführungsbullo  die  Beobachtung  eines  anderen  untei-sagt 
hat.  Mono})ole  aber  sind  in  den  Iloichsgesetzen  verboten  und  es  ist  un- 
billig, den  Christen  wehren  zu  wollen,  dass  sie  dies»;  wie  andere  Waaron 
nach  ihrer  Gologeuheit  kaufen. 

Weiterhin  spricht  dann  Üsiander  ernsthaft,  indem  er  bemerkt:  Der 
Pajjst  weiss  recht  wohl,  d:iss  die  evangeliscdien  Iteichsstände  den  Kalender 
auf  seinen  Befehl  nicht  aimehmeu  werden.  Er  will  daher  durch  iliesen 
lediglich  die  Zwietracht  und  das  Mistrauen  im  Reiche  vermehren,  damit 
unter  den  Ständen  und  Unterthanen  tägliche  Händel  entstehen  luid  viel- 
leicht eimiial  ein  blutiges  Gcrauf.  Durch  kein  anderes  Mittel  hätte  der 
I'ajKit  die  Deutschen  mehr  gegen  einander  hetzen  können.  Er  wird  den 
Ruhm  eines  Uerostratus  erwcrbon.  Aber  es  ist  ihm  auch  noch  um  ein 
Anderes  zu  thun.  Der  Papst  weiss,  dass  etliche  Päpstische  in  Deutsch- 
land ihn  nicht  so  hoch  achtiui,  wie  er  möchte,  und  er  weiss  also  nicht, 
wessen  er  sich  zu  ihnen  zu  veiseheu  hat.  wenn  er  künftig  einmal  ein 
Blutbiul  gegen  die  Protestanten  in  Deutschland  anrichten  möchte.  Da 
will  er  mm  mit  dem  Kalender  die  Probt:  machen.  Wer  ihn  nicht  an- 
nimmt,  dom  wird  der  Papst  l>ei  seinen  Anschlägen  nicht  vertrauen,  son- 
dern ihn  für  insgeheim  halb  oder  ganz  lutherisch  halten,  und  das  wird 
ihm  zur  blutigen  Vollstreckung  des  Concils  von  Trient  mit  welcher  die 
Päpste  seit  längerer  Zeit  schwanger  gehen,  dienlich  sein.  Er  verrät 
seine  geheimen  Absichten  unwissend  durch  sein  Wap])en  auf  dem  Titel 
des  Kalenders : einen  grossen  Drachen,  mul  durch  das  Buchdruckoi'zeichen 
am  Ende : eine  Katze  mit  einer  Maus  im  Maule.  ')  Der  Drache  will,  w'ie 
er  l>ereits  in  Italien,  Spanien  und  Frankreich  gethan,  auch  in  Deutsch- 
land umhertliegen,  die  Christen  durch  diu  Jesuiten  mit  falscher  Lehre 
vergiften  und  ein  Blutbad  anrichten.  Die  Katze  möchte,  nachdem  sie 

DttcliütoD  zehn  Jahre  «teo  ueueti  KaleitJer  uboe  (.icncbuuguug  J«»  Antuniu  Lilio  un<l  eeloer  Erbt'n 
«irneken  niut  vitrkaafen  »olle.  Zuwiilerhandelmlt'  eolle  im  KircheriNtiUit  Verlust  der  UQclicr  uoil  eine 
Strafe  von  lOfiÜ  Ducaten.  im  ÄUülande  die  groeK«  KxcommnDlcatioo  treffen,  von  welcher  nur  der  Papst 
lösen  knnni*.  Knlendariam  tiregoriaoum  l'erpetuuin,  Itoma«  fol.  4.  Schon  eine  Halle  vom  20. 

vember  15:^2  erlaubt«  jedoch  allen  Katholiken  ilen  Xachdrnck,  X.  4 des  Anhangs  fol.  f>b,  was  Kal* 
tenbrunnor  51^  Anin.  2 übersah. 

t)  Die  römische  Ausgabe  des  Kalenders  von  I*»IS2  zeigt  das  Wapi*eu  Gregors  mit  dem  Drachen, 
dagegen  nicht  die  Katze.  Die  von  Oslander  bezeichnet«  Aaagabe  kenn«'  ich  nicht. 


i 


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54 


lange  in  Religionssadien  heitniich,  ini  Sückel  der  Christen  aber  öffentlich 
gemaust  hat  den  armen  Christen,  mit  welchen  sie  wie  mit  einer  Maus 
gespielt  hat,  den  Garaus  machen.  Alwr  Gott  wird  dieser  blutgierigen 
Hetichler  endlich  auch  müde  werden  „und  ihnen  das  unschuldige  Blut 
seiner  Christen,  das  sie  nun  viele  .lahre  her  vergossen,  auf  ihren  Kopf 
be/Kihlen  und  sollte  er  gleich  lien  Türken  ilazu  gebrauchen“. 

Dieselben  beiden  Absichten  wie  hier  Osiander  schieben  auch  die 
„Bauemklage“  und  ein  „Kalenderlied“  ’)  dem  Papste  unter.  Dagegen 
begnügte  sich  mit  der  ersten,  allerdings  erweiterten,  die  Vorrede,  mit 
welcher  Luthers  .\eusserungen  über  das  Osterfest  veröffentlicht  wurden.*) 

In  echt  theologischem  .Stile  erzählt  ihr  Verfasser:  Es  ist,  Gott  sei 
Lob  und  Dank,  in  diesen  unseren  und  den  uns  twnachbarten  Kirchen 
weit  und  breit  dahin  gekommen,  dass  nach  den  Schriften  der  hl.  Pro- 
pheten, Evangelisten  und  Apostel  zum  grossen  Nutzen  vieler  gottseligen 
Herzen  die  geistreichen  und  voller  Trostes  und  Lehre  steckenden  Schriften 
des  seligen  Gottesmannes  Lutheri  gelesen  und  geltraucht  werden.  Wieviel 
das  armen  Seelen  genutzt  hat,  wollen  wir  mit  F'reuden  am  jüngsten  Tage 
sehen,  wo  unzählig  viele  Seelen  erscheinen  und  Gott  invig  Lob  singen 
werdim,  welche  dem  Gifte  der  trüben  jnäpstischen  Pfütze  und  des  ver- 
gifteten Krötentümpels  in  grosser  ^^.attigkeit  enttiogen  waren,  aber  aus 
diesen  schönen,  hellen  Brünulein.  die  aus  dem  lautersten  Worte  Gottes 
hertliessen.  sich  zur  Seligkeit  erquickt  haben.  Das  ist  auch  dem  Pa]>ste 
um!  seinen  Dienern,  die  in  Gleisnerei  Lfigenredner  sind  und  das  Brand- 
mal der  falschen  Lehre  in  ihrem  Gewissen  haben,  alter  dennoch  die 
Wahrheit  in  Ungerechtigkeit  aufhalten  und  also  Viele  verführen,  sehr 
wol  bekamit,  indem  sie  den  seligen  Abfall  vieler,  ja  unzähliger  .Seelen 
von  ihrer  Abgötterei  uml  öffentlichen  Lästerung  Gottes  weit  und  breit 
in  allen  Ländern  erfahren  haben.  Ditshalb  hätte  ich  seit  Beginn  de.s 
Kalenderstreites  gewünscht,  dass  Luthers  Bedenken  darüber  den  Christen 
auch  abgesondert  mitgeteilt  würde.  Dies  jetzt  selbst  zu  thun,  bestimmt 
mich  ein  sehr  wehmütiges  Schreiben  eines  Adlichen,  der  in  der  Nähe 
von  da  sitzt,  wo  das  Paj)sttum  mit  Gewalt  regiert,  und  der  wol  weiss. 


1)  N.  9 und  2*^  de»  Anbaiig». 

2)  N.  15  dea  Anhangü. 


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dä 


was  aus  dem  Kalender  folgen  muss.  Denn  ob  nun  die  Neuerung  richtig 
oder  unrichtig  sei,  „so  ist  das  gewiss,  dass  das  Tier  mit  den  sieben 
Häuptern  und  zehn  Hörneni  und  den  sieben  Kronen  und  den  Namen 
der  Lästerung  auf  jenen  dies  Werk  nicht  vorgenommen  hat,  um  der 
Kirche  Nutzen  oder  der  Zeit  Richtigkeit  anzurichten,  sondern  es  ist  iler 
Teufel,  welcher  dem  hl.  Macario  1x>gegnete  mit  vielen  Büchsen  liehangen 
und  als  er  von  Macario  gefragt  ward,  was  die  vielen  kleinen  Büchsen 
bedeuteten,  sagte  er,  es  wäre  in  einer  jeden  eine  solche  Sünde,  womit 
er  die  Menschen  vei-suchte Gleichesfalls  thut  dies  Thier  auch.“  Wie- 

viel Anschläge  hal>en  die  Päpste  nicht,  um  früherer  Zeiten  zu  geschweigon, 
seitdem  das  Licht  des  Evangeliums  entzündet  ist,  ausgehockt,  um  es  aus- 
zulüsclien  und  „ihren  untüchtigen  Krempelmarkt  von  Totenlwinen,  Vigi- 
lien und  Seelenmessen  den  Unverständigen  und  denen,  die  in  der  Fin- 
sternis und  dem  Schatten  des  Todes  bei  ihnen  sitzen,  wieder  zu  ver- 
kaufen“. Alles  war  vergeblich.  „Jetzt  aber  hat  der  Papst  eine  neue 
Büchse  aufgethan  und  den  (triff  herausgelangt,  womit  er  sich  listiglich 
vorgenommen  hat.  alle  Nationen,  die  noch  unter  seiner  Stock uieisterei 
liegen,  in  Handel,  Wandel  und  Kaufmannschaft  von  den  Deutschen,  denen 
sie  sonst  nicht  übel  gewogen,  abzuwenden,  die  Deutschen  unter  einander 
selbst  in  einander  zu  hängen,  den  jwlitischen  Frieden,  den  noch  die 
Fürsten  trotz  ungleicher  Religion  unter  einander  haben,  zu  zerreissen, 
die  Herzen  gegen  einander  zu  verbittern  und  den  armen  gemeinen  Mann 
auch  mit  ins  Sjiiel  zu  bringen,  ob  Deutschland  sich  in  sich  selbst  ab- 
matten  und  auffi'es.sen  wollte.“ 

Ebenso  führte  eine  höchst  merkwimlige  [lolitische  Flugschrift ')  den 
neuen  Kalender  unter  den  Mitteln  auf,  duich  welche  der  Papst  den  in 
Frankreich  und  in  den  Niederlanden  wütenden  Ileligionskrieg  nach  Deutsch- 
land übertragen  wolle ; er  liealisichtige  dadurch  den  kirchlichen  Zwie- 
spalt zu  verschärfen  und  zu  verhüten,  dass  Katholiken  und  Protestanten 
sich  im  Umgänge  befreundeten. 

Ein  Keimschmied  Hess  sogar  die  Katholiken  den  Papst  zur  Blutarbeit 
auffordeni.  in<lem  er  dichtete:  -) 


1)  ü«  cau»a  Colonienu  btevi»  «t  perapicoii  Commentotio. 'l.'iSS.  VerlMuC  ist  'iie  Schrift  woi  15s;t. 
*2)  K.  22  tlca  Anhangs. 


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Erhalt  uns  Papst  bei  deinem  Wort 
Und  steur’  Allen  mit  Krieg  und  Mord. 

Die  dich  nicht  fürchten  und  dein  Mom,  *) 

Wölln  .«tUraen  dich  vom  Stuhl  stu  Ifom- 

Reweis  dein  Macht  mit  allem  List. 

Weil  du  Herr  aller  Herren  bist. 

Und  r.wing'  die  Reichsstadt  allgemein 
Zn  halten  den  Kalender  dein 

0 starker  Geist,  des  Papstes  Herd, 

Schaff  den  Sauiten  *)  Fried  auf  Erd’, 

Die  Luth'rischen  .schlag  all  au  Tod: 

Das  ist  ihrs  Heraen  Freudenbot. 

So  werden  .sie  erkenneu  uoch, 

Dass  du  au  Rom,  Papst,  lebest  noch 
Und  der  Welt  Fürst  mit  seiner  Schaar, 

Die  sich  auf  dich  verlassen  gar. 

Verleih  uns  Gelt  g'nug,  bitten  dich, 

0 Papst,  an  diesen  Zeiten. 

Auf  dass  wir  können  kräftiglich 
Dein'  Kniender  bestreiten 
Hie  und  auf  allen  .Seiten. 

In  nij'stischer  Weise  hehnndelte  wieder  Plieninger  die  Frage  nach 
den  Absichten  des  Pajistes.  Das  Papsttum,  sagt  er,  ®)  hat  die  drei  Grade 
erlangt,  welche  jedes  Keich  dnrchmacht:  Wachsen.  Griisse  und  Verfall. 
Er  hat  erst,  den  Primat,  dann  da«  Patrimonium  imd  endlich  die  Inve- 
stitur an  sich  gebracht.  Dazvi  diente  ihm  vor  allem  das  Sehafsfell, 
nämlich  das  Vorgelien,  dass  es  ihm  um  die  Kirche  Christi  zu  thun  sei. 
Unter  diesem  Schafskleido  aber  verbergen  sich  drei  Tiere,  die  ihm  zur 
Erreichung  jener  drei  Güter  behülflich  waren:  erstens  die  Natter  der 
Klugheit  und  Voraicht,  wodurch  er  zum  Primat  kam,  von  dem  aus  er 
dami  das  Gift  der  Natter,  die  Menschensatzungen  und  iius.serlichen  Ccro- 
monien  in  die  Kirche  goss;  zweitens  der  Fuchs  der  List  imd  des  Be- 


1)  Muhme?  Etwa  f^Ieicb  ilea  Tcofela  Gro^smatter. 

2)  Jesuiten. 

3)  N.  8 des  Anhangs  p.  43  fg. 


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tniges,  wodurch  er  Land  und  Leute  gewann  und  als  das  kleine  Hora 
drei  der  zehn  Hörner  Daniels  erniedrigte,  und  drittens  der  Wolf  des 
Tobens  und  Blutvorgiessens,  womit  er  die  Investitur  und  die  Hoheit  über 
Kaiser.  Könige  und  Fürsten  erlangte.  Er  hat  die  Fürsten  gegen  den 
Kaiser  und  gegen  einander  gehetzt  und  sie  mit  Fluch  und  Bann  seinen 
Gesetzen  unterworfen.  Dann  ist  der  Papst  ins  Abnohmen  geraten.  Seit 
kurzem  aber  sucht  er  sich  wieder  aufzurichton  durch  Mord,  Blutver- 
giessen  und  die  Inquisition  wie  in  Frankreich,  Spanien  und  den  Nieder- 
landen, welche  er  mit  Krieg  erfüllt  hat.  Da  ihm  dies  in  Deutschland 
wegen  des  Keligionsfriedens  noch  nicht  gelungen  ist,  hat  er  einen  anderen 
Weg  erdacht,  um  sich  die  Reichsstände  wieder  zu  unterwerfen,  indem  er 
sie  uneinig  macht  und  gegen  einander  hetzt.  Zu  dem  Zwecke  hat  er 
seinen  Kalender  erfunden.  Nehmen  die  Stände  ihn  an,  so  machen  sie 
sich  ihm  unterwürfig;  andernfalls  kann  er  sie  in  Zwietracht  bringen,  den 
Religionsfrieden  aufheben,  die  Inquisition  einlühren,  Aufruhr  und  Blut- 
vergiessen  anstiften  und  so  seine  Herrschaft  horsteilen.  Dazu  braucht  er 
alle  Mittel  seiner  Vorfahren,  Schlangenklugheit,  Fuchsliat  und  Wolfsart 
zugleich  unter  dem  Schaffell  des  christlichen  Namens;  Sehlangenklughcit, 
indem  er  einen  Gegenstand  vornimmt,  der  auch  bei  Geleluden  ein  An- 
sehen hat;  Fuchslist,  indem  er  seinen  Kalender  zunächst  nur  den  papi- 
stischen P’ürsten  schickte  und  ihn  einführen  Hess,  ehe  auf  dem  Reichstage 
darüber  beraten  war  und  ehe  seine  Einführungsbulle  bekannt  wurde; 
Wolfsart  endlich,  indem  er  in  jener  Bulle  die  Bischöfe  ermahnt,  den 
Kalender  im  Notfälle  auch  mit  dem  Schwerte  einzuführen, ')  und  dies  ist 
der  Hauptzweck  des  Papstes,  nämlich  den  RoHgionsfrieden  aufzuheben 
und  Blutvergiesson  anzustiften,  damit  er  wieder  zu  seiner  Hoheit  im 
Reiche  komme. 

Hier  gellt  nun  Plieninger  zu  politischen  Betrachtungen  über,  wie  sie 
in  jener  durch  die  französischen  und  niederländischen  Glaubenskämpfe 
erregten  Zeit  häufig  angestollt  wurden,  doch  verliert,  er  sich  bald  wieder 
in  astrologische  Schwärmereien.  Wird  der  Papst  den  Zweck  seines  Ka- 
lenders erreichen?  fragt  er  und  antwortet:  Danach  trachten  mit  jenem 
seine  falschen  Ajxistel,  die  Jesuiten,  und  liemühen  sich  nicht  nur  heimlich 

1)  Aaf  welche  Stelle  der  Bolle  hier  angespielt  wird,  rermtg  ich  nicht  in  deaten. 

Abh.  d.  III.  CI.  (I  k.  Ak.  d.  WtM.  XV.  M.  III.  Abth.  8 


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58 


darum,  sondern  auch  in  öffentlichen  Scliriften  wie  denen  von  Callidius 
und  Eder. ')  Bei  vielen  Fürsten  und  Herren  sieht  es  aus,  als  hätten  sie 
Lust  solchen  Ratschlägen  zu  folgen,  und  offenbar  stehen  grosse  Ver- 
änderungen bevor.  Welchen  Nutzen  aber  der  Krieg  bringen  würde, 
lehi’en  die  Geschichte  und  das  Beispiel  von  Frankreich  und  Nioderland, 
wo  der  Pa|tfit  den  Kainj>f  entzündet  hat.  Die  deutschen  Papisten  mögen 
nicht  glauben,  dass  sie  die  stärkeren  und  des  Sieges  gewiss  seien.  Auch 
ist  das  Reich  schwach  und  es  wird,  wenn  innere  Unruhen  ausl)rechen, 
den  auswärtigen  Feinden,  den  Franzosen,  Türken  und  Anderen  znm  Raube 
werden.  I^asst  Euch,  ihr  Fürsten,  daher  nicht  durch  den  Paj>st  und  die 
Pfaffen  verhetzen,  ruft  Plieninger  aus.  Sonst  ward,  wie  Johann  Agricola 
von  Eisleben  in  seinen  Sprichwörtern  1525  pi-ophezeit  hat,  Deutschland 
bald  im  Blute  schwimmen.  Leider  scheint  es,  als  solle  sich  die  Prophe- 
zeiung doch  erfüllen.  Darauf  deuten  seit  dem  im  Jahre  1572  erschienenen 
Wnnderstern  viele  Zeichen  wie  der  grosse  Komet  von  1577  und  die  Er- 
scheinungen von  1582,  wo  z.  B.  der  Mond  am  3.  März  zwischen  acht 
und  neun  Uhr  Abends  das  Gesicht  eines  verhüllten  Weibes  angenommen, 
sich  nahe  zur  Erde  niedergelassen  und  sechs  bis  sieben  Mal  mit  hellem 
Geschrei  „Wehe“  gerufen  hat  Gerade  am  Tage  der  Kalenderänderung, 
am  10.  October,  ist  ein  schreckliches  Gewitter  über  fast  ganz  Deutsch- 
land gegangen,  welches  zu  Wien  den  vor  zwei  Jahren  aufgerichteten 
Doppel.'wller  zcmdimetterte  und  das  eiserne  Kreuz  von  der  Jesuitenkirche 
warf.  Dann  folgten  während  der  geänderten  Monate  gi‘os.se  Wa.s.sertluten. 
„Es  redet  auch  der  Komet,  welcher  vom  14.  Mai  bis  in  den  27.  diese.s 
Jahres  gestanden  ist,  so  doch  die  vorhergehenden  Kometen  ihre  Bedeutung 
nicht  zu  Ende  geführt  und  noch  nicht  ausgeredet  haben.  Und  wird  auch 
reden  in  diesem  1583.  Jahr  die  grosse  Coniunction  *)  und  Zusammenkunft 
der  Planeten  zu  Ende  des  wässerigen  Triangels  im  Zeichen  der  Fische, 
wie  auch  im  Jahre  1524  dergleichen  Conjunction  gewesen,  darauf  dann 


1)  S.  über  Eder  und  rerwindte  Sehrillen;  Briefe  und  Acten  rar  Geachichte  dee  dreiuizjährigen 
Krief^  IV,  144  fg.  Oie  mir  damnls  noch  nnbeknnnte  Schrift  dee  Callidini  erschien  1.579  in  Lnxem- 
bnrg  unter  dem  Titel:  Apologii  Cornelii  Callidii  Chrjsopolituni  in  orationem  Philippi  de  Marnix, 
domini  de  S.  Adelgonda  pro  Serenisf.  arcfaiduce  Austriae  Matthia  et  ordinibne  Belgicis  ad  delegatoa 
Septemrirnm  caeterornroqne  Principum  ct  Ordinnm  S.  J.  Wormatiano  eoorentn  hahitam  mense  Uaio 
1578  n.  e.  w.  4”. 

2t  Vgl.  S.  Änm.  4. 


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59 


gleicli  das  nächste  Jahr  hernach  der  Bauernkrieg  erfolget  und  die  anderen 
Jahre  hernach  viel  Kriege  in  Italien  entstanden  sind,  auch  llom  einge- 
nommen worden  ist.  Diese  jetzt  angehende  Conjunction  aber  hat  um  so 
mehr  zu  bedeuten,  weil  sie  zu  Ende  des  wässerigen  Triangels  geschieht 
und  zu  Anfang  des  feurigen  nach  dem  mittlen  und  gleichen  Lauf,  der- 
gleichen dann  iimerhalb  800  Jahren  einmal  geschieht  und  ist  der  Himmel 
also  gestanden  zur  Zeit  der  Erschaffung  der  Welt,  item  vor  der  Sündtluts 
item  vor  der  Geburt  Christi  zu  Anfang  der  römischen  Slonarchie,  item 
zu  Anfang  des  deutschen  Kaisertums  unter  Carolo  Magno.  Dieweil  dann 
allwcgen  grosse  Aenderungen  darauf  erfolgt  sind  imd  dies  von  Anfang 
der  Welt  die  siebente  und  letzte  Conjimction  ist,  wiewol  sie  erst  auch 
dem  wahren  Lauf  nach  Anno  1642  vollkommen  ausläuft  und  im  Anfang 
des  feurigen  Triangels  geschieht,  so  kann  Jeder  daraus  erachten,  was  wir 
innerhalb  solcher  Jahre,  nämlich  von  jetzt  an  bis  in  das  60.  oder  70.  Jahr, 
zu  erwarten  haben,  nämlich  die  allerletzten  Aenderungen,  mit  welchen 
der  Himmel  und  die  Natur  iliren  Lauf  und  das  Werk,  dazu  sie  von  Gott 
bestimmt  und  verordnet  sind,  verrichten,  erfüllen  und  zu  Ende  führen 
wenlen.  Sonderlich  al>er  sind  diese  künftigen  zwanzig  Jahre  wol  wahr- 
zunehinen,  weil  es  die  Jahre  mntationis  a>|uei  trigoni  in  igneum  sind,  in 
welchen  allwegen  die  grössten  Aenderungen  und  Unruhen  sich  begeben 
haben,  denn  Anno  1603  geschieht  erst  die  vollkommene  Conjunction  der 
Planeten  im  feurigen  Trigono.“  Mit  umständlichen  Rechnungen  und  mit 
Zusaininenstcllung  der  Ereignisse  des  alten  Bundes  und  der  christlichen 
Geschichte  sucht  dann  Plieninger  den  Beweis,  dass  das  Weitende  nahe  sei, 
zu  vei-stärken,  imd  bezeichnet  daraufhin  schliesslich  die  Kalcndcrändorung 
als  das  letzte  und  dritte  Wehe,  welches  der  siebente  Engel  der  Aj)okalyjise 
mit  der  sielienton  Posjmne  über  die  Welt  geblasen.  Der  Kalender  wird 
dem  Papste  Anlass  gel>en,  die  grosse  Verfolgung  ins  Werk  zu  setzen,  von 
welcher  die  Apokalypse  spricht  Daniel  gibt  dein  Reiche  des  Antichrists 
1290  Jahre,  indem  er  nicht  wie  die  1260  Jahre  berechnende  Apokalypse 
den  Anfang,  sondern  das  Ende  des  Verfalls  seiner  Herrschaft  bezeichnet. 
Mithin  haben  wir,  wenn  man  vom  nieänischen  Concil  an  zählt,  noch 
dreis.sig  Jahre  bis  zum  Ende  der  Regierung  des  Antichrists,  nur  noch 
zwanzig  alier,  wenn  wir  die  Zählung  mit  der  Freigebung  der  Kirche  im 
Jahre  312  anfangen  und  also  den  Beginn  des  Verfalls  und  der  Verfolgung 

8* 


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des  Antichrists  auf  1572,  das  Jahr  der  Bartholomäusnacht,  setzen.  Bis  zum 
Weitende  sind  noch  etwa  siebzig  Jahre  zu  rechnen. 

Weniger  weitreichende  Absichten  als  die  Mehrzahl  der  Protestanten 
schrieb  ein  Kalenderlied ')  dem  Pap.ste  zu,  welches  ihn  mit  dem  atheni- 
schen Dichter  Kinesias  verglich,  der  nur  darauf  gesonnen  habe,  .\lles 
anders  zu  machen  wie  die  übrigen  Menschen.  Das  unflätige  Machwerk 
überhäufte  Gregor  deswegen  mit  Schmähungen  und  bczeichnete  ihn  als 
toll  und  lotterbubisch,  als  den  rechten  und  echten  Papstesel.  Einen  ganz 
eigentümlichen  Grund  aber  heckte  ein  „Bauerngespräch“  aus,*)  welches 
1584  von  dem  sächsischen  Pfarrer  Caspar  Füger  veröflfeutlicht  wurde  und 
hier  um  so  mehr  eingehende  Besprechung  verdient,  als  es  zeigt,  mit 
welchen  Mitteln  der  Verfas.ser  und  seine  Amtsgenossen  den  Glaubenhass 
ihrer  Bavieru  schürten. 

Zwei  Bauern  gehen  mit  ihren  Weibern  ins  Wirtshaus,  mn  zu  zechen, 
da  Alles,  was  sie  zur  Stadt  bringen,  jetzt  hoch  Iwzahlt  wird.  Da  erzählt 
Merten:  Ich  fuhr  jüngst  einen  Mann  nach  Böhmen;  dort  war  letzten 
Sonntag  Christus  schon  auferstanden,  sie  trugen  ihren  Fladenherrgott  um 
die  Kirche  herum  und  die  Leute  assen  Osterfladen,  geweihte  Schultern 
und  Anderes.  Der  Papst  hat  nämlich  auf  der  ganzen  Welt  ungeordnet, 
eiuen  von  ihm  neu  gemachten  Kalender  zu  beobachten,  damit  <.)stern  an 
dem  Tage  gefeiert  werde,  wo  Christus  aufeirtanden  sein  soll.  Wie?  fragt 
ei-staunt  der  andere  Bauer,  Pebel:  Sollte  denn  der  Papst  an  die  Aufer- 
stehung der  Toten  glauben?  Unser  Pfarrer  hat  letzthin  im  Kretscham*) 
erzählt,  er  habe  von  einem  neulich  aus  Welschland  gekommenen  Doctor 
gehört , dass  man  zu  Rom  nicht  viel  von  der  .Vuferstohung  und  dem 
ewigen  Leben  halte;  es  werde  selten  davon  gepredigt  und  wenn  man 
den  Leuten  davon  spreche,  so  hielten  sie  es  für  ein  Mährchen;  ja,  der 
Papst  selbst  suche  durch  die  Fabel  von  Christus,  wie  er  das  Evangelium 
nenne,  nur  Geld.  Ich  meine,  er  hält  das  Evangelium  für  einen  Schnabel, 
mit  dem  er  Alles  an  sich  roissen  will,  der  Antichrist,  „Unser  Pfarrer 
sagt,  dass  er  der  Entechrist  sein  soll,  denn  er  weiset  uns  auch  ein  Bild, 


1)  N.  15  dc4  Anhangs. 

2)  N.  20  det  Anbanp.  Den  VerfaBser  nennt  Johann  Haacb  in  N.  29  des  Anhangs  fo),  9. 
.'I)  Wirtphau«. 


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61 


das  er  mit  sich  hat  ans  der  Stadt  gebracht,  da  waren  Christus  und  der 
Papst  gegen  einander  gemalt,  also  dass  man  eigentlich  daraus  vernehmen 
konnte,  dass  der  Papst  der  Entechrist  sein  müsse,  denn  er  sieht  Cliristo 
so  gar  gleich  wie  der  Wolf  einem  Schafe  oder  der  Fuchs  einem  Hasen.“ 
Der  Pa])8t  reitet  in  stolzer  Pracht  auf  einem  weissen  Hengste,  Christus 
bescheiden  auf  einem  geliehenen  Mühlesel.  u.  s.  w. 

•Merten:  Ja,  ja!  Der  Papst  ist  Christus  gleich  wie  der  Kuckuck  der 
Grasmücke.  „Wie  ich  dann  auch  vielmal  von  euerem  und  anderen  Pfar- 
rern höre  losen,')  man  hat  im  Papsttum  geglaubt  mul  glaubt’s  auch 
noch,  dass  nur  drei  Reiter  im  Himmel  sind  und  hineingehören;  der  Ritter 
S.  Georg,  der  liebe  Herr  S.  Merten  und  unser  lieber  Herr  und  Heiland 
Jesus  Christus.  Darum  so  muss  der  vierte  Reiter,  der  Papst,  in  Himmel 
nicht  eingelassen  werden.  Er  gehört  auch  nicht  hinein,  sondern  er  wird 
lebendig  in  den  feurigen  Pfuhl,  der  von  Schwefel  brennt,  nebst  seiner 
ganzen  Reiterei  geworfen  werden,  wie  in  der  Offenbarung  .Johannis  am 
19.  Capitel  nach  unseres  Pfarrers  Aussag  geschrieben  stehen  soll.“  Pebel: 
D’rum  singen  wir  auch  täglich  in  unserer  Kirche:  Erhalt’  uns  Herr  bei 
deinem  Wort  u.  s.  w.,  „denn  es  sind  doch  Huben,  Monier,  Räuber  und  Blut- 
hunde, der  Papst  wie  der  Türke,  und  sind  die  rechten  Entechristi,  denn,  was 
Christus  geordnet  und  eingesetzet  hat.  divs  ändern  sie,  wie’s  unser  Pfarrer 
zum  oftern  Mal  klar  vorlegt  imd  lioweiset,  dass  .\lles,  wa-s  Christus  in 
seinem  Evangelio  befohlen  hat,  das  gefalle  dem  Papste  nicht.  Mich  ge- 
mahnt es  mit  dem  neuen  Caldandors  gleich  also.  Christus  ist  in  und 
nach  dem  alten  Kalender  geboren;  der  Papst  fürchtet,  er  möchte,  ihm 
zu  rasch  wiederkommen  zum  Gerichte,  darum  hat  er  diesen  neuen  Cal- 
danders  (ich  hätte  schier  gesagt,  Raldauders)  gemacht,  dass  sich  Christus 
veriiTen  soll  unil  nicht  wissen,  wo  er  daheim  sei,  wo  er  sein  Gericht 
nun  anstellen  und  dazu  kommen  soll,  damit  sich  der  Papst  desto  weniger 
davor  zu  fürchten  und  desto  länger  seine  Schinderei,  Gotteslästerung  und 
Bubenstücke  frei  und  ungestraft  treiben  könne.  Gott  strafe  diesen  Buben.“ 
Merten:  Der  Papst  nennt  den  Kalender  einen  ewigwährenden,  um  anzu- 
zeigen, dass  er  nicht  an  ein  jüngste.s  Gericht  luid  ein  Weitende  glaubt; 
ja,  er  soll  so  sicher  sein,  als  müsse  es  Christus  machen,  wie  er  will. 


1}  Da«  Original  bat  nkosen*.  doch  »o!l  ««  gewUa  rede».  b«i«sen. 


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Pebel:  Das  wird  ihm  fehlen,  denn  ich  glaube,  da.ss  Christus  bald  kommen 
und  den  Pa{)st  umbringen  wird. 

Jlerten;  Die  Leute  sind  gar  bestürzt  über  den  neuen  Kalender  und 
sagen,  er  verwin-e  Alles  und  mache  Irrung  in  allen  weltlichen  Händelu. 
Verschreibungen,  Historien,  Jahrmärkten,  (ierichton,  Schifffahrten,  Acker- 
bau, PHügen  und  .Säen  und  Unordnung  in  den  Festen  der  Kirche.  Er 
wird  nichts  Gutes  anrichton.  Pebel:  Wie  soll  er  Gutes  anstiften,  da  man 
die  Osterfladon  zu  so  Unrechter  Zeit  is.st?  Wie  können  sie  Einem  ausser 
der  rechten  Zeit  schmecken?  Ebenso  geht  es  mit  den  Genüssen  aller 
anderen  Feste.  „Zu  Ostern,  wenn  sie  zu  rechter  Zeit  gehalten  worden, 
schineckcm  am  allerbesten  die  dicken  Quark-  ')  und  anderen  Osterfladen 
und  Kuchen,  item  Schultern,  hart  gesottene  Eier  und  lirntwürste,  mit 
den  Schultern  gekocht.  Zu  Pfingsten  scliieast  man  den  Vogel  ab  und 
trinken  wir  unser  Pfingstbier.  Auf  Bartholomäi  schleichen  wir  den  Vö- 
geln nach  und  gehen  mit  der  Eule.  Um  Michaelis  geben  \rir  Zins,  gehen 
die  Kermes  an.  unsere  allorgrösste  Freude  und  Kurzweil  allhier  auf  Erden, 
und  trinken  wir  guten  Most.  Auf  Martini  trinken  wir  den  kühlen  Wein 
und  essen  d.azu  feiste  und  wolgemästete  Gänse.  Auf  Weihnachb-n  schlach- 
ten wir  die  gemästeten  Schweine,  machen  die  Osterechultern  und  essen 
die  grossen  und  andere  Würste  sammt  den  Christwecken  und  Streusselen. 
Und  so  verzehren  wir  die  Zeit,  das  liolnj,  lange  .Fahr  und  uns  <lie  Zeit“ 
Sogar  die  unvernünftigen  Tiere  halten  ihre  Zeit,  wann  sie  kommen  und 
gehen.  Warum  wollen  denn  nicht  auch  wir  unsere  alte  Zeit  halten  und 
uns  nach  dem  alten  Kalender  richten?  „Ja,  auch  das  Vieh  hält  seine 
rechte  Christnacht  unil  steht  in  <ler  alten  und  nicht  in  der  neuen  Clirist- 
nacht  der  Geburt  Christi  zu  Ehren  auf.  Item  es  blühet  darin  auch  die 
Christwurz,  das  Kap])iskraut  trägt  Samen  u.  s.  w.  Item  es  hat  auch  die 
Sonne  ihre  drei  Sprünge  vor  Freude  der  Auferstehung  Christi  noch  nicht 
gethan,  sondern  wird  sie  erst  thun,  wenn  sie  de.s  Morgens  auf  unseren 
fröhlichen  Ostertag  aufgehen  würd.“  Sollten  die  Zeiten  so  geändert  wer- 
den, wie  könnten  wir  armen  Bauern  wissen,  wann  wir  säen  sollen  u.  s.  w. 
Wahrlich  der  Papst  verrät  sich  gleich  der  Sj)itzmau8  selbst  mit  diesem 
seinem  neuen  Baldandere,  „dass  er  der  rechte  Entechrist  sei,  denn  ich 


1)  Eine  Kineart. 


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63 


halw  gehört,  dass  der  Entochrist,  wenn  er  kommen  wird,  auch  die  Zeiten 
verändern  oder  wie  Daniel  sagt,  Zeit  und  Gesetz  zu  ändern,  unterstehen 
(unterstehen,  alwr  nicht  ausführen)  werde.“  Dem  Papste  wird  es  gehen, 
wie  mir,  als  ich  neulich  den  Herrn  im  Hause  spielen  und  meiner  Frau 
Marfa  nicht  mehr  unterthan  sein  wollte:  sie  lehrte  mich  mit  der  Ofen- 
gabel (jehorsam. 

Merten:  Ich  habe  auch  gehört,  da.ss  der  Pap.st  mit  seiueiu  Versticho 
schwerlich  durchdringen  werde,  denn  die  Iteichsstände,  Dänemark.  Schwe- 
den, Schottland,  England,  die  Schweizer  und  Andere  wollen  nicht  ein- 
willigen, ja  die,  welche  ihn  schon  angenommen  liatten,  wie  liaiern  und 
Andere,  sollen  ihn  um  der  Unordnung  willen,  die  er  anrichtet,  wieder 
abgeschafft  haben.  Auch  höre  ich,  d.a.s.s  gelehrte  Sterngucker  ihn  für 
unrichtig  erklären.  Pebel:  Das  ist  recht.  Warum  will  sich  auch  der 
Papst  die  ganze  Welt  unterwerfen?  Doch,  „siehe,  meine  Marfa  hat  sich 
vollgcsoffen  luul  will  heiingehen,  ich  muss  ihr  traun  folgen.“') 


IX. 


Die  Katholiken  unternahmen  nicht  den  aussichtslosen  Vei-such,  die 
Vermutungen  über  die  Absichten  des  Papstes  zu  widerlegen.  Sie  be- 
mühten sich  nur,  die  übrigen  I!e<lenken  zu  beseitigen.  Wie  der  Kaiser 
und  andere  Fürsten  dies  dadurch  zu  erreichen  getrachtet  hatten,  dass  sie 
in  ihren  Einführungslwfehlen  des  Pai»stes  mit  keinem  Worte  gedachten, 
und  wie  kathuliscdie  Schriften  gellissentlich  hervorhoben,  dass  die  Neuerung 
auf  Anhalten  weltlicher  Füi'sten  erfolgt  sei,  wurde  bereits  erwähnt *)  Des 
Weiteren  hoben  die  Verteidiger  des  päpstlichen  Kalenders  hervoi’,  dass 
der  Hofeld  und  Bann  Gregors  nur  seinen  Anhängern  gelte;  die  übrige 
Christenheit,  versicherten  sie  der  Wahrheit  zuwider,  habe  er  nur  höflich 
zur  -Amiahme  eingeladen.  Sie  wiesen  ferner  daraiif  hin.  dass  doch  nur 
der  Papst  im  Stande  gewesen  sei,  die  Aendorung  im  grössten  Teile  von 
Europa  durchzusetzen,  und  machten  anderseits  geltend,  da  der  Kaiser 


1)  Schon  in  der  Einleitung  heiMt  oe:  üiucro  Weiber  raufen  jetit  «o  gerne  und  »o  riel  guten 
Wein  wie  wir  Männer,  darum  dhrfen  eic'a  um  nicht  mehr  »orwerfen,  wenn  wir  beide,  Männer  und 
W'eiber,  wol  beuebt  lur  Studt  hinuue  nach  dem  Dorfe  heimgehen,  fol.  2 b. 

2i  S.  oben  S.  21  und  :d9. 


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f.4 


don  Kiilonder  in  seinem  Namen  als  weltliche  Obrigkeit  eingeffihrt  lial)e, 
sei  derselbe  nicht  mehr  ein  Werk  des  Papstes,  sondern  ein  weltliches, 
ein  „])olitisches“  Werk  und  die  Protestanten  könnten  ihn  mithin  nach 
Luthers  eigenem  Urteil  ohne  Verletzung  der  Gewissen  annehmen.  Sogar 
für  die  Katholiken  sei  seine  lleobachtung  nicht  Sache  des  Glaubens,  son- 
dei-n  nur  dos  kirchlichen  Gehorsams.  Würden  die  Protestanten  durch 
seine  Annahme  Papisten,  so  seien  sie  es  doch  auch  bisher  gewesen,  da 
der  alte  Kirchenkalender  vom  nicänischen  Concil  un<l  von  den  Päpsten 
geschallen  sei.  Da-s  Concil  von  Trient  habe  den  neuen  Kalender  nicht 
gemacht  und  da.ss  man  durch  diesen  nicht  jenes  anerkenne,  zeige  ilas 
Beisj)iel  Frankreichs.  Man  wies  ferner  auf  das  Beispiel  der  Holländer 
hin.  welche  den  Kalender  gleich  1583  unter  Verwahrung  gegen  die 
kirchliche  Hoheit  des  Papstes  cingeführt  hätten : ')  so  könnten  auch  die 
deutschen  Protestanten  ihre  Freiheit  durch  Proteste  wahren.  Emljich  be- 
merkte im  .lahre  1612  ein  Jesuit  sehr  treffend,  dass  nun  jene  Freiheit 
doch  durch  langjährigen  Widerstand  hinlänglich  dargethun  sei  imd  die 
Annahme  also  ohne  Schaden  und  Misdoutung  vollzogen  werden  könne.  -) 

Die  Protestanten  blieben  indes  dabei,  dass  der  Papst  den  neuen  Ka- 
lender einmal  zu  einer  kirchlichen  Angelegenheit  gemacht  habe  und  dass 
mithin  <lie  Annahme  trotz  allen  \T)rwänden  die  Unterwerfung  unter  seine 
Kirchengewalt  bedeuten  werde  und  jedes  Piictieren  mit  dem  Antichrist 
unzulässig  sei.  ’) 

1)  Dies  berichten  Gramineus  N.  ^ des  Anhani^s.  Widmung  und  (oL  1,  und  Uöst  N.  24 
fol.  9;  ersterer  mit  «1er  Angabe,  dass  vom  1.  auf  den  12.  Januar  gesprungen  und  Acben  dies 
Beispiel  befolgt  habe.  Merkwürdiger  Weise  gibt  kein  Handbuch  der  Chronologie  den  Tag  der  Etn- 
fuhruDg  des  neuen  Kalenders  in  den  vereinigten  Niederlanden  an.  Der  Gät«  des  Horm  Reichs* 
arebivars  van  den  Bergh  im  Haag,  an  welchen  ich  mich  wandte,  verdanke  ich  folgende  Auskunft: 
Am  10.  October  1582  erliess  der  Heraog  von  Anjou  ein  Placaat,  welches  befahl,  nach  dem  14.  den 
25.  October  zu  zahlen.  Groot  Placaatboik  1,  895.  In  Folge  dessen  nahm  die  Staatskanzlei  den  neuen 
Kalender  an,  doch,  wie  es  scheint,  erst  seit  dem  15/25.  December  1582.  Holland  und  Seeland  zählten 
zufolge  Beechluss  vom  19.  December  1582  nach  dem  1.  Januar  158:1  den  12.  Fricsland,  Geldern. 
Oberyssel,  Utrecht  und  Gröningen  folgten  dagegen  erst  im  Jahre  1700  den  deutschen  Protestanten  im 
Anschlüsse  nach. 

2)  Fabricins  bei  Kaltenbrunner  531.  (Achnlich  äussorte  sich  Tjrcbo  de  Brahe,  das.  584.1 
Rasch  N.  29  des  Anhangs  fol.  26  fg.  Röst  N.  24  des  Anhangs  foL  8 fg.  P.  Guldin  Refutatio 
elencbi  a Setbo  Calvisio  cunscripti  1612,  p.  5 fg. 

3)  Mistlin  in  N.  11  des  Anhangs,  fol.  50  fg.  Vgl.  das  Gutachten  der  iübinger  Universität 
bei  Sattler  Geschichte  des  Horzugtfaums  Würtenberg  V,  Beilagen  S.  50  fg.,  und  die  Eingabe  der 
nnteruflterreicbischen  Prediger  bei  Wiedemann  a a.  0.  I,  440  fg. 


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65 


Hütten  der  Kaiser  und  die  Ueichsstände  beider  Bekenntnisse,  sagte 
Osiunder, ')  die  Besserung  des  Kalendere  nötig  erachtet,  sie  etlichen  ge- 
lehrten Leuten  übertragen  und  sie  als  politisches  Werk  durch  Reichstags- 
beschluss angeordnet,  wie  die  i-öniischen  Kaiser  Cäsar  und  Augustus  getlian 
haben,  dann  wüTe  es  vor  Gott  keine  Sünde,  ihn  anzunehinen,  denn  solche 
Dinge  geben  und  nehmen  der  Religion  nichts.  Aber  der  Kalender  kommt 
vom  Pajjste,  der  ihn  anonhiet,  als  ob  er  unser  aller  Seelsorger,  Bischof 
und  Herr  w'äre.  Er  ist  nicht  unser  W'eltlicher  Herr  und  hat  uns  als 
solcher  nichts  zu  gebieten.  Noch  weniger  aber  können  wir  ihn  als 
obersten  Bischof  anerkennen,  „dann  wir  Gottlob  in  Deutschland  wissen, 
dass  der  Papst  zu  Rom  der  wahre  Antichrist  und  ein  Feind  unsers  Herrn 
Jesus  Christus  ist,  als  der  die  reine  Lehre  des  hl.  Evangelii  gräulich 
lästert  und  anathcmati.siert.,  falsche  und  abgöttische  Gottesdienste  ver- 
teidigt und  fortpttanzt  und  fromme  und  unschuldige  Christen  gräulich 
als  ein  grimmiger  Wolf  zerreisst  und  frisst,  wo  sie  ihm  werden  mögen. 
Und  wird  uns  dieser  gräuliche  Wehi-wolf  (vermittelst  göttlicher  Gnaden) 
nicht  mehr  l>ereden.  dass  wir  einen  sulchen  reissenden  Wolf  für  einen 
Hirten  und  getreuen  Bischof  ansehen.  Znm  Teufel  mit  einem  solchen 
Bi.schof  und  Hirten,  der  seine  Schafe  frisst  und  ihre  armen  Seelen  dem 
Teufel  in  den  Rachen  zu  stossen  begehrt.  Wir  erkennen  den  Papst  zu 
Rom  für  die  babylonische  Hure  (wie  ihn  der  Apostel  Johannes  in  seiner 
Otfenbaruug  am  17.  Capitel  nennt),  welche  nunmehr  längst  vom  Blute 
der  Heiligen  trunken  worden  und  vom  leidigen  Teufel  mit  allerlei  geist- 
licher und  leiblicher  Unreinigkeit  (als  mit  Franzosen  und  Aussatz)  be- 
schmeisst  und  vergiftet  ist.  Wer  nun  mit  dieser  babylonischen  Hure 
buhlen  und  ihr  zu  Gefallen  ihren  Kalender  annehmen  will,  der  mag  es 
auf  seine  Gefahr  thun.  Wir  aber  wollen  der  Hure  müssig  gehen,  wie 
wir  auch  den  Pajjst  nicht  für  unseren  Bischof  und  Seelsorger,  sondern 
für  einen  gi-äulichen  Seclenmönier  erkennen.  Darum,  wenn  wir  gleich 
sonst  diesen  Kalender  für  gut  hielten,  jetloch,  wenn  uns  ihn  der  Papst 
aufdringen  will,  sollen  wir  ihn  hinworfen.“  ln  jenem  Falle  müssten  wir 
ihn  sogar  dann  um  der  christlichen  Freiheit  willen  verwerfen,  wenn  der 
Papst  ein  Lehrer  des  reinen  Wortes  wäre,  denn  änsserliche  imd  gleich- 
gidtige  Dinge  sollen  nicht  zur  Gewissenspflicht  gemacht  werden. 

1)  N.  11  de»  Anhangs  fol.  fg. 

Äbh.d.  II!.Cl.d.k.  Äk.d.  Wii«.  XV.  ltd.  U!.  Abtli.  9 


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V^on  diesem  Standinmkte  aus  hatten  die  Prediger  zu  Augsburg  sich 
dein  Beschlüsse  des  Rates,  gleich  den  Nachbarn  den  neuen  Kalender  an- 
zunehinen,  mit  solcher  Hartnäckigkeit  wiilersetzt,  dass  sie  schliesslich  aus- 
gewiesen  wunlen.  Zwischen  ihnen  und  dem  Rate  sowie  dessen  Anhängern 
wm’dcn  zahlreiche  Schriften  gewechselt  und  auch  in  deTi  Veröffentlichun- 
gen über  den  Kalender  sowie  in  einer  Reihe  von  Liedern  wurde  der 
Streit  wiederholt  erwähnt  oder  behandelt.  ’) 

Im  Hinblick  auf  denselben  hielt  an  der  Universität  Tübingen  der 
I’rofes.sor  der  Theologie  Jakob  Heerlirand  eine  Disjmtation  über  Thesen, 
welche  er  dann  veröffentlichte.  *)  In  der  'Widmung  an  die  augsburger 
Prc'diger  sagt  er;  Ich  habe  eure  Antwort  auf  die  Schrift  eines  Advo- 
caten  eurer  päjistlichen  Gegner,  der  sich  diesen  verkauft  hat,  gelesen.  *) 
Jener  sucht  aus  den  Schriften  Luthers  und  .\mlercr  ilie  Zulässigkeit  der 
Annahme  des  neuen  Kalenders  aufs  schmählichste  ilarzuthun.  Ihr  habt 
ihm  trefflich  geantwortet  und  ihr  habt  Recht,  dieses  trojanische  Pferd 
nicht  in  eure  Kirche  zu  lassen.  Da  nicht  nur  im  Reiche  sondern  auch 
im  Auslande  über  den  Kalender  so  viel  gestritten  wird,  habe  auch  ich 
Thesen  verfasst.  Ich  sehe,  dass  ich  mit  euch  völlig  übereinstimme.  Allo 
Frommen  und  Kinsichtigen  wissen,  ilass  hinter  dem  Kalender  der  Satan 
steckt,  „denn  wie  er  ein  Lügner  und  Menschenmörder  ist,  so  sinnt  er 
nicht  nur  durch  diesen  Kalender  des  .-Vtitichrists  auf  Trennung  cler  Ge- 
müter, gegenseitigen  Mord  nnd  Zertleischung,  sondern  er  sucht  auch  den 
verfallenen  und  durch  Gottes  Wort  umgestürzten  Stand  seines  Reiches 
(den  Primat)  und  seine  frühere  Jurisdiction  und  volle  Hen-schergewalt 
herzustellen.“  Sagt  er  doch  in  seiner  Bulle:  „mandamus“.  Hat  er  erst 
durch  unsere  Sorglosigkeit  seine  Gewalt  wieder  erlangt,  dann  wird  er 
mit  sieben  schlimmeren  Geistern  wiederkommon,  alle  seine  Abgötterei 
allmählich  einführen  und  uns  sein  tyrannisches  Joch  wieder  auHegen. 
Der  Zweck  seines  Kalendci-s  ist,  da.ss  die  Feste  der  Heiligen  zu  rechter 


1)  Vgl.  über  den  Streit  Stetten  Geschichte  von  Augsbarg  If,  und  Haberliu  K.  T.  Reich*- 
geschieht«  XIU.  -14:1  fg.  Ö27  fg.;  XIV,  318  fg,  m fg-,  m fg . 647;  XV,  y\  239,  2-13.  41S  435, 
446.  495,  der  sich  ronugsweise  anf  Stetten  stützt.  Da  Kaltenbrnoncr  eine  actenmässigo  Dar- 
stellung des  Streites  in  Aussicht  gestellt  hat,  gehe  ich  nicht  naher  auf  ihn  ein. 

2)  N.  13  des  Anhangs. 

3)  8ie  ist  mir  unbekannt;  ihr  Verfasser  dürfte  der  Ratsadrocat  Dr.  Tiadel  genesen  sein. 


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Zeit  gefeiert  werden  eolleii.  Damit  wird  zugleicli  die  verabschuuungs- 
würdige  Abgötterei  mit  veratorbenen  Mensclien  erneuert»  Vom  Dogma 
ist  allerdings  im  Kalender  nicht  tlie  Rede,  aber  wie  der  Teufel  kann 
auch  der  Papst  den  Bocksfuss  nicht  verbergen,  indem  er  des  Concils  von 
Trient  gedenkt,  welches  er  zu  vollstrecken  wünscht,  während  es  ein 
Lernasee  aller  üel>el,  eine  Pfütze  aller  Gottlosigkeit,  ein  Zusammentlus.s 
und  Meer  aller  Irrtümer  schrecklichster  Art  ist.“  Den  Anfängen  muss 
man  widei-stehen.  Wachet  also  ihr  Kirchenhirten  über  eurer  Heenle  imd 
nehmt  nicht  das  babylonische  .loch  wieder  auf  euch. ') 

ln  seinen  Thesen  führte  dann  lleerljrand  unter  rohen  Schmähungen 
gegen  den  Pajwt  und  mit  vielfachen  Wiederholungen  aus,  dass  die  Fest- 
feier zwar  zu  den  für  die  Christen  gleichgültigen  und  freigestellten 
Dingen,  zu  den  Adiaphora  oder  Mitteldingen,  wie  die  Theologen  jener  Zeit 
sich  ausdrückteii,  gehöre,  der  Kalender  aber  wegen  seines  jinjiistischen  Ur- 
sprungs, wegen  seines  rein  kirchlichen  Geprägeji  und  Zweckes  und  weil 
der  Papst  die  Annahme  l)ei  seinem  Bamie  befehle,  ohne  Verrat  am 
evangelischen  Glauben  und  <lcr  christliclien  Freiheit  nicht  angenommen 
werden  könne;  auch  einer  weltlichen  Obrigkeit,  welche  die  Beol)achtung 
befehle,  dürfe  nicht  gehorcht  werden,  weil  einerseits  die  Ordnung  der 
Festfeier  nur  den  Geistlichen  und  der  Kirche  zustehe  und  man  sich 
anderseits  durch  Annahme  des  Kalendei's  unter  allen  Umständen  dem 
Papste  und  Antichrist  untei'werfe. 

Ganz  in  demselben  Sinne  wie  Heerbrand  und  Osiander  sj)richt  sicli 
ein  ohne  Zweifel  von  ihnen  beeinHus.stes , w'onn  nicht  verfasstes  Gut- 
achten*) aus,  welches  am  24.  Noveud)er  a.  St.  von  Rector,  Kanzler, 

Doctoren  und  Regenten  iler  Univeisiität  Tübingen  dem  Herzoge  von 
Wirtemberg  auf  dessen  Kribrdem  erstattet  wurde,  nachdem  er  ilie  kaiser- 
liche Kinladung  zur  Annahme  des  neuen  Kalenders  erhalten  hatte.  Na- 
mentlich wurde  hier  betont,  dass  nach  Luther  das  kaiserliche  Papsttum 


1)  Die  Widmung  ist  d&tiert:  Tobingae  die  aequinoctü  vernl  anno  a nato  Christo  also 

Docli  Tor  der  Vertreibung  der  Prediger  gcEchrieben.  Heerbrand  bemerkt:  •Vehtrineiiter  iiiibi  etiaiii 
probatur  moderatio  vesira,  modcstia  atque  obedientia  erga  magistratam  vestrum  in  omnibus,  quae 
non  cum  verbo  l>ci  pognant  et  illaesa  fieri  possunt  conscientla."  So  weniet  ihr  jedem  Tadel  entgehen 
und  der  Gott  des  Friedens  wiixl  euch  beistehen  und  euch  gegen  die  Banke  der  Gottlosen  schöllen. 

2)  Sattler  Geschichte  des  nenogthams  Wörtenberg  V,  Beilagen  S,  50  fg. 

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ebenso  unzulässig  sei,  wie  das  päpstliche  Kaiseftuin  und  die  weltliche 
Ül)rigkeit  in  Kirchenangelegenheiten  nur  mit  Beirat  der  (ieistlichen  An- 
ordnungen trefteu  dürfe. ')  Ans-serdem  wurden  einige  neue  Gründe  gegen 
die  Annahme  des  Kalendern  geltend  gemacht.  Nicht  nur  begehre  der 
Papst  durch  jenen,  der  gleichsam  der  erste  Buchstabe  seines  -\BC  sei, 
den  Fus.s  in  die  evangelische  Kirche  zu  setzen,  sondern  er  greife  zugleich 
den  Reichsständen  nach  ihren  Fürstenhüten  und  Regierungen  und  ver- 
suche, ob  sie  ihn  als  ihren  Herrn  leiden  wollten.  Dass  dies  .seine  Ab- 
sicht, erhelle  daraus,  dass  er  jüngst  den  Churfürsten  Gebhard  von  Köln 
gegen  den  Clmrfürstenverein  und  ohne  Bewilligung  der  Reichsslände 
seiner  churfürstlichen  Würde  entsetzt  habe,  (ileiches  wenlo  er  auch 
gegen  die  evangelischen  Fürsten  unteniehmen,  wenn  sie  sich  nicht  recht- 
zeitig wehrtcu.  Durch  den  passauer  Wu’trag  und  den  Religionsfrieden 
sei  fenier  die  iiäpstliche  Jurisdiction  über  die  Proteshinten  gänzlich  auf- 
gehoben: diese  Freiheit  würden  sie  aufgeben,  wenn  sie  sich  durch  An- 
nahme des  Kalenders  dem  Pa])ste  wieder  einigenmwisen  unterwürfen. 
Endlich  wäre  es  ein  gefsihrlicher  Eingang,  wenn  sie  es  zulicssen,  dass 
der  Kaiser,  vom  Paj)sto  verhetzt,  ihnen  in  Religionssaclum  Ma.ss  untl 
Ordnung  gebe ; dadurch  werde  der  Religionsfriede  geschwächt  und  es 
schwer  gemacht  wenlen,  sich  in  Zukunft  weiterer  Zumutungen  zu  er- 
wehren. Sehr  leichtherzig  äussert  sich  dann  das  Bedenken  über  die  aus 
der  Kalenderverschiedenheit  zu  erwartende  Verwirrung  und  Zwietracht. 
Wenn  man  die  l>eiden  Kalender  neben  einander  drucke,  könne  sich  Jeder 
leicht  danach  richten  und  Handel  und  Wandel  ihren  gewohnten  Weg 
gehen.  Seit  Jahren  wiü-den  ja  von  den  Papisten  etliche  Feste  gefeiert, 
die  bei  den  Protestanten  nicht  gehalten  worden,  und  in  einigen  Reichs- 
städten seien  beide  Religionen  in  derselben  Kirche  üblich,  ohne  da.ss 
darum  die  Welt  untergegangen.  Gewiss  werde  sich  auch  der  Kaiser 
nicht  vom  Pajwte  verhetzen  la-s-sen,  gegen  die  ihm  sonst  durchaus  ge- 
horeamen  evangelischen  Stünde  wegen  des  Kalenders  etwas  Thätliches 
vorzunehmen,  da  ja  sogar  einige  papistische  und  sogi»r  geistliche  Stände 
jenen  noch  nicht  angenommen  hätten.  Entstehe  aber  irgendwo  Unruhe, 

1)  Afhnlich  äiuisdrt  »ich  die  Schrift  bei  Wiedemann  Ge»ch.  d.  Ref.  und  Gegenrcf.  im  Lande 
unter  der  Emi»  I,  44S  fjjr. 


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so  triigen  nicht  die  Protestonten  die  Schuld,  weil  sie  den  neuen  Kalender 
nicht  erdacht  hätten.  Dass  die  evangelischen  Heichsstünde  selbst  ein© 
Verbesserung  des  alten  Kalenders,  „die  doch  der  päpstischen  nicht  aller- 
dinga  gleich  wäre,“  vornähinen,  wird  nicht  rätlich  gefunden,  weil  -die- 
jenigen, welche  schon  den  neuen  Kalender  eingeführt,  sich  nicht  an- 
schliessen,  etliche  Protestanten  vielleicht  auch  l>eiin  alten  Kalender  ver- 
hatren  und  die  Deutschen  so  drei  verachiedenc  Kalender  Ijekoininen 
wfli-den.  Könnte  aber  der  Kaiser  bewogen  werden,  mit  den  Reichaständen 
einen  Kalender  zu  verfas-sen,  „der  nicht  vom  l’apste  herkäme,“  so  könnte 
man  den  annehmen.  Um  eine  gemeinsame  Antwort  seitens  der  evange- 
lischen Keiclisstände  an  den  Kaiser  zu  vereinbaren,  empfiehlt  das  (iiit- 
achtcn  eine  allgemeine  Zusammenkunft,  zumal  auch  äusscrst  nötig  sei, 
zu  beraten,  „wie  des  Papstes  Praktiken,  womit  er  die  reine  Religion  zu 
unteixlrücken  trachtet,  gehindert  werden  mögen,  ilann  der  Satan  gewiss- 
lich nicht  feiert,  sondern  sich  unterstehen  wird,  einen  gi-ossen  Jammer 
anzuricliten.  “ Schliesslich  wird  das  Verhalten  der  augsburger  Prediger 
entschieden  gebilligt  und  dem  Herzoge  Uiiterstützung  derselben  angeraten. 


X. 

So  heftig  regfte  sich  der  Fanatismus  gegen  die  Kaleuderänderung, 
seit  sie  als  Religionssacho  betrachtet  wurde,  dass  der  schon  erwähnte 
tübinger  Kalcndermacher  Schulin  es  nötig  fand,  sich  gegen  den  Verdacht 
der  Hinneigung  zu  den  Papisten  öffentlich  zu  verwoliren,  •)  nachdeni  der 
Verleger  seinem  Kalender  eine  die  Massnahmen  Gregors  XIII  billigende 
Vorrede  des  görlitzer  Astronomen  Bartholomäus  Scultetus  ®)  vorge<lruckt 
hatte. 


1)  N.  18  des  Anhangs. 

2)  Mfiiie  in  der  HUt.  Zeitschrift,  N.  Folge  VI,  auagwprochene  Vennutnng.  dass  Scnltetns 
Katholik  gewesen  sei,  ist  mir  wieder  zweifelhaft  geworden,  da  ich  bei  S.  Grosser  Lausitzische 
MerkwDrdigkeiten,  1714,  I,  208  fand,  dass  er  zuerst  Professor  am  Gymnasium  zq  Görlitz,  dann  Rats- 
herr Qod  zuletzt  Bürgermeister  daselbst  war.  Solche  Stellungen  konnte  io  der  protcatantlschon  Stadt 
doch  ein  Katlvolik  nicht  cinnebtnen.  Hingegen  spricht  wieder  für  meine  Annahme  eine  Stelle  in 
einem:  Allmanach  and  Scbreibkalender  auffs  Jahr  nach  der  Menschlichen  Gebarth  Jesu  Christi  168S 
, . . Dnrch  Bartholomänrn  Scultetum  von  Görlitz,  der  Mathemat tschi  n Künsten  besondem  Liebhaber. 
Gedruckt  zu  G«'<rlitz  durch  Ambrosium  Fritsch.  4*^.  ^Dresden,  Staatsbibliothek,  Cbronol.  703.)  Dort 


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Indes  war  der  Abscheu  der  tübingor  Theologen  gegen  die  Gemein- 
schaft mit  dem  Antichrist  und  das  Buhlen  mit  dem  babylonischen  Fräu- 
lein doch  nicht  so  stark,  dass  sie  seinetwegen  etwa  Kirchen  ihres  Be- 
kenntnisses hätten  zu  Grunde  gehen  la.ssen  wollen.  Der  Geist  der  christ- 
lichen Märtyrer,  welche  den  Tod  erlitten,  um  nicht  vom  Opferfleische  zu 
essen,  war  den  Vorkämjifern  der  Concordienformel  nicht  eigen,  wie  tapfer 
und  grimmig  sic  auch  gegen  das  Papsttum  fochten. 

Osiandor  stellte  sich  bereits  1583  in  Bezug  auf  Augsburg  die  Frage,') 
was  denn  die  Pflicht  gebiete,  wenn  in  einer  kirchlich  gemischten  Heichs- 
stadt  die  üljerwiegend  pajnstische  Obrigkeit  den  Protestanten  den  neuen 
Kaleiuler  aufzwingen  wolle  und  es  darauf  stehe,  dass  man  die  Kirchen- 
diener entlasse.  Mein  Rat  ist,  entscheidet  er  darauf,  dass  weder  Kirchen- 
diener noch  Gläid)ige  gegen  das  Gebot  etwas  Aufrührerisches  voniehmen, 
sondern  unterthänig  bitten  sollen,  dass,  wie  ihnen  die  Uebung  der  augs- 
burgischen  Confe.ssion  kraft  des  Beligionsfriedens  gestattet  ist,  ihnen  auch 
hierin  die  christliche  Freiheit  gelassen  werde;  schlösse  aber  der  Hat  die 
Kirchen  an  den  Festen  des  alten  Kalenders,  so  sollen  die  Prediger  an 
den  Tagen,  wo  ihnen  gestattet  ist  zu  predigen,  sich  mit  gebürlicher  Be- 
scheidenheit also  erklären  und  dem  Paiiste  „die  laudes  also  singen“,  dass 
männiglich  vomteht,  wie  sie  in  den  Kniender  nicht  gewilligt  haben. 
Dann  sind  sie  entschiddigt.  denn  Gewalt  leiden,  ist  nicht  Unrecht  thun.*) 


heisst  «B  nämlich  in  der  luliAltsOhersicht:  „Uies«m  nach  folgen  die  br&uchliehcn  Namen  der  Feier* 
nnd  WerktafT^^«  wie  «io  nach  KtDs#tiun|;  der  katholischen  Kirche  vod  Anfang  licr  bet  den  occiden* 
tischen  Christen  unter  dem  rOmiselieo  Stahle  sind  eiDgeaeUt  ond  za  halten  verordnet.*  Einige  weitere 
Nachrichten  über  ScnltetOR  gibt  Grosser  a.  a.  0.  I,  211  and  II,  51.  Vgl.  auch  Wolf  Geaebichto 
der  Astronomie  144,  270,  HOo.  Abraham  Hob  mann  Genealogia  Aastriaca  sagt  in  der  Vorrede  p.  I-IO: 
«Ueber  das  iRt  mir  auch  zu  diesem  und  anderm  mcltieiii  Vornohmeu  nicht  wenig  beförderlich  gewesen 
der  chrnveste,  achtbare,  hochgelehrte,  hoch*  und  wolweise  Herr,  H.  Ilarthoioinäus  i$euttetu8,  weit* 
berühmter,  hochorfahrener  Astrologun  nnd  Mathematicus,  Hurgermeister  tu  Görlitz,  der  mit  Par* 
rciebung  alter  Monumeuta,  gcwhtien  VcrzeichnisBen  und  allerhand  gedenkwürdigeu  Sachen  nicht  wenig 
ge«lient  und  gefördert  hat.* 

1)  N.  U d«  Anlrnngs  fol.  lOIb 

2)  Allzu  scharf  beutete  der  katholische  ßauernratschlag  diese  Stelle  aus,  N.  21  des  Änbangi« 
fol.  5b  fg.  Du  sagst,  erwidert  er  der  Bauernklage,  der  Tapst  errege  Unruhen,  wie  schon  manche 
Stadt  spüre.  Ja.  auch  wir  wissen,  was  Dr.  Müller  [der  Führer  der  Prediger]  ohne  Zweifel  auf 
Osianders  Rat  in  Augsburg  angefangen  hat.  Hätte  er  Paulus*  und  Irenaus’  Worte  über  die  Festfei<*r 
gelesen,  so  hätte  er  wol  nicht  um  froigelassener  Dinge  willen  Zwiespalt  erregt,  da  sie  der  Lehre 
nichts  gehen  noch  nehmen.  Christen  sollen  ihrer  Obrigkeit  in  Allem  gehorchen,  was  nicht  gegen 


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Strenger  äusserte  sich  in  seinen  Thesen  Heerbram),  da  er  ja  die 
augsburger  Prediger  zum  Widerstand  ermutigen  wollte.  Er  erklärte  die 
Annahino  des  neuen  Kalenders  unter  anderem  deshalb  für  unzulässig, 
weil  dersell)e  zum  Zwecke  der  lleiligenverehrung  gemacht  sei  und  man 
sich  mithin  der  Abgötterei  des  Papsttums  teilhaftig  machen  würde. 
Indes  bemerkte  auch  er:')  „Unter  die  Zahl  derer,  welche  sich  der  Ab- 
götterei durch  Annahme  dos  neuen  Kalenders  schuldig  machen,  wollen 
wir  diejenigen  nicht  rechnen,  welche  wider  ihren  äVillen  und  mit  Gewalt 
von  ihrer  Obrigkeit,  der  sie  unmittelbar  unterworfen  sind  und  au  der 
sie  selbst  nicht  teilhaben,  zur  Annahme  gezwungen  worden  uml  zwar  in 
der  Weise,  dass  sie  weder  in  geüstlichen  noch  in  weltlichen  Dingen  irgend 
etwas  anders  als  nach  dem  neuen  gregorianischen  Kalender  handeln 
kömien,  obwol  sie  vorher  alle  gesetzlichen  Mittel  mit  gi-össtem  Eifer, 
doch  alle  vergeblich,  dagegen  versucht  haben.“ 

Er  hatte  hierbei  die  Stände  Steionnarks  im  Auge,  deren  Predigern 
er  zwei  Jlonate  vorher  im  Verein  mit  Osiander  und  den  übrigen  Theo- 
logen der  tübinger  Universität  unter  entspivcheiiden  Ausführungen  wider- 
raten hatte,  wegen  der  Annahme  des  netten  Kalenders  ihre  Kirchen  zu 
verlassen,  du  man  durch  iliose  ja  nicht  zm'  falschen  Lohre  und  Abgötterei 
gezwungen  werde.-)  In  demselben  Sinne  hatte  sich  gleichzeitig  ilas  wir- 
tembergische  Consistoriutii  atisges))rochen , *)  welches  schon  itii  vorher- 
gehenden Jahro  einen  Pretliger  zu  Lütz  ähnlich  boschiodon  hatte. 


Gottes  Wort  ist.  Jotxt  sehen  Alle,  eore  Herten  nur  zu  Krie^  und  Uofrieden  geneigt  sind. 
Homchtet  ihr  über  weite  Länder  wie  der  Papst,  der  Kai.4er  und  die  katboUseben  Fürsten,  so  würdet 
ihr  die  Zahl  der  wahren  Christen  bald  klein  macbon. 

1)  K.  d«M  Anhangs  p.  40. 

2)  J.  Zahn  Der  Kalenderstreit  in  Steiermark,  Mittbeilaugen  des  Insturischen  Vereines  für 
Steiermark  XIII,  140 

3)  Sattler  Geschichte  des  Ucrzogthuius  Würtenberg  V,  00  fg.  Dies  Gutachten  dürfte  nacli 
der  bei  Zahn  mitgeteilten  Stelle  wOrtlich  wie  das  der  tübinger  Unireniität  gelautet  haben,  was  utn 
so  wahrsclteinlicher  ist,  als  die  vier  Mitglie^1er  des  Consistorioins  auch  jenes  mitverfassten. 

4)  Kaupach  KrangcUschcs  Oesterreich,  Zweite  Nachlese  L'vl  fg.  Befremdlich  ist  es  gegen* 
Ober  diesen  Aeuaaerungen  der  Tübinger,  dass  der  oberusterrvicliiscbe  Prediger  Friedrich  Stock  in  dem 
bei  Raup  ach  Dritte  Fortsetzung  44  Aiiin.  k.  mitgeteilten  Briefe  rom  22.  Sept.  a.  St.  15So  sagt, 
die  Fiacianer  seien  in  ihrem  Widerstande  gegen  den  neuen  Kalender  vornelimUch  .scriptis  et  sermo* 
nibus  Tubingensioui,  in  refutandis  orroribus  aliis  academUs  prudentiae  et  industriae  laudem  prae* 
ripieutinm.  confirmatL*  Bezog  sieh  dies  auf  Osianders  und  Ueerbrands  Dracksebriften? 


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Diese  weltkluge  Nachgiebigkeit  gegen  den  Antichrist  wurde  jedoch 
von  den  Flacianeni,  welche  die  schroffsten  Vertreter  der  lutherischen 
Rechtgliiubigkeit  und  die  alten  Gegner  der  Adiaphoristcn  waren,  mit 
gleicher  Leidenschaftlichkeit  wie  einst  das  Interim  verurteilt  Einer  von 
ihnen,  M.  Marcus  Volmar,  Pfarrer  zu  Michelhausen  in  Oesterreich  unter 
der  Enns,  überreichte  dem  Landtage  zu  Vien  im  Decemlwr  1583  eine 
Schrift,  welche  imter  heftigen  Schmähungen  gegen  Osiandere  Buch  über 
den  Kalender  und  gegen  die  Anhänger  der  Conconlienformel  überhaupt 
die  Annahme  der  i>äpstlichen  Neuerung  für  unzulässig  erklärte,')  und  im 
Älärz  158.5  eiAvidorten  sieben  andere  Pfarrer  Unterösterreichs  ihren  Pa- 
tronen, die  sie  bei  fortgesetztem  Widerstande  gegen  den  neuen  Kalender 
mit  Entlassung  bedrohten,  dass  sie  Gewissens  halber  lieber  ins  Elend 
wandern,  als  dem  Antichrist  hofieren  würden;  könnten  sie  doch  »lern 
Papste  oder  Teufel  (denn  d.as  sei  ein  Ding)  auch  nicht  gehorchen,  wenn 
er  ihnen  gelwte,  das  Vaterunser  zu  beten  oder  das  Sacrament  in  beiderlei 
Gestalten  zu  empfangen  (xler  etwiw  Anderes  zu  thun,  d.as  recht  wäre.  *) 
In  Uegensburg  wurde  sogar  einem  Prcdigtamtscandidaten  aus  Ste3T  die 
Ordination  verweigert,  weil  die  Überösterreichor  durch  Annahme  des 
neuen  Kalendei's  Papisten  geworden  seien.  '*) 

Auch  sonst  verurteilten  Eiferer  die  Gefügigkeit  der  Protestanten  in 
den  kaiserlichen  Ländern  als  Glaubensvermt  Zacharias  Rivander,  Super- 
intendent der  Herrschiift  Forste  und  Pßirdten  in  der  Lausitz,  veröffent- 
lichte 158fi  eine  Neujahrsjtredigt  über  die  Kalenderänderung , ■•)  weil  er 
wisse,  „wie  gar  crasse  und  inij)ie  etliche  semidocti  und  Unverständige 
von  dieser  imiteria  sentieren  und  halten,  ja  auch  wol  in  publicis  con- 
ciouibus  als  die  empirici  unil  rechten  sperinologi  an  etlichen  Orten 


1)  N.  27  Anhangs. 

2)  Th.  Wiedemann  Gesehicbtc  der  neformation  und  Gegenrefonoation  im  Lande  unter  der 
Knna  I.  4S8  fg.  Dort  wird  S.  d*')!  erwähnt,  dass  schon  mehrere  Prediger  in  Unterösterreich  wegen 
ihres  Widerstandes  vertrieben  »eien. 

8)  Haupach  III;  Portsettung  fg.  In  der  Schrift  bet  Wiedemann  a.  a.  0.  441  heisst  es, 
dasselbe  »ei  zu  Wittentwjrg  und  an  anderen  Orten  geschehen  und  habe  man  von  dort  wie  von  Kegens- 
bürg  keine  Prediger  mehr  dahin  schicken  wollen,  wo  der  Kalender  eingcfQhrt  worden.  Diese  Angabe 
muss  in  Bezug  auf  Wittenberg  irrig  sein,  da  die  dortige  Universität  nicht  der  dacianiseben  Richtung 
angehurte  und  unter  ihrer  Aufsicht  die  gleich  »u  erwähnende  Schrift  Rivander»  gedruckt  wurde. 

4)  N.  2C  des  Anhangs. 


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73 


unserer  Nachbarschaft  tiieselbe  berufen,  da  sie  doch  das  üeringste  nicht 
davon  verstehen  und  nur  wie  Papageien  Anderen  ihresgleichen  nach- 
schwatzen und  uns.  die  wir  li.  ksl.  Majestät  zum  allerunterthänigstcn 
Gehorsam  den  neuen  Kalender  angenommen  haben  und  halten,  schimpf- 
licher und  leichtfertigm'  Weise  Papisten  nennen.“  Auch  wisse  er,  dass 
Viele,  die  es  nicht  böse  meinen,  keinen  rechten  Bericlit  von  der  S.ache 
haben,  und  dass  Edle  und  Unedle  oft  bei  den  Pfändern  um  Aufklärung 
anhalten  und  Viele,  welche  keine  oder  nur  eine  halbe  Antwort  erhielten, 
das  Predigtamt  gelästert  haben  und  den  Pfarrern  feind  gew'orden  sind. 

Kivander  beginnt  seine  Predigt,  indem  er  Gott  dankt,  djiss  dersollw 
Deut-schland  vor  Krieg  bewahrt  habe,  „obwol  etliche  unruhige  Leute  von 
hohem  und  niedrigem  Stande  meisterlich  Ursache  dazu  gegeben  und 
Lärmen  geblasen“  hätten.  Doch  herrsche  überall  Unruhe,  die  Pest  suche 
alle  Länder  heim  und  aus  vielen  Zeichen  sei  zu  merken,  diisa  wogen  der 
gros.seu  Sünden  und  der  vei'stockten  Unbussfertigkeit  der  Welt  gräuliche 
liaudstrafen  und  schwere  Verändoruiigeu  und  Verwüstimgen  der  Kegier- 
ungen  und  Kirchen  vor  der  Thüre  ständen.  Den  jüngsten  Tag  sieht 
auch  er  nahe,  doch  findet  er  hierin  nicht  einen  Grund  die  Aenderung 
des  Kalenders  als  unnötig  zu  verwerfen. 

Ueber  diese  äussert  er  sich  mit  grosser  Vorsicht.  Wiederholt  tadelt 
er  den  Papst  scharf,  weil  die  Neuerung  jählings  und  ohne  irgendwelche 
vorgängige  Beratschlagung  mit  denen,  die  billig,  von  Kechts  wegen  mid 
alter  Gewohnheit  mich  hätten  zugezogen  werden  sollen,  eingeführt  sei; 
hinwieder  aber  macht  er  es  auch  den  evangelischen  lieiclisständen  nicht 
undeutlich  zum  Vorwurfe,  dass  sie  nicht  zur  Beseitigung  der  grossen 
Venvirrung  in  allen  weltlichen  Händeln  und  des  grossen  Aergeimisses  in 
der  Kirche  ein  christliches  Einsehen  hätten. ')  Ausführlich  verfolgt  er 


1)  KiT»ii4)er  Wmerkt  writ«r:  Welchen  Nachteil  die  Kalendcrandcrung  gestiftet  and  tn  welchem 
Oesp&tt  fiitf  Aolasi  gegeben,  wu«aten  namentlich  die  an  den  Grenzen  Sitzenden  sehr  wol,  „denn  es  nicht 
gesagt  oder  geschrieben  werden  knon,  was  Wunders  man  davon  bTirt  und  erfahrt,  welches  der  leichter 
des  iiasqailliscbcn  Gespraelia  der  zwei  Hauern,  so  hiervon  ausgangeii.  männiglich  hat  tn  verstehen 
geben  wollen,  aber  wenig  aosgerichtet  bei  denen,  so  darauf  zu  sehen  gehört."  8.  fg.  I>a^  hier 
dos  Gespräch  zweier  roeissner  iUuem,  vgl.  N.  20  des  Anhangs  und  oben  S.  4h  fg.,  gemeint  sei,  kann 
ich  nicht  glauben,  denn  «lassclbe  war  gewiss  nicht  ironisch  gemeint  und  spricht  gerade  von  der  ent- 
stehenden Verwirrung  and  Feindseligkeit  nur  nebenher.  Eher  ist  an  eine  aoonjine  Schrift  Rivanders 
selbst  XU  denken. 

Äbh.  d.  III.  CI.  d.  k.  Äk.  d.  Wiss.  XV.  Bd.  IH.  Äbth.  10 


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74 


die  Kntetelmng  der  Zeitrediming  üherliaupt  und  die  der  Römer  und  der 
alten  Kirche  insbesondere.  ')  Dass  das  Concil  von  Nicaa  jedes  Fest  an 
dem  Tage  gefeiert  wissen  wollte,  zu  dessen  Gedächtnisse  es  eingesetzt  i.st, 
erklärt  er  für  eine  feine  und  christliche  Ordnung  und  er  billigt,  das» 
Gregor  XIII  den  sehr  unrichtigen  julianischen  Kalender  änderte,  um 
jener  Alwicht  des  Nicänums  gerecht  zu  werden,  die  Zeitrechnung  mit 
den  Gestirnen  in  Einklang  zu  setzen,  das  Verschieben  der  Winterfeste  in 
den  Sommer  zu  verhüten  u.  s.  w.  Ob  die  Aenderung  dem  I’ajwte  oder 
dem  Kai.ser  zustand,  lasse  ich  unerörtert,  sagt  er  dann  weiter;  elnsnso 
untersuche  ich  nicht,  ob  man  einen  besseren  Weg  zur  Reform  linden 
kann.  Der  Eine  sagt  dies,  der  Andere  jenes,  aber  der,  welcher  durch 
die  That  don  Beweis  gibt,  hat  sich  noch  nicht  gefunden.  Oft  ist  früher 
die  Berichtigung  veisucht,  aber  nie  gelang  sie.  Auch  Luther  brachte  sie 
vergeblich  in  Anregung.  Nach  ihm  „hat  man  vor  so  vielen  Corrup- 
telisten  und  Schwärmern  wider  unsere  reine  Lehre  der  augsburgischen 
Confession,  die  in  dem  heiligen  und  nützlichen  Buche  der  Concordieu- 
foruiel  erklärt  ist,  soviel  zu  schaffen  gehabt,  dass  man  zu  einem  solchen 
grossen  und  schweren  Werke  wie  der  Verbesserung  des  Kalenders  füglich 
nicht  hat  kommen  können.  Nun  abei’,  weil  die  meisten  Streitsachen,  so 
wir  zwischen  uns  selbst  gehabt,  beigclegt,  mögen  sich  dieses  löblichen 
Werkes  imsere  Potentaten  erinnern  und  sich  als  löbliche  Deutsche  sehen 
hissiui.  Sed  surdis  narro  fabulam.  Wir  brauchen  das  Gehl  lieber  zu 
etwas  Anderem  etc.  Hiervon  nicht  mehr;  es  heisst:  Noli  me  tangere.“ 
Da  Niemand  vorging,  hat  endlich  Papst  Gregor  Allen  die  Ehre  abgelaufon. 

Zu  entscheiden,  welcher  Kalender  der  bessere  ist,  lehnt  Rivander 
furchtsiim  ab.  Entweder,  sagt  er,  wird  -es  heissen,  ich  fuchsschwänze 
dem  Pa])ste  und  denen,  die  seinen  Kalender  angenommen  haben,  oder 


1)  Kr  iat  löblich,  fährt  Rivamler  fort,  die  Zcitreclmung  nach  den  Gentirncn  xn  bemeoeen.  vrio 
Gott  da«  Ursprünglich  gethan  hat.  Nur  U»sc  man  die  Astrologie  beiseite,  aonst  gibta  gute  Phia- 
tasten  und  Narien,  wie  an  dem  neuen  boechmisscm'n  Haaptpropheten,  welchen  der  ßauernkrieger  oder 
Toitlandifchrr  Dor^clienker  gern  ausmalen  wnilto,  zu  sehen,  davon  ich  nach  der  Länge  in  meinem 
8chrcU>eu  an  einen  vornehitH^n  Lsndherrn  gebandelt  und  dem  Gecken  die  Narrenkappe  und  Schellen 
so  gewiesen,  dass  wo  er  jetzt  nur  geht  and  steht,  ein  Jeder  die  Eselsohren  an  ihm  sieht  und  spricht  t 
Siebe,  das  ist  der  Meister,  der  <Ien  ncoen  Propheten  auabecken  und  au*  seiner  unfundierten  Apologie 
aasrechnen  wird,  wann  der  jüngste  Tag  kommen  loll.*  S.  25.  Wievlerholt,  t.  H.  S.  -iO,  52  und  53» 
erneuert  Bivander  diese  Angriffe,  Welche  Schrift  er  iin  Auge  hat,  welss  ich  nicht. 


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75 


ich  verdei'tje  es  mit  (len  Fürsten  und  Gelehrten,  die  den  neuen  Kalender 
halten  und  verteidigen.  Ueberdiea  ist  die  Entscheidung  bub  Gottes  Wort 
gar  nicht  zu  treffen,  sondern  es  gehört  viel  Kenntnis  der  Astronomie 
und  Geschichte  dazu.  Icli  sage,  der  gregorianische  Kalender  ist  insofern 
besser,  als  er  dem  ursprünglichen  julianischen  entspricht,  der  ersten 
Stiftung  der  Feste  nilher  kommt  und  von  den  meisten  und  mächtigsten 
Fürsten  der  Christenheit  l>eobachtet  wird.  Hingegen  ist  der  alte  insofern 
besser,  als  er  nicht  vom  Pajmte.  sondern  von  einem  Kaiser  herrührt  und 
von  den  Anhängern  der  wahren  Kirche  beobachtet  wird.  Darin  sind  sie 
einander  gleich,  dass  sie  beide  von  Iloin  herkominen,  und  gleichwie  der 
alte  von  einem  heidnischen  Kaiser,  der  sonst  nicht  viel  Gutes  gethan 
hat,  BO  ist  der  neue  vom  Papste  gestellt,  von  dessen  Tugenden  wie  von 
denen  fast  all  seiner  Vorfahren  man  sehr  wenig  weiss.  Ich  meine,  Jeder 
kann  nach  eigenem  Gewissen  den  einen  oder  den  anderen  halten,  wenn 
es  nur  ohne  Aergernis  geschieht. 

Die  Einigkeit,  fährt  der  vorsichtige  Pfarrherr  fort,  könnte  nur  her- 
gestellt  werden,  wenn  der  alte  Kalender  allein  beobachtet  würde.  Aber 
dit?ser  ist  unrichtig  und  wird  inmier  unrichtiger.  Auch  würde  es  scheinen, 
als  wollten  unsere  huchlöblichen  und  hochveretändigen  deutschen  Fürsten 
und  Herren  ihrem  von  Gott  durch  vorhergehende  ordentliche  AVahl  und 
Bestätigung  Vorgesetzten  Haupte,  dem  Kaiser,  welcher  sich  des  neuen 
Kalenders  nunmehr  nngenonuuen  hat,  vorgreifeu.  welches  viel,  viel  und 
sehr  viel  Hochschädliches  und  Gefilhrliches  verursachen  würde.  Der 
Kaiser  würde  es  schimpflich  finden,  dass  er  den  Fürsten  weichen  sollte, 
und  es  wi'u-den  sich  wol  Leute  finden  und  sollte  es  der  Papst  selbst 
sein,  welche  ihm  das  übertreibend  vorhielten  und  ihm  zu  anderen  hoch- 
schädlichen  Sacdien  Anreizung  gäben.  Anderseits  kann  auch  nicht  wol 
der  neue  Kalender  allein  beobachtet  werden.  Dieser  ist  ohne  Beratung 
mit  denen,  die  dazu  gehören,  vom  Papste  veröffentlicht  und,  als  man 
ihn  nicht  auf  Befehl  des  Papstes  annehinen  wollte,  vom  Kaiser  ange- 
ordnet worden,  was  die  Fürsten  als  Schmach  und  Verachtung  auslegen 
könnten.  Es  könnte  ferner  scheinen,  als  feierten  wir  wieder  dem  Papste, 
dem  wir  doch  spinnenfeind  und  gram  sind.  Drittens  beschämten  wir 
unser  ganzes  Deutschland  und  alle  seine  Fürsten  und  Gelehrten,  als 
hätten  sie  nicht  zu  finden  gewusst,  dass  der  alte  Kalender  unrichtig 

10* 


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76 


und  wie  ihm  xu  helfen  sei,  wenn  es  nicht  vom  Papste  und  seinen 
wälschen  Leekei-n  hergekommen  wäre.  Endlicli  würde  es  sclieinen,  als 
vergäben  die  Deutschen  etwas  von  ihrer  Freiheit,  für  die  ihre  Vorfahren 
Gut  und  Blut  in  die  Schanze  geschlagen  haben,  und  sie  müssten  be- 
sorgen, dass  man  ilmen  mit  Aufnötigung  von  allerlei  lleformen  so  lange 
zusetzte,  bis  es  ganz  um  ihre  Freiheit  geschehen. 

In  diesen  Ausführungen  gegen  den  neuen  Kalender  wiederholt  lli- 
vander  nur  die  gewöhnlichen  Gründe  seiner  Glaubensgenossen,  um  seine 
Uechtgläubigkoit  aus-ser  Zweifel  zu  setzen.  Seine  wahre  Meinung  gibt  er 
kund,  indem  er  eine  Vei'ständigung  für  möglich  erklärt,  falls  die  Häupter 
des  Ueiches  zusainmenkiliiien  und  Jeder  etwas  nachgäbe. 

Auf  gleichen  Umwegen  führt  er  die  Frage  zur  Entscheidung,  ob 
beide  Kalender  neben  einander  zu  behalten  seien.  Er  fügt  den  in  der 
Kegel  aufgeziihlten  Nachteilen  hinzu,  dass  die  Ausländer  schliessen  würden, 
wenn  die  Deutschen  in  einer  so  geringen  Sache  nicht  einig  seien,  sie  es 
noch  weniger  in  grösseren  sein  würden,  und  da.ss  so  jenen  Mut  gemacht 
wei’de  zum  Anginff  auf  das  Reich.  Das.  fährt  er  dann  jitlichtschnUlig 
fort,  ist  auch,  wie  ich  glaube,  des  Paj)stes  Hau])tab8icht  und  sein  Suchen, 
dass,  wie  im  Kalender  viele  Namen  rot  gezeiclmet  sind,  so  er  sich  im 
Blute  der  Ketzer  erlustigen  möchte.  Aber  nur  um  so  mehr  betont  er 
wieder  die  Notwendigkeit  der  Einigung.  Schon,  sagt,  er,  gibt  es  unter 
dem  Volke  Streitigkeiten;  „denn  gleichwie  es  vor  wenigen  Jahren  zu- 
ging, da  der  Streit  zwischen  Victorino  und  Flacio  war,  nämlich,  wo 
zwei  bei  der  Zeche  zusammenkamen,  examinierten  sie  einander  und 
dis])iitierten  so  mit  einandur,  dass  sie  sich  die  Argumente  gegenseitig  auf 
den  Kopf  solvierten,  oder  wie  es  nocK  jetzt  leider  geht,  dass  Eijier 
calvinisch,  der  Andere  der  Concordienformel  zugethan  sein  will,  also  ist 
es  mit  den  beiden  Kalendern  auch:  da  kalendert  sich’s  im  Zechen  so 
lange , bis  man  endlich  des  Kalenders  vergisst  und  gar  kälbern  und 
kollern  wird  und  auf  einander  znschlägt  wie  auf  die  tollen  Hunde. 
Dann  bekommen  Bader  und  Barbiere  zu  llicken,  die  Richter  das  Straf- 
geld, die  Leute  die  geflickte  Haut  und  bleiben  die  Kalender  nichtsdesto- 
weniger einmal  wie  das  andere.“  Eindringlich  ermahnt  daher  Rivander 
den  Kaiser  und  die  Fürsten  zur  Beseitigung  des  Zwiespaltes. 

Diese  durch  Herstellung  eines  dritten,  besseren  Kalenders  zu  er- 


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77 


reichen,  erachtet  er  für  unmöglich.  Der  Papst  wird  seinen  Kalender 
nicht  mifgühen  und  die  Fürsten  wenlen  einem  anderen  einzelnen  ]^[anne 
nicht  leicht  folgen.  Jener  würde  auch  ein  neues  Concil  berufen  wollen, 
diese  aber  würden  es  nicht  beschicken.  Geht  man  nicht  im  Einvoi-ständ- 
nisse  mit  dem  Papste  vor,  so  wird  dei’selbe  das  nötige  Geld  nicht  her- 
schiessen.  unseren  Fürsten  aber  worden  die  Kosten  zu  gross  dünken  und 
die  Gelehrten  selbst  vermögen  sie  niclrt  zu  tragen.  „Die  Stifte  und 
Klöster,  so  zu  solchem  und  dergleichen  gewendet,  sind  weg,  zerrissen 
und  in  prophanum  usum.  das  'ist  zu  weltlichen  Dingen  gekommen;  die 
wenigen,  die  noch  da  sind,  werden  von  den  Ilarpyeu  täglich  so  ge- 
zwackt und  gerupft,  dass  schier  weder  Heu  noch  Futter,  w'eder  Stumpf 
noch  Stiel  da  ist.“  Diejenigen,  welche  sie  innchuben,  kömicn  mit  den 
Einkünften  nicht  zu  ihrer  Fleischeslust  und  Hoffahrt  reichen,  wenn  sie 
nicht  die  Unterthaneu  aufs  äusserste  aussaugeu,  und  was  sie  haben,  wird 
verpra.sst.  Auch  sind  die  Fürsten  und  Gelehrten  unter  einander  uneinig- 
Ich  würde  daher  raten,  dass  mau  die  überzähligen  Tage  allmählich  aus- 
liesse  und  einen  Kalender  machte,  der  vom  julianischen  weniger  als  der 
gregorianische  abwiche. 

Auch  die  baldige  Ausführung  dieses  — gewiss  nicht  ernst  gemeinten  — 
Vorschlages  bezeichnet  llivander  indes  als  unwahrscheinlich  und  so  führt 
er  denn  zur  Beruliigung  derjenigen  Christen,  welche  auf  Befehl  der 
Obrigkeit  den  neuen  Kalender  annehmeu  müssen,  tlie  Ei'örterungen  Luthein 
über  die  Jlitteldiugo  und  die  Feier  des  Osterfestes  an.  Diese  in  der 
Concordia  wiederholten  Worte,  sagt  er,  enthalten  die  göttliche  Lehre. 
Meine  Meinung  ist  daher:  Würde  uns  der  Kalender  vom  Papste  oder 
vom  Kaiser  dergestalt  zugescluckt,  dass  ohne  ihn  unser  Gottesdienst 
nicht  recht  sein  sollte  und  dass  er  zur  Gewissenssache  gemacht  würde, 
dann  könnten  wir  ihn  nicht  ohne  Sünde  aimehmen.  Wir  müssten  dann 
trachten,  ilm  ohne  Aufruhr  abzuwenden.  Wiuale  man  aber  das  Begehren 
um  weltlicher  Ursachen  willen  an  ims  stellen,  so  könnten  wir  wohl  will- 
fahren, doch  mit  dem  Vorbehalte,  dass  wir  den  Papst  durchaus  nicht  für 
unser  Haupt  hielten,  .sondern  den  Kaiser,  dem  wir,  soweit  es  ohne  Sünde 
geschehen  kann,  zum  Gehorsam  verpflichtet  sind.  Wo  also  der  Kaiser 
die  Hoheit  hat  und  Gottes  Wort  ungehindert  üben  lässt,  da  sind  wir 
schuldig,  auf  sein  Geheiss  den  neuen  Kalender,  mag  ihn  gemacht  haben 


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78 


■wer  will , anzum'huien , zumal  derselbe  für  weltlielie  Angelegenheiten 
nützlich  ist.  Dass  die  evangelischen  Reichsstiincle  ihn  gleichwol  nicht 
angonoinnien  haben,  dazu,  bemerkt  der  rücksichtsvolle  Pfarrer,  haben  sie 
freilich  viele  Ursachen,  die  ich  schon  erwiVlmte.  Noch  eine  will  ich  l>ei- 
fügen.  Gewiss  sucht  der  Papst  mit  seinem  Kalender  nur,  sich  wie  ein 
Dieb  in  unsere  Kirche  zu  schleichen,  um  dann  nach  seinem  Gefallen 
darin  zu  liau-sen,  und  er  will  ei;»  lllutbad  in  Deutschland  anrichten.  Wir 
müssen  es  lieber  auf  einen  Krieg  ankoiniiien  lassen,  als  dom  Pajwte  Ein- 
mischung in  unsere  Kirchen  gestatten.  Die  deutschen  Fürsten  aber 
werden  durch  ihre  Gelehrten  Hat  halten  lassen,  wie  dem  Zwiespalte  ab- 
zuhelfen ist,  ehe  der  kleine  Funke  zur  Flamme  wiitl.  Ohnehin,  schliesst 
dann  Uivander  an  die  Einleitung  anknüpfend,  lässt  es  sich  ansohen,  als 
ob  grosse  Veränderungen  in  allen  Ständen  im  Anzuge  seien,  und  es  naht 
das  Jahr  1588,  für  welches  der  bekannte  Spruch')  gros.se  Wuudei-  vor- 
hersagt. Zu  diesen  kann  die  Kalendei-treimung  und  die  Conjunctiou  der 
oberen  Planeten  die  Vorbereitung  sein,  wiewol  ich  und  alh;  rechten 
Christen  hoffen,  dass  der  liebe  jüngste  Tag  bald  kommen  werde. 

Die  schüchtern  vereteckten  Mahnungen  des  lausitzer  Pfarrern  ver- 
hallten ungohört.  Einzelne  Glaubensgenossen  mochten  mit  ihnen  einver- 
standen sein.  Der  grosse  Astronom  Tycho  de  Drahe  hatte  sich  in  liriefeii 
sofort  für  die  Annahme  des  neuen  Kalendore  ausgesprochen  und  den 
Widei’stand  der  augsburger  Prediger  unbedingt  verurteilt.  15!) 7 befür- 
wortete auch  Kepler  jene  in  einem  Schreiben  an  Mästlin  dringend,  damit 
die  nachteilige  Absonderung  der  deutschen  Pi’otestanten  von  der  Zeit- 
rechnung ihrer  katholischen  liandsleute  und  Nachbarn  a»ifhöre ; der 
gregorianische  Kalender  sei  doch  unstreitig  besser  als  der  julianische 
und  dem  Pap.ste  habe  man  hinlänglich  bewiesen,  dass  man  die  Neuerung 
nicht  auf  seinen  Befehl  hin  annehme.  Er  verfasste  auch  eine  deutsche 
Schrift,  um  diese  Gedanken  vor  weiteren  Kreisen  zu  vertreten,  doch 
wollte  er  dieselbe  nicht  unter  seinem  Namen  herausgeben  und  schliess- 
lich nahm  er  von  der  Veröffentlichung  gänzlich  Aljstand.  *)  Der  Ila.ss 
gegen  den  Antichrist  zu  Korn,  welchen  die  Protestanten  jener  engherzigen 


1)  S.  S.  26. 

*J)  KaUenbrußner  b'i'\  fg-,  WÜ  fg. 


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79 


und  in  fanatischer  Theologie  verstrickten  Zeit  als  eine  der  l>esten  Errun- 
genschaften der  Reformation  und  als  einen  wesentlichen  Bestandteil  christ- 
licher Vollkommenheit  ansahon,  machte  nach  wie  vor  alle  Erwägungen 
politischer  und  bürgerlicher  Zweckmässigkeit  unwirksam. 

Auf  dom  Reichstage  von  1598  hatten  sogar  die  evangelischen  Reichs- 
stÄnde  in  einer  an  den  Kai»'r  gerichteten  Beantwortung  katholischer  Be- 
schwerden erklärt:  Was  den  neuen  Kalender  betreffe,  so  könnten  sie  die 
angemasste  Obrigkeit  des  Papstes  nicht  anerkennen;  die  der  weltlichen 
Obrigkeit  zustehende  Aenderung  sei  „nicht  so  fast  zu  besserer  Richtig- 
keit mathematisc-her  Calculation  als  zu  einem  Kennzeichen  seiner  jeder- 
zeit gesuchten  Superioritüt  über  alle  Stände  der  Christenheit  geschehen, 
ausserhalb  welcher  solche  an  sich  sellwt  nicht  unnötige  noch  auch  unnütze 
Emendation  und  Reduction  der  Zeit  auch  wol  durch  seinen  des  Papstes 
Antrieb,  wenn  ihm  ja  soviel  an  den  Festen  und  Feiern  gelegen,  aber 
billiger  durch  einen  römischen  Kaiser,  um  anderer  erheblicher  Ui'sachcn 
und  Nutzbarkeiten  willen  hätte  besehehen  können  und  sollen,  weswegen 
die  Evangelischen  billig  den  Papst  als  einen  Antichrist,  der  die  Zeit 
verändert,  beschuldigen.“  ') 


XI. 


Die  Katholiken  fanden  sich  in  der  Abwehr  der  protestantischen  An- 
griffe dadui’ch  behindert,  dass  die  Begründung  und  <lie  wissenschaftliche 
Rechtfertigung  der  Neuormig  von  Seite  der  römischen  Curie  so  lange 
auf  sich  warten  Hess.  Sie  entbehrten  somit  einerseits  der  nötigen  Unter- 
lage für  ihre  Verteidigung,  andei-seits  mussten  sic  füi-chten,  sich  mit 
ihrem  geistlichen  Oberhaupte  in  Widerspruch  zu  setzen. 

Zum  Teil  beschränkten  sie  sich  deshalb  darauf,  den  neuen  Kalender 
und  die  päpstlichen  V'^erordnungen  nachzudrucken.  So  geschah  es  in  dem 
1583  zu  München  veröfl'ontlichten  Kalendarium  Romanum®)  und  in  anderen 


1)  Lehmann  Acta  de  i^ace  pobHca  I,  241  mit  der  ijerichtigung  b«i  Senkenberi?  N.  T.  Keiebs' 
j^etchichte  XXI,  34T)  Arnn.  t.  Da«.  Amn.  u wird  ein  bei  Lehmann  fehlender  ZaiaU  mitgetcilt:  .Wie 
dann  etliche  vortreffliche  Mathematici  (dee  Kaisers  eigener  Hatheraatiens,  Ditmams  Ureas,  wie  auch 
Albinos)  ad  oculnm  demunstriret,  dos»  solche  unrichtige  emendatio  onwidcrlcglicb  Terursachte,  dass 
man  dieses  Jahr  drei  Ostern  habeif  werde.*  Den  Sion  dieser  Stelle  verstehe  ich  nicht. 

2)  N.  4 des  Anhangs. 


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80 


katliolisdien  Gebieten  dürfte  älmlieli  verfahren  sein.  Noch  1595  Ivegnügte 
sich  der  wiirzlnir^er  Professor  Adrianus  Uomamis,  ohne  jede  Polemik 
lediglich  die  Regeln  für  den  Gebrauch  des  alten  und  neuen  Kalenders 
zusanuuenzustellen. ')  Ein  1583  zu  München  erschienener  deutscher  Al- 
manach  ®)  wagte  nur,  die  Versicherung  zu  geben,  dass  die  Aenderung  anf 
Anhalten  und  mit  Wis,sen  und  Willen  des  Kaisers  und  anderer  Füi'sten 
erfolgt  sei,  und  auf  die  den  Gelehrten  längst  bekannten  Fehler  der  alten 
Osterrechnung  hinzuweisen.  Entsjirechend  verfuhr  ein  1584  mehrfach 
gednickter  Bericht  *),  welcher  die  Geschichte  der  Kalenderänderung  etwas 
ausführlicher  behandelte.  Der  Profe.ssor  der  Mathematik  zu  Köln,  Theodor 
Graniinaeus  aus  Roernionde ■*)  begrüsste  1583  in  einer  Mahnung“)  an  den 
Kaiser  und  die  deutschen  Füi-sten  zur  Einführung  dos  Kalenders  diesen 
als  ein  Vorzeichen,  dass  die  Reformation  der  Kirche,  durch  welche  die 
Reinheit  des  Glaubens  und  der  Sitten  in  Europa  und  namentlich  in 
Deutschland  hcrgestellt  werden  solle,  in  Kürze  erfolgen  werde,  wie  er 
sie  nach  dem  Zeugnisse  der  hl.  Schrift  orwaite  und  ihre  Anfänge  bereits 
wahrzunchmen  glaube.  Die  erste  Kalenderverbesserung  sei  ja  durch 
Cäsar  und  August  zur  Zeit  der  Geburt,  Christi  und  die  zweite  vom  Concil 
zu  Nieüa,  welches  den  Glauben  erläuterte,  vollzogen  worden.  Er  wendete 
sich  gegen  die  wis.sen.schaftlichen  Angriffe,  welche  ein  zur  frankfurter 
O.stermesse  erschienenes  Buch  des  Astronomen  Möller®)  wider  die  pä]>st- 
licho  Neuerung  enthielt  Die  übrigen  Gründe  der  Protestanten  gegen  die 
Annahme  derselben  berührte  er  nicht  und  es  konnte  dieser  gewiss  nicht 
förderlich  sein,  wenn  er  bemerkte,  abgesehen  davon,  (lass  sie  vom  Pajiste 
allen  k’ürsten  der  Welt  und  namentlich  dem  Kaiser  als  Schinuherm  der 
Kirche  aufgetragen  sei,  ver])Hichte  auch  das  canonische  Recht  alle  Chri- 
sten zu  ihr. 

Die  erste  umfassende  Bespreclumg  der  protestantischen  Einwände 

1)  tf.  Sl  dea  Anhang 

2)  N.  1 ie»  Anhan'rs. 

3)  N.  12  des  Anlsangs. 

4)  Ri  an  CO  Geschichte  der  UniTcreiUt  Köln  1,  099. 

5)  N.  3 des  Anhangs, 

(!)  Vgl.  Kaltenbronner  53“  fg.  und  Hist.  Zeitschrift  K.  F.  Vl,  135.  Hen  Titel  siebe 
F.  C des  Aohangf). 


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81 


gegen  den  Kalender  verfasste  der  wiener  Matheinatikprofessor  Fabricius 
auf  Befehl  des  Kaisers  gegenüber  dem  Gutachten  Möstlius,  welches  der 
Churffirst  von  der  Pfalz  nach  Wien  geschickt  hatte.  Diese  Schrift  wurde 
jedoch,  soviel  bekannt  nicht  veröffentlicht. ') 

Flüchtig  befasste  sich  dann  1584  der  ebenfalls  zu  Wien  lobemle 
Johann  Hasch  mit  der  Abwehr  der  theologisch-bürgerlichen  Gegengrflnde 
in  seiner  „üegenpractic“,  welche  den  Glauben  an  das  nahe  Bevorstehen 
des  Weitendes  bekämpfte,-’)  und  in  einem  „Neu,  alljahrigen  Kalender“,*) 
welcher  eine  Umarbeitung  der  gewöhnlichen,  ewigwährenden  Kalender 
nach  Massgabo  der  gregorianischen  Vorschriften  bot.  Das  letztere  Werk- 
eben  wurde  1586  nochmals,  doch  abgesehen  vom  Titel'*)  völlig  tmver- 
ändert,  ausgegeben.*)  15!)0  endlich  veröffentlichte  Kasch  in  seinem  „Neu 
Kalender“  eine  ausführlichere  und  allseitige  Verteidigung  der  gregoria- 
nischen Schöpfung.  ®) 

Dieser  eri-ogo  nicht  nur  Streit  l>eim  Volke,  .sagt  Hasch  in  der  Vor- 
rede, sondern  werde  auch  benutzt,  um  dasselbe  gegen  die  Obrigkeit  zu 
verhetzen.  Frage  man,  weshalb  über  den  Kalender  wie  über  fast  Alles 
gestritten  werde,  warum  der  Gehorsiim  bei  den  Christen  so  sehr  ge- 

1)  S.  K al ten  b r u nn er  5H0  fg.  Bei  Wiedemann  Geschichte  der  Reformation  and  Gegen* 
refonnfttion  im  Laude  unter  der  Enns  wird  1,  438  und  445  eine  Practica  des  Fabricius  von  1584  and 
S.  441  ein  Fragmontum  von  ihm  erwähnt,  worin  er  sich  Ober  den  neuen  Kalender  äussere.  Ob  dort 
ein  Teil  oder  ein  Ausing  der  obigen  Schrift  mitgeteilt  war,  ist  nicht  ersichtlich.  Vielleicht  ist  Fa* 
brieitis  auch  mit  dem  oben  S,  79  Anm.  1 erwähnten  kaiaerl.  Mathematiker  gemeint. 

2}  N.  17  des  Anhangs,  ln  der  Inhaltaangabe  sagt  Rasch:  Weil  überall  viclo  alte  Weissagungen, 
auf  das  nahe  Weitende  gedentet,  umfahren  und  damit  der  Pöbel  genarrt  ond  die  Obrigkeit  rerliasst 
gemacht  wird,  besonders  aber  weil  der  Sterndeuter,  Wahrsager  und  Schwarmgeister  kein  Maas  noch 
Ziel  ist,  welche  aus  der  Conjunction  der  Planeten,  die  15S4  geschieht,  den  Untergang  aller  Geist- 
lichen, der  Religion,  der  Reiche  und  der  Fürsten  und  alles  Ueble  weissagen,  so  will  ich  darlegen, 
was  davon  su  lialten,  als  Vortrab  eines  grösseron  Propbezeibuebes. 

3}  K.  16  des  Anhangs. 

4)  N.  25  des  Anhangs. 

5)  Vgl.  Kaltenbrunner  b34. 

6)  N.  29  des  Anhangs,  ln  der  aus  Wien  vom  25.  Mai  1584  datierten  Widmung  an  Erxhenog 
Maximilian  tagt  Rasdh.  er  habe  neben  zwei  lateinUcben  Tractätchen:  de  lonovatione  temporis  und 
de  Christianissiraa  Calendarii  ecclesiastici  ordinatione , „welche  noch  Anno  82  alsbald  gar  verschickt 
ond  verloren  worden/*  auch  ein  deutsches  Buch  fürs  Volk  über  den  Kalender  geschrieben.  Diese  drei 
Schriften  sind  mir  unbekannt,  falls  nicht  mit  dem  letzten  N.  25  des  Anhangs  gemeint  sein  sollte. 
Weiter  bemerkt  Rasch,  er  habe  das  vorliegende  Buch  schon  1583  verfasst  und  es  sei  „von  cooailio 
ecclesiastico  Monacensi  passierlich  erkennet“  worden,  dann  aber  beim  Drucker  liegen  geblieben. 

Abb.  d,  III.  CI.  d.  k.  Äk.  d.  Wiaa.  XV.  Bd.  III.  Abth.  II 


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82 


sdnvundon  sei  und  warum  die  Religion  an  vielen  Orten  fort  und  fort 
geändert  werde,  so  liege  die  Ursache  davon  grossen  Teils  darin,  d.'iss 
etliche  hoho  llorron  den  hitzigen  Köpfen  und  Schriften  zu  viel  Gehör 
gäben.  Wohin  letztere  es  in  vielen  Ländern  gebracht,  zeige  die  Er- 
fahrung. Es  ist  dahin  gekommen,  versichert  Ra.sch,  ohne  Zweifel  mit 
Bezug  auf  die  österreichischen  Zustände,  dass  jetzt  oft  achtzehn  Befehle 
eines  Fürsten  bei  seinen  Landsassen  und  Unterthanen  kaum  soviel  wirken 
wie  sonst  ein  einziges  volo,  dass  an  manchen  Orten  der  Bauer  dein  Ge- 
bote des  Landesfürsten  nicht  gehorchen  darf  ohne  Erlaubnis  seines  Edel- 
mannes und  dass  der  Adel  überall  Freistellung  der  Religion  fordert,  aber 
seine  Unterthanen  mit  Gefängnis,  Schlägen  und  Ausweisung  zu  seiner 
Sektiercrei  zwingt.  Mancher  Landmann  legt  jetzt  seinen  Bauern  den 
neuen  Kalender  auf,  nicht  auf  dos  Landesfürsten,  des  Papstes  oder  des 
Bischofs  Gebot  oder  der  PfaiTor  Kanzolverkündigung  hin,  sondern  mit 
der  Entschuldigung,  er  thue  es  nur  seinen  Nachbarn  zu  Gefallen.  Als 
Grund  des  Widerstandes  gegen  den  Kalender  bezeichnet  Ra.sch  den  Hass 
gegen  das  Papsttum.  Er  zählt  dann  die  für  und  wider  jenen  veröffent- 
lichten Schriften  auf,')  gibt  die  Gründe  der  Neuerung  gemäss  der  Ein- 
führungsbulle an  und  sucht  alle  Einwändo  der  Protestanten  zu  widerlegen. 
Er  verrät  dabei  jedoch  weder  viel  Geist  noch  wissenschaftliche  Einsicht 
und  Kenntnisse.  Hervorragend  ist  nur  sein  Stil , der  an  Unbeholfenheit 
und  Verworrenheit  den  aller  mir  bekannten  Schriften  jener  Zeit  über- 
trifft und  bisweilen  trotz  aller  Vertrautheit  mit  der  damaligen  Ansdrucks- 
weiso  geradezu  unverständlich  ist.  Uio  dem  Titel  zufolge  beabsichtigte 
Fortsetzung  des  Buches  erschien,  soviel  bekannt  ist,  nicht. 

Des  1585  erschienenen  „Bauernratschlages“  geilachte  ich  bereits.*) 
Gelegentlich  eifert  auch  der  durch  Witz  und  Grobheit  ausgezeichnete 
Barfüsser  Johann  Nas  gegen  die  Widersacher  des  Kalenders , *)  und  mit 
heissendem  Spotte  fertigte  der  wiener  Jesuit  Georg  Scherer  schlagend 


1)  Sammtlicho  Ton  ihm  auf^eführte  Schriften  sind  mir  bekannt  bis  auf  einen:  Commcntariolas 
de  Calemlario,  i**.  Heidclbergao  den  ich  weder  anftreiben  konnte  noch  sonst  erwähnt  fand. 

2)  8.  oben  S.  30  fg- 

3)  In  dem  1584  erschienenen  Concordibneb  p.  208.  Ueber  Nas  s.  Job.  D.  Schöpf  Johannes 
Nasiis,  Franiiskaner  nnd  Weibbtschof  Ton  Brixen,  1534 — 1590,  Boxen  1600. 


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83 


die  plumiien  Scherze  Osianders  in  einer  Schrift  at>, ')  die  er  1587  aus 
Anlass  einer  anderen  Fehde*)  gegen  denselben  herausgab. 

Als  Erwiderung  auf  Heerbrands  Thesen  liess  der  Jesuit  Johann 
Busäus  1585  solche  an  der  Akademie  zu  Mainz  durch  M.  Peter  Rost 
verteidigen  und  daun  veröffentlichen.  *)  Rost  widmete  seine  Schrift  dem 
gerade  in  Mainz  weilenden  Bischöfe  von  Jletz,  Herzog  Karl  von  Lotli- 
ringen.  Die  Angriffe  der  Protestanten  gegen  den  Kalender  führte  er  da 
auf  den  Hass  und  Neid  deraelben  gegen  das  Papsttum  zurück  und  er 
fand,  dass  Heerbrand  das  ganze  Gebäude  seiner  Beweisführung  lediglich 
auf  leeren  Verdacht  bezüglich  der  Absichten  des  Papstes  gründe.  Besser 
hätten  die  Protestanten  getlian,  dem  Rate  des  Chemnitz'*)  und  dem  Bei- 
spiele Augsburgs  zu  folgen.  Schon  ihrer  Kaufleute  wegen  w’erden  sie 
schliesslich  den  neuen  Kalender  annehmen  müssen,  nachdem  dies  alle 
katholischen  Staaten  gethan,  oder  glauben  sie  etwa,  den  Kaiser  und  die 
katholischen  Reichsständo  bewegen  zu  können,  zum  alten  zurückzukehren 
oder  einen  dritten  zu  machen?  Warum  sollten  sie  nicht  gleich  den 
augsliurger  Predigern  den  gi’egorianisehen  Kalender  unter  Verwahrung 
gegen  die  Anerkennung  des  Papsttums  einführen?  Aber  sie  w'ollen  über- 
haupt keine  Verbesserung  des  alten.  In  den  Thesen  werden  daun  die 
Gründe  Heerbrands  gegen  den  neuen  Kalender  bis  zu  den  .Vusführungeu 
über  das  Antichristentum  des  Papstes  herab  gewandt,  verständig  und  in 
meist  würdigem  Tone  abgelehnt,  doch  konnte  es  nicht  versöhnlich  wirken, 
dass  die  Zugehörigkeit  des  Kalenders  und  der  Festfeier  zu  den  frei- 
gelassenen  Mitteldingen  entschieden  bestritten*)  und  die  Befugni.s  zur 
Aenderung  und  zum  Anbefehlen  derselben  aus  der  Amtsgewalt  und  dem 
Primat  des  Papstes  hergeleitet  wurde. 

Noch  w'eit  weniger  konnte  zur  Förderung  der  Eintracht  ein  Gespräch 
dienen,  welches  ein  Priester,  M.  Jakob  Hornstein  aus  Ueberliugon,  1596 


1)  G.  Scherer  Triumph  der  Warheit  wider  Lucam  Osiandrum.  JngolsUdt  lf)87. 

2)  Siehe  darüber  liriefe  und  Acten  nur  Gesch.  dea  dreiasigjährigeu  Krieges  IT,  153  fg. 

3j  N.  24  des  Anhangs.  Da  Böst  das  ßoeh  in  seinem  Namen  und  »auf  Antrieb  seiner  Lehrer* 
dem  Bischöfe  von  Mett  widmet,  kann  nicht,  wie  man  allerdings  nach  dem  Brauch  der  Zeit  annehmen 
sollte,  der  Vorsitzende  der  Disputation  Busäus  der  Verfasser  sein.  Indes  wird  er,  der  bekannte  Jesuit, 
schon  Ton  den  Zeitgenossen  statt  Bösts  als  Verfasser  genannt. 

4)  S.  oben  S.  18. 

5)  Fol.  16  fg.  Kaltenbrunner  584  lässt  das  gerade  Gegenteil  behaupten! 

n* 


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EU  Ingolstadt  veröffentlichte. ')  Es  zählte  die  Gründe  der  Kalendcrändenmg, 
welche  von  katholischem  Standpunkte  au-s  geltend  gemacht  wunlen,  auf 
und  suchte  sic  dui^ch  j)luini)e  Schmähungen  gegen  die  Protestanten  und 
die  einfältigsten  Ausführungen  zu  erhärten.  So  hielt  er  es  für  nötig, 
darzuthun,  was  Niemand  bestritt,  da-ss  nämlich  das  Erlösungswerk  zur 
Zeit  des  Frühlingsvollmondes  vollendet  worden  sei,  und  sagte  zu  diesem 
Ende:  „I)a.s.s  die  Juden  ihre  Ostern  im  Vollmond  des  Nisan  gelialten  und 
ja  Christus  der  Herr  selbst  auch  zu  solcher  Zeit  für  uns  gelitten  und 
gestorljen,  erweisen  und  bringen  klärlich  mit  sich  die  AVortc,  so  Dionysius 
Areo[)agita,  damals  ein  Philosophus  und  Professor  zu  Athen,  am  Tage  des 
I,eidens  Christi  zu  seinen  Zuhörern  geredet  und  gesagt  hat:  Entweder 
Gott  der  Natur  leidet  oder  die  Welt  wird  vergehen.  Denn  warum  hat 
gemeldeter  Philosophus  solche  Worte  geredet,  als  allein  darum,  weil  er 
gesehen,  diiss  die  zwei  Finsternisse,  so  sich  zumal  am  Tage  dos  Lei- 
dens Christi  drei  ganzer  Stunden  lang  über  den  ganzen  Umkreis  der 
Erden  begaben,  nielit  natürlich  gewesen,  dieweil  solche  zumal  auf  einen 
Tag  und  im  Vollmondsclioin  sich  zugotragen,  welches  natürlicher  Weise 
niclit  hat  können  gescliohen,  denn  wissentlich,  wenn  es  im  vollen  Jlond- 
Bchein  ist,  wie  es  denn  damals  war,  so  wird  keine  Finsternis  natürlicher 

AVeise  an  der  Sonne im<l  wenn  es  gleich  schon  im  Neumond,  in 

welchem  sich  die  Finsternisse  an  der  Sonne  begotjen,  so  winl  die  Sonne 
alsdami  also  nicht  und  zu  keiner  Zeit  verfinstert,  dass  solche  Finsternis 
(wie  am  Charfreibig  oder  am  Tage  dos  Leidens  Christi  beschehen)  allent- 

halben  in  der  Welt  gesehen  werde Folgt  derhalben.  dass  Christus 

der  Herr  sammt  seinen  Jüngern  am  Uten  Tag  Mondscheins  Ostern  ge- 
halten und  für  das  ganze  menschliche  Gesclüecht  gestorben  sei.  Sonsten 
hätten  sich  solche  Finsternisse  an  beiden  grossen  Lichtern  nicht  begeben 
noch  auch  obgemeldeter  Dionysius  also  hiervon  geredet.“  Weiterhin  Ije- 
merkt  dann  Hornstein:  „Die  lutherischen  Nasweisen,  Confessionisten  und 
Protestierenden  sainrat  anderem  ketzerischen  Ge-schmeiss“  geben  als  Ur- 
sache der  Ablehnung  des  neuen  Kalenders  vor,  dass  der  Papst  ihn  ge- 
macht und  seine  Einführung  befohlen  habe.  Werde  er  Keichskalender 
genannt,  versichern  sie,  so  sei  schon  geholfen,  und  1594  ist  im  Volke 


1)  N .12  «Jes  Anhang«. 


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■y 


85 


die  Sa|?e  gegangen,  dass  der  damals  stattfindondo  Reichstag  ihn  wieder 
ubscliaffen  oder  iimtaufen  werde.  Da  sucht  nun  Hornstein  nacli/uweisen, 
dass  der  Kalender  mit  Fug  und  Recht  Reicliskalendcr  genannt  werden 
könne,  svobei  er  unter  Anderem  hervorhebt,  da  die  Einführungsbulle  vom 
24.  Februar  1581  ')  datiere,  sei  es  sehr  imwaln-scheinlich,  dass  der  Ka- 
lender, wie  einige  Protestanten  behaupteten,  beim  Reichstage  von  1582 
zu  spät  übergeben  worden.  .4uf  den  Einwurf,  dass  die  Bezeichnung 
Reichskalender  doch  nicht  ]>a.sse.  weil  die  Protestanten  sich  abgesondert 
hätten,  erwidert  er:  „Darnach  fragt  man  nicht  viel;  wer  nicht  will,  der 
fahr’  hin;  da.s  hl.  römische  Reich  ist  auf  sie  nicht  gebaut,  sonst  wäre  es 
vorlängst  zu  (!rundu  gegangen.  Doch  ist  nicht  ohne,  dass  sie  ihres 
Nichtmithaltens  des  Kalenders  zu  entschuldigen,  dieweil  ihr  Reich  nur 
weltlich  und  lauter  jmlitisch,  oder  da  gleich  au  dein  was  Geistliches, 
so  ist  es  doch  ohne  ein  Haiijit  und  nach  den  Weiten  Christi  in  ihm 
selbst  durchaus  uneinig  und  zertrennt  Dorhalben  kann  bei  ihnen  in 
Annehmung  und  Bewilligung  dos  reformierten  Kalenders  wie  auch  in 
anderen  Religion-sartikoln  nicht  bald  Friede  und  Einhelligkeit  einge- 
gangen und  erlangt  W'eitlen,  es  sei  denn,  dass  solches  wohl  nach  ihrem 
Kopfe  und  Sinne  schmecke  oder  sie  voran  den  Vorteil  und  das  Heft  in 
ihren  Händen  haben.  Sonst  verschafft  und  erlangt  man  in  Religions- 
sachen, in  die  dann  der  Kalender  gehörig,  dieselben  seien  an  sich  selbst, 
so  gut  sie  immer  wollen,  nicht  leicht  etw^a.s.“  In  so  jämmerlicher  WeLse 
behandelt  Hornstein  durchgehends  seinen  Stoff  und  nachdem  er  noch 
darüber  gespottet,  dass  tiie  Protestanten  jedem  Spiessbürger  teuer  zu 
bezahlende  I^ichenpredigten  voll  überschw'änglichen  laibes  hielten  und 
dadurch  ein  neues  Martyrologium  schüfen,  in  welchem  Heilige  wie  Galle 
Bürstenbinder,  Vole  Vollzi»pf,  Lipp  Fassnacht,  Lenz  Saubirst  prangten, 
erzählt  er  zum  vollkommenen  Beweise,  da.ss  der  neue  Kalender  der  rechte 
sei,  in  seiner  Gegenwart  habe  es  zu  Strassburg,  als  ein  Kaufmann  über 
jenen  geflucht,  in  der  Silvesternacht  gedonnert  und  der  Kaufmann  wäre 
später  im  Rhein  ertrunken,  wenn  ihn  nicht  Anhänger  des  neuen  Kalenders 
gerettet  hätten. 

Das  elende  Älachwerk  Honsteins  schlies-st  die  Reihe  der  hier  zu 


1)  Grfij<or  XIII  fing:  das  Jahr  mit  dem  25.  Man  an. 


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8f. 


besprechenden  Streitschriften.  Im  Grunde  imtto  die  Fehde  auf  dem  Ge- 
biete der  Tagesliteratiir  sciioii  zehn  .Jahre  vorher  ilir  Ende  gefunden. 
Länger  setzten  die  (lelehrten  den  Kampf  um  den  wissenscltaftlichen  AVert 
der  gregorianischen  Neuerung  fort,  docli  fand  auch  er  auf  ])rotestan- 
tischer  Seite  1012  durcdi  das  Werk  von  Kalwitz'),  auf  katholischer  1016 
durch  die  Erwiderungen  des  zu  Ilom  lelienden  Jesuiten  Paul  Guldin-) 
seinen  Abschluss.  Es  konnte  übtu-flüssig  erscheinen,  die  Zulässigkeit  und 
die  Richtigkeit  des  Kalenders  zu  erörtern,  du  die  evangelischen  Reichs- 
stände einhellig  entschlossen  waren,  denselben  nicht  anzunehmen. 

Die  Vem'hiedeTdieit  der  Jahresrechnung  und  Fostfeier  wurde  fiir 
unser  Volk  eine  Quelle  bitteren  Haders  und  Zwiespaltes.  Viele,  hatte 
das  neustädter  Gutachten  bemerkt,  würden  sich  mehr  an  der  Ungleich- 
heit der  Ostern  und  Weihnacditen  als  an  der  des  Glaubens  stossen,  und 
Mästlin  hatte  vorausgesagt,  ■*)  die  Beobachtung  zweier  Kalender  werde  die 
Protestanten  von  den  Katholiken  scheidim,  wie  die  Juden  von  den  Christen 
insgesammt  geschieden  seien.  Der  Erfolg  gab  ihnen  Rocht.  Zwischen 
den  Anhängern  der  beiden  Bekenntnisse  trat  im  alltäglichen  Leben  ein 
Unterschied  hervor,  der  augenfällig  und  empfindlich  war  und  zwar  um 
80  mehr,  je  grosser  die  Zahl  der  Feste  war,  welche  auch  die  evan- 
gelischen Kirchen  damals  noch  begingen.  Damit  bildete  sich  dann  als- 
bald das  Gefühl  eines  feindlichen  Gegensatzes  aus,  welches  bis  dahin  nur 
in  geringem  Masse  vorhanden  gewesen  war,  weil  die  Protestanten  durch 
iimere  Streitigkeiten  in  Anspruch  genommen  wurden  und  die  Masse  der 
Katholiken  in  ihren  dogmatischen  Anschauungen  und  ihrem  kirchlichen 
Leben  wesentlich  durch  reformatorische  Lehren  beeinflusst  war. 

Dia  Erbittei-ung  wurde  gesteigert  durch  die  vielfachen  Unbequem- 
lichkeiten und  schweren  Schäden,  welche  die  doppelte  h’ratfeier  für 
Handel  imd  Verkehr,  für  das  Gerichtswesen  und  für  jode  Thätigkeit,  die 


1)  8.  ob«n  S.  Anm.  2. 

2)  S.  Historische  Zeitschrift  N.  F.  VI»  127.  Gnldin.  der  die  V>rtcidijrung  d«a  verstorbenen 
Ciavius  gejjen  Kalwiti  fibernftliiii,  bespricht  die  von  diesem  za«aimncitj^cste1Uen  Gründe  der  Pro- 
tcstantcD  gegen  die  Annalnne  des  neuen  Kalenders  in  seinem  Hauptwerke,  der  ßefutatio  elenchi> 
p.  3 fg.  nur  oberflächlich.  Auch  er  nimmt  das  Rocht  zur  Aeudorung  für  den  Papst  in  Anspruch  und 
sagt»  der  beste  Reweis  für  dasselbe  »ei,  dass  der  Kaiser  den  Kalender  Angenommen  habe. 

8)  K.  2 des  Anhangs  p.  6. 

4)  N.  11  de«  Anhangs  fol.  51b. 


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in  das  Gebiet  einer  andei'Sgläubigen  Obrigkeit  hiniiberreichte,  unverineiil- 
lich  nach  sich  zog.  Das  Reichskaniinergericht  vermochte  seine  olinehin 
übergrossü  Geschäftslast  um  so  weniger  zu  bewältigen.  Kaufleute  wurden 
bald  durch  ihr  eigenes,  bald  dui^h  das  andere  Bekenntnis  am  Absatz 
oder  an  der  Weiterführung  ihrer  Waaren  gehindert.  Jahrmärkte,  die 
sich  früher  zweckmässig  an  einander  reihten,  fielen  zusammen.  Wer 
Aecker  in  andersgläubigem  Lande  besass,  musste  sich  ihrer  Bestellung 
zweimal  enthalten.  Und  so  stellten  sich  der  Nachteile  noch  manche  -ein. 

Am  härtesten  und  öftesten  wurden  diese  natürlich  da  empfunden, 
wo  katholische  und  protestantische  Gebiete  sich  vielfach  Ijerührten  und 
durchsetzten,  wie  in  Schwaben,  Franken  und  im  nordwestlichen  Deutsch- 
land. Vor  allem  aber  litten  darunter  die  kirchlichgeinischtcn  Reichs- 
städte, wo  die  Bürger  in  so  enger  Gemeinschaft  des  Lebens  standen. 

Wir  erwähnten  bereits  der  Streitigkeiten  in  Augsburg. ')  Sie  setzten 
sich  eine  Reihe  von  Jahren  hindurch  fort,  wobei  es  sich  allerdings  bald 
mehr  um  andere  Fragen  als  den  Kalender  handelte,  und  hatten  zur 
Folge,  dass  Augsburg  lange  Zeit  sich  den  Versammlungen  der  Reichs- 
städte fernhielt,  weil  deren  Mehrheit  für  seine  evangelischen  Bürger 
gegen  den  Rat  Partei  ergriffen  hatte.  In  Kaufbenren  wurden  die  vom 
Rate  der  Beobachtung  des  neuen  Kalendei's  entgegengestellten  Hinder- 
nisse der  Anlas.s  zu  bitterem  Hader  und  zur  Einmischung  dos  Kaisers, 
des  Bischofes  von  Augsburg  und  der  Herzoge  von  Baiern,  welche  schliess- 
lich die  Ueborlassung  der  einzigen  Stadtkirche  an  die  winzige  katholische 
Minderheit  und  die  Annahme  des  gregorianischen  Kalenders  durch  den 
Rath  erzwangren. -)  Auch  in  anderen  Reichsstädten  störte  der  Kalender 
die  Eintracht  und  je  mehr  der  kirchliche  Hiias  entbrannte,  desto  häufiger 
wurde  die  Wi-schiedenheit  zu  schnöden  Bedrückungen  und  Quälereien 
ausgebentet.  Protestantische  Stadtobrigkeiten  und  Herren  zwangen  ihre 
katholischen  Bürger  und  Untorthauen  nicht  nur,  an  den  Festtagen  des 
alten  Kalenders  zu  feiern,  sondern  auch  an  denen  des  neuen,  deren  Be- 
obachtung ilmen  ihre  kirchliche  Obrigkeit  zur  Gewissensptlicht  machte. 


1)  Vgl.  oben  S.  6<3. 

2)  F.  Stiofe  Die  Reiebsitadt  K&ufbeareD  tind  die  baieriiche  Refitaaretionspolitik.  München 
1870.  p.  m fg. 


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88 


zu  arboiten.  vor  Gericht  zu  erscheinen  und  üiro  Kinder  zur  Scliule  zu 
schicken,  ja  sie  wehi-ten  sogar  den  in  ü»ren  Mauern  wohnenden  katho- 
lischen Geistlichen  die  Beobachtung  der  inipstlichen  Vorschriften.  ’)  Auf 
katholischer  Seite  wurde  dann  dieses  Bei.spiel  mit  gleicher  Unduldsamkeit 
nachgeahmt. 

In  den  achziger  .Jahren  di>s  sechzehnten  .Tahrhunderts  verschärften 
sich  die  Gegensätze  zwischen  den  kirchlich-|)olitischen  Parteien  im  Reiche 
und«  begannen  sich  entschieden  zu  unheilvollem  Ausgange  zu  wenden.  -) 
Die  KalenderveiTichiodenheit  trug  das  ihrige  dazu  bei,  indem  sie  nament- 
lich im  Volke  den  Glaulwnshass  entzündete  und  schürte. 

Mehr  als  ein  Jahrhundert  Lang  bestand  sie  fort.  Erst  1700  nahmen 
die  Pnitestanten,  durch  Leibnitz  bewogen,  einen  „Reichskalender“  an,  der 
jedoch  noch  immer,  da  er  Ostern  astronomisch  genau  bestimmte,  von 
dem  gregorianischen  abwich.  Endlich  gelang  es  1750  Friedrich  d.  Gr., 
die  allgemeine  Annahme  des  letzteren  in  Deutschland  zu  erwirken. 


1)  8.  die  katholiKhcn  Beichstagebcschwerden  ond  Kalteobrnnner  Polemik  .‘>.'17. 

2)  Vgl.  StieTe  Der  Ureprting  de«  dreiasigjnbrigcn  Krieges  I,  22.  30,  447  fg. 


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A 11  li  a II  g. ') 


1)  Alt  Gemain  Alma  nach,  ||  vnd  kurtze  Practica,  auff  etliche  Jar,  sambt  || 
dem  New  Corrij^irten  Calender-  vaderschidlicb  mit  |1  fleiss,  menigklicheu  vmb  beaser 
nachricbtaug  wil-  ||  len  zu  täglichem  gebrauch  iu  dise  ||  form  geatelt;  Auff  ||  das 
Jar  II  M.  D.  LXXXIII.  |{  (Vignette:  Kaiserliches  Wappen.)  ||  Getruckt  zu  Manchen, 
bev  Adam  Berg.  ||  Mit  Rom.  Kay.  May.  Freyheit  nit  uachzutrucken. 

Staatsbibliothek  MQncben.  4^.  Cbrlg.  154/3.  16  Blätter. 

2)  Kurtzer  Bericht  von  ||  gemeinem  ||  Kalender,  ||  Woher  er  kommen,  wie 
er  mit  der  zeit  ||  verrOckt,  ob  vnd  wie  er  widernmb  ||  zu  ersetzen  sey.  ||  Auss 
aiilass  der  Päpstlichen  newlich  ausge-  |]  gangeneu  Kalenders  Reformation,  I,  Gestelt 
in  II  Fürstlicher,  Pfaltzgräuischer  ||  Schul  zu  ||  New  Stadt  an  der  Hardt.  ||  (Vignette 
des  Buchdruckers.)  " Gedruckt  in  der  Fürstlichen  Pfaltz,  zu  New-  ||  stadt  an  der 
Hardt,  durch  Matthäo-  ||  um  Harnisch.  ||  M DLXXXIII. 

gUaUbibUothok  München.  4°.  Chrif;.  150/14  ornl  64.  32  Seiten.  Ygl.  Ksitenbrnnner 
Polemik  521.  WieJerabj?eJrnckt  in  N.  11  fol.  76b— 37. 

S)  I-'xhoHalio  II  Hc  Exeqiiai-  ||  da  Calendarii  Corredioiie,  Quam  S.  D.  A'. 
Grcgorios  XIII.  Pont.  II  Max.  Edi,  Promvli/ari  Et  Per  Italiam  |!  caeterasque  orbis 
Christiaui  partes  Anno  ||  M UC.XXXi  j obseruari  mandauit.  |1  Arf  Sacrum  Caesaieam 
Maie-  II  slatem,  Imjxrii  Eteclores  Ae  Prin-  ||  cipes  caeterosqne  Status:  Praecipue 
vero  ad  Screnissimnm  Reverendissi-  |1  mumque  Principem  Erueslum,  recens  electum 
Arcbiepiscopum  Colo-  |l  niensem,  Principem  Electorem,  etc  Nec  non  ad  Illustrissi- 
mum  et  ||  Reuereudissimnm  D.  Joanuem  Wilhelmum,  Postulutum  Admini-  ||  stratorem 
Monosterieusem,  Juliae.  Cliniae  et  Montium,  etc.  ||  Ducem  baereditarium,  Dominos 
suos  clemen-  ||  tissiinos,  directa  et  scripta.  ||  Per  Theodorum  Graminaeum, 
Philosophiae  Doctorera,  J.  Licen-  ||  tiatum,  lllustrissimi  ac  Reuerendissimi  Priucipis 


1)  Die  cureiv  ttedmekten  gtellen  sind  im  Ori^nal  ganz  mit  grossen  Bnchstaben  gesetzt. 
Abh.  d.  IlI.Cl.  d.  k.  Ak.  d.  Wiss.  XV.  Bd.  III.  Abth.  12 


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90 


ac  Domini,  ||  D.  Joannis  Wilhelnii,  Administratoris  Mouaste-  ||  rieusis  etc.  Consilia- 
rinm.  ||  Dvascldorpii  ||  Excudebat  Albertas  B\isius,  ||  Anno  1583. 

Staatsbibliotheli  MSnclien.  4°.  Litnrg.  268.  2.2  Blätter. 

4)  Kalendarivm  ||  Gregorianvm  ||  Perpdvimt.  ||  Cnm  Priuilegio  Sumnii  Pon- 
tifici«.  (I  (Vignette : Schild  mit  S.  P.  Q.  R.  auf  einem  Querbalken.)  ||  Monachii,  ||  Ex 
Typographia  Adami  Montani.  ||  Cum  gratia  et  priuilegio  Caca.  Maiest.  ||  M DL XXXIII. 

Staatsbibliothek  München.  4’’.  Clirlg.  44c.  22  Blätter. 

5)  Aussführlicher  vnd  ||  Grflndtli-  ||  eher  Bericht  ||  Von  der  allgeniainen,  vnd  || 
nunnielir  bey  seebtzehen  Hundert  Jaren,  von  11  dem  ersten  Kayser  Jnlio,  biss  aufif 
jetzige  Tusere  Zeit,  im  ||  gantzen  H.  Römiseben  Reich  gebrauchter  jarreebuung  oder 
Kalender,  ||  In  was  Gestalt  er  anfänglich  gewesst,  vnd  was  durch  länge  der  Zeit 
für  li  Irrthumb  dareyu  seyen  eyngeschlichen.  Item  ob,  vnd  wie  er  ||  widernmb  ohn 
merckliche  verwflrrnng  zu  ||  verbessern  were.  11  Sarabt  erklärnng  der  newen  Refor- 
mation, 11  welche  jetziger  Bapst  zu  Rom  Gregorivs  XIII.  ||  in  demselben  Kalender 
bat  angestellet,  vnd  an  vilen  Orten  eyn-  II  geführet,  vnd  was  darvon  znhalten  seye  |) 
Gestellt  durch  II  M.  Micaelem  Maestliuum  Ooeppiugen-  1|  sein,  Matheseos  Pro- 
fessorem  zu  Heydelberg. 

Am  Schlüsse  des  Buches  steht  eine  Vignette  mit  der  Umschrift:  Jacobus  Mylius. 
Coronas  annum  beniguitate  Tua.  Psalm.  05.  — Darunter:  Getruckt  in  der  Chur 
forstlichen  Statt  ||  Heydelberg,  durch  Jacob  MOller,  im  .Tar  ||  M D L XXXIII. 

Staatsbibliothek  München.  4^  Chrlg.  51  und  76  m.  8 Blätter  176  SS. 

Wiederabgedruckt  in  N.  11,  fol.  1 — 76a.  Vgl.  Kalten  brunner  514  fg. 

6)  Gründtliche  Wiederlegung,  ||  Sambt  eigentlicher  Be-  ||  Schreibung,  derjenigen 
Restitution  Auni  ||  vnd  Calendarij,  so  sich  dermalcius,  nach  viel  darauff  ||  gewandten 
nuibe  vnd  vnkosten  hcruor  gethan,  vnd  |1  sehen  lassen,  Im  Jar  ||  MDLXXXII.  i|  Allen 
Potentaten,  Fürsten  vnd  -Stenden,  des  heiligen  Römischen  Reichs,  sambt  all  derselben 
Ge-  II  lehrten,  vnd  Bewandten,  Auch  allen  Reichsstädten  zur  nach-  ||  richtnng,  auff 
das  dieselbige,  weil  sie  aus  gantz  keinem  Fnnda-  ||  ment  noch  Grunde  geaetzet,  nicht 
Pnblicirt,  oder  ||  ins  Werck  gerichtet  werden  möge,  ||  beschrieben.  1|  Vnd  sambt 
kurtzer  auzeigung,  wie  rnud  wel-  ||  eher  gestalt,  eine  solche  HochnOtige  Emendntion 
lichtig  II  vnd  gantz.  vollstendig  zu  vberkommen,  vnnd  endlichen  ins  II  werk  zu 
richten.  Mit  vleis  erkleret,  vnd  den  sehr  1|  schönen  Künsten  der  A.stronomiac  ||  zur 
Rettung  geaetzet.  !l  Durch  ||  M.  Thobiam  Mollerum,  ||  Astronomum. 

.\m  Schlüsse:  Geclruckt  zu  Leipzig,  il  Bey  Johann  Beyer,  In  verle-  ||  gang 
Simon  Hutters,  ||  Im  Jar.  ||  M.  D.  L.  ixxiii. 

8tääUbibliothck  München.  4®.  Chrlg.  51  unil  54  m uml  64.  20  Blätter. 

Wiederabgedruckt  in  N.  11,  fol.  102a-ll:ia.  Vgl.  Kaltenbrunner  .5:17. 


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91 


7)  Bedencken,  H Ob  der  newe  l’äpstische  Kalender  ein  Notlurft  bei  der  l| 
Christenheit  seie,  rund  wie  trewlich  discr  Papst  ||  (rregorins  XIII  die  Sachen  darniit 
meine:  Oh  der  II  Papst  Macht  habe,  disen  Kalender  der  Chri-  7 stenheit  anflfen- 
tringen : Ob  auch  fromme  vnd  'I  rechte  Christen  schuldig  seien,  deusel-  t bigen  an- 
aunemeu.  '|  Lucas  Osiander  D.  ||  (Vignette:  Lamm  auf  einem  Oraeheu;  Um- 
sehrift : Kcce  Agnns  Dci,  qni  toUit  peccata  mundi.  Jolnan.  I ) |{  Tübingen,  bey 
Georgen  Gruppenbach.  ||  M.  L).  LXXXIII 

SfaatAbiblietliek  Müncbm.  4®.  Cbrlg.  bl  und  64,  1‘/»  Blätter  und  46  Seiten. 

Wiederab^eilrncV’t  in  N.  11.  fol.  8S~102a.  Vgl.  Kaltenbrnnner  bl8  fg. 

8)  Knrtz  Uedencken  l|  Von  der  Kmendation  dess  ||  .lars,  durch  Babat  Gregorium 
den  XIII.  II  rdrgenomen,  vnd  von  seinem  Kalender,  nach  jbm  ||  Kalendarium  Gre- 
goriaunm  perpetuum  ||  jntituliert.  ||  Ob  solcher  den  Protestierenden  Ständen  anrn- 
nenien  seie,  oder  ||  nicht.  Mit  angehencktem  Prognostico,  inn  was  zei-  ||  ten  wir 
seien,  auss  den  Propheten  Uaniele.  |{  Zacharia,  vnd  Apocalypsi  Johannis  ||  hergefUhrt, 
vnd  wa.s  wir  zuge-  ||  warten  haben.  ||  Gestellt  ||  durch  Lambertum  Floridnm 
P I i eni  nger  um , im  Jahr  M.  D.  LXXXIV.  ||  im  Monat  Jannario,  zur  Warnung  vnd 
aulfinnndemng  der  Christen-  ||  heit,  sonderlich  deutscher  Nation.  ||  Esaiae  6G  sagt 
der  Herr,  ||  Ich  will  erwehlen,  das  sie  verspotten,  vnd  was  sie  schewen,  ||  will  ich 
vber  sie  kommen  lassen.  ||  Gedrnckt  zn  Strassbnrg,  durch  ||  Josiam  Rihel. 

StaaUbibliothek  München.  4".  Chrlg.  64  und  78  ra.  7 Blätter  und  Seiten. 

Wiederabgcdruckt  in  N.  11,  fol.  ll.lb — 163a.  Vgl.  Kaltenbrnnner  .720. 

9)  Baurenk  lag,  ||  Vber  des  Bapst  ||  Qregorij  xiii.  Newen  Ca-  1|  lender, 
Nämlich,  was  für  grosse  Vnord- ||  nung  (beides  im  Geistlichen,  wie  auch  im  Welt-|| 
liehen  liegiment,  inn  Kirchenyebuugen,  vnnd  inn  ||  anderen  Politischen  Sachen, 
Händeln  vnnd  Ge-  ||  werb)  darauss  entsprungen,  gewachssen  vnd  ||  herkomraen  sey. 
Kiirtzlich  vnd  einfältig  ||  in  gebnndene  reden  gestellet  II  vnd  verfasset.  !I  (Vignetten : 
Zwei  Bilder,  auf  jedem  links  Sonne,  Sanduhr  und  astronomische  Zeichen ; rechts  ini 
grö.ssereu,  durch  eine  Diagonale  geteilten  Abschnitte  der  Bilder  auf  dem  einen  oben 
ein  Centaur,  unten  ein  Bauer  mit  Axt,  anf  dem  anderen  ol)en  ein  Mann  mit  einem 
Gefassc  über  einer  Wolke,  unten  trinkende  Bauern.)  |]  Eiu  New  Lied,  vom  newen  || 
Caiender,  auch  was  sich  zu  .Augspurg,  ||  den  4 Tag  Brachmonats,  inu  disem  84.  Jar  jj 
hat  zngetrageu  Im  Ton,  Es  wouet  |l  Lieb  bey  Liebe,  etc.  ||  1584. 

Bibliothek  Wolfenbüttel.  6®.  QnoJIib.  517.  8 Blätter.  Vgl.  Kaltenhrunner  529. 

10)  Die  New  vermehrte,  |{  vnd  gebesserte  Bawrenklag,  vber  den  ||  Newen 
zngerichten  Gregorianischen  ||  Bäpstische  Kalender.  ||  In  wölcher  kiirtzlich  angedoutet 
wirdt,  das  nicht  ||  allein  vnder  dem  Bawersvoick,  sondern  auch  in  den  ||  Kirchen- 
flbnngeu  uml  Polittischeu  Sachen,  für  vn-  ||  Ordnungen,  auss  disem  newen  Ka- 
lender II  ent.sprungeii  vnd  erwachsen  ||  seyen.  I!  Neben  einem  sonderlicheu  begern  an 

12* 


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den  Babet,  ||  da  er  anderst  wolle,  das  mau  sich  nach  seinem  Kalender  halten  solle.  || 
(Vignette : Zwei  Bauern  und  zwei  Händler  auf  einer  Wage.)  II  Getruckt  im  jar  nach 
Christi  gebnrt,  ||  M.  D.  LXXXIIII. 

Bibliothek  WolfeDbüttel.  4*.  Quodlib.  2SX  8 Blätter. 

11)  Nothwendige  vnd  grUndtliche  ||  Bedenckhen  ||  Von  dem  allgemeinen, 
vhr- II  alten,  vnd  nn  mehr  bey  sechtzeheu  hundert  .Ta- ||  ren  gebrauchten  Hömiscben 
Kalender,  wie  vnd  ob  etliche  ||  Irrthumb  hiezwischen  in  demselbigen  eyngescblicben 
seyen,  ||  Item,  ob  vnd  wie  sie  zu  corrigieren  oder  zu  ||  verbessern  weren.  ||  Sampt 
Erklärung  vnd  Widerlegung  dess  ||  vngegründten  vnnd  vuuohtwendigeu  ueuwen 
Bäpsti-  II  sehen  Kalenders,  in  welchem  jetziger  Bapst  zu  Rom,  Gregorius  XIH  ||  den 
alten  Kalender  zu  verbessern  vermeint,  rund  denselben  jedermennig-  ||  lieh  antTzu- 
dringen  (nach  vermög  seiner  hievon  aussgegan-  ||  geuen,  vnnd  allbie  zu  end  bey- 
gesetzten  Bullen  oder  ||  Ausschreiben)  Vorhabens  ist.  ||  Alles  durch  etliche  hochver- 
steudige  Theologen  vnnd  ||  Mathematicos  (welcher  Namen  in  nachfolgendem  Blatt 
verzeichnet)  ||  anss  H.  Göttlicher  .Schrifft,  den  alten  Kirchen  Historien,  vnd  gewissen 
Mathe-  ||  matischen  Grundt,  allen  frommen  Christen,  Hohes  vnd  Nidriges  ||  Stands, 
zur  treuwherlzigen  Warnung  vnd  Auffmun-  ||  terung,  beschrieben  vnd  er-  |I  kläret.  || 
Gedruckt  zn  Heydelberg,  dnreh  Johann  Spies.  ||  M.D  LXXXIIII. 

Staatsbibliothek  Manchen.  4°.  Chrlg.  Sin.  8 Blätter  nml  ITC  Blätter. 

Inhalt:  1)  Mäatlin  s.  N.  S. 

2)  NenstätlU-r  Schale  s.  N.  2. 

o)  Osiander  s.  N.  7. 

4)  Möller  i.  N.  6. 

5)  Plieuinger  s.  N.  6. 

fl)  .Ein  anders  Bedencken.“  fol.  183b— 167a.  Vgl.  Kal  tenbranuer  522. 

7)  Ainplissimis  Prvdentissiniis  Dominis  Dominis  Et  Patronis  ObservantU- 
simis  S.  P.  fol.  167b— 170b.  Vgl.  Kaltenbrunner  .522. 

12)  Warer  Bericht,  war-  ||  vrab  das  alt  Römisch  Calender  dieser  ||  zeit  nott- 
wendig  ersehen  vnd  gebessert  worden,  wie  H im  Nicenischen  Concilio  vor  1255  Jaren, 
aufif  II  begeren  dess  Grossmächtigsten  Römischen  ||  Keysers  Constantini  Magui  auch  || 
Ireschehen,  etc.  ||  Genesis  Cap.  I.  ||  Diiit  autem  Dens,  Fiant  luminaria  in  tlrmamento 
Coeli,  II  et  dividant  diem  ac  noctem,  et  sint  in  sigua  et  tempora  et  di-  ||  es  et 
annos.  II  Gedruckt  in  der  Churfürstlicheu  Statt  ||  Meyutz,  durch  Caspariim  Behem, 
Anno  1584.  — Am  Schlosse  des  Buches:  C.  F.  D. 

Staatsbibliothek  München.  4°.  Chrlg.  7 n und  150/19.  7 Blätter. 

A.  Warer  Bericht,  warunib  ||  das dieser  zeit  uotweu-  ||  dig 

Constantini  ||  .Magni  auch  beschehen,  etc.  „ Daueben  auch  mit  eyngefilhrt  ein  Newe 
Zeit-  l|  tung  von  einem  Nussbaum,  so  zuuor  dürr,  vnd  ||  ohn  Frucht,  jetzt  aber  nach 
dem  Newen  Calender  I)  seine  Frucht  bringt  vnd  gibt.  :|  (Arabeske.)  ![  Genesis.  Cap.  1.  :| 


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Diiit II  Gedruckt  ru  Mnnclieu,  bey  Adam  Berg  ||  M.  D.  LXXXIIIT  ||  Cum 

licentia  Siipcriorum.  ') 

A.  a.  0.  Chrlg.  7 in  und  4-4  c.  8 Blätter. 

B.  Eine  dritte  Au-iigabe  erwähut  Kalteubrnnner  535  Anm. 

13)  Disputatio.  ||  De  Adiai>horis,  Et  |I  Calendario  , Gregoriano.  ||  In  qua  || 
Auspicio  sanctae  Triadis.  ||  Atthore,  Et  Praeside,  Jaco-  ||.  ho  Hcerbrando,  Doctore, 
El  Pro-  II  fessore  Theologiae  in  celeberrima  Tubingcasi  Academia,  Praece-  ||  ptore 
sno  summa  fide  et  obseriiantia  colendo:  diebns  Martij  ||  27.  et  28.  ||  hora  sexta 
matutiaa,  in  Aula  uoua,  ||  exercitij  causa  respoudebit,  ||  M.  Martinrs  Corbiars  ||  Schoru- 
dorffensis.  ||  (Vignette:  Gerechtigkeit  in  einem  (lahmen  mit  Engeln.)  ||  Tuhingae, 
apud  Alexandrum  Hockium.  ||  MDLXX.MIII. 

Bibliothek  l'reeden.  4».  Chrlg.  642.  1 Blatt  and  73  Seiten.  Vgl.  Kal tenbrunner  524. 

14)  D.  Martini  ||  Kemnicii  ||  Bericht  vom  uew-  ||  en  Bäpstischen  Grego-  ||  riano 
Calendario,  ||  an  den  Landgrafien  zu  ||  Hessen,  etc.  ||  (Arabeske.)  ||  Gedrucket  .Anno  1581. 

Staatsbibliothek  .München.  4^.  Chrlg.  19n.  4 Blätter.  Vgi.  Kaltenbrnnner  523. 

15)  Herrlich  Bedencken,  ||  des  tewren  Mannes  Gottes  Lu-  ||  theri  seligen,  von 
dem  jtzundt  newen  bepstis-  ||  eben  Calender.  Daraus  gründlich  zuuememeu,  ||  das 
der  Mann,  als  ein  rechter  Prophet,  die  aus  jetzigem  Bepstis-  ||  cheu  Calender  ent- 
stehende zurOttnnge,  vnd  verbitternnge  der  t|  hertzen,  zunor  im  Geiste  geschehen. 
Vnd  darneben  deutlich  |i  zuerkennen,  da  je  ein  verbes.scninge,  des  bisher  gebreuch-  || 
liehen  Calenders,  vorgenommen  werden  solle,  ||  von  wem  solchs,  vnd  wie  es  ge- 
schehen II  müste,  etc.  II  Gestellet  vor  45  Jahren,  Vnd  jtzundt  dem  ||  Christlichen  Icser 
zu  gute,  entzelu  in  ||  druck  geordnet.  ||  (.Arabeske.)  ||  Gedruckt  im  Jhar  ||  MDLXXXiiii. 

Am  Schlüsse : Gedruckt  vnd  ausgangen.  Eben  auff  den  ||  Newen  gehaltenen 
Oatertag,  soll  mau  ||  billich  geleyret  haben,  ||  im  Jahr  ||  LXXXIIII. 

Angehängt  Ist:  Vom  newen  Bapst  Calendario,  ’|  Ein  uew  .Thar  geschenck. 

Staatsbibliothek  Münehon.  4°,  H.  ref.  484,  11  Blätter.  Vgl.  Kaltenbrunner  .523. 

IC)  Ein  New  : All  Järiger  Calender,  u darin  sonderlich  zu  finden  ||  der  Suunen 
auff  vnd  vntergaug  : Tagsaubruch  ||  vnd  Scheidung  : Tag  vnd  Nachticug  : Grösse  der 
Planeten  : ||  stnnd  : Bewegliche  vnd  stäte  Fest  : .Sunneulauff : Gulden  Zal  vnd  ||  Epacta 
der  Newmonden  : Tahulae  Directorii  et  Cicli  Ecclesiasti-  ||  ci  etc.  dessen  alles  der 
Bericht  zu  end,  knrtze  ||  erlenterung  vnd  vnderwei-  ||  sung  gibt.  j|  Gestell,  durch 
Joannem  Kaschen,  auff  Poln  ||  höhe  48.  und  4SI.  grad.  1|  (Vignette;  Doppeladler 


1)  Die  durch  Ponble  bezoichneten  Steilen  entsprechen  genau  dem  Titel  der  ersten  Ausgabe. 


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mit  Kranz.)  ||  Ge<lruckt  zn  Möncben,  bey  Adam  Berg.  (I  Mit  Römischer  Käy»  May. 
Freyheit  uit  nachzutrucken  ||  Anno  M.  D.  LXXXIIII,  (|  Cum  Liceutia  Superioroim 

SUatsbibliotbelc  München.  4*.  Ohrlg.  44c.  24  Blätter. 

In  der  Widmung  an  den  Abt  der  Schotten  za  Wien,  Georg,  sagt  Rasch:  Ich  habe  wogen  d^r 
mir  aufgetragenen  und  von  mir  selbst  erwählten  Arbeiten  nicht  Zeit,  jährlich,  wie  ich  es  vor  neun 
bis  fünf  Jahren  that,  einen  Kalender  berauszagoben ; deshalb  dieser  alljährige  Kalender.  Dem  Vor- 
gänger E.  Gn.  wollte  Ich  meine  «Tabnlas  perpetoi  Calendarii,  Computi  et  Directorii  «cclesiastici*  and 
den  .magnum  et  expansum  cjclam  Pascalcm*,  für  den  ich  zweimal  von  Kaiser  Jiaximiliaii  II.  ConaeOit 
erhielt',  widmen,  aber  das  Geschrei  von  der  bevorstehenden  Kalenderändernng  hindert«  mich.  Bald 
werde  Ich  jetzt  diese  Werke  veroffeollichen.  Seit  1570  diene  Ich  dem  Schottenkloster.  Wien  in  feslo 
d.  Matbaei  [21.  September]  1.5RS. 

17)  Gegenpractic,  )j  Wider  etliche  auj^sgangeu  ||  Weissag,  Prognostic  vnd 
Schrifftuii,  sonder-  ||  lieh  den  Misocaci,  vber  das  S4  vnd  S8.  Jare  von  vu-  ||  tergang 
hohes  Geseblächts,  änderung  der  Reich  vnd  \\  Religion,  Neweui  Oaiender,  Letzten 
Zeit,  Anti-  ||  Christ  vnd  Knd  der  VVelt.  ||  Ge.«iiellt  durch  |j  Joannem  Rassinm. 
Preclariensem.  |i  Domini  potentes,  popnli  regentes.  |1  (Zwei  Vignetten,  die  links  mit 
der  Ueberschrift : Mars,  Motor  Mundi  und  dem  Bilde  eines  Kriegers,  die  rechts  mit 
der  Ceberachrift:  Mercurius.  Mirificiis  Machinator  und  dem  Bilde  des  geflügelten 
Buten  ) 11  Kst  Deus  in  coelo,  reuelans  arcauH  quae  Ventura  sunt  in  ||  nouissimis  tem- 
poribuB.  Dan.  2.  II  Ciim  gratia  et  prioilegio  Cue«.  Maiest.  |)  M.  D.  LXXXIIII.  |i  Cum 
liceniia  Superiortim. 

Am  Schlüsse:  Gedruckt  zu  München  bey  1|  Adam  Berg  II  MDLXXXIIIL 

Staatsbibliothek  München.  4**.  Ohrlg.  44c.  3^  Blätter. 

In  der  Widmung  an  Krzhentog  Maximilian  sagt  Hasch:  Wie  kein  Glück  ohne  Xeid  ist,  so  wird 
das  Haus  Oesterreich  immerdar  durch  Angriffe  und  Hinterlist  misgUnfttiger  Fürsten  und  Uc-tche,  Ja 
auch  durch  Privatpersonen  angefochten.  Lazins  hat.  nrn  den  f<>sten  Bestand  des  Hanse»  zu  erweisen, 
gegen  die  falsche  Praktik  eines  Franzosen  einen  lateinischen  Tractat  von  alten  iateinischen  nnd 
deatsehen  Vaticinlis  geschrieben.  Dadurch  hin  ich  angeregt  worden,  ein  grosseres  Werk  zu  veröffent- 
lichcD,  welches  icli  K.  1).  Dt.  widmen  werde.  Inzwischen  habe  ich  gegen  eines  Niederländers  Praktik 
von  dem  HauKN  dem  ich  durch  Gott  nnd  di«  Natur  unterworfen  hin,  dieses  Werkeben  verfasst  und 
widme  es  E.  fl.  Dt.,  um  zu  sehen,  ob  ich  mit  dem  grösseren  Buche  fortfahren  soll. 

18)  Entschuldigung  und  Ableiniing  Johannis  j)  Sch  ul  in  CruylshoimoosiB 
Astro-  ]i  noniiae  stiidiosi.  ||  Wegen  der  Praefuti-  1}  on  oder  Declaration,  den  Newen  |{ 
Päp«tischeii  Kalender  betroffoud,  welche  ohne  \\  seiu  wissen,  willen  vnd  moinung, 
seinen  |]  r4ileiidarijs  ist  fürgesetzt  Ü worden.  H Darinnen  auch  etliche  Vrsacbeii,  j| 
warum  dieser  Xewe  Gregorianische  vnd  jiu-  ||  inerwereiide  Kalender  (wie  man  jhnie 
den  II  Nunieu  gebeuj  nicht  anzuneiueu,  oder  zu-  ]|  billigen  sey,  kürtzlich  angeregt  || 
werden.  ||  (Arabeske.)  !|  Tübingen,  bey  Georgen  Grnppeubach.  il  Im  Jar  !l  M.D.LXXXIV. 

Staatsbibliothek  München.  4^.  Chrlg.  84m.  12  Blätter  Vgl.  Kaltenbrunner  527. 

Die  Widmung  ist  an  Frau  Sibilla  Fuchsin,  gebornc  Fuchsin  von  Dornheim,  WiUwe  zu  der 
BarlcswAg  gerichtet  ; gegeben  den  lü.  Martii  anno  15'‘4  zu  Tübingen. 


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19)  Zwo  warhatttiifo  Newe  Zei-  ||  ttung  in  lisangweiss  gestellt  |1  Die  erst  von 
den  II  gewaltigen  straffen  Gottes,  |1  so  vber  die  Statt  Bibrach  in  Schwa-  ||  benlandt 
geschehen,  durch  erscbröckliche  vii-  ||  gewitter,  darbei  geinelt,  wo  es  eingeschlagen  || 
hat  vnd  grossen  schaden  gethon,  an  ||  Leoth,  Kirchen  vnd  Gebew,  in  ||  disera  1584. 
dar.  II  Im  Thon,  ICompt  her  v.u  mir,  spricht  ||  Gottes  Sohn  etc.  ||  Das  ander  Lied, 
Ist  von  der  ||  Vnruh,  so  Angspnrg  gesche-  ||  hen,  von  wegen  der  Reli-  jj  gions- 
sachen.  ||  Im  Thon,  II  Wie  mau  den  Lindenschmid  singt  ||  Im  Jahr  1584. 

Am  Schlüsse:  Erstlich  ||  Getruckt  zu  Sant  Gallen. 

Bibliotliek  Wolfenbüttcl.  8°.  Quodtib.  517.  4 Blätter. 

20)  Newe  Zei tt n nge : !|  Eines  kurtzweiligen  gesprechs : 1|  Zweyer  .Meissnischen 
Pawren,  Von  II  dem  jetzigen  Newen  des  Bapsts  Collender,  das  der  <|  Ostertag  ist  ge- 
halten worden  am  Sonntag  Ocnli  ||  Anno  1584.  ||  Brenenses  Asini  clamabant  Re- 
surrexi,  ||  Cum  Populus  Dei  cantarent  Oculi  mei.  ||  (Vignette:  das  päpstliche  Wappen; 
quer  steht  links:  „des  Bapsts  Gesindt  jhr  Ostern  beghan,“  rechts:  „Wann  wir 
Bawrn  Ocli  mei  han.")  ||  .\uffs  newe  gebessert  vnd  jetzt  zum  andern  mahl  in  Druck 
verfertiget.  ||  -Autore  C.  E. 

Am  Schlüsse : Cum  Gratia  et  Priuilegio.  ||  Gedruckt  in  der  Churfürstlichen  Stad 
Dressden,  durch  ||  Gimel  Bergen.  ||  den  25  Martij.  ||  Anno  M.D  L XXXIIII. 

Kgl.  Bibliothek  Berlin.  4°.  Oi.  .598.  8 Blätter.  Tgl.  Kaltenbrunner  .528. 

21)  Bawren  Uathschlag,  ||  Vber  den  Neuwen  ||  Kalender,  auch  jhnen  zu- 
gemesseue  ||  vnd  aussgcgangene  ßanwrcnklag,  darin-  ||  nen  sie  sich  erkleren,  ent- 
schuldigen vnd  verantworten,  ||  vom  Kalender  urtheilcn , woher  der  entsprungen, 
auss  II  was  vrsacheu  die  Emendation  vom  Bapst  lurgenom-  ||  raeu,  die  Klag  wider- 
sprechen vnd  heiter  zn  vcrste-  ||  heu  geben,  das  dieselbige  nicht  von  jnen,  ||  sondern 
von  einem  vnrnwigen  II  Hantbeisser  erdicht  ||  sey.  ||  (Vignette:  Mehrere  Bauern  vor 
einigen  Bäumen.)  ||  .M.  D.  L.  X X X.V. 

Universitätsbibliothek  München.  4''.  Math.  800.  8 Blätter. 

22)  Ein  new  |,  Kalender  Lied.  ||  Ein  schönes  an-  H dechtiges  Liedlein,  von 
dem  II  Newen  Wolformierten  Menschen  ||  vnd  Vieh,  angeuemen  Kalender,  ||  Bäpst- 
licher  heiligkeit  .zu  Rom  ||  zu  ehren  gesungen.  ||  In  des  hübschen  Mägtlins  Thon.  || 
Sampt  einem  newen,  Erhalt  vns  ||  Herr  etc.  Vmb  erhaltuug  des  Ka-  ||  lenders  zu 
bitten  II  (Arabeske.)  |!  Anno  M.  D.  LXXXV. 

Am  Sehlusse:  Gedruckt  zu  Papschaueu,  Stelts  Hans  Vmlautf  in  der  Dredelgassen. 

Bibliothek  Wolfenbüttel.  8*.  Qnodlib.  517.  4 Blätter. 

23)  Kurtzer  bericht,  ||  V^on  der  eigen-  |1  schafft  dieser  Jare  vnd  vnse-  ||  rer  gegen- 
wertigen zeit,  auch  was  ||  von  dem  newen  Bepstischen  Calender,  So  ||  man  Calen- 


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durium  Gregorisnum  oder  ||  den  reformirten  neonct,  zu  ||  lialten  8er.  ||  Gestellet  || 
durch  M.  Tbobiam  Molle-  ||  rum  Crimuicensem,  Astronomnm.  ||  (Arabeske.)  || 
Gedrucket  Auno  1585  ||  Cum  Gratia  et  Priuilegio  : etc. 

Bibliothek  WoUenbüttel.  4®.  Qaodlib.  107.  7 BUtter. 

24)  Pro  Calepdario  ||  Greffonmio  ||  Disjmlulio  ||  Aj>ologetica  et  Jo-  II  aiwe 
Brsaeo  Socieialis  Jesv  ||  Doct.  Theologo  Disputation!  Ln-  ||  tlieranae  Tübingens! 
opposita  II  F,t  II  hl  Acmiemia  Mogmtina  Anno  MDLXXXV  ||  Ad  III  Idiis  Martias 
publice  habita  ||  Itispondentc  ||  Pro  prima  lanrea  Tbeologica  consequenda  ||  M.  Petro 

' Roestio  Koviomago  ||  .sacrarum  literarnm  studioso.  ||  Mogviiliac,  Ex  Offtcinn  Gnaparis  |{ 
Behem.  Anno  1585. 

Uoirorsitätsbibliotbek  älünchcn.  4®.  Math.  .‘100.  40  Blätter. 

25)  New  Kalender.  1|  Von  rerbe.<»eruiig  des  Kirchen  Kalenders,  ron  ||  Veränderung 
des  Gregorianischen  newen  Uster  Circkels,  |j  rud  von  etlichen  der  geordneten  newen 
Jarzal.  Aiiff  al-  ||  lerley  des  gemeinen  rolcks  lästeruugeu  vnd  cinreden  I1  antwort  vnd 
bericht.  j|  Darneben  resolviertc  Tabulae  vnd  Canones  von  schalton-  ||  gen,  excess  vnd 
anticipatione  Ae«|ninoctij,  Ueuulntioue  Solls,  von  anfaug  11  oder  ciiigaug  des  Astro- 
nomi.schen  newen  Jars.  Das  ist,  wann  die  Soun  ||  im  Merzen  den  ersten  puuet  des 
Zeichen  Widers  erreichet  ||  Extendiert  vnd  erstrecket  biss  auff  das  1620  ||  Jar  Christi  |; 
Gestelt,  durch  .lohann  Rasch  |l  (Vignette;  Astronomisches  Bild.)  ||  Gedrnckt  -zu 
München,  bey  Adam  Berg.  |)  Anno  M.D.LXXXVl. 

Staatsbibliothek  München.  4®.  Cbrig.  1-50  2:1.  24  Blätter.  Vgl.  K alten  brun  ner  ■'>34. 

Pas  Büchlein  ist  abgesehen  vom  Titelblatt  identisch  mit  N.  16. 

26)  Christliche  Erinnernng  ||  Zum  Newen  Jar  ||  VOm  Alten  vnd  Ne-  ||  wen 
Calender,  Wer  sie  Erstemals  ||  erfunden,  wenn,  wer  und  wie  offt  sie  gcendert,  was 
die  jtzige  ||  Trennung  genrsacht,  welches  vnter  dem  Alten  Vnd  |l  Eevren  der  beste, 
wie  man  wider  zn  einer  richtigen  ein-  ||  treehtigkeit  kommen,  vnd  sich  vnter  des 
ein  Christ  gegen  Gott  vnd  II  seiner  Oberkeit,  mit  gutem  Gewissen  recht  vnd  wol  ,j 
verhalten  kan  vnd  sol,  kürtzlich  ||  Zusammen  in  eine  Piedigt  verfnst  ||  Durch 
M.  Zachariam  Hinan  drum  der  Herrschatft  |l  Hilrerstein  Superintendenten,  vnd 
Pfarherreu  ||  zu  Forst  etc.  ||  (.Vrabe.ske.)  ||  Wittenberg.  ||  Gedrnckt  bey  Matlhes  Welack.|| 
Anno  MDLXXXVI. 

Staatsbibliothek  München.  4“.  Hom.  1872.  4 Blätter  70  Seiten. 

Anf  der  Uückseite  des  Titelblattes  ein  lateinisches  Geilieht  an  Kivauder  von  Martin  Hholer. 
In  der  Wi-Imnng  an  die  Pfarrer,  Uiaconen  und  Schuldieoer  in  der  Sniierintendenr  der  Herrschaft 
Forste  and  Pfürdten  sagt  Rivander:  Ich  bin  zur  Superintendentar  von  den  Grafen  Johsnn,  Abraham 
nnd  Joachim  ron  Biberstein  berufen.  P.innächst  iverdc  ich  eine  .Saperiiiteiident-  und  Inspections- 
ordnnng"  auf  Befehl  derselben  veröffentlichen.  Da  mir  aber  diese  Schrift,  die  ich  vor  meiner  früheren 


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Gemeimlir  als  Predigt  rortrag,  gerade  gedruckt  ron  Wittenberg  znkatn,  boecbloes  ich,  «ie  Euch  als 
Autriitserklarung  meint's  Gcmütea  zu  widmen.  — Itivander  zählt  dann  noch  eine  ganze  Reibe  ron 
Schriften,  die  er  verbifentlichen  wolle,  auf : eine  Ketzerchronik,  Annotationes  znr  ganzen  Bibel,  Pre- 
digten über  das  erste  Hnch  Moses,  eine  Postille,  Eiercitinm  Theotogicum,  Topica  historiarum  mundi, 
Aiinales,  Calendarinm  historicnm,  Pastorale  onomaatico-dictionario-tfaeologicnm,  Consilia  Lnthcri  nnd 
einen  Katechismus 

27)  Epistol.  II  Den  newen  Papstischeu  ||  Gregorianisclien  Calender  betreffend, 
etc.  II  .\nno  1583  im  Monat  December,  zu  ||  Wien  in  Oesterreich  in  der  Landständc  || 
vcrsamminng  vberantwnrtet.  |{  Denen  Wolgebornen,  Edlen  vnd  Go-  |I  strengen  Herren, 
Herrn  Niclnssen  von  Buclibeim,  Frey-  ||  herrn  zu  Rabs  vnd  Grnrabach,  Erbdrnckses 
in  Oesterreich,  Her-  ||  ren  Wolffen  von  Liechten.stein,  von  Niclassburg,  auff  Willlfera-  || 
dorff  vml  Asclia,  Herrn  Maximilian  von  Mämming,  zu  Kirch-  |1  berg  an  der  Püelack 
aiitf  Sitzeutbal,  Herrn  Krantzen  von  Gern,  ||  zn  Micbelstedten , Röra.  Kay  May. 
Rathen,  vnd  einer  ||  Ersatueu  Landschafft,  dess  Ertzhertzogthumbs  ||  Oesterreich  vnter 
der  Enss  ||  verordiieten.  H (Arabeske)  ||  Sampt  einem  knrtzen  An.sszng,  anss  Papst 
Gregorij  LS.  |,  zweien  Ballen,  für  seinem  Calender  gedruckt,  Neben  nutzer  erin-  j 
nening  etlicher  fiirnemer  Puncten,  den  Christen  zn  wissen,  ||  jetziger  Zeit,  hoch  von 
nöthen.  ||  Anno  M.  DLX.XXVII. 

Die  Eingabe  ist  unterzeichnet:  Datum  Wien  den  16  decembris  am  Montag 
nach  dem  dritten  Sontage  des  Advents  anno  snlntis  hnmanse  1583.  M.  Marens 
V 0 1 m a r i n s. 

Staatsbibliothek  München.  4“,  Chrig  150/25.  8 Blätter. 

28)  ChrLsti  vnd  Antichristi  11  Ostern,  treffen  beyde  zugleich  das  ||  1583  Jahr, 
vnd  seind  eine  erleulcrung  der  1|  Christlichen  Kirchen,  welche  Apocal.  12.  in  gestalt  |! 
eines  Schwängern  geberenden  Weibs,  ||  auff  den  Monschein  ge-  ||  stellt  wirdt.  .| 
(Arabeske)  ||  1589. 

Am  Schlüsse:  Eustachius  Poyssel. 

Staatsbibliothek  München.  4°.  Obrlg.  150/26.  4 Blätter. 

29)  Neu  Kalender.  ||  Das  erste  büch.  ||  Von  Computistischen  ||  kirch  Calenders 
besserung  vnd  wunder,  von  ||  neues  Gregorischen  Ostercycli  änderung,  von  astrouo-  {| 
misch  georndten  neu  ,Iars  zeits  anfang,  der  resoluirten  tabulen,  Cauonen,  ||  Schaltungs 
vbermiis.s,  ae([ninoctien,  reuolntion  der  tjunnen,  vnd  alles  dess  I|  wesens  zu  guter  ge- 
dechtnns,  etlich  notwendige  bedeucken  oder  retractation,  ||  denen  die  hierinn  was 
geyebt  zu  sein  oder  den  verwirrten  scribeuten,  groai-  ||  iien  volcks  angstlautraäriger 
eutsetzung,  landgengigen  Icsternngen,  wi- 1.  dersinnigen  einredeu,  vnforracklichen  fiir- 
würffen,  mit  gezimlicher  ant-  ||  wort  vnud  gutem  bericht  beg^nen  zu  wissen,  last 
hatren,  gar  verstand-  ||  lieh,  dicn.stlich  vnd  nutz,  wie  volgends  blatt  weiter  innhelt,  j| 
gestellct  durch  Joh.  Rasch.  ||  (Vignette:  Ein  Theologe  mit  dem  Osterlamm,  gf^en- 

Abb.  d.  111.  CI.  d.  k.  Ak.  d.  Wiss.  X V.  Bd.  III.  Abth  13 


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Ober  ein  Astronom  mit  dem  Astrolabinm,  darüWr  Sonne,  Mond  nnd  Sternbilder 
sowie  astronomische  Zeichen,  deren  auch  zwischen  den  beiden  Männern  stehen.)  || 
Tempus  enrrit  a tempore  scientiae  et  potentiae,  ||  Getruckt  bey  Leonhart  Straub, 
in  dess  ||  Flirstl.  Gottshauss  Sand  Gallen  Reichshotf,  ||  Korschach  am  Bodeusee.  j 
Anno  MDXC. 

StasUbibliothek  Mönchen.  4®.  Chrlg.  44c.  64  Blätter. 

30)  Der  Weiber  Krieg  wider  den  Hapst,  ||  Darnmb  da«  er  Zehen  tag  aus  l| 
dem  Calender  gestollen  hat.  |{  1.  Weil  aber  der  Bapat  zu  der  fart,  ||  den  Calender 
geendert  hat,  ||  Zehen  Tag  daraus  vns  genommen,  |i  Bringt  solchs  vns  Frawen  kein 
frommen.  ||  Derentwegen  entspricssen  thut,  ||  dem  Männlichen  Geschlecht  zu  gut.  || 
(Vignette;  Eine  Frau  mit  Rocken,  hinter  der  ein  Adler  nnd  in  der  Ferne  eine  Stadt; 
rechts  von  ihr  die  Strophe  2.,  unter  ihr  3.,  links  4.)  ||  2.  Zwo  Marterwochen  in  dem 
•lar,  II  Seins  erschrocken  wir  Frawen  zwar,  ||  Dan  wir  im  Jahr  viertzehn  Tage  |1  Das 
Regiment  nicht  sollen  haben.  ||  3.  Uerhalben  ohne  zweiffel  ist,  ||  Wir  werden  sein 
bedacht  auff  List,  ||  Wie  man  doch  solches  möcht  greiffen  au,  ||  Bapsts  Calender  zn 
wider  stahn.  ||  4.  Weil  es  gantz  vnd  gar  ist  vnrecht,  ||  Das  doch  die  Menner  bleiben 
Knecht,  ||  So  hab  ich  dir  kürtzlich  vcmielt,  ||  Wariimb  dieser  Krieg  ist  angeatelt.  || 
Gedruckt  im  .lar,  M.  D.  XC. 

Bibliothek  WolfenbiUlcl  4®.  Qacnllib.  .‘KW.  6 Blätter.  Vgl.  Kalteubrniiner  .V29. 

31)  Sr/J/H'/n/io  II  Jiccfosiflsfica  II  Seenudum  novam  et  antiqvam  ||  Calendarii  ratio- 
nem  II  lluic  accessit  ||  Tlteoria  Culatdariwum  \\  AvOiore  ||  A.  Romano  L.  E.  A.  |1 
(Wappen.)  ||  TTirfe&trijri  [|  Apud  Georgium  Flelschmaiin  .Anno  1595. 

Staatsbibliothek  Mönchen.  4“.  Chrlg.  SOp.  2 Blätter  .V2  und  SO  Seiten. 

32)  Iteformierter  Reichs  Calender:  ü Oder  ||  Ein  Newes  kiirtzwci-  ||  liges  Ge- 
spräch, vom  Alten  vntid  Newen  ||  Calender,  welcher  der  rechte  seye : ||  Folgendts 
welche  parthey  recht  daran  thne,  ||  die,  so  es  mit  dem  Newell,  oder  aber  die  es  [| 
mit  dem  Alten  Calender  haltet.  ||  Dem  Einfältigen  zn  Nutz  vnnd  gutem,  wider  alle  || 
Calenderschender,  ziisamen  getragen  vnnd  in  Trnck  geben.  ||  Durch  ||  M.  Jacohnm 
Hornstein  Acronianum.  ||  Genesis  1.  ||  Es  werden  liechter  im  füruamen  dess  Him- 
mels, vnnd  scheiden  ||  tag  vnnd  nacht;  vnnd  seien  in  zaichen  vnnd  in  zaiten,  vnnd 
in  II  Tagen  vnnd  Jaren.  ||  (Vignette.)  ||  Getruckt  zu  Ingolstntt  hey  Wolfgang  Eiler.  (I 
AnnoMD.  XCVI. 

Am  Schlns.se : Cnm  licentia  Snperiornm, 

Staatsbibliothek  Mönchen.  4®.  Chrlg.  41m.  20  Blätter. 

Wilmong  an  Johann  Habisreittinger,  genannt  Costanier  im  Thal,  J.  Ä.  Dt.  tn  Oesterreich 
Hath  und  oberster  Salzfactor  Innthalcr  Salzes.  Igolstadt  21  März  1.M16. 


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Uebei'  ältero  Arbeiten 


Kur 

baierischen  und  pfälzischen  Geschichte 


geheimen  Hans-  und  Staatsarelnve. 


Von 

Dr.  Ludwig  Rockinger. 


Dritte  un<i  ScMQt>»*Abthei)aog. 


Abh.d.lU.a.d.  k.  Ak.d.Wii*.  XV.  Bd.  JIl.  Abth 


U 


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l'obcr  altere  Arbeiten 


zor 

baierischeii  und  pfälzischen  Geschichte 

iin 

geheimen  Hans-  und  Staatsarchive. 

Von 

Dr.  Ludwig  Rockinger. 


Eine  bedeutende  Masse  vereehiedenartiger  Arbeiten  zur  baieri- 
schen  wie  pfälzischen  Fürsten-  und  St autsgeschichte  bis 
um  die  Mitte  des  vorigen  Jahrhunderts,  welche  sich  ini  ge- 
gehoiincn  Haus-  und  Staatsarchive  finden,  hat  die  erste  und  zweite  A)j- 
theilung  dieses  Gegenstandes**’)  in  ihren  104  Hauptnuinern  mit  den  da 
und  dort  bei  ilmen  eingeroihten  L'nternumem  und  den  in  der  Note  Ifi 
der  einten  Abtheilung®**)  besonders  zasainuiengestellten  Tagebiichem  ver- 
zeichnet. Theilweise  sind  es  von  baierischen  Chroniken,  wie  in  den 
Num.  48  und  49  des  Andreas  von  s.  Mang  zu  Stadtamhof  oder  in 
Num.  52  des  berühmten  Sponheimer  Abtes  Trithemius,  Handschriften 
wovon  man  bisher  keine  oder  wenigstens  keine  nähere  Kcnntniss  hatte. 
Theilweise  sind  nicht  unwesentliche  Berichtigungen  falscher  Annahmen 
eingetreten,  wie  etwa  nach  der  Num.  ß.'i  bezüglich  des  von  Friedrich 
Cliristoph  Jonathan  Fischer  als  „Kurfürst  Ludwigs  V von  der  Pfalz 
reimweiso  verfasste  Genealogie  des  Bayerischen  und  Pfälzischen  Hauses“ 


201)  ln  den  Abhandlungen  der  hUtoriMhen  Claaio  Bftnd  XIV  AbtheiL  3 S.  29— US,  B4nd  XV 
Äbtbeil,  1 8.103-29«. 

20B)  Am  angef  Orte  Band  XIV  Abth.  3 S.  34—59. 

14* 


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veröffentlichten  Werkes,  oder  nach  der  Num.  66  bezüglich  des  von  dem- 
selben Gelehrten  als  „Markward  Frehers  Blutstaniin  imd  Si|>p8chaft  der 
Herzoge  von  Baiern  und  Pfalzgrafen  am  Uhein“  veranstalteten  schlechten 
Druckes  der  baierischen  und  pfälzischen  Genealogie  des  I)r.  Wiguleus 
Hundt.  Zum  Theile  sind  auch  ganz  neue  Schriften  in  die  Literatur  der 
baierischen  Geschichte  eingeführt  worden,  wie  — um  hier  nur  ein  Paar 
Beispiele  zu  erwähnen  — in  lat.  d der  Xum.  62  der  zweite  Theil  der 
baierischen  Geschichte  des  au-sgezeichneten  Arclüvars  Augustin  Kölner, 
oder  in  der  Num.  61  das  Tdteste  auf  urkundlichen  Grundlagen  erwachsene 
baiorische  Stammenbuch,  und  zwar  von  Niemand  geringerem  als  unserem 
Aventin,  oder  in  der  umfangreichen  Num.  57  die  mehrfach  interessante 
Umarbeitung  der  baierischen  Chronik  des  Ulrich  Fütrer. 

Liegt  da  wohl  d.as  Verlangen  nicht  zu  entfernt,  einen  Gesamnit- 
eindruck  von  diesem  Stoffe  zu  erhalten,  namentlich  auch  mit 
Uücksicht  auf  das  Verhältniss  zu  den  sonst  bereits  allgemeiner 
bekannten  Gescbichtserzeugnissen  jener  Zeiten,  wie  ge- 
staltet sich  dieser  ungefähr  ? 

Im  grossen  Ganzen  ist  schon  bei  der  bisherigen  Aufzählung  eine 
allgemeine  Scheidung  mit  Bezugnahme  auf  den  Haupt- 
inhalt getroffen  worden.  Es  fällt  ein  nicht  imbctrüchtlicher  Theil  in 
di(*  gleich  in  der  ci-stun  Abtheilung  schon  in  den  Num.  1 — 20  ein- 
schliesslich an  die  Spitze  gestellte  Gnippe  von  Schriften  die  so  zu  sagen 
als  Genealogien  bezeichnet  werfen  niögeii,  wozu  noch  weiter  an  die 
Num.  68,  80 — 82,  83,  87,  96,  101,  102  gedacht  werden  kann.  Andere 
beschäftigen  sich  sodann  mit  einzelnen  fürstlichen  Persönlich- 
keiten von  Baiern  wie  von  der  Pfalz  oder  mit  irgendwelchen 
bemerkenswerthen  Ereignissen  aus  ihrer  Herrscherzoit, 
wie  die  Num.  21 — 40  einschliesslich,  69,  91,  93.  Einige  auch  befassen 
sich  mehr  oder  minder  mit  dem  Gebiete  der  Geographie,  Topo- 
graphie, Statistik,  wie  der  Ortsgeschichte,  beispielsweise  die 
Num.  41 — 46  einschliesslich,  76,  78,  84,  88,  Endlich  — und  das  ist 
gewiss  das  wichtigste  — begegnen  uns  Darstellungen  der  baie ri- 
schen wie  pfälzischen  Geschichte  selbst,  sei  es  über  klei- 
nere oder  über  grössere  Zeiträume. 

Dass  die  genealogischen  Schriften  in  ziemlicher  Zahl  vor- 


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handen,  kann  nicht  Wunder  nehmen.  Abgesehen  von  den  älteren  wie 
jüngeren  Familienliehhabereien  auf  diMein  Felde  war  inan  ihrer  vielfacli 
zur  Befriedigung  geschichtlicher  Bedürfnisse  und  gerade 
auch  für  das  Herrscherhaus  in  all  seinen  Verzweigungen  wie  für  diese 
und  jene  Staatsangelegenheiten  zu  sehr  praktischen  Zwecken  he- 
nöthigt,  wie  etwa  hei  Heiratafragen  und  in  Krbschaftssachen  wie  naincnt- 
lieh  Erbfolgeangelegenheiten,  an  welchen  ja  in  Baiern  wie  in  der  Pfalz 
Jahrhunderte  hindurch  kein  Mangel  gewesen. 

Soll  bezüglich  der  11  eirnt.sfragon  hier  nur  ein  Beispiel  aus 
späterer  Zeit  angeführt  werden,  so  mag  man  an  die  Zu.sanmienstellung 
der  Vereldiehungcn  von  Gliedern  des  haierisclien  und  österreichischen 
Hauses  denken,  welche  l>ei  Gelegenheit  der  Verlobung  des  Kurprinzen 
Karl  Albrecht  mit  Kaiser  Jos*iphs  I Tochter  Marie  Amalie  im  Jahre 
1722  gefertigt  wurde,  die  sich  im  geheimen  Hausarchive  auf  einem 
Grossfoliobogen  findet.  Seine  erste  Seite  füllen  acht  „Conjugia  SerenLs- 
simue  Doinüs  Bavariae  ex  Serenissima  et  AugustLssima  Domo  Austriaca“ 
von  Ludwig  dom  Strengen  mit  Kaiser  Budolfs  I Tochter  Alechthilde  im 
Jahre  1273  bis  eben  den  Kurpiinzen  Karl  Albrecht:  nuptiae  celebrandae 
venturo  meuse  Octobri  anno  1722.  Seine  dritte  sechs  ,Conjugia  Sere- 
nissimae  ac  Augustissimac  Domüs  Austriacac  ex  Serenissima  Domo  Ba- 
varica“  von  Kaiser  Albrechts  I .Sohn  Otto  cognomento  Jucundus  mit  des 
niederbaierischen  Herzogs  Stephan  Tochter  Elisabet  im  Jahre  1312  bi.s 
Karl  II  mit  des  Kurfürsten  Phili|ip  Wilhelm  Tochter  Maria  Anna  im 
Jahre  1 fiOO.  Die  zweite  Seite  ist  der  ,Consanguinitas  tarn  ex  Sanguine 


20U)  Vielleicht  darf  hier  auch  auf  daa  intcreesaote  ,Tnmaa&f>vor»clirc)blicbe  in  dt'r  Teutschen, 
alten,  Tnd  neuen  Reichs  Htstoria  vnd  in  dem  wahrem  interease  de«  mehr  als  aUerglorwirdigiston 
Krzhausee  (>e9terreich  tief  gegründie  guettachten,  dass  in  der  vorse^'eoteD  Vermählung  der  gnädigiaten 
Erzhorzogin  Maria  Josepha  Tornemblich  auf  den  dorcbleichiigistcti  Chor-Prinzen  aus  Bajm  zu  rcflcc- 
tieren  seye*'  aus  dem  Jahre  1717  aufmerksam  gemacht  sein,  welche«  in  zwei  Exemplaren  im  ge- 
heimen ätaatsarebive  vorhanden  ist,  und  bezüglich  dessen  Kurfürst  Maximilian  Einanael  in  einem 
Erlasse  an  seiocn  Gesandten  Franz  Hannibal  Herrn  t.  Mörmann  am  kaiserlichen  Hofe  zu  Wien  vom 
5 November  1717  auasert,  er  habe  sich  über  diesms  demselben  vom  601.1121.  175.71.61.9.20.^:3. 
(Grafen  v.  Ntxstiz)  communicirte  und  dem  letzten  Berichte  •bejrgeschiossene  tractätl  vmbständig  refe- 
rieren lassen,  vnd  ain  so  anders  hieraosz  vmb  »o  lieber  vernobmmen,  als  scheinet,  dass  sich  noch 
ville  fanden,  die  beeder  durchleichligister  h&uscr  interesse  zubeobachten  beflissen“  seien:  du  hast 
dannenhero  — wird  hieran  geknöpft  — dem  601.  1121.  175.  71.  61.  20.  83.  (Grafen  v.  Nostiz)  in 
voserem  Nammen  ein  hufliehes  complimcnt  wegen  seines  goetten  Vertrauens  abzulegen,  vnd  selben 
vnserer  achtnug  vnd  alles  goetten  zu  versicheren.  , 


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104 


Bavarico  quam  Auatriaco  Serenissimi  Sjwnsi  Caroli  Alberti,  Priiicipis 
Electoralis  Bavariae,  cum  sua  Serenissima  Spousa  Maria  Amalia  Archi- 
ducissa  Austriae“  von  Kaiser  Ferdinand  II  und  seiner  Gemahlin  Maria 
Anna  an,  der  Tochter  des  Herzogs  Wilhelm  V und  Schwester  des  Her- 
zogs und  Kurfürsten  Maximilian  I,  gewidmet,  au  deren  Schluss  mit 
lauter  grossen  Buchstaben  bemerkt  ist:  Vivant!  Floreant!  Perennent! 
Im  übrigen  kann  auch  der  baierischen  und  pfälzischen  Verwandtschafts- 
tafeln hier  gedacht  werden,  wovon  in  der  Xum.  14  unter  Lit.  a und  b, 
in  den  Num.  15  und  Ifi,  weiter  nachher  in  den  Beilagen  I und  II 
die  Rede. 

Werfen  wir  sodann  gleich  einen  Blick  auf  das  andere  Gebiet, 
so  unterliegt  es  schwerlich  einem  Zweifel,  dass  die  zwei  Stammbäume 
zu  der  in  Num.  53  erwähnten  Uebersicht  der  baierischen  Landestheilungen 
von  Augusti)!  Kölner  ans  dem  Jahre  1503  mit  Rücksicht  auf  die  Vei-- 
hältnisse  bi‘im  Tode  des  Herzogs  Georg  des  Reichen  von  Niederbaiern- 
Landshut  gefertigt  sind,  wenn  dort  gleich  in  der  Ilauptübei’schrifl  die 
Bemerkung  „künftiger  erbuäll  halbOn“  oingeflo.ssen  ist.  Ganz  unvei-- 
kennbar  tritt  dieser  praktische  Gesichtspunkt  auch  bei  zwei  baierischen 
und  pfälzischen  Stninuibäumen  hervor,  welche  Johaun  Sebastian  Wilinpl 
einer  grösseren  im  geheimen  Hausarchive  erhaltenen  Abhandlung  aus 
dem  Jahre  1672  über  eine  Reihe  von  Ansprüchen  des  KuiTüraten  Fer- 
dinand älaria  gegen  das  pfälzische  Haus  der  Wittelsbacher®'®)  beigefügt 
hat,  auf  welche  er  sich  daselbst  S.  10  und  47  beruft.  Der  eine®") 
reicht  bis  zum  Kui-füi'sten  Karl  Ludwig,  und  es  heisst  an  seinem  Schlüsse: 
Hierausz  zu  ersechen,  das  IhiX)  Chmfüi-stl.  Durchl.  Ferdinand  Maria, 
vnseriii  gnädigsten  Horn,  der  yetzig  regierente  Hertzog  von  Neuburg 
uinb  ainen  Grad  nächner  verwandt  alsz  der  Churfürst  von  Pfaltz  Carl 
Ludwig.  Der  andere®'®)  berücksichtigt  noch  dessen  Sohn,  den  Kur- 

210)  Ihre  Keinschnft  ainfnsBt  lialbbrUchig  gescliricbcD«  Seiten  auf  (unf  je  zueAmmen^ebef' 
t'ttcn  La^'en  von  fi,  0,  fi,  6 Bogen  in  Folio. 

Der  Haapititel  lautet:  Information  wa.n  auf  ableiben  Ihr  füratl.  Durchl.  Hertzogeii  Älbrechti». 
Henogen  in  Bayern  bochsciUgjjiter  getiechtnnB,  so  ein  Sohn  Herzogen  Wüheltna  gewest,  anlezto  von 
Dero  iniradeo  Ihro  Churf.  Durchl.  Fertünancl  Maria,  meinem  gnihligi^ten  herm  al«  regierenten 
LandtsfÜrsten  in  Buym  hainibfahlen.  rnd  wasz  hingegen  hts^liHtgedachten  Herzogen  Albrecht«  herni 
Söhnen  Chur«  vnd  fiiretl.  Durchl.  erblich  zucstehen  wirdt. 

211)  CbufBayriache  linj  gegen  Cburpfaltz  rnd  Pfaltzneuburg. 

212)  Stawen  wie  Chur*Bayrn  vnd  Pfaltzneuburg  gegen  (linr|»falti  verwandtet. 


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105 


lirinzen  Karl,  und  an  aeinoni  Sclilusse  ist  bemerkt,  dass  aus  diesiuu 
„Stamems  EntwurfF“  hervorgeho:  das  Chur-Üaym  zu  dem  Chur-Pfiiltzi- 
schen  Prinz  Carl  uinb  ainen  grad  nächner  alsz  Pfaltz-Neuburg  verwandtet 
seye.  Nicht  minder  kennzeichnet  sich  der  in  Num.  17  aufgeführte  pfäl- 
zische Stammbaum  gleich  in  seiner  Uebersehrift  , Genealogie  Principum 
Palatinorum  ab  Imperatoro  Kol>erto  III  eorumque  maxiine  quos  refcrre 
opus  est  ad  praetensiones  Dominae  Principissae  Aurelianensia“  zur  Cenüge. 
Ebenso  die  grosse  „Genealogie  historiipie  des  Princes  Palatins  du  llhin“ 
der  Num.  19,  wenn  man  beim  Herzoge  Leopold  Ludwig  aus  der  Linie 
von  Veldenz  liest:  c’est  colui  de  la  suecession  dont  il  s'agiL  Oder  die 
in  Num.  20  berührte  genealogische  Vorstellung  des  von  llertzog  .Stephano 
Pfaltzgraffen  descendirenden  jetztmahligen  chur-  und  fürstlichen  Hauses 
der  Pfaltzgraffen  bey  llhein  und  des  darinnen  secundum  pacta  et  dispo- 
sitiones  biazher  üblich  geweszenen  imterschiedlichen  Ordinis  succedendi. 
Weiter  mag  daher  noch  die  Heihige  HI  ziihleii. 

Aber  auch  noch  etwas  anderes  kommt  sehr  in  Betracht.  Man  war 
— was  in  den  Zeiten  des  Mittelalters  wie  auch  noch  später  aus  pecu- 
niäron  und  anderen  Gesichtspunkten  nicht  unterschätzt  werden  darf  — 
solcher  genealogischer  Behelfe  für  den  auf  mehr  oder  weniger  Ahnen 
beruhenden  Nachweis  zur  Befähigung  des  Eintrittes  in  höhere 
geistliche  Pfründen  an  den  Erz-  und  Dom-  wie  anderen  venuög- 
lichen  Stiftern  tagtäglich  benöthigt.  Gerade  dieser  Umstand  war  häufig 
mit  Veranlassung,  und  zwar  nicht  die  letzte,  zur  Entstehung  und  Samm- 
limg  genealogischer  Verzeichnungen.  Je  umfassender  dieselben  waren, 
und  je  verlässiger  man  sie  gleich  fertigte,  desto  leichter  war  dann  in 
späteren  Zeiten,  für  welche  sie  gewissermassen  eine  naturgemässe  Grund- 
lage mid  Voraussetzung  geworden,  ihre  Benützung  eben  für  einzelne 
praktische  Fälle  der  geistlichen  Versorgung  insbesondere  der  nicht  über 
ein  Hei-rschergebiet  verfügenden  oder  sonst  mit  grösserem  Güterbesitze 
ausgestatteten  Prinzen.  Wir  haben  schon  in  der  ersten  Abtheilimg  S.  38 
unter  Lit.  b gesehen,  wie  eine  Reihe  von  Aktenstücken  und  Ahnenproben 
zu  Präbendon  des  Erzstiftes  Köln  und  des  Hochstiftes  Strassburg  für  des 
Herzogs  Johann  II  von  Simmem- Sponheim  Söhne  Georg  und  Reichard 
mitten  in  einen  Sainmelband  des  geheimen  Hausarchives  gerathen  sind, 
der  sonst  genealogische  und  geschichtliche  Arbeiten  enthält. 


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106 


Es  veranschaulicht  gerade  die  doppelte  Richtung,  die  Liebhaberei 
oder  auch  wirklich  ernste  Beschäftigung  mit  Genealogie 
und  die  praktische  Rücksicht,  kaum  etwas  lebendiger  als  die 
Einsicht  eine«  anderen  Saiumelbandes  in  Folio  mit  dem  Titel  „Genea- 
lügiae“  wieder  aus  dem  16  Jahrhundert«  in  Folio  im  geheimen  Haus- 
archivo.  Er  bietet  — zweifelsohne  aus  dem  Besitze  des  eben  berührten 
Herzogs  Johann  und  seines  Sohnes  Reicharil  stammend  — in  seiner  ersten 
gWi.sseren  Hälfte  abgesehen  von  einer  Reihe  von  sorgsam  je  auf  der 
Vorderseite  eines  Blattes  ausgeführten  Nativitüten '■*'*)  haujrtsächlich  Cor- 
respoiulenzen  und  Aktenstücke  zu  Ahnen))rol>en  der  vorhin  genannten 
Ilei’zoge  Gt!org  unil  insliesondere  Reichard  für  den  Behuf  der  Er- 
langung geistlicher  Stellen  beisjiielsweise  am  Flrzstifte  Köln  wie  am  Stifte 
B.  Gereons  daselbst  und  am  Hochstifte  Strassburg  aus  dem  zweiten  Vieidel 
des  16  Jahrhuuilerts.  Auch  in  seine  zweite  kleinere  Hälfte  hat  sich  noch 
derartiges  verloren,  aber  die  überwiegende  ^lehrzahl  dieser  Hälfte  bildet 
ein  vielverzweigter  Briefwechsel  dos  genannten  Herzogs  Reichard®'^)  vor- 

21H)  Den  Anfang,'  bUden  die  des  Kaisers  Karl  V aml  des  nimisch^n  Königs  Ferdinand.  Dänin 
reiben  sich  sodann  folgende: 

Figura  geniture  ducis  Johannis  janioria  comitia  palatinj  Reni  et  in  Spainheyn.  ftlij  (|Honden 
dneU  Jotiannis  senioria.  Qui  nascitor  in  Biemem  anno  domin.  jncarn.  1492,  inartij  mense,  die  20, 
bora  Id,  minnto  BO. 

Natiuitaa  Katherinc  filie  mee  — nämlich  des  gerade  aU  jnnior  erwähnten  Uorsogs  Johann  11 
Ton  Simmem^Bponheim  — qne  nascitor  anno  I.jIO,  menae  roartij,  die  27,  hora  0.  min.  0. 

Natiuitaa  Johanne  fllie  mee,  qnc  nascitur  anno  1512,  jnlij  menee,  die  10,  hora  0,  min.  0. 

Natioitas  ülie  mee  Otilie,  qof  naacitnr  anno  1.MB,  nooemhij  mense,  die  23,  hora  21,  min.  0. 

Dqx  Fridericu»  filia«  meoa  naacitnr  anno  1.M.5,  febmarij  die  14,  hora  min.  2ü. 

ürigitU  filia  inea  nascitar  anno  yoininj  l’ilH,  in  augnsto,  die  17,  hora  10,  min.  I.l. 

Dqx  GeorgiuN  Ülius  mens  nascitar  anno  1518,  febnuirij  menee,  die  2.5,  hora  19,  min.  41. 

Elisabet  filia  mea.  que  nnpta  foit  Comiti  Georgio  ab  Krpach,  nascUnr  anno  1.520,  febraarij 
mense,  die  12,  hora  18,  min.  0. 

Dqx  Rjrehardus  Ülius  mcas  nascitur  anno  1521,  julij  niense,  die  25,  hora  3j  mio.  30. 

Maria  filia  mea  legittima  nascitur  anno  1.524.  aprilis  mense,  die  29,  Imra  3,  min.  49. 

Wiliielmus  filias  mens  nascitur  anno  1526,  jalij  mense,  die  4,  hora  11,  min  30. 

Sabina  filia  mea.  que  nupta  fuit  Comiti  Adiniraldo  de  Egmont,  nascitur  anno  1528,  jonij  mense, 
die  13,  hora  2,  min.  SO. 

Helena  filia  mca  nascitur  anno  dominj  I5:t2,  junij  mense,  die  13,  hora  2,  min.  1.5. 

214)  Er  war,  da  ihn  das  sogleich  zur  Sprache  kommende  Stift  s.  Gereons  in  Köln  als  Cano* 
niens  annahm,  nach  einem  Schreiben  dahin  vom  16  Jänner  1545  bereits  „Dhumblicrr  der  hohen  stifft 
Coln,  Strasburg,  Meint*,  Hamberg  md  Spe.^T". 

215)  Schon  in  dem  in  der  vorigen  Note  berührten  Jahre  1.545  hatte  er  seinem  Vater  „ein  alt 
Bchritft^'zugeschickt:  vsi  einer  gar  alten  geschribenen  Cronica,  vnd  sagt  von  dem  Beieriachen  geachlecbt. 


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1Ü7 


zugsweise  mit  dem  Hei7.oge  Johann  I von  Zweihrücken,  mit  dem  Doctor 
der  Keclite  und  kurplalzisclien  Itathe  Jost  Keulx^r  zu  Heidellterg,  wie  mit 
anderen  Ijolien  und  niederen  Persönlichkeiten  aus  dem  letzten  Viertel 
des  IC  Jahrhunderts®'®)  über  verschiedene  genealogische®'^)  und  heral- 


216}  Folgende  Andeutangeo  aoa  den  Jahren  1579  bis  1591  mögen  hier  genügen: 

1579. 

Am  3 August  Qbenchiekte  Henog  Reicbard  dom  L>r.  Reuber,  da  ihm  diese  Mittbeilung  lu 
seinem  ».Torhabendcn  proposito  Tiid  euuserer  der  Pfaltzgrauen  Genealogia  fürtrogticb**  sein  dürft«, 
in  der  Beilago  „die  Historiam  Tonn  woilantt  herzog  Ernsten  Pfaltxgrauen  etc.  seligen,  welcher  nach 
seiner  seltzaamen  volbracbtenn  ScbielTartt  Ezo  genant“  worden,  welche  er  „ron  einem  Mnuich, 
Johannes  Siluanus,  des  Closters  iw,  s.  Marthin  zw  Coin  Kellernn,  im  Closter  liranwsilor,  das  von 
Ffaltzgranen  fundirtt.  zw  wegenn  gebracbtt^*.  Wiewbol  wir  nun  — wird  daran  geknäpft  — solche 
historiam  ror  etzlicb  rnnd  zweiitzigk  Jharen  ron  dem  Closter  Dranweiler  mit  etwas  merern  rtnb- 
stendten  abz  in  dieser  beschreibung  gedacbtt  wurtt,  sonnderltch  aber  des  Namens  Etonj  halb  auch 
bekhumen,  rnnd  dieselbe  auch  weiluntt  ronsenn  fürstl.  gnedigen  lieben  herm  rnd  Vattern  hertzog 
Jobannsen  Pfaltzgrauen  etc.  chrbtseliger  gedeebtnusz  zwg^teltt:  so  habenn  wir  doch,  dieweil  in  der 
bistoria  keines  Ezonj  gedacht  wirt,  rinb  merer  dissi‘8  Namens  Erkundigung  diesem  Mtuiich  abermall 
Khreibenn  laasenn.  Was  rnns  non  derselbig  geantwortt.  das  betin«)«sta  ebenfals  beyligentt,  wie  dw 
dich  dann  vez  den  Prinilegien  so  wir  dir  hiebeuom  bie  zu  Simern  jun  einem  gebundt  seibsten  zu- 
gesteh  zuerionern.  das  dieses  herzog  Ezonj  Namen  jn  des  Closters  Masimini  Prinilegio  einem  ge- 
dacht wirt. 

Da  hier  schon  der  Antwort  des  Klosterbruders  gedacht  ist,  an  welchen  erst  am  10  August 
geschrieben  wurde,  ist  wohl  dieser  Brief  des  3 August  erst  später  umgeschriebeu  worden,  wie  wir 
auch  bei  dein  vom  Jauner  15-Mi  in  der  Note  2*JU  S.  111  sehen. 

Am  lu  August  ertlieilt  der  Herzog  den  Auftrag,  aus  seiner  Kanzlei  an  den  erwähnten  Johanne«> 
Bilranus  nach  KOlu  zu  schreiben,  dass  sein  Buch  nicht  mit  dem  „jn  dem  scripto  vnd  der  Verzt'ichnis 
welchs  er  für  ctlich  vnd  zwaintig  Jaren  von  dem  Closter  IlFauweiier  znwegen  gebracht“  Überein- 
stimme, und  er  dcsshalb  das  Buch  selbst  schicken  solle. 

Am  0/9  Oktober  dankt  Dr.  Reuber  dem  Herzoge  Reichard  für  die  schon  mehrmals  ihm  ..zu 
seinem  turhabeuden  werck  Seiner  fdrst).  Gnaden  vhralten  hochloblichen  Hauszes  der  itzigen  Pfaltz- 
grauen  l>ej  Rhein  genealogi“  geroaebten  Zusendungen. 

15«l. 

Am  14  29  März  dankt  Dr.  Jost  Reuber  dem  Herzoge  Relcitard,  der  sieb  das  in  Rede  stehende 
Genealogiewerk  so  angelegen  sein  lasse,  für  den  am  14  Februar  zugesendeten  genealogischen  Abriss, 
aus  welchem  er  mit  Vergnügen  entnommen,  dass  „ex  priuilegijs  Monaslerij  Schonouiensis  zubeweren, 
das  Ottonis  von  WitteUpacb.  der  die  Pfalti  b«)'  Rhein  wörklich  an  das  bausz  Bayern  bracht  vod 
beseszen.  gemaldin  nicht  Gertrndis  («io  sie  von  etlichen  hUtoricis  genant  winlt  sondern  Agnes  go- 
iidszen“  habe,  welcher  Meinung  er  zwar  jederzeit  gewesen,  auch  dieselbe  durch  die  .Mehrzahl  der 
einschtagenden  Geschichtschreiber  zu  bewähren  gewusst,  während  er  „doch  deszwegen  kein  alt  instrn- 
mentum  diploma  oder  prinüegium  antzutzieben“  gehabt. 

All)  4 April  beantwortet  Herzog  Keichard  dies«  von  zwei  .Beylagen.  vnoserer  der  Pfalttgrauen 
Genealogiam  belangend*  begleitete  Zuschrift  mit  dem  Bemerken,  dass  er  in  der  Registratur  des 
Klosters  Lombde  habe  nacbsucbcii  lassen,  in  Folge  wovon  er  eine  Abschrift  eines  Stückes  inittheiit, 
woraus  der  Adressat  •abermall  vernemen“  werde,  dass  „Herzog  Ottunis  Gemahclin  Agnes  vnnd  nicht 
Gertrudis  geheissen  haben“  soll.  Ob  aber  — knüpft  der  Herzog  Ideran  — disscr  Otto  von  Wittels- 
Abh.  d.  III.  a.  d.  k.  Ak.  d.  Wiss.  XV.  Bd.  111.  Abth.  15 


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108 


dische  wie  dahin  mehr  oder  weniger  einschlagende  Gegenstände,  na- 
mentlich für  ein  grosses  genealogisches  Geschichtswerk  des  Wittelsbach- 
schen  Hauses,  welches  et)cn  von  dem  Herzoge  Johann  wie  nicht  minder 


pach  genant  worilen,  wirstu  dich  vngezwmfTelt  tsz  der  Oenealogia  berichten  können.  Wir  babens 
keinen  gmndt. 

Am  27  April  dankt  Pr.  Renber  fQr  die  Za^chriften  rom  4 and  10  April  snmmt  deren  Beilagon, 
wUnscht  ein  Werk,  aus  welchem  ein  ICxtraet  niitgetheilt  wonlen,  in  der  Vermnthung,  dass  selbes 
Hallerbaml  lu  dem  forhabenden  genealogigcschefft  dienstlich“  enthalten  dürfte,  and  bittet  den  Fürsten, 
dass  er  »wie  biszanher  stattlich  liescbehen,  auch  hinfurtcr  angeregt  genenlogi  werk  gnedigikh  be> 
fördern  helffon“  tndge. 

\m. 

Am  1 Jänner  verlangt  Kurfürst  Ludwig  VI  zn  seinem  „vorhabenden  genealogiwerckh“  als  einem 
Werke  „das  vnnserra  gemeinen  löblichen  hausx  der  Pfaltz  zu  Ehren  von  vnns  fürgenommen  worden* 
vom  Herzoge  Keichard  die  „warhafftigen  Contrafejtnngen  Prägten  vnd  Kbieidungen“  der  in  einem 
* anliegenden  halbbrQchigen  Verzeichnisse  aufgeführten  fürstlichen  Persönlichkeiten  sainmt  denen  des 
Herzogs  Keichari  selbst  and  seiner  beiden  Geroahltnen,  von  jenen  „Conirafejrtungen  aber  so  nicht 
khönncD  vberschickbt  werden“  bestmögliche  Abmalung. 

Am  7 Februar  übersendet  der  Herzog  unter  Rückleitung  des  theilweise  abcorrigirten  Verzeich> 
nisses  die  Copien  der  Porträte  die  er  za  Banden  bringen  konnte  mit  darauf  gerichteten  Bemerkungen 
und  dem  weiteren  Anfägeu : Wir  können  vnsz  gleicbwoll  crrlnnoro,  das  wir  vtigcrcr  fürfarea  ein  gölte 
anzall,  wie  auch  etlicher  Zweibruckischen  Pfaltzgrauen  abconterfeihnngen  bey  weilandt  vnaerem  gnä- 
digen freuntlichtm  lieben  hern  vatterii  albio  — nämlich  zu  bimmern  — vnd  damocii  eben  dieaelbige 
bej  Euer  Liebden  bern  Vattern  seligen  zu  Heidelberg  gesehen  haben.  Ob  sy  aber  noch  zu  HeideL 
borg  sein,  otler  ob  vnnserö  stifffraue  mutter  selig,  die  von  Otingen,  solche  mit  jr  hinweeg  gefurtt, 
können  wir  nit  wissen.  Einmal  wissen  wir  woll,  das  nj  förliandon  gcwosim  sein. 

Am  14/L5  August  schreibt  Herzog  Reichard  dem  Dr.  Reuber,  dass  seine  Baiie  Dorothea  Gräfin 
von  Ortonburg,  geborne  Gräfin  zu  Hanau,  gerne  Jbr  16  aneben  von  Vatter  vnd  Mutter  bewiessen 
sehen“  rouclito.  und  sendet  ihm  diese  Beweisung  mit  seiner  eigenen  ers  bereits  abmalon 

lassen“  mit  dem  Auftrag«:  Nachdem  aber  disso  be/gefögte  zwo  mderschtedtlicbe  Beweisungen  nit 
allerdings  miteinander  vberoin  stimmen,  vnd  du  dann  bis  noch  mit  dum  bewusten  Geuealogiwerckh 
vmbgehen  thust  vnd  dasselb  vnderhanden  hast,  als  halten  wir  dafür,  da  werdest  lekhtüch  dorans 
kommen  vnd  solche  16  Aneben  nach  der  Ordnung  wo!  finden  könn«^n. 

Nach  einer  Verzeichnung  vom  lA  August  waren  die  Beilagen  dieses  Schreibens: 

1)  iü  Wappen  illominirt, 

2)  zwen  vnderschiedtlicbe  Beweisz  meins  giwligen  FörsUm  vnd  Herrns, 

:t)  zwo  geschriebne  Genealogi  so  mein  gn.  Fürst  vnd  Herr  mit  eignen  banden  gc- 
schrieben. 

Am  28  AugQSt/26  September  erklärt  Dr.  Reuber  unter  Rückleitang  dieser  Beilagen  als  seinen 
Befand:  obwoU  angeregte  Beweiszungen  nicht  allerdings  mitteinander  vbercinstimnien,  dass  doch  die 
seebszehen  Aachen  tn  irer  onlnung  durch  die  wspen  r'cht  gesetzt  sein. 

Am  dO  September  dankt  Herzog  Keichard,  und  nimmt  das  Anerbieten  des  Dr  Reuber  an,  da 
er  „der  vor  lengst  abgestorbenen  Herzogen  von  Meissau  vnd  der  berru  von  Erckell  Wappen“  nicht 
habe,  ihm  dieselben  abreUsen  und  zukomincn  lassen  zu  wollen. 

1587. 

Am  1/18  Februar  bittet  Herzog  Johann  1 von  Zweibrücken  den  Herzog  Keicliard,  ihm  von  den 


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109 


von  dem  Kurfürsten  Ludwig  VI  der  Pfalz  beabsichtigt  wurde,  und  wovon 
jedenfalls  das  letztere  auch  mit  einem  mehr  oder  minder  beträchtlichen 
Schmucke  von  bildlichen  Illustrationen’*'®)  ausgestattet  werden  sollte. 


|)fahg^ichen  and  andfreo  Genealogien,  di«  er  vor  einem  Jahre  ab  er  ihn  hesacht  in  einer  bc- 
»ODderon  Kiate  ihm  cnit2uf;ebcn  bereit  gewesen,  die  er  aber  damals  nicht  habe  mitnvbmeD  kennen, 
die  in  einer  eigenen  noch  bei  den  Akten  liegenden  Resignation  — rgl.  Rockinger,  die  Pflege  der 
Geschichte  dorch  di#  WitteUbacher.  in  der  Beilage  II  S.  (18  big  20)  — veneichneten  Numem  lom 
Behuf#  für  das  bewusste  [genealogische]  Werk  zn  übersenden. 

Am  2 Mai  geschieht  das. 

Am  H/21  Mai  erfolgt  das  Dankschreiben  fhr  diese  Zasendung  mit  dem  Bemerken:  Wöllen  die» 
selbige  ta  mnterm  vorhabenden  werckh  gobrauchen- 

l.VJl. 

Unter  den  Produkten  einer  Correspondeni  Über  einen  .Otto  vonn  ürüsEcIl  Herr  in  Polanden 
rund  ein  Truchsäsz  desz  heiligen  Reichs*  stossen  wir  auch  in  einem  Schreiben  des  Herzogs  Johann  I 
von  Zwpibröcken  an  den  Herzog  Keichard  Tom  8/7  April  auf  folgendes:  Nachdem  vnns  ronn  vnnserm 
bey  Euer  Liebden  neulich  gehabtem  Hbat  PcMtor  Hanns  Henrich  Schwelteln  rndortheniger  bericht 
beschehenn,  das»  sich  E.  L.  gegen  jhtn#  vernemmen  lassenn,  dass  sie  vnns,  da  wir  es  begeren  wunlen. 
ettUche  böcher,  darinnen  allerhandt  alte  Wa|ienn  gemahlet,  freundtlicli  verehren  woltenn,  alszo  haben 
wir  darntr  nit  vnderlaszen  mf^nn,  E.  L.  darumb  freundtlicb  zo  ertnehenn  vnnd  zu  bitten.  Wofermn 
nan  E.  L.  nacbmalo  der  meinung,  mnd  vnnsz  angeregte  Bücher  zo  den  vnn»  liiebeoor  verehrteon  jnn 
vnnsere  new  angestelte  Bibliothek  zakominenn  laszen  können,  darumb  wir  diesolbig  dann  bieinit  gantz 
freundtlicb  gebeiten  habenn  wollenn,  beschicht  vnns  daran  vonn  R L.  etu  sonder  angenehme»  froundt* 
liebes  gefallen,  so  wir  vmb  dieselbe  vfT  zutragende  gelegenheit  jn  gleichem  vnnd  mebrerm  widerumb 
zuuerdienenn  vnuergeszenn  sein  woUenn. 

Am  12  April  antwortet  Herzog  Reichard : Souiel  dan  die  Bücher,  darin  allerhandt  alte  wuppen 
gemahlet,  deren  wir  gegen  obernentem  E.  E Hhat  l>r.  Schwebein  in  neulichkeit  gedacht,  betr^lfen 
tbnet,  haben  K.  L.  dieszelbige  bescheliencr  Vertröstung  nach  in  einem  verschlossenen  Kistle  hieinn 
ruompifangen,  freundlich  E.  L pittende,  weillo  wir  dieselbige  bei  der  hanüt  auch  gerne  haben  wollen 
riid  E.  E.  ohne  das  einen  Mahler  bei  dero  boffstatt  stetiiga  erhalten.  Sie  wollen  dietelbige  wappen 
abmahlen,  vnd  vmis  die  vnserige  — beneben  wa;<  sie  der  hern  von  Polaiidca  halben  Rir  fernem  Hr- 
rieht  cinnehineti  werden  mit  gelegenheit  hierneehst  aiihoro  vnbeschwert  wiederumb  zukommen  lassen. 

ln  der  Empfang»l»estatigung  endlich  vom  14/16  April  hei»st  cs:  Dasz  vnns  dann  £.  L.  die 
viilengstenn  vertröstete  Bücher,  welche  wir  nach  ausweysung  jnnliegender  verzeichnus  empfangenit, 
zukhommenn  laszenn.  daruor  Migenn  wir  E.  E.  freuudtliehcnn  danckh;  rnndt  ob  wohl  weniger  nit, 
dasz  wir  einen  Mahler,  der  solche  bücher  abmahlenn  kann,  das  wir  jhme  auch  zubefehlenn  nit  voder- 
laszenn  wölleno,  sp  ist  es  doch  an  dem,  dasz  derselbig  jetztlmehls  mit  abmahlung  allerhaodt  alttenn 
Pfaltzgrauischen  Epitaphien,  so  vnns  ausz  dem  Land  zu  Bayern  zugeschicket,  souiell  zuthun,  dasz  e» 
jnn  eil  nit  gcflchclietm  kban;  gesinneu  derowegcuii  freuodtvetterlich.  E.  L.  wöllcnn  jhr  die  teilt,  so 
darufif  gehenn  wirdt,  weil  der  Bücher  vnndt  wsppcnn  ziemlich  viell,  nit  zugegenn  seinn  laszenn. 
Vif  den  Pall  aber  E.  L.  all  solcher  bücher  jnmittels  eines  oder  mehr  bedürftig,  sollen  sie  derselben 
jo«]erteit  gutwillig  gevolgt  werden. 

Das  Venteiebniss,  dessen  gedacht  worden,  liegt  bei.  Vgl.  Kockinger,  die  Pflege  der  Geschichte 
durch  die  WitteUbacher,  Beilage  III  8.  (21). 

217)  Vgl.  die  Note  216  S,  107—10». 

Es  kann  biezu  weiter  eine  längere  Correspondenz  wegen  einer  Stolberg'scbeu  Geoealogie  aus 
den  Jahren  1580  — 1586  angeführt  werden: 

15* 


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110 


Es  kreuzen  sich  bisweilen  in  tlieser  Con’espomlenz  die  Scliriftstücke  eines 
und  desselben  Zeitraimiea  über  geschichtliche  Fragen  wie  zu  vor- 
zugsweise praktischen  Bedürfnissen.  Konnte  ja  leicht  eine 


im  5/7  Dezember  15S0  bat  Chrütof  Graf  tu  Stoiber^,  KOni^teio,  Rocliefort  an<l  Wernigerode 
ans  Scbloa«  Kunigstein  seinen  Schwager  Herzog  Keichard,  ihm  Abschrift  deasen  zu  schicken,  was  er 
darüber  rerzeichnet  haben  soUte«  •wieuiel  Kinder  rnnd  Kindes  Kinder  von  weiland  der  wolgebornen 
Praoeo  Julianen,  gebomer  von  Stolberg^  (träum  vnd  Trauen  zu  Kassaw,  Catjtenelnbogen,  Sponheim, 
seiner  freundlichen  liebcon  Schweiftern  rnd  gefattcrin  seeligen,  bei  Zeittean  Irer  L.  Lebenn  gebom 
vnd  eiteugt  wordenn*  seien,  da  er  Willens,  dieses  Verzeichnias  «abmalilen  zu  laszenn". 

Am  7 Dezember  antwortete  der  Herzog,  dass,  nachdem  seine  erste  Gemahlin  Juliana,  geborne 
Gräfin  »"on  Wied,  verschieden,  er,  ,acit  hcro  nichts  weiters  von  Enckcln  vnd  Vhrenckeln  rfgesebriben 
noch  obseruieret”,  dass  er  aber  was  er  ,hiebeaor  gcsamblett*  und  bei  Händen  habe  gegen  seiner- 
zeitige Rückgabe  nach  der  Abmalnng  auf  Königstein  mittheile.  Ueberdiess  werde  sein  Schwager  be- 
züglich dieser  Sache  bei  seinem  Schwager  dem  Grafen  Hermann  zu  Wied  „ein  locupletiorem  obser- 
□ationeto  flnden*  können. 

Am  Juli  ].'iS4  verlangte  Herzog  Reicbard  von  dem  Erzbischof«  Wolfgang  von  Mainz  diese 

„Genealngiam  von  weilandt  der  wohlgebornen  seiner  anfrawen  seligen,  frawen  Juliana,  gebomer  von 
Stolbe^,  Grauin  zu  Nafuuiw,  Catzenclnbogen  etc.  chriRtmild«'r  ge<le<'htnus,  bisz  utT  ihn  selbst,  roitt 
golt  vnd  Silber  iiluminirt*'  zum  Behufe  ihrer  Fortführnng  mit  dem  Bemerken,  dass  sie  ihm  beim 
Tode  des  Grafen  Christof  noch  nicht  wieder  zugekominen  gewesen,  Schloss  und  Grafschaft  KQnigstein 
aber  von  den  Vorgängern  des  Erzbischofea  eingenommen  worden  und  noch  in  seinen  Händen  sei, 
woselbst  das  betreffende  Werk  ohne  Zweifel  gefunden  worden  und  noch  vorhanden  sein  werde. 

Am  Id  Angost  sehrivb  der  Erzbischof,  die  erforderlichen  Erkundigungen  einrioben  lassen 
zn  wollen. 

Am  Id  Dezember  brachte  »einerseits  der  Herzog  die  Sache  in  Erinnerung. 

Am  1/d  Jänner  1585  antwortete  der  Erzbischof,  dass  die  fragliche  Genealogie  noch  bei  Leb- 
zeiten des  Grafen  Christof  von  Königsteio  weg  an  „Doctor  8chüBz!ern,  alsz  welcher  mH  solchem 
werck  vmbgangen,  hinein  gen  Stolberg  geschickt"  und  seit  der  Zeit  nicht  mehr  gesehen  worden  sei. 

Am  Id  Dezember  brachte  der  Henog  unter  Bezugnahme  auf  sein  Schreiben  vom  Juli  1584 
und  die  Antwort  des  Erzbisehofes  vom  Id  August  dess.  Jahres  die  Sache  abermals  in  Erinnerung. 

Zugleich  beauftragte  er  am  Id  Dezember  den  Christof  Molstetter  zu  Mainz,  da  die  mehrberührte 
Genealogie  vielleicht  einem  Maler  zu  Mainz  oder  Frankfurt  zum  Zwecke  der  Copirung  gegeben  worden, 
desshalb  dortselbst  geeignete  Nachforschungen  anzustelleii. 

Am  7 Äugost  158C  schrieb  der  Herzog  an  seinen  Schwager  Grafen  Albrecbt  zu  Stolberg  unter 
Berngnahtne  auf  das  Schreiben  des  Enbisebofs  von  Mainz  vom  I/d  Jauner  1585,  er  »olle  bei  dem 
I)r.  Schusslcr  oder  wo  immer  sachdienliche  Erkundigungen  versuchim,  und  ihm,  weil  er  seine« 
•dochterlins,  frawlin  Katheriua  Ffaltzgräuin  lialb,  das  noch  allein  von  jrer  Mutter  — nämlich  seiner 
eisten  Gemahlin  — jra  leben,  dieselbige  Genealogiara  gern  widerumb  haben"  wolle,  durcli  den  Grafen 
Ernst  oder  den  Grafen  Christof  zu  Mannsfeld,  die  hievon  in  Kenntnis»  gesetzt  »eien,  zuschieken. 

218)  Beispielsweise  über  da*  Sponbeini'sche  Wappen: 

Am  22/26  Februar  1587  schrieb  Herzog  Johann  Kasimir,  Vormund  und  der  Kurpfali  Admini- 
strator, auf  Andringeo  seine*  Vetters  Herzogs  Karl  dem  Herzoge  Retchard  bezüglich  de»  berührten 
Wappens,  dessen  sieh  Markgraf  Philip])  voo  Baden  bediene,  wäbreod  es  doch  eigentlich  dom  Hause 
Simmern  zustehe,  und  welches  er  denn  als  Inhaber  der  halben  hinteren  Grafschaft  Sponheim  in  den 
diese  berührenden  Angelegenheiten  gebranclien  wolle,  um  Auskunft:  wie  ea  zogangen,  oder  aus  wasz 


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111 


Frage  die  in  gewissen  Zeiten  nur  ein  gewöhnliches  genealogisches  In- 
teresse hot  plötzlich  auch  eine  sehr  bedeutende  praktische  Bedeutung 
erlangen.  War  das  letztere  beispielsweise  der  Fall  bei  Ansprüchen  welche 
das  Haus  Siininern  in  den  Aehzigerjahren  des  16  Jahrhunderts  bezüglich 
der  Grafschaft  Saarbrücken  gegenüber  Xas-sau  zu  verfolgen  bej^trebt  ge- 
wesen, so  fallen  hierauf  gerichtete  Schreiben  eben  des  Herzogs  Ueichard 
an  Johann  I von  Zweibriicken  wegen  der  Nassau- Saarbrücken'schen  tie- 
ne.alogie  mitten  in  den  Briefwechsel  mit  diesem  über  die  Zweibrücken'sche 
Genealogie-*®)  zu  rein  geschichtlichen  Zwecken,  so  dass  dem  letztlierülntcn 

V'raacboD  Siminern  berQrt  8(«nh«iiiiit»ch  Wapjten  ein  Zeittbero  recht  fcfQhri,  vontl  bejr  wehiii  eolebes 
am  ernten  angefanf^en  wanlen. 

Am  13  Marx  beantwortete  Herzog  ßekbard  diese  Znuchrift  dabin,  da*»  zwar  Dr.  Rcnber  be*- 
seren  Bericht  werde  geben  können  als  er  selbst;  machte  ab>r,  um  nicht  unwilHährig  zu  i -heinen, 
ZQgleieh  eine  R**ihe  von  eimtchlagenden  Mittheilungen. 

21tt)  Vgl.  au»  der  Note  216  die  Briefe  vom  1 Jinner  und  7 Februar 

Auch  auf  den  Hchloiui  der  Zuschrift  des  Herzog»  Wübelm  V an  den  Herzog  Philipp  Ludwig 
von  Pfalz «Neaburg  au»  dem  folgenden  Jahre,  wovon  nachher  8.  120  die  Rede,  kann  hier  ver- 
wiesen sein. 

220)  £»  mag  hier  die  nachfolgende  /usaimni  nstelluiig  gctiögen. 

Im  Jannt  r 1586  antwortete  Herzog  Reichard  auf  eine  Reihe  von  Punkten , ttber  welche 
Dr.  Reuber  auf  einen  kurz  vorher  «rborschickten  luxtract  von  der  Nassawischen  Genealogj*  u.  s.  w, 
.\n8knnft  verlangt 

Da  indessen  beitobt  wurde  „dissen  briff  noch  ein  weil  vnabgeschriben  zaruck  zuhalten,  bi*z 
Ulan  »ich  aller  Ding  gnug*atn  erkundigt“  habe,  wurde  er  nach  den  desfallsigen.  Abänderungen  ent 
am  3 Oktober  wirklich  abgesendet. 

Am  151  Jänner  158H  erbat  «ich  Dr.  Valentin  Förster  zu  Wonns  för  den  Belmf  eine»  Rechts- 
gntachton»  ,jn  Caussa  die  ürartVehafft  äarbrucken  anlangendt“  vom  Herzoge  Keicbard  eine  Genealogie 
der  Grafen  von  Nassau,  die  er  ihm  wohl  ohne  besondere  BeKchwerung  von  stdnem  Vetter  Herzog 
Johann  1 von  Zweibrficken  werde  auswirken  können. 

Am  20  Jänner  erfolgte  bereit»  die  Zuiagt*  auf  die  Requisition  derselben  und  ihre  scinerxeitige 
UebcrmittluDg. 

Am  10  Fcbruar/21  März  übersendete  Herzog  Johann  auf  einen  Brief  des  Herzog»  Reichard 
vom  5 Kebruar  wegen  Irrungen  in  der  ZweibrÜckeir»chen  Oenealogte  eine  solche  au»  der  Hanau'xchen 
Kanzlei  mit  dem  AaTugeii,  da»»  dort  wohl  nähere  Auft-chlüsse  za  erholen  »ein  dürften,  und  dass  er 
aus  seiuer  eigenen  Registratar,  die  er  „geliebt»  Gott  so  baltt  möglich  vor  die  handt  zunemen 
bedacht"  sei,  aUcDfall»  sachdienliches  roittheilen  wolle. 

Am  17  März  benachrichtigt«  Herzog  Reichard  den  Herzc^  Johann,  das»  — obwohl  dieser  ihm 
beim  letzten  Zusammentreffen  in  Lautern  bezüglich  der  Na-isau- Saarbrücken'schen  Genealogie  münd- 
lich geäusseit.  sie  sei  vor  damals  drei  Wochen  abgesendet  wurden  — aie  bisher  noch  nicht  ein* 
getroffen. 

Am  26  März/1  AprÜ  bemerkte  Herzog  Johann  dem  Herzoge  Reichard,  das»  ihm  die  Verau- 
lassQDg  nicht  bekannt  sei,  warum  der  Brief  vom  10  Februar  mit  der  Zweibrücken’ sehen  Genealogie 
ihm  erst  am  21  Marz  zugekommen,  und  stellt  da»  Frsuehon,  ihn  wegen  der  IrrthÜnter  die  darin  zu 
finden  gelegenheitlich  zu  verBtindigeo,  damit  er  selbe  dort  abändern  könue. 


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112 


Füi’sten  gerade  eine  Verwechslung  in  dieser  Beziehung  begegnen  konnte, 
wie  er  selbst  am  26  Miirz/1  Ajiril  1589  zu  dessfallsiger  Entschuldigung 
wegen  des  Missverständnisses  an  Herzog  Kcichard  schrieb,  es  könne  „wol 
sein,  dasz  die  bemelte  Eweybruckische  Genealogi  an  Statt  der  Nassawi- 
schen  gemeint  geweszenn“. 

Wenn  nun  aber  auch  die  Genealogien  verhältnissniässig  stark  ver- 
treten sind,  so  führt  doch  gleich  der  ei'ste  Blick  in  den  Inhalt  der  ver- 
schiedenen Arbeiten,  die  uns  unter  den  Namen  Erl)folge,  Genenlogie, 
Herkunft.  Sippzahl.  Stamm  oder  Stammfolge,  Successio  u.  dgl.  begegnet 
sind,  zu  der  üeberzeugung,  dass  man  es  eigentlich  im  Ganzen  zu  einem 
nicht  gar  so  aus.serordentlich  bedeutenden  Theile  mit  Genealogie  im 
gewöhnlichen  engeren  Sinne  zu  thuii  hat,  sondern  dass  hier  eine 
weitere  Bedeutung  dieses  Wortes  sich  geltend  macht. 

In  sehr  vielen  Fallen  genügte  eine  einfache  Abstammuugsverzeichnung, 
gleichviel  ob  die  Personen  welche  hicfür  in  Betracht  kommen  nur  n.ach 
einander  oder  unter  einander  aufgczählt  wurden,  oder  ob  auch  gewisser- 
massen  bildlich  die  Darstellung  in  einer  Stammtafel  oder  einem  Stamm- 
baume beliebt  ist,  entweder  ohne  jede  weitere  Zuthat,  oder  auch  häufig 
mit  Einreihung  von  Angilben  über  die  Jahre  der  Geburt,  der  \'er- 
heiratuug.  des  Todes. 

So  haben  wir  ja  in  der  verhältni.s.smässig  gewiss  nicht  übergrossen 
Auswahl,  welche  in  den  Num.  1 — 20  einschliesslich  getroffen  worden, 
Arbeiten  kennen  gelernt,  bei  welchen  die  Absicht  des  Verfa.ssers  auf 
nichts  anderes  gerichtet  gewesen  als  auf  eine  solche  Darstellung  der 
Abkunft  ohne  allen  und  jeden  ferneren  Text  oder  höchstens 
mit  einzelnen  kurzen  Bemerkungen  die  mehr  gelegenheitlich 

Am  *26  Marx/1  April  sodann  acbrieb  Heno;;  Johann  dem  Herzog^e  Reichard  auf  den  ihm  jetzt 
su^ehommenen  Brief  vom  17  März  bezQji^icb  der  Naa3an'’.SaarbrQcken'9chen  Genealo;;ie,  sich  nicht 
erinnern  zu  können,  weiter  <iau  sie  je  schriftlich  von  ihm  verlangt  worden,  noch  nach  dass  jbDfrat 
zu  Lautern  davon  die  Rede  gewesen.  Eu  mag  aber  wol  sein  — knQpft  er  liieran  — dass  die  bemelte 
Zwtybmckiachf  Gem*alogi  an  Statt  der  Nassawischon  gemi'int  geweszenn.  Letztere  winl  denn  auch 
aof  das  nanmehr  «iederbolte  Begehren  mit  dem  BeifQgen  Qbcrmittelt:  wiewol  sie  nit  CompHrt.  auch 
Tons,  ob  sie  Just  oder  nit,  vnbewuHt  jst. 

Am  27  Mäiz  wurde  sie  nach  einer  Bemerkung  auf  der  oben  berührten  Antwort  an  Dr.  Vorster 
Tora  20  Jänner  an  diesen  ubersendet. 

Sie  liegt  abschriftlich  sammt  dem  «kurtzen  Bericht  wie  es  mit  der  Jetzigen  Churfarstlicfaen 
rialtzUni  Anforderung  ann  die  GraueschafTt  Saarbrücken  geschafTenn*'  bei. 


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113 


da  und  dort  angefügt  sind.  So  etwa  in  des  Matthias  Kodier  Umarbeitung 
der  baierisehen  und  pialzischen  Genealogie  des  Herzogs  Johann  II  von 
Simmem-Sjxjnheim  für  dessen  Sohn  Herzog  Georg,  Nuin.  6.  Oder  in  der 
unter  Num.  11  erwähnten  Arbeit  des  Jakob  Ludwig  Beuther.  Oder  in  den 
unter  den  Num.  17  und  18  berührten  pfälzischen  Stammbäumen.  Auch 
nocli  in  späterer  Zeit  war  diese  Behandlungsweise  nicht  unbeliebt.  So  bei- 
spielsweise bei  der  Stammtafel  der  Beilage  IV,  oder  bei  der  in  Num.  102 
berührten  unter  dem  Kurfürsten  Maximilian  III  Joseph  in  grossem 
Querfoliofonimte  gefertigten  chronologischen  Ehrentafel  des  baierisehen 
Herrscherhauses  von  Einzinger  von  Einzing. 

Stellte  sich  hier  und  dort,  das  Bedürfniss  nicht  allein  nach  der 
Kenntuiss  der  Abstammongsreihe  sondern  auch  nach  der  Kunde  der 
mannigfachen  Verwandtschaftsverhältnisse  überhaupt  heraus, 
so  würfle  dieses  früher  wie  später  gleichfalls  in  besonderen  Arbeiten  be- 
friedigt. Man  denke  in  di»?ser  Hinsicht  nm'  an  die  in  der  Num.  14 
unter  Lit.  a und  b,  in  den  Num.  lä  mul  16  wie  hernach  in  den  Bei- 
lagen I und  11  aufgeführten  des  l)r.  Philipp  Jakob  Siiener,  des  Johann 
Jakob  Pilgel,  des  l)r.  Johann  Ulrich  Pregitzer,  des  Friedrich  Albrecht 
Steinheil. 

Abgestdien  hievon  konnten  denn  auch  die  seither  besprochenen  genea- 
logischen Daj'stellungen,  insbesondere  die  in  der  Gestalt  von  Stammtafeln 
oder  Stammbäumen,  zu  bequemer  Veranschaulichung  der  Abstammungs- 
Verhältnisse  je  nach  Bedürfniss  in  andere  Werke  Aufnahme  finden. 
Wir  sehen  das  beispielsweise  in  der  unter  den  Num.  48  und  49  aufge- 
führten baierisehen  Chronik  des  Andreas  von  s.  Mang  zu  Stadtamhof, 
mid  zwar  sowohl  in  der  lateinischen  als  auch  in  der  deutschen  Be- 
arbeitung. Der  Chronik  des  Ulrich  Fütrer  sind  in  dem  aus  Tegernsee 
stammenden  Cod.  germ.  225  der  Hof-  und  Staatsbibliothek  die  Stammtafeln 
der  baierisehen  und  pfälzischen  Linien  des  Ilcrrscherhauses  vonio  bei- 
gegeben. Augustin  Kölner  hat  dem  in  Num.  62  Lit.  a — c besprochenen 
ersten  Theile  seiner  so  zu  sagen  ausschliesslich  auf  Urkunden  ruhenden 
baierisehen  Geschichte  einen  Stammbaum  des  herzoglichen  Hauses  Wittels- 
bach bis  zum  Aussterbon  seiner  niederbaierischen  Linie  im  Jahre  1340 
eingefügt,  welcher  sich  auch  in  der  dort  S.  207/208  erwähnten  alten 
Druckausgabe  S.  46  findet.  Eine  zierliche  Stammtafel  der  männlichen 


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Sprossen  des  Herzogs  Ferdinand,  des  Gründers  der  gräflich  Wartenl)erg- 
schen  Linie,  ist  in  der  in  Num.  77  b berührten  Arbeit  des  Johann  Wümpl 
eingozeichnet. 

Verlangt  man  nach  einem  Beispiele,  wie  abgesehen  hievon  die  ein- 
fache Reihenfolge  der  Heri-scher  nach  ihren  Stammvätern  auch  für  ganz 
andere  Schriften  l>enfltzt  werden  konnte,  so  mag  an  die  Disputatio 
politica  et  historica  de  dignitate  ducum  Bavariae  Hetruriae  Sabaudiae  et 
Mantuae  des  Kaspar  Scioppius  erinnert  sein,  deren  in  der  Beilage  V Er- 
wähnung geschieht. 

Dem  gegenül)er  begegnen  wir  auch  bei  einer  Reihe  von  hier  ein- 
schlageuden  genealogischen  Werken  wenigstens  kleineren  geschicht- 
lichen oder  sonst  erläuternden  Beigaben.  E-s  mag  da  gleich 
wieder  an  Augustin  Kölner’s  Entwurf  von  Stammtafeln  des  Hauses  Wit- 
telsbach unter  Berücksichtigung  der  betreffenden  Landestheile  erinnert 
sein,  Xum.  2.  Oder  an  die  nach  tler  Chronik  des  vorhin  Ivorührten 
Andreas  von  .s.  Mang  gefei-tigte  baierische  Genealogie  des  Herzogs  Jo- 
hann 11  von  SNimmern-.Siionheim,  Num.  4.  Oder  an  die  Beilagen  VI  und  VH. 

Abgesehen  hievon  aber,  ging  man  einen  Schritt  weiter,  so  konnten 
mit  solchen  genealogischen  Zusammenstellungen  g!»nz  gut  neben  den  An- 
gaben über  Gebürt.  Verheiratung.  Tod.  in  der  unter  Num.  13  bemerkten 
auch  theilweise  über  die  Mitgift  der  Gemahlinen  dieser  und  jener  Fürsten, 
auch  geschichtliche  Nachrichten  in  grösserem  oder  gerin- 
gerem l'infange  an  den  je  betreffenden  Orten  verknü])ft  werden. 
Gerade  auf  dem  letzteren  Wege  erhielt  das  dürre  Gerippe  von  Namen 
ohne  die  eben  berührten  Angaben  oder  mit  denselben  erst  eine  mehr 
oder  minder  ausgiebige  Bekleidung  mit  Fleisch.  Darauf 
stossen  wir  beispielsweise  bereits  in  den  zwei  grossen  Pergainentrollen 
der  Num.  1 und  .öO.  zu  welch  letzterer  insbesondere  die  Beilage  VHl  ge- 
zogen werden  mag,  sjuiter  in  der  baierischen  Genealogie  der  Dr.  Wigu- 
leus  Hundt.  Num.  60  und  67.  in  der  des  Christof  Gewold  Nmn.  72 — 74. 
Solche  Darstellungen  konnten  denn  auch  zeitweise  diesen  und  jenen  Per- 
sonen den  Mangel  des  Besitzes  eigentlicher  baierischer  Geschichts- 
werke mehr  oder  weniger  fühlbar  erscheinen  lassen. 

Es  läs.st  sich  gewiss  nicht  läugnen,  diws  diese  Gestalt  geschicht- 
licher Darstellung  eine  ausserordentlich  einfache  ist  Und  da  sich 


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in  diesen  Rahmen  der  Genealogie  die]  Geschichte  ganz  gut  einfügte, 
fand  man  auch  gar  nichts  besonderes  daran,  eben  die  geschicht- 
liche Darstellung  selbst  auch  in  den  Fällen  wo  cs  sich  nicht  lun 
lediglich  genealogische  Dinge  handelte,  sondern  um  wirkliche  Geschichte, 
in  weiterem  Sinne  immer  noch  als  Genealogie  u.  s.  f.  zu  be- 
zeichnen. Gibt  ja  doch  beispielsweise  Augustin  Kölner  seiner  Oben  in 
Niun.  62  berührten  baierischen  Geschichte  den  Namen  Vorzaichnus  der 
khünigen  kaiser  fürsten  vjwl  hertzogen  von  Bayren  altvatter  herkomen 
sijjschaft  vnd  ])luetstamm,  und  dem  Auszuge  in  der  dort  erwähnten  alten 
Druckausgabe  die  Bezeichnung:  Stamm-  und  Erbfolg  des  durohleuchtig- 
sten  Hausses  l’faltz.  Die  geschichtliche  Darstellung  ei-scheint  eben  so  zu 
sagen  — ^n  einer  Art  fortdauernder  Anlehnung  an  die  frülieren  Zeiten  — 
in  mehr  oder  minder  genealogischem  Gewände. 

Natürlich  brauchte  dieses  nicht  nur  nach  einem  Schnitte 
gemacht  zu  sein.  Jo  nach  der  Begabung  der  Verfasser  der  verschiedenen 
daher  einschlagenden  Schriften  oder  auch  je  nach  den  l>esünderen  Be- 
dürfnissen und  Zwecken  werden  sich  da  im  einzelnen  diese  und  jene 
Verschiedenheiten  finden.  Hiezu  kömmt  aber  noch  ein  ganz  besonderer 
Umstand.  Die  baierische  wie  pfälzische  Geschichte  verzweigt  sich  in 
Folge  der  für  die  staatliche  Entwicklung  wie  für  das  Eiiiporkomiiien 
des  Wittelsbachischen  Hauses  im  Reiche  so  unheilvollen  Landesthei hingen 
vom  13  Jahrhunderte  an  vielfach.  Wenn  nicht  allein  die  Geschichte 
eines  einzelnen  Landestheiles  und  seiner  Heirscherlinie  zur  Behandlung 
gelangte.  mus.ste  naturgemäss  auch  das  Gewand,  wenngleich  es  im  grossen 
Ganzen  genealogisch  blieb,  unter  der  Hand  dieses  und  jenes  Bearbeiters 
oder  am  Ende  auch  eines  und  desselben  Bearbeiters  eine  vei’schiedene 
Gestalt  annehmen. 

Betrachtet  man  nur  die  oben  unter  Num.  2 und  62  aufgeführten 
Werke  des  Augustin  Kölner,  so  hat  das  erste  als  ein  genealogisches  zu 
gelten;  aber  beim  zweiten  M'ar  seine  Absicht  gewiss  nicht,  wenn  es  sich 
auch  als  Verzaichnns  der  khönigen  kaiser  fürsten  vnd  hertzogen  von  Bayren 
altvatter  herkomen  sipsclmft  und  pluetstamm  oder  iin  Aiwzuge  in  der  da- 
selbst erwähnten  alten  Druckausgabe  als  Stamm-  uud  Erbfolg  des  durch- 
leuchtigsten  Hausses  Pfaltz  bezeichnet , eine  blos  genealogische  Schrift  zu 
liefern,  sondern  es  erscheint  als  eine  auf  Grund  der  Urkunden  bearbeitete 
Abb  d.  III.  CL  d.  V.  Ak.  d.  Wi»a.  XV.  Ud.  Itl.  Abtta.  16 


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baierische  Gescliicbte,  nnd  zählt  domnach,  wenn  man  eine  Würdigung 
nach  dieser  Seite  liin  ointreten  lässt,  eben  eigentlich  JUcht  mehr  zuin 
Gebiet  der  Genealogie  iin  engeren  Sinne,  somlem  ist  unter  die  geschichb- 
lichcn  Werke  zu  rechnen,  und  desshalb  da  eingereiht 

Sehen  wir  nun  auch  an  dieser  Stelle  von  diesen  und  von  anderen 
dergleichen  Werken  ab.  so  bot  iiu  übrigen  gerade  zunächst  die  Genea- 
logie zu  wiederholtenmalen  Veranlassung  zum  Entstehen  von  daher 
einschlagenden  Erzeugnissen  in  Bild  wie  in  Wort 

Es  lag  nulie,  die  Stamnireihen  der  Gli<Kh>r  dos  fürstlichen  Hauses, 
mochte  man  sie  bis  auf  den  ersten  Herzog  Otto  aus  dem  Geschlechte 
der  Wittelsbacher  führen,  oder  mochte  man  darübei-  hinaus  bis  auf 
Kai.scr  Karl  den  Grossen  zurückgehen,  oder  mochte  man  tMjgar  in  das 
recht  hübsch  graue  Alterthuiu  bis  zum  Bavarus  und  Norix  hinaufsteigen, 
wie  wir  gleich  in  Xum.  1 goseheii  haben,  oder  mochte  man,  wie  ja  auch 
zuweilen  vorkam.  sogar  damit  noch  nicht  befriedigt  sein,  t heil  weise 
oder  ganz  durch  Wappen  oder  auch  durch  bildliche  Dar- 
stellungen zu  vor  herrlichen.  Schon  verhältnissinässig  früh  hielt 
man  auf  dergleichen  Schmuck.  Man  denke  nur  an  die  csben  berührte 
Pergamentrolle  der  Num.  1 ans  dem  letzten  Viertel  des  15  Jahrhunderts 
mit  ihrer  Menge  von  Wappen.  Und  am  wenigsten  wiinl  mau  es  geratle 
den  Fürsten  selbst  ver.argen  können,  wenn  sie  in  ihren  Prunksälen 
sich  an  den  Gestalten  der  lierühmtcren  ihrer  Ahnen  erfreuen  wollten, 
oder  wenn  sie  im  heimischen  W oh nge mache  wie  auch  ander- 
wärts bei  der  Lectüre  ihrer  Thaten  gleich  unmittelbar  ihr  Bild  vor 
Augen  zu  haben  wünschten,  oder  wenn  sie  endlich  die  liuhestätto 
der  Vorältern  und  ihre  eigene  mit  dergleichen  Zierden  mngeben 
sehen  mochten.  Was  gleich  da,s  letzte-®')  anlangt,  berichtet  uns  die 
Chronik  von  .Sclieieni  aus  der  Zeit  des  Abtes  Ulrich  VII  Minnenbeck: 
ad  guberuacula  sedonto  hoc  ablmte  in  Curia,  id  est  in  capella  Principuui 
seu  Capitulari,  pictos  esse  jussu  Friderici  ducis  Bavariae,  proavi  Georgii, 
Coulites  Schiren.ses,  tradit  Avontinus.  Höchst  wahrscheinlich  war  auch 
eben  durch  diesen  Hen-schor,  der  am  4 Dezember  1393  starb,  die  An- 


221)  Vgl.  die  A.b)ian<ilnng  des  Dr.  Jos.  r.  Hefner  über  die  Fürstengruft  und  die  Fürsten* 
kapelle  za  Scheiem  im  oberbaJerischen  Archive  tdr  vaterländische  Geschichte  li  S.  I^l--202,  nament* 
lieh  8. 


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fertignng  iler  unter  Niim.  47  Iteriilirten  Scheiorn  - Wittelsbachischen  Ge- 
ftchleehtetafcl  im  Krouzgange  de»  Kloster»  beziehungsweise  in  der  er- 
wähnten Fürsten-  oder  Kapitelkapelle  erfolgt,  die  wohl  in  unverkenn- 
barem Zusammenhänge  mit  einem  Theile  jenes  Bilderschmuckes  steht. 
Doch  wenden  wir  uns  zu  lichteren  Uitumen.  Es  mag  da  zunächst  an 
eine  Bemerkung  angeknüpft  werden,  welche  der  prächtige  haierisch- 
pfälzische Stammbaum,  dessen  in  Num.  50  gedacht  worden,  bei  Gelegen- 
lieit  der  Erzählung  von  der  Kreuzfahrt  des  Grafen  Eckhart  von  Scheiern 
mit  seinen  mit  rothen  Riemen  gebundenen  Schuhen  eindiessen  lässt,  von 
welchen  er  allnächtlich  einen  an  seinem  Lagei-platze  autstcckte,  und  der 
dann  sj)Uter  in  da»  Bamier  gemalt  wurde,  wie  „in  der  histori  de  Scheiren“ 
stehe.  Es  haben  auch  — heisst  es  da  — die  fürsten  von  Bairn  vil  vnd 
offt  aufmaln  lassn.  vnd  sunder  der  frumb  hertzog  Johanns,  ain  vater  des 
kunig  von  Tennmaivh,  das  ist  Herzog  Johann  von  Pfalz -Neuburg  im 
zweiten  Viertel  des  15  Jalirhumlerts.  Odor  man  steige  in  den  ernten 
Stock  des  alten  Hofes  hier,  luid  man  steht  vor  dem  Beste  einer  Reihe 
von  Gemälden  baierischer  oder  mit  dem  baierischen  Fiirstenhause  ver- 
wandter HeiTScher,  mit  welchen  nach  der  Ausführung  des  Ckdlegen 
Föriuger  im  ober  baierischen  Archive  für  vaterländische  Geschichte  XII 
S.  2f>6 — 296  muthmasslich  Herzog  Sieginund  von  Baiern-München  in  den 
Sechzigerjahren  des  l>ezeichneten  Jahrhunderts  vielleicht  mit  Benützung 
der  bekanntlich  von  dem  älteren  Herzoge  Ludwig  von  Baiem-Ingolstadt 
veranlassten  und  ihm  gewidmeten  baierischen  Chronik  des  Andreas  von 
8.  Mang  zu  Stadtamhof  — vgl.  oben  die  Nuui.  48  und  49  — sich  da 
umgab.  Wer  weiss  auch  nicht,  dass  älmlicher  Schmuck  einen  prächtigen 
Saal  des  Heidelberger  Schlosses  — vgl.  oben  die  Num.  5 und  unten  die 
Beilage  IX  — zierte  ? Kehren  wir  wieder  zu  den  Münchner  Bcsidenzen 
im  letzten  Viertel  des  16  und  am  Anfänge  des  folgenden  Jahrhunderts 
zurück,  so  entnehmen  wir  Aktenstücken  des  geheimen  Hausarchives,  dass 
sich  Herzog  Wilhelm  V für  den  Behuf  der  Ausschmückung  von  Ge- 
mächern daselbst  im  Jahre  1584  an  Herzog  Philipp  Ludwig  zu  Neuburg 
um  eine  „designation  oder  verzaichnus  aller  Conterfett  der  fürstlichen 
Personen  vom  Hans  Pfaltz  vmnd  Kayrn,  souil  deren  in  Seiner  Liebden 
Scblosz  zu  Neuburg  verbanden“  gewendet,  welche  dem  Erasmus  Fend 
zum  Gutachten  uiitgetheilt  wurde,  der  am  1 1 November  seinem  Herrn 

16* 


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„die  Vei-zeichnus  der  Fürsten  vnd  Pfaltagrauen , wie  sy  nach  Ordnung 
vnd  gegen  einander  vber  zeinahlen  fürgenonniien“  worden,  überschickte. 
Es  besteht  diese  Zusammenstellung  unter  fler  Uoberschrift  „die  Fürsten 
in  die  obersten  feldungen  baider  seits  neiden  den  fenstern  herab“  aus 


folgenden  26  Pewönlichkeitcn : 

1)  Otto  der  gro.>!z,  Pfalzgraue  zue  Wil- 
telspach , ward  Hertzog  in  Buyru 
anuo  1183. 

3)  Ludwig  Hertzog  in  Baym,  Chur- 
fürst, liesz  Bein  geniachel  enthaub- 
ten,  vnnd  muest  deszbalbeu  Füreton- 
feldt  pawen. 

5)  Khay«er  Ludwig,  Hertzog  in  Bayrn, 
Grane  zue  Holland  Seeland  Friesz- 
landc. 

7)  Ludwig  Hertzog  in  Bayrn,  Marg- 
graue  zue  Brandenburg,  Hertzog  in 
Cärnthen,  Graue  zue  Thyrol  vnnd 
Görtz. 

9)  Meinhard  Hertzog  etc.  Grane  zue 
Tyrol. 

11)  Johann  Hertzog  von  Bayrn,  Bischoue 
zue  Lüttich,  nacher  Graue  zue  Hol- 
land Sehlandt  etc. 

13)  Hanns  Hertzog  in  Bayrn,  zu  Mün- 
chen wonend,  genant  der  from  vnnd 
schlecht 

15)  Hainrich  der  reich,  hertzog  in  Ni- 
deru  Bayrn,  erstlich  gar  arm. 

17)  Ernst  hertzog  zue  München. 

19)  Älbrecht  der  weise,  bracht  obern  vnd 
Nidern  Bayrn  wider  znsamen. 

21)  Wilhelm  hertzog,  der  groszmnettig. 


2)  Ludwig  Hertzog  in  Bayrn,  erster 
Pfaltzgraue  am  Khein,  anno  1215. 
Pauet  l.andtshuett. 

4)  Heinrich  Hertzog  in  Nidern  Bayrn. 


6)  Otto  Hertzog  in  Nidern  Bayrn,  er- 
wehlt  zue  Kbünig  in  Vngern. 

8)  Rueprecht  Churfürst  am  Khein,  her- 
nach Römischer  Khönig. 


10)  Ludwig  im  Parth  Churfürst. 

12)  Christoff  Khönig  in  Denmarkh, 
Pfaltzgraue  etc.  **’) 

14)  Lndw'ig  Pfaltzgraue  Churfürst,  der 
Tugendtsame. 

16)  Philipps  Pfaltzgraue  Churfürst. 

18)  Ludwig  Pfaltzgraue  Churfürst 

20)  Fridrich  Pfaltzgraue,  Ludwigen  brne- 
der,  Churfürst. 

22)  Otthaiurich  zue  Nenburg,  Churfürst. 


222;  Du  Wort  „Pi'altigraas  etc."  hat  Braamos  Fend  beigesetit. 


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28)  Albrecht  der  Catliolieche,  hochner-  24)  Fridricb  Pfaltzgraue  ChnrfOrst. 
steudig  rund  beredt. 

25)  Wilhelm.’**)  2(>)  Ludwig  Pfalt7.grane,Fridrichen Sohne, 

Charfurst.  jungst  verstorlwn.  ”*) 

Bei  den  Ziffern  1 — 13  einschliesslich,  dann  15,  16,  lö,  26  ist  je  ein 
kleiner  Ring  unter  den  Zahlen  selbst  angebracht,  vielleicht  stuiu  Zeichen 
der  herzoglichen  Genehmigung.  Bei  ileu  Ziffern  14,  20,  22,  24  finden 
sich  Kreuze,  wohl  ®*^)  für  den  Behuf  des  .Abstriches.  Ohne  weitere  An- 
merkung stehen  die  Ziffern  19,  21,  23,  25.  Die  Ziffer  17  hat  Erasmus 
Fend  selbst  durclistrichen , und  unter  Vorsetzimg  eines  Kreuzes  diusu  be- 
merkt: oder  an  dessen  statt  herfzog  Georgen  den  Reichen**®)  zu  Lands- 
huett.  Zum  Zwecke  der  Ausführung  selbst  übersendete  sodann  der 

Herzog  dem  Philipp  Ludwig  aus  dem  ihm  mitgetheilten  VeiTieichnisse 
einen  Auszug  der  Namen  jener  Persönlichkeiten,  deren  Portraite  er  be- 
dürftig, mit  der  Bitte : Sy  geruchen  vnns  solche  Conterfett  auf  vrmsern 
Cossten  vimd  betzalung  durch  siinen  gueten  ^laler,  do  Sy  anderst  mit 
ainem  solchen  versechen,  abcontorfetton ; wouerr  aber  das  fueglich  nit 
beschechen  kundt,  vnns  dieselben  woluerwart  nach  München  überschickhen 
zelassen:  sollen  Sy  alda  durch  vnnsere  Leuth  abgemalet,  vund  Itinach 
E.  L.  One  allen  schaden  eheest  so  muglich  wider  übersendet  werden. 
Zugleich  ersuchte  er  noch  wegen  einer  Anzahl  weiterei-  Porträte  bei  den 
Pfalzgi-afeii  Casimir  wie  Reichard  und  an  anderen  Orten  wo  etwas  zu 
erlangen  sein  möchte  die  erfordei-liche  Bemühung  anzuweuden : vnd  do 
solche  Conterfed,  wo  müglich,  jn  färben  vnd  die  gestallt  von  augesicht 
vnd  claidung  wol  getroffen,  zu  erol>ern,  wei’e  es  vns  seer  lieb  vnd  ge- 
dient; wouerr  sy  aber  yn  dieser  manier  nit  zubekomeii  noch  verhannden 
weren,  doch  sonst,  wie  mans  haben  kami,  es  sei  jn  kupffer  gestochen 
oder  anderer  form  zu  wogen  bringen,  vnd  das  vfs  eheest  souil  muglich. 


Ursprünf^lich  itand:  Wilhelm  der  gaettii^  rnd  gaietlich. 

224)  Die  Worte  .jongst  veratorbco'^  «ind  von  der  Hand  des  Herjogs  Wilhelm  beigefügt. 

225)  Wenigatena  aaasert  Erasmus  Fend  ioi  dtm  nngefiUirten  Berichte  bet  Verweisung  auf 
eine  weitere  Beilage,  es  seien  „die  auff  bejgeh'gter  Zeit  verzaichneten  so  S.  fürstl.  Gn.  auazzelasscn 
beuolvhen  mit  f rermerckht,  aber  darvraben  ietzt  von  den  andern  nit  gcaCndert  worden,  damit 
& f.  Go.  das  werclih  ganU  bejsamen  habe**. 

226)  Schon  ln  der  in  Note  225  ber&hrten  Beilage  hatte  er  beshglieh  dieses  Fürsten,  der  auch 
inr  Streichung  gekommen  gewesen,  folgendes  bemerkt;  khombt  gleicbwol  da  aach  nit  ein.  wer  aber 
sein  Conterfeit  nit  vbl  bej  andern  alten  fürsten  aafiTuehebeo.  oder  wer  an  statt  hert«^  Ernsten 
mder  N.  17  eintsehringen. 


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120 


Ist  auch  gar  vnnot.  derselben  ganze  Icbensgrösz  anders  dan  durch  ain 
Mas  — alls  aiii  spaget  oder  geschniten  Pa]iir  — zuschickhen.  wan  allein 
•las  angesicht  vntl  deidung  recht  vnd  khaniidtlieh.  Vnd  dieweil  — sehliesst 
der  Fürst  — vnser  freuutlicher  lieber  Vetter  vnd  bruetler,  der  jungst 
verstürben  Churfürst  Pfalltzgrene  Ludwig  etc.  seliger  gedochtnus  in  aineni 
anstH'hlichen  grossen  wei-ch  gewesL  des  Hausz  Bayrn  horkonien  jn  ain 
volkomene  histori  zubringen  vnd  jn  tnickli  zugeben,  wie  dann  S.  L.  bei 
vns  soll)  vnd  anderswo  allten  Ctjoteideden  vnd  Monumenten  nachgetraeht, 
so  bitten  wir  E.  L.  abennaln  freuntlicli,  solch  wercli  oder  was  daion 
fertig  vnd  zusamen  gerieht  ist  bei  wolgedachtem  vnnserm  freuntl.  lieben 
Vettern  Pfaltzgrauen  Casimiro,  dessen  L.  es  nun  mor  alles  viider  banden 
haben,  ziibekoineii  vnd  vns  volgends  mitzutailen.  Da.ss  auch  des  Hei'zogs 
Wilhelm  V berühmten  Sohn  Ma-ximilian  I ähnliche  Plane  nur  in  noch 
gp-ossartigerein  Massstabe  bei  der  Deeoration  seines  vielbeneideten  Fürsten- 
sitzes beseelten,  besagen  unter  anderem  nachstehende  zwei  Aktenstücke 
wieder  im  geheimen  Hausarchivo.  Am  5 Mäi'z  1601  scdirieb  er  an  den 
bekannten  Marx  Welser  nach  Augsburg,  er  solle  als  in  der  baierischen 
Historie  wohl  erfahren  ihm  für  die  Ausmalung  eines  Saales  in  seinem 
Neubaue  hier  u)it  beinerkenswerthen  Geschichten  seiner  Vorfahren**’)  für 
zehn  Feldungen  Vorschläge  über  „ettliche  dergleichen  historias  selectiores, 
die  sich  seither  desz  Ottonis  Wittelspacensis  sowohl  mit  ansehenlichen 
kriegen  vnd  feldschlachten,  neiierj)awten  Stetten,  erwöhlung  zu  frembden 
Königreichen,  auch  in  ander  weg  begeben,  mit  Ermeldung  der  authorn 
wo  von  denselben  etwas  auszfuorliches  ziilesen“  machen.  Weiter  meldet 
ein  Bericht  von  Christof  Gewold  ohne  irgend  welche  Zeitangabe,  dass 
der  Maler  Wörnl  noch  vier  Gegenstände  für  die  kleinen  Stühle  brauchcT 


Z27)  MnthniMslich  aaf  die  Ueber-  oder  Untemchriften  hiezD  beliebt  sich  eseb  ein  eintelnee 
lUatt  Ton  der  Hand  des  Christof  Gewold : 

OTTÜCAKVS  HOHEMIAE  KEX  HOSTIEI  AGMINE  BAIOAKIAM  AGGBES8VS  — über  AO 
ist  inr  Auswahl  IN  »eaetit  — A DVCIBÜS  BAIOARIOKVM  FOBTITEK  KEPELLITVR:  E1V8QVE 
EXERCITV.S  FVGIEXS  PROBE  .MVLDOUP  PONTE  RVPTO  IN  EI.VMINE  OENI  PERICUTATVR. 
AN.  CHRISTI  MCCEVII. 

JOHANNES  BAIOARIAE  DVX  EPISCOPVS  LEOÜIENSIS  SEDK  A SVIS  PVIJ5VS  ET 
TRAIECTI  OBSESSV8  FRATBIS  SVI  DVCI8  GVILIELMI  HANNONIAE  COMITIS  AVXILIO  I,EO- 
DIENSES  ACTE  FVNDIT  ET  EPISCOPATVM  RECVPERAT.  AN.  DN.  MCCCCVTH. 

Warm  daa  ipaeium  roviel  sebrittt  nicht  leiden  weite,  kana  wohl  abbreuirt  rnd  aine  theile  ^hr 
anazj,'elaeeen  werden. 


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121 


wovon  der  Herzog  selbst  drei  bereits  bestimmt  habe,  und  Gewold 
nunmehr  für  den  letzten  drei  Vorschläge  ***)  zur  Auswahl  unterbreitet. 

Aber  nicht  allein  an  den  Wänden  der  Säle  und  Zimitier  fürstlicher 
Wohnsitze  oder  auf  kunstreichen  Tepjiichen  beziehungsweise  Tapeten 
in  denselben  ist  der  Schmuck  zu  treffen,  wovon  die  Hede.  Wie  vielfach 
begegnet  er  in  den  genealogischen  Handschriften  vom  15  Jahr- 
hunderte an  bis  in  späte  Zeiten!  Schon  vorhin  ist  an  den  grossen 
baierisch-pfalzischen  Stammbaum  auf  Pergament  erinnert  worden,  der  in 
Nuiii.  1 besprochen  ist,  mit  seinen  zahlreichen  Wappendarstellungcii.  Ausser 
ihnen  jirangt  der  gleichfalls  auf  Pergament  gefertigte  herrliche  baierisch- 
piiilzische  Stammbaum  der  \uni.  50  mit  zw'oi  in  ganzer  Figur  und  nicht 
weniger  als  82  in  Brustbildern  ausgeführten  Farliendarstellungen  von 
Herzog  Garibald  bis  zu  den  Söhnen  des  Kaisers  Ludwig  des  Baiere. 
Weiter  ist  in  Xum.  64  bei  der  Umarbeitung  des  genealogischen  Geschichts- 
werkes des  Herzogs  Johann  II  von  Simmern-SjKmheim  für  seinen  Sohn 
den  Kurfüi’sten  Friedrich  Hl  davon  die  Rede  gewesen,  dass  vor  die  ein- 
zelnen Reime  zu  den  je  treffenden  fürstlichen  Persönlichkeiten  in  je  be- 
sonderen Uopjadkreisen  Holzschuitte  mit  deren  Brustliildern  und  den  oin- 


2ZS)  Nänilieli  I)  ilüriog  Ludniga  hübnng  wider  die  tngUakigrn. 

2)  Krieg  zwUcben  Kai»er  Ludwig  vnd  Oesterreich  an  oinem»  auch  den  Hertzogen 

in  Kidcm  Bayr»  rnd  Marggrafen  aus  Mcrhern  anders  thaila,  wegen  deaz 

Hertjügtumbs  Kemdteti. 

3)  der  Friesslendisch  Krieg»  den  Ueruog  Wilhelm  anf  Uollaod  gefUerth. 

229)  Nämlich  I)  Kavser  Ludwigs  wähl  md  khrouuDg. 

2)  Wie  Uertxog  Wilhelm  in  Beym  Kaiser  Üigiuuivdj  Statbalter  ira  Coocilj  zue 
Basel  etc. 

3}  vier  Krieg  zwischen  dem  Reiniseben  Buudt  Tod  den  Fürsten  in  Lejrn  etc. 

2^10)  Solcher  gedenkt  auaser  Anderen  Herzog  Johann  von  Siuuuern-Sponheini  in  der  Num.  «4. 

Die  Allten  haben  — äussert  er  gleich  in  dem  Abschnitte  »von  dem  Namen  Pfaltigraff"  da- 
lelUi  — jre  gehurte  ankhuntTt  vniid  (wie  man  ea  bey  den  vom  Adell  nennt)  jro  auchen.  derglechter 

jro  tbate  vnd  gcschicbUn  in  Ducher  gewirckei.  Dero  etlicb  haben  wir  bey  dem  Ertzstifft  Trier»  zu 

Coblenz  vnd  Mönster-McinfelU  in  den  burgenu  gesehen,  welche  ein  bistori  so  «ich  vor  vierhundert  jaren 
tugedragen  besagen,  wangestallt  Pallentzgraff  Sigefriedt  seinem  gemahel  ein«  gefasten  argwons  halben 
«einen  Marscbalcb  Goto  vmbzubringeii  befolben»  welche  histori  wir  bcrnachraalu  in  beschrcibung  ehe 
berurta  Siegefridten  etwas  weitlauffigor  anzcigen  wuIlen.  Da  wurt  vielfeltig  in  den  zetteln  vennelt: 
Pallentzgrafl'.  Vnnd  sollten  die  jetzige  Chnr*  vnnd  forsten  solche  Ducher  der  antiquitet  vnod  beuorab 
des  Namens  Pfaltzgraf  halben»  darumb  so  vilfeltig  geirt  wurt»  dieser  Ducher  vnd  gemähle  vmb 
groaie«  nit  dahinden  lassen. 

Einige  Beispiele  von  dergleichen  Saal*  uod  Ziiumerzierdeu  im  Besitze  der  pfälzischen  und 
baicriseben  Herrscher  um  die  Mitte  des  17  Jahrhunderts  führt  die  Deilago  X vor  Augen. 


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eclila^enden  Wappenschildern  eingekleht  sind.  Eine  nicht  imhetrSclitliche 
Zahl  von  Handschriften  iler  Hof-  und  Sftiatshildiothck  enthält  dergleichen 
Abbildungen  von  Bavarus  und  Norix  angefangen  in  ganzen  Figuren  bis 
auf  die  Herzoge  Albrecht  V und  Wilhelm  V,  ja  theilweiso  noch  weiter 
herab,  in  manchmal  ziemlich  roher  Form,  bisweilen  aber  auch  in  sehr 
feiner  Ausführimg.  So  beispielsweise  der  Cod.  germ.  1602  und  2822 
deren  über  60,  der  Cotl.  gönn.  1603  imd  1605  Fol.  18 — 57  deren  76, 
der  Cod.  germ.  2799  deren  193,  der  Cod.  germ.  1604  deren  194,  der 
Cod.  germ.  1606  Fol.  137 — 223  deren  202. 

Daas  bei  diesen  Bildern  so  mul  so  oft  namentlich  fiir  die  frühere 
Zeit  lediglich  die  Fantasie  gut  oder  schlecht  den  Pinsel  geführt,  ist 
leicht  begreiilich.  Dass  uns  aber  auch  wirklich  Portretf?  baierischer 
Fürsten  und  ihrer  Familienangehörigen  von  Meisterhand  gefertigt  be- 
gegnen, dafür  nur  ein  Beispiel  aus  der  Haiulschrift  der  Bibliothek  des 
geheimen  Staatsjircdiives  in  welcher  sich  nach  der  Beschreibung  der 
Landtage  aus  den  Jahren  1556  und  1563  und  nach  der  Apologie  des 
Heichart  Strein  zu  Schiirfenau  über  das  Privilegium  des  Kaisers  Fried- 
rich 1 für  Oesterreich  vom  Jahre  1156  hauptsächlich  wider  Aventin  und 
Dr.  Wiguleus  Hundt*®')  die  pnlchtigen  Kiiiestücke  dos  Herzogs  Albrecht  \' 
und  seiner  Gemahlin  Anna  auf  Fol.  294'  und  297,  wie  seiner  Kinder, 
nämlich  Wilhelms  in  seinem  19  Leben-sjahre  auf  Fol.  295*,  Ferdinands 
ün  18  Jahre  seines  Altere  auf  Fol.  296,  Maria  in  ihrem  17  Lebensjahre 
auf  Fol.  293',  Maria  Maximiliana  im  16  Jahre  ihres  Alters  auf  Fol.  300, 
Ernsts  in  seinem  12  Lebensjahre  auf  Fol.  299  aus  dem  Jahre  1567  be- 
ziehungsweise 1568  finden. 

Es  ist  da  gewiss  am  Ende  auch  nicht  zu  verwundern,  wenn  die 
Erfindungsgabe  dieser  und  jener  Leute  bei  der  Darstellung  von  Stanim- 
uiul  V'erwandtschaftsbäumcn  hier  und  dort  auf  Absonderlichkeiten 
verfiel.  So  ist  die  „summarische  deduction  vnd  abrisz  bayde  desz  durch- 
leüchtigen  vnd  hochgebornen  Fürsten  vml  Herrn  Herrn  Friderichen  Wil- 
helms, Hertzogen  zu  Sachsen.  Lamltgrauen  jn  Türingen,  vnnd  Marggrauen 
zu  Meissen,  dann  der  auch  durclileüchtigen  hochgeboren  Fürstin  vnd 
Frewlin  Frewlin  Anna  Maria,  Hertzogiu  zu  Sachsen,  Landtgreuin  jnn 


2.11)  Vgl.  die  BeiUce  Xt. 


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123 


Türingen,  vnd  Marggreuin  zu  Meissen,  gebornor  Pfaltzgreuin  bey  Rhein, 
Hertzogin  jnn  Bairn,  Gräuin  zu  Veldentz  vnd  Sponnheim,  fürstlichen 
herkhoniinens  von  zway  vnd  dreissig  Anherrn  vnd  Anfrawen“  des  „Cäin- 
inerlings“  Johann  Ruinel  vom  August  des  Jahres  1591  auf  einem  Folio- 
bogen im  geheimen  Hausarchive  in  der  Weise  gefertigt,  das.s  ein  stolz 
in  der  Mitte  sich  emporstreckender  Pfau, 

gemmantes  dum  lunat  avis  junonia  yiennas, 
magnanimos  monstrat  munina  magna  Duces, 
von  dessen  Brust  das  sächsisch -baierisch -jjfälzische  Allianzwappen  ent- 
gegenglänzt, mit  dem  Rade  das  der  Schweif  schlägt  die  betreffenden 
Familienverzweigungeu  mit  jedesmaliger  Beigabe  der  Waj)pen  in  Farben 
nach  beiden  Seiten  hin  kundgibt.  Der  leere  Raum  unter  dem  Rade  ist 
der  Anspielung  auf  eine  Hii-schjagd  über  Hügelgruppen  gewidmet,  hinter 
welchen  von  rechts  nach  links  sich  leicht  hingeworfeno  bildliche  An- 
deutungen der  Städte  Dornburg,  Jena,  Kahla,  Rudolstadt  zeigen.  Auch 
unter  den  zahlreichen  genealogi,schen  Handschriften  der  Hof-  und  Staats- 
bibliothek führt  deren  Catalog  V S,  373  als  Cod,  germ,  3570  einen  in 
einer  Papierrolle  wieder  von  einem  Foliobogen  mit  gemalten  Wappen 
als  „Pfauensidiwanzaugen“  im  Jahre  1014  entworfenen  Stammbaum  de.s 
Kuriürsten  Friedrich  V von  der  Pfalz  an. 

Aber  nicht  blos  Erzeugnisse  wie  sie  bisher  Ijesjjrochen  wurden,  auf 
handschriftlichem  Wege  erwachsen,  kommen  zur  Erwähnung. 
Zahlreiche  Vervielfältigung  war  durch  den  Holzschnitt  und  durch 
den  Kupferstich  ermöglicht.  Auf  solchem  Woge  konnten  denn  na- 
mentlich bildliche  Daretellungen  entweder  einzeln  in  weitere  Kreise  ver- 
breitet oder  auch  gleich  in  grös.Heren  Ganzen  diesen  und  jenen  Druck- 
werken als  willkommene  Zuthat  beigegeben  werden.  Haben  wir  vorhin 
an  den  prächtigen  buierisch-pfälzisohen  Stammbaum  der  Num.  50  erinnert, 
so  mag  auch  hier  gleich  eines  ähnlichen  Werkes  aus  der  Gränzscheide 
des  15  und  10  .lahrhunderts  gedacht  sein.  Wir  meinen  den  grossen  auf 
einzelnen  für  den  Behuf  des  AneinUnderklebens  zusammenpassenden  Folio- 
bogen in  Holzschnitt  gefertigten  baierisch  - pfälzischen  Stammbaum  von 
Norix  und  Bavarus  angefangen,  die  sich  luiten  in  königlicher  Würde 
gegenübersitzen,  von  welch  letzterem  sich  sodann  über  einander  das  Ge- 
schlecht von  Glied  zu  Glied  in  niedlicher  Gruppining  unter  jeweiliger 
Abh.d.ni.CI.<).  k.  Ak.d.  Wiu.  XV.  Bd.  III.  Abth  IT 


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124 


Beigabe  der  Wappen  bis  an  den  bemerkten  Zeitpunkt  fortpHanzt.  Die 
Hof-  und  Staatsbibliothek  ist  im  Besitze  eines  Exemplares,  auf  Bretter 
gezogen,  welche  bereits  seit  längerer  Zeit  etwas  aus  dem  Leim  gegangen. 
Einer  näheren  Beschreibung  sind  wir  überhoben,  da  als  Führer  durch 
diese  gesammte  Familien  Verzweigung  das  im  Jahre  1501  bei  Wurm  in 
Landshut  in  kleinem  Oktavforinate  gedruckte  „Tractetlin“  dient;  die 
Cronick  vnd  der  fürstlich  stamm  der  durchleüchtigen  hochgepornen 
fürsten  vnd  Herren  pfalnntzgrafen  bey  Rein  vnd  herezog  in  Bairen  etc. 
Abgesehen  von  diesem  grossen  in  sich  innerlich  zu-sammonhängenden 
Ganzen,  wer  erinnert  sich  nicht  anderer  hier  einschlagender  Bilder  in 
kleinerem  Mas.sstabe?  Beispielsweise  der  martialischen  „Bildnusz  oder 
Contrafactur  der  zwölff  ersten  alten  teutschon  König  vnd  Fürsten“  in 
Dr.  Simon  Schard’s  Ausgabe  von  Aventins  baierischer  Chronik  vom  Jahre 
1566  ? Die  lateinischen  und  deutschen  Drucke  der  oben  unter  den 
Nmn.  72 — 74  aufgeführten  baieristdien  Genealogie  Gewolds  aus  den  Jahren 
1605,  1620,  1623  führen  vor  dem  Texte  eine  Reihe  der  darin  ver- 
zeichueten  Herrscher  in  Kupferstichen  des  Augsburgers  Wolfgang  Kilian 
vor  Augen.  Die  beiden  ersten  enthalten  die  Bildnisse  Karls  des  Grossen, 
zur  Generatio  14  des  Sohnes  Ottos  III  von  Wittelsbach  Otto  IV,  zur 
Generatio  15  seines  Sohnes  Otto  des  Grossen  von  Wittelsbach,  zur  Ge- 
neratio 19  des  Kaisers  Ludwig  des  Baiers,  zur  Generatio  23  dos  Her- 
zogs Albrecht  III,  zur  Generatio  24  Albrechts  IV,  zur  Generatio  25 
Wilhelms  IV,  zur  Generatio  26  Albrechts  V,  zur  Generatio  27  Wilhelms  V, 
endlich  zur  Generatio  28  Maximilians  I.  Die  deutsche  Bearbeitung,  das 
Geschlecht  Register  der  durchleuchtigsten  Herzogen  in  Baiern  und  etlicher 
eigentliche  Bildnusz,  gleichfalls  in  Folio  aus  dem  Jahre  1623,  ist  von 
dem  erwähnten  Augsburger  Bürger  und  Kupferstecher  Wolfgang  Kilian 
der  Herzogin  Elisal)eth,  der  Gemahlin  Maximilians  I,  am  20  März  des 
genannten  Jahres  gewidmet,  und  enthält  zu  der  in  deutscher  Sprache 
wiedergegebenen  Vorrede  Gewolds  von  den  Jahren  1605  und  1620  ein 
Gutachten  dos  Marquard  Freher,  welcher  den  Verfasser  nicht  zu  kennen 
vorgibt,  und  bemerkt,  dass  er  selbst  vom  Herzoge  Hans  von  Zweibrücken 
den  Auftrag  erhalten  habe,  die  da  von  Kaiser  Ludwigs  Brüdern  an 
fehlende  pfälzische  Linie  einzufügen.  Die  Reihenfolge  der  Bilder  ist  im 
grossen  Ganzen  die  der  lateinisclien  Drucke,  mit  Ausnahme  dass  bei  der 


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125 


Generatio  18  auch  der  Stich  Ludwigs  II  des  Strengen  eingcsotat  ist, 
und  die  Porträte  Willielins  V und  Maximilians  I andere  sind.  Auch  dem 
von  der  „Societas  Jesu  per  Bavariam“  ini  Jahre  1680  herausgegeljenon 
Theatrum  virtutis  et  gloriae  Boicae  u.  s.  w.  ist  eine  grosse  Zahl  von 
dergleichen  Kupferstichen  beigegeljen. 

Häufig  l>egnügte  man  sich  übrigens  nicht  mit  dergleichen  Wappen- 
und  Bilderschmuck,  sondern  es  sollte  derselbe  zugleich  auch  das 
Wort  in  unmittelbarem  Gefolge  haben.  Der  Inhaber  des  Wap- 
pens oder  das  Gemälde  sollte  namentlich  in  gebundener  Bede 
sich  selbst  dem  Beschauer  noch  mehr  nähern.  Daher  lateinische  oder 
deutsche  Veise  wie  Prosainschriften  zu  denselben  oder  meist  unter  ihnen. 
So  bei  den  Wandgemälden  im  alten  Hofe  hier,  wie  aus  der  Mittheilung 
des  (Kollegen  Föringer  im  oberbaierischeu  Archive  für  vaterländische  Ge- 
schichte XII  S.  283 — 285  zu  ersehen.  So  bei  der  Porgamentrolle  aus 
dem  letzten  Viertel  des  15  Jahrhunderts,  die  oben  sogleich  unter  Num.  1 
aufgeführt  worden,  wie  sich  aus  den  Noten  18 — 21  daselbst  ergibt.  So 
bei  den  bildlichen  Darstellungen  der  Rheinpfalzgrafen  und  Kurfürsten  im 
Königssaale  des  Heidelberger  Schlosses,  wovon  in  der  Num.  5 mit  den 
Noten  24 — 26  die  Rede  gewesen.  So  auch  in  dem  grösseren  Thoile  der 
fniher  berührten  Bilderhandschriften  der  Hof-  und  Staatsbibliothek,  wobei 
es  hier  genügt,  nur  auf  tlie  wieder  von  Föringer  a.  a.  0.  S.  286 — 296 
mitgetheilten  deutschen  Keimsprüche  unter  den  Abbildungen  in  der  Met- 
ternich’schen  und  Schrenck'schen  Handschrift,  Ck)d.  bav.  1602  und  2822. 
aufmerksam  gemacht  zu  haben.  So  nicht  minder  auch  bei  den  Kupfer- 
stichen zu  Gewolds  baierischer  Genealogie  in  den  erwähnten  Augsburger 
Druckausgal>en , wobei  nur  die  gebundene  Bede  der  ungebundenen  den 
Platz  geräumt  hat.  Dasselbe  ist  auch  noch  später  der  Fall.  Man  denke 
Ijeispielsweise  nur  an  den  bedeutenden  Bilderschmuck  der  „ab  uni  versa 
societatis  Jesu  per  superiorem  Germaniam  provincia“  im  Jahre  1715  in 
Grossfolio  herau8gegol>enen  Fortitudo  leonina  in  utraque  fortuna  Maxi- 
miliani  Emmanuelis  etc.  secundum  horoiea  majorum  suornm  exempla 
herculois  laboribus  ropraesentata,  woselbst  Prosa  und  Verse  in  bunter 
Mischung  wechseln. 

Oft  genug  bestehen  insbesondere  die  Reime  wovon  die  Bede  gewesen 
nur  aus  2 oder  4 oder  6 Zeilen.  Sie  konnten  übrigens  ohne  Schwierigkeit 

IT' 


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126 


auch  anderweite  Verwendung  finden.  Wir  sind  hierauf  beispiels- 
weise in  der  baierisch-pfalzischen  Chronik  der  Nuni.  55  gestossen.  Nicht 
minder  haben  wir  dergleichen  Reime  in  Nuiii.  56  der  (ienealogie  des 
Ladislaus  Suntheiin  bei  den  botreffen<len  baierischen  wie  pfälzischen 
Fürsten  einverleibt  gefunden. 

Sodann  hinderte  aber  auch  nichts,  gleich  eine  ganze  Genea- 
logie oder  ein  ganzes  genealogisches  Geschichtsw'erk  in 
gebundener  Rede  abzufassen.  Wir  hal>en  das  lx;i  dem  mufangi’eichen 
Werke  gesehen,  welches  Herzog  Johann  11  von  Simmern-Sponheiin  „dem 
löblichen  hausz  Pfaltz  vnd  Beyern  zu  Ehren  nit  on  besonder  vleisz  vnd 
ongewenten  Costen  zusam  getragen  vnd  verfast“  hat,  wie  bei  den  Be- 
arbeitungen und  Auszügen  welche  nach  den  Num.  64  und  65  aus  dem- 
selben gefertigt  worden  sind.  Die  Reimdarstelhmg  bildet  da  eigentlich 
den  Kern ; aber  wenigstens  bei  der  Num.  64  a laufen  nebenher  Ueber- 
gängü  und  Auseinandersetzungen  in  Prosa,  welche  im  Vergleiche  zur 
Reimerei  für  die  geschichtlichen  Fragen  unbedenklich  als  das  wichtigere 
zu  erklären.  Auch  dem  ersten  Herausgeber  der  baierischen  Annalen 
unseres  Aventin,  dem  Professor  Hieronymus  Ziegler  zu  IngoLstadt,  gefiel 
es,  eine  Reiinchronik  von  „Succession  regierung  leljen  vnd  sterben  aller 
Khünig  Fürsten  vnd  Herren  so  in  Baym  regiert  haben  von  anfang  bisz 
auf  das  jar  nach  Christi  vnnsers  sohgmachers  gebürt  1460  da  Johannes 
Aventinus  sein  Chronica  geendet  hat“  zusammcnzustoppeln,  die  er  am 
28  November  1561  vollendete,  und  an  welcher  sich  die  Liebhaber  solcher 
Unterhaltung  in  den  Codd.  germ,  159U  imd  1600  der  Hof-  und  Staats- 
bibliothek erlustigen  können. 

Lassen  wir  sotlann  das  poetische  Gewand  fallen,  so  war  es  bereits 
seit  dem  Anfänge  des  16  Jahrhunderts  nicht  unbeliebt,  genealogische 
Goschichtswerke  in  grösseren  Rahmen  herzustellen,  worin 
natürlich  die  regierenden  Häuser  ganz  vorzugsweise  Berücksichtigung 
gefunden  haben.  Es  ist  das  bei  Ladislaus  Simtheim  der  Full,  von  dessen 
Arbeit  in  Num.  56  die  Rode  gcw'esen.  Durch  die  Vervielfältigung  im 
Wege  des  Druckes  war  es  leichte  Sache,  diesen  Werken  auch  eine 
grössere  Verbreitung  zu  sichern.  So  beispielsweise  dem  umfangreichen 
Opus  genealogico  - catholicum  des  Elias  Reusner.  Ueber  ein  Vierteljahr- 
hundert pflegte  ein  dergleichen  Werk  — fast  aller  Königen,  Fürsten, 


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Grauen  vnd  Herrn  sowohl  in  alsz  auszcrkalb  Europa«  — der  Ober- 
schultheiss  Johann  Jakob  Kneupell*®*)  zu  Kreuznach,  für  welches  der 
Pfalz-Birkenfeld’sche  Rath  Kaspar  Zillesius  einen  Auszug  aus  seinen  oben 


2H2)  Nachdflm  er  eieh  für  dAsaelbe  &in  29  Juni  16ß8  we^cn  der  VeldeoE'Bcfaei)  und  Sponheim- 
achen  Genealogie,  die  er  weder  za  ZweibrUckea  noch  in  Baden  auftreiben  konnte,  aber  aieherem  Ver- 
nehmen nach  bei  Herzog  Georg  Wilhelm  zn  Dirkenfeld  za  linden  lioffte,  an  seinen  S^cliwager,  den 
Pfalz-Z weibrQcken'scben  Rath  Wernig  oder  Wemick  zu  Meisenbeim  gewendet,  ond  der  Pfalz- Birken- 
feld'sche  Rath  Raspatr  Zilleeias  aaf  deefallsiges  AoBcbreiben  rom  6/7  Juli  am  11  deea.  Monats  seine 
Bereitwilligkeit  zur  Herntellang  der  letzteren  zu  erktmnen  gegeben,  auch  Kneupell  am  26/<10  dieses 
Monats  seine  Wßnsche  bezQglich  der  Form  der  Bearbeitung  — dass  erstlich  die  nähme  geburth  vnd 
absterben,  darnach  an  wehn  vnd  wann  sich  die  Kinder  sowohl  söhn  alsz  duchter  verheurathet, 
drittens  bey  einem  Jeden  kürzlich  die  gesta  et  memorabilia,  deren  er  sich  in  seinem  ganzen  opere 
meistentheilB  gebrauchet,  wie  Reisncrus  getban,  gesetzt  wünlen,  welches  dem  lectori  nit  allein  air- 
mnthig  sondern  auch  in  historicU  nOzUch  ~ geaassert,  schrieb  er  am  8/17  Oktober  an  Zillesins 
selbst,  er  möchte  ihm  — > wann  dann  halt  an  deme  dasz  sein  von  26  Jahren  hero  (durch  groszer 
herren  vnd  anderer  personell  hilK)  zusammen  getragenes  opns  Genealogicum  durch  offenen  druck  ans 
lieht  gebracht  werden  solle  — den  zagesagten  Sponheim'sehen  Stammbaum  nach  dessen  seinerzeitiger 
Dearbeitung  mittbeilen:  vnd  bej  Jedem  grafen  mit  wenig  Worten  melden,  wasz  er  bey  seiner  regternng 
dcockwürdig  verrichtet  vnd  sich  zugetragen. 

Hteraaf  stellte  Zillesius  fUr  den  Behuf  der  Conformit&t  der  Methode  am  19  Oktober  das  Er- 
suchen, ihm  „ein  abschriftliches  specimen  einiger  Genealogien,  r.  gr.  der  hohenloischen“  zukomineo 
zu  lassen. 

I>as  geschah  am  14/HO  November  sainmt  Uebermittlung  einer  Abschrift  eines  dürftigen  Spon- 
beimisohen  Stammbaumes,  den  ihm  unlängst  ein  Nürnberger  Patrizier  zugesebickt,  mit  dem  er  etliche 
Jahre  über  genealogische  Fragen  in  Briefweebiel  gestanden. 

Wie  es  den  Anschein  hat,  entschwand  dem  Zillesius  allmälig  die  Lost  zur  Fortführung  der 
betreffenden  NaebforachangeD.  Erst  im  Februar  des  folgenden  Jahres  1664  bestätigte  er  den  Empfang 
an  Wernig  mit  dem  Bemerken,  er  „seye  bey  dem  Sponheim-Stammbaum  des  handele  müde,  weilen 
die  mühe  grosz,  keine  Zeit,  keine  ehre,  kein  danek,  nur  geringe  belohuung  darbey*'. 

Am  8 Mai  theilte  Kneupell  dom  Wernig  mit:  Vber  8 tag  werde  mein  opns  nach  Heydelberg 
schicken,  alda  es  gedruckt  wirdt.  bitte  also,  an  beim  Zillesium  zu  schreiben,  dasz  ich  die  Spon- 
heimische  Genealogi  inmittelst  bekommen  möge,  ob  sie  schon  nit  so  gar  aceurat,  vnd  nun  lang  ausz- 
gestorben  ist:  es  werden  doch  wenig  sein  da  nit  etwas  mangel  gefunden  werde. 

Am  21  Mai  sodann  änsserte  sich  Zillesius  bezüglich  der  ,,einrichtung  des  alten  Sponbeiroiseben 
Staminbaames"  dabin,  dass  er  „den  selben  über  4 secula  ona  et  perpetua  serie  exbibiren  könne, 
allermassen  ausz  beykomtnender  tabulä  genealogica  zu  ersehen**.  Weiter  zurück  — fährt  er  fort  — 
und  aulT  den  ersten  autorem  dieses  Hauses  ist  für  dieszmahl  tu  kommen  mir  unmöglich  gewesen. 
Es  finden  sich  zwar  noch  etliche  andere  alte  Grafen  zu  Sponheim,  so  seculo  undecimo  et  duodecimo 
das  Hertzogthnmb  Kämdten,  die  Graffscbafi't  Lavandt,  und  die  Graffscbafl  Vianden  beseszen  haben 
sollen.  Weiln  aber  die  selben  ausz  mangel  beböriger  nacbricht  cum  caeteris,  quos  exhibeo,  nicht 
eonnectiren  können,  hab  leb' Sie  lieber  ausz  laszen,  und  das  Stamm-Register  absque  lacunä  repräsen- 
tiren  wollen.  Zu  deezen  illustration  seindt  einige  wenige  annotamenta  ex  multis  per  eztiactum  bey- 
gefügt.  Ein  roebrers  hatte  die  Zeit  and  eingefallene  leibs  unpaszlichkeit  nicht  gelitten.  Wirdt  der 
Scopus  auch  nicht  sein,  das  vorhabende  ppus  genealogicum  mit  vielen  rebos  gestis  vnd  historiis  zu 
vergröszem.  In  perlustratione  der  alten  documenten  habe  angemercket,  dass  dieser  Graffsebafft 
nähme  o.  s.  w. 


128 


in  den  Nuiii.  80  und  81  berührten  Arbeiten  zur  Genealogie  des  alten 
Grafengesfhlechtes  von  Sponheim  besorgte.  Dass  Abänderungsvorschläge 
bezüglich  der  Behandlung  des  baierisch  - pfälzischen  Hauses,  deren  in 
Num.  83  gedacht  worden,  in  des  Dr.  Philipp  Jakob  Spener  bekannter 
Historia  insignium  illustriuin  u.  s.  w.  berücksichtigt  sind,  ist  in  der 
ersten  Abtheilung  a.  a.  0.  S.  257  berührt. 

Ueberhaupt  bedarf  es  wohl  keiner  besonderen  Erörterung,  dass  der 
Werth  d er  bisher  behandelten  Schriften  ein  sehr  ver- 
schiedener ist.  Das  Gebiet  der  Fabel  und  der  Sage  wie  das  der 


Am  28  Sl&i/Il  Jani  verbinJet  Kreapell  mtt  dam  D&nke  für  Brief  und  StAmmbaam  folgende!: 
er  ist  eben  za  rechter  Zeit  einkommen,  angeeeben  der  ßacbfnbrer  Tndt  Drucker  tu  Heydelberg,  Herr 
Adrian  Wjngarteo»  mir  kürzlich  rom  zweiten  mahl  geachriebon,  er  wolle  mein  opos  Oonealogieuro 
Catholicam  verlegen  vndt  drucken«  derowegeo  begehrt,  dass  solche!  erster  tagen  — sich  darinnen 
weiter  zn  ersehen,  nachdeme  er«  schon  vor  diesem  einmahl  darebsehen,  vndt  seitbero  mehr  darta 
kommen  — müge  überachieket  werden,  wolle  alszdann  der  billigkeit  nach  mit  mir  handeln,  io  welcher 
handtlaog  ich  mir  einige  Exemplaria  Vorbehalten  werde,  damit  solche  versebeidenen  Fürsten  vndt 
berreo,  die  zu  diesem  werck  dero  bülffliche  bandt  in  gnaden  mir  geboUen,  sonderlich  den  durch« 
leuebtigsten  Herrn  Pfalzgrafen,  vnder  welchen  ich  zum  theil  geboren,  den  selben  gedieoet,  vndt  noch 
diene,  wie  auch  andern  guten  Patronen  vndt  freünden , worunder  mein  hochgelehrter  hochgeehrter 
faerr  auch  begriffen,  zur  Dankbarkeit  vnderthänigst  cxbibiren  vndt  mittheileo  könne. 

Tritt  nun  ein  längerer  Stillstand  im  Briefwechsel  ein,  wenigstens  soweit  die  bet^ffenden 
Aktenstücke  auf  uns  gekommen  sind,  so  wissen  wir  anderswoher,  dass  um  diese  Zeit,  nämlich  am 
21  Juni  1694,  ZiUesios  sein  aosführlieheres  Werk  „Oenealogica  Sponbemica  oder  Geschlecht  Register 
der  alten  Graffen  und  Oräfflnnen  zu  Sponheim**  dem  Henoge  Georg  Wilhelm.  Grafen  zu  Veldenz  und 
Sponheim,  widmete.  Vgl.  oben  Num.  82. 

Erst  dem  Rest«  eines  Schreibens  des  Wemig  au  Zilletios,  dem  es  am  13  Dezember  1667 
tugieng,  entnehmen  wir  die  Nachricht,  dass  Kneupell  „zu  Kreuznach  gestern  Dinstags  zur  erden 
bestattet  worden.  Wasz  sein  opos  genealogtcum  betrifft  — wird  daran  geknüpft  — da  habe  bereits 
vor  guter  Zeit  verstanden,  dasz  Ire  Cbarfürztl.  Dorchl.  zu  Brandenburg  solches  tmeken  vnd  verlegen 
lasten  weiten,  woruff  es  aber  dlsamalen  eigentlich  beruhe,  habe  seither  nit  veroommen,  will  mich 
hiemechst  erkundigen,  vnd  was  erfahren  werde  auisireo.** 

Ein  weiterer  Brief  endlich  aus  Landsberg  vom  22  Dezember  1667  besagt  folgendes.  Herrn 
Oberachnltheissen  zu  Creuznach  sein  Wittib  war  vor  3 tagen  albier.  Mit  deren  habe  Ich  wegen 
bewosten  operis  genealogiei  gesprochen.  Die  sagt  mir,  dasz  alles  beisammen  vnd  zum  truck  in  Be- 
reitschaft liege.  Ihre  Churf.  Dorchl.  zu  Urandenbarg  betten  den  Verlag,  wozu  12000  Rthl.  erfordert 
würden,  weilen  sonderbare  Caracteren  vnd  figuren  — welche  erst  gestochen  oder  gemacht  werden 
müsten  — thun  wollen,  so  auch  geschehen,  wann  nicht  der  ChorfÜratin  todt  dazwischen  kommen. 
Sie  wolts  hiemechst  durch  Jemanden  Ihrer  Confidenten  an  Ihre  Chnrf.  Dorchl.  aehreiben  vnd  ver« 
nemmen  lasten,  ob  Sie  nachmaln  gnädigst  intentionirt  weren,  den  Verlag  zu  thun.  Herrn  Kneupeln 
sei.  haben  Sie  eine  discretion  voo  etlicb  100  Ktbl.  beneben  Ezemplarien  veraprocheo  gehabt.  Ein 
Boebfübrer  zu  Ambsterdam  hette  sich  vor  disem  auch  vernemroen  lossen,  den  Verlag  zu  thun.  Weilen 
er  aber  etlicbe  harte  conditioncs  dabej  eingerückt,  wer  ca  zuruck  gangen.  Ein  Exemplar  roll  vnder 
24  Rthl.  nit  kommen.  Wann  das  werck  noch  in  trock  gehen  solte,  u.  s.  w. 


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I 


129 


Geschichte  streifen  da  ausserordentlich  nahe  an  einander.  Die  Sucht, 
nicht  mit  Ahnen  von  einem  oder  von  einem  Paar  Jahrhunderten  sich 
zu  begnügen,  auch  nicht  mit  solchen  der  engeren  Heimat  zufrieden  zu 
sein,  sondern  darüber  hinaus  sie  aus  Rom  und  noch  weiter  aus  Troja 
oder  vielleicht  auch  aus  Armenien  holen  zu  wollen,  führte  zum  sonder- 
barsten phantastischen  Aufputz  solcher  Ahnenreihen.  Wie  dergleichen 
Lächerlichkeiten  zu  beurtheilen,  darüber  bedarf  es  keines  Wortes.  Auch 
in  früherer  Zeit  waren  verständige  Schriftsteller  auf  diesem  Gebiete 
selbst  sich  hierüber  nicht  im  unklaren.  So  geisselt  beispicdswoise  einer 
von  ihnen  aus  dem  fürstlichen  Hause  selbst,  der  mehrerwälmte  Herzog 
Johann  H von  Simmern  - Sponheim , an  verschiedenen  Stellen  seines 
Werkes die  Speichelleckerei  die  auf  solche  Dinge  verfallen  kann,  und 
macht  sich  vielfach  über  die  theilweise  daraus  hervorgegangene  Wuth 
lustig,  mit  einem  Stammbaum  von  einem  oder  von  einem  Paar  Jahr- 
hunderten nicht  zufrieden  zu  sein,  sondern  einen  haben  zu  wollen,  der 
bis  auf  Noe  oder  wo  möglich  gar  bis  ins  Paradies  zurückreicht.  Zollen 
wir  daher  mit  diesem  fürstlichen  Gewährsmanne  dergleichen  Ausgeburten 
unglücklicher  Fantasie  keinen  Dank,  so  sind  wir  natürlich  weit  entfernt, 
den  hievon  freien  und  nüchternen  Arbeiten  Kölners,  Hundt’s,  Gewold’s, 
und  anderer,  beispielsweise  in  den  Num.  2,  9,  11,  12,  17 — 20,  66  und  67, 
72 — 74,  das  ihnen  gebührende  Verdienst  in  irgend  welcher  Weise  schmä- 
lern zu  wollen. 


233)  Wie  spricht  er  sich  gleich  am  Eingänge  desselben  den  gütigen  Leser"  ans? 

Es  haben  f&r  der  Zent  rill  so  der  Pfaltz  Tnd  Bejrischen  Herrn  Geburts  Dafell  oder  Genealogi 
in  ein  gevisM  absteigende  erdiaung  verfassen  wöllen.  ancb  xnm  thell  in  drnckh  verfertigt  vnnd 
aoszgehen  lassen,  sich  hart  vnd  hoch  bemUhet,  dieselbige  nit  allain  weit  vnd  hoch  hinansz  sonder 
anch  in  ainem  gewiasen  fQr  vnd  für  werendem  vnd  nit  anfbörendem  Banm  oder  Lini  gleich  ainer 
manflOelichen  Ketten  za  füren  tu  bringen  vnd  ansahenekeu.  Ynd  weihe  solche«  weitlaoffiger  vnd 
höher,  aoeh  die  jetzig  lebend  vnd  regierende  Chnr-  vnd  farsten  jm  Haass  Pfaltz  vnd  Beyern  jnn  die 
Bluetsipp  vnnd  verwantschafft  der  vralten  König  in  Bayern,  Hercalis  alemanni,  Bauari,  Noriz,  Ingrams, 
vnd  wie  die  Allten  gefaeisen,  ja  so  za  sagen  in  die  Arcken  Nohe  — wie  sich  dan  etlich  za  vÜ  ver- 
messende lenth  mit  dem  Stam  dero  von  Rabszbnrgkb  neolieher  zeat  nndersUnden  --  einzabringen 
vnd  anhefften  mögen,  die  haben  vermeindt,  den  besten  danck  znersteeben,  auch  den  Chor-  vnd  forsten 
grossen  rahm  vnd  ewigen  preysz  erweckt  za  haben,  als  das  sie  jre  gebarts  dafeil  vnd  hohes  her* 
kommen  von  den  Troianer  Rhomer  vnd  dcrglecbter  frembden  aoszlendiseber  Nation  vnd  volker  zn 
weisen  vnd  za  enefalen  wissen. 

Dass  wir  aber  diesen  jren  vieisz  so  boeb  nit  loben,  sonder  vil  mehr  für  ein  veriuessenheidt 
vnd  ein  betrüglich  libkoesten  dan  der  warbeit  gleich  hallten,  verrrsaebt  vos,  das  viT  dieser  weiten 
weit  n.  8.  w. 


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130 


InHboBondcre  bedarf  es  wohl  keiner  langen  Erinnerung,  dass  sehr 
häutig  die  genealogischen  Aufzeichnungen  welche  von  mass- 
gebender Seite  stammen  für  die  richtige  Festsetzung  fürstlicher 
Geburtstage  u.  dgl.  von  nicht  zu  unterschätzendem  Werthe  sind,  ja  hiefür 
ganz  vorzugsweise  als  berufenste  Quelle  gelten  müssen.  Den  An- 
gaben des  Herzogs  Johann  II  von  Siinmern-Sponheim  über  die  Geburten 
seiner  Kinder  von  1510—1532,  die  ol>en  in  der  Note  213  mitgetheilt  worden 
sind,  kann  wohl  Niemand  die  vollste  Glaubwürdigkeit  streitig  machen. 
Ebensowenig  dem  was  sich  in  dem  in  Num.  31  erwähnten  Tagebuche 
des  Kurfürsten  Friedrich  IV^  vom  9 Jänner  1596  bis  26  Jänner  1599 
über  die  Niederkünften  seiner  Gemahlin  eingetragen  findet 

Verlassen  wir  hiemit  diesen  Gegenstand,  so  braucht  kaum  besonders 
betont  zu  werden,  dass  aus  der  Menge  iler  Persönlichkeiten  welche  in 
diesen  Genealogien  im  engeren  wie  im  weiteren  Sinne  begegnen  ein- 
zelne die  daraus  besonders  hervorragen  selbständige  Be- 
arbeitungen gefunden  haben,  oder  dass  von  einigen  gerade  vorzugs- 
weise in  die  Augen  fallende  T baten  einer  eigenen  Darstellung 
gewürdigt  worden  sind.  Man  könnte  hiebei  sich  in  die  Geschichte  von 
des  m'alten  baierischen  Herzogs  Garibald  berühmter  Tochter  zurück  ver- 
lieren, der  longobanlischen  Königin  Theodolinde,  worauf  sich  die  Bei- 
lage XII  bezieht,  ln  der  Num.  25  ist  ein  Entwurf  „etlicher  denckh- 
wirdiger  Sachen  Wilhelini  IV^  Hertzogen  in  Bayrn“  berührt  worden.  Die 
Thaten  des  Kurfüi'sten  Friedrich  I des  Siegreichen  sind  in  der  Bearbeitimg 
des  Paul  Hachenberg  in  Num.  34  vertreten.  Es  mag  weiter  hiezu  noch 
unten  die  Beilage  XIII  gezogen  worden.  Die  Geschichte  des  Kurfürsten 
Friedrich  H,  von  dem  ihm  so  nahe  gestanden<m  Hubert  Thomas  aus 
Lüttich  geschrieben,  ist  in  Num.  26  erwähnt.  Beiträge  zur  letzten  Le- 
benszeit des  Herzogs  Wolfgang  von  Zweibrücken  und  Neuburg  bieten  die 
Num.  27,  28,  30.  Umfangreiche  Vorarbeiten  zur  Geschichte  des  Kurfüreten 
Maximilian  Emanuel,  hauptsächlich  wohl  von  seinem  Ohristen  und  „Histori- 
schreiber“ Johann  Franz  Diani.  sind  in  Num.  36  zur  Erwähnung  gelangt. 
Weiter  mag  daher  die  Beilage  XIV  zählen. 

Es  versteht  sich  hiebei  von  selbst,  dass  ausser  solchen  zusamruen- 
faasenden  Darstellungen  sich  auch  noch  andere  Aufzeichnungen  im  ge- 
heimen Haus-  und  Staatsarchive  finden,  welche  für  die  Würdigung 


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131 


dieser  und  jener  Persönlichkeiten  namentlich  nach  ein- 
zelnen Seiten  hin  von  Interesse  sind.  Man  denke  nur  etwa  an  die 
so  zu  nennemlen  Jlonita  paterna  dieser  und  jener  baierischen  wie  pfill- 
zisehen  lleiTScher  von  Wolfgang  von  Zsveibrücken  und  Wilhelm  V an  für 
ihre  Söhne.  Abgesehen  hievon  erübrigt  das  für  die  Unterweisung  des  Herzogs 
Johann  Friedrich  von  Neubnrg-Hiltpoltstein  bestimmte  Ifandbüchlein  haupt- 
sächlich zu  Johannis  Sleidani  de  quatuor  sumniis  Inijierii.s  Ins  zum  Jahre 
1004,  in  der  Form  von  Frage  und  Antwort,  hier  und  dort  mit  Federzeich- 
nungen. Weiter  mag,  was  den  Sohn  des  Kurfürsten  Friedrich  IV  von  der 
Pfalz  l)etritt't,  den  bekannten  Friedricli  V,  ausser  Nachrichten  über  seine 
Studienzeit  in  .Sedan  Injsonders  vom  Jahre  1008  an®*®)  noch  aus  einem 
spateren  .Saminelbande  des  18  Jahrhunderts  an  Abschriften  von  Arbeiten 
des  Heinrich  Alting  erinnert  werden,  die  im  innigsten  Zusammenliange  mit 
der  religiösen  Erziehung  des  Pfalzgrafen  Friedrich  V stehen:  die  institutio 
Friderici  V,  couiitis  palatini  ad  iUieiium,  ducis  llavariae.  sub  privato  prae- 
ceptore  M.  Henrico  Altingo,®*®)  weiter  ein  aus  dem  .Jahre  1029  stammen- 
der theologischer  Rath  desselben,  ob  es  den  orthodoxen  Refonnirten  erlaubt 
sei,  eine  Taufe  von  Lutheranern  zu  verlangen  und  zu  nelimen. 

Begehrt  man  Aufzeichnungen  zu  einzelnen  bedeutenderen 
Ereignissen  die  sich  an  die  Regierungszeit  dieser  und 
jener  Herrscher  knüpfen,  so  mag  abgesehen  von  der  Abschrift  von 


‘^34)  Es  ist  ein  Quartband  in  steifem  rothen  Papierüberzage,  auf  dessen  erstes  Blatt  sieb  der 
Pfalzgraf  Johann  Friedricfa  mit  dem  Motto  .Vine  roemor  lethi"  im  Jahre  1605  cingeieichnet  hat,  im 
geheimen  HausarebiTe. 

Bei  dem  Kaiser  Constantin  dem  Grossen  begegnet  die  Präge:  Qaid  de  illius  donatione  sentis 
qaando  Vrbem  Bomam  et  Italiam  episeoi>o  romano  donatse  scribitur?  Piinnentum  esse  pontiAcium  — 
lautet  die  Antwort  — probatac  Historiae  docent:  deinde  successoribas  illius  imminuere  oem  potait. 
pag.  155. 

In  dem  Abschnitte  de  ecclesia  und  zwar  quomodo  a Constantini  tempore  religio  chriatiana  eet 
propagata?  wird  zum  Jahre  574  beim  heiligen  «Bupertus,  Francorum  initio  episcopus“  und  seiner 
Tanfe  des  Herzoge  Theodo  auf  das  dritte  ßneh  von  Aventins  baierischen  Annalen  verwiesen- 

Spater  finden  wir  in  dem  Abschnitte  de  Imperii  romani  translatione  ad  Germanos  die  Frage, 
Rectene  Septernuiralis  Collegij  institntio  ml  Ottonem  III  refertur?  dahin  beantwortet:  Kon.  Constituit 
qnidem  Otto,  ut  potestas  eligeodi  Imperatorem  Rom.  penes  optiinates  esset:  Septemairi  autem  post 
Friderici  II  tempora  demum  invalaerunt. 

2S5)  Vgl.  nachher  aus  der  Note  238  die  Lit.  e. 

236)  Vielleicht  ist  das  der  Unterricht,  von  welchem  Hausier  in  seiner  Geschichte  der  rbei* 
nlscben  Pfalz  II  3-  258  in  der  Note  15  bemerkt,  dass  er  sieb  in  einer  Pfälzer  HandKbrift  befinde, 
und  dass  Lewald  ihn  beraosgegeben  und  erläutert  habe.  Heidelberg  1841. 

Abh.  d.  III.  CI.  d.  k.  Ak.  d.  Wi&s.  XV.  Bd.  UI.  Abth.  18 


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132 


Aktenstücken  zur  Geschichte  der  Straubing'schen  Erbfolge  von  1425-1430 
in  Nuin.  91  hier  beispielsweise  nur  an  die  unheilvollen  Folgen  der  eigen- 
nützigen letztwilligen  Verfügung  des  Herzogs  Georg  des  Reichen  von 
Jfiederbaiem  - Landshut  erinnert  sein.  V'on  der  hiebei  so  wichtigen  Ver- 
handlung in  dem  Streite  der  Herzoge  Albrecht  und  Wolfgang  von  Ober- 
baiern  gegen  den  Pfalzgrafen  Ruprecht  wegen  der  Verla-ssenschaft  des 
Ijerührten  Herrschers  auf  dem  kaiserlichen  Rechtstage  zu  Augsburg  vom 
5 -18  Februar  1504  sind  in  Xum.  22  zwei  bisher  nicht  näher  berück- 
sichtigte Exemplare  uufgezählt  worden.  Aber  sie  sind  keineswegs  die 
einzigen  welche  sich  erhalten  haben.  War  ja  auch  später  noch,  sogar 
noch  im  dritten  und  letzten  Viertel  des  vorigen  Jahrhunderts,  Gelegen- 
heit geboten,  hierauf  mehrfach  zurückzugreifen.  So  finden  sich  deim  im 
geheimen  Haus-  wie  Staatsarchive  ausser  den  zunächst  erwähnten  noch 
weitere  Al)schriften  und  Bruchstücke  von  solchen  vor.  Die  mit  diesem 
Streithandel  in  Zusammenhang  stehende  „Summa  actorum  coram  Caesare 
Maximiliauo  inter  duces  Bavariae  Albertum  et  Wolfgangum  contra  ducem 
Rupertum  Pulatinum  ex  altera  parte  propter  hereditatem  ducis  Bavariae 
Georgium  ventilatorum“  des  Johann  AVämpl  ist  bereits  oben  in  Num.  33 
erwähnt  worden.  Den  Bauernaufstand  in  der  Pfalz  und  in  Salzburg  be- 
handeln die  Kum.  23  und  93.  Vielleicht  ziehen  den  einen  oder  an<leren 
Leser  auch  die  Gedanken  eines  begeisterten  Anhängers  der  deutschen 
Reiterei,  des  Johann  Paul  Pirkher  von  Pirkh,  über  ihre  Bedeutung  für 
Baiem  aus  dem  Jahre  1606  an,  deren  in  der  Beilage  XVI  Erwähnung 
geschieht.  Dass  endlich  wieder  eine  Erbfolgefrage  Veraula.s8ung  zum 
Entstehen  dahin  eimschlagender  geschichtlicher  wie  rechtlicher  Arl>eiten 
gegeben,  nämlich  die  bekamite  österreichische,  betlarf  keiner  eigenen  Aus- 
einandersetzung. Es  mögen  hier  neben  der  Schrift  des  Franz  Joseph 
Freiherrn  v.  Unertl  in  der  Beilage  HI  nur  noch  zwei  weitere  aus  der 
Reibe  dahin  zählender  Arbeiten  dieses  hiebei  in  hohem  Grade  bothätigten 
Staatsmannes  in  den  Beilagen  XVII  und  XVIII  aufgeführt  sein. 

Unterliegt  es  sodann  keinem  Zweifel,  dass  oft  l>edeutsame  Aufschlüsse 
eigenster  Art  nach  verschiedenen  Seiten  hin  den  Tagebüchern’***) 

237)  die  Beilage  XV. 

238)  Ist  schon  \n  der  ersten  Abtheilong  in  der  Kote  16  S.  eine  Auswahl  tod  soleheOf 

haaptsachlicfa  tod  Keisediarien,  luitgetheilt  worden,  so  mögen  hier  noch  folgende  PlaU  finden: 


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133 


und  Memoiren  »ich  entnehmen  lassen,  so  wird  inan  wohl  der  Ver- 
zeichnung einer  Anzahl  von  solchen  nur  Dank  wissen,  wie  etwa  in 
Nuui.  24  der  Abschrift  des  Tagebuches  des  Herzogs  Ott -Heinrich  von 

^ a) 

Manche  anziehende  Mittheilangen  enthalt  das  .Verzaichnae  wae  ronn  wegen  des  darcblencht. 
hoebgebomon  ineiooe  gnedigen  P&reten  rnnd  Herrn  Philipps  Ludwigen  — nämlich  Ton  Neoborg  — 
Pfaltzgraoens  etc.  ansgeben  rnod  Terchrt  worden,  all«  sein  fQrstl.  Gn.  meinem  auch  gnedigen  fürvten 
vnnd  berm  Wilhelmen  Hertzogen  m GQlch  Clene  rnd  llerg  etc.  das  Glaitt  ronn  Neaborg  ans  naher 
Laugingen  gegeben*  Tom  11— *20  Oktober  1574  In  einem  Folioheft«  im  geheimen  Haoearefaire. 

Zo  Mödingen  ist  unter  anderem  am  15  Oktober  nachstehendes  rerrechnet: 

Erstlich  dem  Ap]K>tegger  fär  aio  gläszltn  vol  Gurgclwasscr  so  er  meinem  gnedigen  Fürsten 
Tnnd  Herrn  zugericht  vnd  geio  Medingen  gebracht  l[autj  Z[etel] 44  kr. 

lt«m  dem  Kochen  jungen,  Schneider  genant,  Ttnb  ain  par  scbuch  beult  ...  16  kr. 

Item  einen  Polen  mit  brieten  gein  Kaii^heim  geachickht,  meines  gne<iigen  Fürsten  rnd  herrn 
ankunfft  cuuermelden.  Jtem  jne  vonu  da  aus  voUvnU  gein  Neuburg  des  Vischsebifs  halben  laujfen 
lauen.  Ime  von  6 meilen  j«  ronn  einer  4 kr.  geben;  thut 24  kr. 

Item  aus  beuelch  meines  gnedigen  Fürsten  vnnd  herm  zu  Medingen  der  Verwalterin  vnnd 
Clossterfrswen  verehrt  6 6.;  der  ProbsUn  4 fl.;  dem  Gesindt  2 fl.;  Summa  ...  12  fl 

h) 

Ein  geheftetes  Libeil  in  Folio,  wovon  das  erste  Blatt  leer»  auf  der  Rückseite  des  letzten 
,, Beschreibung  vnnsers  gnedigen  Forsten  vnnd  herrn  Hertzogi)  Ferdinanden  jn  Raym  etc.  Littichiseben 
Rais  vniiU  Einritts“  steht,  im  geheimen  Hanurchive»  beluindelt  diesen  Gegenstand  von  der  Abreise 
zu  München  am  27  Mai  1581  bis  zur  Rückreise  von  Stuttgart  am  22  Juli  Morgens  4 Uhr  and  der 
Ankunft  in  München  am  24  dieses  Monats. 

Der  Uaupttitel  an  der  Spitze  des  Ganzen  lautet ; Yeruichnos  wie  der  durcbleochtig  hochgebore 
vnnser  genediger  Fürst  vnd  Herr  Hertzog  Ferdinand  jo  Bayrn  etc.  von  München  aas  nach  Lüttich 
den  weeg  genommen,  was  sich  auch  ungeoerlich  auf  solcher  Rais  zugetragen. 

Ausführlich  ist  der  Empfang  wie  Einzug  in  Lüttich  am  Sonntage  den  18  Juni  und  der  Auf- 
enthalt dortsclbst  bis  zum  28  dieses  Monats  beschrieben. 

«) 

Unter  der  Ueberschrift  „Veraeignus  Beyder  Ihrer  Fürsll.  Dnrchl.  Hertzogs  Philipsten  vnnd 
Ferdinanden  — nimlich  der  Sühne  des  Herzogs  Wilhelm  V — Komischen  Baiszen“  verwahrt  das  ge- 
heime Hausarchiv  das  Tagebuch  von  ihrer  Abreise  zu  München  am  28  Oktober  bis  zur  Ankunft  in 
Rom  am  8 Dezember  mit  dem  dortigen  Aufentbaltu  bis  zum  13  Dezember  1592  auf  10  nicht  ge- 
hefteten Bogen  in  Folio,  wovon  die  letzten  3 Seiten  nicht  mehr  beschrieben. 

d) 

Ebenda  erübrigt  von  der  Reise  des  Henogs  Wolfgang  Wilhelm  von  Neuburg,  des  Sohnes  de« 
Herzogs  Philipp  Ludsrig,  nach  Paris  auf  zwei  ineinanderliegenden  und  einem  dritten  Bogen,  dessen 
zweites  Blatt  nicht  mehr  beschrieben,  der  halbbrüchige  an  seinen  Vater  bestimmte  Schluubericbt 
von  der  Audienz  am  französischen  Königshofe  am  26  März  1601  bis  zur  Rückkehr  nach  Neuburg  im 
April  1601 , erstattet  am  20  dieses  Monats.  , 

«) 

Manche  interessante  Seite  entrollen  sodann  die  wieder  im  geheimen  Hanurchive  vorhandenen 
Akten  über  die  Ausbildung  des  pfälzischen  Kurprinzen  Friedrich,  des  bald  so  viel  geprüften  Sohnes 
des  Kurfürsten  Friedrich  IV,  aus  dem  ersten  Jahrzeliont  des  17  Jahrhunderts. 

8ie  drehen  sich  hauptsächlich  um  den  Anfang  der  Studienzeit  in  Sedan  vom  Juli  1608  bis  in 
das  Jahr  1610. 

18* 


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134 


Neuburg  ül>er  die  Jahre  1521  — 1534,  in  Nuin.  2!)  der  Aufzeichnungeu 
über  den  Zug  des  Heraogs  Ferdinand  zur  Unteretützung  seines  Bruders 
Ernst  ini  kölnischen  beziehungsweise  Truchsess'schen  Kriege  in  den  Jahren 


Gleich  einer  der  Berichte  der  ohereten  Spitten  der  Begleitung,  des  Burggrafen  Achaz  von 
Dohna  *u  AUei  und  de«  Bnr^rafen  zu  Starkenhurg,  cnUialt  rum  15  Juli  lß08  Miltbeilungen  6her 
die  Beratbuug  mit  dein  Herzoge  von  Bouillon  — vgl.  Häusscr'«  Geschichte  der  rheiutscheo  Pfali 
II  S.  257;26c^  — bexügUch  de«  Gange«  der  Unterweisung. 

Zunächst  wunlo  die  noch  bei  den  Akten  befindliche  , Aasztheiluug  der  Stunden*  festgeeeUt: 
wobejr  auch  — wie  hieran  geknüpft  ist  — dieses  errinnert  vndl  herr  Tilenus  vflf  hochgem.  Hertzogs 
von  Bouillons  fürstl.  On.  begehren  sich  dahin  erclirt  hatt,  das  er  nicht  allein  die  begehrte  4 Stundt 
in  der  Wochen  zue  Ynderweiszung  in  Historieu  mit  alJera  fieütz  anwenden,  sondern  auch  vber  dUz 
hochgem.  Hertzog  Friederichs  gantze  Institution  in  litcris  vndt  Cateeliismo  eine  fleUzige  viTsicht  haben 
vndt  das  directorium  in  distem  führen  woltt>^,  viidertlientgster  hoffnung,  es  werden  Kuer  Cburf.  Gn. 
jhnie  vif  den  Fall  belit^bens  solches  noch  ferner  vndt  in  spocie  beueihen,  auch  ~ da  Sie  deszen 
sonsten  kein  bedencken  hellen  — jhme  seine  vorige  bestallung  oder  gleichmesslge  gnedigsi  zue- 
stellen  laszen. 

IMreffendt  den  Ingenieur  oler  Vndervreiszang  des  jungen  Herren  ln  der  Matbeiuatic  ist  vff 
vnser  Aiibringon  angezeigt  worden,  da;»  Vandam  seit  b*>cbgem.  Hertzog  Friederichs  von  Sedan  Ver* 
reyszen  auch  sonnten  nie  einige  bestallung  von  Euer  Cburf.  Gn.  gehabt,  anietzo  za  Pariis  sey. 
darendts  die  Landt-TafTelln  von  der  Champaigne  vndt  andere  Sachen  der  Konigl.  Mayest.  etc  ver- 
ferttigen  müsze,  schwerlich  vor  dem  October  zuc  Si-dan  anlangen  werde,  auch  mit  verferttigung  vor- 
angezogener jbine  anbeuoblcner  Sachen  diesen  Wietter  nicht  werde  kOnuen  ferttig  werden : kdndte 
also  vmb  desto  weniger  dieszer  Institution  abwartten  oder  sich  in  einige  nebenbestallung  elnlaszen. 
Ist  demnach  Euer  Cburf.  Gn.  Katb  Carle  Panln,  so  ohne  das  naher  Parisz  verschicket,  anbenohlen 
worden,  bey  Mons.  de  L'heanme  daselb^ten  sich  zuerkundigen  u.  s.  w. 

Ans  der  berührten  Stundenordnung  .sei  hier  nur  bemerkt,  dass  von  8—9  Uhr  Morgens  „die 
colloquia  desz  Corderij  zu  Vbung  der  Latinisebon  sprach*'  zu  repetires  seien.  Ueber  der  Mittags- 
mahlzeit hatte  der  fürstliche  Zögling  .jrgend  ein  liupschen  sentontz  oder  Spruch  vnd  kurze  hlstorien 
zuentchlcn  vnd  vorznbringen“.  Vmb  zwej  Vliren  nach  mittag  ist  wider  zum  studirn  tu  schreitten, 
vnd  der  anfang  mit  der  repetition  desz  Catechismi  zumacben,  vnd  die  stund  bisz  tu  8 Vhren  mit 
intorpretirung  einer  epistol  aus  dem  Cicerone  zuzubringen,  vnd  fortan  anzuwelszen  zu  lesuog  vnd 
atudirung  der  liistorien  vnd  gesebiebtten ; vnd  kan  hierinnen  zu  morgens  auch  etwasz  zeit  ver- 
wendet werden. 

f) 

Von  den  in  der  Note  16  der  ersten  Abtheiloug  unter  Lit.  i erwähnten  Aufzoiebnungon  über 
den  Aufenthalt  des  Kurfürsten  Ferdinand  Maria  sammt  Gemahlin  während  de«  Keiebstage«  zu  Begens- 
burg  vom  9 Jänner  bis  zum  26  März  1664  liegt  ein  zweites  Exemplar  im  geheimen  Hausarebive  in 
einem  Foliobande  von  Pappendeckel  mit  weissem  Lederöberzuge  vor,  welches  dieses  „Diarium  nach 
Ihrer  CburfQrstl.  Darcbl.  meines  genedlgs>ten  Herrn  vnd  meiner  genedigsten  Frauen  ankhunfft  nach 
Regenspurg*  auf  seinen  ersten  171  Seiten  enthält. 

i) 

Ueber  den  Betrieb  der  Studien  des  Prinzen  Gustav  Philipp,  des  Sohnes  des  Herzogs  Leopold 
Ludwig  zu  ITeldenz,  in  Paris  geben  die  Berichte  de«  Johann  Philipp  Heintz  vom  Ende  des  Monats 
November  1666  bis  zum  14  '24  Mäit  166S  im  geheimen  Hausarebive  AuskuofC. 

Am  Montage  wurde  — laut  der  an  der  Spitze  bcündUchen  Tagesordnung  nach  dem  nnter 
Zugrundlegung  des  „C^mpendium  Ilutteri"  behandelten  Religionsunterrichte  „ein  stück  in  desz  Clnveri 


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135 


1583  «nil  1584,  in  Num.  31  des  Tagebuches  des  Kurfüi-sten  Friedrich  IV 
vom  9 Jänner  1596  bis  zum  26  Jänner  1599.  So  manches  auch  erübrigt 
noch  aus  der  Zeit  Kai-1  Alberts.  Eigenhändige  Aufzeichnungen  von  ihm 
über  Ereignisse  vom  November  1723  bis  zum  November  des  folgenden 
Jahres  in  französischer  Sprache  sind  in  Num.  38  orwälint  worden.  Solcher 
in  deutscher  S]n'iiche  hauptsächlich  vom  Jahre  1727  Ijezieliimgswoise  1728 
bis  über  den  Tod  seiner  Mutter,  der  verwittweten  Kurfürstin  Therese 
Kunigunde,  im  Jahre  1730  wird  in  der  Eeilage  XIX  gedacht.  Ein" 
Tagebuch  über  die  Kiiegsereignis.se  in  Böhmen  im  Jahre  1742  ist  iu 


Ejiitom«  Uintoriarum  explicirt,  rnilt  (larauff  ein  KxercHitint  styli  Riiroani  gegeben:  auch  über  liasz 
die  Arithmetic  Tnilt  Geographia  nach  zala«iaog  der  Zeit  tractirt**.  Unter  dem  Uienstage  ist  die 
„memorirnDg  de«x  Lipeij  Pelitic**  eingc^tzt.  Donnerstags  würdt  da«z  Jna  PabHcnm  ausz  dem  Braut* 
lach  gelcBzen,  rndt  dasz  nothwendJge  meiimrirt : sonsten  wQrdt  wie  die  vorige  tag  continuirt  in  dem 
Clarero.  Freytags  werden  die  InstttutioneB  Juris  Justinianei  tractirt»  Ihme  dieszelbe  explicirt,  die 
deUnitioDcs  vudt  divisionee  nobiliorcs  wie  auch  die  Kegulae  Juris  zu  meiuoriren  aulTgcgeben  werden: 
dan  bisz  ietzo  man  mit  der  Historia  Juris  noch  zubracht. 

b) 

Das  HDiariutu  wa»z  sieh  vom  7 Juni  Di'^d  bis  zu  endt  der  Belögorung  in  Wienn  bey  der 
Tirckhischen  annee  znegetragon“  findet  sich  anf  vier  gehefteten  Foliobogeii , wovon  die  letzten  drei 
Seiten  nicht  uielir  beschrieben«  von  einer  Hand  des  17/!^  Jahrhunderts  io  einem  äammclbande  der 
HandscbriftcnabtlieiluDg  der  Bibliothek  des  geheimen  Hansarchives. 

Es  stimmt«  soweit  eine  nur  buchst  oberfiächHchc  Vorglcicfaung  zn  einer  Aeussvruxig  berechtigt, 
ira  grossen  Ganzen  mit  dem  Anhänge  welchen  Firnhaber  zu  Pai.  Brulig's  Bericht  über  die  berührte 
Belagerung  Wiens  im  Archive  fGr  Kunde  österreichischer  Ge»cbichtM|uellen  1^50  8.  41^6—^08  mit- 
getheilt  hat, 

i) 

L>as,  wie  es  den  Anschein  bat.  am  Anfänge  nicht  mehr  ganz  vollständige  Tagebuch  des  Reichs- 
hofrathes  Frietlricli  Binder  über  die  Vorgänge  in  dem  bekannten  Orleans'sehen  Erbichaftsstreite  — 
vgl.  Häussers  Geschichte  der  rbeinischen  Pfalz  II  8.  766  bis  7d*J,  — jetzt  vom  1 November  169^ 

bis  9 Dezember  1699  findet  sich  in  einem  Pappendeckel bande  mit  rotbem  Sammtüberzuge  im  geheimen 
Hausarchive. 

Vorne  ist  der  schöne  Kupferstich  des  J.  A.  8eupel  von  dem  von  Merian  im  März  1701  ge* 
malten  Porträte  des  .Frideriens  Binder,  sac.  Caes.  Maj.  Consiliarius  Imperialis  Aoliens  et  In  causa 
Pulatiiia  Anreliaoensi  pro  tempore  Pleiiipotentiarius  Coesareus,  natus  die  <^15  octobris  1646**  in  Gross- 
foüo  eingeheftet. 

k) 

In  einer  gewissen  Art  bilden  auch  Memoiren  die  Aufzeichnungen  über  den  kaiserlichen  Hof 
und  über  Persönlichkeiten  wie  Zustände  der  obersten  neicbastellen  aus  deu  Jahren  174B/1749  in  der 
Beilage  XX. 

l> 

Etwas  über  die  Zeitbegränzung  dieses  Vortrages  hinaus  fällt  endlich  das  Tagebuch  des  kur- 
pfiltischen  Uofbiblinthekars  und  Akademikers  Maillot  de  la  Treille  über  seine  literarische  Reise  in 
Italien  vom  Oktober  1767  bis  in  den  Mai  1768,  wovon  ich  in  den  Beilagen  VIII  und  IX  der 
akademischen  Festschrift  „Die  Pflege  der  Geechichte  durch  die  Witt-^lsbacher**  8.  (80 — 38—50)  ge- 
handelt habe. 


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136 


Nuni.  39  aufgeführt.  Wieder  eigenhändige  Mittheilungen  dieses  Fürsten 
als  deutschen  Kaiser  aus  dem  Jahre  1744  finden  sich  in  Nuin.  40. 
Nicht  lange  nach  seinem  Tode  fallen  endlich  die  in  der  Beilage  XX 
berührten  interessanten  Mittheiluugon  über  den  kaiserlichen  Hof  und  über 
Persönlichkeiten  wie  Zustände  der  höchsten  Reichsstellen  aus  den  Jahren 
1748  1749,  die  zweifelsohne  zur  Beachtung  von  Seite  Baierns  oder  des 
kurpfälzischen  wie  vielleicht  eines  anderen  pfitlzischen  Hofes  zu  Papier 
gebracht  sind. 

Aber  nicht  allein  Pei-sonen  kommen  für  die  Geschichtschreibung  in 
Betracht , gleichviel  ob  einzeln  oder  im  grösseren  Ganzen : auch  der 
Schauplatz  auf  welchem  die  oft  so  wechselvollen  Ereignisse  vor  sich 
gpgjmgen  sind  will  gekannt  sein.  Mau  bedurfte  hionach  von  jeher 

geographischer  Hilfsmittel  und  was  hiemit  zusammen- 
hängt. In  dem  Sammelbande  des  geheimen  Hausarchivcs,  welchen  wir 
in  der  ersten  Abtheilung  S.  39 — 50  kennen  gelernt  haben,  findet  sich  in 
Lit.  g ein  Bruchstück  einer  deutschen  Uebersetzmig  des  geographischen 
Werkes  des  Enea  Silvio  über  Euro]>a.  Wa.s  insbesondere  Baiem  aulangt, 
hat  Aventin,  wenn  auch  nur  in  Küi-ze,  am  Anfänge  seiner  Annalen  wie 
seiner  Chronik  hierauf  Rücksicht  genommen.  Im  Aufträge  und  auf  Kosten 
des  Herzogs  Albrecht  V fertigte  Philipp  Apian  die  ausgezeichnete  Be- 
schreibung der  vier  Regierungsbezirke  des  Landes,  deren  Veröffentliclumg 
der  historische  Verein  von  Oberbaiern  als  Festgabe  zur  sielienhundert- 
jährigen  Regierungsfeier  des  Wittelsbach’schen  Hauses  bestimmt  hat.  In 
Nmn.  43  ist  das  Original  des  Rentamtes  Burghauseu  und  sein  Vcrzeich- 
niss  der  Aemtor  des  Rentamtes  Landshut  erwähnt  worden.  Die  Delineatio 
Norici  veteris  ejusque  confinimn  una  cum  nomenclatore  des  Christof 
Güwold  ist  gleichfalls  in  der  ersten  Abtheilung  S.  33  bereits  berührt. 
Wemi  auch  nicht,  wie  hier,  für  das  ganze  Land,  so  liegen  auch,  was 
die  Pfalz  betrifft,  doch  für  einzelne  Gebiete  höchst  verdienstvolle  Arbeiten 
vor.  So  die  in  Kum.  42  aufgezählte  Beschreibung  der  Aemter  Zwei- 
brücken und  Kirkel  von  Tilemann  Stella,  auf  Befehl  des  Herzogs 

239)  In  acioero  Archive  für  vatcrliodische  Geschichte,  iiand  XXXIX : Philipp  Apiaos  Topo- 
l^aphie  von  Üaiern  und  baicrische  Wappensammlang.  Mit  60  AbbildDogsUfeln. 

240)  Vgl.  über  ihn  auch  noch  des  Georg  CbrUtian  CrolUns  de  Ülustri  olim  bibliotheca  ducali 
Bipontina  per  duplieem  temporum  iDiuriam  saecalo  soperiori  deperdita  commentatio  § VI  mit  der  Note 
a.  H.  H-23. 


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137 


Wolfgang  hergestellt,  deren  Schluss  die  zwei  auch  geschichtlich  nicht 
uninteressanten  Abschnitte : 

a)  die  verzaichnung  der  allten  vnd  wüsten  dorflF  vnd  hofFstete,  welche 
in  den  baiden  Ainbtem  gefunden  werden,  wie  der  Verfasser  „die- 
selbigen  geiiieinlich  selbst  besehen“’  hat, 

b)  ein  bericht  von  den  alten  örtern  do  alltc  vnd  heidnische  gebcw 
gestanden  sind,  deszgleichen  von  den  antiquiteten  vnd  allten  heid- 
nichen  abgöttern  vnd  bildern  welche  jn  disen  Ijiüden  Anibtern  ge- 
funden werden, 

bilden.  Eine  ähnhche  Arbeit  lieferte  — vgl.  Georg  Christian  Joaunis  in 
dorV'orrede  zu  seiner  Au.sgabe  der  Historia  Bavarico-Palatina  des  Daniel 
Pareus  S.  14,  15  — Johann  Holfinann  iin  .Jahre  1585  für  das  Amt 
T..ichtcuberg. 

Mau  begnügte  sich  übrigens  schon  auch  iin  Ifi  Jahrhunderte  mit 
dergleichen  geographischen  Darstellungen  in  Wort  allein  nicht,  sondern 
verauchte  sie  auch  in  einem  zusammenfassenden  Bilde  vor  Augen  zu 
führen.  Wir  wissen,  dass  Aventin  im  Jahre  1522  als  Vorläufer  seines 
baierischen  Geschichtswerkes  einen  den  herzoglichen  Brüdern  Wilhelm 
Ludwig  und  Ernst  gewidmeten  Auszug  auf  32  Blättern  in  Folio  ver- 
öffentlichte. Darin  spricht  er  von  einer  „beschreibung  sambt  einer  mappa 
nach  rechter  kunst  des  ganzen  lands  Stet  Wasser  Perg  vnd  w.as  sonnst 
hierjnnen  anzuzeigen  die  notturfl't  erayscht".  Diese  erete  Karte  von 
Baiern,  auf  zwei  Folioblättern  in  Holz  geschnitten,  erschien  als  , Obern 
vnd  Nidern  Baini,  bey  den  alten  hu  Latein  vnd  Kriechischen  Vindelicia“ 
gleichfalls  im  Jahre  1522,  wieder  den  genannten  Herzogen  gewidmet 
und  in  neuer  veränderter  Auflage  im  Jahre  1533  als  ,.Ioannis  Aventini 
tyqms  Vindeliciae  sive  utriusque  Bavariae  secundmu  antiqunm  et  recen- 
tiorem  situin“  zu  Landshut  bei  Johann  Weissenburger,  bei  welchem  auch 
die  aus  einem  Folioblatto  bestehende  kurze  Unterweisung  zur  ersten  Karte 
gedruckt  ist.  Weiter  ist  bekannt  wie  der  kunst-  und  prachtliebendo 
Herzog  Albrecht  V mit  der  Herausgabe  einer  solchen  Mappa  von  Baiem 
in  grösserem  Umfange  den  vorhin  bereits  genannten  Philipp  Apian  be- 
auftragt hat  Im  Jahre  1563  war  sie  vollendet  484  Quadratschuhe!  gross 
und  künstlerisch  ausgestattet,  und  sollte  nach  der  Meinung  des  Herstellers 


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138 


für  den  erlaucliteji  Urheber  ein  „ewigs  Klainot,  Lob-  und  Klirenwerk“ 
sein.  IJn  dieser  übrigens  die  herrliehe  Arbeit  nicht  für  sich  allein  Iw- 
sitzen,  sondern  sie  als  Gemeingut  wissen  wollte,  sollte  Ajnan  sie  ..etwas 
eingezogners  in  ein  besonderi!  Mapj)en  bringen  und  j>ublicirn'‘  wie  einen 
alphab(!tischen  Iudex  dazu  fertigen.  So  kamen  im  Jahre  l.o68  zu  Mün- 
chen und  Ingolstadt  die  ..XXIV  bairischen  Landtaflen“  heraus,  welche  der 
Münzwardein  Peter  Weiner  im  Jahre  1579  nachgestochen.  Scheint  es, 
dass  diese  Unbill  unsern  Apian  zu  dem  Entschlüsse  brachte,  seine  grosse 
Karte  zu  veröffentlichen,  so  scheiterte  diese  AI>sicht  an  der  Itiesenaufgabe 
der  Vervielfiiltigung.  Nur  eine  Netz-  oder  Uebersichtskarte  znm  „Neuen 
Bayrlandt"  hat  er  noch  in  Holz  schneiden  lassen.-*')  Im  Vorühergehon 
mag  noch  aiigedouti't  sein,  dass  die  ganze  grosse  historisch-gcograplüsch- 
statistisehe  Arbeit  mit  reichem  xyIograj)hischem  Schmucke  versehen 
werden  sollte,  insbesonilere  auch  mit  den  Wappen  der  Glieder  der  alt- 
baiorischen  Landsti'inde  wie  des  zu  seiner  Zeit  abgegangenen  Adels,  welche 
der  historische  Verein  von  Oberbaiern  nun  gleichfalls  zur  Veröffentlichung 
gebracht  hat.  Abgesehen  von  einer  weiteren  Auflage  der  haierischen 
Landtafeln  ans  <lom  Jahre  1(151  mag  auch  noch  an  die  Arbeiten  des 
Georg  Philipp  Finckh  und  insbesondere  die  von  seinem  gleichnamigen 
Sohne  im  Jahre  1684  besorgte  Ausgabe  der  väterlichen  Karte  von  Baiem 
in  28  Blättern  erinnert  sein. 

Dass  neben  den  grösseren  Arbeiten  wovon  die  Re<le  gewesen  auch 
insbesondere  die  Geschichte  einzelner  Gebiete  und  Orte  mehr 
oder  weniger  Berücksichtigung  gefunden,  wird  nicht  wunder  nehiiien. 
Wenn  auch  vielfach  mit  Fabeleien  untermischt,  bieten  doch  die  in  der 
Num.  41  angeführten  Aufzeichnungen  des  Jakob  Beyerlin?  über  pfälzische 
Orte  namentlich  wo  von  späteren  Zeiten  die  Sprache  ist  mitunter  brauch- 
baren Stoff.  Dass  es  weiter  an  der  Behandlung  besonderer  Verhältnisse 
dieser  und  jener  Orte  nicht  fehlt,  dafür  nur  folgende  Nachweise.  In 
Num.  45  sind  Schicksale  Nabburgs  aus  der  Zeit  des  dreissigjäluigen 
Krieges  berührt.  Li  der  Beilage  XXI  solche  der  Stadt  Froistadt  in  der 
oberen  Pfalz.  Die  in  Num.  46  besprochene  Arbeit  des  Johann  Wämpl 
erörtert  die  Frage:  wasz  gestalten  die  Stadt  Kegenspurg  von  dem  Herzog- 

241)  Vgl.  y.  Oef«le  im  oberbAieritebeo  ÄrchiTe  a.  a.  0.  S.  IT— VII. 


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139 


tliunib  Bayrn  kommen,  und  ob  Kurfürst  Ferdinand  Maria  wohl  welche 
Anspnicho  in  der  Beziehung  geltend  machen  könne.  Eine  topographisch- 
statistische Geschichte  von  Zweibrücken  von  David  König  ist  in  den 
Num.  84  und  88  zur  Erwähniing  gelangt.  War  sodann  für  das  pfäl- 
zische Herrscherhaus  die  Grafschaft  Sponheim  nicht  ohne  Bedeutung,  so 
kann  an  die  Schrift  des  Christof  Jakob  Krcmer  in  Num.  104  erinnert 
sein.  Auch  die  mehrseitig  interessanten  Verhältnisse  des  sogenannten 
Cröverreichs  sind  in  den  Num.  95  und  103  berücksichtigt.  Vier  Arijeiteu 
zur  Geschichte  der  seinerzeit  an  einen  wichtigen  Zweig  der  Pfälzer  Linie 
des  Wittelsbachischen  Hauses  gelangten  Grafschaft  Happoltstein  finden  sich 
in  den  Beilagen  XXH — XXV’  einschliesslich  verzeichnet. 

So  verdienstvoll  und  mitunter  in  hohem  Grade  wichtig  die  Schriften 
sind  welche  im  bisherigen  Vh-rlaufe  berührt  worden,  ganz  vorzugsweise 
Berücksichtigung  erheischen  dennoch  ihnen  gegenüber  die  eigentlich 
geschichtlichen  Darstellungen,  sei  es  von  hervorragenden 
Ereignissen,  sei  es  hauptsächlich  in  grösserem  Ganzen. 

Man  weiss  zur  Genüge,  welcher  allgemeinen  Hilfsmittel  sich 
die  Verfas-ser  von  Geschichtswerken  im  späteren  Jlittelalter  und  über  das- 
selln:  hinaus  bedienten.  Es  ist  bekannt,  welch  grosse  Rolle  d,»s  Speculum 
des  V^incenz  von  Beauvais  spielte,  nicht  minder  welchen  Einfluss  weiterhin 
das  Werk  wieder  eines  Dominikaners,  des  Martin  von  'l'roppau,  ausübte, 
sowie  auch  die  minoritischen  Flores  tem{)orum  und  was  man  unter  der 
Chronica  Martiniana  oder  gleich  personificirt  dem  Martinianus  verstand. 
Wir  Ijedürfen  hiefür  keiner  fernher  geholten  Belege.  Ulrich  Fütrer  macht 
in  der  V’orrede  seiner  baierischen  Chronik  abgesehen  von  dem  „aller  ge- 
lertisten  edlen  Coronisisten  Garibaldus,  der  diser  gesta  vnd  materi  das 
aller  lewtrist  anzaigen  vnd  bericht  gibt“  den  „Vincencium  in  sjmjcuIo 
hystoriali,  Alfonsum,  Martinianmn,  Franciscum  Petrarcha“  etc.  namhaft. 
Es  mag  hiezu  der  wohl  für  Zwecke  Aventins  gefertigte  Auszug  daraus 
in  der  Num.  58  verglichen  werden.  Nicht  minder  die  beiden  in  der 
Num.  59  besprochenen  Anfiinge  einer  baierischen  Chronik  eben  des  Johann 
Timuaier  von  Abensborg.  Sind  diese  Stücke  silmmtlich  dom  oben  in  der 
ersten  Abtheilimg  S.  39 — 50  berührten  Saramelbande  des  geheimen  Haus- 
archives  entnommen,  so  bietet  gerade  er  wie  nicht  leicht  etwas  anderes 
Gelegenheit,  äusserst  beipiem  einen  Blick  in  eine  Werkstätte  der 
Abb.  d.  m.  CI.  d.  k.  Ak.  d.  Wiu.  XV.  Üd.  III.  Abth.  1» 


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140 


Geschicbtschreibiing  jener  Zeit  zu  werfen,  in  die  Werkstätte  von 
Niemand  geringerem  als  eben  unserem  Aventin,  und  zwar  einen  Blick, 
welcher  nicht  niu"  tbeilweise  die  allgemeinen  Hilfsmittel  sondern  auch 
besondere  für  diese  und  jene  Bedürfnisse  erkennen  lässt. 

Bleiben  wir  hier  bei  der  Geschichte  Baierns  stehen,  so  wurden 
natürlich  die  bereits  vorhandenen  Annalen  und  Chroniken  wie  sonstigen 
geschichtlichen  Aufzeichnungen,  beispielsweise  des  Otto  von  Freising,  des 
Hermann  von  Niederaltach,  die  Scheiern-'Wittelsbach'sche  Gesclilechtstafel, 
von  den  Nachfolgern  immer  mehr  oder  minder  ausgiebig  benützt.  Und 
je  weniger  man  im  Mittelalter  und  noch  später  den  Begriff  dessen  kannte 
w'as  man  jetzt  unter  Plagiat  versteht,  indem  man  unlwiiTt  durch  die 
etwa  gegontlieiligen  Ansichten  einzelner  Schriftsteller  ül>er  diesen  Punkt 
das  was  einmal  vorhanden  war  als  Gemeingut  betrachtete,  um  so  weniger 
wird  man  erstaunt  sein  können,  wenn  theilwoise  in  einer  späteren  Chronik 
auf  den  ei'sten  Blick  die  Anlehnung  an  eine  friihere  entgegenti'itt,  oder 
w'enn  diese  so  und  so  oft  gleich  wortwörtlich  w'ieder  begegnet. 

Nun  war  gerade  in  Baiern  kein  Mangel  an  dergleichen  Arbeiten. 
V'erschiedeno  Umstände  wirkten  da  günstig  zusammen.  Nicht  zum  min- 
desten die  stete  Förderung,  deren  sie  sich  von  Seite  der 
Fürsten  des  Hauses  Wittelsbach  in  mannigfachster  Weise 
zu  erfreuen  hatten. 

Ist  eben  jetzt  allenthalben  im  Lande  die  Erinnerung  an  den  Zeit- 
j)unkt  wach,  da  vor  sieben  Jahrhunderten  an  ein  Glied  dieses  erlauchten 
Stanmies  die  herzogliche  Würde  von  Baiern  gelangte,  woran  sich  bald 
auch  der  Besitz  der  wichtigen  Pfalzgrafschaft  am  Rhein  geschlossen,  so 
wird  es  bei  dieser  Gelegenheit  sich  für  die  historische  Classe  der  Aka- 
demie der  Wissenschaften,  welcher  ja  die  Pflege  der  Geschichte  und  zwar 
insbesondere  der  des  Vaterlandes  zur  Aufgabe  gesetzt,  ist.  w'ohl  schicken, 
einen  wenn  auch  nur  flüchtigen  Blick  dahin  zu  werfen,  w'ie  hiefür  das 
Haus  Wittelsbach  — gleichviel  ob  in  Baieni  oder  in  der  Pfalz  — sein 
reges  Interesse  bekundet. 

Vor  Allem  verdient  Beachtung,  wie  seine  Glieder  von  frühen  Zeiten 
an  für  die  Sammlung  der  Quellen  und  Hilfsmittel  der  Ge- 
schichte bedacht  gewesen,  zunächst  in  den  Archiven  und  Biblio- 


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141 


theken  von  Baiern  und  der  Pfalz,  dann  in  den  Museen  von  Alterthümem, 
von  Münzen,  und  dergl.  mehr. 

Nicht  minder  förderten  sie  überall  die  Benützung  dieser 
Schätze  zum  Frommen  der  Geschichte  auf  jede  erdenkliche 
Weise. 

Und  sie  interessirten  sich  nicht  allein  für  das  was  hier  zu  schaffen 
war,  sondern  einzelne  aus  ihnen  übten  selbst  eine  schrift- 
stellerische Thätigkeit,  indem  sie  Aufzeichnungen  über  ihre  eigenen 
Erlebnisse  oder  auch  sonst  dahin  einschlagende  besondere  Vorkommnisse 
machten,  wofür  sich  in  den  Nuin.  24,  31,  38,  40  Beispiele  finden,  wler 
selbst  genealogische  und  Geschichtswerko  verfassten,  wie  wir  aus  der 
Num.  64.  und  weiter  vom  Hei-zoge  Johann  I von  Zweibrücken  wissen, 
während  sie  ausserdem  zeitweise  in  lebhaftem  Brief- 
wechsel'*'**) über  Fnigen  gestanden  w'elche  dahin  cinschlugen. 

Keineswegs  unljedeutend  ist  sodann  die  Zahl  der  eigentlichen 
grösseren  Gesch ich ts werke  welche  sie  durch  ilii'e  Aufträge  und 
ihre  Anregung  unmittelbar  wie  mittelbar  ins  Leben  gerafen. 

Bekannt  genug  endlich  ist  ihre  Begünstigung  von  gelehrten 
Gesellschaften  und  die  Gründung  der  Akademie  der  Wissen- 
schaften in  Baiern  wie  in  der  Pfalz  an  dem  Gi-ä:izpunkte  welchen 
von  Anfang  an  die  Be.sprechung  „über  ältere  Arbeiten  zur  baierischen 
und  pfälzischen  Geschichte  im  geheimen  Haus-  und  Staatsiirchive“  sich 
gesetzt  hat. 

Eines  weiteren  Eingehens  auf  diese  Gesichtspunkte  bin  ich  hier 
überlioben,  da  ich  im  Aufträge  unserer  Classe  in  der  Festschrift  zur 
angedouteten  Feier  „die  Pflege  der  Geschichte  durch  die  Wit- 
telsbachei"*  S.  9 -76  mit  den  Beilagen  I — XII  S.  (1— 83)  mich  hierüber 
einlässlicher  verbreitet. 

Die  Früchte  solcher  Bestrebungen  wie  sie  kein  anderes  deutsches 
Land  aufzu weisen  hat,  sie  liegen  der  Betrachtimg  Aller  offen  vor.  Man 
darf  — abgesehen  von  den  früheren  Erzeugnis.sen  — sich  nur  Aventins 
erinnern,  und  insbesondere  hiebei  nicht  übei-sehen,  wie  gerade  er  die  bis 
zum  sechzehnten  Jahrhunderte  an  den  Tag  getretenen  Schöpfungen  in 

242)  Vf;].  b^upieUweis«  ob«n  S.  106—112  mit  den  Noten  216  — 220,  oder  Rockinger,  die  Pflege 
der  Geschichte  durch  die  WUteUbecher«  aus  der  Beilage  XI  die  ZifT.  15  S.  (64  -70). 

19* 


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142 


ganz  staunen«werthem  Masse  dureh  das  allseitige  Beiziehen  des 
verschiedenartigsten  urkundlichen  Stoffes  im  weitesten 
Sinne  überholt  hat. 

Damit  soll  allerdings  nicht  behauptet  sein,  dass  nicht  noch  immer 
die  früher  beliebte  wenn  man  will  so  geinüthliche  Darstell imgsweise  hal>e 
Platz  finden  können.  Es  ist  in  Nmn.  57  einer  Umarbeitung  der 
Chronik  des  Ulrich  Fütrer  gedacht  worden,  deren  genauere  Unter- 
suchung nicht  ohne  Interesse  sein  möchte.  Darf  man,  wie  sie  uns  da 
vorliegt,  nicht  eine  einfache  sondern  möglicherweise  eine  dopjielte  Um- 
gestaltung annehmen,  so  möchte  manches  auf  den  ersten  Blick  an 
irgend  eine  Betheiligung  Aventins  l)ci  der  ersten  Umgestaltung  denken 
lassen.  Ein  Paar  Anspielungen  auf  die  .lahre  1525  und  152S  wider- 
sprechen wenigstens  seiner  Zeit  nudit.  Insbe-sondere  aber  liegt,  wie  es 
den  Anschein  hat,  in  dem  Satze  bei  Gelegenheit  der  Erwähnung  des 
ersten  aus  Deutschland  im  Jahre  1395  gegen  die  Türken  unternommenen 
Zuges  „ini  zeit-buech  vbor  gannz  Tentstdrlandt  wil  ich  nach  notturfft 
disen  zug  beschreiben“  eine  fast  unverkennbare  Beziehung  auf  seine  auch 
sonst  so  und  so  oft  mit  sichtlicher  Vorlielxs  berührte  Germania  illnstrata. 
Wie  viel  allenfall.s  von  dieser  Umarbeitung  in  unserer  Handschrift  noch 
erhalten  sein  mag,  nach  deren  erster  von  den  übrigen  im  Formate  ab- 
weichender Lage  das  Werk  dem  Herzoge  Albrecht  gewidmet  ist,  der 
erst  im  Jahre  1528  das  Licht  der  Welt  erblickte,  muss  hier  dahin  ge- 
stellt bleüjen.  Im  übrigen  sei  nur  darauf  hingedeutet,  dass  die  Ver- 
änderungen gegenüber  der  .\rbeit  des  Ulrich  Fütrer  theilweise  keine  nur 
geringen  sind.  So  wird  die  Erzählung  von  der  Geburt  Karls  des  Grossen 
auf  der  Ileisinühle  im  Würmthale  *■*■*)  als  eine  lächerliche  Fabel  erklärt, 
woran  man  höchstens  noch  in  den  Gunkeln  glaube.  Von  einer  Chronik 
in  der  Bibliothek  des  alten  Wessobrunn,  aus  w'elcher  das  Mährchen  an- 
geführt ist,  dass  Herzog  Tassilo  durch  das  Hineinblicken  in  zwei  glühende 
Becken  erblindet  und  dann  in  das  von  ihm  gestiftete  Kloster  Lorch  ge- 
kommen, sagt  er,  dass  diese  Chronik  ein  Quodlibet  sei.  Eine  förmlich 
kritische  Behandhuig  tritt  bei  der  Erzählung  von  der  Meerfahrt  des 
Grafen  Eckhard  von  Scheiorn  mit  dem  Bundschuhe  zur  Eroberung  des 

2«)  Vgl.  1.  «,  0.  XV  Abth.  1 S.  193/194. 

244)  Vgl.  ebendort  S.  186  — 189. 


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143 


heiligen  Grabes  ein,  die  aus  der  Zeit  des  Kaisere  Heinrich  iiii  Jahre 
1046  in  die  des  Krouzzugos  unter  König  Philipp  von  Frankreich  iin 
Jahre  1208  verwiesen  wird.  Höchst  bedeutend  ist  weiter  die  Aenilerimg 
bei  der  Behandlung  der  Geschichte  des  Kaisers  Ludwig  des  Baiers,  welche 
oben  a.  a,  0.  S.  192  auf  eine  andere  Gelegenheit  vei-spart  worden  ist, 
und  nunmehr  in  Beilage  XXVI  ihre  Stelle  findet. 

Abgesehen  von  diesem  Werke  bildet  aber  insbesondere  die  Be- 
achtung der  Schätze  der  Bibliotheken  und  hauptsächlich 
der  Archive,  die  jetzt  in  so  erfolgreicher  Weise  zum  Durchbruche 
gelangt  war,  auch  für  die  Folgezeit  eine  Errungenschaft  welche  sich  die 
Geschichtschreibung  in  Baiern  von  da  an  nicht  wieder  hat  entreis.sen 
lassen.  Die  zwei  Bücher  der  baiorischen  Geschichte  des  Augustin  Kölner, 
in  Nuin.  62,  liefern  den  Beweis  hiefttr,  namentlich  in  ihrer  auf  rein 
urkundlicher  Grundlage  ruhenden  Behandlung  der  Herraclier  aus  dom 
Hau.se  Wittelsbach  bis  in  den  Beginn  der  Vierzigerjahre  des  14  Jahr- 
hunderts. Nicht  minder  die  baierische  und  pfälzische  Genealogie.  Nuni.  66 
und  67,  wie  das  baierische  Stammenbuch  des  Dr.  Wiguleus  Hundt. 

Uebrigens  treten  gesclüchtlicho  Werke  grösseren  Umfanges  oder  be- 
sonderer Bedeutung  in  diesem  Jahrhunderte  nicht  mehr  entgegen.  Eine 
unheimlich  düstere  Macht  luidagerte,  wenigstens  in  Baiern,  die  gei- 
stigen Itegungen.  Vor  Allem  war  Niemand  geringerer  als  sein  grosser 
Geschichtschreiber  zum  Schlachtopfor  auserkoren.  Als  bald 
nach  seinem  Hinseheiden  am  9 Jänner  1.534  der  Buchdrucker  Johann 
Herwag  zu  Basel  gewillt  gewesen,  die  in  lateinischer  Spruche  ubgcfassten 
Annalen  zu  veröffentlichen,  und  desshalb  den  berühmten  Eriwmus  von 
Uottordam  um  sein  Vorwort  bei  dem  baierischen  K.mzler  und  Gönner 
Aventins,  Leonhard  von  Eck,  ersuchte,  damit  ihm  das  Manuscript  über- 
geben werde,  schrieb  derselbe  allerdings  am  30  Juni  und  h August  1535 
in  dieser  Angelegenheit,  allein  ohne  Erfolg.  Wahrscheinlich  — bemerkt 
Dr.  Wie<lemann  hiebei  — war  dem  Herzoge  der  Verleger  sowohl  als 
der  Verlagsort  Basel,  beide  der  neuen  Religionsgenossenschaft  angchörend, 
unangenehm.  Einen  Augenblick  hatte  es  den  Anschein,  als  ob  trotzdem 


245)  EbeDduelbst  S.  189 — 192. 

24C)  Johann  Tnrmair,  genannt  ATentinns,  GeBcbichtschreiber  des  baierischen  Volles,  8. 257 — 280. 


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144 


die  Sache  sich  günstig  gestalten  sollte.  Des  Kanzlere  Sohn,  Oswald  von 
Eck,  Aventins  treuer  Zögling,  entschloss  sich  nämlich  da,  die  Annalen 
der  Presse  zu  ühergeben,  von  denen  er  ein  vollständiges  Exemplar  liesaes: 
einen  Theil  davon  hatte  er  in  seinem  Hau.se,  der  andere  l)efand  sich  in 
der  Bibliothek  seines  Vaters.  Allein  auch  Oswald  von  Eck  stiess  auf 
Hindernisse,  die  er  nicht  zu  überwältigen  vermochte.  Er  übertrug  nun 
diese  Arl»it  dem  berühmten  ür.  Wolfgang  Hunger.  Doch  auch  er  war 
in  seinem  Vorhaben  von  keinem  besseren  Erfolge  gekrönt.  Endlich  erhielt 
Professor  Hieronymus  Ziegler  in  Ingolstadt  vom  Herzoge  Albrecht  V den 
Auftrag,  die  Ausgabe  der  Annalen  zu  besorgen.  Aljer  wie  V Mit  dem 
Befehle,  Fabeleien  und  alles  was  zu  hart  namentlich  gegen  die  Geistlich- 
keit erscheuie  zu  streichen,  und  sich  hiebei  des  Rathes  der  Doctoren 
Wigulous  Hundt  und  Christof  Seid  zu  bedienen.  Kaum  hatte  Oswald  von 
Eck  von  dem  au  Ziegler  ergangenen  Aufträge  Kunde  erhalten,  als  er 
mit  lobüuswerthem  Eifer  dieses  Unternehmen  wieder  zu  untei-stützen 
suchte  und  seine  aventinischen  Manuscripte  zur  Verfügung  stellte.  Wie 
er  aber  wahmahm,  dass  so  manches  ausgelassen  und  die  Schöpfung 
Aventins  nur  veretümmelt  an  das  Tageslicht  treten  sollte,  zog  er  sich 
zurück.  Cum  viderem  — sind  seine  Worte  — multa  omitti,  et  novam 
historiam.  non  Aventini,  cudi,  nunquam  deinde  iuspicere  volui.  In  solcher 
Gestalt  verliess  endlic-h  im  Dezember  1554  das  so  lange  ersehnte  Werk, 
dem  Herzoge  Albrecht  V gewidmet,  zu  Ingolstadt  die  Pre.sse.  Etwas  besser 
erging  es  seiner  deutschen  Bearlwitung  in  der  baierischon  Chronik. 

Der  Assessor  Simon  Schard  am  Kammergerichte  zu  Spoier,  welcher  ein 
Exemplar  derselben  „nit  mit  geringen  kosten“  an  sich  gebracht,  übergab 
diesen  „Schatz  dem  gemeinen  Teutschland  zu  gut,  dem  löblichen  llausz 
Pfalltz  vnnd  Beyern  zu  elu'en,  auch  jm  dem  Aventino  zur  ewigen  ge- 
dechtnusz“  dem  Drucke,  welcher  — den  Pfalzgrafen  Friedrich,  Georg, 
Reichard,  Wolfgang,  und  Georg  Hanns  gewidmet  — zu  Frankfurt  am  Main 
im  Jahre  156(i  erschien,  und  zwar  entgegen  der  Ausgabe  der  Annalen 
in  der  Weise,  dass  die  zu  Grunde  gelegte  Handschrift  nicht  „behawen, 
zurstümmelt,  vnd  keiner  Censur“  unterworfen  worden.  Wie  von  den 
Annalen,  so  konnte  auch  von  der  Chronik  im  Jahre  1580  eine  neue 


•247)  A.  ».  O.  S.  'JSO-3Ö3. 


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145 


Ausgabe  erscheinen.  Allein  bereits  gegen  den  .\usgang  dieses  Jahraehntes 
ersah  sich  Herzog  Wilhelm  \',  wie  bereits  in  der  ersten  Abtheilung 
S.  32/33  berührt  worden,  den  schlauen  Jesuiten  und  Exjesuiten  Michael 
Arroden  *■**)  zu  der  Aufgabe  aus,  die  der  römischen  Kirche  nicht  genehme 
„historiam  bavaricam  Joannis  Aventini,  damnati  auctoris,  plures  et  varios 
errores  continentem,  ad  studiosorum  comcKlitatem  ab  eiToribus  in  ea 
contentis  expurgare“  oder  auch  „ein  volkhommene!  Bayerische  History 
zue  schreiben“. 

Diesem  Gebahren  in  Baiern  gegoiüil>er  herrschte  in  der  Pfalz  in 
der  zweiten  Hiilfte  des  16  Jahrhunderts  ein  anderer  Sinn  imd  desshalb 
auch  eine  freiere  gei.stige  Bewegung.  Wir  wissen,  dass  einer  der  dortigen 
Fürsten,  Herzog  Johann  II  von  Simmern-Sjiouheiui,  der  im  Jahre  1557 
das  Zeitliche  gesegnet,  sich  sellist  mit  Geschichtschreibung  abgab.  Von 
der  Umarbeitung  seiner  baieriscli  - pfälzischen  Reimchronik,  welche  im 
Jahre  1569  für  seinen  Sohn  besorgt  wui’de,  den  Kurfürsten  Friedrich  HI, 
ist  in  Nnm.  64  die  Ke<le  gewesen,  wozu  noch  die  Num.  65  verglichen 
sein  mag.  Von  der  Vorliebe  seines  anderen  Sohnes  Heichard  für  Genea- 
logie und  Geschichte  geben  die  Mittheilungen  ol)on  in  den  Noten  215—220 
zur  Genüge  Anhaltspunkte  an  die  Hand.  Das.%  Kurfürst  Ludwig  V „in  ainem 
ansechlichen  grosseii  werch  gewest,  des  llausz  Bayrn  herkomen  jn  ain  * 
volkomene  histori  zu  bringen“  und  durch  den  Druck  zu  verbreiten,  ist 
beispielsweise  den  oljen  S.  lOö  in  der  Note  216  mitgetheilten  Aktenstücken 
aus  dem  Jahre  1583  wie  dem  Schlu-sse  des  sodann  auf  S.  120  bemhrten 
Briefes  des  Herzogs  Wilhelm  V an  den  Herzog  Philii>p  Ludwig  von  Neu- 
burg aus  dem  Jahre  1584  zu  entnehmen.  Weiter  ist  bekannt,  wie 
Herzog  Johann  I von  Zweibrücken  sich  mit  einem  grossen  genealogischen 
Geschichtswerko  des  Wittelsliach’schen  Hauses  in  nicht  weniger  als 
25  Folianten  beschäftigte.  Zw’ar  nur  eine  kleine  Arljeit  endlich  ist  es, 
der  wir  in  Num.  71  gedacht  haben,  aber  im  höchsten  Gra<le  rückhaltlos. 
Dort  haben  wir  schon  gesehen,  wie  ihr  Verfasser  bei  verechiedenen  Ge- 
legenheiten seinen  Gefühlen  nicht  den  mindesten  Zwang  anthut.  Hören 

*248)  HinBiefatJicb  des  abßlligen  Urtbeiivs  des  baierischen  AgeDten  Mimiccio  dei  MiDacei  zq 
Rom  Tom  4 Februsr  ir>92  Tgl.  Rockmger,  die  Pflege  der  Geschichte  dorch  die  WittelsbAchcr,  Beilage 
XII  8.  (8‘>/b3). 

249)  Vgl.  ebendort  S.  61/62,  wozu  aas  der  Beilage  XI  die  Ziff.  15  Bit.  i S.  (68/69)  verglichen 
werden  mag. 


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146 


wir  hier  nur,  wie  er  gleich  unter  Otto  von  Wittelsbach  spricht ! In 
seinen  khintltlichen  Jahren  giib  ihn  »ein  Vatter  dem  Keyser  Conrad  dem 
dritten  in  einem  Handel  vnnd  Vertrag  zue  Geysel.  Da  kam  er  im  Hofif 
in  KhundtschafFt,  vnnd  ward  erzogen  mit  desz  Keysers  Bruders  söhnen, 
der  nachmals  Keyser  Friedorich  der  Erst  von  den  Wahln  Barbarossa  ge- 
nant. Diosinn  Keyser  war  Ottho  also  lieb  vnndt  werth  von  wegen  seines 
Verstandts  sitto  vnd  geschickhlichkeit,  dasz  er  ihn  fümemblich  in  allen 
groszen  saclien  braucht.  Solt  man  etwiin  frieden  machen,  da  wardt 
Ottho  hien  geschickht.  Führet  man  Krieg,  da  war  Ottho  der  erst  vnd 
der  best  mit  That.  Dieszes  Mans  ehrlich  vnd  hefftig  geinüth  ist  aasz 
dem  zuorachten;  es  kam  desz  Bapsts  bottschafft  zu  Kh(»yser  Friedrichen 
gehn  Bisants  im  Jahr  1156.  Weil  er  die  höret,  stund  Otth  alsz  ein 
Marschalckh  bey  ihm  mit  bloszcm  Schwerth.  Da  nun  der  Legat  vnder 
anderm  sprach,  der  Keyser  erzeigt  sich  gegen  den  Bapst  vudanckhbar, 
von  dem  er  seine  hochheit  hette,  ergrimmet  Otth  vber  der  Bedt  der 
niaszen,  dasz  er  das  Schw'erdt  faaset,  wolt  den  eretochen  haben,  wan  der 
Keyser  nicht  ausz  seinem  stuel  wer  auszgesprungen  vnd  ihm  gewehret 
hott.  So  wehe  that  es  dem  edlen  Teutschen  der  Biipstbubcn  hoffart  vnd 
vbermuth,  den  sie  wieddi^r  die  Keyserlich  Mayestat  in.sonderheit  der  Zeit 
^wiedder  diesen  teuren  hehlen  Friedcrichen  den  ersten,  vbeten,  welche 
Jleyestat  zu  erhalten ‘vnd  zu  mehren  dem  Otth  kain  arlieit  zu  schwehr, 
kein  gefahr  zu  grosz  war.  Darausz  zuerachten,  wie  ihme  zu  gemüth 
gewesen,  da  er  hört,  dasz  sein  herr  der  Kheyszer  sich  vom  Bapst  mit 
fuessen  hatt  trotten  la.s.sen  zue  Venedig  vor  st,  Marx  Kirchen. 

Boschüftigen  sich  die  Schriften  wovon  die  Ilede  gewesen  eigentlich 
mit  der  baierisehen  wie  pfälzischen  Geschichte  in  gi-össercn  wie  kleineren 
Zeiträumen,  so  ist  weiter  nicht  zu  üljerseheu,  da-ss  in  manchen  von  ihnen 
aucli  mitunter  einzelnen  geschichtlich  mehr  oder  minder 
wichtigen  oder  W'cuigsteus  interessanten  Fragen  eine  eigene 
Erörterung  gewidmet  ist.  Es  stu  hier  nur  daran  oriuuei't,  wie  Aventin 
in  der  in  Nuin.  60  berührten  Arbeit  das  Aufkommen  der  Kurfürsten  be- 
handelt, oder  wie  Herzog  Johann  II  von  Simmern-Sponheim  in  der  Ein- 
leitung zu  seinem  vorhin  erwähnten  Werke,  beziehungsweise  die  Um- 
arbeitung desselben  in  der  Num.  64  a die  Entstehung  der  Pfalzgrafen- 
wttrde  untersucht. 


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147 


Doch  kehren  wir  wieder  zur  Landesgeschichte  hauptsächlich 
von  Baiern  zwück  ! Hatte  sich  auch  Herzog  Wilhelm  V hinsichtlich 
des  Vollzuges  seines  oben  S.  145  berührten  Auftrages  an  seinen  Günst- 
ling Michael  Arroden  ganz  ausst^rordentlich  getäuscht,  so  schreckte  dieses 
seinen  Sohn  Maximilian  I,  dem  die  Herstellung  eines  grossen  baieri- 
schen  Geschichtswerkes,  wie  allgemein  l>ekaimt  ist,  nicht  minder  am 
Herzen  lag,  keineswegs  ab.  Nur  wendete  er  sich  desshalb  zunächst  an 
Jemand  anderen.  Es  ist  nicht  nöthig,  hier  auf  seine  Bestrebungen  in 
dieser  Beziehung  mit  besonderer  Ausführlichkeit  einzugehen,  nachdem 
College  Friedrich  in  seinem  V'ortrago  zur  Vorfeier  des  1 1 3 Stiftungstages 
unserer  Körperschaft  „über  die  Geschichtschreibimg  unter  dom  Kurfürsten 
Maximilian  f“  am  27  März  1872  sich  hierüber  verbreitet  hat,  und  wir 
selbst  in  der  akademischen  Festschrift  „die  Pflege  der  Geschichte  durch 
die  Wittelsbacher“  S.  40 — 57  sammt  der  Beilage  XI  S.  (55 — 82)  diesen 
Gegenstand  gleichfalls  und  zwar  mit  Benützung  zahlreicher  Aktenstücke 
des  geheimen  Hau.s-  und  Staatsarchives  bis  in  eine  umfassende  Auswahl 
aus  der  oft  beinahe  erdiiickenden  Menge  von  Einzelheiten  verfolgt  haben. 
Mit  aller  Hingebung  war  Marx  Welser  der  Aufgabe  obgelegen  wozu 
er  Busersehen  worden,  und  Baierns  Herrscher  erklärte  sich,  nachdem  am 
1 April  1600  d.'us  vierte  Buch  zum  Aljschlusse  gelangt  war,  und  er  am 
25  September  dieses  Jahres  wieder  eine  Fortsetzung  des  Werkes  mit  dem 
Beifügen  hatte  zuri'ickschliessen  lassen,  dass  er  mit  sonderem  Wohlgefallen 
hievon  Einsicht  genommen  und  unverdrossenes  Weiterarbeiten  wünsche, 
am  17  März  1601  mit  dem  Vorschläge  des  Geschichtschreibers,  der  da- 
mals mit  dem  fünften  Buche  bis  zur  Zeit  Karls  des  Grossen  und  zur 
Absetzung  des  Herzogs  Tassilo  womit  sich  „gloichsamb  ein  periodus  im- 
perij  Bavarici  schlieszet“  beschäftigt  war,  dahin  einverstanden,  dass  die 
Heransgiibe  der  ersten  vier  Bücher  bis  dahin  verschoben  werde.  Hatte 
Welser  hierauf  am  26  Sejitember  unter  Danksagung  für  Uebersendung 
eines  guten  Hirsches  gemeldet,  dass  er  hoffe,  ohne  den  Eintritt  besonderer 
Hemmnis.se  innerhalb  drei  bis  vier  Monaten  mit  diesem  fünften  Buche 
zu  Ende  zu  kommen,  so  erlebte  der  Herzog  gegen  die  Mitte  des  August 
des  folgenden  Jahres*®®)  die  Freude,  den  ersten  Theil  des  baierischen 


250)  Vgl.  Roekiagar  a.  a.  0.  S.  46  mit  der  Note  2. 

Abb.  d.  lll.Cl.  d.  k.  Ak.  d.  Wigs.  XV.  Ud.  111.  Abth.  20 


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M8 

Geschichtswerkos  im  Drucke  vor  sich  liegen  zu  sehen,  welcher  die  be- 
rührten fünf  Bücher  umfasst,  und  mit  Zuschrift  vom  22  dieses  Monats 
versendet  wurde,  beispielsweise  an  den  Erzbischof  Adam  von  Mainz,  an 
den  Herzog  Johann  I von  Zweibrücken  u,  s.  w'. 

Für  die  Fortsetzung  trat  jetzt  das  Bedürfniss  irgend  welcher  Er- 
ledigung der  Frage  der  älteren  Abstammung  des  Wittelsbach’schen  Hauses 
gewaltsam  in  den  Vordergrund.  So  wenig  als  die  Gelehrten  waren  die 
Glieder  der  F'amilie  selbst  hierüber  einig.  Wie  viel  dom  Herzoge  Maxi- 
milian an  einer  wenn  möglich  endgiltigen  Regelung  dieses  Punktes  ge- 
legen gewesen,  geht  ausser  andei’em*®')  aus  zwei  Aktenstücken  vom  19 
und  23  September  hervor.  Es  w'ar  nichts  geringeres  im  Werke,  als  diese 
Frage  zum  Gegenstände  einer  Gonferenz  zu  machen!  In  dem  ersten 
Schreiben  nun  berichtete  Welser  aus  Augsburg,  dass  er  sich  hievon 
nicht  sonderlich  viel  zu  vereprechen  verniöge.  Auff  Ixmohrstehender  zuo- 
samenschickung  wegen  der  bairischen  genealogia  vnd  histori  wirdt  sich 
meines  vndorthenigiston  einfeltigen  bedenkeiis  noch  der  zeit  nitt  wol  vil 
mehr  handlen  laszen  als  das  die  parteyen  zuo  allen  thailen  der  notturfft 
eingenomen,  die  behelff  vnd  documenta  so  zuo  disein  werk  ain  jede  bey 
der  hand  copeilich  reciproce  communiciert.  zuo  ruck  zuo  hausz  gebracht, 
volgendts  mitt  guotter  muosz  rechtem  vleisz  vnd  discretion  examinierte 
werden,  wölches  sich  auff  ainer  taglaistung  — ob  sy  sich  gleich  zinilich 
lang  ei'streken  soltc  — schwerlich  wm-de  verrichten  laszen.  Am  23  Sep- 
tember-'’®) sodann  erbot  sich  Herzog  Johann  1 von  Zweibrücken  aus 
Bergzabern  unter  dem  Ausdrucke  seines  Dankes  für  die  vorhin  erwähnte 
Mittlieilung  des  ersten  Bandes  der  baiorist^hen  Geschichte;  was  wir  zu 
solchem  angefangeneu  nützlichen  werckh  dienlich  zu  sein  bey  vnns  jn 
vnnserer  bibliothec  finden  kömren  da.sselbig  Euer  Liebdeu  hingegen  auf 
doro  begern,  wann  wir  nur  bericht  werden  was  dem  mangelt,  freund- 
lichen zu  communiciren , auch  dem  authori,  da  er  sich  souil  bemühen 
wolte,  sich  E.  L.  vnd  seiner  guten  gelegenheit  nach  dermal  eins  uacher 
Zweybrückh  zu  vnrrs  zu  begeben,  oder  da  E.  L.  sonst  jemant  diser 


Kl)  Ebendort  Biilsg«  XI  Ziff.  15  8.  (64—70). 

252)  Ebendort  Lit.  i S.  (67—69). 

253)  Ebendort  Lit  k S.  (69). 


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149 


Sachen  verstencligen  zu  vnns  abfertigen  wolten,  alles  dasjenige  so  bey 
vnns  deszwogeu  vorhanden  sein  möchte  zu  zeigen  vnnd  mit  ihine  nach 
notturift  daraiisz  zu  conferiren,  damit  solch  werckh,  wie  es  alliereit  an- 
gefangen, vollent  mit  sainbtlichem  zuthun  aller  Interessenten  zu  guten 
vnd  ehren  auch  mit  desto  besserm  gruiidt  zu  gewündschtein  endt  möchte 
gebracht  werden. 

Beruhte  diese  Sache  einstweilen*®*)  noch,  so  trug  Muxiiiiilian,  wie 
seinerzeit  bei  den  gleichfalls  in  lateinischer  Sprache  abgefasston  baieri- 
schen  Annalen  Aventins  der  Fall  gewesen,  auch  für  eine  deutsche  Be- 
arbeitung der  baierischen  Geschichte  Welscrs  durch  dessen 
Bruder  Paul*®®)  Sorge.  Am  f>  November  1604  war  sie  vollendet,  unil 
wurde  am  20  des.selben  Monats  dem  Herzoge  zu  Hunde  gestellt.  Nicht 
lange  damach  muss  der  Druck  begonnen  haben,  denn  am  25  .bini  1605 
ütersendete  der  Bearbeiter  50  Exemplare,  und  am  10  Juli  erfolgte  ihre 
Mittheilung  nach  auswärts. 

Drängte  nach  diesen  Errungenschaften  allmülig  der  gewaltige  Ernst 
der  politischen  Angelegenheiten  wenigstens  zeitweilig  die  Sorge  des  Für- 
sten für  sein  baierisches  Geschichtswerk  in  den  Hintergrund,  so  ging  bei 
diesen  Zeitumständen  auch  die  Arbeit  des  viel  in  Anspruch  genommenen 
StadtpÜegers  von  Augsburg  jetzt  langsamer  von  Statten.  So  nahte  sich 
der  günstige  Zeitpunkt  für  die  Gesellschaft  Jesu.  Da-s  Jahr 
1611  ist  hier  nicht  ohne  Bedeutung.  Im  Juni  desselben  fa.sste  Maximi- 
lian den  Gegenstand  wieder  ernstlich  ins  Auge.  M'ir  wissen  4ms  dom 
vielfach  zerstreuten  Schriftenw'echsel  *®*)  unter  anderem.  da.ss  am  27  dieses 
Monats  dem  baierischen  Geschichtsi'hreiljer  diui  Ansinnen  gestellt  wunle, 
ob  nicht  „Jemant  aus  den  Patribus  Societatis,  als  Pater  Kaderus  oder  ain 
annderer“*  dazu  zu  gebrauchen  sei,  ihm  au  die  Hand  zu  gehen,  jedoch 


2*»4)  Einem  Schreiben  ile*  Herzo);ii  Johann  I von  ZweibrQcken  an  den  Kurfürsten  Friedrich  IV 
Ton  der  Pfalz  vom  28  Mai  beziehunKTweisc  7 Juni  — ebondaswibst  LU.  m S.  (70)  — eiitnehmeD 
wir»  dass  der  lettiere  den  bekannten  pfäliiichen  Gelehrten  Marquard  Freher  zu  ihm  defwhalb  ab^e* 
fertiift.  Weill  aber  — bei«it  e»  dort  — tu  «olchcr  wichen  mehr  zeitt  gehört,  wie  E.  L.  von  jhmo 
weitter  werden  bericht  werden»  seindt  wii  E.  L.  gutachtens  wie  die  zachen  weitter  anztigreUfen 
gewcrtlig. 

2.Vj)  Vgl  a.  a.  0.  S.  4't/47. 

2ö0l  Ich  lasse  hieraiia  eine  Reihe  von  hier  näher  bemerkeoswerthon  Mittheilangen  ln  der  Dei- 
läge  XXVJl  folgen. 

20* 


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ISO 


so  dass  Welser  die  eigentliche  Leitung  behalte  und  das  Werk  selbst 
seinen  Namen  trage.  Es  ist  nicht  7.u  verwundern,  wenn  sich  hiebei 
eigenthüinliche  Gedanken  seiner  wie  anderer  bemächtigen  mochten. 
Beschäftigte  ihn  theilweise  eine  Ueberarbeituug  der  bereits  veröffentlichten 
fünf  Bücher,  so  äu.ssert  er  in  einem  Schreilten  vom  27  des  folgenden 
Monats,  dass  er  das  sechste  Buch,  sobald  es  fertig,  inundiren  lassen 
werde.  Uebrigens  erschien  weder  eine  verbesserte  Auflage  der  ersten 
fünf  Bücher,  noch  eine  Fortsetzung.  In  seinein  Nachhisse  fand  sich  ein 
sechstes  Buch,  welches  an  Gewold  gelangte.  Von  einem  sietienten  ist 
noch  kurz  vor  seinem  Tode  in  einem  Briefe  an  flen  Pater  Kader  die  Hede. 

In  dessen  und  der  Jesuiten  Hände  kam  nunmehr  auch  ohne  Wider- 
spruch die  baierische  Geschichtschreibung,  nur  erlaubte  der  Orden 
nicht  allen,  ihre  Werke  auch  unter  ihrem  Namen  erscheinen 
zu  lassen.  Zunächst  sollte  allerdings  hiebei  auch  Gewold  noch  thätig 
sein.  Allein  er  war  so  sehr  in  ihrem  Lager,  dass  er  von  dem  General 
das  Privileg  erbat  und  erhielt,  aller  im  Orden  zu  erwerbenden  Gnaden 
theilhaftig  zu  werden,  und  von  dem  Rector  des  hiesigen  Collegs,  dem 
alsliald  zu  berührenden  Pater  Johann  Keller,  den  Glückwunsch  hiezu 
mit  den  Worten  empfangen  konnte,  er  freue  sich,  dass  „der  Herr  mer 
als  ein  halber  Jesuitei”“  geworden.  Was  nun  den  Pater  Matthäus  Kader 
anlangt,  fand  auch  seine  Dai-stellung  der  Bavaria  sancta,  beata,  religiosa 
in  drei  Foliobunden  in  den  Jahren  1615,  1624,  1627  Verbreitung  durch 
den  Dryck,  so  war  seiner  baicrischen  Geschichte,  welche  von  den  frü- 
hesten Zeiten  bis  zum  Jahre  1621  reicht,  die.ses  Loos  nicht  beschieden; 
sie  ist  lediglich  auf  der  Hof-  und  Staatsbibliothek,  vom  Jahre  1180  an 
in  den  Codd.  bav.  218 — 221  vollständig,  vom  Anfänge  bis  dahin  aber  nur 
bruchstückweise  im  Cod.  lat  9213,  erhalten.  Pater  Brutschor,  welcher  mit 
dem  Pater  Andreas  Brunner  anfangs  hilfreiche  Hand  bieten  sollte, 
wurde  — weil  er,  dum  nimis  oculatus  esse  stnduit  involvit  negotium 
magis  quam  ex  difficultatibus  eriierit  — vom  Provincial  im  Jahre  1621 
dieser  Aufgabe  wieder  enthoben.  Besser  erging  es  der  Arbeit  Brunner’s, 
welche  als  Annales  virtutis  et  fortunae  Bojormu  in  drei  Bänden  in  kleinem 


257)  Vgl.  beispieUweise  Friedrich  a.  a.  0.  8.  6 and  inabesondere  die  Note  15. 
25S)  Vgl.  Friedrich  a.  a.  0.  S.  7. 


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151 


Okta\'fonnate  in  den  Jahren  1626  bis  1629  erschien,  aber  — was  hiebei 
nicht  übersehen  werden  darf  — nur  bis  zur  Erhel)ung  Ludwigs  des  Baieis 
an  die  Spitze  des  deutschen  Reiches  geführt  ist.  Dagegen  sollte  Kurfüist 
Maximilian  die  Veröffentlichung  einer  vollständigen  baierischen  Geschichte 
bis  in  seine  eigene  Zeit  nicht  erlelien.  Von  Radei-s  Werk  war  die  Rtde. 

Auch  die,  wenigstens  in  der  Behandlung  Ludwigs  des  Baiei's  viel  zahmere 
Geschichte  des  Pater  Johann  Verva ux  gelangte  ti'otz  der  Be- 
mühungen der  cburfüisitlicheii  Wittwe  Maria  Anna  wie  des  Kurfürsten  ' 

Ferdinand  Maria*®*)  erst  in  den  Jahren  1662  und  1663  zur  Herausgabe, 
und  züvar  nicht  unter  dem  Namen  ihres  Verfassers,  sondern  es  musste  der 
baierische  Kanzler  Johann  Adlzreitcr  den  seinen  dafür  hergeben. 

Abgesehen  von  der  schon  früher  berührten  Frage  der  älteren  Ab- 
stammung des  Hauses  Wittelsbach- war  eine  weitere  Klipjie,  und  zwar 
eine  gefährlichere,  für  jeden  Bearbeiter  der  baierischen  Geschichte  m 
jener  Zeit  die  richtige  Würdigung  eines  Herrschers  wie 
Ludwig  der  Bai  er  gewesen.  Lubricum  in  omnem  partem  thema 
heisst  dieser  Gegenstand  in  einer  der  Censmen  der  baierischen  Geschichte 
des  vorhin  erwähnten  Pater  Vervaux.  Maximilian  I selb.st  war  hiebei  in 
hohem  Gratle  interessirt.  Hegte  er  jwrsönlich  eine  ausserordentliche  Ver- 
ehrung gegen  seinen  grossen  Ahnherrn,  wovon  das  prunkvolle  noch  in 
miserer  Mitte  befindliche  Denkmal  über  dessen  Grabstein  öffentliches 
Zeugniss  ablegt,  hatte  er  bereits  im  Jahre  1598  bei  dem  mehrgenannten 
damals  von  ihm  zur  Abfassung  der  baierischen  Geschichte  ausersehenen 
Marx  Welser  sachdienliche  Erkundigungen  eingozogen,  war  er  weiter  über 
die  dort  nicht  so  ganz  und  gar  gleichgiltige  Frage  über  die  Lo8sprc*chung 
von  dem  gi’äulichon  Bannflüche,  welchen  d;i8  Oberhaupt  der  römischen 
Kii-che  gegen  das  Oberhaupt  des  deutschen  Reiches  geschleudert,  glaub- 
haft berichtet,  worüber  er  sich  noch  am  Endo  des  Jahres  1615  oder  am 
Anfänge  von  1616  zu  mehrerer  Sicherheit  liei  dem  Abte  von  Ettal*®') 
schriftlich  zu  vergewissern  suchte,  so  musste  ihn  auf  das  empfindlichste 
verletzen  was  der  ehr-  und  gewissenlose  Dominikanermönch  Abraham 


259)  Ihre  CeneoreD  tbeilt  Friedrich  a.  a.  0.  in  der  Beilage  VIII  8.  H2— 41  mit. 

260)  Tgl.  die  Aktenatücke  in  der  Beilage  XXVlll- 

261)  Vgl.  deaseD  Bencbt  TOm  15  Jauner  1616  in  der  Beilage  XXIX. 


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152  • 


Bzovius  im  14ten  Bande  seiner  Fortsetzung  der  Annales  ecclesiastici  des 
Baronius  geschriel)en,  wenn  inan  anders  für  solehea  Maehwerk  den  Aus- 
druck „sclireiben“  luiwenden  darf.  Was  er  für  die  Ehrenrettung  des 
Kaisers  getlian,  ist  wiederliolt  in  neuester  Zeit  zur  Besprechung  gelangt 
Mein  Aiutsvorgringer  I)r.  v.  Söltl  hat  diesen  Gegenstand  in  populärer  Weise 
als  „einen  historischen  Pressprocess“  nach  Aktenstücken  des  geheimen 
Haus-  und  Staatsarchives  iin  Morgenblatte  zur  baierischon  Zeitung  vom 
11,  12,  14  Juli  1862  Nuin.  173 — 176,  woselbst  aber  höchst  bedeutende 
Kürzungen  der  Kedaction  an  dein  Originahnanuscripte  vorgenominen  sind, 
behandelt.  College  Friedrich  hat  sich  in  seiner  schon  liemhrten  Festrede 
iui  Jahre  1872  wie  in  dem  Nachträge  hiezu  in  dem  Berichte  über  die 
Sitzung  unserer  Classe  vom  3 Jiinnor  1874  S.  48 — 55  mit  Benützung  des 
allgemeinen  Beichsarchives  wie  der  Hof-  und  Staatsbibliothek  hierüber 
verbreitet.  Schon  in  der  ersten  Abtheilung  der  ältei’en  Arbeiten  zur 
baierischen  und  philzischen  Geschichte  ist  bei  Erwähnung  der  Thätigkeit 
des  Christof  Gew  old  S.  33  bemerkt  worden,  dass  er  auch  die  Feder 
zu  den  in  Ingolstadt  im  Jahre  1618  gedruckten  Vindiciae  Ludovici  IV 
imiHiratoris  contra  Alirahami  Bzovii,  Lazii,  Cuspiniani  et  aliorum  historio- 
graphoruni  calumnias  ergriffen.  Sie  können  sich  mit  der  Wucht  des 
Bectors  des  hiesigen  Collegs  Pater  Johann  Keller  in  seinem  „Ludo- 
vicus  imperator  IV  defensus“  auch  nur  entfernt  in  keiner  Weise  messen. 
Allerdings  durfte  diese  Schrift  nicht  unter  dem  Namen  ihres  Verfassers 
erscheinen,  aber  der  Herzog  sorgte  für  ihre  Herausgabe  unter  dem  seines 
Geheimrathes  und  Landschafkskanzlei's  I)r.  Georg  Hörwart  von  Hohenburg 
nicht  allein  durch  Erlas.s  vom  11  März  1618,  sondern  Hess  sie  auch  im 
Jahre  162(1  neuerdings,  und  zwar  im  Formate  und  als  Appendix  des 
19tcn  Bundes  der  berührten  Annalen  des  Baronius  in  München  verviel- 
ililtigen.  Unter  dem  Eindrücke  dieses  Werkes  schrieb  Pater  Kader  seine 
bereits  erwähnte  baierische  Geschichte,  in  der  er  sich  hei  der  Behandlung 
Tjudwigs  des  Baiere  lediglich  seiner  Auffassung  anschliesst,  ja  sogar  noch 
beweist,  dass  die  Excomniunication  den  Kaiser  überhaupt  nicht  gebunden. 
Mehr  konnte  gewiss  Maximilian  nicht  wünschen ! Aber  wie  erwähnt, 
Baders  Werk  durfte  das  Licht  der  Welt  nicht  erblicken.  Es  ist  vorhin 
davon  die  Bede  gewesen,  dass  des  Pater  Brunner  Annales  virtutis  et 
fortimae  Boiorum  nur  bis  zur  Erhebung  Ludwigs  des  Baiers  an  die  Sjiitzc 


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153 


dos  Kaiserreiches  geführt  sind.  Hic  ipse  annus  — iUissort  er  an  ihrem 
Schlüsse  beim  Jahre  1314  — Ludovicum  Caesarem  videbit.  Ad  quod 
nomen  nos  qnidem  assurgimus,  contenti  Poinum  .-Vureum,  Septoinviratus 
insigne,  Uhonibis  Boicis  inseruisse.  Angustalem  Aqnilani  Ludoväco  liberior 
Calamus  asseret  minusque  invidiae  obnoxius.  Ea  nobis  vacationem  dedit 
ardui  lalioris,  uianumquc  sua  sponto  non  cessantem  a Tabula  subinovit. 
Doch  hatte  er  die  Geschichte  dieses  Kaisei’s  noch  in  zwei  Büchern  — 
wie  er  sich  in  einem  Briefe  an  Elisis  Ehiuger  vom  16  Dezember  1636 
austlrückt  — summa  ciira  fideque^®^)  bearbeitet.  Sein  Orden  erlaubte 
wieder  nicht,  dass  sie  unter  seinem  Namen  erscheinen  durfte.  Doch  das 
brachte  den  Geschichtschreiber  nicht  aus  der  Fas-sung.  Lucubrationes 
meiia  — heisst  es  in  jenem  Schreiben  weiter  — clarissimo  viro  N i- 
colao  Burgund  io,  professori  juris  Ingolstadii,  viro  eloquentissimo, 
tradidi:  ille  iis,  uti  volet,  retictis  intorpolatis  reconcinnatisiine  utetur. 

Wie  übrigens  der  Herrscher  Bniern.s  auch  sonst  in  keiner  Weise 
gewillt  gewesen,  seinem  Hause  und  insbesondere  seinem  Ahnherrn  von 
welchem  die  Rede  von  irgend  welcher  Seite  das  mindeste  vergelien  zu 
lassen,  dafür  hier  noch  folgenden  Beitrag.  Als  ihm  eine  Druckschrift 
eines  gewissen  Girolamo  Vecchietti  zu  Händen  gekommen,  die  in  ähn- 
licher Weise  wie  das  Machwerk  des  Bzovius  seinen  Unwillen  erregen 
musste,  säumte  er  nicht  am  Ausgange  des  Monats  August  des  .lahres  1621 
mit  der  Verfügung  -®®)  von  Straubing  aus , denselben  unter  Mittheilung 
eines  E.xemplares  von  des  Pater  Koller  Vertheidigung  Ludwigs  dos  Baiers 
zum  Widerrufe  seiner  Angi’ifte  auffordoni  zu  lassen : so,  doch  dasz  wider- 
spil  hiebeuor  mit  sattem  vnd  stattlichem  gi-und  wider  den  Abrahamum 
Bzovium  — welcher  sich  eben  dergleichen  angemasst  — widerlegt  aus- 
getiehrt  vnnd  zweifls  ohne  jme  Vocchiettj  zu  hannden  kommen. 

W'erfen  wir  nun  zum  Schlüsse  noch  einen  Blick  auf  die  weiteren 
Erzeugnisse  im  Gebiete  der  baierischen  und  pfälzischen  Geschichte  bis 


Ü62)  Schon  am  4 Juli  hatto  er  ihm  in  ähnlicher  Weise  geschrieben:  liWrtate  germanica,  can- 
doreqae  qaem  restis  roeae  color  — credc  mihi  — nihil  obfuacat.  Vgl.  H&berlin's  allgemeine  Welt* 
hiatorie,  neue  Historie  Band  111  in  der  Vorrede. 

Wieder  am  4 JoH  schon  hatte  er  sieb  Torlautcn  lassen  ••  Burgundus  |»rofei'90r  Ingolsta- 
dienai«  edet,  et  caetera  porro  saepius  in  eondem  scopnlam  inenraara  tatus  cljpeo  Boico  publicabit. 

2G4)  Vgl.  die  Beilage  XXX. 


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154 


zur  Mitte  des  vorigen  Jahrhunderts,  so  begegnen  uns  bei  der  crsteren 
zunächst  Darstellungen  in  Lebensbildern  der  einzelnen  Herm-her.  Die 
Excubiae  tutelares  des  Pater  Brunner  aus  dem  Jahre  1637  eröffnen 
da  den  Reigen.  Ihre  Vervollständigung  fanden  sie  durch  die  Anfügung 
der  ersten  baiorischen  Kurfürsten  Maximilian  I und  Ferdinand  Maria  in 
dem  in  kleinem  Oktavformate  im  Jahre  1680  von  der  „Societa-s  Jesu 
per  Bavariam“  herausgegehenen  und  auch  mit  Kupfern  gezierten  Thea- 
trum gloriao  et  virtutis  boicae,  scu  duces  Bavariae  u.  s.  w.  Der 
Bruchstücke  eines  Entwurfes  von  Lebensbildern  baierischer  IIoiTscher  von 
Otto  IV  von  Wittelsbacli  bis  zum  Kaiser  Ludwig  dem  Baier  von  Franz 
Jo8oj)h  Freiherrn  v.  Unertl  ist  in  Num.  99  Erwähnung  geschehen. 
Prächtig  ausgestattet  ist  sodann  wieder  die  — wie  es  scheint,  in  theil- 
weise  abweichender  Gestalt  zu  München  wie  zu  Stadtamhof  ohne  be- 
sondere Erwähnung  der  nrdensai)prol)ation  eiwchienene  — ab  universa 
societatis  Jesu  jier  sujwriorem  Germaniam  provincia  bei  Gelegenlieit  der 
Rückkehr  des  Kurfürsten  Maximilian  Emanuel  in  sein  Erbland  im  Jahre 
1715  in  Grossfolioformat  gewidmete  Fortitudo  leonina  in  utraque 
fortuna  Maximiliani  Emanuelis  Electoris,  secundum  heroica 
Majorimi  suorum  exem|>la  herculeis  laboribus  rei)racsentata,  mit  zahl- 
reichen bildlichen  Dai-stellungen  in  Ku))fei'stich.  Es  ist  hiebei  nicht  ohne 
Interesse,  zu  l)eobachton  wie  da  wieder  von  Ludwig  dem  Baier  die  Rede 
ist,  insbesondere  wie  der  Verfasser  ihn  gegen  den  V'orwurf  der  Ketzerei 
und  dergl.  in  Schutz  nimmt  Ne  vero  quis  verborum  meorum  interpres 
malus  romauam  cathedram  fideique  magistram  veritatem  hic  existiinet 
sugillari,  is  non  ab  orthodoxa  — quae  errare  non  jmtest  — ecclesia, 
sed  a ]>rivata  jiontificis,  aut  seijuiore  affectu  abrepti  aut  sinistris  docu- 
mentis  imbuti,  persona  qnidquid  in  Ludovicum  acerbe  agebatur  pro- 
fectum  esse  intelligat.  Pontificia  sane  authoritas  nihil  habet  quoil  inde 
detrimenti  patiatur.  Errare  o cathedra  ]>ontifex  non  potest:  e sensu  suo 
labi,  irasci,  conimoveri  etiam  in  immeritos  potest.  Quin  eadem  romana 
sedes  nostrae  causae  et  I..udovici  laudibus  in  suis  successoribus  clare 
aperteque  subscripsit.  Appello  hic.  ut  abunde  fiat  ignorantibus.  ajqxdlo 
praeter  Benedicti  XII  ornculum,  viva  voce  de  Ludovico  adhuc  vivente 
datum,  tot  alios  pontifices  maxiiuos  subsequentes,  qui  publicis  testimoniis 
Ludovicum  Catholicum  nomiuarunt  et  laudarunt,  testes  utique  et  hi  idonei 


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et  sine  exceptione  majores.  ütinam  siiigulonnn  oracula  verlx»  tenus  luic 
addueere  j)raefixi  liniitis  ratio  jiermitteret ! Compendiiim  dat)o,  sine  causau 
tarnen  disiwndio.  Die  ergo,  Lndovicoinaatix,  an  nugivendi  tibi  sunt 
Alexander  V,  Eugenius  IV,  Innocentius  VIII,  Alexander  VI,  Urbunus  V, 
Ui'banus  VI,  Bonifacius  IX,  Nicolaus  V,  Callistus  III,  superi ! Quanta 
nomina,  quibiis  sanetius  in  terris  nihil,  nihil  verius,  nihil  testatins  in 
hunmnis  habere  )iossuimis:  et  vos  lividi  scriptoruui  dentes,  quoci  haec 
suprenia  orbis  catholiei  et  ecelesiae  capita  de  Luilovieo  Catholieo  asse- 
vorant  verbo  et  scri])to,  qua  fronte  audetis  iiificiari?  An  vos  soli,  non 
ins]>eetis  )iontificuin  liorum  diploniatis,  inspexisti.s  nrcanain  Dei  dijihterain, 
ut  Ludovicmn  haeivticae  nientis  et  vitae  et  mortis  fuisse  ibi  legatis 
livido  ocuh),  leetuin  orbi  roniaiio  tain  asseveranter  publii’etis.  publicatuni 
orco  tain  iiijui'iose  transeribatisV  Negare  audes,  calinnniatrix  invidia, 
quod  integra  etiain  synodus  Basileonsis  t<>statuni  rtdiipiit  ? (juod  episcopi 
item  Augustani  Ulricus  Henricus  Marqnardus;  quod  divi  Im)>eratores 
Sigisimindus  Kridericus  Maximilianus;  quod  lleges  potentissimi  Valesius 
Ualliao,  Kduardus  Angliae;  quod  Principos  Ferdinandus  Infans  Hispaniae, 
Maximilianus  Dux  Austriae ; quin  quod  ut  ipsi  sacri  romani  Im]>erii 
Electores  — Trevesrensis,  Moguntimis,  Hnhemas,  Biandenburgicus,  Saxo  — 
in  solemni  et  autlientico  Elet'tionis  Decreto  dudum  agnoverunt,  obsig- 
narunt?  0 denientiam  inereilibilcm ! O enormem  eriminandi  licentiam! 
Hi  summi  Electores  Imperii  cum  enuuieratis  supra  orbis  c^atholici  Prin- 
ci])ibus  <pia  sacris  (pia  profauis  Ludovicum  virum  vocunt  Catholicum: 
vos  llaeroticum  V Uli  orthodoxae  Kilei  fervidum  y.elatorem  (verbis  gra- 
vissimis  horum  Princi|>um  loqiior):  vos  i>or  inauditam  caluinuiam  vocatis 
schismaticum ? Illi  ecelesiae  sanctae  Dei  et  ministroruin  lyus  et  jiacis 
sanctae  devotum  et  humilem  nmatorem : vos  tiirbaruni  in  ecclesia  et 
Imperio  aiithorein  ? Uli  in  judicio  justmn,  in  consiliis  providum,  in  uni- 
versa  uiurum  honestate  praeclarum,  benigniim,  atfabilem,  mansuetum  in- 
signi  jiraeconio  dixerunt : vos  Ludovicum  horrenda  historiae  metamor- 
phosi  facitis  injustum,  scelemtum,  verbo  furentem  tyranmnp ! Parcius 
ista  de  Catholieo  lmj)eratore ! Cum  de  Deciis,  de  Diocletianis  inciderit 
serino,  utamini  hujusmodi  verbis,  utamini  hac  piperata  loc^ueutia  aut 
potius  maledicentia.  Equiduni  non  in  eo  sum  ut  sacram  Ludovico  inno- 
centi  statuam  apotheosin,  ut  nihil  admoduni  ex  naturae  humanae  inibe- 
Abh.  d.  III.  CI.  d.  k.  Ak.  d.  WU».  XV.  lid.  III.  Abth.  dl 


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156 


cillitate  peccasse  inter  Imperii  sui  iiitricatissiini  curas  defendam:  sed  hoc 
ultro  dabo,  nec  piulet  fateri,  qiioniain  laudis  est,  non  infainiae,  agnovisse 
nimirum  liunc  Caesarcni  citra  palj)um,  citra  fucum  alios  suae  vitae 
errores,  qiiando<iuidem  nihil  huinani  a se  alienum  putavit:  Haeresis  tarnen 
inaculain,  ajo,  alienissimaui  a se  habuiase.  ut  nihil  inajore  studio,  niajore 
odio,  prout  pur  erat,  sit  tota  vita  detestatus.  Interim  non  nescio,  vel  ipsi 
Sereniasimo  soli  suas  esse  maculas,  quas  mali  tiunen  oculi  niinium  quan- 
tum  augent,  easque  solas  notant,  non  attenta  lucis  caeterae  et  exuba- 
rantis  luajestate.  Id  nunc  contendo  et  quaero  abs  te,  Imperatorii  noiuinis 
et  honoris  mastix,  quid  maxiiue  potuerit  mo%'ere  hos  tantos  testes  quos 
adduxi  ex  sacra  et  profana  curia  tanquani  supremos  advocatos,  nt  no- 
strum  Augustisaimuiu  taiu  honorificis  titulis  et  praepriinis  Catholici  ap- 
pellatione  honestarint,  etiam  durante  nec  revocata  unquani  diri  fulminis 
sententia?  Dicain  ego  alioruin  loco,  quoniam  pudet  Ludovico- mastiges, 
dicam  non  meo  sed  Principum  u.  s.  w. 

Sieht  man  von  solcher  Behandlung  der  Geschichte  von  Baiem  in 
Biographien  seiner  Herrscher  ab,  so  ist  bekannt,  dass  die  Annales  boicae 
gentis  des  Pater  Vorvaux,  nachdem  es  nicht  gelungen,  sie  unter  seinem 
Namen  erscheinen  zu  lassen,  unter  dom  des  baierischen  Kanzlers  Johann 
Adlzreiter  auf  Veranlassung  des  Kurfürsten  Ferdinand  Maria  veröffent- 
licht wurden.  Im  Aufträge  seiner  Gemahlin  Henriette  Adelheid  verfasste 
Thomas  Blank  in  französischer  Sprache  eine  Geschichte  von  Baiern, 
deren  ursjirünglicher  Anfang  in  Num.  85  besprochen  worden.  Hatte  so- 
dann auch  das  Glück  und  Unglück  des  Sohnes  und  Nachfolgers  Maxi- 
milian Emanuel  den  Namen  Baicrns  W'cit  über  seine  Gränzen  hinaus 
verbreitet,  so  ist  nicht  zu  verwuindem,  diiss  dieser  Zeitraum  auch  seine 
Geschichtschreiber  gefunden.  Als  Einleitung  hiezu  haben  wir  in  Num.  86 
zwei  Arbeiten  seines  Obersten  und  „Historischreibers“  Johann  Franz 
Diani  kennen  gelernt,  während  massenhafter  Stoff,  den  er  für  die  Ge- 
schichte des  Kurfürsten  Maximilian  Emanuel  selbst  gesammelt,  in  Num.  36 
erwähnt  wurde,  und  in  Num.  37  des  Inhaltsverzeichnisses  des  in  vier 
Theile  gegliederten  Werkes  „Vita  et  gesta  Maximiliani  Emanuelis  electoris 
Bavariae“  von  1662 — 1726  von  dem  Cabinetssecrotäre  Franz  Xaver 
Ignaz  von  Wilhelm  gedacht  worden  ist. 

265)  Es  mag  hier  auch  aaf  die  Beilage  XIV  Terwieeen  sein. 


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157 


Was  die  Pfalz  anlangt,  ist  eine  Vorarbeit  des  Karl  Ludwig 
Tolner  für  seine  bekannte  Historia  Palatina  in  Xuui.  89  eingeführt 
worden.  Uat  sodann  durch  die  Verbindung  in  welche  seinerzeit  ein  be- 
trächtlicher Theil  der  Grafschaft  Sponheim  und  die  Herrschaft  Rap- 
poltstein mit  dem  pfälzischen  Hause  der  Wittelsbacher  gelangt  ist 
deren  Geschichte  Bearbeitungen  durch  Johann  Jakob  Luck,  Fried- 
rich Albrecht  Steinheil,  Johann  Baptist  Patrick,  Christof 
Jakob  Krem  er  gefunden,  deren  in  Num.  103  wie  nachher  in  den 
Beilagen  XXII — XXV'  Erwähnung  geschieht,  so  ist  in  Num.  90  auch 
von  einem  Abrisse  der  allgemeinen  und  deutschen  wie  insbesondere  der 
gesannnten  pfälzischen  Geschichte  bis  in  das  erste  Viertel 
des  vorigen  Jahrhunderts  die  Rede  gewesen. 

Welche  Zahl  von  den  Arbeiten  die  nunmehr  vorgeführt  worden 
unmittelbar  oder  mittelbar  den  Fürsten  aus  dem  Hause  der  Wittelsbacher 
ihr  Entstehen  verdankt,  ist  ohne  besondere  Schwierigkeit  der  Auseinander- 
setzung zu  entnehmen  welche  diese  Zeilen  sich  zum  Gegenstände  gewählt 
haben.  Wie  viele  von  di(»en  Arbeiten  sich  aus  den  alten  baieri- 
schen  und  pfälzischen  A rc hi vbos fänden  in  das  geheime 
Haus-  und  Staatsarchiv  fortverpflanzt  haben,  ergibt  ein  Blick 
in  die  V'erzeichnung  welche  in  den  drei  Abtheilungen  der  älteren  Ar- 
beiten zur  baierischen  imd  pfälzischen  Geschichte  vorliegt,  deren  Haupt- 
inhalt ein  Namen-  und  Sachen-Renner  am  Schlüsse  in  alphabetischer  Ueber- 
sicht  kurz  zu  vergegenwärtigen  strebt.  V'on  ihnen  weiteren  Kreisen  Kunde 
zugohcn  zu  lassen,  war  ja  eben  auch  mit  die  Absicht  bei  der  Wahl  dieser 
drei  V'orträge;  und  zwar  das  um  so  mehr,  je  emsiger  man  schon  seit 
längerer  Zeit  sich  überall  im  Lande  angeschickt  hat,  in  Dankbarkeit  der 
V'erdienste  zu  gedenken  welche  jenes  erlauchte  Herrscherhaus  seit  sieben 
Jahrhunderten  sich  um  die  mannigfaltigsten  Zweige  des  Wohles  der  Ange- 
hörigen seiner  Staaten  erworben.  Bietet  nun  für  die  Bestimmung  des  Ge- 
fühles der  Dankbarkeit  doch  gewiss  nicht  der  Zufall  des  grösseren  oder 
geringeren  Werthes  eines  Geschenkes  den  richtigen  Massstab,  so  muss  als 
Ausdruck  derselben  immerhin  auch  eine  kleine  Gabe  erscheinen  dürfen, 
denn  nicht  jeder  ist  in  der  Lage,  gleich  mit  einer  bedeutenderen  Leistung 
sich  beim  Opferaltare  einzufinden.  Wenn  nun  oben  S.  140/141  bereits  an- 
gedeutet worden,  wie  bei  der  Feier  wovon  die  Rede  einem  Pfleger  der 

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vaterländischen  Geschichte  sicher  die  Berechtigung  nicht  versagt  sein 
kann,  in  freudiger  Anerkennung  dessen  eingetlenk  zu  sein  was  die  baie- 
rischen  wie  pfälzischen  Sprossen  des  Hauses  Wittelsbach  eben  für  die 
Geschichte  seiner  Heimat  im  weitesten  Sinne  gethan,  so  liegt  es  wohl 
nicht  minder  nahe,  dass  auch  die  beiden  Archive,  welche  die 
seit  einer  langen  Folge  nicht  blos  von  Jahrzehnten  son- 
dern von  Jahrhunderten  ererbten  Denkmäler  früherer 
Zeiten  in  treuer  Pflichtübung  beherbergen,  darunter  eine 
Heihe  von  Schriften  älterer  Archivare  selbst,  von  Augustin 
Kölner  und  Krasmus  Fend  angefangen  über  Michael  Arroden  und  Christof 
Gewold  bis  auf  Johann  Adlzreiter  und  Johann  Sebastian  Wämpl  wie  den 
F’reiherrn  Franz  Joseph  v.  Unertl,  von  der  Tlieilnahme  an  jener  Erin- 
nerung nicht  ausgeschlossen  sein  möchten.  Ist  es  ihnen  allerdings  auch 
nicht  beschialen,  hiebei  mit  einer  besonderen  Gabe  in  ftsstlichem  Ge- 
wände zu  prangen,  sondern  müssen  sie  sich  begnügen,  in  der  letzten 
Sitzung  unserer  Classe  vor  der  Jubiläumsfeier  selbst  nur  den  schlichten 
archival ischen  Beitrag  zur  Literatur  der  baierischen  und 
pfälzischen  Geschichte  mit  Beiseitelassung  von  allem  und  jedem 
äusseren  Schmuck  zum  Abschlüsse  zu  bringen,  so  ist  trotzdem  wohl  der 
lloft'nung  Itaum  gelassen,  dass  in  Itücksiclit  auf  den  Inhalt  von  der  F’onn 
Umgang  genommen  werde,  und  dass  man  die  hier  gelmtene  erstmalige 
Zusammenstellung  von  älteren  Arbeiten  zur  baierischen 
und  pfälzischen  Geschichte  in  ihnen  nicht  unwillkommen 
heissen  möge. 

So  sei  ihnen  denn,  indem  ihre  Verwerthung  zum  F’rommen  der 
Haus-  wie  Staatsgeschichte  den  weitesten  Kreisen  empfohlen  sein  mag, 
nunmehr  das  entsclmldigende  Geständniss  Begleiter  auf  ihre  Bahn;  et 
voluisse  sat  est ! 


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Beilagen. 


I.  Zu  Seite  104. 

Des  Johann  Jakob  Pilgel 

C'ognatio  Serenissimae  cunjugis  Sereniaaimi  Electoris  Barariae,  genitae  D.D.  Sabandiae, 
eiiifique  Domini  fratris  Serenissimi  Ducis  Sabandiae, 

in  einem  in  farbige.s  (jlanr.papier  steif  brocbirteu  Koliobündcben  im  geheimen  Staats- 
archive, anf  dessen  letztem  nraprflnglich  nicht  beschriebenen  Blatte  l>emerkt  ist : 
Snbjectissime  et  hnmilime  otfert  Job.  Jacobus  Pilgel,  Nobilis  Palat.  Seren.  El.  Ba- 
variae  Consiliarius  et  Praefectns  in  VVetterfeld.  Sollte  er  nicht  — vgl.  oben  die 
Nuni.  15  — der  Verfasser  sein,  so  ist  er  ohne  Zweifel  der  Schreiber.  Wohl  aber 
nird  ersteres  der  Fall  sein. 

Das  Ganze  ist  in  der  Weise  gehalten  wie  die  eben  berührte  Arbeit  in  Nnm.  15, 
nur  ila-ss  nach  der  Darstellnng  der  Verwandtschaft  der  Gruppe  X cnm  Priiicipibus 
Regni  Poloniae  als  XI  die  cnm  Principibus  Transsylvaniae  eingeschaltet  ist,  nnd  in 
Folge  dessen  die  dortigen  Nninern  XI  bis  XIII  einschliesslich  je  nm  eine  Einheit 
mehr  erhalten,  also  : 

XII  cnm  Magnis  Dncibns  Moscoviae, 

XIII  cnm  Imperatore  Tnrcico, 

XIV  cum  regibus  Persiae. 


II  Zu  Seit«  104. 

De«  Licenciateu  Friedrich  Albrecht  Steinheil 
genealogischer  Schauplatz  desz  dnrchlanchtigsteu  Pfaltzischen  Hauses  von  Bircken- 
feld,  worinnen  des  durcblancbtigsten  Erb-Printzens  Christiani  desz  Jüngern  1024 
Ahnen  aufl’  32  Tabellen  vorgestellet,  und  nebst  diesem  Deroselben  hohe  Anverwandt- 
scbafften  mit  denen  fürnehmsten  Potentaten  nnd  Fürsten  in  Europa  gezeiget  werden. 

Diese  zur  Feier  des  achten  Geburtstage«  des  erwähnten  jungen  Fürsten  am 
6/lfi  September  1730  bestimmte  Zusammenstellnng  in  Grossfolioformat  in  Pappen- 


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deckelhand  mit  farbigem  Papierfiberzuge  im  geheimen  Hausarehire  gibt  nach  der 
Widmung  auf  der  Vorderseite  des  ersten  Blattes  zunächst  gewissermassen  als  ge- 
drängte Debersicht  eine  von  links  nach  rechts  hinfiberstelgende  und  eilende  Dar- 
stellung der  Abstammung  des  Erbprinzen  von  Pfalz  wie  Nassau  einerseits  bis  znm 
Pfalzgrafeu  und  Herzoge  Wolfgang  summt  seiner  Gemahlin  Anna  von  Hessen  und 
andrerseits  bis  zum  Grafen  Ludwig  Eberhard  von  Hohenlohe  mit  seiner  Gemahlin 
Dorothea  von  Erbach  zurück,  unter  Beifügung  der  Numern  der  jetzt  auf  je  einer 
besonderen  Seife  folgenden  .,32  Tabellen  desz  durchleuchtigsten  Erb  - Printzen  von 
Pfaltz-Birckenfeld  1024  Ahnen  vorstellend“. 

Daran  reihen  sich  sodann  die  „Anverwandtschafften  desz  durchleuchtigsten  Erb- 
Printzeu  von  Pfaltze-Birckenfeld  mit  denen  fürnehmsten  Potentaten  und  Fürsten  in 
Europa“  in  70  besonderen  Abschnitten  von  den  römischen  kaiserlichen  Majestäten 
angefangen  bis  zu  seiner  hochfürstlichen  Durchlaucht  von  Kurland  herab. 


III.  Zu  Seite  106. 

Des  Franz  Joseph  Freiherrn  v.  ünertl 
Exegesis  genealogica  all  ieniger  Frauen,  welche  aus  dem  letzt  regierendt  durch- 
lencbtigsten  Haus  von  Oesterreich  in  andere  hoche  Heuser  verehlichet  worden,  von 
denen  heint  zu  tag  eine  eheleihliche  Descendenz  verhandten,  vmb  zu  wissen  welche 
etwan  einen  Regresz  - Spruch  in  cosum  de6cientis  Lineae  masculiuae  Austriacae  auf 
selbe  Laude  vud  in  wie  weith  zu  stellen  haben  mechten, 

vom  II  November  1732.  in  zwei  Exemplaren  in  Polio  im  geheimen  Staatsarchive, 
wovon  das  eine  aus  9 für  sich  gehefteten  Lagen  von  zusammen  216  .Seiten  besteht, 
das  andere  in  steifes  weisses  Papier  brochiert  186  ursprünglich  gezählte  Seiten  nra- 
fasat,  wozu  noch  ein  Anhang  von  zwei  Seiten  und  — wie  beim  ersten  — ein  alpha- 
betisches Verzeichniss  der  Generationen  auf  3 Blättern  kommt.  Dieses  Exemplar  hat 
an  verschiedenen  Stellen  eigenhändige  Verbeasterungen  des  Verfassers. 

Er  brachte  diese  Arbeit  dem  Kurfürsten  Karl  Albrecht  „ex  aedibus  den  23ten 
Novembris  1732“  in  Vorlage,  und  zwar  in  der  zuletzt  berührten  Ausfertigung  Das 
Werkh  — änssert  er  in  dem  Begleitberichte  — ist  an  sich  selbst  nicht  so  künstlich 
als  vnsaglich  soicbergstalten  mnehesamb  da.sz  dergleichen  mir  [mein]  lebtag  nit  zu 
handten  gestandten,  auch  nit  glaube  dasz  dermahlen  derley  in  der  weit  sein  möge. 
Die  gleich  aller  anfangs  vorgetragene  Snccessiones  lineales  Austriacae  et  collateralea 
constitunnt  factum  seu  esse.  Damit  aber  Euer  Churf.  Durchl.  sich  schnell  in  die 
Cognition  des  ganz.en  werkhes  sezen  mögen,  dienet  der  a fol.  124  his  ans  endte 
zusam  gezohene  Begriff. 

Der  Anfang  lautet:  Demnach  die  ganze  sach  mit  denen  Regresz-sprnchen, 


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161 


welche  deoen  durch  henrath  aus  dem  durchleuchl:i|;isten  Haus  von  Oesterreich  aus 
in  andere  hoche  Königliche,  Chur-  vnd  fürstliche  Heuser  eingegangenen  Frauen 
Döchtereu  vnd  deren  Descendenz  gebühren  oder  zuestehen  niechten,  ad  Jura  tertiorum 
aukomet.  vnd  danen  hcro  man  dis  orths  u.  s.  w. 

Der  Schluss;  Aus  allen  von  dem  Hans  von  Oesterreich  aus  \-nd  in  andere 
Familien  getrettenen  Frauen  Döchtercn  Eiv.-herzoginen  aber  solle  wohl  Maria,  Ge- 
mahlin Herzogen  Wilhelmbs  von  Cleuen,  in  ordine  Jurium  ad  Regnuni  Bohemiae  et 
Hungariae  die  meiste  zu  beobachten,  vnd  eben  daruraben  mit  dem  Chur-I’falzischen 
Ministerio  die  sach  behuetaamist  zu  tractieren  sein : allerdings  zweitflend , ob  — 
weillen  sich  Brandenburg  vor  dem  Chur  - Pfälzischen  Haus  in  Besüz  der  Erbschafft 
gesezet  — daselbst  man  ermelter  Mariae  Erz-herzogin  heyraths- Pacta  bcu  dem  be- 
kandter  messen  zimblich  verzohenen  Archiv  zu  handen  haben  werde.  Salvo  omninm 
in  re  iiiformatorum  et  melius  seutieiitinm  judicio. 

Hieran  schliesst  sich  im  zweiten  Exemplare  noch  der  bereits  berührte  Anhang: 
Es  mag  endlichen  gar  wohl  vnd  nit  zu  verwerffeu  sein,  das  — weillen  der  an 
Herzogen  Alberecht  aus  Bayrn  angeehlichteu  eiteren  Kaysers  Ferdinand!  I Frauen 
Dochter,  wan  heu  dem  Haus  von  Oesterreich  die  Succession  zu  Düchtereu  körnen 
solte,  die  Erbfolge  nit  allein  in  die  Oesterreichische  Laude  vnd  das  Königreich  Vngam 
.sondern  ganz  abgesondert  in  das  Königreich  Böhamb  so  specifice  vnd  deittlichen 
zuegestanden  worden  — man  sich  damahlen  von  der  an  Cleuen  verehlichten  3ten 
Frauen  Dochter  gleichen  zuespruch  zu  liberiren  gedacht,  vnd  jhr  darumben  u.  s.  w. 


IT.  Zn  Seite  113. 

Des  Anton  Stegbuecher 

Wittelsbach’sche  Stammtafel  vom  ersten  Herzoge  Otto  bis  zum  Kurfürsten  Maxi- 
milian III  Joseph, 

auf  einem  grossen  und  zwei  kleineren  an  einander  geklebten  Stücken  Pergament  in 
der  Höhe  von  1,‘J2  Met.  und  der  Breite  von  0,68  Met.  unter  einer  Glasscheibe  in 
schön  geschnitzter  vergoldeter  Holzrahme  unter  der  Kurfttrstenkrone  in  der  Mitte, 
im  geheimen  Hausarchive. 

Sie  ist  mit  der  Feder  schwarz  gezeichnet,  in  einer  das  Ganze  umziehenden 
Randeinfassung,  Ober  welche  sich  oben  in  der  Mitte  das  baierisch-pfälzischc  Wappen 
in  den  Ordensinsignien  erhebt,  und  um  welches  rechts  und  links  in  einem  Bande  in 
dnnkelrother  Schrift  der  Titel  steht;  Tabvla  genealogica  sereniss.  Boiariae  Dvcum 
ac  Electorvm  ab  Ottone  Magno  Principe  Wittelspachio  ad  nostra  vsque  tempora 
feliciter  propagata  anno  milesimo  septingentesimo  qvadragesimo  septimo  ezaote  con- 
scripta  et  delineata. 


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162 


In  der  Mitte  des  (ianr.en  wächst  aus  einer  weiten  Fläche,  deren  rechte  Seite 
die  Hauptstadt  München  abgränzt,  während  links  eine  Anspielung  auf  die  Burg 
Wittelsbach  abschliesst.  ein  gewaltiger  Lorberbaum,  hinter  welchem  reiche  Trophäen 
den  Mittelpunkt  fllllen.  Unten  am  Stamme  ist  das  Bildniss  des  ersten  Herzogs  Otto 
Ton  Wittelsbach  in  Medaillouform  angebracht,  von  Lorbertweigen  eingefasst  die 
unteu  durch  eine  Bandscbleife  zusamniengchalten  sind.  Darflljcr  weg  Terbreitcn  sich 
nach  beiden  Seiten  die  Aeste,  welche  in  besouderen  Vierecken  die  Namen  der 
Sprossen  des  Geschlechtes  meist  mit  den  Geburts-  und  Todesjahren  wie  den  .\n- 
gaben  der  Gatten  aufiÜhreu. 

Die  unteren  Theile  entstammen  nach  der  Widmung  des  .\uton  Stegbuecher 
dem  Jahre  1713,  während  der  Best  bis  znm  Jahre  17t2  nachträglich  angepasst 
worden. 


V.  Zu  Seite  lU, 

Des  Kaspar  Scioppius 

de  dignitate  ducum  Bauariae,  Hetruriae,  8al>audiae,  et  Mantuae  politica  et  bisiorica 

disputatio. 

Sie  füllt  7 in  einander  geheftete  Bogen  in  Folio  im  geheimen  StaatsarchiTe, 
wovon  das  erste  gewisserinassen  Uni.*ehlagsblatt  leer  i.st,  auf  der  Rückseite  des  letzten 
Blattes  sich  von  einer  äus-serst  flüchtigen  Hand  die  Archivverzeichunng  findet:  Dis- 
cursus  bUtoricus  de  dignitate  et  titulis  ducum  Bauariae.  Hetruriae,  Sahaudiae,  et 
Mautnae,  Caspari  Schoppij,  über  welchen  H.  Kowallek  in  den  Forschungen  zur 
deut.sclieu  Geschichte  XI  .S.  403 — 482  beigezogen  sein  mag,  exhibitus  serenissimo 
Electori  Bauariae  8 novembris  1630  Katisbonae. 

Das  erste  Blatt  des  Textes  und  die  Vorderseite  des  zweiten  wie  die  erste  Beite 
des  .secb.sten  und  sieben  Zeilen  von  de.ssen  zweiter  sind  von  der  gleichen  zierlichen 
nnd  gedrängten  Schrift,  alles  übrige  stammt  von  einer  anderen  Hand. 

Es  handelt  sich  hielmi  um  die  Auseinandersetzung  zur  Berechtigung,  den 
,,Berenitatis  et  Cclsitudinis  titulus“  zu  führen.  Wa.s  hiebei  Baieru  betrifft,  wird  die 
Genealogie  seiner  Herrscher  von  Karls  des  Grossen  Sohne  Pipin  von  Italien  in 
28  Ziffern  bis  auf  „Maxiniiliauas  .Magnanimus  diix  Bauariae  et  Bohemiae  domitor*’ 
eingeschaltet,  bei  welchem  .sich  die  Bemerkung  tindet;  uiuit  anuura  aetatis  47,  so 
dass  die  Abfassung  der  Schrift  in  das  Jahr  1620  fallen  würde,  «ozu  auch  die  Ver- 
weisung auf  die  „Genealngia  Bauariae  ducum  a Christophoro  Genuoldo  optimo 
doctiasimot|ue  viro  Augu.stae  hoc  ipso  anno  edila“  pa-sst. 

Ala  Anhang  sind  Auszüge  von  Kapiteln  ans  mehr  oder  weniger  einschlagenden 
Titeln  des  spanischen  Gesetzbuches  wie  von  Stellen  ans  dem  zweiten  Buche  des 
,Liceuciado  Oastillo  Bouadilla  del  Consejo  del  Rey  Felipe  3 de  la  Politica“  beigefngt. 


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TI.  Zu  Nette  114. 

Des  Dominik  Franu  Caliu 

Stammtaiel  iler  baieri.schen  Herrscher  von  dem  ersten  Herzoge  Otto  von  Wittelsbach 

bis  zum  .Tahre  1662, 

auf  zwei  Stücken  Pergament  in  der  Höhe  von  1,27  Met.  und  der  Breite  von  0.7.Ö  Met. 
mit  der  Feder  schwarz  und  in  Goldschrift  gefertigt,  dem  baierischcn  Herzoge  und 
Freisinger  Bischöfe  .41bert  Sigismund  im  Jahre  1662  gewidmet,  auf  Bretter  ge/.ogeu, 
in  einer  breiten  Holzrahme  mit  Vergoldung,  im  geheimen  Hau»archive. 

Die  Stammtafel  selbst  umschliesat  rings  eine  S*'s  (’entimet  breite  Einfassung 
von  Laubwerk  in  schwarzer  Feilerzeichnung  zwischen  Goldlinien,  welcher  in  gewi.ssen 
Zwischenräumen  ovale  Rundlingen  für  .Aufzeichnungen  über  die  regierenden  Glieder 
des  Fürstenhauses  enthält,  ausserdem  oben  in  der  Mitte  das  baierisch  - pfälzische 
Wappen  zeigt,  und  unten  gleichfalls  in  der  .Mitte  in  einem  grösseren  Raume  die 
Widmung  enthält;  Reverendissimo  et  serenissimo  Principi  ac  Domino  Domino  .Al- 
berto Sigismvndo,  episcopo  Prisingensi,  vfr.  Bavariae  et  sup  Pal.  Drei,  Com.  Pal. 
Kh.  Landtgr.  Leichtnbergae,  hanc  Boicae  stirpis  genesim  hnmil.  ded.  Dominions 
Francis.  Cnlin  de  s.  Cruce  ex  comita.  Goriciac.  MDCLXII. 

Die  Darstellung  des  .Stammbaumes,  der  hinter  dieser  Widmung  von  Trophäen 
umgeben  herauswächst,  ist  die  dass  an  seinem  Fosse  zunächst  der  Schild  des  Her- 
zogs Otto  von  VVittelsbach  entgegentritt,  um  welchen  links  nud  rechts  seine  Töchter 
Mechthilde,  Gemahlin  des  baierischcn  Pfalzgrafen  Rapoto  von  Ortenburg,  und  Sophia, 
Gemahlin  des  Landgrafen  Hermann  von  Thüringen,  angebracht  sind,  während  von 
diesem  Stammvater  weg  seine  nach  beiden  Seiten  sich  verbreitenden  Lorberzweige 
wieder  in  schwarzen  Kreisen  in  stehenden  Goldbuchstaben  die  einzelnen  Sprossen  bis 
auf  den  Kurfürsten  Ferdinand  Maria  beziehungsweise  bis  zu  dem  berührten  Jahre 
einachliessen , meist  mit  Beifügung  der  Gebnrts-  und  Todesjahre  wie  mit  Angaben 
über  die  Gatten. 

In  den  vorhin  erwähnten  Rundungen  im  Rande  sodann,  die  bis  auf  je  zwei 
in  der  oberen  wie  unteren  Einfassung  mit  den  Herzogs-  beziehungsweise  KurfUrsten- 
kronen  filierdeckt  sind,  liudeu  sich  wieder  in  Goldschrift  Nachriehteu  zu  Otto  I, 
Ludwig  I,  Otto  II,  Ludwig  dem  Strengen,  Kaiser  Ludwig  dem  Baier,  u.  s.  w,  bis 
anf  den  Kurfürsten  Maximilian  1. 

Die  Mittheilung  in  Aettenkhovers  knrzgefasster  Geschichte  der  Herzoge  von 
Baiern  u.  s.  w.  S.  ,3,  dass  Herzog  Albert  Nigismuud  diesen  Stammbaum  verfasst  habe, 
hat  in  der  akademischen  Festschrift  „die  Pflege  der  Geschichte  durch  die  Wittels- 
bacher“ iS.  63  ihre  Berichtigung  gefunden. 


Akh.  d.  III.  CI.  d.  k.  Ak.  d.  Wi«.  XV.  Bd.  III.  Abth. 


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164 


TH.  Zd  Seit«  114. 

Des  Bernhard  Herzog 
Genealogia  Üomjtam  Bipontinorum, 

in  einer  Abschrift  des  vorigen  Jahrhunderts  auf  einem  Grossfoliobogen  im  Formate 
von  zwei  gewöhnlichen  Bogen  in  einem  ans  dem  ZweibrOcken'schen  .\rchive  stam- 
menden Fascikel  des  geheimen  Staatsarchives***)  mit  der  Aufschrift:  Collectauea,  die 
alte  Graffschafft  Zweybrücken  betr. 

Auf  der  RQckseite  ist  bemerkt:  Diese  Genealogie  hat  Bernh.  Hertzog  gemacht 
nnd  Pfaltz-Grav  Johann  25  Jan.  1585  überschicket,  wie  solcher  gedachter  Hertzog 
Job.  selb.st  mit  eigener  Hand  notiret. 

Sie  beginnt  mit  den  Grafen  Walram  und  Eberhard  folgendermassen : 

Walramus.  Er  und  sein  Bruder  baueten  Berg-Zabern  1256.  Anno  1285 

22  Juii.  gab  ihnen  König  Rudolph  die  Freyheit,  selbiges  Dorf  zu  einer  Stadt  zu 

machen.  Herzog  1.  5.  pag.  37. 

Eberhard,  Grav  zu  ZweybrQckeu,  batte  zum  Gemahl  eine  Grävin  von  Aspre- 
mont.  Herzog  1.  5.  pag.  37. 

Sie  reicht  bis  in  das  letzte  Viertel  des  16  Jahrhunderts,  woselbst  beispielsweise 

die  beiden  Töchter  der  an  den  Grafen  Philipp  zu  Hanau  verheirateten  am  15  De- 

zember 1569  verstorbenen  Gräfin  Lndovika  Margaretha  von  ZweibrUcken  Lichtenberg 
nnd  Ochsenstein  folgendermassen  begegnen: 

Sibylla,  Grävin  zu  Uanln,  Frau  zu  Lichtenberg  nnd  Ochsenstein,  verbeirathet 
anno  1582  an  Graven  Beichart  zu  Wied. 

Catharina,  nata  1568,  unpta  Comiti  Limpurg. 

Auf  der  RQckseite  sodann  ist  oben  die  Stammtafel  von  dem  am  28  Oktober 
1504  verstorbenen  Simon  Wecker  bis  zn  den  Kindern  seines  Sohnes  Reinhard,  wieder 
mit  Verweisungen  auf  das  Werk  Herzogs,  angebracht : Simon  Wecker,  Jakob,  Wil- 
helm, Johanna,  Elisabeth. 

Die  untere  Hälfte  dieser  RQckseite  enthält  Zusammenstellungen  geschichtlicher 
Nachrichten  von  1197  bis  1399,  gleichfalls  aus  dem  Werke  Herzogs,  dann  aus  dem 
Codex  diplomaticus  zu  Tolner’s  historia  Palatina,  aus  Lehmann,  aus  Wenck's  Col- 
lecta  archivi. 


266)  Er  enthält  sneh  eine  andere  „Genealogia  Comilnm  Bipontinornm"  von  derselben  Hand,  auf 
der  Innenieite  eines  Foliobogens,  von  nnten  mit  „Weckema  C[omei]  Bipont.  et  Scbanmbnrg  circa 
ann.  1276“  beginnend  bis  znr  „Margareta  Lndovica  herea,  nnpta  1560  Philippe  inniori  Comiti  in 
Uanan  et  Lichtenberg  f 1569,  15  decembris“  beziehnngaweise  in  das  dritte  Viertel  des  16  Jahr- 
hunderts. 

Weiter  findet  eich  darin  auf  vier  ineinanderliegenden  Bogen  in  Folio,  wovon  die  letiten  drei 
Seiten  nicht  mehr  beschrieben  sind,  ein  in  französischer  Sprache  nbgefasater  Abreg£  de  la  Genealogie 
de  la  Serenisaime  Maison  de  Denz-Pont  depuie  1222  jusqu’ä  la  fin  de  1570,  tird  des  Archives  de 
PAbbaye  de  Stürtzelbrunn. 


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165 


VIII.  Zu  Seite  114. 


. I. 

Aus  dem  roth  geschriebenen  unteren  Texte  der  linken  Hsitte  von  Herzog  Ga- 
ribsld,  an  welchem  „Garibaldus  vahet  an  der  ander  stam  oder  geschlächt“  aufwärts : 

Theodo  der  erst  — eltlich  sprechen ; der  ander  — des  namen , hertzog  in 
Baieren,  hat  angenouien  den  heiligen  Cristen  gelanben  von  dem  heilign  bischof  sand 
Kneprecht,  darnach  hat  er  gcstift  das  pistninb  Salczburg. 

Ottilo,  herezog  in  Paieru.  disem  Ottilo  ward  verlihen  das  berczogtnm  von 
künig  Pipino  in  Frangkreich.  der  ist  Stifter  gewesen  nideru  Altach  vnd  Munsee. 
zw  den  ezoiten  cham  sand  Virgili  in  Paiern  land.  dem  verlech  er  das  pistum  Salcz- 
purg.  an  dem  Ottolo  vahet  an  der  dritt  stamen  oder  geschlächte  in  Paiernland. 

Tassilo,  herezog  in  Paiern.  diser  Tassilo  hat  aufgehebt  den  bischofstuel  zu 
Ensz  vnd  geseezt  gen  Passaw,  vnd  das  bistum  reichlich  begabt,  er  begabt  auch 
sand  Corbi[ni]an  mit  dem  perg  zn  Frevsing  vnd  mit  dem  zamgeschlossen  ertricb 
czwi.schen  der  Yser  vnd  der  Amper  bis  au  di  .stat  Mospnrg.  er  ist  auch  Stifter  der 
düster  Pollingen,  Besselprun,  Cremsmunster,  Pfaffenmonster,  Weltenburg  vnd  Larich. 


II. 

Aus  dem  gleichfalls  roth  geschriebenen  unteren  Texte  der  rechten  Hälfte  vom 
Kaiser  Arnulf  — entschlueg  sich  der  weit  nach  dem  sterben  seiner  gemahl,  vnd 
ward  bischofe  zw  Metis  — anfwärts; 

Di  drey  snn  Karolomarcelli. 

Gripho  ward  erschlagen  in  ainem  streit. 

Karolomannus  ward  ercznndt  in  gotlicher  lieb,  vnd  gab  sich  in  den  orden 
sand  Benedictu.  er  pawt  aiu  closter  zw  Rom  auf  ainem  perg  in  den  eern  sand 
Silnester.  vnd,  als  Ottonus  de  Freysing  seezt,  so  ist  er  auch  stiffter  des  clo- 
sters  Fnld. 

Pipinns  ward  ain  künig  in  Franckrcich  gemacht  durch  vnderweisung  pabst 
Stephani  des  anud|er]n:  vnd  ward  künig  Hiltrudis  in  ain  kloster  verstossen,  der  di 
selben  czeit  den  kuuiglichen  namen  het,  als  in  seiner  histori  mer  getagt  wirt. 


III. 


Ans  den  auf  den  vertilgten  nrsprünglicben  rothen  Text  dieser  rechten  Hälfte 
gesetzten  schwarz  geschriebenen  Nachrichten : 


22' 


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166 


Pipinuus  der  grosz  von  dem  haws  zu  Triel.  er  het  seiu  wesen  am  maisten  zu 
Köllen,  er  lie  drey  suu  bey  zwayen  frawen,  das  ist  Tiaganien,  üreinmoldum,  vnd 
Karlamartzello.  diser  trat  ain  zeit  aus  dein  eelichen  stand,  rnd  nam  an  sich  ain 
sctilafweib,  was  genant  Abbaidis.  vnd  do  in  dammb  strafft  saud  Lamprecbt,  bischoff 
zu  Triel,  do  erscblueg  in  zu  tod  Dota,  der  genanten  Abbaidis  brueder.  nun 
merckht  Pipiiius,  das  von  seiner  sfind  wegen  der  heilig  briester  gottes  gemartert 
was;  des  schambt  er  sich  als  ser,  das  er  die  gemelten  Abhnides  von  im  tet  vntl 
nicht  mer  zu  ir  kam 

Karlomartzello  ist  gewesen  ain  starckher  fraissamer  man,  vnd  hat  vertriben 
seiu  zwen  brueder  vom  vater,  Tiagamen  vnd  Greinmoldum,  vnd  ist  gewesen  regent 
des  künigreicti  in  Franckreicli  nach  seines  vater  tod.  vnd  er  ist  auch  gewesen  ain 
tirann,  als  ettlicb  sprechen,  disen  Karlomarcello  nennen  ettlicli  ain  knnig,  des  er 

nit  was. 

Er  lie  drei  süu,  das  ist  Pipmus,  Karlomanus,  vnd  Griphoch. 

Ettlicb  sprechen,  er  hab  gepawen  das  ächciblig  Kirchlein  zu  Altenötliug, 

Diser  kaiser  Arnolfus  ist  pawer  vnnd  stiffter  gewesen  der  gefurstn  grasebafft 
8cheirn. 

Ettlicb  historisebreiber  sprechen,  das  diser  kaiser  .\rnoltfns  hab  gehabt  vir  sun. 

Enabaldus  ward  herezog  jn  Lutringn,  vnnd  ward  erschlagen  in  ainem  .streyt. 

Ludwig  ward  römischer  kunig  vnnd  von  den  Römern  geplennt.  zu  der  zeit 
tailt  sich  das  reich  enzway,  vund  die  Römer  regirten  Italiam  in  kaiserlichem  iiamen. 
das  reich  bracht  wider  zusameu  der  gross  Otto  zu  Saxeu. 

Arnolt  ward  hertzog  in  Baireu. 

Diser  Arnolt  vnnd  sein  brueder  Bernuher  habn  gehabt  zwo  Schwester,  des 
königs  töchter  von  Hunger,  die  wurden  getaufft  von  sand  Vlrich  auf  der  purckh 
zu  Öcheim. 

All  bistori  sprechen,  das  Arnolt  gewesn  sey  ain  tirann.  er  nam  der  kiricben 
vil  gueter,  vnd  gab  das  den  layeu.  er  vermacht  das  hertzogthumb  Bairen  den 
Saxen,  vnnd  nach  seinem  tod  nam  ein  das  lannd  hertzog  Hainrich  von  Saxeu. 

Dawider  was  graf  Wernnher  von  Scheiren,  vnd  für  ab  goin  Vugeru,  vnd 
bracht  mit  jm  ain  gross  vnzalber  [her],  vnnd  er  nam  das  lauud  auch  ein,  vnd  zoch 
damit  bis  an  den  Lech,  da  begegendt  im  kaiser  Otto,  dieselben  zeit  noch  römischer 
kunig.  vnnd  durch  das  audechtig  gebet  sand  Vlrich  kert  sich  der  sig  zu  den 
Cristen,  vnd  wurden  die  Vngern  äuebtig.  in  dem  streit  ward  erschlagen  hertzog 
Conrad  von  Schwaben,  vund  Diepoldus,  sanud  Vlrich  brueder,  der  graue  von  Til- 
ligen,  vnnd  grosse  ritterschalft  mit  ju.  VVernher  von  .Scheiren  doch  ab  gein  Vnn- 
geru.  Da  ward  er  erschlagen  als  ainer  der  sy  dem  tod  vnuerhuet  het  vbergeben. 
vnnd  — als  Otto  de  Freysing  spricht  in  seiner  coronickhn  — seine  guter  vil  wurdu 
gegeben  der  kirichen  von  knnig  Otten,  vnnd  ain  tail  sein  erben  gelassen  mit  der 
purckh  Scheiren. 


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167 


Der  haiser  Arnold  vnnd  sein  sun  Ludwig  der  plindt  ligen  begraben  in  dem 
clOBster  Sand  Uameran  zu  ilegeuspurckh  im  Icbor. 

Disen  Kaiser  Arnolfi  aasen  di  leis  zu  tod ; des  knnd  jm  kain  artzt  gebenden. 

Bei  seinem  vierten  .Sohne,  dem  Grafen  Weriiher  von  Scheiern,  ist  kurz  be- 
merkt: Diser  graue  Bernher  von  Scheirn  hat  verloren  das  hertzogtumb  Bairu  mit 
streit. 


Von  seinen  zwei  Söhnen  ist  der  Name  des  einen,  von  welchem  früher  die 
Verzweigung  dahin  ging  wo  jetzt  — vgl.  in  der  ersten  Abtheiluug  S.  170  — das 
anstatt  des  Ausschnittes  eingeklebte  leere  PergumeutstUck  ist,  ausradirt.  Der  andere 
ist  Graf  Eckhart  von  .Scheiern.  Zn  ihnen  ist  bemerkt:  Die  zwen  grauen  brueder 
ererbten  den  khrieg,  vnd  mustn  den  mit  armut  ligen  lassen. 

Die  Nachkommenschaft  des  letzteren,  wie  sie  nunmehr  erscheint,  zeigt  — nnd 
zwar  fortan  ohne  Bilder  — den  Grafen  Arnold  von  Dacban,  den  Grafen  Otto  zu 
Scheiern,  und  den  Grafen  Konrad  von  Pül. 

Ala  Sohn  des  ersteren  begegnet  sodann:  Chunrad  hertzog  in  Kewsen.  Bei 
ihm  steht:  Dieser  graue  Conrad  ward  erschlagen  bey  kaiser  Utten  dem  dritten  jn 

wällischen  lanndn,  ettlich  sprechen  vor  Maylandt. 

Der  Sohn  des  im  vorletzten  Absätze  berührten  Grafen  Otto  von  Scheiern  ist 
Eckhart,  und  dessen  Sohn  führt  gleichfalls  diesen  Namen.  Disem  gianen  Eckhart  — 
heisst  es  da  — ward  versprochen  von  kaiser  Haiurichen  das  hertzogthumb  Bairen, 
das  er  sollt  ziben  mit  allem  seinem  vermugn  die  raisz  vnnd  herfart  gein  dem 
heilign  grab  mit  hertzog  Gotfrid  von  Lntigen.  vnd  alls  die  histori  de  Scheyrn 
spricht,  so  hat  graf  Eckhart  schuch  getragen  mit  rotten  riemen  gebnnden.  der 
sebuech  ninen  steckht  er  all  nacht  auf.  za  dem  legt  sich  allermaist  voickb.  darnach 
ward  der  schuech  in  ain  pauer  gemalt,  aber  in  der  histori  Gotfridis  wirt  ganntz 
nichtz  daiion  gesagt,  yedoch  stet  es  also  in  der  histori  de  Scheiren. 

Es  haben  auch  die  fürsten  von  Bairn  vil  vnd  offt  anfmaln  lassn,  vnd  snnder 
der  fmmb  hertzog  Johanns,  ain  vater  des  knnig  von  Tennmarch. 

Aber  das  hertzogthumb  Balm  besas  der  graf  nit,  vnd  ward  verlibn  ainem 
granen  ausz  ^^chwaben  laund. 

IV. 

ln  das  Mittelstück  zwischen  dem  ersten  und  zweiten  Hanptbestandtheile  fallen 
rechts  folgende  zwei  Absätze: 

Nach  kaiser  Hainrich  tod  des  heiligen  kam  an  das  reich  Conradis  der  annder, 


ZüT)  Dieser  Schloss  ist  mit  schwärzerer  Tinte  gcechriebea,  aber  von  der  gleichen  Hand. 


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168 


ain  herUog  von  Schwaben,  zu  dem  kamen  die  grauen  von  Scheiren,  vnd  erfodreten 
das  hertzogtumb  Baim,  dauon  jr  ellter  verstossen  warn  von  kaiaer  Otteu  dem  ersten, 
der  kaUer  antwurt,  er  biet  das  land  in  des  reiche  hennden  fnuden : dem  wolt  ers 
auch  Inhalten. 

Vnd  nach  disem  kaiser  Conradis  kam  an  das  reich  Hainrich  der  dritt.  der 
verlech  das  lunnd  Bairu  seinem  gemahl,  der  kaiserin  frawen  Agnes,  geborun  ans 
Aqnitania. 

Die  coronick  zu  Scheirn  spricht,  da.s  die  grauen  die  Vngem  dreimaln  auf  das 
reich  gefurt  habn  vmb  das  hertzogtumb  zu  Baim. 

Diser  graf  Otto  erstach  den  römischn  kunig  Philippen  zu  Pabuwerg.  das 
begab  sich  also,  da  Philipp  noch  hertzog  was  zu  Schwaben,  bet  er  sein  tocbter 
versprochen  zu  geben  zu  gemahl  graff  Otten.  vnd  da  er  kunig  ward,  sagt  er  den 
beirat  wider  auf,  vnd  sprach,  er  wolt  sein  tochter  kainem  aussetzigen  man  geben, 
des  schambt  sich  der  graff  als  ser  das  er  schwur,  er  wolt  die  schmachait  rechen 

oder  darumb  sterben,  zu  puess  mnest  er  die  pnrckh  WideI.spach  niderprechen , vnd 

ain  kirichen  in  den  eren  vnnser  frawen  da  pawen,  vnd  das  erstört  kloster  Ensdorf 
auch  wider  pawen. 

Der  grosse  Raum  auf  der  linken  Seite  sodann  ist  den  Welfen  gewidmet: 

Darnach  ward  das  land  Bairu  verlichn  von  kaiser  Hainrich  dem  vierdn  des 
namen  ainem  Schwaben,  was  genant  Welffo,  geborn  aus  dem  grafen  geschlecht 
von  Stawff. 

Nun  fachet  an  die  histori  von  hertzog  Welffo  vnd  seinen  nachuolger.  Welffo 

was  ain  maudlicher  vnd  streitper  furst.  er  belegert  die  stat  Angspurg  mit  grosser 

macht,  vnd  gewan  die  mit  listikait,  vnd  für  wider  daraus  mit  ainem  grossen  raub, 
er  legt  auch  der  statmawr  vil  uider,  darumb  er  in  schwäre  vngenad  viel  des  kaiser 
Hainrich.  vnd  erwarb  doch  wider  genad  mit  dem  dos  er  solt  ziben  gein  Jherusalem 
den  Cristen  zu  hilff  u.  s.  w. 

Mer  er  lies  zween  sfln,  das  ist  Hainrich  vnd  Welffo.  dise  zween  furssten  setzten 
sich  wider  kunig  Kunrad  den  dritten  des  namen,  vnd  raainten  Konrad  war  nit  red- 
lich erwelt  zu  rdmischom  kunig.  vnd  Welfo  macht  sich  auf  mit  grosser  macht,  vnd 
zoch  in  das  land  zu  Schbaben.  da  begegent  im  hertzog  Fridrich  von  Schwaben, 
ain  brueder  kunig  Conrad,  da  wart  ein  herter  streit  verbracht,  vnd  der  sig  kert 
sich  zu  hertzog  Fridrich.  vnd  hertzog  Welffo  ward  erschlagen,  vnd  das  land  Bairn 
ward  verlihen  margraff  Leopold  von  Österreich,  der  vertraib  hertzog  Hainricben, 
das  er  Hoch  mit  weib  vnd  kinden  gein  Saxen  zu  kaiser  Letharis  witib,  die  auch 
sein  schwiger  was. 

In  der  zeit  het  hertzog  Hainrich  der  inng  das  lannd  zu  Saxen  ererbt,  der 
vnnderstaind  sich  zu  kriegen  vmb  das  land  zu  Bairn,  dauon  sein  vater  verstossen 
was  worden  von  kunig  Conradn.  der  kri^  vnd  stos  ward  gericht  durch  kaiser 


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169 


Fridrich  den  ersten  des  uamen  in  ainem  gemainen  hof  den  der  kaiser  hielt  zu  Ke- 
genspnrg.  vnd  nach  rat  der  fürsten  ward  die  bairisch  march  das  jetz  genant  wird 
das  lauud  ob  der  Enns  Ton  dem  haus  Baim  gebrochen,  vnd  zu  der  marckgraff- 
schaSt  Oesterreich  gelegt,  Tnd  ain  hertzogtnmb  darans  gestiift  vnd  zubant  markgraf 
Hainrichn  rerlihen  in  ewigem  rechten,  der  Hainrich  ist  der  erst  bertzog  in  Öster- 
reich gewesen,  vnd  das  land  zu  Baim  ward  dem  bertzogeu  von  Saxeu  verlihen. 
vnd  der  hertzog  von  Behaim  hat  das  vrtail  ausgesprochen,  das  die  fnrstn  all  bestatt 
haben. 

Darnach  als  der  grossmächtig  kaiser  Fridrich  Mailandt  erstort,  in  der  raisz 
hielt  sich  hertzog  Hainrich  von  Bairn  vnd  Saxen  widerwärtig  kaiserlicher  maiestat, 
damnib  er  ward  von  dem  kaiser  von  baiden  landen  abgesetzt,  vnd  Bairn  ward  ver- 
lihen ainem  grafen  von  Scheirn.  vnd  das  land  Saxen  ward  verlihen  ainem  grafen 
von  Anhalt,  von  demselben  grafen  die  altn  herrn  von  Saxen  hie  sind,  den  kaiser 
Sigmund  *••)  das  land  zu  Saxen  nam  vud  verlech  das  marckgraff  Fridrich  von  Meicksn. 
diser  hertzog  Hainrich  von  Bairn  vnd  Saxn  ist  stiffter  gewesen  des  klosters  zu  Ranshofen. 

V. 

Jetzt  kommen  im  zweiten  Hauptbestandtheile  die  Wittelsbacher  an  die  Reihe, 
und  zwar  zwar  zunächst  Herzog  Otto  und  sein  Bruder  Konrad. 

In  dem  aufstehenden  Bischofskragen  von  diesem  finden  sich  — vielleicht  als 
Monogramm  des  Kflnstlers  dieses  zweiten  Hauptbestandtheiles  anfzn&asen  — links 
und  rechts  vorne  die  Zeichen  und  E. 

Disem  grafen  Otten  von  Scheirnn  ward  verlihen  das  hertzogthumb  Bairen  von 
kaiser  Fridrichen  dem  ersten ; des  verhalff  im  sein  brneder  Khonradus,  bischolff  zu 
Saltzburg,  nachmaln  bischolf  zu  Maints;  darumbn  .seine  voruodera  die  grauen  von 
Scheim  gross  khrieg  gevbet  betten  mit  hilfle  der  Vngera,  vnd  vil  men-schen  pluts 
vergossen,  das  vrlongen  vnd  zännckht  hat  gewerdt  ob  zwain  hundert  jaren  von 
kaiser  Otten  dem  ersten  bis  auf  kaiser  Fridrichn  auch  den  ersten,  als  lanng  sind 
die  gefnrstn  grauen  von  Scheirn  von  dem  vaterlandt  verstossen  vnd  abgeschnitn  von 
dem  lüblichn  haws  Bairnn. 

Diser  furst  hertzog  Lndwig  ist  gewesen  ein  krön  vnd  der  törstn  fnrstn  ainer 
so  er  die  zeit  gelebt  hat,  wenn  er  vil  raisz  getan  hat  wider  die  haidn  vnd  snnder 
dem  teutschn  ordn  zu  hilf. 

Er  ist  stiffter  vnnd  anfanckh  der  purckh  vnd  stat  zu  Landshut  mit  gebawe. 

Er  hat  gehabt  zu  eelichm  gemahl  Lodmila,  aines  knnigs  tochter  von  Pehaim, 
die  vor  jnngehabt  het  graf  Albrechtu  von  Pogen.  die  fraw  ist  stifiterin  des  klosters 
Soldnntal  bei  Lanndshut. 


268)  Im  Texte  »teht:  kaiser  Sigmondn  vnd. 


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170 


Ettlicb  aprechn,  er  hab  vertriben  die  grafen  von  Wasserwurg  vnd  Kling. 

Diser  fnr*t  ging  aina  tags  spacieren  auf  dem  gstatt  der  Tonaw  bey  Kelbaim, 
do  ward  ein  vnbesindt  mensch  err.nrnt ; daa  lief  den  furstn  an,  vnd  stach  ein  messer 
in  jn  nllao  daa  er  auf  der  däch  atarb.  vnd  ward  begraben  in  das  kloater  zu  Scheirn. 

Er  lieaz  ainen  sou,  genant  Otto. 

Der  furat  Otto  nein  zu  geniahl  pfaltzgraff  Hainricha  tochtcr,  vnd  er  besaa  die 
Pfalltz  zu  erbrecht  durch  hilff  vnd  gönnst  kaiser  Fridrichs  des  annderu. 

Er  gab  sein  tochter  kunig  Conradn  von  .Iheniaalem,  der  ain  ann  was  des  ytz 
gedachten  kaiser  Fridrichs. 

Der  furat  Otto  was  im  anfaug  gar  ein  gerechter  richten,  aber  aus  lieb  die  er 
hett  zu  kaiser  Fridrichen  viel  er  jn  den  pann,  darmnbn  ward  er  die  pfaffhait 
haasen,  vnd  setzt  vbl  zu  vbl.  vund  an  Sand  Andres  tag,  als  er  frolich  was,  fiel  er 
hin  vnd  starb  eines  gäben  tods 

Ettlicb  sprechen,  er  bab  vertribn  die  grafen  zu  Pogen  aus  Bairn  land,  das 
die  flnhen  in  waellischc  lannd. 

Er  lies  zween  sun  — das  ist  Ludwig,  Hainrich  — vnd  ain  tochter. 

Die  zwai  brueder  Ludwig  vnnd  Hainrich  tailtn  das  lannd  zn  Bairn;  vnd  ist 
der  erst  tail  der  jn  Bairn  geschach. 

Ludwigu  ward  zuegetailt  die  Pfalltz  bey  Rein  vnd  Obern  Bairn,  Hainrichn 
ward  zuegetailt  Nidern  Bairen. 

Ludwig  bat  gehabt  drey  elich  gemahl  die  erst  was  ein  hertzogin  von  Praband. 
die  liesz  er  enthanhtn  zu  lichwäbi.schn  Werd  ausz  arkwan  vnnd  gUhm  zorn  vnd  da 
der  frawen  vn.scbuld  geoffent  ward,  pawot  vnd  stifft  er  das  klo.ster  Fiirsfnveld  zu 
puesa  vmb  die  gross  sundt  so  er  verbracht  bet  darnach  nam  er  hertzog  Conradtn 

tochter  aus  Polen,  bey  der  bet  er  ainen  son,  was  genant  Ludwig,  vnd  da  die 
gestarb,  nam  er  des  römischen  knnig  Rnedolfs  tochter.  ans  der  gepert  er  zween 
sun,  Ruedolff  vnd  Ludnigen  den  jQngern. 

Der  fnrsst  fnerot  gross  krieg  wider  die  reichstet. 

Er  bawot  die  fesst  Pridwerg  wider  den  biachof  vnnd  die  burgcr  zu  Augspurg. 
das  geschach  der  jare  Cristi  tansendt  zwayhnndert  vnd  sechtzig  jare. 

Zu  der  zeit  des  furstn  knndn  .sich  die  chorfursten  nicht  vergleichen  vmb  ainen 
römischn  knnig;  vnnd  sie  gaben  gantzn  gewaldt  diesem  pfaltzgrauen  Ludnign,  >ias 
er  näm  wen  er  wolt,  den  wollen  sy  zn  kunig  haben,  do  erwelt  er  grafen  Rnedolff 
von  Hablspurg,  der  die  selben  zeit  lag  mit  heres  krafft  vor  Pasl.  dann  allain  kunig 
Ottackher  von  Pehaim  wolt  seinen  willen  darzne  nit  geben,  das  er  swärlich  entgalt: 
wann  er  ward  von  dem  kunig  Ruedolf  in  ainem  streit  erschlagen,  vnd  verlos  damit 
das  land  Oester  Reich. 

Diser  knnig  Ruedolf  hat  lernen  fechten  sein  pawrn  die  yetzo  genent  werden 
Schweintzer,  das  seinen  nachkomen  den  hertzogn  von  Österreich  vil  zu  scbadn 
komen  ist. 


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m 

Hainrich  herzof;  in  Nidern  Baim,  der  was  fridlich  gnetig  vnd  gerecht,  er  het 
zu  gemabl  knnig  Welus  von  Vugem  tochter,  vnd  hat  gebaut  die  zwai  petlklüster 
zu  Lanndahut. 

Der  lieaz  auch  drey  snn:  Ottu  Stetfan  vnd  Lnduig. 

Hieran  reiht  sich  links  bei  der  oberbaierischen  Linie: 

Ludwig  der  ellter  ward  auf  ainem  hof  zu  Nürnberg  angerUrt  mit  dem  sper 
an  den  heim  von  ainem  grafen  von  Hobenlo,  das  er  starb. 

Ruedollff  ward  pfaltzgraf.  het  zu  gemabl  aius  kunigs  tochter  von  Lngellant. 
bej  der  het  er  drey  sün. 

Lndwig  der  jünger  ward  bertzog  in  Ober  Bairn.  er  ward  auch  römischer 
kaiser.  im  stund  grosser  reichtnmb  zne  mit  dem  das  zu  der  zeit  vil  lannd  dem 
reich  ledig  worden,  mit  namen  die  march  zu  Brannburg,  Holland  Henigaw  Seelaudt 
und  die  herlikait  in  Friessen,  auch  die  graschafft  zu  Tirol. 

Er  vberlebt  auch  die  annder  fürstn  all  io  Nider  Bairn,  vnnd  zoch  an  sich  ir 
fürstnthuinb  Nider  Bairen. 

Er  behielt  das  reich  mit  dem  Schwert  wider  bertzog  Fridrich  von  Österreich. 

Er  het  viel  widerwertikait  vnd  vngenad  von  dreyen  päbsten,  darumb  das  er 

dem  hertzog  von  Mailand  geliben  het  die  zeit  vnd  er  noch  römischer  kunig  was. 

Er  vertreib  seinen  brueder  Rudolffu  von  der  Pfalltz,  darumb  das  er  wider  in 

gewesen  was  in  der  wall,  vnd  da  Rudolff  starb  in  Engelland,  da  gab  er  seinen 
kindn  wider  die  Pfalltz  vnd  was  dar  zue  gehört. 

Der  kaiser  hielt  gerechte  gericbt  vnd  guten  frid. 

Er  hat  gehabt  zwo  eelich  gemabl ; die  erst  was  ains  kunigs  tochter  von  Pollan, 
vnd  die  annder  was  ain  gräfin  von  Holland,  bey  den  zwayen  frawen  het  er 
sechs  sUn. 

Ettlieh  sprechen,  er  sey  im  pann  gestorben. 

Wer  sein  histori  all  schreiben  wolt,  war  zu  diser  materi  zn  lanng. 

Bei  der  niederbaierischen  Linie  ist  rechts  bemerkt: 

Otto  hertzog  in  Nider  Baini  ward  kunig  in  Vugern,  vnd  mit  grosser  zirhait 
von  den  Vngern  angenomen  zu  kunig  Kurtz  nach  der  krönung  fing  in  ain  mäch- 
tiger Vnger,  vnd  wolt  in  genött  haben  das  er  sein  tochter  nüm  zu  gemal,  des  der 
kung  nit  thuen  wolt.  darumb  muest  er  ettlieh  zeit  in  fenncknns  ligen.  aber  die 
so  sein  warten  in  der  fenncknusz  hUllfien  im  ausz  feuuekuusz,  vnnd  er  zoch  dnreh 
verre  lannd,  ee  er  kam  in  Bairn. 

Diser  kung  Otto  hat  dem  lannd  zu  Bairen  gross  freihait  geben. 

Fir  het  ainen  gemahl,  geborn  ans  Pollan.  bei  der  bet  er  ainen  suu,  was 
genant  Hainrich. 

Steffan  het  zween  sOn,  Otten  vnd  Hainrich. 

Ludwig  starb  an  erben. 

Äbh.  d.  III.  a.  d.  k.  Ak.  d.  Wiis.  XV.  Bd.  III.  Abth  23 


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172 


Jetzt  endlich  kommen  die  letzten  Bilder  mit  ihrem  Texte,  nämlich  links  von 
der  oberlmierisch-plalzischen  Verzweigung  aus  die  drei  8öhne  Rudolfs  von  der  Pfalz 
und  die  sechs  seines  Bruders  Ludwig  des  Baiers,  links  aus  der  abaterbenden  nieder- 
baierischen  Linie  die  Söhne  der  eben  Irerdhrten  Flirsten  Otto  and  Ludwig. 

Die  drey  furstn  bcy  der  Pfalltz  fOrtn  gros  krieg  wider  die  hertzogen  von 
Paxcn  mit  grossem  irem  schaden. 

Ruedollf  lie  ain  tochter:  waril  vermählt  ainem  kilnig  von  Bebaim. 

Rupertns  lie  ainen  .<ionn,  was  genandt  Ruepertns. 

Adollf  starb  an  erben. 

Ludwig  ward  niargkgraft'  za  Prawmvurck  vnd  graf  zu  Tirol,  er  het  zu  gemahl 
des  letzten  grauen  .Meinhart  zu  Tirol  tochter.  was  ein  vugeschaffn  weib.  darumb 
wirt  sy  bis  auf  hewtigen  tag  geneudt  die  Maulta.sch.  ans  der  gebert  er  ainen  sun, 
wa.s  genant  Meinhart. 

.Stetfan  ward  hertzog  in  Nider  vnd  Ober  Bairii.  het  zu  gemahl  ains  kunigs 
tochter  aus  Cecilia,  bey  der  het  er  drey  siin. 

Wilhalm  vnd  Albrecht  wurden  grauen  zu  Holland,  Ileuigaw,  Seeland,  vnd 
herren  der  Friesen. 

Wilhalm  het  zu  gemahl  nin  hertzogin  von  Burguudi.  aus  der  gebert  er 
drey  sün. 

Albrecht  gepcrdt  ans  .seiner  gemahl  N N ain  tochter,  was  genant  fraw  Jacoba. 

Ludwig  der  jünger  ward  genandt  der  Römer , darumb  ilas  er  zu  Rom  geborn 
was.  starb  in  jungen  tagen. 

Otto  ward  margkgraf  zu  Pranburg  nach  .seines  brueder  tod.  der  verkaufft  das 
lannd  kaiser  Karl,  am  gesebläcbt  ain  kunigfvon  Bebaim.  dieser  Olt  het  sein  gesasz 
auf  dem  geschloss  zum  Wolfstain  gelegen  auf  der  Iser.  starb  an  erben. 

Die  drey  furstn  in  nider  Bairn  — Hainrich,  Otto,  vnd  Haiurich  — flirten 
ainen  grossen  krieg  miteinander  allsii:  Otto  vnd  Hainrich  der  jünger  kriegt  mit  dem 
elltera  Haiurich.  der  krieg  ward  gericht  durch  kaiser  Ludwig  vnud  kiinig  Karl. 

Otto  lie  ainen  |snn],  was  genandt  Johanns,  starb  in  kindes  allter. 


IX.  Zn  Seile  117. 

Dreizehn  Miuiatumachbild äugen  der  Oegenstäude  dieses  Saalscbnmckes  sammt 
eilf  Blättern  von  J.  G.  Wisger'schen  Kupferstichen  darnach  gelangten  mit  den  aus 
der  Verla.ssen.schaft  des  Hofgerichtsrathes  Theodor  v.  Traiteur  zn  Mannheim  im  Jahre 
1831  im  Wege  des  Kaufes  erworbenen  Schriften  und  Büchern  an  das  geheime 
Hansarchiv. 


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173 


Die  ersten  «ind  unter  dem  Vorbehalte  des  liigeuthums  des  geheimen  Haus- 
archires  unterm  12  März  lS5ä  au  das  damals  sogenannte  Wiitelshuch'sche  Museum, 
jetzt  baierische  Xationalmnseum,  abgegeben  worden. 

Nach  einem  darauf  bezGglichen  Aktenstück»  sind  es  Bildnisse  [baierischer  und] 
pfälzischer  Fürsten  und  Fürstiueu,  Copieu  nach  alten  auf  Holz  gemalten  Bildern, 
welche  früher  im  Schlosse  zu  Amberg  gewesen,  nnd  später  in  der  .A hnen-Gallerie 
zu  SchlBis.sheim  aufgehäugl  wurden.  Diese  Amberger  Bilder  — heisst  es  daun 
weiter  — sind  hinwieder  Nachbildungen  der  alten  Schildereieu,  welche  früher  in  der 
Trinkhalle  des  Heidelberger  Schlosses  sich  befanden.  Den  fraglichen  Miniaturmalereien 
selbst  wird  endlich  ein  um  so  grü.sseres  Interesse  beigelegt,  als  die  »Schleissheimer 
Bilder  seitdem  durch  üebermalung  grCisatentheils  den  Werth  der  Ursprünglichkeit 
verloren  haben. 

Von  den  berührten  noch  im  geheimen  Hausarchive  befindlichen  Kupferstichen 
führt  das  erste  Blatt  die  ersten  Wittelsbachischen  Herrscher  vor,  mit  folgender 
Fassung  der  in  der  zweiten  Abtheilnug  aus  des  Ladislaus  Sontheim  baierischer  und 
pfälzischer  Genealogie,  Num.  56,  in  den  Noten  94  — 96  mitgetheilteu  Reime: 

Otto  zu  Bayern  Hertzog  was, 

Dansendt  hundert  achtzig  mau  las. 

Sach(8]cn-land  hett  er  in  seiner  handt. 

Sein  weih  Agnes  von  Scheirn  genaudt. 

Ludwig,  desselben  Otten  .sone, 

Hett  zo  einem  weil)  von  Königs  kröne 
Ludniil,  die  dochter  von  Bchefijm. 

Er  starb  am  stechen  zu  Kelheini. 

Otto,  der  erst  Pfaltzgraf  bey  Rein, 

Hett  des  [’faltzgrafen  dechterlcin. 

Milt  mauheit  er  es  so  erfecht. 

Des  Reichs  Churfürst  blib  sein  geschlecht. 

Das  neunte  Blatt  zeigt  den  Kurfürsten  Ott-IIeinrich  und  seine  Gemahlin  mit 
folgenden  — vgl.  aus  der  Num.  5 der  ersten  Abtheilnug  die  Noten  25  und  26  — 
Versen : 

Ottheinrich  Pfaltz  durch  Gottes  gnade 
Von  des  Bapsls  greulu  erledigt  hat. 

Der  kirchen  ruhe,  des  reicha  wolfart 
Zu  fUrdern,  er  kein  fleisz  nit  spart. 

Snsanna  von  haus  Bayern  geborn, 

Margraff  Casimir  zu  vor  erkom, 

Folgens  bei  Pfaltzgraf  Ottheinrich 
Ir  leben  beschloss  seliglich. 

2:i* 


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174 


Auf  dem  eilften  Blatte  endlich  findeo  wir  den  Kurfürsten  Ludwig  VI  und  seine 
beiden  Gemahlinen  mit  folgenden  Reimen: 

Ludwig  hat  ruh  und  frieden  lieb. 

Sein  Zeit  mit  Gottes  Wort  vertrieb. 

Drng  lust  zum  bauw  und  freier  kunst. 

Acht  wenig  ander  kurzweil  sonst. 

Mit  seiner  gemal  Elisabet, 

Ijindgreffin,  er  vil  kinder  het.  ‘ 

Darnach  wardt  seinem  Ebbet  bekant 
Anna,  Gräffin  von  Ostfrislaudt. 


X.  Zn  Seite  121  Note  230. 

I.  Aus  den  Aufzeichnungen  Ul>er  die  um  die  Mitte  des  17  Jahrhunderts  aus  dem 

Haag  wieder  in  die  Heimat  zurückgelangten  pfälzischen  Mobilien  u.  s.  w. 

a) 

.Aus  dem  Verzeichnisse  ,,der  kästen  vndt  kisten  weiche  ausz  dom  Haag  nach 
Franckfurt  geschickt  worden  den  14/4  Septembris  1649“  beispielsweise: 

Neun  Stückh  Tapezerey  von  seiden  mit  goldt  vndt  silber  eingewirckl,  auff 
welcher  Augusti  vndt  Pompej  historia  von  Cleopatra. 

Zehen  Stückh  Tapezerey,  hi.storia  des  Simsons,  mitt  seiden  vndt  wUllen  ein- 
gewircket. 

Ein  Canier  von  .«echsz  stücken,  reich  von  seiden,  vndt  die  historia  von  Atlante 
hoch  6 ehlen,  weit  zusammen  .77  eblen.  NB.  Diese  .Stückh  seindt  einander  alle 
gleich  an  höhe  vndt  breite. 

Ein  Canier  von  sechsz  Stücken  von  Bucho,  mit  seiden  vermischt,  je«les  stückh 
hoch  6 ehlen,  zusammeu  weit  74', i ehlen. 

Ein  Camer  von  sechsz  stücken,  römische  vnbekaute  historj,  hoch  4',s  ehlen, 
zusammen  weit  22'/>  ehlen. 

b) 

Aus  dom  „Inueutarium  vber  die  Mobilien  welche  ausz  dem  Haag  seindt  nach 
Heydelberg  geschickt  worden  den  27  Sept.  1651“  beispielsweise'; 

Ein  titücklein  Tapezerey,  darauff  eines  Pfaltzgranen  Bildnusz. 

Ein  Stückh  Tapezerey  vom  könig  Salomon  vndt  der  königin  von  .Seba,  mit 
goldt  vndt  Silber  vermischt,  .7  ehlen  breit  vud  3*/i  ehlen  hoch. 

Ein  Stückh  Tapezerey,  deszen  gruudt  roth  vndt  braun,  Pfaltz  Wappen  in  der 
Mitten,  vnd  mit  golt  vermischt,  neben  hernmb  acht  andere  wappen,  hoch  3'/,  ehlen 
vndt  3'/«  ehlen  weit. 


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175 


Kin  StSckh,  darinnen  das  Pföltzische  vnd  Sächeische  Wappen,  mit  goldt  vnd 
seiden  Termischt.  ist  hoch  4 ehlen  vndt  3 ehlen  breit,  darin  Religio,  Sinceritag, 
Constantia,  et  Justitia. 

Ein  Stflckh  Tapererey  der  entsatzuug  von  Leyden,  »ehr  schön,  hoch  4*/i  ehlen, 
breit  3'/t  ehlen. 

Waren  diese  Gegenstände  in  der  sogenannten  indianischen  Kiste  verpackt,  so 
»eien  aus  „der  schwartzen  euglischen  kisten  mit  dem  gebogenen  Deckel,  daranS' 
holtzenc  Leisten“  verzeichnet: 

Zwey  Stückh  Tapecereyen  von  C'hurfflrsten  Ott  Heinrichen,  Pfaltzgrauen, 
ringsherumb  mit  kleinen  Bildern  wappeu  vndt  schrifft  gleich  einer  Genealogia, 
hoch  6 ehlen,  vndt  beide  zusammen  weit  13*t  ehlen,  mit  goldt  .Silber  vndt  seiden 
vermischt. 

c) 

Dmfassend  ist  sodann  die  Aufzählung  in  dem  Verzeichnisse  ,, derjenigen  Mo- 
bilien vnd  t^childereyen  so  den  13  Martij  anno  I6.3(>  ausz  Holland  gekommen  vnd 
dem  Hausz-Schneidern  Peter  Thomas  in  Verwahrung  geliffert“  worden.  Hieraus; 
Neun  stflck,  die  bistorie  der  kinder  Iszrael  in  Kgipteu,  daniuder  8 stück  hoch 

5 ehlen,  vnd  1 stuck  hoch  4 brah.  ehlen,  brcitt  zusainracn  46’/4  ehlen;  alsz: 

1)  Ein  stück  wie  Joseph  in  Kgipten  verkanfft  worden,  hoch  4 ehlen,  brcitt 
2*4  ehl. 

2)  Ein  stück  wie  Jacob  mit  seinen  kinderen  in  Egipten  gezogen,  hoch  3 ehlen, 
brcitt  6*,'i  ehl. 

3)  Ein  stück  wie  .Toseph  seinen  Vatter  vnd  Brüder  zum  König  in  Egipten 
gebracht,  hoch  3 ehlen,  breit  3’/»  ehl. 

4)  Ein  stück  da  Iszrael  .loseph  schweren  thut  wegen  seiner  begräbnusz,  hoch 
.3  ehlen,  breitt  3’,'i  ehlen. 

.3)  Ein  stück  wie  nach  dem  Todt  Josephs  vnd  seiner  Brüder  ein  newer  könig 
kam  der  von  seinen  thaten  nichts  gewusst,  u.  s.  w. 

Bekehning  Paulj.  Bestehend  in  sieben  stücken  Tapezereyen.  seind  hoch  5, 
breitt  zusammen  37 '/4  ehlen  Brab. 

.laditium  Salomonis  vnd  andere  historien.  Bestehend  in  sieben  stücken  Tape- 
zereyen. seind  hoch  4 ehlen,  breitt  in  allem  zusammen  33  Brab.  ehlen. 

Die  historia  von  Salomou.  Besteheut  in  neun  stück  Tapezereyen. 

3,  breitt  zu.sammen  33 '|4  Brabandt.  ehlen. 

Die  historia  von  Tobias.  Bestehend  in  zehen  stücken  Tapezereyen. 

6 ehlen,  breitt  zusammen  38  Brab.  ehlen,  vud  ein  stück  hoch  3*/4  ehl. 

Pfaltz  vud  Sächsig  Wapeu.  Bestehend  in  sechs  stück  Tapezereyen. 

3 ehlen,  breit  zusammen  32  brabandt.  ehlen. 

Die  historie  von  Moyses.  Bestehendt  in  füuff  stück  Tapezerey. 

4 ehlen,  breit  zusammen  19’/4  Brab.  ehlen. 


seind  hoch 
seind  hoch 
seind  hoch 
seind  hoch 


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176 


II.  Aus  dem  Inveutaro  der  in  der  Resideuz  zu  München  ira  .Jahre  1655  vorhanden 
gewesenen  „Taiietzereyen“  n.  s.  w. 

Gleich  dis  erste  Aufzählung  unter  den  an  die  Spitze  gestellten  „Niderleu- 
dischen  von  Goldt  vnnd  Silber  erhöchten  Tapetzereyon"  bilden; 

Zwclf  Stükh  reicher  vnd  zierlicher  Tapezereyen,  mit  goldt  Seyden  vnnd  Wohl 
gewürkht,  darin  zuersehen  die  Kitter-  vnd  fürtrelflichen  geschieht  Ottonis  von  Wit- 
telspack, des  grossen  Pfalzgrafens  vnnd  Herzogen  in  Bayrn  etc. 

.An.s  der  ganzen  übrigen  Menge  seien  hier  nur  noch  folgende  Numern  anf- 
gefnhrt : 

, Neun  Stückh  von  s.  l’aiils  ge.schichten,  mit  goldt  silber  vnnd  seyden  reich 
gezieret,  darinnen  grosse  bilder  /eschen  u.  s.  w. 

Zway  schmalle  stükh  auch  von  s.  Paulo,  so  zu  erstberegten  neun  stnkhen 
gehörig. 

Zvrelf  Stuckh  Niderleudischer  Tapezereyen,  Grottc.scho  genant,  von  goldt  silber 
vnnd  seyden,  in  aineni  yeden  stükh  dreyerlay  tugeuten,  der  ganze  Podu  von  rotter 
Carmesin  seyden,  wie  auch  die  frisen  mit  goldt  vnnd  seyden  gewürkht,  an  den  vier 
Eggen  dasz  Bayrisch  Wappen,  vndeu  vnnd  oben  in  mit!  des  Frisens  die  Puchstaben 
oder  Nammen  M vnnd  E. 

Ain  kleines  stäkhl  von  niderlendischer  Arbeit,  auch  von  goldt  vnd  silber  mit 
seyden  vnderwürkht,  darinen  die  heil.  Susanna,  so  auf  die  Prob  gemacht  worden. 

Widerumh  11  Stükh  von  Wohl  mit  seyden  reichlich  erhebt,  .sonsten  auch  von 
Ottonis  von  Wittehspach  des  grossen  Pfalz.grafen  vnnd  Ilerzogens  in  Bayrn  etc. 
geschickten. 

Hierbei  ain  klains  stukhel  von  dergleichen  Arbeit,  darin  das  Bayrische  Wappen 
gewürkht,  alsz  zu  einer  Prob. 

Finf  stükh  niderlendischer  Arbeit  von  fein  seyden  vnd  garn  gewürkht,  mit 
dem  Jaydtwerch.  in  miti  desselben  ist  das  Bayrisch  Wappen  eingetragen. 

Neun  stnkb  auch  von  fein  seyden  vnd  garn,  Eaubwerch.  in  mittl  ist  da-s 
Pfälzische  Wappen. 

Sechs  stükh  niderleudischer  Tapezerey,  auch  von  Laubwereb,  mit  zway  Wappen, 
darunder  ainsz  das  Plälzische  vnd  das  ander  das  Hesische  Wappen, 

Ain  lang  schmalles  stükh  Niderlendischer  Arbeit,  vnd  Pluemwerch,  darunder 
dasz  Bayrische  vnd  österreichische  Wappen. 

Ain  grosz  altes  stnkh  obiger  arbeit,  sonsten  von  seyden  vnd  fein  garn,  darinen 
etliche  Kürsstens  Persohnen  LeWn  gro.sz,  sonderbar  aber  Wolf  Dietrich  etc.  begriffen. 

Ain  gefürthes  stukb  Niderlendischer  Arbeit  von  seyden  vnd  fein  garn,  darein 
das  Bayrische  Wappen  von  goldt  getragen,  mit  drey  Creutzen  eingefasst,  daran 
weis/  vnd  plaue  seidene  fransen,  das  pflegt  man  in  s.  Georgen  Bruederschafft  zu- 
gebrauchen. 


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177 


XI.  7m  Seite  122  Note  231. 

Ues  Keichart  Strein  zn  Scharfenau 

Apologie  über  das  Privilegium  des  Kaisers  Friedrich  1 für  Österreich  vom  Jahre 
1136  hauptsächlich  wider  .Tohanu  Aventin  nnd  Ur.  Wiguleus  Hundt. 

Diese  Schrift  findet  sich  in  einem  Codex  des  lG/17  Jahrhunderts  in  der  Hand- 
schriftenahtheilnng  der  Bibliothek  des  geheimen  Staatsarchives.  Kr  stammt  ans  dem 
Besitze  des  Grafen  Kmanuel  von  Törring  und  Gronsfeld,  ward  seinerzeit  von  dem 
OI>erhihliothekar  liufrath  Heinrich  Färinger  erworben,  aus  dessen  Bibliothek  ihn  der 
Akademiker  Dr.  v.  Drnll'cl  im  Joli  dieses  Jahres  als  Bestandthcil  einer  Sammlung 
baierischer  Landtagshandlungen  — er  selbst  enthält  die  der  Jahre  1556  und  156.7  — 
ersteigerte,  welche  er  alsbald  dem  geheimen  Staatsarchive  znm  Geschenke  machte. 
Das  Werk  umfasst  289  Blätter  in  Folio.  Der  Titel  lautet: 

.Apologia 

oder  Schutzrede  über  des  durchleuchtigisten  Hauses  Österreich  von  weyland  Kayser 
Friderichen  dem  ersten  hochloblicbster  gedechtnus  demselben  anno  11.36  gegebenen 
vnd  erthailten  ausechenlichen  Prinilegio 

wider 

weiland  Johannis  Anentini,  Bairischen  Historici,  vnd  Doctor  Vigelij  Hnndt  von 
Snltzemoosz,  fürstlichen  Bairischen  gewes.sten  Raths  vnd  Hofraths- Präsidenten  zue 
München,  wie  auch  anderer  viler  mehr  Bairischen  Historiensebreiber  etc.  schritflcn 
in  jhren  Historien  vnd  buechern  darbei  gesuechtem  vngleichem  verstandt  abbruch 
vnd  znesatz 

sambt 

.Ablainung  auch  anderer  vom  Auentino  dem  Laudt  vnd  Erzherzogthnmb  Österreich 
aufgotrungeneu  hochpräiudicierlicheu  praetensionen  vnd  fürgehiingen, 

darbei  anch 

der  Bairischen  Nation  rechte  vber  vhrnlte  ankunffl  angezaigt,  dagegen  die  aufge- 
tragene Boysche  oder  Gallische  verworfen  wiird, 

darinnen  auch 

anderer  Teiitschen,  sonderlich  aber  der  benachbarten  Völekher  vnd  Nationen  wahrer 
vrsprnng  vnd  deren  rechte  vhralte  nomina  — so  gmainglich  anderen  Historiographis 
viibewusst,  vnd  offt  maniiigfältig  darin  goirret,  oder  ains  fürs  ander  gehalten  wUrd  — 
mit  rechtem  sattem  gmndt  wflrd  dar  gethon  md  erörtert, 

gestellt 

vnd  mit  groszem  vleisz  vnd  langer  müehe  in  disz  buech  zuesamen  gebracht  durch 
den  wolgebomen  Herrn  Keicharten  Strein*®’)  Herrn  zue  Scharffenaw,  so  etlichen 


2G9)  Bass  ein  gewisser  gefaeimnissvotlcr  Schleier  seine  Schriften  am  Anfänge  des  17  Jnhrhonderta 
nnigab,  ist  fulgcnden  Aktenstücken  des  geheimen  Hansarchives  nnd  des  hiesigen  Kteisarchives  ans  dem 


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178 


Komischen  Kaysern  für  ain  gehaimen  Rath  gedient,  bochgodachtem  durchleucbtigstem 
Hansz  ynd  seinem  lieben  Vatterlandt  zno  schuldiger  pflicbt  rnd  ehren,  auch  billiger 
rettung  vnd  defension,  aasz  warhaiften  Historien  vnd  brieflichen  Vrkanden,  auch 
sonsten  gegründten  argumenten  beigefiiebrt. 

Ain  hoch  vnd  gehnimb  werckb 


Briefwechsel  des  Henof^  Maximilian  I mit  dem  Stadtphysikna  Dr.  Karl  Widemann  ron  Aagnbarg  za 
entnohmen.  Ton  welchem  in  der  akademischen  Festschrift  ..die  Pflege  der  Ottchichte  durch  die  Wit- 
teUbacher“  S.  50  bemerkt  worden,  dass  er  zu  wiederholten  Malen  in  der  Angelegenheit  des  baicri- 
schen  Hietorienwerke«  des  genannten  Herrschers  tbätig  gewesen; 

a) 

Am  13  August  1605  berichtete  er  dem  Herzoge,  er  sei.  als  er  jüngst  in  Böhmen  gewesen,  za 
Prag  mit  einem  vornehmen  Herrn  bekannt  geworden,  welcher  ihm  im  Vertrauen  von  zwei  geheimen 
Werken  gesprochen,  die  hiefür  von  Werth  sein  dürften. 

Das  erste  ist  die  eben  berührte  Apologie,  von  welcher  es  heisst,  sic  solle  „ein  aaszbund  von 
eim  fürnemen  werk"  sein,  und  für  das  Haus  Baiern  nach  der  Seite  der  Kenntnisa  der  Pratensrnnen 
gegen  dasselbe  nicht  za  untersebitzen.  Aach  habe  die  kaiserliche  Majest-at  den  ErWn  des  Verfassers 
20000  Tbaler  ansser  einer  weiteren  Gnadenbezeigung  verehrt. 

Die  andere  Schrift  .aonales  historici,  1000  Bogen  und  mehr,  ante  et  post  Christum  natnm, 
in  folio.  oder  historisches  jabrzeitbuch  der  herzogen  in  Baira  oder  marggraffen  ob  der  Enns"  wird 
gleichfalls  als  ein  für  Baiern  hochnothwendiges  Werk  bezeichnet,  da  seine  Geschichte  „secundum 
5 aetates  vleissig  verfertigt"  sei. 

Dr.  Widemann  bietet  seine  Dienste  zur  Erlangung  dieser  Arbeiten  an. 

b) 

Bezüglich  der  zuletzt  berührten  Schrift  berichtete  er  auf  einen  Befehl  vom  14  Marz  am 
8 April  1606: 

Auf  Euer  Durebl.  lestern  gnedigsten  befeicb  den  14  Martij  verwichenen  monats  an  mich  be* 
Schechen,  den  annalibus  historicis  ante  et  post  Christum  natuin  des  herizt^umb  und  hertzogen  in 
Bairn  oder  marggraffen  ob  der  Eos  nit  allain  fürderlichiston  nach  zuebedrachten.  sondern  auch  der^ 
selben  ersten  pdgen  von  20  bis  in  30  umb  weitter  ersehens  willen  zuer  bant  zuo  bringen,  hab  ich 
nit  gefeirot,  sondern  also  halt  an  bewost  hochvortrauttes  ort  mit  sonderm  vleiss  gesebriben. 

Euer  fürstl.  Durebl*  bcfelch  ein  gnüegen  ze  thuen,  übersende  derselben  ib  hiebei  angedeütter 
pögen  des  anfanges  25.  und  seind  dise  annale»  von  bem  Strein  selig,  so  dreien  Kaisern  für  ein  ge* 
baimen  rat  gedien^'t  und  alle  urcana  domus  AuRtriacae  under  seinen  handen  gehabt,  dedneiert  usque 
ad  annum  Christi  1559:  und  werden  gern  Qfs  wenigste  derselben  auf  300  pögen  sein  werden. 

Dise  Annalee  historici  hern  baronis  Strein  wie  auch  andere  aelne  Schriften,  Euer  Durebl.  von 
mir  hinderlassen  und  underthenigst  angedeütet,  reimen  und  schicken  sich  alle  — nämlich  nach  einer 
besonderen  Anfügung:  Apologia,  Aonales,  Privilegia,  Dednetion  schrift  — wol  zsamen,  referiert  sich 
je  ein  schrilt  auf  die  ander,  interpretiert  auch  eine  die  ander. 

Ligt  ounmer  alles  an  dem  das  Euer  Durebl.  sich  gnedigsi  an  airo  und  anderem  resolrierGD. 
was  dero  wil,  mainung  und  weitterer  befclcl)  ist 

Es  seint  zwar  an  disem  hoebvertrautten  ort  da  emaote  arcana  reponisrt  noch  irier  hochwüclitige 
Sachen  so  Eurer  Durchl.  sue  hohem  nutz  und  frommen  gedeieu  mögen  verbanden,  wiri  aber  von 
nutten  sein,  der  apologiae  erstlichen  ainen  aastrag  zue  geben,  and  den  übrigen  dreien  angeilcütten 
Schriften  Eurer  Durchl.  gnedigstem  verheissen  nach:  so  mag  das  übrige  von  mir  desto  füeglicbcr  auch 
zner  stel  gebracht  und  Eurer  Durchl.  underthenigst  zue  geordnet  werden. 

Im  fal  non  Eurer  Dnrchl.  vorhergehende  und  auch  zuekonftige  meine  angebottene  ander* 


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17'J 


Das  Werk  selbst  beginnt : Es  haben  Johannes  Auentinns,  ein  bernehmter  ge- 
lehrter Mann  vnd  erfahrner  fleissiger  Historicus,  in  seinen  Lateinischen  Boiornm 
Annalibus  rnd  in  der  Tentschen  seiner  Bayrischen  Chronickh,  wie  auch  Herr  Vige- 
lius  Hnndt  von  Snlaenmoosz  u.  s.  w. 


theoiffste  «iienit  zoe  gnediestein  gefallea  ger&ichet  und  konftig  raiclteo  möchten,  da  ih  varlicheo 
allerlai  müe  versaumoas  coaten  and  cleiga  willig  angowendet  bisher,  und  angedeutte  Sachen  dise 

über  mir  bei  tag  und  nacht  hoch  angelegen  sein  lassen,  auch  one  persönliches  hinralaen  dise 
angedeütte  sachen  — und  was  etwan  noch  liinderstellig  Eurer  Durchl.  hochnutzlich  gwUs  zue  erfareo  — 
mir  kaum  zuo  erbeben  getrau,  bit  und  erioner  Euer  Durch!,  ih  biemit  undertheuigst,  mich  mit  einem 
gnuegsamen  idaher  ersprieslicfaeo)  stipendio  seu  salario  annuo  ad  annoe  vitae  mee  protenso  gnedigst 
bedencken,  in  disen  Eurer  Durchl.  angedeOttoo  hochwöchtigco  und  hochnntilichen  Sachen  d^to  besser 
und  freudiger  ans*  und  abwarten  möge,  gedrau  mir  durch  götlicben  beisUnt  Eurer  Durchl.  diss  an 
aim  vil  merern  und  derselben  inor  erfreulichen  vilraltig  wider  herein  ze  bringen,  nit  allain  in  disen 
sondern  auch  andern  Sachen  Euer  Durchl.  zue  erfreQen  und  dero  bobeit  weitter  zue  erheben,  dise 
hohe  Sachen  (meines  schlechten  Verstandes)  seint  einer  furstUeben  begiiadigung  gantz  wol  wQerdig, 
weil  die  Jetzig  kais.  Maiest.  uinb  die  aintzige  Verfertigung  der  a{K>Iogiae  bem  Strein  seligen  erben 
20,U00  taler  allergncdigst  vereret,  sambt  noch  einer  andern  kaiserlichen  gnad,  als  Eurer  Durchl.  in 
meim  ersten  schreiben  an  dieselbe  ih  auch  underthenigst  angedeOttet  hab  mense  Augusto  605. 

c) 

Nach  einem  Erlasse  des  Herzogs  an  Marx  Welser  zn  Augsburg  vom  21  Februar  1607  sollte 
dieser  die  alte  österreichische  Chronik  von  Dr.  Widemann  übernehmen,  und  ihm  dafür  200  Golden  oder 
dergl.  unter  Discretion  anbieten,  wie  der  anderen  Bücher  wegen  mit  ihm  handeln,  wenn  er  darunter 
etwas  brauchbares  finde. 

Ob  sich  das  auf  Schriften  d^  ßeichard  Strein  bezieht,  ist  zwar  wahrscheinlich,  allein  eben  so 
wenig  sicher  ausgemacht  als  bei  dem  Befehle  au  die  Rofkaromer  vom  10  August,  dem  Dr.  Widemann 
für  ein  „grosses  geschrtbenes  Historibueb'^  200  Gulden  zu  zahlen. 

d) 

Nachdem  er  am  26  Mai  1607  darüber  was  er  „weitter  wegen  der  Apologiae  wider  Aueotinum 
jnn  Böhem  so  wohl  schrifftlicU  alsz  mündlich  verrichtet,  vnd  worauf  die  sach  berhue“  Bericht 
erstattet  batte,  ihm  aber  hierauf  innerhalb  zweier  Monate  keine  Antwort  zugegangeo  war,  bat  er 
deashalb  am  21  Juli  um  Entscbliessung. 

e) 

Eine  solche  ist  aber  — wie  es  den  Anschein  bat  — wieder  nicht  erfolgt,  denn  er  brachte  den 
Gegenstand  am  3 Februar  160ä  neuerdings  mit  dem  Bemerken  in  Erinneruiig,  dass  er  gleichwohl  es 
dabin  gebracht  habe,  dass  ihm  das  Buch  insgeheim  zur  Abschrift  geschickt  worden.  Es  komme  jetzt 
darauf  an.  was  der  Herzog  thon  wolle  Der  Besitzer  meine,  durch  den  Druck  3000  Gulden  gewinnen 
tu  können,  wolle  aber  davon  abstebeo,  wenn  mehr  gegeben  werde. 

0 

Dieses  Schreiben  wurde  dem  Marz  Welser  mitgetheilt,  von  welchem  wir  anderw&rts  her  — 
vgl.  die  berüttrte  akademische  Festschrift  S.  4^1/44  und  die  Beilage  XI  Ziff.  9 daselbst  S.  (60)  — 
wissen,  dass  er  bereits  io  einem  Briefe  an  Dr.  Johann  Georg  Hörwart  von  Hobeoburg  vom  30  Sep* 
tember  1600  bezüglich  einer  österreichischen  (Thronik  im  Stifte  Mondsee  geäussert : Dem  ersten  bueeb, 
als  cbrooicao  Austriacae,  facit  precium  das  in  rceonditioro  Abbatis  bibliotheca  sein  und  Dr.  Strein 
stark  darnach  sol  traebt  haben. 

Er  schaute  die  Sache  sehr  nttebtem  an,  und  sprach  am  11  Februar  1608  sieb  unumwunden 
dahin  ans,  er  meine  noebmals,  der  Herzog  solle  sich  mit  Dr.  Widemann  nicht  einlaascn.  Könnte  der 

Abh.  d.  111.  CI.  d.  k.  Ak.  d.  Wiss.  XV.  ßd.  III.  Abth.  24 


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Uer  SchlnsK  lautet;  >las  Herzog  Leopoldt  in  urieutaleui  lioiariaui,  in  rniler 
Uaircu  (in  Oe-sterreicii)  aicti  begeben  bab : dan  ob  er  wol  Herzog  in  Beim  vnd  nebeus 
Margrafe  in  Österreich  gewesen,  so  hat  doch  aiues  mit  dem  andern  kain  gemain- 
schaCfl  gehabt,  so  wenig  als  irzo  Vngarn  vnd  Österreich,  Österreich  vnd  Bayren  hat. 

Zn  allenfallsiger  Wrgleichnug  können  von  hiesigen  Handschriften  die  Codd. 
germ.  118.5  S.  1 — 5fi7  und  1186  der  Hof-  und  Staatsbibliothek  beigezogen  werden. 


XII.  Zu  Beite  130. 

Zwei  Arbeiten  des  Bartolomeo  Zncchi  von  Monza 
in  deutscher  Uebertragung. 

Sie  stehen  in  einem  gewi.ssen  Zusammenhänge  mit  der  ältesten  baierischon  Ge- 
schichte, theilweise  auch  mit  den  bekannten  Bearbeitern  derselben  nnter  Herzog  Ma- 
ximilian I , Marx  und  Paul  Welser.  Beide  Schriften  hinterliegen  im  geheimen 
Staatsarchive. 

a) 

Die  erste  ist  die  ..Histori  von  der  durcbleuchtigsten  Krawen  F[rawJ  Uietliud, 
Künigin  der  l.ombarder,  welche  die  Kayserlicbe  Statt  Monza  erhebt,  vnd  alda  die 
berümte  Kirchen  St.  .loban  des  Tauffers  erbawen  hatt“  auf  79  etwas  mehr  als  halb- 
lirQchig  beschriebenen  Seiten  in  Folio. 

Kine  Vergleichung  des  Wortlautes  der  Briefe  des  Pabstes  Gregor  an  den  Bischof 
Constantins  von  Mailand  und  die  Künigin  Theodolinde  im  zwölften  Kapitel  „der 
Bapst  bemühet  sich,  die  vbel  verlaitete  Königin  Dietlind  wieder  auff  den  rechten 
weg  zu  bringen,  vnd  gelingt  jme“  auf  S.  24  und  25  mit  dem  in  des  Paul  Welser 
deutscher  Bearbeitung  der  baierischen  Geschichte  seines  Bruders  Marx  S.  21 1 und 
212  zeigt  höchst  auffallende  Uebereinstiinmnng. 

b) 

Die  zweite  ifrt  die  „knrze  Histori  von  der  Eisineu  Krön,  vud  Verzeichnusz  der 
König  und  Kayser,  welche  darmitt  jnn  der  Kayserlicben  Statt  Monza  vnd  anderstwa 
gekrönt  seind  wonlen“  wieder  auf  79  etwas  mehr  als  halbbröchig  beschriebenen 
Seiten. 

(legen  den  Schluss  auf  S,  77/78  kurz  vor  dem  Tode  des  Kaisers  Karl  V ge- 
schieht da  bei  Erwähnung  des  Augsburger  Reichstages  auch  des  Marx  Welser  in 


Besitzer  de*  Werke*  durch  den  Druck  3000  Gulden  Teolienen,  »o  hatte  er  ihn  gewiss  schon  unter- 
oomroen.  Wenn  aneb  Herr  Reicbard  Strein  dem  ÄTentin  und  Dr.  Hundt  etliche  Unrichtiglceiten  nach« 
weise.  90  enUtehe  hieraus  für  Baiern  kein  aosserordentlicher  Sdiaden,  die  Wahrheit  werde  schliesslich 
weder  »o  noch  so  endgiltig  nnteHrückt  werden. 


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181 


Bcbnieichelbaft«^ter  Weise  Krwiihnuiig.  Weil  der  Kayser  — heisst  es  — jnn  Ifalia 
gewest , halt  er  einen  allgemeinen  Reichstag  gen  Augspurg  anszgeschrihen : welche 
Stat  ohne  das  bcrßmt,  vnd  jetzo  durch  Herrn  Marxen  Welser,  meinen  geliebten 
Herrn  vnd  grossen  freund,  so  von  (ieschlecht  eines  alten  Adels,  von  wandt  vordere 
gottselig  — anilercr  seiner  hohen  qnalitcten,  welche  dnreh^die  Werkh  so  er  jnn 
den  Trnkh  gefertigt  meniglich  bekannt,  zn  geschweigen  — noch  vil  berümter 
worden. 


Xlll.  Zu  Seite  130. 

Zur  CJeschichte  des  Kurfürsten  Friedrich  I von  der  Pfalz, 
des  Siegreichen. 

Die  Handschriftenabtheilung  der  Hibliothek  des  geheimen  Hausarchives  verwahrt 
fünf  je  für  sich  mit  weiss-blanen  Scidenfäden  geheftete  Convolute  in  Folio,  von 
einer  Hand  der  zweiten  Hälfte  de.s  vorigen  Jahrhunderts  halbbrnchig  geschrieben, 
je  mit  dem  Titel : Merckwtlrdige  meistens  unbekannte  aus  dem  Chnrfürstlicheu  Archiv 
gezogene  Nachrichten. 

Darin  findet  sich  eiu  so  bezeichuefes  „Diarium  Friderici  Victoriasi  ab  anno 
144!)  usque  1458“  in  der  Abtbetlung  111  § 15  von  1419—1458,  in  der  Abth.  IV 
§ 16  von  1458—1461,  in  der  Abth  V § 21  von  1461  — 1472. 

Der  gelehrte  vnd  Heissige  Abt  Schannat  — heisst  cs  am  Eingänge  — hat  bey 
seiner  anwessenheit  zu  Korn  die  Erhinbnns  erhalten,  aus  der  Pfältzisclien  Hibliothek 
im  Vatican  ein  vndt  anderes  so  ihm  dienlich  scheinen  würde  zu  eztrahiren.  Was 
er  nun  daraus  entnommen,  solches  ist  nach  seinem  ableben,  in  etwa  30  bisz  40 
Rogen  bestehendt,  zu  dem  ChurfUrstl.  -\rcliiv  abgegeben  worden,  vndt  darunter  ein 
Tagbuch  Churfurstens  Friderici  I befindlich. 

Die  Aufzeichnungen  selbst  um  welche  es  sich  handelt  beginnen:  In  der  zyt 
alsz  man  zait  von  Christus  geport  MCCCC  vndt  XLIX  jar,  off  raitwoeb  vor  assumptio 
Mariae  virginis,  vndt  der  was  off  einen  frytag,  zu  XII  uwren  starp  Herzog  Ludwig 
Pfaltzgrane  hy  Ruin  vndt  Herzog  zn  Beyern,  zu  Woriusz  in  der  Domprobstie.  vndt 
was  der  hischoff  von  Meintz  ouch  da,  vndt  ander  vil  herru  vnd  graffeu  u.  s.  f.  in 
der  Weise  wie  in  den  in  der  zweiten  Abtheilung  unter  Num.  70  berührten  Auf- 
zeichnungen des  Michael  Arroden. 

Der  Bchluss  lautet:  In  dieszem  Krieg  haben  ouch  die  graffen  von  Nassaw,  die 
Ringruffeu,  vnd  juncker  Winrich  von  El>erstein.  Herzog  Ludwig  fil  gefangen. 

Wie  bereits  am  erwähnten  Orte  bemerkt  worden,  hat  man  es  wohl  mit  dem 
Anonymus  spirensis  znr  Geschichte  des  Kurfürsten  Friedrich  I,  des  Siegreichen,  zu 
thun.  Wenigstens  stimmt  — abgesehen  von  anderem  — die  Stelle  welche  Christof 
Jakob  Kremer  in  der  Note  h der  Vorrede  seines  bekannten  Werkes  Uber  denselben 

24* 


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182 


mittheilt  hier  folgendermftsseii : Da  das  geschläge  schier  zergangen  was,  do  komen 
die  wepener  zu  lauffen,  und  waren  wir  von  Spier  die  ersten  mit  vnszern  fenlen  in 
der  wagen  bnrg. 


XIV.  Za  S«U«  130. 

Des  K urfUrsteu  Maximilian  Gmanuel 
prima  expeditio  ad  Dannbium, 

in  lateinischen  Versen  besungen  und  mit  allegorischen  Darstellungen  geschmückt,  im 
grössten  Folioforniate  von  50  Centim.  Höhe  und  37  Centim.  Breite,  in  einem  mit 
blauem  Seidenmoire  überzogenen  Pappendeckelbande,  dessen  Innenseite  rothes  Glanz- 
papier bildet,  in  welchem  unter  lauter  Arabesken  in  Golddruck  zwischen  munteren 
Genien  einer  in  der  .Mitte  des  Ganzeu  mit  einem  Lorberkranze  in  der  vorgestreckten 
Linken  und  einem  Palmenzweigo  in  der  hocherhobenen  Rechten  dahinschreitet,  im 
geheimen  Hausarchive. 

Auf  das  in  Kapitalbnchstaben  von  2‘/»  bis  über  3 Centim.  Höhe  in  grauem 
Tusche  au.sgeführte  Titelblatt  „Prima  expeditio  a<l  Danubium"  folgt  das  er.ste  Bild, 
nach  einer  unten  auf  der  linken  Seite  angebrachten  Bemerkung  von  Jonas  Wolf  im 
.Tahre  1704  gefertigt,  auf  einem  hohen  Mauersockel  mit  zwei  Vorsprüngen  den  Kur- 
fürsten Maximilian  Kmanuel  darstellend , wie  er  hoch  zn  Ross  in  der  Kleidung  der 
alten  Imperatoren  vor  Kriegstrophäen  und  vor  zwei  Pyramiden  dahiusprengt,  von 
welchen  die  anf  der  linken  Seite  dem  Andenken  an  die  Kämpfe  bei  Schmidmühlen 
und  Hochstätt  gewidmet  ist , die  andere  rechts  denen  von  Eisenbirn  und  Munder- 
kingen,  woran  sich  noch  weiter  Medaillons  mit  „capit  IV  vrbes“  und  unter  „conivnctio“ 
mit  der  Anspielung  auf  die  Vereinigung  der  baierischen  Truppen  mit  den  fran- 
zösischen reihen.  Zu  deu  Füssen  des  Reiters  ist  der  Name  von  Ülm  in  der  Mitte 
angebracht,  links  der  von  Augsburg,  rechts  der  von  Regensburg,  die  letzteren 
beiden  mit  ihren  Wappen , zwischen  welchen  sich  noch  von  links  nach  rechts  die 
Wappen  von  Kempten,  Füssen,  Memmingen,  Passau,  Oillingen,  Lauingen  finden, 
ans  deren  Mitte  noch  das  von  Nenburg  über  das  obere  Gesimse  des  Mauersockels 
herabragt.  In  diesem  selbst,  dessen  beide  Vorsprünge  je  zwei  Medaillons  zieren, 
links  mit  den  Ueberschritten  „tutus  a tergo“  und  „solvit  vel  eivdit“  wie  rechts  mit 
„arceo  praedantes“  und  der  schon  auf  die  „seennda  expeditio“  in  den  viel  oder 
wenig  sagenden  Worten  „plnra  latent“  gefassten  Anspielung,  ist  ein  niedlich  ge- 
fertigtes Kärtchen  eingefügt,  welches  den  gesaramten  Schauplatz  der  „prima  ex- 
peditio“ vor  Augen  führt. 

Die  folgenden  fünf  Blätter  fällen,  wie  alles  folgende  in  einer  Raudeinfassung 
von  einer  einfachen  dunkelrotfaen  Linie,  die  Hexameter  über  die  Gesammtdarstellung 
von  der  Schlacht  bei  Eisenbirn  angefangen,  je  14  Zeilen  auf  der  Seite  umfassend. 
Sie  beginnt : 


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185 


Jam  Macedüm  cessate  ducem ; cessate  subactj 
Persarum  fastüs  domitorera,  A«iae<)ae  potentia 
Victorem  aonio  super  aethera  tollere  cautu. 

Den  Schlnss  bilden  die  Verse : 

At,  tibi  quae  canimus,  sunt  facta  receutia,  nostris 
Visa  oculis,  uec  iama  potest  tibi  demere  quidquam, 

Aut  fidei  maculas  aspet^ero  longa  vetustas. 

Deniqiie  factorum  si  quisquam  comparet  annos, 

Nnllus  Alexandrum  posthac  mirabitur,  nt  qui 
Tanta  decennali  perfecit  tempore ; tantis 
Vt  mtiles  factis,  onus  tibi  sufficit  annus. 

Von  da  folgen  unter  je  einem  besonderen  in  grossen  Kapitalbachstaben  ge- 
fertigten Titelblatte,  welchem  sich  wieder  auf  eigenem  Blatte  eine  dahin  bezügliche 
allegorische  Darstellung  in  grauem  and  dankelgelbem  Tasche  je  über  einem  Sockel 
mit  einem  besonderen  Spruche  anschliesst . die  Diaticha  zu  nachstehenden  Ab- 
schnitten : 

Maria,  coelurum  regina,  protectrix  Maximiliani  Magni  et  Bavariae, 
Maximilianns,  Barariac  dux,  detensor  religionis  et  patriae, 

Maiimilianns  rincit  hostes  primo  ad  Eisenbirnam, 

Masdmilianus  rincit  hostes  secundo  ad  Schmidtmilt, 

Maximilianns  rincit  hostes  teriio  ad  Mvnderckingen, 

Maximilianns  rincit  hostes  quarto  ad  lloechstett, 

Maximitianus  irngit  suas  copias  cum  gallicis, 

Maximilianus  capit  XIV  rrbes  et  oppida, 

Maximilianns  liherat  dnas  arces  ab  obsidione, 

Maximilianus  Barariam  liherat  ab  incrrsionibrs, 

Maximilianus  spectante  boste  srbsidirm  immittit, 

Maximilianus  ad  secvndam  expeditionem  se  parat  : 

Hactenus  iusignes  cornu  tibi  copia  gazas 
Fudit,  et  ex  pleno  deplnit  illa  sinn. 

Quas  tibi  diritias  laurorum  porro  refundet, 

Nunc  canere,  o Princeps,  nostra  canioena  neqoit: 

Nam  velrt  obten.w  relo  nunc  obtegit  nrnam, 

Proque  futuro,  inqnit,  tempore  PLVRA  LATENT. 

Hinc  arida  exspectat  reniens  tua  Boia  tempus, 

Quod  Patri  patriae  clara  tropbaea  feret. 

Et  quoqne  iam  cupidis  exspectat  tempora  plectris, 

V t laoros  iterum  nostra  camaena  canat ! 


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184 


XV.  Zn  Seite  132  Note  237. 

Streithandel  der  Herzoge  .\lbrccht  und  Wolfgang  von  Oberbaiern  gegen  den  Pfalz- 

grafen  Knprccht 

wegen  der  V'erlassenech aft  des  Herzogs  Georg  von  Niederbaiern 
auf  dem  kaiserlichen  Rechtstage  zu  Augsburg  vom  5 bis  18  Februar  1505. 

a) 

Frierlrich  Kaspar  V.  Günter  behandelt  ihn  in  seiner  im  geheimen  Hansarchive 
anflwwahrten  „kurzen  jedoch  verlässigen  Nachricht  von  der  Bayrischen  Fehde,  da.s 
ist  demjenigen  Streit  welcher  sich  zu  Anfang  de.s  IBten  Jahrhunderts  um  die  Krb- 
achafft  Herzogs  Georgen  von  Bayern  Landshutischer  Linie  zwischen  dem  Pfalzgrafen 
Ruprecht  einer  sodann  denen  Herzogen  von  Bayern  .Mlinchischer  Linie  Albrecht 
und  Woltl'gang  anderer  seiths  ereignet  hat“  aus  dem  Jahre  1765,  welche  in  theil- 
weisc  veränderter  Fassung  auch  in  den  Acta  acadcmiae  Theodoro  - Palatinae  zu 
Mannheim  Tom.  V 8.  445 — 464 — 472  zu  hnden,  in  den  Sg  II — 26. 

Die  Beilagen  D — S dieser  Abhandlung  bildet  eine  ohne  Zweifel  ans  einem 
Aktenstücke  des  kurpfälzi.schen  Ärchives  zu  Mannheim  gezogene  Abschritl  der 
Vorgänge  auf  dem  berührten  kaiserlichen  Reclitstage. 

Sie  entsprechen  den  Mittheilungen  in  Franz  v.  Krenner's  baierischen  Land- 
tagshandlungen XIV'  von  S.  178  an  im  einzelnen  folgenderraassen : D = S.  178  bis 
183,  K S.  183  bis  200,  F = S.  200  bis  219,  G = S.  226  bis  260,  H = S.  261 
bis  287,  P = S.  288  bis  325,  S = S.  335  bis  394  mit  unterschiedlichen  Aenderungen. 

Die  Beilagen  .1 — 0 wie  Q und  K,  welche  hier  nicht  berührt  sind,  enthalten 
nachstehendes : J die  erste  kaiserliche  Anwerbung  zum  V'ergleiche  vom  .Montage 
nach  Remini.scere  des  Jahres  1504,  K die  zweite  vom  Dienstage  nach  Reminiscere, 
L die  dritte  vom  Donnerstage  darauf,  M die  vierte  vom  Samstage  nach  Oculi  mit 
der  Antwort  des  Herzogs  Ruprecht,  N die  Erklärung  der  kaiserlichen  Käthe  über 
den  Sinn  des  bekannten  hübschen  kaiserlichen  Interesse,  O die  Anerbietung  der 
kaiserlichen  Allianz  an  die  Pfalz  vom  Sonntage  Laetare,  mit  der  .Antwort  des  Her- 
zogs Ruprecht,  Q den  kaiserlichen  ürthcilsspruch  zu  Augsburg  vom  20  April, 
R -des  Herzogs  Alexander  „bewarung“  vom  Mittwoche  nach  dem  Fronleichnamstage 
des  Jahres  1504. 

b) 

Eine  andere  Ahschrift  dieser  V'erhandluugen  gleichfalls  aus  dem  vorigen  Jahr- 
hunderte lindet  sich  im  geheimen  Staat-sarchive  auf  acht  je  für  sich  gehefteten  Lagen 
von  verschiedenem  Umfange  in  Folio,  wovon  die  dritte  mit  der  HauptiiberschriR 


270)  'VS'cni^nt«iid  ttQS«crt  der  Verfaeser  in  $ 27 : Hier  nan  nehmen  die  Kftcbrichten  des  all- 
biesigen  Archivs  ein  Ende;  aiHl  finde  ieb  nur  in  Büchern,  dass  im  jetstgedacliton  Jahre  nämlich 
1507  — auf  damabligem  Keiefasztag  za  Cosinis  die  sach  ToUkommeo  abgctlian  o.  s«  w. 


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löO 


„Extract  aus  der  gerichtlichen  Verhandluug  Her/^  Georgii  divitis  an  Laudshut  Ver- 
lassenscbafft  betreffend“  aus  einem  Baude  hcrausgerissen  oder  berausgeschuitten  ist. 

Jede  dieser  Lagen  enthüll  ein  Ijesonderes  SlQck  der  in  Rede  stehenden  Akten. 
Die  erste  mit  der  zu  unserer  Nuui.  22a  stimmenden  allgemeinen  Eingangsüberschrift 
„Hernach  volgen  die  handlang  so  vor  kais.  Majestät  Kurfürsten  Fürsten  und  andern 
des  heiligen  Reichs  und  des  lobl.  Fundts  im  Land  zu  Swalren  stendeu  durch  Herzog 
Albrecht  und  Herzog  Wolfgang“  u.  s.  w.  den  Anfang  bis  zu  Herzog  Ruprechts 
erstem  Vortrage.  Die  zweite  diesen.  Die  dritte  unter  der  oben  schon  berührten 
Ueberschrift  der  Herzoge  Albrecht  und  Woltgang  zweiten  Vortrag  vom  Mittwoche 
nach  deu\  Dorotheentage.  Die  vierte  die  Duplik  von  .Seiten  des  Herzogs  Ruprecht. 
Die  fünfte  die  Triplik  o.  s.  w.  bis  — vgl.  unsere  Nummer  22  b — Herzog  Ru- 
prechts Beschluss:  wo  aber  die  guetigkait  nit  verfangen  möcht  werden,  vuverpfendt 
seines  Rechtens  will  er  es  auf  sein  vorigen  gethanu  Rechtpotten  bestehen  und  l>e- 
leibeu  lassen. 

c) 

Wieder  im  geheimen  Staatsarchive  findet  sich  ein  aus  dem  vorigen  Jahr- 
hunderte stammendes  Bruchstück  von  drei  je  für  sich  gehefteten  Lagen  in  Folio, 
am  imteren  Rande  des  jeweiligen  ersten  Bogens  mit  1—3  bezeichnet,  oder  34  be- 
schriebenen .Seiten,  mit  der  eben  in  b angeführten  allgemeinen  Eingangsüberschrift 
bis  gegen  das  Ende  des  drittletzten  Blattes  der  daselbst  bemerkten  Lage  3. 

a) 

Ausserdem  liegt  im  geheimen  Staatsarchive  auch  noch  der  Schloss  einer  anderen 
Abschrift  wieder  des  vorigen  Jahrhunderts,  bestehend  ans  zwei  Lagen  in  Polio,  in 
der  linken  Ecke  des  unteren  Randes  mit  ü und  10  bezeichnet,  von  4 und  von  2 
znsammengehefteten  Bogen,  von  deren  zweiter  die  letzten  3 Seiten  nicht  mehr  be- 
schrieben sind. 

An  den  vorhin  unter  b berührten  Schluss  knüpft  sich  hier  noch  unter  dem 
Anfligen  „Vermerkt  die  so  von  der  gemayneu  Landschaft  zu  Aichach  gehalten  am 
Montag  nach  Sontog  invocavit  1504  zu  einem  ausschusz  verordnet  siudt  samt  der 
kon.  Maj.  zwischen  den  Hartheyen  der  Fürsten  gnetlichen  zu  handlen“  das  Ver- 
zeichni.ss  der  Vertreter  der  baierischen  Ritterschaft,  während  die  des  Prälatenstandea 
nicht  mehr  aufgezählt  sind. 


XVI.  Zu  Seit«  132. 

Des  „Hanns  Pauls  Pirkher  von  Pirkh,  Guttnekher  genandt“ 
kurtzlich  bedenckhen  wegen  Keuterey  in  Bayrn  etc.  anno  1606. 

Es  nmfaast  dieses  Aktenstück  des  genannten  am  Schlüsse  eigenhändig  nnter- 
zeichneten  Hauptmanns  vorm  obern  Wald  and  zu  Furt  sechs  zusammengeheftete 


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186 


Bogen  in  Folio  im  geheimen  Staab^archiTe , wovon  die  letzte  ursprünglich  leer  ge> 
weseue  Seite  zn  dem  archivalischen  Vermerke  %*erweudet  ist:  Copia.  Haubtmans 
vorm  oberu  Waldt  vnderthenigst  bedenkhen,  aus  wasz  Vrsachen  vnnd  warumb  die 
fursth  Durchl.  etc.  mein  gnedigster  her  in  Beyern  etc.  die  Tentsche  Beiterej  wider 
herforbringen  solle.  Vuderm  dato  den  10  Nouember  anno  etc.  6.  Ir  Durchl.  zu 
aigen  handen. 

Unter  einer  Reihe  von  Erzählungen  über  miterlebte  Kriegsereignisse  wird  auch 
bei  Gelegenheit  eines  solchen  vor  Bergen  in  Heunegau  aus  dem  Jahre  1576  und  der 
Erwähnung  des  Hanns  Clas  Russwonn  bemerkt:  damals  meines  obersten  herm  Hein- 
richen von  Staius  etc.  des  hochtheurn  manua  seligen  Rittmeister  ainer«  jetzo  noch 
verhoffentlich  im  leben,  der  eitest  Rittmeister  im  Reich,  vnnd  des  Bistumbs  Bam- 
berg besteiter  Rittmeister  vnd  Ämbtmann  zu  Pottensteiu. 

Nachdem  auf  deu  ersten  acht  Blättern  der  Gegenstand  von  dem  die  Rede  mit 
aller  Begeisterung  für  die  deutsche  Reiterei  und  ihre  8chlagordnuug  in  kernhafler 
theilweise  mit  derben  Sprüchen  untermischter  Ausdrucksweise  *’*)  behandelt  worden, 
knüpft  sich  daran  eine  kurze  Zusammenfassung  der  Hauptfragen  in  sieben  besonderen 
Ziffern,  weiter  Ansichten  Über  die  ,,Beuelch**  oder  Chargen,  dann  eine  beiläufige 
Uebersicht  über  „Costen  vnnd  vnndterhalt  im  feldtleger^^  zum  Abschlüsse. 


XVII.  Zu  Seite  132. 

Des  Franz  Joseph  Freiherrn  v.  ünertl 
succincta  Dednetio  Jurium  Bavaricorum  ad  Regna  et  Proviucias  Ausiriacas, 

in  schöner  Reinschrift  auf  drei  für  sich  gehefteten  Lagen  in  Folio  mit  73  beschrie- 
benen Seiten  im  geheimen  Staatsarchive. 

27t)  Hergcgen  — lautet  ein  Absatx  gleich  auf  S.  4 — die  Beaterey  so  in  keiner  ordnang  vnd  ge- 
stalt gefQrth  oder  gehalten,  oder  auch  so  die  Peniobnen  sieh  »o  vngeachickbt  erzeigen,  sonnderlich  in 
dem  ij  nit  wissen  weder  handt  fness  noch  leib  sehalten,  henngeo  an  pferden,  schlampen  daher  wie  dia 
Mexker,  können  kein  halffter  ztuamtnen  legen  noch  anfbindten,  mach  dem  Sprichwortt  nach  nit  ein 
Pigl  recht  ln  Sattl  ziehen,  was  dergleichen  ReateriMhe  Process  (deren  soail.  das  wo  es  in  bQcbem 
beschriben.  einer  daran  zetragen  bett)  aber  darauf  ordeolich  gelemet  vnd  von  Jungen  oder  denn 
Jenigeo  gemeiniglich  durch  die  wähl  vnd  wer  es  besser  kan  vmb  ein  bar  Packhenstreich  dispuUrt  wirdet. 

Vnndt  was  — heisst  es  sodann  fast  ganz  am  ischlusse  — bedarf  es  vil  ? es  wer  nit  von  kurtz- 
weil  wegen  angefanngen,  ist  wol  zueraebten,  diser  Orden  batt  aneb  sein  Leiden,  wie  ein  bekhandt  alt 
Sprichwortt  Untt: 

wann  die  Kriegsleuth  sieden  vnnd  braten, 
die  geistlichen  zn  weltlichen  Sachen  rathen, 

VDod  die  weiber  haben  das  R^imeot, 
so  niffibts  selten  ein  gueta  enndt. 

Zo  dem  ersten  Verse  ist  an  den  Band  bemerkt:  NB  das  ist  wan  si  gutt  Qnatir  haben. 


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187 


Sie  stannnt  aus  dein  Jahre  1731  oder  1732,  indem  einmal  auf  S.  38  und  72 
einea  kaiserlichen  Commissionsdecretes  an  den  Reichstag  zu  Regenaburg  vom  18  Ok- 
tober 1731  bezDglich  der  pragmatischen  Sanction  vom  19  April  dieses  Jahres  Er- 
wähnnng  geschieht,  und  sodann  der  Verfasser  sich  in  der  sogleich  in  Beilage  XVIII 
zn  berührenden  Arbeit  S.  6.6  wörtlich  dahin  äussert : Wie  in  Dednctione  Jurinm 
Baearieoruffl  ansgefiert  worden,  solle  wohl  ben  in  anno  1246  erfolgten  abgaug 
Friderici  Bellicosi  Ultimi  aus  der  Ärnolphiniscb-Bajrriscb  - Bsbenbergischen  Linie 
Dncis  Anstriae  dessen  Frau  Schwester  Constantia,  Leopoldi  Illnstris  Dochter,  u.  s.  w. 

Das  Werk  beginnt:  Quemadmodum  manifestum  et  uotnm  omnibus  est,  Prag- 
maticam  Sanctionem  ab  Imperatore  Carolo  Vl'°  angnstissiiuo  Viennae  19  aprilis 
anno  1731  promulgatam  deücientibiis  masculis  Archi-Diicibus  filias  suas  Archi-Duces 
secuudnm  ordinem  Primogeniturae  primo  loco  u.  s.  w. 

Es  schlicsst:  quae  lides  justicia  et  plenissima  reservatio  tarnen  in  totum  cor- 
rucret,  dum  novus  per  eandem  Pragmaticain  introductus  Successionis  ordo  in  snm- 
muni  Domns  Bavaricae  praeiudicium  damnum  et  irreparabile  detrimentnm  contra 
sacratissimum  Caesareae  Majestatis  verbuin  intentarelur. 

An  zwei  Stellen,  zu  S.  14  und  63,  finden  sich  zwei  Fmaungsänderungen  ein- 
gelegt, die  erste  in  einem  besonderen  Bogen,  die  zweite  auf  einem  eigens  inliegenden 
Blatte,  nach  den  beigefügten  Bemerkungen  des  Verfassers  auf  die  einschlagenden 
Ausfertigungen  an  Frankreich  berechnet. 


XTIII.  Zu  8«ite  132. 

Des  Franz  Joseph  Freiherrn  v.  ünertl 
Deductio  bistorica  praeliminaris  et  superficialis  jurinm  Ducum  Bavariae 
in  terras  Austriae, 

auf  17  und  einem  halben  Bogen  in  Folio  im  geheimen  Staatsarchive,  halbbrüchig 
geschrieben,  mit  besonderen  Bemerkungen  des  Verfassers  auf  der  leeren  Hälfte. 

Sie  zerfallt  im  Ganzen  in  zwei  Quaestioues. 

Die  erste  handelt  bis  etwas  nach  dem  Anfänge  des  16  Bogens  davon : wie  die 
Oesterreichische  Lande  mit  deren  zuegebör  von  dem  haus  Barm  körnen , vnd  durch 
was  miti  die  ieztmablige  Herzogen  aus  Oesterreich  habspurgischen  Btamen  solche 
Lande  vnd  besOtzendte  Königreich  nah  vnd  nah  an  sich  gebraht. 

Die  zweite  bis  an  den  Schluss:  de  Privilegiis  Anstriacis  vnd  was  es  mit  sel- 
bigen für  eine  beschafienheit  habe. 

Her  Anfang  der  Arbeit  lautet:  Eine  bey  allen  beriembten  Historicis  findtige 
vnd  richtige  sacbe  ist,  waszgestalten  vmb  die  Jahr  nach  Christi  gobnrt  520  die 
Theodones  Herzogen  in  Bayrn  ausz  dem  vralt  vnd  beriembsten  agilolfingischen  ge- 
schlecbt  n.  s.  w. 

Abb.  d.  111.  CI.  d.  k.  Ak.  d.  Win.  .K V.  8d.  111.  Abth.  25 


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188 


Der  Schlnss:  die  Herzogen  in  Bayrii  mit  einem  Diplomete  versechcn,  crafft 
dessen  Kayser  Fridericli  der  3te  von  ieztig  Oeaterreichiscben  stammen  das  Hansz 
Hayrn  n pririlegiis  Anstriacis  solchergestalten  eximieret,  dasz  nemblichen  desz  Haitsz 
Oesterreicb  erlangte  privilegta  dem  Hausz  Bayrn  an  dero  freybeit,  alten  berkommen, 
vnd  gerecbligkbeiten  vnpraeindicirlicb  sein  sollen,  dalnm  Grätz  den  3ten  februarij 
1478,  anderen  tfaailsz  aber  mau  sieb  von  seithen  Ihrer  CburfOrstl.  Durchl.  wie  her- 
nach folget  deren  < isterreiebiseben  Privilegien  nntzlichen  wirdtet  mit  bedienen  könen. 


XIX.  Zu  Seit«  135. 

Eigenhändige  Aufzeichnungen  des  Kurfürsten  Karl  Albrecht 
bis  in  das  Jahr  1730. 

Sie  finden  sich  unter  der  (Jebcrschrift  ,,Handbiichlein  von  allem  was  mir  vnd 
den  meinigen  von  geburtli  an  denkwBrdiges  widerfahren“  auf  sieljcn  besonderen 
Bogen  in  Grossquartformat  mit  Gold.schnitt,  au  welche  sieb  vier  gleiche  iueinander- 
liegende  anschliessen,  wovon  aber  nur  mehr  die  ersten  drei  Blätter  beschrieben  sind, 
im  geheimen  Hausarchive.  Es  geschah  ihrer  bereits  in  der  akademischen  Fest- 
schrift „die  I’rtcge  der  Geschichte  durch  die  Wittelsbocher“  S.  GO  beiläufige  Er- 
wähnung. 

Von  Anfang  an  sind  es  mehr  flüchtig  hingeworfene  Bruchstücke,  vielleicht  für 
eine  spätere  genauere  Ausfnhrnug  zu  Papier  gebracht. 

Eingehender  werden  sie  von  der  Ankunft  des  Kurfürsten  Franz  Ludwig  von 
Trier  zu  Nympheuburg  im  August  des  Jahres  1728. 

Unterm  4 Jänner  1729  thut  der  Herrscher  seiner  Resolution  „eiu  Cnrfnrstl. 
mouopolium  von  tohakh  aufzurichten,  nachdem  das  consilium  teologicum  dariber 
cingehollet,  vnd  reifflich  überleget  vnd  gefunden  das  der  tobakh  dem  gemeinen  man 
nil  theurcr  als  vorhero  vnd  noch  viel  wohlfeiller  als  in  anderen  landen  körnet,  vnd 
der  grosse  vnd  ibermässige  gewinn  so  vorhero  etlich  wenige  handlslciitt  genossen 
abgetbeilt  werde“  u.  s.  w.  Meldung. 

üeber  den  Brand  in  der  kurfürstlichen  Residenz  gegen  Ende  dieses  Jahres  ist 
folgendes  bemerkt:  Den  22  Dezember  1729  ist  vmb  sechs  vhr  in  der  frühe  eine 

grausambe  brunst  in  meinen  neu  augebauten  zimern  in  der  Residenz  entstanden,  bey 

272)  KBr  eine  solche  ist  theilweise  der  ßanin  leer  gelassen.  8o  beispielsweise  gleich  im  Ein- 
gänge: Den  6 August  ltid7  bin  ich  so  Brissel  an  einem  ...  in  dem  Zeichen  . . . gobolireo.  Mein 
herr  Vatter  wäre  Mai  Emannel  Curfhrst  in  Bayrn,  vnd  meine  fran  Mutter  Teresia  Cunignnde,  ge- 
bohme  Khnigl.  Priniessin  aus  Pohlen,  Joannis  . . . Königs  io  Pohlen,  tochter. 

Bei  dem  sogleich  in  berührenden  Aufenthalte  des  Korrursten  von  Trier  lesen  wir:  die  arth  vnd 
weis  wie  selber  bewirttet  worden  ist  aus  der  sonders  verfasten  beschreibung  litt.  ...  zu  ersechen. 


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189 


welcher  trey  zimmer  TÖllig  verbrnnnen  vnd  der  batis-schalz  kimerlich  errettet  worden. 
Da.s  80  genandte  cabinet  de  bronee  ist  mit  allen  alten  Ton  glokspcis  gegossenen 
fignren  im  rauch  anfgangen,  deren  die  meiste  zerschmollzen,  etlich  daunoch  noch 
erkaudtlich  waren.  Die  schen.ste  stukh  vom  Albrccht  Dörer,  darnndter  ein  haupt- 
knnst-stukh  welche  von  den  alten  hau.s-mallereyen  war,  seindt  verbrnnnen.  De*z- 
gleicbeu  mebriste  dem  hans  gehörige  schöne  knnststukh  von  helffenbänn , md  der- 
gleichen gcschOr.'  vnd  was  vor  mir  am  betaurlich.sten  wäre,  die  helffeiibäunene  kästen 
80  mit  meine  herrn  Vattem  seel.  C'urfüraten  Max  - Emanuel  aigenhiindiger  schöner 
arbeitb  eingerichtet  waren.  Aua  dem  schlosz  hat  die  bei  dem  Curhaua  so  hoch  ge- 
schäzte  vnd  in  der  ganzen  [weit]  bekandte  Franen  vom  Haphuel  Vrbino  nit  könen 
erettet  werden:  dises  ist  der  haupt- schaden  so  in  dis  leidigen  brnnst  ge8chechen_ 
Gott  ist  zu  dankben,  das  der  haua-.<chatz  noch  so  glikblich  darvou  kommen,  vnd 
nit  die  ganze  Residenz  abgebrunuen. 

Die  Anfzeiebnnngen  schlieasen  mit  den  Anordnungen  zur  Ucberführnug  der 
Leiche  der  Mutter  des  Kurfürsten,  der  Kurförstin-Wittwe  Therese  Kunigunde,  von 
deren  Tod  zu  Venedig  durch  einen  Kurier  um  12  Februar  1730  Kunde  eingetroffen 
war,  unter  Regleitung  von  8 Hartschieren  durch  „einen  Wachtmei.ster  vnd  einen 
leuttenandt,  welcher  zugleich  Cammer  - Herr“.  Den  17ten  haben  wir  — heisst  es 
am  Kode  — meinen  geheimhen  fiecretariuin  Triva  nettst  dem  Cor-Cöllnischen  als 
dem  Beilunger  nachcr  Venedig  abgeschikht,  nachdem  selbige  zuvor  allen  Erbs- 
interessendten  die  pllicht  abgelegt , vmb  das  selbe  die  hindterlassene  pretiosa  vnd 
alle  schriffteu  alsoglcich  anhero  iberbringen  selten. 


XX.  Zu  Seite  186. 

Beschreibung  des  Kaiszerlicheu  Hoflagers 
de  Anno  1748/1749  *’•) 

im  geheimen  Hausarebive  auf  sechs  je  für  sich  gehefteten  Lagen  von  je  3 Bogen  io 
Folio,  von  deren  letzten  die  beiden  Schlussblatter  nicht  mehr  be.schriebcn  sind. 

Die  Absicht  gegenwärthiger  Beschreibung  — so  leitet  sie  sich  ein  — gehet 
dahin,  den  nexum  persouarum  et  rerum  bey  dem  Kayaerlichen  Hofflager  so  vill  alsz 
möglich  kürzlich  durzustellen,  umb  darnach  in  vorkommenden  wichtigen  Negotia- 
tionen und  anderen  GeschiiSleu  und  Angelegenheiten  sich  mit  nuzen  richten  und 
darinn  desto  besser  forthkommen  zn  können. 

Solche  Absicht  stehet  obnroöglicb  zuerreichen,  wan  man  sich  den  gegenwärthig 
Kaiserl.  Königl.  Hof  nicht  in  dreyerley  Gestalt  vorznstellen  weiss:  nemblich  einmahl 


273)  UrsprCnglich  stand  1748,  was  nachträglich  in  174U  verirandvit  ist. 

25* 


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190 


alsz  einen  KaiRorl.  Hof,  da  der  Kayser  qua  Kayser  ohne  die  Kayeeriu  in  dem  Heyl. 
Rom.  Reic)i  nach  der  Wahl  Capitnlation  and  anderen  Ueichez^Gnind-Geeezen  allein 
zu  regiren  hat;  zum  andertenmahl  al^tz  einen  Königh  Hof,  da  die  Kayserin,  wan 
eie  will,  ohne  MitregentschaSl.  de«  Kaysers  in  ihren  Erb^Königreicben  und  Länderen 
ebenfahlaz  allein  regiren  und  ihre  macht  geeezmässig  brancben  kann  ; und  zum 
drittenmahl  als?,  einen  KayserL  Königl.  Hof,  da  beyderley  Höfe  Regierungen  und 
Macht  unter  einander  vermischet  seynd,  daaz  Kayaerl.  und  König].  Ministerium 
einerley  Persohnen  auszmachet,  aber  meistens  von  der  Königin  besoldet  wird,  und 
der  Kayser  theilz  wegen  des  gemeinsammen  Haus?.  - Interesse  theiUz  wegen  Mangel 
Eigener  Macht  in  wichtigen  Sachen  mit  denen  Absichten  der  Königin  u,  s.  w. 

Zunächst  kommt  natürlich  der  Hof  selbst  zur  Besprechung,  von  der  Kaiserin- 
Königin  Maria  Theresia  und  ihrem  Gemahle  samint  der  ganzen  Familie  ange- 
fangen bis  zu  den  bedeutenderen  Persönlichkeiten  auch  des  Hofstaates. 

Daun  winl  von  den  hervorragenderen  Reichsstellen  und  den  Persönlichkeiten 
gehandelt  welche  damals  in  denselben  zn  wirken  hatten.  Zunächst  „von  der  Be- 
schaffenheit und  denen  Persohnen  des  vornehmbsten  und  jnuersten  Staats  - Katbsz'* 
u.  8.  w. 

Insbesondere  ist  „eine  vmbständliche  Besebreihnng  des  ganzen  Reichs- Uof- 
rathsz - Collegij , welches  nicht  wider  als?,  dasz  Ministeriam  genau  zu  khennen  ist, 
wan  man  sich  in  denen  bey  aolcbeu  CoHegio  pendenten  Sachen  derer  möglichsten 
Vortheill  bediemien  will“  nicht  vergessen. 

Herr  Reichsz-Hofrath  von  Seuckenberg  — heisst  es  beispielsweise  darunter  — 
war  ebkHlem  Professor  juris  in  Giesen,  gieug  aber  von  da  hinweg,  und  begab  sieb 


27>i)  Des  Prinz  Carl  von  Luthringen  Kdnigl.  Hochheit  — hebiBt  e«  beiapiclsweiBü  da  — haben  I 

lieh  nach  ihren  Kigenachafften  beroithns  ao  bskhant  gemacht,  dasz  davon  villes  zaroelden  hberflOiiig  I 

8uyn  wurde.  Sie  lieben  alle  Qeiellicbafrten  nod  Luitbabrkeiten , wobey  ihnen  dis  nacht  so  Heb  ahn  ^ 

der  tag  iit.  f>ero  Residenz  ist  ebenrahlsz  bey  Hof.  Halten  eigene  Caimoer-Herrn,  Camroer'Dienner,  ' 

MarsUll,  and  Lirr^:  und  dero  Apanage-Regiment  und  unter  sich  liahendes  Ingeniear  Cor|i«,  wovon 
SU  Gcneral'Director  sind , reichen  Ihnen  zu  fQbrung  eines  Eigenen  ansehnlichen  Staats  genaegiame 
mittel  dar.  Bey  beydorseithsz  Kayserl.  May.  haben  sie  grosses  gehör.  | 

Gleichwie  aber  ihr  ganzes  Ihnen  und  weszen  vornehmlich  auf  dasz  3filitare  gehet,  alizo  ^ 

melirn  Sie  eich  desto  seltner  tu  andere  Dinge,  sondern  bediennen  sich  ihres  gehöre  ley  Kayserl.  May. 
desto  st&rckberer  in  denen  Militsire-Sschen.  1 

An  Ihrer  courage  und  Tapferkeit  stellst  Niemand  etwass  ausz,  ob  man  gleich  hier  in  Wienn  ! 

ohne  Hsellung  ihrem  Commando  den  Verlust  von  Schleszien  sosebreibet,  wouon  die  Heinitng,  ob  es 
dabsy  Ihnen  an  GHckh,  an  moderation,  an  Vorsiebt,  oder  an  Erfahrung  gefehlet,  oder  ob  eine 
aemulatioD  anderer  Generals  daran  ichnld  ssje,  anterschidlich,  gleichwohl  aber  so  weith  einstimmig 
sind,  dasz  es  boy  dem  sich  bezaigten  miezgünstigen  Watren*G)Qkb  wohl  gethann  gewetzen,  Sie  bitz 
auf  anders  nnd  glickblichere  Zeiten  mH  Coromando  zu  verschonnen ; zoroahl  sich  zu  mereklicher  Sal* 
uirang  ihrer  reputation  und  Oloire  gezeiget,  dass  esz  usehbero  anderen  commandirendeD  herm  Gene- 
ralen nicht  glickblicber  ergangen. 

Sölten  die  Niderlaode  durch  Priden  wieder  an  Österreich  kommen,  so  wird  allda  dass  gnber- 
ement  vor  diesen  Prinzen  retabliret  werden. 


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191 


nach  Franckfnrth  am  Ma)*n,  allwo  Er  von  Oranien  und  mehreren  theilsz  fdreten 
alsz  Hof- Rath  depeudirte  und  von  Franckfurth  anez  eeine  Consilia  gab.  Nach  ab- 
sterben Kaysers  Carolj  VI  defendirte  Er  in  üfTentlichen  schrifften  die  jura  .Succes- 
sionis  des  Hanszes  Österreich  contra  Churbaym,  nnd  controuertirte  deszhalben  sehr 
hefftig  mit  dem  damabligen  die  Charbayr.  Partie  gemihiuenen  Professor  Gramer  in 
Giesen,  welcher  unter  Kayser  Carl  den  VII  ebenfahlsz  Reichsz  - Hofrath  geworden. 

Nachdem  nun  jener  unter  gegenwarthig  Kay-«.  Regiernng  zur  Belohnung  gleicher- 
gestalt die  Reichsz  - Uofrathsz  - Stelle  erlanget,  ist  da«z  weithere  von  Selbsten  zu  ge- 
denckbeu.  Der  Kayserl.  Hof  sezet  auf  seine  Persohn  ein  vollkommenes  Verthrauen, 
und  er  siiechet  sich  stetts  mehrere  merita  vor  Österreich  znerwerben.  Dahero  fängt 
man  auch  schon  an,  ihn  in  den  wichtigen  Cansis  zum  Re-  oder  correferenten  zn- 
bestellen.  Unter  seinen  herrn  Oollegen  ist  Er  der  Expediteste,  hat  ein  ohnver- 
gleichliches  donum  propouendi  und  Memoriam,  aber  mehrere  Lectnr  alsz  jndicium. 

Oasz  point  d’honneur  und  Fligene  praesumption  von  seiner  gelehrsamkeit  ist  sein 
gröster  fehler,  wovon  sich  am  besten  nnd  in  aftäiren  seine  beuevolenz  znegewiuneu 
profitiren  last.  Seine  gemahlin,  welche  Er  in  gegenwartliiger  Charge  geheurathet, 

■st  eine  gebohrne  von  Palm,  und  hat  ihm  80,000  fl  an  Capitalien  zuegehracht. 

Nicht  sehr  erbaulich  ist  sodann  der  .Schluss  dieses  Abschnittes.  Ob  gleich  — 
lesen  wir  da  — sämtliche  herrn  Reichsz- Hofräthe  keine  grosse  Salaria,  und  zwar 

die  von  der  IRitter  und]  Gelehrten  Bauckh  4000  Gulden,  von  der  [Graffen  und] 

Herrn  Banckh  nur  2500  Gulden,  herr  Präsident  12000  Gulden,  und  der  herr  Vice- 

Präsident  6000  Gulden  jährlich  in  fiio  haben,  auch  hievon  ötfters  Ruckhstand 

bleibet,  ingleichen  alle  Sportuln  und  taxen  von  Cbnr-.Maynz  zu  Unterhaltung  der 

Reichsz  Canzley  cingezogen  und  verwendet  werden , so  machen  doch  die  meisten 

unter  ihnen  mehr  älaat  al.sz  sich  aus  ihren  Eigenen  Mittlen  begreifieu  lasset.  Sie 

geniessen  — ohnerachtet  ietzo  der  Kayser  nicht  in  Eigenen  Landen  residiret  — 

forthin  au«z  gnaden  der  Königin  freye  wohnung,  und  sind  vor  sich  und  ihre 

oeconomien  von  allen  oneribns  personalibus,  mauthen  und  anfschlägen  liberiret.  So 

gar  die  Salaria  der  herrn  Reichsz  - Hofräthe  werden  noch  ausz  der  Königl.  Cammer 

bezahlt,  alrz  wan  beyderscitige  Kayserl.  und  Königl.  aeraria,  die  doch  übrigens  unter 

gegen wärthiger  Regierung  ganz  separiret  bleiben,  annoch  wie  unter  Kayser  Carl 

dem  VI  combiniret  wären.  Wasz  Ihnen  ausser  ihren  Salarien  noch  extra  öffentlich 

erlaubt  Zufällen  kan,  sind  die  Laudemial  - Gelder,  welche  denen  Statibus  Imperij  bey 

Successious  fällen  ex  linea  collatrali  pro  arbitrio  augesezet  und  unter  den  Reichsz- 

Hofräthen  getheillet  werden ; dan  ob  gleich  die  Neuere  wähl  capitulationes  dise 

Landemial  - gelder  expresse  abschaffeu , so  stehet  doch  der  Reichsz  - Uofrath  bey 

eiistirenden  fällen  von  dem  alten  herkomnien  nicht  ab,  nnd  gehet  dabey  niehmahlen  i 

leer  ausz,  sondern  man  behandlet  sich  deszhalben  ordentlich  mit  den  Reichsz  Ständen. 

Die  Italienischen  fürsten  nnd  statns  hingegen  miessen  davon  allemahl  desto  grössere 
Summen  bezahlen,  welche  sich  manchmahl  auf  etliche  100000  fl  erstreckheu.  Esz 
ist  eine  zwar  obnerlaubte  doch  leichte  Sache , gegen  eine  discretion  bey  dem  Pro- 


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tokollisleu  in  jeder  Causa  die  berm  Re-  und  correferenten  zuerfahren , an  welche 
sich  sodaim  die  Partes  frey  und  aiu  stärckbesten  addresairen  können,  aber  dabey 
uöthi^  haben,  zugleich  die  gewogenheit  des  herrn  V'ice- Praesidentens  und  derer 
beyden  eiteren  oder  vorsizenden  herrn  Reichsz- Hofräthe  vor  anderen  znsuechen, 
weill  dise  am  ersten  votiren  und  jm  votireu  die  Argumenta  pro  und  Contra  schon 
solchergestalt  exhauriren  da-sz  die  Becjueutes  meistentheills  denen  ersteron  simpliciter 
beyfallen.  Wan  aber  einem  Reichsz  Stand  an  Betreibung  und  Besorgung  seiner 
Atfaireu  recht  gelegen  ist,  so  schickbet  und  bevollmächtiget  Er  darzue  gemeinglich 
jemand  Eigenes,  und  flberlaszt  sich  nicht  blosz  denen  Agenten,  welche  theilsz  nicht 
allezeit  ihren  jnstrnctionen  nacbzukommeu  dasz  Herz  haben,  theilsz  mit  allzu  Villen 
geschäffteu  Oberhuiitfet  sind,  mithin  weder  die  villerley  facta  et  Argumenta  cansarum 
im  gedUchtuusz  behalten,  noch  zeit  zum  deiszigen  Bollicitiren  und  informiren  ge- 
winnen können.  Esz  gibt  verthraute  weege  durch  ein  und  andere  Subalternen  des 
Reicbsz-Hofrathsz,  deren  sich  die  ienige  welche  vigilanl  sind  mit  sonderbahren  nuzen 
und  Vortheillen  zubediennen  vermögen.  Unter  anderen  kan  man  durch  einen  ge- 
wiszen  Canal  täglich  alles  wasz  bei  dem  Reichsz -Flofrath  eingebraclit  oder  exhibiret 
worden  u.  s.  w. 

Nächst  dem  Kayserl.  Reichsz-IIofrath  — wird  nach  dem  Ende  dieses  Ab- 
schnittes weiter  gefahren  — sind  die  hiesig  sowohl  von  den  höchsten  Reichsz  fürsten 
alsz  auswärthigen  Potenzien  subsistirende  GesaudscbaÖ'ten  und  accrcrlirte  Miniatri 
und  Käthe  die  jenige,  anf  deren  Persohnen  und  uegotia  vorzüglich  attention  zu- 
nehmen , jndem  disze  nicht  nur  das  jnteresse  ihrer  Eigenen  höflen  und  Principalen 
observiren , sondern  auch  andere  höff  und  Partheyen  durch  ihre  Recomendationes 
und  connexiones  in  Justiz - Sachen  und  in  anderen  besonderen  und  gemeinen  ange- 
legcnheiteu  derer  Reichsz  Stände  bey  dem  Kayserl.  Hof  zu  unterstüzen  wissen,  auch 
vill  von  ihrer  Oemüeths  Neigung  und  conduite  dependiret,  n.  s.  w. 

Die  sogenante  verthraulichste  — berichtet  der  nächste  Absatz  — und  vor  dem 
Kayserl.  Hof  wie  man  glaubet,  am  besten  gesinnte  frembde  und  teutsche  Hofe  sind 
dermahlen  erstlich  unter  denen  fremlKlen  mäcbten  Ru.szland,  Engell-  und  Holland, 
Portugal,  .Sardinien,  nnd  Venedig;  hernach  von  denen  toutschcn  Höfen  und  Ständen 
unter  denen  weldlichen  vornehmlich  Hannover,  Wolffenbüttel,  Hollstein  - Gottorp, 
Meckhlenbnrg-Strelitz,  Sachszen- Coburg,  Hessen -Darmstatt,  nnd  Nassau- Oranieu; 
unter  denen  geistlichen  Mayntz,  Trier,  Würzbnrg,  Salzburg,  und  Passau , so  dan 
die  meiste  kleinere  geistliche  und  wcidliche  Höfe,  nebst  der  Reiclisz- Ritterschafft 
' nnd  denen  Stätten , welche  alle  zu  benennen  noch  weithere  Gelegenheit  Vorkommen 
wird.  Hiergegen  sind  ausser  denen  gegenwärthig  offenbahren  feinden  — e.  g.  Spa- 
nien und  Kranckhreich  — in  dem  römisch  teutsclien  Reich  vil  mehrere  Höfe,  mit 
denen  man  hier  nicht  recht  zufriden  ist,  oder  wenigsten  mit  etlichen  — e,  g.  mit 
Chur  - Sachszen  seith  der  Mariage  mit  dem  Dauphin  — noch  nicht  in  ganzen  Ver- 
thrauen stehet,  worunter  unter  den  geistlichen  selbst  der  Päbstliche  Stuhl,  Cölln, 
Lüttich,  samt  Freysingen  und  Regenspurg,  und  unter  denen  weldlichen  in  specie 


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Preaszen,  alle  Brandenbnrg.  Hsuszer,  Chiirbayrn,  Cbarpfalz,  Plalz-Zweybrückhen, 
Naema  - Saarbrdckben , Hessen  - Cassel , Wflrthembcrg  etc.  gehören.  Die  Qbrige  pns- 
siren  entweder  vor  gänzlich  neutral  und  meliren  sich  in  gar  nichts,  oder  der 
Kayserl.  Hof  bedarf  ihrer  und  Sie  desz  Kayserl.  Hof  nicht,  weill  ii.  w. 

.4us  dem  nun  folgenden  Absätze  über  die  päbstliche  Nuntiatur  und  den  Nun- 
tius Serbelloii  sei  schliesslich  nur  noch  bemerkt,  dass  die  Vertraulichkeit  des  Wiener 
Hofes  mit  ihm  „nicht  sonderlich"  betont  wird : sondern  der  besondere  faven-  welchen 
Ihro  letzt  regirende  Pabstl.  Heiligkeit  ror  die  Electinn  Kayszers  Carl  VH  Majestät 
gezaiget,  wie  auch  die  in  favorem  catholicae  religionis  biszheru  geschechene  Patro- 
cinanz  des  Engl.  Krön  - Praetendentens,  und  andere  Vmbständ«  haben  den  Kayscrl. 
Hof  auf  die  gedanckhen  gebracht,  dasz  Ihro  Pabstl.  Heiligkeit  unter  der  Hand  auf 
alle  mögliche  weisze  dasz  .Spannische  und  Französz.  jnleresse  zn  beförderen  hülffen. 
Ja!  die  Jalousie  und  mi.szrerständnusz  zwischen  hiesigen  Huf  und  dem  Pabstlicbeu 
Stuebl  nahm  1742  so  weith  über  hand , dasz  der  damahlig  Pabstl.  Nuntius  sieb  auf 
Befehl  des  Hofs  binnen  24  Stunden  von  hier  retiriren  mueste,  und  mau  hernach 
gleichwohl  — weill  darauf  Ihro  Pähstl  Heilligkeit  die  hiesige  Nuntiatur  auf  4 .fahr 
vacirend  gelas.sen  - wfirckhlich  von  einem  Concept  geredet,  in  denen  Österreich. 
Erblauden  eine  besondere  Patriarchie  aufzurichten,  welche  in  ennsistorialibns  et  eccle- 
siasticis  ausser  wasz  die  pnucta  merae  fidei  betreffe  von  der  Palwtlichen  Obristen 
Kirchen  gewalt  gänzlich  exiiuiret  scyn  soltc.  Esz  muste  auch  der  gegeuwärthige 
Herr  Nunlins,  da  Er  bey  seiner  endlich  vor  2 Jahren  wider  erfolgten  Aulierokhunfft 
zugleich  erst  die  Pabstl.  in  windeln  und  anderen  Kinder -zeig  bestehenden  Patben- 
gescbenckhe  vor  den  Prinz  Joseph  — welche  damablen  schon  Hungar.  Hoszen  ge- 
tragen — mitnberbrachte,  Ijey  Hof  allerley  equivocinn  expressioiies  wegen  so  spather 
ankhnnfft  und  geschenckhe  anhören.  Allein!  disze  affectuose  Vinbstände  haben  sich 
iezo  durch  die  von  dem  Herrn  Nuntio  gebrauchte  Politische  anfführung  n.  s.  w. 


XXI.  Zu  Seite  138. 

Des  Johann  Friedrich  Keylholz 

Kelation  welcher  gestalten  die  Statt  Freystatt  auf  den  Graff  Tillyschen  Namen  khomen, 
vnnd  wasz  sich  dabey  bisz  dato  zugetragen,  beschriben  den  13  Februarij  anno  1657. 

Sie  tindet  sich,  von  dem  bei  den  erzählten  V'orgängen  persönlich  betheiligten 
Verfasser  ans  „Helffenberg  den  18  Februarij  1657"  nnterzeichnel,  auf  15  be- 


273)  Uleich  auf  Pol.  2 heisst  es  bei  dem  am  31  Jänner  16-51  erfolgten  Tode  des  Orafen 
Wemher  von  Tilly,  des  Vetters  des  bekannten  durch  Crknnde  vom  10  Juni  1627  mit  Freistadt  be- 
gabten baieriseben  Heerführers  Johann  Txerclas  Grafen  von  Tilly;  auf  welchen  zeitlichen  todt  fahl 


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gchriebeneu  Blättern  in  zwei  znsammengehefteten  Lagen  von  6 und  von  2 Bogen 
im  geheimen  Hausarchive. 


XXII.  Zn  Seit«  139. 

Johann  Jakob  Lucken, 

ehemaligen  Uegistratoris  der  HerrschaITt  Kappoltstein  und  .\ntiqnarii  Argentoratensis, 
Rappoltsteinische  Chronica. 

Eine  Abschrift  des  zweiten  Theile«  dieses  aus  dem  Bappoltstein'schen  Archive 
zusammeiigetragenen  Werkes  nach  dem  seinerzeit  zu  Rappoltsweiler  nnd  jetzt  im 
kaiserl.  Bezircksarchive  zu  Colmar  — vgl.  Jul.  Rathgeber  die  Herrschaft  Rappolt- 
stein S.  26  — verwahrten  Originale,  vom  .Jahre  1500  bis  1623  beziehungsweise 
1640,  besitzt  das  geheime  Staatsarchiv  in  einem  Ober  den  RQcken  und  an  den 
Ecken  in  i’ergameut  gebundenen  Pappendeckelbande  in  Folio  ans  der  zweiten  Hälfte 
der  Vierzigerjahre  des  Vorigen  Jahrhunderts. 

Nach  einem  lose  inliegenden  Zettel  vom  28  Marz  1747  wnrde  diese  Abschrift 
zu  dem  Ende  mit  nach  Zweibrüeken  gebracht,  dass  sie  der  dortigen  „Bibliothec,  so 
noch  zu  Bischwciler,  einverleibt  werden“  könnte.  In  dieser  Absicht  war  auch  der 
erste  Theil  abgeschrieben  worden , welcher  g^en  Erstattung  der  Auslage  von  1 1 fl 
9 Batzen  gleichfalls  dahin  gegeben  werden  wollte.  Ob  er  wirklich  erworben  wurde, 
oder  nicht,  ist  zur  Zeit  nicht  bekannt. 


XXIII.  Zu  Seit«  139. 

Des  Licenciaten  Friedrich  Albrecht  Steinbeil 
CrkundenauszOge  über  die  Reichsnnmittelbarkcit  der  Grafen  nnd  Herren  zu  Rappolt- 
stein von  1479—1629. 

Diese  im  Jahre  1710  zu  Rappoltsweiler  zusammengetragene  Arbeit  findet  sich, 
mit  einer  Einschaltnng  des  in  Nnm.  103  wie  nachher  in  der  Beilage  XXV  berührten 
Zweibrücken'schen  Kegiemngsratbes  Patrick  zum  Jahre  1493,  halbbrüchig  in  dem  in 
der  Beilage  XXIV  erwähnten  Aktenbande  des  geheimen  Staatsarchives. 


die  Oreff  Tilljeche  administretiou  bej  denen  noch  vnmj'ndigeD  Herrn  Sühnen  auf  dem  verlassene 
Wittib  die  boebzeborne  Praw  Praw  Frandeea  Barbara  eine  gebome  Fürstin  von  Liechtenstein  ge- 
fallen, welche  darui  in  anno  Id.'iB  Ihm  Prinlein  Tochter  dem  Herrn  Landthofraeistcr  im  Künigreicb 
Büheimb  üraff  Pople  Excel!,  verehiiget,  vnnd  snb  dato  Linz  25  Junij  bemeltes  1653  Jars  an  dem 
Oberambtmann  Johann  Friderich  Kejlholx  gemeeaene  eehrifftliche  Befekh  ergehen  lassen,  daax  n.  e.  w. 


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195 


Sie  leitet  sich  selbst  fulgendermassen  ein ; Dass  das  uhralte  Hanss  der  GraSen 
and  Herren  zu  Rnppoltstein  jeder  Zeit  dem  heyl,  Röm.  Reich  unmittelbar  unter- 
worffen  gewesen,  und  einen  freyen  Reicbssland  initgemacht,  solches  erhellet  sowohl 
ansz  denen  vielfältigen  bey  dem  Gräflichen  Rappolt'teiniscben  Archiv  sich  befindenden 
Original  auszschreiben  auf  Reichs-  und  Craysz  Tage,  alsz  auch  ansz  denen  Reichs 
Abscbiden , bey  welchen  die  Graff'en  und  Herren  von  Rappoltstein  wOrcklieh  in 
Persohn  erschienen , und  selbige  mitunterschriljcn  hnlren , sodann  auch  absonderlich 
ausz  dero  Reichs-  und  Craysz  Contigent,  welches  sie  jwlesmuhl  zu  denen  Kriegs 
Expeditionen  und  Unterhaltung  desz  Kayszerlichen  Cammer  Gerichts  beygetragen, 
wie  solches  alles  ausz  hiernachfolgenden  secundnm  seriem  temporum  auffgezeichneten 
Documenteu  mit  mehreren!  zu  ersehen. 

An  diese  von  A bis  Tttt  gezählten  Nachweise  reiht  sich  noch  auf  15  Seiten 
eine  Art  zusammeufassender  üeberblick. 


XXIV.  Zu  Seite  139. 

Gründliche  Nachricht  von  der  erblichen  Devolution  der  Graffschafft  Rappoltsteiu 
und  dem  von  dieszcin  auszgestorbenen  Hausz  verlassenen  Schulden -Weszen.  1741. 

a) 

Sie  bildet,  halbbruchig  geschriben,  das  zweite  Produkt  eines  starken  in  Pap- 
pendeckel mit  farbigem  Papierliberzuge  und  Uber  den  Rücken  wie  au  den  Ecken 
in  weisses  Leder  gebundenen  Aktenbaudes,  dessen  .Anfschrift  seinen  Inhalt  als 
„Deduct.  und  .Mem.  die  gr[afschafftj  Rappoltstein  *’•)  betr.“  bezeichnet,  im  geheimen 
Staatsarchive. 

Sie  behandelt  ihren  Gegenstand  in  35  §§,  worauf  das  Verzeichnis»  der  im 
Texte  je  auf  der  leeren  Halbseite  bemerkten  Docnraente  und  die  „Genealogia  der 
Herren  vnd  Oraffen  zu  Rappol.stein , deren  in  denen  alten  Theilnngen  und  Erb- 
verträgen gedacht  wird"  von  Anselm  II  und  seiner  Gemahlin  „Sigiberta,  Graffin 
von  Werd,  Laudgrnffin  im  Eisass,  1220“  an  bis  zu  dem  im  Jahre  1633  erfolgten 
Tode  der  Catharina  Agatha,  der  Gemahlin  des  Pfalzgrafen  Christian  II  zu  Birken- 
feld, folgt. 

b) 

Anseerdem  findet  sich  im  geheimen  Staatsarchive  auch  noch  eine  collationirte 
gleichfalls  halbbrücliig  gefertigte  Reinschrift  auf  drei  zusammengehefteten  Lagen, 

276)  Du  dritte  Stuck  ist  eine  äuaserst  übersichtliche  nur  je  mit  kleinem  Bande  links  ver- 
sehene DeseriptioR  de  l'Btat  Oeaersl  de  la  Comtee  de  Ribeaupierre. 

Weiter  findet  sich  gegea  das  letzte  Drittel  des  Bandes  ein  Memoire  coocernant  les  droits 
Seigneriaoi  da  Comte  de  Ribeaapierre  daos  lo  Caaton  appelU  die  gemeine  Marek  daiu  le  Baillage 
de  Goemar. 

Abh.  d.  111.  CI.  d.  k.  Ak.  d.  Wiss.  XV.  Bd.  III.  Abth.  26 


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woTon  die  beiden  ersten  je  6 Bogen  umfassen , die  letzte  nar  mehr  ans  4 solchen 
besteht,  deren  erstes  Blatt  ausgeschnitten  ist,  ohne  dass  übrigens  vom  Texte 
etwas  fehlt. 

Die  V^orderseite  des  ersten  Blattes  trägt  den  oben  bemerkten  Titel,  während 
seine  Rückseite  und  die  Vorderseite  des  zweiten  Blattes  zu  der  vorhin  berührten 
Genealogie  benutzt  sind. 

Mit  dem  dritten  Blatte  beginnt  das  Werk  selljst  in  seinen  35  §§  bis  an  den 
Schluss  des  vorletzten  Blattes. 


XXV.  Zu  Seite  139. 

Des  Johann  Baptist  Patrick 

Nachrichten  von  denen  Grafen  und  Herrn  zu  Rappoltstein,  auch  der  jetzmahligen 
GrafschaR  dieses  Nahmens,  deren  Ursprung  und  ehemahligen  Zustand  betreffend, 
sowohl  in  Ansehung  der  Herrn  selbst  als  ihrer  Unterthanen. 

Sie  sind  im  Entwürfe  de.s  Verfa.«sers  und  in  einer  mit  Verbesserungen  von 
demselben  versehenen  Reinschrift  im  geheimen  Staatsarchive  erhalten. 

a) 

Der  Entwurf  enthält  zunächst  die  Widmung  an  den  Herzog  Friedrich  von 
ZweibrOckeu  vom  28  Juni  1746.  In  ihr  äussert  der  Verfasser,  dass  er  zu  dieser 
Abhandlung  bereits  in  seinen  gemeinschaftlichen  Kappoltstein’scheu  Diensten  einen 
Anfang  gemacht,  weil  er  „wahrgeuommen , da.ss  von  dem  richtigen  Begriff  diesser 
materie  ein  gros-ses  in  beurtheilung  der  jezuweilen  mit  denen  Lehen -Höffen  und 
absonderlich  zwischen  der  Herrscluifft  uud  ihren  hier  und  du  in  die  Herrschafftliche 
rechten  eingreifenden  ünterthaneu  entstehenden  vielen  processeu  bey  dem  König- 
lichen Conseil  zu  Colmar  abhange".  Auch  habe  er  „in  diesser  Absicht  dem  Lic. 
Radios  zu  Verfertigung  seiner  Dissertation  de  urigine  dignitate  jnribus  et  praero- 
gativis  illustrissimae  Rappottsteinensinm  Domns  Commnnicatiou  davon  gethan“. 
Nachdem  aber  — fährt  er  fort  — in  höchst  Derosclben  Durchlenehtigsten  Herrn 
Brndera,  meines  jetzigen  gnädigsten  Fürsten  und  Herrn,  hiessige  (nämlich  zu  Zwei- 
brOcken)  partieular-Dienste  bernffen,  mithin  von  dem  Rappoltsteinischen  archiv  ent- 
fernet, seithero  aber  Ew.  Hochfürstl.  Durchl.  die  grafschafft  Rappoltstein  in  der 
Fürst  - Brüderlichen  Erbtheilung  privative  überlassen  worden;  so  habe  dennoch,  ob- 
gleich mich  ausser  Stand  befanden , ausz  gedachtem  archiv  mehrere  specialia  beyrzn- 
bringen , das  augefangene  nicht  gar  abaiidonireu  wollen , sondern  dafür  gehalten, 
dass  es  nicht  undienlich  seyn  würde,  wann  den  allgemeinen  begriffen,  so  ich  mir 
hoffentlich  mit  gutem  grund  von  dem  alten  Zustand  derer  Herrn  und  nachmabligen 
Grafen  zu  Rappoltstein  und  ihrer  unterthanen  gemacht , weiter  zu  papier  brächte, 
und  solchen  durch  einige  Proben  u.  s.  w. 


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197 


Das  Werk  selbst  besteht  aus  33  §§  auf  drei  halhbrflchifi^  geschriebeueo  mit 
vielfachen  Aenderungen  des  Verfassers  versehenen  Lagen  in  Folio. 

Unter  den  noch  dabei  befiudiieheu  Beilagen  bringt  ein  ,, Anhang**  Krklärungen 
anf  die  Erinnerungen  welche  Probst  und  Professor  Scherz  zu  Strassbnrg  gegen  diese 
Ausftihrung  geltend  gemacht.  Ein  anderes  StQck  enthält  Erwiderungen  aut  „Pro- 
fessor Scböpfiins  desiderata“  aus  dem  Monate  Juni  des  Jahres  1741. 

b) 

In  der  oben  berührten  Reinschrift  •”)  findet  «ich  wieder  die  Widmung  an  den 
Herzog  Friedrich  von  Zweibrückeu  vom  28  Juni  1746,  und  zwar  in  zweifacher 
gleichlautender  Ausfertigung. 

Das  Werk  selbst  umfasst,  halbhrüchig  geschrietwii,  drei  Lagen  von  je  4 Bogen 
und  eine  Lage  von  2 Bogen,  wovon  die  letzten  beiden  Blätter  leer  sind. 

Dazu  kommen  vier  besondere  „Adjuncta“  zu  den  §§  7,  8,  15,  16.  Weiter 
wieder  der  „Anhang“  mit  den  Erklärungen  auf  die  Erinnerungen  von  Scherz. 


XXVI.  Zu  Seite  U3. 

Alls  uu  diser  kai.ser  Haiurich  erstor- 
ben was,  do  wurden  ir  zwen  an  das  reich 
erwelt.  hertzog  Ludwig  von  Bairen,  von 
dem  ich  yctz  vor  au  dem  jüngsten  ge- 
sagt hab.  den  erkurn  au  das  reich  der 
bischof  von  Majntz,  der  bi,«choff  von 
Trier,  der  kunig  von  Feheim,  vnd  der 
niargkgraf  von  Bramideunhnrg.  so  er- 
küren der  bischof  von  Kölen,  der  pfaltz- 
graf  Hudolff,  der  doch  hertzog  Lndwigs 
bmder  was,  vnd  der  hertzog  von  Saebs- 
sen  den  hertzog  Friderich  von  0.sterreich. 
disz  beschach  tansent  drew  hundert  vier- 
zehen iar.  do  lag  kunig  Ludwig  bey  der 
stat  Franckfurt.  so  lag  hertzog  Friderich 
jeu.set  des  Mayns.  do  ward  das  wasser 


277)  ßei  ihr  liegt  Hoch  eine  gleichfalU  von  Patrick  iru  Jahre  1717  verfaaste  Mcraeria  Aiisclmi 
Pii  Dynastac  in  — ursprünglich  stand:  Diasertatio  historica  de  Anselmo  Pio  Dynaata  de  — Bappolt- 
stein,  oecisi  in  ohaidione  Archados  in  Paiestina  anno  1095.  Ei  scriptoribos  gestomm  Der  per  Francos 
— früher  stand;  cnllccta  — deprompta. 

Sie  schlieast:  Fahulosa  haee  esse  atque  fraudes  nionachorum  sapere,  nouio  nnn  perspiciet.  Cum 
vero  ad  memoriam  Anaelmi  noetri  pertineant,  baud  omittenda  foemnt. 

•2ti* 


Als  nun  diser  khonig  Haiurich  ge- 
storben was,  da  wurden  anno  1314  jar 
zwen  an  das  reich  envelt.  hertzog  Lud- 
wig von  Bayrn,  von  dem  ich  am  inng- 
sten  gesagt  hab,  den  erwelt  der  bischof 
von  Maintz,  der  bischof  von  Trier,  der 
khonig  von  Bchem,  vnud  der  marggraff 
von  Branndeuburg.  so  etTvölt  der  bischof 
von  Cölu,  der  |ifalltzgralV  Ruedolff,  der 
doch  hertzog  Ludwigs  von  Bayrn  brueder 
was,  vnud  der  hertzog  von  Sachsen  den 
bertzogen  Friderichen  von  Österreich,  da 
lag  kouig  Ludwig  bej  Frannckhfurt.  so 
la^  hertzog  Friderich  jenlmlb  des  Mayns. 
der  war  so  grosz  das  sy  nit  zusamen 
mochten,  vnd  betten  baidt  zway  grosse 


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so  gros,  dos  sy  nicht  7.usanitneD  mochten, 
vnd  betten  paydnhalbeu  zway  grosse  her. 
do  kam  darnach  kunig  Ludwig  zu  Speyr, 
vud  uam  den  jndeu  kirchhof  ein.  do  kam 
auch  Friderich  von  Österreich  mit  seinem 
htuder  hertzog  Lewpolld  vnd  der  pfalUz- 
graf  Ruedolf  saunt  dem  von  O.sterreich 
vil  volcks  wider  seinen  bruder  kunig 
Ludwigen,  hertzog  Leupolld  pranut  ab 
alle  dörffer  vmh  Speyr.  nach  dem  kurtz 
kumen  sy  zusammen  in  Swahen  bey  Ess- 
lingen. do  ward  ain  grosser  streyt,  vnd 
vil  volcks  erschlagen  vnd  gefangen,  vnd 
nyemant  wesst,  wellicher  das  erger  an 
dem  streyt  het.  nach  dem  ulls  mau  zalt 
von  der  gepurdt  Cristj  tanseut  drew  hun- 
dert zwaynzigk  jar  zoch  kunig  Ludwig 
den  Kein  herauf  mit  aiuem  grossen  voick 
bys  vmb  Straspurg.  alls  das  kunig  Fri- 
derich von  Österreich  vcmam,  zoch  er  im 
mit  seinem  brnder  hertzog  Lewpollt  nach, 
vnd  an  der  Pruscha  bey  Schacbtelczhofen 
Aechenheini  vnd  Wickershaim  legten  sy 
sich  gegeueinanuder  zu  velld  vmb  vnser 
lieben  frawen  purt  tag.  der  bischof  von 
Straspurg  zokh  mit  seinem  her  zu  kunig 
Friderich.  so  waren  die  von  Stras|mrg 
mit  den  von  Zoreu  vnd  vil  des  adels  mit 
kunig  Ludwig,  doch  enpfiengen  sy  ire 
leben  von  payden  kiinigen,  die  auch  sein 
hernach  hochgenussen,  als  kunig  Ludwig 
kayser  ward,  sy  schickten  im  alle  uot- 
turft  zu  seinem  voick.  allso  teten  die  von 
Müleuheim  dem  kunig  Fridrich.  nu  kam 
dem  kunig  Friderich  gras  voick,  so  das 
kunig  Ludwig  aus  dem  velld  zoch.  knndt 
in  nicht  gestreiten.  nach  dem  allen  kam 
der  kunig  Friderich  gen  Österreich,  do 
ersamlet  aber  der  geneunt  kunig  Fride- 
rich ain  gar  mächtig  grosz  her  von  Vnn- 
geren  vnd  allenn  enndeu,  zoch  in  Bayren 


hör.  da  kham  darnach  kbouig  Ludwig 
zu  Speyr,  vnnd  nam  der  Juden  freithof 
ein.  da  kham  auch  hertzog  Friderich  von 
Österreich  mit  seinem  bruederu  hertzog 
l.<eopolt.  vnnd  der  pfalltzgraff  Rnedolff 
schickht  dem  von  Österreich  vil  volckbs 
wider  seinen  brueder  khonig  Ludwigen, 
hertzog  Leopolt  prennt  vmb  Speyr  alle 
dSrtfer  ab.  nach  dem  khurtz  kbamen  sy 
zusamen  in  Schwaben  bej  Essling.  da 
ward  ein  gro.sser  streit,  vnnd  vil  voickhs 
erschlagen  vnnd  gefauugen  vnnd  uie- 
manndt  west,  wer  siget.  nach  dem  als 
man  zeit  1.^20  jar  zoch  khonig  Ludwig 
den  Rein  herauf  mit  ainem  gro.sscn  hör 
bis  vmb  .Straspurg.  als  das  khonig  Fri- 
derich von  Österreich  vemam , zoch  er 
mit  seinem  brneder  hertzog  Leopolt  nach, 
vnnd  an  der  Pruscha  bey  .Schaffltzhoncn 
Atteuheim  vnnd  Wiekhershaim  legen  sy 
sich  gegen  einannder  zu  veldt  vmb  vnn- 
ser  lieben  frawen  gepurts  tag. 


Anno  dominj  1323  jar  auf  sanndt  Mi- 
chels abent  zoch  aber  hertzog  Friderich 
mit  einer  grossen  anzall  gleucn  vnd 
schützen,  vnnd  zu  jm  Leopoltns  mit  den 
seinen  ans  dem  Oberlanudt  vnnd  Schwa- 
ben gegen  khonig  Ludwigen , bey  wel- 
chem was  der  khonig  von  Behem  vnd 
der  bischof  von  Trier  mit  fnnffzeben- 


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199 


mit  raub  vnd  prannt.  na  hat  auch  knnig 
Lndvrig  ain  grosz  ber,  wann  dar  kanig 
Tou  Pehaim  schickt  im  wol  fnnfieheii 
bändert  gleuen  vud  wol  dreygsigk  tau- 
sent  fu^eender.  do  legten  «y  sich  gegen- 
einander zn  velld  bey  Empffing  auf  der 
vebeu  wisen.  du  gert  kanig  Kriderich 
zastreyten.  do  sprachen  die  seinen  banbt- 
laut  vnd  annder  sein  rät , er  soU  ver- 
ziehen bis  sein  bnider  bertzog  Lenpolld 
zn  ihm  kam , der  hiet  ain  grosz  voick 
bey  im.  des  wolt  der  kunig  vber  ain 
nicht  tnn.  alkso  hüben  sy  an  dem  ann- 
deru  tag  an  znstreiteu.  vnd  ward  auf 
payden  tailen  gross  voick  erschlagen,  zu 
dem  jüngsten  gewan  der  knnig  Ludwig 
die  oberen  handt  au  dem  atreyt,  vnd 
prachten  die  ans  Österreich  in  die  flucht, 
vnd  wardt  kunig  Friderich  gefangen  mit 
all  seiner  ritterscliaft.  damit  was  diser 
krieg  verendet,  der  het  gewert  stet  von 
dann  alls  man  zait  tansent  drew  hundert 
drewzeben  bis  mau  zaIt  tausent  drew 
hundert  zwaynndzwaintzigk  iar.  an  sand 
Michels  abent  beschach  diser  streyt. 


(Vgl.  die  zweite  Hälfte  des  folgenden 
Absatzes.] 


Nu  berunibten  sich  vil  guter  ritter 
vnd  knecht , vnd  yeder  wolt  den  knnig 
Fridrich  gefangen  haben,  so  das  vnder 
ettlicben  nach  ain  rnrw  erstannden  war. 


hnndert  gleuen  vnd  dreyasig  tausent  zu 
fnesz.  vnnd  als  sy  an  einannder  nuhen- 
ten,  mochten  sy  nit  zusanien  khonien  vor 
Wasser,  da  schosz  Friderich  mit  den  sei- 
nen vber  das  wasser,  deshalb  khonig 
Ludwig  wich  auff  ain  schlosz.  nach- 
uolgendes  tags  sprachen  die  rüth  zu  Fri- 
derich, er  sott  nit  schlnheu,  snnndern 
seines  bruedern  wartten.  aber  Friderich, 
ein  khuen  zornig  man,  tienng  die  Schlacht 
an  gegen  khonig  Ludwigen,  des  wich 
Ludowicus  rai.ssiger  zeug  Linder  sich, 
vnnd  eytienndts  kham  sein  fuesfolckh 
vnnd  400  wolgerusster  heim  : die  trenn- 
ten hertzog  Friderichs  hör:  vnnd  wardt 
khonig  Friderich  mit  vil  vom  adl  ge- 
fanngen.  nachdem  kham  hertzog  Leopolt, 
vnnd  als  er  sach,  das  er  seinem  bruedern 
nit  hellTeu  mocht,  war  er  so  wuettig, 
das  er  sich  selber  gern  getodt  het  nach 
disem  khrieget  er  nachuolgender  zeit  vnnd 
jareu  strenng  aufli  Ludwigen  vnd  auff 
alle  die  jme  hnldeten.  als  er  aber  nicht 
schäften  mocht,  warb  er  bey  dem  babst 
vnnd  khonig  von  Franncklireicb,  das  sy 
seinen  brue.lern  Friderico  ledig  machten, 
macht  aber  nit  sein,  nach  diseu  dingen 
kham  ainer  zu  Leopoldt,  der  erpot  sich 
durch  der  schwartzeu  khuu-st  hertzog 
Friderichen  znentledigen.  vnnd  nachdem 
als  er  den  teuft  beschwur  vnnd  zu  Fri- 
derichen schickht,  da  sprach  der  teoil  zu 
hertzog  Friderich,  er  solt  auf  in  sitzen, 
da  tienng  hertzog  Friderichen  an  zu 
grausen : vnnd  macht  das  crentz  fnr  jn. 
also  vnrschwanndt  der  teuffl.  in  diser 
schiacht  bliben  4000  auf  der  wallstaL 
Anno  dominj  1323  jar  am  tag  Weu- 
zela,  als  vor  gesagt  ist,  als  der  kouig 
Friderich  von  Österreich  gefanngen  wardt 
bej  Ampting,  beruembten  sich  vil  guetter 


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^00 


do  sprach  der  knnig  Fridrich : wann  ich 
säch  die  klainat  die  sy  auf  iren  helmen 
gefärt  haben , ich  wesst  wol  den  rech- 
ten zuzaigen.  zuhandt  bracht  ain  yeder 
seine  clainet  das  er  gefürt  bet.  vnder  den 
sach  er  das  klainct  ains  edlmanns,  ge- 
nant der  Riudsmaul.  do  sprach  er : do 
ich  mich  ains  yeden  manns  erwerd , do 
knnd  ich  mich  des  Kueniaals  nie  erweren. 
mit  dem  erkannt  man,  das  jn  ain  Kinds- 
maul gefangen  het.  nach  dem  ward  der 
knnig  beuolhen  dem  Apel  vitztnmb.  der 
furt  in  auf  ain  gschlos  genant  Trausnit. 
do  lag  er  ettlich  zeit,  vnd  do  hertzog 
Lenpold  erfnr,  wie  cs  gefaren  was  mit 
disem  streit,  do  zoch  er  vasst  trawrig  mit 
seinem  her  wider  in  Österreich,  allso  was 
hertzog  Priderich  gefiingen  ettlich  zeit, 
da  list  man  in  ainer  teutschen  coronica, 
das  ainer  sey  kummen  zu  dem  hortzog 
LewpoIId,  hat  gesprochen,  ob  er  im  sein 
Ionen  wollt,  so  wolt  er  im  den  briider 
die  selben  nacht  aus  der  gefäncknusz  au 
allen  schaden  seins  leibs  bringen,  der 
hertzog  gelobt  im  vil  dar  vmb.  so  hebt 
der  an , vnd  be.schwur  den  Ijosen  geist. 
der  kam  ftir  in  in  ains  pilgreins  weys 
oder  gestalt,  do  gebot  im  der  maister, 
das  er  den  hertzog  Friderich  aus  der  ge- 
fancknusz  vnd  zu  im  an  schaden  solt 
pringen.  der  pbs  geist  kam  allso  zu 
hertzog  Fridrich  vnd  cttlichen  herrn  die 
bey  im  waren,  vnd  sprach  das  er  auf  in 
säsz,  er  wolt  in  zu  seinem  lannd  pringen. 
der  hertzog  sprach : wer  pisstu.  der  geist 
antwurt;  ruech  dich,  wer  ich  bin:  sitz 
ock  auf.  da  ward  dem  hertzogen  vasst 
grawen,  vnd  zaichent  sich  mit  dem  Segen 
des  heiligen  krawtz.  an  stund  verswand 
der  pös  geist.  etc. 


ritter , vnnd  wolt  ain  yeder , er  het 
hertzog  Friderich  gefanngen,  also  das 
gar  nahent  vnfridt  vnnder  jnnen  war 
worden,  da  sprach  hertzog  Friderich: 
wann  ich  die  khlainat  sech , die  sy  auf 
irm  heim  gefuert  hetten , wolt  ich  die 
rechtn  anzaign  der  mich  gefanngen  hat. 
zustnudan  pracht  ain  yeder  sein  khlainat 
das  er  anf  dem  heim  gefuert  het.  vnnder 
den  sach  er  das  khlainat  eins  edlmans, 
genant  der  Kinndtsmaull.  da  sagt  hertzog 
Friderich:  da  ich  mich  aines  yeden  mans 
erweret,  da  knndt  ich  mich  des  Knemauls 
nit  erwern.  mit  dem  erkhanndt  man.  das 
in  ain  Rindtsmanll  gefangen  het.  nach- 
dem wardt  konig  Friderich  beuolhen  dem 
vitzthumb.  der  fiiert  in  auf  ain  schlosz, 
genannt  Transnitz.  da  lag  er  ettlich  zeit, 
das  ist  das  .schlosz  zu  Lanndshnt,  ehe 
vnnd  die  stat  gewest  ist.  da  lag  er  ett- 
lich zeit  gefanngen. 


(Vgl.  das  letzte  Drittel  des  rorher- 
gehenden  Alwatzes.] 


Nach  disen  dingen  samlet  abermals 


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201 


bertzog  Leopoldt  ain  grosten  zeug  jm 
Oberlanndt,  zn  Schwaben  Tond  Rlasaaz, 
zoch  aaff  des  reiche  stet  in  Eleasz,  vnd 
leget  sich  zu  letzt  für  Colmar,  dagegen 
samlet  kbönig  Ludwig  auch  ain  grossen 
zeug  in  Bayrn  mnd  sonnst  allenthalben 
im  reich,  vnnd  war  bei  im  der  khünig 
Ton  Beheni  mit  seinem  zeug,  desbalben 
sy  zn  beeden  thaillen  vasst  starckh  waren, 
nachdem  kliönig  Ludwig  nahen  herzn 
kham , der  maynnng  bertzog  Leopoldt 
Tor  Colmar  hindan  zuschlahen,  begert 
der  khönig  von  Bebem , vor  vnnd  ehe 
mit  bertzog  Leopoldt  sprach  zubalten. 
vnnd  haundlet  sonil  das  er  da  ain  fri- 
den  machet,  nemblich  also  das  khonig 
Ludwig  bertzog  Friderichen  ans  der  ge- 
fennckhnusz  solt  lassen  dagegen  solt 
bertzog  Friderich  schwern,  desgleichen 
hertzog  Leopoldt  versprechen  vnnd  ver- 
trössten , binfur  kbönig  Ludwigen  an 
dem  reich  nit  zuhindern,  hinwider  solt 
khonig  Ludwig  vmh  fridens  willen  im 
reich  hertzog  Leopolden  ain  summa  gelts 
geben  an  den  schweren  vncossten  so  er 
in  dem  khrieg  erlitten  bet.  als  aber 
khönig  Ludwig  an  gelt  auch-  erschöpifl, 
war  durch  den  khönig  von  Behem  vnd 
annderr  mittl  erfunden,  das  khönig  Lud- 
wig vmb  solche  summa  gelts  dise  stett: 
Zurcb , Schaffhausen , Reinfelden , vnnd 
Neuenburg  bertzog  Leopolden  vnnd  sei- 
nen erben  verpfenndt  sollen  sein  bis  die- 
selb  summa  gelts  vou  Ludwigen  oder 
dem  reich  wider  erlegt  ivirde.  die  vou 
Znrch  wollten  in  sölchs  nit  verwilligen: 
zeigten  an  das  sy  fnr  sölchs  gefreyt 
weren  von  Friderico  vuud  anndem  caiser 
vnnd  khönig  etc.  also  kham  an  deren 
von  Zurch  in  dise  verpfeundung  Brüsach 
am  Rein  gelegen. 


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202 


Nacbdem  ward  der  hertaog  Fridrich 
auegelaasen  mit  der  vnderschaid  das  er 
»ich  verschreiben  musst  das  kain  herr 
von  Österreich  wider  kaineu  herrn  von 
Bayren  nymmer  mer  stellen  wolt  zu  ewi- 
gen Zeiten  nach  dem  reich,  auch  muss- 
ten sieh  die  lanndtherrn  vnd  annder  edel 
verschreiben , ire  lehn  zneiitpfahen  von 
ainem  clltiaaten  herrn  von  Bayren.  der 
lehen  gab  er  ettlich  dem  pnrgkgrafen 
von  Nürnberg,  der  sy  noch  hat.  nach 
dem  forstet  der  knnig  Ludwig  den  grauen 
von  Hennenberg,  dise  berichtumb  ward 
von  dem  hertzog  I/ewpolt  von  Österreich 
nicht  wol  gehalten,  er  legte  vil  kosstnng 
darauf  das  er  den  kilnig  Ludwig  geren 
von  dem  reich  gedrungen  het.  er  het  vil 
arbeit  vnd  mfle  gen  dem  pabat,  das  er 
im  die  kaiserlich  weich  versagte,  vnd  in 
verküute  in  den  pan.  das  fügt  auch  sich 
also,  der  kunig  Ludwig  was  gar  zumal 
ain  weltsaliger  man.  er  was  freiindtholt 
vnd  grüssam  gen  aller  mauigklich.  vmb 
das  gieng  im  alle  dinug  leicht  zuhann- 
deu.  er  was  in  nöten  keck,  manlich, 
witzig,  vnd  lebt  aller  dinng  fürstlich, 
an  allain  was  das  sein  maister  geprechen, 
das  er  sich  nicht  Ireheltfen  kund  noch 
nichtt  verstund  latein.  vmb  das  spricht 
Salomon  : ain  vngelerter  fnrst  in  ainem 
lanud  ist  geleicher  masz  wie  ain  gekrön- 
ter esel.  disz  kam  auch  dem  frummen 
knnig  zu  grossem  nachtail,  alls  jr  hören 
werdt. 

Der  knnig  Ludwig  het  ain  canntzler, 
genant  maister  Vlrich  von  Angspurg, 
dem  er  eren  vnd  alls  guts  vertrawte.  der 
het  auch  zu  gewalt  des  kunigs  mayestat 
sigel  secret  etc.  damit  schuf  er  vil,  das 
wider  sein  kuniglich  mayestat  was.  des 
ward  er  ofiennlich  vor  dem  knnig  ge- 


Nachdem  vnnd  hertzog  Fridorich  von 
Österreich  ledig  vnnd  ausgelassen  war 
mit  dem  vnnderschaidt  das  er  sich  ver- 
schreiben iiiuest,  das  khain  herr  von 
Österreich  wider  khainen  herrn  von 
Bayrn  etc.  nymer  stellen  wolte  zu  ewi- 
gen zeitn  nach  dem  reich,  auch  inuess- 
ten  sich  die  lanndtherrn  vnnd  annder 
edlen  verschreiben , jere  lehen  zuerapfa- 
l'.en  von  ainem  eltestn  herrn  von  Bayrn. 
derselben  leben  gab  khaiser  Ludwig  ett- 
lich  dem  biirggranen  von  Nilrnnberg,  der 
sy  noch  hat. 

Nachdem  fürstet  khaiser  Ludwig  den 
grauen  von  Hennenberg. 

Dise  obgeraelte  bericht  nng  wardt  von 
hertzog  Leopolt  von  Österreich  uit  wol 
gehalten,  er  legte  vill  costurab  darauf, 
damit  ilas  er  kayser  Ludwig  gern  von 
ilem  reich  getrungcn  het. 


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203 


rueget.  er  pnt  «pin  vnschuld.  dca  ge- 
standen im  funfT  prelateu,  die  dem  ku- 
nig  sagten,  dise  dinng  giengen  aus  neyd 
vnnd  basz.  nu  was  im  ye  der  kOngk 
gar  rast  genedig,  uani  in  wider  in  die 
canntzley  wie  vor.  un  vermainte  der  selb 
canntzler  maister  Vlrich,  vnd  verwisz  dem 
kunig  dick  der  marnung,  er  solt  die  von 
ireu  erben  vertreiben  vnd  vcriagen  oder 
gar  ertütten  die  sölichs  auf  in  beten  ge- 
sagt. vnd  vmb  das  es  der  kunig  allso 
valinu  vnd  beleyben  lie.sz,  geilacbt  der 
valscb  man  sich  an  dem  kunig  zurechen, 
alLs  jr  hernach  hören  werdt. 

Nu  schickte  der  kunig  Ludwig  sein 
erwirdige  potschafft  zu  Rom , vnd  er 
gerte  da  zu  eutphahen  die  kaiserlichen 
weich  von  dem  pabst.  nu  was  der  pabst 
zu  Auion.  die  Cardinal  vnd  Römer  wa- 
ren begirig  seiner  kunft,  sagten  das  er 
kam,  so  wollen  sy  die  zeit  zu  dem  pabst 
schicken,  nu  bet  — alls  ich  vor  sprach  — 
der  iLertzog  Lewpolt  von  Ö.sterreich  alle 
vil  mit  dem  pabst  geschafft,  das  er  dem 
kfinig  die  krönumb  versagt,  alls  der  ku- 
uig  zu  Korn  wolt , schuf  er  mit  dem 
cantzier,  das  er  dem  pabst  schrib  vnd 
genaden  von  im  gerte,  vnd  in  dem  brief 
seiner  heiligkait  ine  enpfnih,  er  wolt 
auch  alle  dinng  nach  seinem  rat  bandien, 
darwider  schraib  der  canntzler  geleich 
widerwärtige  dinng,  vnd  verachtt  den 
pabst  gantz.  vnd  vnder  disen  dingen 
nanut  er  den  pabst  ain  bestio,  als  ain 
vnuernunfftigs  tier.  solichs  gedech  dem 
kunig  zu  vil  vbels.  het  aber  er  die  la- 
tein  verstanden , er  war  nicht  in  souil 
sorg  vnd  vbel  gefcrt  worden. 

Vnnder  den  Zeiten  was  der  hertzog 
Mathias  zu  Mayland  gestorben,  do  gert 
Gnlacidus,  des  hertzogen  sun,  das  lannd 
Abb.  d.  III.  CI.  d.  k.  Ak.  d.  Wits.  XV.  bd.  III,  Abtb. 


Bey  disen  zelten  starb  Matheus  der 
herr  von  Mayllanndt.  deshalb  gab  khö- 
nig  Ludwig  auf  ansueeben  herrn  Ga- 
27 


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204 


TOD  (lein  kunig  zu  leyheu,  daz  auch  der 
•künig  tet.  alls  das  der  pul»t  erfur,  pieen 
er  den  ktlnig  noch  mer,  sprach : er  hiet 
es  nicht  gwalt,  niemant  in  Ytalia  oder 
Lamparten  zuleyhen  ee  er  zw  Rom  ge- 
krönt war.  allso  zoch  der  kllnig  zu  Rom. 
do  whickteu  aber  die  Cardinal  rnd  Rö- 
mer zu  dem  pabst  gen  Aniou,  das  er 
kam  vnd  den  kllnig  krönte,  oder  anndcr 
yemaut  seinen  gwalt  gab.  das  wolt  der 
babst  auch  nichtt  tun.  do  kamen  zu- 
sammen all  Cardinal  vnd  bischof  mit- 
sambt  dem  künig  vnd  den  Romeren,  vnd 
erwelten  ainen  aunderu  papst,  ainen  par- 
rüsaen,  vnd  verpienen  jenen  pabst.  allso 
ward  der  künig  Ludwig  zu  kayserlicher 
wirde  geweicht,  das  beschach'anno  tau- 
sent  drew  hundert  achtt  vud  zwayutzigk 
iar.  vnnd  vmb  das  ward  grwse  zwayumb 
vunder  den  päbsten  cardinälen  vnd  bi- 
schofen. 


[Vgl.  die  z(«eite  Hilfte  des  votigen 
Absatzes.] 


Nu  wonte  der  kaiser  zu  Rom  mit 
grosser  vnd  reichlicher  zerung  vud  kos- 
stnng.  vnd  die  kayserin  was  aine  von 
Poland.  gelag  ains  snns  zu  Rom,  den 
man  allzeit  hernach  nannt  Ludwig  den 
Römer,  nu  het  sich  der  kaiser  so  ser 


leatzen  Mayllanndt  zu  leben,  darumb  der 
khönig  Ludwig  vom  habet  gen  Jniuion 
beruefft  wardt.  vnnd  als  er  nit  erschein 
wolt,  thet  er  khönig  Ludwigen  in  pann 
wie  ein  vncristen  man  vnd  khetzer  am 
glaulieii.  nach  disein  allem  nam  hertzog 
Lenpoldt  von  Österreich  ein  neuen  au- 
sprach  wider  khöuig  Ludwigen,  verhofft 
seinen  bruedern  Friderichen  mit  hilif  des 
babsts  vnnd  khönigs  von  Franiickhreich, 
auch  des  pfalltzgraffen  Ruedolffs  vnnd 
ettlicher  bischofF  an  das  reich  zupringen. 
darnmh  samlet  er  ain  neuen  zeug,  vnd 
zug  in  das  KIsasz,  scblaifft  sandt  Pöldt 
das  stättlen  wider  den  graSPen  von  Wördt, 
laundgraneii  im  Elsasz,  vnd  zoch  gen 
Speyr,  belegert  die  stat,  wardt  alda  blödt 
vnnd  krannckh,  fuer  gen  Strasburg  aus 
rat  der  ärtzt,  kam  doch  zu  letzt  von 
sQuneu , vnnd  starb  alda  in  der  von 
Ochsenstain  hof,  anno  dorainj  1327  jar. 
vnnd  verliesz  kain  kindt. 

König  Ludwig  achtet  des  panji  nit 
vasst,  vnd  ans  begem  herrn  Galleatzen 
vnd  der  Römer  zug  er  mit  1500  pferd- 
ten  gen  Mayllanndt,  vnnd  wardt  alda 
krönnt  mit  der  anndern  krön  den  17t» 
januarij  von  dem  cardinallen  Steffany  de 
Columna  sambt  der  königin.  er  zog  auch 
gen  Rom,  vnud'  machet  im  iar  1328  ain 
parfnesser  münch  zu  aiuem  babst,  mit 
namen  Petrum  do  Carbaria,  vnd  nennt 
in  Nicolaus  den  funSten.  vnnd  wardt 
von  demselben  babst  zu  kayser  kröndt 
nach  dem  er  14  iar  könig  was  gewesen. 

Nun  wonte  der  kayser  Ludwig  vnud 
sein  gemahel  zu  Rom  mit  grosser  vnnd 
reichlicher  zerung.  die  kayserin  lag  alda 
zu  Rom  aines  snns  nider , den  man  al- 
zeit  hernach  uent  Ludwig  den  Römer, 
nun  het  sich  der  kayser  so  seer  verzert 


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205 


Terzert  za  Rom,  das  er  nicht  wesst  mit 
seinen  eren  dannen  zu  kämmen,  er  was 
in  Tusst  grossen  sorg  rnd  ängsten  in 
disen  seinen  sorgen  gieng  er  in  ainer 
capeilen  zn  got  raffend  Tud  zu  seiner 
mnter  Marie  vmb  trostuug.  so  kuinbt 
ain  geistlicher  niünich  zn  im,  sprach; 
kaiser,  sag  mir  dein  betrübde,  zilleicht 
vindestn  rat  der  dir  zn  hail  knmbt.  der 
kaiser  sagt  im  vil  seiner  sorgen,  do 
sprach  aber  der  manch  : glob  gott  Tnnd 
Tnnser  lieben  frawen,  so  du  zulannd 
knmbst,  das  du  in  den  eren  gottes  sei- 
ner lieben  muler  Marie  ain  gotzhaws 
wellest  stifflen  sand  Benedicten  orden 
auf  dem  Ampfrangen , so  wirt  dir  got 
zn  schicken  das  da  mit  grossen*  eren 
hinnen  kämest,  disz  gelobt  der  kaiser 
dem  munich : wenn  er  zu  lannd  kam 
vnd  das  endt  erfUre  welliches  da.s  Am- 
pfranng  war,  wolt  er  das  gar  an  ver- 
ziehen verpringen.  do  gab  im  der  mSnich 
ain  pilld  das  niemant  erkannt,  ob  es  von 
metall  oder  stain  ist  warlich,  daun  das  cs 
ist  ain  Maria  pilld.  vnnd  er  sprach  zu 
dem  kaiser : morgen  wirt  ain  herr  käm- 
men. vnd  wirt  an  dich  kummen  vnd  be- 
geren,  das  dn  in  vnd  sein  lanudt  im 
freyest.  vnd  alls  vil  du  von  im  geuoderen 
torst,  das  wirt  er  dir  geben,  vnnd  mit 
dem  verscbwandt  der  mtincli  im  vor  den 
angen. 

Als  morgens  der  tag  kam , do  käm- 
men abcb  mär,  wie  ain  grosser  berr  kem. 
alle  aber  diser  herr  nur  kam,  gieng  er 
fnr  den  kayser,  begert  wie  oben  gesagt 
ist,  vnd  fragt  was  er  dem  kayser  vmb 
solicbs  tun  oder  geben  sollt,  do  aischt 
' der  kaiser  hundert  tansent  gnilden.  an 
stnnd  gab  im  der  herr  die  snmm  gülden, 
vnd  wardt  ain  schimpfred  aus  den  dingen. 


zn  Rom , das  er  mit  ehern  von  Rom 
ziehen  noch  khamen  mocht.  er  was  in 
grossen  sorgen  vnnd  anngsten.  vnnd  in 
disen  seinen  bekhumernussen  gienng  er 
in  ainer  cappelin  za  gott  rueffendt  vnnd 
zu  seiner  muetter  Maria  vmb  kostumb. 
so  erscheint  im  ain  geistlicher  inQnch, 
zu  im  sprechent : kayser,  sag  mir  dein 
betrnebnnsz,  villeicht  viiistu  rath  der  dir 
zn  guet  kumbt.  der  kaiser  sagt  ime  vil 
seiner  sorgen,  da  sprach  aber  der  mOnch: 
glob  got  vnnd  vnnser  lieben  frawen,  so 
dn  za  lanndt  kumbst,  das  dn  in  den 
eeren  gottes  seiner  lieben  muetter  Marie 
ain  gotzbaus  wellest  stiflhen  sanct  Bene- 
dictn  Orden  auf  dem  Ampfrangen , so 
wirdt  dir  got  zneschickben  das  dn  mit 
grossen  eeren  von  hynnen  kumbest.  disz 
gelobte  der  kayser  dem  münch,  wann  er 
zu  lanndt  khem,  vnnd  dos  enndt  erfnere 
welches  der  Ampfranng  wer,  wolt  ers 
gar  an  verziehen  volpringen  da  gab  im 
der  münch  ain  pildt  das  niemandt  er- 
kennt, ob  es  von  metal  oder  von  stain 
ist,  daun  dos  es  ain  Maria  pilt  ist  vnnd 
der  münch  sprach  zu  dem  kayser;  mor- 
gen wirdt  ain  herr  khumeu  vnnd  wirt 
an  dich  khiimen  vnnd  begern  das  du  inn 
vnd  sein  lanndt  im  freyest.  vnnd  als  vil 
du  von  im  vordem  darsst,  das  wirdt  er 
dir  geben,  in  dem  verschwaundt  der 
manch  dem  kayser  vor  den  angen. 

Vnnd  als  morgen  der  tag  kham,  da 
khamen  dem  kayser  die  mär,  wie  das  ain 
grosser  herr  kbämb.  vnnd  als  der  herr 
kham , gienng  er  für  den  kayser  vnnd 
begert  fnr  in  vnnd  sein  lanudt  von  im 
fridt,  vnnd  fragt  den  kayser,  was  er  ime 
vmb  solches  ihnen  vnnd  geben  solt.  da 
vordert  der  kayser  hundert  dausent  gül- 
den. von  stundan  gab  im  der  herr  dise 
27* 


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206 


md  sprachen  die  Walben,  das  kain  IkiTr 
kain  grossere  snninin  knnd  nennen  dann 
hnndert  tansent  gülden,  alls  io  der  kai- 
ser  nu  frewet,  do  scbanck  er  der  kay- 
serin  tausent  gullden,  rnd  r.way  tansent 
in  die  cantzlej.  allso  kam  er  mit  grossen 
eren  vnd  lob  von  Itom.  alls  palld  er  in 
diese  lannd  kam,  vieng  er  das  gotxbaws 
an  ziipaweu.  vnd  er  legt  selb  den  ersten 
stain  an  dem  tag  Vitalis  anno  dominj 
tausent  drew  hundert  dreyssigk  jar.  vnd 
nannt  das  gotzbaws  Etal.  er  stiSl  das 
gotzhaws  von  zwen  vnnd  zwaynzigk  brie- 
steru,  unmm  dahin  ainen  abbt  von  Rei- 
chenbach,  genannt  her  Friderich.  er 
machte  auch  dahin,  das  zwelff  ritter  da 
sollten  wonen  mit  iren  frawen , vnd 
sechs  witiben : beten  all  pfrfindt  alls  die 
brieeter.  die  woneten  da  die  weil  der 
kayser  lebte. 


Nu  alls  der  kaiser  nu  sein  weich  zw 
Rom  enpfangeu  het,  do  sand  der  pabst 
der  zu  Auion  was  in  das  reich,  vnd 
verpien  alle  die  in  für  ainen  kayser 
betten , verschlag  anch  dar  singen  vnd 
lesen,  das  richte  alles  hertzog  Lewpold 
von  Österreich  vnd  der  pfalltzgraf  Rudolf 
an.  zn  dem  jOngsten  kam  der  hertzog 
von  Österreich  gen  Speyr,  schnef  des 
pabsbs  panbrief  znlesen.  do  kam  in  ain 
kranckheit  an,  vnd  ward  vnsynnig,  vnd 
starb  an  beicht  vnd  rew  aines  wnetten- 
den  tods. 


snnima.  vnd  als  die  Walhen  dos  erfuern, 
machetn  sy  ain  schimpf  redt  daraus,  das 
im  khain  Bayr  khain  grossere  summa 
khnndt  nennen  dann  hundert  danaent 
gülden,  vnnd  als  in  der  kaiser  nnn 
freiet , da  schenckht  er  der  kaiserin 
fUnffzig  daiisent  gülden,  vnnd  in  die 
canntzley  zway  dauseiit  gniden.  also 
kham  der  kayser  mit  grossem  lob  vnnd 
eern  von  Rom.  vnnd  als  paldt  er  in 
dise  lanudt  zu  Bayrn  kham , vieng  er 
ain  gotzhansz  an  zu  pawen , vnnd  legt 
selbs  am  tag  Vittalis  den  ersten  stain 
anno  etc.  dausent  drewbnndert  vnd 
dreyssig  jar.  vnnd  nannte  das  dosier 
Ettall.  er  stiffte  das  gotzhau-sz  von  22 
priesteru,  nam  dahin  ain  abbt  von  Rei- 
chenbach, genannt  herr  Friderich.  er 
machte  auch  dahin,  das  zwelf  ritter  da 
soltn  wonen  mit  ieren  frawen , vnnd 
sechs  Wittiben:  die  hettn  all  pfrnenndt. 

Als  man  zalt  1329  iar,  zoch  er  wider 
in  Teutsch  Lanndt. 


[Vgl.  den  luüheten  Abeati.] 


[Vgl.  oben  den  Schinu  des  ersten 
Absatiee  der  Spalte  2 von  S.  204.] 

Nach  ettlicher  zeit  ergab  sich  diser 
babst  sambt  seinen  cardinSIen  an  den 
babst  Johannem,  vnnd  fanndt  geuadt  bej 
im.  aber  babst  Johannes  durch  ächtet 
den  kayser  Ludwigen  für  vnnd  für,  ver- 


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207 


Der  babet  zu  Auion  starb  auch,  rnd 
ward  Benedictus  der  zwelfft.  der  wolt 
den  kayser  aus  dem  pan  Terkünden.  des 
wollt  der  kOnig  von  Pranckreich  nichtt 
gestatten,  do  schreib  der  babet  den  kur- 
fursten,  sy  solten  ainen  anndern  kanig 
weien;  ob  aber  sy  des  nicht  tun  woll- 
ten, BO  wolt  er  dem  reich  ainen  geben, 
vnd  sy  von  iren  wirden  entsetzen,  allso 
kamen  die  fürsten  znsamen,  vnd  erkoren 
Karlen  von  Pehaim.  zn  der  wal  wolt 
der  bischoi  von  Maintz  noch  der  von 
Trier  nichtt.  vmb  das  wardt  der  von 
Maintz  von  dem  pabst  entsatzt.  aber  er 
behub  sein  bistnmb  nicht  desster  mynn- 
der  die  weil  er  lebt,  do  beraffl  kayser 


poth  den  miinchen  vnnd  pfaSen  vnud 
den  geistlichen  in  Teutschen  lannden 
singen  vnnd  lesen  in  der  kirchen.  das 
weret  vil  jar,  deshalb  vil  vnrueh  ennt- 
stuenndt.  dann  ettlich  geistlich  dem 
bähst  gehorsam  waren , die  waren  aus 
den  stettn  vertriben.  die  von  Straspiirg 
sprachen  zu  ieren  predigem, 
sy  sollen  furbas  singen 
oder  aus  der  stat  springen, 
deshalb  sy  die  stat  vierdthalb  jar  mei- 
den mnessten.  der  babst  sprach  zn  den 
vertribnen : 

recht,  alter  nit  weislich; 
vnd  zn  den  die  nit  wichen  sprach  er: 
weysiicb,  aber  vnrecht. 

Kayser  Ludwig  zwanng  nit  dessto 
weniger  die  geistlichn  fürsten,  von  im 
die  leben  zu  empfahen  vnnd  im  zuhnl- 
den.  er  beleidiget  aber  die  anndern  geist- 
liehn  nit  vasst. 

Anno  domini  1330  jar  starb  hertzog 
Fridrich  von  Österreich,  so  vormals  von 
ettlichen  curfOrstn  zu  ainem  römischn 
könig  erwelt  was  worden. 

Anno  dominj  1334  jar  starb  babst 
Johann,  vnnd  wardt  erwelt  Benedict  der 
zwelft.  diser  babst  bekhennt  woll,  das 
sein  vorforder  gegen  kayser  Ludwigen 
zn  vil  strenng  vnud  vnpillich  gehann- 
delt.  het  in  gern  ans  den  pan  gethan, 
darfft  aber  das  on  wissen  des  künigs 
von  Frannckhreich  nit  thuen. 


[Vgl.  den  folgenden  AbeaU-l 


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208 


Ludwig  ainen  hof  zu  Speyr.  vnd  vodert 
dahin  all  berrn  vnd  die  stet  an  dem 
Rein  Swaben  vnd  Francken,  vnd  fragt 
sy,  ob  sy  in  für  ainen  kayser  wolten 
haben , oder  kQnig  Karlen,  sy  sprachen 
all  mit  ain,  sy  wolten  in  hallten  fnr 
ainen  kaiser,  vnd  wollten  sich  weder  an 
des  pahsts  brief  noch  an  die  walherrn 
nichts  keren.  vnd  vnder  der  zeit  wardt 
sein  kanntzler  siech,  dauon  ich  vor  ge- 
sagt hah,  maister  Vlrich  von  Augspurg. 
alls  der  an  seinem  jüngsten  lag,  bekannt 
er  sich  offenlich,  das  er  dem  knyser  die 
vnrwe  mit  dem  bähst  hiet  gemachtt 
vmb  das  er  sich  an  dem  kaiser  rechen 
mücht,  alls  ich  vor  sprach,  alls  mau  das 
dem  kaiser  sagt,  vnd  man  mainte,  er 
solt  vber  in  richten  als  er  verdient  hiet, 
do  sprach  er:  ich  wil  das  gerichtt  dem 
enpfehlen  der  in  yetz  geschlagen  bat. 
bey  den  Zeiten  ward  gemachtt  das  püch 
das  inan  nennt  „defensor  pacis“.  das 
sagt  von  dem  geitz  des  pabsts,  der  Car- 
dinal vnd  bischof,  vnd  von  ir  symonej, 
auch  das  ain  yeder  pabst  sol  sein  vnder 
dem  gwalt  des  kaysers. 


[Vgl.  den  vorhergehenden  Absati.] 


Anno  domiuj  1342  jar  starb  Benedict 
der  zwelft.  vnnd  wardt  erwelt  Clemens 
der  sechst,  ein  grym  hoebferttig  man. 
der  vnnderstnendt  sich  vber  den  kayser 
vnnd  alle  weit  berr  zeeein,  verachtet 
vnnd  verpannet  den  kayser  Ludwig  hört- 
ter  vnd  v5ster  als  seine  vorfordern  kai- 
ner.  er  entsezt  den  bischof  von  Maintz 
dammb  das  er  dem  kayser  anbenngig 
was,  vnnd  macht  ain  anndern,  der  war 
ain  graCf  von  Nassaw,  mit  namen  6er- 
lacus.  als  aber  Ludowicus  der  kayser 
vnd  die  fnrsten,  auch  die  stöt  so  ime 
anbenngig  waren  sölches  panen  nit 
achteten,  praebt  der  bähst  wider  den 


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209 


kayser  Ludwig  in  Tentschen  lannden 
souil  zviwegen,  das  in  dem  iar  1346  zu- 
Samen  khamen  der  neu  bischof  von  Menz, 
der  von  CSln,  der  könig  von  Behem, 
aucli  der  bertzog  von  Sachsen,  vnnd  er- 
weltn  ein  aundern  könig,  den  marggraff 
Carlen  von  Märhern,  khonig  Hannsen 
von  Behem  sun.  vnd  wardt  von  dem  bi- 
scliof  von  Cöln  zu  Rom  gekhront.  dar- 
wider wardt  der  recht  bischof  von  Menz, 
der  pfalltzgraf,  vnd  marggraf  von  Branu- 
denbnrg.  es  wolt  auch  auf  dem  reichs- 
tag  zn  Speyr  kain  stat  des  reiche  Caro- 
him  für  ain  römischen  könig  erkheunen. 
es  darfft  sich  auch  bej  leben  kayser 
Ludwigs  Carolus  der  regiernng  im  reich, 
vnnd  Gerlacns  des  bistumbs  Mentz  nit 
vnndersteen. 

In  den  Zeiten  krieget  Etwardus,  der 
könig  von  Engellanndt,  den  könig  von 
Prannckhreich.  da  kham  Carolus  der 
erwelt  könig  dem  von  Frannckbreich 
zuhilf,  vnnd  sein  vatter  könig  Johanns 
von  Behem  mit  grossem  voickh  der  Be- 
hemen  vnnd  Tentschen  vnnd  da  sich 
der  könig  von  Enngellanndt  mit  aller 
macht  keret  wider  den  könig  von 
Frannckbreich,  da  wardt  der  könig  von 
Frannckbreich  vnnd  der  neu  erwelt  kö- 
nig Carlen  in  die  flacht  geschlagen,  da 
wardt  der  könig  Johanns  von  Behem. 
der  hertzog  von  Lottringen,  der  graff 
von  Flanndern,  der  graff  von  Blüsz,  der 
graff  von  Salm  erschlagen  mit  villen 
anndern  rittern  vnnd  herrn  vnnd  Tent- 
schen voickh.  da  schickht  der  könig  von 
Enngellanndt  könig  Johannsen  von  Be- 
bem  gen  Lntzelburg,  das  er  da  eerlicb 
begraben  wurde. 

Anno  dominj  1347  jar  zoch  Johanna, 
ein  hertzogin  von  Österreich,  so  hertzog 


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Albrecbta  von  Österreich  selligen  ver- 
lassne  wittib,  von  dem  Schwabenlanndt 
die  Thüpnaw  ab,  im  willen  gen  Öster- 
reich zufarn.  vunderwegen  suecbt  sy 
hertzog  Ludwigen  in  Baym  etc.  haym. 
caiser  Ludwig  will  ier  zu  lieb  ain  ban- 
geth  vnd  ain  gejaidt  zu  Vnderstorf  hal- 
ten. vnnd  als  sy  sbweg  wolt  raisen, 
reicht  sy  im  ain  gefesz , darans  zn- 
trinckhen  nachdem  er  aber  jer  vor  vil 
eer  bewi.seu  het,  das  tbet  er  noch,  vnnd 
path  sy  soll  von  erst  trinckhen.  das 
thet  sy,  vnnd  verkert  dem  caiser  die 
ror  darin  das  giSt  in  war.  vnnd  als  er 
getrunckhen  het,  eylt  sy  von  stnndan 
von  im  abweg.  vnnd  als  er  sich  schwach 
emphndt,  rit  er  gen  waldt,  wolt  an  das 
jaidl,  vnnd  das  gifll  von  im  znreutn. 
viell  er  von  dem  pferdt,  vnnd  starb  in 
ainem  paurn  bans  bey  Furstenfeldt,  den 
dritten  tag  nach  Dionisius  im  1347  jar. 

Kayser  Ludwig  wardt  gen  München 
gefnerth  in  vnnser  lieben  freuen  Pfarr- 
kirchen, vnnd  ligt  vnnder  dem  cor  in 
ainem  gwelb  in  seinem  kayserlichen 
mnndl  zepter  vnd  cron  bej  anndern 
fnrstn. 

Als  diser  kayser  Ludwig  gestorben 
was,  da  tailten  seine  6 sun  die  lanndt 
zu  Landsperg.  Ludwig  der  elter  wardt 
bej  leben  des  kaiser  Ludwigs  marggraf 
zu  Branndenburg.  Ludwig  dem  jungem, 
den  man  nent  Kümer,  vnnd  Otten  wardt 
Obern  Bayru.  Wilhelm,  Steffan,  vnnd 
Albrechtn  wardt  Nidem  Bayrn  mit  Hol- 
lanndt  Seelanndt  Frieslanndt  vnnd  He- 
ncgaw  etc.  das  geschach  1.349. 

Anno  doniiuj  1307  •’•)  jar  hat  vor- 
gemelter  kaiser  Ludwig  die  stat  München 

27S)  In  der  Hudsehrift  iteht:  1370. 


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211 


erweittert  aambt  der  alten  resst  oder 
schloss,  anch  das  Parfnesser  vnnd  Augu- 
stiner dosier  gepawen.  vnnd  nachmals 
im  1315  jar  hat  er  die  stat  München 
abermals  mit  schönen  menni  vnnd  thurn 
erweittert.  vnnd  anno  1324  jar  pauth 
er  die  capellen  in  der  Allteu  vesst. 


XXVII.  Zn  Seite  149  Note  256. 

a) 

Von  dem  Erknndignngsachreiben  des  Herzogs  Maximilian  I Ober  den  Stand  der 
Arbeit  des  Marx  Welser  liegen  zwei  Coiicepte  vom  6 und  9 Juni  1611  vor. 

Das  erste  ist  — wie  es  den  Anschein  hat  — nicht  zur  .Ausfertigung  gelangt. 

Das  zweite  verräth  ihm  gegenüber  eine  gewisse  Kühle,  und  slelll  die  Präge, 
ob  nicht  bald  wieder  ein  Theil  fertig  sei. 

b) 

Hierauf  berichtete  Marx  Welser  am  15  .luni: 

Tn  antwort  Euer  fürstl.  Diirchl.  genedigisteu  Schreibens  vom  9<™  dis  monats 
das  Bairische  histori  werck  betreffent  berichte  ich  gehorsamest,  das  — ob  mir  wol 
wegen  der  fünf  bereit  gedruckten  und  pnblicierten  büecher  bisher  von  jemant  kein 
dag  oder  gegeuwnrf  firkonimen  ist  — hat  mich  daunocht  wo  nit  ein  notturft  jedoch 
ein  wolstand  gedunckt,  sie  auf  ein  newes  alles  vieiss  zue  ibersehen,  und  zuerwegen 
ob  etwas  darin  zne  endereu  und  zue  verbesseren  sein  möchte:  wie  ich  dan  in  der 
that  befanden,  das  es  diasfals  nit  one,  noch  die  angelegt  mühe,  wölche  ein  geraume 
zeit  erfordert  hat,  verloren  gangen  ist. 

Darneben  hab  ich  die  continuation  der  histori  nit  gar  ausgeselzt,  sonder  bin 
— sovil  mir  die  ordinari  und  extraordinari  gesebäft,  wölche  mich  etlich  jar  her- 
werts  gleichmim  gar  nnderdrückeu , neben  meinen  leibs  ungelegenheiten  znegelasseu 
haben  — fortgefareu  bis  auf  künig  Ludwigen,  kaisers  Ludovici  pii  snn,  wölcber 
sich  anfangs  künig  in  Bairen  hernach  künig  in  Teutschlant  geschriben  hat:  dies 
trifl  der  zeit  nach  vast  mit  dem  mittel  des  Aventini  histori  zue. 

Was  mir  zue  fortsetzung  dieses  wercks  — wie  Euer  fürstl.  Durchl.  genedigist 
andentten  — mangle,  kan  ich  io  specie  dnrumb  nit  anzaigen,  weil  mir  nit  eigentlich 
wissent,  was  fir  dienstliche  monumenta  bei  Euer  fürstl.  Durchl.  archiv  oder  sonst  vor- 
handen seien,  in  genere  aber  mag  man  wol  datir  halten,  das  alle  bairische  schritten 
von  jaren  zue  jaren  ansgezogen,  es  seien  gleich  cronicken,  brief,  Stiftungen  oder 
anders,  ser  wol  dienten,  und  mich  einer  unseglicben  mühe  iberhepten,  wie  ich  mir 
Abh.d.  111.  CI.  d.  k.  Ak.d.  Wiss.  XV.  Bd.  III.  .Abtli. 


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212 


dan  aollicher  gestalt  und  wan  mir  also  vorgearbaitet  wurde  volgeiits  in  einem  jar 
mer  als  jetzo  in  fttnf  secbsen  zue  schaffen  getrawte. 

Zue  beschluss  darf  ich  nit  wagen,  Euer  lürstl.  Durch!  ein  gewise  zeit  zuer- 
uennen  in  wölcher  ich  mit  iberschicknng  eines  tails  auf  zue  kommen  vermeine,  wan 
je  nit  gern  an  der  nnnarhait  wolte  ergriffen  werden,  und  eiumals  das  werck  mer 
als  es  das  ansehen  hat  schwer  ist,  sonderlich  hoinini  toti  modis  oeenpato  et  di- 
stracto.  bit  aber  Euer  fOrstl.  Durchl.  demDetigist,  sie  wQllen  mir  genedigist  trawen. 
wan  meine  kräflen  der  hegierde  gleich  gevolgteu,  selten  Euer  ftlrstl.  Durchl.  ge- 
wisslich aller  dings  unaufgehalten  sein,  diser  gestalt  nun  bit  ich  Sie  abermal  ge- 
borsamest,  genedigi.ste  gedult  mit  meinem  Unvermögen  zue  tragen,  dero  beineben 
mich  zue  beharlichen  milten  gnaden  empfelchent. 

c; 

Dieser  Bericht  wurde  dem  Johann  Georg  Hörwart  von  Hohenburg  und  dem 
Christof  Gewold  zum  Gutachten  öberwiesen. 

ln  diesem  äusserteii  sie  sich  am  22  Juni  dahin,  dass  sie  die  „vorgenombenc 
renision  der  alberait  vor  di.sem  publicierten  flluf  buecher  für  ein  guette  nnzliche 
arbait  ausiebt.  es  mecht  auch  Euer  Durchl.  solches  revidiertes  werk  znesambt  der 
contiiiuation  so  weith  sich  solche  deme  im  schreiljen  beschehen  audeiten  nach  er- 
strecket gnedigist  abfordeni  lasseu,  nnd  zugleich  dabei  ime  Welser  zu  versteen 
geben,  das  Euer  Durchl.  sowol  solche  sein  angewendte  arbait  als  auch  die  con- 
tinuatiou  desz  haubtwerks  selbst  genedigist  wolgefalle. 

Belangend  wasz  zue  fortsezuug  dises  werke  für  subsidia  hin  und  wider  vor- 
handen nnd  dem  statlpfloger  zu  aubmiuistriern,  da  können  Euer  Durchl.  wir  mit 
bestendigem  grund  berichten , das  aus  Euer  Durchl.  archif  bisz  man  uf  das  jar 
Christi  1200  korabt  wenig  oder  zue  hnussen  gar  nicht  verbanden  : sonder  miessen 
die  materiae  historicae  nur  anderwerts  znesamben  getragen  werden,  zue  welchem 
ende  firnemblioh  sowol  die  cathalogi  veterum  manuscriptorum  auctorum  bei  den 
clestorn  und  Stiftern  in  Euer  Durchl.  fürsteuthuinb  nnd  andern  orthen  alsr  auch 
verzaichnnsz  der  verhandnen  alten  bäbstl.  kaiserl.  und  köiiigl.  auch  fUrstl.  brieflichen 
urkuuden  priuilegien  und  documenteu  zue  hand  gerichtet,  daransz  bishero  allerhand 
dienstliches  abgeschriben  worden  und  noch  alrgeschriben  wirdet. 

Gewiss  wirdet  beim  stift  Bamberg  viel  ntlzliches  vorhanden  sein,  und  wollen 
wir  nächstens  einen  verschlag  machen  wie  man  es  bekommen  kann. 

Demnach  aber  be,schliesslich  Euer  Durchl.  die  entliehe  volfierung  dises  ires 
historiwerks  billich  sehr  angelegen,  dabei  uun  des  herrn  stattpflegers  schweres  ampt 
und  vilfeltige  teglicb  uberhaUfflge  gesebefft  und  andere  menschliche  znestende  die 
sich  bald  können  begeben  in  acht  zenemmeu,  so  vermainten  wir,  Euer  Durchl.  betten 
ime  disz  ir  verlangen  gnedigist  zu  versteen  geben  und  dabei  andeiten  zue  lassen,  ob 
er  jemanden  usz  den  P.  societatis  — alsz  den  P.  Kaderum,  oder  wen  er  sonsten 
hierzne  für  tauglich  anseche  — Vorschlägen  thette,  der  ime  dise  arbait  helffe  ver- 


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213 


richten , doch  das  er  alzeit  das  directorium  hette,  oder  das  er  andere  mitl  an  die 
hand  geben  wolte  dardnrch  dises  werk  zue  seinem  hrderlichen  ende  aller  möglicbkeit 
nach  zebringen  seie,  Uber  welches  er  stattpfleger  dann  in  ansehung  seiner  obligen- 
den  nnzalbaren  anfwachsenden  occnpatiouen,  auch  leibsnngelegenheiten,  nnd  das  dises 
werk  an  ime  selbst  schweer  nnd  weitleifßg  ist,  versehentlich  ain  guetten  und  nicht 
nnrathsamben  noch  znr  Sachen  nndienstlichen  fiirschlag  thuen  wirdet,  darüber  Euer 
Dnrchl.  sich  alsdann  der  vernem  notturfft  mögen  entschlieszen.“ 

d) 

Am  27  Juni  erging  die  Mittheilnng  hierüber  mit  dem  namentlichen  Anfligen, 
der  Herzog  habe  seinerseits  „auch  letzt  widerumb  von  neuem  benelch  geben,  dasz 
Weisem  alles  das  jenige  was  so  wohl  bei  seinem  archiuo  vorhanden  als  auch  sonsten 
zuebeckhommen  so  zn  diser  histori  beschreibung  nuzbar  vnnd  dienstlich  zur  handt 
gebracht,  extrahirt,  vnnd  ihm  vnfehlbarlich  vberschickht  werde“. 

e) 

Aus  sejner  Antwort  hierauf  vom  30  Juni  entnehmen  wir  folgendes: 

Das  histori  werk  betreffendt  wolte  Euer  fUrstl.  Dnrcbl.  ich  die  Corrcctur 
publiciertcr  fnnff  bllecber  sampt  der  Continuation  gehorsamest  gern  jberschiken, 
wann  eines  vnd  anders  jnn  sollichen  stand  were  das  sieb  jemandt  auszer  meiner 
verstendtlich  darein  verrichten  kiudte.  So  erforderte  das  auszsebreiben  vnd  mnn- 
dieren  etwas  weil , wölchc  zuoversichtlich  jnn  fortsetznng  nntzlicher  kan  angelegt 
werden.  Das  anszzieheu  ausz  dein  .Archiuo  vnd  anderen  monumentis  wirdt  sonders 
fnrdersam  sein,  wann  den  jaren  nach,  wie  jnngst  von  mir  angedeuttet  worden, 
ordenlich  disponiert  wirdet,  dann  jeh  noch  der  mainung,  das  auff  solche  wichtige 
Vorarbeit  Euer  fürstl.  Dnrchl.  jeh  mit  der  expedition  des  werke,  wa  nit  mit  der 
perfection  — dann  dises  zuovertrösteu  dartf  ich  mich  nit  vermeszen  — zimlich 
Contentament  geben  möchte. 

Den  lirscblag  hem  P.  Raderuni  oder  andere  Patres  Societatis  belangendt  lasze 
ich  mir  wol  gefallen , will  jedoch  den  Sachen  weitter  nachdenken  vnd  mitt  jnen 
selbst  daransz  connersieren : allein  weszte  jeh  nit  zuoverantworten , das  dergleichen 
scripta  vnder  meinem  namen  auszgiengen,  vnd  jeh  tanquam  fucus  alienis  laboribus 
incubierte.  Villeicht  möchte  ein  mittel  sein,  das  wolermeldter  Patrnm  einer  die 
Continuation  der  fUuff  bnecher  fir  die  band  neme,  vnd  jeh  nichts  destoweniger 
fortfiere  so  vil  vnd  guott  meine  occupationes  zuolaszen.  Kernen  beede  auff,  so 
etöende  bey  Euer  fürstl.  Durchl.  genedigsten  election  vnd  Resolution , ob  sie  ein 
oder  anderen  oder  beede  an  das  liecht  wolteu  kommen  laszen , dann  es  dem  löb- 
lichen hansz  vnd  landt  Baira  rnemlich  wann  es  vnderscbidliche  scribenten  firzno- 
weisen  hette.  blibe  jeh  dann  stecken,  so  were  mann  dannoebt  mitt  der  anderen 


279)  im  Kopfe  steht  von  der  Hand  des  Henogs:  Soll  die  nottnrfft  vergriffen  und  sussgefertigt 
werden. 


28* 


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214 


hiatori  gefaazt.  Wölchea  Ener  fürstl.  Durchl.  jch  fir  mein  eraten  einfeltigen  einfahl 
jnn  gehoraamb  anfSegen  sollen. 

f) 

Da  der  Herzog  hierüber  das  Gutachten  Hörwarta  und  Oewolda  begehrte, 
schrieb  der  letztere , weil  er  den  erateren  nach  dessen  bereits  erfolgter  Abreise  zu 
einer  Badekur  nicht  mehr  persönlich  traf,  am  17  Juli  unter  Uebermittlung  des 
Veranlassungsschreibens  selbst  folgendes  an  ihn : 

Meinem  ainfeltigen  bedenkben  nach  were  e«,  doch  E.  H.  vnvorgreifflich , bej 
desz  herrn  Stattpflegors  aiidenten  wegen  der  Correctur  der  fünf  publicirteu  böecher 
sambt  der  Continuation  bleiben  zulassen , damit  nämblich  in  abschreibeii  derselben 
nicht  viel  Zeit  vergeblich  verzehret,  sondern  dieselbe  in  fortsetzung  der  hauptmateri 
nüzlich  angewendet  wurde.  Es  wer  dann  dasz  Ir  Durchl.  ie  solche  correctur  vnd 
continuation  noch  begehrten  ziieselien  oder  ersehen  zuelassen,  so  köndte  es  ans  dem 
rapnlar  oder  original  selbst  geschehen,  vnd  dasselbe  vnncrzogenlich  widerumb 
reniittirt  werden.  Ich  sehe  aber  schier  nicht,  warzue  es  diser  Zeit  vonnötbeu. 
Wolte  den  herrn  Welser  vermögen,  vnd  da  je  noch  etwas  zuebessern , es  bej  der 
continuation  vcrlibeii  lassen,  dasz  solche  niuudirt  würde. 

Was  den  Vorschlag  wegen  eines  P.  societatis  — der  dem  herrn  Statpfleger  in 
diser  arbeit  helffe  — belanget , weil  derselbe  den  Sachen  selbst  weiter  will  nach- 
denkben,  so  wer  dessen  znewartheu.  Es  wer  aber  je  ansehenlich  vnd  gueth,  wenn 
herr  Welser  selbst  das  ganze  werch  — alsz  ich  zue  Gott  hoffe  dasz  es  geschehen 
solte  — compliren  thette. 

Was  die  subministrationem  matcriarum  Ex  Archino  vnd  sonsten  belanget,  will 
ich  meinen  möglichisten  vleisz.  brauchen. 

Es  were  auch  gahr  gueth,  wenn  mahn  die  adminicula  von  dem  .Stifft  Bam- 
berg haben  köndte.  Von  widerhanskonfft  desz  herrn  Pistorius  ans  Cärnilten  höre 
ich  noch  nichts,  got  wai.sz  was  noch  entzwischen  kombt.  V'ermitls  desz  herrn 
Dr  Förner  getrauet  ich  mier  wohl  etwas  znewegeu  znebringen,  vnd  würdt  das 
meiste  an  dem  DombcupitI  stehen:  will  mich  gehrn  darzue  brauchen  lassen  vnd 
aldahin  gehn  Bamberg  raiszen , köndte  verhoffentlich  in  einer  knrtzeu  Zeit  vnd  mit 
gar  gringcm  Vncossten  verrichtet  werden. 

g) 

Am  25  Juli  erfolgte  die  Entscbliessnng  an  Marx  Welser  dahin,  der  Herzog 
wolle  bezüglich  der  üeljerarbeitung  der  bereits  veröffentlichten  fünf  Bücher  „geren 
wissen,  ob  vnd  jn  was  Sachen  er  dieselben  hauptsächlich  zu  corrigieron  vnnd 
enderen  gedenche“. 

Im  übrigen  verbleibe  es  allerdings  bei  seinem  Vorhaben. 

Und  weil  Welser  „willens,  fernere  nachzudenkhen  wie  der  Sachen  auf  alle 
zuetragende  feil  am  besten  ratb  zne  schaffen , damitt  dise  historische  beschreibnng 
jren  würcklichen  vnd  vnauszgesetzten  vortgang  erraiche",  so  sehe  der  Herzog  des- 
follsiger  Aeusserung  entgegen. 


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215 


h) 

Der  bieräber  an  ibn  ergangene  Krlase  selbst  bringt  diese  Entscblieesuug  in 
folgender  Fassung : 

Soviel  nu  enr  vorgenombene  correctur  der  ersten  alberait  vor  dissem  pnbli- 
cierten  fünf  büecber  desz  bayerischen  historiwerks  belanget,  lasse  ich  es  bei  eurem 
andeuten,  das  die  zeit  mit  abschreibnng  desselben  nicht  vergeblich  verzehrt,  sonder 
in  der  continnation  des  hauptwerks  selbst  besser  angelegt  werde,  verpleiben. 

Allain  wdllet  mich  summariter  und  mit  möglichster  kürze  berichten,  worinnen 
solche  correctur  hauptsächlich  bestehe,  und  an  was  orthen  solche  förgenoinben 
worden. 

Die  weitere  fortsezung,  so  weit  sie  fertig  i-st,  laszt  ehstens  abschreiben,  und 
schickt  sie  vns  zue  einsicht. 

lieber  die  Beförderung  des  histori  werks  erwarte  ich  euer  weiteres  guetacbten. 

i) 

Dieses  erfolgte  ans  Augsburg  am  27  Juli  dahin  : 

Jnn  Antwort  Kiier  fürstl.  Durchl.  genedigisten  schreil>euus  vom  25  disz  mouiite 
jberschike  jch  pro  speciniine  der  verbeszerung  der  berait  ge<lrukten  bairischen  histori 
beygefüegt  Capitulare  oder  wie  manns  jezo  znonenneu  pflegt  Instruction  wölche 
Papst  Gregorius  secundus  denen  gesandten  so  er  jne  das  Bairlandt  ahgefertiget  initt- 
gegeben  butt.  Die  ist  meines  l>eduukens  ein  flrtrctTlicb  alt  monumentum,  vnd  wirdt 
libro  4'’  pag.  255  zno  jnserieren  sein. 

Sn  hab  jch  gefunden , das  die  zwuo  epistolac  .Alcuini  wölche  pag.  2‘J‘J  et 
seqnentibus  libro  5“  gesetzt  sein  nit  dahin  gehören,  noch  .\qitila  Pontifex  welchen 
Alcuinns  germanum  suum  nennet  bischoff  .lohann  zuo  Salzburg  sein  kann , sondern 
das  dise  epialolae  ad  tempora  Arnonis  — wölcher  der  erste  Erzbi-schoif  zuo  Salz- 
burg gewesen,  vnd  anno  821  mitt  todt  abgangen  ist  — gehören,  wie  dann  die 
alten  Teutschen  Ar  oder  Arn  für  den  Adler  gebracht  hal>en,  vnd  haisen  jne  die 
Niderlandcr  noch  heuttigs  tags  Areut,  dannen  her  Alcuiuus  gelegenheit  genommen, 
Aqnilam  pro  Arnone  zuosetzen. 

Vnd  dann  ist  die  opinio  so  libro  D"  pap,  333  eiugefnert,  das  der  alte  bai- 
rische Agilolfiugische  stammen  mitt  herzogeu  Thassilone  vnd  Theodone  gar  vnder- 
gangen  seyn,  zuo  retractieren : dann  jch  ausz  etlichen  vrsachen  glaublich  muttmasze, 
kan  es  jedoch  fir  gar  gewisz  uitt  angeben , die  Welfen  seien  von  den  Agilolfingen 
herkonmien. 

Das  hab  Euer  förstl.  Durchl.  jch  gleichsam  zuo  einem  mnster  kürzest,  wie  sie 
genedigist  begeren,  jn  vndertbenigkeit  audeutten  wöllen. 

Vnderlasse  darneben  nitt,  das  sechste  buoch,  so  bald  es  gar  elaborieret, 
mundiren  zuolassen  vnd  gehorsamest  zuo  jbersebiken. 

Was  sonst  die  befirderung  dises  histori  werks  berüert,  hab  jch  auf  weitter 
nachsinnen  merers  als  newiieb  vnderthenigist  erjunert  hab  nitt  erdenken  kinden: 


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216 


waltet  ee  nochmahlen  deazcn,  daa  — wann  die  materi  nitt  allein  zuosaroen  ge- 
tragen, sondern  auch  ordine  temi>ornm  disponiert  — solches  mir  oder  einem  anderen 
ein  jber  die  masz  grosse  Ringemng  sein  wurde,  Tud  jch  mir  als  dann  gewisslich 
jnn  einem  bar  munat  so  weit  als  sonst  jnn  einem  Jar  zuo  kommen  getrawte. 

So  hielte  jch  auch  nochmahlen  6r  tbonlich,  das  sich  etwa  ein  Pater  Societatis 
der  Continuation  aulT  die  fiinff  bllecher  vnderlienge,  weil  — wie  jungst  gemeldt  — 
selbiges  in  ornnern  euentum  nitt  anderst  als  guott  sein  bindte;  md  werden  ohne 
Zweiffel  sie  selbst  firznoscblageu  wiszen,  wen  sie  darzuo  destinieren  vermainen. 


XXVIll.  Zu  Seite  151  Note  260. 

a) 

Am  25  Juli  1653  schrieb  die  Kurfürstin-Wittwe  Maria  Anna  an  den  General 
der  Gesellschaft  Jesu,  Goswin  Nickel,  zu  Rom  folgendes: 

Inter  ea  qnae  Serenissimo  Electori  Maximiliano,  Bavariae  Duci,  conjugi  uostro 
dilectissimo , felicis  recordationis  a nobis  etiam  mortuo  debentur  amoris  et  reue- 
rentiae  pignora  eat  non  minimum  illnd , quod  eins  uitam  et  gesta  a reuerendo 
P.  Joanne  Veruaux,  ipsius  qnondam  confessario  et  secretiornm  conscio,  in  historiam 
nostro  inssn  redacta  typis  committere  propositnm  habeamus,  idque  ob  granissimas 
causas:  ita  tarnen  nt  omnia  sine  offensione  cuiusquam  iuxta  ueritatis  cynosnram  tnto 
lucem  possint  aspicere. 

Consilium  hoc  nostrum  admodnm  reuerendae  Paternitati  Vestrae  ea  de  cansa 
signiflcamns,  ut  pro  sna  in  nnirersam  Societatem  anctoriiate  committere  uelit  prae- 
&to  Patri  editionem  huiusce  bistoriae,  et  ea  praeterea  qnae  sibi  e re  esse  nidebantur. 

Ne  uero  contra  ac  nobis  est  propositum  res  trahator  in  longum , nosque 
dintina  quam  vellenius  ista  consolatioue  careamus , hoc  petimus  R.  V.  P.  ut  istnd 
opns  historicom  censurae  Patrum  Societatis  subjrcere  auctor  non  teneatnr,  quando- 
quidem  suppresso  eins  nomine  rolnmns  illud  diuulgari. 

Fungentur  uero  uicem  censorum  alij,  et  quidem  tales  qui  nobis  ab  iutimis 
Consiliis  sunt;  ij  scripta  eins  sedulo  et  accurate  examiuabunt,  utpote  qui  remm 
gestarum  et  statum  politicum  concernentium  notitiam  in  bac  Electorali  Domo  prae 
ceteris  habent:  ita  nt  historia  hoec  ab  iisdem  Cousiliariis  nostris  lecta  et  approbsta 
non  indigeat  alterius  cuiuscunque  censurä,  sed  libere  typis  mandari  possit. 

Faciet  admodum  Ren.  Patemitas  Vestra  in  eo  rem  nobis  pergratam,  cni  hiace 
beneuolentiae  nostrae  affectnm  deferimus  etc. 

b) 

Hieran!  antwortete  der  General  ans  Rom  am  16  Angust  1653: 

Petitiones  Serenissimae  Celsitndinis  Vestrae  pro  mandatis  accipio.  Proinde 
quodcnnqne  a me  petet  prompte  exequar,  siquidem  fuerit  in  mea  potesiate. 


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217 


Vita  et  res  gestae  serenissimi  Electoris  Maximiliani , Banariae  Ducis,  conjugia 
Serenissimae  Celsitndinis  Vestrae,  felicis  recordationis  eiusuiodi  saot  ut  mereantur 
ad  aeternam  posteritatis  memoriam  scriptis  luandari  «t  iu  Inceni  emitti. 

Sed  quemadmodmn  Serenissimae  Celaitudioi  Vestrae  iustis  de  causis  vistim  est, 
historiam  istam  sappresso  aathoris  nomine  emitti  opp<irtere,  ita  oro  nt  hanc  gratiain 
addat  Sereuissima  Celaitudo  Vestra,  ne  anthor  — auscepta  editionis  cora  — cogatur 
se  prodere. 

De  historiae  ceusura  statuat  Serenissima  Celsitndo  vestra  qnod  videbitur. 

Deura  oro,  ut  Sereniasimam  Celsitudinem  Vestram  cum  tota  Serenissima  siia 
et  Augnstissima  Domo  seruet  seniper  incolnmeni  etc. 

c) 

Einem  Schreiben  der  Kurfürstin  - Wittwe  aus  Wasserburg  vom  23  August  des 
folgenden  Jahres  an  den  Provincial  P.  Georg  Spaiser  entnehmen  wir  folgendes; 

Uns7.  bat  unser  obrister  laudhofmeisler  referirt  was  sich  der  P.  Kector  wegen 
der  von  unss  begehrten  Censur  über  den  D«  tomum  der  histori  unseres  in  Gott 
mehenden  geliebten  herrn  gemahls  seel.  angedenkens  erbotteu.  Lassen  es  daliei  ver- 
bleiben, und  wollen  es  mit  iiegstem  von  ihme  erwarthen 

Dabei  gehet  uns  zue  gemüetb , und  erinnern  wir  unss  noch  guelter  inasseu, 
das  sich  hüchstged.  unser  gel.  herr  gemahl  seel.  öfters  über  dess  P.  Brunners  ge- 
schribene  bairische  histori  das  sie  so  unverstendlich  sei  beclagt,  mit  dem  vermelden 
mau  hette  allezeit  einess  Calipini  vonnöthen  vvan  mau  versteheu  wolle,  wass  er  ge- 
schriben.  Wau  nun  aber  entgegen  dess  P.  V’ervanx  histori,  absonderlich  aber  dess 
stili  ballier  von  ineniglichen  gerühmbt  wird,  und  uusers  enucsseus  ihme  nit  sonders 
schwer  fallen  würde  gemelten  P.  Bmners  tomos  zu  revidieru  und  in  ein  verstend- 
lichen  stilnm  zu  bringen , wir  aber  hedenkens  getragen  ihme  solches  ohne  eur  vor- 
wissen zHzumuethen , aGs  ersuechen  wir  euch  hiemit  geneiligst,  ihme  P.  Vervani 
auf/utragen,  das  er  gemelte  histori  forderlich  uuder  hand  nehme,  selbige  revidire, 
nnd  biss  auf  nnsern  sohn  herzog  Maximilian  Philipp  in  solche  perfectiun  bringe, 
damit  sie  auf  ein  neues  in  truck  gegeben  und  mchrers  als  bis  dato  ge.schchen  under 
die  leuth  gebracht  werfen  möge. 

<1) 

Die  entsprechende  Antwort  des  Provinciais  hierauf  ist  vom  27  dieses  Monats. 

e) 

Am  7 November  sodann  crtheilte  der  General  dem  Provincial  den  iu  Lit.  g 
eingeschalteten  Auftrag. 

f) 

Man  wird  schwerlich  weit  irren , wenn  man  annimmt , dass  er  in  einem  ge- 
wissen innigen  Zusammenhänge  mit  den  Gutachten  der  Censoren  des  Ordens  steht, 
welche  College  Friedrich  in  der  Beilage  VllI  seiner  Rede  „über  die  Geschicht- 
schreibung unter  dem  Kurfürsten  Maximilian  I“  S.  32 — 41  veröffentlicht  hat,  und 


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218 


deren  der  General  in  dem  Erlasse  an  P.  Spaiser  ans  Rom  vom  14  November  1654 
a.  a.  0.  8.  42  (gedenkt. 

g) 

Dieser  seinerseits  Hess  Ober  den  in  Lit.  e berührten  Auftrag  dem  P.  Vernaux 
ans  Landsberg  nnterm  21  November  1654  folgende  Mittheilung  zugehen: 

Mandauit  mihi  postrerais  litteris  7 Nou.  datis  admodnm  R.  P.  N.  quaedain, 
quae  — cum  ad  R.  V.  spectent  — commnnicabo  ei,  sicut  Koma  aceepi,  nnllo  apice 
mntato : 

Intelligo,  Mouachii  a nonnullis  ogi,  vt  nomen  P.  Joannis  Vervaux 
praeficiatur  — vtique  praeügatnr  — historiae  Bauaricae  quam  ipse  con- 
scripsit.  Justis  et  magnis  de  causis  id  nullo  modo  expedit;  et  literas  haben 
a Serenissima,  quibus  mihi  scribit,  id  non  futurum. 

Velim  ut  R.  V.  solicite  caueat,  ne  id  fiat,  et  meo  — si  opus  fuerit  — 
nomine  raandet  P.  Veruaux,  ne  id  fieri  curet  aut  permittat. 

Similiter  non  permittatnr  Patri  Veruaux,  assumere  tomos  P.  Brunneri 
aliter  con.scribendos. 

Haec  admodum  R.  Pater  Noster  ad  me  acripsit ; qno  autem  monitore  id  fecerit, 
id  sane  nescio. 

Contido  autem,  R.  V.  hand  difficulter  obtemperaturam  voluntati  P.  N.  quae 
nobia  pro  DEI  voluntate  esse  debet:  aut  si  aliud  quid  R.  V.  videatur,  cum  ipsomet 
P.  N.  per  se  acturaui. 

h) 

Hierauf  säumte  Kurfürst  Ferdinand  Maria  nicht,  dem  General  unterm  18  De- 
zember dieses  .Tabres  nachstehendes  zu  eröffnen : 

Mich  berichtet  mein  Beicht  Vatter,  P.  Joannes  Veruaux,  wasz  gestalten  ihme 
ausz  Euer  Ehrwürden  befelch  von  seinem  prouintialn  bedeutet  worden,  dasz  er  nicht 
gestatteu  solle,  dusz  die  histori  die  er  von  meinesz  in  Gott  ruhendten  gnädigsten 
geliebsten  herrn  Vatteru  Durchl.  der  ganzen  weit  bekhanteu  rühmblichen  Khrigs 
vnnd  fridensz  auch  anderer  löblichen  Verrichtungen  halber  zuesamen  getragen  nicht 
allein  vuder  seinem  Nahmen  im  Truckh  verfiirtiget , noch  weniger  aber  die  vor 
diesem  von  Patre  Brunner  beschriebene  Bayrische  histori  von  ihme  weiters  reassu- 
miert oder  anderst  beschrieben  werde,  allesz  mehrern  inbalts  gemelten  prouintialis 
schreiben,  so  mir  mein  Beicht  Vatter  originaliter  vorgewiszen. 

Nun  ist  mir  zwahr  vnbekhant,  wasz  Sy  bewogen,  ohne  vorgehendte  commu- 
nication  mit  mir  alsz  der  dabei  principaliter  interessiert  ist  über  diese  baide  puncten 
so  gemessene  inbibitiones  ergehen  zue  lassen : muesz  mir  aber  einbilden,  solches  seie 
mehr  anrz  vugleichen  vnnd  villeicht  in  etwasz  pa-seionierteu  relationibus  anderer 
alsz  au-sz  wahrem  grundt  der  Sachen  an  Sy  gebracht,  Sy  also  zue  dieser  Inhibition 
bewogen  worden. 

Weil  aber  leichtlich  zuegedenckhen , dasz  — wan  diese  histori  suppresso  nel 


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ficto  nomine  solle  ans*  tage  Hecht  khiimen  — selbige  hei  der  well  den  Credit  nit 
haben  wurde  alsz  wan  der  author  dieses  werckhs,  danoii  müniglicb  waisz  dasz  von 
Pater  Vernani  herkhunicn  ist,  der  histori  den  glauben  gibt,  so  hoffentlich  höchst- 
gedaclit  meines  gnädigsten  geliebsten  herrn  Vatters  Durchl.  seel.  gedächtnuaz  vmb 
dasz  pnblicum  wie  dan  anch  in  specie  rmb  die  Societet  woll  meritiert , mein  Beicht 
Vatter  auch  anderst  nichts  geschrieben  alsz  wasz  ihme  meine  lenth  sellisten,  partim 
ex  actis  et  diarijs  die  alhier  vorhandten,  partim  alsz  lebendige  gezengeu  ansz  meinem 
befelch  suggerirt , nicht  weniger  die  histori  mit  solcher  circumspection  zne  papier 
gebracht  worden  dasz  nichts  darin  sich  linden  wirdt  so  nicht  anderwertig  villfältig 
geschrieben,  vnnd  zwar  mit  nicht  geringer  passion,  deren  sich  kheiue  in  dieser  histori 
ßndeii  wirdtet,  vnder  die  lentb  gebracht,  die  ienige  auch  so  sein  composition  zue 
durchgehen  alhier  im  Collegio  verordnet  worden  hierüber  nichts  zne  anthen  oder  zue 
corrigiren  gewnest,  dabej  sie  nicht  Selbsten  o<ler  ansz  vnwisseuheit  desz  herganngs 
oder  villeicht  ansz  particiilar  affect  verstoszen,  so  siehe  ich  anch  nicht,  dasz  in 
anderen  prouineijs  da  Collegia  seiut  souiel  difficulteteu  gemacht  worden  zue  l)C- 
schreiben  wasz  Sy  vermaineu  der  warheit  zue  Steyer  vnnd  ihren  beuefacloribus  zue 
gueten  khomeu  müchte:  mnesz  also  bei  dieser  histori  iiottwendig  dasz  liedenckhen 
sein,  dasz  man  lieber  sehe,  dasz  meinesz  herrn  V'atlern  Dnrchl.  seel.  angedenckhens 
löbliche  llegirnng  vnnd  wasz  Sy  dem  gemeinen  Weszen  vnnd  der  Societet  zue  guetem 
gethann  der  vergesenheit  consecrirt  alsz  ier  die  woll  meritiert«  vnsterblichkeit  vor- 
gnnt  wolle  werden,  welcher  gedanckhen  dann  bei  mir  desto  mehrer  plaz  hat,  weilen 
sich  anfänglich  kliein  Jesuiter  gefunden  der  sich  diese*  werckhs  hefte  wollen  vnder- 
fangen , iezt  aber,  da  esz  fbrtig  viid  vntadellmfft , maistenteils  conenriren  solches 
zue  vndertrncklien  vnnd  zue  discreditiren,  vnangesehen  ich  vrhietig  bin,  jhne  meinen 
Beicht  Vatter  viid  seine  .Scripta  aller  orthen  zue  vertretlen  vnnd  znuerdeidigen,  vnd 
— da  mir  auch  von  ime  oder  >ler  Societet  solle  ainziger  bedenckhlicher  passiis  ge- 
wisen  werden , der  nicht  emendirt  wehre  woriien  — solches  noch  ziinerfüegen : ansz 
welcher  vrsachen  ich  dan  verhoffe.  Euer  Khrw.  weiter  kliein  heilenckhen  haben, 
snnder  dem  anihori  vergönnen  werden,  dasz  seine  labores  durch  heisezung  seiner 
persolm  melirerst  accrwlitiert  alsz  durch  deren  omissiou  für  ein  opus  gehalten  werde 
zue  deme  sich  der  author  selbsteu  nicht  habe  bekbennen  dürfen. 

Soniel  nun  vnd  vor  dasz  ander  desz  Pateris  Brunueri  historiam  betrifft,  ist  es 
nie  dahin  angesehen  noch  mein  oder  meinesz  Beicht  Vattersz  maiuung  gewest,  selbige 
zue  renidiren , zue  corrigiren , oder  gahr  zue  cassiren , weil  ich  woll  gewust  dasz 
selbige  mit  snnderm  vleisz  von  ihme  zuesamen  getragen  worden.  Esz  haben  aber 
alle  die  so  sie  zue  lesen  verlangt  gefunden  vnnd  sich  beclagt  dasz  der  stilus  also 
hoch  versezt  vnd  mit  solchen  frasibus  augefOhlt  sein,  dass  ansser  deren  so  die 
scholas  täglich  tractiren  fast  kheiner  ohne  hilf  eines  calepini  oder  dictionarij  gewust 
wasz  er  lest.  Ob  esz  nun  mit  tleisz  ge.<chehen,  damit  man  sich  vmb  diese  histori 
nicht  vill  annehme,  snnder  weil  der  stylns  vortreflich  auch  Selbsten  ausser  acht  ge- 
lassen werde,  will  ich  nicht  vrtblen : woll  aber  hab  ich  gefunden,  dasz  — da  man 
Abb.  d.  III.  CI.  d.  k.  Ak.  d.  Wiss.  XV.  Bd.  III.  Abth. 


29 


220 


sy  nicht  ex  propoeito  zne  vntertnickhen  bepehrl  — nottwendig  durch  einen  andern 
verstendtlichen  stylum  miiesz  wieder  beschrieben  werden. 

Weilen  dann  nichts  neues  daaz  ein  materi  ein  histori  vund  dergleichen  durch 
vnter8chie<l liehe  Scribenten  geschrieben  vnnd  an  dasz  liecht  gebracht  werde,  esz  auch 
gannz  nicht  dahin  angesehen  gewest,  die  o|>era  patris  Bnmneri  dadurch  zne  con- 
fundiren , weilen  sy  einen  weeg  alez  den  andern  bei  den  buechfuehrern  exponiert 
aber  obgemelter  vrsacheu  willen  fast  nicht  xerkhanfft  werden , esz  auch  hiesiger 
pruuincialis  vnnd  Rector  auf  meiner  gnädigsten  geliebsten  Kraw  Muetter  Durchl.  be- 
gehren gemeltem  patri  Veruanx  aufgetrageu,  vnd  er  damit  nun  zimblich  weit  khnmen, 
alsz  will  ich  nicht  hoffen , daaz  Euer  Ehrw.  die  anbefolchene  inhibition  werden  be- 
haubteu ; sondern  vill  mehr  ihme  patri  Veruaux  die  haudt  zue  volfiehrung  dieses 
werckhs  wider  öffnen , vnd  mir  dardurch  znerkhennen  geben  wollen  daaz  Sy  auch 
an  ihrem  orth  mir  vnd  meinem  Cnrhansz  die  ehr  gönnen  die  villeicht  weniger  vmb 
dasz  Reich  vnnd  die  Societet  verdienten  ohne  so  uiel  einwQrff  vnnd  difRcnIteteu 
anderer  Orten  von  der  Societet  mehr  entgegen  getragen  alsz  verhindert  worden. 

V'nd  verbleiire  Euer  Kbrw.  mit  allem  guten  willen  beygethan. 

i| 

Auf  diese  Eröffnung  Hess  sich  der  General  unterm  9 Jänner  des  folgenden 
Jahres  so  vernehmen: 

Accepi  eä  quä  par  est  obseruantia  literas  quas  Serenitas  Vestra  dare  dignata 
est;  non  tarnen,  nt  submississime  dicam , sine  graui  dolore,  quod  vel  ego  viderer 
sine  debito  ad  Serenitatem  suam  respectu  praepropere  iuhibuisse  editionem  bistoriae 
Bavaricae  a P.  Joanne  Veruaux  scriptae,  et  reformationem  styli  in  iis  quae  P.  An- 
dreas Brunner  publico  dederat:  vel  Societas  cius  cui  summis  ac  innumeris  beneficiis 
mnnificentissimo  affectu  collatis  aeternum  obnoxia  et  obstricta  est,  Serenissimi  Pa- 
rentis,  meritissima  ob  virtntes  plane  beroicas  sc  singuläres  et  ob  luculeutissima  in 
totum  Imperium  et  Ecclesiam  merita  gloriam  famamque  immortalem  impedire  aut 
olwcurare  veile  putaretur. 

Sane  nihil  a me  et  tota  Societate  magis  alienum  velim  i|uam  adeo  infamem 
ingratitodinis  notam  ; nt  qni  aeternum  bnmillimam  nostram  erga  Serenissimam  Dornum 
Banaricam  obligationem  et  .seruitntem  toti  mundo  professnri  snmus,  et  nihil  vnqnam 
omissuri  qnod  ad  eins  exaltationem  et  felicitatem  in  Ecclesiam  totnmque  Imperium 
atque  vniuersam  Societatem  plenissime  redundantem  et  votis  apud  Deum  et  snb- 
missiasimis  obseqniis  praestare,  etiam  sanguine  nostro,  poterimus.  Ac  proinde  Sere- 
nitatem V.  hnmillime  rogo,  libeat  iis  qnae  minus  benigne  suggesta  fuernnt  sepositis 
qnod  obseqnentissimo  in  Elam  effectu  gestum  est  clementissime  accipere. 

Ciun  Serenissima  Electrix  Domina  Mater  literis  datis  25  julii  1653  a me 
peteret,  nt  P.  Veruanx  ad  scribendam  reliquam  historiam  Banariae  ad  haec  vsqne 
tempora  applicaretnr , vitro  obtnlit  clementissime  se  inssuram  nt  alieno  nomine 
ederetnr:  dubio  procul,  qnia  sapientissime  praevidebat  Societati  fore  diffieilins,  si 


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221 


deberet  eius  uoniine  prodire  in  pablicnm,  et  rt  non  fieret  omnino  niagis  expedire. 
Qnarc  iam  de  Serenissimae  Tolnntate  secnnis , cum  ad  me  referretur  de  auctore 
praefi^^eudo,  id  tanqnam  rem  connentam  eine  vllina  offeneae  anspicione  confestim 
inhibui.  Et  vero  pro  meo  officio  atqiie  etiara  in  Serenitatem  Vestram  studio  dis- 
siuinlare  non  possum,  me  summis  precibua  humillime  etiamnuin  rogare,  nt  quod 
Serenissimae  matri  placuit  Sereoitali  Vestrae  confirmare  clementieaime  libeat,  tum 
ob  benignitatcm  qua  Societatem  aeruatam  deaiderat,  tum  maxinie  ctiam  ad  operis 
ipaius  meliorem  auccesum.  Illud  quideni , quia  in  tanto  atudio  partium  et  senten- 
tiaruni  varietate  in  rebus  recenter  geatis , in  indicio  de  grauiasiinis  belli  paciaque 
negotiis  faeillimnm  est  otfendere,  ac  Societatem  iam  aliaa  afflictam  ex  irimilibua  causia 
maioribua  exponere  incnmmodis;  cum  in  totam  Societatem  deriuari  soleat  quod  in  rno 
dieplicel,  et  auctoris  nomeu  midi  ue<iueat  iiisi  etiam  approbatio  Generalis  apprimatnr. 
Hoc  vero  turn  quia  qno  Suae  Serenitati  obstrictior  est  P.  Veruanx  eo  facilins  par- 
tialis  babebit:  tum  quia  apud  grauissimos  viros,  etiam  purpurab»  et  iam  ad  suni- 
mam  in  ecclesia  potestalom  habiles,  hic  Roinae  praeiiidicinni  non  lene  habet  ex  iis 
quae  de  pacis  negotiis  contra  nonnnllornra  sententiam  prolata  ipsi  tribuuntnr.  Vt 
non  ambigam,  si  quis  secularis  a Sna  Serenitate  delectus  ad  enm  modnm  qno  Patris 
Kelleri  Lndonicns  IV  a domino  Georgio  Hhrwart  publicatns  foit  historiam  anctoritate 
Serenitatis  Vestrae  scriptam  edat.  ad  gloriani  plausnm  fidem  lange  fore  conducibilius. 

Quod  P.  Andreae  Brunneri  Batiariani  attinet,  relatum  ad  me  erat,  moliri 
P,  Veruaux  meram  eins  in  alium  stylnm  iaciliorem  translationem ; quae  res  quia 
apud  Doclos  quibns  summe  satisiactum  est  a dicto  Patre,  optimi  historici  partes 
omnes  cum  magna  Serenissimae  Domus  gloria  implonte,  visa  est  futnra  intolerabilis, 
monui  P.  Prouincialem ; voluique  ut  debita  cum  suVunisaione  ea  de  re  cnm  Sua  Sere- 
nitate ^^{eretur.  Cum  vero  intelligara,  non  hoc  agere  Patreni  Veruaux,  setl  de  nouo 
eandeiu  historiam  sno  modo  et  genio  conscribere  et  suam  facere  veile,  nihil  repngno, 
desideroque  nt  Serenitati  Vestrae  plenissirae  satistiat. 

Diuina  bonitas  cnmniet  Vestram  Serenitalem  Omnibus  bonis,  eiqiie  largiatur  nt 
aetemä  meinoriä  dignissimos  Majores  suas  gloriä  ac  feticitate  transcendat. 

k) 

Dass  der  Kurfürst  hiedurch  keineswegs  nach  allen  Setten  befriedigt  gewesen, 
ergibt  sich  ans  seiner  Antwort : 

Ich  hab  ersehen,  wasz  Euer  Ehrw.  den  passato  auf  mein  vorher  gehendes?, 
des?  Patris  Veruaux  xne  papier  gebrachter  hiatori  meincsz  in  Got  rneheiidten  gne- 
digisten  geliebsten  Herrn  Vatters  mildtseeb  angedeuckheiis  vnnd  wasz  dabei  desz 
Patris  Briineri  opera  betrifft  in  autwort  üherschrciben  wollen. 

Vnnd  weilen,  souiel  iezt  gemelten  Patris  Bruueri  Scriplion  betrifft,  Sy  ver- 
willigen  das/,  mein  Beicht  Vatter  in  selbigem  opere  gleich  wie  er  bereit  einen  zimb- 
lichen  iinfang  gemacht  Vorfahren  möge,  also  bleibt  esz  dieses  pnucten  halber  billich 
bei  solcher  resolution , vundt  wirdt  gemelter  Pater  Vernaux  nun  in  dieser  arbeit 
fortfahren,  vnnd  hoffentlich  damit  baldt  an  ein  endt  khomraen. 

■29  • 


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222 


Soniel  aber  betrifft,  daiiz  S;  noch  bedenckhens  tragen,  vnter  genielt  meineez 
Beicht  Vatter»  Namen  die  histori  höchstgedacht  raeinesz  Herrn  Vattern  Durchl.  see- 
liger  gedechtnuez  in  truckh  rerförtigen  zue  lassen,  da  finde  ich  weder  in  ihrem 
schreiben  noch  in  dem  wnsz  zue  gleicher  maiming  mir  mein  Beicht  Vatter  threulich 
vorgehalten  *"’)  gannz  khein  Vrsach  die  meines  bedunckhensz  erheblich  wehre  mir 
solches  znuerwaigern : so  ich  doch  endtlich  auch  gehrn  nacbgeben  wolte,  wan  ich 
nicht  zu  besorgen,  die  histori  wurde  darumben  völlig  discreditiert  werden,  vnud  mir 
mehr  zur  disreputation  alsz  dem  dabei  gesuechten  effect  gereichen,  weilen  esz  bereit 
dinolgiert  vnnd  meniglich  bekhaudl  ist  dasz  sy  von  gemelttjm  Patre  vergriffen  vnnd 
znesamen  getragen  worden.  Ich  bin  aber  zuefriden,  dasz  sy  noch  einmal  mechte  — 
aber  nicht  durch  Scolasticos,  sunder  solche  patres  reuidiert  vnnd  censiert  werde  die 
der  weit  lauff,  die  Historiam  nostri  teraporis,  vnnd  waaz  sich  von  einem  Seculo  her 
hin  vnnd  wider  verloffen  wissen,  vnd  dannenhero  be.«er  erkheunen  kbindten  ob  etwasz 
in  der  histori  begriffen  welches  mir  oder  der  Societet  möchte  preiudicierlich  vnnd 
uottwendig  zne  endern  sein’*'):  bisz  dahin  ich  dann  vnud  auf  Euer  Ehrw.  weiterer 
erclärung  die  reuisiouem  dieser  histori  in  suspeuso  halten  will,  mich  dabei  gnedigist 
versebent,  sy  werden  interim  darob  sein  dasz  jhme  patri  Vernaui  befolchen  werde, 
in  desz  Patris  Bruueri  angefangenen  opere  bisz  zne  dem  endt  zuuerfahren,  vnud  in 
dem  übrigen  alle  weitere  difficultet  beiseitsz  sezen , weilen  sie  nicht  erheblich,  mir 
aber  den  Conteuto  gunen  der  in  deine  stehet,  meines  herm  Vattern  Durchl.  merita 
auch  der  posteritet  mit  guetem  Credit  zne  binderlaszcn. 

Vnnd  weilen  ich  derenthalbeu  auch  mit  hiesigem  Rectore  CoIIegij  conferiren 
lassen,  ine  in  diesem  werckh  cappaciorem  zue  machen,  also  will  ich  mich  auf  dasz 
wasz  er  derselben  in  hac  inateria  mebrers  schreiben  wirdt  bezogen  haben. 

1) 

Hierauf  lief  folgender  Brief  des  Generals  aus  Rom  vom  13  März  ein: 

Jam  accipio  quas  Vestra  Serenitas  dignata  est  rescribere  ad  iiieas  quibns  snp- 
plicabam  ne  inberet  nomen  P.  Joannis  Vernaux  praefigi  Historiae  Bauariae  ab  ipso 
conscriptae:  et  valde  dolenler  iutelligo,  ratioues  quas  pro  ea  gratis  impetranda 
attnleram  non  fnisse  visas  Vestrae  Serenitaii  habere  illud  momentum  quod  existi- 
mabam  illis  inesse. 

Quare  — omissis  istis  rationibus  — descendo  iterum  ad  preces,  et  humillime 
atque  instantissime  rogo  S.  V.  nt  clementissime  dignetur  ratum  habere  promissum 
quod  de  ea  re  placuit  Serenissimae  Dominae  Matri  snae  nobis  facere. 

Maximo  beneficio  afficiet  Societatem  nostram,  sibi  innnmeris  maximisque  titulis 
obstrictissimam.  Nani  quod  dignatur  V.  S.  scribere  de  Historia  ista  tradenda  aliis 


Ursprünglich  sUnd  nur:  da  finde  ich  in  ihrem  schreiben. 

Ü81)  Zuerst  stand  hier  noch:  rnnd  sich  nicht  in  der  latinitet  orthogrania  vnnd  dergleichen 
Soolastieis  aufhalten,  zue  welchen  mein  Beicht  Vatter  kheineai  correctoris  oder  censurae  bedarf. 


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223 


Ceosoribas,  valde  rereor  Dt  opportannm  ait  timori  ac  aolicitudini  nostrae  remediam. 
Redeo  itaqae  ad  tneam  anpplicem  et  humillimam  petitionem. 

Interea,  qnia  plaonit  8.  V.  me  remittere  ad  ea  qaae  easem  acceptarns  a 
P.  Rectore,  expectabo  illiua  literaa,  et  Denm  precabor  u.  a.  w. 

m) 

Die  Antwort  des  KorfÜraten  hierauf  vom  2 April  gibt  zunächat  dem  Be- 
ft-emdeu  darüber  Ausdruck,  dass  der  General  noch  immer  auf  den  bisher  erhobenen 
Schwierigkeiten  bestehe. 

Weil  ich  aber  — wird  dann  angeknüpft  — aus  gemeltem  Schreiben  auch  das 
ersehen,  dasz  Sy  *")  des  hiesigen  Patris  rectoria  aus  meinem  berelh  an  sie  abgelassen 
schreiben  noch  nicht  erhalten,  selbiges  aber  einen  sollichen  Vorschlag  begreift,  mit 
dem  icb  halt,  E.  Ehrw.  werden  zufriden  sein  vnd  sich  darüber  zu  luhe  begeben 
khinden,  als  wil  ich  hoffen,  es  werde  nunmer  angelaugt,  vnd  Sy”')  damit  sich  zn 
contentieren  Vrjache  haben. 

n) 

Hieran  achliessen  sich  endlich  die  vom  Collegen  Friedrich  a.  a.  0.  S.  42—43 
mitgetbeilten  Erlasse; 

a)  des  Generals  an  den  Provincial  P.  Georg  Spaiser  vom  26  Juni, 

b)  des  Generals  au  den  Provincial  P.  Servilian  Veihebn  vom  18  Dezember, 

c)  und  d)  auf  zwei  Berichte  von  diesem  vom  20  und  21  Jäner  1656  die 
Erlasse  des  Generals  vom  12  Februar  und  11  März  dieses  Jahres. 


XXIX  Za  Seite  131  Seite  260. 

Euer  fürstl.  Durchl.  genedigisten  beuelch  sambt  jnligender  abscbrifft  desz  Sent- 
schreibens  von  dem  Coucilio  zue  Baasel,  das  dieselben  ich  geborsamist  berichten 
solle,  ob  die  Bulla  absolutionis  weilinndt  Ir  Mayest.  Kbayser  Ludwigs,  Uerzogens  in 
obem  vnd  nidern  Bayrn,  meines  anuertrauten  Gottshansz  hochgeehrten  Stüfflers  vnd 
allergenedigisten  Herrns  böchstseligisten  angedenckbens , zn  Freisingen  in  originali 
aufbehalten  vnud  noch  findig  sein  sollen,  so  Euer  fürstl.  Durchl.  selbst  genedigist 
gern  haben  weiten,  vnderthenigisten  bericht  geben  solle,  bej  weme  solche  Bnlla 
absolutionis  zue  Freising  aufl>ehalten , vnd  ob  ich  aintweders  selbs  oder  wer  dieselb 
sowohl  gesechen  als  gelesen,  vnd  durch  was  miti  Euer  fürstl.  Durchl.  hinder  das 
original  oder  glaubwirdige  abscbrifft  danon  vngeuerlich  gelanngen  möchten,  habe  icb 
mit  diemietigister  renerenz  empfangen  vnd  vernommen. 

Hierauf  gab  Euer  fürstl.  Durchl.  ich  disen  meinen  diemietigisten  bericht. 


282)  Ursprünglich  stand:  er. 
288)  Hier  ateht  noch;  er. 


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I 


224 

Erstliclieu  die  Bullani  abeolutinnis  bclanngent,  ist  mir  vnd  meinem  anbe- 
uolchenem  Connent  mehrere  nit  bewusst  allain  das  vor  vngeuerlich  30  jaren  der 
AU  Vicarius  zne  Freisingeu,  herr  Sclireuckh  aeeliger,  alhie  gewest  vnd  mit  disen 
Worten  rermelt,  das  obbesagte  Bulla  vnd  gantzer  Äcl  höchstemanten  Khayser  Lud- 
wigen Seeligen  etc.  betr.  zue  Freisingen  in  originali  ligent  vnd  zefinden  sein.  An 
was  ortt  oder  Verwahrung  aber,  ist  er  weiter  nit  mehr  gefragt,  noch  dauon  zered 
worden.  Deszwegen  ich  dann  jetzigem  herru  Vicario  etc.  beraith  zwayiuablen  vnd 
erst  newlichen  znegeschribeu,  deme  iiachzesuechen , aber  bisz  dato  noch  khain  andt- 
wortt  bekhommen , yedoch  tcglich  gewerttig  bin. 

.4nderm  haben  Euer  fUrstl.  Dnrclil.  das  genedigiat  begortc  .Sentschreiben  von 
dem  Concilio  zne  Kua.sel  sambt  der  Beylag  in  originali  vnd  souil  wir  sonsten  alhie 
bej  dem  Closster  vnsers  höchstgeehrten  SUifftera  seeligen  etc.  Bchrifflliche  Kbundt- 
schafft  geistlicher  Sachen  bisz  dato  gefunden  aus  bejgelegteu  Extrücten  von  etlichen 
alhie  ligenden  originaln  — ausser  was  beede  höchstgechrte  Khayser  Fridrich  vnd 
Sigmnndt,  auch  andere  hochlobliche  fürsten  seclige  in  tituiatione  äerenissimi  Ludouici 
Komanornni  Iinperatoris  fundatioues  alhieigen  Clossters  confirmirt  — genedigist  zu- 
empfangen. 

Da  al>er  ich  in  meinem  vleissigen  nachsnecheu  verners  wa-s  fnnden  vnd  er- 
fragen khönde,  o<ler  in  original  begerl  wurde,  solle  es  u.  s.  w. 


XXX.  Zn  Seite  1Ü3  Note  264. 

Von  Gottes  gnaden  Maximilian,  Pfaltzgraf  bey  Rhein,  Herlzog  in 
Obern  vnd  Nidern  Bayrn  etc. 

Vnsern  gruesz  znuor,  Killer  besondere  lieber  vnnd  getreuer! 

Wir  haben  dasz  ienige  Bnech,  so  Hieronymus  Vecchiettj  vnlengst  in  trnckh 
fertigen,  vnd  du  ***)  vnnsz  vf  ersnechen  besagten  Authoris  durch  den  Edlen  vnnsern 
Cammerer  Obristen  Stallmeister  Rath  vnnd  lieben  getreuen  Georg  Coiiraden  herru 
von  Törriug  zu  Seefeldt  vnudterthenigist  praesentirn  laasen , zwar  empfangen , aber 
in  durcbsehung  desselben  nit  ohne  befrembden  vernommen,  dasz  gedachter  V'ecchiettj, 
alz  welcher  von  ansehenlichen  qualiteten  will  gesehen  vnd  gehalten  sein,  sich  vundter- 
standen , vnnser  löblich  hausz  vnnd  hochgeehrte  in  Gott  rhoende  Voreltern,  in- 


tt34)  Dr.  Msndl  bat  an  den  unteren  Rand  der  ersten  Seite  dieses  zunächst  — wie  es  scheint  — 
schon  als  Reinschrift  gefertigten  Alitenstlickes  bemerkt: 

Wegen  des  anings  in  der  praefation  an  Khayser  de  asinula  a laena  wirdt  nichts  hirin  gemelt. 
W^sil  anch  der  Äuthor  das  Teutscb  nit  verstet,  vnd  Fngger  jhme  dis  mhüe  der  Interpretation 
nit  nemen  wirdt,  so  wer  — lateinisch  oder  welsch  — in  tertia  persona  die  Contenta  dises  tebreibns 
an  Hans  Ernst  Fngger  zu  notirii  vnd  beizulegen. 


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J 


225 


Sonderheit  aber  weylnndt  Kaiser  Ludwigen  christsei igisten  augedenckbens,  mit  schweren 
empfindtlichen  zaelagen  anzegreiffen  vnd  zn  tAxiern.  so  doch  dasz  widerspil  hiebeuor 
mit  sattem  vnd  statklicbem  grundt  wider  den  Abrahanium  Bzouium  ~ welcher  sich 
eben  dergleichen  angeinasst  — widerlegt  aasgefiehrt  vnnd  zw'eifls  ohne  jrae  Vecchiettj 
zu  hannden  kommen,  wie  wir  dann  dir  hiemit  ein  exemplar  dessen  so  zu  wider^ 
legnng  desz  Bzoaij  Irrthnmben  (mit  welchen  ancb  desz  Vecchiettj  bnech  bohafft) 
vnnd  za  defension  vnsers  hausz  vnd  löblichen  Voreltern  geschriben  zaekbommen 
lassen,  genedigist  begerendt,  jme  Vecchiettj  solches  von  vnsertwegen  vnnd  damit  er 
sich  desz  rechten  grnndts  darausz  erkundigen  möge  zetifern,  vnd  l)enebeu  crafft  der 
beilag**®)  zubetleuten,  dasz  wir  vnnsz  za  jme  versehen,  er  werde  nit  allain  disen 
oiTeuen  IrVthumb  vnnd  vnzimbliche  vnnsz  vnd  vnnserm  bausz  zu  vercleinernng 
raichende  anzüg  corrigiern,  sonnder  auch  vor  der  corectur  **•)  die  Buecher  weiter 
nit  auszbraiten  lasseu,  damit  wir  nit  vrsach  gewinnen,  anndere  mitl  an  die  hanndt 
zunemmen. 

Wör  befunden  gleich wol  in  einem  passu  der  praefaiion,  da  er  ad  Imperatorem 
schreibt:  videbis  a laeuu  non  propiuquam  amplius  aduersariam  teme  in  bello,  non 
inuulum  amplius  in  houore  aemulum  etc.  welcher  anzug,  da  er  auif  vnsz  gemaint, 
ebenmessig  schwer,  ohne  grundt,  vnd  nit  zuleideu  wäre. 

Thuen  vunsz  sonst  gegen  dir  der  hemübeting  halben  in  gnaden  mit  welchen 
wir  dir  ohne  dasz  getvogen  bedanckhen. 

Datum  Straubing,  den  31  ***)  Augusti  anno  1G21. 


28Ö)  Die  Worte  .crafft  der  beilag*  siol  vom  Herzoge  «elbit  so  den  ßaad  geectct,  und  siefaen 
ohne  Zweifel  in  Zusammenhang  mit  dem  Schlossabsatze  der  vorigen  Note. 

236)  Die  Worte  .vor  der  corectur*  hat  Dr.  Mändl  an  den  Rand  bemerkt. 

2B7)  Dieser  ganze  Absatz  ist  vom  Herzoge  Maximilian  selbst  beigefugt. 

Er  steht  siebtlich  ln  Zasammenbang  mit  der  ersten  Bemerkting  des  Dr.  Mändl  in  der  Note  284. 
283)  Ursprftnglieh  scheint  27  gestanden  zu  haben. 


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Namen-  und  Sachen -Renner, 


Unter  I.  II,  III  sind  die  drei  Abtheilangen  der  ..Klteren  Arbeiten  zur  baieriicheo  nnd  pfwluBeben 
Geschichte  im  geheimen  Haus«  und  Sraatearchire”  verstanden , namlicb  unter  I im  Bande  XIV 
Abtb.  ^ S.  29 — unter  II  im  Bande  XV  Abth.  1 ö.  163— 29S,  unter  ^ im  Bande  XV 
Abtlj.  A S.  101—22.5. 


Adelheid,  KurfQrstin  Ton  Baiem,  1 S.  fi7 
Note  Iß  Lit.  i II  8.  2.58 -2fj0. 

Adixreiter,  Johann,  IS.  34— :16.  II  S.  284- 
2>ik  III  S.  lÄL 

Adolfs,  Pfaligmfpi«.  Grab  II  8.  231  Nute  141 
nnd  14^j. 

Agilolfinger  III  S.  215. 

Agnes,  Gemahlin  des  Henogs  Otto  von  Wit- 
telsbach, III  8.  107GQ8  in  der  Kote  216. 

A g ricola,  Johann,  l_  S.  97/98. 

Ahnenproben  1 8.  38  Lit.  b;  8.  4"  Lit-  n. 
III  S.  106;  m in  der  Note;  S.  122/123. 

A ichacb  1 8.  209. 

Albert  Sigismund.  Herzog  von  Baiern  und 
Biscbof  von  Froising,  III  Beil.  ^8.  IdS. 

Albertus  Bohemus  II  Beil.  S.  2iH)— 293. 

Albertas,  magnna,  II  S.  179. 

Al  brecht  IV,  Herzog  von  Baiem,  II  S.  180. 

Albrecht  V,  Herzog  von  Kaiem,  I Kam.  A 
8.  ^ II  S.  in  8.  87 137/m 

Albreeht,  Markgraf  von  Brandenburg,  11 
S.  195/196. 

Aleuin  ill  S.  215. 

Alte  Feste,  alter  Hof,  tu  München,  Ifl  8. 117; 
210/211. 

Alting,  Heinrich,  III  8.  131, 

AltötUng  III  Beil.  8 S.  166. 

A inberg  I^  8.  ^ Lit.  h. 

Amsterdam  UI  S.  128  in  der  Note  232. 

Andreas  von  s.  Mang  1^  Kura.J^  8.^  11 
Num.  ^ 8.  165—167;  Num.  49  8.  IfiT, 


Anon/mus  spirenti«  II  S. 229/2^10 ■ III  B«nl.  13 
8.  181/1S2. 

Apian,  Philipp,  I Kum.  4;i  8.  99/100.  III 

8.  i:n/l;l8. 

Aquila  = Am  IIE  S.  215. 

Archiv  und  Archivare  I S.  3! — 37;  50—54; 
Num.  _2  S.  62/63 ; Nnm.  1 S.  ^ Num. 
S.W);  Kam.  46 S.  102/103;  Beil  1 S.  104/105. 
II  Num.  47  b 8.  164>'165;  Num.  M 8.  174; 
Num.^S.  205  -212;  Nom,  638.  212—214; 
8.  26:i;  Num.  S.  226-229;  Num.  70 
S.  229/230 ; Nnm.  72—74  S.  234  - 237; 
Num.  76  8 23X/239;  Num.  77—79  8.239— 
244;  S.  280/2SI ; S.  263;  Num.  und  I^ 
8.  2h:1-287,  III  3.  104/105;  117-119; 
120/121 ; 124/12-5;  145  mit  der  Note  248; 
S.  150—152;  160/161;  212—214. 

Arn,  Erzbischof  van  Salzburg.  III  8.  21 .5. 
Arnulf,  Kaiser,  Num  1^  8.  61^  III  Beil.  ^ 
S.  166  167. 

Arroden,  Michael,  I 8.  32/33.  II  Num.  47b 
S.  164/165;  Num.  63b  S.  213>214;  Num.  ^ 
8.226-229;  Nuro.70  S. 229/230.  III  8.14-5 
mit  der  Note  24M. 

Aventin,  Johann.  I S.  39-49.  H 8. 193/194; 
Nnm.  59  S.  199-202;  Nnm.^S.202- 
205;  Num.  M 8.  205  ; 8 21^  III  8.  137; 
139/140;  141-145;  Beil.  ^ S.  177-180. 
Azo  =;  Ezo.  II  8.  lOtf  167  in  den  Noten  ^ 
und 


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227 


ßtdische  Genealoge  1 Kuin.  8 S.  66/67. 
Baierinche  Orte  I Num.  ^ S.  99—101; 
Nqm.  AI  S.  mi  Nu™-  ifi.  S.  1U2/1ÜH.  H 
Num.  m S.  212-214;  Nani.  76  S. 

Num.  7«  8,241,242.  111  Beil.21  S.  19:i/li*4. 
Baierische  PrScedeni  und  Pracminenx  vor 
Oeeterreich  II  Nora.  ^ S.  277/278. 

Bamberg  III  S.  212 — 214. 

Barnabas,  Herzog  von  Mailand,  X S. 70  Note 28. 
/^Baaernaufruhr: 

in  der  Oberpfalz  I S. 
in  der  Pfalz  X Nom.  ^ 8.  Hp/ftl. 
im  Saliborg'schen  II  Num.  ^ 8.  276/277. 
Beebtold,  Franz,  von  Flersheim,  II  8.  2X0. 

Be  heim,  Martin,  1 8.  4^ 

Bercbtold  Graf  von  WitteUbacb  II  S.  19^. 
Bercbtoldadorf,  Pfarrei,  U S.  274  mit  der 
Note 

Bergzabern  II  8.  258  : 269. 

Beuther,  Jakob  Lodwig,  1 Nom.  10  und  11 
8.  67*69. 

Beyerlin?  Jakob,  1 Num.  41  8.  97/98. 
Bilderseh  m uek,  genealogischer  and  geschicht- 
licher, II  Noni._^8. 167 — 171.  IIJ  8. 116 — 

Binder,  Friedrich,  Beichsbofrath,  III  S.  135 
Note  Lit.  L 

Blank/Thonias,  II  Nora.  ^ S.  258 — 261. 
Bleis&rge  im  Kloster  Ensdorf  J Nnm.  ^ 

8.  92;  112/lia. 

Blondcan  II  8,  28X/289. 

Böhmen  I Num.  S.  95/96. 

Boias  11  8.  X8L 

Bologna  I 8.  ^ Note  16  Lit.  c and  S.  ^ 

Lit.  b. 

Bonn  I S.  ^ Note  16  Lit  p. 

Bovadilla,  CastUlo,  Jll  8.  162. 

Bracblcn  bei  Linnig  11  8.  168. 

Brandenburg  X S*  45/4*» ; 49/50;  Beil.  3 
8. 106/107.  Ill  in  der  Note  232  am  Schluise;  | 
Beil.  Ü 8.  122.  | 

Braun,  Franz,  zu  München,  I 8.  ^ Lit.  e.  ! 
Brauweiler,  pfälzisches  Eloeter,  II  8. 166/167 
in  den  Nuten  .81  und  62,  III  8-  107  in  der 
Note  216. 

BrQsicl  16.  Xu. Note  Ifi.  Lit  L 
Brunner,  Andreas,  lU  8.150—154;  217—223. 
Bruseb,  Kaspar,  X Num.  ^ 8.  63 ; Num.  7. 

8.  iifi. 

Abfa.  d.  lll.Cl.d.  k.  Ak.  d.  Wisa.  XV.  Bd.  111.  Abtfa. 


Burgbansen,  Rentamt,  I Nnin. 43a  S. W>^10Q. 
Bzovius,  Abraham,  III  8.  l.M/152;  225. 

G.Un,  Dominik  Fnni,  III  Beil.  £ 8.  16|ii 
C e 1 8 i t u d 0 III  Beil.  b.  S.  162. 

Ceremoniel  II  Num.  S8.  8.  2X0—283. 
Charlotte  Elisabeth,  Herzogin  von  Orleans, 
X Num.  II  S.  75.  76. 

Chievo  vor  Verona  LS.  Xt&.  in  der  Note. 
Christian  von  V'eldenz-Sponheim  I Num.  14 
S.  7in2:  Nnm.  16  S.  74/75.  “ “ 

Christian  Angosts  von  Salzbach  Reisen  I 
S,  56/.5"  Note  Xb  Lit.  h. 

Chronik  von  Rappoltstein  III  Beil.  22  S.  194. 
Chronik  von  Worms  II  Num.  97  8.  2711/280, 
Chroniken,  baierische  und  pfälzische , II 
Num.  ^ 8.  164  — 165;  Num.  4^  und  49 
S.  165— 167;  Num.  5fi.  S.  167—171  mit  III 
Beii.8  S.  I65-I72.  I!  Nom. 51  S.  171/172: 
Num.  ^ S.  172—174;  Nom.  54  S.  175/176; 
Num.  55  8.  176 ; Num.  ^ 8.  179 — 197  mit 
III  Beiles.  197-211;  II  Num.  WS.  197- 
199:  Num.  59  S.  199—202 ; Num.^ S. 202— 
2Ö5.  III  S.  12L 

Chroniken  von  Köln  1 S.  39/40;  105/106, 
Clemens  Angust,  Kurprini,  ! 8.  59  Note  Ijl 
Lit  0. 

Corderii  colloquia  III  S.  134  Note  238  Lit  e. 
Cluveri  epitome  faiztorianim  III  S.  134^1:15 
Note  23X  Lit.  g. 

Constantlnopel  X S.  48;'49.  H 8.  193. 
Cröver-Reich  II  S. 2.V4;  Num.  95  8.279/279; 
Num.  8.  289/290. 

CustOB,  Dominik,  Kupferstecher,  II  S.  235. 

V.  Dalberg,  Johann,  Bischof  von  Worms,  I 

S.  32. 

V.  Dann,  Dietrich  Wilhelm,  Domdechant  von 
Worms.  II  S.  ^ 

Defensor  pacis  X II  ^ 105. 
Dentsehordens' Ritterschlag  zu  Ellingcn  1 
8.  ^ Note  Lit  q. 

Diani,  Johann  Franz,  I Num.  36  S.  92—94. 

II  Num.  ^S.  2*11-267. 

Donaostauf  I 8.  105  Ziff.  HL 
Dürer,  Albrccht,  III  S.  I>*9. 

Ebendorfer, Thomas,  II Nuro.92  S. 273 —276; 
Beil.  8.  293  -296. 

'M 


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228 


Ebmn,  Hanns,  ron  Wild^nberg,  II  Knm.  ^ 
S.  K1/I72. 

V.  Eck.  Oswald,  III  S.  144, 

E c k h a r t Graf  von  Scheicrn  mit  dein  HDmlflcbahe 

II  8.  1H9— 1«2;  ^ ill  8.  Beil,  8 
S. 

Einsinger  t.  Einzing,  Johann  Martin  Maxi- 
milian. II  Nnm.  102  8.  288/289. 

Eiserne  Krone  Sil  Monza  HI  Beil.  12  S.  18Q/181, 
Ellingen  1 8.  59  Note  16  Lit.  q. 

Ensdorf  I Nom.  8.  927~U2/113.  II  8. 224. 
Erbfolge  in  Baiorn  II  Nom,  82c  8.  209/210- 
Ernst.  Herzog,  ll  8.  188/167  in  den  Noten 
HI  und  Ü2.,  III  8.  1Q7  in  der  Note  216. 
Ernst,  Erzbischof  und  Kurfürst  von  Köln,  1 
Num.  ^ 8.  86y87. 

Elo  II  S.  166/167  in  den  Noten  ^ und 

III  S.  Ifil  in  der  Note  216. 


Fabnen  von  Kurpfals  I Num.  44  8.  101. 

Fend,  Erasmus,  I 8.  82.  II  Nom.  76  8. 2S8;2:!t9. 

III  8.  117-119. 

Ferdinand  Maria,  KorfUrst  von  Baicrn,  I 
S.  ^ ^ Note  16  Lit.  i untK^JH  8.  IM  • 
Noto  ^ Lit.  f.  II  S.  2.’>8— 260i  262/263; 
265-267.  Hl  S.  104/105;  151;  218-2>:L 

Ferdinands,  Herzogs  von  Baiern,  Reise  nach 
Italien  S.  54/55  Note  Lit  b.  Reise 
nach  Venedig  ebendort  8.  55/56  Lit.  d.  Zug 
nach  Köln  1 Num.  jJ9  S.  86/87. 

Ferdinands,  Herzogs  von  Baiem,  Reis«  nach 
Lüttich  111  8.  133  Lit.  b.  Reise  nach  Rom 
111  8.  mLit.  c. 

Finckh,  Georg  Philipp,  111  S.  138. 

Florenz  I 8.  54—55  Note  Lit.  b. 

Flussing,  Franz  Peter,  II  Num.  101  8.287/288, 

Fortitudo  leonina  u.  s.  w.  111  S.  154 — 156. 

Freher,  Marquard,  I 3.  109.  II  S.  22^4  mit 
Note  133.  galt  irrthfimlich  als  Verfasser  der 
baieriscb-pfaUlBchen  Genealogie  des  Dr.  Wi> 
guleus  Hundt  11  S-  22:1/224.  III  8.  149  in  | 
der  Note  2-14.  | 

Frei  sing  HI  Beil.  28  a 223/224. 

F r e 1 1 1 B d t in  der  Oberpfalz  III  Beil.  21 
8-  193/194. 

Friedriehl,  der  Siegreiche,  Kurfürst  der  Pfalz, 

I  Nnm.  M S.  ^ Nuni.  m 8.  91/92.  II 
8.  Note  14^  III  Beil.  13  S.  181/182. 


Friedrich  11,  Kurfürst  der  Pfalz,  1 Nom.  26 
S.  83t 

Friedrich  IH.  Kurfürst  der  Pfalz,  H S.  214/215. 
Friedrich  IV,  Kurfürst  der  Pfalz,  1 Nom.  31 
8.  BityOO. 

Friedrich  V,  Kurfürst  der  Pfalz,  III  S.  131 ; 

S.  l;l:i/KM  in  der  Note  ^ Lit.  e. 
Friedrichs,  Henogs  von  Neoburg.  Reise  nach 
Italien  und  Sieilieo,  1 8.  M ^ Lit.  e. 
Fütrer,  Ulrich.  II  Num. ^ 8. 179-197.  Vgl. 
auch  Num.  ^ S.  197—199.  III  S.  113 ; 
142/14:1. 


dallat  bei  Ooustantinopel  1^  8.  48. 
Qaribald,  Chronikschreiber,  II  8.197;  199/200. 
III  S.  iüL 

Geistliche  Versorgung  111  S.  ji>5. 
Genealogie  HI  8.  102—130. 

faaierische  I S.M.  l<it.  b.  d.  e ; S.  52/53 
Lit.  i;  S.  ^ Lit.  1;  Num.  1^  8.  58—61 ; 
Num.  2 S.  62/63;  Num.  6 8.^  Num.  9 
8.  ^ Num.  12  8.  69/70;  Nmn.  13  S.  70. 
II  Num.  ^ 8.  176—179;  Num.  M 
Num.  66-  68  8.  221-226;  Num.  72-74 
8.2:14-237;  Num.  87  8.  267/268;  Num. 
101  S.  287/-.^ ; Num.  102  8.  288/289.  IH 
Beil.  4_  8.  161/162;  Beil.  6 8.  163. 

leuchtenberg’sche  ^ Num.  ^ 8.  63 ; 
Num.  X S. 

pfülziiche  1^  8.  ^ Lit  1 ; Num.  1_ 
S.  58-61;  Num.  2 S.  62/63;  Num.  6 S.66; 
Num.  ^ 8.  66/67 ; Num-  9 — 14  S.  67—72; 

II  Num.  56  S,  176-179;  Num.  m S.  205: 
Num.66  -68  8.221— 226;  Num. 89 8.2691270. 

sponheim'ache  I*Nutn.  ^S.  66/67.  II 
Nnm.  80  - 82  8.  244—256;  Num.  m 8. 279. 

III  8.  127/128  mit  der  Note  232, 
stolberg'scbe  IH  8.  109  — 110  mit  der 

Note  217. 

wartenberg'sche  II  S.  240/241. 
zwe ibrückeu'scbe  I Num.  10  S. 67/68. 
HI  Beil.  IS.  m.  mit  der  Note  266. 
Genealogien  der  alten  Frankenkönige  1 S.  53 
Lit.  L zur  alten  Geschichte  I S.  AH  ff-  .ÜL 
Gejiealogiscbe  Absonderlichkeiten  111 
S.  122/123.  Licherlichkeiten  III  S.  128/129. 
Geographische  Anfzaichnungen  1 8.  43;  45. 
Georg  der  Reiche,  Herzog  von  B^ern-Landa* 


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4 


229 


but  11  8.  174.  Vgl.  «Qcb  das  Schlagwort: 
Landflhuter  Krbfolgelcrieg. 

Georg  Guata»  von  Veldenz  |_  Num.  S.  90. 
s.  Georgen  Brnderachaft  111  Beil.  S.  170. 
Germershein)  L 8.  .9L. 

Geschichte,  allgemeine,  deatsebe.  pfälzische, 

II  Nnm.  ^ S.  •J7i;272. 

Gewold,  Christof,  I S.‘l;t/84;  50-54;  Nura.^ 
S.  67.  II  Nnm.  72  8.  Num.  73 

8.  2H5/2JI6 ; Nutn.  1±  8.  236/237.  Vgl.  auch 
Nnm.  >t7  S,  267/268.  III  8.120/121:  1247125; 
150— l.V»;  162  ; 212—215. 

Goldene  Ballen  fbr  die  Pfalz  L B.  39  Tat.  e 
und  f.  II  S.  Ä 

Gregor  II,  Pahst,  III  S.  215  Lit.  i. 
Gretlina  Möhl  I Beil.  3 8.  106/107. 
Griechen  II  S.  194. 
r.  Günter,  Kaepar,  III  Bell.  _I5  8.  1>*4. 
Gustav  Philipps  von  Veldenz  Reise  nach  Schwe- 
den 18.^  Kote  16  Lit.  k;  Stadien  zn  Paris 

III  8.  LH/135  Note  ^ Lit.  g. 

Hachenberg,  Paul,  X Num.  34  S.  91/92; 
107—112. 

T.  Hallberg'Broich,  Freiherr,  II  8.  16>^. 
Harrer,  Peter,  X Num.  ^ 8 80/81. 
Hechenstaller  L S.  ÜÜ.  Note  HI  Lit  o. 
Heidelberg  I 8.  4^  ^ Nnm  21  S.  78; 

Num.  26  c S.  ÜiL 
Heiratsfragen  III  S.  103/104. 

Herzog,  Bernhard,  I S.  HO.  lU  Beil.  X 

8.  Hü. 

Hiltersried  II  8.  225. 

Hirschberg  X 8.52  Lit.  h. 

V.  Hoch  berg,  Peter,  X Num.  27b  und  c 8.  8.5. 
Hbrwart  von  Hohenburg,  Johann  Georg,  III 
S.  212-214;  ^ in  Lit  L 
T.  Hüvel,  Otto,  X Nnm.  27d  8-  85/86. 
Hoffmann,  Johann,  HI  S.  137- 
Hollabrunn  II  S.  275/276. 

HoIUndt.  Bernhard,  II  Num. ^ S. 280-283. 
Hagenotten  X Kuin.  27_  S.  84—86;  Num.  28 
8.  Mi.  80  S.  87—89. 

Hundt,  Wiguleua,  X Num.  9^  8.  67;  II  Num. 
m S.  221—225;  Num.  ^8.  225;  Num.  §S 
S.  225/226.  III  8.  144. 

Hussiten  II  S.  225 ; 254. 


i Jagersuppe  der  Gräfin  und  bald  Herzogin 
J Ludmilla  11  S.  204^-205 ; 237/238. 

I Jesu  Christi  Geburt  II  S.  201. 

I Innsbruck  I S.  ^ Note  HI  Lit.  d 

Id stitntiones  juris  Justinianei  I Kote  16 
j S.  55  Lit.  c.  HI  8.  m Note  ^ Lit  g. 

I Interesse,  sogenanntes  des  Kaisers  Maiiini- 
lian  L Vgl  II  a ^ 

J o h a n ^ Xl  Herzog  von  ZweibrQcken,  III 
8.  111/112  mit  der  Note  220 : 8.  145 ; 
148/149. 

Johann  II,  Herzog  von  Simmern- Sponheim, 

I S.  47.  Lit.  o ; Num.  ^ S.  64:  Num.  ^ S.  ^ 

II  8.  166/167  ; 173/174;  Num.  §£  8.  214— 
219;  Kam.  S.  219—221.  III  8.  IW  mit 

1 der  Note  213;  S.  121  mit  der  Note  2.‘h> ; 

I 8.  Hin  mit  der  Note  233. 

I Johann  III,  König  von  Spanien,  I 8. 44  LH. e. 

Johann  Friedrich,  Herzog  von  Nenburg^Hilt* 

' polUtein , III  8.  131  mit  der  Note  234. 
Johann  Kasimir,  Pfalzgraf,  II  S.  232—234. 
Johann  Ludwigs  von  Sulzbach  Reistm  I 8.56/57 
Note  M Lit.  h. 

Judenvertreihung  aus  Landshut  unter  Her- 
zog Ludwig  dein  Beicben  II  8.  196 — 197. 
Jblich'flcbe  Erbfolge  X^-  ü®  Note  16  Lit.  f- 
Julius  Caeear  II  8.  182—186  ; 2^ 

Kärnthon  II  S.  195^  111  S.  21j^ 

Kaiser  und  Pabst  £ Beil.  II  S.  10.5/106. 
Karl  IV,  Kaiser,  II  8.  ^ Note  I4L 
Karl  VI.  Kaiser,  III  S.  HÜ, 

Karl  Xll,  König  von  Schweden,  I Kam.  20 
S.  77. 

Karl  Albrecht,  Kurprinz,  Kurfürst,  Kaiser,  X 
I S.  57/5H  Note  16  Lit  m;  8.  59  Note  X® 

I Lit  ^ p,  q;  Num.  38-  40  S.  95 — 97.  III 

i S.  103/104  mit  Note  209:  S.13.VI36:  BeU.l9 

S.  188/189;  S.  193. 

Karl  Ludwig,  Kurfürst,  £ S.  111. 

Karl,  Herzog  von  Burgund,  II  S.231  Note  142. 
Karl,  Prinz  von  Lothringen,  III  S.  HM)  Note 
273. 

Karls  des  Grossen  Geburt  II  S.  186 — 189. 
Karten  von  Baier»  111  8.  137  Lt8. 
K-eilholz,  Johann  Friedrich,  lll  Beil.  21 
ö-  193/194. 

Keller,  Johann,  111  S.  152;  221  in  Lit  L 
Kepler,  Martin,  1 S.  55  Note  16  Lit.  c. 

~ 30~ 


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230 


KUiao,  Wolfgang,  Kapfersteober,  II  S.  2iih, 
Kirkfll,  Amt,  I Nnm.  42  S.  ^8/99. 
Elein'Frankreicb  1 Nom.  41  8.  U7/98. 
Kneopell,  Jobguin  Jnkob,  II  8.  244 ; 24<i. 

III  8.  126—128  mit  der  Note 
Köln  iS.  _ü  Lit.  e. 

Kölner,  AagusÜn,  8.  H2;  Num.  ^ 8.  62/6H. 
II  Num.  W 8.  Num.  ^ S.  205  -212; 
Nam.  M S.  212-214. 

Kölner  ChronikGo  ^ S.  il9/  t0 ; 105/106. 

E ö 1 n i a c b e Reichsconferent  II  Nnin.  08  d 

S.  '2Ki. 

Kölniaeher  Krie;^  I Num.  20  8.  86/87, 
König,  David,  II  Num. ^S. 257 — 258;  Nom. 
m S.  268/260. 

Konrad,  Prinz  von  Polen.  Biacliof  von  Paaeau, 

II  Bei).  8.  205/296. 

Kopenhagen  I 8.  56  Note  16  Lit.  e;  S.  57 
Lit.  k.  " “ ~ 

Krau»,  Wolfgang,  von  Gunzenhauaen,  I 8.49  50 
Lit.  q und  r. 

Kreicbgau  l_  8.  »7/98. 

Kremer,  Christoph  Jakob,  11  Num.  lüi 
S.  290-292. 

Kanataebatze,  französische , des  Herzogs 
Ludwig  im  Barte,  II  S.  194/195, 

Kur,  Kurfürsten,  I_  S.  .'1^—36;  Lit.  e 
und  f ; 45/46  Lit.  II  S.  203/204;  215. 

III  S.  LÜ  in  der  Note  2^4* 

Knrpfalz  I 8.  ^ Lit.  e und  f;  Num.  44 

8-  lOL  II  Num.  _75  S.  227/288. 

Landesthoilungen  Baierns  II  Num.  53 
B.  174;  8.  192/193;  222.  111  Beil.  8 S.  17Q, 
Landahut,  Rentamt,  l^Num.  S.  100/101. 
Landahuter  Erbfolgekricg  ^ Num. 22  8.79/^; 
Num.  ^ 3.  ^ II  Num!!  ^ 8.  220—229; 
240.  m S,  mit  Beil.  15  S.  If<4;l85. 
Landshutiscbe  Regiatratur  Bulainls  II 
S.  'ML 

Langucd'oc  II  8.  1H9. 

Lehmann,  Christoph,  I 8-  110. 
Leuehtonberg'ache  Genealogie  1^  Num.  ^ 
S ^ Num.  7 S.  66. 

Lie b,  Johann,  I 8.  36;  52  LU.  L 
Licbtenberg,  zweibrücken'achtis  Amt,  II 
8-  Mi  Ml  ni  S.  137. 

Lipsii  Politik  Ul  8.  135  Note  238  Ltt.  g. 
Lombardische  Krone  lll  Beil.  12  8. 180/181. 


Lorch-PaasattVlier  Bischofakatalog  des  Thomas 
Ebendorfer  II  Num.  ^ 8.  273 — 276  mit  der 
Beilage  8.  293  -2iiQ. 

Loretto  I S.  58  Note  16  Lit.  m. 

Lnck,  Joünn  JiTkob,  iFTBeil.  ^8.  194. 
Ludwig  der  Baier,  Kaiser,  I Beil  2 8. 105/106. 

II  8.  !7M  192/193;  206  mit  der  Note 
Num.  62d  8.  210-212;  S.  ^in  der  Note 
131;  8.  236.  III  8.  151—158;  154—156; 
Beil.  8 S.  _I71_^  Beil,  m 8.  197—211;  BeU. 
^ S.  223/224;  Beil,  S.  224,225. 

Ludwig  der  Kelheiiner,  Herzog  von  Baiem,  II 
Num.  47  S.  lM/165;  S.  17^  U8  in  der 
Note  9^  8.  204/205  ; 284/285.  UI  Beil.  8 
ö-  169/170;  Beil.  9 8.  173. 

Ludwig  der  Reiche,  Herzog  von  ßaiem-Lands- 
hut,  n 8.  195/196. 

Ludwig  der  Strenge,  Herzog  von  Baiern,  111 
Beü  ± 8.  170/171. 

Ludwig  im  Barte.  Herzog  von  Baiem  •Ingol- 
stadt. II  S.  194  195. 

Ludwig  IV,  Kurfürst  der  Pfalz,  I^  S.  54. 
Ludwig  VI,  Kurfürst  der  Pfalz,  II  8.  221. 

III  8. 108/109  mit  den  Noten  ^ und  2^ 
8 Beil,  fl  S.  174. 


Mindl,  Jotunn.  l 8.:H.  lll  Büil.aO 
Maillot  de  la  Treille  lll  S.  135  Nut«  23S Lit.  1. 
Mannheim  I_S.  ^ Note  Lii  p. 

Manz,  Kaspar,  I^S.j^mit  den  Noten  2 und ^ 
Maria  Anna,  KnrfUratin  von  Baiern,  111  8.151; 
Beil.  :äa.S.  216-221. 

Maria  Theresia,  Kaiserin,  III  Beil.  20  8. 189— 

193. 

Hartinianus  II  8.  iflTi  m.  lll  S.  139. 
Matthias  von  Kemnat  1 8-  01 ; 110. 
Mazimilian  Herzog  und  Kurfürst,  lll 
8.120/121;  147—153;  Beil.  H 8.211-216; 
BeU.  ^ S.  216—223;  Beil.  ^ S.  223/224; 
BeU.  m 8.  224/225. 

Maximilian  Emanuel,  Kurfürst  von  Baiem, 
^ Num-  1^  S.  72—74;  Num  ^ und  ^ 
8. 92— Ü5  II  8.  260  ; 26X  IIl  8.  Note 
20^>;  S 154—156;  Beil.  U_  Ö.  182—18:1. 
III  S.  LilL 

Meisen  heim  11  8.  258;  269. 

dei  Minueci,  Mtunccio.  lU  8.  145  Note  2Ar'*. 

Monza  III  Beil.  12.8.  ML 


\ 


i 


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231 


MQncheD  II  8.  28Q/2S1.  III  8.  117—121; 

Beil  IQ  8.  17fi;  8-  isH/lftQ;  8.  210.'21I. 

M Q ns  ter’Bcber  Frieden  II  Nnm.  *j8  8.  2HQ-  282. 
M&nzer»  ThomM,  1 8. 

^ abburg  ^ Num.  ^ 8.  102, 

NativitäteD  III  S.  106  mit  der  Note  213. 
Nenbnr^er  Schloss  III  S.  117 — 120. 

Nickel,  Goswin,  Jcsuitengeneral,  II!  Bei).  28 
S.  216  -223. 

Kiederm &D8 ter  in  Begensbarg  II  8.  ^7. 
Nikolaas  von  Bnrgaod  so  Ingolstadt  III 

S.  liL 

Nimweger  Frieden  II  Nam.  ^S.  257.'258. 
Nordgau  II  S.  199; 200;  203. 

N 0 r i c a II  S.  2Q2. 

Noricum  II  S.  201. 

T.  NostiSf  Graf,  111  S.  10:1  in  der  Note  209. 
Nuntiatur,  pabstliche,  zu  Wien,  III  S.  193. 

T.  Obermajrr,  II  Num.  62c  S.  209/210. 
Oesterreich  II  S,  217—2I9;  Nom.  79  ! 

8.  242—244;  Num.  ^ S,  277, 278.  III 
8.  10:V1Q4 : Beil.  3 S.  160/161 ; Beil.  8 
8.168^69;  BciUl  S.  177—180;  Beil.  17  and 
18  S.  186—18«,  8.193:  Beil. 26  S.  197-211. 
Oljmpiadenzähtnng  II  8.  200. 

0 r]  e a D s^scher  Erbechaftsetreit  1 Num.  12  i 
S.  75/76.  III  8.  Uö  Note  ^ Lit.  ju  ' 

OsnabrQck'scber  Frieden  II  Num.  98  8.  280—  I 
21Ü  I 

Otilo,  Hcaog  Ton  Batem,  II  8.  203.  III  ; 
Beil.  8 S.  165. 

Ott 'Hein  rie  b,  Herzog  von  Neubarg,  später  | 
Kurfürst  der  Pfalz,  ^ 6.  ^ mit  den  Noten  | 
^ und  ^ Num.  ^ 8.  ^ II  S.  194/195.  | 

III  Beil.  9 S.  iia*  I 

Otto  von  Wittelsbacb.  Henog  von  Daiem,  I | 
S.  ^ II  8.  ^ mit  der  Note  90;  S.  178 
in  der  Note  ^ S.  2^  III  S.  145/146;  ! 

Beil.  8,  S.  Beil.  9 S.  11^  Beil.  10  } 

8.  m I 

Otto  der  Erlauchte,  Herzog  von  Baiem,  II 
S.  176;  178  in  Note  9^  285^  III  Beil.  8 
S.  ITJii  Beil.  ^ 8.  Ä 

Otto»  Herzog  von  Niederbaiern,  König  von 
Ungarn,  III  Bei).  ,^8.  171. 

Otto,  Abt  von  Prüfening,  1 Nom.  ^ S.  92; 
Bell.  L 8.  112* 


Otto,  Markgraf  von  Brandenbarg,  I Beil.  ^ 
S.  106^07.  III  Beil.  8 S.  172. 


I Pabstbnben  UI  8.  14fL 
I Pabatthain  11  S.  2:i0  mit  der  Note  140. 

Padaa  LS.  AL  Note  liL  Lit.  h. 
j Parens,  Daniel,  IS.  109. 

Passau'scher  Biscbofskatalog  des  Thomas  Eben- 
dorfcr  II  Num.  92  8.  273—276  mit  der  Bei- 
lage 8.  29:1-2907 

Patriarchie  in  Oceterreich  111  S.  193. 
Patrick,  Johann  Baptist , U Num.  103 
S.  289/290.  III  S.  194;  Beil.  ^ 8.  196/197 
mit  der  Note  277. 

j Peterlinge  II  Nnm.  iq3  S.  289/290. 

I Petrarca,  Franz,  II  S.  197;  199.  III  8.  1:^9. 
j Pfälzische  Füratenlinien  ^ Nom.  S.  69; 
Num  2^  S.  69/70.  II  Num,  66.  and  ^ 
S.  221—225;  Num.  90  8.  271 '272. 
Pfälzische  Orte  L Num.  41  8.  97/98 : Num. 
^ 8.  98/**9.  II  Num.  ^ 8.  257/258;  Nnm. 
^ 8.  268/269. 

Pfulz-BirkcnfeU  111  Beil.  JL  8.  159 — 160. 
Pfalzgrafen  Name  II  8.  215 ; Rechte  II 
S.  21A, 

Pfalzgrafen  von  Trier  und  bei  Rhein  II 
Nam.  liiLS.  202  -205. 

Ff  a D d s c fa  a f te  n,  baierische,  11  Num.  63 

8 212—214. 

Pfanenzcbwanz-Genealogicn  III  8. 122/12:1. 
Pfedersbeim  L Num.  ,2L  S. 

P.bilipp,  Kaiser,  UI  Beil.  8^  S.  16«. 

Philipp  Ludwig,  Herzog  von  Neuburg,  III 
S.  in  der  Note  2:t«  Lit.  a 
Philipp  Morii,  Kurprinz,  ^ S.  ^ Note  .16 
Lit.  0. 

Pi  Igel,  Joliann  Jakob,  LNum.  S.  72 — 74. 
111  Beit.  1 S.  lAlL 

Pirkher  von  Pirkh,  Johann  Paul,  111  8.  132 
mit  der  Beil.  ^5  S.  1H5/1«6. 

Pölet,  Georg,  L 2^uin.  27a  S.  84^ 

Foitiers  I Num.  3Üd  3. 

Porträte  baierisclier  Fürsten  und  Fürutin^ 
111  8. 108  in  der  Note  216:  8. 117—120:  122. 
Portugal  I S*  4^ 

Praeeedenz  und  Pmeeminenz  Buenu  vor 
Oesterreich  U Num.  ^8.  277/278. 
Pregitzer,  Johanu  Ulrich,  I Num.  16  8. 74/75. 


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232 


?.  Preysiog,  Maximilian,  Graf.  1 8.  -^7  Note 
Ifi  Lit.  ! ; ^ Note  ^ Lit.  p. 
PrimofireDitnr  in  Baiem  II  S.  240. 


KiJer,  Mitthäa»,  III  8.  14»— 152;  212—21«. 
Bapbaelf  Sanzio.  III  S.  18D. 

Rappoltstöin  III  Beil.  ^ 8.  li*4 ; Beil.  ^ ; 

S.  194/10>>  mit  iler  Note  ‘27 f> ; Bell,  ^ und 
2iS.  m— 197. 

Rebdorffiana  regiatratara  8.  ^ LU.  h. 
Regeniburg  ^ Nnm.  JO  8.  lU2/l<yi. 

Reichard,  Herzog  tod  Simmem-Spoohcira.  I 
8.  ^ II  8.  Ifiti/lfi".  III  S.  lOS— 112. 
Reichshofratb  III  S.  190 — 192. 

Reiehttag  zu  Begenaburg  im  Jahre  1613:  I 
S.  56  Note  ^Lit  g.  ini  Jahre  1604:  eben- 
dort 8.  ^ Nöte  16  Lit.  i ; III  8.  IM  Not« 
2^Lit.  f-  zu  Speier  im  Jahre  14M:  II  S.  ‘230. 
Reichavicariats-Vergleieli  zwUchon  liaieni 
nnJ  der  Pfalz  II  S.  ‘283. 

Reimchroniken  II  Num.  04  8.214 — 219; 

Num.  fiüS.  219-2*21.  lil  S.  12lL 
Reime  Aber  baicriaclie  und  pfälzische  Fürsten 
X 8.  ^ Lit.  o;  Num.  S.  58 — 61 } Num.  5 
8.  64/66.  n Num.  ^ S.  176;  Num.  66 
8. 178/179 ; S.  2H5.  HI  S.  125/126;  Beil.  9 
8.  172-174. 

Beiaediarien  L Note  IfLS.  54-59.  IH  Note 
2:18  s.  133-I:i5. 

Reise  nach  Conatantinopel  I 8.  48/49. 

Reiterei,  deutoche,  HI  8 132  mit  der  Beil. 

M.  185/186. 

Residenzbrand  zu  München  im  Jahre  1674: 

11  8.280/2K1;  im  Jahre  1729:  Ul  8.188/189. 
Residenien  zu  München  III  8.  117—121; 

Beil.  10  S.  8.  210/211. 

Renber,  Jualna,  II  8.  167  Note  82.  III  S.  107 
mit  den  Noten  216—220. 

Keuiner,  Elias.  1 8.  M X3t.  e. 

Reusner,  Nikolaus,  1.8. Lit.  a. 

Kindsmaul  111  Beil.  ^ 8 199/200. 

Rodler  oder  HOthler,  Matthias,  1 Num.  6 
S.  ^ II  8.  220/221  ■ 

Rom  S.  55  Nöte  Lit.  c ; S.  ^ Note 
Ut.mj  S.^Note  16  Lit.o.  II  S.  171/172; 
180—186. 

Rüdiger  Ton  Kadeck,  Bischof  von  Passau,  11 
in  der  Beil.  8.  29:1 — 296. 


Rudolfs  II.  Kurfürsten  der  Pfalz,  Grab  II 

S.  2111  Note  14L 

Rulands  landsbotiacbe  Registratur  II  8.  239» 
Rumei,  Johann.  IIl  8.  122/12:1. 

Sachsen  J 8.  45  Lit  h;  47/48;  50  LU.  r. 
Salzburger  Bauernaufstand  H Num.  93  S.  276 

und  277. 

Sammelbände  LS.  — 64. 

Scbard,  Simon,  111  S.  144- 
Scheiblig  Kirchlein  zu  Altötting  111  BeiL  J 
8.  IRtL 

Scbeiern  III  S.  116/117;  Beil.  8 8.  166-170. 
Scheiern’ Wittetsbach'eche  Genealogie  II  Num. 

87  8.  267/268. 

Scheiern* Wittclsbach'sche  Gcscblechtstafel  11 
Num.  47^  8.  164/16;‘>. 

Scbildberger,  Johann,  II  S.  194. 
Schwebet  Heinrich,  I Num.  b S.  ^ 
Sehweintzer  III  UaiT.  S.  S.  TTO. 

Scioppitts,  Kaspar,  IIl  8.  114  und  Beil.  5 
8.  162. 

Seckenheim  1 Nnm.  ü S.  Jä.. 

Sedan  III  S.  1:13/1.34  in  der  Note  23H  Lit.  e. 
T.  Senkenberg,  Heinrich  ChristiaD,  III  S. 
190/191. 

Serenitas  III  Beil.  ^ 8.  102. 

T.  Sejssel  d'Aix,  Graf,  I Num.  39  S.  95/96. 
Sil  Tan  US,  Johanne«,  Kellner  zu  s.  Martin  in 
Kein.  II  S.  in  der  Note  ^ lU  8.  107 
in  der  Note  216. 

SilTio.  Enea.  1 8-  43;  45. 

Sleidani,  Joannis,  de  quatuor  summis  imperib 
UI  8.  13L 

SpaUer.  Georg,  IIl  Beil.  28  8.  217—223. 
Speierer  Reichstag  des  Jahre«  1451.  VgL  II 

S.  ML- 

Speoer,  Philipp  Jakob,  I Nutn.  14  S.  71/72; 
Num.  SH  8.  25ii/'257. 

Spirensis  anonymos  II  8,  229/230  III  Beil. 
1^8.  181/182. 

Sponheim'iche  Genealogie  I Nnm.  8 8.  66/67. 

II  Num.  80  S.  244;  Num.  ^ S.  246/246; 
Num.  «2  8.  246-256;  Num.  ^ S.  279. 

III  8.  127/128  mit  der  Note  232. 

G^chicht«  II  Num.  U>1  S.  21*0 — 29*2. 
Stammtafel  II  8.  244.  Vgl.  insbeeondere 

Num.  m.  8.  246  -2.56. 

Wappen  IIl  S.  110/111  in  der  Note  218. 


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233 


Stammb&mne  nnd  StEromtareln : 

bateriaehe  L S.  ^ Lit.  i;  Nam.  1 
S.  58—61 ; Nnm.  2 S.  62/6?t;  Snm.  4 S.  64 ; 
Nam.  Ä 8.  in.  II  Nam.  ja  S.  167—171! 
S.  171  in  Nam.  Mi  Nam.  74  8.  286/267. 
in  8.  llH/105;  126/124;  Beil.Ji  3.  161/182; 
Beil,  a 8.  1£2. 

leachtenberg'ache  I Nnm.  1 S.  ^ 
Nora.  1 8. 

pfüliiacho  1 8.  ^ Lit  i;  Nuin.  1 
8.  58— 61  j Nnm.  1 8.  66/67;  Nam.  9 8.  67; 
Nam.  17-20  8.  75—78.  II  Nom.SÜ.8.  167— 
171 ; S.  ^ III  8.  104/10.5;  123/124. 

sponlieim'ache  I Nam.  ^ 8.  66/67. 
II 8.  244.  Vgl.  inabeaQiwlere  Num.  82  8.  246— 

- 

Werten bcrg'ichfl  II  S.  241. 
zweibr&eken’scho  III  Üeil.  X S.  ifiA 
mit  der  Note  2r>6. 

StftmmenbQCb,  bAierisches.  des  Johann  Aven* 
tin.  II  Num.  61  S.  2Ö.>. 

Stammtafeln.  S.  doM  fkhla^ort  Stamm- 
baame. 

StarnberR^  II  S.  261. 

Stegbuecher,  Anton,  III  Beil.  4 8.  161/162. 
Y.  Stein,  Heinrich,  III  Beil.  16  S.  1^. 
Steinbeil,  Friedrich  Albrecbt,  111  Beil  % 
S.  1.WI60  : Beil.  ^ S.  194/195. 

Stella,  Tilemann,  1 Nnm.  42  8.  98;09.  111 
S.  136/137  mit  der  Note  240.  . 

8tr au b i D g 'eche  Erbschaft  II  Num.  91  8.  272. 
Strein,  Reichart,  zu  Scbarfenaa,  lU  Beil. 

8.  177— m 

Stadien  fUratUcher  Frinzon  111  S.  U15 
Note  Lit.  e and  g. 

Sthrzelbrnnn  1X1  Beil.  7 8.  IfU  in  der  Note 

266. 

Salzbach  II  S.  200. 

Summaria  registrata  ra  tabalarii  boici  des 
Michael  Arroden.  II  Num.  £2.  S.  226—229. 
Suntheim,  LadislBUs,  II  Num  56  S.  176— 17U. 

Tabakraonopol  111  8.  138, 

Tafel  in  der  Kirche  zum  heil.  OeUt  in  Heidel* 
borg  I Nam,  21  8.  78. 

Tafel  zu“ Scheiem  II  Num.  47  S.  164/165. 
TagebQcher  I.  Num.  ^ 8.  81 : Num.  ^ 
S,  86/H7;  Nimi.  jU  S.  89/90;  Nam.  38—40 
8.  95—97.  m Beil.  ^ 8.  188A89, 


Tapeten  lU  8.  mit  der  Note  2^10;  Beil. 
1X8.  174—176. 

Taaetlo,  Herzog  von  Baiem,  1 Num.  X S.  61. 

HI  Beil.  £ 8.  Ifi^L  S.  ili*  Lit  1 
Tegerneee  II  S.  172. 

Teppiche  111  8. 121  mit  der  Note  2:t0;  Beil.  10 
8 174-176. 

Thaurotb,  Johann,  I^S.  Lit.  f. 
Tbeatrnm  rirtutU  et  gloriae  boieae  111 8. 125 ; 

I.M 

Tbeodo,  Herzog  von  Boicrn,  I Nam.  1 8.  60/61. 

III  Beil.  8 S.  16^  S.  211  Lit  L 
Theodolindc,  Königin  der  Ijingobarden , 111 
Beil.  Li  S.  m 

Therese  Kunigunde,  Kurfürstin  von  Baicrn,  I 
8.  ül  Note  IIL  Lit.  L III  S.  LüL 
Thomas,  Hubert,  aus  Lüttich,  I^  Nom.  26 
8.  8X 

T.  TUly.  Wcrnher,  Graf,  in  Beil.  21  8. 193/194. 
Titulatur  III  Beil.  A 8.  LLL 
Tolner,  Karl  Ludwig,  II  Num.  89  S.  269/270. 
Traushit,  Trausnitz,  III  8.  200. 

Trier  II  Num.  ÜX  S.  202—204. 

Trithemius,  Johann,  I 8.92;  110.  II  Num.  52 
S.  172—174;^ 

Truchsess'scher  Krieg  I Num.  29  8.  86/H7. 
Türkei  1 8.  4></49.  11  8.  193/194;  264. 
Tuscbelin,  Gail,  II  Num.  95  S.  278/279. 

V-  Unertl,  FranzJoaeph,  Freiherr.  II  Nam.  99 
S.283-2X);  Num.  lOt)  S.  286/287.  III  Beil. 
3 S-  160/161 ; Beil.  H und  18  8.  186-188. 
Ungarn  18.^  Lit.  f;  48;  59  Note  16  Lit.  n. 

n 8.  lliX 

\'eechietti,  Girolamo,  III  S.  153;  Beil,  ih) 
S.  224/225. 

Venedig  18.  Note  16  Lit  in. 
Verlaszensehaft  des  Horzogs  Georg  des 
Reichen  von  Baiem-Landibut  L Nnm.  Ji2 
8-  79/80;  Num.  8.  00.  II  Num.  ^ S. 
226-229;  2^  III  S.  I.‘l2*mit  Beilage  15 
S.  184/185. 

Verona  18.  Al  Lit.  c, 

Vervaaz,  Johann,  111  8.  151 ; Beil.  2B  8. 
216-223. 

Verwandtschaftatafeln  L Nnm.  14—16 
S.  71—74.  III  Beil,  i und  X S.  150/160. 
Vohburg  II  8.  294. 


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I 


234 

Ws  mpl,  Jolunn  Seliaatiaii,  I_  S.  36/37  mit 
der  Beil.  8.  104/105;  Nom.  :W  8.  00; 
Nnm.  46  S.  102,103.  U Nom.  77  8.1519 -241; 
Nom.  7«  8.  241  242:  Nom.  7ä.S.  242-244; 
9.  m III  S.  HM/10.5. 

Wappen  Ton  8imraem  II  8. 257 ; von  Sponheim 
m S.  110  111  in  der  Note  218. 
Wappenbücher  III  S.  109  in  der  Note  216. 
Wappensammlong  dea  Philipp  Apion  Ili 
S.  1.S7/1:»«. 

Wartenherg'tchea  Oeechleoht  II  S.  240/241. 

Weiner,  Peter,  IH  3.  13Hj 

Welfen  II  8.  111  Beil.  8 8.  168/169; 

8.  ns.  Lit  L 

Wcloer,  Marx.  lU  8.  147—150;  Beil.  1^8. 

180/181;  Beil.  ^ S.  211-216. 

Weleer,  Paal.  III  8.  149. 

Woleer,  Philippine,  1 8.  56  Note  16  Lit.  d, 

W er  n h e r aus  dem  Grafengeeehleehte  vonScheiem 
lU  Beil.  8 8.  166/167. 

WeetphSllacher  Frieden  II  Nnm.  98  8.280— 

2S2. 

W idem  an  Dp  Earl,  Stadtph^sictu  ro  Angebarg, 
III  Note  Ä S.  177—180. 

Wiedertäufer  IS.  Äl* 

Wien  n S.  ZcA  mit  der  Note  üü*a  UI  S.  1U5 
Note  ^ Lit  h:  Beil.  ^ S.  189-19S. 
Wildfangiatns  |_8.  111. 

Wilhelm  IV,  Herzog  von  Baiom,  1 Nnm.  25 
S. 

Wilhelm  V,  Herzog  von  Haiern,  111 S.  117  — 1*20; 
145;  U7. 


T.  WUbelm,  Franz  Xaver  Ignaz,  I Nom.  87 

8.  94/95. 

W i t e k i D d,  Hernuuiu,  II  Num.  71  8.  2.*t0 — 2.'H« 
III  8.  14.V146. 

Wolf,  Johann,  I Nphl  ‘28  8.  Nnnu  30  S. 
87—8». 

Wolfgang,  Herzog  von  Zweibrücken  and  Neo> 
bürg,  1 Nnm.  27  und  28  S.  M — 86;  Nom.  iK) 
8.  87—89;  Nnm.  ^ S.  98/9». 

Wolfgang  Wilhelms  von  Neubarg  BQckreise 
aus  Üfioemark  18.^  Note  Lit.  e; 
Keisi*  nach  Prag  ebendort  Lit  I;  Reise  nach 
Paris  III  8.  I.‘t9  Note  Lit  d. 
Wolfstein  I Beil.  3 S.  106/107.  III  Beil  8 
S.  112. 

Wormser  Chronik  II  Num.  »7  8.  279/280. 
Wjngarten.  Adrian,  tu  Heidelberg,  III 3. 128 
in  der  Note  *2^12. 


Ziegler,  Hieron)iDaB,  zu  Ingolstadt,  Ul  S. 

126:  144. 

Zniesins,  Kaspar,  II  Num.  80  8.  244;  Num. 81 

S.  ‘245/246.  Vgl.  auch  Num.  ^8.  246—2.56.  4 

UI  S.  127vl*28  mit  der  Note  2:12. 

Zucebi,  Bartolomeo,  aus  Monia,  111  Bell.  12 

S.  180/181.  'iii 

ZweibrQcken,  Amt,  I Nura.  42  8.  98/99. 

II  S.  258;  269.  Genealogie  I Nura.  ^8.  ^ 

67/68;  Num.  U S.  ^ Num.  ^8.  77/78.  i 

IJl  Beil.  1 8.  164  mit  der  Note  2(;6.  Her-  I 

zogthum  II  Num.  84  S.  257/258;  Nom.  88  I 

S.  268/269.  * 

I 

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I 


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